Ausgabe 9 / 2008 - Onkologische Schwerpunktpraxis Darmstadt

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Ausgabe 9 / 2008 - Onkologische Schwerpunktpraxis Darmstadt

Wiekann ich meinen?NAngehörigenunterstützenDie Diagnose Krebs bedeutet wohl fürjeden Menschen eine existenzielle Bedrohungund damit eine einschneidendeLebensveränderung. Das gilt nicht nurfür Krebspatienten, sondern auch für Angehörigeund Freunde. Sie machen sichSorgen und sind unsicher, ob und wennja, wie sie dem Patienten helfen können.Die häufigsten Fragen und Antwortendazu haben wir Ihnen im Folgenden zusammengestellt.Kann ich als Angehörigerüberhauptwirklich helfen?Auf jeden Fall. Mitfühlendzuhören odereinfach nur „da sein“,das ist mindestens genausowichtig wieeine hervorragende medizinische Betreuung.Als nächster Angehöriger sollten Sieden Patienten auch zu Arztbesuchen begleiten.Das gilt ganz besonders für Termine,bei denen Untersuchungsergebnissemitgeteilt und Therapiemöglichkeiten diskutiertwerden. Nur wenn der Patient ausdrücklichallein sein will, sollten Sie diesenWunsch respektieren.Soll man in der Familie offen über dieKrankheit reden?Ja, unbedingt. Denn der Gedanke, vielleichtan der Krankheit sterben zu müssen,ist für den Patienten zunächst einmal einSchock, den er zu bewältigen hat. Und dagehört das Gespräch im Allgemeinendazu. Allerdings sollten Sie als Angehörigernicht von sich aus das Gespräch eröffnen.Den Zeitpunkt für das Gespräch mussder Patient bestimmen.a c h g e f r a g tUnd wie verhalte ich mich dann imGespräch?Nun, eine wichtige Botschaft habe ich besondersfür Männer von krebskrankenFrauen: Vermeiden Sie es, über den Krebswie über ein Übel zu reden, das sich nachArt eines Heimwerkers reparieren oder garausmerzen lässt. Hören Sie zunächst einfachzu. Nehmen Sie die Ängste und SorgenIhres Angehörigen ernst. Und gestehenSie ihm ruhig, dass Sie auch keineschnelle Lösung wissen. Versichern Sieaber gleichzeitig, dass Sie immer an derSeite des Patienten stehen werden.Soll ich als Angehöriger auch übermeine eigenen Ängste reden?Ja, auf jeden Fall. Wenn Sie den Krankenwissen lassen, dass Sie sich um ihn sorgen,dass es Sie traurig macht, ihn leiden zusehen, dann ist das sicher keine Belastungfür den Patienten. Solche Gefühle sindAusdruck Ihrer ganz persönlichen Anteilnahme,und die tut dem Patienten immergut. Verlangen Sie nur vom Patienten nicht,die Probleme zu lösen, die Sie als Angehörigermit der Erkrankung des Patientenhaben. Im Zweifelsfall suchen Sie sichselbst professionelle Hilfe. Adressen undweitere Informationen dazu erhalten Siebeispielsweise bei der Deutschen Krebsgesellschaftin Frankfurt.Ist es sinnvoll, öfter über die Krankheitreden?Wie gesagt, darüber entscheidet der Patient.Seien Sie aufmerksam, versuchen Siedas Bedürfnis zu erspüren – aber machenSie aus der Krankheit keine Ganztagsbeschäftigung.Ein Krebspatient kann langeZeit ganz normale Dinge tun, ohne ständigan seine Krankheit erinnert werden zumüssen. Leben Sie also Ihren gemeinsamenAlltag, fahren Sie in Urlaub und sorgen Sieimmer wieder für Freiräume, in denen dasGespräch möglich ist.Praxis JournalWie reagiere ich am besten, wennmein Partner partout nicht über seineSorgen und Ängste reden möchte?Wenn jemand nicht reden möchte, dannmuss man das akzeptieren. Es gibt dafürseitens der Patienten die unterschiedlichstenGründe. Oft ist es Rücksichtnahmeauf die familiäre Situation; Patientenwollen den Partner mit ihren Ängstennicht noch zusätzlich belasten und suchenmöglicherweise Unterstützung bei Freundenoder finden Hilfe bei sozialen Einrichtungen.Eine solche Entscheidung mussrespektiert werden, auch wenn Sie als Partnerdiese Lösung nicht für besondersglücklich halten.Soll man Kinderndie ganze Wahrheitsagen? Ihnenbeibringen, dassVater oder Muttermöglicherweisesterben wird?Das hängt vomKrankheitsstadiumund vom Alter desKindes ab. Kinderhaben sensible Antennendafür, wie esihren engsten Bezugspersonengeht.Es macht also keinenSinn, eine unterUmständen lebensbedrohliche Krankheiteinfach zu verleugnen. Wenn es um denTod geht, sollten bei Kindern immer dieThemen Abschiednehmen und Erinnern imVordergrund stehen. Trauer und Tränen gehörenda leider dazu; das Bewusstsein, dassdie gemeinsam verbrachte Zeit etwas Unauslöschlichesist, kann bei der Bewältigungaber helfen.Wenn Sie zu dieser Frage professionelleUnterstützung benötigen, so wenden Siesich an uns. Wir helfen Ihnen gerneweiter.3


