Jahrbuch 2011 - Deutsche Gesellschaft für Muskelkranke (DGM)

dgm.org

Jahrbuch 2011 - Deutsche Gesellschaft für Muskelkranke (DGM)

Jahrbuch der

Deutschen Gesellschaft

für Muskelkranke e. V.

und ihrer Neuromuskulären Zentren

AWS Medienverlag GmbH

Herausgeber

Reinhard Dengler

Bernhard Neundörfer

Horst Ganter

2011


Mit freundlicher Unterstützung


Jahrbuch der

Deutschen Gesellschaft

für Muskelkranke e. V.

und ihrer Neuromuskulären Zentren

AWS Medienverlag GmbH

Herausgeber

Reinhard Dengler

Bernhard Neundörfer

Horst Ganter

2011


Autoren und Verlag haben die Angaben zu Medikamenten und ihren Dosierungen mit größter

Sorgfalt und entsprechend dem aktuellen Wissensstand bei Fertigstellung des Buches

verfasst. Trotzdem ist der Leser aufgefordert, anhand der Beipackzettel der verwendeten

Präparate in eigener Verantwortung die Dosierungsempfehlungen und Kontraindikation zu

überprüfen.

Sollten geschützte Warenzeichen beziehungsweise Warennamen nicht besonders kenntlich

gemacht sein, kann nicht daraus geschlossen werden, dass es sich um einen freien

Warennamen handelt.

Alle Rechte vorbehalten, insbesondere das Recht der Vervielfältigung und Verbreitung

sowie der Übersetzung. Kein Teil des Werkes darf in irgendeiner Form (durch Fotokopie,

Mikrofilm oder ein anderes Verfahren) ohne schriftliche Genehmigung der Herausgeber

reproduziert oder unter Verwendung elektronischer Systeme verarbeitet, vervielfältigt oder

verbreitet werden.

Jahrbuch der Deutschen Gesellschaft für Muskelkranke e. V.

und ihrer Neuromuskulären Zentren erscheint jährlich seit 2010.

Herausgeber: Prof. Dr. Reinhard Dengler, Prof. Dr. Bernhard Neundörfer, Horst Ganter

Korrespondenzadresse: Deutsche Gesellschaft für Muskelkranke e. V., Im Moos 4,

79112 Freiburg

Redaktion: Horst Ganter (V.i.S.d.P.)

Verlag:

AWS Medienverlag GmbH, Goethestraße 12 a, 76275 Ettlingen

Jahrbuch der Deutschen Gesellschaft für Muskelkranke e. V. 2011

ist erschienen im März 2012

ISBN 978-3-9814975-0-2


Inhalt

Vorwort

von Reinhard Dengler

Bernhard Neundörfer

und Horst Ganter ____________________7

Qualitätskriterien für die

Neuromuskulären Zentren

der Deutschen Gesellschaft

für Muskelkranke e. V. (DGM) _________9

DGM-Gütesiegel für

Neuromuskuläre Zentren (NMZ) ______10

Neuromuskuläre Zentren in

Deutschland benannt von der

Deutschen Gesellschaft für

Muskelkranke e. V. (DGM) ___________11

Deutsche Gesellschaft für

Muskelkranke e. V. (DGM) ___________12

Jahresberichte der

Neuromuskulären Zenren

NMZ Bayern-Mitte _________________16

NMZ Bayern Süd ___________________19

NMZ Berlin ________________________28

NMZ Brandenburg _________________30

NMZ Dresden ______________________32

NMZ Freiburg ______________________37

NMZ Göttingen ____________________42

NMZ Halle _________________________45

NMZ Hamburg _____________________48

NMZ Hannover ____________________53

NMZ Homburg/Saar ________________57

NMZ Leipzig _______________________58

NMZ Magdeburg ___________________62

NMZ Mainz ________________________67

NMZ Marburg-Gießen-Kassel ________71

NMZ Mecklenburg-Vorpommern

Bereich Rostock ___________________75

NMZ Mecklenburg-Vorpommern

Bereich Vorpommern _______________78

NMZ Münster/Westfalen ____________81

NMZ Nordrhein ____________________86

NMZ Nordwest __________________ 101

NMZ Rhein-Main _________________ 103

NMZ Rhein-Neckar _______________ 105

NMZ Ruhrgebiet _________________ 107

NMZ Stuttgart ___________________ 112

NMZ Thüringen __________________ 114

NMZ Ulm ________________________ 120

NMZ Würzburg __________________ 132

Themenbeitrag

Rationale genetische

Diagnostik von erblichen

Myopathien – ein Versuch _________ 143


Preisträger der Deutschen Gesellschaft

für Muskelkranke e. V. 2011

Verleihung der Forschungspreise

der Deutschen Gesellschaft für

Muskelkranke e. V. – DGM

im Jahre 2011 ____________________ 149

Computerbasierte multipara-

metrische Magnetresonanz

tomographie-Bildgebung

bei ALS und anderen

Motoneuronerkrankungen _________ 150

Ciclosporin A zur Behand-

lung der Muskeldystrophie

Duchenne: eine randomisierte,

doppelblinde, plazebo-

kontrollierte multizen-

trische Studie ____________________ 154

Ein Schaltmodell des

spannungsgesteuerten

Natriumkanals mit

Temperaturabhängigkeit

und dessen Aussagen

für die Paramyotonie _____________ 156

Aktivierung des PGC-1α

Signalweges als Therapie-

ansatz für mitochondriale

Myopathien _____________________ 160

Datenbanken und Forschungsnetze

der DGM

Neuromuskuläres Zentrum

Ulm: Patientendatenbank

der Division of

Neurophysiologie ________________ 165

mitoNET – Deutsches

Netzwerk für mitochon-

driale Erkrankungen ______________ 167

National und inter-

national: Mito-Team

auch 2011 aktiv __________________ 171

Wissenschaftlicher

Beirat der deutschen

gesellschaft für Muskel-

kranke e. V. ______________________ 175

Ehrenmitglieder

der deutschen

Gesellschaft für

Muskelkranke e. V. _______________ 177

Neuromuskuläre Zentren

in der Bundesrepublik

Deutschland im Auftrag

der deutschen Gesellschaft

für Muskskelkranke e. V. __________ 178

Zusätzliche

Neuromuskuläre

Sprechstunden __________________ 220


Vorwort

Die Deutsche Gesellschaft für Muskelkranke

(DGM e. V.) freut sich, nun schon im 15.

Jahrgang ihr Jahrbuch mit einer Bilanz der

Neuromuskulären Zentren (NMZ) über das

Jahr 2011 vorlegen zu können. Die NMZ

sind nicht mehr wegzudenkende Institutionen

der DGM, an denen Patienten mit

neuromuskulären Erkrankungen interdisziplinäre

Hilfe in der Diagnostik, Therapie

und Betreuung finden. Darüber hinaus sind

die NMZ die Stellen, wo in Deutschland

auf hohem Niveau Forschung auf dem Gebiet

der neuromuskulären Erkrankungen

durchgeführt wird. Sie werden in dreijährigen

Abständen zertifiziert. Es erfolgte im

vergangenen Jahr die Rezertifizierung, wobei

erfreulicherweise allen NMZ erneut das

Gütesiegel der DGM erteilt werden konnte.

Das Konstrukt der NMZ hat sich inzwischen

so bewährt, dass es für die Erstellung des

Nationalplans für seltene Erkrankungen

(NAMSE) des Bundesforschungsministeriums

Pate gestanden hat.

Nach der Darstellung der Qualitätskriterien

für die NMZ und des Gütesiegels folgen

die Berichte der einzelnen flächendeckend

über ganz Deutschland verteilten NMZ,

aus denen deren Tätigkeiten bezüglich

der Patientenversorgung wie auch der

Forschungsaktivitäten mit Zitierung der

einschlägigen Veröffentlichungen ersehen

werden können. Allen Mitarbeitern der

NMZ, die sich der Mühe der Berichterstattung

unterzogen haben, sei dafür herzlich

gedankt.

Einleitung

Traditionell folgt ein Übersichtsartikel,

dieses Mal von W. Kress, G. Meng und

T. Grimm aus dem Institut für Humangenetik

der Universität Würzburg über „Rationale

genetische Diagnostik von erblichen

Myopathien“, in dem kurz und bündig über

die Indikation, die Machbarkeit, aber auch

die Grenzen der genetischen Diagnostik

bei Muskelerkrankungen berichtet wird.

Im Anschluss daran stellen die Preisträger

der DGM des Jahres 2011 zusammengefasst

ihre Forschungsarbeiten und

deren Ergebnisse vor. Danach wird über

Aktivitäten von Forschungsnetzen und

der innerhalb der DGM sich entwickelnden

Diagnosegruppen, die laut Beschluss

der Delegiertenversammlung der DGM im

vergangenen Jahr eine gewisse den Landesverbänden

ähnliche Eigenständigkeit

erlangt haben, berichtet.

Den Abschluss bilden Listen wie stets über

die Mitglieder des Wissenschaftlichen Beirats

und der Ehrenmitglieder, sowie sehr

informative Angaben zu den verschiedenen

Sprechstunden der NMZ und den

dort tätigen Personen inklusive Adressen,

Telefon- und Fax-Nummern, sowie E-Mail-

Adressen.

Die Herausgeber danken allen Mitarbeiter

der NMZ für ihren Einsatz für die Patienten

mit neuromuskulären Erkrankungen und der

Firma Sanofi-Aventis Deutschland GmbH

für ihre großzügige Unterstützung der Herausgabe

des Jahrbuchs. Wir hoffen, dass

7


Vorwort

es auch weiterhin möglich sein wird, einmal

jährlich diesen Einblick in die Arbeit

der NMZ der DGM gewähren zu können.

Hannover, Erlangen, Freiburg, Januar 2012

Prof. Dr. med. Reinhard Dengler

Direktor der Neurologischen Klinik

der Medizinischen Hochschule Hannover

2. Vorsitzender der Deutschen Gesellschaft

für Muskelkranke e. V.

Prof. em. Dr. med. Bernhard Neundörfer

Ehem. Direktor der Neurologischen

Universitätsklinik Erlangen

Vorstandsmitglied der Deutschen

Gesellschaft für Muskelkranke e. V.

Horst Ganter

Bundesgeschäftsführer der Deutschen

Gesellschaft für Muskelkranke e. V.

8


Zwingende Voraussetzungen für ein Neuromuskuläres

Zentrum der DGM sind: Regelmäßige

ambulante Muskelsprechstunden

von Neurologen und Neuropädiatern

sowie stationäre Betten mit der Möglichkeit

der intensivmedizinischen Betreuung

einschließlich Beatmung.

Die Fachbereiche der Neurologie, Neuropädiatrie,

Kardiologie und Pulmologie müssen

vertreten und eine humangenetische Be-

ratung möglich sein.

Zusätzlich gewünschte Fachbereiche sind

die Orthopädie, Rheumatologie sowie eine

Sozial- und Hilfsmittelberatung und eine

beratende Physiotherapie.

Im Rahmen der diagnostischen Möglich-

keiten müssen neurophysiologische Unter-

suchungen durchführbar sowie bildgebende

Verfahren vor Ort möglich sein.

Muskelbiopsien sollten vor Ort entnommen

und untersucht werden können.

Biochemische und molekularbiologische

Untersuchungsverfahren müssen nicht vor

Ort vorgehalten werden und sind auch in

Kooperation mit anderen Zentren möglich.

Allgemeine Voraussetzungen für ein Neuromuskuläres

Zentrum der DGM sind auch

eine ausreichende Anzahl von Muskelkranken

in der Betreuung sowie ein regelmäßiges

Sprechstundenangebot.

Innerhalb des Neuromuskulären Zentrums

sollen gemeinsame, interdisziplinäre Sitzungen

und Fallbesprechungen stattfinden.

Eine Zusammenarbeit mit dem jeweiligen

Einleitung

Qualitätskriterien für die Neuromuskulären Zentren

der Deutschen Gesellschaft für Muskelkranke e. V.

(DGM)

Landesverband der DGM ist unbedingt

notwendig.

(Kriterien wurden bei der Sitzung der Sprecher

der Neuromuskulären Zentren am

27. September 2000 in Baden-Baden beschlossen.)

9


DGM-Gütesiegel für Nezromuskuläre Zentren (NMZ)

DGM-Gütesiegel für Neuromuskuläre Zentren (NMZ)

Im Jahr 2000 hat die DGM erstmals Qualitiätskriterien

für Neuromuskuläre Zentren

(NMZ) beschlossen. Diese stellen die Basis

für die Vergabe eines Gütesiegels dar. Die

Einführung eines Gütesiegels verfolgt das

Ziel, bundesweit einheitliche Standards für

die Diagnose, Behandlung und Versorgung

von Patienten mit neuromuskulären Erkrankungen

auf einem qualitativ anerkannten

Niveau zu präzisieren und damit sicher zu

stellen.

1. Grundlage für die Struktur und Abläufe

eines NMZ ist die am 8. Mai 2006 verab-

schiedete Geschäftsordnung für NMZ.

2. Im NMZ müssen die Fachbereiche Neu-

rologie, Neuropädiatrie, klinische Neurophysiologie,

Kardiologie und Pulmologie

vertreten sein. Eine humangenetische

Beratungsmöglichkeit muss gegeben

sein, desgleichen die Möglichkeit einer

Sozial- und Hilfsmittelberatung sowie

einer beratenden Physiotherapie. Wo

dies nicht vorhanden ist, muss es durch

Kooperationen sicher gestellt sein.

3. Die Möglichkeit einer muskel- und nervenbioptischen

Untersuchung muss ge-

währleistet sein.

4. Die Kooperation mit den Fachgebieten

Orthopädie und Rheumatologie muss

vorhanden sein.

5. Kontinuierliche Betreuung mit regelmäßigen

Spezialsprechstunden sowie

akute Untersuchung beziehungsweise

stationäre Aufnahmemöglichkeit von

Patienten mit neuromuskulären Erkrankungen

durch einen mit diesen Krankheiten

vertrauten Arzt muss gewährleistet

sein.

6. Bei dem Leiter des NMZ wird eine mindestens

fünfjährige Erfahrung in der Behandlung

von Patienten mit neuromuskulären

Erkrankungen vorausgesetzt.

7. Beim Initialkontakt wird mindestens eine

einstündige Konsultation verlangt.

10

8. Es werden mindestens jeweils 50 Patienten

mit neuromuskulären Erkrankung-

en pro Jahr behandelt.

9. Es müssen regelmäßige interdisziplinäre

Sitzungen und Fallbesprechnungen abgehalten

werden.

10. Eine Kooperation mit der DGM und ihren

Landesverbänden wird vorausgesetzt.

Dies geschieht insbesondere durch

• Teilnahme des Sprechers an der

Sprecherratssitzung

• regelmäßige aktive und passive Teilnahme

an Kongressen, Fortbildungsveranstaltungen

und Patiententreffen

der DGM und ihrer Landesverbände,

• regelmäßige Einladung der Landes-

verbandsvorsitzenden und/oder dessen

Vertreter zu den interdisziplinären

Sitzungen.

11. Es müssen eine behindertengerechte

Ausstattung der Räumlichkeiten und

Pflegemöglichkeiten vorhanden sein.

12. Die NMZ erstellen jährlich einen Bericht

über ihre Aktivitäten und überlassen

diesen der Geschäftsstelle der DGM

zur weiteren Verwendung. Derzeit findet

dieser Eingang in das Jahrbuch der

Deutschen Gesellschaft für Muskelkranke

e. V.

13. Die Einhaltung der Gütekriterien wird

durch einen schriftlichen Bericht und

stichprobenhafte Prfungen gewährleistet.

Arbeitsgruppe zur Erstellung der Kriterien

für ein Gütesiegel:

Prof. Dr. Andreas Engelhardt, Oldenburg

Horst Ganter, DGM Freiburg, Prof. Dr. Walter

Haupt, Köln, PD Dr. Arpad von Moers, Berlin

Prof. Dr. Bernhard Neundörfer, Erlangen

Prof. Dr. Karlheinz Reiners, Würzburg

Nicht-zertifizierte NMZ können als Muskelsprechstunde

geführt werden (siehe Anhang).


Neuromuskuläre Zentren in Deutschland

zertifiziert von der Deutschen Gesellschaft

für Muskelkranke e. V. (DGM)

Einleitung

11


Deutsche Gesellschaft für Muskelkranke e. V. DGM

Deutsche Gesellschaft für Muskelkranke e. V. DGM

Im Jahr 2011 hat die DGM im Rahmen der

Gütesiegel für Neuromuskuläre Zentren mit

der Begehung von turnusgemäß 3 Zentren

und der ersten Rezertifizierung aller

Zentren die Bemühungen um die Verbesserung

und Sicherung der Qualität an den

NMZ fortgesetzt. Alle Begehungen verliefen

positiv und alle Zentren erhielten erneut

das Gütesiegel für weitere 3 Jahre. Dies

bestärkte den guten Eindruck der NMZ.

Im Jahre 2011 sind erneut NMZ als Spezialsprechstunden

nach § 116b SGB V anerkannt

worden. Der Genehmigungsprozess

ist allerdings weiterhin intransparent und

für einige NMZ völlig unbefriedigend. Inwieweit

die Anerkennung zu einer tatsächlich

verbesserten Finanzierungsbasis für die

ambulante Versorgung beiträgt, ist derzeit

noch nicht abschließend zu beurteilen.

Erfahrungswerte hierzu werden gesammelt

und ausgewertet. Das Augenmerk richtet

sich derzeit auf die Erstellung des Nationalplans

für Menschen mit seltenen Erkrankungen

(NAMSE). Ein Kernpunkt dieses

Plans ist die Definition von Zentren (abgestuft

von „Referenzzentren“ über „Versorgungszentren“

bis zu „korrespondierenden

bzw. assoziierten Stellen“). Mit der Festlegung

soll auch die konkrete Finanzierung

verbunden werden.

Der auch im Jahr 2011 zur Verfügung gestellte

Betrag in Höhe von 200.000 Euro

für Forschungsvorhaben brachte wieder

eine Vielzahl von Forschungsanträgen, die

weitgehend positiv beschieden werden

konnten. Die Einführung der Stichtagsregelung

(31.3. und 30.9.) hat sich grundsätzlich

bewährt, wobei ab 2012 neue Stichtage

gelten. Es handelt sich um den 15.2. und

den 15.8. eines jeden Jahres. Damit kann

besser vergleichend entschieden werden

12

und es ist nicht mehr das zufällige Antragsdatum

mit entscheidend. Die zur Verfügung

gestellten Gelder werden in zwei Tranchen

aufgeteilt, sodass zu beiden Stichtagen die

gleichen Summen bereit stehen.

Die Stelle im Medizinreferat konnte zwar

nicht direkt wieder besetzt werden, wir

haben aber mit einer Kooperationsvereinbarung

mit dem NMZ Freiburg eine praktikable

Lösung gefunden. Hierdurch ist die

fachliche Unterstützung unserer Sozialberater

auch in medizinischen Fragen gewährleistet.

Analog hierzu haben wir auch

mit einem Fachanwalt für Sozialrecht einen

Honorarvertrag.

Das Forschungsprojekt Servcare_ALS, das

im Bereich der modellhaften Versorgung am

Beispiel der ALS angesiedelt war, endete im

Jahre 2011. Das Projekt (http://www.servcare-projekt.de)

wurde mit insgesamt 5 beteiligten

Organisationen, darunter die ALS

Ambulanz der Charité unter der Federführung

des IAO, Fraunhofer Institut Stuttgart,

durchgeführt.

Im Jahre 2011 fand in Ulm / Neu-Ulm der

Kongress des Wissenschaftlichen Beirats

der DGM statt. Prof. Ludolph als Vorsitzender

des Wissenschaftlichen Beirats

hatte ein interessantes Programm zusammengestellt

und der Kongressbesuch war

dementsprechend gut. Mit dem Kongress

endete seine Amtszeit als Vorsitzender. Neu

gewählt wurde Prof. Zerres aus Aachen.

Zum Stellvertreter wurde Prof. Vorgerd aus

Bochum gewählt.

Mit der Durchführung des zweiten Fachtage-Symposiums,

erstmals angekoppelt

an den Kongress des Wissenschaftlichen

Beirats, konnte sich diese Form der Veranstaltung

bewähren. Sie wird künftig generell


in Verbindung zum Kongress stattfinden, so

dass das nächste Fachtage-Symposium im

Jahre 2013 in Aachen sein wird.

Anschrift:

Horst Ganter, Bundesgeschäftsführer

Deutsche Gesellschaft für

Muskelkranke e. V. DGM

Im Moos 4, 79112 Freiburg

Tel.: 07665 / 9447-0

Fax: 07665 / 9447-20

E-Mail: info@dgm.org

www.dgm.org

Bundesgeschäftsstelle

Medizinreferat

Sozialberatung

Hilfsmittelberatung

Jahresberichte der Neuromuskulären Zentren

13


Jahresberichte

der Neuromuskulären Zentren


Neuromuskuläres Zentrum Bayern-Mitte

Neuromuskuläres Zentrum Bayern-Mitte

Leiter: Prof. Dr. Dr. h.c. S. Schwab

Sprecher: PD Dr. R. Linker

und Prof. Dr. R. Schröder

Neurologische Klinik und Institut für

Neuropathologie der Friedrich-Alexander-

Universität Erlangen-Nürnberg

Neuromuskuläres Zentrum/Forschungs-

Netzwerk Neuropathien und Myopathien

an der Neurologischen Klinik und am Institut

für Neuropathologie der Universität

Erlangen

Das Neuromuskuläre Zentrum ist eine interdisziplinäre

Einrichtung zur fachübergreifenden

Diagnosestellung, Behandlung

und Erforschung von neuromuskulären Erkrankungen.

Das Zentrum ist an der Neuro-

logischen Klinik und am Institut für Neuropathologie

angesiedelt und arbeitet eng mit

den übrigen Einrichtungen des Uni-Klinikums

und mit der Deutschen Gesellschaft

für Muskelkranke (DGM) zusammen. Das

Neuromuskuläre Zentrum bietet Spezialsprechstunden

für Patienten mit entzündlichen

und erblichen Polyneuropathien und

Muskelerkrankungen, mit Motoneuronerkrankungen

und für die Beatmung von Patienten

mit neuromuskulären Erkrankungen

wie Muskeldystrophien und Amyotrophe

Lateralsklerose. Das Angebot wird durch

die physiotherapeutischen und sozialen

Einrichtungen im Zentrum abgerundet.

Forschungsaktivitäten

Dr. Linker

Die Interessen des wissenschaftlichen Arbeitens

liegen im Bereich der Dermatomyositis,

Polymyositis sowie die Einschlusskörperchenmyositis

als entzündliche, nicht

erregerbedingte Erkrankungen des Muskels

(idiopathische inflammatorische Myopathien).

Hier vermutet man einen zu Grun-

16

de liegenden autoimmunen Prozess. Ziel

unserer Untersuchungen an Muskelbiopsien

und dem peripheren Blut ist es, zur

Aufklärung der Prozesse, die zur Entstehung

entzündlicher Muskelerkrankungen

führen, beizutragen und Faktoren aufzuzeigen,

die den Verlauf der Erkrankung beeinflussen

können. Dabei werden sowohl

degenerative Veränderungen als auch die

Rolle des Muskels in der Antigenpräsentation

und als Zielzelle einer gerichteten

T-Zell-Antwort berücksichtigt.

Prof. Dr. Schröder

Das wissenschaftliche Hauptarbeitsgebiet

ist die Gruppe der hereditären Proteinaggregationsmyopathien

auf der Basis von

Desmin- und VCP-Mutationen. Für die Forschungsarbeiten

auf diesem Gebiet besteht

seit Oktober 2009 die Förderung einer ortsungebundenen

Forschergruppe (FOR 1228,

Thema: Molecular Pathogenesis of Myofibrillar

Myopathies) durch die Deutsche Forschungsgemeinschaft.

Die zunächst über

einen Zeitraum von drei Jahren bewilligte

Förderung unterstützt acht themenbezogene

Einzelprojekte an den Universitäten

Erlangen, Würzburg, München, Heidelberg,

Bonn, Bochum, Köln und Wien. Die Universität

Erlangen fungiert hierbei als Sprecheruniversität

der Forschergruppe.

Prof. Dr. Heuß

• IZKF-Untersuchungen zu degenerativen

und entzündlichen Veränderungen der

Myopathie in Proteinkinase CK2-defizienten

Muskeln – Kooperation mit dem

Institut für Biochemie

• Inflammation und Apoptose bei der vaskulitischen

Neuropathie und Myositiden/

Signaltransduktion mononukleärer Zellen

• Phäno- und Genotypisierung einer auto-


somal-rezessiven Form der hereditären

motorischen und sensiblen Neuropathie

(ARCMT2B) Typ 2 in einer costaricanischen

Familie

• Phäno- und Genotypisierung einer autosomal-dominanten

Form der HMSN mit

einer neuen Tyr145er Mutation im MPZ-/

PO-Protein in einer costaricanischen Familie

Projekte der Orthopädischen Klinik

Prof. Dr. R. Forst und Mitarbeiter

• Langzeitresultate nach operativer Behandlung

der unteren Extremitäten bei

Patienten mit Duchenne-Muskeldystrophie

• Langzeitresultate nach Skolioseoperationen

bei Patienten mit Muskelerkrankungen

• Biomechanische Testung des Teleskopstabes

• Makroskopische und mikroskopische

Pathologie des Tractus iliotibialis bei Duchenne-Muskeldystrophie

• Behandlung von Fußdeformitäten bei

HMSN und Friedreich-Ataxie

• Psychologische Untersuchung zur Krankheitsbewältigung

und Lebenszufriedenheit

bei Patienten mit Duchenne-Muskeldystrophie

• Ergotherapeutische Studie zur Funktionsfähigkeit

der oberen Extremitäten bei Patienten

mit Muskelerkrankungen

• Analyse von Gebiss- und Kieferveränderungen

bei Patienten mit Duchenne-Muskeldystrophie

und spinalen Muskelatrophien

Jahresberichte der Neuromuskulären Zentren

Schwerpunkte

Fachklinik Herzogenaurach

Dr. Schupp und Mitarbeiter

Die Fachklinik Herzogenaurach hat als neurologische

Rehabilitationseinrichtung den

Forschungs- und Intressenschwerpunkt, im

Nachweis der Wirksamkeit physio-, ergo-,

sprach- und schlucktherapeutischer Maßnahmen

sowie der (neuro)psychologischen

Behandlung. Skalen zur Beurteilung von

langfristigen Krankheitsverläufen (z. B. neu-

romuskular symptom score, MRC Kraftgrade,

Paresegrade, Barthel-Index) schei-

nen für die Erfassung von Therapieerfolgen

kurzzeitiger intensiver Rehabilitationsmaßnahmen

bei neuromuskulären Erkrankungen

wenig hilfreich zu sein. So werden

hier Evaluationsskalen eingesetzt, die die

subjektive Wirksamkeit bei Therapieformen

untersucht und mit dem Ziel, bei neuromuskulären

Erkrankungen ein effektives und

individuelles Behandlungskonzept konservativer

Maßnahmen zu erarbeiten.

Schwerpunkte der Neurologischen

Klinik am Krankenhaus Rummelsberg

PD Dr. Winterholler

• Schlaflaboruntersuchungen

• Diagnostische Abklärung von neuromus-

kulären Erkrankungen

• Heimbeatmungsbehandlung von Patien-

ten mit neuromuskulären Erkrankungen

17


Neuromuskuläres Zentrum Bayern-Mitte

Konzepte der Neurologischen Abteilung

der Kiliani-Klinik Bad Windsheim

Siehe:

http://www.dbkg.de/Kliniken/Kiliani-Klinik/

Behandlungsspektrum/index-d-3313.html

Beratungsstelle der DGM, Landesverband

Bayern e. V. am Neuromuskulären

Zentrum Bayern-Mitte.

Das Beratungsangebot wird sowohl von betroffenen

Einzelpersonen als auch Familien

und Angehörigen in Anspruch genommen.

Zu vielen Ratsuchenden (über die Hälfte)

bestehen langjährige Beratungskontakte.

Da sich das Einzugsgebiet über Mittelfranken

und die Oberpfalz erstreckt, macht die

Beratung am Telefon den Hauptanteil aus.

Persönliche Beratungen in der Beratungsstelle

und kooperierenden Kliniken sowie

Hausbesuche runden das Angebot ab.

Hausbesuche bieten den Vorteil, die Lebenssituation

im persönlichen Umfeld besser

beurteilen zu können. Besonders in ihrer

Mobilität stark eingeschränkte Hilfesuchende

greifen auf dieses Angebot gern zurück,

weil es ihnen weite Wege erspart. Die Begleitung

bei der Krankheitsbewältigung so-

wie die Unterstützung zur Alltagsbewältigung

bilden die Schwerpunkte der psychosozialen

Beratung. Die Unterstützung von

Kontaktgruppen, die von Ehrenamtlichen or-

ganisiert werden, sowie Informations- und

Begegnungsveranstaltungen ergänzen das

Tätigkeitsspektrum. 2011 wurden folgende

Veranstaltungen angeboten:

• zwei ALS-Gesprächskreise in Erlangen

und Rummelsberg

• Landesverbandstreffen für Mitglieder

und Freunde der DGM LV Bayern in

Rummelsberg

• zwei Seminartage für Ehrenamtliche des

LV Bayern in Ingolstadt und Würzburg

18

Publikationen

Gollwitzer S.; Schwab S.; Heuss D. Informative

value of the diagnosis of „microvasculitis“ of the

peripheral nervous system-insights form a clinical

cohort. J Neurol 2011; 258 Suppl 1:114

Heuß D und Neundörfer B. Therapie der Polyneuropathien.

In: Therapie-Handbuch, Hrsg. W. Domschke,

M. Berger, W. Hohenberger, T. Meinertz, K. Possinger;

Elsvier UR-BAN&FISCHER, München, 2011,

P11, pp. 1-17

Lämmer AB, Rolinski B, Ahting U, Heuss D. Multiple

Acyl-CoA-dehydrogenase deficiency (MADD)

- A novel mutation of electron-transferring-flavoprotein

dehydrogenase ETFDH . J Neurol Sci. 2011;

307: 166-7

Schramm A, Cursiefen S, Schröder R. Isolated

ring-finger myoclonus. J Neurol. 2011 Jun; 258(6):

1164-5.


Leiter: Prof. Dr. med. W. Müller-Felber

Oberarzt der von Haunerschen Klinik für Kinder-

und Jugendmedizin

Ludwig-Maximilians-Universität München

Stellvertreter und Sprecher: Prof. Dr. med. B.

Schoser Oberarzt des Friedrich-Baur-Instituts

der Neurologischen Klinik Ludwig-Maximilians-Universität

München

Im Mittelpunkt der Aktivitäten des Neuromuskulären

Zentrums Bayern Süd stand

die umfassende medizinische Betreuung

von Patienten mit neuromuskulären Erkrankungen.

Neben der engen klinischen

und wissenschaftlichen Kooperation der

beteiligten Institutionen ist die Kontinuität

der guten Zusammenarbeit mit den Patientenvertretern

und dem Landesverband

Bayern der DGM festzustellen. Prof. Dr. S.

Lorenzl, Neurologe und Palliativmediziner,

betreut zusammen mit seinen Mitarbeitern

Frau D. M. Hensler und Herrn Dr. G. Nübling

seit 2011 die Motoneuronambulanz

am Klinikum Großhadern. Herr Prof. Dr. G.

D. Borasio wechselte im April 2011 auf den

Lehrstuhl für Palliativmedizin an der Universitätsklinik

in Lausanne (Schweiz).

Im Jahr 2011 habilitierten sich für das Fach

Neurologie Priv. Doz. Dr. P. Reilich und Priv.

Doz. Dr. Dr. Sabine Krause am FBI. Prof.

Dr. M. Riemenschneider wurde als neuer

Ordinarius für Neuropathologe an der Universität

Regenburg in das Muskelzentrum

aufgenommen.

Veranstaltungen 2011

• Sonderkolloquium des Friedrich-Baur-Institutes:

08.05.2011: Diagnostik und Therapie

neuromuskulärer Erkrankungen

• 95. Neuromuskuläres Seminar 14.07.2011:

Hereditäre Spastische Paralysen, PD Dr.

Jahresberichte der Neuromuskulären Zentren

Neuromuskuläres Zentrum Bayern-Süd

U. Hehr, Institut für Humangenetik, Uni-

versität Regensburg

• 47. Myologisches Kolloquium 06.04.2011:

Dr. Jan Sendereck, Institut für Humangenetik

RWTH Aachen

• 96. Neuromuskuläres Seminar 23.11.2011:

Stammzelltherapie – hype or hope? Prof.

Dr. Winkler, Molekular-Neurologischen

Abteilung in der Neurologischen Klinik

des Universitätsklinikums Erlangen.

Klinische Studien

Validierung von prognostischen und Erkrankungsmarkern

für die Charcot-Marie-

Tooth-Erkrankung 1A (CMT1A) MC. Walter,

B. Schlotter-Weigel, N. Garcia-Angarita. Die

hereditäre motorisch-sensorische Neuropathie

Typ 1 (CMT1) gehört zu den peripheren

Neuropathien und ist mit einer Prävalenz

von 1:2500 die häufigste monogen

vererbte neurologische Erkrankung. In

Deutschland sind ca. 30.000 Patienten betroffen.

In der Studie werden diagnostische

und prognostische Biomarker in Hautbiopsien

von CMT1A-Patienten untersucht. In

Zusammenarbeit mit dem Max-Planck-

Institut für Experimentelle Medizin in Göttingen

wurden in transgenen Tiermodellen

molekulare Marker für den Krankheitsverlauf

der CMT1A in Hautproben identifiziert.

Ziel dieser Studie ist die Korrelation dieser

molekularen Marker mit der Erkrankungsschwere

in Patienten mittels CMT-Neuropathy

Score. Erste Ergebnisse deuten auf

eine ausgeprägte Korrelation zwischen

Alter der Patienten, den Biomarkern Glutathion

S-Transferase theta 2 (Gstt2) und

Kathepsin A (Ctsa) und dem CMTNS hin.

Derzeit ist die Entwicklung neuer spezifischer

Therapien auf molekularer Ebene

für CMT ein hochspannender und kompetitiver

Bereich. Das Ziel ist die Identifikation

von Biomarkern unter Verwendung minimal

19


Neuromuskuläres Zentrum Bayern-Süd

invasiver Techniken, um CMT-Patienten

ggf. eine individuelle Therapie anbieten zu

können. In den letzten Jahren wurden anhand

von Tiermodellen große Fortschritte

in der Aufschlüsselung der CMT-Pathogenese

erreicht. Dadurch wurde für die Erkennung

potenzieller Behandlungsansätze

und neuer Therapiemöglichkeiten der Anstoß

gegeben.

Klinische Studie zum Skipping

von Exon 51

J. Schessl, MC. Walter, S. Thiele,

W. Müller-Felber

Im Rahmen einer internationalen Phase III

Studie wird in einem randomisierten, doppelblinden,

plazebokontrollierten Studien-

design die Effektivität und Sicherheit der

Therapie durch Exon Skipping bei Patien-

ten mit Duchenne Muskeldystrophie untersucht.

Dabei werden wöchentliche sub-

kutane Gaben der Studienmedikation über

48 Wochen verabreicht. Antisense Oligonukleotide

induzieren Exon Skipping und

sind eine mögliche Therapiestrategie für

die Duchenne Muskeldystrophie. Exon

Skipping selbst erlaubt die Restoration des

mutierten offenen „reading frames“ und somit

die Synthese eines großen neuen funktionellen

Dystrophin-Proteins. Die Studie

wird in Deutschland neben München auch

and den Universitäten Essen, Freiburg,

Göttingen und Kiel durchgeführt. Derzeit

sind in Deutschland 13 (in München 4) Patienten

in die Studie eingeschlossen (Stand

10/2011). International sind zum Zeitpunkt

106 Patienten randomisiert. Weitere Informationen

unter www.md-net.org.

20

Klinische Studie mit Olesoxime

(TRO19622) bei SMA

O. Schreiber, J. Schessl, MC. Walter

Dies ist eine multizentrische, randomisierte,

adaptive, doppelblinde, plazebokontrol-

lierte Phase II Studie zur Bewertung der

Sicherheit und Wirksamkeit von Olesoxime

(TRO19622) bei Patienten mit spinaler

Muskelatrophie (SMA) im Alter von 3 bis 25

Jahren. In Deutschland sind die Zentren

München, Essen und Freiburg beteiligt.

Die Rekrutierung konnte wie geplant bis

August 2011 abgeschlossen werden, insgesamt

konnten europaweit 150 Patienten

eingeschlossen werden. Probleme bei der

Rekrutierung stellten v. a. die engen Einschlusskriterien

hinsichtlich klinischer Sym-

ptomatik und Funktionalität dar. Der Therapiezeitraum

beträgt zwei Jahre, eine Interim-Analyse

findet nach einem Behandlungsjahr

statt.

