Ausgabe 15 / 2010 - Onkologische Schwerpunktpraxis Darmstadt

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Ausgabe 15 / 2010 - Onkologische Schwerpunktpraxis Darmstadt

Ü b e r b l i c kDer künstliche DarmausgangWenn die Verdauung funktioniert, innererund äußerer Schließmuskel ihre „Arbeit“ zuverlässigverrichten, verschwenden wir gewöhnlichkeinen Gedanken an unsere Ausscheidungsorgane.Sind jedoch – zum Beispielaufgrund einer Tumorerkrankung – dieunteren Darmabschnitte so schwer geschädigt,dass sie entfernt werden müssen, stelltsich oft auch die Frage, ob der Schließmuskelerhalten werden kann. Ist dies nicht derFall, benötigt der Patient eine Alternative.Die Vorstellung eines künstlichen Darmausgangslöst bei vielen Menschen Abwehr bisEkel aus, denn der sehr intime und tabuisierteVorgang der Darmentleerung wird auf gewisseWeise öffentlich gemacht. Die Befürchtung,dass andere Menschen dies erkennenund mit Abscheu reagieren, ist jedoch normalerweiseunbegründet.Darmkrebspatienten erhalten am häufigstenein sogenanntes Kolostoma. Das Stoma führtalso den Inhalt des Kolons, sprich des Dickdarmsnach außen. Die Anlage eines solchenkünstlichen Dickdarmausganges muss nichtzwangsläufig endgültig sein. Wenn ein StückDarm nach einer Operation nur zeitweise „geschont“werden muss, kann das Kolostomaauch nur vorübergehend angelegt werden.Wenn allerdings große Teile des Dickdarmsoder der komplette Mastdarm mitsamtSchließmuskel entfernt werden müssen, ist dieAnlage eines dauerhaften Kolostomas unumgänglich.Stomaversorgung – der täglicheBegleiterDie fachsprachlich sogenannte Stomaversorgungbesteht aus einer Platte, die auf dieBauchdecke geklebt wird, und einem daranbefestigten Beutel. Dieser ist in der Regel undurchsichtigund nimmt die Darmausscheidungenauf. Man unterscheidet ein- und zweiteiligeSysteme. Bei einteiligen Systemen sindBasisplatte und Beutel fest mit einander verbundenund könnennur gemeinsam gewechselt werden. ZweiteiligeSysteme bestehen aus zwei getrennten Einheiten:Die Platte kann auf der Bauchdeckeverbleiben, wenn der Beutel gewechselt werdenmuss.Noch unauffälliger: Kappe statt BeutelTräger eines Kolostomas haben die Möglichkeitden Darm mithilfe einer Darmspülung,der sogenannten Irrigation, komplett zu entleeren.Danach ist etwa 24 Stunden lang keineweitere Ausscheidung zu erwarten. In dieserZeit reicht es aus, das Stoma mit einer Kappeabzudecken.Es braucht natürlich eine gewisse Zeit, sich anden Umgang mit der Stomaversorgung zu gewöhnen.Gerade in den ersten Wochen nachder Anlage funktioniert zwar die Stomaversorgung– Beutel wechseln, Platte kleben, Hautpflegeetcetera – schon recht gut. In dieser Zeitist es jedoch noch schwierig, „den Beutel“ alszum eigenen Körper zugehörig zu akzeptieren.Hier hilft nur Geduld mit sich und derneuen Lebenssituation. Empfehlenswertist auch der Austausch mit an-Die meisten Stomaträger beurteilen ihr Stomapositiv und kommen damit im Alltag gut bissehr gut zurecht. Vorher bestehende Beschwerdenwie häufige Bauchschmerzen oderSchmerzen beim Stuhlgang werden durch denEingriff beseitigt. Für manchen Patienten istdie Anlage eines Stomas überdies die einzigeMöglichkeit zu überleben.Ein künstlicher Ausgang muss nichtfür immer seinStomaversorgung:links einteilig, rechts zweiteiligFoto: Coloplast GmbH

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