SindWunder?wirklich möglich4Ü b e r b l i c kSpontanheilung beiKrebserkrankungenWer hätte von diesem Wunder wohl nochnicht geträumt? – Dass der Krebs einfachwieder verschwindet. Ganz spontan undohne Zutun des Arztes. Tatsächlich kommensolche Spontanheilungen vor, auchwenn unter Fachleuten darüber meist nurhinter vorgehaltener Hand geredet wird.Wenn von einem Wunder die Rede ist, versetztdas gestandenen Schulmedizinernzunächst einen Stich. Schließlich arbeitensie mit naturwissenschaftlich anerkanntenMethoden, sie verstehen sich als aufgeklärteÄrzte und nicht als Voodoo-Priester.Wunder: das klingt in ihren Ohren – wennschon nicht nach höheren Mächten – nachniederen Instinkten, das heißt, nach skrupelloserGeschäftemacherei von selbst ernanntenHeilern. Und doch ist es so: Jederschulmedizinisch arbeitende Krebsspezialistkennt Patienten, bei denen jede Hoffnungauf Heilung aufgegeben worden warund bei denen sich dennoch – teilweiseohne ärztliches Zutun – der Tumor wiederzurückbildete.SpontanremissionenWeil sie mit dem Begriff „Wunder“ ihreSchwierigkeiten haben, reden Medizinerlieber von Spontanremission: Sie ist definiertals spontane, dauerhafte oder zeitlichbegrenzte Rückbildung des Tumors, ohnedass eine gezielte medizinische Behandlungstattgefunden hat. Bei der vollständigenRemission sind Tumorzeichen überhauptnicht mehr nachweisbar, bei der teilweisen(partiellen) Remission sind sie ummindestens die Hälfte zurückgegangen.Vergleichsweise häufig sind Spontanremissionenbeim Schwarzen Hautkrebs(Malignes Melanom). Berichtet wird vonvier bis 15 Prozent der malignen Melanome,die sich spontan zurückbilden.Schlechter sieht es allerdings aus, wenn derHautkrebs Tochtergeschwülste entwickelthat: Solche Metastasen bilden sich nur zuetwa 0,25 Prozent spontan wieder zurück.Auch beim Nierenkrebs beobachten Ärztein bis zu acht Prozent der Fälle eine Spontanremission,bei langsam voranschreitendenNon-Hodgkin-Lymphomen (NHL)sind es fünf bis 23 Prozent. Ein selten vorkommenderTumor des Nervensystems,das so genannte Neuroblastom, kann sichbei Kindern in einem bestimmten Stadiumsogar in bis zu 80 Prozent der Fälle spontanzurückbilden.Spontanremission bedeutet aber nichtzwangsläufig auch Heilung. Genaue Zahlenkennt man nicht, aber Experten gehendavon aus, dass etwa zehn bis 20 Prozentder Spontanremissionen dauerhaft anhaltenund damit einer Spontanheilung entsprechen.Vorsicht vor „gemachten Wundern“Natürlich gibt es auch Wunder, die inWirklichkeit gar keine sind. Wenn jemandplötzlich und unerwartet von einer lebensbedrohlichenErkrankung genesen ist,dann ist es legitim nachzufragen, ob dasLeiden denn tatsächlich auch richtig diagnostiziertwurde. Nicht jeder verdächtigeSchatten im Röntgenbild ist ein Lungenkrebs.Nicht selten aber empfinden vieleBetroffene die Korrektur der ursprünglichfalschen Diagnose als Wunder, das ihnenwiderfahren ist.Wunder können auch „gemacht“ sein.Prinzipiell ist das ganz einfach. Man erklärtbeispielsweise eine völlig harmloseSubstanz, die im Blut vorkommt, als Markerfür das Wachstum eines Tumors. Wirdbei der Blutuntersuchung die Substanznachgewiesen, dann gilt das als Zeichenfür Tumorwachstum. Findet der „Therapeut“dann Mittel und Wege, die Konzentrationdieser Substanz im Blut abzusenken,dann steht das für die vermeintlicheRückbildung des Tumors. Wohlgemerkt:Kein Tumorwachstum ist bei diesem kriminellenHandeln beeinflusst worden, lediglichdie Konzentration einer harmlosenSubstanz im Blut. Beim Patienten wirdaber der Eindruck erweckt, der „Therapeut“habe ein Wunder vollbracht.


