Ausgabe 4 / 2005 - Onkologische Schwerpunktpraxis Darmstadt

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Ausgabe 4 / 2005 - Onkologische Schwerpunktpraxis Darmstadt

Praxis JournalNur für unsere Patienten, nicht zur Weitergabe bestimmt.InhaltTherapie S.2Die Behandlungmit Antikörpern –Die spezialisiertenEiweißmoleküle erkennenwinzige Strukturen auf denZelloberflächenNachrichtenaus der Praxis S.3Unser Team stellt sich vorÜberblick S.4Maligne Lymphome –bösartige LymphknotenschwellungenNachgefragt S.6„Dürfen meine Enkelmich besuchen?“ –Im Verlauf einer Chemotherapiesteigt die Infektanfälligkeit.Vorsicht istdeshalb gebotenNachsorge S.7Entspannungstechniken –Atemschulung, Muskelentspannungoder AutogenesTraining wirken nur beikonsequenter AnwendungFragebogen S.8Ihre Meinung istuns wichtig!Liebe Patientin,lieber Patient,bei kaum einer anderen Erkrankung sind inden letzten Jahren ähnlich bemerkenswerteBehandlungsfortschritte erzielt worden wie beiden malignen Lymphomen. Die „klassischen“Therapiemethoden Operation, Chemo- undStrahlentherapie konnten erheblich verfeinertwerden, und die Immuntherapie mit monoklonalenAntikörpern hat echte Verbesserungen gebracht.Trotz alledem sind maligne Lymphome nachwie vor schwere und meist auch lebensbedrohlicheErkrankungen. Die Behandlung der vielenunterschiedlichen malignen Lymphome ist aberumso erfolgreicher – das sind unsere und dieErnährungbei KrebsErnährung wurdeschon immer mitGesundheit und Krankheit in Zusammenhanggebracht. So wie bekannt ist, dass unzureichendeErnährung zu Erkrankungen führt, so werdenseit eh und je bestimmten Lebensmittelnoder Ernährungsweisen gesundheitsförderndeWirkungen nachgesagt. Hier gibt es diverse Erkenntnisse,Erfahrungen, Vorstellungen, Vorurteile,aber auch Bedürfnisse, so dass wir es fürnotwendig halten, unseren Patienten die Möglichkeitzu geben, sich ausführlich über dasThema Ernährung bei Krebs zu informieren.Internistische Schwerpunktpraxis fürHämatologie/OnkologieDr. med. Georgi Kojouharoff · Gerrit DingeldeinEschollbrücker Str. 26 · 64295 DarmstadtTel. 0 61 51 / 301 80 30 · Fax 0 61 51/ 301 80 40SprechzeitenMo bis Do 8 – 12 UhrFr9 – 12 UhrMo, Di, Do 14 – 16 UhrErfahrungen vieler ärztlicher Kolleginnen undKollegen –, je mehr Sie als Patient über dieseKrankheit wirklich wissen, ohne verunsichertzu sein. Deshalb haben wir uns entschlossen,große Teile dieser Ausgabe unseres Praxis-Journals dem Thema maligne Lymphome zuwidmen. Wieder haben wir uns bemüht, die Informationenso aufzubereiten, dass sie auch fürMenschen ohne medizinische Vorkenntnisseverständlich sind. Wir wünschen Ihnen eineanregende Lektüre und haben für Ihre Fragenselbstverständlich immer ein offenes Ohr.Ihr Praxisteam Dr. Georgi Kojouharoffund Gerrit DingeldeinInfo-AbendMittwoch,2. November200519:00 UhrÜber die individuelleBeratung und Betreuungin der Praxis hinausbieten wir im Rahmeneiner Informationsveranstaltungunseren Patientenund ihren Angehörigen die Gelegenheit,sich über das Thema „Ernährung bei Krebserkrankungen“zu informieren. Frau AndreaStute, Dipl. Ökotrophologin, wird als Referentinumfassende Informationen über Ernährungund Zusatzernährung geben. Die Veranstaltungfindet statt amMittwoch, den 02.11.2005,um 19:00 Uhr in der Praxis.PraxisJournal 04 | Oktober 2005


