Ausgabe 17 / 2011 - Onkologische Schwerpunktpraxis Darmstadt

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Ausgabe 17 / 2011 - Onkologische Schwerpunktpraxis Darmstadt

Praxis JournalNur für unsere Patienten, nicht zur Weitergabe bestimmt.Internistische Schwerpunktpraxis für Hämatologie/OnkologieDr. med. Georgi Kojouharoff · Gerrit DingeldeinEschollbrücker Str. 26 · 64295 DarmstadtTel. 0 61 51 / 301 80 30 · Fax 0 61 51/ 301 80 40SprechzeitenMo, Mi, Do, Fr 08 - 12 UhrDi09 - 12 UhrMo, Di, Do 14 - 17 UhrLiebe Patientinnen,Liebe Patienten,InhaltStichwort 2Sport – Körperliche Aktivitätwirkt auf vielen Ebenen;Sport verbessert nicht nurallgemein Koordination undBeweglich keit, die so gewonneneKraft gibt auch psychischeSicherheitNachgefragt 3Wie finde ich die Unterstützung,die ich wirklichbrauche? Fragen zum Arzt-Patienten-VerhältnisÜberblick 4Maligne Lymphome –Das lymphatische System istdas Drainage- und Reinigungs -system im körpereigenenGewebeErnährung 7Vitamin- und Mineralstoff -präparate sind nur seltensinnvollKurz berichtet 8Gentest gibt Hinweise aufRezidivrisiko – Darmspiegelungwichtig für ProstatapatientenImpressummöglicherweise haben Sie auch schon etwas gehörtvon sogenannten onkologischen Spitzenzentrenoder neudeutsch Comprehensive Cancer Centers.Elf solcher Zentren gibt es mittlerweile in Deutschland,allesamt sind sie von der Deutschen Krebshilfeals wissenschaftlich besonders qualifizierte undpatientenzugewandte Zentren ausgezeichnet worden.Wir begrüßen die Initiative der DeutschenKrebshilfe zur Verbesserung der Behandlungsqualitätin Deutschland ausdrücklich. Auch wir sind derMeinung, dass unterschiedliche medizinische Disziplinenbesser miteinander kooperieren sollten.Darüber hinaus finden wir die Absicht, auch inKliniken mehr auf Patienten zuzugehen und ihrenBedürfnissen entsprechend zu handeln absolutlobenswert.Die Initiative der Deutschen Krebshilfe ist im Grundegenommen eine schöne Bestätigung unserer eigenenPraxisphilosophie. Denn wir stellen uns täglichdem Anspruch, Sie nach dem aktuellen wissenschaftlichenStand der Forschung und gleichzeitigin einem von Zuwendung und Menschlichkeit geprägtenUmfeld mit immer gleichen Ansprechpartnernzu behandeln. Sollten wir diesem AnspruchIhrer Meinung nach besonders gut oder hin undwieder auch einmal nicht gerecht werden, so zögernSie nicht, uns das einfach zu sagen.Ihr PraxisteamDr. Georgi Kojouharoff und Gerrit DingeldeinEssen, was Ihr Körper brauchtBuchempfehlungEs gibt keine Ernährung undkeine Diät, die Krebs verhindernoder Krebs heilen kann. Es gibtauch keine einheitliche Ernährung für Krebskranke.So wie sich jede Therapie nach dem individuellenKrankheitsstadium richtet, so sollte sich auch die Ernährungan den individuellen Erfordernissen jedesEinzelnen orientieren. Dennoch gilt für uns alle: einegesunde, ausgewogene Ernährung hält Leib undSeele zusammen und stärkt damit auch das Immunsystem.Und genau darum geht es den beiden Autoren, derErnährungs- und Diätberaterin Christine Kretschmerund dem Arzt für Innere Medizin, NaturheilverfahrenGesunde Ernährung bei KrebsEssen, was Ihr Körper brauchtChristine Kretschmer,Alexander HerzogKarl V. Haug Verlag 2008,264 Seiten, 19,95 €und Sportmedizin Dr. Alexander Herzog. In demübersichtlich gegliederten Band finden sich grundsätzlicheInformationen zu einer gesunden Ernährungallgemein undzahlreiche Tipps undAnregungen, wie sichmit einer sinnvollen,individuell angepasstenErnährung Beschwerden,wie siezum Beispiel im Rahmeneiner Chemotherapie auftreten, lindern lassen.Komplettiert wird das Buch durch einen umfangreichenRezeptteil mit Gerichten für alle Tageszeitenund jeden Geschmack.PraxisJournal 17 | April 2011


