Inklusion - buddY EV

buddy.ev.de

Inklusion - buddY EV

AusgAbe

Magazin 01.2011

Schwerpunkt: Inklusion – Lernen in Vielfalt VieLfaLt

anerkennen und fördern Der Index für Inklusion

anregungen für inklusive entwicklungsperspektiven

Eine Schule für alle – die Grundschule am Lindener Markt

aus hannover

initiator und hauptförderer:


3 i Vorwort

SchwErpunkt: InkLuSIon –

LErnEn In VIELfaLt

4 i buddY-Leitartikel: inklusion – Vielfalt anerkennen

und fördern

7 i im portrait: die Grundschule am Lindener Markt

ist eine Schule für alle

10 i der index für inklusion – ein fachbeitrag

von prof. dr. andreas hinz

aktuELLES

12 i das buddY-Landesprogramm nrw:

interview mit Schulministerin Sylvia Löhrmann

14 i Große buddY-konferenz in Berlin

15 i neues aus den netzwerken

i anmeldung läuft! thüringens Grundschulen können

sich für das buddY-programm bewerben

nEuE SErIE

17 i öffentlichkeitsarbeit macht Schule

teil 1: pressearbeit

kurz bErIchtEt

19 i patrick Owomoyela wird buddY-testimonial

i neues vom familY-programm

i wettbewerb „buddY-projekt des Monats“

i buddY goes facebook

20 i impressum

Inklusion

Lernen in VieLfaLt

anSprache: In dieser Publikation wird aus Gründen der Vereinfachung auf die

gleichzeitige Verwendung der männlichen und weiblichen Ansprache verzichtet.

Selbstverständlich sind beide Geschlechter ausdrücklich gemeint.

LIEbE LESErInnEn unD LESEr,

aus zahlreichen Gesprächen mit ihnen wissen wir, dass inklusion für viele ein Begriff ist, der

zwar die öffentliche debatte bestimmt, in den meisten Schulen aber noch nicht angekommen

ist. Lehrkräfte fragen sich zu recht, wie sie die herausforderung, bald kinder mit und ohne

Behinderungen zu unterrichten, meistern sollen.

peergroup education, partizipation und Schüler-Verantwortung sowie ein verändertes rollenverständnis

der Lehrer hin zum coach sind zentrale Säulen einer inklusiven Schule. das

buddY-programm ist daher für anne wolters, Schulleiterin der in dieser ausgabe portraitierten

Grundschule am Lindener Markt, ein wichtiger Bestandteil ihres Schul-konzepts.

neben unserem Schwerpunkt-thema erwarten Sie natürlich auch aktuelle neuigkeiten aus

den Ländern: in thüringen gibt es buddY ab sofort auch an Grundschulen, in Berlin bieten wir

den Schulen neue aufbautrainings an und in nordrhein-westfalen sind die ersten Schulen

mit den Grundlagen-trainings gestartet.

Mit unserer neuen buddY-Gruppenseite auf facebook möchten wir den kontakt zu ihnen

vertiefen und freuen uns auf viele neue Mitglieder, kommentare und diskussionen.

ich wünsche ihnen viel Spaß beim Lesen!

roman r. rüdiger

Geschäftsführender Vorstand buddY e.V.

3


Mit der von der un-behindertenrechtskommission

erhobenen forderung nach einem inkLuSiVen Schulsystem stehen

jetzt alle parteien vor einer herausforderung, die es

parteiübergreifend zu bewältigen gilt.

Vor diesem hintergrund hat die schulpolitische deBatte einen qualitativ

neuen impuls erhalten – einen iMpuLS, der geeignet ist,

die deutsche Bildungslandschaft von Grund auf zu verändern.

4

inkLuSiOn – VieLfaLt anerkennen und fördern.

VOn eLiSaBeth StrOetMann

Projektleitung buddY-Landesprogramm NRW

Inklusion ist ein Menschenrecht.

nur 18 prozent der als behindert gelten-

den kinder in deutschland besuchen eine

regelschule. in weiterführenden Schulen

ist ihr anteil sogar weitaus geringer als

in der Grundschule.

die un-Behindertenrechtskonvention

fordert ein recht auf inklusive Bildung,

das in der umsetzung konkret die einrichtung

einer „Schule für alle“ verlangt.

während Integration kinder und Jugend-

liche in diejenigen mit und diejenigen

ohne sonderpädagogischen förderbedarf

separiert, geht die Inklusion von der

Besonderheit eines jeden kindes aus.

die anerkennung der individualität eines

jeden einzelnen erweist sich dann als

ein allgemeines Menschenrecht.

wo jedem Menschen seine Besonderheit

zuerkannt wird, wird eine weitere ausdifferenzierung

(in mehr oder weniger

besonders) obsolet.

damit erkennt inklusion die strukturelle

heterogenität eines jeden Menschen in

der dimensionenvielfalt von fähigkei-

ten, Geschlecht, ethnie, religion sowie

sexueller Orientierung an. die pädago-

gische herausforderung eines inklusiven

Bildungssystems besteht nun darin,

mit den heterogenen erziehungs- und

Bildungsbedürfnissen aller Menschen

akzeptierend umzugehen und über

die Veränderung bestehender Schulstrukturen

einer Segregation und sozialen

Marginalisierung entgegenzutreten.

Sonderweg Deutschland:

Förderschwerpunkt Lernen.

der „förderschwerpunkt Lernen“, der

mit 180.000 kindern den größten anteil

unter den rund 400.000 kindern mit

förderbedarf bildet, ist eine deutsche

Spezies, die international ihresgleichen

sucht. daneben sind die Bereiche

geistige entwicklung, Sprache sowie

emotionale und soziale entwicklung

am stärksten als förderschwerpunkte

vertreten.

Gleichzeitig haben untersuchungen

im Jahr 2008 ergeben, dass 76,3% der

Schüler die förderschule ohne einen

hauptschulabschluss verließen. die

wenigsten dieser Schüler haben damit

aussicht auf ein selbstorganisiertes

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und selbstfinanziertes Leben. wie lässt

sich der umstand, dass es so wenigen

Schülern gelingt, den hauptschulabschluss

zu erwerben, erklären?

