Dossier: Situation der deutschen Frau - Lise Meitner Gymnasium

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Dossier: Situation der deutschen Frau - Lise Meitner Gymnasium

S e i t e 1 0

Schule im Kaiserreich Deutschland

Disziplin und Gehorsam sind für

die Schulen im Kaiserreich unumgänglich,

denn die Kinder werden

auf den Krieg vorbereitet. Wer

Autoritäten nicht anerkennt, so

heißt es, kann später auch nicht

dem Kaiser dienen. Doch dies ist

der größte Ehrgeiz der Jungen.

Während des Unterrichts singt

man Loblieder auf den Kaiser und

spielt Szenen aus dem Krieg. Doch

wird natürlich auch lesen, schreiben

und rechnen unterrichtet sodass

die Kinder auf die nächsten

Jahre vorbereitet sind . Viele Kinder

aus Arbeiter- oder Bauernfamilien

brechen die Schule nach

den ersten 3-9 Jahren ab um auf

dem Hof der Eltern zu helfen oder

einen einfachen Beruf zu erlernen.

Nur wenige Jungen gehen in die

Oberstufe und danach studieren.

Das Schulwesen an sich ist getrennt.

Jungen und Mädchen werden

getrennt voneinander in Gym-

nasien, Realgymnasien oder Oberrealschulen

bzw. höheren Mädchenschulen

unterrichtet, sobald

sie die Unterstufe, also die ersten

3 Schuljahre abgeschlossen haben.

Während Jungen insgesamt bis zu

12 Jahre zur Schule gehen können,

um dann auf eine Universität zu

gehen, besuchen Mädchen erst

die höhere Mädchenschule, die

aus 10 Klassen besteht, und danach

das Lyzeum. Dort können die

Mädchen entweder zur Lehrerin

für Mittel- und höhere Mädchenschulen

ausgebildet werden, oder

sie lernen, eine pflichtbewusste

Hausfrau zu werden.

Doch jetzt, zu Anfang dieses Jahrhunderts,

möchte der Kaiser nach

Vorbild unseres Schulwesens gemischte

Schulen auch in den höheren

Klassen einführen.

Neben den Schulen für die bessere

Gesellschaft gibt es das mittlere

Schulwesen, welches Lateinschu-

Lehrer in den Volksschulen sind oft noch ehemalige Feldwebel

T r i b u n e

len, Realschulen, höhere oder mittlere

Bürgerschulen und Rektorschulen

umfasst, welche man nach der Volksschule

besucht, und wo man versucht,

den Schülern Handel und Gewerbe

zu vermitteln Es gibt auch noch

sogenannte „Sonderschulen“ welche

für Kinder gedacht sind, die körperlich

beeinträchtigt sind oder die nicht

leicht zu erziehen sind.

Auf Erlaubnis des Kaisers werden die

Schüler zwar immer noch geschlagen

und bestraft, wenn sie dem Lehrer

nicht gehorchen, doch hält der Kaiser

dazu an, die Kinder nicht zu schlimm

zu misshandeln, denn es sei eine Sünde,

Kinder zu misshandeln.

Auch möchte der Kaiser Wilhelm II.

nun Schulen einführen, in der alle drei

Stände unterrichtet werden, da dann

keine Bildungsunterschiede und somit

auch keine Klassenunterschiede mehr

entstehen können. Dies trifft nicht in

allen Kreisen auf volle Zustimmung!

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