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250<br />

INHALT<br />

Leidenschaftlich für Europa - Von der Vorortsübergabe > 251<br />

unitas 4/2011<br />

Wort des Vorortspräsidenten >255<br />

Bilder von der Vorortsübergabe <strong>in</strong> Essen >256<br />

Mehr Zivilcourage: Zum 100. Stiftungsfest der Ruhrania >258<br />

Bbr. Kastler MdEP: Zuversicht <strong>in</strong> stürmischen Zeiten >260<br />

AGV <strong>in</strong> Berl<strong>in</strong>: Politik und Studenten im Gespräch >262<br />

Den Aufbruch wagen: Der AHB-/HDB-Tag <strong>in</strong> Mannheim >267<br />

Brandaktuell: Christenverfolgung heute >272<br />

Nachfolger gefragt: Bbr. Dieter Krüll vor Unruhestand >275<br />

Ungewisse Zukunft: Berichtet aus Caracas/Venezuela >276<br />

News: Vermischte Nachrichten >279<br />

Zur Dynamik des Sicherheitsbegriffs im modernen Staat >282<br />

Appell: Internationales Friedenstreffen <strong>in</strong> München >286<br />

Robert Schuman: Politik als Dienst am Nächsten >288<br />

Deutschlandreise: Papst Benedikt auf allen Kanälen >290<br />

Aus dem Verband >297<br />

Personalia >306<br />

In memoriam >309<br />

Forum / Zwischenruf zur „Piratenpartei“ > 312<br />

Medien > 315<br />

Geburtstage im Dezember / Januar / Februar<br />

> 317<br />

unitas<br />

Zeitschrift des Verbandes der wissenschaftlichen<br />

katholischen Studentenvere<strong>in</strong>e UNITAS<br />

ISSN-Nr.0344-9769<br />

Herausgeber und Verlag<br />

Verband der wissenschaftlichen katholischen Studentenvere<strong>in</strong>e UNITAS e.V.,<br />

Aachener Str. 29, 41564 Kaarst (Büttgen)<br />

Verbandssekretär<strong>in</strong>: Marianne Hübers<br />

Öffnungszeiten: Mo-Do von 09.00 bis 13.00 Uhr, Fr. nicht besetzt<br />

Tel. 02131 271725, Fax 02131 275960, E-Mail: vgs@unitas.org, stiftung@unitas.org<br />

Homepage: www.unitas.org<br />

Vorort: UNITAS Franko-Saxonia Marburg<br />

Sybelstr. 1, 35037 Marburg<br />

Vorortspräsident: Kilian Schmiz<br />

Tel. Mobil: 0176 64209082, E-Mail: vop@unitas.org, kilian.schmiz@web.de<br />

Verbands-Konto: PAX-Bank Köln, Kont0-Nr. 28 796 013, BLZ 370 601 93<br />

Spendenkonten:<br />

Stiftung UNITAS 150plus:<br />

Pax-Bank e.G., Köln, Konto-Nr. 322 300 16, BLZ 370 60 193<br />

Bank für Sozialwirtschaft, Konto-Nr. 80 61 000, BLZ 370 205 00<br />

Soziales Projekt:<br />

Spk KölnBonn, Konto-Nr. 7161, BLZ 370 50 198<br />

Schriftleitung:<br />

Dr. Christof M. Beckmann, Hülsmannstr. 74, 45355 Essen-Borbeck,<br />

Tel. 0201 664757 (p), E-Mail: unitas@unitas.org<br />

Hermann-Josef Großiml<strong>in</strong>ghaus, Rhe<strong>in</strong>str. 12, 53179 Bonn,<br />

Tel. 0228 211487 (p), 0228 103268 (d), E-Mail: H.Grossiml<strong>in</strong>ghaus@DBK.de<br />

Der Bezugspreis der unitas beträgt 2,50 Euro zzgl. Zustellgebühr. Für Mitglieder des<br />

UNITAS-Verbandes ist er im jährlichen Verbandsbeitrag von 60,- Euro enthalten.<br />

Namentlich gekennzeichnete Beiträge stellen nicht <strong>in</strong> jedem Fall die Me<strong>in</strong>ung der<br />

Redaktion dar.<br />

Fotos: C. Beckmann, C. Bluemer,<br />

H.-J. Großiml<strong>in</strong>ghaus, KNA, privat.<br />

Druck: Druckerei Pomp, Bottrop<br />

Redaktionsschluss für die Ausgabe 1/2012: 19. Dezember 2011<br />

Editorial<br />

Liebe Leser,<br />

liebe Bundesschwestern<br />

und Bundesbrüder!<br />

Unser Titelbild könnte fast von jedem Strand der Welt stammen<br />

– wenn dort nicht gerade Ölklumpen und tote Wattvögel sortiert<br />

werden oder wenn nicht kürzlich Tsunamis unterwegs waren.<br />

E<strong>in</strong>e Urlaubsidylle: Friedlich plätschern die Wellen ans Gestade,<br />

e<strong>in</strong>e E<strong>in</strong>ladung zu langen Spaziergängen vor e<strong>in</strong>em gigantischen<br />

Horizont <strong>in</strong> gesundheitsförderndem Reizklima – viel frische Luft<br />

und Auslauf für die Augen.<br />

Früher trug man Eulen nach Athen …<br />

Die tagesaktuelle Szenerie allerd<strong>in</strong>gs hat derzeit nicht so viel<br />

Idyllisches zu bieten. E<strong>in</strong> Reizklima der anderen Art. Nach der Ebbe<br />

kam die Flut – e<strong>in</strong>e Monster-Freakwave an Nachrichten dröhnte<br />

über den Kont<strong>in</strong>ent, e<strong>in</strong> veritabler Kaventsmann <strong>in</strong> Sachen „bad<br />

news“. Die Dauerbeschallung zur Euro-Krise schwappte auch<br />

durchs saturierte neue Party-Biedermeier des Exportweltmeisters<br />

– und noch immer gibt es ke<strong>in</strong> Entkommen. Wenn Griechenland<br />

kippt, wer folgt als nächster?<br />

Nicht nur die Steuermoral der Erben der Olympier gebiert<br />

geradezu olympische Hektik: Während Politiker im transkont<strong>in</strong>entalen<br />

Tagungsmarathon durch die Metropolen hecheln, sehen –<br />

sehr viel unbeobachteter von den Kameras – auch F<strong>in</strong>anz<strong>in</strong>stitute<br />

und Anleger zu, wo sie im allgeme<strong>in</strong>en Durche<strong>in</strong>ander ihr<br />

Goldenes Vlies versteckt bekommen. Wo auf der e<strong>in</strong>en Seite<br />

Milliarden-Stütznullen auf Überweisungsträger Richtung Athen -<br />

oder bald auch woanders h<strong>in</strong> - gekritzelt werden, ballern andere<br />

ihren extremen Überfluss <strong>in</strong> alte und neue „Geschäftsfelder“.<br />

Geht’s noch? Nochmal mehr frisches Geld für die Exzesse perfekt<br />

globalisierter, professionell-mafiöser Wettbüros und lautlos<br />

randalierender krim<strong>in</strong>eller F<strong>in</strong>anzdarw<strong>in</strong>isten, die Währungen zersetzen,<br />

Staaten zerlegen, ganze Gesellschaften destabilisieren,<br />

längst schon <strong>in</strong> bisher unbekanntem Maßstab selbst auf Grundnahrungsmittel<br />

zocken, damit Milliarden Menschen das tägliche<br />

Brot nehmen und zuletzt halbe Kont<strong>in</strong>ente zusammenkaufen?<br />

Völlig legal, aber komplett ethikfrei, nur der Gier und Gew<strong>in</strong>nmaximierung<br />

verpflichtet, während alle Risiken und Verluste von<br />

der immer heftiger blechenden Allgeme<strong>in</strong>heit verlässlich abgesichert<br />

werden?<br />

… und Herkules hatte es e<strong>in</strong>facher.<br />

Was ist, Europa? Weiter durchwursteln, Zeit sch<strong>in</strong>den, nochmal<br />

<strong>in</strong> die Generalüberholung oder besser doch gleich direkt alles<br />

zurück auf Null? Aber halt: Es gab da mal e<strong>in</strong>e Utopie. Dass wir<br />

dem dunklen Mahlstrom der Geschichte nicht hilflos ausgeliefert<br />

s<strong>in</strong>d, dass ke<strong>in</strong>e Monsterwellen mehr die Küsten zerschlagen, dass<br />

ke<strong>in</strong>e Sturmfluten mehr über die Deiche donnern. Sondern dass<br />

die gewählten Deichgrafen aller europäischen Nationen Verantwortung<br />

beweisen und dafür sorgen, dass der Kont<strong>in</strong>ent nicht<br />

wieder <strong>in</strong> die Urflut vom Recht des Stärkeren gerissen wird.<br />

Politiker – und nicht nur Ihr! Zeigt, was <strong>in</strong> dieser Vision für die<br />

ganze Welt steckte! H<strong>in</strong>terlasst von der ganzen Idee mehr als nur<br />

Spuren im Sand …<br />

semper <strong>in</strong> unitate,<br />

Dr. Christof M. Beckmann<br />

( M3, B2, M5 )


Leidenschaftlich für Europa<br />

Appell zum E<strong>in</strong>stehen für christliche Werte<br />

VORORTSÜBERGABE UND HUNDERTJÄHRIGES DER UNITAS RUHRANIA IN ESSEN<br />

VON BBR.<br />

DR. CHRISTOF BECKMANN<br />

„Wir haben stürmische Zeiten <strong>in</strong> Europa.<br />

Doch für uns kann es ke<strong>in</strong>en Rückzug geben,<br />

wenn wir uns Christen nennen. Wir müssen<br />

für unsere Überzeugungen e<strong>in</strong>stehen!“ Dies<br />

erklärte der Europa-Abgeordnete Bbr.<br />

Mart<strong>in</strong> Kastler am 30. Juli vor rund 200<br />

Gästen bei der Vorortsübergabe auf Schloss<br />

Borbeck <strong>in</strong> Essen. Beim Festkommers zum<br />

100-jährigen Bestehen der UNITAS Ruhrania<br />

forderte Kastler für „das e<strong>in</strong>zigartige<br />

Friedensprojekt Europa“ mehr Optimismus,<br />

Leidenschaft und Begeisterung:„Was wären<br />

wir ohne Europa – wo wären wir ohne<br />

Europa!“<br />

E<strong>in</strong>satz der Christen<br />

ist gefordert<br />

Nachdrücklich er<strong>in</strong>nerte der 37-jährige<br />

CSU-Abgeordnete aus Mittelfranken an die<br />

historischen Leistungen der Gründergeneration<br />

um Bbr. Robert Schuman, dessen 125.<br />

Geburtstag sich <strong>in</strong> diesem Jahr jährte.<br />

„Unser Glaube stellt uns die Aufgabe, fest<br />

für christliche Werte zu stehen! Sie s<strong>in</strong>d<br />

alles andere als altmodisch,<br />

sondern topaktuell!<br />

Denn gerade,<br />

wenn es stürmt, s<strong>in</strong>d<br />

tiefe Wurzeln umso<br />

wichtiger. Dazu s<strong>in</strong>d<br />

wir alle e<strong>in</strong>geladen –<br />

<strong>in</strong> Familien, Vere<strong>in</strong>en<br />

und Gesellschaft!“, erklärte<br />

Bbr. Kastler und<br />

mahnte e<strong>in</strong>e koord<strong>in</strong>ierteWirtschaftspolitik<br />

an, E<strong>in</strong>satz für<br />

Bürger- und Menschenrechte<br />

und <strong>in</strong><br />

ethischen Grundfragen.<br />

„Abtreibung ist<br />

ke<strong>in</strong> Mittel der Familienplanung“,stellte<br />

Kastler klar und<br />

plädierte für engagierten<br />

Schutz des Lebens <strong>in</strong> allen<br />

Lebensphasen. Große Zustimmung gab es<br />

auch für se<strong>in</strong>en Appell zu e<strong>in</strong>em gesetzlich<br />

garantierten Schutz des Sonntags, für den<br />

er e<strong>in</strong>e europaweite Kampagne gestartet<br />

hatte. „Hier kann es ke<strong>in</strong>en Rückzug <strong>in</strong>s<br />

Private geben, sondern wir brauchen aktive<br />

Christen <strong>in</strong> Parteien, Vere<strong>in</strong>en und Initia-<br />

Bbr. Mart<strong>in</strong> Kastler MdEP<br />

beim Übergabekommers <strong>in</strong> Essen.<br />

tiven!“, so der bekennende katholische<br />

Politiker. „Hier müssen wir kämpfen und<br />

nicht lockerlassen!“ (E<strong>in</strong> Interview mit Bbr.<br />

Kastler ist auf S. 260/61 abgedruckt.)<br />

E<strong>in</strong> klares Signal gegen Europamüdigkeit<br />

und politische Resignation: So hatten<br />

sie es auch geplant, die Aktiven und Alten<br />

Herren der UNITAS Ruhrania. E<strong>in</strong>e Botschaft,<br />

die <strong>in</strong> mehreren Artikeln <strong>in</strong> der lokalen<br />

und regionalen Presse gewürdigt<br />

wurde. Nicht umsonst hatte der Vorort<br />

2010/2011 mit Bedacht die Vorortsübergabe<br />

am Wochenende 30.<br />

Juli / 1. August mit e<strong>in</strong>em<br />

weiteren Höhepunkt<br />

der Vere<strong>in</strong>sgeschichtezusammengelegt:<br />

Stolz und zuversichtlich<br />

feierte der<br />

ursprünglich <strong>in</strong> Münster<br />

gegründete Vere<strong>in</strong><br />

mit dem ganzen Verband<br />

das Hundertjährige<br />

im glänzenden<br />

Ambiente der ehemaligen<br />

Residenz der Fürstäbtiss<strong>in</strong>nen<br />

von Essen<br />

auf Schloss Borbeck.<br />

Der Kirche e<strong>in</strong><br />

Gesicht geben<br />

E<strong>in</strong>e Steilvorlage für den aus dem<br />

Bistum Münster stammenden Ruhrbischof<br />

Dr. Franz-Josef Overbeck: Er ermunterte <strong>in</strong><br />

se<strong>in</strong>em Grußwort an die Festversammlung<br />

zu e<strong>in</strong>em „konkreten E<strong>in</strong>satz für unseren<br />

Glauben mitten <strong>in</strong> der Welt“. Es gehe<br />

darum, aus der Botschaft des Evangeliums<br />

und e<strong>in</strong>er entschiedenen werteorientierten<br />

Grundhaltung auskunftsfähig zu se<strong>in</strong> und<br />

mitzugestalten, den Glauben erkennbar zu<br />

leben, der Kirche e<strong>in</strong> konkretes Gesicht zu<br />

geben und „das Katholische mutig vor<br />

Augen zu führen“, so Bischof Overbeck.<br />

Dabei er<strong>in</strong>nerte er auch an die im Juni<br />

seliggesprochenen Ruhranen, die Kapläne<br />

Johannes Prassek und Eduard Müller:<br />

„Mögen sie Ihnen als Zeugen des Glaubens<br />

nicht nur Fürsprecher im Himmel se<strong>in</strong>, sondern<br />

auch Vorbilder für Ihren Lebense<strong>in</strong>satz<br />

im Heute.“ (S. Kasten auf Seite 254)<br />

Positive Vorortsbilanz und e<strong>in</strong>e<br />

Regierungserklärung<br />

Bereits am Samstagmorgen hatte der<br />

neu zusammengesetzte Verbandsvorstand<br />

im Landhaus Gimken getagt: Es gab viele<br />

neue Gesichter und zahlreiche Tagesordnungspunkte,<br />

die Verbandsgeschäftsführer<br />

Dieter Krüll präsentierte. Es lohne sich,<br />

Verantwortung für den Verband zu übernehmen,<br />

erklärte er mit Blick auf das mit<br />

dem Wochenende zu Ende gehende Vorortsjahr<br />

der <strong>Unitas</strong> Ruhrania. Der an Mitgliedern<br />

kle<strong>in</strong>e Aktivenvere<strong>in</strong> habe gezeigt,<br />

dass Quantität für die <strong>Unitas</strong> ke<strong>in</strong> Kriterium<br />

sei: „Dieses Vorortsjahr stellt klar: Nicht die<br />

Zahl ist entscheidend, sondern Wille und<br />

Charakter. Und den hat die Ruhrania <strong>in</strong><br />

hohem Maße gezeigt. E<strong>in</strong> hohes Lob für<br />

Euch!“, wandte sich Bbr. Krüll an Vorortspräsident<br />

Sebastian Sasse, der <strong>in</strong> se<strong>in</strong>em<br />

Rechenschaftsbericht e<strong>in</strong>e optimistische<br />

Bilanz zog.<br />

Bei allen Fahrten im Verband habe er<br />

mit se<strong>in</strong>en Vorortsschriftführern Christoph<br />

Weyer, Philipp Böcker und Stefan Slup<strong>in</strong>a<br />

e<strong>in</strong>e hohe Gesprächsbereitschaft feststel- >><br />

unitas 4/2011 251


Vorortsübergabe mit vielen Gästen:<br />

E<strong>in</strong>e fröhliche Festversammlung zum 100-Jährigen der <strong>Unitas</strong> Ruhrania auf Schloss Borbeck <strong>in</strong> Essen.<br />

len können. „Hier geht es durchaus um<br />

Grundsätzliches, um e<strong>in</strong>e große Offenheit<br />

zu allen Fragen, die mit unseren Pr<strong>in</strong>zipien<br />

zusammenhängen“, so der scheidende VOP.<br />

Vieles davon habe sich <strong>in</strong> der Düsseldorfer<br />

Generalversammlung mit ihrem Leitwort<br />

„Brannte uns nicht das Herz!“ konzentriert<br />

– e<strong>in</strong>er anspruchsvollen und außergewöhnlich<br />

gut gelungenen Tagung, fasste der<br />

Vorstand mit e<strong>in</strong>em besonderen Dank an<br />

die Organisatoren der <strong>Unitas</strong> Rhe<strong>in</strong>franken<br />

zusammen.<br />

In se<strong>in</strong>er „Regierungserklärung“ unterstrich<br />

der gewählte neue Vorortspräsident<br />

Bbr. Kilian Schmiz von <strong>Unitas</strong> Franko-<br />

Saxonia Marburg, dass es die im vergangenen<br />

Vorortsjahr so <strong>in</strong>tensiv beleuchteten<br />

Glaubensgrundlagen nun verstärkt auch<br />

auf ihre gesellschaftliche und politische<br />

Relevanz anzuwenden gelte. Zudem sollen<br />

neben der stärkeren Anregung der wissenschaftlichen<br />

Arbeit zu diesen Fragen <strong>in</strong> den<br />

Vere<strong>in</strong>en auch Impulse für e<strong>in</strong> aktives sozi-<br />

252<br />

unitas 4/2011<br />

ales Engagement vor Ort gesetzt werden –<br />

e<strong>in</strong>e Ansage, für die Bbr. Schmiz auch beim<br />

Festkommers am Abend viel Applaus erntete<br />

(s. auch Seite 255).<br />

Glänzender Festkommers<br />

im Schloss<br />

Die schwung- und humorvoll von<br />

Sebastian Sasse präsidierte Festcorona<br />

fand sich am Abend auf Schloss Borbeck <strong>in</strong><br />

e<strong>in</strong>em liebevoll geschmückten Ambiente.<br />

E<strong>in</strong> Dutzend Vere<strong>in</strong>sdelegationen sorgten<br />

im Großen Saal der ehemaligen Residenz<br />

der Fürstäbtiss<strong>in</strong>nen zu Essen und Thorn<br />

für e<strong>in</strong> prächtiges Bild. Am Flügel begleitet<br />

von Bbr. Udo Nobis zogen Vertreter von KV,<br />

CV und <strong>Unitas</strong> e<strong>in</strong> – der K.St.V. Rheno<br />

Borussia im KV zu Bonn, die K.D.St.V.<br />

Nordmark Rostock, Karlsruhe zu Essen im<br />

CV und der Borbecker CV-Philisterzirkel<br />

Kohle, der tatkräftig bei der Herrichtung<br />

des Saales geholfen hatte. Den Reigen der<br />

unitarischen Gastkorporationen<br />

eröffnete die jüngste<br />

Tochter der unitarischen Familie,<br />

UNITAS Franziska Christ<strong>in</strong>e<br />

Essen, gefolgt von UNITAS<br />

Maria Montessori Gießen,<br />

UNITAS Franco-Alemannia<br />

Karlsruhe, UNITAS Rhe<strong>in</strong>franken<br />

Düsseldorf, UNITAS<br />

Landshut Köln, die Münsteraner<br />

Vere<strong>in</strong>e UNITAS<br />

Rolandia und UNITAS W<strong>in</strong>fridia,<br />

die Mutterkorporation<br />

UNITAS-Salia Bonn, der neu<br />

gewählte Vorort UNITAS<br />

Franko-Saxonia Marburg und<br />

die Jubelkorporation UNITAS<br />

Ruhrania.<br />

Mit großem Dank an den<br />

scheidenden Ruhranen-Vorort<br />

verpflichtete Verbandsgeschäftsführer<br />

Dieter Krüll den<br />

neuen Vorort Franko-Saxonia Marburg auf<br />

die Verbandspr<strong>in</strong>zipien und übergab die<br />

Standarte. Und wartete anschließend mit<br />

e<strong>in</strong>er besonderen Überraschung auf, mit<br />

der der Vorsitzende des Essener UNITAS-<br />

Zirkels am wenigsten gerechnet hatte: Aus<br />

der Hand von VOP Kilian Schmiz erhielt er<br />

die Silberne Verbandsnadel für e<strong>in</strong> außergewöhnliches<br />

Engagement im Dienste der<br />

<strong>Unitas</strong>, wie Bbr. Krüll betonte: „Mart<strong>in</strong><br />

Gewiese ist e<strong>in</strong> Bundesbruder, wie es nur<br />

wenige gibt“, so Krüll <strong>in</strong> se<strong>in</strong>er Laudatio für<br />

den Hauptautor des neuen Verbandsliederbuches.<br />

Bbr. Gewiese habe sich mit dieser<br />

Aufgabe e<strong>in</strong>er unglaublichen Detailarbeit<br />

unterzogen und e<strong>in</strong> großartiges Ergebnis<br />

vorgelegt.„Er ist uns die Personifikation des<br />

altmodisch wirkenden Begriffs der<br />

Lauterkeit“, unterstrich Festpräside Sebastian<br />

Sasse, der dem Essener Zirkelvorsitzenden<br />

mit der ganzen Corona herzlich<br />

gratulierte.<br />

Von l<strong>in</strong>ks: VOP Kilian Schmiz übernimmt aus der Hand von Verbandsgeschäftsführer Bbr. Dieter Krüll die Verbandsstandarte und gibt anschließend<br />

se<strong>in</strong>e „Regierungserklärung“ ab.


Oben (von l<strong>in</strong>ks): Die Chargierten der alten und der neuen Vorortskorporation, UNITAS Ruhrania und UNITAS Franko-Saxonia. Unten: Die Chargen der UNITAS<br />

Maria Montessori Gießen und Gastchargierte des K.St.V. Rheno-Borussia im KV zu Bonn (vorne) und der K.D.St.V.Nordmark zu Essen im CV.<br />

Zivilcourage zeigen<br />

Als der älteste Ruhrane, Bbr. Dr. Jürgen<br />

Becker, <strong>in</strong> der feierlich-ausgelassenen Feststimmung<br />

für se<strong>in</strong>en Vere<strong>in</strong> zum Grußwort<br />

anhob, wurde es deutlich stiller: Se<strong>in</strong>en Blick<br />

auf über 120 unitarische Semester verknüpfte<br />

er mit nachdenklichen Denkanstößen zu<br />

den Pr<strong>in</strong>zipien. Nachdrücklich mahnte er<br />

mit H<strong>in</strong>weis auf aktuelle Beispiele und das<br />

Glaubenszeugnis der „Lübecker“: „Als<br />

Richtschnur für jeden E<strong>in</strong>zelnen von uns<br />

und für die Ruhranengeme<strong>in</strong>schaft drängt<br />

sich auf, sich gefragt oder ungefragt e<strong>in</strong>zumischen!“<br />

Freiheit sei nie e<strong>in</strong>e Selbstverständlichkeit,<br />

auch heute nicht: „Sie<br />

bedarf ständiger Muterprobung. Wer sich<br />

e<strong>in</strong>mischt, zeigt Flagge. Zivilcourage ist<br />

immer wieder gefragt. Anlässe hierfür gibt<br />

es zuhauf, nahezu täglich“, so der bis vor<br />

kurzem noch aktive Rechtsanwalt. Worte,<br />

die bei allen Festteilnehmern, nicht zuletzt<br />

bei den jungen, großen E<strong>in</strong>druck h<strong>in</strong>terließen.<br />

(Der volle Wortlaut des Grußworts ist<br />

auf den Seiten 258/59 abgedruckt.)<br />

Punkt 23.30 Uhr schlug Präside<br />

Sebastian Sasse („Er hat alles gegeben!“)<br />

den festlichen Kommers unter den Tisch –<br />

pünktlich zum angesetzten Ex-Bummel <strong>in</strong>s<br />

„Feldschlösschen“. Dessen Wände ziert seitdem<br />

e<strong>in</strong> großes Wappen der Ruhrania. Den<br />

Hammer führte mit Bbr. Dipl.-Ing. Andreas<br />

Beckmann (<strong>Unitas</strong> Sugambria Osnabrück)<br />

e<strong>in</strong>er der Wiederbegründer der UNITAS an<br />

der Ruhr: 20 Jahre nach dem ersten neuen<br />

Programm hängte der Ehrensenior der<br />

Mutterkorporation <strong>Unitas</strong>-Salia Bonn das<br />

von se<strong>in</strong>em Bruder und Ruhranen-Ehrensenior<br />

Christof Beckmann mit Sohn Georg<br />

auf Holz hergestellte Vere<strong>in</strong>semblem im<br />

Thekenraum an den Nagel. Begleitet vom<br />

dröhnenden „Happy birthday, Ruhrania“<br />

vieler feierwütiger Gäste.<br />

Festliche Messe<br />

<strong>in</strong> St. Dionysius<br />

Obwohl für manche die nächtliche Rast<br />

<strong>in</strong> Morpheus Armen ganz offensichtlich<br />

ziemlich kurz gekommen war, sah der >><br />

Delegationen der <strong>Unitas</strong>-Vere<strong>in</strong>e Ruhrania (Essen), Vorortsvorgänger Franco-Alemannia (Karlsruhe)<br />

und Nachfolger Franko-Saxonia (Marburg) und Franziska Christ<strong>in</strong>e (Essen) nach der Festmesse <strong>in</strong><br />

St. Dionysius mit Pfarrer Dr. Jürgen Cleve und Msgr. He<strong>in</strong>rich Grafflage.<br />

unitas 4/2011 253


Sonntagmorgen viele Bundesgeschwister<br />

und Gäste <strong>in</strong> der Heiligen<br />

Messe <strong>in</strong> St. Dionysius. Pünktlich<br />

traten die Vere<strong>in</strong>svertretungen vor<br />

der Sakristei der Kirche an, <strong>in</strong> der<br />

sich bereits e<strong>in</strong> großer Geme<strong>in</strong>schaftschor<br />

aus den Sterkrader<br />

Kirchengeme<strong>in</strong>den Propstei St.<br />

Clemens, der Geme<strong>in</strong>de Herz Jesu<br />

und der Geme<strong>in</strong>de St. Josef <strong>in</strong> Oberhausen-Sterkrade<br />

unter Leitung<br />

von Kantor Christoph Nierhaus e<strong>in</strong>gesungen<br />

hatte. Mit den festlichen<br />

Klängen der „Missa Qu<strong>in</strong>ta <strong>in</strong> B“<br />

von Vaclav Emanuel Horak nahmen<br />

die Unitarier mit der Geme<strong>in</strong>de die<br />

Anliegen der Welt <strong>in</strong>s Gebet, baten<br />

für die Lebenden und Verstorbenen<br />

des Verbandes.<br />

Er ist die Antwort<br />

auf alle Fragen ….<br />

Stadtdechant und Pfarrer Dr. Jürgen<br />

Cleve, der die Messe mit Msgr. He<strong>in</strong>rich<br />

Grafflage feierte, predigte zum Evangelium<br />

254<br />

unitas 4/2011<br />

Zwei höchst zufriedene Strategen des Jubiläumsjahres ihrer <strong>Unitas</strong> Ruhrania:<br />

Bbr. Richie Duckheim, tragende Säule der Generalversammlung <strong>in</strong> Düsseldorf<br />

und der Alt-Vorortspräsident Sebastian Sasse.<br />

von der Brotvermehrung. Ganz anders als<br />

oft gedeutet, gehe es nicht um Jesus als<br />

Gutmenschen, Zeremonienmeister oder<br />

Pädagoge. Wer das eigentliche Wunder h<strong>in</strong>ter<br />

dieser und anderen Erzählungen nicht<br />

sehe, greife zu kurz, mahnte Pfarrer Cleve:<br />

Denn mit Blick auf Not, Trauer, Sehnsucht<br />

Aus dem Grußwort von Bischof Dr. Franz-Josef Overbeck<br />

zum 100. Stiftungsfest der UNITAS RUHRANIA<br />

„…. Die UNITAS RUHRANIA hat ihre Wurzeln <strong>in</strong> me<strong>in</strong>em Heimatbistum Münster, wo sie<br />

1911 gegründet wurde. Seit 20 Jahren ist sie nun <strong>in</strong> Essen und damit im Ruhrbistum<br />

ansässig. Besonders zeichnet sie dabei ihre enge Beziehung zur Kirche aus, verbunden<br />

mit dem Willen, den Glauben erkennbar zu leben und somit der Kirche e<strong>in</strong> konkretes<br />

Gesicht zu geben. Dies ist erst recht <strong>in</strong> unseren Zeiten von hoher Bedeutung, <strong>in</strong> der es<br />

zum Grundauftrag der Kirche gehört, die grundlegende Verb<strong>in</strong>dung von Glauben und<br />

Vernunft immer wieder heraus zu stellen, wie es unser Heiliger Vater Papst Benedikt XVI.<br />

nicht müde wird zu betonen.<br />

Es gehört zum katholischen Profil junger Studierender, gegründet im Glauben und den<br />

Kräften der Vernunft vertrauend, die vom Glauben erhellt wird, auf allen Feldern der<br />

Wissenschaft Kompetenzen zu gew<strong>in</strong>nen, um im gesellschaftlichen wie wirtschaftlichen<br />

und politischen Leben auskunftsfähig zu se<strong>in</strong> und gestaltend wirken zu können.<br />

Gerade die zunehmende hochschulwissenschaftliche Bedeutung des Ballungsraumes<br />

des Ruhrgebietes, das wirtschaftlich für den Aufstieg und Wohlstand Deutschlands bis<br />

heute von Bedeutung ist, ruft auf, den Menschen <strong>in</strong> unserer Region im Spannungsbogen<br />

von christlichem Glauben und verantworteter Vernunft, von gesellschaftlichem Leben,<br />

Stabilität und Strukturwandel, von Beheimatung und immer wieder neuem<br />

Mite<strong>in</strong>ander der Kulturen und Religionen, das Katholische mutig vor Augen zu führen.<br />

Als Mitglieder der UNITAS RUHRANIA setzten Sie sich dafür auf vielfältige Weise sowohl<br />

während Ihrer Studentenzeit als auch weiter darüber h<strong>in</strong>aus e<strong>in</strong>. Alles Tun möge dabei<br />

weiterh<strong>in</strong> von der Botschaft des Evangeliums und e<strong>in</strong>er entschiedenen werteorientierten<br />

Grundhaltung geprägt se<strong>in</strong> und <strong>in</strong> den konkreten E<strong>in</strong>satz für unseren Glauben mitten<br />

<strong>in</strong> der Welt, <strong>in</strong> der wir leben, e<strong>in</strong>münden. Dies gilt auch für die zunehmend europäischen<br />

Perspektiven, mit denen wir uns <strong>in</strong> allen Bereichen des Lebens ause<strong>in</strong>anderzusetzen<br />

haben. Die Grundlagen und Herausforderungen des europäischen<br />

E<strong>in</strong>igungswerkes werden im Festvortrag zum 100. Stiftungsfest entsprechend beleuchtet<br />

werden. Darüber b<strong>in</strong> ich sehr froh.<br />

Zugleich er<strong>in</strong>nern die von unserem Heiligen Vater Papst Benedikt XVI. selig gesprochenen<br />

Lübecker Märtyrer, die während ihres Studiums <strong>in</strong> Münster Mitglieder der UNITAS<br />

RUHRANIA waren, daran, dass schließlich alle Ausbildung und Bildung <strong>in</strong> den konkreten<br />

Lebense<strong>in</strong>satz münden. Die selig gesprochenen Kapläne Johannes Passek und Eduard<br />

Müller, die zur UNITAS gehörten, mögen Ihnen dabei als Zeugen des Glaubens nicht nur<br />

Fürsprecher im Himmel se<strong>in</strong>, sondern auch Vorbilder für Ihren Lebense<strong>in</strong>satz im Heute.<br />

Mit me<strong>in</strong>en herzlichen Segenswünschen und Grüßen verb<strong>in</strong>de ich die Hoffnung auf e<strong>in</strong><br />

erfolgreiches und Sie <strong>in</strong> Ihrer Geme<strong>in</strong>schaft stärkendes 100. Stiftungsfest.“<br />

und Tod unserer Zeit, all<br />

die aktuellen Schlagzeilen<br />

dieser Wochen,<br />

seien die damit verbundenen<br />

Fragen nicht mit<br />

Moral zu beantworten.<br />

Christus wolle das<br />

ganze Wohl des Menschen:<br />

„Er gibt Geme<strong>in</strong>schaft<br />

mit sich, teilt sich<br />

mit, teilt sich selbst, teilt<br />

unser ganz konkretes<br />

Leben“, so Dr. Cleve. „Er<br />

leidet mit, ihm ist nichts<br />

Menschliches fremd, er<br />

ist die Antwort, das Brot<br />

des Lebens, se<strong>in</strong>e radikale<br />

Verlässlichkeit ist bewiesen,<br />

wir brauchen<br />

sie und s<strong>in</strong>d auf sie<br />

angewiesen.“ Das zu bezeugen, sei Aufgabe<br />

der christlichen Geme<strong>in</strong>de – und auch der<br />

studentischen Vere<strong>in</strong>e. Cleve, amtierender<br />

Philistersenior der Essener Theologenverb<strong>in</strong>dung<br />

K.E.St.V. Ass<strong>in</strong>dia, wünschte der<br />

<strong>Unitas</strong> und ihrem <strong>in</strong> der Borbecker Pfarrei<br />

ansässigen Studentenvere<strong>in</strong> <strong>in</strong> se<strong>in</strong>er<br />

Predigt e<strong>in</strong>e erfolgreiche Arbeit und e<strong>in</strong><br />

überzeugendes E<strong>in</strong>treten für die Barmherzigkeit<br />

Gottes: „Sie zu verkünden, ist<br />

die Aufgabe der christlichen Geme<strong>in</strong>de,<br />

auch der studentischen Vere<strong>in</strong>e. Gebt dieses<br />

persönliche Zeugnis <strong>in</strong> Fest, Feier und<br />

Alltag!“<br />

Festzug zum F<strong>in</strong>ale<br />

Mit e<strong>in</strong>em Festzug zum gastlich vorbereiteten<br />

„Feldschlößchen“ an der Flurstraße<br />

g<strong>in</strong>g nach der Messe e<strong>in</strong> für die <strong>Unitas</strong> im<br />

Revier denkwürdiges Wochenende <strong>in</strong> die<br />

Schlusskurve. Nach e<strong>in</strong>em stärkenden Büffet<br />

galt es – glücklich und geschafft – viele<br />

Erlebnisse und Erfahrungen e<strong>in</strong>es außergewöhnlichen<br />

Ereignisses zu sortieren. Guten<br />

Mutes soll es an der Ruhr unitarisch weiter<br />

gehen – und dass viele Gäste aus Nah und<br />

Fern von e<strong>in</strong>em bestens organisierten<br />

Großevent mit Inhalt, Stil und Botschaft<br />

sprachen, war allen E<strong>in</strong>satz wert.<br />

E<strong>in</strong>e besondere Freude hoben sich die<br />

Ruhranen bis zuletzt auf: Mit gebotener<br />

Andacht nahmen sie reihum e<strong>in</strong>en Schluck<br />

aus e<strong>in</strong>er echten Antiquität: Der Ehrenvorsitzende<br />

ihres AHV, Bbr. OStD a. D. Jörg<br />

Lahme, hatte se<strong>in</strong>er Ruhrania zum<br />

Jubiläum e<strong>in</strong>en historischen Bierkrug des<br />

Vere<strong>in</strong>s aus dem Jahr 1929 verehrt. Zur E<strong>in</strong>weihung<br />

des neuen UNITAS-Hauses <strong>in</strong><br />

Essen 2008 hatte er schon die Gründungsfahne<br />

und die große Gedenktafel für<br />

die Gefallenen des Vere<strong>in</strong>s im Ersten<br />

Weltkrieg beigesteuert. Jetzt ziert e<strong>in</strong> weiteres<br />

Zeugnis aus der ganz alten<br />

Geschichte der ehemals <strong>in</strong> Münster ansässigen<br />

Korporation die „heiligen Hallen“<br />

an der Ruhr.


„Regierungserklärung“ von VOP Kilian Schmiz<br />

beim Übergabekommers am 30. Juli 2011 <strong>in</strong> Essen<br />

(…) Wir möchten im kommenden Jahr<br />

unseren <strong>in</strong>haltlichen Schwerpunkt auf<br />

das gesellschaftspolitische Feld setzen<br />

und das politische Tagegeschehen <strong>in</strong> den<br />

Verband h<strong>in</strong>e<strong>in</strong>tragen. „Ja, ich gelobe […] <strong>in</strong><br />

Kirche und Staat me<strong>in</strong>en Mann zu stehen<br />

[…] !“ Dies ist e<strong>in</strong> zentraler Ausschnitt des<br />

Gelübdes, das jeder Unitarier im Rahmen<br />

se<strong>in</strong>er Burschung auf das blau-weiß-goldene<br />

Fahnentuch abgelegt hat. Ist es aber<br />

nicht essentiell, um <strong>in</strong> „Kirche und Staat<br />

se<strong>in</strong>en Mann stehen zu können“, sich mit<br />

aktuellen gesellschaftspolitischen Entwicklungen<br />

wie beispielsweise der Debatte<br />

um die F<strong>in</strong>anzlage <strong>in</strong> der EU oder die<br />

Demokratiebewegung im arabischen<br />

Raum ause<strong>in</strong>anderzusetzen?<br />

Bei der Beschäftigung mit solchen Themen<br />

sollten wir als Unitarier nie vergessen<br />

und uns stets vergegenwärtigen, welche<br />

christlichen Moralvorstellungen wir als<br />

Katholiken haben und wie wir mit ihrer Hilfe<br />

weltliche Fragen beantworten können.<br />

Virtus-scientia-amicitia – diese Pr<strong>in</strong>zipien<br />

wurden uns von unseren Gründungsvätern<br />

mit auf den Weg gegeben, sie schmücken<br />

noch heute unsere Verbandsfahnen und<br />

s<strong>in</strong>d im Artikel 1 des unitarischen<br />

Grundgesetztes fest verankert. Lassen sich<br />

auch gesellschaftspolitische Themen<br />

anhand dieser drei, wie ich f<strong>in</strong>de, sehr<br />

„anspruchsvollen“ und teilweise abstrakten<br />

Pr<strong>in</strong>zipien bearbeiten und beantworten?<br />

Virtus bedeutet soviel wie e<strong>in</strong> mannhaftes,<br />

tapferes und konsequentes Leben<br />

aus dem Glauben heraus. Ich denke,<br />

zunächst e<strong>in</strong>mal ist es wichtig, überhaupt<br />

Wertvorstellungen zu besitzen. Wie leicht<br />

und sche<strong>in</strong>bar gut geht es denjenigen, die<br />

ihr Fähnchen opportunistisch nach dem<br />

W<strong>in</strong>d hängen, sich auf nichts festlegen<br />

wollen und so dem Lustpr<strong>in</strong>zip frönen.<br />

Weiterh<strong>in</strong> gilt es, den Mut zu besitzen,<br />

die eigenen Wertvorstellungen ständig zu<br />

h<strong>in</strong>terfragen und e<strong>in</strong>er dauerhaften Prüfung<br />

zu unterziehen. Erfahrungen, die ich<br />

hier mache, können unter Umständen –<br />

gerade, weil sie so persönlich s<strong>in</strong>d – sehr<br />

schmerzhaft se<strong>in</strong>. Es bedarf e<strong>in</strong>iges an virtus,<br />

andere Me<strong>in</strong>ungen und religiöse Auffassungen<br />

zu respektieren, zu tolerieren<br />

und zugleich für se<strong>in</strong>e eigenen Wertvorstellungen<br />

e<strong>in</strong>zustehen. Hier eröffnet sich<br />

immer wieder e<strong>in</strong> schwieriger Balance-<br />

Akt, auf der e<strong>in</strong>en Seite Toleranz zu üben<br />

und auf der anderen Seite Rückgrat zu<br />

beweisen und für se<strong>in</strong>e eigene Überzeugung<br />

e<strong>in</strong>zustehen – auch wenn noch<br />

soviel Gegenw<strong>in</strong>d kommen mag.<br />

Ziel der scientia im unitarischen S<strong>in</strong>ne<br />

sollte „die Bildung zu dialogfähigen, weltzugewandten<br />

und weltverantwortlichen<br />

Christen, die im Leben stehen“ se<strong>in</strong>. Auch<br />

hier sehen wir wieder den e<strong>in</strong>deutigen<br />

Auftrag an uns Unitarier zur Ause<strong>in</strong>andersetzung<br />

mit dem viel zitierten „Blick<br />

über den Tellerrand“ auf gesellschaftspolitische<br />

Entwicklungen, wie beispielsweise<br />

die Demokratiebewegung <strong>in</strong> Nordafrika<br />

und im Nahen Osten. Wie s<strong>in</strong>d diese<br />

Entwicklungen e<strong>in</strong>zuschätzen, wie kann<br />

man als e<strong>in</strong>zelner daran teilhaben?<br />

VOP Kilian Schmiz<br />

Vielleicht sollten wir nicht nur e<strong>in</strong>en<br />

„Blick über den Tellerrand wagen“, sondern<br />

warum sollten wir nicht gleich „mehr<br />

Demokratie wagen“ <strong>in</strong> diesen Gebieten<br />

der Erde? Um „<strong>in</strong> Kirche und Staat se<strong>in</strong>en<br />

Mann zu stehen“ ist es unerlässlich sich<br />

mit solchen Fragen ause<strong>in</strong>anderzusetzen<br />

und zu positionieren. Manchmal fällt dies<br />

e<strong>in</strong>em selbst schwer und man weiß nicht<br />

genau, wie man das e<strong>in</strong>e mit dem anderen<br />

abwägen kann.<br />

Ist es hier nicht tröstlich zu wissen,<br />

dass man Bundesschwestern und Bundesbrüder<br />

an se<strong>in</strong>er Seite hat, mit denen<br />

man sich geme<strong>in</strong>sam damit ause<strong>in</strong>andersetzen<br />

kann und die e<strong>in</strong>em helfen, die<br />

eigenen Gedanken wieder zu ordnen? Ich<br />

jedenfalls b<strong>in</strong> sehr froh darüber, <strong>in</strong> der<br />

unitarischen Geme<strong>in</strong>schaft Rückhalt und<br />

Unterstützung bei schwierigen Fragen<br />

zu f<strong>in</strong>den und so zu e<strong>in</strong>er ethischen<br />

Fundierung me<strong>in</strong>er eigenen Me<strong>in</strong>ung zu<br />

kommen.<br />

Hier schließt sich gleich das Pr<strong>in</strong>zip der<br />

amicitia an. Gegenseitige Mitverantwortung<br />

und die Bereitschaft sich selbstlos zu<br />

helfen – und das auch über Generationen<br />

h<strong>in</strong>weg! Hierzu gehören nach me<strong>in</strong>em<br />

Verständnis auch die Weitergabe und die<br />

Vermittlung von Wertvorstellungen, die<br />

ich mir im Laufe me<strong>in</strong>es Lebens beispielsweise<br />

im Gespräch mit Bundesschwestern<br />

und Bundesbrüdern aufgebaut habe. Und<br />

das spezielle am unitarischen Generationenverständnis<br />

ist, dass es sich nicht nur<br />

um e<strong>in</strong>e E<strong>in</strong>bahnstraße von Alt zu Jung<br />

handelt. Bei uns bietet sich die großartige<br />

Chance e<strong>in</strong>es wechselseitigen Austauschs<br />

– beispielweise über gesellschaftspolitische<br />

Fragen – bei denen jeder von den<br />

Erfahrungen und Kenntnissen des anderen<br />

profitieren kann.<br />

Diesen Austausch und diese Diskussionen<br />

möchten wir als Vorort fördern,<br />

<strong>in</strong>dem wir gesellschaftspolitische Fragen<br />

<strong>in</strong> die verbandsweite Diskussion e<strong>in</strong>streuen<br />

und dann geme<strong>in</strong>sam unitarisch wertvoll<br />

verarbeiten. Ich freue mich jetzt schon<br />

auf den Aktiventag 2012, der sich mit dieser<br />

Thematik befassen wird und natürlich<br />

auf das Krone-Sem<strong>in</strong>ar im Frühjahr.<br />

Allerd<strong>in</strong>gs reicht es <strong>in</strong> unserer schnelllebigen<br />

Zeit nicht aus, sich lediglich punktuell<br />

mit Politik und Gesellschaft zu befassen.<br />

Dann geht schneller als e<strong>in</strong>em lieb ist<br />

der Zusammenhang zwischen e<strong>in</strong>zelnen<br />

Ereignissen verloren. Isoliert und wie auf<br />

dem Seziertisch betrachtet geben e<strong>in</strong>zelne<br />

Phänomene oft wenig her, denn<br />

meist stecken die <strong>in</strong>teressanten und erhellenden<br />

Momente gerade im Detail der<br />

Vernetzung untere<strong>in</strong>ander.<br />

Deswegen wünsche ich mir, dass<br />

unser <strong>in</strong>haltlicher Leitfaden <strong>in</strong> jede e<strong>in</strong>zelne<br />

Aktivitas, beispielsweise durch Wissenschaftliche<br />

Sitzungen zu aktuellen Thematiken,<br />

h<strong>in</strong>e<strong>in</strong>getragen wird und vor Ort<br />

– und nicht nur punktuell – <strong>in</strong> fruchtbaren<br />

Diskussionen mit Leben gefüllt wird!<br />

In Kirche und Staat se<strong>in</strong>en Mann zu<br />

stehen, bedeutet aber nicht nur, sich<br />

gedanklich damit zu befassen, sondern<br />

auch selbst aktiv anzupacken und se<strong>in</strong>e<br />

Vorstellungen <strong>in</strong> die Tat umzusetzen. Es<br />

gilt, se<strong>in</strong>en Glauben lebensnah zu gestalten<br />

und sich für e<strong>in</strong>e menschenwürdigere<br />

Welt e<strong>in</strong>zusetzen. Gelebtes, weltzugewandtes<br />

Christentum, me<strong>in</strong>e lieben Bundesschwestern<br />

und Bundesbrüder, me<strong>in</strong>t<br />

sich zu engagieren, gleich ob als E<strong>in</strong>zelner<br />

oder geme<strong>in</strong>sam als Aktivitas! (…)<br />

unitas 4/2011 255


256<br />

unitas 4/2011<br />

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� Schloss Borbeck bot den festlichen Rahmen für die diesjährige Vorortsübergabe.<br />

� Blick auf das Doppelpräsidium des Festkommerses: Den ersten Teil<br />

moderierte der scheidende VOP Bbr. Sebastian Sasse mit der UNITAS Ruhrania<br />

(h<strong>in</strong>ten rechts), den zweiten Teil der neue VOP Bbr. Kilian Schmiz mit der UNI-<br />

TAS Franko-Saxonia Marburg (h<strong>in</strong>ten l<strong>in</strong>ks). � In der Festrede appellierte der<br />

Europa-Abgeordnete Bbr. Mart<strong>in</strong> Kastler für mehr Unterstützung der europäischen<br />

Idee. � Höhepunkt war die Standartenübergabe von der Ruhr-<strong>Unitas</strong><br />

an die Marburger. Hier Alt-VOP Sebastian Sasse (rechts) und der neue VOP<br />

Kilian Schmiz. � Bbr. Mart<strong>in</strong> Gewiese, AHZ-Vorsitzender <strong>in</strong> Essen (rechts),<br />

wurde für se<strong>in</strong>e Verdienste – nicht zuletzt bei der Erarbeitung des neuen UV-<br />

Liederbuchs – mit der Silbernen Verbandsnadel ausgezeichnet. Hier gratuliert<br />

Verbandsgeschäftsführer Bbr. Dieter Krüll. � Bbr. Norbert Breiderhoff,<br />

Philistersenior der Essener CV-Verb<strong>in</strong>dung K.D.St.V. Nordmark, verliest e<strong>in</strong><br />

Grußwort se<strong>in</strong>es Neffen, des CV-Vorortspräsidenten Jan-Arnulf Breiderhoff.<br />

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� Gut gelaunt prosten die Chargen der Mutterkorporation <strong>Unitas</strong>-Salia<br />

Bonn der Corona zu. � Der stv. AGV-Vorsitzende Benedikt Nientied (CV)<br />

bedankt sich <strong>in</strong> e<strong>in</strong>em launigen Grußwort für die gute Zusammenarbeit<br />

mit dem Ruhranen-Vorort. � Der neue Vorort verabschiedet sich von der<br />

Kommerscorona. � Anschließend stoßen die Bundesbrüder aus Marburg<br />

auf e<strong>in</strong> gutes Gel<strong>in</strong>gen des vor ihnen liegenden Amtsjahrs an.<br />

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� Die Vertreter des Borbecker CV-Philisterzirkels „Kohle“ <strong>in</strong> ihren zünftigen<br />

Bergmannsuniformen. � Nach dem Kommers standen e<strong>in</strong>ige Zipfeltausche<br />

an: hier zwischen Alt-VOP Sebastian Sasse (3.v.l.) und Bsr. Barbara Schmickler<br />

von der UNITAS Clara Schumann Bonn. � Am Sonntag fanden die Feierlichkeiten<br />

ihren Abschluss mit e<strong>in</strong>em Festhochamt <strong>in</strong> St. Dionysius. � Von dort<br />

zogen die Chargierten und die anderen Teilnehmer des Gottesdienstes zum<br />

Ausklang im UNITAS-Haus „Feldschlösschen“.<br />

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unitas 4/2011 257


„Freiheit ist ke<strong>in</strong>e Selbstverständlichkeit“<br />

BBR. DR. JÜRGEN BECKER RUFT IN SEINEM GRUßWORT BEIM FESTKOMMERS ANLÄSSLICH<br />

DES 100. STIFTUNGSFESTS DER UNITAS RUHRANIA ZU MEHR ZIVILCOURAGE AUF.<br />

Festliche Versammlung,<br />

<strong>in</strong>sbesondere liebe Bundesbrüder und verehrte<br />

Bundesschwestern – die letzte Anrede<br />

kommt noch ungewohnt über me<strong>in</strong>e<br />

Lippen – vor 60 Jahren gab es diese s<strong>in</strong>nvolle<br />

Ergänzung, man könnte auch sagen Vervollkommnung,<br />

noch nicht. Was soll e<strong>in</strong><br />

Grußwort zum 100. Gründungstag e<strong>in</strong>er Institution<br />

leisten, die vor zwei Jahrzehnten<br />

so revitalisiert und reaktiviert wurde, dass<br />

sie für e<strong>in</strong> zweites Jahrhundert e<strong>in</strong>es<br />

segensreichen Wirkens solide aufgestellt<br />

ersche<strong>in</strong>t. Ich möchte e<strong>in</strong>ige Denkstücke/<br />

Denkansätze aus der Sicht e<strong>in</strong>es Ruhranen<br />

liefern, der vor rund sechs Jahrzehnten <strong>in</strong><br />

die Ruhrania an ihrem ursprünglichen Sitz<br />

<strong>in</strong> Münster rezipiert wurde. Anschaulicherweise<br />

geschieht das im Licht der drei<br />

unitarischen Pr<strong>in</strong>zipien:<br />

258<br />

unitas 4/2011<br />

Virtus<br />

Die 2010 durch Suizid gestorbene Jugendrichter<strong>in</strong><br />

an Deutschlands größtem Amtsgericht<br />

Berl<strong>in</strong>-Tiergarten, Kirsten Heisig,<br />

beendete ihr Buch: „Das Ende der Geduld“<br />

mit dem Nachwort unter der Überschrift<br />

„Etwas Persönliches zu guter Letzt“. Dort<br />

heißt es:<br />

„Es ist <strong>in</strong> me<strong>in</strong>em Leben selten e<strong>in</strong> längerer<br />

Zeitraum vergangen, <strong>in</strong> dem ich nicht<br />

darüber nachdachte, welch unglaubliches<br />

Glück ich habe, <strong>in</strong> diesem Land zu diesem<br />

Zeitpunkt der Weltgeschichte leben zu dürfen,<br />

Ich b<strong>in</strong> 1961 geboren, das ist nicht so<br />

lange nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges.<br />

Dennoch fand ich von Anfang an<br />

Entwicklungsbed<strong>in</strong>gungen vor, die es mir<br />

ermöglichten, <strong>in</strong> Frieden. Freiheit und<br />

Gleichheit aufzuwachsen und schulisch,<br />

beruflich und privat unbehelligt von äußeren<br />

E<strong>in</strong>flüssen und gesellschaftlichen<br />

Zwängen eigene Entscheidungen zu treffen.<br />

Dafür b<strong>in</strong> ich auch den Vätern des<br />

Grundgesetzes der Bundesrepublik Deutschland<br />

dankbar. Die me<strong>in</strong>er Generation zur<br />

Verfügung stehenden Möglichkeiten folgen<br />

ke<strong>in</strong>em Naturgesetz. Wenn ich mich <strong>in</strong><br />

anderen historischen Phasen oder <strong>in</strong> anderen<br />

Teilen der Welt umschaue, fühle ich mich<br />

dar<strong>in</strong> bestärkt, unserem Land etwas zurükkzugeben,<br />

das jenseits der Ausübung me<strong>in</strong>er<br />

beruflichen Tätigkeit liegt – auch wenn ich<br />

dabei anecke.“<br />

Diese Worte von Kirsten Heisig spiegeln<br />

me<strong>in</strong>e damaligen und heutigen Empf<strong>in</strong>dungen<br />

sowie die mutmaßlichen E<strong>in</strong>-<br />

sichten me<strong>in</strong>er damaligen Kommilitonen<br />

wider. Damals waren wir froh, davongekommen<br />

zu se<strong>in</strong> und <strong>in</strong> der ehemaligen britischen<br />

Besatzungszone der damals noch<br />

jungen BRD zu leben. Heute, nach Abschluss<br />

des Berufslebens, s<strong>in</strong>d wir uns der<br />

Gunst gegenüber früheren Generationen<br />

oder anderen Weltregionen bewusst, acht<br />

Jahrzehnte Frieden, Freiheit und Gleichheit<br />

erlebt zu haben. Heisig fährt fort:<br />

„Ich möchte, dass die künftigen Generationen<br />

dieselben Chancen erhalten, die sich<br />

mir boten. Hier sehe ich momentan Gefahren,...<br />

Die Gesellschaft bef<strong>in</strong>det sich aus<br />

me<strong>in</strong>er Sicht an e<strong>in</strong>em Scheidewege. Sie<br />

könnte sich spalten <strong>in</strong> ‚l<strong>in</strong>ks’ und ‚rechts’, <strong>in</strong><br />

‚muslimisch’ und ‚nicht muslimisch’....“<br />

Bbr. Dr. Jürgen Becker bei se<strong>in</strong>em Grußwort<br />

Die Alternativen möchte ich erweitern<br />

<strong>in</strong> e<strong>in</strong>e wachsende Zahl der von Alimenten<br />

des Staates Lebenden sowie zwangsläufig<br />

(auch bed<strong>in</strong>gt durch die Alterspyramide)<br />

von e<strong>in</strong>er kle<strong>in</strong>er werden Zahl der den Staat<br />

mit Steuern, Abgaben und Beiträgen<br />

Tragenden.<br />

Steht aber unsere Gesellschaft am<br />

Scheidewege, stellt sich weniger die Frage,<br />

ob jeder E<strong>in</strong>zelne von uns und unsere<br />

Geme<strong>in</strong>schaft e<strong>in</strong>e Mitverantwortung zur<br />

Problemlösung trägt, sondern wie unser<br />

Beitrag aussehen kann.<br />

Kirsten Heisig gibt <strong>in</strong> ihrem Buch<br />

e<strong>in</strong>erseits H<strong>in</strong>weise, die zur Reduzierung<br />

der Jugendkrim<strong>in</strong>alität beitragen, andererseits<br />

zeigt sie auf, dass die Gewaltkrim<strong>in</strong>alität<br />

und Brutalisierung nicht<br />

alle<strong>in</strong> mit den Mitteln der Strafjustiz bewältigt<br />

werden kann. Im dem Nachwort<br />

„zu guter Letzt“ schrieb Kirsten Heisig,<br />

sie sei immer wieder gefragt worden:<br />

„Warum tun Sie das alles? Warum erledigen<br />

Sie nicht e<strong>in</strong>fach nur Ihre Arbeit?<br />

Warum mischen Sie sich derart<br />

e<strong>in</strong>?“<br />

Als Richtschnur sowohl für<br />

jeden E<strong>in</strong>zelnen von uns als auch<br />

für die Ruhranengeme<strong>in</strong>schaft<br />

drängt sich auf, sich gefragt oder<br />

ungefragt e<strong>in</strong>zumischen. Beispielhaft<br />

haben das die vier<br />

Lübecker Märtyrer getan, darunter<br />

unsere beiden Bundesbrüder<br />

Johannes Prasseck und Eduard<br />

Müller. Für ihren Mut setzten sie<br />

e<strong>in</strong> 17-monatiges Martyrium und<br />

ihr Leben durch Enthauptung<br />

e<strong>in</strong>.<br />

Was kaum von uns Aktiven<br />

damals <strong>in</strong> Münster Anfang der<br />

50er Jahre im E<strong>in</strong>zelnen wahrgenommen<br />

wurde, war die damals<br />

<strong>in</strong> Deutschland-Ost neu errichtete<br />

rote Diktatur bzw. die E<strong>in</strong>wechslung<br />

von Braun <strong>in</strong> Rot. Acht<br />

Jahre nach der H<strong>in</strong>richtung der<br />

vier Lübecker Geistlichen am 10.<br />

November 1943 zeigte diesmal<br />

die rote Diktatur auf Deutschlands<br />

Boden ihr wahres Gesicht:<br />

Sechs junge DDR-Bürger (bekannt<br />

als Gruppe Arno Esch,<br />

Jurastudent an der Universität<br />

Rostock) wurden <strong>in</strong> Schwer<strong>in</strong> zum<br />

Tode verurteilt. Der Vorwurf vergleichbar<br />

den Vorwürfen gegen<br />

die Lübecker Geistlichen: Landesverrat,<br />

Agitation und Propaganda, illegale<br />

Gruppenbildung. Fünf dieser jungen<br />

Deutschen wurden 1951 <strong>in</strong> Moskau h<strong>in</strong>gerichtet,<br />

durch Erschießen, nicht wie die vier<br />

Lübecker durch das Fallbeil. Der sechste<br />

starb 1951 <strong>in</strong> e<strong>in</strong>em sowjetischen Gefängnis.<br />

Im Juli 1990 hob das Militärkollegium des


Obersten Gerichts der UDSSR die Urteile auf<br />

und rehabilitierte sie.<br />

Von den vier Lübecker Märtyrern wurde<br />

das Urteil des sog. Volksgerichtshofs vom<br />

23. Juni 1943 gegen den Pastor der evangelisch-lutherischen<br />

Kirche Karl Friedrich<br />

Stellbr<strong>in</strong>k auf Antrag der evangelisch-lutherischen<br />

Landeskirche durch Beschluss<br />

des LG Berl<strong>in</strong> vom 05. November 1993,<br />

517 AR 11/93 (2 P Aufh. 2/93), aufgehoben.<br />

Die Urteile des v. g. Volksgerichtshofs,<br />

ebenfalls vom 23. Juni 1943 gegen die drei<br />

seligen Lübecker Kapläne Johannes Prassek,<br />

Hermann Lange und Eduard Müller wurde<br />

auf Antrag der W.K.St.V. Ruhrania vom<br />

20. März 2011 durch Beschluss der StA<br />

Berl<strong>in</strong> vom 28. April 2011, 231 AR 20111, aufgehoben.<br />

Freiheit war und ist eben ke<strong>in</strong>e Selbstverständlichkeit,<br />

auch heute nicht! Sie<br />

bedarf ständiger Muterprobung. Wer sich<br />

e<strong>in</strong>mischt, zeigt Flagge. Zivilcourage ist<br />

immer wieder gefragt. Anlässe hierfür gibt<br />

es zuhauf, nahezu täglich. Dabei riskieren<br />

wir regelmäßig nicht unser Leben. Lediglich<br />

gegen Herabwürdigungen und Ausgrenzungen<br />

s<strong>in</strong>d wir nicht gefeit.<br />

Dabei räume ich e<strong>in</strong>,<br />

dass me<strong>in</strong>e Bundesbrüder<br />

und ich uns nach me<strong>in</strong>er<br />

Er<strong>in</strong>nerung nicht <strong>in</strong> öffentliche<br />

Debatten Anfang der<br />

50er Jahre des vorigen Jahrhunderts<br />

e<strong>in</strong>gemischt haben.<br />

Damals erlebten wir die<br />

Zeit, dass gerade 1949 aus<br />

vier Besatzungszonen im<br />

Westen die Bundesrepublik<br />

und im Osten die DDR entstanden<br />

waren. Auch gab es<br />

damals große Leitpersönlichkeiten,<br />

die mit ihrer Vision<br />

e<strong>in</strong>es gee<strong>in</strong>ten Europa<br />

nicht nur überzeugten, sondern<br />

begeisterten: Churchill,<br />

De Gasperi, Monnet, Adenauer,<br />

nicht zuletzt unser<br />

Bundesbruder Robert Schuman<br />

mit se<strong>in</strong>em denkwürdigen<br />

Schuman-Plan 1950. Die<br />

gegenwärtigen Führungseliten<br />

der Unternehmen, Gewerkschaften,<br />

der politischen Parteien und auch im Parlament<br />

s<strong>in</strong>d – vorsichtig ausgedrückt – im<br />

jeweiligen Format überschaubar. In der jungen<br />

Bundesrepublik, die sich seit dem<br />

Währungsjahr 1948 zu e<strong>in</strong>em Wohlstandsstaat<br />

entwickelte, konnten wir dem ersten<br />

Bundeskanzler, dem Alten aus Rhöndorf, <strong>in</strong><br />

hohem Maße vertrauen. Natürlich hätte<br />

man die NS-Vergangenheit so manchen<br />

Politikers und Verwaltungschefs h<strong>in</strong>terfragen<br />

können, was die 68er dann nachholten.<br />

In der Ruhrania von damals gab es zwar<br />

überwiegend ehemalige Soldaten der<br />

Wehrmacht, nicht jedoch Bundesbrüder mit<br />

ehemaliger oder noch vorhandener brauner<br />

Prägung. Die Ruhrania hatte ke<strong>in</strong>en Ansatz<br />

zu e<strong>in</strong>er Eigenfilterung.<br />

Scientia<br />

Seit anderthalb Jahren b<strong>in</strong> ich – von e<strong>in</strong>igen<br />

Rückabwicklungsarbeiten abgesehen –<br />

außer Dienst. Hierzu bekam ich von me<strong>in</strong>er<br />

Familie Helmut Schmidts Bilanz „Außer<br />

Dienst“ geschenkt. Diesem ehemaligen<br />

Bundeskanzler dürfte zwar – wie vielen –<br />

der Katechismus weitgehend fremd se<strong>in</strong>.<br />

Aber <strong>in</strong> dem Abschnitt „Erfahrungen verändern<br />

Maßstäbe“ unterstreicht das Kapitel<br />

„Netzwerke“ die Wichtigkeit der unitarischen<br />

fächerübergreifenden wissenschaftlichen<br />

Ause<strong>in</strong>andersetzungen. In me<strong>in</strong>em<br />

späteren Berufsleben habe ich den Nutzen<br />

solcher Disputationen – die gleichzeitig<br />

Fort- und Weiterbildungsveranstaltungen<br />

waren – stärker erkannt als zur Zeit me<strong>in</strong>er<br />

Aktivenzeit. Wenn Schmidt <strong>in</strong> se<strong>in</strong>em Buch<br />

auch nicht spezielle wissenschaftliche Ause<strong>in</strong>andersetzungen<br />

me<strong>in</strong>t, s<strong>in</strong>d se<strong>in</strong>e<br />

Ausführungen hierüber doch beachtenswert.<br />

Deshalb möchte ich zitieren:<br />

„Um e<strong>in</strong> kont<strong>in</strong>uierliches Gespräch über<br />

Berufs- und Parteigrenzen h<strong>in</strong>weg zu er-<br />

möglichen, gibt es seit mehr als 20 Jahren <strong>in</strong><br />

me<strong>in</strong>er Heimatstadt Hamburg die Freitagsgesellschaft,<br />

deren Mitglieder sich sechs oder<br />

siebenmal im Jahr treffen, um sich durch Vorträge<br />

und Diskussionen gegenseitig zu bereichern.<br />

Was uns e<strong>in</strong>t, s<strong>in</strong>d Engagement für das<br />

öffentliche Wohl, die Salus publica, Offenheit<br />

und Toleranz.“ Dann erwähnt Schmidt auch<br />

die adäquate Mittwochsgesellschaft <strong>in</strong> Berl<strong>in</strong><br />

und fährt fort:„Nur selten habe ich Sitzungen<br />

der Freitagsgesellschaft und der Mittwochsgesellschaft<br />

versäumt.“<br />

Weil die wissenschaftlichen Ause<strong>in</strong>andersetzungen<br />

zum Kern unitarischen Lebens<br />

zählen, möchte ich diesen Ansporn<br />

aus anderer Sicht nicht vorenthalten, möglichst<br />

ke<strong>in</strong>e dieser Möglichkeiten der Unterrichtung<br />

und Orientierung zu versäumen.<br />

Amicitia<br />

Vorh<strong>in</strong> erwähnte ich die Überschrift<br />

„Netzwerke“ <strong>in</strong> dem Unterabschnitt <strong>in</strong><br />

Helmut Schmidts Buch „Erfahrungen verändern<br />

Maßstabe“. E<strong>in</strong> Netzwerk ist auf<br />

Karriereplanung und Berufserfolgsorientierung<br />

ausgerichtet. Amicitia hat h<strong>in</strong>gegen<br />

ke<strong>in</strong>en eigenen Nutzen im Auge. Der<br />

Amicus will <strong>in</strong> erster L<strong>in</strong>ie Gönner, Gefährte,<br />

