Ausgabe 10 / 2008 - Onkologische Schwerpunktpraxis Darmstadt

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Ausgabe 10 / 2008 - Onkologische Schwerpunktpraxis Darmstadt

Praxis JournalNur für unsere Patienten, nicht zur Weitergabe bestimmt.InhaltNachgefragt 2Was genau ist eigentlichPsycho-Onkologie? Wasmacht ein Psycho-Onkologe?Neues vomPraxisteam 3„Familiennachrichten“Buchbesprechung:Gespräche gegen die AngstÜberblick 4Schmerzen und Schmerztherapie– Wie Schmerzenentstehen und wie siebekämpft werden könnenService 6Weitere Informationen zurSchmerztherapie: Recherchierenim Internet – KostenloseRechtsberatungErnährung 7Genießen, so oft es geht!Verführen Sie sich selbst zuEssen und Trinken – geradeauch während der ChemotherapieKurz berichtet 8Längere Hormonersatztherapieerhöht Brustkrebsrisiko– Mobilfunkstrahlung:Bundesumweltministeriumgibt EntwarnungImpressumLiebe Patientin,lieber Patient,sicher sind Gesundheit und Krankheit für Siespätestens seit der Diagnose zu den wichtigstenThemen in Ihrem Leben geworden. Und wennman Sie fragte, welches Ihr größter Wunsch ist,würden Sie mit Sicherheit antworten: Wiedergesund zu werden.Wann aber gilt man als gesund, so fragen unsviele Patienten; nach drei, nach vier oder nachfünf Jahren ohne nachweisbare Krankheitszeichen?Leider ist eine pauschale Antwort aufdiese Frage nicht möglich. Heilung ist nicht dasausschließliche Ziel unserer Bemühungen. EinPraxisJournal 10 | August 2008Internistische Schwerpunktpraxis fürHämatologie/OnkologieDr. med. Georgi Kojouharoff · Gerrit DingeldeinEschollbrücker Str. 26 · 64295 DarmstadtTel. 0 61 51 / 301 80 30 · Fax 0 61 51/ 301 80 40SprechzeitenMo, Di, Do, Fr 08 - 12 UhrMi09 - 12 UhrMo, Di, Mi, Do 14 - 17 UhrTumorleiden ist keine Lungenentzündung. Inder Onkologie ist es schon ein großer Fortschritt,wenn aus einer akut lebensbedrohlichen einebeherrschbare chronische Erkrankung gewordenist. Und das ist es, wonach wir streben: Sienach Kräften dabei zu unterstützen, Ihre Krankheitzu besiegen – oder, wenn das nicht vollständiggelingt, Ihnen zu zeigen, wie Sie auchmit Ihrer Krankheit leben können.Ihr PraxisteamDr. Georgi Kojouharoffund Gerrit Dingeldein


Was genau ist eigentlichPsycho-Onkologie?2N a c h g e f r a g tDie FragenbeantworteteDr. KojouharoffOnkologen sind Fachleute für Krebserkrankungen;sie kümmern sich in ersterLinie um die optimale Behandlung derkörperlichen Symptome. Für die psychisch-seelischenAspekte der Erkrankungsind Psycho-Onkologen zuständig.Was aber tun die eigentlich genau? Benötigt jeder Krebspatient einepsychoonkologische Betreuung?Nein, keineswegs. Viele Patienten kommenmit der seelischen Verarbeitung ihrerErkrankung gut alleine klar. Es ist aberkein Zeichen von Schwäche, wenn mansolch eine Betreuung wünscht. Was genau geschieht denn beimPsycho-Onkologen?Das kommt selbstverständlich immer aufden Einzelfall an. Grundsätzlich aber wirdzunächst die Krankengeschichte noch einmalbesprochen, und zwar nicht nur diemedizinische. Dabei geht es um ganz lebenspraktischeFragen – Arbeitsplatz, Kinderversorgung,finanzielle Probleme –,aber natürlich auch um die Beziehungenzum Partner oder zur Partnerin und