Verlaufsstudie bei Friedreich-Ataxie

T. Klopstock, S. Heck, N. Strigl-Pill,

K. Dimitriadis

Verlaufsstudie zum Einfluss genetischer

Faktoren auf den Erkrankungsverlauf bei

Patienten mit FA im Rahmen des Netzwerkes

für erbliche Bewegungsstörungen

(GeNeMove – German Network of Hereditary

Movement Disorders). Bislang konnten

mehr als 130 Patienten und Angehörige

eingeschlossen werden.

Verlaufsbeobachtung Enzymersatztherapie

bei Glykogenspeichererkrankung

Typ 2

N. Stigl-Pill, S. Wenninger, B. Konkol,

C. Regnery, W. Müller-Felber, B. Schoser


Seit September 2006 wird die Enzymersatztherapie

bei adulten Patienten durchgeführt.

Es erfolgt eine ausführliche Dokumentation.

Nationale 1-Jahres Resultate

wurden 2010 publiziert. Die 3-Jahres-Daten

sind aktuell zur Publikation eingereicht

und zeigen eine langfristige Stabilisierung

in einer Vielzahl von Patienten in Deutschland.

Studien zum Schlaf, zum Narkoserisiko

und zu Schwangerschaft und Geburt

sind national angelaufen.

Multizenter-Studie zu MUSK- und ACHR-

Antikörper negativer Myasthenia gravis

S. Kröger, A. Melms, B. Schalke,

B. Schoser

Seit Sommer 2008 wird in Kooperation mit

dem Physiologischen Institut der LMU eine

multizentrische Studie bei Patienten mit

Doppelantikörper-negativen MG in Tübingen,

Regensburg und München durchgeführt.

Es konnte ein neuer, 3. Antikörper:

LRP4 bei einem Teil der Patienten nachgewiesen

und publiziert werden. Folgestudien

sind unterwegs, insbesondere zur

Quantifizierung der Antikörper-Titer und

dann zum Routine-Einsatz in der Differentialdiagnostik.

Weitere Ergebnisse werden

2012 vorliegen.

Forschungsaktivitäten

Pathogenese der sporadischen Einschlusskörpermyositis

(s-IBM) und

der hereditären Einschlusskörpermyopathie

(h-IBM)

MC. Walter, S. Krause

Die sporadische Einschlusskörpermyositis

(sIBM) ist die häufigste entzündliche Mus-

Jahresberichte der Neuromuskulären Zentren

kelerkrankung bei Patienten über 50 Jahren.

In seltenen Fällen liegt der Erkrankung

eine erbliche Ursache zugrunde. Bei der

HIBM (hereditäre IBM, OMIM 603824) finden

sich Mutationen im GNE-Gen, bei der

IBMPFD (IBM assoziiert mit M. Paget und

frontotemporaler Demenz, OMIM 167320)

wurden Mutationen im VCP-Gen beschrieben.

Die Analyse der subzellulären Lokalisation

und der funktionellen Enzymbiochemie

von GNE und VCP im Patientenmuskel

soll dabei helfen, nicht nur die Vorgänge zu

verstehen, die zur hereditären IBM führen,

sondern auch diese neuen Erkenntnisse

auf die Pathogenese der sporadischen

IBM zu übertragen. Bei der IBMPFD wurde

eine Störung der Myosin-Filamentbildung

nachgewiesen. Normale Proteinumsatzvor-

gänge (Autophagie) sind wesentlich für die

Aufrechterhaltung der Muskelzellfunktion.

Kürzlich fanden sich Hinweise auf eine Störung

des Proteinabbaus im Rahmen dieses

Stoffwechselweges bei der IBMPFD. Primäre

IBMPFD-Patienten-Muskelzellen zeig-

ten Defekte in der Zellfusion und einen ver-

mehrten programmierten Zelltod (Apoptose).

Unsere Ergebnisse sollen ein detailliertes

Verständnis der grundlegenden

pathogenetischen Mechanismen fördern,

um neue molekulare Therapiestrategien zu

entwickeln.

Pathologische Proteinaggregatformation

– Mechanismen, Prävention und

Therapie

MC. Walter, A. Giese, J. Schessl,

B. Schoser

Pathologische Proteinaggregate sind mor-

phologisch charakteristisch für myofibrillären

Myopathien. Wir planen, den gemein-

samen Pathomechanismus, der zur Proteinaggregation

bei myofibrillären Myopa-

21


Neuromuskuläres Zentrum Bayern-Süd

thien führt, aufzuklären, neue therapeutische

Ziele zu identifizieren und durch

molekulare oder pharmakologische Ansätze

die Proteinaggregation insbesondere bei

Desminopathien und Reducing Body Myopathie/XMPMA

zu verhindern oder rück-

gängig zu machen. Von der Deutschen

Forschungsgemeinschaft wurde eine

Forschergruppe zum Thema „Molecular

Pathogenesis of Myofibrillar Myopathies

(MFM) - FOR1228“ für zunächst drei Jahre

bewilligt, zwei Projekte innerhalb der Forschergruppe

sind am Friedrich-Baur-Institut

lokalisiert: Scanning for intensely fluorescent

targets (SIFT): a new tool to study

pathological protein aggregate formation

in MFM and its reversal through pharmacologic

intervention (Walter MC, Giese A),

und FHL1-related reducing-body myopathy

and other genetic forms of myofibrillar

myopathies: composition of pathological

protein aggregates revealed by laser

capture microdissection and subsequent

proteomic analysis (Schessl J, Kress W,

Schoser B).

Kongenitale Myasthene Syndrome

(CMS)

A. Abicht, M. Dusl

Kongenitale Myasthene Syndrome (congenital

myasthenic syndromes, CMS) sind

seltene Erkrankungen, die sich meist im

Kindesalter manifestieren. Diese Gruppe

neuromuskulärer Erkrankungen beruht auf

genetischen Störungen der Erregungsübertragung

zwischen Nerv und Muskel.

Derzeit sind Mutationen in vierzehn Genen

als ursächlich bekannt, welche zu

verschiedenen CMS-Formen mit unterschiedlichem

Phänotyp, klinischen Verlauf

und Vererbungsmuster führen. Für diese

verschiedenen Formen stehen nur unzu-

22

reichende Therapiemöglichkeiten zur Verfügung.

Das Ziel unserer Arbeitsgruppe ist

die Identifizierung und Charakterisierung

von genetischen Veränderungen, die zu

einer gestörten Erregungsübertragung an

der neuromuskulären Endplatte und damit

zu CMS führen. Mittels PCR-Diagnostik

und Sequenzierung werden Gene, die für

verschiedene Proteine an der neuromuskulären

Synapse kodieren, bei CMS-Patienten

systematisch untersucht. Auf diese

Weise lässt sich bei ca. 50% der CMS-Patienten

der zugrundeliegende genetische

Defekt identifizieren.

Besonders häufig finden sich Mutationen

im Gen kodierend für die ε-Untereinheit

des Acetylcholin-Rezeptors (CHRNE) und

im kodierenden Gen für das postsynaptische

Protein Rapsyn (RAPSN). Darüber

hinaus gelang es Mutationen in den Genen

weiterer AChR-Untereinheiten, im synaptisch

exprimierten COLQ-Gen sowie im

Gen kodierend für die präsynaptische Cholinacetyltransferase

(CHAT) nachzuweisen.

Im Jahre 2006 war unsere Arbeitsgruppe

an der Erstbeschreibung des CMS-Gens

DOK7, kodierend für das postsynaptische

Protein DOK-7, beteiligt. In 2011 gelang

unserer Arbeitsgruppe in Zusammenarbeit

mit Dr. Jan Senderek, Aachen und Prof.

Hanns Lochmüller, Newcastle, die Identifizierung

eines wichtigen krankheitsverursachenden

Gens (GFPT1), das erstmals einen

Zusammenhang von CMS und einem

Glykosylierungsdefekt als völlig neuen Pathomechanismus

für eine neuromuskuläre

Signalübertragungsstörung aufdeckte.


Entwicklung von Therapiekonzepten

basierend auf der muskelspezifischen

Inhibition des Ubiqitin-Proteasom-

System (UPS)

C. Pertl, MC. Walter

Der Abbau von Muskelfasern und Muskelproteinen

ist ein zentraler Mechanismus,

der mit der dystrophischen Veränderung

des Skelettmuskels einhergeht. Der Abbau

von Proteinen erfolgt in der Zelle über das

Proteasom. Proteine werden dabei durch

kovalente Verknüpfung mit einer Kette von

Ubiquitinproteinen für den Abbau durch

das Proteasom gekennzeichnet (Polyubiquitinylierung).

Die Polyubiquitinylierung

wird durch Proteinkomplexe (E1-E4) katalysiert,

welche durch ihre Vielfalt einen sowohl

Zelltyp-spezifischen als auch Proteinspezifischen

Abbau von Proteinen erlaubt.

Neuere Forschungsergebnisse haben zur

Identifikation einer Klasse von muskelspezifisch

exprimierten E3/E4 Ubiquitin-

Ligasen geführt. Eine dieser muskelspezifischen

E3/E4-Ligase ist CHIP, welche

beim Proteinabbau des Hauptbestandteils

von Sarkomeren, Myosin, eine Rolle spielt.

Die Inhibition von CHIP im dystrophen

Wurmmodell (C. elegans) führt zur Verbesserung

des dystrophen Phänotyps.

Die Suppression der Aktivität von CHIP im

Skelettmuskel und deren Auswirkung auf

den Abbau von Muskelproteinen in vivo

ist Gegenstand aktueller Forschung. In unserem

Labor wurde ein neues Mausmodell

etabliert, welches zusätzlich zum mdx-

Hintergrund einen chip-Knockout aufweist.

Der Einfluss der Reduktion des Proteinabbaus

im Muskel durch den Knockout der

muskelspezifischen E3/E4-Ligase CHIP auf

die Sarkomerstabilität und somit den Erhalt

der Muskelkraft wird in diesem neuen

Modell (dys -/- /chip -/- bzw. dys -/y /chip -/- ) un-

Jahresberichte der Neuromuskulären Zentren

tersucht. Das neue Mausmodell weist einen

verbesserten Ausdauerphänotyp auf.

Aufgrund dieser positiven Ergebnisse eignet

sich die heterozygote chip-Knockout-

Maus als Grundlage für weitere Untersuchungen.

Sollten diese vielversprechende

Ergebnisse liefern, kann künftig eine adenovirale

Herunterregulierung der E3/E4-Ligase

CHIP für den Einsatz im Patienten in

Erwägung gezogen werden.

Patientenregister für hereditäre neuromuskuläre

Erkrankungen – Dystrophinopathien

(DMD/BMD), Spinale Muskelatrophien

(SMA), Myotone Dystrophien

(DM1/DM2), FKRPopathien (MDC1C/LG-

MD2I), Myofibrilläre Myopathien (MFM)

und hereditäre Neuropathien (CMT)

MC. Walter O. Schreiber, B. Schoser

Im Rahmen des europäischen Netzwerks

TREAT-NMD (www.treat-nmd.eu) werden

weltweit Patientenregister für SMA, DMD

und andere, seltenere Muskelerkrankungen

eingerichtet. Am Friedrich-Baur-Institut

werden seit 04/2008 nationale Register

für DMD und SMA betrieben, die Zahl der

Registrierten beträgt im Dystrophinopathie-Register

976 und im SMA-Register

448 Patienten (Stand Oktober 2011). Zusätzlich

wurde im April 2011 ein internationales

Register für FKRPopathien (LGMD2I

und MDC1C) in Betrieb genommen. Auch

dieses Register erhält einen großen Zuspruch

mit über 100 Eintragungen in den

ersten sechs Monaten weltweit. Die Eintragung

erfolgt wie bei den erstgenannten

Registern in einem Online-Selbstreport

unter www.fkrp-registry.org (respektive

www.dmd-register.de und www.sma-register.de).

Alle Patientenregister basieren auf

einem international harmonisierten krankheitsspezifischen

Fragenpool, sodass die

23


Neuromuskuläres Zentrum Bayern-Süd

Daten der nationalen Register in eine globale

Datenbank einfließen können und zur

Planung internationaler multizentrischer klinischer

Studien sowie der Patientenrekrutierung

für diese Studien genutzt werden

können. Wichtig ist, dass Patientendaten

nie an anfragende Dritte weitergegeben

werden, lediglich anonymisierte Patientenzahlen

zur Studienplanung. Bei konkreten

Rekrutierungsaufrufen werden die den Einschlusskriterien

entsprechenden Patienten

von den Registerbetreibern informiert und

können sich anschließend an die Studienzentren

wenden. Aktuell im Aufbau befinden

sich zusätzlich Register für Myotone

Dystrophie Typ 1 (DM1) und 2 (DM2), für

hereditäre Neuropathien (HMSN, HMN,

HSAN, HNPP und HNA) sowie Myofibrilläre

Myopathien (MFM). Der Start dieser

Register ist gestaffelt für das kommende

Jahr geplant.

Alle bereits bestehenden Register für Neuromuskuläre

Erkrankungen konnten bereits

zur Planung nationaler und internationaler

Studien genutzt werden und im letzten

Jahr begonnene Kooperationen weiter

ausgebaut werden. Insgesamt verzeichnen

wir eine immer höhere Bedeutung und Akzeptanz

der Patientenregister von Seiten

der Betroffenen und Patientenorganisationen,

Wissenschaftlern, Ärzten und der

Industrie.

SysMBO – Lipidmyopathien

S. Wenninger, T. Klopstock, B. Schoser

Ein seit Juli 2009 durch das BMBF geför-

dertes Projekt SysMBO wird die Gruppe

der seltenen Lipidmyopathien und die

Statin-induzierten Myopathien phänotypisch

und genotypisch charakterisiert. Im

Rahmen dieses Projektes besteht eine

24

wissenschaftliche Kooperation zwischen

dem Helmholtz-Zentrum München, der TU

München und der Klinischen Chemie der

Universität Regensburg (Lipidomics/Metabolomics).

Myotonien und Myotone Dystrophien

B. Schoser, A. Schüller, H. Ellrott

Arbeiten zur CUG-Bindungsprotein-Expression

in DM2 Myoblasten, die abnorme

zytoplasmatische Megaproteinkomplexe

nachweisen konnten und einer veränderten

Proteindegradation unterliegen, wurden

erweitert (Kooperation Luba Timchenko,

Houston, USA, Ian Holt und Glenn Morris

UK). Ergänzend erfolgen Untersuchungen

anderer Repeat-Erkrankungen sowie zu

Stress- und Autophagiemodellen.

Es erfolgte der Aufbau eines nationalen

Registers für DM1+2. Dieses Register wird

in das TREAT-NMD Programm integriert

werden können. Die Charakterisierung einer

neuen nicht-dystrophischen, schmerzhaften

Myotonie-Form wird fortgeführt.

Eine internationale Biomarker-Studie zur

DM1 ist durchgeführt worden, die Resultate

werden in 2012 erwartet.

Motoneuronerkrankungen Zentrum

für Palliativmedizin und Neurologie

Grosshadern

M. Hensler, G. Nübling, S. Lorenzl

Arbeiten zur nicht-invasiven Diagnostik bei

der Amyotrophen Lateralsklerose. Die bislang

verfügbaren Verfahren zur Diagnostik

der ALS sollen um sonografische Verfahren

ergänzt werden. Untersuchungen zur Dyspnoe

und frühzeitiger Behandlung mit Opioiden.

Versorgung von ALS-Patienten zu


Hause mit der speziellen ambulanten Palliativbetreuung

(B. Vyhnalek, B. Feddersen).

Muscle-Tissue-Culture-Collection

P. Schneiderat, A. Abicht, E. Neugebauer,

J. Emmerich, MC. Walter

Die Muscle-Tissue-Culture-Collection

(MTCC) mit Sitz am Friedrich-Baur-Institut

der Ludwig-Maximilians-Universität München

wurde im Jahr 1998 von der Deutschen

Gesellschaft für Muskelkranke

(DGM) initiiert. Seit 2003 besteht eine Förderung

im Rahmen des Muskeldystrophie-

Netzwerks MD-NET (www.md-net.org)

durch das Bundesministerium für Bildung

und Forschung (BMBF, „Einrichtung von

Netzwerken für seltene Erkrankungen“.

Seit 2009 besteht eine Erweiterung des

Schwerpunktes um mitochondriale Erkrankungen

im Rahmen des mitoNet und

eine Europäische Vernetzung im Netzwerk

“EuroBioBank”, (www.eurobiobank.org).

Die MTCC wird von vielen DGM-Zentren in

Deutschland unterstützt und leistet einen

wesentlichen Beitrag bei der Etablierung

und Durchführung von Forschungsprojekten

im In- und Ausland. Für interessierte

Wissenschaftler und technisches Personal

werden regelmäßig 5-tägige Trainingsprogramme

in der Technik der Myoblastenkultur

an der MTCC abgehalten. Die Verfügbarkeit

kultivierter Muskelzellen für

neuromuskuläre Forschungsarbeiten trägt

dazu bei, Pathomechanismen von Muskelkrankheiten

besser zu verstehen und die

Entwicklung neuer therapeutischer Strategien

für diese seltenen Erkrankungen zu

fördern. Weitere Informationen zur Einsendung

von Biopsiematerial und zum Bezug

von Myoblasten-Kulturen sind telefonisch

unter 089-5160-7424 oder per E-Mail unter

mtcc@med.uni-muenchen.de erhältlich.

Jahresberichte der Neuromuskulären Zentren

Arbeitsgruppe angeborene Hirnfehlbildungen

U. Hehr, G. Schuierer (Regensburg),

B. Kasper, J. Winkler (Erlangen)

Unsere interdisziplinäre neurogenetische

Arbeitsgruppe führt seit 10 Jahren klinische

und molekulargenetische Untersuchungen

zur Pathogenese und Genotyp-Phänotyp-

Korrelation angeborener Hirnfehlbildungen

(insbesondere neuronale Migrationsstörungen

und Holoprosenzephalie) durch. Die

diagnostische Einordnung erfolgt anhand

der zerebralen Bildgebung (cMRT) in Kombination

mit der klinischen Symptomatik.

Diese beinhaltet häufig eine frühmanifeste

globale Entwicklungsverzögerung, epileptische

Anfälle und kognitive Defizite und

bei einem Teil der Patienten mit neuronaler

Migrationsstörung (Lissenzephalie Typ II)

zusätzlich eine angeborene Muskeldystrophie

oder Gliedergürtelmuskeldystrophie.

Mit einer gezielten genetischen Untersuchung

können heute für einen relevanten

Anteil dieser Patienten die ursächlichen

genetischen Veränderungen aufgeklärt

werden und ermöglichen eine präzise Beratung

der Familie zum Krankheitsbild, evtl.

zusätzlich notwendigen Vorsorgeuntersuchungen

sowie zum Wiederholungsrisiko

für weitere Angehörige. Für schwerwiegen-

de Erkrankungen kann dann auch die Mög-

lichkeit einer gezielten vorgeburtlichen

molekulargenetischen Diagnostik in einer

nachfolgenden Schwangerschaft angesprochen

werden.

Im Rahmen einer aktuellen Studie gemeinsam

mit dem ZEE Erlangen werden derzeit

zunächst für erwachsene Patientinnen mit

Double cortex-Syndrom infolge einer heterozygoten

DCX-Mutation das klinische

Spektrum des Anfallsleidens und seiner

medikamentösen Therapie sowie die Neu-

25


Neuromuskuläres Zentrum Bayern-Süd

rocognition erfasst. Die hiermit erarbeiteten

Untersuchungsabläufe sollen dann

auch für weitere Patientengruppen mit

genetisch definierten neuronalen Migrationsstörungen

eingesetzt werden mit dem

langfristigen Ziel einer weiteren Aufklärung

der Pathogenese sowie Verbesserung der

medikamentösen Therapie und Lebensqualität.

Psychosoziale und physiotherapeutische

Beratung der DGM Landesverband

Bayern e. V.

A. Deuter, S. Thiele, B. Zang, K. Czyz

Die MitarbeiterInnen der Beratungsstelle

begleiten die Patienten bei der Bewältigung

Ihrer Krankheit/Behinderung. Die psychosoziale

Beratung umfasst konkrete Hilfestellungen

bei persönlichen, beruflichen und sozialen

Belastungen, entlastende Gespräche

und Krisenintervention. Ein Schwerpunkt

der Physiotherapie lag in der Beratung zu

Auswahl und Anwendung von Hilfsmitteln.

Die Anzahl der Anfragen zeigt, wie wichtig

die Unterstützung in diesem Bereich für die

Patienten ist. Zusätzlich bieten die PhysiotherapeutInnen

für Betroffene und Kollegen

Beratung bei der Auswahl geeigneter Therapien

an. Nachdem Frau Thiele Anfang

des Jahres unser Team verlassen hat, um

neue berufliche Herausforderungen anzunehmen,

ist Herr Czyz im Februar an ihre

Stelle getreten. Die enge Kooperation von

Medizin, Beratung und Selbsthilfe drückt

sich in der gemeinsamen Vorbereitung und

Durchführung von Veranstaltungen für Betroffene

und ihre Angehörigen aus. Unter

anderem konnten dieses Jahr folgende

Veranstaltungen angeboten werden:

• ALS-Gesprächskreis mit den Themen:

Neues aus der Forschung mit Dr. W. Fischer

und einer Vorstellung der Fachstel-

26

len häusliche Versorgung durch Frau Rabben-Storch,

Landeshauptstadt München

• Familienwochenende für Eltern, deren

Kinder von SMA betroffen sind mit Frau

Dr. Enders und der Psychologin des SPZ,

Frau Giese

• Segelwochenende am Wolfgangsee für

Kinder mit unterschiedlichen neuromuskulären

Erkrankungen mit Prof. Müller-

Felber

______________________________________

Publikationen

Reilich P, Horvath R, Krause S, Schramm N, Turnbull

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Ullrich ND, Fischer D, Kornblum C, Walter MC, Niggli

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N, Timchenko L

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27


Neuromuskuläres Zentrum Berlin

Neuromuskuläres Zentrum Berlin

Leiterin: Prof. Dr. S. Spuler

Hochschulambulanz für Muskelkrankheiten

der Charité

Sprecher: PD Dr. A. von Moers

Klinik für Kinder und Jugendmedizin

DRK-Kliniken Westend

Struktur der ambulanten Versorgung

in Berlin

Die Hochschulambulanz für Muskelkrankheiten

der Charité arbeitet unter Leitung

von Frau Prof. Dr. Simone Spuler und Frau

Dr. Ulrike Grieben als Oberärztin. Die Aufgabe

der Hochschulambulanz ist wissenschaftlich

ausgerichtet und viele Patienten

sind in klinischen Studien beteiligt. Die Versorgung

der Patienten mit Muskelkrankheiten

hat sich im vergangenen Jahr sehr

erfolgreich auf mehrere Standorte verteilt.

Im Erwachsenenbereich ist es die Neurologische

Poliklinik der Charité (Campus

Mitte). Dort leitet weiterhin Frau Dr. Huberta

Engelhardt (seit 1. August 2008) den

Bereich Muskelambulanz. In der Neuropädiatrie

gibt es unverändert die Ambulanz

von Chefarzt PD Dr. Arpad von Moers am

DRK Klinikum Westend sowie die Versorgung

im Sozialpädiatrischen Zentrum am

Virchow Campus der Charité. Eine spezialisierte

Sprechstunde für das Postpolio-

Syndrom bietet Herr Dr. Manfred Tesch an.

Die Motoneuronsprechstunde von Prof. Dr.

Thomas Meyer der Neurologischen Poliklinik

am Virchow Campus der Charité rundet

das ambulante Spektrum in Berlin ab.

Forschungsaktivitäten

Ein Projekt über die Untersuchung der

Skelettmuskelperfusion mittels kontrastmittelgestützter

Ultraschalltechnik wurde

28

am Campus Charité Mitte gestartet und

von der DGM finanziell gefördert. Des

Weiteren besteht ein Kooperationsprojekt

über hereditäre Neuropathien in Zusammenarbeit

mit der Kinderklinik der Charité.

Weiteres Kooperationsprojekt s. Institut für

Neuropathologie P5. Unter der Leitung von

PD Dr. von Moers wird ab Januar 2011 eine

Studie zur Wirkung von Epigallocatechin-

Gallat bei DMD durchgeführt (SUNIMUD

Studie).

Lehr- und Ausbildungstätigkeiten

Das Neuromuskuläre Zentrum Berlin bietet

viermal im Jahr Klinische Fortbildungsveranstaltungen

für Muskelkrankheiten für niedergelassene

und alle anderen interessierten

Kollegen an. Referenten kommen aus

dem Neuromuskulären Zentrum oder werden

von auswärts eingeladen. Ziel dieser

Veranstaltung ist, Interesse und klinische

Wachsamkeit für Muskelkrankheiten anzuregen

und Aufmerksamkeit für diese wenig

beachteten Krankheiten zu wecken. Die

Organisation der Fortbildung obliegt Frau

Dr. Verena Schöwel

(verena.schoewel@charite.de).

Der Ort der Fortbildung ist das DRK Klinikum

im Westend (Spandauer Damm;

14050 Berlin). Die Veranstaltung ist bei

der Ärztekammer zertifiziert. Eine neurologisch-neuropathologische

Fallbesprechung

findet in 14-tägigem Abstand mit den Mitarbeitern

der Neurologischen Poliklinik der

Charité und dem Institut für Neuropathologie

der Charité statt. Dies ist eine für jeden

Interessierten offene Veranstaltung.

Informationen zu Terminen erteilt das Sekretariat

des Instituts für Neuropathologie


oder Herr PD Dr. Werner Stenzel (werner.

stenzel@charite.de). Eine weitere enga-

gierte Fortbildungsveranstaltung ist der

Qualitätszirkel ’EMG in der neurologischen

Diagnostik‘. Frau Dr. Martina Müngersdorf

und Herr Dr. Manfred Tesch leiten dieses

Forum. Die Veranstaltung findet monatlich

statt und ist offen für alle Interessenten aus

den Kliniken und der Praxis. Die Jahresversammlung

des Neuromuskulären Zentrums

Berlin fand am 21. November 2011 in den

DRK-Kliniken Westend statt. Frau Prof. Dr.

Simone Spuler und Herr PD Dr. Arpad v.

Moers sind 2012 weiterhin als Leiterin bzw.

Sprecher des Zentrums tätig.

_____________________________________

Veröffentlichungen

aus dem Neuromuskulären Zentrum:

Wengert O, Meisel A, Kress W, Dekomien G, Angstwurm

K, Heppner FL, Goebel HH, Stenzel W. Progressive

external ophthalmoplegia as initial manifestation

of sporadic late-onset nemaline myopathy.

J Neurol. 2011 May;258(5):915-7. Epub 2010. Nov

12. PubMed PMID: 21072530.

Prokop S, Heppner FL, Goebel HH, Stenzel W. M2

polarized macrophages and giant cells contribute

to myofibrosis in neuromuscular sarcoidosis. Am J

Pathol. 2011 Mar; 178(3): 1279-86. PubMed PMID:

21356378; PubMed Central PMCID: PMC3069905.

Witsch J, Stenzel W, Witsch T, Braun J, Trendelenburg

G. Rituximab in c-ANCA associated vasculitic

polyneuropathy complicated by local peritonitis. J

Neurol. 2011 Dec; 258(12): 2281-3. Epub 2011 May

15. PubMed PMID: 21573943.

Zacharias U, Purfürst B, Schöwel V, Morano I,

Spuler S, Haase H. Ahnak1 abnormally localizes

in muscular dystrophies and contributes to muscle

vesicle release. J Muscle Res Cell Motil. 2011 Dec;

32(4-5): 271-80. Epub 2011 Nov 5.

PubMed PMID: 22057634.

Jahresberichte der Neuromuskulären Zentren

Mamchaoui K, Trollet C, Bigot A, Negroni E, Chaouch

S, Wolff A, Kandalla PK, Marie S, Di Santo J,

St Guily JL, Muntoni F, Kim J, Philippi S, Spuler S,

Levy N, Blumen SC, Voit T, Wright WE, Aamiri A,

Butler-Browne G, Mouly V. Immortalized

pathological human myoblasts: towards a universal

tool for the study of neuromuscular disorders.

Skelet Muscle. 2011 Nov 1; 1: 34. PubMed PMID:

22040608; PubMed Central PMCID: PMC3235972.

Bierbrauer J, Koch S, Olbricht C, Hamati J, Lodka

D, Schneider J, Luther-Schröder A, Kleber C, Faust

K, Wiesener S, Spies CD, Spranger J, Spuler S,

Fielitz J, Weber-Carstens S. Early type II fiber atrophy

in intensive care unit patients with nonexcitable

muscle membrane. Crit Care Med. 2011 Sep 29.

[Epub ahead of print] PubMed PMID: 21963579.

Spuler S, Stroux A, Kuschel F, Kuhlmey A, Kendel F.

Delay in diagnosis of muscle disorders depends on

the subspecialty of the initially consulted physician.

BMC Health Serv Res. 2011 May 4;11: 91. Pub-

Med PMID: 21542919; PubMed. Central PMCID:

PMC3112398.

Biedasek K, Andres J, Mai K, Adams S, Spuler S,

Fielitz J, Spranger J. Skeletal muscle 11beta-HSD1

controls glucocorticoid-induced proteolysis and

expression of E3 ubiquitin ligases atrogin-1 and

MuRF-1. PLoS One. 2011 Jan 31; 6(1): e16674. Pub-

Med PMID: 21304964; PubMed Central PMCID:

PMC3031623.

29


Neuromuskuläres Zentrum Brandenburg

Neuromuskuläres Zentrum Brandenburg

Leiter:

MR Dr. med. E. Marg

Klinik für Neurologie

ASKLEPIOS Fachklinikum Brandenburg

Sprecher:

Dr. med. V. Heinsius

Klinik für Neurologie

ASKLEPIOS Fachklinikum Brandenburg

Seit dem letzten Jahr haben sich keine Änderungen

ergeben. Das Neuromuskuläre

Zentrum Brandenburg arbeitet wie zuvor in

fächerübergreifender Kooperation zur Diagnosestellung,

Therapie und Betreuung

neuromuskulär Erkrankter.

Die Adressen der verschiedenen Einrichtungen,

die über das Land Brandenburg

verteilt sind, finden sich im Anhang. Das

neuromuskuläre Zentrum ist an der Klinik für

Neurologie des ASKLEPIOS Klinikums (AFK)

der Stadt Brandenburg/Havel angesiedelt.

Es finden weiterhin Fortbildungsveranstal-

tungen mit Fallvorstellungen statt, zu denen

alle am Neuromuskulären Zentrum Betei-

ligten eingeladen werden. Zu klinikinter-

nen Fortbildungen werden regelmäßig die

niedergelassenen Kollegen der Neurologie

u. a. Fachgebiete eingeladen.

Sprechstunden und

Betreuungsstrukturen

Die Sprechstunde in der neuromuskulären

Ambulanz wird einmal wöchentlich in der

Klinik für Neurologie des AFK angeboten. Im

Rahmen der Sprechstunde wird auch weiterhin

eine Sozialberatung für berufliche

Fragen, Hilfsmittelversorgung, Rehabilitation,

Schwerbehindertenrecht u. ä. angeboten.

Die Rheumatologische Klinik bietet in

Brandenburg/H. und in Treuenbrietzen eine

rheumatologische Sprechstunde an.

Eine neuroorthopädische Sprechstunde

30

wird von CA Dr. Pietsch, Klinik für Neuroorthopädie,

im Oberlinhaus (Ernst von Bergmann

Klinikum) in Potsdam angeboten.

Die neuropathologische Untersuchung von

Nerv- und Muskelbiopsien erfolgt unverändert

im Muskellabor der Klinik für Neurologie

des AFK Brandenburg. Hier können histologische

Untersuchungen von Nerv- und

Muskelbiopsien mit allen gängigen lichtmikroskopischen

Methoden und im Semidünnschnittverfahren

durchgeführt werden.

Für Patienten mit Atemstörungen können

in der Klinik für Pulmologie des Johanniter-Krankenhauses

Treuenbrietzen Schlaflaboruntersuchungen

und die Anpassung

einer Heimbeatmung erfolgen; dies ist in

Einzelfällen auch an der neurologischen

Klinik des AFK Brandenburg möglich. Die

ambulante und stationäre Versorgung von

Kindern mit neuromuskulären Erkrankungen

ist möglich an den SPZ in Cottbus,

Potsdam, Schwedt, Frankfurt/Oder. Eine

kardiologische Betreuung ist im Städtischen

Klinikum Brandenburg möglich. Die humangenetische

Beratung wird durch Frau

Dr. med. Schneider, FÄ für Humangenetik

am Ernst v. Bergmann Klinikum Potsdam,

durchgeführt.

Personelle und strukturelle Änderungen

Im vergangen Jahr gab es keine personellen

Änderungen. Ende März 2012 wird

der langjährige Leiter des NMZ und Chefarzt

der Neurologischen Klinik am ASKLE-

PIOS Fachklinikum Brandenburg, Herr Dr.

Marg, in den Ruhestand gehen. Nachfolgerin

als Chefärztin wird Frau PD Dr. med.

Fitzek werden. Das NMZ Brandenburg erhielt

erneut das Gütesiegel der DGM für

die kommenden drei Jahre.


Selbsthilfeaktivitäten

Mit den Selbsthilfegruppen im Land besteht

regelmäßig Kontakt, es finden 1-2

Mal pro Jahr Treffen vor Ort und beim diesjährigen

Treffen des Landesverbandes in

Rheinsberg statt.

Jahresberichte der Neuromuskulären Zentren

31


Neuromuskuläres Zentrum Dresden

Neuromuskuläres Zentrum Dresden

Leiter:

Prof. Dr. med. Heinz Reichmann

Direktor der Klinik und Poliklinik für

Neurologie, Universitätsklinikum Carl Gustav

Carus, Dresden

Sprecher:

Dr. med. Ulrike Reuner

Oberärztin – Klinik und Poliklinik für

Neurologie, Universitätsklinikum Carl Gustav

Carus, Dresden

Kooperierende Kliniken und Institute am

Universitätsklinikum:

• Klinik und Poliklinik für Neurologie

• Klinik und Poliklinik für Kinder- und

Jugendmedizin

• Klinik und Poliklinik für Orthopädie

• Medizinische Kliniken und Polikliniken

sowie MVZ am UKD mit den Arbeitsbereichen

Kardiologie / Physiotherapie

/ Pulmologie / Rheumatologie

• Institut für Klinische Genetik

• Institut für Pathologie

• Institut für Diagnostische Radiologie

Kooperierende Klinik

Fachkrankenhaus Coswig GmbH

Zentrum für Pneumologie,

Thorax- und Gefäßchirurgie

Neucoswiger Str. 21, 01640 Coswig

Kontakt: Ärztliche Leitung Heimbeatmung

und Intermediate-Care

Ltd. OA Dr. Koschel

kooperierende Kollegen

Dres. Ute und Dirk Heinicke

Oberärztin bzw. ChA, FÄ für Pädiatrie

Rehabilitationsklinik für Kinder, Jugendliche

und junge Erwachsene, Bavaria Klinik

Kreischa-Zscheckwitz /Sachsen

OT Zscheckwitz 1–3, 01731 Kreischa

32

Dr. med. Dipl.-Med. Friedmar R. Kreuz, FA

für Humangenetk, AiW Psychotherapie.

Gemeinschaftspraxis für Humangenetik

Dres. Bier, Kreuz, Krüger, Reif

Gutenbergstr. 5, 01307 Dresden

Dr. med. Friedemann Steinfeldt

Facharzt für Orthopädie und Unfallchirurgie

spezielle orthopädische Chirurgie

Leitender Chefarzt

Johannesbad Raupennest AG & Co.

Rehefelder Str. 18, 01773 Altenberg

Bewährtes und Neues im Zentrum

Wesentliche Veränderungen haben sich

im Jahr 2011 am Dresdner Zentrum nicht

ergeben. Patienten und Ratsuchende mit

Erkrankungen der Muskulatur und des peripheren

Nervensystems wurden wie zuvor

fach- und berufsgruppenübergreifend betreut,

wobei die „Muskelsprechstunden“

der Klinik und Poliklinik für Neurologie

und der Klinik und Poliklinik für Kinderund

Jugendmedizin in bewährter Weise

als Hauptanlaufstellen, von denen aus die

Diagnostik und Therapie mit allen Partnern

abgestimmt wurden, fungiert haben.

Die Erwachsenenambulanz hat dabei den

Status einer §116b (SGB V) – Ambulanz

inne.

Um eine Mindestqualität der Betreuung

der Patienten zu gewährleisten und zu

verbessern, war es bei unverändert großer

Nachfrage und nur begrenzter Sprechstundenkapazität

notwendig geworden,

niedergelassene Kolleginnen und Kollegen

im letzten Jahr mehr als zuvor in Versorgungsaufgaben

unserer Patienten einzubeziehen

und Kooperationen in der Region

zu vertiefen.


Da möglicherweise nicht generell etabliert,

möchten wir stellvertretend die Kooperation

mit dem Rehabilitationszentrum für Kinder,

Jugendliche und junge Erwachsene mit

angeschlossenem Fachkrankenhaus und

Zentrum für Langzeitbeatmung und Beatmungsentwöhnung

[Weaning-Zentrum]

(Klinik Bavaria Zscheckwitz) als außerordentlich

erfolgreiches Modell vorstellen.