StichwortSport und KrebsNutzen eindeutig belegt2Als Krebspatient können Sie zwar keine Rekordebrechen, aber die früher verbreitete Ansicht,dass Patienten mit einem Tumor für sportlicheAktivitäten zu schwach sind, hat sich als falscherwiesen. Heute ist klar, dass ein angepasstesSportprogramm das Wohlbefinden steigert undzur Verbesserung des Therapie-Ergebnissesbeiträgt.© minad - Fotolia.comDass mäßige, aber regelmäßige körperlicheAnstrengung gut tut, hat sich mittlerweilewohl überall herumgesprochen. Viele Menschenhaben allerdings Schwierigkeiten, ihreigenes Bewegungsprogramm im Alltagunterzubringen. Andere wiederum sind derartsportbegeistert, dass sie Bewegungsmangelals nicht nur körperliche Beeinträchtigungempfinden.Schonung alleine reicht nichtDasselbe Phänomen findet man natürlichauch bei Krebspatienten. Trotzdem sind diesein einer besonderen Situation: Manche habenAngst, sich körperlich allzu sehr zu veraus -gaben, weil die Anstrengung ihren Körper beider Auseinandersetzung mit dem Tumorschwächen könnte. Andere sind der Meinung,„viel hilft viel“ und überfordern sich bei derZusammenstellung des Sportprogramms.Hinter beiden Positionen steckt ein Missverständnis:Körperliche Fitness lässt sich nichtdurch dauerhafte Schonung erreichen. Selbstverständlichhaben Sie das Recht, sich auszuruhen,sich von den Anstrengungen der Therapiezu erholen. Um allerdings dauerhaft zuKräften zu kommen, ist es wichtig, möglichstbald mit einem angepassten Bewegungsprogramm– beispielsweise mit einer angeleitetenPhysiotherapie – zu beginnen.Viel hilft eben nicht vielAndererseits steigt die körperliche Fitness aberauch nicht mit dem Ausmaß der Anstrengung.Im Gegenteil: Wenn Sie sich mit Dauerlaufenoder Gewichte stemmen überfordern, werdenSie sich am nächsten Tag so schlapp fühlen,dass der Trainingseffekt nicht nur verpufft –die Überanstrengung schadet Ihnen zusätzlich.Fazit: Wirklich wirkungsvoll und zufriedenstellendist Sport für Gesunde ebenso wie fürKrebspatienten nur dann, wenn das Bewegungsprogrammmöglichst genau auf die Bedürfnissedes Einzelnen zugeschnitten ist;denn Unterforderungen wirken demotivierendund Überforderungen sind gesundheitsschädlich.Sport wirkt auf vielen EbenenKörperliche Aktivität fördert die Ausdauer,stärkt die Kraft und verbessert Koordinationsowie Beweglichkeit. Wenn Sie als Krebs -patient angemessen Sport treiben, geschiehtallerdings noch viel mehr. Sie werden das Gefühlschätzen lernen, dass Sie mit dem Sportim wahrsten Sinne des Wortes selbst etwas tunkönnen. Sie werden sich sehr wahrscheinlichwacher fühlen, weil Sie an Ausdauer gewinnen.Nach einiger Zeit spüren Sie, dass die zusätzlicheKraft Ihnen Sicherheit gibt. Achten Siedarauf, dass Sie Sportarten auswählen, dieIhnen wirklich Spaß machen, dann wächstnicht nur Ihre Motivation, sondern auch IhreBereitschaft, sich wieder regelmäßig unterMenschen zu begeben.Geeignete SportartenBei der Auswahl der Sportarten spielt dieGrunderkrankung eine wesentliche Rolle. ObGymnastik, Nordic Walking, Radfahren,Schwimmen, Rudern, Kraftraum oder Tennis– die Entscheidung für eine oder mehrereSportarten muss individuell getroffen werden.Sprechen Sie uns bitte an.Sehr gute weiterführende Informationenliefert der Blaue Ratgeber Nr. 48 der DeutschenKrebshilfe. Sie können ihn im Internetherunterladen (www.krebshilfe.de, dort auf„Infomaterial/Blaue Ratgeber“) oder telefonischbestellen unter 0228-72 99 0-95.© diego cervo - Fotolia.com