umandere persönliche Sorgen und Ängste. Es hilft vielen Patienten sicherschon, über all das zu reden, aberwas wird dann konkret getan?Um zu wissen, was getan werden soll,muss man sich zunächst über das Ziel derBehandlung klar werden. Zwei wichtigeZiele jeder psychoonkologischen Behand-lung sind: a) zu lernen, mit der Krankheitzu leben und b) trotz der Krankheit dieSelbstständigkeit zurückzugewinnen, dieman benötigt, um ein selbstbestimmtesLeben führen zu können. Das hört sich gut an, aber nocheinmal: Wie geht das praktisch?Ganz praktisch wird zunächst versucht,herauszufinden, in welchen BereichenUnterstützung notwendig ist. Geht es umfinanzielle Probleme, kann ein Finanzexpertehinzugezogen werden. Ist das Beziehungsgefügein der Familie gefährdet,kann es sinnvoll sein, die Familie zu einerFamilientherapie zu bewegen. Hadert derPatient mit seinem Gott, ist er also in einerspirituellen Krise, dann ist seelsorgerischeUnterstützung notwendig. Ein Psycho-Onkologe ist also imwesentlichen Vermittler?Ein guter Psycho-Onkologe versucht zunächst,sich einen Gesamt-Eindruck vomPatienten und seiner Krankengeschichtezu verschaffen, um dann gezielte Vorschlägezur Unterstützung zu machen. Daaber ein Mensch allein nicht Experte füralles sein kann, arbeiten Psycho-Onkologenhäufig in einem Netzwerk mit anderenExperten zusammen. Und was macht der Psycho-Onkologeletztlich selbst?Viele Psycho-Onkologen sind zunächsteinmal Gesprächspartner des Patienten.Gemeinsam wird besprochen, wie der Patientseine Stärke und Selbstständigkeitwieder gewinnen kann. Dazu gehörenmeist ganz einfache, aber eben auch ganzkonkrete Absprachen und Vereinbarungen.Ein Patient verspricht etwa, täglich einenSpaziergang zu machen oder wieder unterLeute zu gehen, beispielsweise mit Freundeneinen Film im Kino anzuschauen. Inden folgenden Sitzungen wird dann überprüft,ob die Absprachen auch eingehaltenwurden. Sind Psycho-Onkologen eigentlichimmer Psychologen?Alle Psycho-Onkologen haben sich in ihrerAusbildung intensiv mit Psychologie befasst.Als Psycho-Onkologen tätig sind speziellausgebildete Ärzte, Psychotherapeutenund zum Teil auch Sozialarbeiter. Welche Patienten benötigen einepsycho-onkologische Betreuung?Alle diejenigen, die selbst mit der Belastungnicht mehr fertig werden, die eine Krebserkrankungbedeutet. Medizinisch ausgedrücktleiden diese Patienten an einerschweren „Belastungsstörung“ oder mitdem englischen Fachausdruck an einem erheblichenDisstress. Gibt es einen Zeitpunkt im Krankheitsverlauf,zu dem diese Beschwerdenbevorzugt auftreten?Häufig nach Abschluss aller therapeutischenMaßnahmen – also nach Operation,Strahlen- oder Chemotherapie. Bis dahinwurde von ärztlicher Seite immer aktivetwas gegen den Krebs getan, jetzt gibt esnur noch einen nächsten Termin für dieNachsorgeuntersuchung. Und der Krebsmacht aber weiter Angst. Ein Teil dieser Patientensucht dann professionelle Hilfe. Wie kommt man zum Psycho-Onkologen?Indem man den behandelnden Arzt umeine Überweisung bittet. Zahlt die gesetzliche Krankenversicherungdie Behandlung?Wer in Deutschland eine psycho-onkologischeBetreuung benötigt, der erhält sie bisher– auch als Kassenpatient.