Was bedeutet eigentlichHeilung ?6T h e r a p i eWer schon einmal an einer Lungenentzündunggelitten hat und von ihr genesenist, wird sich mit Fug und Recht alsgeheilt ansehen. Anders bei Krebserkrankungen.Dort sprechen Ärzte liebervon Therapieerfolg als von Heilung. WelcheTherapien zur Verfügung stehen undwie ihr Erfolg beurteilt wird, erfahren Siein diesem Beitrag.Bösartige Tumore sind bis heute leider nurzu etwa 50 Prozent heilbar. Verantwortlichdafür ist vor allem ihre Eigenschaft, Tochtergeschwülste(Metastasen) zu bilden.Selbst wenn ein Primärtumor operativkomplett entfernt werden konnte, bildensich manchmal noch nach Jahren Metastasen.Sie können aus einzelnen Krebszellenentstehen, die sich schon vor der Operationin Lymphknoten, im Knochenmarkoder in anderen Organen abgesiedelthaben. Solche Kleinst- oder Mikrometastasenentstehen bei manchen Krebserkrankungenbereits in sehr frühen Tumorstadien.Behandlungsmethodenbei lokalisierten StadienIst der Tumor noch auf ein Organ oder einGewebe beschränkt, werden zunächst Therapieformeneingesetzt, die möglichst zielgenaunur die bösartige Geschwulst treffensollen. Etablierte Verfahren zur Bekämpfunglokaler Tumoren sind die Operationund die Strahlentherapie.Im Rahmen der Operation werden derTumor selbst und meist auch das ihn umgebendeGewebe herausgeschnitten. Aufdiese Weise hofft man auch solche Tumorzellenzu entfernen, die in die Umgebungdes Tumors eingewandert sind. Wo immermöglich, operieren Chirurgen heute so,dass die Funktion des betroffenen Organsmöglichst wenig beeinträchtigt wird. Umden Behandlungserfolg zu stabilisieren,folgt auf die Operation nicht selten eine ergänzendeChemotherapie. Mediziner sprechendann von einer adjuvanten Chemotherapie.Eine Chemotherapie wird bei manchen Patientenauch vor der Operation (neoadjuvant)durchgeführt, um den Tumor zunächstmedikamentös zu verkleinern.Zur Stabilisierung des Behandlungserfolgeswird nach der Operation manchmaleine so genannte Nachbestrahlung durchgeführt.Das geschieht regelmäßig nachBrust erhaltenden Operationen des Mammakarzinomsoder wenn der Verdacht besteht,dass mikroskopisch kleine Tumorresteim Körper verblieben sein könnten.Die Strahlentherapie kann die Operationauch komplett ersetzen. Das geschiehtimmer dann, wenn die Operation technischnicht möglich ist – wenn man also anden Tumor mit dem Skalpell beim bestenWillen nicht herankommt – oder wenndas Operationsrisiko für den Patienten zugroß ist. Andere Methoden zur Behandlunglokaler Tumore nutzen Laserstrahlensowie die Erhitzung oder die Vereisung desTumorgewebes.Behandlung fortgeschrittenerStadienIn fortgeschrittenen Stadien gewinnt spezielldie Chemotherapie an Bedeutung,weil sie stets auf den gesamten Organismus,also systemisch wirkt.Darüber hinaus spielt die so genannte Immuntherapieseit einigen Jahren eineimmer größere Rolle. Signalstoffe des Immunsystemswie das Interferon kommenebenso zum Einsatz wie speziell im Laborgezüchtete Antikörper, die in der Lagesind, bestimmte Krebszellen zu erkennenund ihre Bekämpfung einzuleitenTherapieerfolgDas Ziel jeder Tumortherapie wird mitdem Patienten individuell besprochen.Eine dauerhafte Heilung wird immer dannangestrebt, wenn sie für den Patientenohne allzu große Nebenwirkungen tatsächlicherreichbar scheint.Selbst wenn eine Heilung nicht möglich ist,lässt sich möglicherweise eine kompletteRemission (CR) erreichen. Von CR sprichtman, wenn mit den zur Verfügung stehendendiagnostischen Mitteln im Körperkeine Krebszellen mehr nachweisbar sind.Als teilweise oder partielle Remission (PR)bezeichnen Ärzte Therapie-Ergebnisse,wenn die Tumorgröße im Lauf der Behandlungum mindestens die Hälfte reduziertwerden konnte.Die Zeit von der kompletten Remission biszum Wiederauftreten der Erkrankung nennenÄrzte rückfallfreies Intervall. Ab einemfünfjährigen rückfallfreien Intervall sinddie Aussichten auf dauerhafte Heilung jenach Krebsart vergleichsweise gut. Beimanchen Patienten kann die Tumorerkrankungzum Stillstand gebracht werden,ohne dass sie ganz verschwindet. Sie giltdann als stabile Erkrankung, die regelmäßigärztlicher Versorgung bedarf.Lange Zeit galt in der Tumortherapie dasParadigma des möglichst langen Überlebensum (fast) jeden Preis. Der Erfolgeiner Therapie ist heute sehr viel enger mitder zu erreichenden Lebensqualität verknüpft.Mit anderen Worten: Ziel der Therapieist nicht, dem Leben Jahre, sondernden Jahren Leben zu geben.


