Gedichtesammlung "Medieval" von Maruschya Markovic

Maruschya

Fantasy und Mittelaltergedichte

Die Frucht der MinneSchön steht sie dort im Abendrot,erfüllt von boshaften Gedanken:“Ich schick ihn in den sichren Tod,er dient mir ohne je zu wanken!Er sang von Minne mir zu lang,wollte mein Nein nicht hör'nso fragte ich ihn, gespielt bang,ob er mir wollt Gefolgschaft schwör'n.Ohne zu zögern nahm er anden Auftrag voll Gefahrenwollt siegreich heimkehr'n irgendwann,selbst wenn es sein sollte nach Jahren.“Ein Rabe krächzt im blutgen Rotdes untergehnden LichtsEr kündet schaurig schon von Tod,denn blinde Liebe bringt doch nichts.2


“Versprochen hab ich ihm die Hand,wenn er des Drachens Kopf mir bringt,versprach zu teilen Bett und Land,mit ihm, wenn er nur diesen Sieg erringt.Nun ist's vollbracht, ich bin ihn los.Nie hätt ich diesen mir erwählt!Ach, die Erleichterung ist groß,sein Schmachten hat mich nur gequält.Zieh in den Kampf, oh Minnesänger,Nun ernte deiner Torheit Frucht!Dein Lied ertrage ich nicht länger,mein Herz nach etwas anderm sucht.“Verdunkelt wird das Abendrot,die Nacht sinkt langsam niederauf sie und dieses Urteilswort.Es schweigen nun die Lieder....3


FeuertanzKomm mein Lieb und tanz mit mir,dreh dich in dunkler Nacht.Ich spür was Fremdes tief in dir,du hast so eine Macht...Die Feuer lodern um uns her,du bist zum Fürchten schön.Ich setze mich nicht mehr zur Wehr,will dich nur wirbeln sehn!Komm mein Lieb und halte mich,das Feuer wird ganz heiß.Es glüht, raubt mir die Sicht,du lachst, beschwörst es leis.Die Glut in mir versengt mich fast,auch du strahlst rot wie Flammen,die du in deiner Seele hast.Komm, brennen wir zusammen!Die Feuer knistern, lodern hoch,man hört ein lautes Schreien.Dann stöhnt nur eine Stimme noch.- Wer will das Weib nun freien?6


Schwanenleuchten7


Ein schwarzer Schwan zieht durch die Nachtsein Flügelschlag ist leicht und sacht.Mit Mondkristallen im Gefiederspiegelt er dunkle Schönheit wider.Stumm gleitet übers Meer er hin.Wo ist sein Ziel, was ist der Sinn?Vom Ufer aus gar fernem Landzu Küsten, welch nicht bekannt,fliegt er, mehr weiß man nicht.Die Wahrheit kennt nur Lunas Licht..Es geht die Mär von Liebenden,die niemals sich je wiedersehn.Doch wissen sie, sie sind verbunden,auf ewig nach nur kurzen Stunden,in denen sie sich einstmals sah'n.Der Schwan, so schön wie Obsidian,trägt ihrer beider Seelegrüße,in jedem Mondkristall funkeln die Küsse,die jeder ihm hat mitgegeben.Die Liebe wird stets weiterlebenund strahlt hell auf in dunkler Nacht.Ein schwarzer Schwan hält ja die Wacht...8


Die Ballade vom verfluchten Junker9


Ein Bänkelsänger bin ich nurhab euch viel zu erzählenvon einem Junker, recht obksur,den böse Geister quälen.Hört zu, wenn meine Laute klingt,wenn ich mein Lied euch singe,von dem, der mit den Schatten ringt.Habt acht, was ich euch bringe!Es heult ein Sturmwind um die Klippen,reißt fort den bittren Laut,der jäh entfleucht des Junkers Lippen,wenn er zum Gipfel schaut.“Oh Adler, der du droben kreist,kennst du den großen Plan?Ob du mir wohl den Ausweg weist,wie ich fortleben kann?“Ein Lichtblitz trifft sein Aug wie Stahlund weckt ihn aus dem Grübeln.Ihn schmerzt die Brust nun vor der Wahlzwischen den beiden Übeln.Am Himmel Schatten jagen,er stöhnt und sieht die Hoffnung fliehn,zurück bleiben nur Fragen,die ihn tief in den Abgrund ziehn.“Ich ahn es wohl, es wird mein Tod -soll ich es dennoch wagen10