Verbündeter, Ratgeber se<strong>in</strong>. Als solcher<br />

habe ich viele Bundesbrüder erlebt, die wir<br />

damals, soweit sie Ruhranen waren,<br />

Vere<strong>in</strong>sbrüder nannten. E<strong>in</strong>en möchte ich<br />

nennen, den früheren bischöflichen Kaplan<br />

und späteren Biografen von Bischof<br />

Clemens August Graf von Galen, Bundesbruder<br />

Dr. He<strong>in</strong>rich Portmann. Er saß im<br />

münsterschen Vere<strong>in</strong>slokal der Ruhrania<br />

regelmäßig an der Kopfseite, neben dem<br />

jeweiligen Seniorat. Nach me<strong>in</strong>er Er<strong>in</strong>nerung<br />

war er an jedem wöchentlichen<br />

Ruhranenabend zugegen. Er war jedem von<br />

uns gewogen, grenzte niemanden aus,<br />

behandelte jeden von uns mit Güte und<br />

Wohlwollen. Leider äußerte<br />

er sich über sich selbst<br />

kaum. Insbesondere sprach<br />

er nicht über die Galenpredigten,<br />

die er zum<strong>in</strong>dest<br />

mitredigiert haben dürfte.<br />

Als wir ihn e<strong>in</strong>mal fragten,<br />

wo er promoviert worden<br />

sei, antwortete er schlicht:<br />

„In Rom, an der Quelle saß<br />

der Knabe.“ Von e<strong>in</strong>er Bombennacht<br />

<strong>in</strong> Münster erzählte<br />

er, als Bischof Galen <strong>in</strong><br />

Strümpfen das brennende<br />

Palais geräumt habe.<br />

Rückblickend war He<strong>in</strong>rich<br />

Portmann für uns damalige<br />

Aktive e<strong>in</strong>e wohlwollende,<br />

väterliche Instanz mit<br />

Deutungshoheit <strong>in</strong> allen religiösen<br />

Fragen, e<strong>in</strong> gelassener<br />

Ratgeber, der sich nicht<br />

aufdrängte, eben e<strong>in</strong> Amicus<br />

<strong>in</strong> bestem S<strong>in</strong>ne des Wortes.<br />

Damit möchte ich me<strong>in</strong>e Reflektierung<br />

unserer drei Pr<strong>in</strong>zipien schließen. Wenn die<br />

Ruhrania nicht vor 100 Jahren gegründet<br />

worden wäre, der Gründungsakt müsste<br />

heute <strong>in</strong>itiiert werden. Das Gleiche gilt von<br />

der Wiederbelebung vor zwei Jahrzehnten.<br />

Beides ist nicht selbstverständlich. Für beides<br />

s<strong>in</strong>d wir Ehemaligen – sowohl denen,<br />

auf deren Schultern wir standen, als auch<br />

den uns Nachfolgenden – zu Dank verpflichtet.<br />

Vivat – floreat – crescat, <strong>Unitas</strong> Ruhrania,<br />

ad secundam aetatem!<br />

unitas 4/2011 259


ZUVERSICHT IN STÜRMISCHEN ZEITEN – CHRISTLICHES ZEUGNIS IN DER POLITIK<br />

Bbr. Mart<strong>in</strong> Kastler MdEP im Interview<br />

Es ist wieder e<strong>in</strong>er dieser Tage: Seit dem<br />

frühen Morgen ist er auf den Be<strong>in</strong>en, wieder<br />

e<strong>in</strong>e lange Abendveranstaltung. Doch<br />

irgendwann reißt er sich aus den Gesprächen,<br />

sucht e<strong>in</strong>e stille Ecke, ruft schnell<br />

se<strong>in</strong>e Frau an. „Das ist mir wichtig“, sagt<br />

Bbr. Mart<strong>in</strong> Kastler. Sie und die beiden<br />

K<strong>in</strong>der sieht der 37-Jährige nicht gerade<br />

regelmäßig – seit drei Jahren sitzt er für die<br />

CSU im Europa-Parlament und reißt das<br />

ganze Jahr über ungezählte Kilometer ab.<br />

„Ich weiß gar nicht, wie viele“, überlegt er<br />

im Gespräch mit der UNITAS. In den sechs<br />

Wochen des letzten Wahlkampfes seien es<br />

alle<strong>in</strong> 16.000 nur <strong>in</strong> se<strong>in</strong>em mittelfränkischen<br />

Wahlkreis gewesen. „Wie’s im Jahr<br />

ist, da müsste ich jetzt tatsächlich echt mal<br />

nachrechnen.“<br />

Leidenschaft ist nötig<br />

Für se<strong>in</strong>en Job sche<strong>in</strong>t neben guter<br />

Organisation vor allem e<strong>in</strong>es gefragt: E<strong>in</strong>e<br />

Menge Leidenschaft. Und die hat er. Sie<br />

packte ihn schon, bevor er als Student der<br />

Geschichte und Politikwissenschaften <strong>in</strong><br />

Erlangen vor 15 Jahren nach Prag g<strong>in</strong>g, um<br />

<strong>in</strong> der außenpolitischen Abteilung des<br />

Präsidenten der Tschechischen Republik,<br />

Václav Havel, mitzuarbeiten. Über erste<br />

berufliche Tätigkeiten als Journalist kam<br />

Bbr. Kastler, seit 1999 Mitglied im CSU-<br />

Bezirksvorstand Nürnberg-Fürth-Schwabach,<br />

2003 erstmals für e<strong>in</strong> Jahr als Abgeordneter<br />

<strong>in</strong>s Europäische Parlament. Aktiv<br />

<strong>in</strong> der Paneuropaunion (PEU) und der<br />

Europa-Union wurde er 2008 Referatsleiter<br />

für Entwicklungspolitische Grundsatzfragen<br />

und EU-Projekt-Koord<strong>in</strong>ator bei der<br />

Hanns-Seidel-Stiftung, g<strong>in</strong>g wieder nach<br />

Brüssel und Straßburg. Se<strong>in</strong>er Region blieb<br />

er dabei eng verbunden: Schon früh engagiert<br />

im Jugendhilfeausschuss der Stadt<br />

Nürnberg, aktiv bei se<strong>in</strong>er UNITAS Franko-<br />

Palatia und im Bundesvorstand der Ackermann-Geme<strong>in</strong>de,<br />

bekennt er sich auch zu<br />

se<strong>in</strong>er kirchlichen Heimat, arbeitet <strong>in</strong><br />

Initiativen der Caritas und Diakonie mit, im<br />

Diözesanrat des Bistums Eichstätt, gründete<br />

e<strong>in</strong>en katholischen Missionskreis. Seit<br />

2010 ist er Bundesvorsitzender der Ackermann-Geme<strong>in</strong>de<br />

und steht auch <strong>in</strong> se<strong>in</strong>em<br />

Lebenslauf zu se<strong>in</strong>er Funktion als „Gesellschaftspolitischer<br />

Beirat des <strong>Unitas</strong>-Verbandes“.<br />

„Europa ist e<strong>in</strong>e<br />

großartige Friedensidee“<br />

„Europa ist doch schon e<strong>in</strong>fach von der<br />

Idee her großartig, die großartigste Friedensidee<br />

wahrsche<strong>in</strong>lich weltweit. Und sie<br />

260<br />

unitas 4/2011<br />

Bbr. Mart<strong>in</strong> Kastler M.A. (UNITAS Franko-Palatia Nürnberg), Europaabgeordneter der CSU, geboren<br />

1974, Studium der Geschichte und Politik <strong>in</strong> Erlangen und Prag, verheiratet, zwei K<strong>in</strong>der. Seit 2008<br />

Abgeordneter im Europäischen Parlament (Nürnberg-Fürth-Schwabach/Mittelfranken), sozial-<br />

und entwicklungspolitischer Sprecher der CSU im Europäischen Parlament; ordentliches Mitglied:<br />

Ausschuss für Beschäftigung und Soziale Angelegenheiten, stv. Mitglied im Ausschuss für Entwicklung;<br />

Delegationen: Mitglied <strong>in</strong> der Delegation EU-Mazedonien, stellvertretendes Mitglied <strong>in</strong><br />

der Paritätischen Versammlung EU-AKP-Staaten. Kontakt: E-Mail: europa@kastler.de,<br />

Internet: www.kastler.de.<br />

ist erfolgreich: Wir haben noch nie so lange<br />

Frieden hier <strong>in</strong> unserem Kont<strong>in</strong>ent gehabt!“,<br />

er<strong>in</strong>nert Kastler bei all se<strong>in</strong>en Reisen<br />

und Auftritten immer wieder. E<strong>in</strong>e e<strong>in</strong>fache<br />

und für jeden verständliche Botschaft sei<br />

das nach dem Völkermorden des letzten<br />

Krieges gewesen. Aber jetzt sei alles anders:<br />

„Wir s<strong>in</strong>d an e<strong>in</strong>em Punkt angekommen,<br />

wo es ansche<strong>in</strong>end nur noch um komplizierte<br />

Tagespolitik geht. Wer versteht denn<br />

noch, wie e<strong>in</strong>e Gesetzgebung von Europa<br />

bis auf die Kommune herunter gebrochen<br />

wird? Wie viele daran beteiligt s<strong>in</strong>d, warum<br />

es so lange dauert? Wie will man das noch<br />

erklären?“<br />

Geme<strong>in</strong>same<br />

Wirtschaftspolitik gefragt<br />

Dabei sei die Botschaft immer noch dieselbe:<br />

„Dass wir Frieden brauchen, ist so<br />

aktuell wie nie. Mitterand hat e<strong>in</strong>mal <strong>in</strong> se<strong>in</strong>er<br />

fast testamentarischen Rede im<br />

Europaparlament kurz vor se<strong>in</strong>em Tod<br />

gesagt: Nationalisme c’est la guerre –<br />

Nationalismus ist der Krieg. Und dar<strong>in</strong><br />

steckt doch immer noch der Auftrag!“<br />

Kastler ist sauer über neue nationalistische<br />

Strömungen, darüber, dass Jahre verplempert<br />

wurden, um Europa voranzubr<strong>in</strong>gen.<br />

Längst bevor stündliche Meldungen zur<br />

Griechenland-Krise und zum drohenden<br />

Untergang des europäischen F<strong>in</strong>anzsystems<br />

an den Nerven zerrten, klagte er<br />

über das Fehlen e<strong>in</strong>er geme<strong>in</strong>samen<br />

Wirtschaftskoord<strong>in</strong>ierung, dass 27 Staaten<br />

ke<strong>in</strong>e geme<strong>in</strong>same Wirtschaftspolitik h<strong>in</strong>bekommen<br />

– und wollen. Wirtschaftswachstum<br />

lasse sich nicht aus Olivenproduktion<br />

oder Tourismus generieren, holt<br />

er aus, nötig sei auch e<strong>in</strong>e <strong>in</strong>dustrielle<br />

Wertschöpfung.<br />

Alle müssen mit<br />

e<strong>in</strong>er Stimme reden<br />

„Wer nur auf Dienstleistungen setzt,<br />

soll sich mal Großbritannien ansehen, dessen<br />

Industriestandort eigentlich nicht<br />

mehr existent ist!“ Nicht nur der Export-<br />

Weltmeister Deutschland, sondern ganz<br />

Europa müsse se<strong>in</strong>e Produktionen sichern,<br />

kommt er auf Ch<strong>in</strong>a zu sprechen. Wettbewerb<br />

f<strong>in</strong>de längst im globalen Rahmen<br />

statt.„Und guckt man sich die Ch<strong>in</strong>esen an:


Hochachtung! Die s<strong>in</strong>d nicht überschuldet.<br />

Die kaufen unsere Schulden e<strong>in</strong>, das muss<br />

man sich mal vorstellen“, warnt er vor<br />

wachsender Abhängigkeit. Es reiche nicht,<br />

wenn Länder wie Luxemburg, Italien oder<br />

auch Deutschland alle<strong>in</strong>e verhandelten.<br />

Alle 27 Länder müssten ihr Gewicht <strong>in</strong> die<br />

Schale werfen, mit e<strong>in</strong>er Stimme reden.<br />

Denn längst agiere Ch<strong>in</strong>a nicht nur <strong>in</strong><br />

Afrika, auch bei uns würden täglich Firmen<br />

aufgekauft. „Und fast ke<strong>in</strong>er weiß es!“<br />

Europa –<br />

Dame ohne Unterleib?<br />

Doch Kastler hat mit Blick auf den<br />

zähen Politikbetrieb zwischen Brüssel,<br />

Straßburg und den europäischen Hauptstädten<br />

nicht nur Fragen der kont<strong>in</strong>entalen<br />

Ökonomie im Visier. So drängend sie <strong>in</strong>zwischen<br />

s<strong>in</strong>d, so sehr sie im Kampfgeschrei<br />

der aktuellen Euro-Debatte visionäre wie<br />

praktische Antworten und<br />

konkrete Taten fordern: Das<br />

Projekt dürfe nicht zur<br />

„Dame ohne Unterleib“ werden.<br />

„Unseren Gründungsvätern<br />

war doch noch ganz<br />

klar, wo wir herkommen. Für<br />

sie stand Europa auf den<br />

Säulen der Demokratie, des<br />

Rechtsstaats und des Christentums.<br />

Sie haben dieses<br />

Europa geprägt von Anfang<br />

an bis heute“, er<strong>in</strong>nert<br />

Kastler.<br />

„Aber heute gibt’s e<strong>in</strong>ige,<br />

die Teile dieser Säulen gerne<br />

e<strong>in</strong>schrumpfen würden. Und<br />

das dürfen wir als Christen,<br />

die <strong>in</strong> der Politik, der Gesellschaft<br />

und <strong>in</strong> der Kirche<br />

aktiv s<strong>in</strong>d, uns natürlich<br />

nicht e<strong>in</strong>fach so wegnehmen lassen.“<br />

Darauf bestehen, dass die Grundrechtecharta<br />

auf dem christlichen Fundament<br />

steht, widersprechen, wenn andere das<br />

Gegenteil behaupten, all diesen Täuschungsversuchen<br />

widerstehen – darauf<br />

komme es an. „Wir dürfen das nicht aus der<br />

Hand geben, wir müssen sie aber auch<br />

weiter ausbauen. Deswegen ist es wichtig,<br />

dass wir uns als Christen nicht <strong>in</strong> die<br />

Ecke verziehen sondern vorne stehen, mitgestalten<br />

<strong>in</strong> Europa. Jetzt wie vor 60<br />

Jahren!“<br />

Den Sonntag schützen<br />

Dafür steht der studierte Historiker<br />

auch <strong>in</strong> se<strong>in</strong>er parlamentarischen Arbeit:<br />

Als ordentliches Mitglied im Ausschuss für<br />

Beschäftigung und Soziale Angelegenheiten<br />

oder der <strong>in</strong>terfraktionellen Arbeitsgruppe<br />

für städtische Ballungsräume, vor<br />

allem aber als sozial- und entwicklungspolitischer<br />

Sprecher der CSU im Europäischen<br />

Parlament und als Vizepräsident der<br />

Interfraktionellen Arbeitsgruppe Bioethik<br />

und der der EVP-Arbeitsgruppe Bioethik.<br />

Bei allen großen und Detailfragen, mit<br />

denen sich e<strong>in</strong> Europapolitiker zu beschäftigen<br />

hat, ist er mit e<strong>in</strong>em Thema besonders<br />

unterwegs: Er wirbt für den Schutz des<br />

Sonntags. Im Februar 2009 reichte er geme<strong>in</strong>sam<br />

mit vier Parlamentskollegen e<strong>in</strong>e<br />

Schriftliche Erklärung zum Schutz des<br />

Sonntags <strong>in</strong> das Europäische Parlament e<strong>in</strong>,<br />

die von 261 Europaabgeordneten unterstützt<br />

wurde. Für ihn ist es der erste Tag der<br />

Woche, an dem auch er Zeit für die Familie<br />

haben und <strong>in</strong> die Kirche gehen will.<br />

„Der Sonntag ist gefährdet <strong>in</strong> Europa,<br />

machen wir uns nichts vor“, gibt Kastler zu<br />

Protokoll, verweist auf 16 Länder auf dem<br />

Kont<strong>in</strong>ent, wo er als arbeitsfreier Tag noch<br />

geschützt ist. „Aber <strong>in</strong> 11 Ländern <strong>in</strong> Europa<br />

ist rund um die Uhr alles offen. Und daher<br />

Wirbt für Europa: Bbr. Mart<strong>in</strong> Kastler MdEP im westlichen<br />

Mittelfranken mit der Jungen Union Neustadt /Aisch<br />

müssen wir uns anstrengen, e<strong>in</strong> Zeichen<br />

setzen.“ Gerade heute sei es notwendig,<br />

diesen kulturell gewachsenen Lebensrhythmus<br />

zu bewahren, den Arbeitsprozess<br />

zu unterbrechen. „Heute sagt man Work-<br />

Life-Balance. Und dazu gehört e<strong>in</strong> fester<br />

arbeitsfreier Tag. Das ist <strong>in</strong> Europa der<br />

Sonntag!“ Er verweist auch auf geänderte<br />

Familienstrukturen mit ihren spezifischen<br />

Problemen, darauf, dass K<strong>in</strong>der e<strong>in</strong> Recht<br />

auf ihre Eltern haben. „Bleibt der Sonntag<br />

arbeitsfrei, profitieren davon alle. Der freie<br />

Sonntag ist unser Kulturgut, tragendes<br />

Element des europäischen Sozialmodells,<br />

Teil des europäischen Kulturerbes, weltweit<br />

Familientag Nr. 1. E<strong>in</strong> freier Sonntag gibt<br />

Raum, um Kraft zu tanken. Das ist auch<br />

gelebter Gesundheitsschutz am Arbeitsplatz<br />

– und damit e<strong>in</strong> Kernanliegen der<br />

Europäischen Union.“<br />

E<strong>in</strong>e Initiative, mit der Bbr. Kastler ganz<br />

nebenher auch e<strong>in</strong> weiteres Ziel verfolgt:<br />

Mehr aktive Bürgerbeteiligung. Seit längerem<br />

setzt er sich für mehr Volksentscheide<br />

e<strong>in</strong>. Jetzt besteht mit dem Lissabon-Vertrag<br />

2009 die Möglichkeit, e<strong>in</strong>e Bürger<strong>in</strong>itiative<br />

auf europäischer Ebene zu starten, um die<br />

Europäische Kommission aufzufordern,<br />

e<strong>in</strong>en Rechtsakt auf den Weg zu br<strong>in</strong>gen.<br />

Für Kastler e<strong>in</strong>e e<strong>in</strong>malige Chance der EU-<br />

Bürger, direkte Demokratie auszuüben.<br />

Christen müssen mitwirken<br />

Unterstützung komme – ganz unabhängig<br />

von Konfessionen oder Religionen -<br />

nicht nur von christlicher Seite, z.B. auch<br />

von muslimischen Verbänden <strong>in</strong> Europa.<br />

Se<strong>in</strong>e Initiative im federführenden Sozialund<br />

Beschäftigungsausschuss im europäischen<br />

Parlament führte zur Gründung<br />

e<strong>in</strong>er „Europäischen Allianz für den arbeitsfreien<br />

Sonntag“. Mittlerweile unterstützt<br />

durch ganz viele unterschiedlichen Mitspieler<br />

– „von Kirche über Gewerkschaft bis<br />

zu Verbänden und E<strong>in</strong>zelpersonen s<strong>in</strong>d sie<br />

dabei.“ Die von ihm mitgegründete Onl<strong>in</strong>ekampagne<br />

www.freiersonntag.eu und die<br />

englischsprachige Seite www.free-sunday.eu<br />

sammeln dafür Unterstützer und<br />

Unterzeichner im Internet. E<strong>in</strong>e Million<br />

europaweit gesammelte Stimmen können<br />

e<strong>in</strong>en Gesetzgebungsprozess <strong>in</strong> Europa <strong>in</strong><br />

Gang setzen, so Bbr. Kastler:„Ich b<strong>in</strong> absolut<br />

überzeugt: Wir werden diese Hürde mit<br />

Sicherheit schaffen, weil so viele mitarbeiten.<br />

Dafür wollen wir kämpfen. Und es ist<br />

wichtig, dass wir als Christen mitwirken.“<br />

Christlicher Berufsoptimist<br />

Was macht ihm eigentlich bei all den<br />

vielen Baustellen Hoffnung? Und was treibt<br />

ihn persönlich an? „Gute Frage“, zögert<br />

Mart<strong>in</strong> Kastler erst. Manchmal reiche ihm<br />

schon, was man erleben müsse. „Aber als<br />

katholischer Christ b<strong>in</strong> ich Berufsoptimist<br />

und glaube, dass wir jeder unsere Aufgabe<br />

haben. Ich habe die Aufgabe, als Europaabgeordneter<br />

für me<strong>in</strong>e Region hier <strong>in</strong><br />

Brüssel und <strong>in</strong> Straßburg was zu bewegen.<br />

Und es ist bekannt, wofür ich stehe.“ Se<strong>in</strong>e<br />

Me<strong>in</strong>ung gebe er nicht e<strong>in</strong>fach an der<br />

Garderobe ab. „Von daher baut mich das<br />

auf, mich mit denen zu treffen und<br />

Geme<strong>in</strong>schaft zu haben, die ähnlich denken.<br />

Und die gibt’s.“<br />

Wenn das auch viele nicht gleich zeigten,<br />

habe er viele überraschende Erlebnisse<br />

auch <strong>in</strong> Brüssel oder <strong>in</strong> Straßburg erlebt:<br />

„Und das ist dann eigentlich schön. Dass<br />

sich dort Christen zusammensetzen, auch<br />

unterschiedlicher Konfession, Netzwerke<br />

bilden über Parteigrenzen h<strong>in</strong>weg, um hier<br />

auch als Christen <strong>in</strong> Europa Flagge zu zeigen,<br />

das ist eigentlich schön.„Das ist etwas,<br />

woran man sich auch festhalten kann,<br />

wenn es Gegenw<strong>in</strong>d gibt, gerade <strong>in</strong> stürmischen<br />

Zeiten wie jetzt.“<br />

Interview: C. Beckmann<br />

unitas 4/2011 261


262<br />

Josef W<strong>in</strong>kler Dr. Hermann Kues Jürgen Becker Dr. Helge Braun Peer Ste<strong>in</strong>brück Volker Kauder Hans-Ulrich Jörges<br />

Politik und Studentenverbände im Gespräch –<br />

PROMINENT BESETZTES „BERLIN-SEMINAR“ DER AGV DISKUTIERTE<br />

ÜBER EURO-RETTUNGSSCHIRM, GENERATIONENGERECHTIGKEIT<br />

UND BOLOGNA-REFORM<br />

VON BSR. BARBARA SCHMICKLER<br />

Aktueller hätte es die Arbeitsgeme<strong>in</strong>schaft<br />

katholischer Studentenverbände<br />

(AGV) nicht treffen können:<br />

Direkt nach der Abstimmung über die<br />

Ausweitung des Euro-Rettungsschirms<br />

EFSF am 29. September konnten die<br />

Teilnehmer des diesjährigen „Berl<strong>in</strong>-<br />

Sem<strong>in</strong>ars“ mit dem SPD-Abgeordneten<br />

und ehemaligen F<strong>in</strong>anzm<strong>in</strong>ister<br />

Peer Ste<strong>in</strong>brück und dem Vorsitzenden<br />

der CDU/CSU-Bundestagsfraktion<br />

Volker Kauder über die aktuelle<br />

F<strong>in</strong>anzkrise und mögliche Wege zu<br />

ihrer Lösung diskutieren.<br />

Die studentischen Spitzen der katholischen<br />

Korporationsverbände waren vom 28.<br />

bis 30. September bei strahlendem Sonnensche<strong>in</strong><br />

nach Berl<strong>in</strong> gekommen, um im<br />

Rahmen ihres Dialogprogramms mit<br />

Vertretern aus Politik und Medien über<br />

aktuelle Fragen zu sprechen. Neben der<br />

Euro-Krise und dem damit verbundenen<br />

Thema der Generationengerechtigkeit g<strong>in</strong>g<br />

es <strong>in</strong> den Diskussionen auch um die Reaktionen<br />

auf den Papstbesuch <strong>in</strong> Deutschland,<br />

der am Sonntag zuvor zu Ende gegangen<br />

war. Weitere wichtige Themen des<br />

Dialogprogramms: Bildung, das „C“ <strong>in</strong> der<br />

Union und die Entwicklung der Parteienlandschaft.<br />

Der UNITAS-Verband war vertreten<br />

durch VOP Kilian Schmiz, VOS Alexander<br />

von der Beeke, Bbr. Lars Deubner von der<br />

Vorortskorporation Franko-Saxonia Marburg,<br />

die Vors. des Beirats für Öffentlichkeitsarbeit<br />

Bsr. Anne Sudmann, den stv.<br />

AGV-Vors. Bbr. Claus Broekmans, den AGV-<br />

Ehrenvors. Bbr. Hermann-Josef Großiml<strong>in</strong>ghaus<br />

und die AGV-Pressereferent<strong>in</strong> Bsr.<br />

Barbara Schmickler.<br />

unitas 4/2011<br />

Bild oben: Peer Ste<strong>in</strong>brück fordert für Griechenland e<strong>in</strong>en Schuldenschnitt. Flankiert wird der SPD-<br />

Politiker vom AGV-Vors. Bernd Schulte (rechts, KV) und vom stv. AGV-Vors. Claus Broekmans (UV).<br />

Bild unten: Volker Kauder fordert, die europäische Idee <strong>in</strong> den Mittelpunkt zu stellen. L<strong>in</strong>ks neben<br />

Kauder der Leiter se<strong>in</strong>es Büros und ehemalige AGV-Vorsitzende Dr. Michael Güntner (CV).<br />

Ruhig betritt Peer Ste<strong>in</strong>brück nur kurze<br />

Zeit nach der Abstimmung über die Ausweitung<br />

des Euro-Rettungsschirms am 29.<br />

September im Bundestag den Raum, <strong>in</strong><br />

dem die Vertreter der AGV bereits auf ihn<br />

warten. „Die Lage <strong>in</strong> Europa ist sehr labil“,<br />

beg<strong>in</strong>nt der SPD-Politiker, der kurz zuvor<br />

noch für se<strong>in</strong>e Partei im Plenum gesprochen<br />

hatte, se<strong>in</strong> erstes Statement. Weitere<br />

Abstimmungen zu Hilfen für marode


Der Parl. Staatssekretär im Bundesm<strong>in</strong>isterium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend, Dr. Hermann<br />

Kues (h<strong>in</strong>tere Reihe, 5. v. rechts) stellte sich nach dem Gespräch mit den AGV-Vertretern zum Gruppenfoto<br />

vor dem M<strong>in</strong>isterium <strong>in</strong> der Berl<strong>in</strong>er Gl<strong>in</strong>kastraße.<br />

Haushalte anderer Länder der Euro-Zone<br />

werden folgen. „Das durchzusetzen wird<br />

schwierig“, erklärt der ehemalige F<strong>in</strong>anzm<strong>in</strong>ister<br />

der großen Koalition. Griechenland<br />

sei pleite, e<strong>in</strong> Schuldenschnitt<br />

müsse her. Außerdem nennt Ste<strong>in</strong>brück<br />

im Gespräch mit der AGV das Problem<br />

der Märkte, die die Politik zu sehr im<br />

Griff hätten: „Politik darf nicht erpresst<br />

werden.“<br />

Europa am Scheideweg<br />

Für Ste<strong>in</strong>brück steht Europa an e<strong>in</strong>em<br />

Scheideweg: Entweder schaffe man e<strong>in</strong>e<br />

monetäre Renationalisierung, die e<strong>in</strong>en<br />

Rückschritt der Integration bedeuten<br />

würde, oder aber man vertiefe die Integration,<br />

dafür müsse man allerd<strong>in</strong>gs<br />

Ausgleichsmechanismen organisieren.<br />

Dabei ist für ihn klar: „An der Bonität<br />

Deutschlands darf ke<strong>in</strong>er ohne Konditionalisierung<br />

teilhaben.“ Deswegen fordert<br />

Ste<strong>in</strong>brück Sanktionen. Die<br />

Länder, die zu viele Schulden<br />

hätten, müssten sich ihre<br />

Haushalte genehmigen lassen.<br />

In Richtung der schwarzgelben<br />

Bundesregierung fordert<br />

Ste<strong>in</strong>brück e<strong>in</strong>en e<strong>in</strong>deutigen<br />

Weg. „S<strong>in</strong>d wir <strong>in</strong> Europa<br />

bereit, nationale Souveränität<br />

abzugeben und das Grundgesetz<br />

zu ändern?“, fragt der<br />

SPD-Mann <strong>in</strong> die Runde. „Wer<br />

würde das machen?“, schiebt<br />

er nach.<br />

Se<strong>in</strong>e Kritik: Europa sei auf<br />

e<strong>in</strong> technokratisches Gebilde<br />

reduziert. „Wir wissen nicht zu<br />

schätzen, <strong>in</strong> welch privilegiertem<br />

Ausnahmezustand wir<br />

seit 1945 leben.“ Ste<strong>in</strong>brück<br />

fordert e<strong>in</strong>e „neue Erzählung“<br />

von Europa, die nicht auf<br />

B<strong>in</strong>nenmarkt, Währungsunion und e<strong>in</strong>en<br />

<strong>in</strong>tergouvernementalen Club beschränkt<br />

ist.<br />

Während der SPD-Politiker an der<br />

Regierung kritisiert, sie halte sich zu viele<br />

Optionen offen, setzt CDU-Fraktionschef<br />

Volker Kauder auf den Faktor Zeit. „Wir<br />

müssen Schritt für Schritt vorangehen und<br />

schauen, wie die Maßnahmen wirken“, lautet<br />

se<strong>in</strong>e Devise. Wie Ste<strong>in</strong>brück setzt auch<br />

Kauder auf e<strong>in</strong>e stärkere Kontrolle der<br />

Haushalte der Mitgliedsstaaten der Euro-<br />

Zone. E<strong>in</strong>dr<strong>in</strong>glich appelliert er im Gespräch<br />

mit den AGV-Vertretern, die Idee von<br />

Europa <strong>in</strong> den Mittelpunkt aller Überlegungen<br />

zu stellen. „Wenn Europa scheitert, ist<br />

Deutschland schuld.“<br />

Neben der Euro-Krise bestimmt das<br />

Gespräch mit Volker Kauder die Frage nach<br />

dem „C“ <strong>in</strong> der Union. Für den CDU/CSU-<br />

Fraktionschef ist die CDU klar die Partei, die<br />

das christliche Menschenbild vertritt. Für<br />

Der stv. Vorsitzende und kirchenpolitische Sprecher der Bundestagsfraktion<br />

von Bündnis 90/Die Grünen, Josef W<strong>in</strong>kler, plädiert<br />

für die Offenheit se<strong>in</strong>er Partei bei Koalitionsoptionen.<br />

ihn beg<strong>in</strong>nt das menschliche Leben mit der<br />

Verschmelzung von Eizelle und Samen.<br />

Daraus leite sich e<strong>in</strong>iges ab, wie es auch der<br />

Papst <strong>in</strong> se<strong>in</strong>er Rede vor dem Bundestag<br />

gesagt habe.<br />

In der Debatte zur Präimplationsdiagnostik<br />

(PID) nimmt Kauder e<strong>in</strong>e e<strong>in</strong>deutige<br />

Position e<strong>in</strong>. Er hatte sich bei der Abstimmung<br />

im Deutschen Bundestag im Juli 2011<br />

für e<strong>in</strong> Verbot ausgesprochen. Diese Position<br />

hatte auch die AGV <strong>in</strong> e<strong>in</strong>er Erklärung<br />

e<strong>in</strong>gefordert. Der Mensch sei e<strong>in</strong> Abbild<br />

Gottes, daran dürfe nicht manipuliert werden.<br />

Sehr persönlich berichtet Volker<br />

Kauder als Christ vom Spannungsverhältnis,<br />

das Teil unseres Lebens sei. Se<strong>in</strong>e<br />

Überzeugung: „Das Gegenteil von Glauben<br />

ist Angst.“<br />

„C“ als Markenkern<br />

Das „C“ sei Markenkern der Union.<br />

Diese Auffassung vertritt auch der parlamentarische<br />

Staatssekretär im Familienm<strong>in</strong>isterium,<br />

Dr. Hermann Kues. Christ se<strong>in</strong><br />

sieht er als Daueraufgabe, der man sich<br />

immer wieder zu stellen habe. In Bezug auf<br />

die Stammzellenforschung sagt er, wir hätten<br />

<strong>in</strong> Deutschland e<strong>in</strong> System, das von<br />

Christen mitgetragen werde. Dennoch sei<br />

die Politik e<strong>in</strong> eigenes Geschehen, die Bibel<br />

könne man nicht e<strong>in</strong>s zu e<strong>in</strong>s übersetzen.<br />

Kirche und Politik könnten sich jedoch<br />

gegenseitig befruchten.<br />

Als Staatssekretär im Familienm<strong>in</strong>isterium<br />

geht es Kues vor allem darum, der jungen<br />

Generation Chancen zu eröffnen. „Wir<br />

müssen Bed<strong>in</strong>gungen schaffen, dass Familien<br />

leben können. Das ist e<strong>in</strong>e Investition<br />

<strong>in</strong> die Zukunft“, erklärt Kues. In diesem<br />

Zusammenhang lobt er die AGV für ihre<br />

Forderung nach e<strong>in</strong>er besseren Vere<strong>in</strong>barkeit<br />

von Studium und Familie. Im Familienm<strong>in</strong>isterium<br />

s<strong>in</strong>d auch Freiwilligendienst<br />

und Ehrenamt wichtige Themenfelder.<br />

„Wir brauchen Leute, die<br />

mehr tun als das Normale“, fordert<br />

Kues und ermutigt die AGV-<br />

Vertreter, sich weiter für e<strong>in</strong>e gute<br />

Sache e<strong>in</strong>zusetzen. „Das ist e<strong>in</strong> großer<br />

Schatz“, so der Staatssekretär.<br />

Ist der Papst e<strong>in</strong> Grüner?<br />

Können auch die Grünen e<strong>in</strong>e<br />

christliche Partei se<strong>in</strong>? Vom Papst<br />

jedenfalls gab es Lob für die „ökologische<br />

Bewegung“. Doch ist der<br />

Papst deshalb e<strong>in</strong> Grüner? „Damit<br />

haben wir ke<strong>in</strong> Problem, von e<strong>in</strong>em<br />

Parteie<strong>in</strong>tritt gehen wir trotzdem<br />

nicht aus“, sagt Josef W<strong>in</strong>kler<br />

schmunzelnd. Denn die Ableitungen,<br />

die der Papst aus dem Lob für<br />

die ökologische Bewegung mache,<br />

seien mit dem Programm der >><br />

unitas 4/2011 263


264<br />

Staatssekretär Jürgen Becker aus dem Bundesumweltm<strong>in</strong>isterium (oben) und der Parl. Staatssekretär<br />

Dr. Helge Braun aus dem Bundesbildungsm<strong>in</strong>isterium diskutieren mit den AGV-Vertretern<br />

über die Reaktorsicherheit und den Bologna-Prozess.<br />

unitas 4/2011<br />

Grünen nicht vere<strong>in</strong>bar. W<strong>in</strong>kler selbst ist<br />

stellvertretender Fraktionsvorsitzender der<br />

Grünen und im Zentralkomitee der<br />

Katholiken. Für ihn ist klar, dass die<br />

Me<strong>in</strong>ungen zum Papstbesuch und zur<br />

katholischen Kirche im Allgeme<strong>in</strong>en <strong>in</strong> se<strong>in</strong>er<br />

Partei divergieren. Neben e<strong>in</strong>er politischen<br />

E<strong>in</strong>ordnung schätzt W<strong>in</strong>kler als<br />

Privatmann und Katholik den Papstbesuch<br />

als gelungen e<strong>in</strong> – „mangels hoher Erwartungen“.<br />

Als „bestes Jahr der Parteigeschichte“<br />

bezeichnet der Abgeordnete die vergangenen<br />

Monate. Dennoch müsse se<strong>in</strong>e Partei<br />

anschlussfähig bleiben oder werden, auch<br />

nach rechts, me<strong>in</strong>t W<strong>in</strong>kler. Die Nähe zu den<br />

Sozialdemokraten sieht er positiv, aber es<br />

müsse auch andere Optionen geben. Für<br />

die Vertreter der katholischen Studenten<br />

gibt es von W<strong>in</strong>kler außerdem e<strong>in</strong> Lob für<br />

die klare Distanzierung der AGV von rassistischen<br />

Entwicklungen <strong>in</strong> der Deutschen<br />

Burschenschaft.<br />

Neuorientierung der<br />

Umweltpolitik nach Fukushima<br />

Kurzfristig musste Umweltm<strong>in</strong>ister Dr.<br />

Norbert Röttgen se<strong>in</strong> Treffen mit der AGV<br />

absagen, da er <strong>in</strong> den Bundestag zitiert<br />

worden war, schickte aber se<strong>in</strong>en Staatssekretär<br />

Jürgen Becker <strong>in</strong> die Diskussion mit<br />

den Studenten. Seit Fukushima gebe es e<strong>in</strong><br />

neues Verständnis von Sicherheit, das sei<br />

der Maßstab, der heute angelegt werden<br />

müsse. Denn alle sähen die Sicherheitsprobleme,<br />

vor allem bei e<strong>in</strong>em möglichen<br />

Terrorangriff. Würde e<strong>in</strong> Flugzeug <strong>in</strong> e<strong>in</strong>en<br />

Reaktor fliegen, kann e<strong>in</strong>e Kernschmelze<br />

ausgelöst werden, so Becker, der folgendes<br />

Szenario beschreibt:„Stellen Sie sich vor, e<strong>in</strong><br />

Flugzeug fliegt auf den Reaktor Isar 1: Dann<br />

ist die ganze Umgebung <strong>in</strong> e<strong>in</strong>em Umkreis<br />

Die Begegnung von Politik und Kirche auf gesellschaftlicher Ebene erlebten die Teilnehmer beim Michaelsempfang der Deutschen Bischofskonferenz.<br />

Hier zog der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Erzbischof Robert Zollitsch, e<strong>in</strong>e erste Bilanz nach dem Papstbesuch, hier konnte man den<br />

Bundespräsidenten live erleben und zwanglos mit Politikern und Kirchenleuten <strong>in</strong>s Gespräch kommen – wie rechts mit Bundes<strong>in</strong>nenm<strong>in</strong>ister Friedrich (KV)<br />

[3. v. l<strong>in</strong>ks] und dem ehemaligen deutschen Botschafter beim Heiligen Stuhl, Hans-Henn<strong>in</strong>g Horstmann [3. von rechts] – beiden ist die AGV schon vom<br />

letztjährigen Berl<strong>in</strong>-Sem<strong>in</strong>ar bzw. von den Rom-Sem<strong>in</strong>aren bekannt – und für das leibliche Wohl und Unterhaltung war auch gesorgt.


von 200 Kilometern für 500 Jahre unbewohnbar.“<br />

Das bedeute e<strong>in</strong> enormes Risiko,<br />

<strong>in</strong> Deutschland sei dafür e<strong>in</strong>e große<br />

Sensibilität vorhanden, die Bewahrung<br />

der Schöpfung habe Priorität. Kritisch zu<br />

sehen seien allerd<strong>in</strong>gs die Machtverhältnisse<br />

<strong>in</strong> vielen Staaten, <strong>in</strong> denen wirtschaftliche<br />

Interessen die ökologischen bestimmten.<br />

Bezug auf Norbert Röttgen nahmen<br />

e<strong>in</strong>ige junge Abgeordnete der Unionsfraktion,<br />

die sich <strong>in</strong> der sogenannten<br />

„Jungen Gruppe“ zusammengefunden haben<br />

und mit denen die AGV-Vertreter bei<br />

e<strong>in</strong>em „Kam<strong>in</strong>gespräch“ zusammenkamen.<br />

Der Sprecher der „Jungen Gruppe“, Marco<br />

Wanderwitz, zitiert Röttgen, der gefordert<br />

hat, die Themen durch die Augen der K<strong>in</strong>der<br />

zu sehen. Daran knüpfe sich, so Wanderwitz,<br />

die Frage nach Chancengerechtigkeit<br />

an. Man brauche Sanktionsmechanismen,<br />

um e<strong>in</strong>e weitere Verschuldung zu stoppen.<br />

„Den Krieg auf den F<strong>in</strong>anzmärkten gew<strong>in</strong>nen<br />

wir mit den heutigen Werkzeugen<br />

nicht.“ Vom Abgeordneten Prof. Dr. Patrick<br />

Sensburg hagelt es Kritik an der NRW-<br />

Landesregierung unter Hannelore Kraft<br />

(SPD). Dort mache die rot-grüne M<strong>in</strong>derheitsregierung<br />

trotz Griechenland immer<br />

weiter Schulden.<br />

Bei der Abstimmung über die Erweiterung<br />

des Rettungsschirms haben<br />

sich e<strong>in</strong>ige Abgeordnete der „Jungen<br />

Gruppe“ kurzfristig zu e<strong>in</strong>er Unterstützung<br />

durchgerungen. Sie wollten ke<strong>in</strong>e<br />

schlechte Stimmung <strong>in</strong> der Fraktion riskieren.<br />

Außerdem sei es nicht um die Sache<br />

gegangen, sondern darum, die Regierung<br />

vorzuführen. „Das möchten wir der Opposition<br />

nicht bieten“, so Wanderwitz. Wir<br />

müssten uns die Frage von unserer Vision<br />

für Europa stellen. Wo sehen wir Europa?<br />

„Europa ist so unterschiedlich wie<br />

Deutschland und Rumänien“, konstatiert<br />

der Abgeordnete.<br />

Am Ende des Kam<strong>in</strong>gesprächs fordert<br />

Wanderwitz die AGV auf, sich weiter <strong>in</strong> den<br />

politischen Willensbildungsprozess e<strong>in</strong>zumischen<br />

und besonders für Generationengerechtigkeit<br />

e<strong>in</strong>zustehen. Die Begegnung<br />

mit den jungen Abgeordneten zeigt aber<br />

auch, dass die jungen Politiker <strong>in</strong> vielen<br />

Punkten die Positionen der katholischen<br />

Studentenverbände teilen. Passend dazu<br />

haben beide Seiten vere<strong>in</strong>bart, weiter <strong>in</strong><br />

Kontakt zu bleiben.<br />

Debatte um Bologna-Reform<br />

E<strong>in</strong>es der Hauptthemenfelder der AGV<br />

ist die Bildungspolitik. Für das im Frühjahr<br />

2011 veröffentlichte Positionspapier „Zehn<br />

Feldberger Thesen zur Hochschulpolitik“<br />

gibt es Lob vom Bundestagsabgeordneten<br />

und Parlamentarischen Staatssekretär im<br />

Bildungsm<strong>in</strong>isterium Dr. Helge Braun. Wie<br />

Oben: Unter der Moderation des AGV-Vorsitzenden Bernd Schulte (Mitte) diskutierten bei e<strong>in</strong>em<br />

„Kam<strong>in</strong>gespräch“ Abgeordnete der „Jungen Gruppe“ der CDU/CSU-Bundestagsfraktion (von l<strong>in</strong>ks)<br />

Christian Hirte, Dr. Re<strong>in</strong>hard Brandl und Marco Wanderwitz sowie der CDU-Abgeordnete Prof. Dr.<br />

Patrick Sensburg � Unten: Gastgeber des Abends war die Berl<strong>in</strong>-Vertretung der Lanxess AG, deren<br />

Leiter und Bevollmächtigter des Vorstands Johannes Neukirchen (4. von rechts) die Gäste begrüßte.<br />

die AGV sieht Braun ke<strong>in</strong>e Notwendigkeit,<br />

den Bologna-Prozess zu kippen, sondern<br />

man müsse den e<strong>in</strong>geschlagenen Weg<br />

akzeptieren und dürfe bei aller berechtigten<br />

Kritik auch die „großen Erfolge“ nicht<br />

übersehen.<br />

Braun sieht viele Probleme bei der<br />

Bologna-Reform nicht im System als solchem,<br />

sondern bei der Umsetzung an den<br />

Hochschulen. Das M<strong>in</strong>isterium könnte nur<br />

als Ideengeber fungieren. Wie die Vertreter<br />

der katholischen Studenten hält Braun e<strong>in</strong>e<br />

Umstellung auf das Bachelor-/Master-<br />

System im Fachbereich Jura für nicht erforderlich,<br />

weil dort die <strong>in</strong>ternationale<br />

Mobilität am ger<strong>in</strong>gsten sei. In der Mediz<strong>in</strong><br />

laufen mit zwei Reformstudiengängen <strong>in</strong><br />

Oldenburg und Berl<strong>in</strong> nun Tests, ob hier<br />

e<strong>in</strong>e Umstellung s<strong>in</strong>nvoll se<strong>in</strong> könnte. Die<br />

AGV sieht e<strong>in</strong>er E<strong>in</strong>führung des Bachelor-<br />

/Master-Systems bei den Studienfächern<br />

Mediz<strong>in</strong> und Jura skeptisch entgegen und<br />

fordert <strong>in</strong> den „Zehn Feldberger Thesen“<br />

e<strong>in</strong>en Aufschub der Umsetzung. E<strong>in</strong> Grund<br />

dafür ist, dass es bisher nicht gelungen sei,<br />

Berufsfelder für Bachelorabsolventen dieser<br />

Fächer aufzuzeigen.<br />

Für all diejenigen, die <strong>in</strong> die Wissenschaft<br />

wollen, fordert Braun Masterstudienplätze.<br />

Außerdem setzt er auf die<br />

berufliche Weiterbildung, die <strong>in</strong> Deutschland<br />

noch weitestgehend fehlt. „Wir brauchen<br />

e<strong>in</strong>e Gesellschaft des lebenslangen<br />

Lernens“, fordert der CDU-Politiker. Kritik<br />

seitens der AGV gab es an Debatte über<br />

Promotionsrechte für Fachhochschulen<br />

und der damit verbundenen „FH-isierung<br />

der Wissenschaft“.<br />

Der letzte Tag des Sem<strong>in</strong>ars beg<strong>in</strong>nt mit<br />

e<strong>in</strong>er Eucharistiefeier, die der Leiter des<br />

Katholischen Büros <strong>in</strong> Berl<strong>in</strong>, Prälat Dr. Karl<br />

Jüsten (KV), mit den Teilnehmern feiert. In<br />

se<strong>in</strong>er Predigt geht er auf die Ansprache<br />

von Papst Benedikt vor dem Deutschen<br />

Bundestag e<strong>in</strong>. >><br />

unitas 4/2011 265


Bild oben: Den Abschluss der Gespräche <strong>in</strong> Berl<strong>in</strong> bildete e<strong>in</strong> Besuch im Berl<strong>in</strong>er Büro des STERN,<br />

wo Hans Ulrch Jörges, Mitglied der Chefredaktion der Illustrierten, den Studentenvertretern Rede und<br />

Antwort stand. � Bild unten: Gruppenbild mit Hans-Ulrich Jörges (7. v. l<strong>in</strong>ks)<br />

Neben den Gesprächen mit den<br />

Politikern hat die AGV auch den<br />

Journalisten Hans-Ulrich Jörges vom<br />

Magaz<strong>in</strong> Stern getroffen. In se<strong>in</strong>em Berl<strong>in</strong>er<br />

Büro direkt an der Spree präsentiert Jörges<br />

zunächst se<strong>in</strong>e Dachterrasse. Von dort hat<br />

er e<strong>in</strong> ganz besonderes Andenken. „Wollt<br />

ihr mal e<strong>in</strong>e Reliquie sehen?“, fragt er <strong>in</strong> die<br />

Runde. Aus se<strong>in</strong>er Schublade zieht er e<strong>in</strong>e<br />

kle<strong>in</strong>e Schachtel, holt getrocknetes Unkraut<br />

heraus. Das habe die Kanzler<strong>in</strong> e<strong>in</strong>mal auf<br />

se<strong>in</strong>er Dachterrasse gepflückt und aufgefordert,<br />

bei Gelegenheit den Rest zu entfernen.<br />

Im Gespräch beschreibt Jörges die<br />

Erwartungen, die zurzeit an die Kanzler<strong>in</strong><br />

gerichtet werden. Sie habe <strong>in</strong> der Debatte<br />

um die Erweiterung des Euro-Rettungsschirms<br />

gar nicht gesprochen, die Leute<br />

warteten jedoch auf e<strong>in</strong>e Grundsatzrede<br />

der Kanzler<strong>in</strong>. An vorgezogene Neuwahlen<br />

glaubt er allerd<strong>in</strong>gs nicht.<br />

„S<strong>in</strong>nkrise“ der FDP<br />

Dennoch spricht Jörges von e<strong>in</strong>er<br />

„S<strong>in</strong>nkrise“ der FDP, die die Folgen der<br />

F<strong>in</strong>anzkrise nicht verarbeitet hätte. In se<strong>in</strong>e<br />

Kritik schließt er auch Außenm<strong>in</strong>ister<br />

Guido Westerwelle e<strong>in</strong>, der zur Krise <strong>in</strong><br />

Europa nichts sage. „Deutschland wird als<br />

266<br />

unitas 4/2011<br />

starkes Land und Kern der EU und der Euro-<br />

Zone wahrgenommen“, me<strong>in</strong>t Jörges dennoch.<br />

Berlusconi bef<strong>in</strong>de sich <strong>in</strong> Italien<br />

irgendwo zwischen Bordell und Mafia,<br />

Sarkozy bereite sich <strong>in</strong> Frankreich auf se<strong>in</strong>e<br />

Niederlage bei den Wahlen im kommenden<br />

Frühjahr vor, Großbritannien und die USA<br />

seien am Euro nicht <strong>in</strong>teressiert.<br />

Der Aufschwung der Piratenpartei<br />

könnte nach Me<strong>in</strong>ung des erfahrenen<br />

Journalisten sogar für die Union nützlich<br />

se<strong>in</strong>, da die Piraten eher e<strong>in</strong>e Gefahr für Rot-<br />

Grün darstellten, vor allem aber e<strong>in</strong>e<br />

Bedrohung für die L<strong>in</strong>kspartei, wie die Wahl<br />

zum Berl<strong>in</strong>er Abgeordnetenhaus gezeigt<br />

habe. E<strong>in</strong>e Stärke der Piratenpartei sieht der<br />

Journalist dar<strong>in</strong>, dass sie das Internet als<br />

Instrument der Me<strong>in</strong>ungsbildung nutzt.<br />

Für die Vertreter der AGV bot das<br />

Abschlussgespräch mit Jörges e<strong>in</strong>e gute<br />

Möglichkeit, aus e<strong>in</strong>er anderen Perspektive<br />

auf die politische Lage <strong>in</strong> Deutschland zu<br />

blicken, da e<strong>in</strong> Journalist noch viel freier<br />

über die Arbeit der Politik sprechen könne<br />

als e<strong>in</strong> Politiker, so der stellvertretende AGV-<br />

Vorsitzende Claus Broekmans (UV). „Mit<br />

hochkarätigen Gesprächspartnern hatten<br />

wir viele gute Gelegenheiten, über Themen,<br />

die die junge Generation bewegen, zu<br />

diskutieren“, zieht der Vorsitzende der<br />

Arbeitsgeme<strong>in</strong>schaft, Bernd Schulte (KV),<br />

nach den drei Tagen <strong>in</strong> Berl<strong>in</strong> Bilanz.<br />

Besonders freue es die AGV natürlich,<br />

wenn Politiker die Ideen aus den Thesenpapieren<br />

der Arbeitsgeme<strong>in</strong>schaft aufnehmen.<br />

„Das zeigt, dass die katholischen Studenten<br />

durch gute <strong>in</strong>haltliche Arbeit auch <strong>in</strong><br />

Berl<strong>in</strong> wahrgenommen werden“, so Schulte.<br />

Außerdem hätten die Gespräche mit Volker<br />

Kauder, Josef W<strong>in</strong>kler oder Hermann Kues<br />

gezeigt, dass es exponierte Politiker gibt, die<br />

aus ihrem festen christlichen Glauben politisch<br />

handeln. „Das bestärkt uns <strong>in</strong> unseren<br />

Bemühungen“, erklärt Schulte.<br />

Neben den <strong>in</strong>haltlichen Diskussionen<br />

ist auch der Austausch zwischen den<br />

Vororten der e<strong>in</strong>zelnen Verbände hervorzuheben.<br />

Die Gespräche mit Multiplikatoren<br />

aus Politik und Medien sowie der Kontakt<br />

untere<strong>in</strong>ander haben neue Impulse für die<br />

Arbeit <strong>in</strong>nerhalb der AGV und <strong>in</strong> den<br />

Verbänden gegeben.<br />

Schließlich kam es doch noch zu e<strong>in</strong>er Begegnung mit Umweltm<strong>in</strong>ister Dr. Norbert Röttgen am<br />

Rande des Michaelsempfangs der Deutschen Bischofskonferenz


Den Aufbruch wagen: Welche Lehren können wir heute<br />

aus der Entstehung der ersten christlichen Geme<strong>in</strong>den ziehen?<br />

E<strong>in</strong> Bericht von der diesjährigen HDB-/AHB-Tagung<br />

VON BBR. DR.DR. THOMAS LOHMANN<br />

In Anlehnung an das Leitwort des<br />

nächsten Katholikentags, der 2012 <strong>in</strong><br />

Mannheim stattf<strong>in</strong>det, trafen sich<br />

vom 23. bis 25. September 2011 <strong>in</strong><br />

Mannheim rund 30 Hohe Damen und<br />

Alte Herren zur diesjährigen Hohe-<br />

Damen- und Altherrenbundstagung<br />

des <strong>Unitas</strong>-Verbandes <strong>in</strong> Verb<strong>in</strong>dung<br />

mit dem 80. Stiftungsfest der UNITAS<br />

Rheno-Palatia Mannheim.<br />

Teilnehmer beim AHB-/HDB-Tag 2011 stellten sich <strong>in</strong> Mannheim zum Gruppenbild.<br />

Sie stellten sich der Herausforderung,<br />

als Unitarier ihren Beitrag zu e<strong>in</strong>er die<br />

Menschen erreichenden und <strong>in</strong> ihrem<br />

Handeln überzeugenden Kirche <strong>in</strong> unserem<br />

Land zu leisten. Ausgehend vom Beg<strong>in</strong>n der<br />

Apostelgeschichte, als sich die ersten<br />

Christen aus Angst h<strong>in</strong>ter verschlossenen<br />

Türen versammelt haben, wollten sie sich<br />

auf die Ursprünge unserer Kirche bes<strong>in</strong>nen<br />

und sich ihres Auftrags als Christen <strong>in</strong> Kirche<br />

und Gesellschaft neu bewusst werden.<br />

Die Referent<strong>in</strong> der Hohe-Damen- und<br />

Altherrenbundstagung, Kristell Köhler, (Bild<br />

rechts) war bis 2010 wissenschaftliche Assistent<strong>in</strong><br />

am neutestamentlichen Sem<strong>in</strong>ar<br />

von Prof. Dr. Rudolf Hoppe an der Universität<br />

Bonn und arbeitet seit Oktober 2010 <strong>in</strong><br />

der Erzdiözese Köln als Beauftragte für<br />

Jugendpastoral <strong>in</strong> Köln und im Rhe<strong>in</strong>-Erft-<br />

Kreis. Aus ihrer früheren und ihrer jetzigen<br />

Tätigkeit ergaben sich zwei mite<strong>in</strong>ander <strong>in</strong><br />

Verb<strong>in</strong>dung stehende Vorträge, die durch<br />

angeregte Diskussionsrunden abgeschlossen<br />

wurden.<br />

„Nächster Halt: Rom! –<br />

Oder: Wie das Evangelium zu<br />

den Menschen kam.“<br />

In ihrem ersten Vortrag startete Frau<br />

Köhler mit dem Ende des Apostels Paulus <strong>in</strong><br />

Rom und zeigte zuerst die Perspektive der<br />

dritten Generation nach dem Leben und<br />

Sterben Jesu Christi auf. 50 bis 60 Jahre<br />

nach Jesu Leiden und Auferstehung stellte<br />

man nämlich fest, dass die Botschaft Jesu<br />

und der Apostel schwammig und teilweise<br />

verfälscht wurde.<br />

Der Evangelist Lukas war ke<strong>in</strong> Augenzeuge,<br />

setzte sich aber, wie er zu Beg<strong>in</strong>n der<br />

Apostelgeschichte formuliert hatte, das<br />

Ziel, allem von Grund auf sorgfältig nachzugehen<br />

und die Leser von der Zuverlässigkeit >><br />

unitas 4/2011 267


268<br />

Aufmerksame Zuhörer beim Vortrag von Kristell Köhler, Beauftragte für Jugendpastoral <strong>in</strong> Köln und im Rhe<strong>in</strong>-Erft-Kreis <strong>in</strong> der Erzdiözese Köln.<br />

der Lehre zu überzeugen (vgl. Lk 1,1-4). Er<br />

und die anderen Evangelisten hatten unterschiedliche<br />

Adressaten im Blick: Stadt- und<br />

Landbevölkerung, unterschiedliche Bildungsgruppen,<br />

Arme und Reiche sowie<br />

Juden- und Heidenchristen. Frau Köhler<br />

stellte heraus, wie wichtig <strong>in</strong>sbesondere<br />

das Zeugnis des Apostels Petrus war. Dieser<br />

genoss das besondere Vertrauen Jesu, musste<br />

aber immer wieder um den Willen<br />

Gottes r<strong>in</strong>gen und lernen, se<strong>in</strong>en eigenen<br />

Willen zurückzustellen. Beim geme<strong>in</strong>samen<br />

Suchen der Apostel und Ältesten im<br />

Konflikt um Juden- und Heidenchristen<br />

wies Petrus darauf h<strong>in</strong>, dass Gott schon<br />

längst die Entscheidung getroffen hat, dass<br />

die Heiden durch Petrus, Paulus und<br />

Barnabas das Wort des Evangeliums hören<br />

und zum Glauben gelangen sollen (vgl. Apg<br />

15, 6-7).<br />

Die Frage, wie die Frohe Botschaft überhaupt<br />

zur 3. Generation kam, stellte Kristell<br />

Köhler im zweiten Teil vor und machte dies<br />

sehr anschaulich an vier Begriffen klar:<br />

bekanntmachen, bezeugen, begeistern und<br />

begleiten – was sie mit zahlreichen Bibelstellen<br />

belegte. Nach Mk 6,6-7, 12-13 sandte<br />

Jesus die Apostel zu zweit aus, um die<br />

Menschen zur Umkehr aufzurufen. Die<br />

Referent<strong>in</strong> verwies auf ihre aktuelle Stelle<br />

im Erzbistum Köln, wo Priester und Jugendseelsorger<br />

mite<strong>in</strong>ander auf die Jugendlichen<br />

zugehen. Hier und <strong>in</strong> der anschließenden<br />

Diskussion wurde besonders herausgestellt,<br />

wie wichtig Dialog und<br />

Mite<strong>in</strong>ander gerade <strong>in</strong> der heutigen Zeit<br />

s<strong>in</strong>d. Außerdem gilt auch heute noch die<br />

Ermutigung „Seid stets bereit, jedem Rede<br />

unitas 4/2011<br />

Mannheim erkunden und Geme<strong>in</strong>schaft pflegen: Die gute Stimmung freute auch die Organisatoren wie Bbr. Andreas Grossmann.<br />

und Antwort zu stehen, der nach der Hoffnung<br />

fragt, die euch erfüllt“ (1 Petr 3,15).<br />

Zuletzt kam Frau Köhler auf den Ursprung<br />

der christlichen Botschaft zu sprechen.<br />

Das Evangelium kommt zu den<br />

Menschen, <strong>in</strong>dem es lebendiges Wort wird<br />

<strong>in</strong> Jesus Christus. Dies äußert sich <strong>in</strong> se<strong>in</strong>er<br />

Treue, se<strong>in</strong>er Vergebung, se<strong>in</strong>er H<strong>in</strong>gabe<br />

und se<strong>in</strong>er Geme<strong>in</strong>schaft: „Ich nenne euch<br />

nicht mehr Knechte; denn der Knecht weiß<br />

nicht, was se<strong>in</strong> Herr tut. Vielmehr habe ich<br />

euch Freunde genannt; denn ich habe euch<br />

alles mitgeteilt, was ich von me<strong>in</strong>em Vater<br />

gehört habe“ (Joh 15,15). Entscheidend aber<br />

ist, dass Jesus Christus das Leben schenkt,<br />

wie Frau Köhler am Beispiel des Jüngl<strong>in</strong>g<br />

von Na<strong>in</strong> (Lk 7,13-17) veranschaulicht hat: er<br />

schenkt das Leben <strong>in</strong> Fülle und nicht nur zur<br />

Heilung. So kam sie zum abschließenden<br />

Fazit: Erleben und Empfangen als Voraussetzung<br />

für die Weitergabe des Evangeliums.<br />

„Das Reich Gottes ist mitten<br />

unter euch! – Nur Gerede oder<br />

Wirklichkeit?“<br />

In ihrem zweiten Vortrag startete Frau<br />

Köhler mit e<strong>in</strong>er Zustandsbeschreibung,<br />

wie die Generation des 21. Jahrhunderts die<br />

Kirche heute vorf<strong>in</strong>den kann: leere Kirchen<br />

oder Kirchen ohne Geme<strong>in</strong>de, Liturgie ohne<br />

Ausstrahlung, überforderte Fachkräfte, weg<br />

brechende Basis, Skandale und Streitigkeiten.<br />

Besonders anschaulich war das Bild<br />

das sie zeigte: der Kirchturm der St.<br />

Johannes Geme<strong>in</strong>de, <strong>in</strong> der sich heute ihre<br />

Wirkungsstätte CRUX bef<strong>in</strong>det, war aufgrund<br />

des Kölner U-Bahnbaus bereits vor<br />

dem E<strong>in</strong>sturz des Kölner Stadtarchivs massiv<br />

e<strong>in</strong>sturzgefährdet. H<strong>in</strong>zu kam, dass die<br />

Geme<strong>in</strong>de die bis auf das Jahr 953 zurückreichende<br />

Kirche zu Gunsten der Mutterpfarrei<br />

St. Sever<strong>in</strong> aufgegeben hatte. Mehr<br />

als 1.000 Jahre gelebtes Christentum standen<br />

vor dem Aus.<br />

Nach dem Weltjugendtag 2005 <strong>in</strong> Köln<br />

stellte man aber fest, dass die Jugend<br />

Räume braucht, um die Impulse dauerhaft<br />

zu festigen: Räume der Beziehung zu Gott<br />

und dem Mitmenschen, Räume, <strong>in</strong> denen<br />

Glauben und Leben <strong>in</strong>s Gespräch gebracht<br />

werden können, Räume der Begegnung<br />

zwischen Kirche und der Lebenswelt der<br />

Jugendlichen und jungen Erwachsenen.<br />

Daraus entwickelte sich das CRUX-Konzept:<br />

zuerst Räume eröffnen, da <strong>in</strong> vielen Geme<strong>in</strong>den<br />

Jugendliche heute ke<strong>in</strong>e Schlüssel<br />

mehr für Jugendveranstaltungen bekommen;<br />

zweitens Geme<strong>in</strong>schaft leben, wobei<br />

Frau Köhler dies durch das „Philipp-Lahm-<br />

Pr<strong>in</strong>zip“ veranschaulichte: jedes CRUX-<br />

Mitglied geht auf neue Besucher „drauf“,<br />

um <strong>in</strong>s Gespräch zu kommen; drittens<br />

Heimat schaffen: im CRUX soll man sich<br />

aufgrund der engen räumlichen Verb<strong>in</strong>dung<br />

von Kirchenraum und Café als Haus-


genosse Gottes empf<strong>in</strong>den; viertens Offenheit<br />

zeigen.<br />

Mittlerweise besteht das CRUX-Team<br />

aus zahlreichen Personen: Stadtjugendseelsorger,<br />

Diener<strong>in</strong>nen des Evangeliums,<br />

Beauftragte für Jugendpastoral, Referenten<br />

der Kath. Fachstelle, Mitarbeiter des Cafés,<br />

Ehrenamtliche aus den Pfarreien und BDKJ-<br />

Verbänden, FSJ-ler und Praktikanten. Ausgehend<br />

von regelmäßigen Sonntagabendgottesdiensten<br />

und der Erkenntnis, dass<br />

man Bibelgespräche nicht nur auf Taize-<br />

Wallfahrten machen kann, gibt es zahlreiche<br />

religiöse Feiern: Frühschicht, Patroz<strong>in</strong>ium,<br />

Mai-Wallfahrt, Themenabende wie<br />

z. B. zur Ehepastoral mit dem Offizial der<br />

Erzdiözese Köln und ungewöhnliche Aktionen<br />

wie „Blamieren und Kassieren“, bei<br />

denen junge Erwachsene als heilige drei<br />

Könige verkleidet <strong>in</strong> Kneipen der Kölner<br />

Südstadt für die Sterns<strong>in</strong>ger-Aktion Geld<br />

sammeln oder „der Weihnachtsmann ist<br />

abgeschafft, der Nikolaus ist angesagt“, bei<br />

der sich junge Männer als Nikolaus ausbilden<br />

lassen können. Frau Köhler wies darauf<br />

h<strong>in</strong>, wie wichtig nicht nur der geme<strong>in</strong>same<br />

Spaß, sondern auch das geme<strong>in</strong>same Unterwegsse<strong>in</strong><br />

und das Lernen,Verantwortung zu<br />

üben, für die jungen Menschen ist.<br />

So wurde das CRUX zum Teil e<strong>in</strong>er<br />

Marke: Besucher f<strong>in</strong>den Gesprächspartner<br />

und können Kirche anders erleben und<br />

gestalten als <strong>in</strong> herkömmlichen Geme<strong>in</strong>den.<br />