Seit seiner Gründung im Jahre 1997 ist das

Kreischaer Zentrum ein geschätzter und

unverzichtbarer Partner, wobei innerhalb

des neuropädiatrischen Schwerpunktes

insbesondere Kinder und Jugendliche mit

Myopathien unterschiedlicher Art von unserer

Zusammenarbeit profitieren (z. B.

gelingt es nahezu problemlos ambulante,

stationäre und rehabilitative Behandlungen

sowohl inhaltlich als auch zeitlich aufeinander

abzustimmen).

So wurden auch im zurückliegenden Jahr

in Kreischa sowohl Kinder und Jugendliche

mit neuromuskulären Erkrankungen im

Rahmen von Heilverfahren für chronisch

Kranke, als auch Kinder und Jugendliche

mit Muskelerkrankungen, die aufgrund

akuter Verschlechterungen einen akutmedizinischen

Aufenthalt (z. B. zur Anpassung

einer nächtlichen Maskenbeatmung) benötigten,

behandelt. Durch ein multiprofessionelles

interdisziplinäres Behandlungsteam,

bestehend aus Physio- und Ergotherapie,

Sporttherapie, Logopädie, Musiktherapie,

Psychologie und Diätologie wurden für die

Betroffenen und ihre Angehörigen individuelle

Behandlungskonzepte für den Zeitraum

der Rehabilitation, aber auch für die Zeit

danach, erstellt. Im Behandlungskonzept

stellt die Optimierung der Hilfsmittelanpassung

einen besonderen Schwerpunkt

dar, können doch gerade individuell eingesetzte

Hilfsmittel die Alltagskompetenz,

Mobilität (durch bedarfsgerechte Rollstuh-

Jahresberichte der Neuromuskulären Zentren

lanpassung) und damit die Selbständigkeit

und Lebensqualität unserer Patienten

wesentlich verbessern. Einen gleich hohen

Stellenwert hat die Verbesserung der schulischen

und Ausbildungssituation muskelkranker

Kinder und Jugendlicher (Findung

geeigneter Beschulungsformen, Anpassung

von Ausbildungs- und Arbeitsplätzen

sowie Hilfsmitteln), wobei der Bedarf auch

direkter Anpassungen vor Ort bzw. Schulungen

der Lehrer erkrankter Kinder am

Heimatort hoch ist. Die Erfahrungen der

letzten Jahre haben jedoch gezeigt, dass

all diese Bemühungen, u. a. die Weiterbildung

von Pädagogen und die Kooperation

mit ihnen notwendig und sinnvoll sind und

wesentlich zum Verständnis für Muskelkranke

überhaupt und zur Nachhaltigkeit

therapeutischer rehabilitativer Behandlungen

geführt haben.

Darüber hinaus werden selbstverständlich

die Angehörigen in das Langzeitbetreuungskonzept

der Kinder und Jugendlichen

so gut und so viel wie möglich einbezogen,

das nötige Rüstzeug dafür wird in entsprechenden

Seminaren und Schulungen vermittelt.

Neben der regional bestehenden Zusammenarbeit

wurden Kooperationen mit Muskelzentren

und anderen Institutionen im

In- und Ausland fortgeführt und erweitert,

sodass hiesige Patienten und Ratsuchende

auch 2011 Zugang zu diagnostischen

und therapeutischen Angeboten hatten,

die im Zentrum selbst nicht vorgehalten

werden.

Fort- und Weiterbildung

Über das Jahr trafen sich die Kooperationspartner

regelmäßig zu Problemfallbesprechungen,

Vorträgen sowie Myo- und neuropathologischen

Fallkonferenzen, die für

33


Neuromuskuläres Zentrum Dresden

alle „am Muskel Interessierten“ fach- und

berufsgruppenübergreifend offen waren

und sowohl von niedergelassenen ärztlichen

und therapeutisch arbeitenden (z. B. Physiotherapeuten)

Kollegen als auch Vertre-

tern umliegender neurologischer Kliniken

und Fachkrankenhäuser genutzt wurden.

Am 07. und 08.04.2011 fand in Dresden

eine überregional angebotene Fortbildung

für Physiotherapeuten statt, diese wurde

durch ärztliche Referenten des Universitätsklinikums

und Mitglieder des Landesverbandes

(Betroffene) unterstützt.

Eine gemeinsame Fortbildung der Klinik

für Kinder- und Jugendmedizin sowie der-

Klinik für Neurologie zum Thema „Neuropsychiatrische

Erkrankungen bei Stoffwechseldefekten“

fand am 25.05.2011

am Universitätsklinikum C.-G.-Carus, TU

Dresden statt, das 10-jährige Bestehen

des Brückenprojektes wurde mit einer

Tagung am 11.11. und 12.11.2011 zum

Thema „10 Jahre Brückenprojekt am Universi-tätsklinikum“

gewürdigt.

• Umsetzung der bundesweiten spezialisierten

ambulanten Palliativversorgung

für Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene

• Aktuelle Therapiemöglichkeiten in der Pä-

diatrischen Palliativversorgung

• Lebensqualitätsmessung in der Pädiatrischen

Palliativversorgung.

Im Rahmen der Fortbildung der Klinik für

Neurologie am Klinikum Cottbus wurde

durch Mitarbeiter des Muskelzentrums

zum Thema Myasthenie und myasthene

Syndrome am 16.11.2011 referiert.

34

Ausgewählte Forschungsaktivitäten /

neue diagnostische und therapeutische

Möglichkeiten

Die Muskelsprechstunde der Abteilung

Neuropädiatrie, Klinik für Kinder- und Jugendmedizin

ist Studienzentrum der multizentrischen,

placebokontrollierten doppelblinden,

randomisierten Studie zur Untersuchung

der prophylaktischen Therapie

der Herzinsuffizienz mit ACE-Hemmern

und Beta-Blockern bei Kindern und Jugendlichen

mit Muskeldystrophie, DMD-

Kardio-Studie (Leiter der klinischen Prüfung:

Prof. Dr. S. Dittrich, Abteilung Kinderkardiologie

der Universität Erlangen). Eingeschlossen

werden männliche Patienten

im Alter zwischen 10 – 14 Jahren mit Muskeldystrophie

Duchenne.

Unter Leitung von Frau Prof. Dr. Angela

Hübner und Frau PD Dr. Maja von der Hagen,

Mitglieder des MD-NET, wurde das

Projekt „Mirosatellitenanalyse als ökonomische

Strategie für die Differentialdiagnose

neuromuskulärer Erkrankungen“, S2a

Servicestruktur im Rahmen des Muskeldystrophienetzwerkes

(MD-NET) fortgesetzt

bzw. weiterentwickelt (http://www.md-net.

org). Diese Servicestruktur wurde im Rahmen

des Muskeldystrophie-Netzwerkes

von Januar 2009 bis Dezember 2011 vom

Bundesministerium für Forschung und Bildung

(BMBF) gefördert. Das Linkage-Zentrum

stellt ein Verbindungsglied zwischen

den Muskelzentren und den spezialisierten

molekularen Muskellaboratorien dar, die

weiterführende Mutationsanalysen und

genomweite Kopplungsanalysen durchführen.

Mit der Integration des MD-NET in

das Europäische „Network of Excellence“

(TREAT-NMD) erfolgt eine enge Zusammenarbeit

mit 21 TREAT-NMD-assoziierten

Partnerorganisationen aus verschiedenen

europäischen Ländern.


Von Oktober 2008 bis 2011 war das Dresdner

Zentrum (Frau Prof. Dr. Angela Hübner)

eines von 13 Partnern des von der Europäischen

Union geförderten Projektes „NMD-

Chip“. In Rahmen dieses Projektes wurden

bis 2011 neue diagnostische Möglichkeiten

auf Chip-Basis für die Erkrankungsgruppen

Gliedergürtel-Muskeldystrophien, angeborene

Muskeldystrophien sowie hereditäre

motorische und sensorische Neuropathien

(Charcot-Marie-Tooth) erarbeitet.

Frau PD Dr. Kathrin Geiger, Leiterin der

Abteilung Neuropathologie am Institut für

Pathologie, führte laufende Forschungsprojekte

erfolgreich fort, das etablierte Untersuchungsspektrum

zur differenzierten

myo- und neuropathologischen Diagnostik,

welches die Analyse von Biopsien von

Skelett- und Herzmuskulatur, Haut- und

Nervenbiopsien sowie Biopsien von Gefäßen

und Buffy coats beinhaltet, wurde

weiterhin ohne Einschränkungen angeboten.

Das Mitochondrien-Labor der Klinik und

Poliklinik für Neurologie (www.neuro.med.

tu-dresden.de/mitolab) hat sein diagnostisches

Angebot wiederum erweitern können.

Neben den bereits etablierten Methoden

zur Untersuchung aller relevanter

mitochondrialer Gene sind nunmehr auch

Analysen für OPA-1 [autosomal-dominante

Optikusatrophie Typ 1]; MCAD [MCAD-Defizienz],

MATR-3 [MPD2] und TTID [Myotilinopathien]

möglich. Das breite Angebot

auf molekulargenetischer Ebene wird durch

umfassende Enzymdiagnostik ergänzt.

Das Mitochondrienlabor ist Mitglied im

BMBF-geförderten MitoNet und in diesem

Rahmen an der Rekrutierung von

Patienten für das nationale Mitochondrienregister

(www.mitoregister.org) beteiligt.

Jahresberichte der Neuromuskulären Zentren

In Kooperation mit dem Muskelzentrum

Halle (Prof. Dr. med. M. Deschauer) läuft

unter anderem eine Untersuchung zur Beteiligung

mitochondrialer Veränderungen

bei der Pathophysiologie der OPMD, die

bereits etablierten Studien zum primären

Coenzym Q10-Mangel wurden und werden

im Rahmen eines EU-Projektes fortgesetzt.

Die fachärztliche Beratung für

Ärzte und Patienten erfolgte weiterhin

durch Herrn OA Dr. med. Jochen Schäfer,

die Laborleitung liegt unverändert bei Frau

Dr. Sandra Jackson. Eine Akkreditierung

der mitochondrialen Diagnostik bei der

DAkkS wurde beantragt.

Selbsthilfeaktivitäten

Zum Landesverband Sachsen der Deutschen

Gesellschaft für Muskelkranke bestehen

seit seiner Gründung traditionell enge

Kontakte und ein regelmäßiger Austausch

[Gesprächskreise, Kontaktpersonentreffen

und -schulungen, Mitgliederversammlung].

Höhepunkt des ereignisreichen Jahres war

die Jubiläumsveranstaltung zum 20 jährigen

Bestehen des Landesverbandes.

Mit unverändert großer Resonanz fanden

mehrfach im Jahr Treffen des Eltern- und

des ALS-Gesprächskreises statt, auch in

2011 wurden die Kreise ärztlich und seitens

der Sozialarbeiter regelmäßig begleitet.

Stellvertretend für die vielen Aktivitäten

sei der Besuch der ALS-Gruppe im Hygienemuseum

Dresden mit anschließendem

Erfahrungsaustausch während des gemeinsamen

Mittagessens im November

2011 genannt.

Kontaktperson Elternkreis:

Frau Heike Band heike.band@dgm.org

Kontaktperson ALS-Kreis:

Frau Andrea Kloth,

Tel.: 0351 / 458-3704

35


Neuromuskuläres Zentrum Freiburg

Über Herrn Dr. F. Kreuz (Sprecher des Medizinischen

Beirates der DHAG) besteht

eine enge Kooperation mit der Deutschen-

Heredo-Ataxie-Gesellschaft e. V. und mit

der Deutschen Huntington-Hilfe e. V. (DHH).

Bei letzterer ist er sowohl Mitglied des

Beirates als auch des wissenschaftlichen

Beirates und Ehrenvorsitzender des Länderverbandes

Mitteldeutschland. Darüber

hinaus ist Herr Dr. Kreuz Mitorganisator

des Ataxie-/ Huntington-Stammtisches in

Dresden und Chemnitz.

______________________________________

Ausgewählte Publikationen

Dumic M, Barisic N, Rojnik-Putarek N, Kusec V,

Stanimirovic A, Koehler K, Huebner A. Two siblings

with triple A syndrome and novel mutation presenting

as hereditary polyneuropathy. Eur J Pediatr

2011;170: 393-396.

Hermann A, Reuner U, Ziethe G, Bräuer A,

Gölnitz U, Rolfs A., Ricci C. Vocal cord paralysis

and rapid progressive motor neuron disease

by the L113F mutation in SOD1 gene.

Amyotroph Lateral Scler 2011; 12(5): 382-384

Hicks D, Sarkozy A, Muelas N, Koehler K, Huebner

A, Hudson G, Chinnery PF, Barresi R, Eagle M, Polvikoski

T, Bailey G, Miller J, Radunovic A, Hughes

PJ, Roberts R, Krause S, Walter MC, Laval SH,

Straub V, Lochmüller H, Bushby K. A founder mutation

in anoctamin 5 is a major cause of limb girdle

muscular dystrophy. Brain 2011; 134: 171-182.

Lehtokari VL, Pelin K, Herczegfalvi A, Karcagi

V, Pouget J, Franques J, Pellissier JF, Figarella-

Branger D, von der Hagen M, Huebner A, Schoser

B, Lochmüller H, Wallgren-Pettersson C. Nemaline

myopathy caused by mutations in the nebulin gene

may present as distal myopathy. Neuromuscular

Disord 2011; 21: 556-562.

Nemat K, Gahr M, Reuner U,Manifestation einer

Plexus-brachialis-Neuropathie unter Spezifischer

Immuntherapie (SIT) mit Hymenopterengift. Allergologie

2011; 34 (2): 68-75

36

Reuner U, Dinger J, Lambert-Eaton-Syndrom und

Schwangerschaft.

Newsletter Myasthenie Kolloqium, Temmler Pharma

GmbH & Co. KG, Ausgabe 1/2011, S. 1-5

Senderek J, Müller JS, Dusl M, Strom TM, Guergueltcheva

V, Diepolder I, Laval SH, Maxwell S,

Cossins J, Krause S, Muelas N, Vilchez JJ, Colomer

J, Mallebrera CJ, Nascimento A, Nafissi S, Kariminejad

A, Nilipour Y, Bozorgmehr B, Najmabadi

H, Rodolico C, Sieb JP, Steinlein OK, Schlotter B,

Schoser B, Kirschner J, Herrmann R, Voit T, Oldfors

A, Lindbergh C, Urtizberea A, von der Hagen M,

Huebner A, Palace J, Bushby K, Straub V, Beeson

D, Abicht A, Lochmüller H. Hexoamine biosynthetic

pathway mutations cause neuromuscular transmission

defect. Am J Hum Genet 2011; 88: 162-172

Yis U, Uyanik G, Heck PB, Smitka M, Nobel H, Ebinger

F, Dirik E, Feng L, Kurul SH, Brocke K, Unalp A,

Özer E, Cakmakci H, Sewry C, Cirak S, Muntoni F,

Hehr U, Morris-Rosendahl DJ. Fukutin mutations

in non-Japanese patients with congenital muscular

dystrophy: less severe mutations predominate

in patients with a non-Walker-Warburg phenotype.

Neuromuscul Disord. 2011; 21: 20-30.


Neuromuskuläres Zentrum Freiburg

Leiter: Prof. Dr. R. Korinthenberg

Sprecher: PD Dr. J. Kirschner

Klinik für Neuropädiatrie und Muskelerkrankungen

am Zentrum für Kinder- und Jugendmedizin

am Universitätsklinikum Freiburg

Wie in den früheren Jahren so standen

auch im Jahr 2011 die umfassende medizinische

Diagnostik und Therapie neuromuskulärer

Erkrankungen im Mittelpunkt

unserer Tätigkeit. Das Zentrum besteht

aus mehreren Arbeitsgruppen aus Ärzten

und therapeutischen Mitarbeitern.

Klinik für Neuropädiatrie und Muskelerkrankungen

am Zentrum für Kinder- und

Jugendmedizin (Ärztlicher Direktor: Prof.

Dr. med. Rudolf Korinthenberg).

In der Muskelsprechstunde werden von

Ärzten und Physiotherapeutinnen muskelkranke

Kinder und Jugendliche betreut.

Hier werden die regelmäßigen Verlaufskontrollen

vorgenommen sowie kardiologische,

pneumologische, orthopädische und radiologische

Untersuchungen und gegebenenfalls

stationäre Aufenthalte organisiert.

Das Sozialpädagogische Zentrum der Klinik

ist mit seinen sozialpädagogischen und

psychologischen Mitarbeitern ebenfalls in

die Patientenbetreuung integriert. Mittelpunkt

bei der Patientenbetreuung sind die

interdisziplinäre Beratung und Therapie mit

den wissenschaftlich neuesten Behandlungsverfahren,

gestützt auf die langjährige

Erfahrung der Abteilung. Derzeit betreuen

Prof. R. Korinthenberg, PD Dr. J. Kirschner,

Frau Dr. W. Janzarik und Frau Dr. Vry etwa

400 Patienten im Rahmen dieser Sprechstunde.

Jahresberichte der Neuromuskulären Zentren

Lehre und Wissenschaftliche Projekte

Die Klinik für Neuropädiatrie und Muskelerkrankungen

ist involviert in die Ausbildung

von Medizinstudenten, Krankenschwestern/pflegern

und Physiotherapeuten zum

Thema „neuromuskuläre Erkrankungen“,

im Rahmen von Vorlesungen, Kursen und

Spezialseminaren.

Im Rahmen des vom Bundesministerium

für Bildung und Forschung (BMBF) geförderten

Muskeldystrophie-Netzwerks MD-

NET (www.md-net.org) besteht seit 2001

in Freiburg das „Koordinationszentrum für

klinische Studien“. Seit Januar 2007 wurde

diese Zentrale im Rahmen des Europäischen

Projekts TREAT-NMD (von der EU

gefördertes „Network of Excellence“ zur Erforschung

und Behandlung von neuromuskulären

Erkrankungen, (www.treat-nmd.eu)

auf internationale Ebene ausgeweitet.

Durch die Zusammenarbeit von klinisch

tätigen Ärzten, klinischen Pharmakologen,

Biometrikern kann dieses Zentrum sowohl

anderen Kliniken wie auch der Industrie

eine kompetente Unterstützung bei der

Planung, Durchführung und Auswertung

von klinischen Studien im Bereich von

neuromuskulären Erkrankungen anbieten.

Seit Mai 2010 besteht das von der Europäischen

Union unterstützte Projekt CARE-

NMD (www.care-nmd.eu) unter der Leitung

von PD Dr. J. Kirschner. Bei diesem Projekt

geht es um die Evaluation und Verbesserung

der Versorgung von Patienten mit Muskeldystrophie

Duchenne in verschiedenen europäischen

Ländern. Gemeinsam mit der

Kinderkardiologie Erlangen (Prof. Sven

Dittrich) und dem Muskeldystrophie Netzwerk

wird von Freiburg aus eine plazebokontrollierte

multizentrische Studie zur pro-

37


Neuromuskuläres Zentrum Freiburg

phylaktischen Therapie der Herzinsuffizienz

bei Muskeldystrophie Duchenne organisiert.

Die Studie wird vom Bundesministerium

für Bildung und Forschung (BMBF)

finanziert.

Seit 2010 werden an vielen deutschen Zentren

Patienten in diese Studie aufgenommen.

Weitere Informationen finden sie unter

www.md-net.org. Freiburg hat sich als

klinisches Studienzentrum an der internationalen

Studie der Firma PTC Therapeutics

zur Behandlung von Patienten mit Muskeldystrophie

Duchenne und prämaturem

Stopcodon mit dem Präparat Ataluren ®

beteiligt und nimmt seit Ende 2010 Patienten

in zwei verschiedene Studien zum

Exonskipping (Exon 51) bei Muskeldystro-

phie Duchenne auf. Eine unkontrollierte

Studie in Zusammenarbeit mit dem Universitätsklinikum

Köln (Prof. Schönau) zur

Behandlung von gehfähigen Patienten mit

Muskeldystrophie Duchenne und Spinaler

Muskelatrophie mit Vibrationstherapie wur-

de 2011 abgeschlossen. Desweiteren be-

teiligt sich die Abteilung an einer internationalen

Studie (SMA Europe) zum natürlichen

Krankheitsverlauf bei Spinaler Muskelatrophie

und einer Medikamentenstudie

der Firma Trophos zur Behandlung der Spinalen

Muskelatrophie.

Myologisches Labor am Zentrum

für Kinder- und Jugendmedizin

Leitung: PD Dr. J. Kirschner

Neben der Routinediagnostik von eingehenden

Muskel- und Nervenbiopsien (siehe

unten) werden in dem Labor verschiedene

Forschungsarbeiten insbesondere

zur Charakterisierung und Pathophysiologie

von Muskeldystrophien durchgeführt.

Schwerpunktmäßig werden zurzeit die

38

kongenitale Muskeldystrophie Typ Ullrich

und die Muskeldystrophie Duchenne

(DGM-gefördertes Projekt: „Regeneration

bei der Duchenne-Muskeldystrophie in Abhängigkeit

von der Fibrose“) bearbeitet.

Neurologische Universitätsklinik

und Poliklinik

Ärztlicher Direktor: Prof. Dr. C. Weiller

In der Neurologischen Universitätsklinik

und Poliklinik im Neurozentrum werden

einmal wöchentlich eine Muskelsprechstunde

und eine ALS - Sprechstunde für

Erwachsene abgehalten. Verantwortlich

für diese Sprechstunde ist Herr Prof. Glocker,

der die Sprechstunden gemeinsam

mit Frau Dr. I. Kaupp und Dr. B. Heimbach

durchführt. In Kooperation mit dem Institut

für Geschichte und Ethik (Prof. Maio)

berät Dr. Heimbach ethische Fragen zum

Krankheitsverlauf und zum Lebensende,

führt Hilfsmittelberatungen durch und

koordiniert die Zusammenarbeit mit der

Palliativstation (Frau PD Dr. Becker) zur

Versorgungsoptimierung unserer ALS-Patienten.

Zusätzlich bieten wir in Kooperation

mit der Tom-Wahlig-Stiftung eine HSP-

Sprechstunde an. An zwei Nachmittagen

führen Herr Dr. Kottlors, leitender Oberarzt

der Seidel-Klinik und Prof. Glocker zusätzlich

eine Muskelsprechstunde in Bad

Bellingen durch. Einen klinisch-wissenschaftlichen

Schwerpunkt stellen derzeit

paraspinale Muskelerkrankungen als Ursache

chronischer Rückenschmerzen dar.

Eine wachsende Zahl von Patienten mit

unverstandenen Muskelschmerzen und un-

geklärten CK-Erhöhungen, als deren Ursache

sich mit zunehmender Häufigkeit

abortive oder blande Formen von Gliedergürteldystrophien

sowie metabolische und

myotone Myopathien herausstellen, wer-


den in den angebotenen Sprechstunden

vorstellig. Weiterhin werden erhebliche Res-

sourcen in die Enzymersatztherapie bei

Morbus Pompe eingebracht, die in der Tagesklinik

der Neurologischen Universitätsklinik

durchgeführt wird. Mit Frau Gumpert

begleitet eine erfahrene Sozialarbeiterin

unsere Sprechstunden, wodurch sich die

Betreuung unserer Patienten weiter optimiert

hat.

Auch im vergangenen Jahr hat die hervorragende

Zusammenarbeit mit den komplementären

Einrichtungen, insbesondere der

Pneumologie, der Sportmedizin, der Myopathologie

und der Humangenetik eine

effiziente und optimale Betreuung und Beratung

der Patienten mit kurzen Informationswegen

ermöglicht. In regelmäßigen

neuropathologisch-klinischen Fallkonferenzen,

die von der Abteilung Neuropathologie

durchgeführt und von Herrn Prof.

Göbel moderiert werden, werden ungewöhnliche

und besonders lehrreiche Fälle

in einem interdisziplinären Rahmen mit

Neurologen, Neuropädiatern, Rheumatologen

und Neuroradiologen vorgestellt und

diskutiert.

Analyse von Muskel- und

Nervenbiopsien

Myologisches Labor am Zentrum für

Kinder- und Jugendmedizin und Abteilung

Neuropathologie im Neurozentrum

Die Analyse von Muskel- und Nervenbiopsien

erfolgt in enger Zusammenarbeit von

dem Myologischen Labor am Zentrum für

Kinder- und Jugendmedizin (Leiter PD Dr.

J. Kirschner) und der Abteilung Neuropathologie

(Prof. Dr. M. Prinz) unter anderem

durch regelmäßige Fallkonferenzen.

Jahresberichte der Neuromuskulären Zentren

Pro Jahr werden etwa 250 Muskel- und

Nervenbiopsate aus dem Universitätsklinikum

Freiburg sowie von zahlreichen auswärtigen

Kliniken im Bereich neuromuskulärer

Pathologie analysiert. Es wird dabei

die differenzierte myo- und neuropathologische

Diagnostik aller myogenen und

neuromuskulären Erkrankungen durch-

geführt. Dazu gelangen neben der Routinehistologie

mit Standardfärbungen die

notwendigen und umfangreichen histochemischen,

enzymhistochemischen, und

immunhistochemischen Untersuchungen

(u. a. Dystrophin, Spektrin, sämtliche Sarkoglykanproteine,

Merosin, Kollagen VI,

Alpha-Dystroglykan sowie Intermediärfilamente

wie Desmin und Titin) zum Einsatz.

Ergänzt werden diese Untersuchungen

durch computergestützte Morphometrie

von Nerv und Muskel sowie durch Membranproteinanalysen

im Westernblot. Die

lichtmikroskopisch-histochemischen Ergebnisse

werden gestützt und erweitert

durch die elektronenmikroskopische Analyse

von Nerv und Muskel im Laborbereich

für Elektronenmikroskopie.

Zusätzlich notwendige biochemische Untersuchungen,

molekulargenetische Untersuchungen

und andere Analysen erfolgen

in Zusammenarbeit mit anderen Instituten.

Zur Qualitätssicherung wird eine ausführliche,

mindestens zweimal pro Semester

stattfindende interdisziplinäre Fallkonferenz

ausgerichtet, in der Problemfälle zwischen

den Fachkollegen erörtert werden.

Weitere Informationen sind unter folgender

Internetadresse erhältlich:

http://www.uniklinik-freiburg.de/neuropathologie/live/index.html

39


Neuromuskuläres Zentrum Freiburg

Klinik III: Angeborene Herzfehler/

Pädiatrische Kardiologie am Zentrum

für Kinder- und Jugendmedizin

Ärztliche Direktorin: Prof. B. Stiller

Hier erfolgt die kardiologische Diagnostik

und Therapie von Kindern. Im Rahmen

der Betreuung von Patienten mit Muskeldystrophie

Duchenne wird die o. g. Studie

zur Herzfunktion mittels Echokardiographie

und der innovativen Gewebedoppler-

Echokardiographie fortgesetzt. Erwachsene

Patienten können kardiologisch in der

Medizinischen Universitätsklinik, Abteilung

für Kardiologie (Ärztlicher Direktor Prof. Dr.

Bode) behandelt werden, aber auch weiter

in der Abteilung für Angeborene Herzfehler/Pädiatrische

Kardiologie am Zentrum

für Kinder- und Jugendmedizin. Alle erforderlichen

Untersuchungs- und Behandlungsverfahren

stehen hier zur Verfügung.

Sektion Kinder- und Schwerbehinderten

orthopädie am Department für Orthopädie

und Traumatologie

Ärztlicher Leiter: Dr. Schwering

Patienten mit neuromuskulären Erkrankungen

werden in der Sektion ambulant

und stationär untersucht und behandelt.

Die Sprechstunde für Kinder und Jugend-

liche leitet Herr Dr. Schwering. Das Angebot

der Versorgung reicht von der radiologischen

Diagnostik über die orthopädische

Beratung bis hin zu speziellen Hilfsmittelversorgungen

und Operationen. Die

Wirbelsäulenoperationen werden in Zusammenarbeit

mit Herrn Oberarzt PD Dr.

Knöller durchgeführt.

40

Abteilung für Pneumologie

der Universitätsklinik

Ärztlicher Direktor:

Prof. Dr. Müller-Quernheim

Für Patienten mit neuromuskulären Erkrankungen

bietet die Abteilung eine diagnostische

Abklärung mit Messung der

Lungenfunktion und Atemmuskelkraft an.

Falls erforderlich erfolgt die Einleitung und

Kontrolle einer außerklinischen Beatmung,

entweder als nichtinvasive Beatmung via

Gesichtsmaske oder invasive Beatmung

via Tracheostoma. Schlafbezogene Atemstörungen

können in einem Schlaflabor

weiter abgeklärt und gegebenenfalls entsprechend

therapiert werden. Herr Prof.

Dr. Windisch ist nun Chefarzt der Pneumologie

im KH Köln Meerheim. Sein Nachfolger

hier in Freiburg in der Abteilung Pneumologie

ist nun OA PD Dr. Michael Dreher.

Forschungsschwerpunkte der Abteilung

sind die technischen und physiologischen

Aspekte der nichtinvasiven Beatmung, die

gesundheitsbezogene Lebensqualität bei

Patienten mit außerklinischer Beatmung

und die Messung der Atemmuskelfunktion.

Dr. Kabitz nimmt die Muskelmessungen

vor.

Die Abteilung für Rehabilitative und Präventive

Sportmedizin der Medizinischen

Universitätsklinik

Ärztlicher Direktor:

Prof. Dr. H.-H. Dickhuth

bietet die Diagnostik mit Spiroergometrie

mit Laktat- und Ammoniakmessung an.

Diese sind vor allem bei Verdacht auf metabolische

Muskelerkrankungen wie z. B.

Mc Ardle Syndrom oder MAD-Mangel indiziert.

Im Jahr 2010 blieb die Zahl der Untersuchungen

bei ca. 100 mit dieser Fra-


gestellung auf dem Niveau des Vorjahrs.

Hauptverantwortlicher Arzt ist

PD Dr. Y. O. Schumacher.

Institut für Humangenetik

Ärztliche Direktorin: Frau Prof. Dr. med. Dr. rer.

nat. Judith Fischer

Die genetische Beratungsstelle des Instituts

führt die humangenetische Beratung

von Patienten und ihren Familien durch.

Die fachärztliche Beratung wird ergänzt

durch sozialrechtliche und psychosoziale

Beratung durch die Sozialarbeiterinnen der

Beratungsstelle. Das Institut bietet darüber

hinaus die molekulargenetische Diagnostik

für Cobblestone-Dysplasien (auch bekannt

als Typ 2-Lissenzephalien: Walker-Warburg-Syndrom,

Muscle-Eye-Brain-Disease,

Fukuyama kongenitale Muskeldystrophie)

an, die mit einer Muskeldystrophie einhergehen.

Dafür werden Mutationsanalysen in

den Genen POMT1, POMT2, POMGNT1,

FKTN, FKRP und LARGE durchgeführt. Da-

rüber hinaus wird die Diagnostik für die Myopathie

mit Lipidspeicherkrankheit durch

Analyse des ATGL/PNPLA2-Gens ange-

boten. Weitere molekulargenetische Diagnostik

kann nach Bedarf vereinbart werden.

Jahresberichte der Neuromuskulären Zentren

Publikationen

Meinicke H, Moske-Eick O, Sitzberger AN, Zieger B,

Kirschner J. Anterior spinal artery syndrome in a 13year-old

boy 8 days after taekwondo-fight: vascular

obliteration due to vessel lesion or thrombophilia?

Klin Padiatr. 2011 May; 223(3): 182-6.

Kirschner J, Lochmüller H. Sarcoglycanopathies.

Handb Clin Neurol. 2011; 101: 41-6. Review.

Senderek J, Müller JS, Dusl M, Strom TM, Guergueltcheva

V, Diepolder I, Laval SH, Maxwell S,

Cossins J, Krause S, Muelas N, Vilchez JJ, Colomer

J, Mallebrera, CJ, Nascimento A, Nafissi S, Kariminejad

A, Nilipour Y, Bozorgmehr B, Najmabadi

H, Rodolico C, Sieb JP, Steinlein OK, Schlotter B,

Schoser B, Kirschner J, Herrmann R, Voit T, Oldfors

A, Lindbergh C, Urtizberea A, von der Hagen M,

Hübner A, Palace J, Bushby K, Straub V, Beeson D,

Abicht A, Lochmüller H. Hexosamine biosynthetic

pathway mutations cause neuromuscular transmission

defect. Am J Hum Genet. 2011; 88(2): 162-72.

41


Neuromuskuläres Zentrum Göttingen

Neuromuskuläres Zentrum Göttingen

Leiter:

Prof. Dr. Ekkehard Wilichowski

Abteilung Pädiatrie II,

Schwerpunkt Neuropädiatrie

Universitätsmedizin Göttingen

Sprecher:

PD Dr. Jens Schmidt

Abteilung Neurologie und Abteilung

Neuroimmunologie

Universitätsmedizin Göttingen

Abteilung Neurologie

Die Arbeitsgruppe Muskelimmunbiologie

wird von Dr. Schmidt geleitet und umfasst

15 wissenschaftliche Mitarbeiter bzw.

Doktoranden und MTA. Der Schwerpunkt

der Forschung liegt weiterhin im Bereich

der Pathomechanismen der sporadischen

Einschlusskörpermyositis (sporadic inclusion

body myositis, sIBM). In der neuromuskulären

Sprechstunde werden neben

Patienten mit Myopathien vor allem auch

autoimmun-entzündliche Neuropathien be-

handelt. Der Einzugsbereich für entzündliche

Myopathien umfasst mittlerweile das

gesamte Bundesgebiet. Die dementsprechend

ausgebaute Ambulanz wird anteilig

von vier Assistenten durchgeführt.

Wissenschaftlich wurden Experimente zum

Mausmodell der Muskeldystrophie Duchenne

fortgeführt. In einer Kooperation

mit der Abt. Neuropädiatrie (Dr. Lars Klinge)

und der Abt. Klin. Neurophysiologie (Prof.

Dr. David Liebetanz) wurde der Effekt von

Prednisolon im Vergleich zu liposomal verkapseltem

Prednisolon untersucht (Weller

et al., 2011). Es zeigte sich, dass die Untersucher-unabhängige,

Computer-gestützte

Laufradanalyse eine verlässliche Methode

darstellt, um den frühen Verlauf von mdx-

42

Mäusen klinisch zu untersuchen. Die tägliche

Behandlung mit freiem Prednisolon

über 21 Tage führte zu keiner signifikanten

Verbesserung der Laufparameter. Entgegen

anderer Erkrankungen wie der experimentellen

Arthritis und der experimentellen

Enzephalomyelitis zeigte die Behandlung

mit liposomal verkapseltem Prednisolon

keine Überlegenheit im Vergleich zu freiem

Prednisolon. Obwohl die Glukokortikosteroide

zu einer Modulation Steroid-abhängiger

Transkriptionsfaktoren wie Foxo1 und

z. T. auch MuRF1 und Foxo3 führten, blieb

die Expression entzündlicher Mediatoren

wie MCP-1 und TGF-β im Muskel ohne

wesentliche Veränderung, wie die Analyse

mittels quantitativer PCR und Western Blot

zeigte. Insgesamt demonstrieren diese Daten,

dass drug targeting mittels liposomaler

Verkapselung zu keiner Verbesserung

der Wirkung von Prednisolon in der frühen

Phase der mdx-Maus führt.

Abteilung Pädiatrie II, Schwerpunkt

Neuropädiatrie

Die interdisziplinäre Neuromuskuläre Sprechstunde

für Kinder und Jugendliche ist weiterhin

integraler Bestandteil des Sozialpädiatrischen

Zentrums (SPZ Göttingen) und

hat ein unverändertes Leistungsangebot.

Die neuropädiatrischen, physiotherapeutischen,

hilfsmittelberaterischen, ergotherapeutischen,

neuropsychologischen und

sozialmedizinischen Leistungen werden an

zwei Tagen der Woche (Mittwoch nachmittags,

Donnerstag vormittags) angeboten.

Die ärztliche Betreuung erfolgt unverändert

durch ein Team, das aus Kolleginnen und

Kollegen der Kinderorthopädie, Neurologie,

Pädiatrischen Kardiologie, Pulmologie

(Bovenden-Lenglern) und Radiologie


umfasst. In der „Muskelambulanz“ werden

300-330 Kinder und Jugendliche regelmäßig

betreut.

Schwerpunkt Kinderorthopädie

Entsprechend eines interdisziplinären Konzeptes

mit Zusammenarbeit von Neuropädiatern,

Physiotherapeuten und Orthopädietechnikern

werden die Patienten des

Neuromuskulären Zentrums auch kinderothopädisch

(Leitung Prof. A. K. Hell) betreut.

Im Team werden für die betroffenen

Kinder und Jugendlichen individuelle Konzepte

erarbeitet, kontrolliert und bei Bedarf

adaptiert. Dieses reicht von den konservativen

Maßnahmen wie eine gute Physiotherapiebehandlung

und Orthesenversorgung

bis zu differenzierten operativen Eingriffen.

