Ausgabe 15 / 2010 - Onkologische Schwerpunktpraxis Darmstadt

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Ausgabe 15 / 2010 - Onkologische Schwerpunktpraxis Darmstadt

Entlastungfür pflegende Angehörige2Viele Angehörige und Freunde betreuenund/oder pflegen ihre krebskranken Fami -lienmitglieder oder überlegen sich, dies zutun. Bei dem verständlichen Wunsch, für denKranken da zu sein, sollte nicht unterschätztwerden, wie viel Kraft die Pflege tatsächlicherfordert. Es ist wichtig, die eigenen Grenzenrealistisch einzuschätzen und geeigneteUnterstützungsangebote anzunehmen.Viele Behandlungsverfahren in der Krebs -therapie können heutzutage ambulant in derPraxis von niedergelassenen Krebsspezialistendurchgeführt werden. Dies ermöglicht es denPatienten, zuhause in ihrer gewohnten Umgebungzu bleiben. Auch Patienten mit fort -geschrittener Erkrankung müssen nichtzwangsläufig in die Klinik, wenn es ihnenschlechter geht.Damit die Versorgung in dieser schwierigenZeit sichergestellt ist, wollen Angehörige oderFreunde häufig einen Teil der Betreuung übernehmen.Dabei liegt die Betonung auf „Teil“,denn Betreuung und Pflege sind sowohl körperlichals auch seelisch belastend. Vor allemAngehörige oder Freunde, die bisher keine Erfahrungin der Krankenpflege haben, solltensich genau erkundigen, was auf sie zukommenkann. Bei der Organisation der Pflege ist esempfehlenswert, ein Netzwerk aus professionellenHelfern aufzubauen, das die pflegendenAngehörigen und Freunde unterstützt. Diesgewährleistet darüber hinaus, dass der Patienttatsächlich die Hilfe erhält, die er braucht.Die eigenen Kräfte nicht überschätzenLetztlich ist keinem geholfen, wenn Angehörigeund Freunde bei der Betreuung oder Pflegean die Grenzen ihrer Belastbarkeit stoßen. Dieehrliche Einschätzung dessen, was geleistetwerden kann und wo die persönliche Grenzeerreicht ist, schützt vor Überforderung. Wer anseine Grenzen stößt, sollte sich ein Stück weitaus der Versorgungsverantwortung zurückziehen.Dadurch wird der Kranke nicht „imStich“ gelassen. Im Gegenteil: Nur so ist gewährleistet,dass die Angehörigen auch weiterhinim Sinne des Patienten aktiv werden, ihnalso effektiv unterstützen können.Auch Helfer brauchen Hilfe,zum Beispiel bei der PflegeEs gibt viele Möglichkeiten, die BetreuungKrebskranker zu organisieren. In allen Fragender häuslichen Pflege sollten die Kranken -kassen mit einbezogen werden. Sie bietenkompetente Informationen und sind nichtnur bei der Antragstellung nützlich. Pflegedienstebieten unterschiedlich abgestufte Hilfenan. Das reicht vom Verbandswechsel überdie Medikamentengabe bis zur Schmerz -behandlung. Dazu kommen hauswirtschaftlicheAngebote wie „Essen auf Rädern“ oder dieVermittlung von Haushaltshilfen. Wichtig istdie gute Abstimmung aller Beteiligten untereinander,um unnötige Belastungen – auchfinanzieller Natur – zu vermeiden.PflegeversicherungWer auf längere Sicht Unterstützung benötigt,kann auch Leistungen aus der Pflegeversicherungbeantragen. Diese werden als „Sachleistung“gewährt, wenn zum Beispiel ambulantePflegedienste die Aufgabe übernehmen, oderals „Geldleistung“, wenn die Pflege von Privatpersonenerbracht wird.Die Pflegebedürftigkeit selbst und den erforderlichenZeitaufwand schätzen Gutachter desMedizinischen Dienstes der Krankenkassenbei einem Hausbesuch ein. Sie prüfen, inwieweitbei Körperpflege, Ernährung und Mobi-lität sowie bei hauswirtschaftlichen TätigkeitenHilfe notwendig ist. Wird die Pflegebedürftigkeitanerkannt, erfolgt die Zuordnungzu einer der drei Stufen:• Pflegestufe I: erhebliche Pflegebedürftigkeit• Pflegestufe II: schwerpflegebedürftig• Pflegestufe III: schwerstpflegebedürftig.Urlaub von der PflegeAngehörige, die zuhause einen Pflegebedürftigenversorgen, haben Anrecht auf Urlaub vonder Pflege, genauer: auf die sogenannte „Verhinderungspflege“.28 Tage pro Jahr hat derGesetzgeber dafür vorgesehen. Voraussetzungist, dass die Pflege seit mindestens einem Jahrgeleistet wird. Erfahrungsgemäß brauchen Angehörigenach solch einer langen Pflegezeitdringend eine Auszeit, um wieder aufzutanken.Der Antrag wird an die Pflegekasse gestellt,die auch die Kosten für den Ersatz -pflegedienst während des Urlaubs übernimmt.Werden pflegende Angehörige selber krankoder müssen verreisen, kann der Pflegebedürftigeauch kurzzeitig in einem Pflegeheimuntergebracht werden. Die meisten Krankenkassenbieten zur Verhinderungs- und zurKurzzeitpflege weitere Informationen an.Kräfte richtig einteilen –Tipps für pflegende AngehörigePflegende Angehörige oder Freunde krebskrankerMenschen müssen ihre Kräfte einteilen,wenn sie effektiv helfen wollen:• Achten Sie darauf, wie es Ihnen geht.Nehmen Sie eigene Bedürfnisse ernst.• Räumen Sie sich Zeiten zum„Auftanken“ ein.• Lassen Sie den Patienten so weitwie möglich selbst entscheiden.Das schützt Sie ebenfalls vor Über -forderung.• Nehmen Sie Hilfe an, organisierenSie rechtzeitig Entlastung für sich,zum Beispiel bei einem professio -nellen Pflegedienst.

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