Das Publikum besteht aus Suchenden,<br />

Mitgliedern von Geme<strong>in</strong>den ohne Jugendarbeit<br />

bis h<strong>in</strong> zu aktiven Gruppenleitern.<br />

Dabei sieht sich das CRUX als Ergänzung<br />

kirchlicher Angebote und nicht als Alternative.<br />

Getreu dem Motto „Glaube darf<br />

nicht uncool se<strong>in</strong>“ kann man Leute e<strong>in</strong>laden,<br />

wobei der gleiche Gottesdienst wie <strong>in</strong> anderen<br />

Geme<strong>in</strong>den gefeiert wird und es sich um<br />

ke<strong>in</strong>e Steigerung von Events handelt. Bewusst<br />

wird die Liturgie der Kirche gefeiert,<br />

aber ca. 100 Teilnehmer bleiben nach der<br />

Heiligen Messe im angeschlossenen Café<br />

und gehen nicht sofort nach Hause. Teilweise<br />

beg<strong>in</strong>nt die Sonntagsgestaltung mit<br />

e<strong>in</strong>em geme<strong>in</strong>samen Mittagessen und<br />

geme<strong>in</strong>samen Fußball-Gucken, bevor die<br />

Abendmesse beg<strong>in</strong>nt. So ist der Sonntag,<br />

der <strong>in</strong> vielen Familien nicht mehr geme<strong>in</strong>sam<br />

gefeiert wird, <strong>in</strong>sbesondere für die<br />

H<strong>in</strong>zugezogenen ke<strong>in</strong> leerer Tag mehr.<br />

Kristell Köhler verschwieg nicht, dass es<br />

natürlich auch Probleme gegeben habe<br />

und dass das CRUX ke<strong>in</strong> Patentrezept liefert.<br />

Nichts desto trotz stellte sie vier<br />

Thesen auf:<br />

1. Wir brauchen authentische Zeugen,<br />

2. Wir müssen immer neu nach Wegen<br />

der Verkündigung suchen.<br />

3. Wir können nicht mehr auf die Menschen<br />

warten, wir müssen zu den Menschen<br />

gehen.<br />

4. Geme<strong>in</strong>de bildet sich durch Geme<strong>in</strong>schaft!<br />

Ausgehend vom Anfang ihres ersten<br />

Vortrags über das Ende des Apostels Paulus<br />

kam sie zu dem Schluss, dass wir alle<br />

Nachfolger des Apostels Paulus s<strong>in</strong>d, d. h. es<br />

ist unsere Aufgabe das Evangelium trotz<br />

aller Bedrängnisse etc. zu verkündigen –<br />

durch unser Leben!<br />

Lang anhaltender Beifall belohnte ihre<br />

äußerst kompetenten und engagierten Vorträge,<br />

und beim anschließenden Mittagessen<br />

diskutierte Kristell Köhler weiter mit<br />

den Teilnehmern, <strong>in</strong>sbesondere dem anwesenden<br />

Vorort <strong>Unitas</strong> Marburg.<br />

„Auferstanden aus Ru<strong>in</strong>en:<br />

Führung durch die Jesuitenkirche<br />

und die Schlosskirche“<br />

Nachdem der Vorortspräsident, Bbr.<br />

Kilian Schmiz, <strong>in</strong> e<strong>in</strong>er kurzen Verbands-<br />

sitzung die Pläne des Marburger Vororts<br />

erläutert hatte, erwartete die Tagungsteilnehmer<br />

der altkatholische Geistliche der<br />

Mannheimer Schlosskirche, um diese und<br />

vorher die katholische Jesuitenkirche zu<br />

erläutern. Zunächst beschrieb er die Unterschiede<br />

beider Kirchen: die Schlosskirche als<br />

Teil des neu gebauten Mannheimer Schlosses<br />

mit der Grablege des Kurfürsten, die mit<br />

dem Wechsel des Landesherrn nach dem<br />

Wiener Kongress erst protestantisch und<br />

dann altkatholisch wurde, und die katholische<br />

Kirche der Jesuiten mit angeschlossenem<br />

Kolleg, das wie beide Kirchen im<br />

Zweiten Weltkrieg zerstört wurde, aber im<br />

Gegensatz zu diesen nach dem Krieg nicht<br />

mehr aufgebaut wurde.<br />

Sehr anschaulich schilderte er die Entstehung<br />

der Kirchen, die Zerstörung durch<br />

Bomben und den Wiederaufbau fast bis <strong>in</strong><br />

unsere Zeit. Besonders e<strong>in</strong>prägend war<br />

se<strong>in</strong>e Schilderung der Zerstörung des<br />

Hochaltars der Jesuitenkirche durch e<strong>in</strong>e<br />

e<strong>in</strong>zelne Bombe mitten durch die bereits<br />

vorher zerstörte Kuppel, bei der der Mesner<br />

und e<strong>in</strong>e Nonne zu Tode kamen, wobei der<br />

Mesner vorher noch die Kirchenschätze verstecken<br />

und somit retten konnte. E<strong>in</strong>prägsam<br />

beschrieb er auch die Plünderung der<br />

Grablege des Kurfürsten und se<strong>in</strong>er Gemahl<strong>in</strong><br />

„zur l<strong>in</strong>ken Hand“ (d. h. nicht offiziell):<br />

während die Gemahl<strong>in</strong> ihrer Geschmeide<br />

beraubt wurde, war der Leichnam<br />

des Kurfürsten so gut erhalten, dass<br />

die Räuber Reißaus nahmen, ohne ihn zu<br />

berauben.<br />

„80 Jahre oder vielleicht<br />

doch schon 99 Jahre <strong>Unitas</strong><br />

Mannheim?“<br />

Am Abend fand der besonders von den<br />

Mannheimer Bundesbrüdern heiß ersehnte<br />

Festkommers zum 80. Stiftungsfest der<br />

UNITAS Rheno-Palatia Mannheim statt. Bbr. >><br />

Führung <strong>in</strong> der Mannheimer Jesuitenkirche St. Ignatius und Franz Xaver, Sitz des Dekans des katholischen Stadtdekanats Mannheim, zwischen 1738 und<br />

1760 mit angeschlossenem Kolleg erbaut. Sie gilt als bedeutendste Barockkirche Südwestdeutschlands.<br />

unitas 4/2011 269


Alexander Tils schlug e<strong>in</strong>en formvollendeten<br />

und sehr gut durchorganisierten<br />

Kommers. Der Festredner Dipl.-Theol. Manfred<br />

K. Böhm sprach zum Thema „Christenverfolgung<br />

heute“ und wies darauf<br />

h<strong>in</strong>, dass der Heilige Vater, Papst<br />

Benedikt XVI., am 1. Januar dieses<br />

Jahres festgestellt hat, dass die<br />

Christen gegenwärtig die Religionsgruppe<br />

s<strong>in</strong>d, welche die meisten<br />

Verfolgungen aufgrund ihres<br />

Glaubens erleidet.<br />

Im weiteren Verlauf se<strong>in</strong>es<br />

Vortrags setzte sich Herr Böhm mit<br />

den Lebensumständen von Christen<br />

<strong>in</strong> islamischen Ländern, aber<br />

auch mit denen von Muslimen <strong>in</strong><br />

Deutschland ause<strong>in</strong>ander. Sehr kritisch<br />

g<strong>in</strong>g er auf islamische Gesellschaftspolitik<br />

und das islamische<br />

Kriegsrecht e<strong>in</strong>. (S. Seite 272)<br />

Bei den anschließenden Grußworten<br />

sorgte der Vorsitzende des<br />

Altherrenbunds, Bbr. Dr. Dr. Thomas<br />

Lohmann, für Verwirrung und<br />

Erheiterung, als er darauf h<strong>in</strong>wies,<br />

dass im ersten Gesamtverzeichnis<br />

der <strong>Unitas</strong> nach dem zweiten<br />

Weltkrieg aus dem Jahr 1950 das<br />

Gründungsdatum der <strong>Unitas</strong><br />

Mannheim mit 1. Dezember 1912<br />

angegeben ist, was die Mannheimer<br />

Bundesbrüder <strong>in</strong> kurzzeitige<br />

Verwirrung stürzte, aber wohl<br />

e<strong>in</strong> Druckfehler ist.<br />

270<br />

unitas 4/2011<br />

„Nicht alle Unitarier waren<br />

beim Papst <strong>in</strong> Freiburg oder auf<br />

der heimischen Couch“<br />

Die UNITAS Mannheim feierte runde 80 – oder mehr? Fröhliche Corona<br />

oben, der Vorort aus Marburg und das Präsidium unten<br />

„Den Aufbruch wagen“<br />

„Den Aufbruch wagen – Welche Lehren<br />

können wir heute aus der Entstehung der<br />

ersten christlichen Geme<strong>in</strong>den ziehen.“<br />

Unter diesem Motto haben wir die letzten<br />

Tage hier <strong>in</strong> Mannheim verbracht, gestern<br />

von Frau Köhler <strong>in</strong>teressante Referate<br />

gehört. Gleichzeitig endet heute mit dem<br />

Abschlussgottesdienst <strong>in</strong> Freiburg der<br />

Besuch des Papstes <strong>in</strong> Deutschland, der ja<br />

auch so etwas wie e<strong>in</strong> Aufbruchsignal für<br />

unsere katholische Kirche <strong>in</strong> unserem Land<br />

se<strong>in</strong> soll!<br />

Durch die Liturgie des heutigen Sonntags<br />

bekommen wir dazu ebenfalls etwas<br />

„geschenkt“! Wir hören als Lesung e<strong>in</strong> Stück<br />

aus dem Philipperbrief. Der Philipperbrief<br />

erlaubt uns e<strong>in</strong>en Blick auf e<strong>in</strong>e christliche<br />

Geme<strong>in</strong>de <strong>in</strong> e<strong>in</strong>er dem Christentum noch<br />

fremden Gesellschaft!<br />

Im Verlauf se<strong>in</strong>er zweiten Missionsreise<br />

kam Paulus um das Jahr 50 nach Philippi,<br />

das <strong>in</strong> Ost-Mazedonien liegt. Hier gründet<br />

Paulus die erste christliche Geme<strong>in</strong>de auf<br />

europäischem Boden (vgl. Apg 16,11-15).<br />

Diese Geme<strong>in</strong>de wuchs ihm besonders<br />

ans Herz und er blieb ihr immer tief<br />

verbunden. Paulus wurde von ihr mehrfach<br />

unterstützt, und nur von dieser<br />

Geme<strong>in</strong>de ließ er sich auch f<strong>in</strong>anziell<br />

helfen. Den Brief an die Philipper schrieb<br />

Paulus als Gefangener, wahrsche<strong>in</strong>lich <strong>in</strong><br />

Ephesus um das Jahr 55. Paulus antwortet<br />

auf den Wunsch der Christen <strong>in</strong> Philippi,<br />

von ihm Näheres über se<strong>in</strong> Schicksal zu<br />

erfahren.<br />

Die besondere, freundschaftliche Verbundenheit<br />

zwischen Paulus und der Geme<strong>in</strong>de<br />

<strong>in</strong> Philippi fällt gleich zu Beg<strong>in</strong>n<br />

Am Sonntag musste das Programm aufgrund<br />

des Besuchs des Heiligen Vaters kurzfristig<br />

umgestellt werden, da die Nonnen<br />

des Ursul<strong>in</strong>enklosters <strong>in</strong> Mannheim alle an<br />

der Heiligen Messe <strong>in</strong> Freiburg<br />

teilnahmen. Obwohl<br />

sich auch der Vorort bereits<br />

um vier Uhr morgens nach<br />

Freiburg aufmachte, fand<br />

sich doch e<strong>in</strong>e sehr stattliche<br />

Anzahl von Mannheimer<br />

Bundesbrüdern mit ihren<br />

Angehörigen zur Heiligen<br />

Messe im He<strong>in</strong>rich-Pesch-<br />

Haus <strong>in</strong> Ludwigshafen e<strong>in</strong>.<br />

In se<strong>in</strong>er Predigt g<strong>in</strong>g der<br />

stellvertretende Vorsitzende<br />

des Altherrenbunds, Bbr.<br />

Pfarrer Ralf L<strong>in</strong>nartz, noch<br />

e<strong>in</strong>mal auf das Thema der<br />

Hohe-Damen-/Altherrenbundstagung<br />

e<strong>in</strong>. Der anschließende<br />

zweite Teil der<br />

Verbandssitzung galt der<br />

Diskussion über Themen für<br />

zukünftige Veranstaltungen<br />

und alle Teilnehmer der<br />

Tagung bedankten sich ganz<br />

herzlich bei den lokalen<br />

Organisatoren Bbr. Andreas<br />

Grossmann, Vorsitzender<br />

des AHV <strong>Unitas</strong> Mannheim,<br />

und Bbr. Joachim Porten für<br />

die perfekte und äußerst<br />

gelungene Veranstaltung.<br />

PREDIGT VON BBR. RALF LINNARTZ BEIM AHB-/HDB-TAG IN MANNHEIM<br />

des Briefes auf. Da schreibt Paulus: „Immer<br />

wenn ich an euch denke, kann ich me<strong>in</strong>em<br />

Gott für euch nur danken. Und allezeit<br />

schließe ich euch <strong>in</strong> me<strong>in</strong>e Fürbitten e<strong>in</strong>.<br />

Große Freude erfüllt mich, wenn ich daran<br />

denke, wie ihr vom ersten Tage an bis jetzt<br />

dem Evangelium treu verbunden seid. Ich<br />

glaube ganz fest, dass Gott, der <strong>in</strong> euch den<br />

guten Anfang gemacht hat, alles zu e<strong>in</strong>em<br />

guten Ende führen wird an dem Tag, an<br />

dem Jesus Christus wiederkommt. Natürlich<br />

b<strong>in</strong> ich mit allen me<strong>in</strong>en Gedanken bei<br />

euch und habe e<strong>in</strong>e so hohe Me<strong>in</strong>ung von<br />

euch, weil ihr <strong>in</strong> me<strong>in</strong>em Herzen seid.“<br />

(Phil 1,3-7)<br />

Und etwas weiter heißt es: „Gott ist<br />

me<strong>in</strong> Zeuge, wie ich mich nach euch allen<br />

sehne von ganzem Herzen <strong>in</strong> Christus Jesus.<br />

Und ich bete darum, dass eure Liebe immer


noch reicher werde an gegenseitigem Verstehen<br />

und E<strong>in</strong>fühlungsvermögen.“ (1,8f)<br />

Das persönliche<br />

Wohlwollen zue<strong>in</strong>ander<br />

Das Erste, was wir als Geme<strong>in</strong>de von<br />

Christen an diesem Beispiel neu lernen können:<br />

Es wird heute immer mehr <strong>in</strong> e<strong>in</strong>er<br />

christlichen Geme<strong>in</strong>de auf e<strong>in</strong> persönliches,<br />

freundschaftliches, von Wohlwollen, ja von<br />

Herzlichkeit geprägtes Verhältnis untere<strong>in</strong>ander<br />

ankommen („Liebet e<strong>in</strong>ander, wie ich<br />

euch geliebt habe!“).<br />

Das ist geradezu e<strong>in</strong> „Kontrastprogramm“<br />

zu unserer von Leistungen, von<br />

Erfolg, und damit auch von Konkurrenz und<br />

Rivalität geprägten, unpersönlicher und<br />

anonymer werdenden Gesellschaft. In solch<br />

e<strong>in</strong>er Gesellschaft, <strong>in</strong> der der e<strong>in</strong>zelne<br />

Mensch <strong>in</strong> se<strong>in</strong>en bleibenden und neuen<br />

Nöten und Leiden weith<strong>in</strong> vergessen wird,<br />

und <strong>in</strong> der der zurück bleibende und schwache<br />

Mensch unterzugehen droht, wird die<br />

persönliche, wohlwollende, hilfreiche und<br />

liebevolle Beziehung zum E<strong>in</strong>zelnen immer<br />

wichtiger. Und gerade dar<strong>in</strong> müsste und<br />

könnte die Kraft der Christen, die Stärke der<br />

Geme<strong>in</strong>schaft von Christen, die Kraft der<br />

christlichen Geme<strong>in</strong>de liegen.<br />

Die UNITAS als Verband, die Aktivitates<br />

und Altherren-/Hohe Damen-Vere<strong>in</strong>e und<br />

Zirkel der UNITAS s<strong>in</strong>d <strong>in</strong> diesem S<strong>in</strong>ne<br />

„Geme<strong>in</strong>den“ und als solche „Biotope des<br />

Glaubens“, wie unser ehemaliger AHB-<br />

Vorsitzender He<strong>in</strong>rich Sudmann immer zu<br />

sagen pflegte!<br />

Man soll die Anfänge nicht romantisieren:<br />

In den ersten christlichen Geme<strong>in</strong>den<br />

gab es viele Konflikte und harte Ause<strong>in</strong>andersetzungen.<br />

Die Briefe des Apostels Pau-<br />

lus und die Apostelgeschichte<br />

geben auch davon Zeugnis! Umso<br />

mehr ließen sich aber die<br />

Christen auf den alles entscheidenden<br />

Grund ihres Dase<strong>in</strong>s h<strong>in</strong>weisen<br />

und festlegen, auf ihre<br />

E<strong>in</strong>heit <strong>in</strong> der Liebe.<br />

Bemerkenswert ist, dass die<br />

damalige Umwelt auf die<br />

Christen aufmerksam wurde<br />

nicht wegen ihrer Streitigkeiten,<br />

sondern wegen ihres verständnisvollen,<br />

helfenden und gütigen<br />

Umgehens mite<strong>in</strong>ander: „Seht,<br />

wie sie e<strong>in</strong>ander lieben.“ Dieses<br />

war sichtbar, spürbar, im Umgang<br />

untere<strong>in</strong>ander (im B<strong>in</strong>nenraum),<br />

an der tatkräftigen Hilfe füre<strong>in</strong>ander.<br />

Das bezog sich aber nicht<br />

nur auf den „B<strong>in</strong>nenraum“. Die<br />

tatkräftige Hilfe wurde auch<br />

anderen zuteil. Die Haltung des<br />

„e<strong>in</strong>ander lieben“ wurde für Viele<br />

zum „Markenzeichen“ der<br />

Christen. Und gerade dar<strong>in</strong> entfaltete<br />

sich ihre missionarische<br />

Dynamik.<br />

Hl. Messe im He<strong>in</strong>rich-Pesch-Haus <strong>in</strong> Ludwigshafen mit Bbr. Pfr. Ralf L<strong>in</strong>nartz,<br />

stv. Vorsitzender des AHB (oben rechts)<br />

Es geht nicht darum, „auf hohem<br />

Niveau“ über unsere Gesellschaft zu klagen.<br />

Es geht vielmehr darum, die bedrohlichen,<br />

destruktiven, Leben zerstörenden<br />

Merkmale und Kräfte <strong>in</strong> unserer Gesellschaft<br />

und <strong>in</strong> jedem E<strong>in</strong>zelnen von uns, zu<br />

erkennen und umzuwandeln durch die<br />

Liebe Gottes! Die das Leben bejahenden,<br />

schützenden, unterstützenden und entfaltenden<br />

Kräfte dürfen durch uns Hand und<br />

Fuß bekommen.<br />

Paulus sehnt sich nach allen <strong>in</strong> der<br />

Geme<strong>in</strong>de von Philippi mit der herzlichen<br />

Liebe, die Jesus Christus zu allen und jedem<br />

E<strong>in</strong>zelnen hat. Und damit ist das Zweite<br />

angesprochen, das gerade heute uns<br />

Christen wieder bewusst und bei uns wirksam<br />

werden muss:<br />

Unsere Liebe zue<strong>in</strong>ander ist trotz aller<br />

Verschiedenheit nur möglich, weil sie von<br />

der Liebe Gottes <strong>in</strong> Jesus Christus getragen<br />

ist. Jeder Getaufte, jede christliche Generation<br />

ist e<strong>in</strong>geladen, ermuntert und aufgefordert,<br />

dieses Geschenk der Beziehung<br />

zu Gott <strong>in</strong> Jesus Christus zu entdecken,<br />

für sich fruchtbar zu machen und daraus<br />

zu leben.<br />

Der christliche Glaube ist e<strong>in</strong> Beziehungsgeschehen,<br />

ansonsten verkommt er<br />

zur Ideologie, vertrocknet er. Und wie <strong>in</strong><br />

jeder richtigen Beziehung muss ich mir Zeit<br />

nehmen für diese Beziehung, muss ich im<br />

Gespräch bleiben mit dem Partner me<strong>in</strong>es<br />

Lebens.<br />

In den hektischen Zeiten heute ist das<br />

wahrsche<strong>in</strong>lich schwieriger geworden als<br />

früher. Da tut es gut, Geme<strong>in</strong>de zu haben,<br />

Geme<strong>in</strong>schaften, die das absichern, die das<br />

<strong>in</strong> e<strong>in</strong>e gute Form br<strong>in</strong>gen, die sich gegenseitig<br />

dabei unterstützen und helfen, dazu<br />

aufmuntern: das persönliche und geme<strong>in</strong>schaftliche<br />

Gebet zu fördern. In diesem<br />

Zusammenhang möchte ich auf die Bedeutung<br />

des arbeitsfreien Sonntags und die<br />

Feier des Sonntags mit dem Sonntagsgottesdienst<br />

h<strong>in</strong>weisen!<br />

Glauben bedeutet, immer neu aufzubrechen!<br />

Wir s<strong>in</strong>d e<strong>in</strong>geladen aufzubrechen,<br />

die Liebe Christi zu mir persönlich, zu<br />

e<strong>in</strong>em Jeden neu zu entdecken, neu Beziehung<br />

zu pflegen: Freundschaft mit Christus,<br />

Freundschaft untere<strong>in</strong>ander (<strong>in</strong> der<br />

UNITAS), menschenfreundlich zu leben!<br />

Amen.<br />

unitas 4/2011 271


272<br />

Demonstration gegen Christenverfolgung <strong>in</strong> Indien<br />

Brandaktuell: Christenverfolgung heute<br />

VORTRAG VON DIPL.-THEOL. MANFRED KARL BÖHM BEIM FESTKOMMERS ZUM ALTHERRENBUNDSTAG<br />

Die Verfolgung von Christen ist alles<br />

andere als nur e<strong>in</strong> Thema für Historiker,<br />

auch wenn viele an brüllende Löwen und<br />

lebende Fackeln <strong>in</strong> den Arenen brutalwahns<strong>in</strong>niger<br />

römischer Spätkaiser denken<br />

mögen. Vielleicht auch an den Genozid an<br />

den Armeniern im spätosmanischen Reich<br />

Ende des 19. Jahrhunderts und während des<br />

Ersen Weltkrieges oder an die Opfer des<br />

Nazi-Terrors und Bolschewismus. Doch leider<br />

sei das Wort „Christenverfolgung“ e<strong>in</strong>e<br />

mehr als hochaktuelle Angelegenheit,<br />

äußerte Manfred Karl Böhm beim Festkommers<br />

zum AHB-HDB-Tag.<br />

Die Beschäftigung mit der Frage sei für<br />

Christen e<strong>in</strong>e Pflicht, wenn Mitschwestern<br />

und -brüder mit Leib und Seele wegen ihres<br />

Glaubens verfolgt werden, unterstrich er <strong>in</strong><br />

se<strong>in</strong>er Festrede: „Das lautlose Rufen vom<br />

Rand der Sahara, von Kabul oder dem Golf<br />

von Bengalen ist nicht weit weg“, erklärte<br />

er. Es sei e<strong>in</strong> Schrei nach Respekt, e<strong>in</strong> Flehen<br />

um Achtung der Würde, um Gewissensund<br />

Glaubensfreiheit. „Es geht uns an, weil<br />

<strong>in</strong> den verfolgten Christen Christus selbst<br />

gedemütigt wird“, er<strong>in</strong>nerte er an e<strong>in</strong> Wort<br />

von Erzbischof Fouad Twal, dem Late<strong>in</strong>ischen<br />

Patriarchen von Jerusalem. Christenverfolgung<br />

heute sei e<strong>in</strong> hochpolitisches<br />

und sehr brisantes Thema, das <strong>in</strong> die<br />

Öffentlichkeit gehöre. Es gehe um Vorbeugung<br />

und auch um Verantwortung für<br />

kommende Generationen.<br />

Christenverfolgung heute<br />

Das Reden von „Christenverfolgung“ als<br />

gewesene oder h<strong>in</strong>ter dem „Eisernen Vorhang“<br />

geografisch e<strong>in</strong>gezäunte Geschichte<br />

sei im neuen Jahrtausend überholt. Schon<br />

immer sei die eurozentristisch gesehene<br />

Welt <strong>in</strong> Wirklichkeit von großen „Ungleich-<br />

unitas 4/2011<br />

zeitigkeiten“ geprägt, sagte Böhm mit H<strong>in</strong>weis<br />

auf e<strong>in</strong> <strong>in</strong> den 1960 Jahren durch den<br />

Ludwigshafener Philosophen Ernst Bloch<br />

geprägtes Wort. Auch im Zeitalter der<br />

Globalisierung kenne der unterschiedliche<br />

Fortschritt <strong>in</strong> den Weltgesellschaften unterschiedlichste<br />

Lebensbed<strong>in</strong>gungen und<br />

kulturelle Prägungen, auch ethische und<br />

politische „Ungleichzeitigkeiten“. Tschador<br />

oder Burka <strong>in</strong> Supermärkten seien nicht nur<br />

Ausdruck für Folklore, erklärte Böhm. Es<br />

gehe auch um ideologische Botschaften<br />

und religiöse Bekenntnisse.<br />

Während Christen ihre Erkennbarkeit<br />

oft abhanden gekommen sei, sei etwa der<br />

Islam sehr viel e<strong>in</strong>deutiger <strong>in</strong> se<strong>in</strong>en<br />

Ersche<strong>in</strong>ungsformen. „Der Islam preist von<br />

se<strong>in</strong>en M<strong>in</strong>aretten fünfmal täglich die<br />

Größe und Stärke Allahs (...), und das hören<br />

unsere arabischen Christen alle Tage!“,<br />

zitierte Böhm den aus Alexandria stammenden<br />

ägyptisch-libanesischen Jesuitenpater<br />

Henri Boulad, Rektor des Jesuitenkollegs<br />

<strong>in</strong> Kairo.„Und sie danken, ja, bed<strong>in</strong>gt<br />

ist das wahr! Bed<strong>in</strong>gt, denn es fehlt uns<br />

Gottes Selbstaufgabe im persönlichen<br />

Liebesengagement, se<strong>in</strong> Gott-mit-uns, der<br />

Emmanuel. Den e<strong>in</strong>en die Erfüllung ihrer<br />

Sehnsucht, den anderen re<strong>in</strong>e Blasphemie.<br />

Diese Klippe können wir im Dialog sehr<br />

schwer umschiffen.“ (Henri Boulad: Sturm<br />

und Sonne, Salzburg 2010, S.22)<br />

Zurück bleibe Unsicherheit, wie weit<br />

kritische Äußerungen zum Islam selbst<br />

gehen können. Die Angst vor dem Übertreten<br />

der „political correctness“ und gebotener<br />

Toleranz sei allgegenwärtig: „Wir erleben<br />

den Bau von Moscheen, zum Teil unterstützt<br />

aus dem Kl<strong>in</strong>gelbeutel christlicher<br />

Kirchen. Ke<strong>in</strong>e Schwe<strong>in</strong>ewürstchen im<br />

katholischen K<strong>in</strong>dergarten. Auch der Niko-<br />

lausbesuch ist problematisch geworden. …<br />

Islamischer Religionsunterricht – e<strong>in</strong>ige<br />

Bundesländer haben ihn e<strong>in</strong>geführt. Doch<br />

fragt man sich, was wird denn da unterrichtet?<br />

Wissen wir es?“<br />

Dipl.-Theol.<br />

Manfred Karl Böhm<br />

Jahrgang 1956, Studium der katholischen<br />

Theologie, Philosophie, Politikwissenschaft<br />

und Geschichte <strong>in</strong> Ma<strong>in</strong>z,<br />

Tüb<strong>in</strong>gen, München und Hagen (1976-<br />

1982). Seit 1984 Dozent <strong>in</strong> der Erwachsenenbildung,<br />

Publizist mit<br />

Schwerpunkten Spiritualität, Christlicher<br />

Orient, Regionalia.


In e<strong>in</strong>er pluralistischen Gesellschaft<br />

sei selbstverständlich<br />

die Religionsfreiheit der Muslime<br />

zu respektieren. Doch sei der Blick<br />

auf e<strong>in</strong>e Tatsache zu schärfen:<br />

„Der Jesuit Boulad klärt uns auf:<br />

Das islamische Credo heißt: Alislam<br />

d<strong>in</strong> wa dawla. Islam ist<br />

Religion und Staat“, so Böhm.<br />

Zwar seien Terroranschläge für<br />

die überwiegende Mehrheit der<br />

Mullahs nicht islamisch legitimierbar.<br />

Doch während Touristen<br />

seelenruhig auf Dscherba Badeurlaub<br />

genössen und von Balis<br />

exotischer Atmosphäre h<strong>in</strong>gerissen<br />

seien, profitierten sie <strong>in</strong> Wirklichkeit<br />

von der „Hudna“, e<strong>in</strong>er<br />

offiziell herrschenden Waffenruhe.<br />

Nach wie vor aber gelte das<br />

Kriegsrecht, wie zu Zeiten Muhammads,<br />

verwies Böhm auf den deutschen Arabisten<br />

und Islamwissenschaftler Mart<strong>in</strong> Hartmann:<br />

Es herrsche Kriegszustand – solange,<br />

bis das Haus des Krieges, „dar al harb“, <strong>in</strong> das<br />

Haus des Islams, „dar al islam“, verwandelt<br />

ist. Der Islam als das totale Weltsystem sei<br />

das Endziel der Umma, der muslimischen<br />

Geme<strong>in</strong>schaft. Obwohl der Koran auch<br />

andere gerne zitierte Verse aufweise<br />

(„Religion [Islam] kennt ke<strong>in</strong>en Zwang“ –<br />

Sure 2, 256): Wenn etwa e<strong>in</strong> Muslim e<strong>in</strong>en<br />

anderen Glauben annehme, könne ihn das<br />

das Leben kosten – selbst <strong>in</strong> Deutschland.<br />

Das „Ungleichzeitige“<br />

<strong>in</strong> unserer Gesellschaft<br />

Zum Verständnis e<strong>in</strong>er „Invasion des<br />

Ungleichzeitigen“ <strong>in</strong> unserer Gesellschaft<br />

seien zwei entscheidende Umbrüche <strong>in</strong> der<br />

Zeitgeschichte <strong>in</strong> den Blick nehmen, führte<br />

Böhm aus. Zum e<strong>in</strong>en sei die unter dem<br />

Revolutionsführer Ajatollah Chome<strong>in</strong>i bei<br />

der Revolution im Iran 1979 e<strong>in</strong>geführte<br />

theokratische Verfassung e<strong>in</strong>e markante<br />

Zäsur <strong>in</strong> der neueren Geschichte des Islams.<br />

Das Wiedererwachen des politischen<br />

Islams weltweit – sowohl unter Schiiten als<br />

Graffito vom Palat<strong>in</strong> <strong>in</strong> Rom aus den ersten nachchristlichen Jahrhunderten. Die Inschrift bedeutet Alexamenos<br />

betet se<strong>in</strong>en Gott an“; rechts: Graffito, vor kurzem an mehrere Wände der Marburger Innenstadt geschmiert.<br />

auch Sunniten – habe <strong>in</strong> immer kürzeren<br />

Abständen Kommunikationsprobleme zwischen<br />

Nichtmuslimen und Muslimen provoziert.<br />

Militante Islamisten (z. B. al-Qaida;<br />

Taliban) revitalisierten das Konzept des<br />

so genannten „dschihad saghir“ (kle<strong>in</strong>er<br />

Dschihad), den heiligen Krieg. Mit fatalen<br />

Folgen für Christen <strong>in</strong> vielen islamischen<br />

Ländern, <strong>in</strong> denen sie sowieso schon als<br />

„Bürger zweiter Klasse“ seit jeher galten.<br />

Sie wurden Opfer gezielter Krim<strong>in</strong>alität, von<br />

Entführung, Vergewaltigungen, Zwangsehen<br />

und Zwangskonversionen, Morden,<br />

Anschlägen auf Geschäfte und Kirchen,<br />

so Böhm.<br />

Als weiteren markanten politischen<br />

Umbruch nannte er den Fall der Mauer im<br />

November 1989 und den Zusammenbruch<br />

des Ostblocks. Die friedliche deutsche<br />

Revolution, e<strong>in</strong>e Öffnung von politischen<br />

und territorialen Grenzen, habe nicht zuletzt<br />

auch die Dynamisierung der <strong>in</strong>ternationalen<br />

Migration gefördert, e<strong>in</strong>e Zuwanderung<br />

von Menschen, die <strong>in</strong> ke<strong>in</strong>er Weise<br />

mit der europäischen oder deutschen<br />

Kultur verbunden waren. „Damit war<br />

Kulturkampf vorprogrammiert: Moderne<br />

gegen Kulturregression. Moderne, die ja e<strong>in</strong><br />

Stück christliches Werk ist, sofern die<br />

Menschenrechte auch biblische Wurzeln<br />

haben, <strong>in</strong> der Gleichheit vor dem Schöpfer<br />

Gott gründen“, erklärte Böhm. Angesichts<br />

der Geschichte des Islams und se<strong>in</strong>er neueren<br />

Entwicklung sei „kulturelle Rückständigkeit“<br />

e<strong>in</strong>e Gefahr für uns und unsere<br />

Menschenrechte – auch wenn das deutsche<br />

Grundgesetz (GG) die Religionsfreiheit<br />

<strong>in</strong> Art. 4 Absatz 1, 2 garantiere, die Freiheit<br />

des Glaubens und Gewissens, des religiösen<br />

wie weltanschaulichen Bekenntnisses<br />

und die ungestörte Religionsausübung<br />

gewährleiste. „Wenn jedoch Menschen <strong>in</strong><br />

Deutschland wegen ihres Glaubense<strong>in</strong>stellung<br />

oder religiösen Konversion bespitzelt,<br />

schikaniert oder gar ermordet<br />

werden (was <strong>in</strong> der islamischen Welt täglich<br />

geschieht), dann reicht rechtlich verbriefte<br />

Religionsfreiheit nicht aus“, so<br />

Böhm. Rechtsfälle wie Ehrenmorde nähmen<br />

nicht ab. Hier seien Migrationspolitik,<br />

Erziehung, Schule, Dialog und nötigenfalls<br />

der Verfassungsschutz gefordert.<br />

Christen: Die am meisten<br />

verfolgte Religionsgruppe<br />

Beim Blick auf die weltweite Verfolgung<br />

von Christen trete ihre Situation <strong>in</strong> zahlreichen<br />

muslimischen Ländern besonders hervor<br />

– ob <strong>in</strong> Afghanistan, Pakistan, Saudi-<br />

Arabien, im Iran und Irak, <strong>in</strong> Ägypten oder<br />

Somalia. Aber auch <strong>in</strong> nichtmuslimischen<br />

Staaten gehörten Repressionen zum Alltag,<br />

sei Religionsfreiheit nicht <strong>in</strong> vollem Umfang<br />

gewährleistet – oft aus ideologischen<br />

oder nationalistischen Gründen, wie beispielsweise<br />

<strong>in</strong> Nordkorea, Birma, Indien,<br />

Vietnam und Ch<strong>in</strong>a.<br />

„Die Christen s<strong>in</strong>d gegenwärtig die<br />

Religionsgruppe, welche die meisten Verfolgungen<br />

aufgrund ihres Glaubens erleidet“,<br />

hatte Papst Benedikt XVI. <strong>in</strong> se<strong>in</strong>er<br />

Botschaft zum Weltfriedenstag (1. Januar<br />

2011) erklärt, er<strong>in</strong>nerte Böhm. Und dass es<br />

neben der aggressiven Christenverfolgung<br />

„lautlosere und raff<strong>in</strong>ierte Formen von Vorurteil<br />

und Widerstand gegen die Gläubigen >><br />

unitas 4/2011 273


und gegen religiöse Symbole gebe“. Darunter,<br />

so der Festredner, seien alle antichristlichen<br />

und antikirchlichen Kampagnen zu<br />

zählen, die <strong>in</strong> Deutschland oder anderswo<br />

extremistische Säkularisten organisierten<br />

und zu ihrer Politik machten:„Zum Beispiel:<br />

das christliche Kreuz. Zu gern möchten gewisse<br />

Gruppierungen, vielleicht auch aus<br />

falschem Toleranzverständnis, dieses, das<br />

Symbol des Heils, aus Schulen oder öffentlichen<br />

E<strong>in</strong>richtungen verbannen. Das Kreuz,<br />

es ist, daran sei zum Schluss er<strong>in</strong>nert, nicht<br />

alle<strong>in</strong> e<strong>in</strong> b<strong>in</strong>nenkirchliches Objekt, es ist<br />

darüber h<strong>in</strong>aus e<strong>in</strong> mahnendes Kulturgut<br />

unseres Abendlandes, Zeichen der Realität<br />

des Leidens, der Kont<strong>in</strong>genz menschlicher<br />

Existenz, aber auch Offenbarung der sich<br />

erbarmenden, göttlichen Liebe. Selbst der<br />

Säkularisten, so hoffe ich doch, erbarmt sich<br />

Gott. Was aber die Religionsgegner, Ungläubige,<br />

Neuheiden, Atheisten, Indifferente<br />

beunruhigen darf: Vor dem Allah des<br />

Korans ist ihnen ke<strong>in</strong> Bestand verheißen.“<br />

274<br />

unitas 4/2011<br />

Über die Lage der Christen <strong>in</strong> der Welt<br />

könne man sich heute aus vielen Quellen<br />

<strong>in</strong>formieren, auch durch die Präsenz verschiedener<br />

kirchlicher und zivilgesellschaftlicher<br />

Organisationen im Internet: „Nehmen<br />

wir uns h<strong>in</strong> und wieder e<strong>in</strong> paar M<strong>in</strong>uten<br />

Zeit solche Seiten abzurufen. Es schärft<br />

das Bewusstse<strong>in</strong> und belebt unsere Sensibilität<br />

für die unterdrückten Mitchristen.<br />

Informieren – das sollte uns auch bewegen,<br />

diese Christen mit unserem Gebet geistlich<br />

zu stärken. Ja, das Gebet der Kirche, der<br />

gläubigen Geme<strong>in</strong>de, unser Gebet hat heilsame,<br />

befreiende Macht.“<br />

Im Interesse des Menschen und aus<br />

Liebe zu Christus <strong>in</strong> ihm, müsse man von<br />

Verfolgten sprechen – gleich wer nun der<br />

Verfolger sei. Ihn ausf<strong>in</strong>dig zu machen, sei<br />

nicht alle<strong>in</strong> Aufgabe für Politik und Justiz,<br />

erklärte Manfred Karl Böhm: „Die Weltöffentlichkeit<br />

ist zu <strong>in</strong>formieren. Das ist<br />

unsere Aufgabe als Christen.“<br />

Literatur<br />

Jean-Claude Barreau: Die unerbittlichen<br />

Erlöser. Vom Kampf des Islams gegen die<br />

moderne Welt, Hamburg: Rowohlt 1992<br />

Henri Boulad: Sturm und Sonne. Christus<br />

als Ste<strong>in</strong> des Anstoßes <strong>in</strong> Europa, Salzburg:<br />

Otto Müller 2010<br />

Kirche <strong>in</strong> Not e. V. (Hg.): Christen <strong>in</strong> großer<br />

Bedrängnis, München 2011<br />

Mart<strong>in</strong> Hartmann: Der Islam. Geschichte –<br />

Glaube – Recht, Leipzig: Rudolf Haupt 1909<br />

Mart<strong>in</strong> Tamcke: Christen <strong>in</strong> der islamischen<br />

Welt. Von Mohammed bis zur Gegenwart,<br />

München: C. H. Beck 2008<br />

Drei Internetseiten, die die Christen<br />

<strong>in</strong> islamischen Ländern besonders<br />

im Blick haben: Kirche <strong>in</strong> Not:<br />

http://www.kirche-<strong>in</strong>-not.de/, Christian<br />

Solidarity International: http://www.cside.de/,<br />

Internationale Gesellschaft für<br />

Menschenrechte: http://www.igfm.de/<br />

Sportplatz und Spiellandschaft im K<strong>in</strong>der- und Jugenddorf vor Vollendung<br />

LEIPZIG. Von fast abgeschlossenen Arbeiten auf dem Sportund<br />

Spielplatzgelände berichtet K<strong>in</strong>derdorfleiter<strong>in</strong> Anne<br />

Hoffmann <strong>in</strong> e<strong>in</strong>em Schreiben die Verbandsgeschäftsstelle.<br />

Lediglich die Bepflanzung des Hügels und das Umsetzen der<br />

Tore stehen noch aus.<br />

Bislang für alle K<strong>in</strong>der e<strong>in</strong>e spannende Sache: Große und<br />

kle<strong>in</strong>e Bagger drehten ihre Runden, schwere Laster kamen<br />

und g<strong>in</strong>gen, e<strong>in</strong> riesiges Betonsilo stand plötzlich vor der<br />

eigenen Haustür – all das lud zum Staunen und Beobachten:<br />

„Als die Kletterfelsenbauer noch abends um neun im<br />

Sche<strong>in</strong>werferlicht den Spritzbeton auftrugen, war an<br />

Schlafen nicht zu denken. Jetzt heißt es Geduld haben, bis<br />

wir alles benutzen können.“<br />

Mit der E<strong>in</strong>weihung des Platzes wird noch bis zum Juni 2012<br />

gewartet werden müssen. Der Rasen muss erst anwachsen<br />

und die Grasnarbe sich verdichten, damit der Platz auch stabil<br />

und dauerhaft bespielbar ist. Die Pflege und Betreuung<br />

wird für das gesamte nächste Jahr e<strong>in</strong>e Firma übernehmen,<br />

Kletterfelsen und Bodentrampol<strong>in</strong> sollen die K<strong>in</strong>der und<br />

Jugendlichen schon eher benutzen.<br />

Das 1995 mit Unterstützung der UNITAS errichtete Caritas-<br />

K<strong>in</strong>der- und Jugenddorf Leipzig-Markkleeberg war vom<br />

Vorort UNITAS Sugambria Osnabrück 1991 <strong>in</strong>itiiert worden<br />

und stand unter Schirmherrschaft des damaligen<br />

Bundesm<strong>in</strong>isters Bbr. Dr. Rudolf Seiters. Es bietet 25 Plätze für<br />

K<strong>in</strong>der und Jugendliche im Alter zwischen 5 bis 18 Jahren.<br />

E<strong>in</strong>es der vier Häuser im K<strong>in</strong>der- und Jugenddorf trägt den<br />

Namen „Robert Schuman-Haus“.<br />

Für den jetzt erfolgten Bau e<strong>in</strong>es strapazierfähigen Sportund<br />

Bolzplatzes kamen deutlich über 30.000 Euro zusammen.<br />

Hier werden die K<strong>in</strong>der aus dem K<strong>in</strong>derdorf bald mit<br />

der Jugend aus der Umgebung wieder mehr als nur kicken<br />

können.


Nachfolger gefragt: Bbr. Dieter Krüll<br />

scheidet als Verbandsgeschäftsführer aus<br />

Vor fast 70 Jahren wurde er geboren,<br />

vor 50 Jahren Schütze und vor zehn<br />

Jahren Verbandsgeschäftsführer:<br />

Bbr. Dieter Krüll, vor fünf Jahren mit<br />

der Goldenen Verbandsnadel ausgezeichnet,<br />

vollendet am 16. November<br />

2011 se<strong>in</strong> 70. Lebensjahr.<br />

Er hat wohl vom Messdiener bis zum<br />

Kirchenvorstand so gut wie nichts ausgelassen,<br />

was an Ämtern und Aufgaben <strong>in</strong> se<strong>in</strong>em<br />

Umfeld rund um das Neusser Quir<strong>in</strong>us-Gymnasium<br />

zu vergeben war. Bbr.<br />

Krüll, Leutnant der Reserve und Mitglied<br />

der traditionsreichen Neusser Scheibenschützen-Gesellschaft<br />

v. 1415 e.V., ließ es<br />

aber nicht beim gefälligen Mitmarschieren:<br />

Auch wenn die royalen Würden des Schützenkönigs<br />

schließlich kaum zu vermeiden<br />

waren, weigerte er sich nie, „<strong>in</strong> Dienst“ genommen<br />

zu werden. Auch und gerade <strong>in</strong><br />

der UNITAS, wo er, während se<strong>in</strong>es Studiums<br />

der Betriebswirtschaft frisch bei<br />

UNITAS Bavaria <strong>in</strong> Würzburg rezipiert,<br />

gleich e<strong>in</strong>e VOS-Charge im Vorort 1964/65<br />

antrat. Zehn Jahre später übernahm er die<br />

Kasse des heimischen UNITAS-Zirkels, 1994<br />

bis 2000 die Prüfung der Kasse des Gesamtverbandes.<br />

Was schon beruflich nahelag: Bbr. Krüll<br />

wirkte seit 1968 als Prüfer, Wirtschaftsprüfer,<br />

Steuerberater, F<strong>in</strong>anz- und Personalchef<br />

und Geschäftsführer bei mehreren<br />

regional tätigen Unternehmen. Und dass<br />

die 2003 bis 2006 übernommene Aufgabe<br />

als F<strong>in</strong>anzchef der Weltjugendtag gGmbH<br />

für den XX. Weltjugendtag 2005 <strong>in</strong> Köln<br />

se<strong>in</strong> letzter Auftrag se<strong>in</strong> würde, hatten<br />

schon damals wenige geglaubt. Seit 2007<br />

bezeichnet sich der umtriebige Niederrhe<strong>in</strong>er<br />

zwar offiziell als „Rentner im<br />

Unruhestand“, ist als freiberuflicher Unternehmensberater<br />

vor zwei Jahren aber noch<br />

mal e<strong>in</strong>gestiegen: Als Geschäftsführer der<br />

Betriebsgesellschaft des Zisterzienser-<br />

Klosters Langwaden bei Grevenbroich.<br />

Dass dort der Ausbund rhe<strong>in</strong>ischer<br />

Fröhlichkeit und von Grund auf generöse<br />

Motivator von Aktiven quer durch die<br />

Republik nun dauerhafte klösterliche Abgeschiedenheit<br />

suchen will, darf nicht vermutet<br />

werden. Schließlich schauen längst<br />

die ersten Enkel an dem vierfachen Vater<br />

auf, der seit über vier Jahrzehnten mit se<strong>in</strong>er<br />

aus Würzburg stammenden Frau Eva-<br />

Maria verheiratet ist. Und Familie ist für ihn<br />

Verband der wissenschaftlichen<br />

katholischen Studentenvere<strong>in</strong>e<br />

UNITAS e.V.<br />

Verbandsgeschäftsführer<br />

e<strong>in</strong> hoher Wert. Doch wenn er jetzt sehr<br />

deutlich unterstrich, dass er für e<strong>in</strong>e<br />

Wiederwahl als Verbandsgeschäftsführer<br />

nicht mehr zur Verfügung steht, ist das<br />

nach 20 höchst <strong>in</strong>tensiven Semestern <strong>in</strong> der<br />

gelungenen rechtlichen und f<strong>in</strong>anziellen<br />

Neuaufstellung des UNITAS-Verbandes nur<br />

allzu verständlich.<br />

Nach dem Stand der D<strong>in</strong>ge sollte der<br />

E<strong>in</strong>stieg für e<strong>in</strong>en Nachfolger demnach<br />

nicht sehr schwer fallen: Dieter und das<br />

kongeniale Team der Verbandgeschäftsführung<br />

mit Verbandssekretär<strong>in</strong> Marianne<br />

Hübers haben das Feld gut bestellt, wie die<br />

vorgelegten Daten zeigen. Und es wäre<br />

kaum verständlich, sollte sich der Verband<br />

nun „Körbe“ holen müssen. Würde man<br />

e<strong>in</strong>e öffentliche Ausschreibung starten,<br />

sähe e<strong>in</strong>e Anzeige für diese wichtige<br />

Aufgabe ungefähr so aus wie unten. Aber<br />

noch s<strong>in</strong>d wir sicher nicht so weit.<br />

Unitarier oder Unitarier<strong>in</strong> zum 31.07.2012<br />

katholisch, mit guter Kenntnis der Struktur des <strong>Unitas</strong>-Verbandes.<br />

Zu se<strong>in</strong>en Aufgaben gehört die Leitung der Verbandsgeschäftstelle. Er ist Vorstand<br />

im S<strong>in</strong>ne §26 des Bürgerlichen Gesetzbuches, d.h. alle<strong>in</strong> berechtigt, den<br />

Verband gerichtlich und außergerichtlich zu vertreten. Im Detail ist der Verbandsgeschäftsführer<br />

verantwortlich für die Erledigung der vermögensrechtlichen<br />

Angelegenheiten des <strong>Unitas</strong>-Verbandes.<br />

Er erstellt den jährlichen Haushaltsentwurf und legt Rechenschaft vor der Generalversammlung<br />

ab. Dazu führt er Verbandskasse und Mitgliederverwaltung.<br />

Der Verbandsgeschäftsführer bereitet die Vorstandssitzungen vor und leitet sie.<br />

Er unterstützt den Vorort bei der Vorbereitung der Generalversammlung.<br />

Als Verbandsgeschäftsführer ist er Vorstand der <strong>Unitas</strong>-Stiftung und geborenes<br />

Mitglied im Vorstand des Zentralen Hausbauvere<strong>in</strong>s und des <strong>Unitas</strong>-<br />

Bildungswerks.<br />

In se<strong>in</strong>er Arbeit unterstützen ihn zwei Stellvertreter sowie e<strong>in</strong>e Halbtagssekretär<strong>in</strong>.<br />

Bundesschwestern und Bundesbrüder, die Interesse am Amt des Verbandsgeschäftsführers<br />

haben oder geeignete Unitarier vorschlagen, möchten sich bitte<br />

direkt an den amtierenden Verbandsgeschäftsführer, Bbr. Dieter Krüll, Verband<br />

der wissenschaftlichen katholischen Studentenvere<strong>in</strong>e UNITAS e.V., Aachener Str.<br />

29, 41564 Kaarst (Büttgen), Tel. 02131 / 271725, E-Mail: d.kruell@arcor.de wenden.<br />

unitas 4/2011 275


Unverzichtbare Arbeit <strong>in</strong> e<strong>in</strong>em Land mit ungewisser Zukunft<br />

BBR. BENEDIKT SCHWEDHELM BERICHTET AUS CARACAS / VENEZUELA<br />

Nach e<strong>in</strong>em dreimonatigen dienst-<br />

lichen Aufenthalt <strong>in</strong> Quito (Ecuador)<br />

nutzte Bbr. Benedikt Schwedhelm die<br />

Rückreise nach Deutschland zu e<strong>in</strong>em<br />

zweitägigen Zwischenstopp <strong>in</strong> der<br />

venezolanischen Hauptstadt Caracas.<br />

Se<strong>in</strong> Ziel: Er wollte die Salesianer Don<br />

Boscos vor Ort besuchen und schauen,<br />

was aus dem Jugendzentrum gewor-<br />

den ist, das der UNITAS-Verband zwi-<br />

schen 2000 und 2003 als Soziales<br />

Projekt unterstützt hat und das 2007<br />

e<strong>in</strong>geweiht wurde (vgl. unitas 2/2007).<br />

Die Ankunft und E<strong>in</strong>reise am Flughafen<br />

Simon Bolivar verlief für late<strong>in</strong>amerikanische<br />

Verhältnisse relativ reibungslos. Dank<br />

der Abholung durch e<strong>in</strong>en Sem<strong>in</strong>aristen der<br />

Salesianer konnte auch das Kapitel „Fahrpreisfeilschen<br />

mit (sogenannten) Taxifahrern“<br />

übersprungen werden. Wir fuhren<br />

vom Meeresniveau des Flughafens hoch <strong>in</strong><br />

die auf ca. 1.000 Meter über NN gelegene<br />

venezolanische Hauptstadt. Auch wenn<br />

man südamerikanische Metropolen wie<br />

276<br />

unitas 4/2011<br />

Quito, Medellín oder Bogotá kennt, so ruft<br />

die Ankunft im Caracas des 220. Jahrzehnts<br />

A. D. doch e<strong>in</strong>e recht spezielle Bandbreite an<br />

��<br />

��<br />

Freiwillige betreuen die jüngeren K<strong>in</strong>der <strong>in</strong> e<strong>in</strong>er Bastelstunde <strong>in</strong> den oberen Räumen<br />

des Jugendzentrums. H<strong>in</strong>ten <strong>in</strong> der Mitte: Bbr. Benedikt Schwedhelm.<br />

Das vom UNITAS-Verband unterstützte Jugendzentrum <strong>in</strong> Macaracuay: � Mehrzweckhalle für Veranstaltungen<br />

und Gottesdienste. � Kapelle des Jugendhauses. � große Küche im Hauptkomplex des Jugendzentrums.<br />

� Speisesaal im Hauptkomplex.<br />

Emotionen hervor. Es mag an den öffentlichen<br />

(oft westlichen) Me<strong>in</strong>ungen liegen,<br />

die selten e<strong>in</strong> gutes Haar an der Stadt lassen;<br />

es mag an den unter den<br />

E<strong>in</strong>wohnern und <strong>in</strong> ihren Medien<br />

veröffentlichten Berichten<br />

liegen, die Woche für<br />

Woche die Gewaltzustände <strong>in</strong><br />

nackten Zahlen präsentieren;<br />

es mag an vielen kle<strong>in</strong>en<br />

D<strong>in</strong>gen liegen, die man nur<br />

beiläufig mitbekommt. Doch<br />

alles unterstreicht den Ansche<strong>in</strong>,<br />

dass auf diesem Fleck<br />

der Landkarte die Willkür<br />

herrscht.<br />

��<br />

��<br />

Die politische Situation<br />

und ihre Auswirkungen auf<br />

die Bürger haben sich <strong>in</strong> den<br />

letzten Jahren kaum verändert.<br />

Der zuletzt gesundheitlich<br />

angeschlagene Präsident<br />

Hugo Chávez führt se<strong>in</strong>e sozialistische<br />

L<strong>in</strong>ie fort. Dem<br />

venezolanischen Volk wurden<br />

zuletzt die neuen Ziele der<br />

Regierung erklärt, die stark an<br />

die 1960er Jahre <strong>in</strong> Kuba er<strong>in</strong>nern,<br />

und eigentlich ist jedem<br />

klar, dass es sich hierbei um<br />

alte Ideen <strong>in</strong> neuen Gewändern<br />

handelt.<br />

Umso mehr überraschte<br />

die Fahrt durch die Stadt zur


Hauptverwaltung der Salesianer.<br />

Vom Äußeren her unterscheidet<br />

sich Caracas nicht sehr<br />

stark von anderen late<strong>in</strong>amerikanischen<br />

Großstädten. An<br />

Hochhäusern und anderen<br />

Gebäuden blitzen Werbebanner<br />

für westliche Marken und<br />

Produkte, und auch überall im<br />

alltäglichen Leben tauchen<br />

diese immer wieder auf, obwohl<br />

gleichzeitig über die größtenteils<br />

längst von der Regierung<br />

kontrollierten Medien Unmut<br />

und Hass gegen den kapitalistischen<br />

Imperialismus propagiert<br />

wird.<br />

Dass sich das Land, se<strong>in</strong>e<br />

Hauptstadt und die Menschen<br />

<strong>in</strong> schwierigen Situationen bef<strong>in</strong>den,<br />

wurde auch am Abend<br />

deutlich. Nachdem ich me<strong>in</strong><br />

Gepäck <strong>in</strong> me<strong>in</strong>em Quartier <strong>in</strong><br />

der Salesianer-Verwaltung abgestellt<br />

und e<strong>in</strong>ige der Padres<br />

getroffen hatte, fuhr ich mit<br />

Padre Luis Germán Prato<br />

Qu<strong>in</strong>tana, zuständiger Prov<strong>in</strong>zökonom,<br />

zu e<strong>in</strong>em der Salesianer<br />

Projekte, das er bis vor e<strong>in</strong>igen<br />

Jahren noch selbst vor Ort<br />

betreut hatte. Dieses Haus liegt <strong>in</strong> e<strong>in</strong>em<br />

der vielen Problemviertel v0n Caracas und<br />

dient <strong>in</strong> erster L<strong>in</strong>ie als Unterkunft und<br />

Wohnheim für etwa 20 Sem<strong>in</strong>aristen.<br />

Darüber h<strong>in</strong>aus werden nachmittags,<br />

abends und <strong>in</strong> den Ferien<br />

Betreuungsangebote für K<strong>in</strong>der und Jugendliche<br />

organisiert. Die freiwilligen<br />

Helfer s<strong>in</strong>d nicht nur Sem<strong>in</strong>aristen, sondern<br />

<strong>in</strong> erster L<strong>in</strong>ie auch ältere Jugendliche aus<br />

dem Viertel, die kurz vor dem Schulabschluss<br />

stehen oder sich <strong>in</strong> Ausbildung und<br />

Studium bef<strong>in</strong>den. Wir kamen an diesem<br />

Abend gerade am Haus an, als e<strong>in</strong>e Besprechung<br />

der Freiwilligen stattfand. Wie<br />

immer <strong>in</strong> diesen zwei Tagen wurde ich vorgestellt,<br />

sehr herzlich begrüßt und teilte<br />

mit, aus welchem Grund ich mir die Projekte<br />

<strong>in</strong> Caracas anschaue. Wir setzten uns<br />

noch e<strong>in</strong> wenig mit zu der Planungsrunde,<br />

die gerade auch e<strong>in</strong>e Bilderschau der letzten<br />

Ferienfreizeit beg<strong>in</strong>nen wollte. Ich<br />

denke, diese wenigen M<strong>in</strong>uten spiegeln die<br />

Lage der Jugend des Landes recht gut wider.<br />

E<strong>in</strong>erseits die mit Musik unterlegte Slideshow<br />

mit charismatischen und witzigen<br />

Momenten der K<strong>in</strong>der und Jugendlichen.<br />

Andererseits der Moment, <strong>in</strong> dem ich als<br />

Außenstehender merkte, dass die letzten<br />

Bilder, die immer wieder denselben jungen<br />

Mann zeigten, für das Gedenken an e<strong>in</strong>en<br />

Freiwilligen standen, der im Alter von kaum<br />

mehr als 20 Jahren Opfer e<strong>in</strong>es Raubüberfalls<br />

wurde. Später erklärte mir Padre Luis,<br />

dass er vor wenigen Wochen auf offener<br />

Straße erschossen wurde. Er hatte kurz vorher<br />

se<strong>in</strong> Studium begonnen und alle freuten<br />

sich mit ihm, dass er e<strong>in</strong>e Woche später<br />

��<br />

��<br />

� + � Archiv und Bibliothek des Jugendzentrums. � Computerraum – wird vor allem genutzt für Jungen aus<br />

schwierigen Familienverhältnissen. � Waschküche im Hauptkomplex.<br />

e<strong>in</strong>en regelmäßigen Job <strong>in</strong> e<strong>in</strong>er Bank<br />

beg<strong>in</strong>nen konnte.<br />

Dass solche Schicksale die Menschen<br />

dort begleiten, wurde mir auch im unmittelbaren<br />

Anschluss deutlich. Nachdem das<br />

letzte Bild gezeigt war, ließen sich alle e<strong>in</strong>e<br />

kurze M<strong>in</strong>ute Zeit – zum Gedenken an ihren<br />

Freund, aber auch um sich wieder zu sammeln.<br />

Anschließend wurde die e<strong>in</strong>e oder<br />

andere Träne weggewischt und die Planungen<br />

liefen weiter. In solchen und anderen<br />

Momenten glaubt man zu erkennen, mit<br />

welcher Motivation die Menschen ihrer<br />

Situation entgegentreten.<br />

Wir besichtigten anschließend das<br />

Haus und die Räumlichkeiten, den baufälligen<br />

Basketballplatz im Innenhof und den<br />

Platz, an den das Haus angrenzt. In der<br />

Kirche, die ebenfalls am Platz liegt, fand<br />

gerade e<strong>in</strong>e Abendmesse statt, an der wir<br />

spontan teilnahmen. Da Padre Luis nicht<br />

unerkannt blieb, hatten wir anschließend<br />

noch Gelegenheit, uns mit Anwohnern aus<br />

dem Viertel zu unterhalten.<br />

Gute Noten für unser Projekt<br />

<strong>in</strong> Macaracuay<br />

Am nächsten Vormittag besuchten wir<br />

die Salesianer <strong>in</strong> Macaracuay, die E<strong>in</strong>richtungen,<br />

die auch von <strong>Unitas</strong> und Adveniat<br />

unterstützt worden s<strong>in</strong>d. Auch dieser<br />

Standort der Salesianer grenzt direkt an<br />

e<strong>in</strong>es der problematischsten Viertel der<br />

Stadt. Auf den ersten Blick und auch bei<br />

näherer und <strong>in</strong>tensiverer Betrachtung wird<br />

hier deutlich, dass die Infrastruktur auf<br />

dem ordenseigenen Gelände <strong>in</strong> gutem<br />

Zustand ist und regelmäßig <strong>in</strong>standgehalten<br />

wird. Wir trafen viele K<strong>in</strong>der und<br />

Jugendliche an, die <strong>in</strong> verschiedenen<br />

Gruppen <strong>in</strong> den Räumen oder auf den<br />

Sportplätzen spielten – zu diesem Zeitpunkt<br />

waren Schulferien und es wurden<br />

verschiedene ganztägige Ferienbetreuungen<br />

angeboten. Ob das soziale unitarische<br />

Verbandsprojekt zu diesem Zweck e<strong>in</strong>en<br />

nachhaltigen und langfristigen S<strong>in</strong>n erfüllt,<br />

ist nach dieser Besichtigung me<strong>in</strong>er Ansicht<br />

nach klar positiv zu bewerten. Alle<br />

Angebote und Räumlichkeiten im Allgeme<strong>in</strong>en<br />

(Sem<strong>in</strong>arräume, Bibliothek, Archiv,<br />

Kapelle, Küche, Speisesaal, Büros, Unterkünfte<br />

der ansässigen Salesianer und<br />

Mitarbeiter, Baseball-, Basketball- und<br />

Straßenfußballfeld) sowie im Speziellen<br />

das von uns geförderte sog. „Jugendhaus“<br />

(Mehrzweckaula für Veranstaltungen und<br />

Hl. Messen, Aufenthaltsräume zum Lernen<br />

und Spielen, kle<strong>in</strong>e Küche, kle<strong>in</strong>er Speiseraum,<br />

verschließbare Tr<strong>in</strong>kwasseranlage<br />

außen) werden gebraucht und regelmäßig<br />

genutzt. Das Konzept der K<strong>in</strong>der- und<br />

Jugendunterstützung ist wohl durchdacht,<br />

wird angenommen und ist den Menschen<br />

vor Ort e<strong>in</strong>e große Erleichterung.<br />

Nachmittags wurden mir weitere<br />

E<strong>in</strong>richtungen der Salesianer gezeigt, die<br />

sich näher am Stadtkern bef<strong>in</strong>den. Zum<br />

e<strong>in</strong>en gibt es an der Plaza Don Bosco die<br />

ordenseigene Kirche Templo Nacional mit<br />

angeschlossenem Colegio Don Bosco. Ur- >><br />

��<br />

��<br />

unitas 4/2011 277


sprünglich wurden diese Gebäude vor e<strong>in</strong>igen<br />

Jahrzehnten <strong>in</strong> e<strong>in</strong>em strukturschwachen<br />

Viertel erbaut, mit der Zeit hat sich<br />

dieses jedoch zu e<strong>in</strong>em wohlhabenden<br />

Stadtteil entwickelt. Nach wie vor werden<br />

hier aber vielfältige Hilfen für Bedürftige<br />

angeboten (Jobvermittlung, Sozialberatung,<br />

Frauenhaus,…). Die tägliche hohe<br />

Nachfrage zeigt auch hier die dr<strong>in</strong>gende<br />

Notwendigkeit solcher Angebote. Darüber<br />

h<strong>in</strong>aus werden auch verschiedene Berufsausbildungen<br />

angeboten.<br />

Wir besuchten auch die erste Salesianer-Geme<strong>in</strong>de<br />

der Stadt <strong>in</strong> e<strong>in</strong>em Stadtteil<br />

<strong>in</strong> der Nähe des Geschäftszentrums.<br />

Direkt an die Kirche im Kolonialstil ist e<strong>in</strong>e<br />

eigene Universität angeschlossen, <strong>in</strong> der<br />

nicht nur Theologie gelehrt wird, sondern<br />

auch weitere Fächer wie Jura und Geisteswissenschaften.<br />

Die letzte Station an diesem Abend war<br />

e<strong>in</strong> weiteres Projekt für Jugendliche <strong>in</strong> der<br />

Innenstadt. Hier stehen die Türen tagsüber<br />

Jedem offen, der Hilfe benötigt, angefangen<br />

bei e<strong>in</strong>er warmen Mittagsmahlzeit.<br />

Bedürftigen Jugendlichen werden Ausbildungsplätze<br />

für Berufe wie Elektriker oder<br />

Schlosser zur Verfügung gestellt, e<strong>in</strong>e eigene<br />

kle<strong>in</strong>e Lehrwerkstatt ist vorhanden. Die<br />

Mitarbeiter und Freiwilligen fahren außerdem<br />

täglich mit e<strong>in</strong>em speziell ausgerüsteten<br />

Bus <strong>in</strong> verschiedene Problemviertel, <strong>in</strong><br />

denen sie dann direkt vor Ort Unterstützung<br />

anbieten können. Jungen aus be-<br />

278<br />

unitas 4/2011<br />

��<br />

��<br />

� + � Pater Luis Germán und Bbr. Benedikt Schwedhelm vor der Kupferplatte im Jugendhaus, die an die<br />

Unterstützung durch den UNITAS-Verband und Adveniat er<strong>in</strong>nert. � Das Jugendzentrum mit dem vorgelagerten<br />

Fußballplatz. � Spielplätze für Volley- und Basketball.<br />

sonders schwierigen Umfeldern steht es<br />

frei, im Haus zu wohnen, solange sich die<br />

Situation zuhause nicht verbessert. Hierfür<br />

stehen im Haus etwa elf Plätze zur Verfügung.<br />

Nachvollziehbar ist, dass der Bedarf<br />

für diese Art von Hilfe noch weit größer<br />

ist. Doch mehr Dauerplätze würde die<br />

Möglichkeiten für die Tagesangebote e<strong>in</strong>schränken;<br />

hier fehlen e<strong>in</strong>fach die Kapazitäten.<br />

Fest steht, dass die Hilfe, die angeboten<br />

werden kann, ankommt. E<strong>in</strong>er der<br />

Jungs, die ich dort traf, hatte vor wenigen<br />

Wochen se<strong>in</strong>e Ausbildung als Elektrotechniker<br />

erfolgreich abgeschlossen.<br />

Studenten aus Venezuela <strong>in</strong><br />

Deutschland e<strong>in</strong> Studium<br />

ermöglichen<br />

Die adm<strong>in</strong>istrative Leitung des Hauses<br />

übernimmt momentan e<strong>in</strong> Jura-Student der<br />

Salesianer Universität. Wir kamen <strong>in</strong>s<br />

Gespräch, er und der Padre erzählten mir<br />

viel zum Haus und der aktuellen Situation.<br />

Mit ihm wie auch allen anderen freiwilligen<br />

Helfern der verschiedenen Projekte sowie<br />

den Padres unterhielt ich mich über die verschiedenen<br />

Studiensituationen. Ich sprach<br />

ganz bewusst auch an, was schon vor e<strong>in</strong>igen<br />

Jahren bei uns <strong>in</strong> Deutschland festgehalten<br />

wurde: Auslandssemester, -praktika<br />

oder -studiengänge <strong>in</strong> Deutschland s<strong>in</strong>d von<br />

deutscher Seite aus normalerweise möglich<br />

und werden evtl. auch f<strong>in</strong>anziell unterstützt.<br />

Alle Student<strong>in</strong>nen und Studenten<br />

��<br />

��<br />

unter den Freiwilligen waren<br />

von der Idee, temporär <strong>in</strong><br />

Deutschland zu studieren, sehr<br />

angetan, wenn auch verunsichert<br />

ob der f<strong>in</strong>anziellen<br />

Herausforderung. Ich erklärte,<br />

dass wir von der <strong>Unitas</strong> bei der<br />

Koord<strong>in</strong>ierung e<strong>in</strong>es Aufenthalts<br />

beratend zur Seite stehen<br />

können, <strong>in</strong>sbesondere auch bei<br />

der Frage nach möglichen Stipendien<br />

von Seiten der Universitäten,<br />

der Stiftungen oder des<br />

Staats (DAAD). Außerdem erwähnte<br />

ich auch detaillierter<br />

unsere Verbandsstruktur und<br />

die Tatsache, dass wir <strong>in</strong> vielen<br />

deutschen Universitätsstädten<br />

<strong>Unitas</strong>-Häuser haben und somit<br />

auch Studentenzimmer bereitstellen<br />

könnten. Um nicht<br />

falsch verstanden zu werden<br />

stellte ich klar, dass wir ke<strong>in</strong>e<br />

Studentenaustauschorganisation<br />

im eigentlichen S<strong>in</strong>ne<br />

seien. Das Projekt <strong>in</strong> Caracas sei<br />

aber von Anfang an mit dem<br />

Ziel unterstützt worden, Kontakte<br />

aufzubauen und junge<br />

Menschen im besten Fall nicht<br />

nur f<strong>in</strong>anzielle, sondern auch<br />

ideelle Hilfestellungen zu<br />

geben.<br />

Selbstverständlich muss man realistisch<br />

bleiben. Seitdem das Projekt unterstützt<br />

wird, hat leider nicht wirklich e<strong>in</strong><br />

regelmäßiger Kontakt stattgefunden. Das<br />

mag an vielen verschiedenen Parametern<br />

liegen, ich würde jedoch nicht behaupten,<br />

dass es mit Gleichgültigkeit zu erklären ist,<br />

ganz im Gegenteil. Vor Ort ist man der<br />

gesamten <strong>Unitas</strong> sehr dankbar für die Hilfe.<br />

Als junger Mensch zu e<strong>in</strong>er solchen Reise<br />

aufzubrechen, bedeutet <strong>in</strong> unserer Heimat<br />

etwas Mut und Willen, <strong>in</strong> e<strong>in</strong>em sozialistischen<br />

Regime Late<strong>in</strong>amerikas stellt sich die<br />

Situation jedoch verständlicherweise komplexer<br />

dar.<br />

Die Salesianer danken dem<br />

UNITAS-Verband für se<strong>in</strong>e Hilfe<br />

Nach e<strong>in</strong>em atemberaubenden Blick<br />

vom Bergmassiv des Pico Naiguatá über<br />

Caracas auf der e<strong>in</strong>en und das karibische<br />

Meer auf der anderen Seite am letzten Tag<br />

me<strong>in</strong>es Besuchs hieß es Abschied nehmen.<br />

Am Flughafen bat mich Padre Luis noch,<br />

dem ganzen UV beste Glück- und Segenswünsche<br />

aus Venezuela auszurichten<br />

– e<strong>in</strong> Wunsch, dem ich hiermit gerne nachkomme.<br />

Ich versuche, <strong>in</strong> nächster Zeit die<br />

verschiedenen neugeknüpften Kontakte zu<br />

pflegen und werde mich regelmäßig nach<br />

Interessenten erkundigen, denen wir das<br />

deutsche Studentenleben und unsere<br />

<strong>Unitas</strong> näher br<strong>in</strong>gen können.


