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Protokoll 2. Sitzung AG 9 Mainz - BBE

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<strong>AG</strong> 9 „Engagement und Partizipation in Europa“<br />

<strong>Protokoll</strong> der <strong>2.</strong> <strong>Sitzung</strong><br />

am 13. April 2010 in <strong>Mainz</strong><br />

Teilnehmer:<br />

Dr. Eugen Baldas; Dr. Jeannette Behringer; Thomas Böhme; Joachim Braun; Katja Eichhorn; Dr.<br />

Dietmar Eisenhammer; Nicole Elping; Manfred von Hebel; Dr. Frank Heuberger; Tina Jansen; Dirk<br />

Jarré; Elke Käufe; Prof. Dr. Ute Kötter; Jürgen Lange; Yvan Leger (<strong>Protokoll</strong>); Andreas Liedtke; Gisela<br />

Lucke; Iris Marreel; Annette Mörchen; Dr. Joachim Musholt; Mick Petersmann; Christiane Richter;<br />

Mirko Schwärzel; Doris Siebolds; Birgit Sittermann; Nicola Sommer; Dr. Gerhard Timm; Elke<br />

Tippelmann; Frank Trümper; Christian Wienberg<br />

Entschuldigt:<br />

Dr. Hans-Liudger Dienel, Juliane Grüning; Lothar Harles; Isabell Hoffmann; Rainer Hub; Dr. Ansgar<br />

Klein; Thomas Kegel; Carola Schaaf-Derichs; Loring Sittler; Christine Wingert-Beckmann;<br />

TOP 1: Begrüßung<br />

Der Sprecher der <strong>AG</strong>9, Frank Heuberger, begrüßt die Teilnehmerinnen und Teilnehmer. Nach der<br />

erfolgreichen Konstituierung der <strong>AG</strong> 9 am 20. Januar 2010 zeige die zahlreiche Teilnahme an dieser<br />

zweiten <strong>Sitzung</strong> die Bedeutung und Aktualität des Themas. Gleichwohl gehe der<br />

Konstituierungsprozess der <strong>AG</strong> bis zur Verabschiedung eines gemeinsamen Arbeitsprogramms<br />

weiter. Ziel der heutigen Tagung sei es, in den beiden thematischen Schwerpunktbereichen<br />

„Partizipation in Europa“ und „Europäisches Jahr der Freiwilligen 2011“ dafür Prioritäten zu definieren.<br />

Frank Heuberger berichtet in diesem Zusammenhang über personelle und strukturelle Veränderungen<br />

im BMFSFJ insbesondere im Hinblick auf das Europäische Jahr 2011. Engagementpolitik sei nunmehr<br />

in einer neuen Unterabteilung der Abteilung 3 (Ältere Menschen, Wohlfahrtspflege,<br />

Engagementpolitik) verortet. Die zuvor als Stabstelle im Ministerium angesiedelte Initiative<br />

Zivilengagement werde darin neues Referat 311. Die Zuständigkeit für das Europäische Jahr 2011<br />

liege im Referat 317 (Koordination Europapolitik, internationale Angelegenheit) unter Leitung von<br />

Nicole Elping; zuständige Referentin für das Europäische Jahr sei Nicola Sommer. Die B<strong>AG</strong>FW sei<br />

vom BMFSFJ als nationale Geschäftsstelle für die Umsetzung des Europäischen Jahres beauftragt<br />

worden.<br />

TOP 2: Tagesordnung und <strong>Protokoll</strong><br />

TOP 3 und 5 sind <strong>Sitzung</strong>sschwerpunkte, denen ausreichend Diskussionsraum gegeben werden<br />

sollen. Dies könne ggf. zeitlich zu Lasten anderer TOPs ausfallen. Tagesordnung und <strong>Protokoll</strong> der<br />

ersten <strong>Sitzung</strong> werden genehmigt.<br />

TOP 3: Partizipative Elemente im Lissabon-Vertrag: Neue Impulse für den zivilen Dialog<br />

und bürgergesellschaftliche Teilhabe in Europa?<br />

Dirk Jarré (European Social Platform)<br />

1. Beitrag von Dirk Jarré<br />

Die Europäische Union sei noch kein vollständig demokratisches bzw. demokratisch legitimiertes<br />

politisches Gebilde. Das Europäische Parlament beispielsweise sei zwar eine frei und demokratisch<br />

gewählte gesamteuropäische Institution, leide aber an der Nicht-Existenz europäischer Parteien und<br />

einer europäischen Öffentlichkeit. Der Europäische Wirtschaft- und Sozialausschuss (EWSA) solle die<br />