Praxis Journal„Wie finde ich die Unterstützung,die ich wirklich brauche?“ N a c h g e f r a g t3Krebs oder bösartige Bluterkrankungen sind nach wie vor eine existenzielle Bedrohung. Ob sie erfolgreich behandelt werdenkönnen, hängt nicht allein vom medizinischen Fortschritt ab. Genauso entscheidend ist die Kommunikation zwischen allenBeteiligten. Wie das gelingen kann, haben wir Ihnen in Fragen und Antworten zusammengestellt.In meiner „Karriere“ als Patient habe ichviele verschiedene Ärzte kennengelernt.Mit manchen bin ich besonders gut klargekommen, bei anderen hatte ich dasGefühl, ich müsste die Behandlung übermich ergehen lassen. Woran liegt das?Auch Ärzte sind nur Menschen, und deshalbspielt die „Chemie“ zwischen Arzt undPatient eine wichtige Rolle. Entscheidend sindaber auch die gegenseitigen Erwartungenaneinander.Es gibt Patienten, die wollen ihrem Doktor einfachfolgen, ohne aufwändige Erläuterungen.Andere benötigen sehr detaillierte Infor -mationen, können sich für eine Behandlungmanchmal erst entscheiden, wenn sie einezweite Meinung gehört haben. Wieder anderebrauchen viele Infos, wünschen sich aberjemanden, der diese für sie ordnet und bewertet.Ärzte können verschiedene Rollen einnehmen,und es ist wichtig, dass man als Patientsagt, was man von seinem Arzt erwartet.Welche Rollenerwartungen haben Ärztean ihre Patienten?Das hat sich im Lauf der letzten zwanzig,dreißig Jahre sehr verändert. Noch in den1970er Jahren war es üblich, dem Patientendie ärztliche Entscheidung einfach nur mitzuteilen. Angehörigen wurde meist mehrerzählt, Patienten sollten „geschont“ werden.In unserer Praxis richten wir uns nach denWünschen unserer Patienten: Wir können sehrsparsam mit Informationen umgehen, wirkönnen aber auch das praktizieren, wasgemeinhin als „geteilte Verantwortung“bezeichnet wird.Das heißt, Arzt und Patient entscheidengemeinsam?Prinzipiell ja. Als Arzt hat man allerdingsdie Verpflichtung, dem Patienten die entscheidendenInformationen in einer Form nahezubringen,die der Patient auch versteht. Mit anderenWorten: Der Patient muss wirklich verstandenhaben, für oder gegen was er sich konkretentscheidet.Kann man wirklich immer alles besprechen?Oder gibt es auch Situationen, in denen Sieals Arzt allein bestimmen?Solche Situationen gibt es natürlich. Wennzum Beispiel Gefahr für Leib und Leben besteht,muss unverzüglich gehandelt werden.Bei Herzinfarkt, Ohnmacht, aber auch beiakutem Darmverschluss bin ich als Arzt zursofortigen Hilfeleistung verpflichtet.Ich habe mit vielen unterschiedlichen Fachärztenzu tun gehabt, bin im Krankenhausoperiert worden. Manchmal wird mir regelrechtschwindlig, und ich frage mich, ob dieeinzelnen Ärzte denn immer über alle nötigen,mich betreffenden Informationen verfügen– sprich: wer den Überblick behält.Genau diesen Anspruch haben wir bei unsin der Praxis. Bei uns können Sie nicht nureine ambulante Chemotherapie machen, Siekönnen sicher sein, dass wir über alles, was mitIhnen geschieht, gut informiert sind. Wir begreifenuns sozusagen als Lotse durch den Behandlungsdschungel.Damit wir diese Funktiontatsächlich erfüllen können, ist es allerdingswichtig, dass Sie uns all das mitteilen,was für Ihre Betreuung wichtig ist.Was meinen Sie konkret?Wenn Sie zusätzlich etwas für Ihre Gesundheittun wollen, wenn Sie andere Spezialisten,etwa Heilpraktiker oder naturheilkundlichtätige Ärzte aufsuchen, dann sollten wir da -rüber informiert sein. Nicht, weil wir Sie kon -trol lieren oder maßregeln wollten, sondernweil es eine Stelle geben muss, an der alle IhreGesundheitsinformationen archiviert sind.Wir begreifen uns als Lotse durchden Behandlungs dschungel.Nennen Sie uns Ihre Wünsche, informieren Sieuns gegebenenfalls über eine Patientenver -fügung, die Sie verfasst haben. Denn wir wollenSie genau so betreuen, wie Sie es sichwünschen.Das hört sich richtig gut an. Aber haben Siefür all das, was Patienten dann von Ihnenwollen, auch genügend Zeit?Das kommt natürlich ein bisschen auf diePerspektive an. Was der eine als ausreichendempfindet, ist für den anderen völlig unzu -reichend. Sie sollten, wenn Sie komplexereThemen zu besprechen haben, uns bei derTerminvereinbarung einen entsprechendenHinweis geben. Dann wird mehr Zeit sein alsin der Routinesprechstunde.