Im Vordergrund stehen für die Patienten

wirbelsäulenaufrichtende und stabilisierende

Eingriffe (z. B. dorsale Spondylodese),

Operationen zur Hüftrekonstruktion z. B.

bei Hüftgelenkluxationen und die ope-

rative Behandlung von Gelenkkontrakturen

besonders der unteren Extremität.

Für das Gelingen und optimale Zusammenspiel

aller konservativen und operativen

Maßnahmen und für eine gute Rehabilitation

ist eine frühzeitige Beratung der

Familien und das interdisziplinäre Zusammenspiel

aller beteiligten Behandler von

großer Bedeutung.

Somit hilft die abgestimmte interdisziplinäre

Abklärung der Patienten, das Operations-

und Narkoserisiko zu minimieren

und einen optimalen Behandlungserfolg zu

gewährleisten.

Jahresberichte der Neuromuskulären Zentren

Arbeitsgruppe Dysferlin

Im Jahr 2008 wurde die Arbeitsgruppe Dysferlin

unter der Leitung von Dr. med. Lars

Klinge als Teil des Muskellabors der Abteilung

Pädiatrie II eingerichtet. Schwerpunkt

der Arbeitsgruppe ist die Untersuchung

der zellbiologischen Funktion von Dysferlin

im gesunden Skelettmuskel sowie in

der Pathogenese von Muskeldystrophien.

Nach einer initialen Förderung durch das

Forschungsförderprogramm der Universitätsmedizin

Göttingen werden die Arbeiten

der Gruppe seit einem Jahr durch eine

Sachbeihilfe der Deutschen Forschungsgemeinschaft

gefördert. Der Arbeitsgruppe

gehören neben einem biochemischen

Postdoktoranden eine naturwissenschaftliche

Doktorandin sowie eine medizinisch

technische Assistentin an.

Es ist das Ziel unserer Forschungsvorhaben,

die Funktion von Dysferlin im Allgemeinen

und die pathophysiologischen

Mechanismen der Dysferlin-defizienten Muskeldystrophie

in unterschiedlichen Modellsystemen

zu untersuchen und hieraus therapeutische

Strategien für Muskeldystrophien

abzuleiten.

Abteilung Neuropathologie

Im Rahmen der neuropathologischen Diagnostik

von Muskelbiopsien im Neuromuskulären

Zentrum Göttingen finden

monatlich interdisziplinäre Muskelbiopsiekonferenzen

in der Neuropathologie statt,

die von Herrn Prof. Dr. H. H. Goebel moderiert

werden. An diesen Konferenzen sind

neben den Arbeitsgruppen der Abteilungen

Neurologie (PD Dr. J. Schmidt), Neurophysiologie

(Prof. Dr. D. Liebetanz), Neuropädiatrie

(Prof. Dr. E. Willichowski, Dr. L. Klinge)

und Neuropathologie (Prof. Dr. W. Schulz-

43


Neuromuskuläres Zentrum Göttingen

Schaeffer und Mitarbeiter des Instituts) der

Universitätsmedizin Göttingen auch Mitarbeiter

der Neurologie (Dr. P. Tacik) und des

Sozialpädiatrischen Zentrums der Medizinischen

Hochschule Hannover beteiligt.

Ziel dieser Konferenzen ist es, eine Synthese

zwischen klinischen Krankheitsbildern

und neuropathologischen Befunden

zu bilden. Für die Diagnostik stehen eine

breite Palette enzymhistochemischer und

immunhistochemischer Färbemöglichkei-

ten, der Nachweis ultrastruktureller Veränderungen

mittels Elektronenmikroskopie

sowie biochemische und molekulargenetische

Analysemethoden zur Verfügung.

Fortbildungsveranstaltungen

Die interdisziplinären Muskelbiopsie-Konferenzen

werden weiterhin jeden Monat in

der Abteilung Neuropathologie durchgeführt.

Ein freiwilliges Wahlfach „Periphere

Neurologie“ für Studenten ab dem 2. klinischen

Semester wird mit allen Beteiligten

zusammen abteilungsübergreifend durchgeführt.

Im November 2011 wurde ein

neuromuskuläres Symposium an der Universitätsmedizin

Göttingen durchgeführt,

an dem auch externe Redner sowie viele

Gäste aus der Region und darüber hinaus

teilgenommen haben.

Betreuungsstrukturen,

Selbsthilfeaktivitäten

Die Betreuung der Patienten mit Neuromuskulären

Erkrankungen erfolgen in den Spezialsprechstunden

der Abteilung Neurologie

und der Abteilung Pädiatrie II, Schwerpunkt

Neuropädiatrie. Näheres hierzu ist im Anhang

dokumentiert. Darüber hinaus bestehen

regionale und überregionale Kooperationen

mit zahlreichen Neurologischen und

Pädiatrischen Abteilungen sowie Sozialpä-

44

diatrischen Zentren in Süd-Niedersachsen,

Hessen, Thüringen und Sachsen-Anhalt.

Auswahl wichtiger Publikationen

Criée CP, Sorichter S, Smith HJ, Kardos P, Merget

R, Heise D, Berdel D, Köhler D, Magnussen H,

Marek W, Mitfessel H, Rasche K, Rolke M, Worth H,

Jörres RA : Body plethysmography--its principles

and clinical use Respir Med. 2011; 105(7): 959-71.

Daus ML, Breyer J, Wagenfuehr K, Wemheuer WM,

Thomzig A, Schulz-Schaeffer WJ, Beekes M: Presence

and seeding activity of pathological prion protein

(PrP(TSE)) in skeletal muscles of white-tailed

deer infected with chronic wasting disease. PLoS

One. 2011; 6(4): e18345.

Schmidt J: Von Amyloid und Entzündung: was den

Muskel chronisch krank macht. Neuroforum. 2010:

259-265.

Schmidt J, Vorgerd M: Therapiestandard bei Myositiden

und Muskeldystrophien Nervenarzt. 2011;

82: 723–732.

Stettner GM, Viscomi C, Zeviani M, Wilichowski E,

Dutschmann M: Hypoxic and hypercapnic challenges

unveil respiratory vulnerability of Surf1 knockout

mice, an animal model of Leigh syndrome. Mitochondrion.

2011; 11(3): 413-20.

Weller C, Zschüntzsch J, Makosch G, Metselaar

JM, Klinker F, Klinge F, Liebetanz D, Schmidt J: J

Neurosci Res. Motor performance of young dystrophic

mdx mice treated with long-circulating pred-

nisolone liposomes. 2011; (Vorabversion online)


Neuromuskuläres Zentrum Halle

Leiter: Prof. Dr. S. Zierz

Sprecher: Prof. Dr. M. Deschauer

Klinik und Poliklinik für Neurologie

Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg

Sprechstunden

In der Klinik für Neurologie werden folgende

Spezialsprechstunden angeboten:

• Myasthenie und neuromuskuläre Überleitungsstörungen

• ALS und Motoneuronenerkrankungen

• Hereditäre Myopathien und Myositiden

• Mitochondriopathien

In der Orthopädischen Klinik wird in der Ambulanz

für Kinderorthopädie eine Behandlung

von neuromuskulären Erkrankungen

angeboten. In der Kinderklinik werden Kin-

der mit neuromuskulären Erkrankungen in

der Neuropädiatrischen Ambulanz betreut.

Kooperationen

Das Neuromuskuläre Zentrum Halle wurde

Kooperationspartner des interdisziplinären

Kompetenzzentrums für Kollagenosen und

Vaskulitiden am Universitätsklinikum Halle

Fortbildungsveranstaltungen

Einmal im Monat fand die Muskelzentrumskonferenz

statt, zu der alle am Muskelzentrum

Beteiligten eingeladen wurden. Dabei

wurden ausgewählte Patienten besprochen

und die myo-histologischen Befunde

demonstriert. Auch aktuelle Entwicklungen

in der Forschung wurden mitgeteilt.

Vom 20.-21.5.2011 fand der 2. Hallenser

Fortbildungskurs „Muskelerkrankungen“

statt. Rund 100 Teilnehmern aus ganz

Deutschland wurde das breite Spektrum

von Muskelerkrankungen näher gebracht.

Dank der Bereitschaft von Patienten konn-

Jahresberichte der Neuromuskulären Zentren

ten klinische Befunde vor Ort demonstriert

werden und nicht nur als Video, wie

es sonst bei Fortbildungsveranstaltungen

häufig der Fall ist.

Mitarbeiter aus der Neurologischen Klinik

wurden auf verschiedenen Kongressen

und Fortbildungsveranstaltungen (z. B.

Kongress des Wissenschaftlichen Beirates

der Deutschen Gesellschaft für Muskelkranke

e. V. in Neu-Ulm, Jahrestagung der

Deutschen Gesellschaft für Klinische Neurophysiologie

und Funktionelle Bildgebung

in Münster, Jahrestagung der Deutschen

Gesellschaft für Neurologie in Wiesbaden)

als Referenten und Vorsitzende zu neuromuskulären

Themen eingeladen.

Selbsthilfeaktivitäten

Die Selbsthilfegruppe ALS und die Selbsthilfegruppe

Polyneuropathien des DGM Landesverbands

Sachsen-Anhalt trafen sich

regelmäßig zweimal pro Jahr in Halle und

werden von Herrn Dr. Hanisch aus der

Neurologischen Klinik ärztlich unterstützt.

Herr Prof. Deschauer hat am 17.9.2011 auf

den Fachtagen Nord-Ost für Patienten mit

mitochondrialen Erkrankungen referiert.

Therapiestudien

Die plazebokontrollierte, randomisierte und

kontrollierte Therapiestudie MitoTarget bei

Patienten mit ALS unter Riluzol-Therapie

wurde im September abgeschlossen und

wird als Extensionsstudie mit dem Verum

für mindestens weitere 15 Monate weitergeführt.

Netzwerke und Patientenregister

Im BMBF-geförderten mitoNET (Netzwerk

für mitochondriale Erkrankungen) ist die

Neurologische Klinik Teil des horizontalen

45


Neuromuskuläres Zentrum Halle

klinischen Netzwerks. In diesem Netzwerk

werden klinische Daten und Bioproben

von Patienten mit Mitochondriopathien gesammelt.

Die Neurologische Klinik arbeitet

auch in der deutschen ALS-Gruppe mit,

die ein Netzwerk zur klinischen Forschung

der Amyotrophen Lateralsklerose darstellt.

Dabei wird ein Register erstellt, in dem Daten

von Patienten mit einer PEG-Anlage

gesammelt werden.

Im Neuromuskulären Zentrum Halle werden

auch Patienten mit Lambert-Eaton-

Syndrom und M. Pompe in ein Register

eingeschlossen. Außerdem sind Mitarbeiter

der Neurologischen Klink Mitglieder im

Muskeldystrophie-Netzwerk MD-NET.

Personelle Veränderungen

Seit 2011 arbeitet Frau L. Motlagh, pharmazeutische

Biotechnologin, als Doktorandin

in der biochemischen Arbeitsgruppe des

Muskellabors und Frau Dr. I. Schneider, Assistenzärztin

der Neurologischen Klinik, in

der histologischen Arbeitsgruppe. Herr

Dr. B. Schmidt, Leiter des Schwerpunktes

Pneumologie am Universitätsklinikum Halle,

wurde ins Neuromuskuläre Zentrum

Halle aufgenommen. Herr F. Haarmann, der

als Assistenzarzt der Neurologischen Klinik

in der Sprechstunde für Mitochondrien-

Erkrankungen mitgearbeitet hatte, hat die

Klinik verlassen.

Diagnostik im Muskellabor der Neurologischen

Klinik

Im Muskellabor werden alle gängigen histologischen

Untersuchungen von Muskelbiopsien

durchgeführt. Das Labor erhält

dabei wertvolle Unterstützung von Frau

Prof. Stoltenburg, emeritierte Neuropathologin

aus Berlin. Darüber hinaus erfolgen

im Muskellabor biochemische Untersu-

46

chungen metabolischer Myopathien und

ausgewählte molekulargenetische Untersuchungen.

Die elektronenmikroskopische

Untersuchung von Muskelbiopsien wird

bei Herrn Prof. Holzhausen im Institut für

Pathologie der Universität Halle durchgeführt.

Außerdem wird die Kooperation

mit dem Institut für Neuropathologie der

RWTH in Aachen (Prof. Weis) auf diesem

Gebiet weitergeführt, wo auch die in Halle

entnommenen Suralis-Biopsien untersucht

werden.

Forschungsaktivitäten

Untersuchungen zur Genotyp-Phänotyp-

Korrelation stellen den Forschungsschwerpunkt

des Neuromuskulären Zentrums

Halle dar. Beispielhaft sind vier Untersuchungen

genannt, die im Jahre 2011 abgeschlossen

wurden:

Innerhalb des Kollektivs von 1582 Muskelbiopsien

wurde bei 6 Patienten eine zentronukleäre

Myopathie diagnostiziert. Diese

Patienten wurden in Kooperation mit dem

Institut für Humangenetik der Universität

Würzburg und dem Institute de Myology

in Paris molekulargenetisch untersucht.

Mutationen im Dynamin 2-Gen fanden sich

bei 4 Patienten, meist waren es Neu-Mutationen.

Auffällig war, dass bei den Patienten

mit Dynamin 2-Mutationen häufiger

zentralisierte Kerne zu sehen waren, als bei

den beiden Patienten ohne Mutation in diesem

Gen (Hanisch et al. 2011).

Das klinische und MR-tomographische Bild

von Patienten mit Kamptokormie bei Fazio-Skapulo-Humeraler

Muskeldystrophie

(FSHD) wurde bei 6 Patienten analysiert.

Dabei zeigte sich, dass eine Schwäche

der Hüftstrecker wesentlich zum klinischen

Bild beiträgt (Jordan et al. 2011).

Die genetische und phänotypische Variabilität

der erst 2010 entdeckten Muskeldys-


trophie durch Anoctamin 5-Defekte wurde

anhand von 5 Patienten analysiert. In Kooperation

mit dem Labor Genetikum in Neu-

Ulm wurde eine neue Mutation p.T548I

im ANO 5-Gen identifiziert. Drei Patienten

zeigten ein Gliedergürtelsyndrom und ein

Patient eine distale Myopathie. Interessant

war ein sehr später Erkrankungsbeginn,

erst mit 64 Jahren, bei einer Patientin.

Die Schwester eines Patienten wies eine

asymptomatische HyperCKämie auf, zeigte

im MRT der Oberschenkel aber deutliche

Auffälligkeiten. Bei den vier manifesten Patienten

fand sich eine auffallend asymmetrische

Muskelbeteiligung (Deschauer et al.

2011).

Der Fallbericht in Kooperation mit der Universität

Essen über eine Patientin mit ME-

LAS/SANDO-Overlap-Syndrom illustriert

die phänotypische Variabilität der Mitochondriopathien

durch POLG1-Mutationen.

Bei der Patientin wies eine sensible Ataxie

bei Neuropathie, Dysarthrie und Ophthalmoplegie

auf ein SANDO-Syndrom hin. Zusätzlich

erlitt sie eine schlaganfallähnliche

Episode, wie sie für das MELAS-Syndrom

typisch ist. Beim MELAS-Syndrom finden

sich typischerweise Punktmutationen in

der mitochondrialen DNA (tRNALeuUUR).

Bei der Patientin zeigten sich jedoch multiple

Deletionen der mitochondrialen DNA,

bedingt durch nukleäre Mutationen im

POLG1-Gen. Der Fall zeigt, dass es aufgrund

der Überlappung zwischen den definierten

Syndromen schwierig sein kann,

Patienten mit Mitochondriopathien einem

Syndrom zuzuordnen (Hansen et al. 2011).

Jahresberichte der Neuromuskulären Zentren

Publikationen 2011

Deschauer M, Pushpa RJ, Gläser D, Hanisch F,

Stoltenburg G, Zierz S.: Klinische und molekulargenetische

Befunde der Muskeldystrophie mit

Anoctamin 5-Mutationen. Nervenarzt, 2011; online

9.7.2011

Hanisch F, Müller T, Dietz A, Bitoun M, Kress W,

Weis J, Stoltenburg G, Zierz S.: Phenotype variability

and histopathological findings in centronuclear

myopathy due to DNM2 mutations. Journal of Neurology

2011; 258: 1085-90

Hansen N, Zwarg T, Wanke I, Zierz S, Kastrup O,

Deschauer M.: MELAS/SANDO overlap syndrome

associated with POLG1 mutations. Neurological

Sciences 2011; online 7.6.2011

Jordan B, Müller-Reible C, Zierz S.: Fazioskapulohumerale

Muskeldystrophie: Klinik, Atypien, Diagnostik,

Genetik. Nervenarzt 2011; 82: 712-722

Jordan B, Eger K, Kösling S, Zierz S.: Camptocormia

phenotype of FSHD: a clinical and MRI study

on six patients. Journal of Neurology 2011; 258:

866–873

Mende S, Royer L, Herr A, Schmiedel J, Deschauer

M, Klopstock T, Kostic VS, Schroeder M, Reichmann

H, Storch A: Whole blood genome-wide

expression profiling and network analysis suggest

MELAS master regulators. Neurological Research

2011; 33: 638-655

47


Neuromuskuläres Zentrum Hamburg

Neuromuskuläres Zentrum Hamburg

Sprecher: Dr. Karl-Christian Knop

Muskellabor/Abteilung für Neurobiologie

Asklepios Klinik St. Georg

Das von der DGM zertifizierte neuromuskuläre

Zentrum Hamburg basiert auf einer

bewährten Kooperation zwischen dem

Universitätsklinikum Eppendorf, den Asklepios

Kliniken St. Georg, Barmbek und

Harburg, dem Altonaer Kinderkrankenhaus,

dem Klinikum Eilbek, dem Krankenhaus

Großhansdorf sowie Praxen für Neurologie,

Orthopädie, Humangenetik und

Physiotherapie.

Da zahlreiche Patienten auch aus dem

Hamburger Umland kommen, besteht eine

enge Zusammenarbeit des Hamburger

Muskelzentrums mit neurologischen Kliniken

außerhalb Hamburgs (Klinikum Itzehoe,

Westküstenklinikum Heide, Klinikum

Neustadt/Holstein, Schlei Klinikum Schleswig,

Friedrich-Ebert-Krankenhaus Neumünster,

Diakonissenkrankenhaus Flens-

burg und Diakonieklinikum Rotenburg/

Wümm sowie zum DGM Landesverband

Schleswig-Holstein.

Neben der Neurologie und Kinderheilkunde

sind alle notwendigen Fachgebiete vertreten

um eine kompetente und interdisziplinäre

Versorgung von Kindern, Jugendlichen

und Erwachsenen mit Muskel- und Motoneuronerkrankungen,

Myasthenien und

Neuropathien zu gewährleisten.

Koordinierende und integrative Funktionen

auch innerhalb des Muskelzentrums übernimmt

der Sprecher des Muskelzentrums.

Es gibt eine enge fachübergreifende Kooperation

sowie regelmäßige Treffen der

Mitglieder des Muskelzentrums, u.a. durch

interne Muskelkonferenzen, interne und

externe Fortbildungsveranstaltungen sowie

Informationsveranstaltungen für Betroffene

und Angehörige.

48

Kooperierende Kliniken, Institute und Praxen

• Neurologie Universitätsklinikum

Eppendorf (UKE), Hamburg

• Neurologie Asklepios Klinik St. Georg,

Hamburg

• Neurologie Asklepios Klinik Barmbek,

Hamburg

• Neurologie Neuer Wall, Hamburg

(Dr. Knop)

• Neuropathologie UKE, Hamburg

• Neuropädiatrie, UKE, Hamburg

• Neuropädiatrie, Altonaer Kinderkrankenhaus,

Hamburg

• Kinder- und Jugendmedizin, UKE,

Hamburg

• Thorax Zentrum / Beatmungszentrum,

Asklepios Klinik Harburg, Hamburg

• Pneumologie, 2. Medizinische Abteilung,

Asklepios Klinik Barmbek, Hamburg

• Zentrum für Pneumologie, Krankenhaus

Großhansdorf

• Kinderpulmologie, Altonaer Kinderkrankenhaus,

Hamburg

• Orthopaediecentrum Waitzstrasse,

Hamburg (Dr. Korn)

• Orthopädicum-Hamburg

(Dres. Eggers-Stroeder, Schäfer)

• Kinderorthopädie, Altonaer Kinderkrankenhaus,

Hamburg

• Rheumatologie, Klinikum Eilbek,

Hamburg

• Humangenetik UKE, Hamburg

• Humangenetische Praxis Altonaer

Str., Hamburg (Dres. Peters, Kleier)

• TherapeutenTeam Blankenese

(Fr. Milius)

• Physiotherapiepunkt Eimsbüttel

(Fr. Anderson, Fr. Lazardzig)

• Zentrum für Rehabilitationsmedizin,

Berufsgenossenschaftliches Unfallkrankenhaus,

Hamburg


a) personelle Veränderungen im

Zentrum 2011

• Dr. Thomas, bisher Oberarzt in der 2. Medizinische

Abteilung/Pneumologie, Asklepios

Klinik Barmbek ist Chefarzt einer

pulmologischen Fachklinik in Thüringen

geworden.

• Fr. Petra Klostermann, bisher Sozialberatung

im Muskelzentrum/DGM Hamburg

hat Ihre Tätigkeit 2011 beendet.

• Fr. Renate Kubentz hat mit dem 1.12.11

die Sozialberatung im Muskelzentrum/

DGM Hamburg übernommen.

b) Forschungsaktivitäten 2011

• Pathophysiology of prion accumulation

in muscle (Neuropathologie, Direktor

Prof. Dr. Glatzel, UKE) gefördert von der

DFG (GL589/2)

• Beantragt bei der DGM: Bedeutung des

Plasminogen-Activator-Inhibitor 1 (PAI-1)

für Muskelerkrankungen.

• Experimentelle Studie im Mausmodell

zur Wirkung von IVIG bei Erkrankungen

des Nervensystems (Neurologie, UKE)

• MitoNet Patienten Register (Neurologie

Neuer Wall).

• Wann sind Myalgien eine Myositis? Auswertung

klinischer und histologischer

Daten von 449 Patienten aus der Muskeldatenbank

der Asklepios Klinik St.

Georg, Hamburg (Dissertation vorgelegt

von Daniel Lehnhoff. Klinik für Neurologie,

UKE, Prof. Dr. Gerloff. Betreuung

PD Dr. Terborg, Dr. Knop, AK St. Georg)

c) Fortbildungsveranstaltungen 2011

• Update Neurologie 8.1.2011 (UKE), einschließlich

Vorträgen zu Immunneuropathien

zur Diagnostik und Differentialdiagnose

von Myalgien.

• Richard-Jung-Kolleg in der Asklepios Kli-

Jahresberichte der Neuromuskulären Zentren

nik Barmbek. Organisation und Leitung

Prof. Dr. Urban, Neurologie Asklepios Kli-

nik Barmbek. Referenten u. a. Prof. Urban,

Dres. Rosenkranz & Knop, 24.– 26. Juni

2011.

• Myasthenie update 2011. Aktuelles zur

Diagnostik und Therapie der Myasthenia

gravis, des Lambert-Eaton-Myasthenie-

Syndroms und kongenitaler-myasthener-Syndrome.

Organisation Neurologie

Asklepios Klinik St. Georg (Dr. Rosenkranz)

und Neurologie Neuer Wall (Dr.

Knop) am 31. Aug. 2011.

• Übersichtsvortrag Morbus Pompe/Glykogenose

II im Rahmen des Wochenend-Workshops

Neurophysiologie Holstein

(Referent Dr. Knop). 15. Oktober

2011.

• 14. St. Georger Neurophysiologisches

Kolloquium. Asklepios Klinik St. Georg

(Referenten u. a. Prof. Urban, Dres.

Rosenkranz, Trostdorf, Terborg, Knop

& Kele) am. 5.–6.11.2011.

• Wöchentliche neurologisch-neuropathologisch/myopathologische

Konferenz:

Prof. Glatzel und Mitarbeiter (Neuropathologie

UKE), Dres. Magnus, Gelderblom,

Leypoldt (Neurologie UKE), Dr. Johannsen

(Neuropädiatrie UKE).

• 2x jährliche "Muskelkonferenz" mit der

Klinik für Neurologie in Kiel (Prof.

Deuschl; Ansprechpartner: PD Raethjen

und PD Wasner).

• Vorträge namhafter Experten für Neuromuskuläre

Erkrankungen im Rahmen

des „Eppendorfer Kolloquium“ (Neuro-

logie, UKE).

• Neuromuskulärer Qualitätszirkel: Themen

sind Muskelerkrankungen, Myasthenie,

Neuropathien, Motoneuronerkrankungen.

Diese Veranstaltung richtet

sich an Kliniker und niedergelassene

Neurologen mit einem neuromuskulären

Schwerpunkt und findet 2x/Jahr statt

49


Neuromuskuläres Zentrum Hamburg

50

(Organisation & Leitung Dr. Knop, Neurologie

Neuer Wall)

_____________________________________________

Publikationen 2011

Leypoldt F, Friese MA, Böhm J, Bäumer T. Multiple

enlarged nerves on neurosonography: an unusual

paraneoplastic case. Muscle Nerve. 2011 May;

43(5): 756-8.

Klein M, Rosenkranz T, Vierbuchen M, Terborg C.

Giant cell arteritis with motor involvement of the

upper trunk. Nervenarzt. 2011 Jul 9. [Epub ahead

of print]

Gal A, Hughes DA, Winchester B. Toward a consensus

in the laboratory diagnostics of Fabry disease

-recommendations of a European expert group. J

Inherit Metab Dis. 2011 Apr; 34(2): 509-14. Epub

2011 Jan 13.

Wann sind Myalgien eine Myositis? Auswertung klinischer

und histologischer Daten von 449 Patienten

aus der Muskeldatenbank der Asklepios Klinik St.

Georg, Hamburg. Lehnhoff D, Wohlmut P, Rosenkranz

T, Terborg C, Knop KC. Vortrag auf dem 20.

Kongress des Wissenschaftlichen Beirates der

Deutschen Gesellschaft für Muskelkranke e.V. vom

30. März bis 2. April 2011 in Ulm.

e) Betreuungsstrukturen 2011

• Die stationäre Diagnostik von erwachsenen

Patienten mit neuromuskulären

Erkrankungen erfolgt schwerpunktmäßig

in den neurologischen Kliniken des UKE

und der Asklepios Kliniken Barmbek und

St. Georg. Eine poliklinische Versorgung

ist möglich im UKE,

• Muskelsprechstunden (wöchentlich) werden

angeboten in den neurologischen

Kliniken des UKE (PD Dr. Magnus, Dr.

Gelderblom) und des AK St. Georg (Dr.

Rosenkranz). Eine Muskelsprechstunde

gibt es ferner in der neurologischen Gemeinschaftspraxis

Neurologie Neuer Wall

(Dr. Knop), die eng mit den Muskelsprech-

stunden des UKE und AK St. Georg kooperiert.

• Kinder und jugendliche Patienten mit

neuromuskulären Erkrankungen werden

stationär und poliklinisch in der Neuropädiatrie

des UKE (Fr. Dr. Johannsen bzw.

Mitarbeiter der Neuropädiatrie) und dem

Altonaer Kinderkrankenhauses (Dr. Lischetzki)

behandelt, in enger Kooperation mit

der Kinderklinik des UKE (Stoffwechselstörungen

und Kinderkardiologie) sowie

dem Altonaer Kinderkrankenhaus, wo

die pulmologische und orthopädische

Versorgung erfolgt.

• Die Kindermuskelsprechstunde im UKE

findet 1x im Monat statt, in dringenden

Fällen sind Termine auch kurzfristig außerhalb

der Sprechstunde vereinbar, eine

weitere Kindermuskelsprechstunde (§

116 Ambulanz) gibt es im Altonaer Kinderkrankenhaus,

Termin dort nach Vereinbarung.

• Die lichtmikroskopische Befundung von

Muskel-, Nerven- und Hautbiopsien erfolgt

zum einen im neuropathologischen Institut

des Universitätsklinikums Hamburg

Eppendorf sowie von Muskelbiopsien

im Muskellabor der neurologischen Abteilung

in der Asklepios Klinik St.Georg.

Dafür stehen alle gängigen histologischen,

enzymhistochemischen und

immunhistochemischen Färbungen zur

Verfügung. Die Semidünnschnitt – und

elektronenmikroskopische Untersuchung

erfolgt im neuropathologischen Institut

des UKE. Beide Abteilungen kooperieren

auch untereinander. Im UKE gibt es

eine wöchentliche neuropathologischneurologische

Fallkonferenz, ferner 2x

jährlich eine Muskelkonferenz mit der

Klinik für Neurologie in Kiel. Für biochemische

und genetische Untersuchungen

bestehen enge Kooperationen mit ande-


en Instituten. Suralisbiopsien die durch

das Muskellabor in der Asklepios Klinik

St. Georg bearbeitet werden, werden zur

Befundung und Weiterverarbeitung an

das Institut für Neuropathologie des UKE

(Prof. Glatzel) oder an das Referenzlabor

für neuromuskuläre Erkrankungen der

DGNN, neuropathologisches Institut der

RWTH in Aachen (Prof. Weis) versandt.

• Eine rheumatologische Sprechstunde

(„Kollagenosesprechstunde“) gibt es im

Klinikum Eilbek, in der Abteilung für Rheu-

matologie und klinische Immunologie.

In dieser Abteilung werden Patienten

mit entzündlichen Muskelerkrankungen

sowohl stationär als auch ambulant betreut.

Im UKE gibt es eine rheumatologisch/neurologisch

Arbeitsgruppe, in der

schwierige immunvermittelte Muskeler-

krankungen und immunsuppressive Therapien

fallorientiert diskutiert werden. Kooperationen

gibt es ferner mit der Rheu-

maklinik Bad Bramstedt.

• Patienten mit Atemstörungen werden

in den Abteilungen für Thoraxmedizin,

Beatmungsmedizin und Pneumologie

(Beatmungszentrum AK Harburg,

Pneumologie AK Barmbek und Krankenhaus

Großhansdorf) behandelt. Eine

KV Ermächtungsambulanz für Pat. mit

Atemfunktionsstörungen gibt es im AK

Harburg (Dr. Bachmann). Kinderpulmologische

Fragestellungen finden im Altonaer

Kinderkrankenhaus einen kompetenten

Ansprechpartner (Dr. Grolle). Im

UKE besteht eine Kooperation mit dem

universitären Schlafzentrum in der interdisziplinären

Betreuung von Patienten

mit schlafbezogenen Atmungsstörungen

bei Muskelerkrankungen.

• Die kardiologische Betreuung erfolgt zum

einen in den internistischen Lungenabteilungen,

zum anderen, insbesondere bei

invasiver Diagnostik und Therapie in den

Jahresberichte der Neuromuskulären Zentren

kardiologischen Kliniken der genannten

Krankenhäuser.

• Die orthopädische Versorgung erfolgt in

der Abteilung für Orthopädie des Altonaer

Kinderkrankenhauses sowie durch

niedergelassene Orthopäden (z. B. Orthopeadiecentrum

Waitzstrasse, Orthopädicum

Mönckebergstraße).

• Die humangenetische Beratung wird zum

einen im Institut für Humangenetik des

UKE, zum anderen in der humangenetischen

Praxis Altonaer Straße angeboten.

• Schluckdiagnostik erfolgt zum Teil in

den Krankenhäusern resp. den neurologischen

Abteilungen selbst, eine sehr

spezialisierte Anlaufstelle findet sich im

Zentrum für Rehabilitationsmedizin, BerufsgenossenschaftlichesUnfallkrankenhaus

Boberg (Dr. Thomas van de Weyer).

• PEG-Anlagen sind in Kooperation mit

den internistischen Abteilungen der jeweiligen

Krankenhäuser möglich.

• Physiotherapie, Ergotherapie und Logopädie

erfolgen über niedergelassene

Therapeuten oder Ermächtigungsambulanzen

der Kliniken. Besonders hervorzuheben

ist die Praxis Physiotherapiepunkt

Eimsbüttel (Fr. Anderson, Fr. Lazardzig),

die einen besonderen Schwerpunkt in der

Behandlung von Muskelerkrankungen

bei Erwachsenen hat, einschließlich Orthothesenanpassung,

sowie die Praxis

Therapeutenteam Blankenese (Fr. Marion

Milius), in der vorwiegend Kinder mit

Muskelerkrankungen behandelt werden,

einschließlich Hilfsmittelversorgung und

Ernährungsberatung. Hier bestehen enge

Kooperationen mit niedergelassenen Orthopäden

und Orthopädiemechanikern,

Kliniken sowie Hilfsmittelversorgern.

• Der Kindermuskelsprechstunde stehen

Physiotherapeuten des Altonaer Kinderkrankenhauses

zur Seite.

• Stationäre Rehabilitation: Patienten be-

51


Neuromuskuläres Zentrum Hannover

vorzugt an die Klinik Hoher Meissner

in Bad-Sooden-Allendorf oder die Weserbergland

Klinik in Höxter empfohlen.

Tagesklinische Reha Behandlungen sind

möglich im Zentrum für Rehabilitationsmedizin,

Berufsgenossenschaftliches Unfall-

krankenhaus Boberg.

• Die Sozialberatung der DGM Hamburg

(Frau Renate Kubentz) findet statt am

Freitag zwischen 9:00 - 12:00 h. In dieser

Zeit ist Frau Kubentz auch direkt telefonisch

zu erreichen. Ferner besteht die

Möglichkeit auch Termine außerhalb der

Sprechstunde zu vereinbaren. Die Sozialberatung

wird unterstützt durch ehrenamtliche

Kontaktpersonen der DGM,

an die sich Betroffene und Angehörige

ebenfalls direkt wenden können.

• Kooperationen gibt es mit einer Beratungsstelle

für technische Hilfen und

Wohnraumanpassung, mit dem ambulanten

Hospizdienst, dem Hospizzentrum

des Malteser Hilfsdienst und mit

dem Pflegetelefon Hamburg.

f) Selbsthilfe Aktivitäten der DGM

• Kontaktgruppen (Muskeltreff, Fr. Meier;

Gesprächskreis für Menschen mit Muskelerkrankungen,

Frau Meier)

• Gesprächskreise (ALS Gesprächskreis

Hamburg, Frau Meier)

• Eltern-Kind-Gruppen (Frau Meier)

• Organisation von Patienteninformationsveranstaltungen

g) neuere diagnostische oder

therapeutische Möglichkeiten 2011

keine.

52

h) laufende Therapiestudien 2011

• SIGNS („Assessment of Immunglobulines

in a long-term non-interventional Study“)

Prospektive Versorgungsforschungsstudie

zur Therapie mit Immunglobulinen

u. a. bei Immunneuropathien, Myositis,

Myasthenie, LEMS in Zusammenarbeit

mit der Medizinischen Fakultät Carl Gustav

Carus, Institut für Klinische Pharmakologie,

Prof. Dr. Dr. Wilhelm Kirch (Neurologische

Klinik UK E, Neurologie Neuer

Wall (Dr. Knop)

Hamburg den 1.12.2011

gez. K.C. Knop


Neuromuskuläres Zentrum Hannover

Leiter: Prof. Dr. R. Dengler

Neurologische Klinik, MHH

Sprecherin: Prof. Dr. S. Petri

Neurologische Klinik, MHH

Das Neuromuskuläre Zentrum der MHH

(Medizinische Hochschule Hannover) stellt

einen interdisziplinären Zusammenschluss

folgender Kliniken und Abteilungen dar:

• Neurologie:

Prof. Dr. R. Dengler

Prof. Dr. S. Petri

• Neuropathologie:

Dr. A. Brandis (Prof. Dr. H.-H. Kreipe)

• Pädiatrische Muskelsprechstunde:

Dr. H. Hartmann

• Kardiologische Klinik:

Prof. Dr. G.P. Meyer

(Prof. Dr. J. Bauersachs)

• Orthopädische Klinik:

Prof. Dr. H. Windhagen

• Pneumologische Klinik:

Dr. Hoffmann-Castendiek

(Prof. Dr. T. Welte)

• Klinik für Immunologie und

Rheumatologie:

Prof. Dr. R.E. Schmidt

• Abt. Humangenetik:

Prof. Dr. J. Schmidtke

• Abt. Physikal. Med. u. Rehabilitation:

Prof. Dr. Gutenbrunner

• Oststadtkrankenhaus

Pneumologische Klinik:

Prof. Dr. B. Schönhofer

Jahresberichte der Neuromuskulären Zentren

• Kinderkrankenhaus auf der Bult:

Abt. Neuropädiatrie:

Prof. Dr. H.-J. Christen

• Sozialpädiatrisches Zentrum Hannover:

Dr. M. Schulz, Dr. Voss

Zielsetzung

In der neuromuskulären Sprechstunde/

ALS-Ambulanz der Neurologischen Klinik

werden Patienten mit neuromuskulären

Erkrankungen, v.a. mit Motoneuronerkrankungen,

aus dem gesamten norddeutschen

Raum untersucht und betreut. Bei der Vorstellung

neuer Patienten wird eine erste

ambulante Diagnostik durchgeführt und,

falls erforderlich, ein stationärer Aufenthalt

organisiert. Außerdem werden hier die

weitere Behandlung und regelmäßige Verlaufsuntersuchungen

koordiniert, um eine

langfristige Betreuung zu gewährleisten.