1


organisierte Bürgergesellschaft repräsentieren und spiele als beratende Institution eine wichtige Rolle,<br />

leide aber an seiner wenig zeitgemäßen dreiteiligen Struktur, der wenig nachvollziehbaren Verortung<br />

zivilgesellschaftlicher Akteure in der dritten Säule „Sonstige Interessenvertreter“ sowie der wenig<br />

transparenten Besetzung durch die Nationalstaaten. Rolle und Besetzungsverfahren des EWSA seien<br />

aber keineswegs in Stein gemeißelt: die <strong>AG</strong> beispielsweise könne sich für eine Reformierung auf<br />

deutscher und europäischer Ebene einsetzen.<br />

Die Frage der Mitbestimmung und Teilhabe der Bürger in Europa sei neben Institutionen aber auch<br />

mit Vertragstexten und ihrer Anwendung verbunden. Als Antwort auf die steigende Kritik am<br />

demokratischen Defizit der EU und der Distanz zwischen der Union und ihrer Bürger wurde die Charta<br />

der Grundrechte der EU verfasst, in der zum ersten Mal soziale, politische, kulturelle und<br />

ökonomische Bürgerrechte in einem Rechtstext zusammengefasst und wichtige partizipative<br />

Elemente enthalten seien.<br />

Als Teil des Lissabon-Vertrags habe die Charta volle Rechtskraft. Das demokratische Verständnis der<br />

Charta gehe an verschiedenen Stellen in den neuen EU-Vertrag nach Lissabon ein:<br />

- Die Präambel verstehe die EU als „Union der Völker Europas“, in der Entscheidungen<br />

möglichst bürgernah getroffen werden;<br />

- dieses Postulat der Bürgernähe von Entscheidungsverfahren wird in Art. 1 wiederholt und<br />

geht ein in:<br />

- Art. 10: Die Arbeit der Union beruht auf dem Prinzip der repräsentativen Demokratie; „alle<br />

Bürgerinnen und Bürger haben das Recht, am demokratischen Leben der EU teilzunehmen“,<br />

„Entscheidungen werden so offen und bürgernah wie möglich getroffen“;<br />

- Art. 11: Die Organe der EU geben den Bürgerinnen und Bürgern sowie den „repräsentativen<br />

Verbänden“ die Möglichkeit, ihre Anliegen öffentlich bekannt zu geben und auszutauschen;<br />

die Organe „pflegen einen offenen, transparenten und regelmäßigen Dialog mit den<br />

repräsentativen Verbänden und der Zivilgesellschaft“<br />

Die wichtigsten partizipativen Neuerungen des Lissabon-Vertrags seien in Artikel 11 enthalten, der<br />

allerdings im Kontext aller demokratischen Provisionen des Vertrags sowie unter Berücksichtigung der<br />

Neuerungen im Vertrag über die Arbeitsweise der EU betrachtet werden müsse. Dabei sei zunächst<br />

Vereinnehmen über die wesentlichen Begriffe und Konzepte zu erzielen: Was sei mit „offen“,<br />

„transparent“, „repräsentative Verbände“, „bürgernah“, „umfangreiche Anhörung“ usw. gemeint?<br />

Entscheidend wäre zudem zu klären, welche Instanz über die Definitions- und Interpretationshoheit<br />

dieser Begriffe verfüge.<br />

Das Instrument der Europäischen Bürgerinitiative (EBI) stehe im letzten Absatz von Art. 11 und<br />

bestimme derzeit den Diskurs. Die EBI stelle die Möglichkeit bereit, auf Grundlage der Unterschriften<br />

mindestens einer Millionen EU-Bürger die Kommission zur Gesetzesinitiative aufzufordern. Auf<br />

Grundlage eines Grünbuchs der EU-Kommission werden derzeit die Umsetzungsmodalitäten der EBI<br />

festgelegt. Unklar sei jedoch weiterhin die entscheidende Frage, wie die Kommission auf eine<br />

erfolgreiche Bürgerinitiative zu reagieren habe.<br />

<strong>2.</strong> Zusammenfassung und Ergebnisse der Aussprache<br />

Die <strong>AG</strong> stimmt der Einschätzung des Mangels an Transparenz in Besetzungsverfahren und<br />