Gegliedertes Schulwesen führt

zu Aussonderung.

auffällig ist, dass etwa 90 prozent der

kinder mit förderschwerpunkt Lernen aus

sozial schwachen familien kommen. die

in zahlreichen piSa-Studien postulierte

kopplung von herkunft und Bildungser-

folg äußert sich hier besonders drastisch.

das gegliederte Schulwesen verstärkt

die herkunftsbedingten nachteile für den

Bildungserwerb und institutionalisiert

die soziale Selektion.

Mit der attestierung eines „Sonderpädagogischen

förderbedarfes“ (dem sog.

aOSf-Verfahren) erfolgt eine Marginalisierung

von Schülern, die ihren ausdruck

im ausschluss aus dem regulären Schulsystem

findet. wo Vorbilder fehlen,

heterogenität also nicht als ansporn zu

dienen vermag, gewinnt das Gefühl des

Versagens, des „nicht dazugehörens“

Oberhand.

Heterogene Lerngruppen

individuell fördern.

inklusion bedeutet die bewusste instal-

lierung heterogener Lerngruppen und die

anerkennung von Vielfalt als Bedingung

für den Lernerfolg unter dem primat

der individuellen förderung eines jeden

kindes. die individuelle förderung ist zu

6

Inklusive bildung heißt

gemeinsam lernen.

einer der größten herausforderungen

der modernen pädagogik geworden.

im Schulgesetz des Landes nordrheinwestfalen

ist der anspruch der Schüler

darauf bereits verankert. damit sind die

Lehrer schon jetzt verpflichtet, für jedes

kind, jeden Jugendlichen, ob besonders

begabt oder mit besonderem unterstützungsbedarf,

individuelle Lernangebote

bereitzustellen.

inklusive Bildung heißt: gemeinsam

lernen. hierfür braucht es unterrichtskonzepte,

die allen Schülern gerecht werden.

um die anforderungen eines individualisierten

unterrichts zu bewältigen, müssen

Lehrer auf diese immensen herausforderungen

vorbereitet werden.

Konzepte wie die Peergroup

Education ermöglichen ein Lernen

in Vielfalt.

Längst schon lassen sich Lehrer zu

themen wie z.B. peergroup education,

kooperatives Lernen, deliberation und

demokratiepädagogik fortbilden.

damit verfügen immer mehr Lehrer und

insbesondere buddY-coaches bereits

über profunde kenntnisse und erfahrungen

in der anpassung und Variation von

Methoden kooperativer Lernformen,

haben wissen über Systeme und Zusammenhänge

im coaching und kennen Mittel

und Zugänge für die initiierung und

Begleitung von Beteiligungsprozessen

im unterricht.

diese ansätze müssen jedoch als verbindlicher

Bestandteil ihren einzug in die

Lehreraus- und -fortbildung erhalten. die

freie universität Berlin und die deutsche

Gesellschaft für demokratiepädagogik e.V.

haben dazu einen ersten anfang gemacht.

der weiterbildungs-Masterstudiengang

„demokratiepädagogische Schulentwicklung

und Soziale kompetenzen“ mit

einem buddY-themenschwerpunkt wird

seit dem wintersemester 2010/2011

angeboten.

Lehrer werden zu Lernbegleitern.

individuelle förderung in den heterogenen

Lerngruppen eines inklusiven Schulsystems

erfordert ein wissen um die Gestaltung

von Lehr- und Lernarrangements, die

individualisiertes Lernen befördern. Von

hier aus erklärt sich die damit zwangsläufig

einhergehende Veränderung in der Lehrerrolle.

Lehrer müssen sich in ihrer rolle

als Lernbegleiter eines jeden Schülers

verstehen und unterricht so vorbereiten,

dass das Lernen in Vielfalt möglich wird.

Mit dem ausbau des Ganztags hat die

politik begonnen, optimierte rahmenbedingungen

für die gelingende individuelle

förderung eines jeden Schülers zu

schaffen. darüber hinaus werden immer

mehr konzepte für ein längeres gemeinsames

Lernen in den Bundesländern

erarbeitet und umgesetzt.

die einrichtung von Gemeinschaftsschulen

und die sukzessive umwandlung von

förderschulen in kompetenzzentren in

nordrhein-westfalen geben hierfür ein

gutes Beispiel ab.

die GrundSchuLe aM Lindener Markt

in hannOVer iSt eine SchuLe für aLLe.

die GrundSchuLe aM Lindener Markt in hannover

Klassenlehrerin birgitt Martens mit Hatice.

In der 4a lernen Kinder

mit und ohne „Handicap“ zusammen.

„hatice, möchtest du den heutigen

tagesplan vorstellen?“ hatice geht strahlend

an die tafel und stellt die themen

des Schultags vor. dass sie dies in einfachen

worten und stockend tut, scheint

die anderen kinder nicht zu stören –

sie hören aufmerksam und geduldig zu.

hatices geistige entwicklung ist verzögert,

daher wollten ihre eltern sie auf

einer förderschule anmelden.

die Lehrer dort unterrichten ihre Grundschüler

aber schon lange nicht mehr im

eigenen haus, sondern an der Grundschule

am Lindener Markt. in kooperationsklassen

arbeiten hier Grund- und

förderschullehrer gemeinsam und unterrichten

kinder mit und ohne „handicap“.

neben hatice lernen in der klasse 4a mit

deniz und Sunita zwei weitere kinder

mit verzögerter geistiger entwicklung zusammen

mit 18 anderen kindern.

nimmt seit dem letzten Jahr am

buddY-programm teil.

für Schulleiterin anne wolters

könnte das buddY-Motto

„Aufeinander achten. Füreinander

da sein. Miteinander lernen.“

den untertitel für das Schulmotto

„Eine Schule für alle“ darstellen.

als hatice nicht weiter weiß, kommen

ihr die anderen kinder zu hilfe. für die

Mitschüler ist das alltäglich und daher

selbstverständlich. ausgelacht wird hier

niemand.