Zur Diagnosefindung stehen neben der

klinischen Beurteilung umfangreiche Laboruntersuchungen,

genetische Tests sowie

moderne bildgebende und neurophysiologische

Verfahren in Labors mit langjähriger

Erfahrung mit neuromuskulären Erkrankungen

zur Verfügung. Ferner können

Muskel- und Nervenbiopsien durchgeführt

werden, die in der Abteilung für Neuropathologie

und ggf. in anderen Speziallabors

begutachtet werden. Die ambulante

Betreuung von Patienten mit neuromuskulären

Erkrankungen erfolgt seit Januar

2011 nach § 116b SGB V. Frau Bründel,

Sozialarbeiterin der DGM, führt eine regelmäßige

Sprechstunde mit Beratung zu Bestimmungen

des Schwerbehinderten- und

Sozialhilferechts, Sicherstellung der Pflege

und Versorgung u.a. Themen durch. Sie unterstützt

die Patienten bei der Organisation

von Rehabilitationsmaßnahmen, Einleitung

häuslicher Pflege u. a. Maßnahmen.

53


Neuromuskuläres Zentrum Hannover

Klinische Schwerpunkte

Schwerpunkte bilden die Betreuung von

Patienten mit Amyotropher Lateralsklerose

(Teilnahme an aktuellen internationalen

Therapiestudien), die Sprechstunde für

Post-Polio-Syndrom-Patienten und die

Versorgung von Patienten mit verschiedenen

entzündlichen Muskelerkrankungen

und peripheren neuroimmunologischen

Störungen (z. B. Myasthenia gravis, chronische

entzündliche Neuropathien, Neuropathien

mit Leitungsblöcken). Grundsätzlich

werden jedoch Patienten mit allen

Formen neuromuskulärer Erkrankungen

betreut.

Kooperation

Diagnostisch bestehen engste Zusammenarbeit

mit der Abteilung für Pathologie,

in der die feingewebliche Beurteilung

der Muskel- und Nervenbiopsien erfolgt

sowie auch mit der Neurologischen Klinik

der Universität Halle (Prof. Dr. S. Zierz).

Bei Verdacht auf erbliche Erkrankungen

werden molekulargenetische Tests in Zusammenarbeit

mit der Abteilung für Humangenetik

durchgeführt. Therapeutische

Kooperationen bestehen mit nahezu allen

Abteilungen des Hauses. Stellvertretend

erwähnt seien die Abteilung Physikalische

Medizin und Rehabilitation, die Abteilung

Pulmonologie (Beatmung) und die Orthopädische

Klinik.

Wissenschaftlich bestehen innerhalb der

MHH langjährige Kooperationen mit den

Instituten für Neuroanatomie und Zell- und

Molekularpathologie. Weiterhin existieren

u.a. Kooperationen mit der Neurologischen

Klinik der Universität Ulm (Prof. Dr. A.C. Ludolph),

Prof. Dr. B. Mohammadi, CNS-Lab,

International Neuroscience Institute (INI),

Prof. Dr. S. Vielhaber, Universität Magdeburg

sowie mit Prof. M.F. Beal, Department

54

of Neurology and Neuroscience, Cornell

University New York und Prof. Jean-Pierre

Julien, Université Laval, Kanada.

Neuromuskuläres Seminar

Das Neuromuskuläre Zentrum veranstaltet

einmal im Semester ein neuromuskuläres

Seminar mit aktuellen Fallvorstellungen

und wissenschaftlichen Vorträgen für Ärzte

und andere Interessierte.

Arbeitsgruppe Molekulare Neurophysiologie/Molekulare

Mechanismen der

Neurodegeneration bei Motoneuronerkrankungen

An primären Motoneuronkulturen - in Monokultur

und in Ko-Kultur mit Astrozyten -

aus dem transgenen ALS-Tiermodell sowie

gesunden Kontrolltieren erfolgen Untersuchungen

der Kalziumhomöostase mit Hilfe

der Calcium-Imaging Technik, u.a. auch

um die Interaktion zwischen Motoneuronen

und den umgebenden Gliazellen genauer

zu charakterisieren. Dieses in vitro-Modell

dient zudem auch dem Screening potenziell

neuroprotektiver Substanzen.

Durch Korrelation histopathologischer, biochemischer

und molekulargenetischer

Befunde aus post mortem Hirn- und Rückenmarksgewebe

von Patienten mit

sporadischer ALS und Untersuchungen

von Gewebe und Motoneuron-Primärkulturen

aus dem transgenen ALS-Tiermodell

(G93A-SOD1-Mausmodell) sollen gemeinsame

und differierende Pathomechanismen

aufgeschlüsselt werden und Veränderungen

in präsymptomatischen Stadien von

nur im Endstadium der Erkrankung aufgetretenen

Phänomenen abgegrenzt werden.

Insbesondere gilt das Interesse derzeit der

Untersuchung der Rolle von Transkriptionsfaktoren

und transkriptionalen Ko-Ak-


tivatoren in der zellulären Abwehr von oxidativem

Stress und Entzündung sowie der

Charakterisierung des Expressionsprofils

der Sirtuin-Enzyme, die eine fundamentale

Rolle bei altersassoziierten neurodegenerativen

Prozessen spielen (Förderung: DFG

Pe 924/2-2).

Ein weiterer Schwerpunkt liegt auf der in

vitro Charakterisierung adulter hämatopoetischer

Stammzellen. Das neuroprotektive

Potenzial adulter Stammzellen

wird in vivo im G93A-SOD1-ALS-Mausmodell

evaluiert (Förderung: DGM; Integriertes

Forschungs- und Behandlungszentrum

für Transplantation (IFB-Tx)).

Folgende Forschungsprojekte werden derzeit

im Bereich der neuromuskulären Erkrankungen

verfolgt:

• Teilnahme an internationalen Therapiestudien,

aktuell :

- Mitotarget-Studie: Phase II/III – Studie

zur Sicherheit und Wirksamkeit von

TRO19622 bei ALS-Patienten

- EMPOWER: Studie: Phase III-Studie

zur Wirksamkeit, Sicherheit und Pha

makokinetik von Dexpramipexol bei

ALS

• Tierexperimentelle Untersuchungen zur

Rolle des Nervenwachstumsfaktors FGF-

2 (fibroblast growth factor 2) bei der ALS

• Histologische und biochemische Untersuchungen

an ALS-post mortem Gewebe

und dem trangenen ALS-Mausmodell,

derzeit u.a. zum Thema „Oxidativer

Stress und Entzündung als Pathomechanismen

der Amyotrophen Lateralsklerose:

Rolle des Nrf2-ARE-Signalwegs“

Förderung: Deutsche Forschungsgemeinschaft

(DFG, Pe 924-2/2)

• In vitro-Differenzierung und in vivo Evaluation

des therapeutischen Potenzi-

Jahresberichte der Neuromuskulären Zentren

als humaner Nabelschnurblutzellen im

ALS-Tiermodell (Kooperation mit Prof. R.

Hass, Gynäkologie)

Förderung: Deutsche Gesellschaft für

Muskelkranke, IBF-Tx Projekt 64

• In vitro Evaluation neuroprotektiver Substanzen

in Motoneuron-Primärkulturen

• Datenbankerfassung von Patientendaten

der ALS-Ambulanz zur Ermittlung prognostisch

relevanter Faktoren, Ko-Morbiditäten

und unterschiedlicher Phänotypen

• Bildgebungsstudien (fMRT; morphologische

Untersuchungen) an ALS-Patienten

in Kooperation mit Prof. B. Mohammadi,

International Neuroscience

Institute Hannover und Prof. S. Vielhaber,

Universität Magdeburg

ENCALS-Meeting 2011

Das “9th ENCALS (European Network for

the Cure of ALS) –Meeting” (früher European

ALS Consortium, Young Investigator

Meeting) fand vom 13. – 15. Mai 2011 mit

über 150 Teilnehmern in der Medizinischen

Hochschule Hannover statt.

Der Kongress deckte ein breites Spektrum

aktueller relevanter Themengebiete

sowohl aus der Grundlagen- und Therapieforschung

als auch aus der klinischen

ALS-Forschung mit einem Schwerpunkt

auf Bildgebung und Elektrophysiologie ab.

Wichtige Vertreter der Europäischen ALS-

Community sowie eingeladene Gastredner

gaben in ihren Vorträgen neue Impulse und

umfassende Überblicke über aktuell relevante

Themen, dies wurde stimmig ergänzt

durch Beiträge junger Nachwuchswissenschaftler

und intensive Diskussionen.

55


Neuromuskuläres Zentrum Homburg/Saar

Publikationen 2011

Kollewe K, Münte TF, Samii A, Dengler R, Petri S,

Mohammadi B: Patterns of cortical activity differ in

ALS patients with limb and/or bulbar involvement depending

on motor tasks. J Neurol. 2011; 258: 804-10

Petri S, Meyer T: Motor neuron diseases. Nervenarzt

2011; 82: 697-706

Neymotin A, Calingasan NY, Wille E, Naseri N, Petri

S, Damiano M, Liby KT, Risingsong R, Sporn M,

Beal MF, Kiaei M: Neuroprotective effect of Nrf2/ARE

activators, CDDO ethylamide and CDDO trifluoroethylamide,

in a mouse model of amyotrophic lateral

sclerosis. Free Radic Biol Med. 2011; 51:88-96

Körner S, Kollewe K, Fahlbusch M, Zapf A, Dengler

R, Krampfl K, Petri S: Onset and spreading patterns

of upper and lower motor neuron symptoms in

amyotrophic lateral sclerosis. Muscle Nerve 2011;

43:636-42

Kollewe K, Koerner S, Ilsemann J, Mohammadi B,

Krampfl K, Dengler R, Petri S: Nerve compression

syndromes in ALS: A retrospective analysis in 554

patients. Amyotroph Lateral Scler. 2011; 12:349-51

Heurich B, El Idrissi NB, Donev RM, Petri S, Claus

P, Neal J, Morgan BP, Ramaglia V: Complement

upregulation and activation on motor neurons and

neuromuscular junction in the SOD1 G93A mouse

model of familial amyotrophic lateral sclerosis. J

Neuroimmunol 2011; 235:104-9

Teismann IK, Warnecke T, Suntrup S, Steinsträter

O, Kronenberg L, Ringelstein EB, Dengler R, Petri S,

Pantev C, Dziewas R: Cortical processing of swallowing

in ALS patients with progressive dysphagia

– a magnetoencephalographic study. PLOS One

2011; 6:e19987

Ding XQ, Kollewe K, Blum K, Körner S, Kehbel S,

Dengler R, Lanfermann H, Petri S: Value of quantitative

analysis of routine clinical MRI sequences in

ALS. Amyotrophic Lateral Scler. 2011; 12:406-13

Cordes AL, Jahn K, Hass R, Schwabe K, Weissinger

E, Ganser A, Götz F, Dengler R, Krauss JK,

Petri S: Intramedullary spinal cord implantation of

human CD 34+ umbilical cord-derived cells in ALS.

Amyotrophic Lateral Scler. 2011: 12:325-30

56

Mohammadi B, Kollewe K, Samii A, Dengler R,

Münte TF: Functional neuroimaging at different disease

stages reveals distinct phases of neuroplastic

changes in amyotrophic lateral sclerosis. Hum

Brain Mapp 2011; 32:750-758

Körner S, Petri S, Dengler R, Kollewe K: Amyotrophe

Lateralsklerose. Nervenheilkunde 2011;

10:755-763.

Knippenberg S, Thau N, Schwabe K, Dengler R,

Schambach A, Hass R, Petri S: Intraspinal injection

of human umbilical cord blood-derived cells

is neuroprotective in a transgenic mouse model of

amyotrophic lateral sclerosis. Neurodegenerative

Diseases, in press 2011

The EFNS Task Force on Diagnosis and Management

of Amyotrophic Lateral Sclerosis:, Andersen

PM, Abrahams S, Borasio GD, de Carvalho M, Chio

A, Van Damme P, Hardiman O, Kollewe K, Morrison

KE, Petri S, Pradat PF, Silani V, Tomik B, Wasner

M, Weber M: EFNS guidelines on the Clinical Management

of Amyotrophic Lateral Sclerosis (MALS)

- revised report of an EFNS task force. Eur J Neurol.

in press 2011

Swarup V, Phaneuf D, Dupré N, Petri S, Strong M,

Kriz J, Julien JP: Deregulation of TDP-43 in amyotrophic

lateral sclerosis triggers nuclear factor κBmediated

pathogenic pathways. J Exp Med. in

press 2011

Grigull L, Sykora KW, Tenger A, Bertram H, Meyer-

Marcotty M, Hartmann H, Bültmann E, Beilken A,

Zivicnjak M, Mynarek M, Osthaus AW, Schilke R,

Kollewe K, Lücke T: Variable disease progression

after successful stem cell transplantation: Prospective

follow-up investigations in eight patients with

Hurler syndrome. Pediatr Transplant. 2011; 15:861-

869

Dengler R. El Escorial or Awaji: Criteria in ALS diagnosis,

what should we take? Clin Neurophysiol. Jul

14, in press 2011

Dengler R.: Amyotrophic lateral sclerosis: who

has the lead, the upper or the lower motor neuron?

Clin Neurophysiol. Mar 2011;122(3):433-4.


Jahresberichte der Neuromuskulären Zentren

Neuromuskuläres Zentrum Homburg / Saar

Leiter: Prof. Dr. K. Faßbender

Sprecher: Prof. Dr. U. Dillmann

Neurologische Klinik

Universitätsklinikum des Saarlandes

In der allgemeinen Muskelsprechstunde

arbeiten jetzt neben Herr Prof. Dr. U.

Dillmann Herr Dr. Bürmann und Frau Dr.

Mendling mit, weiterhin noch die Ausbildungsassistenten

des EMG für 9-12 Monate.

Neu hinzugekommen ist Fr. Dr. Keller,

die zusätzlich gemeinsam mit Prof. Dr. U.

Dillmann die Sprechstunde für Patienten

mit amyotropher Lateralsklerose übernimmt.

Der 2010 eingerichtete Schwerpunkt mit

Betreuung und Therapieevaluation von Patienten

mit CIDP durch Herrn Dr. Bürmann,

Fr. Dr. Mendling wird jetzt zusätzlich durch

Herrn Dr. A. Gerum unterstützt. Herr Dr.

Sühs ist aus der Klinik ausgeschieden. Der

Leiter der hiesigen Neuropädiatrie, Herr

OA Dr. G. Shamdeen hat die Leitung der

Kinderklinik in Bad Hersfeld übernommen.

Herr Dr. Kutschke hat jetzt die Leitung

übernommen. Die Terminvereinbarung erfolgt

über die Neurologische Poliklinik unter

(Tel.: 06841 / 1624138).

Die Zahl der behandelten Patienten hat

sich im Jahr 2010 im Vergleich zum Vorjahr

erneut deutlich erhöht. Angeboten werden

alle diagnostischen Routineverfahren sowie

zahlreiche Spezialverfahren in der Diagnostik

neuromuskulärer Erkrankungen,

dies betrifft elektrophysiologische Techniken

einschließlich Untersuchungstechniken

zur Kraftentwicklung und Ganganalyse,

Bildgebung mit NMR und Ultraschall

der Muskulatur sowie die Histologie.

Die Leitung der Neuropathologie wird aktuell

ausgeschrieben. 2011 ist der langjährige

Leiter der Abteilung für Neuropathologie,

Herr Prof. Dr. Feiden ausgeschieden.

In der Berufungskommission wird besonderer

Wert auf Kompetenz hinsichtlich der

Myopathologie gelegt werden.

Der Kontakt zum Landesverband der DGM

im Saarland ist traditionsgemäß sehr gut,

es finden regelmäßige Treffen und Besprechungen

zwischen dem Landesverbandsleiter,

Herrn Peter Burkholz und dem Sprecher

des Muskelzentrums, der gleichzeitig

auch stellvertretender Landesverbandsleiter

ist, statt. Für Patienten mit neuromuskuläre

Erkrankungen finden regelmäßig

Informationsveranstaltungen statt. Neben

dem ALS-Gesprächskreis fand als besondere

Veranstaltung am 22.10.2011 das

1. Internationale HMSN Drei-Länder-Treffen

im Gesundheitszentrum Saarschleife

Orscholz statt.

An der Neurologischen Klinik arbeitet Fr.

Wollny in der Sozialberatung, die aus Mitteln

der Landesgruppe der DGM finanziert

wird. Frau Katarina Wollny führt hier die

Sozialberatung parallel zur Muskelsprechstunde

durch, dies geschieht in enger Kooperation

mit ihren Kolleginnen in Freiburg.

Ansprechpartner anderer Fachdisziplinen

des Klinikums in alphabetischer

Reihenfolge

Augenheilkunde: Fr. Prof. Dr. Käsmann-

Kellner

Humangenetik: Prof. Dr. W. Henn

Kardiologie: Fr. Dr. M. Kindermann

Neuropathologie: NN

Orthopädie: OA Dr. Jung

Pädiatrie: OA Herr Dr. Kutschke

Pulmologie: Ltd. OA Dr. Gröschel

57


Neuromuskuläres Zentrum Leipzig

Neuromuskuläres Zentrum Leipzig

Leiter/Sprecher: OÄ Dr. Petra Baum

Klinik und Poliklinik für Neurologie

Universitätsklinikum Leipzig

In bewährter Weise arbeiten an der Universität

Leipzig verschiedene Kliniken und

Institute im neuromuskulären Zentrum unter

Koordination der Klinik und Poliklinik für

Neurologie unter der Leitung von Professor

Dr. Joseph Claßen zusammen.

Dazu gehören:

• Selbständige Abteilung für Neuropathologie

(Kommissarische Leitung: Prof. Dr.

Wittekind),

• Institut für Humangenetik (Kommissarische

Leitung: Herr Professor Dr. Passarge),

Abteilung für Neuropädiatrie der

Universitätsklinik und Poliklinik für Kinder

und Jugendliche (Leitung: Professor Dr.

Merkenschlager).

Zur Beratung stehen weiterhin zur Verfügung:

• Orthopädische Klinik und Poliklinik (Leitung:

Professor Dr. von Salis-Soglio),

• Klinik und Poliklinik für Diagnostische

und Interventionelle Radiologie (Leitung:

Professor Dr. Kahn),

• Medizinischen Klinik und Poliklinik 1, Abteilung

Pulmologie (Leitung: Professor

Dr. Wirtz).

Eine enge diagnostische Bindung besteht

zum Institut für Immunologie, für Laboratoriumsmedizin,

für Klinische Chemie und

Molekulare Diagnostik.

Klinik für Neurologie

Die Leitung des Neuromuskulären Zentrums

übernimmt weiterhin Frau Oberärztin

Dr. Petra Baum. Sie führt auch gemeinsam

mit Herrn Dr. Peter Günther die Muskelsprechstunde

an der Klinik und Poliklinik für

Neurologie durch. In der Sprechstunde werden

spezielle Fragestellungen zur Ätiologie,

58

Differentialdiagnose, Therapie, zu Verlaufskontrollen

sowie zu sozialen Problemen

neuromuskulärer Erkrankungen erörtert. Bei

Bedarf wird die stationäre Abklärung in die

Wege geleitet. Die interdisziplinäre Zusammenarbeit

mit den anderen Einrichtungen

des Leipziger Zentrums sichert dabei die

Patientenbetreuung sowohl im ambulanten

als auch im stationären Bereich in hoher

Qualität ab. Überregional ist das Neuromuskuläre

Zentrum innerhalb des Wissenschaftlichen

Beirates der DGM organisiert

und war dort an dessen 20. Kongress in

Ulm sowie auf Landesebene zur Mitgliederversammlung

und Feier des 20jährigen Bestehens

des Landesverbandes in Dresden

am 07.05.2011 vertreten.

Es werden Patienten aus dem gesamten

Spektrum neuromuskulärer Erkrankungen

betreut, wobei Schwerpunkte für Patienten

mit Amyotropher Lateralsklerose,

Myasthenia gravis und chronisch idiopathischer

demyelinisierender Polyneuropahtie

(CIDP) bestehen. Für die Diagnostik und

das therapeutische Monitoring steht ein

breites Spektrum neurophysiologischer,

bildgebender und laborchemischer Unter-

suchungsverfahren zur Verfügung. Regelmäßig

wird auch eine autonome Funktionsdiagnostik

mittels verschiedener Me-

thoden (u. a. Pupillographie) durchgeführt.

In schweren Fällen können Patienten intensivmedizinisch

behandelt werden (z. B. Be-

atmung bei dekompensierter Atemmuskel-

insuffizienz oder Plasmapheresebehandlung

bei Patienten mit Guillain-Barré-Syndrom

oder myasthener Krise). Eine enge

Zusammenarbeit ist zwischen der Abteilung

für Neuropädiatrie und der Neurophysiologie

an der Neurologischen Klinik gegeben.

Regelmäßige Fortbildungsveranstaltungen

finden im Rahmen interdisziplinärer Fallkonferenzen

statt. In wissenschaftlicher Hinsicht

ist die Teilnahme an einer Studie zur


subcutanen Behandlung der CIDP mit

Immunglobulinen geplant. Eine Untersuchungsbatterie

autonomer Testung wurde

bei Kindern mit Adipositas durchgeführt

und die Zahlen wurden erweitert. Die Ergebnisse

sind in der Auswertung. Des Weiteren

wurde gemeinsam mit Herrn Prof.

Toyka (ehemaliger Direktor der Neurologischen

Klinik der Universität Würzburg)

die elektrophysiologische Messung des N.

ischiadicus (motorisch und sensibel) beim

Rattenmodell etabliert. Hier sind Studien

zur Pathogenese von Neuropathien am

Rattenmodell geplant.

Selbstständige Abteilung

für Neuropathologie

In der neuropathologischen Abteilung werden

alle Gewebsproben von Patienten mit

neuromuskulären Erkrankungen untersucht

und einer differenzierten Bearbeitung mit

zahlreichen unterschiedlichen Methoden

und Spezialmethoden unterzogen. Diese

Versorgungstätigkeit in diagnostischer Hin-

sicht umfasst aufgrund der regionalen

Schwerpunktbildung nicht nur das Universitätsklinikum

und andere Institutionen in

Leipzig, sondern auch eine Reihe neurologischer

Institutionen im gesamten Raum

Westsachsen und darüber hinaus. Nach

der Indikation zur Biopsieentnahme erfolgt

diese entweder in der Neurochirurgie oder

anderen Universitätskliniken oder auch

auswärtig mit nachfolgender Übermittlung

durch Boten.

Diagnostische und wissenschaftliche Kooperationen

bestehen insbesondere mit

der Humangenetik, der Anästhesiologie

und auch mit der Neurologischen Universitätsklinik

Halle, wobei hier genetische Untersuchungen

an Mitochondriopathien im

Vordergrund stehen. Anhand ergänzender

Methoden zur lichtmikroskopischen Dar-

Jahresberichte der Neuromuskulären Zentren

stellung von Mitochondrien auf immunhistochemischer

Basis wurde eine Reihe von

Muskelerkrankungen untersucht.

In stetig zunehmender Anzahl werden auch

Muskelbiopsien von Patienten mit Verdacht

auf Maligne Hyperthermie bearbeitet,

wobei uns die Proben von der Klinik für

Anästhesie und Intensivmedizin nach vorangehender

Behandlung im dortigen Bereich

übermittelt werden. Diese beinhaltet

bei Patienten mit möglicher Disposition zu

Narkosezwischenfällen zunächst den in-vitro-Kontraktur-Test,

gegebenenfalls auch

eine Sequenzierung des Ryanodin-Rezeptors.

Im Rahmen der kassenärztlichen Versorgung

wird dann auch eine entnommene

Muskelprobe zur weiteren histologischen

Diagnostik in der Neuropathologie bearbeitet.

Neben der Abklärung einer Central-

Core-Erkrankung werden dadurch andere

erbliche oder nicht-erbliche Myopathien

erfasst, die mit der malignen Hyperthermie

assoziiert sein können. Unter anderem

gelang dies bei verschiedenen Mitgliedern

einer Familie über drei Generationen hinweg,

wobei eine sonst nicht seltene und

üblicherweise nicht pathogene Mutation

mit diskreten Veränderungen des oxidativen

intermyofibrillären Netzwerkes der

Muskelfasern verbunden war.

Diese Untersuchungen haben bereits im

internationalen Rahmen Beachtung gefunden.

Weitere Untersuchungen auch unter Einbeziehung

wissenschaftlicher Aspekte

erstreckten sich auf verschiedene neuromuskuläre

Erkrankungen, insbesondere

aber auf CADASIL und die vaskuläre Komponente

bei interstitieller Myositis. Schließlich

werden in der neuropathologischen

Abteilung Lehraufgaben im Rahmen der

studentischen Ausbildung und der Facharzt-Weiterbildung

wahrgenommen, und

es werden besondere Fälle auf gemein-

59


Neuromuskuläres Zentrum Leipzig

samen klinisch-neuropathologischen Konferenzen

im Rahmen des Muskelzentrums

vorgestellt und diskutiert.

Institut für Humangenetik

Die Schwerpunkte der Tätigkeit des Instituts

für Humangenetik des Universitätsklinikum

Leipzig liegen in der Humangenetischen

Beratung von Patienten mit

genetisch bedingten Krankheitsbildern und

deren Familienangehörigen und der molekulargenetischen

Diagnostik bestimmter

genetischer Krankheiten. In der Genetischen

Beratungsstelle stehen Fachärzte

für Humangenetik zur Verfügung. Der Ausbau

molekulargenetischer Untersuchungen

für neurologische Krankheiten ermöglicht

es uns bei einer zunehmend größeren Zahl

von Krankheiten, klinische Diagnosen mit

molekulargenetischen Techniken präzise

zu untermauern.

In der Genetischen Beratung sind für die

Ratsuchenden die Fragen der richtigen

diagnostischen Zuordnung und des Risikos

der Weitergabe eines definierten genetischen

Defekts, der bei eigenen Nachkommen

zu einer Krankheit führen könnte,

von vorrangigem Interesse. Die Vorstellung

der Patienten erfolgt meist zur Bestätigung

einer klinischen Verdachtsdiagnose oder

unter differentialdiagnostischen Gesichtspunkten.

Immer öfter gelingt es durch die

molekulargenetische Diagnostik, eine klinische

Verdachtsdiagnose zu stützen oder

auszuschließen. Das Institut für Humangenetik

bietet ein ausgewähltes Spektrum

molekulargenetischer Diagnostik neuromuskulärer

Krankheitsbilder an. Methodische

Umstellungen erlauben eine kurze

Diagnosezeit.

Derzeit werden für folgende neurologische

Krankheiten molekulargenetische Untersuchungen

angeboten:

60

Neurodegenerative Erkrankungen

CADASIL-Syndrom

(Cerebrale autosomal dominante Arteriopathie

mit subcorticalen Infarkten und Leukenzephalopathie

– NOTCH3

Chorea Huntington – IT15 (Huntingtin-Gen)

Fragiles-X-Syndrom, FRAXA – FMR1

Spinocerebelläre Ataxie (nur (CAG)n-Repeat-Expansion)

• Typ 1 – ATXN1

• TYP 2 –ATNX2

• TYP 3 – ATNX3

• TYP 6 – CACNA1A

• TYP 17 – TBP-Gen

Neuropathien

Hereditäre Motorisch-Sensorische Neuropathie

I (HSMN, CMT Typ 1A und 1B, Charcot-Marie-Tooth-Krankheit)

dominant – PMP22 Duplikation, MPZ

X-chromosomal – Cx32/GJB1 (Connexin 32)

Hereditäre Neuropathie mit Druckparesen

(HNPP, Tomakulöse Neuropathie)

PMP22 Deletion

Mentale Retardierung und Epilepsie

Alpha-Thalassämie-Retardierungs-Syndrom

(X-chromosomal) - ATRX

Rett-Syndrom – MECP2

Familiäre Stoffwechselerkrankungen

Morbus Wilson (hepatolenticuläre Degeneration)

– ATP7B

Nicht in jedem Fall ist es möglich, eine

klinische Verdachtsdiagnose auch molekulargenetisch

zu bestätigen. Oft hilft die

ausführliche Erhebung der Familienanamnese,

den Erbgang einer genetisch bedingten

neurologischen Erkrankung in der

Familie zu klären und damit eine Grund-


lage für die Familienberatung zu erhalten.

Jede molekulargenetische Diagnostik

sollte prinzipiell durch eine Humangenetische

Beratung begleitet werden. Das ist

besonders dann wichtig, wenn es um prädiktive

diagnostische Untersuchungen für

Erkrankungen geht, die sich erst später im

Leben manifestieren, wie z. B. bei der Chorea

Huntington. Bei jeder prädiktiven Diagnostik

bei gesunden Ratsuchenden wird

strikt auf die Einhaltung bestimmter Vorgehensweisen

geachtet, die durch folgende

Schritte gekennzeichnet sind:

• Genetische Beratung vor und nach molekulargenetischer

Testung

• Psychologisches Beratungsgespräch

• Einhalten einer Bedenkzeit

• Volljährigkeit

• schriftliches Einverständnis der Ratsuchenden

zur genetischen Diagnostik

• interdisziplinäre Befundmitteilung

(auf Wunsch).

Im Rahmen der genetischen Beratung geben

wir Hilfestellungen bei spezifischen

Fragestellungen und zu den Möglichkeiten

pränataler Diagnostik. Gerne sind wir auch

bei der Suche nach und Kontaktaufnahme

mit Selbsthilfegruppen behilflich.

Abteilung für Neuropädiatrie der

Universitätsklinik für Kinder- und

Jugendmedizin

Die neuromuskuläre Sprechstunde in der

Klinik und Poliklinik für Kinder und Jugendliche

wurde im vergangenen Jahr weiter

ausgebaut. Die Möglichkeiten des neuen

Zentrums haben sich hierbei bei der Versorgung

der Kinder und Jugendlichen sehr

bewährt.

Es entstanden in Kooperation vielfältige

Publikationen, einige sind im Anhang erwähnt.

Weiterhin beschäftigt uns das Phä-

Jahresberichte der Neuromuskulären Zentren

nomen des Zehenspitzenganges an der

Schnittstelle zu neuromuskulären Erkrankungen.

______________________________________

Publikationen 2011

Baum P, Bercker S, Villmann T, Claßen J, Hermann

W Critical –illness Myopathie und –Neuropathie

(CRIMYN) – Elektronneurographische Klassifikation.

Der Nervenarzt 4, 2011, 468- 473

Mitter D, Krüger S, Bier A, Mayer T, Klopocki E,

Hackmann K, Merkenschlager A. Detection of small

deletions in 2q24.3 involving the SCN1A gene in

two patients with severe epilepsy and developmental

delay. A. Medizinische Genetik. 2011;23:115

Syrbe, S; Härtig, W; Bernhard, MK; Merkenschlager,

A. Myoclonus, ataxia and dancing

eyes - visual diagnosis with diverse phenotype.

Two cases of Opsoclonus-Myoclonus-Syndrome

after adenoviral infection and scarlet fever

Neuropediatrics 2011; 42: VS05

Merkenschlager, A; Sperl, W; Bernhard, M; Syrbe,

S; Mayr, JA. Pyruvate dehydrogenase deficiency

presenting as Guillain-Barré syndrome

Neuropediatrics 2011; 42: P128

61


Neuromuskuläres Zentrum Magdeburg

Neuromuskuläres Zentrum Magdeburg

Leiter und Sprecher:

Prof. Dr. med. Helmut Feistner

Klinik für Neurologie

Universitätsklinikum Otto von Guericke

Magdeburg

Das Neuromuskuläre Zentrum der DGM

e. V. am Klinikum der Otto-von-Guericke-

Universität Magdeburg, Klinik für Neurologie,

hat durch die Neuordnung des

Neurozentrums und Fusion der neurologischen

Kliniken mit einer zukunftsweisenden

Departmentstruktur neue Impulse

erfahren. Der Standort wurde durch den

Aufbau eines eigenen MRT-Messplatzes

im Bereich der Klinik wesentlich erweitert.

Dadurch werden zeitnahe MRT-gesteuerte

Muskelbiopsien und MR-spektroskopische

Untersuchungen des Gehirns ermöglicht.

Die Hochfeldtechnologie erlaubt auch direkte

Einblicke in den Muskelstoffwechsel.

Durch die enge Kooperation mit dem Deutschen

Zentrum für Neurodegenerative Erkrankungen

in der Helmholtz-Gesellschaft

(Standort Magdeburg) wurden die grundlagenwissenschaftlichen

Forschungen bei

neuromuskulären Erkrankungen noch intensiviert.

Die große apparative Ausstattung

des Zentrums ermöglicht auch wissenschaftlich

exakte Ganganalysen und

Auswertungen. Therapieerfolge können hier

kontinuierlich überprüft werden. Die große

neuropsychologische Expertise des Zentrums

ermöglicht ferner die genaue Charakterisierung

der Hirnleistung bei neurodegenerativen

Erkrankungen wie ALS und

anderen Motoneuronerkrankungen, bei

denen es zu kognitiven Einbußen kommen

kann. Dazu stehen neben der personellen

Ausstattung umfangreichte testpsychologische

Instrumente und Methoden zur Ver-

fügung. Spezialtherapien wie die regelmä-

62

ßige Enzymsubstitution bei Patienten mit

Glykogenosen vom Typ Pompe runden das

therapeutische Angebot ab.

Mittlerweile ist auch die Nah-Infrarot-

Spektroskopie (NIRS) als neue innovative

Technologie fest etabliert. Mit dieser modernen

Methode lässt sich die Mikrozirkulation

des Blutflusses in der gesamten

Hirnrinde präzise bestimmen. Diese Untersuchungstechnik

ist ähnlich leicht anzuwenden

wie die Hirn-Sonografie und

auch bei Implantatträgern einsetzbar, aber

in der räumlichen Auflösung weniger genau

als PET oder MRI. Mit diesem nicht

invasiven Messverfahren können Neurowissenschaftler

durch Detektion der regionalen

Oxygenierung die Gehirnaktivität

untersuchen. Ein sehr leistungsstarkes

Multi-Kanal-System steht jetzt auch den

Forschergruppen in Magdeburg zur Verfügung.

Das NIRS-Verfahren eignet sich

unter klinischen Bedingungen für die funktionelle

Charakterisierung und Kartierung

von adaptativen Prozessen z. B. im Motokortex

und den Assoziationsfeldern bei

Patienten mit ALS. Das gilt insbesondere

für jene Patienten die aufgrund ihrer Behinderung

(z. B. Luftnot im Liegen), nicht

mehr in einem konventionellen MRT-Gerät

untersucht werden können. Die nicht invasive

Technologie erweitert das Spektrum

funktioneller Untersuchungsmöglichkeiten

des Gehirns in besonderer Weise, in dem

im Gegensatz zur bekannten funktionellen

Kernspintomographie (fMRT) auch Bedside-Untersuchungen

(tetraparalytische Pa-

tienten) und Analysen bei Menschen mit

ferromagnetischen Implantaten (z. B. Hirnschrittmachern)

möglich sind.

Die noch relative junge Methode der

hochauflösenden Sonographie peripherer

Nerven (Linear-Array-Schallkopf mit Frequenzen

zwischen 9 und 17 MHz) stellt ein


nicht invasives Verfahren zur Beurteilung

peripherer Nerven da. Dabei ist neben der

hohen räumlichen Auflösung, anhand derer

eine gute Abgrenzung der feinen anatomischen

Strukturen möglich ist, die hohe

zeitliche Auflösung von Bedeutung. Diese

ermöglicht eine funktionelle Testung (z. B.

[Sub]Luxation des N. ulnaris als Ursache

eines Sulcus-ulnaris-Syndroms) sowie

eine gute Beurteilung der Vaskularisierung

(Doppler-/Duplexmodus) der Nerven

(z. B. persistierende A. mediana) bzw. der

umgebenden Strukturen (z. B. Beurteilung

der Dignität tumoröser Läsionen). Die Anwendung

der Nervensonographie erfolgt

derzeit zur Identifizierung sekundärer Ursachen

von Kompressionssyndromen, zur

Mitbeurteilung traumatischer Nervenläsionen,

zur Lokalisation der Nerven vor

einer infiltrativen Therapie bzw. zur postoperativen

Verlaufskontrolle (z. B. nach

offener oder endoskopischer Operation

eines Karpaltunnelsyndroms). Die nicht in-

vasive Sonographie eignet sich auch zur

Verlaufskontrolle bei Patienten mit ätiologischer

heterogener Neuropathie. Dabei

werden mittlere Werte der pathologisch

vergrößerten Querschnittsfläche bestimmt

und eine sonographische Klassifikation

der Strukturabnormalitäten der erkrankten

Nerven angestrebt. Zusätzlich ist eine Korrelation

der bestimmten Parameter mit den

Ergebnissen aus den laborchemischen /

molekulargenetischen Untersuchungen in

Vorbereitung.

