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pflege

Seniorenstift Schönborn Haus

Die neuen Konzepte: „Die Welt verstehen und sich verstanden fühlen!“

Im Oktober 2009 wurde die neue

Konzeption der Demenzstation

in Ellwangen vorgestellt. Seitdem

hat sich vieles verändert im

Schönborn Haus. Martin Hennig,

Heimleiter, gibt uns ein Resümee

dieser Änderungen, Neuerungen

und Verbesserungen.

Herr Hennig, wie sieht Ihr Fazit

des letzten Jahres aus? Was hat

sich seitdem alles verändert?

Martin Hennig: Im Verlauf des

letzten Jahres haben wir neben

dem Hausinneren auch den Garten

ausgebaut, der direkt an die

Demenzstation angegliedert ist

und damit direkt aus dem Wohnbereich

heraus begehbar ist. So

können die Bewohner selbstständig

nach draußen gehen und sich

außerhalb ihrer vier Wände frei

bewegen. In diesem Garten haben

wir natürlich auch das Thema

„Demenz“ in den Vordergrund gestellt

und ihn dem Krankheitsbild

entsprechend gestaltet. So gibt es

dort einen Rundweg, der den Bewohnern

ein völlig barrierefreies

Spazieren ermöglicht, und wir haben

auch Hochbeete angelegt, die

sie ebenfalls selbst gestalten bzw.

„bestellen“ können. Das heißt unsere

Hobbygärtner pflanzen nach

Anleitung das an, was sie möchten

– ob Salate, Blumen, Beeren oder

Kräuter, wir unterstützen jedes Bedürfnis,

jeden Wunsch.

Wie wurden diese neuen Konzepte

aufgenommen? Welches

Ergebnis wird daraus erkennbar?

Martin Hennig: Das Schönste ist

doch, dass die Bewohner ein Ergebnis

ihrer Arbeit sehen. Dass sie

ihre Tätigkeit mit ihrem Alltag verzahnen

können, eine Verbindung

herstellen können. Das heißt, sie

Pflanzen beispielsweise Tomaten

an, sehen wie die Pflanze und

Frucht heranreift und wie man

dann einen Salat oder ein Vesper

daraus machen kann, wie man

es in den Essensplan einbinden

kann. So setzen wir das Konzept

„Äußeres Anpflanzen und Inneres

Verarbeiten“ um und können die

Tätigkeiten je nach Krankheitsbild

anpassen und so die kognitiven

Fähigkeiten gezielt fördern.

Als Ergebnis können wir festhalten,

dass die unruhigeren Bewohner

ruhiger werden und sie sich

auch über einen längeren Zeitraum

konzentrieren und am Ball

bleiben können. Wir versuchen

einfach ein familiäres Beisammensein

zu schaffen, bei dem alle in

die alltäglichen Arbeiten einbezogen

werden – sei es in das Tischdecken,

-abräumen oder Saubermachen.

Das kennen sie aus dem

früheren Leben und können so an

ihrem Alltag, an Regelmäßigkeiten

festhalten. Auch unsere „Snoeze-

lenecke“ (eine Wortschöpfung aus

den Wörtern „snuffelen“ - schnüffeln,

schnuppern - und „doezelen“

- dösen, schlummern - ) nimmt ihnen

die Unruhe und Aggressionen

und wird auch gern und erfolgreich

genutzt.

Was planen Sie für die Zukunft?

Welche Förderungsmöglichkeiten

werden in die Demenzstation

noch mit aufgenommen?

Martin Hennig: Wir planen derzeit

Neuerungen im Bereich Musik,

Licht und vor allem im Bereich der

Düfte und Aromen. So werden wir

in nächster Zeit eine ausgebildete

Aroma-Therapeutin haben, die mit

den verschiedenen Duftrichtungen

die Sinne schulen und vor allem

erhalten möchte. Mit den Düften

ist es sogar möglich, ein blühendes

Weizenfeld zu simulieren.

Außerdem haben wir im Haus immer

ein übergreifendes Thema, das

behandelt wird. Dabei werden die

Ostalb

Ratgeber GESUNDHEIT

Bewohner in die Entscheidungsfindung

integriert, es wird in alle

Richtungen diskutiert, philosophiert

und erprobt. Letztens hatten

wir das Motto „Hände“. Was kann

ich alles mit meinen Händen tun?

Wofür sind sie da? Was fühle ich

mit ihnen? Das Thema im Oktober

wird „Feld, Wald und Wiese“ sein,

das die kognitiven Fähigkeiten erhalten

und schulen soll.

Im Schönborn Haus leben wir auf

diese Weise unsere Konzepte, die

verzahnt und vernetzt werden, um

so den Krankheitsverlauf unserer

Demenzpatienten zu verlangsamen,

und ihre Ungeduld und Ruhelosigkeit

zu nehmen. Sie sollen die Welt

verstehen, in der sie leben und sich

auch so selbst verstanden fühlen!

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