Praxis JournalNeues von unserem TeamNachrichten aus unserer PraxisFrau Gönül Özdemirhat am 4. April 2008ihren langjährigenFreund SharifNaoum geheiratetund heißt seit demGönül Naoum.Frau Manuela Krafthat am 18. März 2008 eingesundes Mädchen zurWelt gebracht.Milena war bei derGeburt 3500 g schwerund 55 cm groß. Derzeitgenießt Frau Kraft mitihrem Ehemann undSohn Lukas (5 Jahre)die Elternzeit und wirddanach wieder alsSchreibkraft bei unsarbeiten.Für Frau Sabine Zimmerläuteten am 30. Mai 2008die Hochzeitsglocken.Seit der Heirat mit ihremFreund Steffen Kretzschmarheißt sie nunSabine Kretzschmar.Wir freuen uns mitihnen und wünschenalles Gute!B u c h e m p f e h l u n gGespräche gegen dieAngstHerausgerissen aus der alltäglichenRoutine und mit einer völlig verändertenSituation konfrontiert, gilt esfür Krebs-Betroffene und ihre Angehörigenimmer wieder einen Weg zufinden, der das Leben mit der Krankheiterträglich macht.Vor all die Fragen zur medizinischenVersorgung und der sozialen Absicherungschiebt sich bei vielen wieeine unüberwindliche Mauer dieAngst. Krankheit ist nicht nur ein körperlichesGeschehen, sondern einetief greifende Erfahrung, die den ganzenMenschen mit seinen Gedankenund Gefühlen umfasst. Wenn die Gedankenvon Angst besetzt sind undgefangen gehalten werden, führt daszu einem Gefühl des Ausgeliefertseinsund der Hilflosigkeit.Die Psychologie-ProfessorinAnne-Marie Tauschzeigt in ihrem Buch dievielen Möglichkeitenund Wege eines angstfreierenUmgangs mitder Erkrankung auf.Denn Angst ist einschlechter Ratgeber.Das Redenüber die Angst nimmtden schwer lastenden Druck underlaubt es den Betroffenen, all die notwendigen,schweren Entscheidungenauf einer Basis von Wissen und Informationgelassener zu treffen undauch mit der Krankheit ein erfülltesLeben zu führenvon Anne-Marie Tauschrororo 18375, Reinbek 2003284 Seiten, broschiert, 7,50 €3


Schmerzenund Schmerztherapie4Ü b e r b l i c kDurchschnittlich jeder zweiteKrebspatient klagt im Verlaufseiner Krankheit über behandlungsbedürftigeSchmerzen,in fortgeschrittenen Stadiensind es sogar 70 Prozent.Schmerzen müssen aber nichtertragen werden. Bei Tumorpatientenwerden sie auf zweiEbenen behandelt: Durch dieBekämpfung des schmerzauslösendenTumors selbst undim Rahmen einer so genanntenSchmerztherapie.Krebspatienten fürchten denSchmerz nicht nur, weil „esweh tut“, sondern weil sieAngst davor haben, dass derSchmerz das Fortschreiten derTumorerkrankung signalisiert.Allein aus diesem Grund ist eswichtig, die Ursache desSchmerzes möglichst genau zubestimmen.Schmerzen durch den TumorDer Tumor selbst kann durchseine Ausdehnung oder durchdie Bildung von TochtergeschwülstenSchmerzen verursachen.Ein typisches Beispielist der Knochenschmerz:Krebszellen können den Knochenregelrecht abbauen; dadurchwerden chemische Signalstoffefrei, die sich an spezielleSchmerzfühler bindenund über Nervenbahnen dieInformation „Schmerz“ an dasGehirn melden. Solche somatischenSchmerzen sind meistbohrend, schneidend oderstechend. Betroffene könnengenau beschreiben, wo es wehtut.Der Tumor oder seine Tochtergeschwülstekönnen aber auchdirekt einen Nerven schädigen,sozusagen ohne Umweg überdie Schmerzfühler. Dieser Nervenschmerzoder