Die Kinderklinik hat einen diagnostischen

Tätigkeitsschwerpunkt im Bereich der

nicht invasiven Myosonographie (in Zusammenarbeit

mit der Radiologie). Neuromuskuläres

Zentrum und Spezialambulanz

profitieren von den sehr guten räumlichen

Bedingungen und der modernen Funktionsdiagnostik.

Wie in den Vorjahren stand

Jahresberichte der Neuromuskulären Zentren

die umfassende medizinische Betreuung

von Patienten mit neuromuskulären Erkrankungen

ganz im Vordergrund unserer

ärztlichen Tätigkeit. Die Mitgliederzahl und

der Patientenanteil sind stetig gewachsen.

In der Muskelsprechstunde der Klinik und

auf den Stationen wurden wie in den Vorjahren

einige hundert Patienten interdisziplinär

betreut. Es besteht ein enger Kontakt

zu den Physio- und Ergotherapeuten

sowie den Rehabilitationseinrichtungen.

Die Sozialberatungsstelle des Uniklinikums

steht Patienten und ihren Angehörigen zur

Verfügung. Sie übernimmt vielfältige Funktionen,

z. B. wenn es um Fragen der Hilfsmittelversorgung,

der häuslichen Pflege,

des Schwerbehindertenrechts oder auch

den Kontakt mit anderen, von der gleichen

Krankheit Betroffenen geht. Durch

die kurzen Wege in der Einrichtung wird

eine optimale und umfassende Patientenbetreuung

gewährleistet. Die enge Kooperation

mit der neurologischen Rehabilitationsklinik

(NRZ Magdeburg, Direktor Prof.

Sailer) rundet das Betreuungsangebot ab.

Herr Professor Mawrin hat als Neuropathologe

an der Medizinischen Fakultät der

Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg

seine Forschungstätigkeit im neuromuskulären

Sektor weiter ausgebaut (z.B. Eisenstoffwechselstörungen

bei ALS). Prof. M.

Zenker leitet das Institut für Humangenetik.

Die besondere wissenschaftliche Expertise

erstreckt sich auch auf neuromuskuläre Erkrankungen

und die molekulargenetische

Spezialdiagnostik bei Muskel- und peripheren

Nervenkrankheiten.

Seit Gründung des Neuromuskulären Zentrums

Magdeburg wurden Muskelsprechstunden

mit Krankheitsschwerpunkten wie

ALS, primäre Myopathien, Post-Polio-Syn-

drom, Fibromyalgie und Myasthenie etabliert.

Diese klinische Schwerpunktbildung

63


Neuromuskuläres Zentrum Magdeburg

bei der Diagnostik und Beratung von Muskelkranken

hat sich sehr bewährt. Insbesondere

wurde die Spezialsprechstunde

für Patienten mit Motoneuronerkrankungen

(MND) sehr gut von Patienten angenommen.

In regelmäßigen gemeinsamen Kon-

ferenzen mit den ärztlichen und wissenschaftlichen

Mitarbeitern der Klinik für Kinderheilkunde,

dem Institut für Humangenetik,

dem Institut für Neuropathologie sowie

den einzelnen neurobiologischen und neurochemischen

Abteilungen des Klinikums

werden die Untersuchungsergebnisse der

Patienten diskutiert und therapeutische

Konsequenzen erörtert. Zahlreiche Fortbil-

dungsveranstaltungen mit Referenten aus

dem gesamten Bundesgebiet ermöglichen

einen intensiven wissenschaftlichen Gedankenaustausch

und ein breiteres diagnostisches

Angebot.

Ein interdisziplinärer wissenschaftlicher For-

schungsschwerpunkt unseres Zentrums

stellt seit einigen Jahren die Untersuchung

von degenerativen Muskelerkrankungen

dar. Dabei stehen Untersuchungen des

mitochondrialen Energiestoffwechsels im

Mittelpunkt des Interesses. So gelang es

uns, bei der ALS in Muskelproben erstmals

funktionelle Störungen in den Mitochondrien

(die Kraftwerke der Muskelzellen)

in Abhängigkeit von der Krankheitsdauer

nachzuweisen. Es zeigte sich, dass die

Energiebereitstellungsreaktionen in den

Mitochondrien an spezifischen Stellen unterbrochen

sind. Diese Defekte der Mitochondrien

sind wahrscheinlich erworben

und beruhen auf zellschädigenden radikalischen

Veränderungen der Erbsubstanz

(mtDNA). Interessanterweise fällt dieser

Energieverlust in den Zellen mit dem Ausbruch

der ALS-Erkrankung zusammen.

Mit anderen Worten, diese Störungen sind

bereits vor dem Ausbruch der eigentlichen

64

Erkrankung nachweisbar und verstärken

sich mit dem Fortschreiten der Erkrankung.

Darauf zielen auch unsere neuartigen

therapeutischen Ansätze bei der ALS

ab. Durch Stabilisierung des Mitochondrienstoffwechsels

in den Zellen soll ein

Fortschreiten der Erkrankung verhindert

werden. Auch im Hinblick auf das mitunter

relativ junge Erkrankungsalter halten wir

solche spezifischen Untersuchungen zur

Mitochondrienfunktion, wie sie in unserem

Zentrum mit entsprechender Expertise an-

geboten werden, für sehr relevant und stehen

Ärzten und Patienten sehr gerne für weitere

Informationen zur Verfügung. Magnetresonanzspektroskopie

(MRS) ermöglicht

die in vivo Beobachtung von Stoffwechselvorgängen

und neurozellulären Verän-

derungen im Gehirn. Am Beispiel der neurodegenerativen

Modellerkrankung Amyo-

trophe Lateralsklerose (ALS) wird der Einfluss

dieser innovativen Technik auf die

Entwicklung neuer therapeutischer Ansätze

besonders deutlich. Unsere Ergebnisse

bei tierexperimentellen Untersuchungen

untermauern die Hypothese einer bereits

präklinisch bestehenden Störung im mitochondrialen

Metabolismus (siehe oben).

Die Befunde unterstreichen am Beispiel

der ALS das Potenzial der klinischen MR-

Spektroskopie im Frühstadium neurodegenerativer

Veränderungen und bei der

Weiterentwicklung konservativer Therapiestrategien

mit Hilfe biologischer Marker.

Die enge Zusammenarbeit mit den Neurochemischen

Laboren der Universitätskliniken

für Neurologie Magdeburg (Prof.

Dr. S. Vielhaber, PD Dr. F.N. Gellerich) und

Epileptologie/Neurochemie Bonn (Prof. W.

S. Kunz) sowie den benachbarten großen

Neurologischen Universitätskliniken in

Halle (Professor S. Zierz) und Hannover

(Professor R. Dengler) hat sich auch in


wissenschaftlicher Hinsicht hervorragend

entwickelt und mündete in gemeinsamen

Publikationen. Das gemeinsame diagnostische

Angebot umfasst u.a. enzymatische

und polarographische Untersuchungen zur

Mitochondrienfunktion. Neben den Untersuchungen

an Skelettmuskelfasern können

auch mitochondriale Schädigungen an Fibroblasten

(Hautzellen) nachgewiesen werden.

Defekte des mitochondrialen Genoms

werden in Zusammenarbeit mit dem Institut

für Neuropathologie des Universitätsklinikums

Magdeburg (PD Dr. E. Kirches, Professor

Dr. C. Mawrin) untersucht, welches

sich seit Jahren neben der klassischen Myo-

histologie mit der molekulargenetischen

Diagnostik von Deletionen und Insertionen

in der mtDNA von Patienten mit Verdacht

auf Mitochondriopathien beschäftigt. Daneben

wurde die PCR-Diagnostik einiger

ausgesuchter Punktmutationen der mtDNA

etabliert, vor allem der häufigsten MERRF-

und MELAS-assoziierten Mutationen sowie

die Abschätzung der mtDNA-Menge

in Relation zur Kern-DNA mit speziellen

Southern-Blot-Verfahren und die Bestimmung

des Heteroplasmiegrades. Sequenzierungen

von Abschnitten des mitochondrialen

Genoms werden vorgenommen,

z. B. zur Ermittlung einiger LHON- oder

ATPase-Punktmutationen. In einem Forschungsprojekt

werden zurzeit mögliche

Zusammenhänge zwischen Mutationen

und Apoptose an Zellkulturen analysiert.

Ein Schwerpunkt des Instituts für Humangenetik

ist die molekulargenetische Diagnostik

neuromuskulärer Erkrankungen.

Nachdem das für die proximal myotone

Myopathie (PROMM/DM2/Ricker-Syndrom)

verantwortliche Gen identifiziert wurde,

konnten im Institut für Humangenetik zahlreiche

Familien mit dieser Erkrankung molekulargenetisch

untersucht werden. Da

Jahresberichte der Neuromuskulären Zentren

das expandierte CCTG-Repeat-Motiv bei

PROMM/DM2 sehr heterogen und daher

nur schwer nachweisbar ist, wurden hier

Anstrengungen unternommen, die diagnostische

Prozedur zu verbessern. Hierzu

wurde u.a. die Pulsfeldgelelektrophorese

zu dieser Diagnostik mit herangezogen.

Zu dem diagnostischen Angebot des Instituts

für Humangenetik gehören weiterhin

die Analyse der hereditären motorisch

sensorischen Neuropathien, der Myotonen

Dystrophie Curschmann-Steinert, der Duchenne‘schen

und Becker‘schen Muskeldystrophie,

der Fazioskapulohumeralen

Muskeldystrophie und der Spinobulbären

Muskelatrophie. Für alle nicht im Institut

untersuchten genetischen Erkrankungen

steht das molekulargenetische Labor den

Kliniken zur DNA-Extraktion zur Beratung

über diagnostische Möglichkeiten und zur

Kontaktaufnahme mit anderen Gruppen

zur Verfügung.

In Zusammenarbeit mit der Universitätsklinik

für Plastische, Wiederherstellungs- und

Handchirurgie erfolgt die restaurative periphere

Nervenchirurgie. Tierexperimentelle

Studien werden im benachbarten Institut

für Neurobiologie (Frau Professor Keilhoff)

durchgeführt. Im Muskelfunktionslabor der

Klinik für Orthopädie (Professor Awiszus)

werden detaillierte Bewegungsanalysen

und Untersuchungen des motorischen Systems

vorgenommen: Quantifizierung von

Willküraktivierbarkeit von Skelettmuskulatur,

Quantifizierung propriozeptiver Leis-

tungen, Untersuchungen zur Wirkung

transkraniell magnetischer Stimulation auf

die Willkürmotorik. Ein Arbeitsschwerpunkt

liegt auf der Quantifizierung, pathophysiologische

Basis und therapeutische Beeinflußbarkeit

des motorischen Defizits bei

Patienten mit Muskelglykogenosen (z. B.

M. Pompe). Patienten mit einer Muskelglykogenose

vom Typ Pompe erhalten re-

65


Neuromuskuläres Zentrum Magdeburg

gelmäßig eine Enzymersatztherapie in

Form von Infusionen in der Neurologischen

Fachmbulanz.

In der Klinik für Kinderheilkunde mit angeschlossenem

Sozialpädiatrischen Zentrum

der Universität werden ebenfalls zahlreiche

neuromuskuläre Erkrankungen untersucht

und betreut. Ein klinisch-wissenschaftlicher

Schwerpunkt liegt in der schmerzfreien

und schonenden Untersuchungstechnik

der Myosonographie. Die verbesserte Bilddokumentation

ermöglicht mittlerweile myo-

gene und neurogene Erkrankungen in vielen

Fällen sicher zu unterscheiden und ist

auch zur Verlaufsdokumentation geeignet.

Die Kinderklinik ist nach ihrem Umzug auf

den Hauptcampus personell und logistisch

besser vernetzt mit den klinischen Nachbardisziplinen.

______________________________________

Literatur

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stimulation motorthreshold: is it safe? Brain Stimul.

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permeability transition pore by Bax via inhibition

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Mohammadi B, Muente TF. A neurophysiological

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sclerosis. Brain Res. 2011; 1421: 90-99.

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an empty promise? Exp Neurol. 2011; 232: 110-

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on enzyme replacement therapy. Clin Neurol

Neurosurg. 2011; 113: 350-357.


Neuromuskuläres Zentrum Mainz

Leiter/Sprecher:

Prof. Dr. Wilfred A. Nix

Klinik und Poliklinik für Neurologie

Universitätsmedizin Mainz

Sprechstunden und Kontakte

Die Klinik für Neurologie bietet eine Sprechstunde

für neuromuskuläre Erkrankungen

an. Die ambulanten Untersuchungen für

neuromuskuläre Erkrankungen werden von

Prof. Dr. Wilfred Nix und Dr. Thomas Wilhelm-Schwenkmezger

ausgeführt. Spezielle

Sprechstunden sind für Patienten

mit den Erkrankungen Myasthenie sowie

Amyotropher Lateralsklerose (ALS) vereinbar.

Allen ratsuchenden Personen wird

zunächst ein Fragebogen zugeschickt. Da-

rin sind die aktuellen Beschwerden zu be-

nennen, sowie die Befunde zu bisher

durchgeführter Diagnostik beizulegen. Mit

diesen Informationen kann ein Besuch

geplant und zeitnah vereinbart werden.

Weiter besteht eine enge Kooperation mit

einer neurologischen Praxis, dort können

Sprechstundentermine mit Prof. Dr. W. Nix

vereinbart werden

Im Neuromuskulären Zentrum sind interdisziplinär

folgende Kliniken und Abteilungen

zusammengeschlossen.

Universitätsmedizin: Herr Prof Dr. Oliver

Bartsch – Inst. für Humangenetik, Herr

Prof i. R. Dr. med. Hans H. Goebel – Inst.

für Neuropathologie, Herr Dr. Thomas Wilhelm-Schwenkmezger

– Klinik für Neurologie,

Herr Dr. Harald von Pain – Inst. für

Neuropathologie, Herr Prof Dr. Bernd Reitter

– Zentrum für Kinder- und Jugendmedizin,

Herr Dr. Michael von Rhein – Zentrum

für Kinder- und Jugendmedizin, Herr Prof.

Dr. M. Beck – Villa Metabolica, Frau Dr.

Irene Tzanova – Klinik für Anästhesiologie –

Labor für Maligne Hyperthermie, Frau Prof

Jahresberichte der Neuromuskulären Zentren

Dr. Susanne Pitz – Augenklinik, Herr Dr.

Ralf von Bardeleben – 11. Medizinische

Klinik – Kardiologie

Katholisches Klinikum Mainz

Dr. Andreas Budan, Pneumologie – Klinik

für Pneumologie, Beatmungs- und Schlafmedizin.

Personelle Veränderungen

Im Klinikum fanden einige Veränderungen

in der Leitungsebene von Kliniken und Instituten

statt. Die Klinik für Neurologie hat

seit 2010 mit Frau Professor Dr. Frauke Zipp

eine neue Leiterin. Mit Frau Prof Zipp erhält

die Klinik für Neurologie insofern eine neue

Ausrichtung, als schwerpunktmäßig wissenschaftlich

jetzt neuroimmunologischen

Fragestellungen nachgegangen wird. Das

Forschungsinteresse gilt dabei den Mechanismen

von Entzündungen in verschiedenen

Organen, besonders den Entzündungen,

die sich am Zentralnervensystem

bei der Multiplen Sklerose abspielen.

Das Institut für Humangenetik wird auch

im Jahr 2011 kommissarisch von Herrn

Prof. Dr. Oliver Bartsch geleitet, nachdem

Frau Prof. Dr. Kerstin Kutsche, Hamburg,

den Ruf an die Universitätsmedizin Mainz

abgelehnt hat.

Forschungsaktivitäten

An der Klinik für Neurologie werden Patienten

für die internationale Thymektomiestudie

rekrutiert und behandelt. Ziel

der Studie ist es herauszufinden, ob die

Thymektomie einen Einfluss auf die Behandlung

der nicht Thymom assoziierten

Myasthenie hat. Insbesondere ob die

Thymektomie einen zusätzlichen Effekt im

Vergleich zu der lediglich medikamentös

behandelten Myasthenie ausübt.

Schon seit langer Zeit besteht eine enge

67


Neuromuskuläres Zentrum Mainz

Zusammenarbeit mit dem Institut für Pathologie

der Universität Mannheim unter der

Leitung von Prof. Dr. Alexander Marx zur

Aufklärung der immunologischen Grund-

lagen der Pathogenese der Myasthenie,

insbesondere bei Thymom assoziierter

Myasthenie.

Desweiteren wird in der international zusammengesetzten

Arbeitsgruppe European

Standardized Telematic Tool to Evaluate

Electrodiagnostic Methods (ESTEEM)

dem Problem der Standardisierung elektrophysiologischer

Methoden bei neuromuskulären

Erkrankungen nachgegangen.

Derzeitiger Forschungsgegenstand ist die

Evaluierung der Awaji-Kriterien im Hinblick

auf die El Escorial-Kriterien zur ALS-Diagnostik.

Hierbei geht es insbesondere darum

frühzeitig eine diagnostische Aussage

zu Motoneuronerkrankungen zu ermöglichen.

Je früher ein begründeter Verdacht

ausgesprochen werden kann, desto früher

können Patienten auch behandelt werden.

In Zusammenarbeit und auf Initiative der

Neurologischen Klinik des Klinikums Ludwigshafen

wurde ab 2010 damit begonnen,

ein Rheinland-pfälzisches ALS-Register

zu erstellen, um für die Versorgung der

ALS-Patienten relevante epidemiologische

Daten zu erheben.

Am Institut für Humangenetik besteht seit

seiner Gründung 2001/2002 ein Schwerpunkt

in der Behandlung von Patienten mit

Muskelkrankheiten. In diesem Zusammenhang

wurde 2006 auch eine enge Zusammenarbeit

mit dem Institut für Anästhesiologie

der Universitätsmedizin begründet,

insbesondere mit Oberärztin Frau Dr. Dr.

Irene Tzanova, zur Aufklärung der genetischen

Grundlagen und Pathogenese der

Malignen Hypertonie (MH). Gemeinsam

mit den Spezialsprechstunden für MH

an der Klinik für Anästhesiologie und der

68

Klinik für Neurologie werden Patienten

mit MH diagnostiziert und behandelt. Ziel

dieser Zusammenarbeit ist es, das Mutationsspektrum

im südwestdeutschen

Raum herauszufinden, neue Mutationen zu

identifizieren und für die häufiger vorkommenden

Mutationen zur Genotyp-Phänotyp-Korrelation

beizutragen.

Die in den Jahren 2009 und 2010 etablierte

gesamtgenomische Diagnostik auf Mikrodeletionen

und Mikroduplikationen mit

einem hochauflösenden SNP-Mikroarray

(Affymetrix 6.0) wurde auf hohem Niveau

weitergeführt und ab dem 1.1.2011 für Patienten

der kassenärztlichen Versorgung

verfügbar gemacht. Mikroarray-Analysen

sind unter anderem bei geistiger Behinderung,

bei schweren autistischen Störungen

und anderen schweren Funktionsstörungen

des Gehirns, bei Hirnfehlbildungen und

komplexen Fehlbildungssyndromen, die auf

mögliche chromosomale Ursachen hinwei-

sen, indiziert und haben eine über 100fach

bessere Auflösung als konventionelle

Chromosomenanalysen. 2011 erfolgte eine

Ausweitung dieser Aktivitäten in Form neuer

Kollaborationen u. a. mit Herrn Dr. Martin

Poot, Universitätsklinik Nijmegen und

Herrn Prof Detlev Schiedler, Universitätsklinik

Würzburg, zum Louis-Bar-Syndrom

(Ataxia Teleangiectasia).

In der Abteilung für Neuropathologie der

Universitätsmedizin Mainz werden histolo-

gische, immun- und enzymhistochemische,

elektronenmikroskopische und molekularpathologische

Untersuchungen an Muskel-

und Nervenbiopsien aus einem überregionalen

Einzugsgebiet, dem nahen Ausland

und dem Nahen Osten durchgeführt. Regelmäßige

Fortbildungsveranstaltungen und

Fallkonferenzen mit den einsendenden Kliniken

werden durchgeführt.

Ein Schwerpunkt der wissenschaftlichen


Aktivitäten der Abteilung sind neuromuskuläre

Erkrankungen. In Kooperation mit

der Klinik für Hand-, Plastische und Rekonstruktive

Chirurgie der Berufsgenossenschaftlichen

Unfallklinik Ludwigshafen

(Leiter: Prof. M. Lenhardt) wurden Untersuchungen

zur Behandlung peripherer

Nervenläsionen durchgeführt. Die mehrjährigen

Untersuchungen an archivierten

Muskelbiopsieproben von Patienten mit

genetisch gesicherter spinaler Muskelatrophie

in Folge SMN-1 Deletionen wurden

endgültig abgeschlossen. Als auswärtige

Kooperation wurde die Aktinfilamentaggregation,

der eine neue Punktmutation im

ACTA1-Gen zu Grunde lag, beim fetalen

Akinesiesyndrom klinisch, morphologisch

und genetisch in Zusammenarbeit mit der

neuromuskulären Arbeitsgruppe von Herrn

PD Dr. Stenzel am Institut für Neuropathologie

der Charité bearbeitet und publiziert.

Damit ist das Spektrum nicht nur der ACTA

1-Mutationen erweitert, sondern auch das

klinische Spektrum der Aktinfilamentaggregationsmyopathie,

ein weiterer Hinweis

auf eine Entwicklungsstörung in der Integration

von Aktinfilamenten in reguläre

Sarkomeren. Ebenfalls wurde in auswärtiger

Konsultation mit der Arbeitsgruppe

Stenzel ein Bericht über die sporadische

adulte Nemalinmyopathie publiziert, die

durch eine langjährige Ophthalmoplegie

gekennzeichnet war, welch letztere bei der

Nemalinmyopathie nur selten, und dann im

Kindesalter, beobachtet wird.

Weitere extramurale Kooperation führte zu

Publikationen über die familiäre „reducing

body myopathy“ und die „Myopathie mit

kristallinen Einschlüssen“. Zudem begann

die Herausgebertätigkeit an einer Neuauflage

des (blauen) ISN-Buches über neuromuskuläre

Krankheiten.

Jahresberichte der Neuromuskulären Zentren

Der Besuch des internationalen neuromuskulären

Kongresses im Juli in Neapel und

des World Muscle Society Kongresses in

Kumamoto brachte viele neue Erkenntnisse,

Erfahrungen, allerdings auch die,

dass deutsche Teilnehmer (aus Mainz waren

die Professoren Goebel und Nix anwesend)

recht spärlich im Vergleich zur Größe

des wissenschaftlichen Beirates der DGM

vertreten waren.

Im Jahre 2011 wurden im Mainzer Labor

„Maligne Hyperthermie“ 16 Patienten mit

dem Verdacht auf MH - Disposition biopsiert

und dem IVCT –Test unterzogen.

Die Diagnose-Ergebnisse sind wie folgt:

MHS bei 3 Patienten, MHE(H) 7 Patienten

und bei weiteren 6 MHN. Bei 7 Patienten

lautete die Einweisungsdiagnose „Verdacht

auf Maligne Hyperthermie Disposition“ bei

einem Ereignis in der Eigenanamnese und

bei weiteren 6 MH-Disposition in der Familie.

1 Patient wurde bei unklarer Creatinkinaseerhöhung

biopsiert. Bei 2 weiteren

Patienten erfolgte die Biopsie im Rahmen

der Diagnostik in Zusammenarbeit mit der

Klinik für Neurologie im Hause.

14 Patienten wurden vom Institut für Humangenetik

im Hause auf kausative Mutationen

untersucht. Bei einem Patienten

konnte eine kausative Mutation nachgewiesen

werden.

Fortbildungsveranstaltungen

Am Institut für Humangenetik erfolgte am

26.01.2011 eine gut besuchte ärztliche

Fort- und Weiterbildungsveranstaltung mit

Herrn Prof. Dr. Rainer König, Univ.-Klinik

Frankfurt/M., als Referenten zum Thema

„Syndrome aus der Neuropädiatrie“. Dabei

konnte insbesondere die Zusammenarbeit

mit den Ärzten des Zentrums für Kinder-

und Jugendmedizin, Neuropädiatrische

Station und Poliklinik, belebt werden.

69


Neuromuskuläres Zentrum Mainz

Neben den Treffen des NMZ-Mainz zur Besprechung

neuropathologischer Befundergebnisse

sowie Zusammenkünften zur

Fallvorstellung fand für die Mitarbeiter des

Neuromuskulären Zentrums Mainz und den

kooperierenden Kliniken am 30.11.2011

eine NMZ-Fortbildungsveranstaltung statt.

Referiert wurde zu aktuellen Themen, so

auch zu dem neuen Gendiagnostikgesetz.

Weitere für die tägliche Praxis wichtige

Themen waren Darlegungen zur elektrophysiologischen

Diagnostik neuromuskulärer

Übertragungsstörungen, die Diagnostik

und Therapie bei Kardiomyopathien

sowie Indikation, Technik und Betreuung

bei der Heimbeatmung. Weiter wurden

von der Villa Metabolica eigene Ergebnisse

zur Enzym-Substitutionstherapie beim M.

Pompe vorgestellt. Es konnte gezeigt werden,

dass sich unter der Substitution in der

MRT-Bildgebung eine Erholung der Muskulatur

einstellt, ebenso eine Verbesserung

der Echogenität im Muskelultraschall. Diese

Untersuchung können somit auch zur

Frühdiagnostik der Pompe-Erkrankung

genutzt werden. Herr OA Dr. Wolf aus Ludwigshafen

berichtete zum gegenwärtigen

Stand des ALS-Registers Rheinland-Pfalz.

______________________________________

Publikationen

Bartsch O, Schindler D, Beyer V, Gesk S, van‘t Slot

R, Feddersen I, Buijs A, Nicolaas JG, Siebert R,

Haaf T, Poot M: A girl with an atypical form of Ataxia

telangiectasia and an additional de novo 3.14 Mb

microduplication in region 19q12. Eur J Med Genet

2011 Aug 27, Epub ahead of print.

Pugdahl K., Fuglsang-Frederiksen A., Johnsen

B., Tankisi H., de CM, Fawcett P.R., Labarre¬Vila

A, Liguori R., Nix W. A., Schofield I.S. :Variation in

the neurophysiological examination of amyotrophic

lateral sclerosis in Europe. Amyotroph Lateral Scler

2010; 11: 443-448

70

Marx A., Willcox N., Leite M.I., Chuang W.Y., Schalke

B., Nix W. A., Strobel P. Thymoma and paraneoplastic

myasthenia gravis. Autoimmunity 2010; 43:

413 -427

Marx, A., Hohenberger, P., Hoffmann, H., Pfannschmidt,

J., Schnabel, P., Hoffmann, H. S., Wiebe,

K., Schalke, B., Nix, W. A., Gold, R., Willcox, N.,

Peterson, P., and Strobel, P. The autoimmune regulator

AIRS in thymoma biology: autoimmunity and

beyond. J.Thorac.Oncol. 2010; 14: 266-272

Hartert, M., Strobel, P., Dahm, M., Nix, W. A., Marx,

A., and Vahl, C. F. A follicular dendritic Cell sarcoma

of the mediastinum with immature T cells and association

with myasthenia gravis. Am.J.Surg.Pathol.

2010; 34(5): 742-745

Pugdahl, K., Fuglsang-Frederiksen, A., Tankisi, H.,

Johnsen, B., de Carvalho, M., Fawcett,P., Labarre-

Vila, A., Liguori, R., Nix. W. A., Schofield, I. Impact

of medical audit an electrodiagnostic medicine in

polyneuropathy. Clm Neurophysiol 2011; 122 (12):

2523-2529


Sprecher: PD Dr. med. Björn Tackenberg, Universitätsklinik

für Neurologie, Marburg

Das Neuromuskuläre Zentrum ist ein Zusammenschluss

verschiedener Institute

der Universitätskliniken Marburg und Gießen

sowie des Klinikums Kassel. Es hat

zum Ziel, die Versorgung von Patienten

mit Erkrankungen der Muskulatur und des

peripheren Nervensystems zu verbessern,

Informationsmöglichkeiten für Betroffene,

ihre Angehörigen und Therapeuten anzubieten

und die Erforschung neuromuskulärer

Erkrankungen voranzutreiben. Von

Seiten der Muskelsprechstunden werden

spezielle ambulante und stationäre Diagnose-

und Betreuungsmöglichkeiten angeboten.

Zusätzlich zur Patientenversorgung besteht

ein interdisziplinärerAustausch im Rahmen

gemeinsamer Fortbildungen und Fallkonferenzen,

welche alle 3-4 Monate in einer

der beteiligten Kliniken stattfinden. Zudem

treffen sich jährlich die hessischen Muskelzentren

zu einer gemeinsamen Veranstaltung.

Personelle und strukturelle

Veränderungen im Zentrum

Im Zentrum gab es 2011 folgende personellen

Veränderungen:

Aufnahme der Abteilung für Rheumatologie

der Kerckhoff-Klinik Bad Nauheim (Direktor:

Univ.-Prof. Dr. Ulf Müller-Ladner) in das

NMZ Marburg-Gießen-Kassel. Re-Zertifizierung

des NMZ Marburg-Gießen-Kassel

mit dem Gütesiegel der DGM e. V.

Umzug der Universitätskliniken für Neurologie

der Universität Marburg und der

Universität Gießen sowie der Klinik für

Neurologie des Klinikums Kassel in jeweils

großzügige Neubauten (neue Adressen siehe

Anhang)

Jahresberichte der Neuromuskulären Zentren

Neuromuskuläres Zentrum Marburg-Gießen-Kassel

Forschungsaktivitäten

Die Arbeitsgruppe Klinische Neuroimmunologie

an der Neurologischen Universitätsklinik

Marburg (PD Dr. B. Tackenberg)

beschäftigt sich unter dem Oberthema

„T-Zell-/B-Zell-Interaktion bei neuroimmunologischen

Erkrankungen“ zum einen mit

der Entstehung der Myasthenia gravis.

Die Forschungstätigkeit wird von der

Deutschen Myasthenie-Gesellschaft unterstützt.

Kooperationen bestehen unter

anderem mit Prof. Nick Willcox, Oxford,

und mit Prof. Gellert, Berlin. Weiterhin

bestehen Forschungsaktivitäten zur Pathophysiologie

und Wirkweise von IVIG

bei chronisch-entzündlichen Neuropathien

(CIDP) in Zusammenarbeit mit Prof.

Jan Lünemann, Zürich/CH. Das Zentrum

Marburg ist darüber hinaus ein international

anerkanntes Klinisches Prüfzentrum in

der Medikamentenentwicklung und führt

Phase II und III Studien im Bereich neuromuskulärer

Erkrankungen durch. Auch ein

Projekt zur Pharmakoökonomie neuromuskulärer

Erkrankungen wird derzeit an der

Neurologischen Universitätsklinik Marburg

(PD Dr. B. Tackenberg, Prof. R. Dodel) weitergeführt.

In der Abteilung für Neuropädiatrie der

Universitätsklinik Gießen leitet Herr PD Dr.

A. Hahn eine Untersuchung zur nicht-invasiven

Erfassung der Atemmuskelfunktion

mit Hilfe der Mundverschlussdruckmessung.

Weiterhin führt diese Abteilung derzeit

eine Verlaufsuntersuchung bei Kindern

mit infantiler Verlaufsform eines M.

Pompe unter Enzymersatztherapie durch.

In Kooperation mit Frau OÄ Dr. A. Schänzer

(Institut für Neuropathologie Giessen)

werden die Muskelbiopsien von Patienten

mit infantiler Verlaufsform des M. Pompe

morphologisch untersucht. Ziel dieser Untersuchungen

ist die Etablierung von histo-

71


Neuromuskuläres Zentrum Marburg-Gießen-Kassel

morphologischen Markern, die eine bessere

prognostische Aussage zum Verlauf der

Erkrankung erlauben.

Die Neuroimmunologische Arbeitsgruppe

der Klinik für Neurologie des Universitäts-

klinikums Giessen (Leiterin: PD Dr. M.

Tschernatsch) untersucht Autoantigene bei

Patienten mit paraneoplastischen Myositiden

und beim CRPS. Ein Projekt über die

Regulation von MHC I Molekülen auf Muskelzellen

wurde erfolgreich beendet und

wurde mit dem Felix-Jerusalem-Preis für

neuromuskuläre Erkrankungen der DGM

2010 ausgezeichnet (Singh et al. 2009).

Die Projekte wurden aus Mitteln des Nachlasses

von Frau Margarete Schalk gefördert.

Darüber hinaus findet eine klinische

Studie zur Wirksamkeit von IVIg bei CRPS

statt. In Zusammenarbeit mit Dr. Beth

Lang, Oxford, werden Untersuchungen zur

Pathophysiologie des Lambert-Eaton-Syndroms

durchgeführt.

Die Abteilung für klinische Neurophysiologie

der Klinik für Neurologie des Universitätsklinikums

Giessen (Leiterin: PD Dr. H.

Krämer) untersucht mittels Mikroneurographie

Einzelfaserableitungen aus peripheren

Nerven. Die einzelnen Fasergruppen

können so klar differenziert werden.

Besonderes Augenmerk gilt hierbei den autonomen

Nervenfasern. Desweiteren wer-

den neuroimmunologische Vorgänge untersucht,

welche für die Entstehung und Unterhaltung

neuropathischer Schmerzsyndrome

wichtig sind. Die Untersuchungen

finden im Serum, in Hautbiopsien und auch

in vitro statt.

Die Arbeitsgruppe Molekulare Humangenetik

am Universitätsklinikum Gießen (Prof.

Dr. D. Nolte) beschäftigt sich mit der Identifizierung

neuer Genorte und Mutationen

72

bei Patienten, die an Spinocerebellärer Ata-

xie erkrankt sind. Es bestehen Kooperationen

mit PD Dr. B. Tackenberg (Neurologie

Marburg) und Dr. S. J. Kang (Neurologie

Frankfurt).

Fortbildungsveranstaltungen

Neben regelmäßigen Fallkonferenzen, die

alle drei bis vier Monate von einer der Kliniken

organisiert werden, findet ein jährliches

Treffen der Hessischen Neuromuskulären

Zentren statt. In diesem Jahr wurde

das Jahrestreffen in der Neurologischen

Klinik des Universitätsklinikums Marburg

durchgeführt.

Seit Mitte 2009 findet in der Universitätsklinik

Gießen monatlich eine interdisziplinäre

„neuromuskuläre Diskussionsrunde“ statt,

bei der ausgewählte Muskel- und Nervenbiopsien

mikroskopiert und diskutiert werden.

Die Veranstaltung wird von Frau OÄ

Dr. A. Schänzer, Institut für Neuropathologie,

geleitet und beinhaltet abwechselnd

einen neuropädiatrischen und einen neurologischen

Schwerpunkt.

Im Universitätsklinikum Marburg werden

durch die Abteilung Neuropathologie monatlich

neuropathologisch-klinische Fallkonferenzen

ausgerichtet, in denen besondere

Muskelbefunde diskutiert werden.

Die Veranstaltungen werden jeweils mit 3

Fortbildungspunkten durch die Landesärztekammer

zertifiziert.

Betreuungsstrukturen

Die bestehenden Sprechstunden für neuromuskuläre

Erkrankungen des Muskelzentrums

wurden unverändert weitergeführt.

Weiter ausgebaut wurden die ambulanten

Behandlungsmöglichkeiten mit immunsuppressiven

und immunmodulatorischen

Therapien in der Infusionsambulanz der


Neurologischen Universitätsklinik Marburg

(PD Dr. B. Tackenberg). An den Instituten für

Neuropathologie der Universitäten Gießen

und Marburg wurde neben der bisherigen

Routinediagnostik jeweils auch ein

Schwerpunkt zur Diagnostik von Hautbiopsien

im Rahmen der Polyneuropathiediagnostik

etabliert (OÄ Dr. A. Schänzer, OA

Dr. M. Hofer, Prof. A. Pagenstecher).

Am Neuromuskulären Zentrum beteiligen

sich derzeit folgende Kliniken und

Institute

Marburg (www.ukgm.de)

• Neurologische Klinik, Universitätsklinikum

Gießen und Marburg GmbH

Standort Marburg,

Baldingerstr. 1, 35043 Marburg

• Zentrum für Humangenetik,

Universitätsklinikum Gießen und

Marburg GmbH Standort Marburg

Bahnhofstraße 7, 35033 Marburg

• Abteilung für Neuropathologie,

Universitätsklinikum Gießen und

Marburg GmbH Standort Marburg

Baldingerstr. 1, 35043 Marburg

Gießen (www.ukgm.de)

• Neurologische Klinik, Universitätsklinikum

Gießen und Marburg GmbH

Standort Gießen

Klinikstr. 33, 35385 Gießen

• Abteilung Neuropädiatrie und Sozialpädiatrie,

Universitätsklinikum Gießen

und Marburg GmbH Standort Gießen

Feulgenstraße 12, 35392 Gießen

• Institut für Humangenetik, Universitätsklinikum

Gießen und Marburg GmbH

Standort Gießen

Schlangenzahl 14, 35392 Gießen

• Institut für Neuropathologie, Universitäts-

klinikum Gießen und Marburg GmbH

Standort Gießen

Jahresberichte der Neuromuskulären Zentren

Arndtstr. 16, 35392 Gießen Kassel

(www.klinikum-kassel.de)

• Neurologische Klinik, Klinikum Kassel

Mönchebergstr. 41-43, 34125 Kassel

• Neuropädiatrie mit Sozialpädiatrischem

Zentrum, Klinikum Kassel

Mönchebergstr. 41-43, 34125 Kassel

• Abteilung für Neuropathologie,

Klinikum Kassel

Mönchebergstr. 41-43, 34125 Kassel

Selbsthilfeaktivitäten

Es bestehen sowohl auf Landes- wie auch

auf Bundesebene intensive Kontakte zur

DGM. Bei Konferenzen des Neuromuskulären

Zentrums sind regelmäßig Mitglieder

der DGM anwesend. Weiterhin nehmen

Mitglieder des Zentrums regelmäßig an

örtlichen und überregionalen Veranstaltungen

der DGM teil.

