Ausgabe 4 / 2005 - Onkologische Schwerpunktpraxis Darmstadt

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Ausgabe 4 / 2005 - Onkologische Schwerpunktpraxis Darmstadt

ÜberblickGeschwollene Lymphknoten in der Halsregionkennt man unter anderem als Begleiterscheinungvon Erkältungskrankheiten.Mediziner sprechen dann vongutartigen oder benignen Lymphomen.Sie entstehen, weil Abwehrzellen in dieLymphknoten strömen und sich dort weiterteilen, um gegen einen Infektionserregeraktiv zu werden.Lymphome können jedoch auch bösartig(maligne) sein. Sie entstehen, wenn Zellendes lymphatischen Systems (Lymphozyten)sich unkontrolliert zu teilen beginnen.Bereits im Jahre 1832 beschrieb der LondonerPathologe Thomas Hodgkin solchbösartig vergrößerte Lymphknoten. DasErkennungszeichen dieser so genanntenHodgkin-Lymphome sind unter demMikroskop sichtbare Riesenzellen, die entstehen,wenn entartete Zellen des lymphatischenSystems miteinander verschmelzen.Morbus HodgkinHodgkin-Lymphome – die manchmalauch als Morbus Hodgkin oder alsLymphogranulomatose bezeichnet werden– kommen im Vergleich zu Organ-Krebsarten selten vor. Jährlich erkrankenBösartige Schwellungender LymphknotenHodgkin- und Non-Hodgkin-Lymphomeetwa 2.000 Menschen daran. Die Patientensind meist zwischen 20 und 30 oder zwischen60 und 70 Jahre alt.Ungefähr 9.000 Menschen pro Jahr erkrankenan malignen Lymphomen, bei denensich die charakteristischen Riesenzellen derHodgkin-Lymphome nicht nachweisen lassen.Solche bösartigen Lymphknotenschwellungenwerden deshalb unter demNamen Non-Hodgkin-Lymphome oderkurz NHL zusammengefasst.Keine eindeutigenFrühsymptomeLymphknotenschwellungen kommen wiegesagt auch im Verlauf so mancher Erkältungskrankheitvor. Und einer Erkältunggleichen die ersten Symptome eines bösartigenLymphoms: Die Betroffenen klagenhäufig über Appetitlosigkeit, sind müde,abgeschlagen und schwitzen manchmalnachts sehr stark. Frühsymptome, die verlässlichauf ein malignes Lymphom hinweisen,gibt es leider nicht. Auch aussagekräftigeFrüherkennungsuntersuchungenkonnten bisher nicht entwickelt werden.Unverzichtbar:GewebeuntersuchungenBesteht der Verdacht auf ein malignesLymphom, sind zur Absicherung der Diagnoseumfangreiche Untersuchungen notwendig.Dazu gehören unter anderem bestimmteBluttests sowie die mikroskopischeUntersuchung einer Probe des befallenenlymphatischen Gewebes. In derRegel werden zusätzlich auch Knochenmarksprobenaus den beiden Beckenkammknochengeprüft. Mit bildgebendenVerfahren wie Ultraschall, Computer- oderKernspintomographie untersuchen Ärztegegebenenfalls, wieweit sich das maligneLymphom ausgebreitet hat.Daslymphatische SystemDas lymphatische System ist keinisoliertes Organ. Seine Zellen undGewebe sind vielmehr über dengesamten Organismus verteilt. DieLymphozyten sind eine Unterklasseder weißen Blutkörperchen underfüllen viele für das Immunsystemwichtige Aufgaben. Ein Teil der sogenannten B-Lymphozyten ist beispielsweisefür die Produktion vonAntikörpern zuständig; die T-Lymphozytensteuern die Abwehrreaktionund können sich auch zu spezialisiertenKillerzellen weiterentwickeln.Wie alle Zellen des Blutes entstehenauch Lymphozyten aus Knochenmarkszellen,um sich dann aufdie lymphatischen Gewebe im ganzenKörper zu verteilen. Zu letzterengehören neben den Lymphknotenund der Milz auch die Mandelnim Rachenraum sowie die lymphatischenGewebe im Magen-Darm-Trakt. In einem sehr speziellenlymphatischen Gewebe, demThymus hinter dem Brustbein,reifen T-Zellen zu ihrer endgültigenBestimmung heran.Prinzipiell kann ein malignesLymphom in jedem lymphatischenGewebe entstehen. Meist sind esaber die Lymphknoten der Halsregion,in denen geschädigteLymphozyten anfangen unkontrolliertzu wachsen und so quasi denGrundstein für die Krebserkrankungzu legen.4

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