Osnabrücker Straße<br />

nach Bbr. Prassek benannt<br />

OSNABRÜCK. Der ehemalige Insterburger<br />

Weg im Stadtteil Haste trägt<br />

seit Mitte August den Namen Johannes-Prassek-Weg.<br />

Wie die Neue Osnabrücker Zeitung<br />

(NOZ) berichtet, versammelten sich<br />

e<strong>in</strong>en Tag nach dem 100. Geburtstag<br />

von Bbr. Prassek trotz Dauerregens<br />

rund 70 Menschen am Straßenschild<br />

des ehemaligen Insterburger Wegs.<br />

Bürgermeister<strong>in</strong> Kar<strong>in</strong> Jabs-Kiesler<br />

bezeichnete während ihrer Würdigung<br />

den <strong>in</strong> Hamburg geborenen Priester als<br />

e<strong>in</strong>en, „der damals den Mut gehabt<br />

hat, die Wahrheit zu sagen und der<br />

Stimme se<strong>in</strong>es Gewissens zu folgen“.<br />

Prassek war zum Studium nach<br />

Osnabrück gekommen und hatte hier<br />

auf dem Hof der Familie Grothaus<br />

gelebt. 1937 im Dom von Bischof<br />

Wilhelm Bern<strong>in</strong>g zum Priester geweiht,<br />

wurde er anschließend <strong>in</strong> Wittenberg<br />

und dann <strong>in</strong> Lübeck tätig. 1942 wurde<br />

Prassek verhaftet, e<strong>in</strong> Jahr später mit<br />

drei weiteren „Lübecker Märtyrern“<br />

h<strong>in</strong>gerichtet.<br />

Nach dem Geme<strong>in</strong>dehaus von<br />

Christus König <strong>in</strong> Haste, das se<strong>in</strong>en<br />

Namen trägt, und dem 2007 verlegten<br />

Stolperste<strong>in</strong> war im Sommer das<br />

UNITAS-Haus <strong>in</strong> Osnabrück nach Bbr.<br />

Johannes Prassek benannt worden, der<br />

sich <strong>in</strong> Frankfurt dem Verband angeschlossen<br />

hatte und <strong>in</strong> Münster bei<br />

UNITAS Ruhrania aktiv geworden war.<br />

Nun gibt auch das von Pfarrer Thomas<br />

Stühlmeyer geweihte Straßenschild<br />

Auskunft über den für se<strong>in</strong>en Glauben<br />

gestorbenen Märtyrer.<br />

Gedenken <strong>in</strong> Frankfurt<br />

FRANKFURT. Die UNITAS <strong>in</strong> Frankfurt<br />

will Bbr. Prassek am Sonntag, 13.<br />

November, durch e<strong>in</strong>e Widmungstafel<br />

an ihrem Haus <strong>in</strong> besonderer Weise<br />

ehren.<br />

Die E<strong>in</strong>segnung wird kurz nach<br />

dem Todestag der „Lübecker Märtyrer“<br />

von Stadtdekan Dr. Johannes Graf zu<br />

Eltz vorgenommen und beg<strong>in</strong>nt um<br />

12.00 Uhr. Der langjährige Altherrenbundsvorsitzende<br />

der UNITAS und<br />

KAD-Präsident, Bbr. Stadtrat a. D. Bernhard<br />

Mihm (Frankfurt/Paderborn),<br />

wird e<strong>in</strong>en Vortrag zu Bbr. Johannes<br />

Prassek halten.<br />

Die Frankfurter Bundesbrüder bitten,<br />

den Term<strong>in</strong> bereits jetzt vorzumerken,<br />

so Bbr. Nikolaus Jung, Vorsitzender<br />

des AHV UNITAS Rheno-Moenania.<br />

NEWS<br />

AGV: „Regierung soll <strong>in</strong> der<br />

Euro-Krise Farbe bekennen“<br />

BONN. Die katholischen Studentenverbände<br />

sehen mit Sorge, dass die Bundesrepublik<br />

Deutschland Gefahr läuft, sich bei<br />

der Rettung anderer Euro-Staaten zu verheben.<br />

So heißt es <strong>in</strong> e<strong>in</strong>er Stellungnahme der<br />

Arbeitsgeme<strong>in</strong>schaft katholischer Studentenverbände<br />

(AGV). Da gleichzeitig Deutschlands<br />

eigene Verschuldungsquote zunimmt,<br />

steigen auch die Belastungen für die junge<br />

Generation weiter. Außerdem sei unklar, ob<br />

im Falle e<strong>in</strong>es Rückfalls der Wirtschaft <strong>in</strong><br />

e<strong>in</strong>e Rezession die <strong>in</strong> der Verfassung festgeschriebene<br />

Schuldenbremse greife, so der<br />

AGV-Vorsitzende Bernd Schulte (KV).<br />

„Aus unserer Sicht ist es unverantwortlich,<br />

die kommenden Generationen noch<br />

weiter zu belasten und ihnen damit ihren<br />

eigenen politischen Spielraum zu nehmen.<br />

Zusammen mit der demografischen Situation<br />

ist das e<strong>in</strong>e äußerst bedenkliche Entwicklung“,<br />

erklärte Schulte. „Das gee<strong>in</strong>te<br />

Europa ist die größte politische Errungenschaft<br />

des letzten Jahrhunderts – aber<br />

bei aller Solidarität mit unseren europäischen<br />

Partnern und aller Verantwortung für<br />

die Eurozone würde e<strong>in</strong> Ausfall Deutschlands<br />

als Motor Europas niemandem nutzen.“<br />

Italien sei als siebtgrößte Volkswirtschaft<br />

der Welt schlicht unrettbar.<br />

Klarer Kurs gefordert<br />

Die AGV fordert von der Bundesregierung<br />

daher e<strong>in</strong> klares Bekenntnis über ihren<br />

Kurs <strong>in</strong> der sich zuspitzenden Euro-Krise.<br />

„Entweder wir s<strong>in</strong>d bereit für e<strong>in</strong>e Transferunion<br />

mit allen Konsequenzen, oder e<strong>in</strong>ige<br />

Staaten müssen den Euro-Raum verlassen.<br />

E<strong>in</strong>en Mittelweg gibt es nicht“, so Till M.<br />

Kaesbach, Grundsatzreferent der AGV. Die<br />

bisherige Politik der kle<strong>in</strong>en Schritte, bei der<br />

immer wieder getätigte Zusagen seitens der<br />

Regierung gekippt werden, sei unverantwortlich.<br />

„Mit den neuen Zusagen und<br />

Garantien an die European F<strong>in</strong>ancial Stability<br />

Facility (EFSF) ist schon mehr passiert, als<br />

ordnungspolitisch vertretbar wäre.“<br />

Sehr bedenklich seien zudem die Anleihenkäufe<br />

der Europäischen Zentralbank.<br />

Es dürfe nicht zugelassen werden, dass die<br />

EZB zu e<strong>in</strong>er großen europäischen Bad Bank<br />

werde und ihr e<strong>in</strong>ziges Ziel, die Sicherung<br />

der Preisniveaustabilität, aus den Augen<br />

verloren wird. Auch könne man nicht e<strong>in</strong>erseits<br />

solide Haushaltsführung von anderen<br />

Ländern e<strong>in</strong>fordern und gleichzeitig die<br />

Maastricht-Kriterien selber nicht dauerhaft<br />

erfüllen.<br />

In diesem Zusammenhang begrüßt die<br />

AGV das Urteil des Bundesverfassungsgerichts.<br />

Bernd Schulte: „Der Bundestag<br />

muss letzte Instanz der Entscheidung bleiben,<br />

die Regierung darf nicht ohne Zustimmung<br />

des Souveräns Zusagen <strong>in</strong> dreistelliger<br />

Milliardenhöhe tätigen. Sonst verkommen<br />

sozial- und bildungspolitische Debatten<br />

über wesentlich kle<strong>in</strong>ere Beträge zur Farce,<br />

die niemandem mehr vermittelbar ist.“<br />

Statistik: Deutschlands<br />

Gesellschaft e<strong>in</strong>e der ältesten<br />

BERLIN. Deutschland hat nach Japan<br />

e<strong>in</strong>e der ältesten Bevölkerungen weltweit.<br />

Laut Statistischem Jahrbuch 2011<br />

war jeder fünfte Deutsche im Jahr 2009<br />

<strong>in</strong> der Bundesrepublik 65 Jahre oder<br />

älter. Gleichzeitig hat sich die Geburtenzahl<br />

seit 1950 nahezu halbiert. So<br />

wurden 2009 <strong>in</strong>sgesamt 665.000 K<strong>in</strong>der<br />

geboren, so wenig wie nie zuvor. Im<br />

Folgejahr stieg die Zahl um knapp zwei<br />

Prozent auf 678.000 Neugeborene.<br />

Besonders deutlich zeigt sich der<br />

„deutsche Nachwuchsmangel“ beim<br />

<strong>in</strong>ternationalen Vergleich der Geburtenraten<br />

im Verhältnis zur Gesamtbevölkerung:<br />

In Deutschland kommen<br />

demnach durchschnittlich acht Neugeborene<br />

auf 1.000 E<strong>in</strong>wohner, <strong>in</strong> Frankreich<br />

s<strong>in</strong>d es 13 und <strong>in</strong> Indien 23.<br />

Auch die Zahl der Eheschließungen<br />

ist 2009 gesunken. So wurden lediglich<br />

fünf Ehen je 1.000 E<strong>in</strong>wohner geschlossen.<br />

Auch ist die Geburt von<br />

K<strong>in</strong>dern nicht mehr fest an die Institution<br />

Ehe gebunden. Während 1950<br />

nur jedes zehnte K<strong>in</strong>d unehelich zur<br />

Welt kam, waren 2009 die Eltern von<br />

jedem dritten Neugeborenen nicht mite<strong>in</strong>ander<br />

verheiratet.<br />

Insgesamt stellten die Statistiker<br />

e<strong>in</strong>e zunehmende Bevölkerungsvielfalt<br />

<strong>in</strong> Deutschland fest. Von den knapp 82<br />

Millionen Menschen hatte 2010 rund<br />

jeder Fünfte e<strong>in</strong>en Migrationsh<strong>in</strong>tergrund.<br />

Das waren knapp 16 Millionen<br />

Menschen. Davon hatten neun Millionen<br />

e<strong>in</strong>en deutschen Pass, rund sieben<br />

Millionen waren Ausländer.<br />

unitas 4/2011 279<br />

>>


Studierende: Rekord an<br />

deutschen Hochschulen<br />

WIESBADEN. Die Zahl der Studierenden an<br />

den deutschen Hochschulen erreichte im<br />

W<strong>in</strong>tersemester 2010/2011 e<strong>in</strong>en neuen<br />

Höchststand. Nach Angaben des Statistischen<br />

Bundesamtes <strong>in</strong> Wiesbaden waren<br />

rund 2.218.000 Student<strong>in</strong>nen und Studenten<br />

<strong>in</strong>sgesamt immatrikuliert. Das waren<br />

96.400 beziehungsweise 4,5 Prozent mehr<br />

als im vorausgegangenen W<strong>in</strong>tersemester.<br />

Das Durchschnittsalter der Studierenden<br />

lag laut Statistik bei 25,3 Jahren. Beliebtestes<br />

Studienfach war mit 185.000 Studierenden<br />

die Betriebswirtschaftslehre, gefolgt<br />

vom Masch<strong>in</strong>enbau mit 98.300 Studierenden.<br />

Auch für das kommende W<strong>in</strong>tersemester<br />

ist erneut mit e<strong>in</strong>em Rekord zu<br />

rechnen, unter anderem weil die Wehrpflicht<br />

ausgesetzt wurde, aber auch Bayern<br />

und Niedersachsen <strong>in</strong> diesem Jahr zwei<br />

Abitur-Jahrgänge auf e<strong>in</strong>mal entlassen<br />

haben, e<strong>in</strong>en nach zwölf und e<strong>in</strong>en nach 13<br />

Schuljahren. Für 2011 gehen die drastischsten<br />

Prognosen derzeit <strong>in</strong>des von bis zu<br />

e<strong>in</strong>er halben Million Erstsemestern aus.<br />

Alle<strong>in</strong> NRW, wo rund 25 Prozent der deutschen<br />

Studenten immatrikuliert s<strong>in</strong>d, verzeichnete<br />

zum WS 2011/2012 e<strong>in</strong>e Rekordanmeldezahl<br />

von 115.000 Erstsemestern.<br />

Studium und Erstausbildung<br />

nach Schulabschluss jetzt<br />

abzugsfähig<br />

BERLIN. Der Bundesf<strong>in</strong>anzhof hat mit zwei<br />

aktuellen Urteilen zu Gunsten aller Auszubildenden<br />

und Studierenden entschieden,<br />

dass Aufwendungen e<strong>in</strong>er Berufsausbildung<br />

oder e<strong>in</strong>es Studiums auch im unmittelbaren<br />

Anschluss an die Schulausbildung<br />

vorweggenommene Werbungskosten<br />

s<strong>in</strong>d (Az. VI R 38/10 und VI R 7/10).<br />

Studienkosten waren bisher als Werbungskosten<br />

nur absetzbar, wenn bereits<br />

e<strong>in</strong>e abgeschlossene Erstausbildung vorlag,<br />

erläuterte der Neue Verband der Lohnsteuerhilfevere<strong>in</strong>e<br />

e.V. (NVL). Wer unmittelbar<br />

nach dem Abitur studierte, hatte meist<br />

ke<strong>in</strong>e Möglichkeit, die Kosten steuerm<strong>in</strong>dernd<br />

zu berücksichtigen. Die Urteilsbegründung<br />

des Bundesf<strong>in</strong>anzhofs weist nun<br />

ausdrücklich darauf h<strong>in</strong>, dass Aufwendungen,<br />

die aus beruflichen Gründen entstanden<br />

s<strong>in</strong>d, ke<strong>in</strong>e Kosten der privaten<br />

Lebensführung darstellen. E<strong>in</strong> Studium, das<br />

Berufswissen vermittelt, ist auf die Erzielung<br />

von E<strong>in</strong>nahmen ausgerichtet und<br />

die dafür entstandenen Kosten s<strong>in</strong>d somit<br />

vorweggenommene Werbungskosten.<br />

Um <strong>in</strong> den Genuss dieses Werbungskostenabzugs<br />

zu kommen, müssen Auszubildende<br />

und Studenten e<strong>in</strong>e Steuerer-<br />

280<br />

unitas 4/2011<br />

klärung abgeben. Abziehbar s<strong>in</strong>d Studiengebühren,<br />

Fahrtkosten zum Ausbildungsort,<br />

Fachbücher und andere Arbeitsmittel.<br />

Das F<strong>in</strong>anzamt wird aus den Kosten e<strong>in</strong>en<br />

Verlust feststellen und darüber e<strong>in</strong>en Bescheid<br />

erstellen. Wenn nach dem Abschluss<br />

des Studiums E<strong>in</strong>kommen erzielt wird, s<strong>in</strong>d<br />

die Verluste entsprechend zu verrechnen.<br />

Bis dah<strong>in</strong> ist der Verlust vorzutragen und<br />

mit Beträgen aus den Folgejahren zusammenzuziehen.<br />

Studenten, die bereits während des<br />

Studiums e<strong>in</strong> steuerpflichtiges E<strong>in</strong>kommen<br />

erzielen, müssen den Verlust zunächst mit<br />

den E<strong>in</strong>künften verrechnen. Verbleiben im<br />

Anschluss nicht verrechnete Werbungskosten,<br />

profitieren auch sie vom Verlustvortrag.Wer<br />

BAföG oder andere steuerfreie E<strong>in</strong>nahmen<br />

bezieht, braucht diese jedoch nicht<br />

mit den Werbungskosten zu verrechnen.<br />

E<strong>in</strong> Verlust könne <strong>in</strong> vielen Fällen noch<br />

bis zu sieben Jahre rückwirkend festgestellt<br />

werden, so der NVL. Wer bereits als Student<br />

e<strong>in</strong>e Steuererklärung e<strong>in</strong>gereicht hatte,<br />

kann die Studienkosten aber nur dann<br />

nachträglich als Werbungskosten geltend<br />

machen, wenn der Steuerbescheid noch<br />

nicht bestandskräftig ist oder e<strong>in</strong>en Vorläufigkeitsvermerk<br />

zu den Aufwendungen<br />

e<strong>in</strong>es Erststudiums enthält.<br />

Für Hilfe zur Steuererklärung, Feststellung<br />

des Verlustvortrages oder zum<br />

K<strong>in</strong>dergeld können sich Auszubildende,<br />

Arbeitnehmer und Rentner an örtliche<br />

Beratungsstellen der Lohnsteuerhilfevere<strong>in</strong>e<br />

wenden. Die Beratungsstellen der<br />

NVL-Mitgliedsvere<strong>in</strong>e im Internet:<br />

www.Beratungsstellensuche.de.<br />

Mehr Novizen bei<br />

den Jesuiten<br />

NÜRNBERG. Die Jesuiten <strong>in</strong> Deutschland<br />

freuen sich über gestiegene Nachwuchszahlen.<br />

Neun Männer s<strong>in</strong>d <strong>in</strong> das Noviziat<br />

<strong>in</strong> Nürnberg e<strong>in</strong>getreten, wie die Deutsche<br />

Ordensprov<strong>in</strong>z mitteilte. In den vergangenen<br />

beiden Jahren hatten jeweils sechs<br />

Männer die zweijährige Vorbereitungsphase<br />

für den E<strong>in</strong>tritt <strong>in</strong> den Orden begonnen.<br />

Novizenmeister Pater Josef Maureder<br />

bezeichnete den Zuwachs als erstaunlich<br />

und erfreulich. Alle neun Novizen haben<br />

bereits e<strong>in</strong>e Ausbildung oder e<strong>in</strong> Studium<br />

h<strong>in</strong>ter sich. Zwei von ihnen s<strong>in</strong>d Priester.<br />

Fünf der Männer kommen aus Deutschland,<br />

drei aus der Schweiz, e<strong>in</strong>er aus Österreich.<br />

Die höhere Zahl der E<strong>in</strong>tritte ist nach<br />

Angaben des Ordens auf die erfolgreiche<br />

Arbeit der Berufungspastoral zurückzuführen.<br />

In Deutschland gibt es Angebote wie<br />

das sogenannte Ordensleben auf Probe, um<br />

junge Männer für die Jesuiten zu begeistern.<br />

Mehr: www.jesuiten.de<br />

Deutschland unter den<br />

Top 10 der Schattenf<strong>in</strong>anzzentren<br />

der Welt<br />

AACHEN. Die Schweiz führt die Rangliste<br />

der schädlichsten Schattenf<strong>in</strong>anzzentren<br />

der Welt an. Das geht aus der<br />

am 4. Oktober veröffentlichten Liste<br />

des <strong>in</strong>ternationalen Netzwerks Steuergerechtigkeit<br />

(Tax Justice Network)<br />

hervor. Deutschland kommt danach<br />

auf Platz 9 und ist e<strong>in</strong> wichtiger Spieler<br />

im globalen Netz aus Geheimhaltung<br />

und Intransparenz: Es rangiert im Index<br />

nur knapp h<strong>in</strong>ter Ländern wie der<br />

Schweiz, den Cayman Islands und<br />

Luxemburg.<br />

Die Rangliste basiert auf dem<br />

Schattenf<strong>in</strong>anz<strong>in</strong>dex (F<strong>in</strong>ancial Secrecy<br />

Index). Mit diesem Index werden 73<br />

Länder und Gebiete nach dem Grad<br />

ihrer Intransparenz im F<strong>in</strong>anzsektor<br />

und ihrem Anteil für grenzüberschreitende<br />

F<strong>in</strong>anzdienstleistungen am<br />

Weltmarkt bewertet. „Der Schattenf<strong>in</strong>anz<strong>in</strong>dex<br />

zeigt, dass Schattenf<strong>in</strong>anzzentren<br />

nicht nur <strong>in</strong> der Karibik,<br />

sondern auch mitten <strong>in</strong> Europa liegen,<br />

und unterstreicht damit die zentrale<br />

Verantwortung der Industrieländer für<br />

Kapitalflucht und Steuervermeidung“,<br />

so Detlev von Larcher (Attac).<br />

Die derzeit e<strong>in</strong>gefrorenen Milliarden<br />

arabischer Despoten stellten nur<br />

die Spitze des Eisbergs dar, erklärte<br />

Georg Stoll, Experte für Entwicklungspolitik<br />

bei MISEREOR: „Entwicklungsländer<br />

verlieren Jahr für Jahr Gelder <strong>in</strong><br />

dreistelliger Milliardenhöhe durch<br />

Kapitalflucht und Steuervermeidung.<br />

Die Bundesregierung ist aufgefordert,<br />

sich endlich für wirksame Maßnahmen<br />

zur Bekämpfung der Steuerflucht <strong>in</strong><br />

den Schattenf<strong>in</strong>anzzentren e<strong>in</strong>zusetzen.<br />

Der G20-Gipfel <strong>in</strong> Cannes bietet<br />

dafür die nächste Gelegenheit.“<br />

Das Netzwerk Steuergerechtigkeit<br />

(Tax Justice Network) setzt sich für die<br />

Stärkung der öffentlichen F<strong>in</strong>anzen<br />

und für e<strong>in</strong> gerechteres Steuersystem<br />

e<strong>in</strong> – <strong>in</strong> Deutschland und weltweit. Der<br />

<strong>in</strong>ternationale Zusammenschluss von<br />

sozial- und entwicklungspolitischen<br />

sowie kirchlichen Organisationen,<br />

WissenschaftlerInnen und engagierten<br />

E<strong>in</strong>zelpersonen fordert von der Politik<br />

e<strong>in</strong> entschiedenes Vorgehen gegen<br />

Steuerflucht und missbräuchliche<br />

Steuervermeidung. Im Netzwerk<br />

Steuergerechtigkeit arbeiten <strong>in</strong><br />

Deutschland unter anderem mit: Attac<br />

Deutschland, Global Policy Forum,<br />

MISEREOR, terre des hommes, ver.di,<br />

und WEED e.V.


Bbr. Kard<strong>in</strong>al Marx<br />

fordert Stärkung<br />

e<strong>in</strong>er positiven Moral<br />

FREISING. Die Stärkung e<strong>in</strong>es positiven<br />

Begriffs von Moral hat Bbr. Re<strong>in</strong>hard<br />

Kard<strong>in</strong>al Marx gefordert. Bei e<strong>in</strong>er<br />

Messe zum Internationalen Kongress<br />

der Vere<strong>in</strong>igung für Moraltheologie und<br />

Sozialethik am 29. August 2011 äußerte<br />

er sich mit Blick auf die Krisen <strong>in</strong><br />

Wirtschaft, Politik und Gesellschaft.<br />

„Alle Welt ruft nach Moral, aber der Ruf<br />

der Moral ist schlecht“, konstatierte der<br />

Erzbischof von München und Freis<strong>in</strong>g.<br />

Es gehe heute darum, „den Menschen<br />

<strong>in</strong> der Verkündigung der biblischen<br />

Moral etwas darzustellen von den<br />

Möglichkeiten des Menschen“, und<br />

ihnen dadurch zu „helfen, nicht unter<br />

Niveau zu leben“, erklärte Marx.<br />

„Den Menschen helfen,<br />

nicht unter Niveau zu leben“<br />

Bei der biblischen Moral handle es sich<br />

um e<strong>in</strong>e „kraftvolle, positive, den Menschen<br />

ermutigende Botschaft“, so Bbr.<br />

Marx. In der Ause<strong>in</strong>andersetzung mit<br />

dieser Moral würden die Menschen<br />

„e<strong>in</strong>em Gott begegnen, der uns etwas<br />

zutraut, der uns herausfordert, der uns<br />

Möglichkeiten gibt“.<br />

Nachdrücklich sprach er sich gegen<br />

e<strong>in</strong>e oberflächliche „Wellness-Religion“<br />

aus und warnte vor „der Versuchung,<br />

das Leben so, wie es ist, h<strong>in</strong>zunehmen“.<br />

Der E<strong>in</strong>zelne solle „mit<br />

dem, was ist, nicht zufrieden se<strong>in</strong>“.<br />

Zugleich dürfe der E<strong>in</strong>zelne aber auch<br />

„nicht über das, was dem Menschen<br />

möglich ist“, h<strong>in</strong>ausstreben.<br />

Die „D<strong>in</strong>ge, wie sie s<strong>in</strong>d, nicht e<strong>in</strong>fach<br />

h<strong>in</strong>zunehmen“, und beseelt zu<br />

se<strong>in</strong> von der „Neugier auf das Größere,<br />

das Bessere, das Gerechtere“ gehöre<br />

zum Grundlegenden, „was das Abendland<br />

geprägt hat“, erklärte Marx.<br />

Entsprechend sei es das Anliegen<br />

der Moraltheologie und christlicher<br />

Sozialethik, Impulse zu geben für e<strong>in</strong>e<br />

„Dynamik auf das Gute h<strong>in</strong>“ und<br />

damit „die Möglichkeiten des Menschense<strong>in</strong>s<br />

zu entwickeln auf die<br />

Vollendung h<strong>in</strong>“.<br />

Beim 35. Fachkongress der Moraltheologen<br />

und Sozialethiker diskutierten<br />

Wissenschaftler aus dem deutschsprachigen<br />

Raum unter dem Titel<br />

„Theologische Ethik im Pluralismus“<br />

aktuelle Herausforderungen der<br />

Moraltheologie und der Sozialethik.<br />

Europäische Theologen<br />

zeichnen Bbr. Halik aus<br />

WIEN. Beim Jahreskongress der Europäischen<br />

Gesellschaft für Katholische Theologie<br />

ist der tschechische katholische<br />

Priester und Intellektuelle Bbr. Tomas<br />

Halik (63) mit dem Preis für das beste<br />

theologische Buch Europas ausgezeichnet<br />

worden.<br />

Bbr. Halik erhielt den Preis für se<strong>in</strong> Buch<br />

„Geduld mit Gott“, <strong>in</strong> dem er den<br />

Agnostizismus und die Lage der Christen <strong>in</strong><br />

der postkommunistischen Gesellschaft<br />

beschreibt. („Geduld mit Gott. Die Geschichte<br />

von Zachäus heute“, Verlag Herder,<br />

Aufl./Jahr: 3. Aufl. 2011, 260 Seiten, ISBN 978-<br />

3-451-30382-1, Euro 14,95)<br />

Noch im vergangenen Jahr war Halik<br />

(UNITAS Prag) der Romano Guard<strong>in</strong>i-Preis<br />

der Katholischen Akademie <strong>in</strong> Bayern zuerkannt<br />

worden. Ebenfalls 2010 würdigte der<br />

„Polnische Rat der<br />

Christen und Juden“<br />

den tschechischen<br />

Priester und<br />

Intellektuellen <strong>in</strong><br />

der polnischen<br />

Hauptsynagoge im<br />

ehemaligen Warschauer<br />

Getto mit<br />

dem Ehrentitel<br />

„Mensch der Versöhnung<br />

2010“.<br />

Der 1948 geborene<br />

Halik war enger<br />

Vertrauter des<br />

ehemaligen Präsidenten<br />

Vaclav Havel<br />

und des langjährigen<br />

Prager Erzbischofs<br />

Frantisek<br />

Tomasek. Se<strong>in</strong>e<br />

Priesterweihe empf<strong>in</strong>g<br />

Halik im Geheimen<br />

<strong>in</strong> Erfurt, danach arbeitete der<br />

Geistliche <strong>in</strong> der Untergrundkirche.<br />

Der Professor für Soziologie an der<br />

renommierten Prager Karls-Universität ist<br />

Präsident der Tschechischen Christlichen<br />

Akademie, die sich für die deutsch-tschechische<br />

Aussöhnung engagiert. Dem Mitglied<br />

der Europäischen Akademie der<br />

Wissenschaften und Künste sowie vieler<br />

anderer ausländischer wissenschaftlicher<br />

Gesellschaften wurde der amerikanische<br />

Preis der Toleranz für 2002 und 2003 der<br />

österreichische Kard<strong>in</strong>al-König-Preis der<br />

Stiftung „Communio et Progressio“ verliehen.<br />

Er gehörte dem 2006 von der Kommission<br />

der Bischofskonferenzen der Europäischen<br />

Geme<strong>in</strong>schaft (COMECE) e<strong>in</strong>ge-<br />

Bericht zur Bedeutung ethischer Werte für<br />

die europäische E<strong>in</strong>igung vorlegte. Mehrfach<br />

kandidierte er für das Amt des<br />

Staatspräsidenten.<br />

Anteil der Christen<br />

im Bundestag rückläufig<br />

BERLIN. Der Anteil der Bundestagsabgeordneten<br />

mit christlichem Bekenntnis ist<br />

seit der Wiedervere<strong>in</strong>igung stark zurückgegangen.<br />

Zugleich stieg die Zahl der religiös<br />

nicht Gebundenen und der Konfessionslosen.<br />

Dies geht aus dem unlängst veröffentlichen<br />

Datenhandbuch zur Geschichte<br />

des Bundestages hervor.<br />

Bekannten sich 1990 noch 70,4 Prozent<br />

der Parlamentarier zu e<strong>in</strong>er der beiden<br />

großen Kirchen <strong>in</strong> Deutschland, liegt der<br />

Anteil heute nur noch bei 59 Prozent.<br />

Den stärksten Rückgang gab es bei den<br />

evangelischen Abgeordneten. Ihr Anteil<br />

g<strong>in</strong>g von 37,6 Prozent<br />

im Jahr 1990 auf<br />

derzeit 28,5 Prozent<br />

zurück. Bei den<br />

Katholiken sank der<br />

Anteil im selben<br />

Zeitraum von 32,8<br />

auf 30,5 Prozent.<br />

In der nach Fraktionen<br />

und Konfessionenaufgeschlüsselten<br />

Statistik fällt<br />

auf, dass der Anteil<br />

der selbst erklärten<br />

Katholiken <strong>in</strong> der<br />

CDU/CSU-Fraktion<br />

relativ stabil ist. Er<br />

schwankte <strong>in</strong> den<br />

zurückliegenden 20<br />

Jahren zwischen 55<br />

und 60 Prozent und<br />

liegt zurzeit bei 56,5<br />

Prozent.<br />

Im selben Zeitraum nahm der Anteil<br />

der Protestanten bei der SPD von 36,4<br />

auf 30,1 Prozent ab. Mit e<strong>in</strong>em Anteil zwischen<br />

11,7 und 13,7 Prozent bildeten die<br />

Katholiken <strong>in</strong> der SPD-Fraktion stets e<strong>in</strong>e<br />

M<strong>in</strong>derheit. Bei der e<strong>in</strong>st antiklerikalen FDP<br />

hat sich der Katholikenanteil h<strong>in</strong>gegen fast<br />

verdoppelt, er wuchs von 12,7 auf 23,7<br />

Prozent.<br />

Gestiegen ist auch die Zahl der bekennenden<br />

Christen bei der L<strong>in</strong>ken (von 0 auf<br />

9,2 Prozent). Bei den Grünen schwankt der<br />

Christen-Anteil stark. Nach e<strong>in</strong>em Rekordanteil<br />

von genau 50 Prozent im Jahr der<br />

Wiedervere<strong>in</strong>igung sank er 1994 auf 22,4<br />

Prozent. Inzwischen liegt er bei 29,4 Prozent.<br />

Damit f<strong>in</strong>den sich <strong>in</strong> den beiden<br />

Parteien l<strong>in</strong>ks von der SPD weiterh<strong>in</strong> die<br />

meisten religiös Ungebundenen.<br />

setzten „Rat der Weisen“ an, der e<strong>in</strong>en >><br />

unitas 4/2011 281


Sicher – unsicher:<br />

Zur Dynamik des Sicherheitsbegriffs im modernen Staat<br />

Risiken, Gefahren und der<br />

Wunsch nach Sicherheit<br />

In der menschlichen Gesellschaft können<br />

Bedrohungen und Gefahren durch die<br />

unterschiedlichsten Faktoren entstehen.<br />

Zum e<strong>in</strong>en s<strong>in</strong>d wir Risiken ausgesetzt, die<br />

durch äußere E<strong>in</strong>flüsse gewissermaßen<br />

schicksalhaft entstehen. Dazu gehören<br />

Naturkatastrophen, Hungersnöte und<br />

Krankheiten. Andere Gefahren entstehen<br />

durch gezielte Übergriffe anderer Menschen:<br />

durch E<strong>in</strong>brecher, Computerhacker,<br />

Terroristen oder durch Angriffskriege. E<strong>in</strong>e<br />

dritte Kategorie von Risiken wird durch<br />

menschliche Fehler verursacht, z. B. durch<br />

den Sicherheitstechniker, der den Riss <strong>in</strong> der<br />

Turb<strong>in</strong>e e<strong>in</strong>es Verkehrsflugzeugs übersieht.<br />

Schließlich s<strong>in</strong>d es manchmal die Menschen<br />

selbst, die sich bewusst riskant verhalten<br />

und dabei sich oder andere gefährden.<br />

Dazu gehört der Raser auf der Autobahn,<br />

aber auch der Kettenraucher, der die<br />

Folgen se<strong>in</strong>es Nikot<strong>in</strong>konsums <strong>in</strong> Kauf<br />

nimmt. Der französische Soziologe David Le<br />

Breton diagnostizierte darüber h<strong>in</strong>aus<br />

bereits vor zwanzig Jahren e<strong>in</strong>e zunehmende<br />

„Lust am Risiko“ auch beim Durchschnittsbürger<br />

und benannte dabei „Bungee-Jump<strong>in</strong>g“<br />

und andere Arten, das<br />

Schicksal herauszufordern 1 .<br />

Die Aufzählung dieser Risikofaktoren<br />

macht deutlich, dass Bedrohungen und<br />

Gefahren unvermeidlich zur menschlichen<br />

Existenz gehören. Hieraus erwächst letztlich<br />

das elementare Bedürfnis der Menschen,<br />

sich vor diesen Gefahren zu schützen,<br />

ohne Furcht leben zu können und<br />

damit e<strong>in</strong>en Zustand der Sicherheit 2 zu<br />

erreichen. In der modernen Gesellschaft ist<br />

es vor allem der Staat, der dieses Sicherheitsbedürfnis<br />

se<strong>in</strong>er Bürger befriedigen<br />

soll. Die Gewährleistung von Sicherheit<br />

kann als raison d’être des modernen<br />

Staates 3 bezeichnet werden.<br />

Diesem Sicherungszweck wohnt e<strong>in</strong>e<br />

gewisse Dynamik <strong>in</strong>ne: Der moderne Verfassungsstaat,<br />

wie wir ihn heute kennen,<br />

beruht auf e<strong>in</strong>er immer weiter voranschreitenden<br />

und immer mehr Bereiche erfassenden<br />

Fortentwicklung staatlicher Sicherungsaufgaben.<br />

Der Staat als Gewährleister<br />

<strong>in</strong>nerer und äußerer Sicherheit<br />

Ideengeschichtlich betrachtet, war es<br />

vor allem der politische Theoretiker Thomas<br />

282<br />

unitas 4/2011<br />

VON BBR. PROF. DR. KLAUS STÜWE<br />

Hobbes (1588 bis 1679), der uns an der<br />

Wende zur Neuzeit die Augen dafür öffnete,<br />

dass es der Basiszweck des Staates ist,<br />

das friedliche Zusammenleben der Menschen<br />

zu sichern. In se<strong>in</strong>em Hauptwerk<br />

Leviathan 4 von 1651 geht Hobbes davon aus,<br />

dass die politische Ordnung durch e<strong>in</strong>en<br />

rational begründeten Vertrag geschaffen<br />

wird, um den Krieg aller gegen alle, der im<br />

Naturzustand herrschte, zu überw<strong>in</strong>den.<br />

Der Staat ist nicht – wie die antike Philosophie<br />

geglaubt hatte – Folge der natürlichen<br />

Geselligkeit der Menschen, sondern<br />

Ergebnis e<strong>in</strong>er Nutzenabwägung und der<br />

Furcht vor der Unsicherheit des Naturzustands.<br />

Durch den Gesellschaftsvertrag übertragen<br />

nach Hobbes alle Individuen ihre<br />

Rechte auf e<strong>in</strong>en Souverän, der unabhängig<br />

von ihnen regieren kann, solange er ihnen<br />

Sicherheit garantiert. Dieser Souverän<br />

bekommt alle Macht. Durch die ihm zuerkannte<br />

Autorität ist er <strong>in</strong> der Lage, „alle<br />

Bürger zum Frieden und zu gegenseitiger<br />

Hilfe gegen auswärtige Fe<strong>in</strong>de zu zw<strong>in</strong>gen.“<br />

Er herrscht mit une<strong>in</strong>geschränkter<br />

Gewalt, der sich alle zu unterwerfen<br />

haben.<br />

Der moderne, neuzeitliche Staat wird<br />

demnach zuallererst durch se<strong>in</strong>e Sicherungsfunktion<br />

legitimiert 5 . Er ist, <strong>in</strong> den<br />

Worten von Theodor Heuss, der „Domestizierer“<br />

und „Befrieder“ des Menschen 6 . Er<br />

stellt Regeln auf, die das friedliche Zusammenleben<br />

der Menschen garantieren<br />

sollen und sieht Sanktionen für den<br />

Regelbrecher vor. Er schützt das Leben und<br />

die Güter se<strong>in</strong>er Bürger und unterb<strong>in</strong>det<br />

durch se<strong>in</strong>e Sicherheitsorgane die Androhung<br />

und Anwendung von privater<br />

Gewalt. Mit Recht wurde daher die Sorge<br />

für den <strong>in</strong>neren Frieden als „primäre<br />

Staatsaufgabe“ 7 bezeichnet. Das Bundesverfassungsgericht<br />

spricht vom „fundamentalen<br />

Staatszweck der Sicherheit“ 8 , der<br />

Verfassungsrechtler Josef Isensee gar von<br />

e<strong>in</strong>em „Grundrecht auf Sicherheit“ 9 .<br />

Auch nach außen hat der moderne<br />

Staat e<strong>in</strong>e Sicherheitsfunktion. Seit der<br />

Mitte des 17. Jahrhunderts stellt Sicherheit<br />

e<strong>in</strong>en „Grundbegriff“ der Außen- und Militärpolitik<br />

sowie des Völkerrechts dar 10 . Der<br />

Staat sorgt für die Verteidigung gegen<br />

Angriffe anderer Staaten; er betreibt<br />

„Sicherheitspolitik“, <strong>in</strong>dem er außenpolitisch<br />

agiert; Abkommen und Bündnisse<br />

zwischen Staaten sollen „kollektive Sicherheit“<br />

gewährleisten. Je <strong>in</strong>ternational ver-<br />

Der Autor<br />

Bbr. Prof. Dr. Klaus Stüwe, Jg. 1966,<br />

lehrt Politikwissenschaft an der<br />

Katholischen Universität Eichstätt-<br />

Ingolstadt (KU). Se<strong>in</strong>e Forschungsschwerpunkte<br />

s<strong>in</strong>d die politischen<br />

Systeme Deutschlands und der USA,<br />

Vergleichende Politikwissenschaft,<br />

Verfassungsgerichtsbarkeit und politische<br />

Kommunikation. Er ist Leiter<br />

des Studiengangs „Politik und Gesellschaft“<br />

an der KU und Mitglied im<br />

Zentralkomitee der deutschen Katholiken.<br />

Klaus Stüwe ist Mitglied der UNITAS<br />

Frankonia Eichstätt.<br />

Der vorliegende Beitrag gibt die<br />

Kurzfassung e<strong>in</strong>es Vortrags wider, der<br />

beim Treffen der korporationsstudentischen<br />

Verbände am 2.8.2011 im<br />

Rahmen der Salzburger Hochschulwoche<br />

2011 gehalten wurde.<br />

klaus.stuewe@ku-eichstaett.de<br />

netzter e<strong>in</strong> Staat ist, desto umfassender<br />

wird auch se<strong>in</strong> außenpolitisches Sicherheits<strong>in</strong>teresse.<br />

Der ehemalige deutsche<br />

Verteidigungsm<strong>in</strong>ister Peter Struck brachte<br />

diese Tatsache <strong>in</strong> e<strong>in</strong>er Regierungserklärung<br />

des Jahres 2004 auf den Punkt, als er<br />

sagte: „Unsere Sicherheit wird nicht nur,<br />

aber auch am H<strong>in</strong>dukusch verteidigt“ 11 . Das<br />

Beispiel Afghanistan zeigt darüber h<strong>in</strong>aus,<br />

dass unsere Sicherheit seit e<strong>in</strong>igen Jahren


Thomas Hobbes John Locke Charles de Montesquieu<br />

noch anderen Bedrohungslagen ausgesetzt<br />

ist. Der <strong>in</strong>ternationale Terrorismus ist zu<br />

e<strong>in</strong>er großen Herausforderung für die<br />

Gefahrenabwehrfunktion des Staates geworden.<br />

Der Staat als Gewährleister von<br />

Freiheit und Rechtssicherheit<br />

Der hobbesianische Staat kann zwar<br />

se<strong>in</strong>e Bürger vor Gefahren schützen, aber er<br />

kann auch selbst zu e<strong>in</strong>er Bedrohung werden.<br />

Selbst demokratische Verfassungsstaaten<br />

s<strong>in</strong>d ständig <strong>in</strong> Versuchung, die<br />

Freiheit ihrer Bürger unter Berufung auf<br />

Sicherheitszwecke unangemessen e<strong>in</strong>zuschränken<br />

und zu gefährden. Im Gegensatz<br />

zu Hobbes erkannte der Politiktheoretiker<br />

John Locke (1632 bis 1704) diese Ambivalenz<br />

der Staatszwecks Sicherheit. In se<strong>in</strong>em<br />

Second Treatise of Government (1689) geht<br />

er ebenfalls davon aus, dass die Menschen<br />

durch Vertrag „politische oder bürgerliche<br />

Gesellschaften“ 12 gründen, damit ihre Freiheit,<br />

ihr Leben und ihr Eigentum gegenüber<br />

den Übergriffen anderer verteidigt werden.<br />

Da aber die größte Gefahr, die dem neu gegründeten<br />

Geme<strong>in</strong>wesen droht, der Missbrauch<br />

der übertragenen Macht ist, schlägt<br />

Locke e<strong>in</strong>e Aufteilung staatlicher Gewalt<br />

auf mehrere Träger vor. Dieser Gedanke der<br />

Gewaltenteilung wurde von Charles de<br />

Montesquieu (1689 bis 1755) e<strong>in</strong> Jahrhundert<br />

später <strong>in</strong> se<strong>in</strong>em Werk „De l’esprit<br />

des lois“ (1748) aufgegriffen und <strong>in</strong> die bis<br />

heute vertraute Form gebracht. Legislative,<br />

Exekutive und Judikative teilen sich demnach<br />

die Staatsgewalt und kontrollieren<br />

sich gegenseitig.<br />

Während also der Staat des Thomas<br />

Hobbes Sicherheit garantiert, <strong>in</strong>dem er<br />

Macht bei sich konzentriert und monopolisiert,<br />

wird bei Locke und Montesquieu die<br />

Macht des Staates zur Vermeidung von<br />

Missbrauch „e<strong>in</strong>gehegt“ 13 und kontrolliert.<br />

Der E<strong>in</strong>zelne soll nicht nur vor Übergriffen<br />

durch se<strong>in</strong>e Mitmenschen geschützt werden,<br />

sondern auch vor Übergriffen des<br />

Staates selbst. Durch diese Konstruktion<br />

soll der Staat selbst zum Garanten der<br />

Freiheit werden. Der S<strong>in</strong>n des auf Rechtsschutz<br />

angelegten Zwecks des liberalen<br />

Rechtsstaats wurde bereits im 19. Jahrhundert<br />

durch den Begriff der „Rechtssicherheit“<br />

wiedergegeben. So hieß es <strong>in</strong> Meyers<br />

Konversationslexikon des Jahres 1858: „Die<br />

rechtliche Sicherheit ist e<strong>in</strong>er der großen<br />

Hauptzwecke des Staates, ja <strong>in</strong> gewisser<br />

H<strong>in</strong>sicht se<strong>in</strong> Hauptzweck selbst. Die<br />

Rechtssicherheit <strong>in</strong> ihrem ganzen Umfange<br />

wird stets nur das Eigentum freier Staaten<br />

se<strong>in</strong>.“ 14<br />

Diese Annahmen fanden freilich erst im<br />

Verlauf des 19. und 20. Jahrhunderts E<strong>in</strong>gang<br />

<strong>in</strong> konkrete politische Praxis. E<strong>in</strong>e<br />

gewaltenteilige Staatsorganisation und<br />

<strong>in</strong>sbesondere die Gewährleistung von<br />

Menschen- und Bürgerrechten als Abwehrrechte<br />

gegen den Staat sollen <strong>in</strong> den<br />

modernen Verfassungsstaaten das Bedürfnis<br />

des E<strong>in</strong>zelnen nach Sicherheit gegenüber<br />

staatlichen E<strong>in</strong>griffen gewährleisten.<br />

Manifest wird dies z. B. <strong>in</strong> der Festschreibung<br />

der Gewaltenteilung und des Rechtsstaatspr<strong>in</strong>zips<br />

<strong>in</strong> Art. 20 des Grundgesetzes<br />

der Bundesrepublik Deutschland. Eigens<br />

e<strong>in</strong>gerichtete Verfassungsgerichte wie das<br />

Bundesverfassungsgericht <strong>in</strong> Karlsruhe sollen<br />

die Freiheit und die Rechte der Bürger<br />

auch <strong>in</strong>stitutionell gewährleisten.<br />

Beide Aspekte – der Schutz der Bürger<br />

vore<strong>in</strong>ander durch den Staat (Sicherheit)<br />

und der Bürger gegen den Staat (Freiheit) –<br />

s<strong>in</strong>d zentrale Themen geblieben, die sich<br />

„wie e<strong>in</strong> rotes Band durch die moderne<br />

Staats- und Verfassungsgeschichte ziehen“<br />

15 . Die Suche nach der rechten Balance<br />

zwischen Sicherheit und Freiheit ist e<strong>in</strong>e<br />

der Grundkonstanten moderner Staatlichkeit.<br />

Der Staat als Gewährleister<br />

sozialer Sicherheit<br />

Mit der im 19. Jahrhundert e<strong>in</strong>setzenden<br />

Industrialisierung entstand e<strong>in</strong>e neue<br />

Gefährdungslage. Nun galt es, der Furcht<br />

der Menschen vor den wirtschaftlichen und<br />

sozialen Risiken des Lebens zu begegnen.<br />

Der moderne Staat nahm auch dieses<br />

Verlangen nach Sicherheit auf: Er wandelte<br />

sich zum Sozialstaat. Die Ursachen und<br />

Motive für den Beg<strong>in</strong>n sozialpolitischer<br />

Aktivitäten durch den Staat waren vielfältig.<br />

Die Modernisierung der Gesellschaftsund<br />

Wirtschaftsordnung hatte im Verlauf<br />

des 19. Jahrhunderts nicht nur zur politischen<br />

und ökonomischen Emanzipation vor<br />

allem bürgerlicher Bevölkerungsschichten<br />

geführt. Mit dem Untergang der alten ständischen<br />

Ordnung g<strong>in</strong>gen auch traditionelle<br />

Fürsorgestrukturen verloren wie die Großfamilie,<br />

das Zunftwesen oder die B<strong>in</strong>dung<br />

an den Gutsherrn. Das machte Risiken wie<br />

Alter, Krankheit, Unfall oder Beh<strong>in</strong>derung<br />

zu e<strong>in</strong>er unmittelbaren Existenzbedrohung.<br />

Zugleich brachte der ökonomische und<br />

gesellschaftliche Transformationsprozess<br />

neue soziale Probleme <strong>in</strong> Form von Massenarbeitslosigkeit,<br />

Massenarmut, miserablen<br />

Arbeitsbed<strong>in</strong>gungen und extremer Wohnungsnot.<br />

Die Politisierung dieser sozialen Probleme<br />

und die Mobilisierung der Arbeiter <strong>in</strong><br />

Gewerkschaften und sozialdemokratischen<br />

Parteien führten zu e<strong>in</strong>er Sensibilisierung<br />

der politischen Eliten. Als erstes Land reagierte<br />

das Deutsche Reich unter Reichskanzler<br />

Bismarck auf die neuen Bed<strong>in</strong>gungen,<br />

<strong>in</strong>dem es <strong>in</strong> rascher Folge Pflichtversicherungen<br />

gegen Krankheit (1883), <strong>in</strong>dustrielle<br />

Unfälle (1884) sowie Invalidität und<br />

Alter (1889) errichtete.<br />

In anderen Ländern Europas fasste der<br />

moderne Sozialstaat nur wenig später Fuß. >><br />

unitas 4/2011 283


Die E<strong>in</strong>führung der sozialen Sicherungssysteme<br />

folgte meist e<strong>in</strong>em bestimmten<br />

Rhythmus: Zunächst wurde die Unfallversicherung<br />

errichtet, anschließend der<br />

Schutz gegen Risiken des Alters, der<br />

Krankheit und Invalidität, sodann mit erheblicher<br />

Zeitverzögerung die Arbeitslosenversicherung<br />

und mit meist noch größerem<br />

Abstand die Sozialpolitik für Familien. In<br />

den letzten Jahrzehnten des 20. Jahrhunderts<br />

kam <strong>in</strong> e<strong>in</strong>igen Ländern der Aufbau<br />

e<strong>in</strong>er Pflegeversicherung h<strong>in</strong>zu 16 .<br />

Zu den Nachzüglern der Sozialpolitik<br />

zählten die USA. Die Amerikaner<br />

entschlossen sich erst <strong>in</strong> der<br />

Weltwirtschaftskrise Anfang der<br />

1930er Jahre mit der Politik des „New<br />

Deal“ zu ersten Ansätzen des Aufbaus<br />

von sozialen Sicherungssystemen auf<br />

nationaler Ebene. Präsident Frankl<strong>in</strong><br />

D. Roosevelt verwendete im Jahr 1934<br />

<strong>in</strong> e<strong>in</strong>er Botschaft an den amerikanischen<br />

Kongress erstmals die Formel<br />

von der „Social Security“ 17 . Dieser<br />

ursprünglich re<strong>in</strong> US-amerikanische<br />

Begriff der „Sozialen Sicherheit“ setzte<br />

sich vom Ende der 1930er Jahre an<br />

auch <strong>in</strong>ternational sehr schnell durch.<br />

Roosevelt hatte mit der Politik der<br />

sozialen Sicherheit großen Erfolg –<br />

nicht nur bei der Bekämpfung der<br />

sozialen Not, sondern auch politisch. Se<strong>in</strong>e<br />

Sozialpolitik machte ihn so populär, dass<br />

ihn das amerikanische Volk <strong>in</strong>sgesamt vier<br />

Mal <strong>in</strong> das Präsidentenamt wählte. Schon<br />

damals zeichnete sich ab, dass das Thema<br />

soziale Sicherheit <strong>in</strong> den Demokratien der<br />

zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts zu e<strong>in</strong>em<br />

politischen Argument werden würde:<br />

Mit dem Versprechen sozialer Sicherheit<br />

waren Wahlen zu gew<strong>in</strong>nen.<br />

Schon aus diesem Grund hatte der<br />

Sozialstaat <strong>in</strong> den westlichen Demokratien<br />

e<strong>in</strong>e gleichsam automatische Expansionstendenz.<br />

Die staatliche Sozialpolitik, die im<br />

19. Jahrhundert als eng begrenzte Arbeiterund<br />

Armenpolitik begonnen hatte, differenzierte<br />

sich im Verlauf des 20. Jahrhunderts<br />

<strong>in</strong> zahlreiche Teilbereiche. Im Ergebnis<br />

entstand e<strong>in</strong> weit ausgreifendes System<br />

der sozialen Sicherung, das nicht erst bei<br />

existenzbedrohenden Notlagen e<strong>in</strong>greift,<br />

sondern E<strong>in</strong>kommens-, Versorgungs- und<br />

Lebenslagen umfassend sichert 18 .<br />

Erst seit Mitte der 1970er Jahre begannen<br />

Politik und Wissenschaft sich mit den<br />

Grenzen des Sozialstaats zu beschäftigen.<br />

Lang anhaltende Arbeitslosigkeit, ger<strong>in</strong>gere<br />

Wachstumsraten der Wirtschaft, F<strong>in</strong>anzierungsprobleme<br />

<strong>in</strong> den Sozialversicherungen,<br />

hohe Staatsverschuldung sowie hohe<br />

Belastungen von Wirtschaft und Arbeitnehmern<br />

durch Steuern und Beiträge führten<br />

zu e<strong>in</strong>em Ende der Expansionsphase<br />

und zum Beg<strong>in</strong>n e<strong>in</strong>er Stagnations- oder<br />

sogar partiellen Kürzungsphase.<br />

284<br />

unitas 4/2011<br />

Neue Sicherheitsaufgaben<br />

des Staates<br />

Mit dem Fortschreiten der Modernisierung<br />

können <strong>in</strong>zwischen noch weitere<br />

Entwicklungsstufen der sicherheitsorientierten<br />

staatlichen Aufgabenstellung beobachtet<br />

werden. Der moderne Staat nahm<br />

und nimmt sich neu entstandenen Sicherheitsbelangen<br />

nämlich genauso an, wie er<br />

sich den vorgelagerten elementaren Sicherheitsbedürfnissen<br />

zu widmen hat.<br />

Vom Staat wird Schutz gegen die Bedrohungen<br />

des Computerzeitalters erwartet.<br />

So geht es seit langem auch um<br />

Ressourcen- und Rohstoffsicherheit. Bereits<br />

<strong>in</strong> vormoderner Zeit hatten politische Geme<strong>in</strong>wesen<br />

für die Versorgung ihrer Bürger<br />

mit lebenswichtigen Ressourcen gesorgt.<br />

Doch seit etwa 40 Jahren lösen die immer<br />

knapper werdenden fossilen Energieträger<br />

<strong>in</strong> denjenigen Staaten, deren Wohlstand<br />

und Lebensstil maßgeblich von ihnen abhängen,<br />

zunehmende Bedrohungsängste<br />

aus. Staaten reagieren darauf, <strong>in</strong>dem sie<br />

ihre Außen- und Verteidigungspolitik verstärkt<br />

auch auf die Sicherung der Rohstoffversorgung<br />

ausweiten.<br />

Eng damit verknüpft ist die Problematik<br />

der Energiesicherheit, die sich ebenfalls zu<br />

e<strong>in</strong>er bedeutenden Staatsaufgabe entwickelt<br />

hat. In den nächsten Jahren werden<br />

die Industriestaaten und erst recht die<br />

Schwellenländer trotz aller Sparziele weiterh<strong>in</strong><br />

e<strong>in</strong>en enorm hohen Energieverbrauch<br />

haben. In Deutschland besteht hier<br />

durch den Anfang 2011 beschlossenen<br />

schrittweisen Ausstieg aus der Atomenergie<br />

besonderer Handlungsbedarf.<br />

Von der Frage der Energiesicherheit<br />

nicht zu trennen ist e<strong>in</strong>e weitere Sicherungsaufgabe<br />

des Staates, nämlich der<br />

Umweltschutz. Im Angesicht der Furcht vor<br />

ihrer irreversiblen Zerstörung sorgt der<br />

Staat heute auch für die Erhaltung und den<br />

Schutz der natürlichen Lebensgrundlagen<br />

der Menschen. In der Bundesrepublik<br />

besitzt diese Aufgabe seit 2002 sogar<br />

Verfassungsrang 19 .<br />

Der technologische Fortschritt der<br />

Moderne machte schließlich auch Sicherheitsaktivitäten<br />

des Staates im Bereich der<br />

technischen Sicherheit notwendig 20 . Vor<br />

allem der zunehmende Verkehr erforderte<br />

Sicherheitsvorkehrungen. Immer mehr und<br />

schneller fahrende Kraftfahrzeuge zwangen<br />

den Staat, regulierend <strong>in</strong> den Verkehr<br />

e<strong>in</strong>zugreifen und für Verkehrssicherheit zu<br />

sorgen. Staatliche Vorschriften zur Beherrschung<br />

und M<strong>in</strong>imierung technischer<br />

Risiken s<strong>in</strong>d heute aus dem Alltag nicht<br />

mehr wegzudenken. Ob <strong>in</strong> der Luftfahrt,<br />

beim Arbeitsschutz oder im<br />

Haushalt – überall ist der Staat an der<br />

Gewährleistung von technischer<br />

Sicherheit durch die Aufstellung von<br />

technischen Standards und durch<br />

Sicherheitskontrollen aktiv beteiligt.<br />

Auch die Produktsicherheit ist <strong>in</strong> diesem<br />

Zusammenhang zu nennen.<br />

Zu e<strong>in</strong>em immer bedeutenderen<br />

Handlungsfeld des Staates hat sich<br />

schließlich die Informations- und<br />

Datensicherheit entwickelt. Mit dem<br />

rasanten Wachstum der Informationstechnologie<br />

ist <strong>in</strong> den vergangenen<br />

Jahren e<strong>in</strong>e bis dah<strong>in</strong> unbekannte<br />

Bedrohungslage entstanden. E<strong>in</strong> Aspekt<br />

ist die Internetkrim<strong>in</strong>alität 21 .<br />

Computerviren, Trojaner und Würmer<br />

drohen die auf Computer gespeicherten<br />

Daten und Programme zu löschen,<br />

Rechner zu lähmen oder außer Betrieb zu<br />

setzen; durch Phish<strong>in</strong>g täuschen Hacker<br />

e<strong>in</strong>e falsche Identität vor, spionieren persönliche<br />

Daten aus und greifen auf Bankkonten<br />

zu. Aber das IT-Zeitalter kennt auch<br />

globale Bedrohungslagen. Mit den seit<br />

2005 zunehmenden, zielgerichteten elektronischen<br />

Angriffen auf Behörden und<br />

Wirtschaftsunternehmen werden ganze<br />

Staaten bedroht.<br />

Zur Abwehr solcher Gefahren des<br />

Computerzeitalters wird Schutz ebenfalls<br />

allenthalben durch den Staat erwartet. In<br />

Deutschland wurde deshalb bereits im Jahr<br />

1991 das „Bundesamt für Sicherheit <strong>in</strong> der<br />

Informationstechnik“ <strong>in</strong> Bonn e<strong>in</strong>gerichtet,<br />

im April 2011 zudem e<strong>in</strong> „Nationales Cyber-<br />

Abwehrzentrum“.<br />

Sicher – unsicher. Grenzen der<br />

Sicherheitstätigkeit des Staates<br />

Der menschliche Wunsch, sich sicher<br />

fühlen zu können, steht <strong>in</strong> e<strong>in</strong>em engen<br />

Zusammenhang mit der Entstehung, Entwicklung<br />

und Ausweitung des modernen<br />

Staates. Doch die dem Sicherungszweck<br />

des Staates <strong>in</strong>newohnende Dynamik hat<br />

ihre Grenzen. Diese sollen abschließend <strong>in</strong><br />

drei Thesen angesprochen werden.<br />

Erstens: „Die Erweiterung der staatlichen<br />

Zweckordnungen und Zweckdimensionen<br />

darf (...) <strong>in</strong> ke<strong>in</strong>em Fall zur Aufgabe der ele-


mentaren Sicherungszwecke führen“ 22 . Mit<br />

Recht plädierte der frühere Präsident des<br />

Bundesverfassungsgerichts, Hans-Jürgen<br />

Papier, dafür, dass der Sicherheitszweck des<br />

Staates „nicht gegen den liberalen, staatsbegrenzenden<br />

und freiheitsverbürgenden<br />

Zweck des Rechtsstaats ausgespielt werden“<br />

dürfe. Gerade unter dem Aspekt terroristischer<br />

Bedrohung kann diese Grenze<br />

jedoch leicht überschritten werden. Das<br />

Bundesverfassungsgericht hat zwar schon<br />

früh festgestellt: „Der Staat darf und muss<br />

terroristischen Bestrebungen (...) mit den<br />

erforderlichen rechtsstaatlichen Mitteln<br />

wirksam entgegentreten“ 23 .<br />

Bei der Wahl der Mittel zur<br />

Erfüllung dieser Schutzpflicht<br />

ist der Staat jedoch auf diejenigen<br />

Mittel beschränkt, „deren<br />

E<strong>in</strong>satz mit der Verfassung<br />

<strong>in</strong> E<strong>in</strong>klang steht“ 24 .<br />

Staatliche Maßnahmen zur<br />

Terrorabwehr, wie sie nach<br />

dem 11. September 2001 auch<br />

<strong>in</strong> Deutschland beschlossen<br />

wurden – etwa der Große<br />

Lauschangriff, das Luftsicherheitsgesetz,<br />

die Antiterror-<br />

Datei –, stehen deshalb stets<br />

unter dem Gebot der Verhältnismäßigkeit.<br />

Sicherheit<br />

darf nicht zu Lasten der Freiheit<br />

gehen.<br />

Zweitens: Sicherheit hat ihren<br />

Preis. Dies gilt für <strong>in</strong>nere und<br />

äußere Sicherheit, aber mehr<br />

noch für soziale Sicherheit.<br />

Sicherheit kostet Geld, und<br />

mit der Ausdehnung der<br />

Sicherheitsaufgaben des<br />

Staates s<strong>in</strong>d parallel auch die<br />

Ausgaben des Staates angestiegen<br />

– und zwar geradezu<br />

exponentiell. In Zeiten zurückgehender<br />

Steuere<strong>in</strong>nahmen, von Haushaltsdefiziten<br />

und F<strong>in</strong>anzkrisen können<br />

Staaten freilich nicht unendlich Ausgaben<br />

tätigen, sondern müssen über e<strong>in</strong>e verantwortliche<br />

Begrenzung nachdenken. Dies ist<br />

bekanntlich e<strong>in</strong>e schwierige Aufgabe:<br />

Gerade im Bereich der Verteidigung können<br />

Sparmaßnahmen schnell die E<strong>in</strong>satzbereitschaft<br />

gefährden. Im Bereich der Sozialpolitik<br />

haben die so genannten „Hartz“-<br />

Reformen <strong>in</strong> Deutschland haben zwar<br />

gezeigt, dass die politischen Akteure durchaus<br />

<strong>in</strong> der Lage s<strong>in</strong>d, partielle Leistungskürzungen<br />

durchzusetzen. Angesichts der<br />

breiten politischen Basis der bisherigen<br />

sozialstaatlichen Entwicklung ersche<strong>in</strong>t<br />

jedoch e<strong>in</strong> über solche partiellen Leistungskürzungen<br />

h<strong>in</strong>ausgehender Abbau<br />

sozialpolitischer Programme wenig wahrsche<strong>in</strong>lich.<br />

Drittens: Totale Sicherheit gibt es nicht.<br />

Bedrohungen und Gefahren gehören eben<br />

unvermeidlich zur menschlichen Existenz.<br />

Der Soziologie Ulrich Beck hat aufgezeigt:<br />

Je moderner und komplexer Gesellschaften<br />

werden, desto größer werden die Risiken 24 .<br />

Diese kann der Staat zwar möglicherweise<br />

m<strong>in</strong>imieren, aber ganz beseitigen kann er<br />

sie nicht. So wie im Straßenverkehr das<br />

Nullrisiko nur zu erreichen wäre, wenn wir<br />

das Geschw<strong>in</strong>digkeitslimit auf null Kilometer<br />

reduzierten, so könnte das Risiko<br />

e<strong>in</strong>es Terroranschlags letztendlich nur ausgeschlossen<br />

werden, wenn der Staat jedem<br />

e<strong>in</strong>zelnen Bürger e<strong>in</strong>en Überwacher zuteilen<br />

würde 26 . E<strong>in</strong>e solche Vorstellung ist<br />

absurd und wäre mit den Pr<strong>in</strong>zipien e<strong>in</strong>er<br />

freiheitlichen Demokratie nicht zu vere<strong>in</strong>-<br />

„Sicherheit darf nicht zu Lasten der Freiheit gehen“<br />

baren. Darüber h<strong>in</strong>aus müssen wir immer<br />

damit rechnen, dass nach der Beseitigung<br />

von alten Bedrohungen neue Risiken entstehen<br />

können. Inzwischen ist der Kalte<br />

Krieg zu Ende und der Sozialstaat hat e<strong>in</strong><br />

beachtliches Niveau erreicht, aber auch das<br />

21. Jahrhundert wird trotz aller Sicherheitsanstrengungen<br />

von Unsicherheit geprägt<br />

se<strong>in</strong>. Globale Probleme wie der Klimawandel<br />

und die Bedrohung durch den <strong>in</strong>ternationalen<br />

Terrorismus stellen neue Gefährdungslagen<br />

dar. Und auch mit materiellen<br />

Existenzängsten werden weiterh<strong>in</strong><br />

viele Menschen konfrontiert bleiben.<br />

Gerade dieser letzte Aspekt verweist<br />

darauf, dass Sicherheit als normativer<br />

Begriff stets e<strong>in</strong>e psychologisch-subjektive<br />

Dimension besitzt. Es wird immer e<strong>in</strong>e Kluft<br />

geben zwischen objektiv bestimmbarer<br />

und vom Staat herstellbarer Sicherheit und<br />

der subjektiven Empf<strong>in</strong>dung praktischer<br />

Unsicherheit.Wir müssen damit leben, dass<br />

hier auf Erden immer e<strong>in</strong> Rest Unsicherheit<br />

bleibt.<br />

Anmerkungen<br />

1 David de Breton, Passions du risque. Paris 1991.<br />

2 Zum Begriff der Sicherheit vgl. Franz-Xaver<br />

Kaufmann, Sicherheit als soziologisches und<br />

sozialpolitisches Problem. Stuttgart (2. Aufl.)<br />

1973, S. 6 ff.<br />

3 Klaus Stüwe, Innere Sicherheit im Bundesstaat,<br />

<strong>in</strong>: Klaus Detterbeck, Wolfgang Renzsch und<br />

Stefan Schieren (Hrsg.), Föderalismus <strong>in</strong><br />

Deutschland. München 2010, S. 293.<br />

4 Thomas Hobbes, Leviathan. Erster und zweiter<br />

Teil (Reclams Universal-Bibliothek Nr. 8348).<br />

Stuttgart 1998 (übersetzt von Jacob Peter<br />

Mayer).<br />

5 Vgl. Wolfgang Cremer, Freiheitsgrundrechte:<br />

Funktionen und Strukturen. Tüb<strong>in</strong>gen 2003, S.<br />

259.<br />

6 Deutscher Bundestag/Bundesarchiv (Hrsg.), Der<br />

Parlamentarische Rat 1948-1949. Band 5/1,<br />

Boppard am Rhe<strong>in</strong> 1993, S. 71.<br />

7 Kurt Eichenberger, Die Sorge für den <strong>in</strong>neren<br />

Frieden als primäre Staatsaufgabe, <strong>in</strong>: Ders., Der<br />

Staat der Gegenwart. Tüb<strong>in</strong>gen 1980, S. 73 ff.<br />

8 BVerfG, 1 BvR 518/02 vom 4.4.2006, Absatz-Nr.<br />

128.<br />

9 Josef Isensee, Das Grundrecht auf Sicherheit. Zu<br />

den Schutzpflichten des freiheitlichen Verfassungsstaates.<br />

Berl<strong>in</strong> u.a. 1983.<br />

10 Werner Conze, Sicherheit, <strong>in</strong>: Otto Brunner,<br />

Werner Conze und Re<strong>in</strong>hart Koselleck (Hrsg.),<br />

Geschichtliche Grundbegriffe. Stuttgart 1984<br />

(Ausgabe 2004), S. 834.<br />

11 Peter Struck, Regierungserklärung, Berl<strong>in</strong>, 11.<br />

März 2004.<br />

12 John Locke, Über die Regierung. Stuttgart 1974,<br />

S. 67.<br />

13 Gert-Joachim Gläßner, Sicherheit <strong>in</strong> Freiheit, <strong>in</strong>:<br />

APuZ B 10-11 (2002), S. 7.<br />

14 Neues Conversations-Lexikon für alle Stände,<br />

Bd. 38. Hildburghausen 1858, S. 1279, Art.„Sicherheit“.<br />

15 Gert-Joachim Gläßner, Sicherheit <strong>in</strong> Freiheit, <strong>in</strong>:<br />

APuZ B 10-11 (2002), S. 3; vgl. auch Erhard Denn<strong>in</strong>ger,<br />

Sicherheit – Vielfalt – Solidarität: Ethisierung<br />

der Verfassung?, <strong>in</strong>: Ulrich K. Preuß (Hrsg.),<br />

Zum Begriff der Verfassung. Die Ordnung des<br />

Politischen, Frankfurt/M. 1994, S. 115.<br />

16 Zur Entwicklung des Sozialstaats vgl. Franz-<br />

Xaver Kaufmann, Varianten des Wohlfahrtsstaats.<br />

Der deutsche Sozialstaat im <strong>in</strong>ternationalen<br />

Vergleich. Frankfurt/M. 2003; zur Typologie<br />

moderner Sozialstaaten vgl. die e<strong>in</strong>flussreiche<br />

Arbeit von Gösta Esp<strong>in</strong>g-Andersen, The<br />

Three Worlds of Welfare Capitalism. Pr<strong>in</strong>ceton<br />

1990.<br />

17 Frankl<strong>in</strong> D. Roosevelt, Message to Congress Review<strong>in</strong>g<br />

the Broad Objectives and Accomplishments<br />

of the Adm<strong>in</strong>istration. June 8, 1934.<br />

18 Gerhard Bäcker u.a, Sozialpolitik und soziale<br />

Lage <strong>in</strong> Deutschland.Wiesbaden (3. Aufl.), 2000,<br />

S. 35.<br />

19 Art. 20a GG.<br />

20 Franz-Xaver Kaufmann, Sicherheit als soziologisches<br />

und sozialpolitisches Problem. Stuttgart<br />

1970, S. 76.<br />

21 Vgl. Markus Thiel, Die Entgrenzung der Gefahrenabwehr.<br />

Tüb<strong>in</strong>gen 2011, S. 6-29.<br />

22 Hans Jürgen Papier, Wie der Staat Freiheit und<br />

Sicherheit vere<strong>in</strong>t, <strong>in</strong>: Die Welt vom 1.6.2008.<br />