DieBehandlung mitAntikörpern2TherapieDen Krebs mit den Mitteln des eigenenImmunsystems bekämpfen? Das klingtfaszinierend, gelingt bis heute aber nurrecht selten: Bei drei Krebsarten werdenheute Antikörper als Medikamente zurergänzenden Therapie eingesetzt.Antikörper sind spezialisierte Eiweißmoleküledes Immunsystems. Sie werdenvon einer bestimmten Sorte weißer Blutzellen,den so genannten B-Plasmazellen,produziert. Ihre Aufgabe ist einzigartig:Sie „erkennen“ alles, was körperfremdund damit potenziell krankheitserregendist. Ihr Einsatzgebiet sind das Blut und alleanderen Körperflüssigkeiten.Jedes Antikörpermolekül hat eine Y-förmigeStruktur. Am Ende der beiden kurzen Y-Ärmchen sitzen jeweils die Erkennungsregionen.Das heißt, in diese Bindestellenpasst ein einziges körperfremdes Molekülgenauso exakt hinein wie ein Schlüssel inein Sicherheitsschloss.Billiarden unterschiedlicherAntikörperFremde Zellen oder Krankheitserreger besitzenauf ihrer Oberfläche unzählige Eiweißmoleküle,die von Antikörpernimmer eindeutig als fremd erkannt werden.Mit anderen Worten: Unser Immunsystemmuss in der Lage sein, quasi unzähligeverschiedene Antikörper herzustellen,damit keine fremde Struktur„übersehen“ wird. Tatsächlich kann dasImmunsystem Billiarden verschiedene B-Plasmazellen zur Antikörper-Herstellungmobilisieren. Ein eingedrungenes Bakteriumoder eine körperfremde Zelle wirddeshalb sehr schnell mit Antikörpernunterschiedlichster Spezifität übersät.Zur BekämpfungfreigegebenAn derart markierte fremde Strukturenkönnen spezialisierte Fresszellen des Immunsystemssehr schnell andocken. Dennsie erkennen allesamt die immer gleicheBasis der Y-förmigen Antikörpermoleküle.Antikörper übernehmen also im Prinzipdie Funktion eines Adapters: Sie sorgendafür, dass ein Eindringling von Fresszellenerkannt und vernichtet wird.Gegen Tumorgewebe sind Antikörper deseigenen Immunsystems allerdings so gutwie machtlos. Tumorgewebe ist zwar ganzanders organisiert als das restliche Körpergewebe,aber es stammt vom selbenOrganismus wie die Antikörper. Undkörpereigenes Gewebe ist für Antikörpertabu. B-Plasmazellen, die Antikörpergegen körpereigene Strukturen herstellenwürden, werden schon während der Reifungim Knochenmark aussortiert.Monoklonale AntikörperAntikörper, die mit ihren kurzen Y-Ärmchengenau eine einzige definierte Struktur„erkennen“, stammen alle von identischenB-Plasmazellen oder von einem „B-Zell-Klon“ ab. Sie heißen deshalb monoklonaleAntikörper. Seit Mitte der 1970erJahre lassen sie sich in großer Zahl auch imLabor herstellen.Wenn eine Krebszelle über eine genau definierteStruktur an ihrer Oberfläche verfügt,die im restlichen Organismus nichtvorkommt, dann ist es sinnvoll, gegengenau diese Struktur gerichtete Antikörperherzustellen, die für diagnostische undtherapeutische Zwecke eingesetzt werdenkönnen.Antikörper in derKrebstherapieBei drei sehr exakt definierten Krankheitsbildernwerden monoklonale Antikörperheute als Medikamente eingesetzt, undzwar meist mit dem Ziel, nach einer Operation,Bestrahlung oder Chemotherapienoch verbliebene Tumorzellen sicher auszuschalten.Bei etwa einem Drittel allerBrustkrebspatientinnen trägt der Tumorauf seiner Oberfläche das so genannteHer2/neu-Protein, das wie ein Schalter fürTumorwachstum wirkt. Ein gegen diesesProtein gerichteter monoklonaler Antikörperkann Her2/neu gewissermaßenausschalten und so das Tumorwachstumhemmen.Zur Behandlung der akuten myeloischenLeukämie (AML) ist in den USA ein monoklonalerAntikörper zugelassen, der gegenein Oberflächenprotein (CD33) auf Leukämiezellengerichtet ist. Sozusagen huckepacktransportiert der Antikörper zusätzlichein starkes Zellgift (Zytostatikum) andie erkrankten Blutzellen. Damit wird eineSchädigung noch gesunder Zellen weitgehendvermieden.Bestimmte Non-Hodgkin-Lymphomeunterscheiden sich von gesunden Zellendurch das Oberflächenprotein CD20. Dergegen dieses Protein produzierte Antikörperwirkt mindestens zweifach: Zum einenlöst er eine „ganz normale“ Immunantwortgegen die CD20-Zellen aus; zum anderenschädigt er die Zellen wohl auch direktund macht sie empfindlicher gegenüberChemotherapeutika.Etwa zehn weitere monoklonale Antikörperwerden derzeit noch klinisch erprobt.Häufig dienen sie als Transportvehikel fürMedikamente, um Krebszellen möglichstgezielt bekämpfen zu können.