Arbeitsweise des EWSA zu. Das <strong>BBE</strong> sollte als größtes zivilgesellschaftliches Netzwerk in<br />

Deutschland über die Auswahl und Zusammensetzung der Mitglieder der Gruppe III des EWSA sowie<br />

die Tätigkeit der deutschen Mitglieder informiert werden. Die deutschen EWSA-Mitglieder von <strong>BBE</strong>-<br />

Mitgliedsorganisationen sollen zu den künftigen <strong>Sitzung</strong>en der <strong>AG</strong> 9 eingeladen bzw. in ihre Arbeit<br />

eingebunden werden. Die Geschäftsstelle des <strong>BBE</strong> wird gebeten, beim Auswärtigen Amt<br />

Informationen über Besetzungs- und Auswahlkritierien einzuholen. Ebenso soll der Europa-Ausschuss<br />

des Deutschen Bundestages über seine Beteilung am Auswahlprozess angefragt werden.<br />

Die <strong>AG</strong> teilt die Einschätzung, dass an einem gemeinsamen Begriffsverständnis der in Art. 11 EUV<br />

verankerten Provisionen gearbeitet werden muss. Zudem sei zu klären, wer demnach an einem<br />

„offenen und transparenten“ Dialog teilnehmen kann und wie dieser ausgestaltet sein sollte. Dirk Jarré<br />

weist auf die Offene Methode der Koordinierung bzw. den Strukturierten Dialog als Instrumente der<br />

Partizipationsförderung hin, mit dem Vertreter der Zivilgesellschaft besser einzubinden seien. Die <strong>AG</strong><br />

wird sich auf ihren kommenden <strong>Sitzung</strong>en mit der Anwendung dieser Instrumente in einzelnen<br />

Politikfeldern wie der Jugend- oder Sozialpolitik näher beschäftigen.<br />

2


Ferner wird die Frage nach der Bindewirkung der Bürgerinitiative hervorgehoben. Als transnationales<br />

Instrument kann sie potentiell einen transnationalen zivilgesellschaftlichen Diskurs fördern. Außerdem<br />

ermöglicht die EBI die Partizipation politischer Minderheiten und eine Alternative zu traditionellen<br />

Kanälen politischer Partizipation. Frank Heuberger weist jedoch auf die ernüchternde Reaktion des<br />

Bundesrats hin und sieht in der qualitativen Begleitung der partizipativen Prozesse nach Lissabon<br />

eine zentrale Aufgabe der <strong>AG</strong> 9. Dirk Jarré bietet an, auf Grundlage seines Beitrages einen Artikel<br />

über die neuen partizipativen Optionen des Lissabon-Vertrags zu verfassen und der <strong>AG</strong> zur<br />

Verfügung zu stellen. Jeannette Behringer, Ute Kötter und Elke Tippelmann werden an der<br />

Textredaktion mitwirken.<br />

TOP 4 : European Network of National Civil Society Association (ENNA)<br />

Es liegt ein schriftlicher Bericht vor. Der Tagesordnungspunkt wird aus zeitlichen Gründen auf die<br />

kommende <strong>Sitzung</strong> verschoben.<br />

TOP 5: Umsetzung des „Europäischen Jahrs der Freiwilligentätigkeit zur Förderung der<br />

aktiven Bürgerschaft 2011“ in Deutschland<br />

Nicole Elping, Nicola Sommer (Nationale Koordinierungsstelle im BMFSFJ)<br />

Dr. Gerhard Timm (B<strong>AG</strong>FW).<br />

1. Beiträge der Nationalen Koordinierungsstelle im BMFSFJ (NKS) und der designierten<br />

Geschäftsstelle bei der B<strong>AG</strong>FW<br />

Nicole Elping berichtet über den Fortschritt der Planungen für das Europäische Jahr (EJ) 2011. Das<br />

EU-Gesamtbudget des EJ belaufe sich auf 8 Million Euro, von denen etwa 400.000 Euro für die<br />

Umsetzung des Jahres in Deutschland zu erwarten seien. 550.000 Euro sollen – unter<br />

Finanzierungsvorbehalt - zusätzlich vom BMFSFJ bereitgestellt werden. Übereinkünfte über<br />

europäische „Guidelines“ und förderfähige Maßnahmen werden während des ersten Treffens der<br />