23 BVerfGE 49, 24 (56).<br />

24 BVerfG, 1 BvR 518/02 vom 4.4.2006, Absatz-Nr. 130.<br />

26 Ulrich Beck, Risikogesellschaft. Auf dem Weg <strong>in</strong><br />

e<strong>in</strong>e andere Moderne. Frankfurt a.M. 1986.<br />

26 Vgl. Rolf Dobelli,Warum wir für das Nullrisiko zu<br />

viel bezahlen, <strong>in</strong>: FAZ vom 7.3.2011, S. 28.<br />

unitas 4/2011 285


Internationales Friedenstreffen <strong>in</strong> München:<br />

„Zusammenleben – unsere Bestimmung“<br />

MÜNCHEN. Große Bühne <strong>in</strong> München – im<br />

Rest der Republik g<strong>in</strong>g es Anfang September<br />

im aufgeregten Themensalat der Wochen<br />

fast weitgehend unter: Das Internationale<br />

Friedenstreffen <strong>in</strong> München, organisiert von<br />

der Geme<strong>in</strong>schaft Sant’Egidio kurz vor dem<br />

Jubiläum des ersten Treffens vor 25 Jahren,<br />

zu dem Papst Johannes Paul II. Vertreter der<br />

verschiedenen Religionen der Welt nach<br />

Assisi geladen hatte.<br />

Friede ist ständiger Auftrag<br />

„Das Leitwort des Friedenstreffens<br />

„Bound to live together“ / „Zusammen<br />

leben – unsere Bestimmung“ er<strong>in</strong>nert daran,<br />

dass wir Menschen aufe<strong>in</strong>ander verwiesen<br />

s<strong>in</strong>d“, erklärte Papst Benedikt XVI.<br />

<strong>in</strong> se<strong>in</strong>em Grußwort an Bbr. Re<strong>in</strong>hard<br />

Kard<strong>in</strong>al Marx, den Erzbischof von München<br />

und Freis<strong>in</strong>g. Heute mehr als zuvor <strong>in</strong><br />

universalem Maßstab: „In unseren geme<strong>in</strong>samen<br />

Bemühungen um den Frieden dürfen<br />

wir niemals nachlassen“, verwies der<br />

Papst auf große Herausforderungen der<br />

ganzen Menschheitsfamilie wie Migration,<br />

Globalisierung, Wirtschaftskrisen und<br />

Bewahrung der Schöpfung. Neben vielen<br />

hoffnungsvollen Aufbrüchen zu Versöhnung<br />

und Frieden gebe es auch viele verlorene<br />

Chancen und Rückschläge. Gewaltund<br />

Terrorakte hätten vielfach die Hoffnung<br />

auf e<strong>in</strong> friedvolles Zusammenleben<br />

der Menschheitsfamilie im angebrochenen<br />

dritten Jahrtausend erstickt, alte Konflikte<br />

schwelten weiter oder brächen von neuem<br />

aus, neue Ause<strong>in</strong>andersetzungen und Probleme<br />

kämen h<strong>in</strong>zu. „Dies alles zeigt uns<br />

deutlich, dass Friede e<strong>in</strong> ständiger Auftrag<br />

an uns alle und e<strong>in</strong> Geschenk ist, um das<br />

wir alle bitten müssen.“<br />

Rund 10.000 Teilnehmer zählte das<br />

Treffen, unter ihnen Hunderte Vertreter von<br />

Judentum, Islam, Buddhismus und H<strong>in</strong>duismus.<br />

Mit führenden Persönlichkeiten aus<br />

Politik und Kultur diskutierten sie <strong>in</strong> rund 50<br />

Podien über Themen wie Europas <strong>in</strong>ternationale<br />

Verantwortung, E<strong>in</strong>wanderung,<br />

Toleranz und die Umbrüche <strong>in</strong> der arabischen<br />

Welt. Geme<strong>in</strong>sam gedachten sie der<br />

fast 3.000 Menschen, die zehn Jahre zuvor<br />

beim Anschlag auf das Word Trade Center<br />

starben. „Die Weltreligionen können und<br />

müssen mehr tun für dieses zentrale<br />

Anliegen der Menschheit“, äußerte Bundespräsident<br />

Christian Wulff: „Ich glaube, dass<br />

das der entscheidende Weg zum Frieden ist:<br />

e<strong>in</strong>e Allianz der Kulturen und der Religionen<br />

zu schmieden. Wir müssen die Konkurrenz<br />

gegenseitigen Misstrauens durch e<strong>in</strong>e<br />

Allianz des Vertrauens besiegen“.<br />

286<br />

unitas 4/2011<br />

Grundlage der Politik seien Überzeugungen<br />

<strong>in</strong> der Gesellschaft, die von den<br />

Kirchen entscheidend mitgeprägt würden,<br />

erklärte Bundeskanzler<strong>in</strong> Angela Merkel:<br />

„Die Trennung von Kirche und Staat darf<br />

niemals vergessen lassen, dass wir als<br />

Menschen ohne den Glauben an Gott<br />

schnell überheblich werden.“<br />

Marx fordert soziale<br />

Marktwirtschaft auf Weltebene<br />

Bbr. Kard<strong>in</strong>al Marx aus dem gastgebenden<br />

Erzbistum forderte bei e<strong>in</strong>er Podiumsdiskussion<br />

mit F<strong>in</strong>anzm<strong>in</strong>ister Schäuble<br />

e<strong>in</strong>e „soziale Marktwirtschaft auf Weltebene“.<br />

E<strong>in</strong> Markt könne nur Früchte tragen<br />

und dem Weltgeme<strong>in</strong>wohl dienen, wenn<br />

er „<strong>in</strong> e<strong>in</strong>en ordnungspolitischen Rahmen<br />

e<strong>in</strong>geordnet ist, der ethische <strong>Qualität</strong>en<br />

hat“.<br />

Mit Bezug auf die von Papst Benedikt<br />

XVI. <strong>in</strong> se<strong>in</strong>er Sozialenzyklika „Caritas <strong>in</strong> veritate“<br />

geforderten „neuen humanistischen<br />

Synthese“ appellierte Kard<strong>in</strong>al Marx, geme<strong>in</strong>sam<br />

e<strong>in</strong>e „neue Fortschrittsidee“ zu<br />

entwickeln, für „e<strong>in</strong>e Gesellschaft, die allen<br />

e<strong>in</strong>e Chance gibt“.<br />

Dazu müssten auch die F<strong>in</strong>anzmärkte<br />

e<strong>in</strong>en produktiven Beitrag leisten. Aufgabe<br />

der Politik sei es, „das Ganze anzuschauen,<br />

von den Folgen für das Ganze her zu denken<br />

und dann die entscheidenden Schritte<br />

zu tun“. In diesem Bemühen müssten die<br />

Politiker auch von der Kirche unterstützt<br />

werden. Europa könne als positives Beispiel<br />

vorangehen und zeigen, „was es<br />

bedeutet, die Wirtschaft so zu gestalten,<br />

dass sie der Menschheit dient. Das ist<br />

jede Mühe wert“.<br />

„Europa wieder<br />

positiv vorantreiben“<br />

Bei e<strong>in</strong>em Podium über „Europa und<br />

se<strong>in</strong>e Verantwortung <strong>in</strong> der Welt“ hatte<br />

Marx bereits zu Beg<strong>in</strong>n des Treffens die<br />

Überw<strong>in</strong>dung europäischer Selbstzweifel<br />

angemahnt und die gesellschaftlichen<br />

Gruppen dazu aufgefordert, „Europa wieder<br />

positiv voranzutreiben“. Marx beklagte<br />

e<strong>in</strong>e „mangelnde Identifizierung“ und erklärte:<br />

„Europa sollte e<strong>in</strong> positives Mobilisierungsprojekt<br />

se<strong>in</strong>.“ Europa wecke <strong>in</strong> der<br />

gegenwärtigen Situation „nicht nur positive<br />

Assoziationen“, räumte er e<strong>in</strong>, doch gelte<br />

es, e<strong>in</strong>en grundsätzlichen „Selbstzweifel<br />

mit Blick auf die eigene Geschichte, Kultur<br />

und Tradition“ abzuarbeiten und e<strong>in</strong>en<br />

„Neuaufbruch“ zu wagen. „Europa soll<br />

nicht nur um sich selbst kreisen, nicht nur<br />

wirtschaftliche Interessen verfolgen, sondern<br />

e<strong>in</strong>en Beitrag leisten zu e<strong>in</strong>er besseren<br />

Welt“, appellierte der Kard<strong>in</strong>al. Entgegen<br />

aktueller Tendenzen zur Renationalisierung<br />

und dem Wiedererstarken von E<strong>in</strong>zel<strong>in</strong>teressen<br />

müsse Europa zu „e<strong>in</strong>em positiven<br />

Programm für das 21. Jahrhundert“<br />

werden, das vor allem dem Menschen<br />

diene: „Wir s<strong>in</strong>d nicht die Retter der Welt,<br />

aber wir wollen e<strong>in</strong>en Beitrag leisten.“<br />

„Schicksalsgeme<strong>in</strong>schaft<br />

spüren“<br />

Zivilgesellschaftliche Gruppen wie die<br />

Geme<strong>in</strong>schaft Sant’Egidio sollten „die Idee<br />

Europa neu mit Leben anfüllen und voranbr<strong>in</strong>gen“,<br />

forderte Marx. Dies geschehe auf<br />

zwei Ebenen. Zum e<strong>in</strong>en müsse „an den<br />

großen Zielen“ weiter gearbeitet werden,<br />

an der geme<strong>in</strong>samen Charta der Grundrechte<br />

etwa, an e<strong>in</strong>er europäischen Identität<br />

und pr<strong>in</strong>zipieller Verbundenheit:<br />

„Europa kann nur dann lebendig werden,<br />

wenn Emotion da ist, wenn e<strong>in</strong>e Schicksalsgeme<strong>in</strong>schaft<br />

zu spüren ist.“ Zum<br />

anderen brauche es immer wieder „konkrete,<br />

politische Alltagsprojekte“, wie die<br />

Armutsbekämpfung, e<strong>in</strong>e ethisch <strong>in</strong>spirierte<br />

Wirtschaft oder den geme<strong>in</strong>samen<br />

Kampf gegen die Todesstrafe.<br />

Auch der Gründer der römischen Basisgeme<strong>in</strong>schaft<br />

Sant’Egidio, Andrea Riccardi,<br />

forderte, die Welt brauche e<strong>in</strong> starkes und<br />

vere<strong>in</strong>tes Europa: „Die europäische Sache<br />

ist zu ernst, um sie Wenigen zu überlassen.“<br />

Trotz der „Grenzen der <strong>in</strong>tellektuellen<br />

Klassen und Führungskräfte“ <strong>in</strong> Europa<br />

dürfe sich die Staatengeme<strong>in</strong>schaft nicht<br />

selbst „auf e<strong>in</strong>e Handvoll kle<strong>in</strong>er Länder“<br />

reduzieren. Vielmehr müssten „e<strong>in</strong>e Leidenschaft<br />

und e<strong>in</strong> Ethos“ neu wachsen, die von


allen geteilt würden: „Ansonsten schreiben<br />

wir ke<strong>in</strong>e Geschichte, sondern bleiben <strong>in</strong><br />

den Debatten unserer e<strong>in</strong>zelnen Länder<br />

gefangen.“<br />

Positive Abschlussbilanz<br />

„Wir haben nicht übere<strong>in</strong>ander gesprochen,<br />

sondern mite<strong>in</strong>ander“, erklärte Marx<br />

bei der Abschlussveranstaltung am 13. September<br />

2011 auf dem Münchner Marienplatz.<br />

„Wir s<strong>in</strong>d nicht ane<strong>in</strong>ander vorbeigegangen,<br />

sondern s<strong>in</strong>d uns begegnet. Wir<br />

haben gebetet, füre<strong>in</strong>ander und mite<strong>in</strong>ander,<br />

für den Frieden!“ Der Auftrag, dem sich<br />

die Geme<strong>in</strong>schaft Sant’Egidio stelle, sei<br />

Wirklichkeit geworden, und viele Verantwortliche<br />

aus Politik und Gesellschaft hätten<br />

sich davon bewegen lassen: „Aus dem<br />

Geist von Assisi und aus dem Geist von<br />

Sant’Egidio entsteht so e<strong>in</strong>e Inspiration für<br />

unsere Weltgeme<strong>in</strong>schaft! Unterschätzen<br />

Sie nicht die Kraft dieses Treffens! (...)<br />

Geben Sie die friedensstiftende Kraft e<strong>in</strong>es<br />

wirklichen Dialogs, die wir hier mite<strong>in</strong>ander<br />

erlebt haben, weiter <strong>in</strong> Ihre jeweiligen<br />

Verantwortungsbereiche! Erzählen Sie zu<br />

Hause davon! Begeistern Sie andere Menschen<br />

für unsere geme<strong>in</strong>same Sache! Für<br />

Der geme<strong>in</strong>same Appell der Religionen<br />

beim Münchener Friedenstreffen wurde<br />

am Dienstag, 13. September, auf dem<br />

Marienplatz feierlich verlesen. Hier der<br />

Wortlaut:<br />

FRIEDENSAPPELL<br />

Wir s<strong>in</strong>d Männer und Frauen aus<br />

unterschiedlichen Religionen und haben<br />

uns <strong>in</strong> München versammelt. Das geschieht<br />

auf E<strong>in</strong>ladung des Erzbistums<br />

München und Freis<strong>in</strong>g und der Geme<strong>in</strong>schaft<br />

Sant’Egidio, die seit 25 Jahren<br />

den „Geist von Assisi“ zielstrebig verbreitet.<br />

Wir danken allen, die <strong>in</strong> schwierigen<br />

Zeiten diese Hoffnung am Leben erhalten<br />

haben, während Brücken e<strong>in</strong>stürzten.<br />

Nach zehn Jahren, die gezeichnet waren<br />

von der Kultur der Gewalt und dem<br />

Wahns<strong>in</strong>n des Terrorismus und <strong>in</strong> e<strong>in</strong>er<br />

Welt, <strong>in</strong> der e<strong>in</strong> entfesselter Kapitalismus<br />

sche<strong>in</strong>bar das Geschehen beherrscht und<br />

sich e<strong>in</strong>e neue Armut zeigt, haben wir<br />

<strong>in</strong>negehalten, um <strong>in</strong> E<strong>in</strong>fachheit zu<br />

beten, aufe<strong>in</strong>ander zu hören und über die<br />

Zukunft nachzudenken. Diese Zusammenkunft<br />

zum Gebet und zum Dialog hat<br />

uns verändert! In den Zeugnissen vieler<br />

haben wir die Sehnsucht nach e<strong>in</strong>er<br />

neuen Zeit wahrgenommen.<br />

Die Versuchung ist groß, verschlossen<br />

zu leben und auch die Religionen zur Ab-<br />

Prof. Andrea Riccardi, Karlspreisträger 2009, Bbr. Re<strong>in</strong>hard Kard<strong>in</strong>al Marx,<br />

Erzbischof von München und Freis<strong>in</strong>g.<br />

den Frieden und die Zukunft der Welt s<strong>in</strong>d<br />

wir alle verantwortlich. Deshalb dürfen und<br />

grenzung zu benutzen. Diese Versuchung<br />

hat sich durch die Weltwirtschaftskrise<br />

noch zugespitzt. Die Welt sche<strong>in</strong>t teilweise<br />

das Bewusstse<strong>in</strong> der eigenen<br />

Begrenztheit verloren zu haben. Sie neigt<br />

häufig dazu, mehr das Trennende zu<br />

suchen, als die Sympathie gegenüber<br />

dem anderen. Sie achtet mehr auf die<br />

Bedürfnisse des Ich als auf das Geme<strong>in</strong>wohl.<br />

In vielen Regionen der Welt s<strong>in</strong>d<br />

zunehmende Gewalt und e<strong>in</strong>e S<strong>in</strong>nkrise<br />

spürbar. E<strong>in</strong>e Wende ist notwendig!<br />

Die Globalisierung bietet nämlich<br />

zahlreiche Chancen, doch sie benötigt<br />

e<strong>in</strong>e Seele. Der Egoismus führt zu e<strong>in</strong>er<br />

Zivilisation des Todes und br<strong>in</strong>gt auch<br />

real vielen Menschen den Tod. Daher<br />

müssen wir den Blick erheben, uns für die<br />

Zukunft öffnen und fähig werden, e<strong>in</strong>e<br />

Globalisierung der Gerechtigkeit zu verwirklichen.<br />

Mit Entschiedenheit müssen<br />

wir uns mit der Frage des Friedens <strong>in</strong> all<br />

se<strong>in</strong>en Facetten beschäftigen. Denn wir<br />

s<strong>in</strong>d zum Zusammenleben bestimmt und<br />

tragen alle die Verantwortung für die<br />

Kunst des Zusammenlebens. In der heutigen<br />

Zeit hat sich der Dialog als <strong>in</strong>telligente<br />

und friedliche Waffe erwiesen. Er ist die<br />

Antwort auf die Prediger des Terrors, die<br />

sogar die Worte der Religionen verwenden,<br />

um Hass zu verbreiten und die Welt<br />

zu spalten. Nichts ist verloren mit dem<br />

Dialog. Hier <strong>in</strong> München haben wir die<br />

Sprache des Dialogs und der Freundschaft<br />

gesprochen. Denn ke<strong>in</strong> Mann,<br />

wollen wir ke<strong>in</strong>e Mühe scheuen. Friede ist<br />

jeden E<strong>in</strong>satz wert!“, so Kard<strong>in</strong>al Marx.<br />

ke<strong>in</strong>e Frau und ke<strong>in</strong> Volk ist e<strong>in</strong>e Insel, es<br />

gibt nur e<strong>in</strong> Schicksal, e<strong>in</strong> geme<strong>in</strong>sames<br />

Schicksal.<br />

Betrachten wir uns mit größerer<br />

Sympathie, dann wird vieles, ja alles möglich<br />

se<strong>in</strong>. Es ist an der Zeit, sich zu ändern.<br />

Die Welt benötigt mehr Hoffnung und<br />

mehr Frieden. Wir können wieder neu lernen,<br />

nicht gegene<strong>in</strong>ander, sondern mite<strong>in</strong>ander<br />

zu leben. Wir s<strong>in</strong>d uns der<br />

Verantwortung der Religionen für die<br />

Gefährdung des Friedens bewusst, immer<br />

dann, wenn sie nicht den Blick nach oben<br />

gerichtet haben. Wer den Namen Gottes<br />

gebraucht, um den anderen zu hassen<br />

und zu töten, lästert den heiligen Namen<br />

Gottes. Daher können wir sagen: Es gibt<br />

ke<strong>in</strong>e Zukunft im Krieg! Es gibt ke<strong>in</strong>e<br />

Alternative zum Dialog. Der Dialog ist e<strong>in</strong><br />

e<strong>in</strong>faches Werkzeug, das alle nutzen können.<br />

Durch den Dialog können wir e<strong>in</strong><br />

neues Jahrzehnt und Jahrhundert <strong>in</strong><br />

Frieden gestalten. Seien wir alle Handwerker<br />

des Friedens. Möge Gott unserer<br />

Welt wirklich das wunderbare Geschenk<br />

des Friedens machen.<br />

München, 13. September 2011<br />

Quellen und L<strong>in</strong>ks:<br />

www.erzbistum-muenchen.de,<br />

www.santegidio.de,<br />

www.friedenstreffen.de<br />

unitas 4/2011 287


„Politik war für Robert Schuman Dienst am Nächsten“<br />

VON DER JAHRESTAGUNG DES „INSTITUT ST. BENOÎT“ IN SCY-CHAZELLES / BISTUM METZ<br />

SCY-CHAZELLES. Die Jahresversammlung des „Institut St. Benoît“ 2011 hat <strong>in</strong> mehreren Vorträgen die Bedeutung von Bbr. Robert Schuman<br />

für heute beleuchtet. Das <strong>in</strong> se<strong>in</strong>er Heimatdiözese Metz im französischen Scy-Chazelles/Lothr<strong>in</strong>gen ansässige Institut hat sich zur Aufgabe<br />

gemacht, die Er<strong>in</strong>nerung an Robert Schuman als vorbildlichen Christen wachzuhalten und so den Weg zur Selig- und Heiligsprechung zu<br />

bereiten.<br />

288<br />

Die Politik als Weg zur Heiligkeit. Das Beispiel von Robert Schuman<br />

VON THIBAULT BAZIN<br />

Ich b<strong>in</strong> 26 Jahre alt, verheiratet und seit<br />

drei Jahren Bürgermeister e<strong>in</strong>er kle<strong>in</strong>en<br />

Geme<strong>in</strong>de von 2.400 E<strong>in</strong>wohnern. Ich versuche,<br />

<strong>in</strong> der Politik <strong>in</strong> der Nachfolge<br />

Christi e<strong>in</strong>en Weg zur Heiligkeit zu sehen.<br />

Deshalb empfehle ich Gott me<strong>in</strong>e Geme<strong>in</strong>de<br />

und me<strong>in</strong>e Mitarbeiter. Ich versuche,<br />

zwei Gebote zu erfüllen: den Nächsten<br />

zu lieben und den Frieden herzustellen<br />

und deshalb die, die zerstritten s<strong>in</strong>d, mite<strong>in</strong>ander<br />

zu versöhnen.<br />

In me<strong>in</strong>em Büro habe ich e<strong>in</strong>e Ikone der<br />

Heiligen Familie und e<strong>in</strong> Bild von Robert<br />

Schuman. Ihnen vertraue ich me<strong>in</strong>e Schwierigkeiten<br />

an, sobald sie auftauchen. B<strong>in</strong> ich<br />

doch schwach und ihrer Hilfe bedürftig!<br />

Wir brauchen Heilige <strong>in</strong> der Politik –<br />

Heilige nach dem Vorbild von Robert Schuman.<br />

Das Institut Sankt Benedikt will es<br />

sichtbar machen und lebendig erhalten.<br />

Der selige Papst Johannes Paul II. verwies<br />

uns auf das Beispiel von Robert Schuman.<br />

Papst Johannes Paul II. er<strong>in</strong>nerte daran,<br />

dass es Aufgabe der Laien ist zu zeigen,<br />

dass nur der christliche Glaube erschöpfende<br />

Antwort gibt auf die vielfältigen<br />

Fragen, die das Leben jedem Menschen<br />

und jeder menschlichen Geme<strong>in</strong>schaft<br />

stellt. Von größter Wichtigkeit ist darum<br />

die Arbeit derjenigen, die sich berufen wissen,<br />

<strong>in</strong> besonderer Weise dem Geme<strong>in</strong>wohl<br />

zu dienen nach dem Beispiel derer,<br />

die wir die „Väter Europas“ nennen und die<br />

sich bemüht haben, der Europäischen<br />

Geme<strong>in</strong>schaft e<strong>in</strong>e geistige und geistliche<br />

Grundlage zu geben. Sie stützten sich auf<br />

die Soziallehre der Kirche und zeigten, dass<br />

ihr politisches Engagement e<strong>in</strong> echter Weg<br />

zur Heiligkeit ist.<br />

Robert Schuman meditierte täglich<br />

das Wort Gottes. Man sagte von ihm, dass<br />

er sich zur Arbeit begab wie e<strong>in</strong> Priester,<br />

der die Kanzel besteigt. Nie hat er bei den<br />

Wahlkämpfen se<strong>in</strong>e Gegner persönlich<br />

angegriffen. In jedem Menschen sah er das<br />

Ebenbild Gottes. Er war obendre<strong>in</strong>, was die<br />

öffentlichen F<strong>in</strong>anzen angeht, so sparsam,<br />

unitas 4/2011<br />

dass er Wert darauf legte, dass <strong>in</strong> se<strong>in</strong>em<br />

M<strong>in</strong>isterium abends alle Lichter ausgeschaltet<br />

wurden. Er lehnte alle Vorrechte<br />

ab, auf die er als M<strong>in</strong>ister Anspruch gehabt<br />

hätte, etwa e<strong>in</strong> eigenes Abteil bei se<strong>in</strong>en<br />

Fahrten mit der Bahn.<br />

Papst Johannes Paul II. hatte sich lange<br />

bemüht, e<strong>in</strong>en H<strong>in</strong>weis auf Gott <strong>in</strong> die<br />

Europäische Verfassung aufnehmen zu lassen.<br />

Als diese Bemühungen sich als vergeblich<br />

erwiesen, zog er e<strong>in</strong>e neue Waffe aus<br />

der Scheide, um se<strong>in</strong>em Kreuzzug zur<br />

Neuevangelisierung Europas neuen Impuls<br />

zu verleihen: die Seligsprechung von<br />

Robert Schuman, der am Anfang der politischen<br />

E<strong>in</strong>igung Europas stand. Und<br />

schließlich darf man nicht vergessen, dass<br />

die europäische Flagge e<strong>in</strong> christliches<br />

Symbol ist: blau mit zwölf goldenen Sternen,<br />

wie es e<strong>in</strong> der Bibel, genauer der Geheimen<br />

Offenbarung entnommenes Bild<br />

ist, das oft der Darstellung der seligen<br />

Jungfrau Maria diente. Auch daran wollte<br />

der Papst durch die Seligsprechung von<br />

Robert Schuman er<strong>in</strong>nern.<br />

Robert Schuman, Lothr<strong>in</strong>ger, Franzose,<br />

Europäer, verwirklichte das Programm, das<br />

Papst Johannes Paul II., <strong>in</strong> se<strong>in</strong>em Apostolischen<br />

Schreiben „Christifideles laici“ über<br />

die Berufung der Laien <strong>in</strong> der Kirche und <strong>in</strong><br />

der Welt aufgezeigt hatte:„Die Laien können<br />

absolut nicht darauf verzichten, sich <strong>in</strong> der<br />

Politik zu engagieren, nämlich <strong>in</strong> der vielfältigen<br />

Tätigkeit <strong>in</strong> Wirtschaft, Gesellschaft,<br />

Gesetzgebung, Verwaltung, Kultur, deren<br />

Ziel es ist, das Allgeme<strong>in</strong>wohl zu fördern.“<br />

Was will das Institut Sankt Benedikt, und<br />

was ist die Aufgabe se<strong>in</strong>er Mitglieder?<br />

Se<strong>in</strong>e Statuten: Die Geschichte zeigt, dass<br />

e<strong>in</strong>e Regierung ihre schönsten Früchte<br />

trägt, wenn sie uneigennützig handelt. Im<br />

Laufe der Jahrhunderte haben Männer<br />

und Frauen das bezeugt.<br />

E<strong>in</strong> Beispiel dafür ist Robert Schuman.<br />

Se<strong>in</strong> Leben, se<strong>in</strong> Gedankengut und se<strong>in</strong><br />

politisches Handeln s<strong>in</strong>d e<strong>in</strong> Beispiel für<br />

Menschlichkeit, Redlichkeit und Solidari-<br />

tät. Durch das, was er an Neuem auf die<br />

Be<strong>in</strong>e gestellt hat, wurde er zu e<strong>in</strong>em der<br />

großen Friedensstifter im 20. Jahrhundert.<br />

Die zukünftigen Generationen werden<br />

sich von ihm <strong>in</strong>spirieren lassen können. Die<br />

Kirche besitzt <strong>in</strong> ihm erwiesenermaßen<br />

e<strong>in</strong>en treuen Diener.<br />

Am 15. August 1988 hat Robert Schumans<br />

früherer Privatsekretär und enger<br />

Mitarbeiter Professor René Lejeune zusammen<br />

mit e<strong>in</strong>igen europäischen Persönlichkeiten,<br />

die zutiefst von der Heiligkeit dieses<br />

Vaters Europas überzeugt waren, das Institut<br />

Sankt Benedikt. Patron Europas gegründet.<br />

Dieses Institut will vor allem die Schritte<br />

unternehmen, die notwendig s<strong>in</strong>d für<br />

e<strong>in</strong>en Heiligsprechungsprozess für Robert<br />

Schuman. Dazu gehört die Beschaffung der<br />

erforderlichen f<strong>in</strong>anziellen Mittel, der<br />

Schriften und sonstigen Zeugnisse, die diesem<br />

Zwecke dienlich s<strong>in</strong>d. Dazu gehört aber<br />

auch das Bemühen, <strong>in</strong> Europa, <strong>in</strong> aller Welt<br />

und <strong>in</strong> der Kirche selbst die Er<strong>in</strong>nerung an<br />

Robert Schuman wachzuhalten, diesen<br />

Staatsmann und vorbildlichen Christen.<br />

In diesem S<strong>in</strong>ne bleibt das Institut<br />

Sankt Benedikt bestrebt, mit allen geeigneten<br />

Mitteln das Ideal von Heiligkeit <strong>in</strong> der<br />

Politik, wie es <strong>in</strong> Robert Schuman Gestalt<br />

geworden ist, wachzuhalten und den<br />

neuen Generationen <strong>in</strong> Frankreich und<br />

Europa bekannt zu machen und Robert<br />

Schuman um se<strong>in</strong>e Fürsprache zu bitten.<br />

Aktion heißt Unterstützung des Seligsprechungsprozesses,<br />

e<strong>in</strong>erseits f<strong>in</strong>anziell,<br />

andererseits durch Bekanntmachung se<strong>in</strong>es<br />

Rufs der Heiligkeit, <strong>in</strong> Deutschland mit<br />

Unterstützung der Adenauer-Stiftung bzw.<br />

des Adenauer-Hauses, <strong>in</strong> Italien mit Unterstützung<br />

der Stiftung „de Gasperi“ sowie<br />

durch Vorbereitung von Feierlichkeiten zur<br />

Begehung des 50. Todestages von Robert<br />

Schuman am 4. September 2013.<br />

Thibault Baz<strong>in</strong> ist Bürgermeister<br />

von Rosières-aux-Sal<strong>in</strong>es/Meurtheet-Moselle


Robert Schuman – Heiligkeit <strong>in</strong> der Politik<br />

VON DR. GUY VILLAROS<br />

In Robert Schuman haben Heiligkeit<br />

und Politik zue<strong>in</strong>ander gefunden. Unter<br />

Heiligkeit versteht man oft zu Unrecht<br />

heldenhafte Aszese, beharrliche Übung<br />

von Tugenden und siegreiches Bestehen<br />

von Versuchungen. Man ergeht sich <strong>in</strong><br />

Superlativen und vergisst, dass Heiligkeit<br />

nicht über den Sternen gelebt wird, sondern<br />

hier <strong>in</strong> dem bescheidenen alltäglichen<br />

menschlichen Leben. So will es das<br />

Evangelium.<br />

Auch von Politik hat man nur zu leicht<br />

falsche Vorstellungen. Politiker ist für viele<br />

e<strong>in</strong>er, der vor allem an sich selber denkt,<br />

an se<strong>in</strong> Fortkommen, an se<strong>in</strong> Bekanntwerden,<br />

an se<strong>in</strong>e Chancen bei der nächsten<br />

Wahl, e<strong>in</strong>er, der verspricht, was er<br />

nicht halten kann, und dem man schließlich<br />

ke<strong>in</strong> Wort mehr glaubt. Wenn man so<br />

e<strong>in</strong>en heilig nennen sollte, wäre das e<strong>in</strong><br />

Skandal. Wenn man aber unter Politik das<br />

selbstlose Sich-Engagieren für den Nächsten<br />

versteht, für die Geme<strong>in</strong>schaft und für<br />

jeden e<strong>in</strong>zelnen, besonders den, der der<br />

Hilfe am meisten bedürftig ist, dann ist<br />

Politik e<strong>in</strong>e Tat der Nächstenliebe.<br />

Um noch e<strong>in</strong>mal auf das Verlangen<br />

nach Heiligkeit zurückzukommen, er<strong>in</strong>nere<br />

ich zunächst an das Wort, das Jesus<br />

selbst gesprochen hat: „Seid heilig, so wie<br />

me<strong>in</strong> Vater heilig ist."<br />

So will Gott uns haben. So lautet se<strong>in</strong>e<br />

Bitte, se<strong>in</strong>e Aufforderung, se<strong>in</strong>e E<strong>in</strong>ladung.<br />

Heiligkeit ist Antwort auf e<strong>in</strong>e<br />

E<strong>in</strong>ladung.<br />

Und wie kann man heilig se<strong>in</strong> wie der<br />

Vater im Himmel? Indem man ohne Vorbed<strong>in</strong>gungen<br />

liebt, <strong>in</strong>dem man liebt, wie<br />

Jesus geliebt hat, der auf die Bitte von<br />

Philippus, ihm den Vater zu zeigen, antwortete:„Wer<br />

mich sieht, sieht den Vater.“<br />

Jesus, das Mensch gewordene Wort<br />

Gottes, der auf dieser Erde gelebt hat wie<br />

e<strong>in</strong>er von uns, hat uns gezeigt, was es<br />

heißt – und wie das geht –, heilig zu se<strong>in</strong><br />

wie der Vater. Er nimmt uns an die Hand<br />

und sagt uns: Habt ke<strong>in</strong>e Angst. Ich b<strong>in</strong><br />

der Weg. Ich b<strong>in</strong> das Vorbild, dem ihr nacheifern<br />

sollt.<br />

Dr. Guy Villaros war Präsident der<br />

Theologischen Kommission des<br />

Bistums Metz, die das Dossier für das<br />

Verfahren der Seligsprechung vorbereitete,<br />

das im Juni 2004 nach Rom<br />

g<strong>in</strong>g.<br />

Wir s<strong>in</strong>d auch <strong>in</strong> der Lage, heilig zu<br />

se<strong>in</strong> wie der Vater, denn er hat uns, wie die<br />

Bibel <strong>in</strong> ihrem ersten Kapitel schreibt,<br />

nach se<strong>in</strong>em Bild und Gleichnis geschaffen<br />

und damit <strong>in</strong> der Lage, über eigenen<br />

Verstand und eigenen freien Willen h<strong>in</strong>aus<br />

uns dem Geiste Gottes zu öffnen, und,<br />

weil wir nach Gottes Gleichnis geschaffen<br />

s<strong>in</strong>d, auch auf Gottes Stimme zu hören<br />

und zu tun, was sie sagt. Und sie sagt: Seid<br />

heilig, so wie auch ich heilig b<strong>in</strong>. Dann lebt<br />

ihr so, wie Gott es von euch erwartet.<br />

Dann lebt ihr dem Plan entsprechend, den<br />

Gott von euch hat.<br />

Im alttestamentlichen Buch Deuteronomium<br />

sagt Gott uns, wie wir heilig und<br />

damit so werden können, wie Gott uns<br />

haben will. Gott sagt uns dort zweierlei.<br />

E<strong>in</strong>mal: Höre. Und zum anderen: Liebe<br />

Gott und liebe de<strong>in</strong>en Nächsten.<br />

Heilig ist e<strong>in</strong>er, der auf Gottes Wort<br />

hört. Und man vernimmt Gottes Wort und<br />

se<strong>in</strong> Anklopfen im betrachtenden Gebet,<br />

so wie Therese von Avila es uns gelehrt<br />

hat, auch <strong>in</strong> der Stille der Berge, abseits<br />

vom Lärm der Straßen, und nicht zuletzt,<br />

ja eigentlich erst recht im Lesen der<br />

Evangelien.<br />

Robert Schuman war eifrig darauf<br />

bedacht, Gottes Stimme zu vernehmen: <strong>in</strong><br />

der E<strong>in</strong>samkeit der Berge, <strong>in</strong> der Zurückgezogenheit<br />

<strong>in</strong> Klöstern, <strong>in</strong> der Abgeschlossenheit<br />

von allem äußeren Geschehen<br />

während se<strong>in</strong>er Gefangenschaft. Er nannte<br />

sich selbst e<strong>in</strong> K<strong>in</strong>d des Gebetes. Täglich<br />

hielt er, so lange und soweit es g<strong>in</strong>g, se<strong>in</strong>e<br />

lectio div<strong>in</strong>a.<br />

Hörender war er nicht zuletzt <strong>in</strong><br />

menschlichen Begegnungen, die die göttliche<br />

Vorsehung ihm schenkte: durch<br />

se<strong>in</strong>e Mutter, durch se<strong>in</strong>e Lehrer, durch<br />

se<strong>in</strong>e Freunde <strong>in</strong> der <strong>Unitas</strong>, durch die<br />

Ratschläge se<strong>in</strong>es Bischofs, durch die<br />

Bee<strong>in</strong>flussung von Philosofen wie Jacques<br />

Marita<strong>in</strong>.<br />

Se<strong>in</strong> Hören mündete <strong>in</strong> dem Befolgen<br />

des zweiten Gebotes. Liebe Gott und liebe<br />

de<strong>in</strong>en Nächsten. Aus dem Beter, um nicht<br />

zu sagen Mystiker, erwuchs der Politiker.<br />

Was ist Politik?<br />

Politik ist nämlich recht verstanden<br />

Verwirklichung der Nächstenliebe, so wie<br />

Jesus sie uns vorgelebt hatte, erst recht,<br />

als er am Vorabend se<strong>in</strong>es Leidens se<strong>in</strong>en<br />

Jüngern die Füße wusch.<br />

Politik war für Robert Schuman Dienst<br />

am Nächsten, auch Sich-Orientieren an<br />

der Soziallehre der Kirche. Darum pochte<br />

er nach den Verwüstungen des Zweiten<br />

Weltkrieges auf das vordr<strong>in</strong>gliche Streben<br />

nach dem Geme<strong>in</strong>wohl, das allen und<br />

nicht nur e<strong>in</strong>igen Privilegierten zugutekommt,<br />

erst recht den Armen und Zukurz-Gekommenen,<br />

das das Privateigentum<br />

nicht als absoluten Wert ansieht,<br />

sondern als Mittel zur Praktizierung der<br />

Nächstenliebe.<br />

Während se<strong>in</strong>er ganzen Zeit als<br />

M<strong>in</strong>ister hat er erstaunliche Beispiele für<br />

die Übung der Nächstenliebe geliefert. Er<br />

zeigte dar<strong>in</strong> Klugheit, Gerechtigkeit.<br />

Sicherheit und gesundes Maß.<br />

Er war Vorbild, um nicht zu sagen<br />

Modell e<strong>in</strong>es Politikers, der Politik und<br />

Heiligkeit mite<strong>in</strong>ander verband und versöhnte.<br />

Überließ er sich doch ganz dem<br />

Willen Gottes, überzeugt, dass Gott <strong>in</strong> der<br />

Geschichte gegenwärtig ist und se<strong>in</strong>e<br />

Vorsehung uns leitet. Gott und se<strong>in</strong>e<br />

Brüder, für diese war er da und suchte für<br />

sich selbst nicht Ehre. Gew<strong>in</strong>n oder<br />

Macht. Er war treu im Gebet. Wie Maria<br />

bewahrte er Gott, so wie er ihn erfuhr,<br />

<strong>in</strong> se<strong>in</strong>em Herzen und stärkte so se<strong>in</strong>en<br />

Glauben, se<strong>in</strong>e Hoffnung und se<strong>in</strong>e Liebe.<br />

Die zwei Zusammenfassungen der im<br />

Mai gehaltenen Vorträge zu Leben und<br />

Wirken des ehemaligen französischen<br />

Außenm<strong>in</strong>isters und „Erf<strong>in</strong>ders“ des<br />

Schuman-Plans erreichten unsere Zeitung<br />

durch Dr. Gerhard Müller-Chorus<br />

aus Wachtberg, der zu Robert Schuman<br />

als Festredner beim Bonner Vere<strong>in</strong>sfest<br />

im Dezember 2010 sprach (s. unitas<br />

1/2011). In se<strong>in</strong>em Brief heißt es:<br />

„Ich würde mich freuen, wenn Sie durch<br />

die Weitervermittlung der Gedanken der<br />

französischen Freunde Robert Schumans<br />

an die Unitarier <strong>in</strong> Deutschland mithelfen,<br />

Robert Schuman auch hier <strong>in</strong><br />

Deutschland unseren jungen Menschen<br />

als christliches Vorbild vor Augen zu stellen.<br />

Während Dr. Guy Villaros, seit Jahren<br />

mit dem Verfahren der Seligsprechung<br />

<strong>in</strong>tensiv befasst, über Heiligkeit <strong>in</strong> der<br />

Politik reflektiert, zeigt das Referat von<br />

Th. Baz<strong>in</strong>, des noch jungen 26-jährigen<br />

Bürgermeisters e<strong>in</strong>er lothr<strong>in</strong>gischen<br />

Geme<strong>in</strong>de, wie das Beispiel Schumans<br />

junge Menschen <strong>in</strong> der praktischen<br />

Politik <strong>in</strong>spiriert.“<br />

unitas 4/2011 289


Papst Benedikt auf allen Frequenzen und Kanälen<br />

WELTJUGENDTAG IN MADRID – PAPSTREISE NACH BERLIN, ERFURT UND FREIBURG<br />

„Der persönliche Grundwasserspiegel<br />

des Glaubens ist durch den WJT 2005 <strong>in</strong><br />

Köln angestiegen. Der geistliche Grundwasserspiegel<br />

bei den Katholiken <strong>in</strong><br />

Deutschland steigt aber nicht durch bunte<br />

Fernsehbilder!“<br />

So zitierte Bbr. Stefan Klose (<strong>Unitas</strong><br />

Frankonia Eichstätt) im August Teilnehmer<br />

aus der <strong>Unitas</strong> fünf Jahre nach dem Kölner<br />

Weltjugendtag. Se<strong>in</strong>e Bilanz Mitte August<br />

<strong>in</strong> der „Tagespost“ 1 zog e<strong>in</strong> gemischtes Fazit<br />

zur Nachhaltigkeit des Events, bei dem über<br />

e<strong>in</strong>e Million Menschen die größte Messe<br />

auf deutschem Boden feierten. Viel Freude,<br />

Staunen und Dankbarkeit sei damals dabei<br />

gewesen, so die Auswertung e<strong>in</strong>er Befragung<br />

von teilnehmenden <strong>Unitas</strong>-Mitgliedern,<br />

über Geme<strong>in</strong>schaft, <strong>in</strong>ternationale<br />

Begegnung, neue GIaubensgespräche,<br />

Stärkung zu durchaus missionarischem<br />

Tun, zu Engagement über die WJT-Tage h<strong>in</strong>aus.<br />

Jetzt kamen mit vielen bunten Fernsehbildern<br />

aus Madrid viele Er<strong>in</strong>nerungen<br />

zurück.<br />

Die Botschaft ist und blieb auch hier<br />

dieselbe: „Bewahrt Christus nicht für euch<br />

selbst! Teilt eure Glaubensfreude den anderen<br />

mit!“, mahnte Papst Benedikt <strong>in</strong> se<strong>in</strong>er<br />

Predigt bei der Abschlussmesse vor 1,5<br />

Millionen auf dem Flugplatzgelände<br />

Cuatro Vientos.<br />

2 „Die Welt braucht das<br />

Zeugnis eures Glaubens, sie<br />

hat Gott gewiss nötig“,<br />

er<strong>in</strong>nerte er an den Auftrag<br />

Jesu „Geht h<strong>in</strong>aus <strong>in</strong> die<br />

ganze Welt, und verkündet<br />

das Evangelium allen Geschöpfen!“<br />

(Mk 16,15).<br />

Der Glaube setze e<strong>in</strong>e<br />

persönliche Beziehung zu<br />

Christus voraus, erfordere<br />

die Zustimmung der ganzen Person mit<br />

ihrem Verstand, ihrem Willen und ihren<br />

Gefühlen zur Selbstoffenbarung Gottes.<br />

Jesus im Glauben nachfolgen aber heiße, <strong>in</strong><br />

der Geme<strong>in</strong>schaft der Kirche mit ihm zu<br />

gehen: „Glauben haben heißt, dass du dich<br />

auf den Glauben de<strong>in</strong>er Brüder stützt, und<br />

de<strong>in</strong> Glaube ist Stütze für den Glauben der<br />

anderen“, so Papst Benedikt. Verbunden<br />

mit Pfarreien, Geme<strong>in</strong>den und Bewegungen<br />

zu se<strong>in</strong>, an jedem Sonntag die Eucharistie<br />

zu empfangen, Beichte, regelmäßige<br />

Anbetung und Betrachtung des Wortes<br />

Gottes seien für das Wachsen <strong>in</strong> der<br />

Freundschaft mit Christus entscheidend. Es<br />

sei unmöglich, ihm zu begegnen und ihn<br />

nicht den anderen bekannt zu machen –<br />

auch dort, wo Ablehnung oder Gleichgültigkeit<br />

herrschten: „Auch euch obliegt<br />

290<br />

unitas 4/2011<br />

die außerordentliche Aufgabe, Jünger und<br />

Missionare Christi <strong>in</strong> anderen Gegenden<br />

und Ländern zu se<strong>in</strong>, wo es viele junge<br />

Menschen gibt, die nach Größerem streben<br />

und <strong>in</strong> ihrem Herzen die Möglichkeit von<br />

echteren Werten ausmachen“, forderte<br />

Papst Benedikt.<br />

CREDO – ich glaube<br />

Der Impuls wurde an anderer Stelle<br />

gleich umgesetzt. Denn während man noch<br />

über organisatorische Mängel des Weltjugendtags<br />

diskutierte und Bilder von Anti-<br />

Papst-Demos verstörten, blieben nur noch<br />

wenige Tage bis zur päpstlichen Deutschlandreise.<br />

Und kurzfristig organisierte Bbr.<br />

Dr. Christoph Lehmann (<strong>Unitas</strong> Berl<strong>in</strong>) mit<br />

der von ihm gegründeten Initiative „Credo“<br />

e<strong>in</strong>e Sternwallfahrt von Köln nach Berl<strong>in</strong>. 3<br />

Se<strong>in</strong> Anliegen: „Damit dürfte es uns gel<strong>in</strong>gen,<br />

die Vorberichterstattung zum Papstbesuch<br />

– allen Demonstrationen und Gegnern<br />

zum Trotz – mit positiven Zeichen und<br />

Geschichten zu bestücken.“ Die Aktion sei<br />

„e<strong>in</strong>e große Chance, auf unseren Glauben<br />

aufmerksam zu machen, Glauben grundsätzlich<br />

<strong>in</strong> der Gesellschaft zu thematisieren<br />

und das Verb<strong>in</strong>dende und Kraftspendende<br />

des Glaubens herauszustellen.“<br />

Nach Aussendung durch<br />

Bbr. Kard<strong>in</strong>al Meisner am 23.<br />

August im Kölner Dom führten<br />

30 Tagesetappen entlang<br />

alter Pilgerwege auf<br />

rund 600 Kilometern durch<br />

fünf Bistümer – im Gepäck<br />

e<strong>in</strong> zweimal 1,5 Meter großer<br />

Fisch als Symbol des<br />

christlichen Glaubens und<br />

begleitet von e<strong>in</strong>er Fanseite<br />

auf Facebook. Rund 2.000<br />

Geme<strong>in</strong>den wurden über<br />

die Staffelwallfahrt kommunikativ erreicht,<br />

zahlreiche Zeitungen und Rundfunksender<br />

berichteten. Der durch den neuen Berl<strong>in</strong>er<br />

Erzbischof Ra<strong>in</strong>er Woelki empfangene blauweiße<br />

CREDO-Fisch stand bei der Papstmesse<br />

im Olympiastadion zentral im<br />

Mittelgang – das Papamobil hielt kurz an.<br />

Die Medienwelt<br />

im Rausch der Bilder<br />

Was ist nun überhaupt <strong>in</strong> diesen vier<br />

Tagen der Apostolischen Reise nach<br />

Deutschland geschehen? Immerh<strong>in</strong>: Die<br />

Sender coverten sie mit dem ganz großen<br />

Besteck. Wie im Rausch begleiteten<br />

Kameras die Tour – ke<strong>in</strong>e Nachrichten ohne<br />

Papst. Sie lieferten bee<strong>in</strong>druckende Nah-<br />

aufnahmen, lichteten gigantische Szenen<br />

ab, e<strong>in</strong>e Flut von Bildern ergoss sich über<br />

die Bildschirme, täglich neue Schlagzeilen<br />

<strong>in</strong> der Presse. Jedes Prov<strong>in</strong>zblatt hatte bald<br />

den lokalen Dreh auf die Reise, die Edelfedern<br />

der Magaz<strong>in</strong>e reagierten zwischen<br />

„gut abgehangen“ und „gut e<strong>in</strong>sortiert“.<br />

Pflichtbewusst, vielfach kritisch, zunehmend<br />

aber sogar engagiert und seltsam<br />

bee<strong>in</strong>druckt, schien es. Fast zu viel Papst auf<br />

e<strong>in</strong>mal für manche. Für die über 2.500<br />

Journalisten im Tross – unter ihnen sogar<br />

arabische und ch<strong>in</strong>esische TV-Sender – war<br />

es schon schwer genug, mit der irritierend<br />

eng getakteten Tagesordnung des „Eiligen<br />

Vaters“ durch die Republik Schritt zu halten.<br />

Wer live mit dabei se<strong>in</strong> wollte, hatte eh die<br />

Qual der Wahl. Nicht zuletzt für den <strong>Unitas</strong>-<br />

Verband war die Reise e<strong>in</strong> logistisches<br />

Problem. Bei allen Stationen waren Bundesbrüder<br />

und -schwestern dabei, Abordnungen<br />

traten <strong>in</strong> Berl<strong>in</strong>, Erfurt und Freiburg an,<br />

um Flagge zu zeigen.<br />

Viel schwerer noch blieb die Gewichtung<br />

des Besuchs: E<strong>in</strong> Papst im<br />

Bundestag und <strong>in</strong> der ehemaligen „DDR“,<br />

das Treffen mit der Evangelischen Kirche <strong>in</strong><br />

Erfurt – allemal alles historisch, schlagzeilenträchtig!<br />

Dabeise<strong>in</strong> war alles – nur was<br />

würde bleiben?<br />

Die Schwerpunkte waren klar, manches<br />

andere dagegen blieb den Medien streng<br />

verborgen, Spekulationen – etwa über das<br />

Treffen mit Missbrauchsopfern – schossen<br />

immer wieder <strong>in</strong>s Kraut. Alles <strong>in</strong> allem e<strong>in</strong><br />

„Megaprogramm für e<strong>in</strong>en 84-Jährigen“, so<br />

war durchaus mit viel Respekt immer wieder<br />

zu hören, als „historischer Besuch“ galt<br />

er auch. Doch noch immer geben manche<br />

angesprochenen Themen auf der Reise<br />

offensichtlich Rätsel auf, enttäuschte<br />

Hoffnungen auf klare Worte fanden <strong>in</strong> den<br />

Medien viel Raum. Vielleicht war alles auch<br />

nur schwer zu dolmetschen, vielleicht war<br />

es schlicht irgendwie doch zu viel auf e<strong>in</strong>-


mal. Vielleicht g<strong>in</strong>g es aber doch eigentlich<br />

<strong>in</strong> der Flut der vielen Bilder immer um dieselbe<br />

Botschaft. Tagebuchsplitter von e<strong>in</strong>er<br />

denkwürdigen Woche …<br />

22. September:<br />

Vor dem Bundestag<br />

Mit größter Spannung erwartet und<br />

umstritten: Die Rede vor dem Deutschen<br />

Bundestag. Freundlich begrüßt – und hier<br />

wird deutlich: Hier äußert sich nicht „nur“<br />

das Oberhaupt des Zwergstaats Vatikan.<br />

Papst Benedikt XVI. spricht nicht zu e<strong>in</strong>zelnen<br />

Politikfeldern, wie mit klaren Ansagen<br />

erwartet. Sondern zur Grundlage aller<br />

Politik. Mit e<strong>in</strong>er Rede zur Herkunft und<br />

Begründung des Rechts sorgt er für e<strong>in</strong>e<br />

Überraschung. 4 Nachdrücklich macht er<br />

deutlich, dass das Recht <strong>in</strong> der Demokratie<br />

nicht alle<strong>in</strong> auf Mehrheitsbeschlüsse gegründet<br />

werden könne, wenn die Menschenwürde<br />

zur Debatte stehe.<br />

„Von dieser Überzeugung her haben<br />

die Widerstandskämpfer gegen das Naziregime<br />

und gegen andere totalitäre Regime<br />

gehandelt und so dem Recht und der<br />

Menschheit als Ganzes e<strong>in</strong>en Dienst erwiesen“,<br />

sagt er. Und wendet sich deutlich<br />

gegen das Absolutsetzen e<strong>in</strong>es positivistischen<br />

Konzepts von Natur und Vernunft,<br />

das die Menschlichkeit bedrohe, extremistische<br />

und radikale Strömungen herausfordere.<br />

„Die Kultur Europas ist aus der<br />

Begegnung von Jerusalem, Athen und Rom<br />

– aus der Begegnung zwischen dem<br />

Gottesglauben Israels, der philosophischen<br />

Vernunft der Griechen und dem Rechtsdenken<br />

Roms entstanden. Diese dreifache<br />

Begegnung bildet die <strong>in</strong>nere Identität<br />

Europas. Sie hat im Bewusstse<strong>in</strong> der Verantwortung<br />

des Menschen vor Gott und <strong>in</strong> der<br />

Anerkenntnis der unantastbaren Würde<br />

des Menschen, e<strong>in</strong>es jeden Menschen,<br />

Maßstäbe des Rechts gesetzt, die zu verteidigen<br />

uns <strong>in</strong> unserer historischen Stunde<br />

aufgegeben ist.“ Großer Applaus – auch<br />

von Petra Pau von den L<strong>in</strong>ken.<br />

Treffen mit Juden<br />

Politiker r<strong>in</strong>gen flugs händer<strong>in</strong>gend vor<br />

den Fernsehkameras um Deutung, Agenturen<br />

melden: „E<strong>in</strong> listiger Coup“, „Schwere<br />

Kost“, „Papst redet Politikern <strong>in</strong>s Gewissen“.<br />

Von den vorab groß promoteten Wegbleibern<br />

und doch nicht so zahlreich aufgelaufenen<br />

Anti-Papst-Demonstranten ist<br />

schon nirgends mehr die Rede. Währenddessen<br />

er<strong>in</strong>nert Benedikt beim Treffen mit<br />

Vertretern der jüdischen Geme<strong>in</strong>de mit<br />

Präsident Dr. Dieter Graumann im Bundestag<br />

an den Naziterror und die Shoah, an die<br />

Pogromnacht 1938 und die heidnische Ideologie<br />

der Machthaber, freut sich über e<strong>in</strong><br />

Aufblühen jüdischen<br />

Lebens <strong>in</strong> Deutschland<br />

und „den sich<br />

vertiefenden Dialog<br />

zwischen der katholischen<br />

Kirche und dem<br />

Judentum“. 5 Se<strong>in</strong> Appell<br />

<strong>in</strong> die eigenen<br />

Reihen: Christen müssten<br />

sich immer mehr<br />

über ihre <strong>in</strong>nere Verwandtschaft<br />

mit dem<br />

Judentum klar werden:<br />

„Für Christen<br />

kann es ke<strong>in</strong>en Bruch<br />

im Heilsgeschehen geben.<br />

Das Heil kommt<br />

nun e<strong>in</strong>mal von den<br />

Juden.“ Der <strong>in</strong>tensive<br />

Dialog solle die geme<strong>in</strong>same<br />

Hoffnung<br />

auf Gott <strong>in</strong> e<strong>in</strong>er zunehmend<br />

säkularen<br />

Gesellschaft stärken: „Ohne diese Hoffnung<br />

verliert die Gesellschaft ihre Humanität.“<br />

Messe im Olympiastadion<br />

Das ratzfatz mit rund 70.000 Gläubigen<br />

ausgebuchte Olympiastadion ist se<strong>in</strong>e<br />

nächste große Station: In se<strong>in</strong>er Predigt ruft<br />

Papst Benedikt zu e<strong>in</strong>em Leben mit der<br />

Am Grab von Bbr. Hugo Aufderbeck<br />

Berl<strong>in</strong>er Unitarier vor der Papstmesse im Olympiastadion:<br />

(v. r.) Senior Frederic Ludden, Consenior Thomas Byczkowski<br />

Kirche auf. 6 „Die Kirche als Verkünder<strong>in</strong> des<br />

Wortes Gottes und Spender<strong>in</strong> der Sakramente<br />

verb<strong>in</strong>det uns mit Christus“, betont<br />

Benedikt XVI. Jeder sei vor die grundlegende<br />

Entscheidung gestellt, mit der Kirche<br />

und damit mit Christus verbunden zu bleiben.„Wir<br />

glauben nicht alle<strong>in</strong>e, sondern wir<br />

glauben mit der ganzen Kirche. Sie ist das<br />

schönste Geschenk Gottes“, zitiert er das<br />

Zweite Vatikanische Konzil, die von der >><br />

Beim Besuch <strong>in</strong> Erfurt betet Papst Benedikt mit Bischof Dr. Joachim Wanke am Grab des<br />

1981 verstorbenen Erfurter Bischofs Bbr. Hugo Aufderbeck (Kreuzritter-UNITAS Wien) im<br />

Kreuzgang des Doms. Mit dem Vordenker der Seelsorge <strong>in</strong> der frühen DDR und engagierten<br />

Bischof, e<strong>in</strong>er der prägendsten Gestalten für die Kirche <strong>in</strong> Deutschland, verb<strong>in</strong>den<br />

sich auch persönliche Er<strong>in</strong>nerungen des Papstes: Joseph Ratz<strong>in</strong>ger und Hugo<br />

Aufderbeck lernten sich während dem Zweiten Vatikanischen Konzil (1962 bis 1965) kennen,<br />

an dem Aufderbeck als Bischof und Ratz<strong>in</strong>ger als Theologe teilnahmen. Zudem traf<br />

er mit ihm <strong>in</strong> den 1960er und 70er Jahren zusammen, als er im Erfurter Priestersem<strong>in</strong>ar<br />

zu Gast war und dort theologische Vorlesungen hielt.<br />

unitas 4/2011 291


Kirche als dem „universalen Heilssakrament“<br />

sprach.<br />

Manche allerd<strong>in</strong>gs blieben im Blick auf<br />

die Kirche an ihrer äußeren Gestalt hängen.<br />

Ihnen ersche<strong>in</strong>e die Kirche nur als e<strong>in</strong>e von<br />

vielen Organisationen <strong>in</strong>nerhalb e<strong>in</strong>er<br />

demokratischen Gesellschaft, nach deren<br />

Maßstäben und Gesetzen dann auch die so<br />

sperrige Größe „Kirche“ zu beurteilen und<br />

zu behandeln sei. Der medial dankbar aufgenommene<br />

Satz sitzt: „Wenn dann auch<br />

noch die leidvolle Erfahrung dazukommt,<br />

dass es <strong>in</strong> der Kirche gute und schlechte<br />

Fische, Weizen und Unkraut gibt, und der<br />

Blick auf das Negative fixiert bleibt, dann<br />

erschließt sich das große und schöne<br />

Mysterium der Kirche nicht mehr.“ So<br />

komme auch ke<strong>in</strong>e Freude mehr über die<br />

Zugehörigkeit zur Kirche auf, erklärt er.<br />

Doch Unzufriedenheit und Missvergnügen<br />

verbreiteten sich auch, wenn man eigene<br />

oberflächliche und fehlerhafte Vorstellungen<br />

von „Kirche“ – eigene „Kirchenträume“<br />

– nicht verwirklicht sehe…<br />

23. September: Erfurt<br />

Treffen mit Muslimen<br />

Der zweite Besuchstag steht im Zeichen<br />

e<strong>in</strong>es Treffens mit 15 Repräsentanten der<br />

Muslime <strong>in</strong> Deutschland. Christen und<br />

Muslime ruft Papst Benedikt XVI. zu fruchtbarer<br />

Zusammenarbeit auf. 7 „Als Menschen<br />

des Glaubens können wir, von unseren<br />

jeweiligen Überzeugungen ausgehend, e<strong>in</strong><br />

wichtiges Zeugnis <strong>in</strong> vielen entscheidenden<br />

Bereichen des gesellschaftlichen Lebens<br />

geben.“ Er denke dabei etwa an den Schutz<br />

der Familie auf Grundlage der Ehegeme<strong>in</strong>schaft,<br />

die Ehrfurcht vor dem Leben <strong>in</strong><br />

jeder Phase se<strong>in</strong>es natürlichen Verlaufs,<br />

und die Förderung sozialer Gerechtigkeit.<br />

Dazu sei es auch notwendig, „im Dialog<br />

und <strong>in</strong> der gegenseitigen Wertschätzung zu<br />

wachsen“.<br />

Ökumenisches Treffen<br />

Durchgehend war es schon vorab als<br />

„Höhepunkt“ se<strong>in</strong>er Reise gewertet worden:<br />

Das Treffen mit Vertretern des Rates<br />

der Evangelischen Kirche <strong>in</strong> Deutschland<br />

(EKD). An historischer Stätte – im Kapitelsaal<br />

des August<strong>in</strong>erklosters zu Erfurt, wo<br />

Mart<strong>in</strong> Luther 500 Jahre zuvor se<strong>in</strong>e erste<br />

Messe las. Der Präses der Evangelischen<br />

Kirche, Nikolaus Schneider, betont <strong>in</strong> se<strong>in</strong>er<br />