Praxis JournalNachrichtenaus unserer PraxisSeit Mai 2005 sindwir eine Gemeinschaftspraxis!Dadurch hat sich unser Teamvergrößert.Die ärztlichen Ansprechpartner in unseremTeam sind Herr Dr. med. G. Kojouharoffund Herr G. Dingeldein.Herr Dr. Kojouharoff hat in Frankfurt undGlasgow (Schottland) Medizin studiert.Nach der Bundeswehrzeit hat er am HeidelbergerKrebsforschungszentrumbei Prof.Peter Krammergearbeitet undsich anschließendin Frankfurtbei denProfessorenDieter Hoelzer und P. S. Mitrou mitKrebserkrankungen des Blutes beschäftigt.An der Regensburger Uniklinik hat erKrankheiten des Verdauungstraktes studiert,um schließlich in Hamburg bei Prof.Ulrich Kleeberg seinen Facharzt für Hämatologie-Onkologie zu machen. Herr Dr.Kojouharoff hat die Praxis im Oktober1999 eröffnet.Seit Mai 2005 ist Herr G. Dingeldein alsneuer Partner von Herrn Dr. Kojouharoffin unserer Praxis. Sein Medizinstudiumhat er in Frankfurt absolviert. Nach einer18-monatigen Zeit als Arzt im Praktikumin der II. Medizinischen Klinik ( Hämatologie/Onkologie)an der Charité Berlinwechselte HerrDingeldein indie MedizinischeKlinik Ader StädtischenKliniken LudwigshafenamRhein. Unterder Leitungvon Prof. Uppenkamp verbrachte er dortdie letzten 7,5 Jahre seiner Ausbildungzum Internisten und zum Facharzt für Hämatologieund Onkologie. In dieser Zeitlernte er die gastroenterologischen Erkrankungenbei Prof. Riemann.Seit Dezember 1999 arbeitet Frau ElkeReuter halbtags in unserer Praxis. AlsKrankenschwester nimmt sie die Aufgabeder Versorgungund Betreuungder Patientenwährend derChemotherapiewahr. Im Rahmendessen istsie auch Ansprechpartnerinfür damit verbundene Fragenund Probleme. Sie hat neben ihrer praktischenTätigkeit in der Praxis an einer Fortbildungder KOK (Konferenz OnkologischerKranken- und Kinderkrankenpflege)teilgenommen und diese Ausbildung imJahr 2003 erfolgreich abgeschlossen.Frau Ulrike Hoffmann, arbeitet seit März2002 in unserer Praxis, sie hat als Krankenschwesterfünf Jahre in der Tumornachsorgegearbeitet,bevor siezu uns wechselte.Auch sie betreutdie Patientenwährendder ambulantenChemotherapien.DesWeiteren organisiert Frau Hoffmannalles, was mit der parenteralen Zusatzernährungsowohl in der Praxis als auch zuHause bei den Patienten zu tun ist undsteht den Patienten mit Rat und Tat zurSeite.Frau Gönül Özdemir hat mit der Ausbildungzur Arzthelferin im August 2000 inunserer Praxis begonnen und diese 20033erfolgreich abgeschlossen.Ihr Haupttätigkeitsfeldistdie Anmeldung und das Labor. Auch imBereich der ambulanten Chemotherapienist sie gut eingearbeitet und kann FrauHoffmann und Frau Reuter bei Engpässenunterstützen.Frau Jutta Buchinger zählt seit Oktober2003 zu unserem Team. Von 1999 bis 2003war sie bereits als selbstständige Arzthelferinzur Überbrückung von personellenEngpässen inunserer Praxistätig. Von September2002 bisJanuar 2004 absolviertesie dieAusbildungzur staatlichgeprüften Praxismanagerin.Im Jahr 2004 und 2005 nahmsie an den Ausbildungen des TÜV Nordzur Qualitätsbeauftragten und zur Qualitätsmanagerinteil und hat beide Ausbildungenerfolgreich abgeschlossen. IhrHauptaufgabengebiet ist die Praxisorganisationund die Anmeldung.Frau Sabine Zimmer ist neu in unseremTeam; sie arbeitet seit April 2005 in unsererPraxis. Sie verfügt über zehn Jahre Berufserfahrungals Arzthelferin in den FachrichtungenAllgemeinmedizin, Augenheilkundeund Innere Medizin mit SchwerpunktGastroenterologie. Zur Zeit arbeitetFrau Zimmer hauptsächlich im Labor oderan der Anmeldung. Auch im Bereich derambulanten Chemotherapien wird sie vonFrau Reuter undFrau Hoffmannim Laufe dernächsten Zeiteingearbeitet.