zu steigen in der höchsten Notin finstre Gipfellagen?“Zum Adlerhorst muss er hinauf,den Schatz des Magiers holen,damit die Seele er erkauf,die jener ihm gestohlen.Er weiß ja seiner Sünde Grund,kennt selber sein Vergehen,durch das er wohl den schlimmsten Bunddes Lebens musst eingehen!Einst stahl dem Magier er den Stein.Durch dessen zauberische Stärkesollten ihm Wege möglich seinfür eigne finstre Werke.Doch scheiterte sein böser Plan,zum Schatten ward sein Leben.Der Zaubrer strafte ihn mit Bann,den niemand konnte heben.Holt er den Kleinod nun zurück,könnt er den Fluch wohl lösen,gewänn jedoch kein Lebensglückdurch diese Kraft des Bösen.“Lässt du die einzge Chance vergehn,den Bannspruch zu durchbrechen,dann wirst du nie die Freiheit sehn!“so hört er Geister sprechen.“Oh weh, oh weh, was soll ich tun“,fragt er sich voller Bangen,11


“bin in dem grausig Zwiespalt nunschier aussichtslos gefangen!Da, hör, das grauenhafte Lachen!Des Hexers Geist, er weiß Bescheid,was kann ich nun noch machen?Ein Ausweg nur bleibt aus dem Leid...“Des Adlers schriller Ruf erklingtüber dem Bergmassiv,ein Schrei am Felsen jäh zerspringtund stürzt hinab so tief.Dann ist der Felsenvorsprung leer,der Junker ist verschwunden.Für ihn gab's keine Hoffnung mehrauf lebenswerte Stunden...12


Wenn die Zeit kommtJungfer am See, einsam und schön,niemand hat je dich lächeln gesehn.Dein Blick sucht verlorenden, der einst dich erkoren,doch du findest ihn nicht.Sein Mund schwor dir Liebe,die ewig schön bliebe,es glühte dein Herz,doch es blieb dir nur Schmerz,und Trübsal statt Licht.Du hast ihm vertraut,auf sein Wort blind gebaut.doch er hat dich betrogen,sie dir vorgezogen,die andre vom Schloss!Bist Fischerin nur,ein Teil der Natur,doch das war nicht genug,er sann auf Betrug,der der Habgier entspross.Wirst langsam älter,dein Herz immer kälter,hast ihm nie verziehn,wartest dennoch auf ihn.Den Grund kennst nur du.14


Sollt je er sich trauen,nach dir auszuschauen,dann kommt deine Zeit.Bist zur Rache bereitan diesem Filou.Dann wirst du ihn locken,in dein Boot sich zu hocken,fährst raus auf das Meer,dein Herz kalt und leer.Ihr kehrt niemals zurück!Du verzichtest aufs Leben,willst den Tod ihm nur gebenin den Fluten so wild,denn dort ist dein Gefild‘,dein endgült‘ges Glück....15


Der LandsknechtEis an den Bäumen,Blutstropfen im Schnee.Er wollt nichts versäumen,wollt, dass Abenteuer gescheh'.Kämpfen und Trinken,ein glorreicher Held,im Leben versinken,nachts ein Weibsbild im Zelt.Nun ist's Banner zerissen,Ross und Ehr' sind verlorn,Wams und Stiefel zerschlissen!Mühsam bläst er das Horn.Kraftlose Schritte,das Horn fällt herab,in des Schlachtfeldes Mitte,wo er schließlich aufgab.Kurz war sein Leben,der Tod saß mit auf dem Ross.Glück war ihm nicht gegeben,die Sehnsucht blieb groß...Schon scharen sich Krähendie ihn längst erspäht,bald ist nichts mehr zu sehen,Schneewind alles verweht...18


© Texte 2015 Maruschya MarkovicBilder : www.pixabay.de (bearbeitet von Maruschya Markovic)Covergestaltung: Maruschya MarkovicMehr über die Autorin und ihre Werke:https://www.facebook.com/Maruschya.Markovic.Autorinhttp://maruschyamarkovic.jimdo.com/https://plus.google.com/b/109255052415740639318/109255052415740639318/posts/p/pub19

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