Praxis JournalKurz berichtet8N e u e s a u s d e r F o r s c h u n gRaucher früher zur Darmkrebsvorsorge?Aktive Raucher und Personen, die in ihrem Lebensumfeldhäufig Tabakrauch ausgesetztsind, erkranken früher an Dickdarmkrebs alsNichtraucher. Sie sollten Wissenschaftlern inder Fachzeitschrift Journal of Cancer Researchand Clinical Oncology zufolge deshalb auchfrüher an entsprechenden Früherkennungsuntersuchungenteilnehmen können.Die Forscher hatten Daten von mehr als 3.500Personen ausgewertet, die an Krebs im DickoderEnddarmbereich erkrankt waren. Dabeistellte sich heraus, dass die aktiven Raucher imDurchschnitt fast sieben Jahre früher erkranktwaren als die Nichtraucher. Auch ehemaligeRaucher waren bei Diagnosestellung jünger alsNichtraucher. Der messbare Altersunterschiedverschwand erst bei denen, die bereits fünfJahre oder länger mit dem Rauchen aufgehörthatten. Unter Nichtrauchern erkrankten Per-Anzeigesonen, die in ihrem Arbeits- und Lebensumfeldhäufigem Tabakrauch ausgesetzt sind, am frühesten.Aufgrund ihrer Ergebnisse empfehlendie Forscher, bei Rauchern die Früherkennungsuntersuchungenfür Darmkrebsbereits fünf bis zehn Jahre früher zu starten.Derzeit liegt der Beginn des gesetzlichenDarmkrebs-Früherkennungsprogramms beieinem Alter von 50 Jahren.Quelle: Pressemitteilung der Deutschen KrebsgesellschaftHautkrebsvorsorge ab 35Die standardisierte Früherkennungsuntersuchungauf Hautkrebs wird ab dem 1. Juli2008 von allen gesetzlichen Krankenkassenübernommen. Versicherte ab 35 Jahren habenalle zwei Jahre Anspruch auf die Untersuchung.Die Früherkennungsuntersuchung auf Hautkrebskann nach entsprechender Fortbildungvon Dermatologen (Hautärzten) und hausärztlichtätigen Fachärzten für Allgemeinmedizin,Internisten und Praktischen Ärztenvorgenommen werden. Wenn ein Verdacht aufHautkrebs besteht, wird dieser immer durcheinen Dermatologen abgeklärt, zunächst durchdie visuelle Untersuchung und gegebenenfallsImpressum© 2008, LUKON GmbHChefredaktion:Dr. med. Georgi Kojouharoff, Gerrit DingeldeinGrafik-Design, Illustration:Charlotte SchmitzDruck:DigitalDruckHildendurch die Begutachtung einer Gewebeprobe.Jährlich erkranken in Deutschland etwa120.000 Menschen an verschiedenen Formenvon Hautkrebs. An dem sogenannten malignenMelanom, einer besonders gefährlichenKrebserkrankung, sterben in Deutschland circa2.000 Menschen im Jahr.Mit der Veröffentlichungim Bundesanzeiger vom6. März 2008 ist dieHautkrebs-Screening-Untersuchung in denKanon Krebsvorsorgeuntersuchungenaufgenommenworden. Das Hautkrebs-Screeningmüssen die gesetzlichen Krankenversicherungenab dem 1. Juli 2008 bezahlen.Quelle: Pressemitteilung des Gemeinsamen BundesausschussesDas Menschenmögliche tun.

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