ÜberblickGeschwollene Lymphknoten in der Halsregionkennt man unter anderem als Begleiterscheinungvon Erkältungskrankheiten.Mediziner sprechen dann vongutartigen oder benignen Lymphomen.Sie entstehen, weil Abwehrzellen in dieLymphknoten strömen und sich dort weiterteilen, um gegen einen Infektionserregeraktiv zu werden.Lymphome können jedoch auch bösartig(maligne) sein. Sie entstehen, wenn Zellendes lymphatischen Systems (Lymphozyten)sich unkontrolliert zu teilen beginnen.Bereits im Jahre 1832 beschrieb der LondonerPathologe Thomas Hodgkin solchbösartig vergrößerte Lymphknoten. DasErkennungszeichen dieser so genanntenHodgkin-Lymphome sind unter demMikroskop sichtbare Riesenzellen, die entstehen,wenn entartete Zellen des lymphatischenSystems miteinander verschmelzen.Morbus HodgkinHodgkin-Lymphome – die manchmalauch als Morbus Hodgkin oder alsLymphogranulomatose bezeichnet werden– kommen im Vergleich zu Organ-Krebsarten selten vor. Jährlich erkrankenBösartige Schwellungender LymphknotenHodgkin- und Non-Hodgkin-Lymphomeetwa 2.000 Menschen daran. Die Patientensind meist zwischen 20 und 30 oder zwischen60 und 70 Jahre alt.Ungefähr 9.000 Menschen pro Jahr erkrankenan malignen Lymphomen, bei denensich die charakteristischen Riesenzellen derHodgkin-Lymphome nicht nachweisen lassen.Solche bösartigen Lymphknotenschwellungenwerden deshalb unter demNamen Non-Hodgkin-Lymphome oderkurz NHL zusammengefasst.Keine eindeutigenFrühsymptomeLymphknotenschwellungen kommen wiegesagt auch im Verlauf so mancher Erkältungskrankheitvor. Und einer Erkältunggleichen die ersten Symptome eines bösartigenLymphoms: Die Betroffenen klagenhäufig über Appetitlosigkeit, sind müde,abgeschlagen und schwitzen manchmalnachts sehr stark. Frühsymptome, die verlässlichauf ein malignes Lymphom hinweisen,gibt es leider nicht. Auch aussagekräftigeFrüherkennungsuntersuchungenkonnten bisher nicht entwickelt werden.Unverzichtbar:GewebeuntersuchungenBesteht der Verdacht auf ein malignesLymphom, sind zur Absicherung der Diagnoseumfangreiche Untersuchungen notwendig.Dazu gehören unter anderem bestimmteBluttests sowie die mikroskopischeUntersuchung einer Probe des befallenenlymphatischen Gewebes. In derRegel werden zusätzlich auch Knochenmarksprobenaus den beiden Beckenkammknochengeprüft. Mit bildgebendenVerfahren wie Ultraschall, Computer- oderKernspintomographie untersuchen Ärztegegebenenfalls, wieweit sich das maligneLymphom ausgebreitet hat.Daslymphatische SystemDas lymphatische System ist keinisoliertes Organ. Seine Zellen undGewebe sind vielmehr über dengesamten Organismus verteilt. DieLymphozyten sind eine Unterklasseder weißen Blutkörperchen underfüllen viele für das Immunsystemwichtige Aufgaben. Ein Teil der sogenannten B-Lymphozyten ist beispielsweisefür die Produktion vonAntikörpern zuständig; die T-Lymphozytensteuern die Abwehrreaktionund können sich auch zu spezialisiertenKillerzellen weiterentwickeln.Wie alle Zellen des Blutes entstehenauch Lymphozyten aus Knochenmarkszellen,um sich dann aufdie lymphatischen Gewebe im ganzenKörper zu verteilen. Zu letzterengehören neben den Lymphknotenund der Milz auch die Mandelnim Rachenraum sowie die lymphatischenGewebe im Magen-Darm-Trakt. In einem sehr speziellenlymphatischen Gewebe, demThymus hinter dem Brustbein,reifen T-Zellen zu ihrer endgültigenBestimmung heran.Prinzipiell kann ein malignesLymphom in jedem lymphatischenGewebe entstehen. Meist sind esaber die Lymphknoten der Halsregion,in denen geschädigteLymphozyten anfangen unkontrolliertzu wachsen und so quasi denGrundstein für die Krebserkrankungzu legen.4