„es sind oftmals eher die eltern, die

Behinderungen als unnormal empfinden,

nicht die kinder“, berichtet klassenlehrerin

Birgitt Martens. aus ihrer Sicht

nützt der gemeinsame unterricht allen

Schülern: „die ‚normalen‘ kinder lernen,

geduldig zu sein, aufeinander zu achten

und zu helfen.“

das sehen auch die Schüler so: „wir

lernen viel von Sunita. Sie kann super gut

malen und uns tipps geben. wir gehen

auch zu den anderen hin und fragen, ob

sie hilfe brauchen. Sie fragen zuerst uns,

und wenn wir das problem dann nicht

lösen können, dann fragen wir die Lehrer“,

erzählen asena, Juri und paul.

Von der Vielfalt profitieren alle.

die klasse 4a ist eine von insgesamt

vier kooperationsklassen, die von je einer

Grund- und einer förderschullehrerin

betreut wird. Letztere ist immer dabei,

um auf die individuellen Bedürfnisse von

hatice, Sunita und deniz einzugehen,

aber auch für die anderen kinder zahlt sich

die doppelbetreuung aus.

Zu den Schülern der kooperationsklassen

gehören jeweils drei kinder mit geistiger

entwicklungsverzögerung und oft auch

andere kinder mit Lernschwierigkeiten.

für kinder mit entwicklungshemmnissen

ist der umgang mit anderen Schülern

enorm motivierend, meint Martens.

„in den förderschulen fehlt oft das positive

Vorbild. Bei uns hat jeder seine

Stärken und Schwächen, von der Vielfalt

profitieren alle“, erklärt die Lehrerin.

7


„inklusion ist eine haltung,

ein MenSchenBiLd.

offene Lernformen sind wichtig,

ebenso die auffassung, wie ich

kindern begegne –

nämlich auf auGenhöhe. ich empfinde

mich als teiL der Gruppe.“

8

BirGitt MartenS, Klassenlehrerin der 4a

auch Barbara wevering kann die angst,

dass lernstärkere kinder beim gemein-

samen Lernen auf der Strecke bleiben,

nicht nachvollziehen. im Gegenteil –

jedes ihrer drei kinder hat die Grund-

schule am Lindener Markt besucht.

„Mein Sohn noah ist mittlerweile in

der 7. klasse. die Lehrer auf der weiterführenden

Schule schwärmen von dem

wunderbaren Sozialverhalten, das er und

seine Mitschüler auf der Grundschule am

Lindener Markt gelernt haben: den Blick

für den anderen, toleranz, einen respektund

verantwortungsvollen umgang.

noah war oft in der rolle, den anderen

kindern zu helfen. das hat ihm sehr gut

getan, weil er selbst etwas erklären und

dabei Methoden entwickeln musste“,

erklärt die dreifache Mutter.

Inklusion braucht sozial verantwortlich

agierende Menschen.

„eine Schule für alle“ zu sein ist die Vi-

sion der Grundschule am Lindener Markt,

die seit 20 Jahren pädagogisch intensiv

verfolgt wird. „inklusion ist eine haltung,

ein Menschenbild“, sagt Birgitt Martens.

und: „Offene Lernformen sind wichtig,

ebenso die auffassung, wie ich kindern

begegne – nämlich auf augenhöhe. ich

bin nicht diejenige, die immer alles weiß.

ich empfinde mich als teil der Gruppe.“

eine inklusive Schule stellt hohe

anforderungen an die Sozialkompetenz

aller am Schulleben Beteiligten. Sozial

verantwortlich agierende Menschen sind

für Schulleiterin anne wolters daher

eine Grundvoraussetzung. partizipation

und Verantwortungsübernahme der

Schüler hält sie für essentiell. Bereits vor

der einführung des buddY-programms

gab es projekte wie Lernpatenschaften

oder klassenrat an der Schule.

warum nimmt die Schule dann am buddYprogramm

teil? „uns ist es wichtig, dass

wir die teilhabe der Schüler an der Schule

institutionalisieren. wir möchten die in den

letzten Jahren gewonnenen erfahrungen

systematisieren, erweitern und personenunabhängig

in unserem Schulprogramm

die elemente von Schülerverantwortung

verankern“, erklärt anne wolters.

Hatice macht das gemeinsame Lernen spaß.

auf dem weg zu einem inklusiven Bildungssystem,

so sind sich aber alle einig,

bedarf es neben der anstrengung der

Schule einer Gesamtleistung des Stadtteils,

der eltern und vor allem der politik.

die Verankerung der inklusiven Schule

im niedersächsischen Schulgesetz und

damit verbunden eine klare definition der

institutionellen Organisation sowie eine

festlegung der notwendigen ressourcen

sind denn auch das erklärte Ziel von

anne wolters.

dafür arbeitet die Schule derzeit an einem

inklusions-konzept, das für die weiterarbeit

der Schule in den nächsten Jahren

entsteht und in dem das buddY-programm

ein teil der praktischen umsetzung werden

soll. wolters: „ich habe mich über

buddY bereits vor vielen Jahren informiert,

als das programm nur den weiterführenden

Schulen angeboten wurde.

ich bin froh, dass es buddY nun auch für

die Grundschule gibt.“

9


10

VOn prOf. dr. andreaS hinZ, Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg

der index für inkLuSiOn – hiLfe und anreGunG für inkLuSiVe entwickLunGSperSpektiVen.

um die idee der inklusion konkret

und handhabbar machen zu können, ist

der „Index für Inklusion“ eine hilfe.

dieses von enGLiSchen kollegen

konzipierte Schulentwicklungsmaterial

liegt in Versionen für Schulen und

kindertageseinrichtungen vor und wird

in deutschland auch für den

kOMMunaLen rauM entwickelt.

Schulen können durch den index für

inklusion vor allem für die Bearbeitung von

zwei fragen unterstützung erhalten:

wie weit sind sie auf dem weg gekommen,

zu einem Ort zu werden, der alle

Menschen willkommen heißt? und wo

haben sie weiteres entwicklungspotenzial

in dieser richtung?

dies kann mit hilfe einer detaillierten

Systematik eruiert werden:

der index bietet eine aufgliederung in

drei dimensionen, sechs Bereiche,

44 indikatoren und insgesamt 560 fragen

an. auf der konkreten ebene der fragen

finden sich die verschiedensten aspekte

von heterogenität und Vielfalt wieder.