fachsprachlichneuropathische Schmerz fühltsich häufig brennend oder kribbelndan, er kann auch plötzlicheinschießend auftreten.Von Eingeweideschmerz oderviszeralem Schmerz sprichtman unter anderem, wennKrebszellen in Organen wieLeber oder Niere wachsen, unddort durch ihre Größenzunahmedas Organ stark dehnen.Der Eingeweideschmerz fühltsich dumpf an, und derSchmerzort ist nicht exakt beschreibbar.Auch die kolikartigenSchmerzen, die bei einerVerlegung der Darmwege auftreten(Prae-Ileus) gehören indiese Kategorie.Schmerzen durch dieTherapieUnmittelbar nach einer Chemotherapie,manchmal aber aucherst Wochen oder Monate späterkann es zu Kribbeln oderBrennen in Händen und Füßenkommen. Meist werden die Beschwerdenals nicht so schwerwiegendempfunden; dennochsollten Sie uns auch über solcheSchmerzen immer informieren.Ähnliche Schmerzen treten seltenauch längere Zeit nach einerStrahlentherapie oder sogarnach einer Operation auf. Dahinterstecken häufig Nervenschädigungen,die sich trotzaller Sorgfalt bei der Behandlungnicht vermeiden ließen.Wege aus dem TeufelskreisManchmal können Schmerzensich wie in einem Teufelskreisselbst verstärken: Schmerzenlösen gerade bei Krebspatientenhäufig Angst aus; werAngst hat, ist angespannt. Anspannungverursacht mehrSchmerz, der wiederum dieAngst vergrößert.Einen Ausweg bietet nur dieprofessionell durchgeführteSchmerztherapie. Unsinnig istes dagegen, die Schmerzen einfachzu ertragen, denn dieNicht-Behandlung verschlimmertdie Situation. ZurSchmerztherapie gehören zunächstimmer Maßnahmen zurVerkleinerung des Tumors, alsoOperation, Chemo- und Strahlentherapie.Wenn im Verlaufoder nach dieser Therapieimmer noch unerträglicheSchmerzen bestehen, dann istes sinnvoll, diese Schmerzenwie eine eigene Krankheit zubehandeln.Individuelle SchmerztherapieDas Schmerzempfinden istetwas sehr Individuelles. Deshalbmuss auch die Schmerztherapieauf jeden einzelnenPatienten zugeschnitten sein.Eine erfolgreiche Schmerzbehandlunggelingt bei mehr als95 Prozent aller Krebspatienten.Allerdings muss man ehrlichsagen, dass nicht alle diese Patientenkomplett schmerzfreiwerden. Es gelingt aber, dieSchmerzintensität auf ein fürden Patienten akzeptables Niveauabzusenken.Neben der medikamentösenTherapie steht eine Reihe vonanderen Verfahren zur Verfügung,darunter die Bestrahlung,die Blockade von Nerven,physikalische Maßnahmen wieMassagen und Krankengymnastik,die Nervenstimulation,die Akupunktur, psychologischeVerfahren und nicht zuletztdie mäßige, aber regelmäßigekörperliche Aktivität.Medikamentöse SchmerztherapieZwei große Gruppen vonSchmerzmedikamenten stehenfür die Behandlung zur Verfügung:Die „leichteren“Schmerzmittel wirken in derRegel am Ort der Schmerzentstehung.Zu dieser Gruppe gehörenPräparate wie die Acetylsalicylsäure(ASS), das Diclofenacoder das Paracetamol.Bei Krebspatienten werden siein der Regel gegen Schmerzenin Haut, Muskeln, Knochenund Gelenken oder gegenkrampfartige Schmerzen in denEingeweiden eingesetzt.Ein Teil dieser Präparate kannzu Beschwerden im Magen-Darm-Trakt führen. Wenn sie –wie bei Krebspatienten nichtselten – über längere Zeit eingenommenwerden müssen,empfiehlt sich die Einnahmeeines Magenschleimhaut-schützendenPräparates.