Ü b e r b l i c k4Maligne LymphomeKrebszellen entstehen nach einem immer ähnlichen Muster, gleichgültig ob es sich um einen Organtumor odereine Bluterkrankung handelt. Der Bauplan der Zelle wird derart geschädigt, dass die Zelle ihre eigentlichenFunktionen verliert und sich unkontrolliert und unaufhörlich teilt. Wenn diese Störung im Bauplan einer Leberzelleauftritt und die Reparaturmechanismen des Körpers diese Schäden nicht beheben respektive die betroffeneZelle nicht abtöten können, wird daraus Leberkrebs. Tritt der Schaden in Zellen anderer Organe auf, ist dasder Ursprung für Brust-, Darm- und andere solide Tumoren. Sind dagegen Zellen des sogenannten lymphatischenSystems betroffen, bildet sich ein malignes Lymphom, eine bösartige Schwellung von Lymphknoten.Je nach Lokalisation und Entwicklungsstandder betroffenen Zelle können maligne Lymphomein sehr unterschiedlichen Erscheinungsformenauftreten, beispielsweise alsChronisch Lymphatische Leukämie (CLL), alsFollikuläres Lymphom oder auch als MultiplesMyelom. Wissenschaftler unterscheidenderzeit mehr als 40 verschiedene maligneLymphome.Drainage- und ReinigungssystemMaligne Lymphome entstehen immer ausZellen des lymphatischen Systems, von Expertenals Lymphozyten bezeichnet. Sie bildeneine Unterklasse der weißen Blutkörperchenund reifen im Laufe ihrer Entwicklung zuSuperspezialisten der Immunabwehr heran.Die B-Lymphozyten oder kurz B-Zellen entwickelnsich bei einer Infektion zu Antikörper-produzierendenB-Plasmazellen. T-Lymphozytensind wichtig für die Steuerung derImmunreaktion. Eine spezielle T-Zell-Unterklasseist zudem in der Lage, Virus-infizierteoder irreparabel geschädigte Körperzellenabzutöten.Da die Bedrohung durch Infektions erregerallgegenwärtig ist, ist auch das lymphatischeSystem über den gesamten Organismus verteilt.Lymphatisches Gewebe findet sich in derHaut ebenso wie in der Lunge und im Darm.Untereinander verbunden sind die lymphatischenGewebe über das Lymph gefäß system. Inihm fließt eine farblose Flüssigkeit, die Lymphe.Etwa zwei Liter Lymphe bildet der Körpertäglich. Sie sickert aus den kleinstenGe fäßen des Blutkreislaufs zunächst in dieumgebenden Gewebe, um nach einiger Zeit –beladen mit Zelltrümmern, Infektions -erregern und Abfallstoffen, aber auch mitLympho zyten – ins Lymphgefäßsystem eingeschwemmtzu werden. Die Lymphe und dieLymphbahnen sind also gewisser maßendas Drainagesystem des Körpers,mit dem das Gewebevon Abfallstoffen undkörperfremden Substanzenbefreitwird.Lymphknoten sinddie Arbeitsstättenvon LymphozytenBevor die Lymphflüssigkeitwieder in den Blutkreislauf zurückgeleitetwerden kann, muss sie sozusagengereinigt werden. Das geschieht in denLymphknoten. Hunderte von ihnen sind indas Geflecht der Lymphbahnen eingeschaltet.Im ganzen Körper finden sich größere Gruppenvon Lymphknoten, so am Hals, unter derAchsel, in der Leiste, aber auch im Körperinnern.Die bohnenförmigen Lymph knotensind normalerweise nur wenige Millimeter biszu etwa einem Zentimeter dick. Wenn Infektionserregerin den Körper eingedrungensind, vermehren sich die Lymphozyten inihnen schlagartig, um die Abwehrbereitschaftzu erhöhen. In der Folge werden die Knotendeshalb größer und verhärten sich. Zu Krebszellenentartete Lymphozyten teilen sich unablässigund lassen deshalb die Lymphknotenbesonders stark anschwellen. Mediziner sprechenin