So finden sich etwa bei dem indikator

„Der Unterricht wird auf die Vielfalt

der SchülerInnen hin geplant“ u. a.

folgende fragen:

g Geht der Unterricht von einer gemeinsamen

Erfahrung aus, die in unterschiedlicher

Weise entfaltet werden kann?

g Entspricht der Unterricht dem Spek-

trum von Interessen bei Jungen und

Mädchen?

g Legt der Unterricht eine Vorstellung

des Lernens als kontinuierlichen Prozess

nahe statt als Erledigung bestimmter

Aufgaben?

g Prüfen die LehrerInnen Möglichkeiten,

den Bedarf an individueller Unterstützung

bei SchülerInnen zu reduzieren?

g Gibt es eine Vielzahl unterschiedlicher

Aktivitäten, z.B. mündliche Vorträge und

Diskussionen, Zuhören, Schreiben, Zeichnen,

Problemlösen, Nutzung der Bibliothek,

audiovisuelle Materialien, praktische

Aufgaben und Arbeit mit dem Computer?

g Berücksichtigt die Unterrichtsplanung,

dass SchülerInnen wegen ihrer religiösen

Vorstellungen z.B. in Kunst und Musik

Schwierigkeiten haben, sich an bestimmten

Inhalten zu beteiligen?

g Wird der Unterricht ggf. so angepasst,

dass SchülerInnen mit körperlichen

oder Sinnesbeeinträchtigungen auch in

Sportunterricht, Arbeitslehre, Hauswirtschaft

sowie in Physik (bei Optik und

Akustik) Wissen und Fertigkeiten erwerben

können?

auf dieser ebene wird deutlich, dass

die frage von Beeinträchtigungen nur ein

aspekt unter vielen ist, die für das Ler-

nen und die teilhabe in einer Schule

bedeutsam sind. im übrigen kommt es

bei den fragen nicht darauf an, ob sie

Auch die grundschule am Lindener Markt hat sich mit dem Index für Inklusion beschäftigt.

bzw. wie viele von ihnen mit ja beant-

wortet werden können, sondern sie

dienen als Gesprächsanlässe für alle

Beteiligten, aus deren klärungsprozess

die nächsten Schritte erwachsen.

hierfür bietet der index ein Modell mit

fünf phasen an: den index-prozess be-

ginnen / die Schulsituation beleuchten /

ein inklusives Schulprogramm entwerfen /

prioritäten setzen / den index-prozess re-

flektieren. das Modell unterscheidet sich

nicht wesentlich von anderen Modellen

der Schulentwicklung, legt jedoch wert

darauf, dass die verschiedenen perspek-

tiven der Beteiligten Berücksichtigung

finden.

Ein Beispiel

in Sachsen-anhalt kooperierte

die universität halle im rahmen der

Ganztagsschulentwicklung (iZBB) drei

Jahre lang mit Schulen, um mit hilfe des

index entwicklungsprozesse anzuregen.

acht Schulen – das Spektrum reicht von

einer Montessori-Grundschule bis zu

einem geradezu exklusiven Landesgym-

nasium für Musik – setzen vor allem am

phasenmodell an, dessen erster durch-

lauf zur methodischen Qualifizierung von

an die universität abgeordneten Lehrerin-

nen moderiert wird.

die weitere entwicklungsarbeit wird vom

index-team der Schule autonom gestal-

tet, die Begleitung hat nur noch beobachtende

funktion. hier löst sich dann das

phasenmodell mehr oder weniger auf, da

die prioritäten mit unterschiedlichen

Zeiträumen bearbeitet werden. als hoch

bedeutsam zeigt sich hier die partizipation

der Schülerinnen.

in den entwicklungsprozessen wird

deutlich, dass nicht nur relativ schnell

zu bewerkstelligende Veränderungen

erfolgen, wie etwa ein bebilderter Vertretungsplan

für kinder, die nicht lesen

können.

auch komplexe Vorhaben werden angegangen:

So werden in einer Schule

durch das engagement von Schülerinnen

schon lange als unabänderlich abgeschriebene

organisatorische Veränderungen

angegangen, etwa der Schulbeginn am

Morgen und die gesamte tagesstruktur.

es handelt sich beim index für inklusion

also nicht um ein Material zur Qualitätssicherung,

mit dem mehr oder weniger

standardisiert abgefragt, eingeschätzt

und umgesetzt wird, sondern um ein

Material, das die reflexion über eigene

praxis und weiterentwicklung anregt.

Sämtliche Bildmotive der vorangegangenen Seiten wurden an der Grundschule am Lindener Markt Hannover aufgenommen.

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Frau Löhrmann, Sie haben im Januar

Ihre erste buddY-Schule besucht. Wie

war Ihr Eindruck?

LöhrMann: ich habe die carl-Benz-

realschule in düsseldorf besucht und

war sehr beeindruckt. ich habe erlebt,

mit wie viel Begeisterung Schülerinnen

und Schüler, Lehrerinnen und Lehrer bei

der Sache sind. da waren zum Beispiel

die paten-BuddYs, die den neuen fünft-

klässlerinnen und fünftklässlern die

Schule zeigen und ihnen bei problemen

zur Seite stehen. Oder die hausaufga-

ben-BuddYs, die bei den hausaufgaben

helfen und motivieren.

insgesamt habe ich den eindruck ge-

wonnen, dass sich das buddY-programm

positiv auf das gesamte Schulklima aus-

wirkt. es stärkt das soziale Miteinander

und gute Leistungen.

Die Resonanz auf das buddY-Programm

in NRW ist gut. Warum brauchen wir

buddY in NRW?