Begrüßung die Geme<strong>in</strong>samkeiten zwischen<br />

evangelischer und katholischer Kirche, dass<br />

„die Fe<strong>in</strong>dschaft gegene<strong>in</strong>ander“ überwunden<br />

sei, der Glaube <strong>in</strong> vielerlei H<strong>in</strong>sicht<br />

bereits geme<strong>in</strong>sam gelebt werde. „In<br />

getrennten Kirchen s<strong>in</strong>d wir freundschaftlich<br />

verschieden“, doch verb<strong>in</strong>de Christen<br />

beider Kirchen mehr als sie trenne. Mit Blick<br />

292<br />

unitas 4/2011<br />

Fast 30.000 Gläubige kamen zur Messe<br />

auf dem Erfurter Domplatz<br />

auf das bevorstehende Reformationsgedenkjahr<br />

bittet er den Papst, den 31. Oktober<br />

2017 als e<strong>in</strong> „Fest des Christusbekenntnisses<br />

zu verstehen und mit den Kirchen<br />

der Reformation zu feiern“.<br />

„Die Abwesenheit e<strong>in</strong>es Gottes <strong>in</strong> unserer<br />

Gesellschaft wird drückender“, sagt<br />

Papst Benedikt und nennt den „Säkularisierungsdruck“<br />

als geme<strong>in</strong>same Herausforderung<br />

der Kirchen 8 : Katholiken und<br />

Protestanten müssten sich gegenseitig helfen,<br />

„tiefer und lebendiger zu glauben“, der<br />

„von <strong>in</strong>nen gelebte Glaube“ sei die stärkste<br />

ökumenische Kraft“, die zue<strong>in</strong>ander führe.<br />

„Es war der Fehler des konfessionellen Zeitalters,<br />

dass wir weith<strong>in</strong> nur das Trennende<br />

gesehen und gar nicht existentiell wahrgenommen<br />

haben, was uns mit den Vorgaben<br />

der Heiligen Schrift und der altchristlichen<br />

Bekenntnisse geme<strong>in</strong>sam ist“. Im geme<strong>in</strong>samen<br />

E<strong>in</strong>treten für das christliche Ethos<br />

und im geme<strong>in</strong>samen Zeugnis für Gott <strong>in</strong><br />

der Welt sei diese „unverlierbare Grundlage“<br />

erkennbar. Und Benedikt verweist<br />

geradezu als Vorbild auf Mart<strong>in</strong> Luther, den<br />

als leidenschaftlichen Gottsucher die Frage<br />

bewegt habe, wie er „e<strong>in</strong>en gnädigen Gott<br />

kriegen“ könne“. Diese zentrale Lebensfrage<br />

Luthers treffe ihn selbst immer wieder<br />

neu, bekennt der Papst.<br />

Im anschließenden Gottesdienst ruft<br />

Benedikt XVI. Katholiken und Protestanten<br />

auf, sich gegenseitig im Glauben zu stärken:<br />

„Unser erster ökumenischer Dienst <strong>in</strong><br />

dieser Zeit muss es se<strong>in</strong>, geme<strong>in</strong>sam die<br />

Gegenwart des lebendigen Gottes zu bezeugen<br />

und damit der Welt die Antwort zu<br />

geben, die sie braucht.“ Bei ökumenischen<br />

Begegnungen sollten nicht nur die Trennungen<br />

und Spaltungen beklagt werden,<br />

sondern die Gläubigen sollten „Gott für<br />

alles danken, was er uns an E<strong>in</strong>heit erhalten<br />

hat und immer neu schenkt.“ Dr<strong>in</strong>gend<br />

mahnt er das geme<strong>in</strong>same E<strong>in</strong>treten für<br />

christliche Werte <strong>in</strong> Politik und Gesellschaft<br />

an, fordert die geme<strong>in</strong>same Verteidigung<br />

der unantastbaren Würde des Menschen<br />

von der Empfängnis bis zum Tod – „<strong>in</strong> den<br />

Fragen von PID bis zur Sterbehilfe.“ Glaubens<strong>in</strong>halte<br />

aber ließen sich nicht „aushandeln“,<br />

stellt er klar: „Nicht Verdünnung des<br />

Glaubens hilft, sondern nur ihn ganz zu<br />

leben <strong>in</strong> unserem Heute. Dies ist e<strong>in</strong>e zentrale<br />

ökumenische Aufgabe. Dazu sollten<br />

wir uns gegenseitig helfen: tiefer und<br />

lebendiger zu glauben. Nicht Taktiken retten<br />

uns, retten das Christentum, sondern<br />

neu gedachter und neu gelebter Glaube,<br />

durch den Christus und mit ihm der lebendige<br />

Gott <strong>in</strong> diese unsere Welt here<strong>in</strong>tritt.<br />

Wie uns die Märtyrer der Nazizeit zue<strong>in</strong>ander<br />

geführt und die erste große ökumenische<br />

Öffnung bewirkt haben, so ist auch<br />

heute der <strong>in</strong> e<strong>in</strong>er säkularisierten Welt von<br />

<strong>in</strong>nen gelebte Glaube die stärkste ökumenische<br />

Kraft, die uns zue<strong>in</strong>ander führt, der<br />

E<strong>in</strong>heit <strong>in</strong> dem e<strong>in</strong>en Herrn entgegen.“<br />

Präses Schneider spricht anschließend von<br />

e<strong>in</strong>er „sehr ernsthaften und tiefen geschwisterlichen<br />

Begegnung“. Für den<br />

Vorsitzenden der Deutschen Bischofskonferenz,<br />

Erzbischof Dr. Robert Zollitsch,<br />

ist bereits der Ort der Begegnung e<strong>in</strong>e<br />

wichtige Botschaft.<br />

Dank an Christen<br />

<strong>in</strong> der ehemaligen DDR<br />

Rund 90.000 Menschen – 20.000 mehr<br />

als <strong>in</strong> Berl<strong>in</strong> – s<strong>in</strong>d auf dem schnell hergerichteten<br />

20 Hektar großen Pilgerfeld im<br />

thür<strong>in</strong>gischen Marienwallfahrtsort Etzelsbach<br />

versammelt. Mit ihnen feiert der<br />

Papst am Abend die Vesper. 10 Die Katholiken<br />

im Eichsfeld hätten <strong>in</strong> zwei gottlosen<br />

Diktaturen <strong>in</strong> der NS-Zeit und unter der<br />

SED-Herrschaft ihren Glauben behauptet<br />

und am Gnadenort e<strong>in</strong>e Stätte <strong>in</strong>neren<br />

Friedens gefunden. Nicht die oft als Leitbild<br />

des modernen Lebens angepriesene Selbstverwirklichung<br />

br<strong>in</strong>ge die wahre Entfaltung<br />

des Menschen, sondern die Haltung der<br />

H<strong>in</strong>gabe, verweist er auf das Beispiel<br />

Mariens.<br />

24. September<br />

Mehr als 30.000 Menschen passen am<br />

24. September nicht zur Messe auf dem<br />

Erfurter Domplatz. 11 „Hier <strong>in</strong> Thür<strong>in</strong>gen und<br />

<strong>in</strong> der früheren DDR habt ihr e<strong>in</strong>e braune


und e<strong>in</strong>e rote Diktatur ertragen müssen,<br />

die für den christlichen Glauben wie saurer<br />

Regen wirkte“, erklärt Benedikt. Viele<br />

Spätfolgen dieser Zeit seien noch aufzuarbeiten,<br />

vor allem im geistigen und im<br />

religiösen Bereich: „Die Mehrzahl der<br />

Menschen <strong>in</strong> diesem Lande lebt mittlerweile<br />

fern vom Glauben an Christus und<br />

von der Geme<strong>in</strong>schaft der Kirche. Doch<br />

zeigen die letzten beiden Jahrzehnte<br />

auch gute Erfahrungen: e<strong>in</strong> erweiterter<br />

Horizont, e<strong>in</strong> Austausch über Grenzen<br />

h<strong>in</strong>weg, e<strong>in</strong>e gläubige Zuversicht, dass Gott<br />

uns nicht im Stich lässt und uns neue<br />

Wege führt.“<br />

Viele Menschen hätten persönliche<br />

Nachteile <strong>in</strong> Kauf genommen, um ihren<br />

Glauben zu leben, sagt er, dankt Priestern<br />

und Laien, besonders Eltern, die <strong>in</strong> e<strong>in</strong>em<br />

kirchenfe<strong>in</strong>dlichen politischen Umfeld ihre<br />

K<strong>in</strong>der im katholischen Glauben erzogen<br />

haben. Er er<strong>in</strong>nert an die Schutzheiligen<br />

des Bistums Erfurt, Elisabeth von Thür<strong>in</strong>gen,<br />

Bonifatius, den „Apostel Deutschlands“<br />

und Kilian. „Glaube ist immer auch<br />

wesentlich e<strong>in</strong> Mitglauben. Niemand kann<br />

alle<strong>in</strong> glauben, wir empfangen den Glauben,<br />

so sagt uns Paulus durch das Hören.<br />

Und Hören ist e<strong>in</strong> Vorgang des Mite<strong>in</strong>anders,<br />

geistig und leiblich“, unterstreicht<br />

Benedikt: „Wenn wir uns dem ganzen<br />

Glauben <strong>in</strong> der ganzen Geschichte und<br />

dessen Bezeugung <strong>in</strong> der ganzen Kirche öffnen,<br />

dann hat der katholische Glaube auch<br />

als öffentliche Kraft <strong>in</strong> Deutschland Zukunft.“<br />

Es gehe darum, nach dem Beispiel<br />

der Heiligen „das Zeugnis Christi sichtbar<br />

und hörbar zu machen <strong>in</strong> der Welt, die<br />

Herrlichkeit Gottes hörbar und schaubar zu<br />

machen und so zu leben <strong>in</strong> e<strong>in</strong>er Welt, <strong>in</strong><br />

der Gott da ist und Leben schön und s<strong>in</strong>nvoll<br />

werden lässt“.<br />

Begegnungen <strong>in</strong> Freiburg<br />

Am Nachmittag trifft Benedikt XVI. mit<br />

Altkanzler Dr. Helmut Kohl zusammen – e<strong>in</strong><br />

vertrauliches Gespräch im Freiburger Priestersem<strong>in</strong>ar.<br />

Ebenfalls unbeobachtet von<br />

den Kameras: Das Treffen mit Vertretern der<br />

Orthodoxie und dem Präsidenten der<br />

orthodoxen Bischofskonferenz Deutschlands<br />

(OBKD), Metropolit Augoust<strong>in</strong>os. Hier<br />

unterstreicht Benedikt XVI. die Geme<strong>in</strong>samkeiten.<br />

12 Geschichtlich hätten Katholiken<br />

und Orthodoxe beide die gleiche altkirchliche<br />

Struktur. Die 1,6 Millionen orthodoxen<br />

und orientalischen Christen <strong>in</strong><br />

Deutschland seien „e<strong>in</strong> fester Bestandteil<br />

der Gesellschaft geworden, der den Schatz<br />

der christlichen Kulturen und des christlichen<br />

Glaubens Europas belebt“. Geme<strong>in</strong>sam<br />

mit der katholischen Kirche sei auch<br />

das Bewusstse<strong>in</strong>, dass auf Gott jede Würde<br />

des Menschen beruhe, beide träten für den<br />

Schutz des menschlichen Lebens von se<strong>in</strong>er<br />

Empfängnis bis zu se<strong>in</strong>em natürlichen Tod<br />

e<strong>in</strong>, stellten sich jedem manipulativen und<br />

„Wir kamen aus dem Erklären gar nicht mehr raus“<br />

VORORT FRANKO-SAXONIA WAR BEI PAPSTMESSE IN FREIBURG<br />

Die Bundesbrüder vom Vorort <strong>Unitas</strong> Franko-Saxonia Marburg brachen <strong>in</strong> aller Frühe<br />

vom gelungenen Stiftungsfestkommers <strong>in</strong> Mannheim nach Freiburg auf. Pünktlich trafen<br />

sie am Flughafengelände e<strong>in</strong>: „Auf dem Weg von der E<strong>in</strong>gangskontrolle zum uns<br />

zugewiesenen Block hatten wir die erste Begegnung mit e<strong>in</strong>er Gruppe Polizisten“,<br />

berichtet VOS Alexander von der Beeke. „Sie sprachen uns auf unsere ,Uniformen‘ an,<br />

waren <strong>in</strong>teressiert an unseren Erklärungen und baten dann noch um e<strong>in</strong> Foto mit uns.<br />

Als wir den uns zugewiesenen Block und die Bundesbrüder der <strong>Unitas</strong> Albert<strong>in</strong>a gefunden<br />

hatten, wurden auch schon die Wege für die E<strong>in</strong>gangsrunde des Papstes mit dem<br />

Papamobil gesperrt und wir stellten uns so nah wie möglich an die Absperrung. Über<br />

den Gottesdienst ist wohl bereits alles geschrieben und unsere E<strong>in</strong>drücke waren sehr<br />

positiv. E<strong>in</strong>zig störender Faktor aber waren die vielen umherlaufenden Besucher während<br />

der Messe. Und gefühlt jeder vorbeikommende Fotograf machte Bilder von uns.<br />

Auch nach der Messe am Malteserzelt – wir brauchten nach dem Stehen <strong>in</strong> der Wichs<br />

etwas Wasser – kamen wir aus dem Erklären kaum heraus. Viele ältere Teilnehmer<br />

drückten ihre Freude aus, die katholischen Verb<strong>in</strong>dungen repräsentiert zu sehen“, so<br />

Bbr. von der Beeke. „Die gesamte Fahrt war nach dem frühen Aufstehen und durch die<br />

weiten Strecken sehr anstrengend. Aber die tolle Messe und die durchweg positiven<br />

Rückmeldungen zu unserem Auftreten beim Gottesdienst machten uns klar: Die Fahrt<br />

hat sich wirklich gelohnt.“<br />

selektiven E<strong>in</strong>griff am menschlichen Leben<br />

entgegen. Auch die Integrität und die<br />

E<strong>in</strong>zigartigkeit der Ehe zwischen e<strong>in</strong>em<br />

Mann und e<strong>in</strong>er Frau müssten Christen vor<br />

jeglicher Missdeutung schützen. „Hier leistet<br />

das geme<strong>in</strong>same Engagement der<br />

Christen, darunter vieler Orthodoxer und<br />

Orientalen, e<strong>in</strong>en wertvollen Beitrag“, so<br />

Papst Benedikt und äußert die Hoffnung,<br />

dass der Tag nicht mehr fern sei, an dem<br />

beide Kirchen wieder geme<strong>in</strong>sam Eucharistie<br />

feiern könnten. Noch müssten dafür<br />

theologische Differenzen geklärt werden.<br />

Die wichtigste Herausforderung im R<strong>in</strong>gen<br />

um die theologischen Unterschiede sei,<br />

e<strong>in</strong>e rechte Antwort auf die Ausübung des<br />

Primats zu f<strong>in</strong>den. „Wir leben im Verständnis<br />

von Kirche und Tradition diachronisch –<br />

<strong>in</strong> der Zeit und doch die Zeit überschreitend.<br />

Und so werden wir – gerade auch <strong>in</strong><br />

Deutschland – fortfahren: geme<strong>in</strong>sam und<br />

immer mehr aufe<strong>in</strong>ander zu“, antwortet<br />

Metropolit Augoust<strong>in</strong>os von Deutschland.<br />

(13) „Diese Erfahrung der letzten Jahrzehnte<br />

fortzusetzen wird für mich das wichtigste<br />

Ergebnis Ihrer Reise durch unser Land und<br />

dieses Abends se<strong>in</strong>.“<br />

„Krise der Kirche<br />

ist Krise des Glaubens“<br />

Beim halbstündigen Gespräch mit dem<br />

Präsidium des Zentralkomitees der deutschen<br />

Katholiken (ZdK) fordert Benedikt XVI.<br />

zum geme<strong>in</strong>samen „sehr ernsthaften“ Nachdenken<br />

darüber auf, warum viele Menschen<br />

zu den etablierten Kirchen mit ihren überkommenen<br />

Strukturen ke<strong>in</strong>en Kontakt fänden.<br />

14 Und nennt selbst den Grund: E<strong>in</strong> unterschwelliger,<br />

alle Lebensbereiche durchdr<strong>in</strong>genden<br />

Relativismus übt immer mehr<br />

E<strong>in</strong>fluss auf die menschlichen Beziehungen<br />

und auf die Gesellschaft aus, stellt Benedikt<br />

fest. Die Folgen: Unbeständigkeit, Sprunghaftigkeit,<br />

übersteigerter Individualismus,<br />

ke<strong>in</strong> Verzicht, ke<strong>in</strong> Opfer für andere und<br />

B<strong>in</strong>dungsunfähigkeit. Vielen Menschen >><br />

unitas 4/2011 293


mangele es <strong>in</strong> der reichen westlichen Welt<br />

an der Erfahrung der Güte Gottes. Trotz<br />

bester Organisation der Kirche <strong>in</strong> Deutschland<br />

sei zu fragen, ob dah<strong>in</strong>ter auch noch die<br />

entsprechende geistige Kraft – Kraft des<br />

Glaubens an den lebendigen Gott stehe:„Ich<br />

denke, ehrlicherweise müssen wir doch<br />

sagen, dass es bei uns e<strong>in</strong>en Überhang an<br />

Strukturen gegenüber dem Geist gibt. Und<br />

ich füge h<strong>in</strong>zu: Die eigentliche Krise der<br />

Kirche <strong>in</strong> der westlichen Welt ist e<strong>in</strong>e Krise<br />

des Glaubens.“ Wenn nicht zu e<strong>in</strong>er wirklichen<br />

Erneuerung des Glaubens gefunden<br />

werde, blieben alle strukturellen Reformen<br />

wirkungslos. „Wir s<strong>in</strong>d gerufen, neue Wege<br />

der Evangelisierung zu f<strong>in</strong>den. E<strong>in</strong> solcher<br />

Weg können kle<strong>in</strong>e Geme<strong>in</strong>schaften se<strong>in</strong>, wo<br />

Freundschaften gelebt und <strong>in</strong> der regelmäßigen<br />

geme<strong>in</strong>samen Anbetung vor Gott vertieft<br />

werden.“ Über Glaubenserfahrungen<br />

am Arbeitsplatz, im Familien- und Bekanntenkreis<br />

zu erzählen könne man e<strong>in</strong>e neue<br />

Nähe der Kirche zur Gesellschaft bezeugen.<br />

Gebetsvigil <strong>in</strong> Freiburg<br />

Die Reise geht dem Ende zu. Auftakt für<br />

den letzten Tag <strong>in</strong> Freiburg ist die Gebetsvigil<br />

mit 23.000 Jugendlichen auf dem Freiburger<br />

Messegelände. 15 Die Nacht senkt sich, als er<br />

sie im Sche<strong>in</strong> unzähliger Lichter aufruft, ihre<br />

Religiosität engagiert zu leben. „Der<br />

Schaden der Kirche kommt nicht von<br />

ihren Gegnern, sondern von den lauen<br />

Christen“, betont er. „Lasst es zu, dass<br />

Christus <strong>in</strong> euch brennt, auch wenn das<br />

manchmal Opfer und Verzicht bedeuten<br />

kann. Fürchtet nicht, ihr könntet<br />

etwas verlieren und sozusagen am<br />

Ende leer ausgehen. Habt den Mut, eure<br />

Talente und Begabungen für Gottes<br />

Reich e<strong>in</strong>zusetzen“, fordert er auf. „Ich<br />

vertraue darauf, dass ihr und viele andere<br />

junge Menschen hier <strong>in</strong> Deutschland<br />

Leuchten der Hoffnung seid, die nicht<br />

verborgen bleiben. „Ihr seid das Licht<br />

der Welt.“ Wo Gott ist, da ist Zukunft!“<br />

Gott fordere „ke<strong>in</strong>e Glanzleistungen“,<br />

und es sei falsch zu glauben, nur asketische<br />

und moralische Höchstleistungen machten<br />

zum Heiligen. „Wagt es, glühende Heilige zu<br />

se<strong>in</strong>, <strong>in</strong> deren Augen und Herzen die Liebe<br />

Christi strahlt und die so der Welt Licht<br />

br<strong>in</strong>gt“, so der Papst und ermuntert dazu,<br />

sich gegenseitig zu bestärken: „Niemand<br />

kann glauben, wenn er nicht durch den<br />

Glauben der anderen gestützt wird.“<br />

25. September<br />

Würdigung für<br />

Bbr. Lorenz Werthmann<br />

Vor der Abschlussmesse auf dem Freiburger<br />

Flughafengelände am letzten Tag der<br />

Apostolischen Reise betont Erzbischof<br />

Robert Zollitsch die Rolle der kirchlichen<br />

294<br />

unitas 4/2011<br />

Wohlfahrt für die Gesellschaft.„Caritas steht<br />

nicht nur für Nächstenliebe, Hilfe und<br />

Solidarität. Caritas steht für die entscheidenden<br />

Werte, die aus dem Glauben an Jesus<br />

Christus erwachsen und von denen unsere<br />

Gesellschaft lebt“, unterstreicht er vor über<br />

100.000 Gläubigen unter strahlend blauem<br />

Himmel. Und verweist auf Bbr. Lorenz<br />

Werthmann (1858 bis 1921), der 1897 den<br />

Deutschen Caritasverband mit se<strong>in</strong>em<br />

Hauptsitz <strong>in</strong> Freiburg gründete. Papst<br />

Benedikt XVI. nimmt dies auf, dankt <strong>in</strong> se<strong>in</strong>er<br />

Predigt den vielen haupt- und nebenamtlichen<br />

Mitarbeitern, „ohne die das Leben <strong>in</strong><br />

den Pfarreien und <strong>in</strong> der Kirche als Ganzes<br />

nicht denkbar wäre“, er bekundet se<strong>in</strong>en<br />

Respekt für das große, auch ehrenamtliche<br />

Engagement <strong>in</strong> der deutschen Kirche <strong>in</strong> vielen<br />

sozialen und karitativen E<strong>in</strong>richtungen<br />

und ihre weltweite Wirksamkeit. 16 Und<br />

mahnt, die von Gott geschenkte Gabe der<br />

Freiheit <strong>in</strong> richtiger Weise zu nutzen: „Nicht<br />

auf das Reden, sondern auf das Tun kommt<br />

es an, auf die Taten der Umkehr und des<br />

Glaubens“, warnt er vor Rout<strong>in</strong>e: „Agnostiker,<br />

die von der Frage nach Gott umgetrieben<br />

werden; Menschen, die unter unserer<br />

Sünde leiden und Sehnsucht nach dem re<strong>in</strong>en<br />

Herzen haben, s<strong>in</strong>d näher am Reich<br />

Gottes als kirchliche Rout<strong>in</strong>iers, die <strong>in</strong> ihr nur<br />

noch den Apparat sehen, ohne dass ihr Herz<br />

vom Glauben berührt wäre.“ Die Erneuerung<br />

der Kirche<br />

könne letztlich<br />

nur durch die<br />

Bereitschaft zur<br />

Umkehr und<br />

durch e<strong>in</strong>en erneuertenGlauben<br />

kommen,<br />

christliches Leben<br />

müsse stets<br />

neu an Christus<br />

Maß nehmen.<br />

Und zieht zuletzt<br />

gleichsam die<br />

Qu<strong>in</strong>tessenz se<strong>in</strong>es<br />

Besuches.<br />

„Mit Paulus wage ich euch zuzurufen:<br />

Macht me<strong>in</strong>e Freude dadurch vollkommen,<br />

dass ihr fest <strong>in</strong> Christus gee<strong>in</strong>t seid! Die<br />

Kirche <strong>in</strong> Deutschland wird die großen Herausforderungen<br />

der Gegenwart und der<br />

Zukunft bestehen und Sauerteig <strong>in</strong> der Gesellschaft<br />

bleiben, wenn Priester, Gottgeweihte<br />

und christgläubige Laien <strong>in</strong> Treue<br />

zur jeweils spezifischen Berufung <strong>in</strong> E<strong>in</strong>heit<br />

zusammenarbeiten; wenn Pfarreien, Geme<strong>in</strong>schaften<br />

und Bewegungen sich gegenseitig<br />

stützen und bereichern; wenn die<br />

Getauften und Gefirmten die Fackel des<br />

unverfälschten Glaubens <strong>in</strong> E<strong>in</strong>heit mit<br />

dem Bischof hochhalten und ihr reiches<br />

Wissen und Können davon erleuchten lassen.<br />

Die Kirche <strong>in</strong> Deutschland wird für die<br />

weltweite katholische Geme<strong>in</strong>schaft weiterh<strong>in</strong><br />

e<strong>in</strong> Segen se<strong>in</strong>, wenn sie treu mit den<br />

Nachfolgern des heiligen Petrus und der<br />

Apostel verbunden bleibt, die Zusammen-<br />

arbeit mit den Missionsländern <strong>in</strong> vielfältiger<br />

Weise pflegt und sich dabei auch von<br />

der Glaubensfreude der jungen Kirchen<br />

anstecken lässt.“<br />

Christliche Existenz heiße Dase<strong>in</strong> für<br />

den andern, demütiger E<strong>in</strong>satz für den<br />

Nächsten und das Geme<strong>in</strong>wohl, mahnt er<br />

zur Tugend der Demut als Öl, das Gesprächsprozesse<br />

fruchtbar, Zusammenarbeit<br />

e<strong>in</strong>fach und E<strong>in</strong>heit herzlich mache.<br />

„Humilitas, das late<strong>in</strong>ische Wort für Demut,<br />

hat mit Humus, Erdnähe zu tun. Demütige<br />

Menschen stehen mit beiden Be<strong>in</strong>en auf der<br />

Erde. Vor allem aber hören sie auf Christus,<br />

auf Gottes Wort, das die Kirche und jedes<br />

Glied <strong>in</strong> ihr unaufhörlich erneuert.“<br />

Die „Konzerthausrede“<br />

Sie wird noch manche Gespräche<br />

befeuern: Benedikts Ansprache am Nachmittag<br />

bei der Begegnung mit engagierten<br />

Katholiken. 17 Er dankt für das vielfältige<br />

Engagement für die Kirche und für das Geme<strong>in</strong>wesen,<br />

kommt aber auch hier schnell<br />

auf den seit Jahrzehnten zu beobachtenden<br />

Rückgang der religiösen Praxis zu sprechen.<br />

Nicht die Kirche müsse sich ändern,<br />

nicht ihre Ämter und Strukturen der Gegenwart<br />

anpassen. Sondern Kirche seien alle<br />

Getauften, jeder Christ und die Geme<strong>in</strong>schaft<br />

der Gläubigen als Ganzes seien zur<br />

stetigen Änderung aufgerufen: „Um ihre<br />

Sendung zu verwirklichen, wird sie auch<br />

immer wieder Distanz zu ihrer Umgebung<br />

nehmen müssen, sich gewissermaßen ,entweltlichen‘“,<br />

erklärt Papst Benedikt. Die<br />

Sendung der Kirche komme vom Geheimnis<br />

des Dreie<strong>in</strong>igen Gottes her, dem Geheimnis<br />

se<strong>in</strong>er schöpferischen Liebe, die <strong>in</strong><br />

Christus Fleisch angenommen hat und die<br />

Welt verwandeln will. Der S<strong>in</strong>n der Kirche<br />

bestehe dar<strong>in</strong>, Werkzeug der Erlösung zu<br />

se<strong>in</strong>, sich von Gott her mit se<strong>in</strong>em Wort<br />

durchdr<strong>in</strong>gen zu lassen und die Welt <strong>in</strong> die<br />

E<strong>in</strong>heit der Liebe mit Gott h<strong>in</strong>e<strong>in</strong>zutragen,<br />

sich immer neu den Sorgen der Welt zu öffnen.<br />

„In der geschichtlichen Ausformung<br />

der Kirche zeigt sich jedoch auch e<strong>in</strong>e<br />

gegenläufige Tendenz“, warnt Benedikt,<br />

„dass die Kirche zufrieden wird mit sich<br />

selbst, sich <strong>in</strong> dieser Welt e<strong>in</strong>richtet, selbstgenügsam<br />

ist und sich den Maßstäben der<br />

Welt angleicht. Sie gibt nicht selten<br />

Organisation und Institutionalisierung größeres<br />

Gewicht als ihrer Berufung zu der<br />

Offenheit auf Gott h<strong>in</strong>, zur Öffnung der<br />

Welt auf den Anderen h<strong>in</strong>.“ Darum müsse<br />

die Kirche immer wieder die Anstrengung<br />

unternehmen, sich von dieser ihrer Verweltlichung<br />

zu lösen, wieder offen auf Gott h<strong>in</strong><br />

zu werden und von materiellen und politischen<br />

Lasten und Privilegien befreit, <strong>in</strong><br />

ihrem missionarischen Handeln wieder<br />

glaubhaft zu werden. Dabei gehe es nicht<br />

darum, „e<strong>in</strong>e neue Taktik zu f<strong>in</strong>den, um der<br />

Kirche wieder Geltung zu verschaffen“.<br />

Vielmehr gelte es, nach der totalen Red-


lichkeit zu suchen, und abzustreifen, „was<br />

nur sche<strong>in</strong>bar Glaube, <strong>in</strong> Wahrheit aber<br />

Konvention und Gewohnheit ist.“<br />

Der christliche Glaube sei für den<br />

Menschen allezeit e<strong>in</strong> Skandal: „Dass der<br />

Unsterbliche am Kreuz gelitten haben und<br />

gestorben se<strong>in</strong> soll, dass uns Sterblichen<br />

Auferstehung und Ewiges Leben verheißen<br />

ist – das zu glauben ist für die Menschen<br />

allemal e<strong>in</strong>e Zumutung.“ Doch sei dieser<br />

Skandal „leider gerade <strong>in</strong> jüngster Zeit<br />

überdeckt worden von den anderen<br />

schmerzlichen Skandalen der Verkünder<br />

des Glaubens. Gefährlich wird es, wenn<br />

diese Skandale an die Stelle des primären<br />

skandalon des Kreuzes treten und ihn<br />

dadurch unzugänglich machen, also den<br />

eigentlichen christlichen Anspruch h<strong>in</strong>ter<br />

der Unbotmäßigkeit se<strong>in</strong>er Boten verdecken.“<br />

Umso mehr sei es wieder an der Zeit,<br />

„die wahre Entweltlichung zu f<strong>in</strong>den, die<br />

Weltlichkeit der Kirche beherzt abzulegen.“<br />

Das bedeute nicht, sich aus der Welt zurückzuziehen,<br />

sondern das Gegenteil: „E<strong>in</strong>e vom<br />

Weltlichen entlastete Kirche vermag gerade<br />

auch im sozial-karitativen Bereich den<br />

Menschen, den Leidenden wie ihren Helfern,<br />

die besondere Lebenskraft des christlichen<br />

Glaubens zu vermitteln." Offense<strong>in</strong> für die<br />

Anliegen der Welt heiße demnach für die<br />

entweltlichte Kirche, die Herrschaft der<br />

Liebe Gottes nach dem Evangelium durch<br />

Wort und Tat hier und heute zu bezeugen:<br />

„Leben wir als e<strong>in</strong>zelne und als Geme<strong>in</strong>schaft<br />

der Kirche die E<strong>in</strong>fachheit e<strong>in</strong>er großen<br />

Liebe, die auf der Welt das E<strong>in</strong>fachste<br />

und das Schwerste zugleich ist, weil es nicht<br />

mehr und nicht weniger verlangt, als sich<br />

selbst zu verschenken.“<br />

Rückkehr nach Rom<br />

Bei se<strong>in</strong>er Abschiedsrede am Flughafen<br />

18 sagt Papst Benedikt XVI., die zahlreichen<br />

Begegnungen mit Politikern,<br />

Kirchenvertretern und Gläubigen hätten<br />

ihn „zuversichtlich für die Kirche und die<br />

Zukunft des Christentums <strong>in</strong> Deutschland“<br />

Impressionen aus Freiburg<br />

Unter den Bundesbrüdern bei der Papstmesse <strong>in</strong> Freiburg dabei: Renate und Bbr. Willi Vögele<br />

gestimmt: „Ich möchte die Kirche <strong>in</strong><br />

Deutschland ermutigen, mit Kraft und<br />

Zuversicht den Weg des Glaubens weiterzugehen,<br />

der Menschen dazu führt, zu den<br />

Wurzeln, zum wesentlichen Kern der<br />

Frohbotschaft Christi zurückzukehren. Es<br />

wird kle<strong>in</strong>e Geme<strong>in</strong>schaften von Glaubenden<br />

geben – und es gibt sie schon –, die <strong>in</strong><br />

die pluralistische Gesellschaft mit ihrer<br />

Begeisterung h<strong>in</strong>e<strong>in</strong>strahlen und andere<br />

neugierig machen, nach dem Licht zu<br />

suchen, das Leben <strong>in</strong> Fülle schenkt. „Es gibt<br />

nichts Schöneres, als Christus zu kennen<br />

und den anderen die Freundschaft mit ihm<br />

zu schenken“, er<strong>in</strong>nerte er an se<strong>in</strong>e Predigt<br />

zur Amtse<strong>in</strong>führung im April 2005. „Aus<br />

dieser Erfahrung wächst schließlich die<br />

Gewissheit: „Wo Gott ist, da ist Zukunft!“<br />

Wo Gott zugegen ist, da ist Hoffnung und<br />

da eröffnen sich neue, oft ungeahnte<br />

Perspektiven, die über den Tag und das nur<br />

Kurzlebige h<strong>in</strong>ausreichen. In diesem S<strong>in</strong>ne<br />

begleite ich <strong>in</strong> Gedanken und im Gebet den<br />

Weg der Kirche <strong>in</strong> Deutschland.“<br />

Auch hier ke<strong>in</strong>e leicht transportierbaren<br />

Nachrichten für die Medien: Wie gerne hätten<br />

sie gesehen, wie Papst Benedikt zuletzt<br />

vielleicht doch noch wild randalierende<br />

F<strong>in</strong>anzmärkte geißelt, wie er die Völker<br />

Europas zu beherztem Widerstand gegen<br />

börsennotierte Straßenräuber aufruft, wie<br />

er den Kriegsparteien auf allen Kont<strong>in</strong>enten<br />

<strong>in</strong> die Parade fährt und global agierende<br />

Rüstungskonzerne peitscht, wie er den<br />

Hunger anprangert und Gerechtigkeit für<br />

die Benachteiligten aller Zeitzonen e<strong>in</strong>fordert.<br />

Und nun blieben sie ratlos zurück …<br />

Nach der Reise bleiben Fragen<br />

Was bleibt „trotz“ alledem? Mit der<br />

selbstverständlich beanspruchten Deutungshoheit<br />

taten sich die Magaz<strong>in</strong>e<br />

schwer. Für die e<strong>in</strong>en war die von fast unverhältnismäßigenSicherheitsvorkehrungen<br />

begleitete Visite die Mischung zwischen<br />

„kaum verdaulich“, „taubes Stroh“<br />

und „Altbekanntes“. Bei anderen bot es die<br />

prallbunte Folie für durchaus freundliche<br />

Hofberichterstattung, nicht ohne die im-<br />

mer wiederholte erstaunte Anmerkung,<br />

dass es trotz Hunderttausender Menschen<br />

so friedlich zugegangen sei. Nun, da der<br />

Besuch selbst <strong>in</strong> die Archive der Sendeanstalten<br />

und Zeitungshäuser wandert,<br />

präsentierte man gleich den Nachklapp:<br />

„Katholiken machen trotzdem weiter“,<br />

notierte etwa die WAZ,„Der Papstbesuch ist<br />

Geschichte“ deutete die WELT. Und langsam<br />

verlagert sich die Debatte dorth<strong>in</strong>, wo<br />

sie ankommen sollte: In die Kirche selbst. So<br />

nahm man für erste Diskussionen bezeichnenderweise<br />

den päpstlichen Ruf nach<br />

„Entweltlichung“ auf. Sorgenvoll erwog<br />

man öffentlich, ob der Papst etwa e<strong>in</strong>e<br />

Reform des Kirchensteuerwesens oder gar<br />

e<strong>in</strong>e Abschaffung der bisherigen F<strong>in</strong>anzierung<br />

zur Diskussion stellen wollte. „Durchaus“,<br />

befand etwa der Schweizer Kurienkard<strong>in</strong>al<br />

Kurt Koch, Präsident des Rates zur<br />

Förderung der E<strong>in</strong>heit der Christen. Privilegien<br />

und Besonderheiten der katholischen<br />

Kirche <strong>in</strong> Deutschland gehörten auf den<br />

Prüfstand. Erzbischof Robert Zollitsch warnte,<br />

vorschnelle Schlüsse aus der Papstrede<br />

zu ziehen. Und der Apostolische Nuntius <strong>in</strong><br />

Deutschland, Erzbischof Jean-Claude Perisset,<br />

reagierte erstaunt auf die Debatten.<br />

Der Papst habe daran er<strong>in</strong>nert, dass Christus<br />

das Programm der Kirche se<strong>in</strong> müsse…<br />

Kirche hat Zukunft<br />

Papst Benedikt selbst sprach <strong>in</strong> se<strong>in</strong>er<br />

ausführlichen Rückschau bei der Generalaudienz<br />

vor den Pilgern auf dem Petersplatz<br />

am 28. September 19 von <strong>in</strong>tensiven<br />

und wunderschönen Tagen, die er <strong>in</strong> se<strong>in</strong>em<br />

Heimatland verbracht habe. Der Besuch<br />

unter dem Motto „Wo Gott ist, da ist<br />

Zukunft!“ sei wirklich e<strong>in</strong> großes Fest des<br />

Glaubens gewesen.<br />

Unter allen Stationen se<strong>in</strong>er Reise strich<br />

er unter anderem se<strong>in</strong>e Erfahrungen bei der<br />

Vigilfeier <strong>in</strong> Freiburg heraus: „Ich war glükklich<br />

zu sehen, dass der Glaube <strong>in</strong> me<strong>in</strong>er<br />

deutschen Heimat e<strong>in</strong> junges Gesicht hat,<br />

dass er lebendig ist und e<strong>in</strong>e Zukunft besitzt.<br />

Im stimmungsvollen Lichtritus habe<br />

ich die Flamme der Osterkerze an die >><br />

unitas 4/2011 295


Jugendlichen weitergegeben, Symbol des<br />

Lichts, das Christus ist, und habe sie ermahnt:<br />

„Ihr seid das Licht der Welt“. Ich<br />

habe ihnen erneut gesagt, dass der Papst<br />

auf die aktive Mitarbeit der Jugendlichen<br />

vertraut: Mit der Gnade Christi s<strong>in</strong>d sie <strong>in</strong><br />

der Lage, der Welt das Feuer der Liebe<br />

Gottes zu br<strong>in</strong>gen.“<br />

Die Apostolische Reise nach Deutschland<br />

habe e<strong>in</strong>e günstige Gelegenheit geboten,<br />

den Gläubigen se<strong>in</strong>er deutschen Heimat<br />

zu begegnen, sie im Glauben, <strong>in</strong> der<br />

Hoffnung und <strong>in</strong> der Liebe zu stärken und<br />

die Freude, katholisch zu se<strong>in</strong>, mit ihnen zu<br />

teilen, so Papst Benedikt: „Me<strong>in</strong>e Botschaft<br />

war jedoch an das ganze deutsche Volk<br />

gerichtet, um alle e<strong>in</strong>zuladen, mit Vertrauen<br />

<strong>in</strong> die Zukunft zu blicken. Wahrlich,<br />

„wo Gott ist, da ist Zukunft“! Ich danke<br />

noch e<strong>in</strong>mal allen, die diesen Besuch<br />

ermöglicht haben, sowie jenen, die mich<br />

mit dem Gebet begleitet haben. Der Herr<br />

segne das Gottesvolk <strong>in</strong> Deutschland, und<br />

er segne euch alle.“<br />

Anmerkungen:<br />

1 Stefan Klose,Wenn sich e<strong>in</strong> nationales Selbstbild<br />

wandelt. Was bleibt von e<strong>in</strong>em Weltjugendtag?<br />

Aus: Die Tagespost vom 13. August 2011<br />

296<br />

KÖLN / BONN. Der Bund Katholischer<br />

Rechtsanwälte (BKR) lädt zur Jahrestagung<br />

2011 nach Bonn. Das Treffen beg<strong>in</strong>nt<br />

um neun Uhr mit e<strong>in</strong>em Gottesdienst,<br />

beg<strong>in</strong>nt um zehn Uhr im Verb<strong>in</strong>dungshaus<br />

der K.D.St.V. Ripuaria (Meckenheimer Allee<br />

146, 53115 Bonn) und steht unter dem Titel<br />

„Zeitmanagement für Rechtsanwälte“.<br />

E<strong>in</strong> für viele Kolleg<strong>in</strong>nen und Kollegen<br />

<strong>in</strong>teressantes Thema, so die der Zeitung<br />

durch Bbr. Nikolaus Jung (Frankfurt) zugegangene<br />

E<strong>in</strong>ladung. Nach dem Abraham<br />

L<strong>in</strong>coln zugeschriebenen Satz „Zeit ist das<br />

e<strong>in</strong>zige Kapital des Anwalts“ sei dies das<br />

e<strong>in</strong>zige Kapital, das sich nicht vermehren<br />

lasse. Darum gehe das Sem<strong>in</strong>ar der Frage<br />

nach, warum so viel Zeit im Büro verbracht<br />

werde und sich trotzdem das Gefühl e<strong>in</strong>stelle,<br />

dass die Arbeit kaum zu schaffen<br />

sei.„Insbesondere geht es darum, sich realistische<br />

Ziele zu setzen, Aktivitäten zu<br />

planen und Term<strong>in</strong>e zu vergeben, Arbeiten<br />

zu delegieren und Prioritäten zu setzen,<br />

E-Mail/Smartphone&Co. s<strong>in</strong>nvoll zu nut-<br />

unitas 4/2011<br />

2 Apostolische Reise nach Madrid, Heilige Messe<br />

zum 26. Weltjugendtag, Predigt von Papst<br />

Benedikt XVI., Madrid, Flugplatz Cuatro Vientos,<br />

Sonntag, 21. August 2011<br />

3 http://www.me<strong>in</strong>-credo.de/<br />

4 Besuch des Deutschen Bundestags und Ansprache<br />

im Berl<strong>in</strong>er Reichstagsgebäude, 22.<br />

September 2011<br />

5 Begegnung mit Repräsentanten der jüdischen<br />

Geme<strong>in</strong>de im Berl<strong>in</strong>er Reichstagsgebäude, 22.<br />

September 2011, www.vatican.va<br />

6 PAPSTBESUCH 2011, Eucharistiefeier im Olympiastadion<br />

Berl<strong>in</strong>, Donnerstag, 22. September<br />

2011, www.dbk.de<br />

7 Begegnung mit Repräsentanten der Muslimischen<br />

Geme<strong>in</strong>de im Empfangssaal der<br />

Apostolischen Nuntiatur Berl<strong>in</strong>, 23. September<br />

2011, www.vatican.va<br />

8 Begegnung mit Vertretern des Rates der evangelischen<br />

Kirche <strong>in</strong> Deutschland (EKD) im<br />

August<strong>in</strong>erkloster Erfurt, 23. September 2011,<br />

www.vatican.va<br />

9 Ökumenischer Gottesdienst <strong>in</strong> der Kirche des<br />

August<strong>in</strong>erklosters Erfurt, 23. September 2011,<br />

www.vatican.va<br />

10 Marianische Vesper <strong>in</strong> der Wallfahrtskapelle<br />

Etzelsbach, 23. September 2011, www.vatican.va<br />

11 PAPSTBESUCH 2011, Eucharistiefeier auf dem<br />

Erfurter Domplatz, Samstag, 24. September 2011,<br />

www.dbk.de<br />

12 Begegnung mit den Vertretern der Orthodoxen<br />

Kirchen im Hörsaal des Priestersem<strong>in</strong>ars von<br />

Freiburg im Breisgau, 24. September 2011,<br />

www.vatican.va<br />

zen, mit Zeitdieben umzugehen, sich und<br />

andere zu motivieren und e<strong>in</strong> beruflich<br />

und privat erfülltes Leben zu führen.“<br />

Dazu referiert am Vormittag Michael<br />

Germ, Kanzleiberater und Lehrbeauftragter<br />

der Universität Hannover. Nach<br />

se<strong>in</strong>em Vortrag über die Grundlagen des<br />

anwaltlichen Zeitmanagements und dem<br />

Mittagessen werden <strong>in</strong> Workshops E<strong>in</strong>-<br />

zelfragen vertieft, die Ergebnisse werden<br />

später im Plenum vorgestellt und diskutiert.<br />

Nach dem um 17 Uhr schließenden<br />

Programm wird die Mitgliederversammlung<br />

beg<strong>in</strong>nen.<br />

13 Metropolit Augoust<strong>in</strong>os von Deutschland,<br />

Vorsitzender der Orthodoxen Bischofskonferenz<br />

<strong>in</strong> Deutschland (OBKD), Begrüßung anlässlich<br />

der Begegnung mit Papst Benedikt<br />

XVI. <strong>in</strong> Freiburg am 24. September 2011,<br />

www.vatican.va<br />

14 Begegnung mit dem Präsidium des Zentralkomitees<br />

der deutschen Katholiken (ZDK) im<br />

Hörsaal des Priestersem<strong>in</strong>ars zu Freiburg im<br />

Breisgau, 24. September 2011, www.vatican.va<br />

15 Gebetsvigil mit den Jugendlichen auf dem<br />

Ausstellungs- und Veranstaltungsgelände von<br />

Freiburg im Breisgau, 24. September 2011,<br />

www.vatican.va<br />

16 PAPSTBESUCH 2011, Eucharistiefeier auf dem<br />

Flughafengelände <strong>in</strong> Freiburg im Breisgau,<br />

Samstag, 25. September 2011, www.dbk.de<br />

17 Begegnung mit engagierten Katholiken aus<br />

Kirche und Gesellschaft im Konzerthaus Freiburg<br />

im Breisgau, 25. September 2011, www.vatican.va<br />

18 Abschiedszeremonie auf dem Flughafen Lahr, 25.<br />

September 2011, www.vatican.va<br />

19 Generalaudienz auf dem Petersplatz am 28.<br />

September. Papst Benedikt XVI. blickt zurück auf<br />

se<strong>in</strong>e Apostolische Reise nach Deutschland<br />

(Osservatore Romano, 29.9.2011)<br />

Die LINKS zur Apostolischen Reise nach<br />

Deutschland vom 22.-25. September 2011:<br />

http://www.vatican.va/holy_father/benedict_xvi/travels/2011/<strong>in</strong>dex_germania_ge.htm,<br />

http://www.papst-<strong>in</strong>-deutschland.de,<br />

http://www.papst-<strong>in</strong>-deutschland.de/presse/reden/<br />

Zeitmanagement für Rechtsanwälte<br />

JAHRESTAGUNG DES BKR AM 12. NOVEMBER 2011 IN BONN<br />

Gäste bei der Jahrestagung des BKR:<br />

Michael Germ, Prof. Bernhard Vogel<br />

Am Abend s<strong>in</strong>d alle Sem<strong>in</strong>arteilnehmer<br />

mit Begleitpersonen zu e<strong>in</strong>em studentischen<br />

Kommers e<strong>in</strong>geladen. Festredner<br />

M<strong>in</strong>isterpräsident a. D. Prof. Dr.<br />

Bernhard Vogel spricht zum Thema<br />

„Zukunft braucht Vergangenheit“.<br />

Bei Anmeldung für das Sem<strong>in</strong>ar wird<br />

e<strong>in</strong>e Anmeldebestätigung mit Rechnung<br />

versendet. Die Teilnahme am Mittag-/<br />

Abendessen und am Kommers ist kostenfrei,<br />

es besteht Gelegenheit zur Spende.<br />

E<strong>in</strong> Rücktritt von der Teilnahme am Sem<strong>in</strong>ar<br />

ist kostenfrei nur bis 20 Tage vor der<br />

Veranstaltung möglich, danach fällt der<br />

volle Tagungsbeitrag an. E<strong>in</strong> Ersatzteilnehmer<br />

kann jederzeit benannt werden.<br />

Sem<strong>in</strong>arbeitrag: 120,00 Euro Nichtmitglieder,<br />

90,00 Euro Mitglieder des<br />

BKR/BKU, 45,00 Euro Referendare (ohne<br />

Umsatzsteuer)<br />

Kontakt: BKR e.V., Georgstr. 18, 50676<br />

Köln, Dieter Trimborn v. Landenberg,<br />

Rechtsanwalt und Vorsitzender des BKR,<br />

Anmeldung per Tel. 02671 / 915662,<br />

Fax 0221 2723727, E-Mail: <strong>in</strong>fo@bkr-netzwerk.de,<br />

Internet: www.bkr-netzwerk.de.


VON BBR. CLEMENS HEINZE<br />

ERFURT. Am 23. September flog se<strong>in</strong> Flugzeug<br />

direkt über das Bischof-Aufderbeck-<br />

Haus der <strong>Unitas</strong> Ostfalia. E<strong>in</strong>e halbe Stunde<br />

später bewegte sich e<strong>in</strong> nahezu endlos<br />

sche<strong>in</strong>ender Tross von wichtigen und<br />

sehr wichtigen Personen an der<br />

He<strong>in</strong>richstraße entlang, um die Ankunft<br />

von Papst Benedikt XVI. der<br />

ganzen Stadt und dem Erdkreis anzukündigen.<br />

Zu diesem Zeitpunkt war<br />

die Ostfalen-Aktivitas bereits bestens<br />

vorbereitet: Die blau-weiß-goldene<br />

Fahne war längst am Wegesrand entrollt,<br />

das Haus bereits den ganzen Tag<br />

stolz beflaggt. Und dann begrüßte<br />

Benedikt nach der Blaulichtparade die<br />

wartenden Erfurter durch die ihm<br />

eigene päpstlich-schüchterne Hand-<br />

bewegung.<br />

Der sicheren Ankunft des Hl.<br />

Vaters <strong>in</strong> unserer schönen kle<strong>in</strong>en<br />

Stadt endlich gewiss, beseelt durch<br />

die nun konkret werdende Vorfreude<br />

auf die kommenden Ereignisse, eilten<br />

wir zurück zum Aufderbeck-Haus, um<br />

die letzten Vorbereitungen für die<br />

anstehenden zwei Tage zum Abschluss<br />

zu br<strong>in</strong>gen: Schnell noch die<br />

50 ofenfrisch bestellten Semmeln<br />

vom Bäcker abholen, den Grill <strong>in</strong> e<strong>in</strong>en<br />

für gute Thür<strong>in</strong>ger Bratwürste würdige<br />

Verfassung br<strong>in</strong>gen und natürlich<br />

e<strong>in</strong>en letzten kritischen Blick über die<br />

Getränkereserven schweifen lassen.<br />

Die Gäste konnten kommen.<br />

Gäste aus Münster<br />

und Gießen<br />

Als die ungeduldigsten Pilger erwiesen<br />

sich unsere Bundesbrüder der<br />

W<strong>in</strong>fidia und Rolandia aus Münster,<br />

die am Abend als erste das Aufderbeck-Haus<br />

erreichten. Als dann noch<br />

unsere Bundesbrüder der Gießener<br />

Cheruskia zu uns stießen, waren alle<br />

Pilger beisammen – zum <strong>in</strong>tensiven<br />

AUS DEM VERBAND<br />

Der Papst zu Gast bei Freunden –<br />

Die <strong>Unitas</strong> Ostfalia und der Hl. Vater<br />

E<strong>in</strong>stimmen auf die Begegnung mit dem<br />

hohen Besuch am nächsten Tag. Der begann<br />

<strong>in</strong> aller Herrgottsfrühe um sechs Uhr<br />

mit dem Abmarsch zur Papstmesse. Nur die<br />

tapferen drei Fahnenträger machten sich<br />

schon um fünf Uhr auf die Reise Richtung<br />

Domplatz – e<strong>in</strong> selbst für ortskundige Pilger<br />

äußerst schwieriges Unterfangen. Überall<br />

versperrten Umleitungen und Absperrungen<br />

den Gläubigen den geraden Weg zum<br />

Ziel, sodass wir uns nach e<strong>in</strong>er e<strong>in</strong>stündigen<br />

Umrundung des Domplatzes auch endlich<br />

durch den E<strong>in</strong>lass gelangen konnten.<br />

Impressionen aus Erfurt, woh<strong>in</strong> die <strong>Unitas</strong> Ostfalia e<strong>in</strong>geladen<br />

hatte, sandten uns die Bundesbrüder aus Münster<br />

Höchste Sicherheitsstufe: Nach langer Wartezeit tauchte endlich<br />

das Papamobil auf …<br />

Exklusiver Blick<br />

für die Fahnenträger<br />

Die anschließende Messe konnte der<br />

Großteil von uns nun auf den zahlreichen<br />

Le<strong>in</strong>wänden verfolgen. Die Fahnenträger<br />

h<strong>in</strong>gegen hatten e<strong>in</strong>en exklusiven Blick von<br />

den Domstufen aus direkt auf den Altar des<br />

Hl. Vaters. So oder so war es e<strong>in</strong> außerordentliches<br />

Erlebnis, mitten im größtenteils<br />

atheistisch geprägten Erfurt geme<strong>in</strong>sam<br />

mit 30.000 Brüdern und Schwestern im<br />

Glauben Zeugnis über unsere Hoffnung<br />

ablegen zu können.<br />

Papst Benedikt würdigte <strong>in</strong> se<strong>in</strong>er<br />

Predigt die Christen <strong>in</strong> der ehemaligen<br />

DDR, die trotz Repressionen standhaft<br />

blieben und sich auch nicht von e<strong>in</strong>er<br />

überwältigenden Mehrheitsme<strong>in</strong>ung,<br />

dass Gott ke<strong>in</strong>e Rolle für den Menschen<br />

spiele, nicht vom rechten Weg<br />

abbr<strong>in</strong>gen ließen.<br />

Mit dieser Stärkung im Geiste<br />

luden wir auf dem Haus den Akku für<br />

die von Bbr. Frank Wehrmöller anschließend<br />

angebotene Stadtführung.<br />

Sie führte uns durch die vom Krieg fast<br />

gänzlich verschonte wunderschöne<br />

mittelalterliche Altstadt Erfurts. Traditionell<br />

und heimatverbunden gestaltete<br />

sich auch die Belohnung mit echt<br />

orig<strong>in</strong>al Thür<strong>in</strong>ger Rostbratwürsten<br />

aus Eichsfelder Produktion auf dem<br />

hauseigenen Grill.<br />

E<strong>in</strong>e dr<strong>in</strong>gend nötige Stärkung,<br />

wollte man den Höhepunkt des<br />

Abends überstehen: Denn Feste muss<br />

man ja bekanntlich feiern wie sie fallen<br />

– so entschlossen wir uns, dieser<br />

Weisheit zu folgen und mit gebotenem<br />

Bierernst die schon von allen<br />

erwartete Papstkneipe zu feiern. Und<br />

Bbr. Alexander He<strong>in</strong>ze schlug mit<br />

Worten reimend kraftvoll drauf los.<br />

Das historische Wochenende verklang<br />

anschließend noch bis tief <strong>in</strong><br />

die Nacht mit schwungvollen Gesängen<br />

aus dem Bischof-Aufderbeck-<br />

Haus. So wird uns der Besuch Benedikts<br />

XVI. als e<strong>in</strong> fröhliches und hoffnungsfrohes<br />

Treffen von Brüdern <strong>in</strong><br />

Er<strong>in</strong>nerung bleiben, von dem man<br />

noch lange und gerne sprechen<br />

wird.<br />

unitas 4/2011 297


UNITAS Theophanu gedachte ihrer Namenspatron<strong>in</strong><br />

VON BSR. ELISABETH BECKMANN<br />

KÖLN. Vor 1020 Jahren, am 15. Juni 991, verstarb<br />

bei e<strong>in</strong>er Reichsversammlung <strong>in</strong><br />

Nijmegen e<strong>in</strong>e der mächtigsten Frauen ihrer<br />

Zeit – Kaiser<strong>in</strong> Theophanu, die<br />

Ehefrau Kaiser Ottos II. und<br />

Mutter Kaiser Ottos III. Beigesetzt<br />

wurde sie im Westwerk<br />

der benedikt<strong>in</strong>ischen Klosterkirche<br />

St. Pantaleon <strong>in</strong> Köln.<br />

Aus dem oströmischen<br />

Byzanz war Theophanu im Jahr<br />

972 als Friedenspfand und adelige<br />

Braut für den Kaiser nach<br />

Deutschland gekommen. Otto<br />

II. wertschätzte offenbar ihr<br />

politisches Interesse und Geschick und<br />

machte sie zur „coimperatrix“, zur Mitkaiser<strong>in</strong><br />

– e<strong>in</strong>e Frau <strong>in</strong> e<strong>in</strong>er solchen Machtposition<br />

war im Mittelalter e<strong>in</strong>e Seltenheit.<br />

Mächtige Herrscher<strong>in</strong><br />

Nach dem frühen Tod ihres Mannes<br />

stand Theophanu vor großen Herausforderungen:<br />

Ihr oblag die Vormundschaft für<br />

den erst dreijährigen Sohn und somit auch<br />

die Verantwortung für die Regierungsgeschäfte,<br />

während e<strong>in</strong> Vetter ihres Mannes<br />

alles daran setzte, ihr und ihrem Sohn den<br />

Thron streitig zu machen. Durch ihr politisches<br />

Geschick und Durchsetzungsvermögen<br />

jedoch sicherte Theophanu das Erbe<br />

ihres Sohnes und regierte elf Jahre lang bis<br />

zu ihrem Tod friedlich das langsam zu e<strong>in</strong>em<br />

Weltreich anwachsende Herrschaftsgebiet.<br />

Auf eigenen Wunsch wurde sie <strong>in</strong> der Nähe<br />

ihres Witwensitzes <strong>in</strong> der Kölner Kirche St.<br />

Pantaleon beigesetzt, zu der sie e<strong>in</strong>e besondere<br />

persönliche Beziehung hatte.<br />

Bei se<strong>in</strong>er Gründung im Jahr 2004 wählte<br />

der Kölner Student<strong>in</strong>nenvere<strong>in</strong> somit den<br />

Namen e<strong>in</strong>er lokal bedeutsamen und fasz<strong>in</strong>ierenden<br />

mittelalterlichen Persönlichkeit,<br />

die die Gabe besaß, ause<strong>in</strong>anderstrebende<br />

Kräfte zusammenzuführen, zerstrittene<br />

Parteien zu versöhnen und Frieden zu stiften.<br />

Ihr Wirken und ihr E<strong>in</strong>fluss auf diese<br />

Stadt soll uns e<strong>in</strong> Vorbild se<strong>in</strong> und wir wollen<br />

an diese starke Frau er<strong>in</strong>nern.<br />

Seit 1989 gedenkt die Kirchengeme<strong>in</strong>de<br />

St. Pantaleon geme<strong>in</strong>sam mit der „Kaiser<strong>in</strong><br />

Theophanu-Gesellschaft zur Förderung der<br />

Städtepartnerschaft Köln-Thessaloniki e.V.“<br />

und dem „Freundeskreis St. Pantaleon e.V.“<br />

dieser bedeutenden Frau an ihrem Todestag.<br />

Zum ersten Mal beteiligten sich <strong>in</strong> diesem<br />

Jahr auch die Kölner Unitarier<strong>in</strong>nen an<br />

diesem Fest.<br />

298<br />

unitas 4/2011<br />

Gebet um E<strong>in</strong>heit<br />

der Christen<br />

Im Mittelpunkt verschiedener Veranstaltungen<br />

stand 2011 e<strong>in</strong>e geme<strong>in</strong>same<br />

Eucharistiefeier für die E<strong>in</strong>heit der Christen<br />

<strong>in</strong> Ost und West, die mit orthodoxen Geistlichen<br />

und Gläubigen geme<strong>in</strong>sam<br />

gefeiert wurde.<br />

Auch die <strong>Unitas</strong> Theophanu<br />

nahm mit e<strong>in</strong>er Chargenabordnung<br />

an der Messe zum<br />

Gedenken an ihre Namensgeber<strong>in</strong><br />

teil, die mit dem<br />

Mnemosynon, dem orthodoxen<br />

Totengedenken am Sarkophag<br />

e<strong>in</strong>drucksvoll endete.<br />

Sehr gefreut hat uns der herzliche<br />

Empfang und die gesonderte<br />

Erwähnung bei der<br />

Begrüßung durch Pastor Hildebrandt.<br />

Berühmte Kölner<strong>in</strong>nen<br />

Im Verlauf des Abends folgte auf dem<br />

Kölner <strong>Unitas</strong>-Haus entsprechend unserem<br />

Semesterthema „Sancta Colonia – Frauen<br />

schreiben Geschichte“ e<strong>in</strong> Vortrag über e<strong>in</strong>e<br />

weitere berühmte Tochter Kölns: Bsr. L<strong>in</strong>a<br />

Brockhaus <strong>in</strong>formierte uns über Leben und<br />

Werk der Dichter<strong>in</strong> Hilde Dom<strong>in</strong>. Zur Auflockerung<br />

folgten unter anderem die Legenden<br />

der sich mutig gegen die <strong>in</strong> Köln wütenden<br />

Hunnen stellende Ursula und die<br />

„Wundererzählung“ der sche<strong>in</strong>toten Richmodis<br />

von Aducht, zweier im Kölner Stadtbild<br />

stets präsenten Damen. Die Anwesenheit der<br />

Aktiven der <strong>Unitas</strong> Landshut ließ darauf<br />

schließen, dass Geschichten über berühmte<br />

Frauen durchaus auch etwas für Männer s<strong>in</strong>d<br />

– vergessen wurde im Kölner Sagen-Marathon<br />

zur Erheiterung aller natürlich auch die<br />

Erzählung der He<strong>in</strong>zelmännchen nicht.<br />

L<strong>in</strong>ks: Das von Theophanu errichtete Westwerk von St. Pantaleon, Mitte: Otto II. und se<strong>in</strong>e Gemahl<strong>in</strong><br />

Theophanu, von Christus gekrönt und gesegnet, Elfenbe<strong>in</strong>tafel um 982, Museum Cluny, Paris,<br />

rechts: Theophanu am Kölner Rathausturm. Unten: Kölner Unitarier<strong>in</strong>nen neben dem mit Lilien<br />

geschmückten Sarkophag von Kaiser<strong>in</strong> Theophanu <strong>in</strong> ihrer Liebl<strong>in</strong>gskirche St. Pantaleon.


