Dossier: Situation der deutschen Frau - Lise Meitner Gymnasium

lise.meitner.gymnasium.lernnetz.de

Dossier: Situation der deutschen Frau - Lise Meitner Gymnasium

S e i t e 6

Nicht nur politisch gesehen gewinnt

das Deutsche Reich unter Kaiser

Wilhelm immer mehr an Macht,

nein, auch an wirtschaftlicher, vor

allem industrieller Stärke nimmt

Deutschland zu. Nach deutscher

Reichsgründung durch Bismarck

erfuhr das Reich einen Aufschwung

von kolossaler Kraft. Selbst das in

seinem Stolz so starke Groß-

Britannien zieht gegenüber Wilhelm

II den Kürzeren.

Anstoß für jenen konjunkturellen

Aufschwung und die rasante wirtschaftliche

Entwicklung sind die 5

Milliarden Francs, die Frankreich

nach dem verlorenen Krieg zahlen

musste.

Banken und Industrien sprießen nur

so aus dem Boden. Trotz der

„Gründerkrise“, in der der Aufschwung

des Reiches ein wenig

stockte, befindet sich dieses weiterhin

in auf dem Weg nach oben und

entwickelt starkes Nationalbewusstsein.

Der starke industrielle Zuwachs

hat natürlich Abzug in der

Agrarwirtschaft zufolge. Dies führt

zu einem großen Städtewachstum,

wie es auch US-amerikanische Städte,

wie New York und Chicago erlebt

haben. Durch Firmen, wie Siemens

und der Allgemeinen-

Elektricitäts-Gesellschaft werden die

Städte nun übrigens großteilig mit

Strom versorgt. Während 1971 noch

ungefähr die Hälfte aller Beschäftigten

in Landwirtschaft tätig war,

schätzen Experten jetzt mit einem

Minus von bis zu 16% bis 1907, also

auf 34% aller Beschäftigten in Landwirtschaft.

Auch der Bergbau wächst. Sowohl

Erz- als auch Kohleförderung werden

stark betrieben. Die Steinkohleförderung

stieg seit 1870 bis heute

Der industrielle Aufschwung des

deutsches Reichs

von knapp 30 Millionen bis über 200 Millionen Tonnen und man rechnet

mit einem Wachstum über weitere 50 Millionen. Extrem nützlich für dieses

Ressourcenförderung ist auch eine verbesserte Infrastruktur, vor allem die

Eisenbahn, beliefert von Krupp, die zum Langstreckentransport quer durch

das Reich dient.

Krupp in Essen

Wie wohnt eine

Arbeiterfamilie?

T r i b u n e

Heute war ich zu Besuch in einer Arbeiterfamilie. Familie Hinrichs

besteht aus 9 Personen. Den beiden Eltern, Wilhelmine und Adolf, 5

Söhnen und 2 Töchtern. Sie leben alle zusammen in einem Zimmer,

nur die Küche ist in einem extra Raum. In dem Zimmer gibt es 3

Betten und einen kleinen Tisch zum Essen. Außerdem gibt es eine

kleine Kommode, in der die wenige Kleidung und Spielsachen aufbewahrt

werden. Die Toilette ist im Innenhof von 2 Häuserreihen

und wird von allen Bewohnern benutzt. Die Küche hat einen Herd

der mit Holz oder Kohle beheizt wird. Die Küche ist der beheizte

Raum dieser Wohnung. In der die Kinder spielen oder Hausaufgaben

machen, wenn sie von der Arbeit oder Schule kommen. Die Kinder

schließen mit 12 die Schule ab und gehen dann arbeiten. Die Eltern

arbeiten zu verschiedenen Zeiten und deswegen muss die größte

Schwester Annelise immer auf ihre kleineren Geschwister, die entweder

noch nicht zur Schule gehen oder nachmittags aus der Schule

kommen, aufpassen und sie versorgen. Familie Hinrichs hat nicht

besonders viel Geld und deswegen beherbergt sie 2 Schlafleute, die

vormittags in den leeren Betten schlafen. Da nicht alles besonders

sauber ist breiten sich Krankheiten schnell aus.

Wie viele andere Arbeiter ist Adolf Hinrichs aktives Mitglied in der

SPD. Mit den Krupps und dem Kaiser will er nichts zu tun haben.

Seine Hoffnung ist eine gerechtere Zukunft im Sozialismus, die er

sich für seine Kinder wünscht.

Weitere Magazine dieses Users
Ähnliche Magazine