LöhrMann: Schule hat nicht nur einen

12

IntErVIEw

„in den BuddY-SchuLen wird der Gedanke, daSS eine SchuLGeMeinSchaft

ZuSaMMenhäLt, Mit LeBen GefüLLt.“

das buddY-Magazin sprach mit

nrw-Schulministerin Sylvia Löhrmann über den

Start des buddY-programms in nrw und

die herausforderungen auf dem weg zu einem

Bildungs-, sondern auch einen

erziehungsauftrag. daran knüpft das

buddY-programm an. kinder und

Jugendliche lernen hier ganz praktisch,

Verantwortung für sich und andere zu

übernehmen. Sie lernen voneinander und

miteinander und unterstützen sich dabei

gegenseitig. die Starken helfen den noch

nicht so Starken, und alle profitieren.

in den buddY-Schulen wird der Gedanke,

dass eine Schulgemeinschaft zusammenhält,

mit Leben gefüllt. das ist vorbildlich

und bringt eine große wertschätzung

zum ausdruck.

Unser Ziel ist es, dass BuddY ein Synonym

für Menschen wird, die einander achten und

Verantwortung füreinander übernehmen.

Wie weit sind wir in Deutschland auf dem

Weg hin zu einer inklusiven Gesellschaft?

LöhrMann: wir stehen hier am anfang

eines längeren prozesses. aber die

weichen sind gestellt.

unser Ziel ist die inklusive Schule, in

der kinder mit und ohne Behinderungen

gemeinsam lernen, so wie es die

inkLuSiVen Bildungssystem.

un-Behindertenrechtskonvention

verlangt. in der primarstufe wird bereits

heute jede vierte Schülerin und jeder

vierte Schüler mit sonderpädagogischem

förderbedarf in einer allgemeinen Schule

unterrichtet. in der Sekundarstufe i

liegt die integrationsquote noch bei elf

prozent.

wir müssen also vor allem in den weiterführenden

Schulen etwas tun und mehr

Gemeinsames Lernen anbieten.

im Sommer diesen Jahres werden wir

erste eckpfeiler für einen inklusionsplan

vorlegen, in dem weitere Schritte auf

dem weg zur inklusiven Schule beschrieben

werden.

Die Herausforderungen auf dem Weg zur

inklusiven Bildung sind groß.

Vielen Eltern geht es zu langsam, vielen

Schulen zu schnell. Wie kann die Politik

hier unterstützen?

LöhrMann: wir müssen bei eltern und

Lehrkräften für gegenseitiges Verständnis

werben und die Menschen mitnehmen.

wir müssen aber anerkennen, dass

immer mehr eltern von kindern mit Behinderungen

wünschen, dass ihr kind

an einer allgemeinen Schule unterrichtet

wird. deshalb wollen wir das recht

auf inklusive Bildung im Schulgesetz

verankern. Bis dahin werden wir alle

Möglichkeiten ausschöpfen, um schon

jetzt mehr Gemeinsames Lernen möglich

zu machen. wir haben die Schulaufsicht

aufgefordert, diesem wunsch der

eltern soweit es geht zu entsprechen.

Auch die Lehrkräfte stehen vor enormen

Herausforderungen: Sie müssen Klassen

mit ganz unterschiedlichen Schülern

unterrichten. Was muss sich an der

Lehrerfort- und -ausbildung ändern?

LöhrMann: wir müssen weiter daran

arbeiten, die individuelle förderung in

den Schulen als Grundprinzip zu verankern

und mehr angebote zum umgang

mit heterogenität machen. wir brauchen

Lehrerinnen und Lehrer, die auf einem

hohen fachlichen und didaktischen

niveau arbeiten und jedes einzelne kind

in den Mittelpunkt ihrer arbeit stellen.

in Zeiten des Schülerrückgangs und des

drohenden fachkräftemangels können

sylvia Löhrmann mit

den buddYs der

Carl-benz-Realschule

Düsseldorf.

wir es uns als Gesellschaft nicht

leisten, auch nur ein kind zu verlieren.

wir müssen die Bildungschancen von

der sozialen herkunft entkoppeln und

mehr Schülerinnen und Schüler zu besseren

abschlüssen führen. dazu gehört

auch, dass wir das denken in Schulformen

überwinden. Mit den 14 neuen

Gemeinschaftsschulen, die im nächsten

Schuljahr an den Start gehen, um das

längere gemeinsame Lernen zu erproben,

machen wir einen wichtigen Schritt

in richtung mehr Bildungsgerechtigkeit

und Leistungsfähigkeit unseres Schulsystems.

13


gROsse buDDY-konfErEnz: NeueR sCHWuNg

FÜR DAs buDDY-PROgRAMM IN bErLIn. Künftig können die

grundschulen in aufbau-traInInGS das buddY-prinzip

an ihrer schule vertiefen. Auch die Weichen für den Übergang

in die seKuNDARsCHuLeN in berlin wurden gestellt.

Rita süssmuth, Vorstandspräsidentin des buddY e.V., während der Podiumsdiskussion.

positiv war die resonanz auf den Berliner

fachtag „das buddY-prinzip in Berliner

Schulen – entwickeln, verankern, leben“,

zu dem im april die Grundschulen und

die Schulleitungen der Sekundarschulen

eingeladen waren. der fachtag gab die

Gelegenheit, die erfahrungen aus den

Schulen zentral zu bündeln, die Vernetzung

zwischen den Schulen zu vertiefen

und neue ideen mitzunehmen.

entsprechend des allgemeinen bundesweiten

trends ist auch in Berlin das thema

Gewaltprävention weiterhin aktuell.

in ihrem workshop „Schwierige kinder

in den Griff bekommen – mit BuddYs

und ich schaff‘s“ stellte buddY-Lehrerin

christiane Strack zusammen mit zwei

buddY-Schülern hilfreiche wege im umgang

mit verhaltensauffälligen kindern

an der annedore-Leber-Grundschule dar.

Mobbing ist weiterhin ein akutes Thema.