Nationalen Koordinierungsstellen mit der Europäischen Kommission Ende April besprochen 1 .<br />

Für Vorbereitung und Umsetzung des Europäischen Jahres in Deutschland seien seitens der NKS<br />

folgende Schritte vorgesehen:<br />

- Erarbeitung einer nationalen Strategie (Entwurf bis Anfang Mai 2010)<br />

- Möglichst breite Einbindung der Zivilgesellschaft bei der Strategieabstimmung, der<br />

Erarbeitung des nationalen Arbeitsprogramms und Vorbereitung der Veranstaltungen und<br />

Projekte 2011 (ab Mai 2010)<br />

- Aufbau einer Geschäftsstelle für das EJ bei der B<strong>AG</strong>FW zum 1. Juli 2010<br />

Die NKS spricht sich aufgrund der geringen Mittelausstattung des EJ 2011 gegen eine kleinteilige<br />

Projektförderung und – im Einklang mit der Europäischen Kommission - für eine Fokussierung auf<br />

zentrale Veranstaltungen aus. Vorgesehen sei neben einer Auftakt- und Abschlussveranstaltung (in<br />

Berlin) die Ausrichtung von vier „Regionalkonferenzen“. Themen, Formate und Gestaltung dieser<br />

Regionalkonferenzen sollen von den Akteuren der Zivilgesellschaft vorgeschlagen und ggf. getragen<br />

werden. Die Mitglieder der <strong>AG</strong> 9 sowie aller weiterer Stakeholder seien eingeladen, ihre Vorschläge<br />

per Mail an die NKS zu richten. Der Entwurf einer nationalen Strategie sowie Inhalte des deutschen<br />

Arbeitsprogramms für das EJ sollen Anfang Mai per Mail mit der Bitte um Stellungnahme versandt<br />

werden. Die Geschäftsstelle des EJ werde eine zentrale Webseite aufbauen, auf der Projekte<br />

vorgestellt werden können. Aufgrund der knappen Mittel könne nicht viel Geld in Kommunikation<br />

investiert werden; Nicole Elping fordert die Mitglieder der <strong>AG</strong> auf, durch Vernetzung und<br />

Unterstützung die Kommunikation zu fördern.<br />

Gerhard Timm weist aus der Sicht der designierten Geschäftsstelle bei der B<strong>AG</strong>FW darauf hin, dass<br />

die zur Verfügung stehenden Mittel für den Erfahrungsaustausch, die Durchführung von<br />

wissenschaftlichen Begleitstudien, die Anregung der Debatte und die Kommunikation über die Werte<br />

1 Aktuelle Anmerkung (10.Mai): Dieses Treffen wurde wegen des eingeschränkten Flugverkehrs aufgrund der<br />

Vulkanaschewolke auf Anfang Juni 2010 verschoben.<br />

3


von Freiwilligentätigkeiten eingesetzt werden sollten. Für die Umsetzung des Europäischen Jahres in<br />

Deutschland sollen die von der EU-Kommission formulierten grundlegenden Ziele - Schaffung<br />

günstiger Rahmenbedingungen für Freiwilligentätigkeiten in der EU; Stärkung der<br />

Freiwilligenorganisationen und Verbesserung der Qualität von Freiwilligentätigkeiten; Honorierung und<br />

Anerkennung von Freiwilligentätigkeiten; Sensibilisierung für den Wert und die Bedeutung von<br />

Freiwilligentätigkeiten - präzisiert werden:<br />

- Welche spezifischen Zielgruppen sind betroffen (Senioren, Migranten, etc.)?<br />

- Wie können Grenzregionen und transnationale Partnerschaften einbezogen werden?<br />

- Welche Verbindung besteht zwischen Freiwilligentätigkeiten und Erwerbsarbeit?<br />

- Wie soll die Nachhaltigkeit der Ergebnisse des Jahres sichergestellt werden?<br />

Angesicht der knappen Mittel müsse die öffentliche Finanzierung durch Sponsoring und<br />

Partnerschaften ergänzt werden - beispielsweise durch die Zusammenarbeit mit Unternehmen oder<br />

Stiftungen. Die derzeit zur Verfügung stehenden Ressourcen würden bereits durch die Auftakt– und<br />