Praxis JournalVier StadienWelche Therapie in welcher Intensität eingesetztwird, ist auch vom Stadium der Erkrankungabhängig. Maligne Lymphomewerden in vier Stadien eingeteilt (siehe Tabelle).Allgemeinsymptome wie Fieber,Nachtschweiß oder plötzliche Gewichtsabnahmegelten als zusätzliche Risikofaktoren.Diese so genannten B-Symptomefließen ebenfalls in die Stadienbeurteilungmit ein: Liegen sie vor, dann wird der entsprechendenStadienbeurteilung der Buchstabeb hinzugefügt. „Stadium IIIb“ bedeutetdemnach, dass maligne Lymphomeauf beiden Seiten des Zwerchfells nachweisbarsind und der Patient zusätzlichüber B-Symptome klagt.Stadien einerLymphomerkrankungIIIBefall einer LymphknotenregionBefall von zwei Lymphknotenregionen– aber auf nur einerSeite des ZwerchfellsIII Befall von Lymphknoten aufbeiden Seiten des ZwerchfellsIV Befall von Organen wie Leber,Lunge, Haut oder KnochenTherapieziel HeilungIn Frühstadien (I und II) der Hodgkin-Lymphome wird – wenn keine weiterenRisikofaktoren vorliegen – meist die Strahlentherapieeingesetzt; denn die Wirkungder Strahlen lässt sich recht gut auf die befallenenKörperregionen beschränken. Beifortgeschrittener Erkrankung wird eine –auf alle wachsenden Zellen des Körpers –Maligne LymphomeHodgkin-LymphomeNon-Hodgkin-Lymphomehochmaligneniedrigmalignewirkende Chemotherapie durchgeführt.In bestimmten Fällen ist auch eine kombinierteStrahlen- und Chemotherapie sinnvoll.Therapieziel ist immer die vollständigRückbildung der Erkrankung.Non-Hodgkin: Hochoderniedrigmaligne?Für die Therapieentscheidung bei Non-Hodgkin-Lymphomen ist wichtig, ob dasjeweilige Lymphom sehr schnell oder eherlangsam wächst. Anders als man erwartenwürde, sind die schnell wachsenden(„hochmalignen“) Non-Hodgkin-Lymphome(NHL) wirksamer zu behandeln.Denn eine Chemotherapie wirkt um sobesser, je schneller sich das zu bekämpfendeGewebe teilt. Ein hochmalignesNHL wird deshalb in allen Stadien mitChemotherapeutika behandelt. In frühenKrankheitsstadien kann zusätzlich bestrahltwerden. In frühen Stadien sindhochmaligne NHL fast alle heilbar, in fortgeschrittenerenStadien lässt sich eineRückbildung noch bei etwa 60 Prozentder Patienten erreichen.Bei langsam wachsenden („niedrigmalignen“)NHL spielt die Strahlentherapie dieHauptrolle im Behandlungskonzept. Tragendie Lymphomzellen ein bestimmtesProtein auf ihrer Oberfläche, ist als zusätzlicheMaßnahme die Behandlung miteinem gegen genau diese Zellen gerichtetenAntikörper sinnvoll.CLL und PlasmozytomZwei weitere Krankheiten gehören strenggenommen zu den malignen Lymphomerkrankungen;in ihrem Verlauf befallensie aber immer auch andere Gewebe undOrgane.5Meist im höheren Alter tritt die ChronischLymphatische Leukämie (CLL) auf. Zuden Leukämieformen wird sie deshalb gezählt,weil Lymphomzellen vom lymphatischenSystem ins Blut ausgeschwemmtwerden und unter dem Mikroskop nachweisbarsind. Außerdem wird bei CLL-Patienten auch das Knochenmark geschädigt.Weil ihre Blutzellreifung beeinträchtigtist, sind die Patienten besondersinfektionsanfällig, und der sich langsameinstellende Mangel an roten Blutkörperchenführt zu Blutarmut (Anämie). DieKrankheit schreitet nur langsam voran undwird meist mit einem Chemotherapeutikumbehandelt.Unkontrolliert wachsende B-Plasmazellensind die Ursache für das Plasmozytom. DieKrankheit befällt sehr schnell das Skelettsystem.Frühe Symptome sind Knochenschmerzenin der Wirbelsäule, die deshalbanfangs nicht selten mit Bandscheibenbeschwerdenverwechselt werden. Oft sindKnochenbrüche ohne äußere Ursache daserste Symptom, das auf die Krankheit hinweist.In fortgeschrittenen Stadien kommtes an einzelnen Herden zur Knochenauflösung(Osteolyse).Die entarteten B-Plasmazellen produzierenebenfalls antikörperähnliche