Mobbing gab es schon immer an Schulen,

eine neue dimension stellt jedoch

das sog. cyber-Mobbing dar. durch das

internet scheinen Grenzen zu fallen,

plattformen wie www.isharegossip.com,

14

die das anonymisierte „niedermachen“

anderer versprechen, haben erschreckend

viel Zulauf. informationen und hintergründe,

die auf die sensible wahrnehmung

des phänomens auf Lehrer- und

Schülerebene abzielen sowie konkrete

handlungsstrategien für Mobbingopfer

bot der workshop „untouchable –

immun gegen Mobbing“.

aber auch die anderen gut besuchten

workshops zu themen wie „klassenrat –

demokratie zum anfassen“, „Lern-

BuddYs“ oder der für Schulleiter ausgelegte

workshop „partizipativ leiten“

gaben einen einblick in die Vielfalt des

buddY-programms.

„es war sehr interessant, sich mit den

kollegen auszutauschen und zu sehen,

dass buddY auch an den anderen Schulen

sehr lebendig ist. ich bin sehr motiviert

und gehe mit neuem Schwung

an die Schule zurück“, erklärte annette

Liepe von der randow-Grundschule. für

die Grundschulen wird es künftig neben

den netzwerktreffen, die die buddYkoordinatoren

regelmäßig durchführen,

fortbildungen zur Vertiefung und ausdehnung

von buddY an den Schulen geben.

Übergang in die Sekundarschulen.

in der abschließenden podiums-diskussion

wurde auch die frage der überführung

von buddY in die weiterführenden

Schulen thematisiert, um die nachhaltigkeit

des programms sicherzustellen.

es wurden Möglichkeiten zur Gestaltung

des übergangs mit dem buddY-programm

aufgezeigt und damit neue wege

in die weiterführenden Schulen eröffnet.

Berliner Bezirke, die interesse an der

umsetzung des buddY-programms an

Sekundarschulen haben, sind herzlich zu

zu einer regionalen kooperation eingeladen.

Der buddY E.V. dankt der Berliner

Senatsverwaltung für Bildung, Wissenschaft

und Forschung für die fi nanzielle

und organisatorische Unterstützung

der buddY-Konferenz.

Mehr informationen zum buddY-programm

in Berlin bei nina franzen,

nina.franzen@buddy-ev.de

LandeSprOGraMMe

thürinGen führt buddY landesweit an Grundschulen ein.

anmeldungen ab sofort möglich.

Die buddYs in thüringen können sich dieser tage freuen: Das thüringer Ministerium für bildung, Wissenschaft und Kultur

und die landesstelle Gewaltprävention im thüringer Ministerium für soziales, familie und Gesundheit verlängern zusammen

mit dem buddY e.V. die umsetzung des buddY-Programms um zwei weitere Jahre an den schulen der sekundarstufe i und ii.

Die betreuung der bestehenden buddY-schulen durch die Prozessmoderatoren ist dadurch unter anderem sichergestellt.

seit dem start in thüringen engagieren sich rund 700 schüler in fast 130 Projekten z.b. als Pausen-, streitschlichter- oder

Mensa-buddYs. und es werden mehr – ab dem nächsten schuljahr steht das Programm auch den Grundschulen in thüringen

offen. informationsveranstaltungen dazu folgen im Mai.

anmeldungen, termine und sonstige infos zu buddY in thüringen unter www.buddy-ev.de oder bei bianca Müller,

bianca.mueller@buddy-ev.de.

Der buddY E.V. sucht zusätzlich zum derzeitigen Förderer Vodafone Stiftung Deutschland weitere Förderer und Sponsoren. Mehr

Informationen bei Andrea Meier, andrea.meier@buddy-ev.de.

nOrDrhein-Westfalen startet mit zwölf trainingsgruppen.

83 schulen hatten sich um eine teilnahme am buddY-Programm beworben, davon haben nun 66 schulen mit den

trainings begonnen. insgesamt haben sich zwölf trainingsgruppen gebildet. Die teilnehmer sind konzentriert und motiviert

in die fortbildungstage gegangen.

am 25. Mai präsentiert sich buddY auf der Ganztagsmesse in hamm. Weiterhin finden im rahmen des buG-Programms

zur psychosozialen Gesundheit fünf informationsveranstaltungen zum buddY-Programm in arnsberg, Köln, Düsseldorf,

Detmold und Münster statt. termine im Mai und Juni unter www.buddy-ev.de.

Gefördert wird das Landesprogramm von der Unfallkasse NRW und der Vodafone Stiftung Deutschland.

buddY bald auch an Grundschulen in hessen?

neues aus Den netZWerKen

bis zum sommer sollen drei bis vier staatliche schulämter gewonnen werden, die das buddY-Programm auch an Grundschulen

umsetzen möchten. Das hessische Kultusministerium (hKM) vertreten durch Dr. stephan Jeck unterstützt diesen Prozess.

Interessierte Förderer und Sponsoren, die buddY an Grundschulen unterstützen möchten, melden sich gerne bei Andrea Meier,

andrea.meier@buddy-ev.de.

Durch die integration des buddY-Programms als eine säule des hKM-Projektes Gewaltprävention und Demokratielernen

(GuD) ist buddY nun erfolgreich in den strukturen von hessen verankert. Die GuD-landeskoordinatoren Marion altenburg,

Gerlinde Zeidlewitz-Müller, angela Winderlich und christian Wild haben die betreuung der beteiligten schulen in

ihren aufgabenbereich übernommen. im herbst wird es wieder angebote der aufbauphase geben. individuelle angebote,

wie z.b. eine schulinterne lehrerfortbildung oder ein schulindividuelles coaching, können jederzeit beim buddY e.V.

abgerufen werden.

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neues aus Den netZWerKen

flächendeckende ausdehnung in haMburG?

in hamburg werden dieser tage mit spannung die ergebnisse aus dem von der Dürr-stiftung hamburg geförderten

Pilotprojekt erwartet. Die auf dem bilanztag vorgestellten ergebnisse sind entscheidend für eine ausweitung des

buddY-Programms in hamburg.

Die Pilotschulen, in denen bereits interessante Praxisprojekte entstanden sind, stehen nun vor der spannenden frage der

implementierung des buddY-Prinzips in den schulalltag. Unterstützungsangebote dazu werden noch verhandelt.

erste buddY-Projekte an den Grundschulen in nieDersachsen.