Abschlussveranstaltungen und die vier Regionalkonferenzen verbraucht. Gerhard Timm unterstreicht<br />

die Wichtigkeit der Einbindung der Zivilgesellschaft. Das <strong>BBE</strong> und die <strong>AG</strong> 9 seien wichtige Partner der<br />

Geschäftsstelle des EJ, ebenso sei das Bündnis für Gemeinnützigkeit einzubeziehen. Auch mit dem<br />

Nationalen Forum für Engagement und Partizipation werde eine Zusammenarbeit angestrebt. Weitere<br />

Stakeholder seien insbesondere die Träger grenzüberschreitender Freiwilligendienste, Bundesländer<br />

und Kommunen hinsichtlich ihrer Aufgabe der Schaffung günstiger Rahmenbedingungen sowie die<br />

Wirtschaft als „Nutzer“ und „Ermöglicher“ von bürgerschaftlichem Engagement.<br />

<strong>2.</strong> Zusammenfassung und Ergebnisse der Aussprache<br />

Regionalkonferenzen<br />

Auf Nachfrage unterstreicht Nicole Elping, dass sich das BMFSFJ nicht notwendigerweise als Träger<br />

der geplanten Regionalkonferenzen sehe. Die NKS im BMFSFJ sei offen für Umsetzungs- und<br />

Trägerschaftsvorschläge aller Stakeholder; Entscheidungen über die Vergabe inhaltlicher und<br />

organisatorischer Umsetzungsverantwortung würden auf Grundlage der Ergebnisse der<br />

Mailkonsultationen und eingegangener Vorschläge getroffen.<br />

Europäische Dimension<br />

Aus Sicht der <strong>AG</strong>-Mitglieder sei die europäische Dimension bei der Umsetzung des Europäischen<br />

Jahres in Deutschland noch stärker herauszuarbeiten. Das EJ 2011 biete Chancen und Möglichkeiten,<br />

zivilgesellschaftliche Akteure grenzüberschreitend stärker zu vernetzen, innovative Maßnahmen der<br />

Engagementförderung auszutauschen, Diskurse europaweit zusammenzuführen sowie europäische<br />

Projektpartnerschaften und Kontakte zu verstetigen. Dafür seien insbesondere Veranstaltungsformate<br />

zu erarbeiten, die die europäische Dimension nicht nur punktuell in Form internationaler Referenten<br />

und Good-Practice-Beispielen widerspiegeln, sondern europäische Partner und Netzwerke wie das<br />

CEV einbeziehen. Die vorgesehenen Regionalkonferenzen sollten als internationale Veranstaltungen<br />

konzipiert und gestaltet werden.<br />

Nicole Elping weist in ihrer Replik darauf hin, dass internationale Veranstaltungen auf EU-Ebene<br />

ausgerichtet würden. Allerdings könne eine der Regionalkonferenzen durchaus als europäische<br />

Tagung organisiert werden; inhaltliche Vorschläge dazu seien erwünscht. Gerhard Timm unterstreicht,<br />

dass seiner Ansicht nach europäische Vernetzung keine Priorität der EU-Kommission für die<br />

jeweiligen nationalen Umsetzungen des EJ sei: Die von der Kommission bevorzugte<br />

Umsetzungsebene sei der Nationalstaat. Deutschland könne dem europäischen Diskurs jedoch<br />

Impulse bieten und innovative Veranstaltungsformate entwickeln.<br />

Bund-Länder Synergien<br />

Die Kommunikation der NKS mit den Bundesländern sei verbesserungsbedürftig; ebenso werde<br />

bedauert, dass die NKS keine Strukturen oder feste Ansprechpartner für die Umsetzung des EJ 2011<br />

auf Länderebene vorgesehen habe. Dabei gebe es auf Länderebene bereits häufig einen weit<br />

fortgeschrittenen Planungsstand (themenorientierte Veranstaltungen, länderspezifische Auftakt und<br />

Abschlussveranstaltungen), für die es einen zeitnahen Koordinierungsbedarf mit der Bundesebene<br />

gebe. Nicole Elping weist darauf hin, dass Kontakte mit den Ländern aufgenommen wurden und die<br />

Frage der Abstimmung und Zusammenarbeit in der Bund-Länder-Runde behandelt werde.<br />

Synergien der Europäischen Jahre 2011 und 2012<br />

Nicole Elping weist darauf hin, dass das Europäische Jahr 2012 (voraussichtlich „Aktives Alter und<br />