Praxis JournalWenn man Schmerzmittel regelmäßig – nicht zuspät und nicht zu früh – einnimmt, dann tretenSchmerzen nicht mehr auf, und die unerwünschtenNebenwirkungen halten sich in Grenzen.5OpioideDie zweite große Gruppe vonSchmerzmedikamenten wirktnicht am Ort der Schmerzentstehung,sondern beeinflusstdie Schmerzweiterleitung und–verarbeitung im Rückenmarkund im Gehirn. Der bekanntesteWirkstoff dieser Gruppe istdas Morphin. Es handelt sichdabei um einen Bestandteil desOpiums, das seinerseits ausdem getrockneten Milchsaftunreifer Schlafmohnkapselnhergestellt wird. Wegen derVerwandtschaft mit demOpium wird diese zweite Medikamentengruppeauch alsOpioide bezeichnet.Opioide werden je nachschmerzlindernder Wirkungals schwach oder stark bezeichnet.Morphin gilt als starkesOpioid. Tramadol, Tilidinoder Codein besitzen lediglichein Zehntel der Morphin-Wirkstärkeund zählen deshalb zuden schwach wirksamenOpioiden.Wohlgemerkt: Auch schwacheOpioide sind sehr potenteSchmerzmittel. Nur im direktenVergleich mit Morphin sindsie etwa zehn Mal schwächer.Das Stufenschema der WHOZur Behandlung von Schmerzenstehen alle drei Gruppenvon Medikamenten zur Verfügung:Die Nicht-Opioide wieASS sowie die schwachen unddie starken Opioide.Zur Schmerzbehandlung vonTumorpatienten hat sich dasStufenschema der Weltgesundheitsorganisation(WHO) etabliert.Auf der ersten Stufe stehendie Nicht-Opioide, auf derzweiten die schwachen undauf der dritten Stufe die starkenOpioide.Jede medikamentöse Schmerztherapiebeginnt mit Präparatender ersten Stufe. Lässt sichdamit kein befriedigendes Behandlungsergebniserzielen,können zusätzlich Präparateder zweiten Stufe eingesetztwerden. Lässt sich auch damitder Schmerz nicht auf ein erträglichesNiveau absenken,kann der Einsatz starker anstelleschwacher Opioide sinnvollsein.Medikamente regelmäßigeinnehmen!Neben diesen Schmerzmittelnim engeren Sinne setzen wirauch andere Medikamente zurSchmerzbekämpfung ein: BestimmteAntidepressiva könnenebenso wie manche krampflösendeMittel die Schmerzempfindungdämpfen, Kortisonhat eine zuverlässige entzündungshemmendeund abschwellendeWirkung, und Bisphosphonatebekämpfen Knochenschmerzendurch Hemmungdes Knochenabbaus.Gleichgültig, welche Arzneimittelzur Schmerzbekämpfungim Einzelfall verordnetwerden: Wichtig ist immer dieregelmäßige Einnahme derPräparate. Die Wirkdauer derMedikamente schwankt vonPatient zu Patient. Es machtdaher Sinn, zunächst auszutesten,wielange eine bestimmteArznei den Schmerz ausschaltet.Danach wird ärztlicherseitsfestgelegt, in welchen ZeitabständenSie das Präparat einnehmenmüssen, um sicherzustellen,dass Sie möglichst dauerhaftschmerzfrei sind (sieheAbbildung links).Wer als Patient mit Dauerschmerzenseine Medikamentenicht regelmäßig einnimmt,sondern jedes Mal wartet bisder Schmerz durchbricht, derriskiert eine Verschlimmerungseines Zustandes. Denn durchdie immer wiederkehrendenSchmerzen „trainiert“ der Organismusdie Übertragung vonSchmerzsignalen, es bildet sichein „Schmerzgedächtnis“ aus,die Schmerzattacken verschlimmernsich.Selbst aktiv werdenEine Schmerztherapie stütztsich in den seltensten Fällen alleinauf Medikamente. Wenndie Schmerzen erträglich gewordenoder sogar ganz verschwundensind, empfehlensich häufig Maßnahmen wieMassagen, Bäder oder Krankengymnastik.Dadurch könnenbeispielsweise schmerzverursachendeFehlhaltungenkorrigiert werden. Zusätzlichhat die körperliche Aktivitäteine ausgleichende Wirkung,die stress- und schmerzreduzierendwirkt.