Die sechs trainingsgruppen des Grundschulprogramms arbeiten engagiert an der umsetzung der Praxisprojekte an

ihren schulen. buddY wird an vielen Grundschulen in form einer aG am nachmittag umgesetzt, soll aber auch im unterricht

angesiedelt werden. Die lehrkräfte bilden derzeit beispielsweise lern,- Paten- oder auch schwimmhelfer-buddYs aus

und auch der Klassenrat wird an zahlreichen schulen eingeführt.

angesichts der umstrukturierungen in den niedersächsischen landesschulbehörden steht die steuerungsgruppe derzeit

vor der aufgabe, die wertvolle unterstützung und begleitung der schulen durch die Prozessmoderatoren

sicherzustellen. Hauptförderer ist derzeit die Vodafone Stiftung Deutschland.

reGiOnaLe netZwerke

DüsselDOrfer Grundschulen in der trainingsphase.

Die trainings laufen derzeit auf hochtouren. nach dem trainingstag 4 werden die lehrkräfte die buddY-idee an die

schüler herantragen. Förderer sind die Stadt Düsseldorf, Fachstelle für Gewaltprävention, und die Stadtsparkasse Düsseldorf.

haupt- und Grundschulen in OstWestfalen-liPPe.

Mit drei Grundlagen-trainingsgruppen an den standorten bielefeld, herford und im Kreis höxter ist die

ausbildungsrunde in OWl gestartet. 20 Grundschulen haben sich mit rund 60 teilnehmern angemeldet. Damit wächst

die Zahl der buddY-Grundschulen in OWl auf 34 an.

Das Aufbaumodul „buddY im Unterricht“ kann den Modellschulen durch die Förderung der Peter-Gläsel-Stiftung weiterhin

ohne Kostenbeteiligung angeboten werden. Neue Angebote gibt es wieder im Herbst.

im netzwerk der 20 hauptschulen in OWl finden aktuell Prozessmoderatoren-coachingtage und netzwerktreffen

statt. Die idee, einen übergreifenden schülerkongress von buddY-schulen in OWl durchzuführen, wird aktuell wieder

aufgegriffen.

aktuelle infos: www.buddy-ev.de

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„öffentLichkeitSarBeit Macht SchuLe“

nEuE SErIE

in der neuen Serie „Öffentlichkeitsarbeit

macht Schule“ kommen in jeder

ausgabe des buddY-Magazins vor allem

praktiker aus den Schulen zu wort,

die über ihre erfahrungen berichten und

konkrete tipps geben. wie gewinnt

man als Schule Sponsoren? wie bringe

ich meine Schule in die Zeitung? das

herzstück der öffentlichkeitsarbeit ist

die pressearbeit, die daher den auftakt

der Serie bildet.

Bernd SchäperS ist konrektor an

der Städtischen realschule in ahlen und

kümmert sich seit einigen Jahren sehr

erfolgreich um die pressearbeit an seiner

Schule: in rund 30 artikeln wurde allein

im vergangenen Jahr über die „Science-

BuddYs“ berichtet.

Herr Schäpers, warum ist Pressearbeit

für Schulen heute wichtig?

SchäperS: Mittlerweile herrscht eine

zunehmende konkurrenz zwischen Schulen.

Viele eltern achten sehr darauf, ob

und wie oft über unsere Schule berichtet

wird. wenn eine Schule in der öffentlichkeit

positiv wahrgenommen wird, fühlen

sich eltern in ihrer entscheidung, ihr

kind auf diese Schule geschickt zu haben,

bestätigt.

Schulen betreiben kaum Pressearbeit.

Warum nicht?

SchäperS: es gibt oft Zweifel bei

kollegen, ob das eigene projekt wichtig

genug ist. ich kann dazu nur sagen:

alle projekte, die über den normalen

unterricht hinausgehen, sind erwähnenswert.

wir hatten z.B. einen projekt-

Lesetag, zu dem wir dichter und Schriftsteller

eingeladen haben oder einen

elternabend zum thema Mobbing –

darüber berichten die Medien gerne.

auch unsere buddY-projekte werden

regelmäßig vorgestellt.

Wie funktioniert die Pressearbeit

an Ihrer Schule?

SchäperS: es macht Sinn, die presse-

arbeit zentral in einer hand zu belassen.

der oder die kollegin hat den überblick

und gilt intern und extern als pressebeauftragter,

der von den kollegen über

relevante projekte und themen informiert

wird und den persönlichen kontakt

mit den Medien hält.

Wie gehen Sie vor, wenn Sie ein Projekt

in die Presse bringen möchten?

teil 1: preSSearBeit

wettbewerbsdruck, Marketing und pr – Vokabeln,

die man bisher eher aus der wirtschaft kennt,

halten zunehmend einzug in die Schulen. angesichts der

freien Schulwahl und sinkender Schülerzahlen

stehen die Schulen zunehmend unter Zwang, sich in

der öffentLichkeit gut darzustellen.

bernd schäpers,

Konrektor der

städtischen Realschule

Ahlen.

SchäperS: es gibt zwei Möglichkeiten:

Man kann die Medien zu einer Veranstaltung

einladen und die Journalisten machen

sich selbst ein Bild. da kann es aber

passieren, dass Sachverhalte nicht richtig

dargestellt werden. daher ist es ganz

wichtig, dass der redakteur bei seinem

Besuch eine pressemitteilung bekommt,

in der er alles genau nachlesen kann.

es gibt aber auch die Möglichkeit, dass

ich selbst eine presseinformation schreibe

und diese dann mit einem foto an

die Medien versende.

dazu habe ich einen Verteiler mit allen

presse-kontaktdaten angelegt, in dem

e-Mail-adressen, postanschrift und telefonnummern

vermerkt sind.

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die pressemitteilung schicke ich als

word-dokument, nicht als pdf, damit die

redaktion den text direkt übernehmen

kann. Ganz wichtig ist es, eine auswahl

an Bildern mitzusenden.

eine kurze Bildunterschrift sollte erklären,

was auf dem foto zu sehen ist.