<strong>Unitas</strong>-Zirkel Freiburg auf Exkursion<br />

im Breisgau und <strong>in</strong> der Ortenau<br />

FREIBURG. Es war die letzte Ausfahrt mit<br />

dem Zirkel-Vorsitzenden Bbr. Dr. Hans Peter<br />

Boden. Wir Freiburger Unitarier und Angehörige<br />

werden ihn auch als Organisator der<br />

Ausflüge im Badner Land, im benachbarten<br />

Elsass und <strong>in</strong> der Schweiz nach se<strong>in</strong>em<br />

Weggang nach Essen-Kettwig vermissen.<br />

Se<strong>in</strong>e kunsthistorischen und archäologischen<br />

Besichtigungen <strong>in</strong> Kirchen, Museen<br />

und Ausgrabungen mit kundiger Führung<br />

vor Ort, Wanderungen zu Berg und Tal mit<br />

E<strong>in</strong>kehr <strong>in</strong> Landgasthöfen <strong>in</strong> langer AHZ-<br />

Tradition h<strong>in</strong>terlassen Spuren.<br />

Zum Tagesausflug des AHZ <strong>Unitas</strong><br />

Freiburg am 2. Juli trafen wir uns am<br />

Konzerthaus <strong>in</strong> Freiburg früh morgens zur<br />

Abfahrt mit dem Bus. Hans Peter Boden<br />

überreichte jedem Teilnehmer e<strong>in</strong>en Tagesablaufplan<br />

mit <strong>in</strong>haltlicher E<strong>in</strong>führung.<br />

Unser erstes Ziel war Waldkirch, e<strong>in</strong>e Stadt<br />

im nördlichen Breisgau, seit mehr als 200<br />

Jahren über die Grenzen Europas h<strong>in</strong>aus<br />

berühmt für die Herstellung mechanischer<br />

Musikautomaten. Durch e<strong>in</strong>e Vielfalt von<br />

Aktivitäten hat sich Waldkirch zum Mekka<br />

des Orgelbaues entwickelt und wird heute<br />

„Metropole des Orgelbaus“ genannt.<br />

Elztalmuseum Waldkirch<br />

Das Elztalmuseum im ehemaligen<br />

Chorherrenstift – e<strong>in</strong>em barocken Schlossbau<br />

– bietet neben Volkskunst, Handwerk<br />

und sakraler Kunst e<strong>in</strong>e e<strong>in</strong>zigartige Sammlung<br />

der <strong>in</strong> Waldkirch gebauten mechanischen<br />

Orgeln und Orchestrien, durch die<br />

uns Frau Bernadette Thol mit getragener<br />

Musik und nostalgischen Klängen – auch<br />

selbst Hand anlegend – führte. Hier pfeift<br />

es an allen Enden: Kirchen- und Karussellorgeln,<br />

Drehorgeln und Leierkästen. Vor<br />

allem bee<strong>in</strong>druckten uns die Konzert- und<br />

Jahrmarktorgeln der Firmen Bruder<br />

und Ruth & Sohn mit ihrer barock<br />

anmutenden Klangfülle. Auskl<strong>in</strong>gend<br />

wurden uns <strong>in</strong> der historischen<br />

Stube Kaffee, Tee, Kuchen und<br />

Sekt angeboten.<br />

Bleibacher<br />

Totentanz<br />

Unser nächstes Ziel ist die<br />

Besichtigung der Be<strong>in</strong>hauskapelle<br />

zu Bleibach im Elztal zur Geme<strong>in</strong>de<br />

Gutach im Breisgau gehörend. Der<br />

Internet-Auftritt der Pfarrgeme<strong>in</strong>de<br />

St. Georg lädt e<strong>in</strong> mit den Worten<br />

„Herzlich Willkommen <strong>in</strong> der Be<strong>in</strong>hauskapelle<br />

mit dem Bleibacher<br />

Totentanz“. Seit dem 14. Jahrhundert<br />

entwickelten sich bildliche<br />

Darstellungen der Macht des Todes<br />

über das Menschenleben. Dabei<br />

wird <strong>in</strong> verschiedenen Bildern die<br />

Unbestechlichkeit des Todes gezeigt.<br />

Für den Tod s<strong>in</strong>d irdische<br />

Reichtümer, Stellung und Ansehen<br />

ohne Bedeutung, er kommt zu<br />

jedem E<strong>in</strong>zelnen und holt ihn ab<br />

zum Totentanz.<br />

Der Bleibacher Totentanz ist e<strong>in</strong><br />

besonderes kulturhistorisches Juwel<br />

im süddeutschen Raum. Er besteht<br />

aus 34 Bildern, geordnet nach den<br />

Ständen der damaligen Zeit. E<strong>in</strong>drucksvoll<br />

und engagiert erläuterte<br />

uns der Pfarrgeme<strong>in</strong>deratsvorsitzende<br />

Hans Schätzle die e<strong>in</strong>zelnen –<br />

makabren – Darstellungen <strong>in</strong> der<br />

Be<strong>in</strong>hauskapelle, für die er sich seit<br />

vielen Jahren persönlich verdient<br />

machte. Nach der Betrachtung des<br />

Sensenmannes als Tod mit der<br />

Näherung zu den Todgeweihten legten wir<br />

e<strong>in</strong>e Besichtungspause e<strong>in</strong> und machten<br />

uns mit dem Bus auf den Weg zur Mittagspause<br />

im Gasthof Rebstock <strong>in</strong> Ettenheim-<br />

Münchweier.<br />

Stadtführung <strong>in</strong> Ettenheim<br />

Ettenheim liegt am Übergang von der<br />

Rhe<strong>in</strong>ebene zum Schwarzwald und ist die<br />

südlichste Stadt des Ortenaukreises, ab<br />

dem Mittelalter zum Erzstift Straßburg und<br />

nach 1803 zum Großherzogtum Baden gehörend.<br />

Am Busparkplatz „Auf den Espen“<br />

erwarteten uns Frau Zehnle und Herr<br />

Hart<strong>in</strong>g als Stadtführer. In zwei Gruppen<br />

lernten wir die barocke historische Stadt<br />

und das pulsierende Leben heute kennen:<br />

Schloss, Pr<strong>in</strong>zengarten mit Pavillon, Rat- >><br />

Historische Orgel im Elztalmuseum im ehemaligen<br />

Chorherrenstift Waldkirch.<br />

Ettenheim – Pfarrkirche St. Bartholomäus.<br />

Spiel mir das „Lied vom Tod“:<br />

Sensenmänner im Bleibacher Totentanz.<br />

unitas 4/2011 299


haus – Rückblick auf die Stadtgeschichte,<br />

alter Fachwerkbau, außergewöhnliche<br />

gärtnerische Farbenvielfalt und moderne<br />

Infrastruktur.<br />

Im Blickpunkt steht die spätbarocke<br />

katholische Kirche St. Bartholomäus. Das<br />

Altarbild zeigt das Martyrium des Apostels<br />

Bartholomäus, flankiert von Statuen des Hl.<br />

Erasmus und des Hl. Mart<strong>in</strong>. E<strong>in</strong>e Besonderheit<br />

stellt der Bischofssitz auf der rechten<br />

Seite im Chorraum dar. Er weist <strong>in</strong> die<br />

Vergangenheit der Ettenheimer Pfarre als<br />

Teil des ehemaligen Fürstbistums Straßburg<br />

und Zufluchtsstätte des letzten Kard<strong>in</strong>als<br />

Louis von Rohan, dessen Grabstätte<br />

sich <strong>in</strong> dieser Kirche bef<strong>in</strong>det.<br />

Orgelkonzert<br />

<strong>in</strong> Ettenheimmünster<br />

Ettenheimmünster war über tausend<br />

Jahre lang, vom Anfang des 8. Jahrhunderts<br />

bis zur Säkularisation geprägt von der<br />

Benedikt<strong>in</strong>erabtei. Die jetzige Pfarrkirche<br />

ist die St. Landel<strong>in</strong> geweihte alte Wallfahrtskirche<br />

des Klosters. Sie zählt zu den<br />

schönsten Barockkirchen am Oberrhe<strong>in</strong><br />

und birgt wertvolle Kunstschätze, e<strong>in</strong>e<br />

prachtvolle spätgotische silberne Landel<strong>in</strong>sbüste<br />

und e<strong>in</strong>e Silbermann-Orgel von<br />

1769. Kirchen- und Barockkonzerte s<strong>in</strong>d<br />

300<br />

LEIPZIG. Im alt-ehrwürdigen Auerbachs<br />

Keller zu Leipzig trafen sich am Abend des<br />

7. September 2011 fünf Bundesbrüder, um<br />

geme<strong>in</strong>sam auf die Gründung e<strong>in</strong>es<br />

neuen Zirkels anzustoßen.<br />

unitas 4/2011<br />

weit über die Grenzen der Region<br />

bekannt.<br />

Als Höhepunkt unseres Tagesausfluges<br />

lauschten wir den Klängen<br />

der Silbermann-Orgel, dargeboten<br />

von Werner Veith, dem Organisten<br />

von St. Landel<strong>in</strong>, der es uns<br />

nach dem Konzert ermöglichte, auf<br />

der Empore ihm über den Rücken<br />

beim Orgelspiel zuzuschauen – den<br />

Mechanismus erklärend. Danach<br />

fuhr der Bus uns – erfüllt von den<br />

Sehenswürdigkeiten e<strong>in</strong>es erlebnisreichen<br />

Tages – über den Schwarzwald<br />

zurück nach Freiburg.<br />

Abschied des<br />

AHZ-Vorsitzenden<br />

E<strong>in</strong> paar Tage nach dieser Exkursion<br />

verabschiedete sich Bbr. Dr.<br />

Hans Peter Boden mit den Worten:<br />

„Für die schönen Jahre, die ich mit<br />

Euch Bundesbrüdern (Aktive – Inaktive<br />

– Conphilister) und den verehrten<br />

Damen <strong>in</strong> wunderbarer unitarischer<br />

Geme<strong>in</strong>schaft hier <strong>in</strong> Freiburg erleben<br />

durfte, möchte ich mich ganz herzlich, auch<br />

im Namen me<strong>in</strong>er Frau, bedanken. Gerne<br />

werden wir zu der e<strong>in</strong>en oder anderen<br />

<strong>Unitas</strong>-Veranstaltung immer wieder e<strong>in</strong>mal<br />

21 Jahre nach der Wiedervere<strong>in</strong>igung<br />

ist es nunmehr gelungen, auch die Altherrenschaft<br />

der <strong>Unitas</strong> <strong>in</strong> Sachsens traditionsreicher<br />

Universitätsstadt wieder<br />

zusammenzuführen. Mit Recht kann man<br />

Orgelkonzert für den <strong>Unitas</strong>-Zirkel<br />

Bbr. Werner Veith an der Silbermann-Orgel <strong>in</strong> der<br />

Pfarrkirche St. Landel<strong>in</strong><br />

ersche<strong>in</strong>en, das macht uns dann den<br />

Abschied nicht ganz so schwer. In diesem<br />

S<strong>in</strong>ne grüßt Euch herzlich und unitarisch<br />

Euer Hans Peter Boden.“<br />

Willi Vögele, Freiburg<br />

<strong>Unitas</strong>-Zirkel Halle/Leipzig wiederbegründet<br />

die fünf Gründungsmitglieder als bunte<br />

Truppe bezeichnen: im Alter von 26 bis<br />

75 Jahren und aus den Studiengängen<br />

Theologie, Physik, Ingenieurswesen und<br />

Jura.<br />

Herzliche<br />

E<strong>in</strong>ladung<br />

Alle Interessierten<br />

s<strong>in</strong>d herzlich zu den kommenden<br />

Treffen e<strong>in</strong>geladen,<br />

regelmäßig am jeweils<br />

ersten Mittwoch<br />

des Monats.<br />

Weitere Auskünfte erteilt<br />

der Vorsitzende, Bbr.<br />

Sebastian Bruch (sebastian_bruch@gmx.de).<br />

Und<br />

wer weiß, ob nicht schon<br />

bald wieder e<strong>in</strong>e Aktivitas<br />

<strong>in</strong> Leipzig Fuß fassen<br />

wird.<br />

Vivat, floreat, crescat!<br />

(SBR)


85. Stiftungsfest der <strong>Unitas</strong>-Willigis Ma<strong>in</strong>z<br />

MAINZ. Als am 6. Oktober 1926 – entstanden<br />

aus e<strong>in</strong>em unitarischen „Kränzchen“ –<br />

die „<strong>Unitas</strong> Ma<strong>in</strong>z“ gegründet wurde, ahnte<br />

wohl ke<strong>in</strong>er der damaligen Bundesbrüder,<br />

dass 85 Jahre später der W.K.St.V. <strong>Unitas</strong>-<br />

Willigis Ma<strong>in</strong>z se<strong>in</strong> 85. Stiftungsfest feiern<br />

würde.<br />

So fanden sich am 18. Juni 2011 zahlreiche<br />

Ma<strong>in</strong>zer Bundesbrüder, verehrte Damen,<br />

Gäste und Freunde der Ma<strong>in</strong>zer<br />

<strong>Unitas</strong> am frühen Abend zu e<strong>in</strong>em Sektempfang<br />

am Gewölbekeller der Burg<br />

Weisenau <strong>in</strong> Ma<strong>in</strong>z e<strong>in</strong>. Die Festcorona<br />

konnte sich an e<strong>in</strong>em exzellenten Buffet<br />

kul<strong>in</strong>arisch erfreuen und vor dem anschließenden<br />

Kommers geme<strong>in</strong>sam auf 85 Jahre<br />

<strong>Unitas</strong> Ma<strong>in</strong>z anstoßen.<br />

Thematisch sollte der Abend mit dem<br />

Namen e<strong>in</strong>es der bedeutendsten Ma<strong>in</strong>zer<br />

Bischöfe verbunden se<strong>in</strong>: dem Erbauer des<br />

Ma<strong>in</strong>zer Domes und der Stephans-Kirche –<br />

bekannt durch ihre blauen Chagall-Fenster:<br />

WILLIGIS! Die Beschäftigung mit dem<br />

Namensgeber der Ma<strong>in</strong>zer <strong>Unitas</strong> lag nahe,<br />

feiert das Bistum Ma<strong>in</strong>z doch <strong>in</strong> diesem Jahr<br />

den 1000. Todestag des berühmten Erzbischofs.<br />

Neben der Aufnahme<br />

e<strong>in</strong>es Neofuxen <strong>in</strong> die<br />

Aktivitas war der Festvortrag<br />

von Pfarrer Stefan Schäfer,<br />

Pfarrer von St. Stephan und<br />

St. Ignaz <strong>in</strong> Ma<strong>in</strong>z, der Höhepunkt<br />

des Abends im Fürstensaal<br />

der Burg Weisenau. Er<br />

sprach zum Thema: „Willigis<br />

– fern und doch nah“. Dabei<br />

g<strong>in</strong>g Pfarrer Schäfer <strong>in</strong> se<strong>in</strong>em<br />

Vortrag nicht auf die<br />

historische Gestalt des hl.<br />

Willigis e<strong>in</strong>, sondern versuchte,<br />

sich dem mittelalterlichen<br />

Menschen zu nähern, der e<strong>in</strong>gebunden<br />

war <strong>in</strong> e<strong>in</strong>e göttliche<br />

Ordnung, „der der Mensch <strong>in</strong> se<strong>in</strong>em<br />

Leben nachzuspüren und nach der er sich<br />

und se<strong>in</strong>e Welt zu formen und zu gestalten<br />

hat“.<br />

Pfarrer Schäfer wies darauf h<strong>in</strong>, dass<br />

Willigis, „nach allem, was wir von ihm wissen,<br />

se<strong>in</strong>e Macht und se<strong>in</strong>en E<strong>in</strong>fluss tatkräftig<br />

und mutig, pflichtbewusst und um<br />

Gerechtigkeit bemüht für das Reich und für<br />

die Kirche e<strong>in</strong>gesetzt hat“. In diesem S<strong>in</strong>n<br />

deute ihn auch die Liturgie der Kirche: das<br />

Evangelium, das an se<strong>in</strong>em Gedenktag im<br />

Gottesdienst gelesen werde, münde <strong>in</strong><br />

e<strong>in</strong>em Lob für den tüchtigen und treuen<br />

Verwalter der anvertrauten Güter, für den<br />

treuen Diener se<strong>in</strong>es Herrn (vgl. Mt 25,29).<br />

Fremd stehe er vor uns,Willigis, der Kirchenmann<br />

und Politiker, als Gestalt e<strong>in</strong>er fernen<br />

Vergangenheit, <strong>in</strong> der der Glaube noch ganz<br />

selbstverständlich das Leben der Menschen<br />

Festredner beim Festakt und beim Festkommers auf Burg Weisenau: Bbr. P. Prof. Dr. em. Stefan<br />

Knobloch (l.) und Pfarrer Stefan Schäfer, Pfarrer von St. Stephan und St. Ignaz <strong>in</strong> Ma<strong>in</strong>z.<br />

geprägt und geordnet habe. In den Bauwerken<br />

aber, die er uns h<strong>in</strong>terlassen habe,<br />

sei se<strong>in</strong> Erbe lebendig und werde zum<br />

Auftrag für die Geme<strong>in</strong>de heute. So resümierte<br />

Pfarrer Schäfer: „Es s<strong>in</strong>d ke<strong>in</strong>e<br />

Museen, sondern was sie zu Zeiten des<br />

Willigis waren: Zeichen der Gegenwart<br />

Gottes unter den Menschen.“<br />

Nach e<strong>in</strong>er für manchen Aktiven fröhlichen<br />

Fidulitas auf dem Haus und e<strong>in</strong>er kurzen<br />

Nacht trafen sich die Ma<strong>in</strong>zer Bundesbrüder<br />

mit ihren Familien am Sonntagmorgen<br />

zu e<strong>in</strong>em Festgottesdienst <strong>in</strong> der<br />

Bernhardskapelle des Erbacher Hofes <strong>in</strong><br />

Ma<strong>in</strong>z. Zelebriert wurde die Hl. Messe von<br />

Bbr. Pater Prof. Dr. em. Stefan Knobloch. Beim<br />

anschließenden Festakt im Haus am Dom<br />

g<strong>in</strong>g Bbr. Knobloch bei se<strong>in</strong>em Vortrag der<br />

Frage nach: „Das Memorandum deutschsprachiger<br />

Theolog<strong>in</strong>nen und Theologen<br />

‚Kirche 2011‘ – (k)e<strong>in</strong> Ste<strong>in</strong> des Anstoßes?“<br />

Bbr. Knobloch wies zur Form des auch von<br />

ihm unterzeichneten Memorandums darauf<br />

h<strong>in</strong>, dass e<strong>in</strong> Memorandum vom Genus<br />

her ke<strong>in</strong> theologischer Traktat sei, der sozusagen<br />

alle Themen, die er anspricht, zur selben<br />

Zeit theologisch argumentativ entfalten<br />

müsse. E<strong>in</strong> Memorandum wende sich <strong>in</strong><br />

e<strong>in</strong>er stakkatohaften und po<strong>in</strong>tierten<br />

Sprache an e<strong>in</strong>e größere Öffentlichkeit. Im<br />

konkreten Fall richte es sich „an alle, die es<br />

noch nicht aufgegeben haben, auf e<strong>in</strong>en<br />

Neuanfang <strong>in</strong> der Kirche zu hoffen und sich<br />

dafür e<strong>in</strong>zusetzen“. Die Kirche <strong>in</strong> Deutschland<br />

habe mit den aufgedeckten Missbrauchsskandalen<br />

des Jahres 2010 e<strong>in</strong> erhebliches<br />

„tektonisches Beben“ h<strong>in</strong>ter sich,<br />

das – wie bei e<strong>in</strong>em wirklichen Beben – zu<br />

„massiven Erschütterungen“ führe, die dr<strong>in</strong>gend<br />

e<strong>in</strong>er Bearbeitung bedürfe.<br />

Zum Inhalt zitierte Bbr. Knobloch das<br />

Memorandum: „Die Freiheitsbotschaft des<br />

Evangeliums bildet den Maßstab für e<strong>in</strong>e<br />

glaubwürdige Kirche.“ Es wünsche e<strong>in</strong>en<br />

offenen Dialog über sechs kirchliche Handlungsfelder:<br />

über die Strukturen der Beteiligung,<br />

über die Geme<strong>in</strong>de, über die kirchliche<br />

Rechtskultur, über die Gewissensfreiheit,<br />

über die Versöhnung <strong>in</strong> der Kirche<br />

und über die Situation des Gottesdienstes.<br />

Die aktuelle Kirchenkrise falle <strong>in</strong> die Kompetenz<br />

des gesamten Gottesvolkes. Dazu<br />

rufe das Memorandum der Theologen vom<br />

4. Februar 2011 auf. Es sei „e<strong>in</strong> Ste<strong>in</strong>, der zu<br />

e<strong>in</strong>em kreativen Dialog anstoßen wolle […]<br />

und e<strong>in</strong> Aufruf, der sich an alle richtet, auch<br />

an die <strong>Unitas</strong>“.<br />

Mit e<strong>in</strong>em Grillfest im Garten des renovierten<br />

Ma<strong>in</strong>zer <strong>Unitas</strong>-Hauses sowie Kaffee<br />

und Kuchen klang das 85. Stiftungsfest <strong>in</strong><br />

froher Runde aus. Zahlreiche K<strong>in</strong>der jüngerer<br />

Ma<strong>in</strong>zer Alter Herren, die beim „Stöckchen-<br />

Spiel“ mit der Grillkohle nicht nur die<br />

Mücken, sondern auch die letzten „müden<br />

Geister“ vertrieben, ließen hoffen, dass die<br />

Ma<strong>in</strong>zer Aktivitas weiterh<strong>in</strong> wachsen, blühen<br />

und gedeihen wird. Es bleibt zu wünschen,<br />

dass die Ma<strong>in</strong>zer Bundesbrüder im<br />

Jahre 2016 genauso freudig wie <strong>in</strong> diesem<br />

Jahr ihren 90. Geburtstag feiern werden.<br />

Ad multos annos <strong>Unitas</strong>-Willigis Ma<strong>in</strong>z!<br />

Bbr. Harald Braun, AHV-xxx >><br />

unitas 4/2011 301


Das Präsidium schlägt zurück<br />

VOR LANGER ZEIT IN EINER GALAXIE, WEIT WEIT ENTFERNT...<br />

… so beg<strong>in</strong>nt e<strong>in</strong> jeder der sechs<br />

Science Fiction Filme, welche K<strong>in</strong>ound<br />

Genregeschichte geschrieben und<br />

somit Millionen Menschen weltweit<br />

begeistert haben. Dass es sich drei<br />

Marburger Bundesbrüder zur Aufgabe<br />

gemacht haben, Kneipen unter diesem<br />

Motto zu schlagen, ist dann nicht<br />

unbed<strong>in</strong>gt erstaunlich, jedoch das<br />

Herzblut und die Mühen die <strong>in</strong> jede<br />

Veranstaltung geflossen s<strong>in</strong>d, machen<br />

diese durchaus erwähnenswert.<br />

Das Präsidium unter der Leitung von<br />

Bundesbruder Felix Stirl mit dem bezeichnenden<br />

Biernamen „Lord Vader“, und se<strong>in</strong>en<br />

beiden Conchargen, Bundes- und Zipfelbrüdern<br />

Alexander von der Beeke als Wookie<br />

Chewbacca vom Planeten Kashyyyk und<br />

Stefan Hrabal als Pr<strong>in</strong>zess<strong>in</strong> Leia Organa<br />

vom Planeten Alderaan hat es geschafft,<br />

über Jahre h<strong>in</strong>weg Bundesschwestern und<br />

Bundesbrüder, Alte Herren und Hohe<br />

Damen aus e<strong>in</strong>er Vielzahl unitarischer<br />

Vere<strong>in</strong>e <strong>in</strong> die altehrwürdige Studentenstadt<br />

an der Lahn zu locken, um begeistert<br />

ab- und zur nächsten wieder anzureisen.<br />

Nachdem die erste Starwars-Kneipe<br />

unter dem Namen „STAR WARS, Episode VII<br />

– die Kneipe“ im Sommersemester 2007 e<strong>in</strong><br />

voller Erfolg war folgte im Sommersemester<br />

2009 „STAR WARS, Episode VIII – das<br />

Präsidium schlägt zurück“.<br />

302<br />

unitas 4/2011<br />

Auf beiden Veranstaltungen fiel es den<br />

Gästen nicht schwer, sich <strong>in</strong> den unbekannten<br />

Weiten fremder Welten zu verlieren,<br />

was nicht unbed<strong>in</strong>gt nur am Biergenuss,<br />

sondern wohl eher an dem liebevoll detailreich<br />

dekorierten Kneipsaal des Robert-<br />

Schuman-Hauses der Franko-Saxonen und<br />

der überzeugenden Darbietung der (dunklen<br />

Seite der) Macht des Präsiden lag. Von<br />

viel Zuspruch beschw<strong>in</strong>gt, waren die drei<br />

Organisatoren h<strong>in</strong>reichend motiviert, e<strong>in</strong>e<br />

dritte und letzte Starwars-Kneipe zu veranstalten,<br />

<strong>in</strong> deren Rahmen sich Bundesbruder<br />

Felix Stirl philistrieren ließ und<br />

somit e<strong>in</strong> drittes und letztes Mal zu „STAR<br />

WARS, Episode IX – (k)e<strong>in</strong>e neue Hoffnung“<br />

am 27. August diesen Jahres zum Laserschwert<br />

griff. Es war gleichzeitig den<br />

Organisatoren schnell klar, dass es im<br />

Kneipsaal sehr eng werden würde.<br />

Siebzig wunderbar kostümierte Philister<br />

und Aktive aus nicht weniger als elf unterschiedlichen<br />

<strong>Unitas</strong>-Vere<strong>in</strong>en zog es<br />

nach Marburg, um diesem Ereignis beizuwohnen.<br />

Gleichzeitig wollten sie die Hauptperson<br />

des Abends, Lord Vader, bei se<strong>in</strong>er<br />

Entlassung aus se<strong>in</strong>em galaktischen Herrschersitz<br />

<strong>in</strong> den wohlverdienten Ruhestand<br />

beistehen und schweren Herzens <strong>in</strong>s Philisterland<br />

ziehen lassen.<br />

Wie auch an den beiden vorangegangenen<br />

Veranstaltungen wurden ke<strong>in</strong>e Kosten<br />

und Mühen gescheut. Wieder e<strong>in</strong>mal verwandelte<br />

sich der Kneipsaal <strong>in</strong> die Kommandobrücke<br />

des Imperialen Sterneszerstörers<br />

„Robert Schuman“, e<strong>in</strong> Wandel, der mit viel<br />

technischer Raff<strong>in</strong>esse e<strong>in</strong>herg<strong>in</strong>g.<br />

So begann die Kneipe mit dem typischen<br />

Vorspann und e<strong>in</strong>em kle<strong>in</strong>en Vorfilm,<br />

futuristischer Beleuchtung, e<strong>in</strong>em Nebel-


werfer und weiteren Effekten, bis zur<br />

Unterstützung der Laudatio per ‚holografischer‘<br />

Videobotschaft des leider persönlich<br />

verh<strong>in</strong>derten Imperators und Leibburschen<br />

des schweratmigen Präsiden Gregor<br />

Wessely. In weiteren Rollen waren als<br />

Conterpräsiden des Inoffiz Bbr. Mart<strong>in</strong><br />

Much als dessen Vertretung, Bbr. Mart<strong>in</strong><br />

Schwentker als „Jabba the Hutt“ und Bbr.<br />

Holger Marth als „Jedimeister Yoda“.<br />

Ebenfalls durfte die Corona über die<br />

gesamte Kneipe und speziell im Inoffiz Bbr.<br />

Nicolas Kle<strong>in</strong>ert als Quaestor <strong>in</strong> Form e<strong>in</strong>es<br />

Ferengie-Diamon, Bbr. Jens Kasper als „Jedi-<br />

General Bergfrühl<strong>in</strong>g“ an der Konsole für<br />

die Frequenz- und Amplitudenmodulation<br />

(Bierorgel), Bbr. Michael Re<strong>in</strong>ert als stets für<br />

Übersetzungen notwendigen Protokolldroiden<br />

und div. Jawas (u. a. Bbr. Lars<br />

Deubner und Bsr. Alexandra Onyszkiewicz)<br />

als Bierschlepper begrüßen.<br />

Auch e<strong>in</strong> mit 1,2 bar Unterdruck bestens<br />

ausgestatteter Nass-Staubsauger namens<br />

R2zieh2 stand e<strong>in</strong> letztes Mal bereit, um<br />

sich <strong>in</strong> bierehrlichen Wettstreiten um<br />

Sonderpunkte zu messen. E<strong>in</strong>en leichten<br />

Schock erlitt der e<strong>in</strong>e oder andere Kneipant,<br />

als dessen Vorgängermodell mit der Bemerkung<br />

„diese R2-E<strong>in</strong>heit hat e<strong>in</strong>en defekten<br />

Motivator“ kontrolliert zur Explosion<br />

gebracht wurde. Im Zuge der für Mottokneipen<br />

üblichen verschiedenen Spiele<br />

siegte natürlich der imperiale Zapfen.<br />

Alles <strong>in</strong> allem war es e<strong>in</strong>, dem Anlass<br />

entsprechend, wunderschöner Abend, welcher<br />

bis <strong>in</strong> die frühen Morgenstunden<br />

weiterg<strong>in</strong>g und mit Sicherheit vielen<br />

Bundesschwestern und Bundesbrüdern im<br />

Gedächtnis bleiben wird.<br />

Bbr. Mart<strong>in</strong> Schwentker<br />

Hochmobil: Der UNITAS-Zirkel Düren<br />

DÜREN. Von e<strong>in</strong>em aktiven Zirkelleben<br />

berichtet der UNITAS-AHZ Düren. Zudem ist<br />

er hochmobil: Seit se<strong>in</strong>er ersten geme<strong>in</strong>samen<br />

Reise nach Xanten 2002 unternahm er<br />

jährlich kürzere oder längere Fahrten. So<br />

wurde nach e<strong>in</strong>er Tagestour nach Trier 2003<br />

e<strong>in</strong> Jahr später e<strong>in</strong>e zweitägige Reise nach<br />

Speyer und Worms geplant. 2005 g<strong>in</strong>g es<br />

für drei Tage durch das Land Luxemburg,<br />

wo sich e<strong>in</strong> Luxemburger Freund e<strong>in</strong>es der<br />

Bundesbrüder für Führungen bereithielt.<br />

„2006 gab es e<strong>in</strong>e große e<strong>in</strong>wöchige<br />

Flugreise nach Irland, wo wir mit e<strong>in</strong>em<br />

Führer <strong>in</strong> e<strong>in</strong>em für uns angemieteten Bus<br />

den gesamten Süden und Westen des<br />

Landes erkundeten. Die meisten hatten<br />

Irland noch nicht gesehen und waren von<br />

der Insel begeistert. 2007 wurden wir wieder<br />

häuslicher und fuhren für drei Tage<br />

nach Münster und zu e<strong>in</strong>igen Wasserburgen<br />

im Münsterland“, so Bbr. Otto Jung.<br />

2008 standen gleich zwei Touren auf<br />

dem Programm: Im Sommer besuchten sie<br />

das Römermuseum mit se<strong>in</strong>er alten<br />

Therme <strong>in</strong> Zülpich und im Herbst für e<strong>in</strong>ige<br />

Tage Soest und Paderborn. 2009 zog es den<br />

Zirkel wieder für mehrere Tage <strong>in</strong> die Ferne:<br />

„Wien hätte e<strong>in</strong>es bedeutend längeren<br />

Aufenthaltes bedurft“, vermerkt der Bericht.<br />

Dafür blieben sie im Folgejahr wieder<br />

<strong>in</strong> der Nähe: 2010 waren sie vier Tage an der<br />

mittleren Mosel unterwegs, wo ganz besonders<br />

Bernkastel-Kues und e<strong>in</strong>e Schiffstour<br />

nach Beilste<strong>in</strong> begeisterten.<br />

Besonders auch die älteren Semester<br />

unter den Teilnehmern an den Reisen freuen<br />

sich, dass ihnen solche Fahrten im<br />

Freundeskreis und voll durchorganisiert<br />

noch ermöglicht werden. Ihre unitarische<br />

Reisebegeisterung hielt auch im laufenden<br />

Jahr an: „2011 gestalteten wir drei Tage mit<br />

e<strong>in</strong>em Besuch im Schmetterl<strong>in</strong>gsgarten <strong>in</strong><br />

Sayn, e<strong>in</strong>em Rundgang über die Bundes-<br />

gartenschau <strong>in</strong> Koblenz und e<strong>in</strong>er Schifffahrt<br />

von Koblenz nach Bonn-Bad Godesberg,<br />

wobei wir <strong>in</strong> aller Ruhe an den Bergen<br />

und Burgen dieses wunderschönen Rhe<strong>in</strong>abschnitts<br />

vorbeiglitten. Übernachtet haben<br />

wir am Jesuitenplatz im Zentrum von<br />

Koblenz, wo wir auch das Foto von uns aufgenommen<br />

haben“, heißt es aus Düren.<br />

Und Bbr. Jung ist sicher: „2012 werden wir<br />

sicher wieder e<strong>in</strong> <strong>in</strong>teressantes Ziel f<strong>in</strong>den.“<br />

Monats-Stammtisch<br />

<strong>in</strong> Hamburg<br />

HAMBURG. Der Hamburger UNITAS-<br />

Zirkel für die Bundesbrüder <strong>in</strong> der<br />

Hansestadt und Umgebung versammelt<br />

sich am 14. November zu se<strong>in</strong>en<br />

Monatstreffen im „Gasthaus an der<br />

Alster“, Ferd<strong>in</strong>andstraße 67, U-Bahn<br />

Jungfernstieg, Ausgang Alstertor,<br />

Beg<strong>in</strong>n 18 Uhr.<br />

Bbr. Fridtjof Kelber und se<strong>in</strong> Team<br />

laden herzlich e<strong>in</strong>!<br />

unitas 4/2011 303<br />

>>


304<br />

Die Pfarrkirche St. Cosmas und Damian <strong>in</strong> Groß Düngen und die Abordnung des AHZ <strong>Unitas</strong> Hildesheim mit drei überlebenden Zeitzeugen.<br />

Gedenken für Bbr. Pfarrer Joseph Müller<br />

HILDESHEIMER ZIRKEL WIRBT FÜR SELIGSPRECHUNG<br />

GROSS DÜNGEN / HILDESHEIM. Am 11. September<br />

2011 lud der Initiativkreis „Seligsprechung<br />

Pfarrer Joseph Müller“ zu e<strong>in</strong>em<br />

Gedenkgottesdienst <strong>in</strong> der Pfarrkirche St.<br />

Cosmas und Damian <strong>in</strong> Groß Düngen. In<br />

der Kirche war Bbr. Müller bis zu se<strong>in</strong>er<br />

Verhaftung als Priester tätig gewesen. Wie<br />

der Hildesheimer AHZ-Vorsitzende Bbr.<br />

Friedhelm Rudolph berichtet, nahm auch<br />

der UNITAS-Zirkel am Gedenken teil, bei<br />

dem das Grab von Bbr. Müller mit der Urne<br />

des H<strong>in</strong>gerichteten gesegnet wurde. Über<br />

die Bemühungen des Initiativkreises, die<br />

Seligsprechung von Bbr. Joseph Müller<br />

(UNITAS Freiburg, UNITAS Sugambria<br />

Münster) voranzubr<strong>in</strong>gen, war bereits <strong>in</strong><br />

der „<strong>Unitas</strong> 2/2008 berichtet worden.<br />

Messe am Todestag<br />

He<strong>in</strong>rich Oys, der Sprecher des Initiativkreises<br />

zur Seligsprechung, trug zu Beg<strong>in</strong>n<br />

des Gottesdienstes e<strong>in</strong> Porträtfoto des von<br />

den Nazis ermordeten Glaubenszeugen <strong>in</strong><br />

die Kirche. Es wurde unter der Kanzel neben<br />

dem Ehrenaltar für den Märtyrer angebracht.<br />

Dabei begleitet wurde Oys von den<br />

Bundesbrüdern Friedhelm Rudolph, derzeit<br />

Vorsitzender des AHZ <strong>Unitas</strong> Hildesheim,<br />

und Dr. Nico Strube, dem ehemaligen<br />

Zirkelvorsitzenden. Genau <strong>in</strong> dieser Stunde<br />

bereitete sich 68 Jahre zuvor Bundesbruder<br />

Joseph Müller im Zuchthaus Brandenburg-<br />

Görden auf se<strong>in</strong>en letzten Gang vor. Er sollte<br />

auf dem Schafott enden. Um 13 Uhr<br />

wurde Joseph Müller zur H<strong>in</strong>richtung<br />

geführt, und um 13.04 Uhr das Urteil vollstreckt,<br />

das am 28. Juli 1944 der Vorsitzende<br />

des Volksgerichtshofes Roland Freisler nach<br />

nur vierstündiger Verhandlung im Schauprozess<br />

um 15 Uhr verkündet hatte.<br />

unitas 4/2011<br />

In der von Pfarrer Dr. Pollok gefeierten<br />

Messe <strong>in</strong>formierte He<strong>in</strong>rich Oys, Rektor der<br />

Katholischen Grundschule <strong>in</strong> Wolfsburg<br />

und selbst gebürtig aus der Groß Düngener<br />

Kirchengeme<strong>in</strong>de, über die Arbeit und den<br />

Stand der Initiative. Sie bemüht sich seit<br />

2008 um Mitstreiter, um die Seligsprechung<br />

des Märtyrers Joseph Müller zu<br />

erwirken.<br />

Viele Unterstützer<br />

beteiligen sich<br />

Danach sei <strong>in</strong> der Zwischenzeit bereits<br />

viel geschehen, berichtete Oys: So sei zunächst<br />

e<strong>in</strong> Netzwerk mit allen Pfarreien<br />

geknüpft worden, <strong>in</strong> denen Pfarrer Müller<br />

als Kaplan oder Pfarrer tätig war. Alle halten<br />

das Andenken an ihren ehemaligen Seelsorger<br />

wach, haben Straßen oder E<strong>in</strong>richtungen<br />

nach ihm benannt. Auch <strong>in</strong> der<br />

Pfarrei Soden-Salmünster, <strong>in</strong> der Bbr. Müller<br />

geboren wurde und <strong>in</strong> dessen Geburtshaus<br />

heute das Pfarrbüro und der Geme<strong>in</strong>desaal<br />

untergebracht s<strong>in</strong>d. Der dortige Pfarrer<br />

unterstütze das Anliegen durch Sammlung<br />

von Unterschriften.<br />

Besonders enger Kontakt habe sich zur<br />

Pfarrgeme<strong>in</strong>de Tifl<strong>in</strong>gerode im Eichsfeld<br />

entwickelt, <strong>in</strong> der sich Müller als Kaplan<br />

besonders um die Kolp<strong>in</strong>gsfamilie verdient<br />

machte. Auch sie sammle viele Unterschriften<br />

und publiziere das Wirken des<br />

Initiativkreises <strong>in</strong> Zeitungen, so Oys.<br />

„E<strong>in</strong>e dritte Gruppe muss hier genannt<br />

werden, die unermüdlich an das Gedenken<br />

Josephs Müller er<strong>in</strong>nert: die katholische<br />

Studentenverb<strong>in</strong>dung UNITAS, der er selbst<br />

angehörte. Bis zum heutigen Tage be-<br />

suchen Mitglieder se<strong>in</strong> Grab <strong>in</strong> Groß<br />

Düngen und berichten über se<strong>in</strong> Leben. Die<br />

Vertreter der UNITAS haben unserem<br />

Initiativkreis ihre Unterstützung zugesagt“,<br />

erklärte er und hob die Anwesenheit<br />

der Mitglieder des Hildesheimer<br />

Zirkels hervor.<br />

Noch ke<strong>in</strong> Erfolg sei der an den Diözesanbischof<br />

gerichteten Bitte um E<strong>in</strong>leitung<br />

Die Grabstätte von Bbr. Joseph Müller <strong>in</strong> Groß<br />

Düngen im Hildesheimer Land


e<strong>in</strong>es Seligsprechungsverfahrens beschieden,<br />

dagegen sei der E<strong>in</strong>gang e<strong>in</strong>es<br />

Schreibens des Initiativkreises an Papst<br />

Benedikt <strong>in</strong>zwischen bestätigt worden.<br />

„Man hat uns versichert, man wolle dieser<br />

besonderen Angelegenheit nachgehen.“<br />

Auch der Erfurter Diözesanbischof Dr.<br />

Wanke hatte e<strong>in</strong> Schreiben mit Bitte um<br />

Weiterleitung an Papst Benedikt erhalten,<br />

das <strong>in</strong>zwischen an die päpstliche Nuntiatur<br />

gegangen ist. „Dennoch kommt es darauf<br />

an, immer wieder viele Befürworter durch<br />

Unterschriften zu gew<strong>in</strong>nen, um unser Anliegen<br />

zu bekräftigen“, bat Oys um weitere<br />

Unterstützung.<br />

„Außergewöhnlicher<br />

Seelsorger“<br />

Joseph Müller sei e<strong>in</strong> „außergewöhnlicher<br />

Seelsorger“ gewesen, dessen E<strong>in</strong>satz<br />

für die Jugend auch heute noch junge Menschen<br />

ergreife: Zwei aus Groß Düngen stammende<br />

Gymnasiasten der Marienschule<br />

Hildesheim wählten die Biografie von<br />

Pfarrer Joseph Müller für ihre Facharbeit, e<strong>in</strong><br />

Leistungskurs des bischöflichen Gymnasiums<br />

Joseph<strong>in</strong>um lud mit Rosa Maria<br />

Ziegenbe<strong>in</strong>, Paul Bock und Benno Brönneke<br />

drei noch lebende Zeitzeugen e<strong>in</strong>, um aus<br />

erster Hand authentisch mehr zu erfahren.<br />

Bbr. Joseph Müller (1894-1944)<br />

TATKRÄFTIGER UND MUTIGER SEELSORGER<br />

Pfarrer Joseph Müller, geboren am<br />

19. August 1894 <strong>in</strong> Salmünster als jüngstes<br />

von sieben K<strong>in</strong>dern, machte nach freiwilliger<br />

Teilnahme am<br />

Ersten Weltkrieg und<br />

schwerer Verwundung<br />

1918 das Abitur.<br />

Im Februar 1919 entschloss<br />

er sich, wie<br />

zwei se<strong>in</strong>er Brüder<br />

katholischer Priester<br />

zu werden und begann<br />

mit dem Theologiestudium<br />

<strong>in</strong> Freiburg.<br />

Dort wurde er<br />

<strong>in</strong> die UNITAS rezipiert.<br />

Noch im gleichen<br />

Jahr wechselte<br />

er an die für HildesheimerTheologen<br />

übliche Universität<br />

Münster, wo er<br />

sich der UNITAS Sugambria<br />

anschloss und vor allem durch die<br />

Bundesbrüder Prof. Dr. Joseph Mausbach,<br />

Prof. Dr. Adolf Donders und Prof. Dr. Joseph<br />

Schmidl<strong>in</strong> geprägt wurde.<br />

An vielen Orten im E<strong>in</strong>satz<br />

Am 11. März 1922 zum Priester geweiht,<br />

trat er nach zwei Jahren als Kaplan <strong>in</strong><br />

Duderstadt 1924 <strong>in</strong> das Franziskaner-<br />

Kloster Frauenberg e<strong>in</strong>, doch schloss ihn der<br />

Orden wegen se<strong>in</strong>er schwächlichen Gesundheit<br />

wieder aus. Im Bistum Hildesheim<br />

übernahm er Kaplanstellen <strong>in</strong> Gehrden bei<br />

Hannover, Hannoversch-Münden und Celle,<br />

1925 <strong>in</strong> Blumenthal bei Bremen und 1926 <strong>in</strong><br />

Wolfenbüttel. 1931 g<strong>in</strong>g Müller an se<strong>in</strong>e<br />

erste Stelle als Kurat <strong>in</strong> der Pfarrgeme<strong>in</strong>de<br />

St. Benno, Bad Lauterberg im Harz, zuständig<br />

auch für die Seelsorge <strong>in</strong> St. Andreas-<br />

berg und Braunlage. 1934 wurde er Kaplan<br />

<strong>in</strong> Süppl<strong>in</strong>gen bei Braunschweig, 1937 der<br />

Pfarrei He<strong>in</strong><strong>in</strong>gen, wo er Widerstand gegen<br />

die Schließung der<br />

örtlichen Schule organisierte,<br />

ständig von der<br />

Gestapo beschattet, von<br />

den örtlichen Nationalsozialisten<br />

angefe<strong>in</strong>det<br />

und bespitzelt. 1943<br />

wurde er auf eigenen<br />

Wunsch Pfarrer an St.<br />

Cosmas und Damian <strong>in</strong><br />

Groß Düngen, e<strong>in</strong>em heutigen<br />

Stadtteil von Bad<br />

Salzdetfurth im Hochstift<br />

Hildesheim.<br />

Politischer Witz<br />

besiegelt Schicksal<br />

Nur e<strong>in</strong>en Monat im Amt, legte er sich<br />

mit dem NSDAP-Ortsgruppenleiter an.<br />

Doch se<strong>in</strong> Schicksal sollte sich an e<strong>in</strong>em<br />

politischen Witz entscheiden. Beim Verhör<br />

1943 warf ihm die Hildesheimer Gestapo<br />

vor, er habe Hitler und Gör<strong>in</strong>g mit den beiden<br />

Schwerverbrechern verglichen, die an<br />

der Seite Jesu gekreuzigt wurden. Nach<br />

weiteren Vernehmungen am 11. Mai 1944 <strong>in</strong><br />

Haft genommen und nach Berl<strong>in</strong> gebracht,<br />

wurden ihm die folgenden Monate se<strong>in</strong>er<br />

E<strong>in</strong>kerkerung und Verhöre „die langsame,<br />

schmerzhafte <strong>in</strong>nere Verwandlung e<strong>in</strong>es<br />

Menschen – aus e<strong>in</strong>em anfangs verzweifelten,<br />

zerbrochenen Gefangenen zur heroischen<br />

Größe e<strong>in</strong>es Bekenners der Sache<br />

Christi, e<strong>in</strong>es Zeugen für den Glauben, der<br />

se<strong>in</strong>en Tod als bewusstes Opfer darbrachte“,<br />

so B. M. Kempner <strong>in</strong> se<strong>in</strong>em Buch<br />

„Priester vor Hitlers Tribunalen“ (München<br />

1967, 301-310).<br />

Die allgeme<strong>in</strong>e Darstellung, dass Pfarrer<br />

Joseph Müller wegen e<strong>in</strong>es Witzes h<strong>in</strong>gerichtet<br />

wurde, verkürze und verstelle die<br />

wirklichen Gründe se<strong>in</strong>er Verurteilung,<br />

unterstrich der Sprecher des Initiativkreises.<br />

„Er hat sich für die katholische Jugend verzehrt“<br />

– e<strong>in</strong> Engagement, das den Nationalsozialisten<br />

e<strong>in</strong> Stachel im Fleisch gewesen<br />

sei. „Nach fast 70 Jahren sollte unserem<br />

Märtyrer-Pfarrer Joseph Müller für alle<br />

Zeiten der Platz zugewiesen werden, den er<br />

sich durch se<strong>in</strong> Martyrium schon längst<br />

erworben hat: Die Aufnahme <strong>in</strong> die große<br />

Schar der Seligen unserer Kirche“, bat Oys<br />

um aktive Mithilfe und fürbittendes Gebet.<br />

„Ich habe me<strong>in</strong>e<br />

Sendung erfüllt“<br />

Am 28. Juli 1944 wurde Pfr. Müller <strong>in</strong><br />

e<strong>in</strong>em Schauprozess zum Tode verurteilt,<br />

Entlastungszeugen aus Groß Düngen wurden<br />

nicht gehört. Volksgerichtshofspräsident<br />

Freisler warf dem 50-Jährigen vor, er<br />

habe als Jugendseelsorger die Arbeit der<br />

Staatsjugend erschwert oder vereitelt. Es<br />

sei Hochverrat, Sabotage und Untergrabung<br />

der Staatsautorität, wenn e<strong>in</strong> „Pfaffe<br />

die Jugend dem Führer“ entfremde. Bbr.<br />

Joseph Müller wurde „wegen Wehrkraftzersetzung“<br />

gemäß § 5 der damals geltenden<br />

Kriegssonderstrafrechtsverordnung<br />

zum Tode verurteilt. Am 11. September 1944<br />

starb er durch das Fallbeil auf dem Schafott<br />

des Zuchthauses Brandenburg-Görden.<br />

Se<strong>in</strong>e H<strong>in</strong>richtung verstand Bbr. Müller<br />

selbst als Vollendung: „Ich habe me<strong>in</strong>e<br />

Sendung erfüllt und vollendet, me<strong>in</strong> Tod<br />

wirkt jetzt mehr für das Reich Gottes als<br />

me<strong>in</strong> Leben. So viele wollte ich noch h<strong>in</strong>e<strong>in</strong>reißen<br />

<strong>in</strong> das große Liebesreich Christi, das<br />

werde ich nun von da oben für Euch tun.“<br />

Die zunächst auf dem Stadtfriedhof <strong>in</strong><br />

Brandenburg beigesetzte Urne mit se<strong>in</strong>er<br />

Asche konnte im November 1945 nach<br />

Groß Düngen überführt werden. Verschiedene<br />

Gebete und Briefe von Bundesbruder<br />

Joseph Müller s<strong>in</strong>d erhalten geblieben.<br />

J. Torsy bemerkt <strong>in</strong> se<strong>in</strong>em bekannten<br />

„Großen Namenstagskalender“: „Se<strong>in</strong>e<br />

Niederschriften im Gefängnis gehören,<br />

nach den Worten von Bischof He<strong>in</strong>rich<br />

Maria Janssen, zu den schönsten, die wir <strong>in</strong><br />

Märtyrerberichten f<strong>in</strong>den“.<br />

CB<br />

Initiativkreis zur Seligsprechung<br />

Kontakt: He<strong>in</strong>rich Oys, Am Seeteich 19,<br />

38446 Wolfsburg, Tel. 05363 4557,<br />

E-Mail: he<strong>in</strong>rich-oys@wolfsburg.de<br />

unitas 4/2011 305


HANNOVER. Die Bundesbrüder Prof. Jochen<br />

Litterst, Prof. Gerhard Ziegmann, und Prof.<br />

Stephanus Büttgenbach s<strong>in</strong>d unter fünf<br />

Spitzenwissenschaftlern im Land Niedersachsen,<br />

die durch das Programm „Die Niedersachsenprofessur<br />

– Forschung 65+“ ihre<br />

Forschung über die Pensionsgrenze h<strong>in</strong>aus<br />

fortsetzen können.<br />

Physik-Professor Bbr. Jochen Litterst (65)<br />

vom Institut für Festkörperphysik an der TU<br />

Braunschweig untersucht die zeitliche und<br />

räumliche Fluktuation <strong>in</strong> magnetischen<br />

Nanomaterialien für pharmazeutische und<br />

technische Anwendungen. Zudem ist er mit<br />

der Entwicklung und Umsetzung e<strong>in</strong>es<br />

transdiszipl<strong>in</strong>ären Profils für e<strong>in</strong>en neuen<br />

<strong>in</strong>ternationalen Studiengang „Science and<br />

Technology Studies“ befasst.<br />

Bbr. Professor Gerhard Ziegmann (65)<br />

vom Institut für Polymerwerkstoffe und<br />

Kunststofftechnik an der TU Clausthal-Zellerfeld<br />

beschäftigt sich mit Faserverbundstoffen.<br />

Dort geht es unter anderem um<br />

Komb<strong>in</strong>ationstechnologien für hochbeanspruchte<br />

komplexe Strukturen, etwa <strong>in</strong> der<br />

Luft- und Raumfahrt oder bei Rotorblättern<br />

von W<strong>in</strong>drädern.<br />

Auch Senior-Professor Bbr. Stephanus<br />

Büttgenbach (66) vom Institut für Mikrotechnik<br />

an der TU Braunschweig schätzt die<br />

Befreiung von Leitungs- wie Lehraufgaben<br />

und die fortbestehende Möglichkeit für<br />

Drittmittele<strong>in</strong>werbung. Durch das Pro-<br />

306<br />

unitas 4/2011<br />

PERSONALIA<br />

Forschen ohne Altersgrenze<br />

NIEDERSACHSENPROFESSUR FÜR DREI BUNDESBRÜDER<br />

Verleihung der „Niedersachsenprofessur 65 plus“ <strong>in</strong> Hannover: (v.l.) Bbr. Prof. Jochen Litterst, Bbr.<br />

Prof. Gerhard Ziegmann, Frau Prof. Wanka, M<strong>in</strong>ister<strong>in</strong> für Wissenschaft und Kultur, ganz rechts Bbr.<br />

Stephanus Büttgenbach.<br />

gramm sei es möglich, sich voll auf die Forschungs<strong>in</strong>halte<br />

und die Betreuung der<br />

Doktoranden zu konzentrieren.<br />

Die sogenannte Niedersachsenprofessur<br />

ermöglicht es profilierten Wissenschaftlern,<br />

ihre wissenschaftliche Arbeit<br />

auch über die gesetzliche Altersgrenze h<strong>in</strong>aus<br />

an niedersächsischen Hochschulen<br />

fortzusetzen. Dabei steht der Professor der<br />

Hochschule als zusätzliche Kraft zur Verfügung:<br />

Se<strong>in</strong>e bisherige Stelle kann durch<br />

die Hochschule regulär für jüngere Wissenschaftler<strong>in</strong>nen<br />

und Wissenschaftler ausgeschrieben<br />

und nachbesetzt werden.<br />

Niedersachsen ist das erste Bundesland<br />

mit solch e<strong>in</strong>em Angebot, das über die<br />

Landesgrenzen h<strong>in</strong>aus Beachtung f<strong>in</strong>det.<br />

Mittlerweile profitieren 20 Professoren von<br />

dem 2008 unter dem Motto „Exzellente Forschung<br />

kennt ke<strong>in</strong>e Altersgrenzen“ aufgelegten<br />

Programm des Wissenschaftsm<strong>in</strong>isteriums,<br />

das von der Volkswagen Stiftung<br />

mit 3,5 Millionen Euro f<strong>in</strong>anziert wird.„Es ist<br />

uns erneut gelungen, Spitzenkräfte im Land<br />

zu halten und deren hohes Engagement für<br />

die Forschung <strong>in</strong> Niedersachsen über die<br />

Altersgrenze h<strong>in</strong>aus zu würdigen“, betonte<br />

die Niedersächsische Wissenschaftsm<strong>in</strong>ister<strong>in</strong><br />

Professor Dr. Johanna Wanka.<br />

Bbr. Dr. Hans Peter Boden als Freiburger<br />

Zirkelvorsitzender verabschiedet<br />

FREIBURG. Mit e<strong>in</strong>er launigen Rede hat Bbr.<br />

Hans-Jürgen Günther, AHV-Vorsitzender<br />

der <strong>Unitas</strong> Freiburg beim Vere<strong>in</strong>sfest am<br />

26. Juni 2011 den Zirkelvorsitzenden Bbr.<br />

Hans-Günther Boden verabschiedet. Hier<br />

der volle Wortlaut:<br />

„Es ist zum Heulen, me<strong>in</strong>e sehr verehrten<br />

Damen, liebe Bundesbrüder, Ja, es ist<br />

zum Heulen! Nicht e<strong>in</strong>mal auf den Himmel<br />

kann man sich mehr verlassen!<br />

Anstatt mit kräftigen Regengüssen<br />

unsere Nenien, also unsere Klagelieder zu<br />

begleiten, schickt er uns heute strahlenden<br />

Sonnensche<strong>in</strong> – für Freiburg, e<strong>in</strong>e Perle<br />

Badens, natürlich nicht untypisch.<br />

Warum Klagelieder?<br />

Weil unserer Bbr. Hans Peter Boden mit<br />

se<strong>in</strong>er lieben Birgitt demnächst ihre Spaziergänge<br />

und Jogg<strong>in</strong>gläufe entlang der<br />

träge mäandrierenden Ruhr mit ihrem<br />

Hauptort Essen zu unternehmen beabsichtigen.<br />

Die quicklebendige Dreisam gegen<br />

die müd-lahme Ruhr! – man kann es sich<br />

kaum größere Gegensätze vorstellen. Und<br />

das freiwillig!


Doch im Gedenken an das, was wir ihm<br />

verdanken, sollten sich unsere Mienen<br />

erhellen. In der Tat: E<strong>in</strong> Strahlen mag <strong>in</strong><br />

unseren Gesichtern aufziehen, die sich<br />

anheischig machen, mit dem des freundlich<br />

gleißenden Himmelsgestirns zu wetteifern.<br />

Lieber Hans Peter, wir alle wissen: Virtus<br />

<strong>in</strong> actione consistit – Tüchtigkeit zeigt sich<br />

im Handeln. Und wir alle wissen ebenfalls<br />

sehr wohl um die Kultur- und Natur-<br />

Highlights, die wir <strong>in</strong> der Tat hier zu Hauf<br />

quasi vor der Haustüre liegen haben. Doch<br />

die kommen nicht zu uns.<br />

Fast zehn Jahre lang hast Du mit großartigen<br />

Ideen und perfekter Organisation<br />

neuen Schwung <strong>in</strong> das Zirkelleben gebracht.<br />

In alten Adern zirkuliert nunmehr<br />

neue unitarische Vitalität. Angetrieben von<br />

e<strong>in</strong>er Dir <strong>in</strong>newohnenden positiven Neugier<br />

e<strong>in</strong>es nicht autochthonen Badeners,<br />

da geht es Dir wie mir, hast Du uns <strong>in</strong> ca.<br />

40 Exkursionen an die Schönheiten der<br />

näheren und weiteren Regio herangeführt.<br />

Du könntest darüber e<strong>in</strong>en Reise- und<br />

Wanderführer herausgeben.<br />

Die mehr als 100 Zirkelabende an jedem<br />

ersten Montag im Monat bei We<strong>in</strong>, guten<br />

Gesprächen und gesundheitsförderndem<br />

Lachen erfreuten sich größter Beliebtheit.<br />

Bis zu 30 Besucher waren ke<strong>in</strong>e Seltenheit.<br />

All das hat den Zusammenhalt <strong>in</strong>nerhalb<br />

der Altherrenschaft und mit den Aktiven <strong>in</strong><br />

wertvollster Weise gefördert.<br />

Nimm also als Dankeschön und als<br />

Er<strong>in</strong>nerung den E<strong>in</strong>druck unserer frohen<br />

und dankbaren Mienen mit. Schau sie Dir<br />

ruhig mal an! Was noch?<br />

Da Planung und Durchführung von<br />

ansprechenden Exkursionen so etwas wie<br />

e<strong>in</strong> Lable von Dir war, haben wir uns folgendes<br />

gedacht: Gönne Dir doch mit De<strong>in</strong>er<br />

lieben Birgitt e<strong>in</strong>en halben Tag Zeit. Mit<br />

der Seilbahn könnt Ihr <strong>in</strong> den Gipfelbereich<br />

des Freiburger Hausbergs, den Schau<strong>in</strong>sland<br />

h<strong>in</strong>aufschweben, wo <strong>in</strong> der Bergstation<br />

e<strong>in</strong> Frühstücksbüffet für Euch bereit<br />

steht. Bei e<strong>in</strong>em guten Glas Badeners mögt<br />

Ihr dann – nah und fern – <strong>in</strong>s Land schauen<br />

und dabei Euer zumeist sonniges Lebensjahrzehnt<br />

<strong>in</strong> der Stadt mit dem berühmten<br />

Haus <strong>in</strong> der Basler Straße Revue passieren<br />

lassen.<br />

Kurzum: Im Namen der gesamten<br />

Freiburger <strong>Unitas</strong>: Danke, lieber Hans Peter.<br />

Die Essener Unitarier haben allen Grund,<br />

sich zu freuen.<br />

Hans-Jürgen Günther,<br />

AHV-Vorsitzender <strong>Unitas</strong> Freiburg<br />

Bbr. Osypka ist Honorarprofessor<br />

OFFENBURG. Bbr. Dr. Ing. Peter Osypka,<br />

Gründer und Inhaber der Dr. Osypka GmbH<br />

Mediz<strong>in</strong>technik <strong>in</strong> Rhe<strong>in</strong>felden-Herten,<br />

heute Aufsichtsratsvorsitzender der Osypka<br />

AG, ist im Juli mit der Honorarprofessur an<br />

der Hochschule Offenburg ausgezeichnet<br />

worden.<br />

Damit knüpft die<br />

Hochschule Offenburg<br />

an e<strong>in</strong>e jahrelange<br />

hervorragende Zusammenarbeit<br />

mit Dr.<br />

Osypka im Bereich der<br />

Mediz<strong>in</strong>technik an,<br />

die der mediz<strong>in</strong>ischen<br />

Forschung und Lehre,<br />

aber auch der mediz<strong>in</strong>ischen<br />

Betreuung <strong>in</strong><br />

der Ortenau-Region<br />

zu Gute kommt. Mit<br />

Unterstützung der<br />

Peter-Osypka-Stiftung<br />

gründet die Hochschule<br />

Offenburg darüber<br />

h<strong>in</strong>aus zum<br />

neuen Studienjahr<br />

das neue Forschungs<strong>in</strong>stitut<br />

„Peter Osypka<br />

Institute for Pac<strong>in</strong>g<br />

and Ablation“. Das<br />

neue Institut widmet<br />

sich der Forschung und Entwicklung neuer<br />

Methoden und Apparaturen, <strong>in</strong>sbesondere<br />

für die Elektrostimulation und Ablation.<br />

Der mit über 300 Patenten im In- und<br />

Ausland weltweit bekannt gewordene Ingenieur<br />

(s. unitas 2/2009) entwickelte se<strong>in</strong>e<br />

Ideen vor allem <strong>in</strong> technischen Lösungen<br />

für die Diagnostik und Therapie von<br />

Herzerkrankungen, unter anderem Herzkatheter,<br />

Schrittmacher-Elektroden, Herzdrähte<br />

und Instrumentarium für die Kardiologie<br />

und Herzchirurgie. Er gilt als Pionier<br />

der Katheterablation: Darunter versteht<br />

man herzkathetergestützte Methoden, mit<br />

deren Hilfe Herzrhythmusstörungen beseitigt<br />

werden können. Das vor über 25 Jahren<br />

von ihm verbreitete Pr<strong>in</strong>zip der Hochfrequenzablation,<br />

die Verödung krankhafter<br />

Zellverbände und Leitungsbahnen im<br />

Herzen mit Wechselstrom, ist heute e<strong>in</strong><br />

weltweit e<strong>in</strong>gesetztes Rout<strong>in</strong>everfahren<br />

für die Behandlung von Herzrhythmusstörungen.<br />

Mit der Verleihung der Honorarprofessur<br />

vere<strong>in</strong>t Osypka zukünftig die Ämter<br />

des Ehrensenators und des Honorarprofessors<br />

<strong>in</strong> e<strong>in</strong>er Person und wird damit<br />

offizielles Mitglied des wissenschaftlichen<br />

Personals.<br />

Die Ehrensenatorwürde erhielt Professor<br />

Osypka bereits 2009 für se<strong>in</strong>e Ver-<br />

dienste um die Förderung von Lehre und<br />

Forschung an der Hochschule Offenburg.<br />

Seit 2010 unterstützt die Peter-Osypka-<br />

Stiftung die Hochschule durch die Stiftungsprofessur<br />

„Biomediz<strong>in</strong>ische Technik".<br />

Sie legte damit den Grundste<strong>in</strong> für den<br />

Bbr. Dr. Peter Osypka mit Frau Christ<strong>in</strong>e und Tochter Dr. Nicola<br />

M. Osypka und Rektor W<strong>in</strong>fried Lieber, Hochschule Offenburg (v.l.)<br />

Studiengang „Mediz<strong>in</strong>technik“, welcher im<br />

Rahmen des Ausbauprogramms „Hochschule<br />

2012“ der Landesregierung 2010 <strong>in</strong><br />

Offenburg e<strong>in</strong>gerichtet wurde. Für das<br />

W<strong>in</strong>tersemester lagen bereits weit mehr<br />

als 200 Bewerbungen vor.<br />

„Der Dank der Hochschule gilt unserem<br />

neuen Kollegen, der nach dem erfolgreichen<br />

Start des Studiengangs Mediz<strong>in</strong>technik<br />

nun auch mit e<strong>in</strong>er Stiftung zugunsten<br />

des Instituts die Voraussetzung für<br />

e<strong>in</strong>e nachhaltige Forschungstätigkeit geschaffen<br />

hat", freute sich Rektor W<strong>in</strong>fried<br />

Lieber. „Se<strong>in</strong>e Mitarbeit im neuen Forschungs<strong>in</strong>stitut<br />

ist Garant dafür, dass die<br />

Mediz<strong>in</strong>technik <strong>in</strong> Offenburg mit ihrem<br />

Studienschwerpunkt rund um die Kardiologie,<br />

Elektrophysiologie und die elektronischen<br />

kardiologischen Implantate, wie<br />

Herzschrittmacher und Defibrillatoren, zu<br />

e<strong>in</strong>er der ersten Adresse <strong>in</strong> Deutschland<br />

wird.“<br />

Peter Osypka, 1934 <strong>in</strong> Miechowitz (Kreis<br />

Beuthen/Oberschlesien) geboren, studierte<br />

Elektrotechnik und wurde 1963 an der<br />

Universität Braunschweig zum Dr.-Ing. promoviert.<br />

Nach Forschungsjahren <strong>in</strong> den<br />

USA und an der Universitäts-K<strong>in</strong>derkl<strong>in</strong>ik <strong>in</strong><br />

Kiel, Managertätigkeit bei der Firma Roche<br />

<strong>in</strong> Basel und Grenzach wurde er Geschäftsführender<br />

Gesellschafter der Firma Biomedix<br />

GmbH <strong>in</strong> Lörrach. 1977 gründete er >><br />

unitas 4/2011 307


se<strong>in</strong>e eigene Firma, die bis heute als Familienunternehmen<br />

<strong>in</strong> zweiter Generation<br />

<strong>in</strong> den Werken Grenzach und Rhe<strong>in</strong>felden-<br />

Herten, geführt wird. Neben Lehraufträgen<br />

an den Universitäten Kiel, Frankfurt und der<br />

ETH Zürich betrieb er den Ausbau se<strong>in</strong>er<br />

Firma, die <strong>in</strong> über 50 Ländern selbst entwickelte<br />

Mediz<strong>in</strong>ische Produkte herstellt<br />

und vertreibt. Die vor 14 Jahren gegründete<br />

geme<strong>in</strong>nützige „Peter Osypka Stiftung“<br />

unterstützt mit Hilfe von Caritas International<br />

Projekte <strong>in</strong> der Dritten Welt. Drei Stiftungsprofessuren<br />

gehen auf ihn zurück: <strong>in</strong><br />

Münster e<strong>in</strong>e Professur für Elektrophysiologie,<br />

<strong>in</strong> Freiburg e<strong>in</strong>e Professur für Neuroelektronische<br />

Systeme und <strong>in</strong> Offenburg<br />

die Professur für Mediz<strong>in</strong>technik.<br />

Pfr. Karl Ernst Sebastian<br />

KÖLN. Bbr. Pfarrer Karl Ernst Sebastian<br />

wurde von Bbr. Joachim Kard<strong>in</strong>al Meisner<br />

weiterh<strong>in</strong> bis zum 31. August 2012 zum<br />

Hausgeistlichen am Caritas Altenzentrum<br />

St. Maternus <strong>in</strong> Köln-Rodenkirchen und am<br />

Matthias-Pullern-Haus <strong>in</strong> Köln-Sürth sowie<br />

zum Subsidiar an der Pfarrei St. Joseph und<br />

Remigius <strong>in</strong> Köln im Dekanat Köln-Rodenkirchen<br />

ernannt. Bbr. Sebastian, Jahrgang<br />

1933, wurde 1954 bei UNITAS-Salia Bonn<br />

rezipiert und ist nach se<strong>in</strong>er ersten Kaplanstelle<br />

<strong>in</strong> Euskirchen und e<strong>in</strong>er weiteren <strong>in</strong><br />

Köln-Klettenberg nach Euskirchen gewechselt.<br />

Im Februar feierte er <strong>in</strong> der Kirche se<strong>in</strong>er<br />

langjährigen Pfarrgeme<strong>in</strong>de Brühl-<br />

P<strong>in</strong>gsdorf, Badorf und Schwadorf se<strong>in</strong>e<br />

Goldene Priesterweihe. 38 Jahre diente er<br />

dort als „Brühler Pastor“. Nach se<strong>in</strong>er<br />

Pensionierung zog er <strong>in</strong> e<strong>in</strong> Häuschen des<br />

Matthias-Pullem-Heims <strong>in</strong> Sürth, e<strong>in</strong>er<br />

E<strong>in</strong>richtung, die auch se<strong>in</strong> 1985 verstorbener<br />

Vater Bbr. Dr. med. Josef Sebastian<br />

bewohnt hatte.<br />

Geburten<br />

HAMBURG. Matze Sacher (UNITAS Tuisconia<br />

Hamburg) und Frau Petra grüßen als<br />

Qu<strong>in</strong>tett. Über die Geburt von Sohn Simon<br />

<strong>in</strong> Re<strong>in</strong>bek freuen sich seit dem 1. September<br />

auch die Brüder Jakob und Elias.<br />

Bbr. Markus Wamser und Diana freuen<br />

sich, die Geburt ihres Sohnes Felix Maximilian<br />

am 30. August bekannt zu geben.<br />

„E<strong>in</strong> besonderer Dank gilt der <strong>Unitas</strong><br />

Ostfalia für die Unterbr<strong>in</strong>gung des frischgebackenen<br />

Vaters <strong>in</strong> der Geburtsnacht“,<br />

heißt es <strong>in</strong> der Mitteilung.<br />

BOCHUM. Bbr. Bernd Genser (UNITAS<br />

Ruhrania und Frau Ilka freuen sich über die<br />

Geburt von Clara am 27. September 2011 –<br />

mit knapp 3.000 Gramm und 50 Zentimetern<br />

auf dem Weg, den Planet zu erobern.<br />

Die Bundesbrüder und -schwestern<br />

von der UNITAS an der Ruhr gratulieren<br />

ganz herzlich!<br />

308<br />

unitas 4/2011<br />

Examen und Promotion<br />

ESSEN. Alt-VOS Bbr. Christoph Weyer (UNI-<br />

TAS Ruhrania) hat Ende September se<strong>in</strong><br />

Examen an der Folkwang-Universität, der<br />

früheren Folkwang Musikhochschule, mit<br />

sehr gutem Examen abgeschlossen. Zum<br />

WS 2011/2012 setzt er se<strong>in</strong> Studium der<br />

Musikwissenschaft <strong>in</strong> Berl<strong>in</strong> fort und verstärkt<br />

die dortige UNITAS.<br />

BOCHUM. Bsr. Wibke Harnischmacher<br />

(UNITAS Elisabetha-Thur<strong>in</strong>gia Marburg),<br />

Late<strong>in</strong>lehrer<strong>in</strong>, Fachvorsitzende Sozialwissenschaften<br />

und Beratungslehrer<strong>in</strong> am<br />

Duisburger Mercator-Gymnasium, wurde<br />

an der Ruhruniversität Bochum zum Dr.<br />

phil. promoviert. Ihre Arbeit trägt den Titel<br />

„Andrea Guarnas Bellum Grammaticale –<br />

E<strong>in</strong>führung, Text, Übersetzung, Kommentar“<br />

und behandelt e<strong>in</strong>e 1511 erstmals <strong>in</strong><br />

Cremona erschienene und vielfach nachgeahmte<br />

Schrift. Die mündliche Disputation<br />

am 14. Juli schloss Bsr. Harnischmacher mit<br />

e<strong>in</strong>em hervorragendem Prädikat ab.<br />

Be<strong>in</strong>ahe Doppelhochzeit<br />

bei der Rheno-Palatia<br />

MANNHEIM. Die <strong>Unitas</strong> Rheno-Palatia<br />

Mannheim gratulierte kürzlich zwei<br />

besonders verdienten jungen Alten Herren<br />

zur Hochzeit. Geme<strong>in</strong>t s<strong>in</strong>d die beiden<br />

Schriesheimer Bundesbrüder und Freunde<br />

Mart<strong>in</strong> Stenger v/o Miles (38) und Dr.<br />

Manfred Nelles v/o Schumi (36). Beide<br />

haben die Aktivitas der Rheno-Palatia jahrelang<br />

geprägt und s<strong>in</strong>d durch ihre musikalischen<br />

Aktivitäten – besonders bei diversen<br />

Generalversammlungen – im Verband weith<strong>in</strong><br />

bekannt.<br />

Bbr. Mart<strong>in</strong> Stenger heiratete am 21. Mai<br />

2011 <strong>in</strong> Siegburg-Seligenthal se<strong>in</strong>e liebe<br />

Anna. Die Trauung nahm ke<strong>in</strong> Ger<strong>in</strong>gerer vor<br />

als der Geistliche Beirat unseres Verbandes,<br />

Bundesbruder Helmut Wiechmann. Ihm gelang<br />

es <strong>in</strong> se<strong>in</strong>er unnachahmlichen Art, das<br />

Ereignis zugleich würdig, nachdenklich, persönlich,<br />

humorvoll und feierlich zu gestalten.<br />

Das Chargenteam der Rheno-Palaten<br />

freute sich, dem Brautpaar zu Ehren die<br />

neue Vollwichs erstmals der Öffentlichkeit<br />

zu präsentieren. Bei der anschließenden<br />

Feier ließ es sich Mart<strong>in</strong> Stenger nicht nehmen,<br />

der Corona mit Trompete und Flügel-<br />

horn neben kul<strong>in</strong>arischen auch akustische<br />

Leckerbissen zu servieren.<br />

Nur zwei Wochen später, am 4. Juni<br />

heiratete Bbr. Dr. Manfred Nelles <strong>in</strong><br />

Dossenheim bei Heidelberg se<strong>in</strong>e liebe<br />

Mandy Maria. Als Organist und Chorleiter<br />

hatte er natürlich dafür gesorgt, dass die<br />

Hochzeit auch <strong>in</strong> musikalischer H<strong>in</strong>sicht e<strong>in</strong><br />

bee<strong>in</strong>druckendes Ereignis mit tollen Darbietungen<br />

<strong>in</strong>- und außerhalb der Kirche<br />

wurde. Die neue Wix beziehungsweise<br />

deren Träger hatten erneut Gelegenheit,<br />

ihre Hitzefestigkeit nachzuweisen.<br />

Nun s<strong>in</strong>d wir gespannt auf den unitarischen<br />

Nachwuchs!<br />

Andreas Grossmann<br />

Verlorener Zipfelbund !<br />

E<strong>in</strong>e Bitte um Hilfe bei der Suche nach<br />

e<strong>in</strong>em verlorenen Zipfelbund erreicht<br />

uns aus Thür<strong>in</strong>gen: Er g<strong>in</strong>g bei der Fahrt<br />

zur Seligsprechung nach Lübeck am<br />

24./25. Juni 2011 verloren. Der Zipfelhalter<br />

und die Familienzipfel s<strong>in</strong>d emailliert<br />

und mit Zirkeln der <strong>Unitas</strong> Ass<strong>in</strong>dia<br />

Aachen, die jüngeren mit solchen der<br />

<strong>Unitas</strong> Ostfalia Erfurt versehen.<br />

Die sonstigen ca. 20 Zipfel tragen überwiegend<br />

die Farben der <strong>Unitas</strong> blauweiß-gold,<br />

die Unterbänder weichen<br />

teilweise ab (blau-orange für Nassau;<br />

grün-weiß für Bitburg). Besonders auffällig<br />

s<strong>in</strong>d zwei längere Zipfel mit fünf<br />

bzw. sechs Schiebern, von denen auch<br />

e<strong>in</strong>er e<strong>in</strong> Unterband <strong>in</strong> blau-orange hat,<br />

und e<strong>in</strong> schwarz-rot-weißer Zipfel mit<br />

zwei Schiebern. Die Schieber s<strong>in</strong>d rückseitig<br />

mit gravierten Widmungen versehen,<br />

die mit Angabe des jeweiligen<br />

Semesters und e<strong>in</strong>em Spruch oder e<strong>in</strong>er<br />

Bibelstelle an „Hans v. Bacchus" oder<br />

„Bacchus“ gerichtet s<strong>in</strong>d.<br />

Möglicherweise entdeckt ja jemand<br />

den Bund als Angebot <strong>in</strong> Ebay oder anderen<br />

Plattformen und gibt die Information<br />

durch.<br />

An: Bbr. Hans Backes, Richard-Wagner-<br />

Str. 64, 99610 Sömmerda,<br />

E-Mail: s.schneider.soem@t-onl<strong>in</strong>e.de.