Informationsdienste6InformationsdienstKrebsschmerzDas Gespräch mit dem Arztkann der Anruf bei einemInformationsdienst nicht ersetzen.Wer allerdings Hintergrundinfoszum ThemaSchmerzen bei Krebs wünscht,der ist hier richtig:Telefon 06221 - 42-2000Das Telefon des InformationsdienstesKrebsschmerz imDeutschen Krebsforschungszentrumin Heidelberg istwerktags von 12.00 bis 16.00Uhr besetzt. Anrufen könnennicht nur Patienten,✆sondern auch ihreAngehörigen.Der Service istkostenlos, undauf Wunschkann der Anruferauch anonym bleiben.Falls nötig, rufen die Mitarbeiterdes Informationsdienstesauch zurück.Wer lieber zuerst im Internetstöbern möchte, findet denDienst unterwww.ksid.deUnter anderem wird die Broschüre„Krebsschmerz – wastun?“ zum Download angeboten.KrebsinformationsdienstKompetente und vor allem verständlicheInfos zum ThemaKrebs insgesamt erhalten Patientenund ihre Angehörigenbeim Krebsinformationsdienstin Heidelberg:Telefon 06221 - 41 01 21Die Telefone sind montags bisfreitags von 8.00 bis 20.00 Uhrbesetzt. Auch der Krebsinformationsdienstist im Internetvertreten, und zwar unterwww.krebsinformation.deZu der ungeheuren Fülle derInformationen liefert dieSuchen-Funktion am Ende desNavigations-Menüs links denbesten Zugang. Die Schriftgrößesollte man den eigenenAugen zuliebe über den Browserunter „Ansicht“ größerstellen.Info-Quellenim InternetMöglicherweise haben Sieselbst schon einmal versucht,Informationen im Internet zufinden. Tatsächlich bietet es eineschier unerschöpfliche Quelle –allerdings ist nicht alles, wassich im Internet findet, auchglaubwürdig. Anhand der folgendenCheckliste können Sieselbst überprüfen, ob Informationen,die Sie gefunden haben,verlässlich sind oder nicht:Ist eindeutig klar, wer derVerfasser der Internetseitenist beziehungsweise welcheInstitution dahinter steckt?Kann der Verfasser seine Kompetenzglaubwürdig belegen??Wenn wissenschaftlicheErkenntnisse wiedergegebenwerden: Sind die Quelleneindeutig genannt??Wird die Website voninteressierter Seite unterstützt?Das muss kein Makelsein. Allerdings sollte der Sponsoreindeutig genannt werden.?Ist der Zeitpunkt der letztenAktualisierung angegeben?Idealerweise ist jedereinzelne Artikel mit demDatum der Entstehung gekennzeichnet.?KostenloseRechtsberatungEinen interessanten Service bietetdie in Hamburg ansässigeprivate Stiftung Gesundheit:Patienten, die – aus welchenGründen auch immer – eineRechtsberatung benötigen, erhaltenkostenlos eine etwa 30-minütige Erstberatung. Bundesweitverfügt die Stiftung überetwa 300 Vertrauensanwälte.Wer diesen Service in Anspruchnehmen will, meldet sich zunächstüber die kostenfreie Telefonhotlinean:Telefon 0800-0 73 24 83Die Hotline ist montags bis freitagsvon 9.00 bis 17.00 Uhr erreichbar.Wenige Tage später erhältder Anrufer einen so genanntenBeratungsschein, indem ein Vertrauensanwalt inder Nähe benannt ist. Dort vereinbartman einen Termin fürdas kostenlose Informationsgespräch.Der Anwalt informiertdann über Vorgehensweisen,Erfolgsaussichten, die zu erwartendenKosten und auchüber Möglichkeiten der finanziellenUnterstützung.Begleitet wird der Service voneiner wissenschaftlichen Studiein Zusammenarbeit mit derUniversität Kiel.Weitere Informationen findenSie auch im Internet, und zwarunterwww.medizinrechtsberatungsnetz.de.