solchen Fällen von bösartigen Lymphknotenschwellungenoder – fachsprachlich –von Malignen Lymphomen.Maligne Lymphome können ausgeschädigten B- oder T-Lymphozytenentstehen. Allerdingsentarten nicht nur dieB- oder T-Zellen selbst,sondern auch ihre jeweiligenVorläuferzellen. Alleinaus diesem Grund existierenmehr als zehn unterschiedlicheB- und T-Zelllymphome (sieheAbbildung rechte Seite). Wenn mandann noch berücksichtigt, an welchen Ortendes lymphatischen Systems – beispielsweiseim Knochenmark oder in den Schleimhäutendes Verdauungstraktes – ganz spezielle maligneLymphome auftauchen, dann wächst dieZahl der definierbaren B- oder T-Zelllymphomeleicht auf mehr als 40.Die genaue Unterscheidung der einzelnenLymphome ist von wesentlicher Bedeutungfür die Behandlungsstrategie. Ebenfalls wich-


Praxis JournalStadienentwicklung der B- und T-Zellen:Rot hervorgehoben sind die sich aus den jeweiligen Stadienentwickelnden Krankheitsbildertig in diesem Zusammenhang ist die Teilungsgeschwindigkeitder geschädigten Lymphozyten.Maligne Lymphome mit sehrschnell sich teilenden Zellen werden unterdem Etikett hoch maligne oder aggressiv, solchemit langsam sich teilenden Zellen als niedrigmaligne oder indolent (das heißt: keineSchmerzen verursachend) zusammengefasst.Daneben existiert mit den sogenanntenHodgkin-Lymphomen eine weitere Klassemaligner Lymphome. Sie waren die ersten inder Medizin identifizierten bösartigenLymphdrüsenschwellungen. Der LondonerPathologe Thomas Hodgkin beschrieb sieerstmals 1832. Ihr Erkennungszeichen sindunter dem Mikroskop sichtbare Riesenzellen,die entstehen, wenn entartete Lymphozytenmiteinander verschmelzen. Alle malignenLymphome, bei denen diese Riesenzellennicht entstehen, werden deshalb auch alsNon-Hodgkin-Lymphome oder kurz NHLbezeichnet.Gewebeuntersuchung bringt KlarheitEntscheidend für die genaue Charakterisierungeines malignen Lymphoms sind zusammengefasstalso folgende Kriterien:„Riesenzellen“ ja oder neinEntstanden aus geschädigter B- oderT-ZelleEntwicklungsstand der geschädigtenB- oder T-ZelleSchnelle oder langsame Teilung derB- oder T-ZelleLokalisation der geschädigtenUrsprungszelleAll diese Fragen lassen sich nur mit einersorgfältigen und aufwändigen Untersuchungdes verdächtigen Gewebes beantworten.Außerdem werden in der Regel zusätzlichKnochenmarkproben aus beiden Beckenkammknochenentnommen. Mit bildgebendenVerfahren wie Ultraschall, ComputerundKernspintomographie oder auch der Positronen-Emissionstomographie(PET) lässtsich außerdem feststellen, wie weit sich dasLymphom möglicherweise ausgebreitet hat.Vier StadienWelche Therapie in welcher Intensität eingesetztwird, ist zusätzlich vom Stadium der Erkrankungabhängig. Maligne Lymphome werdenin vier Stadien eingeteilt:I Befall einer Lymphknotenregion;II Befall von zwei Lymphknoten -regionen – aber auf nur einer Seitedes Zwerchfells;III Befall von Lymphknoten aufbeiden Seiten des Zwerchfells;IV Befall von Organen wie Leber,Lunge, Haut oder Knochen.Allgemeinsymptome wie Fieber, Nachtschweißoder plötzliche Gewichtsabnahmegelten als weitere Risikofaktoren. Diese sogenanntenB-Symptome fließen ebenfalls in dieStadienbeurteilung mit ein: der entsprechendenBeurteilung wird gegebenenfalls der