Solidarität der Generationen“) bisher noch nicht ausgerufen wurde; das BMFSFJ betreibe jedoch<br />

4


ereits die Verbindung beider Themenbereiche (z.B. durch die intergenerationellen<br />

Freiwilligendienste). Gerhard Timm unterstreicht, dass der demografische Wandel zwar ein wichtiges<br />

Themenfeld aber kein Hauptfokus des EJ 2011 sein solle, da das Jahr nicht auf eine besondere<br />

Zielgruppe zugeschnitten werden solle. Es gebe auch auf andere Zielgruppen bezogene Themen, die<br />

unter dem Blickwinkel der Freiwilligentätigkeiten interessant seien (z.B. Menschen mit<br />

Migrationshintergrund).<br />

Kommunikation und Mitwirkungsmöglichkeiten<br />

Unklar sei das weitere Verfahren im Hinblick auf Definition der inhaltlichen Schwerpunkte und<br />

Veranstaltungen sowie Mitwirkungsmöglichkeiten im Entscheidungsprozess. Die von der NKS<br />

vorgesehene Mailkonsultation „aller“ erscheine wenig strukturiert und damit intransparent. Mitglieder<br />

der <strong>AG</strong> weisen darauf hin, dass bereits bestehende Webseiten und Kommunikationsmittel für<br />

Kommunikation und Vorbereitung des EJ 2011 genutzt werden sollten, beispielweise die Plattform<br />

„Engagiert in Deutschland“.<br />

Nicole Elping unterstreicht die Wichtigkeit einer zentralen Webseite der Nationalen<br />

Koordinierungsstelle bzw. Geschäftsstelle. Diese werde im Herbst 2010 von der Geschäftsstelle bei<br />

der B<strong>AG</strong>FW entwickelt. Die Gestaltung des Programms für das EJ 2011 werde gemeinsam<br />

vorbereitet; inhaltliche Vorschläge werden im Arbeitsprogramm berücksichtigt. Alle Vorschläge seien<br />

willkommen; die letzte Entscheidung müsse aber beim Ministerium verbleiben. Die NKS wolle damit<br />

einen offenen Konsultationsprozess initiieren und daher auch der <strong>AG</strong> 9 keinen besonderen Status<br />

zugestehen. Die Einsetzung eines Beirats zum EJ 2011 bzw. die Übertragung einer Beiratsfunktion<br />

auf eine einzelne Gruppe werde die NKS nicht ins Auge fassen. Die Mitglieder der <strong>AG</strong> bedauern das<br />

insgesamt wenig transparente Vorgehen zur Programmentwicklung des EJ 2011und sprechen den<br />

Wunsch aus, von Frau Elping (dem BMFSFJ) regelmäßig über den Fortgang der Planungen und die<br />

Konkretisierung der Projektentscheidungen informiert zu werden. Frau Elping sagte zu, auf Einladung<br />

auch weiterhin an den <strong>Sitzung</strong>en der <strong>AG</strong>9 teilzunehmen.<br />

Frank Heuberger weist abschließend auf den derzeitigen Abstimmungsprozess in den Dialogforen des<br />

Nationalen Forums für Engagement und Partizipation hin, in dem neue „Spielregeln“ der<br />

Zusammenarbeit zwischen Staat, Wirtschaft und Zivilgesellschaft erprobt werden. Ein solcher Prozess<br />

sei auch für die EU-Ebene denkbar und könne als deutscher Beitrag in die europäische Debatte<br />

eingebracht werden. Das <strong>BBE</strong> werde als größtes Engagementnetzwerk über seinen<br />

Koordinierungsausschuss und die <strong>AG</strong> 9 sowie seine Einflussmöglichkeiten in europäischen<br />

Netzwerken wie dem CEV oder ENNA weiterhin seine Beratungsfunktion bei der europäischen und<br />

deutschen Umsetzung des EJ 2011 wahrnehmen.<br />

TOP 8 Termine/Verschiedenes<br />

Top 6 (Aussprache zu Zielsetzung und Schwerpunkten des Arbeitsprogramms der <strong>AG</strong> 9) und 7<br />

(Bericht der <strong>BBE</strong>-Geschäftsstelle) werden aus Zeitgründen nicht aufgerufen.<br />

Die nächste <strong>Sitzung</strong> der <strong>AG</strong> 9 findet am 15. Juni 2010 von 11-16 Uhr in Berlin statt.<br />

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