Eiweiße, dieallerdings für die Abwehr keinerlei Bedeutunghaben. Die Identifizierung dieserso genannten Paraproteine im Blut sind einKriterium für die Diagnosestellung. Wenndie Menge dieser Paraproteine im Blut zugroß wird, kann es zum so genanntenHyperviskositätssyndrom kommen, undes droht ein Nierenversagen.Spätestens zu diesem Zeitpunkt ist einechemotherapeutische Behandlung notwendig.Bei bestimmten Frühformen könneneinzelne Plasmozytomherde zunächstauch bestrahlt werden.Hochdosis-ChemotherapieSo unterschiedlich die malignen Lymphomerkrankungenim Einzelnen sind, eineshaben sie gemeinsam: Sie entstehen alle ausentarteten Lymphozyten, die im Knochenmarkgemeinsame Vorläuferzellen haben.Vor diesem Hintergrund wird derzeituntersucht, bei welchen Lymphom-Patientenes sinnvoll sein könnte, durch eineHochdosis-Chemotherapie zunächst möglichstalle Lymphozyten komplett zu vernichten,um anschließend im Rahmeneiner so genannten autologen Stammzelltransplantationneue, krebsfreie Lymphozyten„heranzuziehen“.


„Dürfen meine Enkelmich jetzt besuchen?“6Infektanfälligkeit während der ChemotherapieNachgefragtAufgrund der Erkrankung ist die Zusammensetzungder weißen Blutkörperchenbei Lymphompatienten verändert.Im Rahmen der meist notwendigen Chemotherapiewerden die Abwehrzellendes Immunsystems weiter geschädigt.Die wichtigsten Fragen und Antwortendazu, wie Sie Ihr individuelles Infektionsrisikotrotzdem klein halten, habenwir Ihnen im Folgenden zusammengestellt.● Warum ist es nicht möglich, bei derBekämpfung eines bösartigen Lymphomsnur die Krebszellen zu zerstörenund die gesunden weißen Blutkörperchenzu schonen?Mittlerweile funktioniert das schon, allerdingsnur bei einigen wenigen Non-Hodgkin-Lymphomen,und zwar über Antikörper,die man ergänzend zur zytostatischenTherapie als Medikament einsetzt. DerAntikörper bindet nur an bösartige Zellenund unterstützt so unter anderem die Reaktiondes Immunsystems gegen das Lymphom.Trotzdem ist in den allermeistenFällen auch eine zellzerstörende Chemotherapieoder eine Bestrahlung nötig.● Chemotherapeutika wirken aber nichtnur auf Krebs-, sondern auf alle sichregelmäßig teilenden Zellen, oder?Genauso ist es. Und weil Blutzellen – alsorote und weiße Blutkörperchen sowie Blutplättchen– ständig aus sich teilenden Knochenmarkszellenentstehen, ist ihre Bildungbei jeder Chemotherapie mehr oderweniger beeinträchtigt. Unser Immunsystembenötigt vor allem die weißen Blutkörperchenzur Steuerung unserer Ab-wehrreaktionen, zur Produktion von Antikörpernund zur Entwicklung von so genanntenKillerzellen. Wenn weiße Blutkörperchenfehlen, steigt die Infektanfälligkeitdeshalb sehr stark an.● Was heißt das konkret für einen Patienten,der sich einer Chemotherapieunterzieht?Während einer Chemotherapie kommt eszu einer besonders kritischen Phase, in derdie Zahl der Blutzellen besonders stark dezimiertist. Vor allem in dieser Phase desso genannten Zelltiefs sollte man alle möglichenInfektionsquellen meiden. Auf Rolltreppenhandläufenin Kaufhäusern, aufKino- und Theatersesseln, auf Haltegriffenin Bussen und Straßenbahnen und auch inder Atemluft dieser geschlossenen Räumetummeln sich alle möglichen Krankheitserreger.Ein gesundes Immunsystem wirddamit spielend fertig, aber eben nicht daseines Chemotherapie-Patienten.● Was ist mitBesuchen beiFreunden?Das ist keinProblem, wenndie Besuchtenoder die Gästenicht an einerInfektion leiden.Kinderbesuche beim kranken Opawirken meist stimmungsaufhellend. Aberwenn die Enkel einen Schnupfen haben,sollten sie von einem Besuch solange Abstandnehmen, bis sie wieder gesund sind.