Ausgabe 20 / 2012 - Onkologische Schwerpunktpraxis Darmstadt

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Ausgabe 20 / 2012 - Onkologische Schwerpunktpraxis Darmstadt

PraxisJournalBlutstammzelle im KnochenmarkLymphatische VorläuferzelleB-LymphozytAntikörperproduktionnisch myeloische Leukämie (CML). Die CMList übrigens die Erkrankung, die Rudolf Virchowvor mehr als 160 Jahren diagnostizierthatte.Absicherung der DiagnoseT-LymphozytSteuerung derImmunantwortLymphatische LeukämieAkut (ALL)Chronisch (CLL)Bei Verdacht auf Leukämie müssen zur Ab -sicherung der Diagnose eine Blut- und häufigauch eine Knochenmarkprobe untersuchtwerden. In diesen Proben lassen sich Art undAusmaß der entarteten weißen Blutkörperchengenau bestimmen. Zur Gewinnung einerKnochenmarkprobe betäubt der Arzt sorgfältigdie Einstichstelle am oberen Beckenkamm.Mit einer etwas dickeren Hohlnadelsticht er in den Beckenknochen und entnimmteine zylinderförmige Probe, die sogenannteStanze. Ergänzend zu dieser Stanzbiopsiekann durch den Stanzkanal auch flüssigesMark in eine Spritze gesaugt und direktunter dem Mikroskop beurteilt werden.Chemo- und StrahlentherapieEine Leukämie lässt sich im Unterschied zuOrgantumoren nicht operieren, weil sie nichtnur ein Organ, sondern den gesamten Organismusbefällt. Chemo- und Strahlentherapiebilden deshalb die beiden Säulen jederLeukämiebehandlung. Häufig werden bei derChemotherapie zwei oder drei verschiedeneMedikamente kombiniert, die sich in ihrerWirkung gegenseitig verstärken. Bei allen Leukämieformenkann es im Einzelfall sinnvollsein, eine sogenannte Hochdosis-Chemo -therapie mit anschließender Stammzellübertragungdurchzuführen.Hochdosis-Chemotherapie undStammzelltransplantationBei einer Hochdosistherapie werden die Chemotherapeutikain so hohen Dosen verabreicht,dass nicht nur die Leukämiezellen, sondernalle Zellen des blutbildenden Systemsim Knochenmark vernichtet werden. Im Anschlussdaran erhält der Patient mittels Infusiongesunde Blutstammzellen. Diese Zellenwandern vom Blut ins Knochenmark, vermehrensich dort und sorgen so für den Aufbaueines komplett neuen, krebsfreien blutbildendenSystems. Was als theoretisches Konzepteinfach und überzeugend klingt, lässtsich praktisch nur in spezialisierten Zentrendurchführen. Denn während der Behandlungkönnen Komplikationen wie Unverträglichkeitsreaktionenoder schwere Infektionen auftreten.Akute Formen sofort behandelnGrundsätzlich gilt, dass die akuten Leukämieformen(ALL und AML) sofort mit einerkonventionellen oder einer Hochdosis-Chemotherapiebehandelt werden müssen. Beider ALL werden zusätzlich noch der Kopf unddie obere Halswirbelsäule bestrahlt, da dieentarteten Zellen auch das Gehirn befallenkönnen. An eine erfolgreiche Erstbehandlungschließt sich in der Regel eine mindestens 12-monatige Erhaltungstherapie an.CML: Stammzelltransplantationoft nicht mehr notwendigFrüher war für CML-Patienten, wenn sie sichin gutem Allgemeinzustand befanden, dieHochdosis-Chemotherapie mit anschließenderStammzellübertragung die vielversprechendsteTherapie. Aus den Blutstammzelleneines geeigneten Fremdspenders können sichAbwehrzellen entwickeln, die sogar gegenmöglicherweise noch vorhandene Krebszellenim Körper des Patienten aktiv werden. Heuteist eine solch belastende Therapie bei der CMLnicht mehr die erste Wahl. Denn es stehenneue Medikamente zur Verfügung, welche sogut wirken, dass eine Stammzelltransplantationoft nicht notwendig ist. Eines dieser Arz-Myeloische VorläuferzelleNeutrophilerGranulozytKleine FresszelleMyeloische LeukämieAkut (AML)Monozyt /MakrophageGroße FresszelleChronisch (CML)neimittel ist Imatinib. Es blockiert die krank -hafte Entstehung des Eiweißes, das die Zelle zuunkontrolliertem Wachstum veranlasst. Beiden meisten CML-Patienten ist der Einsatzvon Imatinib sinnvoll. Bei manchen CML-Patienten wirkt Imatinib nicht ausreichendoder ist so unverträglich, dass es abgesetztwerden muss. In solchen Fällen kommen Medikamentederselben Klasse, etwa Dasatiniboder Nilotinib, zum Einsatz.Wachsames BeobachtenBei der chronisch lymphatischen Leukämie(CLL) ist es, bis auf gewisse aggressiv verlaufendeUnterformen, oft ratsam, zunächst garkeine Medikamente einzusetzen; denn die Erkrankungschreitet nur sehr langsam voran.Erst wenn die Konzentration der roten Blutkörperchenbeziehungsweise der Blutplättchenstark abfällt oder Abgeschlagenheit,Nachtschweiß, Fieber und andere Symptomeden Patienten zu sehr belasten, wird in derRegel eine an die körperliche Fitness des Patientenangepasste mehr oder weniger aggressiveChemotherapie eingeleitet. Bis heuteist unklar, warum die Vorläufer der Blutzellenim Knochenmark entarten. Keine Diät undkein Lebensstil können davor schützen. Eineechte Vorbeugung gegen die Leukämie gibtes leider nicht.

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