�IN<br />

MEMORIAM<br />

Freiburger Künstler: Trauer um Bbr. Benedikt Schaufelberger<br />

FREIBURG. Unter Anteilnahme vieler Unitarier<br />

aus dem Freiburger Raum wurde Bundesbruder<br />

und Kunstmaler Benedikt Schaufelberger<br />

am 4. August 2011 zu Grabe geleitet.<br />

Se<strong>in</strong>e K<strong>in</strong>dheit verbrachte er <strong>in</strong> Beuron.<br />

Hier im Schatten des Klosters erfuhr der Bub<br />

e<strong>in</strong>e erste Prägung <strong>in</strong> den Ausdrucksformen<br />

christlicher Kunst. Bereits während se<strong>in</strong>er<br />

Schulzeit <strong>in</strong> Freiburg und Konstanz fiel se<strong>in</strong>e<br />

künstlerische Begabung auf. Nach dem<br />

Studium an der Kunstakademie Freiburg,<br />

den Kölner Werkschulen und e<strong>in</strong>em<br />

Meisterkurs an der Mosaikschule <strong>in</strong> Ravenna<br />

machte er sich 1955 selbstständig. Verwurzelt<br />

im Glauben und bestens vertraut<br />

mit den biblischen Heilsaussagen hat er <strong>in</strong><br />

den folgenden mehr als fünf Jahrzehnten<br />

unzählige Kirchen, Kapellen, Schulen oder<br />

K<strong>in</strong>dergärten mit Fresken, Mosaiken, Glasfenstern,<br />

Kreuzwegen oder Bronzeskulpturen<br />

bereichert. Von großer Aussagekraft<br />

s<strong>in</strong>d aber auch se<strong>in</strong>e Skizzen, Aquarelle oder<br />

Ölbilder mit den herrlichsten Landschaftsmotiven<br />

von Spanien bis zur Bretagne oder<br />

von Griechenland über Italien, die Schweiz<br />

bis h<strong>in</strong> zu se<strong>in</strong>em von ihm besonders geliebten<br />

Schwarzwald. Mehr als e<strong>in</strong> Vierteljahrhundert<br />

unterrichtete er zudem als<br />

beliebter und erfolgreicher Kunsterzieher<br />

am Kolleg St. Sebastian <strong>in</strong> Stegen.<br />

E<strong>in</strong>en Namen machte sich Benedikt<br />

Schaufelberger auch als exzellenter Kenner<br />

des Freiburger Münsters. Se<strong>in</strong> mehrfach aufgelegtes<br />

Buch „Wie die Freiburger ihr Münster<br />

bauten“ (Herder) wurde wenige Monate<br />

vor dem Tod des Künstlers an Papst Benedikt<br />

XVI. überreicht. Freundlich lachend kommentierte<br />

dieser den Empfang mit den Worten:<br />

„Dann kann ich mich ja bestens auf den Freiburgbesuch<br />

im September 2011 vorbereiten.“<br />

Wenige Jahre zuvor war Benedikt Schaufelberger<br />

vom Hl. Vater für se<strong>in</strong>e Verdienste<br />

um die Kirche mit dem Orden „Pro ecclesia et<br />

Pontifice“ ausgezeichnet worden.<br />

Benedikt Schaufelberger, geboren am 4.<br />

Januar 1929, trat im SS 1949 <strong>in</strong> die Freiburger<br />

<strong>Unitas</strong> Eckhardia e<strong>in</strong>. Er gehörte zu den<br />

Persönlichkeiten, die wie Günther Ganz oder<br />

Dr. Felix Stilz nach dem Krieg das Vere<strong>in</strong>sleben<br />

der Eckhardia wieder belebten und ihr neuen<br />

Schwung gaben. Noch bis <strong>in</strong>s hohe Alter<br />

brachte er sich <strong>in</strong>s Vere<strong>in</strong>sleben e<strong>in</strong>. Nicht<br />

wenige Eckharden und andere Freiburger<br />

Unitarier verdanken ihm die H<strong>in</strong>führung zu<br />

e<strong>in</strong>em besseren Verständnis der Kunst <strong>in</strong><br />

ihren vielfältigen Ausrichtungen. Se<strong>in</strong>e Diavorträge,<br />

Kunstführungen <strong>in</strong> der Regio sowie<br />

se<strong>in</strong>e hervorragend organisierten Studienfahrten<br />

bleiben <strong>in</strong> bester Er<strong>in</strong>nerung.<br />

Der Altherrenvere<strong>in</strong> der <strong>Unitas</strong> Eckhardia<br />

sowie die gesamte Freiburger <strong>Unitas</strong><br />

trauern um Benedikt Schaufelberger, der<br />

Bild unten: Verleger Manuel Herder überreichte<br />

Papst Benedikt XVI. <strong>in</strong> Rom im November 2010<br />

das von Bbr. Schaufelberger geschriebene<br />

und illustrierte Buch „Wie die Freiburger<br />

ihr Münster bauten“.<br />

125 Semester lang, bis zu se<strong>in</strong>em Tod am 27.<br />

Juli, das hiesige Vere<strong>in</strong>sleben bereicherte. In<br />

e<strong>in</strong>er Würdigung am Ende des Requiems,<br />

bei dem die Kirche die Gottesdienstteilnehmer<br />

kaum fassen konnte, hieß es:<br />

„Bei der Trauer, dass Benedikt nicht mehr<br />

unter uns ist, müssen wir nicht verharren.<br />

In so vielen Kirchenbildern und -fenstern, <strong>in</strong><br />

Fresken, Holzschnitten, Mosaiken oder<br />

Skulpturen hat er mit se<strong>in</strong>er Kunst auf<br />

immer neuen Wegen versucht, sich dem<br />

unfassbaren Gott zu nähern. Getragen von<br />

unserem Glauben dürfen wir darauf vertrauen,<br />

dass der Künstler Benedikt Schaufelberger<br />

<strong>in</strong> der Anschauung Gottes die<br />

Vollendung se<strong>in</strong>es Suchens jetzt und für<br />

immer erlebt.“<br />

Hans-Jürgen Günther<br />

Zu den frühen Werken von Bbr. Benedikt<br />

Schaufelberger gehörte die von der UNITAS gestiftete<br />

Ausstattung der 1956 e<strong>in</strong>geweihten Franz-<br />

Hitze-Gedächtniskirche <strong>in</strong> Neuenhaßlau im<br />

Landkreis Gelnhausen/Hessen. Ehrenamtlicher<br />

Architekt und Baumeister war Bbr. Josef Kierdorf<br />

aus Köln, das Kreuz e<strong>in</strong> Geschenk des Altherren-<br />

Vere<strong>in</strong>s UNITAS Freiburg.<br />

Nach se<strong>in</strong>er Weiterbildung <strong>in</strong> Ravenna schuf Bbr.<br />

Schaufelberger diese Madonna, die <strong>in</strong> se<strong>in</strong>em<br />

Atelier von 1955 bis 2007 h<strong>in</strong>g. Sie wird vom AHV-<br />

Vorsitzenden der <strong>Unitas</strong> Eckhardia und der <strong>Unitas</strong><br />

Freiburg, Bbr. Hans-Jürgen Günther, seitdem <strong>in</strong><br />

hohen Ehren gehalten. Werkeverzeichnis:<br />

http://www.benedikt-schaufelberger.de<br />

unitas 4/2011 309<br />

>>


Bbr. Matern verstorben<br />

FULDA. Im 99. Lebensjahr und im 66. Jahr<br />

se<strong>in</strong>es Priestertums ist am 1. Oktober <strong>in</strong><br />

Fulda Monsignore Prof. Dr. Dr. Gerhard<br />

Matern gestorben. Die Eucharistiefeier für<br />

den Verstorbenen fand am 7. Oktober im<br />

Hohen Dom zu Fulda statt, er wurde auf<br />

dem Friedhof am Frauenberg beerdigt.<br />

Bbr. Matern, geboren am 7. Juni 1913 <strong>in</strong><br />

Lisettenhof im Ermland, legte 1935 se<strong>in</strong><br />

Abitur am Humanistischen Gymnasium<br />

Hosianum <strong>in</strong> Braunsberg (Ostpreußen) ab<br />

und absolvierte se<strong>in</strong>e philosofisch-theologischen<br />

Studien an den Universitäten<br />

Breslau und Freiburg sowie an der Staatlichen<br />

Akademie <strong>in</strong> Braunsberg, mehrfach<br />

unterbrochen durch Wehrdienst und<br />

schwere Verwundung. Er beschloss se<strong>in</strong>e<br />

akademische Ausbildung mit der philosophischen<br />

und theologischen Promotion<br />

(1944 bzw. 1948) und der Habilitation an<br />

der Theologischen Fakultät zu Freiburg<br />

(1958).<br />

Am 16. Dezember 1945 wurde er <strong>in</strong><br />

Eisleben durch se<strong>in</strong>en Ermländer Heimatbischof<br />

Maximilian Kaller zum Priester<br />

geweiht. Es folgten Jahre mit umfangreicher<br />

seelsorglicher und wissenschaftlicher<br />

Tätigkeit, unter anderem als Kl<strong>in</strong>ikseelsorger<br />

und Aushilfsgeistlicher <strong>in</strong> Freiburg,<br />

als Sekretär im Päpstlichen Sonderamt<br />

für Heimatvertriebene <strong>in</strong> Frankfurt<br />

als Dozent für Kirchengeschichte und<br />

Religionspädagogik an der Philosophisch-<br />

Theologischen Hochschule <strong>in</strong> Königste<strong>in</strong><br />

und als Spiritual am dortigen Priestersem<strong>in</strong>ar<br />

und als Religionslehrer an der<br />

Schule der Königste<strong>in</strong>er Ursul<strong>in</strong>en. Nach<br />

se<strong>in</strong>er Ernennung zum ordentlichen Professor<br />

an der Hochschule <strong>in</strong> Königste<strong>in</strong><br />

(1959) war Bbr. Matern bis zu se<strong>in</strong>er<br />

Berufung an die Philosophisch-Theologische<br />

Hochschule <strong>in</strong> Fulda im Jahre 1962<br />

noch als Dozent an der Universität Freiburg<br />

tätig.<br />

310<br />

unitas 4/2011<br />

Zur Lehrtätigkeit als Professor für<br />

Pastoraltheologie <strong>in</strong> Fulda, die er bis zu se<strong>in</strong>er<br />

Entpflichtung im Jahre 1981 ausübte,<br />

kamen theologische Vorlesungen an der<br />

Philipps-Universität Marburg, wo er 1967<br />

zum Direktor des Katholisch-Theologischen<br />

Sem<strong>in</strong>ars bestellt wurde. Während se<strong>in</strong>er<br />

Amtszeit wurde das Lehr- und Studienangebot<br />

dieses Sem<strong>in</strong>ars zur Ausbildung von<br />

Religionslehrern an Gymnasien stark ausgebaut.<br />

1971 wurde er auch zum Honorarprofessor<br />

an der Universität Marburg ernannt.<br />

In Anerkennung se<strong>in</strong>er vielfältigen<br />

Tätigkeiten im Bistum Fulda, unter anderem<br />

auch als Mitglied der Liturgischen<br />

Kommission, wurde Prof. Matern 1968 von<br />

Papst Paul VI. der Titel „Päpstlicher Kaplan“<br />

(Monsignore) verliehen.<br />

Das Bestreben von Prof. Matern als<br />

Priester und Seelsorger war es stets,<br />

„Glaubenshilfe <strong>in</strong> unserer Zeit“ zu geben,<br />

so der bezeichnende Untertitel e<strong>in</strong>er<br />

se<strong>in</strong>er Publikationen. Genau dies tat er<br />

ganz praktisch <strong>in</strong> se<strong>in</strong>er Marburger Zeit, als<br />

er z. B. 1971 e<strong>in</strong>en religiösen „Diskussionskreis“<br />

aus dem AHZ Marburg heraus mitbegründete,<br />

der auch über se<strong>in</strong>e Entpflichtung<br />

und Übersiedelung nach Fulda<br />

h<strong>in</strong>aus bestand und bis heute noch<br />

besteht. Durch diesen Kreis hat er das<br />

religiöse Bewusstse<strong>in</strong> vieler Bundesbrüder<br />

entscheidend mitgeprägt.<br />

Auch im eher persönlichen Rahmen war<br />

er für se<strong>in</strong>e Bundesbrüder e<strong>in</strong> stets zugänglicher<br />

Ratgeber. Darüber h<strong>in</strong>aus wirkte<br />

er bei zahlreichen religiösen Bes<strong>in</strong>nungstagen<br />

mit und stellte sich auch als Referent<br />

für das Kontaktstudium und für Ansprachen<br />

bei den sonntäglichen Morgenfeiern<br />

des Hessischen Rundfunks zur<br />

Verfügung. Als Mentor der Studierenden<br />

des Zweiten Bildungsweges hat er vielen<br />

Spätberufenen den Weg zum Priestertum<br />

gewiesen.<br />

Für die Franko-Saxonia Marburg spielte<br />

Bbr. Matern <strong>in</strong> e<strong>in</strong>er schwierigen Zeit<br />

außerdem e<strong>in</strong>e sehr wichtige Rolle. Als 1979<br />

nach e<strong>in</strong>em <strong>in</strong>ternen Konflikt fünf Bundesbrüder<br />

der Cheruskia Gießen nach Marburg<br />

abwandern und dort den seit 1973 suspendierten<br />

Vere<strong>in</strong> wiederbeleben wollten,<br />

sorgte er mit e<strong>in</strong>er „unbürokratischen“<br />

Immatrikulation dieser Bundesbrüder am<br />

Katholisch-theologischen Sem<strong>in</strong>ar dafür,<br />

dass die satzungsgemäßen Voraussetzungen<br />

für die Reaktivierung gegeben<br />

waren und so der Vere<strong>in</strong> wieder erblühen<br />

konnte. Darüber h<strong>in</strong>aus begleitete er die<br />

junge Aktivitas nach der Wiederbegründung<br />

sehr aktiv und stützte das Programm<br />

immer wieder mit Vorträgen.<br />

Bbr. Matern gehörte viele Jahrzehnte<br />

dem AHZ Fulda an und feierte mit ihm bis<br />

<strong>in</strong> se<strong>in</strong> hohes Alter den Vere<strong>in</strong>sgottesdienst.<br />

In dieser Zeit nahm er parallel auch<br />

Anteil am Marburger Vere<strong>in</strong>sleben, was sich<br />

immer wieder <strong>in</strong> Briefen von ihm niederschlug,<br />

<strong>in</strong> denen er zuweilen bedauerte,<br />

aufgrund se<strong>in</strong>es Gesundheitszustandes<br />

nicht mehr an Veranstaltungen <strong>in</strong> Marburg<br />

teilnehmen zu können.<br />

CB/CB2<br />

Bbr. Ludger Janowski<br />

BALVE /BONN. Am 14. Juni 2011, se<strong>in</strong>em<br />

48. Geburtstag, ist Bbr. Ludger Janowski<br />

M.A. <strong>in</strong> Balve gestorben. Während se<strong>in</strong>es<br />

Studiums der Politikwissenschaften <strong>in</strong><br />

Bonn war er im SS 1984 der UNITAS Stolzenfels<br />

beigetreten, er übernahm im SS 1986<br />

und 1988 das Amt des Seniors und im WS<br />

1987/88 das des Fuxmajors. Im Sommer<br />

1990 gab Ludger geme<strong>in</strong>sam mit Bbr.<br />

Christopher Beckmann anlässlich des 80.<br />

Stiftungsfestes die Festschrift „Aus dem<br />

Glauben gestalten – Christentum <strong>in</strong> Staat<br />

und Gesellschaft“ heraus. Das Bbr. He<strong>in</strong>rich<br />

Krone gewidmete Buch erschien als Band 6<br />

der UNITAS-Schriftenreihe.<br />

Ludger, der früh se<strong>in</strong>en Vater verloren<br />

hatte, kümmerte sich nach se<strong>in</strong>er Tätigkeit<br />

im Büro e<strong>in</strong>es Bundestagsabgeordneten<br />

aufopferungsvoll um se<strong>in</strong>e pflegebedürftige<br />

Mutter. Se<strong>in</strong>e eigene Gesundheit und<br />

se<strong>in</strong>e berufliche Zukunft traten dabei ganz<br />

<strong>in</strong> den H<strong>in</strong>tergrund. Er war <strong>in</strong>telligent, gebildet<br />

und hatte e<strong>in</strong>en wachen Geist, heißt<br />

es im Nachruf des Männerchors 1974 Balve.<br />

Er hatte e<strong>in</strong> gutes Herz und war doch oft<br />

e<strong>in</strong>sam. Nur wenigen deutete er an, wie es<br />

ihm wirklich zu Mute war. Se<strong>in</strong> Tod wirft<br />

Fragen auf, die Nachricht von se<strong>in</strong>em frühen<br />

Tod ist bedrückend. Se<strong>in</strong>e Bundesbrüder<br />

werden Ludger <strong>in</strong> Er<strong>in</strong>nerung behalten<br />

und se<strong>in</strong>er im Gebet gedenken. Requiescat<br />

<strong>in</strong> pace.<br />

Leonhard Mahr, AHV-Vorsitzender<br />

Bbr. M<strong>in</strong>Rat<br />

Heribert Schnippenkötter<br />

BONN. Bbr. M<strong>in</strong>isterialrat a. D. Heribert<br />

Schnippenkötter aus Bonn ist am 13. Mai<br />

2011 im Alter von 87 Jahren gestorben.<br />

Geboren am 4. April 1924, wurde er nach<br />

dem Kriegsdienst bei UNITAS-Salia Bonn<br />

aktiv, wo er zum 1. Januar 1954 philistriert<br />

werden sollte. Zugleich arbeitete er bereits<br />

als Volontär im Bonner Dümmler-Verlag. Er<br />

schloss von 1946-50 das Studium der<br />

Philosophie an, g<strong>in</strong>g als Redakteur zur<br />

„Bergischen Landeszeitung“ und ab 1951 als<br />

Persönlicher Referent des Staatsekretärs <strong>in</strong>s<br />

Bundeskanzleramt.<br />

Bis 1963 war der Journalist <strong>in</strong> mehreren<br />

Abteilungen im Presse- und Informationsamt<br />

der Bundesregierung tätig, unter anderem<br />

als Chef des Referats für Grundsatzangelegenheiten.<br />

Nach Jahren als Pressereferent<br />

im Bundesfamilienm<strong>in</strong>isterium<br />

g<strong>in</strong>g er 1968 wieder zum Bundespresseamt


und war dort 1989 zuletzt als Leiter des<br />

Referates Informationsfunk tätig.<br />

Bbr. Schnippenkötter war als Gast regelmäßig<br />

Teilnehmer bei Sitzungen der Adenauer-Kab<strong>in</strong>ette<br />

und als Zeitzeuge bei<br />

wichtigen Ereignissen der Geschichte der<br />

Bonner Republik hautnah dabei.<br />

Dr. med. Lothar Leo Schute<br />

OFFENBACH / HANAU. Bbr. Chefarzt i.R. Dr.<br />

med. Lothar Leo Schute aus Seligenstadt,<br />

geboren am 11.9.1921, aktiv bei UNITAS-<br />

Gött<strong>in</strong>gen seit Mai 1945 und philistriert<br />

zum 1.1.1947, ist am 2.9.2011 kurz vor<br />

Vollendung se<strong>in</strong>es 90. Geburtstags gestorben.<br />

Die Bundesbrüder erwiesen ihm beim<br />

Requiem <strong>in</strong> der E<strong>in</strong>hardsbasilika die letzte<br />

Ehre. Im UNITAS-Zirkel Offenbach/Hanau<br />

war er e<strong>in</strong> gern gesehener Gast und hatte<br />

noch für das kommende Frühjahr e<strong>in</strong>en<br />

Vortrag angeboten. Nun können wir leider<br />

se<strong>in</strong>er nur im Gebet gedenken.<br />

Udo Hermle<br />

Bbr. Pater Georg Kopp CMF<br />

WÜRZBURG. Am frühen Sonntagmorgen, 3.<br />

Juli 2011, ist Bbr. Pater Georg Kopp CMF im<br />

Alter von 87 Jahren verstorben. Er wurde<br />

1924 <strong>in</strong> Hochreuth bei Landshut geboren.<br />

Während des Zweiten Weltkriegs geriet er<br />

<strong>in</strong> englische Kriegsgefangenschaft und<br />

musste vier Jahre <strong>in</strong> Ägypten verbr<strong>in</strong>gen.<br />

1948 trat er <strong>in</strong> die Kongregation der Claret<strong>in</strong>er<br />

e<strong>in</strong>, legte am 22. August 1949 se<strong>in</strong>e<br />

Erstprofess ab und absolvierte <strong>in</strong> Frankfurt<br />

am Ma<strong>in</strong> se<strong>in</strong> Theologie-Studium. Dort<br />

schloss er sich im Juni 1953 der UNITAS<br />

Rheno-Moenania Frankfurt an.<br />

Nach se<strong>in</strong>er Priesterweihe am 29. August<br />

1954 betrat er 1962 als e<strong>in</strong>er der drei<br />

ersten Claret<strong>in</strong>er kongolesischen Boden.<br />

Fast 40 Jahre lang wirkte er dort und baute<br />

unter anderem zahlreiche Missionsstationen<br />

mit auf. Besonders die Menschen <strong>in</strong> der<br />

Missionsstation K<strong>in</strong>di lagen ihm am Herzen.<br />

Pater Kopp war mit Leib und Seele<br />

Missionar, auch nachdem er aus gesundheitlichen<br />

Gründen im Jahr 2000 nach<br />

Deutschland zurückkehrte. Se<strong>in</strong> Leben<br />

stand ganz unter dem Jesuswort: „Geht zu<br />

allen Völkern und macht alle Menschen zu<br />

me<strong>in</strong>en Jüngern.“ (Mt 28,19)<br />

In Würzburg, wo sich der Claret<strong>in</strong>erpater<br />

der dortigen UNITAS angeschlossen<br />

hatte, wurde für ihn am 8. Juli das Requiem<br />

gefeiert.<br />

Bbr. Ottmar Burska<br />

BONN. Bbr. Diplom-Volkswirt Ottmar<br />

Burska aus Bonn-Beuel ist am 10. August<br />

2011 <strong>in</strong> Schwelm verstorben.<br />

Geboren am 10. März 1929, wuchs er <strong>in</strong><br />

Schlesien auf. Als Soldat musste er noch das<br />

Ende des Zweiten Weltkrieges und Gefangenschaft<br />

erleben. In Bad Kreuznach<br />

fand er e<strong>in</strong>e neue Heimat und studierte<br />

nach dem Notabitur zunächst <strong>in</strong> Ma<strong>in</strong>z, wo<br />

er im Mai 1951 bei der UNITAS Willigis rezipiert<br />

wurde. Bald setzte er se<strong>in</strong> Studium der<br />

Volkswirtschaftslehre an der Johann-Wolfgang-von-Goethe-Universität<br />

<strong>in</strong> Frankfurt<br />

am Ma<strong>in</strong> fort und wurde dort bei der<br />

UNITAS-Guestfalia-Sigfridia, der Nachfolge-<br />

Verb<strong>in</strong>dung der Breslauer Guestfalia und<br />

Sigfridia, aktiv.<br />

Se<strong>in</strong> Studium mit dem Abschluss als<br />

Diplom-Volkswirt absolvierte er <strong>in</strong> kürzest<br />

möglicher Zeit, heiratete se<strong>in</strong>e Frau Anni,<br />

geb. Br<strong>in</strong>ker aus Westfalen, und nahm se<strong>in</strong>e<br />

berufliche Tätigkeit <strong>in</strong> Bonn auf. Dort wirkte<br />

er <strong>in</strong> der deutschen und <strong>in</strong>ternationalen<br />

Milchwirtschaft erfolgreich als verantwortlicher<br />

Geschäftsführer. Daneben engagierte<br />

er sich viele Jahre im Heimatvere<strong>in</strong> Beuel<br />

und als Förderer des privaten Vere<strong>in</strong>s Bröhltal-Eisenbahn.<br />

Unserer <strong>Unitas</strong> war er stets <strong>in</strong> Treue verbunden,<br />

wobei er <strong>in</strong>sbesondere nach se<strong>in</strong>em<br />

Ruhestand regelmäßig am monatlichen<br />

„jour fixe“ des AHZ Bonn teilnahm.<br />

Ottmar Burska h<strong>in</strong>terlässt neben se<strong>in</strong>er<br />

Frau e<strong>in</strong>en Sohn und e<strong>in</strong>en Enkel. Die<br />

Bonner <strong>Unitas</strong> gedenkt se<strong>in</strong>er dankbar.<br />

Dr. Otto Paleczek, AHZ Bonn<br />

Bbr. Dipl.-Ing. Franz Drüppel<br />

DORTMUND. BBbr. Dipl.-Ing. Franz Drüppel<br />

aus Unna, geboren am 27. April 1928, rezipiert<br />

im Juni 1955 und philistriert zum 1.<br />

August 1958 bei der UNITAS Reichenste<strong>in</strong><br />

Aachen, ist am 4. Juli 2011 nach längerer<br />

Krankheit verstorben. Er war langjähriges<br />

Mitglied im UNITAS-AHZ Dortmund.<br />

Gedenkt<br />

unserer<br />

Verstorbenen<br />

Bbr. M<strong>in</strong>isterialrat a. D. Dr. Re<strong>in</strong>hold<br />

Broermann aus Neuss, geboren am<br />

23. April 1931, rezipiert im Juni 1952 bei<br />

UNITAS- Stolzenfels Bonn und aktiv bei<br />

UNITAS-Salia Bonn sowie UNITAS-<br />

Ripuaria Neuss, ist am 9. September<br />

2011 verstorben.<br />

Bbr. Direktor Dipl.-Volksw. Erw<strong>in</strong> Gramlich<br />

aus Saarbrücken, geboren am<br />

14. Juni 1930, aktiv seit Juni 1951 bei<br />

UNITAS Reichenau <strong>in</strong> Freiburg und<br />

dann bei UNITAS Heidelberg, ist am<br />

28. Juli gestorben.<br />

Bbr. StD Max Heidkamp aus Köln,<br />

geboren am 21. September 1922, rezipiert<br />

bei UNITAS Deutschritter <strong>in</strong> Köln<br />

im Juli 1948, ist am 8. Januar 2011 verstorben.<br />

Bbr. Rektor a. D. Herbert Helms aus<br />

Holdorf, geboren am 28. August 1935,<br />

aktiv seit November 1967 bei UNITAS-<br />

Ravensberg Vechta und philistriert<br />

zum 1. Januar 1969, ist am 4. September<br />

2011 gestorben.<br />

Bbr. OStD a. D. Georg Russ aus Bamberg,<br />

geboren am 3. September 1922,<br />

aktiv seit Juni 1953 bei UNITAS Henricia<br />

Bamberg, ist am 4. Juli 2011 gestorben.<br />

Bbr. OStD i. R. Adolf Schmid aus Freiburg,<br />

geboren am 16. Juni 1934 und<br />

rezipiert bei UNITAS-Rheno-Danubia<br />

Freiburg im Juni 1954, ist am 9. September<br />

2011 verstorben.<br />

Bbr. Dr. med. vet. Alfons Siebers aus<br />

Kleve, geboren am 13. November 1913,<br />

aktiv seit Juni 1935 bei UNITAS Langobardia<br />

Hannover und philistriert zum<br />

1. Januar 1940, ist am 26. Juni 2011 verstorben.<br />

Bbr. OStR. i. R. Aloys Wenner aus Mülheim,<br />

aktiv seit November 1946 bei<br />

UNITAS Deutschritter <strong>in</strong> Köln, ist am<br />

13. Juli gestorben.<br />

unitas 4/2011 311


Das Thema Erfolg der Piratenpartei ist<br />

auch <strong>in</strong> gesellschaftspolitischer und demokratietheoretischer<br />

H<strong>in</strong>sicht von großem<br />

Interesse.<br />

Denn zum e<strong>in</strong>en macht die Partei durch<br />

die bereits von den Grünen <strong>in</strong> den 80er<br />

Jahren erfolgreich vorexerzierten Strategie<br />

e<strong>in</strong>es Bruchs ungeschriebener publizistischer<br />

Regeln von sich reden (z. B. gewundene<br />

und anspruchsvolle statt e<strong>in</strong>fache und<br />

e<strong>in</strong>gängige Parolen, z. B. „M<strong>in</strong>deste<strong>in</strong>kommen<br />

ist e<strong>in</strong>e Brückentechnologie. Für gesellschaftliche<br />

Beteiligung Aller braucht es<br />

e<strong>in</strong> Grunde<strong>in</strong>kommen ohne Bed<strong>in</strong>gungen“<br />

statt beispielsweise „Cash auf Kralle –<br />

Staatsknete für alle“). Wie bei den frühen<br />

Grünen wird durch sche<strong>in</strong>bare publizistische<br />

und politische Unbedarftheit <strong>in</strong><br />

Verb<strong>in</strong>dung mit geistige Überlegenheit signalisierendem<br />

ironischem Gebaren („Wir<br />

s<strong>in</strong>d die mit den Fragen – Ihr seid die mit<br />

den Antworten“) der E<strong>in</strong>druck von bürgerschaftlicher<br />

Authentizität hervorgerufen.<br />

Das Ziel: „liquid democracy“<br />

Tatsächlich hat die Partei sich bei ihrem<br />

Chemnitzer Parteitag auch e<strong>in</strong>deutig e<strong>in</strong>en<br />

312<br />

unitas 4/2011<br />

FORUM<br />

Zeichnen die Piraten e<strong>in</strong> Menetekel?<br />

E<strong>in</strong> politischer Zwischenruf<br />

VON KLAUS-HERMANN RÖSSLER, MITGLIED DES<br />

GESELLSCHAFTSPOLITISCHEN VERBANDSBEIRATS<br />

von den Grünen übernommenen programmatischen<br />

Rahmen für ihre eigentliche<br />

Hauptforderung, der maximal möglichen<br />

<strong>in</strong>formationellen Freiheit des Individuums,<br />

gegeben. Die politischen Teilhabemöglichkeiten<br />

des e<strong>in</strong>zelnen Bürgers sollen<br />

erheblich gestärkt, das Wahlrecht auf<br />

Bundesebene soll durch Panaschieren und<br />

Kumulieren ergänzt werden. Endziel ist<br />

aber – wie es etwa der nordrhe<strong>in</strong>-westfälische<br />

Landesverband <strong>in</strong> se<strong>in</strong>er Internetpräsenz<br />

aufzeigt – die sog. „liquid democracy“,<br />

die auf e<strong>in</strong>e Wahlfreiheit der Bürger<br />

h<strong>in</strong>ausläuft, <strong>in</strong> welcher politischen Frage sie<br />

direkt mitbestimmen und <strong>in</strong> welcher sie<br />

sich vertreten lassen wollen. Urheber- und<br />

Patentrechte sollen weitestgehend abgeschafft,<br />

<strong>in</strong> der Verwaltung e<strong>in</strong> unbeschränktes<br />

Aktene<strong>in</strong>sichtsrecht für jeden Bürger<br />

(„gläserne Verwaltung“) durchgesetzt,<br />

maximale <strong>in</strong>formationelle Transparenz <strong>in</strong><br />

allen Wissensbereichen für jedermann<br />

erreicht werden. Zugleich setzen die Piraten<br />

sich gegen die Vorratsdatenspeicherung<br />

und die onl<strong>in</strong>e-Durchsuchung <strong>in</strong> der Strafverfolgung<br />

sowie gegen die Sammlung von<br />

Gesundheitsdaten des e<strong>in</strong>zelnen Bürgers<br />

e<strong>in</strong>. Der Staat soll so wenige Daten wie<br />

möglich über se<strong>in</strong>e Bürger sammeln – egal<br />

für welchen Zweck.<br />

Wahlplakate aus Hamburg und dem Berl<strong>in</strong>er Wahlkampf , Quelle: www.piratenpartei.de<br />

Auch der dar<strong>in</strong> liegende offenkundige<br />

fundamentale Widerspruch im Kernbereich<br />

der Partei, der <strong>in</strong> der gleichzeitigen Forderung<br />

nach maximaler <strong>in</strong>formationeller<br />

Transparenz und Zugänglichkeit allen<br />

Wissens e<strong>in</strong>erseits und weitestgehender<br />

<strong>in</strong>formationeller Selbstbestimmung des<br />

E<strong>in</strong>zelnen und damit maximalem <strong>in</strong>formationellem<br />

Schutz der Person andererseits<br />

liegt, er<strong>in</strong>nert an ähnlich fundamentale<br />

Widersprüche der Grünen (etwa die Forderung<br />

nach Umweltschutz bei gleichzeitigem<br />

E<strong>in</strong>satz für die E<strong>in</strong>schränkung des<br />

menschlichen Lebensrechtes bei Ungeborenen).<br />

Dass die zentralen politischen Forderungen<br />

der Piraten auf der praktischen<br />

Ebene genau das Gegenteil der beabsichtigten<br />

Wirkung erreichen dürften (so dürften<br />

weniger Urheberrecht- oder Patentschutz<br />

nicht zu mehr, sondern zu weniger<br />

Veröffentlichungen und damit Wissenszugang<br />

für jedermann führen und mehr<br />

Aktene<strong>in</strong>sichts- und Veröffentlichungsrechte<br />

<strong>in</strong> Politik und Verwaltung für alle<br />

Bürger nicht zu größerer Transparenz, sondern<br />

zu weniger aktenkundigen Vorgängen<br />

und mehr Gesprächen <strong>in</strong> H<strong>in</strong>terzimmern<br />

führen) – auch dies kennen wir bestens von<br />

den Grünen (deren gigantischer politischer<br />

Erfolg der schnellstmöglichen Abschaltung<br />

deutscher Kernkraftwerke ja aller Wahrsche<strong>in</strong>lichkeit<br />

nach zur verstärkten Abhängigkeit<br />

von ausländischem Atomstrom<br />

sowie von umweltproblematischen CO 2<strong>in</strong>tensiven<br />

Energiegew<strong>in</strong>nungsformen<br />

führt).


Ke<strong>in</strong>e bedeutungslose<br />

Spaßpartei<br />

Der Vergleich der neuen Piratenpartei<br />

mit den etablierten Grünen zeigt aber<br />

immerh<strong>in</strong>, dass diese (oder <strong>in</strong> der Folge e<strong>in</strong>e<br />

ähnliche) neue politische Partei oder Bewegung<br />

e<strong>in</strong>e sehr beachtliche politische<br />

Chance hat, unser aller Schicksal mitzubestimmen<br />

– und wegen ihrer auf vielen<br />

Gebieten dilettantisch anmutenden Profillosigkeit,<br />

die der aktuellen Aufbauphase<br />

der Partei zugeschrieben werden können,<br />

ke<strong>in</strong>eswegs als bedeutungslose Spaßpartei<br />

belächelt werden sollte.<br />

Denn – vorausgesetzt, das Internet und<br />

die elektronische Datenübertragung können<br />

von ihren technischen Voraussetzungen<br />

her <strong>in</strong> den kommenden Jahrzehnten<br />

weiter existieren und weiter entwickelt<br />

werden, so wirft die Partei e<strong>in</strong>e sehr berechtigte<br />

Frage auf: Führt nicht die tendenziell<br />

immer stärkere <strong>in</strong>formationelle Vernetzung<br />

der e<strong>in</strong>zelnen Person quasi automatisch<br />

dazu, dass sich unser politisches System,<br />

die repräsentative Demokratie, auflöst <strong>in</strong><br />

e<strong>in</strong>e Art virtuelle Basisdemokratie?<br />

Schließlich wäre es schon heute technisch<br />

fast ke<strong>in</strong> Problem, sämtliche politische<br />

Entscheidungen per Mausklick direkt<br />

von den Bürgern fällen zu lassen. Und je<br />

mehr Informationszugang der e<strong>in</strong>zelne<br />

theoretisch hat, umso mehr formale Kompetenz<br />

zur Entscheidung e<strong>in</strong>zelner politischer<br />

Fragen besitzt er. Die Tendenz zur virtuellen<br />

Basisentscheidung wird also immer<br />

stärker werden, weil politische Forderungen<br />

<strong>in</strong> diese Richtung e<strong>in</strong>e <strong>in</strong>nere Logik<br />

besitzen: dem durch elektronische Vernetzung<br />

maximal <strong>in</strong>formationsmündigen<br />

Bürgern kann e<strong>in</strong> direktes Mitspracherecht<br />

<strong>in</strong> konkreten politischen Fragen nicht auf<br />

Dauer verweigert werden, er braucht formal<br />

<strong>in</strong> immer weniger Teilbereichen e<strong>in</strong>e<br />

Repräsentation – das hat die Piratenpartei<br />

sicherlich richtig erkannt. Ihre zentrale politische<br />

Forderung ist deshalb auch im<br />

Grunde auf die Formel zu br<strong>in</strong>gen – maximale<br />

politische und gesellschaftliche Teil-<br />

habe durch maximale persönliche Informationsfreiheit.<br />

Insofern haben die Piraten durchaus<br />

Recht, wenn sie sich als konsequente und<br />

moderne Liberale und parteipolitisch als<br />

Nachfolger der FDP darstellen. Nicht zu vergessen<br />

ist auch, dass wir bereits heute e<strong>in</strong>e<br />

ausgeprägte Tendenz <strong>in</strong> e<strong>in</strong>igen Politikbereichen,<br />

etwa der Bildungspolitik, haben,<br />

die praktische Umsetzung der Ergebnisse<br />

gesamtstaatlicher und gesamtgesellschaftlicher<br />

Diskurse – und damit die politische<br />

Verantwortung – ohne ausreichende Beachtung<br />

der Pr<strong>in</strong>zipien der Subsidiarität<br />

und der Konnexität auf die unterste staatliche<br />

Ebene, die Kommunen, zu verschieben.<br />

Dies immer mit dem Generalargument der<br />

Herstellung größerer „Bürgernähe“ und der<br />

Anpassung genereller Normen an die<br />

„Verhältnisse vor Ort“.<br />

Dass jedoch <strong>in</strong> Wirklichkeit e<strong>in</strong>e Flut<br />

von Informationen natürlich noch lange<br />

nicht tatsächlich e<strong>in</strong>e <strong>in</strong>formierte Entscheidung<br />

im E<strong>in</strong>zelfall zulässt, ist angesichts<br />

der derzeit obwaltenden, eher von Panik<br />

geprägten Diskussionen zu politischen<br />

Zukunftsthemen ke<strong>in</strong>e These, die man<br />

besonders erläutern muss.<br />

Daher wird <strong>in</strong> Zukunft sowohl denjenigen,<br />

die diese Informationen technisch<br />

bereitstellen als auch denjenigen, die sie im<br />

S<strong>in</strong>ne e<strong>in</strong>er <strong>in</strong>haltlichen Orientierung des<br />

Endkonsumenten filtern, e<strong>in</strong>e zunehmende<br />

politische Bedeutung zukommen. Sie könnten<br />

durchaus zu den eigentlichen politischen<br />

Akteuren werden. Genau hier liegt<br />

aber e<strong>in</strong> demokratietheoretisches Problem<br />

erster Ordnung: diese Personen dürften <strong>in</strong><br />

ihrer Mehrzahl anonym bleiben und sich<br />

natürlich e<strong>in</strong>er Wahl nicht stellen wollen<br />

oder auch nur können, schon weil ihr politischer<br />

E<strong>in</strong>fluss von Fall zu Fall e<strong>in</strong>e Frage der<br />

Interpretation bleiben dürfte.<br />

Aber wirtschaftliche Konkurrenz zwischen<br />

Medien und Technikplattformen<br />

oder auch politische und soziale Konkordanz<br />

der agierenden <strong>in</strong>tellektuellen Schich-<br />

Piratenpartei: Religionszugehörigkeit abfragen ist „unnötig“<br />

ten könnten durchaus zu e<strong>in</strong>er Vere<strong>in</strong>heitlichung<br />

dieses politischen E<strong>in</strong>flusses, zu<br />

e<strong>in</strong>er Art political ma<strong>in</strong>stream<strong>in</strong>g führen.<br />

Und ma<strong>in</strong>stream<strong>in</strong>g – das haben wir beim<br />

gender ma<strong>in</strong>stream<strong>in</strong>g gelernt – geht<br />

immer top-down. Demokratie würde jedenfalls<br />

weit mehr als bisher e<strong>in</strong>e Frage verborgener<br />

E<strong>in</strong>flüsse verborgener Schichten. Die<br />

<strong>in</strong>formationell liberalste Gesellschaft, die<br />

virtuelle Basisdemokratie, wäre zugleich<br />

die am besten verborgene Herrschaft e<strong>in</strong>er<br />

bestimmten Schicht von Fachleuten – e<strong>in</strong>e<br />

Art „Kryptarchie“.<br />

Schon heute ist der Weg lang und<br />

wenig nachvollziehbar von den bestimmte<br />

Ergebnisse gesamtgesellschaftlicher Diskurse<br />

moderierenden und <strong>in</strong> konkrete<br />

gesetzliche Regelungen br<strong>in</strong>genden Akteuren<br />

auf oberer staatlicher Ebene und<br />

kommunalen Verantwortungsträgern, denen<br />

deren Umsetzung obliegt und die sich<br />

letztlich vor den Bürgern verantworten<br />

müssen, ohne grundsätzlich etwas ändern<br />

zu können.<br />

Aber könnte unsere Demokratie nicht<br />

durch e<strong>in</strong>e weitere Verstärkung der Tendenz<br />

zur Basis bei gleichzeitig fortschreitender<br />

Anonymisierung der eigentlich lenkenden<br />

Akteure tödlich ausgehöhlt werden?<br />

Ist nicht e<strong>in</strong>e politikwissenschaftliche<br />

Def<strong>in</strong>ition von Faschismus das Ideal der<br />

Herrschaft von Fachleuten?<br />

Wer dar<strong>in</strong> nur Verschwörungstheorien<br />

sieht, hat nicht verstanden, dass es um<br />

e<strong>in</strong>en Mega-Trend geht, den niemand verabreden<br />

kann. Ist es nicht so: die Piraten<br />

zeichnen e<strong>in</strong> Menetekel?<br />

Sollte nicht jetzt <strong>in</strong>tensiv darüber nachgedacht<br />

werden, dass es die repräsentative,<br />

nicht die (virtuelle) Basisdemokratie ist, die<br />

auch und gerade im Zeitalter der <strong>in</strong>formationellen<br />

Vernetzung e<strong>in</strong>e identifizierbare<br />

und legitime demokratische Autorität garantiert?<br />

BERLIN. Die Piratenpartei hat sich für e<strong>in</strong> Ende der statistischen Erfassung der Religionszugehörigkeit der Bürger ausgesprochen. Es<br />

sei „unnötig“, dieses Merkmal staatlicherseits abzufragen, sagte die politische Geschäftsführer<strong>in</strong> der Bundespartei, Mar<strong>in</strong>a<br />

Weisbaum, beim ersten Auftritt der Piratenpartei <strong>in</strong> der Bundespressekonferenz am 5. Oktober <strong>in</strong> Berl<strong>in</strong>. Dabei forderte sie, jede<br />

staatliche Zentralisierung von Daten zu vermeiden und e<strong>in</strong>e breite Debatte über den Datenschutz zu führen. Den Piraten gehe es um<br />

Transparenz staatlichen Handelns, nicht aber um Transparenz ungewählter Personen.<br />

Der Bundesvorsitzende der Piraten, Sebastian Nerz, sagte zur Bewertung des Islam durch se<strong>in</strong>e Partei, es gelte, jede Person gleich zu<br />

behandeln. Dabei solle es überhaupt ke<strong>in</strong>e Rolle spielen, ob jemand Muslim, Christ oder auch Atheist sei. Er bezeichnete die Piraten<br />

als „sozial-liberale Grundrechtepartei“. Dabei halte er Koalitionen mit allen Parteien für möglich, die nicht dem l<strong>in</strong>ks- oder rechtsextremen<br />

Spektrum angehörten. Bei zahlreichen aktuellen Sachthemen gebe es dazu noch ke<strong>in</strong>e abgeschlossene Me<strong>in</strong>ungsbildung,<br />

betonten die Piratenpartei-Vertreter. Die Partei, die bei der Wahl zum Berl<strong>in</strong>er Abgeordnetenhaus erstmals <strong>in</strong> e<strong>in</strong> Landesparlament<br />

e<strong>in</strong>ziehen konnte, zählt derzeit nach eigenen Angaben gut 13.000 Mitglieder.<br />

unitas 4/2011 313<br />

>>


„Traditionen s<strong>in</strong>d wandelbare Formen“<br />

Zu: „Debattenbeiträge: E<strong>in</strong> Dialog über<br />

Dialog und mehr …“, <strong>in</strong>: unitas 3/2011, S. 197<br />

„Lieber Dom<strong>in</strong>ik Kern, für De<strong>in</strong>en Beitrag<br />

im Heft 3/2011 unserer Verbandszeitschrift<br />

danke ich Dir. Du hast <strong>in</strong>tellektuell<br />

redliche und sprachlich angemessen formulierte<br />

Gedanken zum Dialog <strong>in</strong> der<br />

Kirche vorgetragen. Durchgängig ist dabei<br />

e<strong>in</strong>e überzeugende religiöse Grundhaltung,<br />

für mich auch e<strong>in</strong>e echte unitarische<br />

Haltung, spürbar. Dass Du Dich aus dieser<br />

Grundüberzeugung heraus zum Memorandum<br />

der Theolog<strong>in</strong>nen und Theologen bekennst,<br />

ist sehr erfreulich.<br />

Ich b<strong>in</strong> wohl dreimal so alt wie Du, selber<br />

katholischer Theologe und immer noch<br />

<strong>in</strong> der kirchlichen Erwachsenenbildung<br />

engagiert. Dabei habe ich vor allem mit<br />

durchaus älteren Menschen zu tun. Und<br />

dabei erfahre ich immer wieder, dass die<br />

Bereitschaft zum Nachdenken und zu e<strong>in</strong>er<br />

grundsätzlichen Offenheit nicht vom<br />

Lebensalter abhängt.<br />

Du hast sehr gut zwei Begriffe reflektiert:<br />

die Wahrheit und die Tradition. Ich<br />

314<br />

unitas 4/2011<br />

kann hier nur De<strong>in</strong>e Gedanken wiederholen.<br />

Es ist leicht, von „ewigen Wahrheiten“ zu<br />

sprechen, wenn dabei nicht bedacht wird,<br />

dass diese Wahrheiten uns immer nur <strong>in</strong><br />

e<strong>in</strong>er zeitlich bed<strong>in</strong>gten Begrifflichkeit und<br />

Sprache zugänglich s<strong>in</strong>d. Die Verfasser des<br />

Neuen Testaments und die Väter der altkirchlichen<br />

Konzilien haben das gewusst.<br />

Wer sich immer nur auf Tradition beruft,<br />

vergisst zwei wesentliche Grundtatsachen.<br />

Tradition an sich ist überhaupt ke<strong>in</strong><br />

Wert (denn es gibt gute und schlechte<br />

Traditionen), und Traditionen s<strong>in</strong>d nicht das,<br />

was angeblich „immer schon so war“, sondern<br />

geschichtlich gewordene und deshalb<br />

auch wandelbare Formen. E<strong>in</strong> Blick <strong>in</strong> die<br />

Kirchengeschichte zeigt, dass vieles, was<br />

heute manche gerne als unabänderlich<br />

ansehen, über Jahrhunderte h<strong>in</strong>weg eben<br />

gerade so nicht gegeben war. Ängstliches<br />

Beharren und Fantasielosigkeit s<strong>in</strong>d ke<strong>in</strong>e<br />

Zeichen des christlichen Glaubens.<br />

Dem Memorandum geht es auch um<br />

Fragen <strong>in</strong>nerkirchlicher Ordnung (Zölibat,<br />

Priestertum der Frau u. a.). Mit „ewigen<br />

Wahrheiten“ und „unverrückbaren Traditionen“<br />

hat das ohneh<strong>in</strong> nichts zu tun. Es geht<br />

hier um von Menschen getroffene Satzungen,<br />

die eben auch anders festgelegt werden<br />

können. Im Kirchenrecht steht, dass<br />

„das Heil der Seelen oberstes Gesetz der<br />

Kirche“ sei. Wer aus sturem Festhalten an<br />

Regeln, die ke<strong>in</strong> göttliches Recht s<strong>in</strong>d, die<br />

Seelsorge e<strong>in</strong>schränkt und beh<strong>in</strong>dert, verstößt<br />

gegen dieses Gebot.<br />

Peter Mäder, Professor für Schulpädagogik,<br />

<strong>Unitas</strong> Paulus <strong>in</strong> Freiburg<br />

F<strong>in</strong>anzkrise auch bei der UUK<br />

OFFENER BRIEF AN ALLE DARLEHENSNEHMER<br />

Liebe Bundesbrüder,<br />

(es s<strong>in</strong>d ja nur BbrBbr. betroffen),<br />

nicht nur <strong>in</strong> der Euro-Zone herrscht e<strong>in</strong>e<br />

große F<strong>in</strong>anzkrise, auch das <strong>in</strong>nerbetriebliche<br />

Sozialwerk der <strong>Unitas</strong> – die Unitarische<br />

Unterstützungskasse (UUK) leidet<br />

unter e<strong>in</strong>er akuten F<strong>in</strong>anzkrise.<br />

Zwar steht die UUK auch unter e<strong>in</strong>em<br />

Rettungsschirm, hat der VGF doch zugesagt,<br />

bei F<strong>in</strong>anzierungsschwierigkeiten<br />

von Darlehen an junge Aktive sofort mit<br />

Mitteln des Verbandes zur Seite zu stehen,<br />

doch das ist eigentlich nicht die Zielrichtung<br />

der UUK. Aus vorhandenen Mitteln<br />

sollte sich die UUK stets selbst f<strong>in</strong>anzieren<br />

können! Dazu ist es aber nötig,<br />

dass Darlehensnehmer auch zügig ihre<br />

Gelder wieder an die UUK zurückzahlen.<br />

Und hier ist e<strong>in</strong> großer Mangel an solidarischer.<br />

sozialer E<strong>in</strong>stellung festzustellen!<br />

Gerne und dankbar werden Darlehen<br />

entgegen genommen, bei der Rückzahlung<br />

fehlt es jedoch sehr häufig an Ver-<br />

ständnis für andere, bedürftige BbrBbr.<br />

und S<strong>in</strong>n für das Funktionieren der UUK.<br />

Gerade <strong>in</strong> letzter Zeit häuften sich die Anfragen<br />

von Aktiven, ob seitens der UUK<br />

e<strong>in</strong> Zuschuss zur F<strong>in</strong>anzierung der anfallenden<br />

Studiengebühren möglich wäre.<br />

Gebt Euch e<strong>in</strong>en Ruck!<br />

Nun würde der Leiter der UUK gerne<br />

behilflich se<strong>in</strong>, doch reichen die <strong>in</strong> der<br />

Kasse vorhandenen Mittel im Augenblick<br />

dazu nicht aus – bliebe also nur der<br />

(erweiterte) Rettungsschirm des Verbandes.<br />

Dieser Weg ist jedoch e<strong>in</strong> schlechter<br />

Weg, stehen doch genügend Gelder<br />

aus längst ausbezahlten Darlehen zur<br />

Rückzahlung an.<br />

Doch das Bemühen des Leiters der<br />

UUK ist nur sehr bed<strong>in</strong>gt erfolgreich. Auf<br />

e<strong>in</strong>ige Anschreiben reagierten die betroffenen<br />

Bundesbrüder überhaupt nicht –<br />

auch e<strong>in</strong>e Möglichkeit! Andere sagten<br />

zwar e<strong>in</strong>e Rückzahlung zu, das war es<br />

dann aber auch. Und ganz wenige waren<br />

bereit, ihr Darlehen – meist <strong>in</strong> Raten –<br />

zurückzuzahlen und ließen auch Taten<br />

folgen. Mir kommt die Sache irgendwie<br />

aus e<strong>in</strong>em Gleichnis von Jesus bekannt<br />

vor!<br />

Dr<strong>in</strong>gender Appell<br />

Dabei sollte es aber nicht bleiben! Daher<br />

heute me<strong>in</strong> dr<strong>in</strong>gender Appell an alle, die<br />

noch e<strong>in</strong> Darlehen bei der UUK offen<br />

haben: Gebt euch e<strong>in</strong>en Ruck, denkt<br />

daran, dass das Darlehen zurückzuzahlen<br />

ist und dass andere, jüngere e<strong>in</strong> Darlehen<br />

dr<strong>in</strong>gend benötigen!<br />

Und zum Schluss: Der E<strong>in</strong>gang von<br />

Rückzahlungen auf das Konto Staroszynski<br />

c/o unitas bei der Ligabank BLZ<br />

75090300 Konto 150568 könnte dem<br />

Leiter der UUK große Freude bereiten.<br />

<strong>in</strong> unitate<br />

Thomas Staroszynski,<br />

Leiter der UUK<br />

staroszynski.thomas@t-onl<strong>in</strong>e.de


Angebot der Deutschen<br />

Biografie erweitert<br />

MÜNCHEN. Das 2010 gestartete digitale<br />

Angebot des historisch-biografischen Lexikons<br />

des deutschen Sprachraums ist deutlich<br />

erweitert worden. Unter www.deutsche-biographie.de<br />

s<strong>in</strong>d nunmehr 128.000<br />

Persönlichkeiten recherchierbar. E<strong>in</strong>e Verl<strong>in</strong>kung<br />

mit derzeit 44 Onl<strong>in</strong>e-Ressourcen<br />

bietet hier dem Nutzer biografisch relevante<br />

Informationen mit wissenschaftlich gesicherter<br />

<strong>Qualität</strong>. So s<strong>in</strong>d die Informationen<br />

mit e<strong>in</strong>em Klick auch mit Artikeln im Österreichischen<br />

Biografischen Lexikon, im<br />

Historischen Lexikon der Schweiz und<br />

anderen Datenbanken verbunden.<br />

Nach Angaben der Bayerischen Akademie<br />

der Wissenschaften erfolgte der<br />

Ausbau zusammen mit der Bayerischen<br />

Staatsbibliothek. Gefördert wurde das Projekt<br />

durch die Deutsche Forschungsgeme<strong>in</strong>schaft.<br />

Neue Broschüre:<br />

Katholische Kirche<br />

<strong>in</strong> Zahlen und Fakten<br />

BONN. 24,6 Millionen Katholiken, 436.228<br />

Messdiener, 908 Schulen, 120 Verbände, 378<br />

Theologieprofessoren, 43 Museen, 9.400<br />

Tagese<strong>in</strong>richtungen sowie 70 Bischöfe: Die<br />

neu konzipierte Broschüre „Katholische<br />

Kirche <strong>in</strong> Deutschland – Zahlen und Fakten<br />

2010/2011“ der Deutschen Bischofskonferenz<br />

versteht sich als E<strong>in</strong>- und Überblick zur<br />

katholischen Kirche <strong>in</strong> Deutschland.<br />

Zahlen, Grafiken, Tabellen und Schaubilder<br />

sowie Statements von Mitarbeitern<br />

aus unterschiedlichen Bereichen sollen anschaulich<br />

machen, was katholische Kirche<br />

�<br />

BÜCHER/MEDIEN<br />

ausmacht. „H<strong>in</strong>ter den Zahlen und Schaubildern<br />

stehen Menschen, Geme<strong>in</strong>den,<br />

Verbände, die aus ihrem Glauben heraus<br />

unsere Gesellschaft gestalten“, schreibt der<br />

Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz,<br />

Erzbischof Dr. Robert Zollitsch, <strong>in</strong> se<strong>in</strong>em<br />

Vorwort.<br />

Die 44-seitige, farbige Arbeitshilfe stellt<br />

die Eckdaten des katholischen Lebens <strong>in</strong><br />

den Bistümern von der Taufe bis zu den<br />

Bestattungen, von Gottesdienstbesuchern<br />

bis zur Telefonseelsorge vor. Sie zeigt, wie<br />

viele Priester und Ordensleute es gibt und<br />

wie viele Menschen sich <strong>in</strong> pastoralen<br />

Diensten und ehrenamtlich engagieren.<br />

Darüber h<strong>in</strong>aus ermöglicht die Arbeitshilfe<br />

unter anderem e<strong>in</strong>en Blick auf die Auslandsgeme<strong>in</strong>den,<br />

den E<strong>in</strong>satz der Hilfswerke,<br />

die Caritas und die Bildungse<strong>in</strong>richtungen<br />

wie K<strong>in</strong>dergärten, Schulen und<br />

Hochschulen.<br />

Die umweltfreundlich produzierte Broschüre<br />

trägt e<strong>in</strong> FSC-Siegel. Sie ist auch als<br />

Download unter www.dbk.de <strong>in</strong> der Rubrik<br />

Veröffentlichungen abrufbar.<br />

Tiara und Schwert<br />

Die Päpste als Kriegsherren<br />

Ulrich Ners<strong>in</strong>ger: Tiara und Schwert. Die<br />

Päpste als Kriegsherren. Erschienen im Sankt<br />

Ulrich-Verlag 2011, 8 Seiten Bildteil, ISBN:<br />

978-3-86744-193-3, Euro 19,95<br />

Wer ihre bunten Kostüme zum Maßstab<br />

nimmt, liegt falsch: Die Schweizergarde<br />

des Vatikan heute besteht aus hoch<br />

tra<strong>in</strong>ierten Personenschutzexperten, die<br />

über modernste Technik verfügen. Bis<br />

heute s<strong>in</strong>d sie stolz auf ihre mehr als 500jährige<br />

Geschichte, zu der sie im Jubiläumsjahr<br />

2006 unter anderem e<strong>in</strong>e große<br />

Ausstellung organisierten. Sie zeigte, dass<br />

die „Schweizer“ ke<strong>in</strong>eswegs die e<strong>in</strong>zige<br />

bewaffnete Truppe <strong>in</strong> Diensten der Päpste<br />

waren. Auch wenn heute kaum jemand<br />

noch von der ehemaligen, erst 1970 aufgelösten<br />

Palat<strong>in</strong>- oder der Nobelgarde spricht:<br />

E<strong>in</strong> neues Buch von Kirchenhistoriker und<br />

Journalist Ulrich Ners<strong>in</strong>ger ruft viel mehr <strong>in</strong><br />

Er<strong>in</strong>nerung. Nämlich dass die Päpste für<br />

Jahrhunderte Truppen unterhielten und<br />

Flotten befehligten.<br />

Dieses wenig bekannte Kapitel <strong>in</strong> der<br />

Geschichte der Stellvertreter Christi <strong>in</strong><br />

Kriegszeiten hat hier e<strong>in</strong>en hervorragenden<br />

Autor gefunden: Ners<strong>in</strong>ger, Jahrgang 1957,<br />

stammt aus Eschweiler bei Aachen, studierte<br />

Philosophie und Theologie <strong>in</strong> Bonn, St.<br />

August<strong>in</strong>, Wien und Rom, wo er zu den<br />

ersten Aktiven der KAV Capitol<strong>in</strong>a im CV<br />

zählte. Dort absolvierte er e<strong>in</strong> Studium am<br />

Päpstlichen Institut für Christliche<br />

Archäologie, ist heute Mitglied der „Pontificia<br />

Accademia Cultorum Martyrum“ und<br />

schreibt für den Osservatore Romano, das<br />

Vatican-Magaz<strong>in</strong> und für die Zeitschrift<br />

„Der Schweizergardist“. Damit schöpft er<br />

nicht nur aus schier unerschöpflichen<br />

Quellen, sondern weiß sie auch zu präsentieren:<br />

Streckenweise liest sich se<strong>in</strong><br />

knapp 200 Seiten starkes, bebildertes und<br />

mit zahlreichen historischen Anekdoten<br />

illustriertes Buch wie e<strong>in</strong> Roman.<br />

Packend erzählt der Autor vom Sarazenenkrieg<br />

Johannes VIII. (872 bis 882), von<br />

der Ause<strong>in</strong>andersetzung mit den Normannen<br />

und vom Lombardenkrieg, er betrachtet<br />

die viel diskutierten Kreuzzüge, berichtet<br />

von Aufständen <strong>in</strong> Rom und Seeräubern,<br />

von Sklaverei und Julius II. <strong>in</strong> schimmerndem<br />

Brustharnisch, vom „Sacco die Roma“,<br />

den Flotten der Malteserritter, der Schlacht<br />

von Lepanto (1571), dem Kampf gegen<br />

Napoleon oder gegen die organisierten<br />

Räuberbanden (Briganten). Zur italienischen<br />

E<strong>in</strong>igungsbewegung und dem<br />

Kampf um den Kirchenstaat („O Roma o<br />

morte!“) unter den Rothemden Garibaldis<br />

erfährt etwa der erstaunte Leser, dass hier<br />

neben dem Brigadegeneral und päpstlichen<br />

Waffenm<strong>in</strong>ister Hermann Kanzler<br />

aus dem Badischen auch weitere aus<br />

Deutschland stammende Offiziere e<strong>in</strong>e<br />

wichtige Rolle spielten. Unter Papst Pius IX.<br />

wuchs das Heer auf über 13.000 Mann, die >><br />

unitas 4/2011 315


320<br />

Zeitschrift des Verbandes<br />

der wissenschaftlichen<br />

kath. Studentenvere<strong>in</strong>e<br />

UNITAS<br />

Aachener Str. 29<br />

41564 Kaarst (Büttgen)<br />

ISSN 0344 - 9769<br />

unitas 4/2011<br />

<strong>Unitas</strong>, Aachener Str. 29, 41564 Kaarst (Büttgen),<br />

PVSt; DPAG, Entgelt bezahlt.<br />

Zum Beitrag „Alte Verbandsstandarte<br />

<strong>in</strong> neuem Glanz" <strong>in</strong> UNITAS 3/2011<br />

SIEGBURG. Bbr. Franz Kreutzkampf vom AHV <strong>Unitas</strong> Silesia<br />

Aachen gab uns weitere H<strong>in</strong>weise zur alten Verbandsstandarte,<br />

die unter mysteriösen Umständen erst vor kurzem<br />

wieder aufgetaucht und restauriert worden war.<br />

Als UNITAS Silesia Aachen mit VOP Hans Stumpf 1955/56<br />

den Vorort von Deutschritter-UNITAS aus Köln übernahm,<br />

wurde die Standarte neben den Vorortsutensilien (Wichs,<br />

Schreibmasch<strong>in</strong>e für die Post) <strong>in</strong> e<strong>in</strong>em flachen Holzkoffer<br />

übergeben. Mit ihm fuhr Bbr. Kreuzkampf als Vorortsschriftführer<br />

damals vorwiegend mit dem Zug zu Verbandsveranstaltungen.„Ich<br />

kann mich noch gut daran er<strong>in</strong>nern, da sich der<br />

Koffer nur sperrig im Gepäcknetz unterbr<strong>in</strong>gen ließ. Es kann<br />

daher davon ausgegangen werden,<br />

dass der Koffer aus den Jahren<br />

1954/55 stammt.“<br />

1977/80 trat die Aachener<br />

<strong>Unitas</strong> Ass<strong>in</strong>dia mit VOP Hermann-Josef<br />

Grossiml<strong>in</strong>ghaus zum<br />

Vorort an. Zum AH-Beirat des Vororts gehörten die Bundesbrüder Domkapitular Dr. August Peters als<br />

Geistlicher Beirat, Hanno Ernst, Prof. Dr. Herbert Euteneuer und Franz Kreuzkampf. Als dort die<br />

Sprache auf die Anfang der 70iger Jahre verloren gegangene Standarte kam, wurde gehandelt:<br />

Spontan stiftete der Aachener Beirat die neue Vorortsstandarte, die seitdem <strong>in</strong> Gebrauch ist.

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