● Und was kann man tun, falls mandoch krank wird?Möglichst frühzeitig einen Arzt aufsuchen.Manchmal ist es aber gar nicht so einfach,während einer Chemotherapie eine Infektionzu erkennen. Denn viele Chemotherapie-Patientenbekommen kein Fieber,sondern fühlen sich plötzlich, ohne äußerenGrund, völlig abgeschlagen, lustlosund müde. Auch ein Schüttelfrost kannschon auf eine Infektion hinweisen.● Wie behandeln Sie die Infektion einesChemotherapie-Patienten?In der Regel mit hochdosierten Antibiotika-Gaben.Wenn sich die Infekte bei einemPatienten häufen, er beispielsweise monatlicheine Erkältung durchzustehen hat,dann können wir vorbeugend so genannteImmunglobuline transfundieren; das sindhochgereinigte Antikörper, die das Immunsystemdes Patienten wirksam unterstützen.● Immunglobuline sind aber doch Blutprodukte.Kann man wirklich sicher sein,dass damit nicht Hepatitis- oder garAids-Erreger übertragen werden?Nach menschlichem Ermessen sind solchePräparate sicher. Die Immunglobulinewerden in drei Schritten hochgereinigt.Diese intensive Bearbeitung überlebt keinKrankheitserreger, auch keine HepatitisoderHI-Viren. Ein kleines und meist nurtheoretisches Risiko bleibt allerdings: Eineallergische Reaktion des Patienten auf dasImmunglobulin-Eiweiß ist von vornhereinnicht hundertprozentig auszuschließen.● Kann man als Chemotherapie-Patientseine eigene Abwehr eigentlich durchmoderate Bewegung stärken?Maßvolle körperliche Anstrengung kanndas Immunsystem unterstüzten. RegelmäßigeSpaziergänge an der frischen Luftsind von Vorteil, wenn man Menschenansammlungenmeidet und nicht bei typischemErkältungswetter hinausgeht.Die FragenbeantworteteDr. Kojouharoff


Praxis JournalNachsorge7Anspannung und Ängste gehören fürKrebspatienten nahezu zwangsläufigzum Alltag; schließlich steckt man einelebensbedrohliche Erkrankung nicht maleben so weg. Wenn wir im Folgendenüber Entspannungstechniken berichten,so wollen wir Sie nicht animieren, mehroder minder populären Wellness-Trendshinterherzulaufen. Vielmehr liegt unsdaran, Ihnen zu zeigen, wie Sie selbstaktiv etwas für Ihre Entspannung tunkönnen.Studien haben eindeutig gezeigt, dass sichmit konsequent durchgeführten Entspannungsübungenein messbares Mehr anLebensqualität erreichen lässt. Richtig angewendetmachen sie die Nebenwirkungeneiner Chemotherapie leichter erträglich.Kein Entspannungsverfahren kanneine adäquate medikamentöse Schmerztherapieersetzen. Patienten, die Entspannungregelmäßig „trainieren“, tun aberneben der Medikamenteneinnahme aktivetwas gegen ihre Schmerzen.Aktives Training ist nötigEs ist für den Einstieg relativ gleichgültig,ob Sie sich für Atemschulung, ProgressiveMuskelentspannung oder AutogenesTraining entscheiden; wichtig ist allerdingseines: Entspannungsübungen können nurdann wirken, wenn sie unter fachkundigerAnleitung erlernt und danach täglich zehnbis 20 Minuten lang konsequent durchgeführtwerden.Atemschulung: Wer angespannt ist,atmet flach. Wird die Atmung tiefer, gehtauch die Spannung zurück. In Atemkursenübt man deshalb, die Aufmerksamkeitauf die „Atmung in den Bauch“ und aufdas Ausatmen zu richten. Beim Räkelnund sich Dehnen reguliert sich der Atemflussunbewusst von selbst. Massagen könnenden Atemgang lenken, Stimmübungenund bestimmte Formen von Tanz könnenihn vertiefen. Nach ähnlichen Prinzipienarbeiten fernöstliche Methoden wiedas Qigong oder Thai-Chi.Progressive Muskelentspannungnach Jacobson: Diese Methodewird Krebspatienten besonders häufigempfohlen. Im Liegen werden nacheinanderverschiedene Muskelpartien von Kopfbis Fuß für jeweils 15 Sekunden angespanntund während des Ausatmens wiederlosgelassen. Durch diesen regelmäßigenWechsel entsteht eine tiefe körperlicheEntspannung, die häufig als Wärme undSchwere