Praxis JournalErnährung7Wer auch als Krebspatient in der Lage ist,sein Essen zu genießen, der tut nicht nuretwas für seine Lebensqualität. Auchwenn die bedarfsgerechte Ernährung keineswegseine „Wunderwaffe“ darstellt,so ist sie immerhin Voraussetzung füreinen möglichst günstigen Krankheitsverlauf.Was aber tun bei Appetitlosigkeit,Übelkeit oder entzündetem Gaumen?Im Folgenden geben wir Ihnen einpaar praktische Tipps für die Ernährungwährend der Therapie.Echte Vollwerternährung – so wie sie dieDeutsche Gesellschaft für Ernährung empfiehlt– ist für Krebspatienten während derTherapie kaum durchzuhalten: Vollkornprodukte,blähende Hülsenfrüchte undrohes Obst lassen den Appetit gegen Nullsinken oder verursachen Übelkeit.Gedünstet, zerkleinert, gemustEs gibt aber eine so genannte Magen-Darm-Variante der Vollwerternährung.Zartes Gemüse wie Möhren, Kohlrabi,Zucchini und Spargel lassen sich gedünstetoder auch als Gemüsesaft genießen.Wirklich reifes Obst, wie zum BeispielHimbeeren, Erd- und Heidelbeeren odergeschälte und zerkleinerte Äpfel, Birnen,Bananen, Melonen oder Mangos könnenin kleinen Portionen gereicht werden.Apropos Portionen: Essen Sie immer,wenn Sie Hunger haben, aber möglichst inkleinen Portionen. Ideal wäre es, wenn Siealle anderthalb bis zwei Stunden eine Kleinigkeitessen könnten. Acht kleine Portionenpro Tag dürfen es schon sein. Wenn SieVollkornprodukte probieren möchten,dann essen Sie gekochten Naturreis oderHirse. Sie lassen sich ebenso wie Breie oderSuppen aus Getreide mit frischen Kräutern,mit Kräutersalz sowie KnoblauchundZwiebelpulver vorzüglich würzen.Genießen,so oft es gehtIngwer gegen ÜbelkeitWenn Essen und Essensgerüche bei IhnenÜbelkeit verursachen, dann probieren Sie,schon vor dem Aufstehen eine Scheibe trockenesKnäckebrot zu essen. Lassen Siesich ruhig Zeit, kauen Sie gründlich undspeicheln Sie den Nahrungsbrei im Mundgut ein. Wenn Sie dabei Radio hören oderZeitung lesen, geschieht das Essen sozusagennebenbei. Und das ist immer erlaubt,wenn Ihnen etwas übel aufstößt.Übelkeit wird verstärkt durch Essensgerüche.Kochen Sie daher nicht selbst, und lüftenSie viel. Gegen schlechte Gerüche hilftauch eine Duftlampe mit Lavendel- oderZitronengrasöl. Kalte Speisen riechen wenigerals warme – deshalb essen Sie besserabgekühlte Speisen. Trinken ist selbstverständlichauch wichtig – gerade währendder Chemotherapie. Kohlensäurearmesoder stilles Mineralwasser ist empfehlenswert.Zusätzlich zu den verordneten Medikamentenhilft gegen die Übelkeit häufig eineMischung aus Pfefferminz- und Kamillentee.Auch ein Ingwer-Aufguss hat sich bewährt:Eine etwa einen Zentimeter langeIngwerwurzel wird dazu zerdrückt undmit 0,2 Liter kochendem Wasser übergossen.Nach zehn Minuten abseihen und trinken.Flüssigkeit ist wichtig, kann aber den ohnehinnicht übermäßigen Appetit weiterdämpfen. Besser ist es daher, nicht zu denMahlzeiten, sondern zwischendurch zutrinken.Gelegenheit macht AppetitLiebevoll zubereitete Speisen und einschön gedeckter Tisch können allein schonAppetit machen. Kleine Häppchen in Konfektschalendrapiert, die immer erreichbarsind, verführen ganz nebenbei zum Essen.„Überlisten“ Sie Ihre Appetitlosigkeit aufdiese Weise selbst.Bevorzugen Sie kleine Speisen, die sichschnell zubereiten lassen – nutzen Sie auchTiefgefrorenes. Schließlich ist auch gegeneinen Aperitif vor dem Essen meist nichtseinzuwenden. Im Zweifelsfall halten Siedazu Rücksprache mit uns.Sanftes gegen wunde SchleimhäuteSchmerzhaft sind sie und sie verhindernjeden Genuss: Wunde Stellen im Mund beziehungsweiseSchleimhautentzündungenin Mund, Magen und Darm. Meiden Sie indiesen Fällen alles das, was sehr sauer, sehrsüß oder sehr bitter ist. Also: EssigsaureGurken oder Soßen, Tomaten, Zitrusfrüchte,Orangensaft, Endiviensalat, aber auchKaffee, Bier und Weißwein sind tabu. BevorzugenSie stattdessen mit Wasser verdünntenSaft aus roten Trauben oder Johannisbeeren.Im Zweifelsfall verzichtenSie auch auf Speisen, die viel Magensäure„locken“. Dazu gehören im wesentlichenFisch und Fleisch sowie die bereits genanntenGetränke. Auch Hitze reizt empfindlicheSchleimhäute. Lassen Sie IhreSpeisen deshalb ausreichend abkühlen.


