Ausgabe 6 / 2007 - Onkologische Schwerpunktpraxis Darmstadt

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Ausgabe 6 / 2007 - Onkologische Schwerpunktpraxis Darmstadt

ÜberblickWas habender ehemalige 007-Darsteller RogerMoore, der Ex-Bürgermeister von NewYork, Rudolph W. Giuliani, und derGolfkriegsgeneral Norman Schwarzkopfgemeinsam? Sie sind Männer im fortgeschrittenenAlter, sie sind berühmt und –sie sind wegen eines Prostatakarzinomsin ärztlicher Behandlung.Prostatakrebs ist nicht selten: Mit etwa40.000 Neuerkrankungen pro Jahr hat erbei Männern – was die Häufigkeit angeht– das Dickdarm- und das Bronchialkarzinomauf die Plätze 2 und 3 verwiesen.Neun von zehn Patienten haben zum Zeitpunktder Diagnose den sechzigsten Geburtstagbereits hinter sich. Kein Wunderalso, dass ältere Männer Angst davorhaben, an Prostatakrebs zu erkranken.Prostatakrebs wächstlangsamAllerdings wachsen Prostatakarzinome imGegensatz zu vielen anderen Krebszellennicht schnell. Aus umfangreichen Untersuchungenweiß man heute, dass etwa dreivon zehn Männern über 70 ein so genannteslatentes Prostatakarzinom haben. Dasheißt, der Tumor wächst so langsam, dasser den meisten dieser Männer im Laufeihres Lebens keinerlei Beschwerden bereitet.Bevor das Karzinom für diese Patientenspürbar wird, sind sie – meist in hohemAlter – bereits an anderen Krankheitenverstorben.Rechtzeitig entdeckt, sind bösartige Prostatatumorenheilbar oder zumindest sogut in Schach zu halten, dass der Patientkaum eine Verkürzung seiner Lebensdauerbefürchten muss. Dennoch ist dasThema Prostataerkrankungen für diemeisten Männer angstbesetzt, rührt esdoch im wahrsten Sinne des Wortes an denWurzeln ihrer Männlichkeit: Die Prostata(Vorsteherdrüse) produziert ein Sekret, dasdie von den Hoden durch die SamenleiterProstatakrebsHäufig, aber langsam wachsendaufsteigenden Spermien beweglich unddamit erst befruchtungsfähig macht. Innerhalbder Prostata münden die beiden Samenleiterin die Harnröhre, die Vorsteherdrüseselbst gibt ihr Sekret während desOrgasmus über viele Ausführungsgängeebenfalls in die Harnröhre ab. Durch regelmäßigeKontraktionen der Prostata undder Harnröhre gelangt das Ejakulat schließlichnach außen.Gutartige VergrößerungStörungen in diesem komplexen Systemnehmen mit fortschreitendem Alter zu undkönnen sowohl die sexuelle Potenz alsauch die Fähigkeit zur kontrolliertenHarnausscheidung beeinträchtigen. Die„für alte Männer typischen“ anhaltendenBeschwerden beim Wasserlassen sind allerdingsso gut wie nie durch ein Karzinom,sondern durch eine gutartige Vergrößerungder Vorsteherdrüse verursacht. Ärztebezeichnen die Erkrankung als BenigneProstata-Hyperplasie oder kurz BPH. Etwaab dem 45. bis 50. Lebensjahr können dieersten Symptome auftreten. Als Ursachegelten Verschiebungen im Hormonhaushaltdes älter werdenden Mannes.Bei einer BPH teilen sich bevorzugt Zellenim Inneren der Drüse. Die zunehmendeGewebemasse kann sich nicht nach außenausbreiten, da die Prostata von einer rechtderben Kapsel umgeben ist. Stattdessendrückt das wachsende Gewebe immerstärker auf die mitten durch die Prostatahindurchführende Harnröhre und verengtsie. Die Folge: Der Urin kann aus der Blasenur noch unvollständig abfließen.Weil ständig zu viel Harn in der Blase ist,verspüren BPH-Patienten immer häufigerden Drang, zur Toilette gehen zu müssen.Nach dem Wasserlassen haben sie trotzdemdas Gefühl, sich nur unvollständigentleert zu haben. Etwa ein Viertel bis einDrittel aller über 70-jährigen Männer leidetunter diesen typischen Symptomeneiner BPH.Früherkennung undDiagnoseIm Gegensatz zur BPH macht Prostatakrebslange Zeit so gut wie keine Beschwerden,weil die Krebszellen nicht inden inneren Bereichen der Drüse, sondernaußen, also vergleichsweise weit entferntvon der Harnröhre zu wachsen beginnen.Dennoch lässt sich das Prostatakarzinomfrühzeitig erkennen. Der Tumor hat eineandere Konsistenz als das glatte und elastische,gesunde Prostatagewebe. Bei denmeisten Patienten beginnt das Tumorwachstumauf der dem Enddarm zugewandtenSeite. Die für den Tumor charakteristischenVerhärtungen im Gewebe kannein erfahrener Untersucher durch denAfter ertasten. Eine solche Tastuntersuchungist Bestandteil der Krebsvorsorgeuntersuchung,die Männer ab dem 45.Lebensjahr einmal jährlich in Anspruchnehmen können.4

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