erlebt wird. Idealerweise wirkendiese körperlichen Signale dann auch mental,sodass der Übende einen gelösten Ruhezustanderreicht.Autogenes Training: Diese Technikgeht den umgekehrten Weg, alsonicht vom Körper zum Bewusstsein, sondernvon der Vorstellung zur Körperwahrnehmung:In festgelegter Abfolge suggeriertman sich wiederholt den Zustand vonSchwere und Wärme in allen Gliedmaßenund Körperregionen – in den Zehen, einemFuß, einem Unterschenkel, einem Arm undso weiter. Ziel ist, diese Empfindungen tatsächlichkörperlich herzustellen, damit die„angesprochenen“ Muskeln sich so entspannenkönnen. Autogenes Training eignetsich besonders bei Schlaflosigkeit.Bochumer Gesundheitstraining:Dieses von zwei Bochumer Psychologenin den 1980er Jahren entwickelteTraining nutzt die Tatsache, dass Gedankenund Vorstellungen körperliche Reaktionenzur Folge haben und umgekehrtkörperliche Veränderungen das seelischeBefinden beeinflussen können.Das Programm geht zurück auf eine Methode,die der US-Amerikaner O. C. Simontonbereits Anfang der 1970er Jahre beiPatienten mit fortgeschrittenen Krebserkrankungenangewandt hatte. Mit so genanntenVisualisierungen – beispielsweiseder Vorstellung, dass angriffslustige weißeBlutkörperchen in großer Zahl Krebszellenbekämpfen und besiegen – wollte Simontondie Selbstheilungskräfte der Patientenmobilisieren. Weitere Elemente des Programmswaren körperliche Aktivität undEntspannungstechnikenEntspannungsübungen sowie die Suchenach neuen Lebenszielen.Das Bochumer Gesundheitstraining wirdvielerorts als einwöchiger Kompaktkursoder an zehn Abenden angeboten. Visualisierungenund Entspannungstechnikensind die Kernelemente des Trainings. Nichtimmer richtet sich das Programm ausschließlichan Krebspatienten, sondern auchallgemein an „Gesundheitsinteressierte“.Die drei Säulen derGesundheitEntspannung gilt neben Ernährung undBewegung sowohl in der so genanntenSchulmedizin als auch in vielen traditionellenMedizinsystemen als eine der dreiSäulen der Gesundheit. Gerade wenn dieakute Phase der Tumorbehandlung vorbeiist, versuchen sich viele Patienten diesbezüglichneu zu orientieren. Wir unterstützensolche Aktivitäten nach Kräften. FragenSie uns, wenn Sie dazu weitere Informationenwünschen.


Praxis JournalIhreMeinungist unswichtig !Liebe Patientin, lieber Patient,Wir möchten, dass Sie sich in unserer Praxis wohl fühlen und mit uns rundherum zufriedensind. Sie helfen uns deshalb sehr, wenn Sie uns die nachstehenden Fragen ganz offen und ehrlichbeantworten, selbstverständlich ohne Nennung Ihres Namens.Wenn Sie das Heft nicht zerreißen wollen, kopieren Sie den Fragebogen einfach und werfendie Kopie ausgefüllt in unseren Hausbriefkasten oder geben sie an unserer Rezeption ab.Wir danken Ihnen herzlich für Ihre Unterstützung.Ihr Praxisteam1. Wurden Sie von unserem Team aufmerksamund freundlich empfangen?ja sehr ja geht so neinDr. Georgi Kojouharoff,Gerrit Dingeldein und ihrTeam danken Ihnen fürIhre Unterstützung.2. Haben Sie sich im Wartezimmer undin den anderen Räumen der Praxiswohl gefühlt?3. Sind Sie mit der Organisationbezüglich der Terminvereinbarungsowie dem Bestellen von Rezeptenund Überweisungen zufrieden?ja sehr ja geht so neinja sehr ja geht so nein4. Wodurch oder durch wen sind Sie aufunsere Praxis aufmerksam geworden?Angehörigeanderer ArztKollegen5. Was gefällt Ihnen an unserer Praxisbesonders gut?6. Was sollten wir Ihrer Meinung nachändern oder verbessern?7. Werden Sie unsere Praxis IhrenFreunden und Bekannten empfehlen?ja sehr ja weiß nicht neinHier ist Platz für Ihre Kommentareund Anregungen:PraxisJournal 04 | Oktober 2005

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