____________________________________

Publikationen

(Auswahl)

Krämer HH, Eberle T, Uçeyler N, Wagner I, Klonschinsky

T, Müller LP, Sommer C, Birklein F. TNFa

in CRPS and ‚normal‘ trauma--significant differences

between tissue and serum. Pain. 2011;

152: 285-290.

van Egmond ME, Luijckx GJ, Krämer H, Benne CA,

Slebos DJ, van Assen S. Diaphragmatic weakness

caused by neuroborreliosis. Clin Neurol Neurosurg.

2011; 113: 153-155.

Hahn A, Schänzer A, Neubauer BA, Gizewski E,

Ahting U, Rolinski B. MERRF-like phenotype associated

with a rare mitochondrial trnaile mutation

(m.4284 G>A). Neuropediatrics. 2011; 42: 148-151.

Zirn B, Arning L, Barteis I, Shoukier M, Hoffjan S,

Neubauer B, Hahn A. Ring chromosome 22 and

neurofibromatosis type 11: proof of two-hit model

for the loss of the NF2 gene in the development of

73


Neuromuskuläres Zentrum Marburg-Gießen-Kassel

meningioma. Clin Genet. 2012; 81: 82-87.

Kakalacheva K, Maurer MA, Tackenberg B, Münz C,

Willcox N, Lünemann JD. Intrathymic Epstein-Barr

virus infection is not a prominent feature of myasthenia

gravis. Ann Neurol. 2011; 70: 508-514.

Greulich T, Müller S, Fechtei J, Nell C, Holland A,

Bach JP, Tackenberg B, Schubert H, Kenn K, Vogelmeier

C, Koczulla AR. Special training therapy to

reduce inflammation in Anti-Jo-1 syndrome. Pneumologie.

2011; 65: 624-627.

Tackenberg B. Die zelluläre Immunantwort und ihre

therapiebedingte Modulation bei neuromuskulären

Autoimmunerkrankungen, Philipps-Universität, Mar-

burg 2010.

Lohmann K, Uflacker N, Erogullari A, Lohnau T,

Winkler S, Dendorfer A, Schneider SA, Osmanovic

A, Svetel M, Ferbert A, Zittel S, Kühn AA, Schmidt

A, Altenmüller E, Münchau A, Kamm C, Wittstock

M, Kupsch A, Moro E, Volkmann J, Kostic V, Kaiser

FJ, Klein C, Brüggemann N. Identification and

functional analysis of novel THAP1 mutations. Eur

J Hum Genet. 2011 Aug 17. doi: 10.1038/ejhg.

2011.159.

Reilich P, Schramm N, Schoser B, Schneiderat P,

Strigl-Pill N, Müller-Höcker J, Kress W, Ferbert A,

Rudnik-Schönebom S, Noth J, Lochmüller H, Weis

J, Walter MC. Facioscapulohumeral muscular dystrophy

presenting with unusual phenotypes and

atypical morphological features of vacuolar myopathy.

J Neurol. 2010; 257: 1108-1118.

Kohr D, Singh P, Tschernatsch M, Kaps M, Pouokam

E, Diener M, Kummer W, Birklein F, Vincent

A, Goebel A, Wallukat G, Blaes F. Autoimmunity

against the ß(2) adrenergic receptor and muscarinic-2

receptor in complex regional pain Syndrome.

Pain. 2011; 152: 2690-2700.

Kameda G, Vieker S, Duck C, Blaes F, Längler A.

Paraneoplastic myopathy as a very rare manifestation

of acute lymphoblastic leukemia. Klin Padiatr.

2010; 222: 386-387.

74


Leiter: Prof. Dr. med. R. Benecke

Komm. Sprecher: PD Dr. med. J. Prudlo

Stellvertretender Leiter: NN

Stellvertretender Sprecher: Prof. Dr. med.

U. K. Zettl

Das Neuromuskuläre Zentrum Rostock

betreut ca. 200 Patienten mit neuromuskulären

Erkrankungen des Erwachsenen-

und Kindesalters. Leiter des Zentrums ist

der Direktor der Klinik und Poliklinik für

Neurologie der Universität Rostock, Herr

Prof. Dr. Reiner Benecke. Als Standorte

für die Diagnostik und Therapie stehen zur

Verfügung:

• die Klinik für Neurologie und Poliklinik

(Zentrum für Nervenheilkunde)

• die Klinik für Psychiatrie, Neurologie,

Psychosomatik und Psychotherapie im

Kindes- und Jugendalter (Zentrum für

Nervenheilkunde)

• die Kinder- und Jugendklinik (Campus

Schillingallee)

• die Abteilung Pneumologie und internistische

Intensivmedizin (Zentrum für Innere

Medizin, Campus Schillingallee)

Für Erwachsene bietet die Klinik für Neurologie

folgende Spezialambulanzen an: Ambulanz

für Neurogenetische Erkrankungen

(Kamm, Dudesek), Ambulanz für ALS und

andere Motoneuronerkrankungen (Prudlo)

und Ambulanz für Neuroimmunologische

Erkrankungen (Zettl, Winkelmann). Daneben

besteht in der Neurologischen Poliklinik

eine allgemeine neurologische Ambulanz

(Benecke und Mitarbeiter). Für Kinder

gibt es die Ambulanz für Neuromuskuläre

Erkrankungen des Kindes- und Jugendalters

(Häßler, Buchmann, Denecke). Die

Jahresberichte der Neuromuskulären Zentren

Neuromuskuläres Zentrum Mecklenburg-Vorpommern

Bereich Rostock

Diagnostik und Therapie der Atempum-

penschwäche bei Patienten mit neuromuskulären

Erkrankungen erfolgt ambulant

und stationär in der Abteilung Pneumonie

des Zentrums für Innere Medizin (Virchow,

Bier, Julius, Lommatzsch).

2011 gehörten 160 Patienten zum Stamm

der betreuten Patienten mit neuromuskulären

Erkrankungen der Neurologischen

Klinik. Die drei häufigsten Krankheitsgruppen

waren ALS (N=50), MG (N=40) und

SPG/HSP (N=30, davon 12 molekulargenetisch

gesichert). Von den 21 Patienten

mit Muskeldystrophien bzw. DM-1/2 sind

15 molekulargenetisch gesichert. Darüber

hinaus befinden sich zehn Patienten

mit molekulargenetisch erblichen Polyneuropathien,

hauptsächlich HMSN1A, in

unserer Behandlung. 20 nicht-invasiv beatmete

Patienten befinden sich in fortwährender

Betreuung.

Die Standorte Rostock/Greifswald gehören

dem Deutschen Zentrum für Neurodegenerative

Erkrankungen, DZNE e. V. in

der Helmholtz-Gemeinschaft an. Rostock

kooperiert im Rahmen der DZNE-Verbundprojekte

„ALS-FTD“ und „HSP“ mit den

Zentren Magdeburg, Tübingen, Bonn und

München.

Es bestehen darüber hinaus Kooperationen

zu den ALS-Ambulanzen in Berlin

und Bochum sowie zu humangenetischen

Einrichtungen in Rostock, Würzburg und

Tübingen. Rostock engagiert sich in der

deutschen ALS-Gruppe (DALSG).

Ende November 2011 verließ Herr Prof. Dr.

med. Dr. rer. nat. Jens Pahnke die Klinik

für Neurologie und wechselte an die Universität

Magdeburg. In dem von ihm geleiteten

Neuromuskulären Labor wurden

75


Neuromuskuläres Zentrum Mecklenburg-Vorpommern – Bereich Rostock

2011 70 Nerven- und Muskelbiopsien von

Erwachsenen und Kindern bearbeitet. Die

Zuweisungen erfolgten regional und überregional.

Der bisherige stellvertretende Leiter des

NMZ Rostock, Herr Prof. Dr. med. D. Haffner

verließ ebenfalls 2011 Rostock und

wechselte an das Zentrum für Kinderheilkunde

und Jugendmedizin der MHH Hannover.

Seit Ende des Jahres ist Herr PD Dr. med.

Johannes Prudlo kommissarischer Sprecher

des NMZ Mecklenburg-Vorpommern -

Standort Rostock.

Forschung

Die Rostocker Forschungsaktivitäten auf

dem Gebiet neuromuskulärer Erkrankungen

bezogen sich 2011 wesentlich auf

Motoneuronerkrankungen.

Die Datenerhebung der nationalen SBMA,

Typ Kennedy-Studie (Prudlo, Wegrzyn)

wurde 2011 abgeschlossen und erste Ergebnisse

auf der Jahrestagung der DGN in

Wiesbaden vorgestellt. Die Studie geht der

Frage nach, ob es Hinweise auf eine kognitive

Beeinträchtigung auch bei der Kennedy-Erkrankung

gibt und ob ggf. zerebral

ein MR-morphologisches Korrelat besteht.

Ein weiterer Forschungsansatz widmet

sich der Konnektivität im Marklager von

ALS-Patienten unter Berücksichtigung von

Spiegelbewegungen (Wittstock).

Im März 2011 begann das vom DZNE geförderte

Verbundprojekt Cognition in Motor

Neuron Diesease – DZNE ALS-FTD Initiative

der Zentren Rostock und Magdeburg,

das von Rostock aus koordiniert wird

(Prudlo, Kasper, Schuster). Ziel der Studie

ist es, zum Verständnis der frontotemporalen

Dysfunktion bei der ALS beizutragen.

Rostock ist bei einem weiteren Intersite

Project des DZNE beteiligt, dem DZNE He-

76

reditary Spastic Paraplegia Network. Ziel

dieses Verbundprojektes, das Ende 2011

begann, ist die Erforschung der molekulargenetischen

Grundlagen und des natürlichen

Krankheitsverlaufes verschiedener

Formen der Hereditären spastischen Paraplegien/HSP

anhand einer repräsentativen

Kohorte (Kamm).

Veranstaltungsinitiativen

Jahres-Mitgliederversammlung des DGM-

Landesverbands Mecklenburg-Vorpommern,

Schwerin 27.08.11; Vortrag (Prudlo)

zum Thema ALS

Update Neurologie, Rostock 19.11.11, darunter

Beiträge zu neuromuskulären Themen

(Prudlo, Kamm)

2. ALS-Gesprächskreis im Zentrum für

Nervenheilkunde, Rostock am 01.12.11 in

Zusammenarbeit mit dem DGM Landesverbands.

Gründung einer ALS-Gruppe

MV. Für die Selbsthilfe der ALS-Patienten

in MV wurden Fördermittel beantragt.

Wie in den Vorjahren fanden auch 2011 regelmäßige

neurologisch-pneumologische

Treffen im Universitätsklinikum statt, bei

denen informell über Beatmungsfragen

und Problempatienten, v. a. ALS-Patienten,

gesprochen wurde (Prudlo, Bier, Julius,

Lommatzsch)

______________________________________

Publikationen

Benecke R, Heinze A, Reichel G, Hefter H, Göbel

H; Dysport myofascial pain study group (2011) Botulinum

type A toxin complex for the relief of upper

back myofascial pain syndrome: how do fixed-location

injections compare with trigger point-focused

injections? Pain Med. 12: 1607-1614


Kamm C, Uflacker N, Asmus F, Schrader C, Wolters

A, Wittstock M, Pahnke J, Gasser T, Volkmann

J, Münchau A, Hagenah J, Benecke R, Klein C,

Lohmann K (2011) No evidence for THAP1/DYT6

mutations as a potential disease modifier in DYT1

dystonia. Mov Dis 26: 2136-2137

Lohmann K, Uflacker N, Erogullari A, Lohnau T,

Winkler S, Dendorfer A, Schneider SA, Osmanovic

A, Svetel M, Ferbert A, Zittel S, Kühn AA, Schmidt A,

Altenmüller E, Münchau A, Kamm C, Wittstock M,

Kupsch A, Moro E, Volkmann J, Kostic V, Kaiser FJ,

Klein C, Brüggemann N. Identification and functional

analysis of novel THAP1 mutations. Eur J Hum

Genet. 2011, Aug 17. doi: 10.1038/ejhg.2011.159.

Turner MR, Grosskreutz J, Kassubek J, Abrahams

S, Agosta F, Benatar M, Filippi M, Goldstein LH, van

den Heuvel M, Kalra S, Lulé D, Mohammadi B; First

Neuroimaging Symposium in ALS/NISALS (2011)

Towards a neuroimaging biomarker for amyotrophic

lateral sclerosis. Lancet Neurol 10: 400-403

Weber YG, Kamm C, Suls A, Kempfle J, Kotschet

K, Schüle R, Wuttke TV, Maljevic S, Liebrich J, Gasser

T, Ludolph AC, van Paesschen W, Schöls L, De

Jonghe P, Auburger G, and Lerche H (2011) Paroxysmal

choreoathetosis/spasticity (DYT9) is caused

by a GLUT1 defect. Neurology 77: 959-964.

Wittstock M, Meister S, Walter U, Benecke R, Wolters

A (2011) Mirror movements in amyotrophic lateral

sclerosis. Amyotroph Lateral Scler 12: 393-397

Wree A, Mix E, Hawlitschka A, Antipova V, Witt M,

Schmitt O, Benecke R (2011) Intrastriatal botulinum

toxin abolishes pathologic rotational behaviour and

induces axonal varicosities in the 6-OHDA rat model

of Parkinson‘s disease. Neurobiol Dis 41: 291-298

Jahresberichte der Neuromuskulären Zentren

77


Neuromuskuläres Zentrum Mecklenburg-Vorpommern – Bereich Vorpommern

Neuromuskuläres Zentrum Mecklenburg-Vorpommern

Bereich Vorpommern

Leiter/Sprecher: Prof. Dr. med. Ulf Schminke

Klinik und Poliklinik für Neurologie Universitätsmedizin

Greifswald der Ernst-Moritz-

Arndt-Universität

Ferdinand-Sauerbruch-Str., 17475 Greifswald

Tel.: 03834 / 86 6819, Fax: 03834 / 86 6806

E-Mail: Ulf.Schminke@uni-greifswald.de

Das Klinikum der Universitätsmedizin

Greifswald verfügt über Sprechstunden für

Patienten mit neuromuskulären Erkrankungen

in der Klinik für Neurologie, der Ab-

teilung Neuropädiatrie und Stoffwechselerkrankungen

der Klinik für Kinder- und Jugendmedizin

sowie im Institut für Humangenetik.

Darüber hinaus kooperieren im

Bereich Vorpommern die Institute für Pathologie

und Pathophysiologie, die Kliniken

für Innere Medizin mit den Bereichen Kardiologie,

Pneumologie und Rheumatologie,

die Kliniken für Orthopädie, Kinderchirurgie

und Neurochirurgie, das Zentrum für Zahn-,

Mund- und Kieferheilkunde sowie das Sozialpädiatrische

Zentrum Vorpommern und

die BDH-Klinik in Greifswald.

Personelle Veränderungen im Zentrum

keine

Forschungsaktivitäten

Im Bereich der Grundlagenforschung beschäftigt

sich eine Arbeitsgruppe des Insti-

tutes für Humangenetik zusammen mit

auswärtigen Partnern mit Laminopathien.

Das Greifswalder Institut ist Teil eines europäischen

Netzwerk (EURO-LAMINO-

PATHIES), das Zell- und molekularbiologische

Untersuchungen zur Aufklärung des

Pathomechanismus bei Laminopathien

durchführt, insbesondere solcher, die auf

78

Mutationen in LMNA- und ZMPSTE24-Gen

beruhen.

Das Greifswalder Institut für Pathophysiologie

beschäftigt sich mit der Erforschung

von Ionenkanälen von Muskelzellen und

konnte einen osmo-sensitiven Kathionen-

Kanal aus der Familie der Ionenkanäle mit

transienten Rezeptorpotenzialen im Skelettmuskel

von Mäusen nachweisen, der

für die Ermüdung von Skelettmuskeln eine

Rolle spielt.

Darüber hinaus beschäftigt sich eine Arbeitsgruppe

aus der Abteilung für Kieferorhtopädie

des Greifswalder Zentrums

für Zahn-, Mund- und Kiefererkrankungen

schwerpunktmäßig mit dem Einfluss von

Muskelerkrankungen auf den Kauapparat,

insbesondere wird die Rolle von oxidativem

Stresses in masticatorischen Muskeln

in Dystrophin-defizienten Mäusen

untersucht.

Im Bereich klinischer Forschung wird die

Rolle der Sonographie von Muskeln und

peripheren Nerven für die Diagnostik von

Muskelerkrankungen untersucht.

Neue diagnostische oder therapeutische

Möglichkeiten

An besonderen diagnostischen Möglichkeiten

bietet die humangenetische Arbeitsgruppe

im Rahmen des Neuromuskulären

Zentrums neben der üblichen genetische

Beratung von Betroffenen und deren Familien

sowie der Vermittlung der molekulargenetischen

Diagnostik von Muskelerkrankungen

die molekulargenetische Diagnostik

von Laminopathien an. Dazu gehört die

Molekulargenetik von LMNA und FHL1 bei

hereditären Neuropathien sowie bei EMD

(STA) bei progressiven Muskeldystrophien.

Das Institut für Humangenetik ist ein eta-


liertes molekulargenetisches Diagnostikzentrum

im nationalen Muskeldystrophie-

Netzwerk (MD-NET) für Mutationen im

Emerin (STA)- und LMNA-Gen assoziierten

Formen der EDMD. Anforderungen zur

Diagnostik werden sowohl aus Deutschland

als auch aus dem europäischen und

außereuropäischen Ausland bearbeitet.

An besonderen therapeutischen Maßnamen

ist das Greifswalder Drei-Phasen-Modell

für Patienten mit Muskelerkrankungen

etabliert. Im Drei-Phasen-Model besteht

eine enge Kooperation zwischen dem

Universitätsklinikum Greifswald als Akutklinikum,

der BDH Klinik Greifswald als

Rehabilitationszentrum und dem Berufsbildungswerk

Greifswald. Es bietet Menschen

mit Muskelerkrankungen sowohl eine medizinische

Diagnostik als auch eine Rehabilitationsbehandlung

und darauf aufbauend

eine berufliche Ausbildung an, wobei die

einzelnen Phasen der Wiedereingliederung

eng miteinander verzahnt sind. Das Modell

soll vor allem muskelkranken Jugendlichen

und Erwachsenen helfen, wieder einen

Platz im Berufsleben zu finden.

Fortbildungsveranstaltungen

1. Workshop: Transport Processes in Neurodegenerative

and Neuromuscular Diseases.

12.– 14.09.2011 in Greifswald.

Leitung Prof. Dr. H. Brinkmeier, PD. Dr. S.

Vogelgesang. Gefördert durch das 7. EU-

Forschungsrahmenprogramm der Europäischen

Kommission. Einer der Schwerpunkte

des Workshops war die Muskeldystrophie

vom Typ Duchenne. Das

Programm beinhaltete grundlegende

Fragen zu Transportprozessen durch die

Zellmembran, Mechanismen der Mus-

Jahresberichte der Neuromuskulären Zentren

kelfaser-Degeneration, Entwicklung der

Fibrose und neue molekulare Therapien.

2. Fortbildung zu Motoneuronerkrankungen.

Vortrag von Prof. Dr. R. Dengler am

16.09.2011 in Greifswald

3. Fortbildung zu mitochondrialen Erkran-

kungen. Vortrag von Prof. Zierz am

26.10.2011 in Greifswald

____________________________________

Publikationen aus dem Zentrum in 2011

Al-Haboubi T, Shumaker DK, Köser J, Wehnert M,

Fahrenkrog B. Distinct association of the nuclear

pore protein Nup153 with A- and B-type lamins.

Nucleus. 2011 Sep 1; 2(5): 500-9.

Brinkmeier H. TRP channels in skeletal muscle:

gene expression, function and implications for disease.

Adv Exp Med Biol. 2011; 704: 749-58.

Jørgensen LH, Blain A, Greally E, Laval SH, Blamire

AM, Davison BJ, Brinkmeier H, MacGowan GA,

Schrøder HD, Bushby K, Straub V, Lochmüller H.

Long-term blocking of calcium channels in mdx

mice results in differential effects on heart and skeletal

muscle. Am J Pathol. 2011 Jan; 178(1): 273-

83.

Kunert-Keil C, Gredes T, Lucke S, Morgenstern

S, Mielczarek A, Sporniak-Tutak K, Gedrange T,

Spassov A. Caveolin-1, caveolin-3 and VEGF expression

in the masticatory muscles of mdx mice.

Folia Histochem Cytobiol. 2011; 49(2): 291-8.

Meinke P, Nguyen TD, Wehnert MS. The LINC complex

and human disease. Biochem Soc Trans. 2011

Dec 1; 39(6): 1693-7.

Pritschow BW, Lange T, Kasch J, Kunert-Keil C,

Liedtke W, Brinkmeier H. Functional TRPV4 channels

are expressed in mouse skeletal muscle and

can modulate resting Ca2+ influx and muscle fatigue.

Pflugers Arch. 2011 Jan; 461(1): 115-22.

79


Neuromuskuläres Zentrum Mecklenburg-Vorpommern – Bereich Vorpommern

Spassov A, Gredes T, Gedrange T, Lucke S, Morgenstern

S, Pavlovic D, Kunert-Keil C. Differential

expression of myosin heavy chain isoforms in the

masticatory muscles of dystrophin-deficient mice.

Eur J Orthod. 2011 Dec; 33(6): 613-9.

Spassov A, Gredes T, Gedrange T, Lucke S, Pavlovic

D, Kunert-Keil C. The expression of myogenic

regulatory factors and muscle growth factors in the

masticatory muscles of dystrophin-deficient (mdx)

mice. Cell Mol Biol Lett. 2011 Jun; 16(2): 214-25.

Spassov A, Gredes T, Gedrange T, Pavlovic D, Lupp

A, Kunert-Keil C. Increased oxidative stress in dystrophin

deficient (mdx) mice masticatory muscles.

Exp Toxicol Pathol. 2011 Sep; 63(6): 549-52.

Spassov A, Gredes T, Lehmann C, Gedrange T,

Lucke S, Pavlovic D, Kunert-Keil C. Myogenic differentiation

factor 1 and myogenin expression not

elevated in regenerated masticatory muscles of

dystrophic (mdx) mice. J Orofac Orthop. 2011 Nov;

72(6): 469-475.

80


Der klinische Kooperationsverbund des

Neuromuskulären Zentrums (NMZ) Münster

(Westfalen)/Osnabrück behandelt neuromuskulär

erkrankte Patienten aus dem

Einzugsgebiet des Universitätsklinikums

Münster (UKM) und Osnabrück mit etwa 4

Millionen Einwohnern. Seit der Gründung

des NMZ im Jahr 1995 besteht eine enge

Verzahnung und Zusammenarbeit zwischen

den einzelnen Partnerinstitutionen

und innerhalb des UKM. Die folgenden Kliniken

und Institute sind am NMZ Münster

(Westfalen)/Osnabrück beteiligt:

• Klinik und Poliklinik für Neurologie des

UKM

(Direktor: Univ.-Prof. Dr. Dr. E. B. Ringelstein)

• Klinik und Poliklinik für Neurologie des

UKM – Sektion für Schlafmedizin und

ambulante Neurologie (Ltd. Arzt.: Univ.-

Prof. Dr. P. Young)

• Klinik und Poliklinik für Neurologie des

UKM - Abteilung für Entzündliche Erkran-

kungen des Nervensystems und Neuroonkologie

(Direktor: Univ.-Prof. Dr. H. Wiendl)

• Klinik und Poliklinik für Allgemeine Pädiatrie

des UKM

(Direktor: Univ.-Prof. Dr. H. Omran),

Abteilung für Neuropädiatrie

(Leiter: Univ.-Prof. Dr. G. Kurlemann)

• Klinik und Poliklinik für Neurochirurgie

des UKM

(Direktor: Univ.-Prof. Dr. W. Stummer)

• Klinik und Poliklinik für Allgemeine Orthopädie

des UKM

(Direktor: Univ.-Prof. Dr. G. Gosheger)

• Klinik und Poliklinik für Kinderorthopädie,

Fußchirurgie und Deformitätenrekonstruktion

des UKM

(Chefarzt: Prof. Dr. R. Rödl)

• Medizinische Klinik C des UKM, Kardiologie

und Angiologie

Jahresberichte der Neuromuskulären Zentren

Neuromuskuläres Zentrum Münster (Westfalen)/

Osnabrück

(Kommissarische Leitung: Univ.-Prof. Dr.

L. Eckhardt und Prof. Dr. H. Reinecke)

• Institut für Neuropathologie des UKM

(Direktor: Univ.-Prof. Dr. W. Paulus)

• Klinik für Neurologie des Städtischen Klinikums

Osnabrück

(Chefarzt: Prof. Dr. F. Stögbauer)

• Abteilung für Neurologie der Weserbergland-Klinik

Höxter

(Chefarzt: Dr. K. Dechant)

Personalia

Leiter des NMZ ist Univ.-Prof. Dr. med. P.

Young, leitender Oberarzt der Klinik für

Neurologie. Die Leitung des neurogenetischen

Labors und der 2008 neu geschaffenen

Sektion Schlafmedizin der Klinik und

Poliklinik für Neurologie liegt ebenfalls bei

Prof. Dr. Young. Seit dem 01.01.2009 ist

die Neuromuskuläre Ambulanz der Klinik

und Poliklinik für Neurologie in das Medizinische

Versorgungszentrum (MVZ) des

UKM integriert; ermächtigte Kassenärzte

sind hier Frau Dr. med. B. Stubbe-Dräger,

Herr Dr. med. M. Boentert und Herr Prof.

Dr. Young.

Assoziierte Mitglieder des NMZ Münster

(Westfalen)/Osnabrück

Seit November 2009 besteht eine assoziierte

Mitgliedschaft der Neuromuskulären

Sprechstunde am Klinikum Osnabrück zum

NMZ Münster (Westfalen). Diese wird in

Form einer Ermächtigungsambulanz zur

Diagnostik neuromuskulärer Erkrankungen

von Herrn Dr. med. F. Neumann (OA der

Neurologischen Klinik des Klinikums Osnabrück)

im KV- Zulassungsbezirk Osnabrück

auf Zuweisung von FÄ für Neurologie

und Nervenärzten geführt. Es ist die

Integration des Standortes Osnabrück in

81


Neuromuskuläres Zentrum Münster(Westfalen) / Osnabrück

das NMZ Münster (Westfalen) erfolgt. Das

NMZ trägt nun den Namen NMZ Münster

(Westfalen)/Osnabrück

In der Neurologischen Klinik der Asklepios

Weserberglandklinik in Höxter (Chefarzt

Dr. med. K. Dechant) wird eine auf neuromuskuläre

Erkrankungen spezialisierte

Rehabilitationsbehandlung bei Erwachsenen

und Kindern durchgeführt. Zu Beginn

steht ein Eingangsassessment mit dem

Ziel, die individuellen und z. T. standardisierten

Therapiemodule entsprechend des

muskulären Status und der Fähigkeitsstörungen

der Patienten zusammenzustellen.

Es kommen krankengymnastische Maßnahmen,

gerätegestützte Bewegungsthe-

rapie, physikalische Maßnahmen und

balneo-therapeutische Maßnahmen zum

Einsatz. Die Ergebnisse jeder Rehabilitation

werden evaluiert. Es werden Hilfsmittelanpassungen

beraten und diese können

erprobt werden. (Ergotherapie, Orthopädietechnik,

med. Schuhmacher). Es besteht

die Möglichkeit einer flankierenden

neurologischen, orthopädischen und internistischen

Diagnostik. Bei der Überleitung

zur gesellschaftlichen und beruflichen Teilhabe

werden Hilfen geleistet.

Forschungsaktivitäten

Die neurogenetische Arbeitsgruppe in der

Klinik und Poliklinik für Neurologie des

UKM wird weiterhin von Herrn Prof. Dr.

P. Young geleitet. In dieser Arbeitgruppe

werden insbesondere Genotyp-Phänotyp-

Korrelationen hereditärer Neuropathien

und die molekulare Pathologie peripherer

Nerven untersucht. Mittels verschiedener

transgener Maus-Modelle werden molekulare

Interaktionen zwischen peripher Glia

und Axonen untersucht. Desweiteren werden

in dieser Gruppen Techniken zur Ma-

82

nipulation der Genexpression in- vivo und

in-vitro weiterentwickelt. 2009 wurde unter

Federführung von Herrn Prof. Dr. Young die

erste Metaanalyse zur Therapie der HMSN

in der Cochrane Libery in Kooperation mit

dem Neuromuscular-Disease Center in

Naarden (Niederlande) publiziert.

Die Arbeitsgruppe wird aktuell durch die

DFG und das IMF-Programm der Universität

gefördert.

Es bestehen weiterhin übergreifende Forschungsprojekte

mit der Sektion Schlafmedizin.

Dabei werden insbesondere schlaf-

bezogene Atmungsstörungen bei verschie-

denen neuromuskulären Erkrankungen

und weitere Ursachen einer verminderten

Schlafqualität bei betroffenen Patienten

untersucht. Einen Schwerpunkt stellen

hier erneut die hereditären Neuropathien

(HMSN), aber auch der Morbus Pompe

und die amyotrophe Lateralsklerose dar.

Diese Arbeiten werden z. T. durch das IMF

der Medizinischen Fakultät gefördert.

Fortbildungsveranstaltungen

In Zusammenarbeit mit der Fortbildungsakademie

der Ärztekammer Westfalen-

Lippe und der Arbeitsgemeinschaft Neuromedizin

an der WWU Münster werden

regelmäßig interdisziplinäre Fortbildungsveranstaltungen

und Workshops zu neuromuskulären

und neurogenetischen Themen

angeboten. Weiterhin finden zudem

regelmäßige neuromuskuläre Falldemonstrationen

und interdisziplinäre neuropathologisch-neuromuskuläre

Demonstrationen

statt. Daneben nahmen Referenten des Muskelzentrums

erneut an zahlreichen Fortbildungsveranstaltungen

in auswärtigen Zentren

teil, u. a. auch bei der Fortbildungsakademie

der Deutschen Gesellschaft für

Neurologie.


Publikationen 2010/11 zu neuromuskulären Themen

(aus der Klinik und Poliklinik für Neurologie

des UKM)

Boentert M, Young P. Fatigue, exzessive

Tagesschläfrigkeit und schlafbezogene

Atmungsstörungen bei myotonen Dystrophien.

Somnologie, 2011; 5: 47-52.

Gess B, Röhr D, Fledrich R, Sereda MW,

Kleffner I, Humberg A, Nowitzki J, Strecker

JK, Halfter H, Young P. Sodium-dependent

vitamin C transporter 2 deficiency causes

hypomyelination and extracellular matrix

defects in the peripheral nervous system.

J Neurosci. 2011; 31: 17180-92.

Duning T, Warnecke T, Schirmacher A,

Schiffbauer H, Lohmann H, Mohammadi

S, Young P, Deppe M. Specific pattern of

early white-matter changes in pure hereditary

spastic paraplegia. Mov Disord. 2010;

25: 1986-92.

Boentert M, Dziewas R, Heidbreder A,

Happe S, Kleffner I, Evers S, Young P. Fatigue,

reduced sleep quality and restless

legs syndrome in Charcot-Marie-Tooth disease:

a web-based survey. J Neurol 2010;

257: 646-52.

Gess B, Lohmann C, Halfter H, Young P

Sodium-dependent vitamin C transporter

2 (SVCT2) is necessary for the uptake of

L-ascorbic acid into Schwann cells. Glia

2010; 58: 287-99.

Kleffner I, Schirmacher A, Gess B, Boentert

M, Young P. Four novel mutations of

the myelin protein zero gene presenting as

a mild and late-onset polyneuropathy. J

Neurol 2010; 257: 1864-8.

Warnecke T, Duning T, Schirmacher A,

Mohammadi S, Schwindt W, Lohmann

H, Dziewas R, Deppe M, Ringelstein EB,

Jahresberichte der Neuromuskulären Zentren

Young P A novel splice site mutation in

the SPG7 gene causing widespread fiber

damage in homozygous and heterozygous

subjects. Mov Disord 2010; 25: 413-20.

Betreuungsstrukturen

An der Klinik und Poliklinik für Neurologie

des Universitätsklinikums Münster werden

erwachsene neuromuskulär erkrankte Patienten

in enger Abstimmung zwischen

Poliklinik, stationärem und teilstationärem

Bereich und den Abteilungen für Krankengymnastik

und Ergotherapie sowie in Zusammenarbeit

mit den anderen beteiligten

Instituten und Kliniken des NMZ diagnostiziert,

behandelt und teilweise langfristig

betreut. Neu hinzugekommen ist eine Tagesklinik

mit derzeit 6 Behandlungsplätzen,

in der auch neuromuskuläre Patienten

unter bestimmten Voraussetzungen diagnostiziert

und behandelt werden können.

Ebenfalls neu hinzugekommen ist eine

neurogenetische Sprechstunde mit dem

Schwerpunkt hereditäre Neuropathien.

Wesentlich verbessert hat sich die Versorgung

schwerstkranker neuromuskulärer

Patienten, da die Kapazität der klinikeigenen

Intensivstation auf 13 Beatmungsplätze

erweitert wurde und zunehmend

Patienten mit neuromuskulär bedingten

Hypoventilationssyndromen auf eine nichtinvasive

Heimbeatmung eingestellt werden

können.

Neuromuskuläre Ambulanz der Klinik für

Neurologie

Die Neuromuskuläre Ambulanz der Klinik

und Poliklinik für Neurologie ist Teil des

MVZ am Universitätsklinikum Münster. Die

Sprechstunde ist offen für erwachsene Patienten

aus dem gesamten Spektrum der

neuromuskulären Erkrankungen. Einen be-

83


Neuromuskuläres Zentrum Münster(Westfalen) / Osnabrück

sonderen Schwerpunkt stellt die medizinische

und sozialmedizinische Betreuung

von Patienten mit hereditären Neuropathien,

amyotropher Lateralsklerose, myotoner

Dystrophie und Morbus Pompe dar.

Patienten mit Myasthenia gravis und inflammatorischen

Polyneuropathien werden

zukünftig in Kooperation mit der Abteilung

für entzündliche Erkrankungen des Nervensystems

(Direktor: Univ.-Prof. Dr. med. H.

Wiendl) am UKM betreut. Für Patienten mit

hereditären Neuropathien (HMSN) hat die

Ambulanz ihren überregionalen Einzugsbereich

weiter ausgebaut. Für Patienten mit

Morbus Pompe hat das NMZ ebenfalls regionalen

Zentrumscharakter erlangt, da mittlerweile

22 Patienten regelmäßig betreut

werden. Das NMZ deckt in Zusammenarbeit

mit dem Institut für Neuropathologie

und der Klinik für Neurochirurgie des UKM

alle diagnostischen Basisuntersuchungen

ab (Neurophysiologie, Labordiagnostik,

Muskelbiopsie). Zahlreiche molekulargenetische

Untersuchungen können im neurogenetischen

Labor der Klink und Poliklinik

für Neurologie durchgeführt werden. In der

langfristigen Versorgung von Patienten mit

neuromuskulären Erkrankungen kooperiert

die Ambulanz mit der orthopädischen

und kardiologischen Universitätsklinik, der

Physiotherapie-Abteilung und den orthopädischen

Werkstätten des UKM. Ferner

ist eine enge Zusammenarbeit mit ambulanten

und stationären Rehabilitationseinrichtungen

sowie niedergelassenen Fachärzten

gewährleistet. Die institutionelle

Nähe unserer Neuromuskulären Ambulanz

zum Schlaflabor der Klinik für Neurologie

eröffnet die häufig genutzte Möglichkeit,

auch neuromuskulär erkrankte Patienten

mit Schlafstörungen oder einer exzessiven

Tagesschläfrigkeit schlafmedizinisch zu

untersuchen und optimal zu behandeln.

Dieser Schwerpunkt konnte durch die

84

nochmalige Erweiterung des Schlaflabors

auf insgesamt 12 Betten im Jahr 2009 weiter

gestärkt werden. Die Zahl der Patienten

mit neuromuskulären Erkrankungen, die in

der Sektion Schlafmedizin auf eine Heimbeatmung

eingestellt werden, ist weiter

steigend.