F o r t s e t z u n g6Maligne Lymphome12Im Knochenmark (1) reifen die B-Zellen,im Thymus (2) die T-Zellen heran.Die Lymphe und die Lymphbahnen sinddas Drainagesystem des Körpers, mit demdas Gewebe von Abfallstoffen und körperfremdenSubstanzen befreit wird (grün).Hunderte Lymphknoten sind in das Geflechtder Lymphbahnen eingeschaltet. Im ganzenKörper finden sich größere Gruppen vonLymphknoten, zum Beispiel am Hals, unterder Achsel, in der Leiste, aber auch im Körperinnern.Buchstabe b hinzugefügt. „Stadium IIIb“ bedeutetdemnach, dass maligne Lymphome aufbeiden Seiten des Zwerchfells nachweisbar sindund der Patient zusätzlich über B-Symptomeklagt.„Watch and Wait“Die Therapie-Entscheidung bei malignenLymphomen orientiert sich immer am Einzelfall.Wird die Krankheit im Anfangsstadiumerkannt, ist es häufig sinnvoll, zunächst abzuwartenund zu beobachten.Diese Zurückhaltung hat nichts mit einerKapitulation der Ärzte vor der Erkrankung zutun. Vielmehr geht man in solchen Fällendavon aus, dass die Nebenwirkungen einerStrahlen- oder Chemotherapie den Nutzen derBehandlung überwiegen würden. Außerdemkommt es bei malignen Lymphomen in nichtwenigen Fällen auch zu einem spontanen Stillstandder Erkrankung (Spontanremission).Wenn sich im Laufe der Beobachtung herausstellt,dass eine Behandlung sinnvoll gewordenist, kommen zunächst Strahlen- und Chemotherapiein Betracht. Die Strahlentherapiewird in der Regel bei langsam wachsenden malignenLymphomen eingesetzt, die sich damitzielgenau behandeln lassen. Chemotherapeutika,häufig kombiniert mit im Labor hergestelltenAntikörpern, werden vor allem dannverabreicht, wenn das maligne Lymphom bereitsan mehreren Stellen im Körper nachweisbarist. Chemotherapeutika wirken auf allesich teilenden Zellen, Antikörper hingegen erkennenbestimmte Strukturen auf der Oberflächevon Lymphozyten und bekämpfen sogezielt B- und T-Zellen.Stammzelltransplantation – ein neuesImmunsystem entstehtBei vielen Patienten mit bestimmten malignenLymphomen, wie etwa dem multiplen Myelomoder der Chronisch-lymphatischen Leukämie(CLL) ist eine sogenannte Stammzelltransplantationsinnvoll.Die theoretische Überlegung dahinter klingtüberzeugend: Alle Lymphozyten stammenletztlich aus Knochenmarkzellen. Wenn manalle Knochenmarkzellen eines Patienten zunächstradikal vernichtet, vernichtet mandamit auch alle Lymphomzellen und derenVorläufer. Durch die anschließende Injektionkrebsfreier Knochenmarkstammzellen – dievom Patienten selbst oder von einem passendenFremdspender stammen können – solldann sozusagen das Immunsystem neu entstehen.Im Idealfall ist der Patient anschließendgeheilt.In der Praxis hat sich diese Behandlung bei bestimmtenmalignen Lymphomen sehr bewährt.Allerdings sind ihre Risiken nicht zuunterschätzen: Das Immunsystem wird vorübergehendkomplett außer Funktion gesetzt,das heißt, jede banale Infektion kann tödlichenden. Außerdem zieht sich die Behandlungin der Regel über Monate hin. Nicht jeder Patientist dieser Belastung gewachsen.Anlass für OptimismusInsgesamt aber gibt es bei der Behandlungmaligner Lymphome Anlass für Optimismus:Die Fortschritte in den letzten Jahren sind beträchtlich.In den Frühstadien sind maligneLymphome heute heilbar, in späteren Stadiengelingt es, die Lebenszeit bei guter Lebens -qualität deutlich zu verlängern. Zu den unterschiedlichenmalignen Lymphomen bietet dieDeutsche Leukämie- und Lymphomhilfe e.V.in ihrem Internet-Auftritt weitere Detailinfos:www.leukaemie-hilfe.de.