Praxis JournalKurz berichtet8N e u e s a u s d e r F o r s c h u n gImpressumLängere Hormonersatztherapie erhöhtBrustkrebsrisiko auch hierzulandeAuch für Frauen in Deutschland ist nun nachgewiesen:Wird eine Hormonersatztherapieüber mehr als fünf Jahre eingenommen, erhöhtsich das Risiko, an Brustkrebs zu erkranken.Das Risiko ist während der Zeit derHormoneinnahme deutlich erhöht, sinkt jedochfünf Jahre nach Absetzen der Präparatewieder auf das Ausgangsniveau. Dies ergabeine Untersuchung des Deutschen Krebsforschungszentrumsund des UniversitätsklinikumsHamburg-Eppendorf.An der Studie nahmen im Laufe von sechs Jahren3.464 Brustkrebs-Patientinnen und 6.657gesunde Frauen im Alter von 50 bis 74 Jahrenteil. Bei Frauen, die schon einmal Hormonegegen Wechseljahresbeschwerden eingenommenhaben, erhöht sich das Risiko, an Brustkrebszu erkranken, um 37 Prozent gegenüberFrauen, die nie eine Hormonersatztherapie(HT) angewandt haben. Direkt während derZeit der Hormoneinnahme ist das Risiko sogarum 73 Prozent erhöht. Innerhalb von fünf Jahrennach dem Absetzen der Therapie sinkt dasBrustkrebsrisiko ehemaliger HT-Anwenderinnenwieder auf das der "Nie-Anwenderinnen".Die Studie bestätigt auch die unterschiedlichenEffekte verschiedener Hormonpräparate: Bezogenauf das Risiko der Nie-AnwenderinnenAnzeigeverdoppelt eine Kombinationstherapie mit Östrogenund Gestagen das Brustkrebsrisiko, eineÖstrogen-Monotherapie lässt es dagegen nurum 15 Prozent ansteigen. In beiden Fällen erhöhtsich das Risiko aber nur, wenn die Hormoneüber einen Zeitraum von mehr als fünfJahren eingenommen wurden.Quelle: Pressemitteilung des Deutschen Krebsforschungszentrumsvom 28. Mai 2008Mobilfunkstrahlung:BundesumweltministeriumgibtEntwarnungAm Ende eines sechsjährigenForschungsprogramms,das vomBundesumweltministeriumund von den Mobilfunkbetreibern mitjeweils 8,5 Millionen Euro finanziert wurde,steht offenbar fest: Handys und schnurloseTelefone nach dem DECT-Standard bergen fürErwachsene kein erhöhtes Krebsrisiko, beiKindern dagegen wird zur Vorsicht geraten.Die zu Beginn des Forschungsprogramms imJahre 2002 bestehenden Hinweise auf möglicheRisiken durch mobile Telefone konnten demBericht zufolge nicht bestätigt werden. In mehrals 50 Forschungsprojekten hatten Expertendie Auswirkungen von Handys und Schnur-© 2008, LUKON GmbHChefredaktion:Dr. med. Georgi Kojouharoff, Gerrit DingeldeinGrafik-Design, Illustration:Charlotte SchmitzDruck:DigitalDruckHildenlostelefonen nach dem sogenannten DECT-Standard untersucht. Im Einzelfall wurdenzwar Veränderungen der Gen-Aktivität beobachtet,heißt es in dem Bericht, die Gesamtbeurteilungsei damit aber nicht in Frage gestellt.Die Ergebnisse des aufwendigen Forschungsprogrammsstehen damit in Übereinstimmungaller größeren Studien der letzten Jahre. In keinereinzigen Untersuchung konnte bislang einKrebsrisiko durch Mobilfunk nachgewiesenwerden. Die Auswirkungen auf Kinder undJugendliche allerdings sind offenbar noch nichtausreichend untersucht. In einem gemeinsamenAufruf plädieren 20 Wissenschaftler ausFrankreich, Italien, den Niederlanden und denUSA dafür, Kinder unter 12 Jahren generellnicht mobil telefonieren zu lassen, zumindestsolange nicht, bis die Wirkung besonders aufkindliche Gehirne endgültig geklärt sei.Quelle: Pressemitteilung des Bundesgesundheitsministeriumsvom 17. Juni 2008 – eigene RechercheDas Menschenmögliche tun.

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