Andreas Dibowski und Euroriding Butts Leon

euroriding

Andreas Dibowski und Euroriding Butts Leon

Gaulouis du Monceau (über 800 gekörte Nachkommen)

deckte ab 1924 in Kreuz

Der 1943 geborene Hannoveraner Griff I

von Glimmer – Fix deckte in Kreuz

Die 1936 erbaute 20 x 60 m große Reithalle in Kreuz,

abgerissen 1985

Perfekter Gleichklang: Fahrvorführung

zur Kreuzer Hengstparade

Die Ungarische Post im Kreuzer Hengstparadeprogramm

der 1950er Jahre

Zeitzeuge

Im Wechselbad der

Geschichte

Mit 253 Hengsten war das Landgestüt Kreuz in den 1950er

Jahren das größte auf deutschem Boden. Als das Pferd für die

Landwirtschaft an Bedeutung verlor, wurde das Gestüt über

Nacht aufgelöst und ein Großteil der Hengste geschlachtet.

Im Gespräch mit Beate Uhlenbrok blickt der heute 91-jährige

Landstallmeister a.D., Dr. Otto Stieme, zurück.

Als 1888 mit dem Bau des „Königlichen

Landgestütes Kreuz“ in der Provinz

Sachsen begonnen wurde, ließ sich die

wechselvolle Geschichte dieser bei Halle

gelegenen Zuchtstätte, die später zur

Preußischen Gestütsverwaltung gehörte,

noch nicht erahnen. 1900 beherbergten

seine Stallungen 135 Hengste, 1922 schon

annährend 200 Tiere. Ab 1926 fanden

auf der Anlage die berühmt gewordenen

Kreuzer Turniere statt, die größte pferdezüchterische

und -sportliche Veranstaltung

Mitteldeutschlands.

Den Zweiten Weltkrieg überlebte das

Landgestüt nahezu unbeschadet, 1952

jedoch kam zum ersten Mal das Aus:

Der von 1922 bis 1952 amtierende Landstallmeister

Hasso Schwechten wurde

von einem SED-Funktionär abgelöst,

die Hengste und ihre Gestütswärter auf

umliegende staatliche Landwirtschaftsgüter

verteilt und in die Stallungen zogen

Schweine ein – damit wollten die vor Ort

stationierten sowjetischen Streitkräfte

eine Mast betreiben. Drei Jahre später war

die Anlage im Zustand völliger Verwahrlosung

angekommen.

Trümmer und Schweinemist

„Als ich 1955 mit der Wiedereinrichtung

und Leitung des Gestütes beauftragt wurde,

übernahm ich hauptsächlich Trümmer

und Schweinemist“, erinnert sich Dr. Otto

Stieme noch sehr gut. Die Initiative zur

Erneuerung der Zuchtstätte war von Prof.

Werner Wussow ausgegangen, dem Chef

des Tierzuchtinstitutes Halle, wo Stieme

studiert hatte. Nach einem halbstündigen

Gespräch mit dem stellvertretenden Landwirtschaftsminister

in Berlin drückte

dieser Stieme eine Berufungsurkunde für

Kreuz in die Hand sowie einen Scheck

über 500.000 Mark für Baumaßnahmen,

hinterlegt bei der Landwirtschaftsbank.

„Da stand ich nun in Kreuz, mit meinem

Fichtel & Sachs Leichtmotorrad und einer

Empfehlung für einen Baubetrieb; das war

alles was ich hatte“, blickt der 91-Jährige

zurück. Ein halbes Jahr dauerte die Instandsetzung

damals, dann konnten die

253 Hengste und ihre 130 Wärter heimkehren

ins Gestüt.

Trakehnerhengst im Tanzsaal

Die gewaltige Zahl von 150 Kaltbluthengsten

gehörte 1955 zum Bestand des

Kreuzer Gestütes, welches sich schon

seit den Anfängen des 19. Jahrhunderts

diesem Pferdetyp verschrieben hatte.

Gaulois du Monaceau 888 und Albion Il

d‘Haubrouge 1100, die Elitehengste jener

Ära, sind in unzähligen Pedigrees verankert.

Ein halbes Jahrhundert ist es nun her,

dass Stieme die Fotos dieser Vererber in

seinem Album fein säuberlich beschriftet

hat. Jetzt nimmt er es zum ersten Mal seit

Jahren wieder zur Hand, und seine Augen

glänzen dabei.

Außer den Kaltblütern kehrten damals in

den Hengststall auch 50 Oldenburger, 25

Hannoveraner und 28 Trakehner zurück.

Mit einem von letzteren stellten die Gestüter

ihren Vorgesetzten einmal auf die

Probe: „Wir wollen unseren Chef auf dem

Pferd sehen!“, wurde der Ruf bei einer

fröhlichen Veranstaltung im Tanzsaal

laut. Und prompt brachte jemand einen

sensiblen Trakehnerhengst zur Saaltür herein.

„Ich sprang auf und ritt den Hengst

die Stufen hinunter zurück in Richtung

Stall“, erzählt Stieme, und dabei grient er

spitzbübisch.

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