Praxis JournalVitamin- und Mineralstoff-Präparatesind nur selten sinnvollE r n ä h r u n g 7Dass Obst und Gemüse – möglichst fünfmal am Tag – sehr gesundheitsfördernd sind, hat sich mittlerweileherumgesprochen, selbstverständlich auch in der Lebensmittelindustrie. Vom ACE-Saft übervitaminangereichertes Müsli bis hin zu preiswerten Vitaminkapseln aus dem Supermarkt: All dieseProdukte scheinen dem Verbraucher zu signalisieren „Gesundheit kann man einfach einnehmen“.Bis in die 1990er Jahre war diese Überzeugung auch unter seriös arbeitendenForschern durchaus verbreitet. Hintergrund waren Befunde,wonach Krebspatienten und Menschen mit anderen chronischenErkran kungen häufig auch unter einem Vitamin- und Mineralstoffmangellitten. In der Annahme, dass Mangel und Krankheit in einemursächlichen Zusammenhang stehen, wurden Präparate mit sogenanntenisolierten Vitalstoffen, also einzelnen Vitaminen und Mineralstoffenentwickelt, die vor Krebs schützen sollten.Häufiger Lungenkrebs nach Vitamin-EinnahmeDie Ergebnisse der finnischen ATBC- und der US-amerikanischenCARET-Studie ließen 1994 und 1996 erstmals Zweifel am Nutzen derVitamin-Einnahme aufkommen. 29.000 Raucher zwischen 50 und 69Jahren nahmen an der finnischen Studie teil. Herausgefunden werdensollte, ob die Einnahme von Tocopherol (Vitamin E) oder die von Beta-Carotin (Provitamin A) sich günstig auf das Lungenkrebsrisiko auswirkt.Die eindeutigen Ergebnisse nach siebeneinhalb Jahren: VitaminE hat keinen schützenden Einfluss. Unter Provitamin A nahm die Häufigkeitneu diagnostizierter Lungenkrebs-Erkrankungen sogar zu, genauvon 3,5 auf 4,5 Prozent. Ganz ähnlich die Ergebnisse der CARET-Studie: Von den etwa 18.000 teilnehmenden Rauchern und Asbest-Arbeitern erkrankten im Lauf der vierjährigen Studiendauer ausgerechnetdiejenigen häufiger an Lungen krebs, die eine Kombination ausVitamin A und Provitamin A ein genommen hatten. Die Lungenkrebsratebetrug in dieser Gruppe 2,2 Prozent, in der Plazebo-Gruppe nur1,7 Prozent.Hochdosierte Antioxidantien sind eher schädlichDas Bundesinstitut für Risikobewertung in Berlin warnt aufgrundzweier weiterer Studien vor der Einnahme hochdosierter sogenannterAntioxidantien. Unter dieser Bezeichnung werden Vitamine und Mineralstoffezusammengefasst, die Körperzellen vor Schäden durchhochaktive Sauerstoffmoleküle schützen sollen.Im Reagenzglas wirken diese Antioxidantien tatsächlich so, im menschlichenKörper aber – so das ernüchternde Ergebnis einer 2007 veröffentlichtenAuswertung von 68 Einzelstudien – ist kein positiver Effektnachweisbar, im Gegenteil: Die allgemeine Sterblichkeitsrate war in derAntioxidantien-Gruppe höher als in der Gruppe derjenigen Studienteilnehmer,die keinerlei Vitamin- oder Mineralstoffpräparate eingenommenhatten. Ein ursächlicher Zusammenhang konnte zwar nichtzweifelsfrei nachgewiesen werden, die wissenschaftliche Gemeinschaftwar jedoch beunruhigt.Die Zweifel an der Wirksamkeit isolierter Vitamine und Mineralstoffewuchsen im Herbst 2008: In den USA musste die SELECT-Studie abgebrochenwerden, weil ein schützender Einfluss von Selen und VitaminE auf das Prostatakarzinom-Risiko nicht nachgewiesen werdenkonnte.Fazit: Vitamin- und Mineralstoffgabe nur im EinzelfallEs gibt Situationen, in denen die Gabe von Vitaminen und Mineralstoffensich als sinnvoll erwiesen haben: Jod-Mangel-Zustände lassensich mit Jod-Präparaten behandeln; Frauen, die schwanger werden wollen,sollten ein Folsäure-Präparat einnehmen, um Schäden beim Neugeborenenzu verhindern. Falls wir bei Ihnen persönlich einen Vitamin-oder Mineralstoffmangel feststellen, so lässt sich der fürbegrenzte Zeit mit einem geeigneten Medikament ausgleichen.Ganz allgemein aber gilt: Die beste Vitamin- und Mineralstoffversorgung erhalten Sie durch frischesObst und frisches Gemüse, und das möglichstmehrmals am Tag! Damit sind Sie auf der sicherenSeite.