Zudem müssen die fotos druckfähig

sein, d.h. eine auflösung von 300 dpi

haben. das kann man bei den heutigen

kameras ohne probleme einstellen

und die fotos werden sowieso im notwendigen

jpg-format gespeichert.

chEckLIStE

Pressearbeit für schulen

Pr-beauftragten ernennen.

halbjahresübersicht mit presserelevanten themen und Projekten erstellen.

Pressekontakte zusammenstellen.

Pressemitteilung mit bildern und bildunterschriften versenden.

Pressefragen sofort beantworten.

Persönlicher Kontakt zur Presse.

Pressemappe bei terminen vor Ort vorbereiten.

artikel auswerten.

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Wann schreiben Sie selbst und

wann laden Sie ein?

SchäperS: ich schreibe immer dann

selbst, wenn es um komplexere Zusam-

menhänge geht, über die eine einzelne

Veranstaltung nicht ohne weiteres auskunft

geben kann. wenn wir z.B. einen

elternabend zum thema Mobbing organisieren,

dann kann ich selbst in einem

artikel viel besser die pädagogische

aussage transportieren. ein Journalist

kann, wenn er kurz vorbei kommt, dies

nicht adäquat darstellen.

Wie muss eine gute Pressemitteilung

aufgebaut und geschrieben sein?

SchäperS: Sie sollte auf jeden fall

in einer einfachen, leicht verständlichen

Sprache mit eher kurzen Sätzen

geschrieben sein. eine pädagogische

fachsprache eignet sich nicht.

Zudem sollten direkt am anfang die

sog. w-fragen beantwortet sein:

wer, was, wo, wann, warum. überschriften

und Zwischen-überschriften

sind lesefreundlicher. Ganz wichtig

sind Zitate, weil die den text lebendiger

machen. es gilt eben, sich möglichst

der Zeitungssprache anzupassen.

kurz bErIchtEt

Neues vom familY-Programm

Mit dem neuen familY-programm möchte

der buddY e.V. familien in Bildungsfragen

unterstützen. die programmentwicklung

schreitet derzeit mit riesenschritten voran.

das Ziel ist es, bis ende September das

konzept für das elterntraining und bis

Oktober das Qualifizierungskonzept für

die familY-Begleiter entwickelt zu haben.

Zudem stehen die Orte bzw. Stadtteile innerhalb

der projektkommunen Berlin,

düsseldorf und kreis Lippe fest, in denen

das familY-programm in der pilotphase

erprobt werden soll.

Mehr Infos unter

www.buddy-ev.de/family

Wir danken den Förderern des

familY-Programms:

VOdafOne StiftunG deutSchLand,

Überregionaler Hauptförderer

SchMitZ-StiftunGen,

Regionaler Hauptförderer Düsseldorf

Lippe iMpuLS – StiftunG

StandOrtSicherunG kreiS Lippe,

Regionaler Hauptförderer Kreis Lippe

aOk nOrdOSt,

Regionaler Unterstützer Berlin

Für die Projektentwicklung suchen

wir weitere überregionale Förderer sowie

einen regionalen Hauptförderer Berlin.

Mehr Infos bei Gisela Bhatti,

gisela.bhatti@buddy-ev.de

patrick owomoyela: „ich bin

ein BuddY, weil ich es wichtiG finde,

sich um andere zu bemühen.“

In seiner neuen funktion als

testimonial für das buddY-programm

wird patrick owomoyela,

außenverteidiger beim

bundesligisten borussia Dortmund,

u.a. Schulen besuchen, die

mit dem buddY-programm arbeiten.

Der 31jährige fußballer,

der auch schon für die deutsche

nationalmannschaft im Einsatz war,

freut sich bereits auf das

erste treffen mit “echten” buddYs.

buddY-Wettbewerb des Monats –

Wir zeichnen Ihr Engagement aus!

Sie sind als buddY-coach aktiv und

führen zusammen mit den BuddYs erfolg-

reiche projekte durch? dann beteiligen

Sie sich am bundesweiten wettbewerb

buddY-projekt des Monats“, den der

buddY e.V. und die Vodafone Stiftung

deutschland ausschreiben. die Gewinner

werden öffentlich präsentiert. Zudem

versuchen wir, ihre Schule in die presse

zu bringen.

Unterlagen unter

www.buddy-ev.de/buddy-wettbewerb

Bewerben Sie sich!

Patrick Owomoyela mit

Roman R. Rüdiger,

geschäftsführender Vorstand

des buddY e.V.

Das buddY-Programm

bei Facebook –

Werden Sie Mitglied!

Vernetzen, austauschen, diskutieren –

mit uns und anderen BuddYs. wir halten

Sie mit aktuellen terminen,

Veranstaltungen

und neuigkeiten auf dem

Laufenden. Sie lernen

andere buddY-coaches

kennen und können hilfreiche erfahrungen

austauschen. Oder Sie diskutieren mit

uns zum aktuellen Schwerpunkt-thema

„inklusion“.

Wir sind gespannt auf Ihre Meinung:

www.facebook.de/buddy-programm

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IMprESSuM:

HeRAusgebeR: buddY e.V. – Verein zur Förderung sozialen Lernens

VeRANTWORTLICH: Roman R. Rüdiger

ReDAKTION: Mira sin

ANsCHRIFT

buddY E.V. – Verein zur förderung sozialen Lernens

benzenbergstraße 2 I 40219 Düsseldorf

T: 0211/30 32 91 - 0 I F: 0211/30 32 91 - 22

e-Mail: info@buddy-ev.de

www.buddy-ev.de

gesTALTuNg: Christine elsässer, stuttgart

www.christineelsaesser.de

FOTOs: buddY e.V., buddY-schulen,

bente stachowske, Hamburg (s. 01-11)

PRePRess: Christina Kießling, Korb

DRuCKeReI: studiodruck brändle gmbH

www.buddy-ev.de

aufeinander achten. füreinander da sein. Miteinander lernen.

initiator und hauptförderer:

Mix

Produktgruppe aus vorbildlich bewirtschafteten

Wäldern und anderen kontrollierten Herkünften

www.fsc.org Zert.-Nr. sgs-COC-003340

©

1996 Forest stewardship Council

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