Kurz berichtetNeues aus der ForschungPraxis JournalGentest gibt Hinweise auf Rezidiv -risiko von DarmkrebspatientenWissenschaftler des Klinikums rechts der Isar inMünchen haben mit dem neuen Gentest Colo-Print Tumorgewebe von Patienten untersucht,die wegen Darmkrebs im Stadium II und IIIoperiert worden waren. Üblicher Weise schließtsich an eine solche Operation eine chemotherapeutischeBehandlung an, die das Auftreten vonRezidiven oder Metastasen verhindern soll. Tatsächlichtreten solche Veränderungen aber nurbei etwa einem Viertel der operierten Patientenauf, und nur diese benötigen die Chemotherapie.Mithilfe von ColoPrint – so hoffen die Forscher– wird man künftig bereits im Vorfeldgenau die Patienten identifizieren können, beidenen das Auftreten von Rezidiven oder Metastasenwahrscheinlich ist.Das Ergebnis von 135 mit ColoPrint untersuchtenProben des Stadiums II: Bei 73Prozent der Patienten sollte die Wahrscheinlichkeitder Metastasenbildung nurgering ausgeprägt, bei 27 Prozent dagegenstark erhöht sein. Die Überprüfung derKrankenakten bestätigte das ColoPrint-Ergebnis.In der Gruppe, für die ColoPrintein nur geringes Metastasen-Risiko angezeigthatte, erkrankte nur jeder 20. Patientan einem Rezidiv. In der Gruppe mit erhöhtemRisiko dagegen jeder fünfte.Mitte Januar 2011 stellte die Forschungsgruppedie Ergebnisse ihrer Arbeit auf demKongress der US-amerikanischen Gesellschaftfür klinische Onkologie (ASCO GI)in San Francisco vor. Außerdem wurdedort auch das Design der aktuell laufendenPARSC-Studie präsentiert, mit der Colo-Print in größerem Rahmen internationalgetestet wird. Auch an dieser Studie nimmtdie Münchner Forschergruppe um RobertRosenberg teil. Er hofft, dass Ärzte ihrenDarmkrebspatienten auf Grundlage diesesTests künftig klarere Behandlungsempfehlungengeben können. „Patienten sollennach einer Operation nur eine Chemotherapieerhalten, wenn sie auch einen Vorteildavon haben.“Darmspiegelung wichtig für Patientenmit ProstatakrebsMänner mit Prostatakrebs weisen deutlich höhereRaten an abnormen und fortgeschrittenenAdenomen in der Darmschleimhaut auf als gesundeMänner und sollten deshalb regelmäßigeine Darmspiegelung vornehmen lassen.Zu diesem Ergebnis kommen Forscher umden Gastroenterologen Ognian Pomakovvon der Universität von Buffalo im US-Bundesstaat New York. Sie werteten dieDaten zu Darmspiegelungen, Adenomenund Tumoren von insgesamt 2011 Männernaus. Beim Vergleich von Männern mitund ohne Prostatakrebs stellte sich heraus,dass Prostatakarzinom-Patienten offensichtlichhäufiger Adenome entwickeln alsMänner ohne Prostatakarzinom. Im Durchschnittfanden sich bei gut einem Drittelaller Männer Adenome im Darm; bei Männernmit Prostatakrebs war das bei nahezujedem zweiten der Fall. FortgeschritteneAdenome – das sind solche, die sich mitbesonders hohem Risiko zu einem Darmtumorentwickeln – fanden sich im Durchschnittbei 10 Prozent der Studienteilnehmer.Unter den Prostatakrebspatienten lagder Anteil dagegen bei 15 Prozent.Zwar handele es sich bei der vorliegendenStudie um die erste, die einen solchen Zusammenhangnahelegt, sagte Pomakov,allerdings sollte sie für Prostatakrebs-PatientenAnlass genug sein, die DarmkrebsvorsorgeErnst zu nehmen.Impressum© 2011, LUKON GmbH · ISSN 1436-0942Chefredaktion:Dr. med. Georgi Kojouharoff, Gerrit DingeldeinRedaktion:Tina Schreck, Ludger WahlersGrafik-Design, Illustration:Charlotte SchmitzDruck: DDH GmbH, HildenAnzeigeDas Menschenmögliche tun.

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