Die intensive Zusammenarbeit mit dem Institut

für Neuropathologie (Direktor: Univ.-

Prof. Dr. W. Paulus) wurde ausgebaut. In

regelmäßigen neurohistologischen Konferenzen,

bei denen alle aktuellen Muskelbiopsien

am Diskussionsmikroskop demonstriert

und gemeinschaftlich diskutiert

werden, kommen verschiedene Mitglieder

des NMZ zusammen. Ebenfalls direkt im

Hause kann ein großer Teil der molekulargenetischen

Diagnostik hereditärer Neuropathien

und anderer neuromuskulärer

Krankheiten im Labor für Neurologische

Molekulardiagnostik der Klinik und Poliklinik

für Neurologie erfolgen.

In Ergänzung zu der bewährten Zusammen-

arbeit mit den Kliniken für Neurochirurgie

(Nerv- und Muskelbiopsien) und Orthopädie,

der Medizinischen Klinik C - Kardiologie

(Herzmuskelbeteiligung bei Myopathien)

und dem Institut für Humangenetik

(Diagnostik und humangenetische Beratung)

konnte insbesondere die Zusammenarbeit

mit der Klinik und Poliklinik für Thorax-,

Herz- und Gefäßchirurgie (Direktor:

Prof. Dr. H.H. Scheld; Thymektomie bei

Myasthenia gravis) gefestigt werden.

In Kooperation mit dem Bereich Psychosomatik

der Kinderklinik unter Leitung von

Prof. Dr. E. Kammerer bestehen Möglich-

keiten einer neuropsychologischen Diagnostik

und eventuellen psychisch Betreuung

betroffener Kinder. In der Patientenversorgung

besteht eine enge Kooperation für

die Orthesenversorgung mit der Klinik für

Technische Orthopädie unter der Leitung


von Prof. Dr. Wetz. Eine neue Kooperation

hat sich mit der Klinik für Kinderthopädie,

Fußchirurgie und Deformitätenrekonstruktion

in der operativen Versorgung neuromuskulär

bedingter Fußdeformitäten ergeben

(Prof. Dr. R. Rödl). Die Patienten mit

Fußdeformitäten aus der neurogenetischen

Sprechstunde werden hier interdisziplinär

betreut.

Neuropädiatrie

Das neuropädiatrische Team in der Klinik

für Allgemeine Pädiatrie des UKM ist spezialisiert

auf die Diagnose und Behandlung

neuromuskulärer Erkrankungen. Dies erfordert

einen interdisziplinären Ansatz und

enge Zusammenarbeit mit den Kollegen

der pädiatrischen Pulmonologie (Lungenheilkunde)

und Kardiologie, der Klinik für

Kinderorthopädie, Klinik für Neurologie und

anderen. Zusätzlich zur Muskeldystrophie

Duchenne, kongenitalen, erworbenen und

entzündlichen Myopathien werden hereditäre

Neuropathien, Motoneuron- Erkran-

kungen und Erkrankungen der neuromuskulären

Synapse entsprechend neuesten

wissenschaftlichen Standards diagnosti-

ziert und behandelt. Die folgenden Untersuchungsmöglichkeiten

stehen zur Verfügung:

Laboruntersuchungen, insbes. mole-

kulargenetische Diagnostik, Neurophysiologie,

Ultraschall und Kernspintomographie

der Muskulatur, Echokardiographie

und EKG, Nerven-, Muskelbiopsie, Lungenfunktionsprüfung,

Laryngo-, Tracheo-,

Bronchoskopie, Stoffwechseldiagnostik.

Um die Therapie neuromuskulärer Erkrankungen

stetig optimieren zu können, ist

die Kinderklinik an neuromuskulären Forschungsprojekten

beteiligt oder hat diese

selbst initiiert.

Im Zentrum der Aufmerksamkeit stehen

Jahresberichte der Neuromuskulären Zentren

das Kind und seine Familie mit deren individuellen

Bedürfnissen im Kontext der neuromuskulären

Erkrankung. Das Team der

Neuropädiatrie arbeitet eng mit den betrof-

fenen Familien zusammen und ist Ansprechpartner

bei allen aufkommenden Fragen.

Selbsthilfeaktivitäten

Es besteht weiterhin enger Kontakt mit

den Landesverbänden Niedersachsen und

Nordrhein-Westfalen der DGM, der Untergruppe

Peroneale Muskelatrophie der

DGM und der Internetseite www.hmsn.de.

Report erstellt von

Dr. Matthias Boentert und

Prof. Dr. Peter Young

85


Neuromuskuläres Zentrum Nordrhein

Neuromuskuläres Zentrum Nordrhein

Nach wie vor sind die Rahmenbedingungen

für die ambulante Tätigkeit in den Neuromuskulären

Zentren unübersichtlich. Wenn

auch in einigen Standorten im Bereich Nord-

rhein bereits ambulante Leistungen nach

§ 116b SGB V abgerechnet wurden, so ist

immer noch nicht sicher, ob diese in Rechnung

gestellten Leistungen auch vergütet

werden. Die Mitglieder des Neuromuskulären

Zentrums Nordrhein haben auch in

2011 wieder 3 Arbeitssitzungen abgehalten,

die jeweils von etwa 20 Mitgliedern besucht

wurden und mit jeweils etwa 6 multidisziplinären

Fallvorstellungen bestückt

waren. Hier kamen die klinischen, neurophysiologischen,

neuropathologischen und

genetischen Gesichtspunkte zur Sprache

und wurden lebhaft diskutiert. Dank der Bemühungen

von Frau PD Dr. Neuen-Jacob

wurden die Sitzungen des Neuromuskulären

Zentrums von der Ärztekammer Nord-

rhein als Qualitätszirkel anerkannt, was

einerseits die Vergabe von CME Punkten

ermöglicht und andererseits die Veranstaltungen

weiter aufwertet. Die Arbeitstreffen

haben einen sehr positiven Effekt auf die

Zusammenarbeit der verschiedenen beteiligten

Kliniken und Institute im Bereich

Nordrhein.

1. Aachen

a) Institut für Humangenetik der RWTH

Aachen

Ansprechpartner für das Neuromuskuläre

Zentrum: Prof. Dr. Klaus Zerres

(kzerres@ukaachen.de),

Prof. Dr. Sabine Rudnik-Schöneborn

(srudnik-schoeneborn@ukaachen.de)

(Tel.: 0241/80 80178, Fax: 0241/80 82580)

Die diagnostischen und wissenschaftlichen

Schwerpunkte im Bereich neuromuskulärer

86

Erkrankungen im Jahr 2011 haben sich

nicht wesentlich verändert. Den Stand der

Diagnostik bei den spinalen Muskelatrophien

haben wir in einer aktuellen Übersicht

2011 dargestellt (Rudnik-Schöneborn

und Zerres 2011). Aus differenzialdiagnostischen

Überlegungen haben wir unser

molekulardiagnostisches Angebot auf die

Repeaterkrankungen myotone Dystrophie,

bulbospinale Muskelatrophie Typ Kennedy

und die spinocerebellären Ataxien (SCA)

erweitert.

Im Bereich der Forschung haben wir uns intensiv

mit Erfahrungen und Empfehlungen

für die Begleitung von Schwangerschaften

bei Frauen mit neuromuskulären Erkrankungen

beschäftigt, nachdem wir hierzu

Ende 2010 zusammen mit Dr. Fiona Norwood

aus London einen Experten-Workshop

über das European Neuro Muscular

Centre (ENMC) organsiert haben. Die Ergebnisse

sind im Mai 2011 als Workshop-

Report veröffentlicht worden (Norwood

und Rudnik-Schöneborn 2011).

Im Berichtszeitraum haben wir außerdem

zusammen mit der Arbeitsgruppe von

Herrn Prof. Müller in Gießen eine seltene

Familie beschrieben, bei der eine erbliche

Dystonie zusätzlich durch eine genetisch

unabhängige hereditäre Neuropathie Typ

1A kompliziert wurde (Zirn et al. 2011).

Zunehmend zeigen sich klinische und genetische

Übergänge zwischen den spina-

len Muskelatrophien und den Motoneuronerkrankungen

mit Beteiligung des ersten

motorischen Neurons und der Pyramidenbahn.

So haben wir bei einer Familie,

die uns über viele Jahre als autosomal dominante

spinale Muskelatrophie bekannt

war, schließlich eine Mutation im SETX-

Gen (verantwortlich für juvenile ALS4, Ataxie

mit okulomotorischer Apraxie Typ 2)


nachgewiesen, wodurch sich das klinische

Spektrum der durch SETX-Mutationen verursachten

Störungen erweitert hat (Rudnik-Schöneborn

et al. 2011).

Mit dem TRPV4-Gen wurde kürzlich die

Ursache für verschiedene neurogene Muskelatrophien

(CMT2C, skapuloperoneale

SMA, kongenitale distale SMA) und seltene

Skelettdysplasien geklärt, bei denen

sich durch die Mutationen mehrheitlich ein

Zugewinn an Proteinfunktion (Kationenkanal)

ergab. Mit Hilfe einer von uns rekrutierten

Familie konnte in Zusammenarbeit mit

einer australischen Arbeitsgruppe belegt

werden, dass eine Loss of function-Mutation

im TRPV4-Gen zu einer fortschreitenden

Arthropathie in Verbindung mit einer Brachydaktylie

führt (Lamandé et al. 2011).

______________________________________

Literatur

Lamandé SR, Yuan Y, Gresshoff IL, Rowley L, Belluoccio

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Jahresberichte der Neuromuskulären Zentren

b) Neurologie und Neuropädiatrie

Neuromuskuläre Ambulanz (Erwachsene):

PD Dr. med. Kristl Claeys

Klinik für Neurologie

Direktor: Univ.-Prof. Dr. med. J.B. Schulz

Universitätsklinikum der RWTH Aachen

Pauwelsstraße 30, 52074 Aachen

Tel.: 0241 / 8089605

Fax: 0241 / 803389605

E-Mail: kclaeys@ukaachen.de

Neuropädiatrische Ambulanz

(bis zum 17. Lebensjahr):

Prof. Dr. med. M. Häusler

Klinik für Kinder- und Jugendmedizin

Direktor: Prof. Dr. N. Wagner

Universitätsklinikum der RWTH Aachen

Pauwelsstraße 30, 52074 Aachen

Tel.: 0241 / 8088773

Fax: 0241 / 8082484

Die Neurologische Klinik (Direktor: Univ.

Prof. Dr. Jörg Schulz) und die Neuropädiatrische

Ambulanz der Klinik für Kinder-

und Jugendmedizin (Direktor: Univ. Prof.

Dr. Norbert Wagner) am Universitätsklinikum

der RWTH Aachen (UKA) bieten eine

Spezialsprechstunde für neuromuskuläre

Erkrankungen an. Die Arbeit dieser Ambulanz

konzentriert sich auf Erwachsene, Kinder

und Jugendliche mit verschiedensten

neuromuskulären Erkrankungen wie Myopathien,

(Poly)Neuropathien, Myasthene

Erkrankungen und Erkrankungen der Moto-

neurone. Aufgaben dieser Spezialsprechstunde

sind die Stellung einer exakten

Diagnose, die Entwicklung eines Therapiekonzeptes

sowie die Optimierung der

weiteren ärztlichen und nicht-ärztlichen

Betreuung. Die wichtigsten Ziele sind die

Verbesserung der Lebensqualität, die Ver-

zögerung bzw. die Vermeidung des Krankheitsfortschritts

sowie die Behandlung von

87


Neuromuskuläres Zentrum Nordrhein

Komplikationen. Wenngleich für viele neuromuskuläre

Erkrankungen aktuell noch

keine ursächliche Therapie möglich ist,

können die verschiedenen Symptome dennoch

medikamentös, mittels Physiotherapie,

Ergotherapie, Logopädie und mit an-

deren Behandlungsformen gelindert werden.

Dazu arbeiten wir in unserer neuromuskulären

Ambulanz multidisziplinär mit

vielen Kolleginnen und Kollegen aus unter-

schiedlichen Bereichen zusammen. Weiterhin

führen wir im Rahmen unserer Neuromuskulären

Ambulanz bei den erwachsenen

Patienten und bei Kindern mit einer

Chronisch Inflammatorischen Demyelinisierenden

Polyneuropathie oder CIDP die

intravenösen Behandlungen mit Immunglobulinen

ambulant durch. In Zusammenarbeit

mit den Neurochirurgen besteht die

Möglichkeit Baclofen-Pumpe zu setzen.

Das Neuromuskuläre Zentrum in Aachen

trägt das Gütesiegel der Dt. Gesellschaft

für Muskelkranke.

Wissenschaftlich kooperiert unser Zentrum

lokal und überregional mit verschiedenen

Arbeitsgruppen, beispielsweise zu Myopathien,

zur Amyotrophen Lateralsklerose

(ALS), zu Charcot-Marie-Tooth Neuropathien

(CMT) und zu Spinalen Muskelatrophien

(SMA). Frau PD Dr. med. K. Claeys

betreut zur Zeit Forschungsprojekte über

Myopathien mit tubulären Aggregaten

sowie myofibrilläre, kongenitale, auto-immun-induzierte

entzündliche und Statin-

induzierte Myopathien.

c) Institut für Neuropathologie

Institut für Neuropathologie

Direktor: Univ.-Prof. Dr. med. J. Weis

Universitätsklinikum Aachen

Pauwelsstrasse 30, 52074 Aachen

88

Tel.: 0241 / 8089428

Fax: 0241 / 8082416

E-Mail: neuropathologie@ukaachen.de

www.neuropathologie.ukaachen.de

Das Institut erhält jährlich mehr als 1.500

Einsendungen von Muskel-, Nerven- und

Hautbiopsien aus dem UK Aachen sowie

von zahlreichen regionalen und überregionalen

Kooperationspartnern aus Deutschland

und angrenzenden Ländern. Die

Biopsate werden von uns analysiert, um

neuromuskuläre Krankheiten zu diagnostizieren,

darunter entzündliche und erbliche

Muskel- und Nervenerkrankungen. Wir

setzen für diese Untersuchungen histologische,

immunhistochemische und mole-

kularpathologische Methoden ein. Hautbiopsien

werden vor allem deswegen untersucht,

um spezielle Erkrankungen der

kleinen Hautnervenfasern (small fiber neuropathy)

zu diagnostizieren. Ein weiterer

Focus des Instituts sind die elektronenmikroskopischen

Untersuchungen, die wir

jährlich an mehr als 200 Muskel- und Nervenbiopsien

durchführen. J. Weis ist Leiter

des Referenzzentrums für Neuromuskuläre

Krankheiten bei der Deutschen Gesellschaft

für Neuropathologie und Neuroanatomie

(DGNN) und untersucht in dieser

Eigenschaft konsiliarisch zahlreiche Fälle

verschiedenster Einsender.

In seiner wissenschaftlichen Arbeit ist das

Institut auf die Erforschung der Pathologie

neuromuskulärer Krankheiten sowie der

Mechanismen der Nervenfaserregeneration

ausgerichtet. Die Projekte werden u.a.

von der Deutschen Gesellschaft für Muskelkranke,

der Deutschen Forschungsgemeinschaft

(DFG), dem Bundesministerium

für Bildung und Forschung (BMBF),

der Belgian Science Policy (BelSPo) und

dem IZKF Aachen unterstützt. Das Insti-


tut ist wesentlich am Europäischen Graduiertenstudiengang

EURON sowie am

EU-geförderten neurowissenschaftlichen

Masterprogramm „European Master in

Neuroscience“ (EMIN) beteiligt. J. Weis

koordiniert einen Forschungsverbund zum

Thema „Distale Axonopathien“, dem vier

Institutionen der RWTH Aachen einschließlich

des Instituts für Neuropathologie angehören.

Dieser Verbund wird durch das

Interdisziplinäre Zentrum für klinische Forschung

(IZKF) der RWTH gefördert.

Das im Jahr 2007 gegründete „Aachen-

Maastricht Neuromuscular Center“ hat

seine Arbeit mit regelmäßigen monatlichen

Fallkonferenzen fortgesetzt. J. Weis hat

2011 die Fallkonferenz des Referenzzentrums

für Neuromuskuläre Krankheiten

im Rahmen des Kongresses des wissenschaftlichen

Beirates der Deutschen Gesellschaft

für Muskelkranke in Ulm sowie

(zusammen mit B. Schoser, München) den

Fortbildungskurs zum Thema „Muskelkrankheiten“

anlässlich der Jahrestagung

der Deutschen Gesellschaft für Neurologie

in Wiesbaden organisiert.

2. Bonn

Klinik und Poliklinik für Neurologie

der Universität Bonn

Leiter: Prof. Dr. med. T. Klockgether,

Direktor der Klinik und Poliklinik für Neurologie,

Universitätsklinikum Bonn

Sigmund-Freud-Str. 25, 53105 Bonn

Zentrum für Seltene Erkrankungen Bonn

(ZSEB): Dr. rer. nat. C. Stieber, Koordination

ZSEB, Universitätsklinikum Bonn/Forschungszentrum

Life & Brain,

Tel.: 0228 / 287-51070; PD Dr. C. Kornblum,

Sprecherin des Zentrums für seltene neurologische

Bewegungsstörungen, Muskelerkran-

Jahresberichte der Neuromuskulären Zentren

kungen und Epilepsien

Tel.: 0228 / 287-15714 (9.00-12.00 Uhr)

Allgemeine Sprechstunde für Muskelerkrankungen:

OÄ PD Dr. C. Kornblum, OA Dr. J. Reimann,

Dr. D. Anhuf, Th. Dold; S. Laaß

Tel.: 0228 / 287-15714 (9.00-12.00 Uhr)

Spezialambulanz für Mitochondriale Erkrankungen

und Myotone Dystrophien:

OÄ PD Dr. C. Kornblum

Tel.: 0228 / 287-15714 (9.00-12.00 Uhr)

Spezialambulanz für Amyotrophe Lateralsklerose

(ALS) und andere Motoneuronerkrankungen:

OA Prof. Dr. M.T. Heneka, Dr. D. Kurzwelly

Tel.: 0228 / 287-15714 (9.00-12.00 Uhr)

-13091 (13-15h)

Muskellabor: Organisatorische Leitung: OÄ

PD Dr. C. Kornblum; Ärztliche Mitarbeiter: OA

Dr. J. Reimann, Dr. D. Anhuf, Th. Dold; S. Laaß;

TA: K. Kappes-Horn, K. Tolksdorf, M. Stepien-

Mering

Tel.: 0228 / 287-16391

Diagnostik und Therapie von Patienten mit

neuromuskulären Erkrankungen sind seit

1982 ein Schwerpunkt der Neurologischen

Universitätsklinik Bonn. Mitochondriale

Erkrankungen und Myotone Dystrophien

bilden einen klinischen und wissenschaftlichen

Fokus der Klinik. Im Zentrum der

Arbeiten von Frau PD Dr. Kornblum stehen

klinische, genetische und biochemische

Analysen zur Genotyp-Phänotyp Variabilität

mitochondrialer Erkrankungen. Eine

2009 begonnene Studie zu Klinik und Genetik

isolierter mitochondrialer Myopathien

(IMM) wird fortgesetzt. Darüber hinaus

werden aktuell verschiedene Gruppen von

Myopathien in Hinblick auf mitochondriale

89


Neuromuskuläres Zentrum Nordrhein

Funktionsstörungen und Veränderungen

des mitochondrialen Genoms untersucht.

Weitere Schwerpunkte umfassen Untersuchungen

zur ZNS-Beteiligung multisys-

temischer Muskelerkrankungen, es werden

neuropsychologische Diagnostik und

zerebrale Bildgebungsprojekte durchgeführt.

Eine Neuroimaging-Verlaufsstudie

bei Patienten mit Myotoner Dystrophie

Typ 1 und Typ 2 ist in Planung, eine internationale

Kooperation mit Klinikern und

Wissenschaftlern, die die ZNS-Affektion

bei Myotonen Dystrophien untersuchen,

wurde aufgebaut. Untersuchungen zu mitochondrialen

Erkrankungen und Epilepsien

stellen einen weiteren Fokus dar. Die

Neurologische Universitätsklinik Bonn ist

Zentrum des horizontalen klinischen Netzwerkes

für mitochondriale Erkrankungen

(MITONET), einem durch das Bundesministerium

für Bildung und Forschung (BMBF)

geförderten bundesweiten Forschungsprojektes,

eine weitere Förderperiode über 3

Jahre (ab 2012) ist in diesem Jahr bewilligt

worden. Patienten mit mitochondrialen Erkrankungen

werden seit 2009 fortlaufend

über unsere Spezialambulanz in das nationale

MITONET-Register aufgenommen.

Die Arbeitsgruppe von Herrn Dr. Reimann

beschäftigt sich mit Fragestellungen der

Muskelregeneration, u. a. zur Charakterisierung

der Satellitenzellaktivierung am Mausmodell

und zur Interaktion von Makrophagen

und Myoblasten im humanen Muskel.

Ambulante Behandlung von Patienten mit

adultem M. Pompe mit Enzymersatztherapie

sowie Einschluss und Teilnahme dieser

Patienten an einer multizentrischen nationalen

Verlaufsstudie werden fortgesetzt. Es

besteht eine enge Kooperation mit der hiesigen

neuroimmunologischen AG (OA PD

Dr. M. Müller), in einem wissenschaftlichen

Projekt werden Makrophagenpopulationen

90

in verschiedenen Myopathien und Myositiden

charakterisiert. Die Neurologische

Klinik bietet eine Spezialambulanz für ALS

und andere Motoneuronerkrankungen an,

über die auch klinische Therapiestudien

durchgeführt werden. Schwerpunktmäßige

lokale Kooperationen der neuromuskulären

Arbeitsgruppe Bonn bestehen mit

dem Neurochemischen Labor Prof. Dr.

Kunz, Epileptologische Universitätsklinik

Bonn/Life&Brain Center, der Epileptologischen

und Radiologischen Universitätsklinik

Bonn, der Augenklinik der Universität

Bonn, dem Institut für Zellbiologie

der Universität Bonn und dem Institut für

Vegetative Physiologie der Universität zu

Köln, Prof. Dr. Wiesner. Anfang 2011 wurde

das Zentrum für Seltene Erkrankungen

Bonn (ZSEB) offiziell eröffnet. Neuromuskuläre

Erkrankungen sowie mitochondriale

Erkrankungen stellen einen Schwerpunkt

innerhalb des Zentrums für seltene neurologische

Bewegungsstörungen, Muskelerkrankungen

und Epilepsien des ZSEB dar.

______________________________________

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3. Düsseldorf

a) Universitätsklinikum Düsseldorf

Neurologische Klinik

Direktor: Prof. Dr. H.-P. Hartung

Ansprechpartner: OA Prof. Dr. S. Jander,

OA Prof. Dr. B. Kieseier, Dr. H. Lehmann,

R. Fröhlich

Anmeldung für die Spezialambulanzen:

Tel.: 0211 / 811-7887, Fax: 0211 / 811-6282

www.neurologie.uni-duesseldorf.de

Jahresberichte der Neuromuskulären Zentren

Die Neurologische Klinik bietet Spezialsprechstunden

für neuromuskuläre Erkrankungen

sowie autoimmun bedingte

neuromuskuläre Übertragungsstörungen

(Myasthenia gravis, Lambert Eaton Syndrom,

Neuromyotonie) an. Daneben exis-

tiert ein umfangreicher Forschungsschwerpunkt

zur Pathogenese neuromuskulärer

Erkrankungen. Schwerpunkt sind hierbei

entzündliche Prozesse und Mechanismen

der Nervenregeneration.

Schwerpunkt der Neuromuskulären Sprech-

stunde (Leitung: Prof. Dr. S. Jander) sind

entzündliche und autoimmun bedingte

Neuropathien und Myopathien sowie hereditäre

Erkrankungen von Nerv und Muskel.

Molekulargenetische Untersuchungen bei

Verdacht auf HSMN und HNPP werden

im Labor der Klinik durchgeführt. Wir stehen

als Referenzlabor für die Neurografie-

und EMG-Diagnostik zur Mitbeurteilung

schwieriger neuromuskulärer Differentialdiagnosen

auf Zuweisung der niedergelassenen

neurologischen Kollegen zur Verfügung.

Neben der stationären Behandlung

können wir nach individueller Kostenzusage

immunmodulatorische Therapien auch

ambulant im hiesigen interdisziplinären

ambulanten Therapiezentrum durchführen.

Es besteht eine enge Zusammenarbeit mit

den hiesigen Instituten für Neuropathologie

und Humangenetik sowie der Klinik für

Rheumatologie.

Der Myasthenie-Schwerpunkt (Leitung:

Prof. Dr. S. Jander) betreut als überregionales

Zentrum pro Jahr ca. 400 Patienten.

Hierbei kommt der Myasthenie-Sprechstunde

eine wichtige Funktion in der Verzahnung

der stationären und ambulanten

Behandlung zu. Die Klinik ist Referenzlabor

für spezielle elektrodiagnostische Verfahren

inkl. Einzelfaser-EMG und die Bestimmung

91


Neuromuskuläres Zentrum Nordrhein

der Acetylcholin-Rezeptor-Autoantikörper.

Die Arbeitsgruppe für klinische und experimentelle

Neuroimmunologie (Leitung: Prof.

Dr. B. Kieseier) beschäftigt sich mit Fragen

der Pathogenese immunvermittelter

Erkrankungen des peripheren Nervensystems

und des Muskels. Durch die Charakterisierung

spezifischer Proteasen und

chemotaktischer Signale konnten potenzielle

Zielstrukturen einer gezielten Immuntherapie

definiert und in verschiedenen

Tiermodellen bereits erfolgreich gehemmt

werden.

Die Arbeitsgruppe für translationale Gliazellforschung

(Leitung: PD Dr. P. Küry)

studiert das Differenzierungs- und Degenerationsverhalten

myelinisierender Glia-

zellen in Folge von Verletzungen und Krank-

heiten des Nervensystems. Über den Vergleich

dieser Prozesse im PNS und ZNS

sollen neue Wege zur Regeneration von

Myelinstrukturen identifiziert werden. Aktuell

werden intrinsische Inhibitoren der

glialen Differenzierung, Zelltodmechanismen

und Zelldegenerationsdeterminanten

untersucht.

_____________________________________

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b) Institut für Neuropathologie

Universitätsklinikum Düsseldorf

PD Dr. Eva Neuen-Jacob

Tel.: 0211 / 81-18662

Fax: 0211 / 81-17804

E-Mail:

Neuen-Jacob@med.uni-duesseldorf.de

Diagnostik

2011 wurden insgesamt ca. 670 Biopsien

aus einem großen, überregionalen Einzugsgebiet

untersucht, darunter ca. 400 Muskelbiopsien,

230 Nervenbiopsien, 40 Hautund

Gefäßbiopsien sowie Buffycoats.

Ansprechpartnerin:

Frau PD Dr. Eva Neuen-Jacob,

Tel.: 0211 / 81-18662

E-Mail:

Neuen-Jacob@med.uni-duesseldorf.de

Routinemäßig wurden folgende Methoden

angewandt: Schnellschnittdiagnostik,

Histochemie, Immunhistochemie (Iden-

tifizierung und Subtypisierung von Entzündungszellen,

Bestimmung von Entzündungsparametern,Blut-Nerv-Schrankenstörungen,

Untersuchungen zum Nachweis

von Dystrophin und Dystrophin-assoziier-

Jahresberichte der Neuromuskulären Zentren

ten Glykoproteinen und Muskelproteinen,

Charakterisierung von Amyloid), Paraffinhistologie,

Kunststoffeinbettung, Elektronenmikroskopie.

Zur Fortbildung werden regelmäßige Fallkonferenzen

mit den einsendenden Kliniken

durchgeführt.

Frau Neuen-Jacob ist Mitglied im Gutachterboard

des Referenzzentrums für neuromuskuläre

Krankheiten der Deutschen

Gesellschaft für Neuropathologie und Neuroanatomie

(DGNN), das von Herrn Prof.

Dr. Weis, Institut für Neuropathologie der

RWTH Aachen geleitet wird.

Die regelmäßigen Treffen der Mitglieder

des Neuromuskulären Zentrums Nordrhein

der DGM werden seit dem 1. Oktober 2011

als Qualitätszirkel von der KV Nordrhein

anerkannt. Moderatorin ist Frau PD Dr.

Neuen-Jacob.

_____________________________________

Publikationen

Eva Neuen-Jacob (2011) Kapitel 8: Neuropathologische

Biopsiediagnostik. In: Berlit P (Hrsg.) Klinische

Neurologie. 3. erweiterte und vollständig

überarbeitete Auflage. Springer-Verlag Berlin Heidelberg

2011, S. 207-238.

4. Essen

a) Neurologie

Neurologische Universitätsklinik Essen

Direktor: Prof. Dr. H.C. Diener

Ansprechpartnerin für das Neuromuskuläre

Zentrum: OÄ Dr. S. Koeppen

Tel.: 0201 / 723-2804/ -2730 Sekr.

Fax: 0201/723-5176

93


Neuromuskuläres Zentrum Nordrhein

Der klinische und wissenschaftliche Schwer-

punkt im Rahmen der Spezialambulanz

für Diagnostik und Therapie neuromuskulärer

Erkrankungen liegt auf der Betreuung

von Patienten mit Myasthenia

gravis, immunvermittelten Polyradikulo-

neuropathien und Myositiden. Für die Therapie

schwerer Krankheitsverläufe steht

eine neurologische Intensivstation zur Verfügung,

wo in Kooperation mit der hiesigen

Klinik für Nephrologie (Direktor: Prof. Dr. A.

Kribben) immunmodulatorische Behandlungsverfahren

(Plasmapherese, Immun-

adsorption, intravenöse Immunglobulin-

Therapie) zur Anwendung kommen. Eine

zusätzliche wichtige Aufgabe der neuromuskulären

Sprechstunde ist die differentialdiagnostische

Abklärung, Beratung und

Behandlung von Patienten mit Motoneuronerkrankungen,

kardiovaskulärer auto-

nomer Dysfunktion und Chemotherapieinduzierten

Neuropathien. In Zusammenarbeit

mit der Inneren Klinik und Poliklinik im

Westdeutschen Tumorzentrum (Direktor:

Prof. Dr. M. Schuler), der Klinik für Hämatologie

im Westdeutschen Tumorzentrum

(Direktor: Prof. Dr. U. Dührsen), der Klinik

für Knochenmarktransplantation (Direktor:

Prof. Dr. D. W. Beelen), dem Institut

für Molekularbiologie (Direktor: Prof. Dr. E.

Gulbins), dem Zentrum für Frauenheilkunde

und Geburtshilfe (Direktor: Prof. Dr. R.

Kimmig) sowie der hiesigen Klinik und Poliklinik

für Urologie, Kinderurologie und Urologische

Onkologie (Direktor: Prof. Dr. Dr.

h.c. H. Rübben) stellt die Analyse neurotoxischer

Störungen und Entwicklung neuroprotektiver

therapeutischer Ansätze einen

weiteren wissenschaftlichen Schwerpunkt

dar. Im Rahmen dieses interdisziplinären

Projektes ist es gelungen, ein Tiermodell

zur Cisplatin-induzierten Neurotoxizität zu

etablieren. Ziel ist die individuelle Risiko-

Einschätzung sowie frühzeitige Erkennung

94

und Behandlung Chemotherapie-bedingter

Nebenwirkungen am zentralen und peripheren

Nervensystem.

______________________________________

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und Neuritiden. In: Diener HC, Putzki N (Hrsg): Leitlinien

für Diagnostik und Therapie in der Neurologie.

4. Auflage Stuttgart: Thieme, 2008: 476-484


) Sozialpädiatrisches Zentrum am

Zentrum für Kinderheilkunde und

Jugendmedizin

Ansprechpartner für das Neuromuskuläre

Zentrum: Frau PD Dr. med. Ulrike Schara, ltd.

Ärztin Sozialpädiatrisches Zentrum

Hufelandstrasse 55, 45122 Essen

Kontakt / Terminvergabe: Sekretariat des Sozialpädiatrischen

Zentrums

Tel.: 0201 / 723-2176

Fax: 0201 / 723-2333

Im Rahmen des Sozialpädiatrischen Zentrums

am Zentrum für Kinderheilkunde und

Jugendmedizin finden täglich von Montag

bis Donnerstag neuromuskuläre Sprechstunden

statt. Diese sind grundsätzlich als

interdisziplinäre Sprechstunden konzipiert.

Neben Mitbeurteilungen durch Kinderkardiologen

und – pulmologen finden an

ausgesuchten Terminen auch Paralellvorstellungen

und Besprechungen mit neuromuskulär

spezialisierten Orthopäden statt.

Der klinische, diagnostische und wissenschaftliche

Schwerpunkt umfasst alle genetischen

und erworbenen neuromuskulären

Erkrankungen des Kindes und Jugendlichen,

wobei besondere Spezialisierungen

für kongenitale Myopathien, Muskeldystrophien

und kongenitale myasthene Syndrome

zu nennen sind. Zusätzlich betreibt

die Abteilung ein neuromuskulär-molekulargenetisches

Labor, in dem Muskelbiopsien

direkt morphologisch, immunzytochemisch

und molekular untersucht werden.

Darüber hinaus besteht ein Schwerpunkt

der Abteilung in der Einleitung und

Überwachung nicht-invasiver Beatmung

bei Muskelkrankheiten. Derzeit werden 130

Patienten ambulant und stationär betreut, die

eine kontinuierliche oder nächtliche nichtinvasive

Beatmung nutzen.

Jahresberichte der Neuromuskulären Zentren

Publikationen

Kirschner J, Schessl J, Schara U, Reitter B, Stettner

GM, Hobbiebrunken E, Wilichowski E, Bernert G,

Weiss S, Stehling F, Wiegand G, Müller-Felber W,

Thiele S, Grieben U, von der Hagen M, Lütschg J,

Schmoor C, Ihorst G, Korinthenberg R. Treatment

of Duchenne muscular dystrophy with ciclosporin

A: a randomised, double-blind, placebo-controlled

multicentre trial. Lancet Neurol. 2010; 9:

1053-9.

Kemp JP, Smith PM, Pyle A, Neeve VC, Tuppen HA,

Schara U, Talim B, Topaloglu H, Holinski-Feder E,

Abicht A, Czermin B, Lochmüller H, McFarland R,

Chinnery PF, Chrzanowska-Lightowlers ZM, Lightowlers

RN, Taylor RW, Horvath R. Nuclear factors

involved in mitochondrial translation cause a subgroup

of combined respiratory chain deficiency.

Brain. 2011; 134: 183-95. PubMed

Gunnar M. Buyse, Nathalie Goemans, Marleen van

den Hauwe, Daisy Thijs, Imelda J.M. de Groot,

Ulrike Schara, Berten Ceulemans, Thomas Meier,

Luc Mertens. Idebenone as a novel therapeutic approach

for Duchenne muscular dystrophy: results

from a 12 month double-blind randomized placebo-controlled

trial. Neuromuscul Disord. 2011; 21:

396-405.

Chaouch A, Müller JS, Guergueltcheva V, Dusl M,

Schara U, Rakocević-Stojanović V, Lindberg C,

Scola RH, Werneck LC, Colomer J, Nascimento A,

Vilchez JJ, Muelas N, Argov Z, Abicht A, Lochmüller

H. A retrospective clinical study of the treatment of

slow-channel congenital myasthenic syndrome. J

Neurol. 2011, in press

Andrea Klein MD; Heinz Jungbluth PhD, Emma

Clement MD ChB, Suzanne Lillis, Stephen Abbs

PhD, Pinki Munot , Marika Pane MD, PhD, Elizabeth

Wraige, Ulrike Schara MD, Volker Straub MD,

PhD , Eugenio Mercuri, PhD, Francesco Muntoni,

MD. Muscle MRI in congenital myopathies due to

Ryanodine receptor type 1 (RYR1) gene mutations.

Arch Neurol 2011; 68: 1171-9.

95


Neuromuskuläres Zentrum Nordrhein

5. Köln

a) Neurologie

Klinik für Neurologie der Uniklinik Köln

Direktor der Klinik: Prof. Dr. G.R. Fink

Ansprechpartner des Neuromuskulären

Zentrums: Prof. Dr. W.F. Haupt

Im Jahre 2011 wurde die Neuromuskläre

Sprechstunde entsprechend dem großem

Bedarf erweitert. Es wurden etwa 350 Patienten

mit neuromuskulären Erkrankungen

versorgt. Nach Anerkennung der Klinik

für Neurologie der Uniklinik Köln als integriertes

Myasthenie-Zentrum wurde eine

eigene Myasthenie-Sprechstunde aufgebaut,

die inzwischen große Akzeptanz

erfährt. In der Neuromuskulären Sprechstunde

werden weiterhin Patienten mit dem

gesamten Spektrum der neuromuskulären

Erkrankungen versorgt.

Das EMG-Labor der Klink ist Referenzlabor

für neurophysiologische Untersuchungen

des peripheren Nervensystems sowie für

evozierte Potenziale.

In der Therapieambulanz der Klinik für

Neurologie werden in zunehmender Zahl

ambulante immunsuppressive Therapien

auch bei neuromuskulären Erkrankungen

wie der CIDP und MMN durchgeführt.

______________________________________

Literatur

Galldiks N, Burghaus L, Dohmen C, Teschner S,

Pollok M, Leebmann J, Frischmuth N, Hollinger P,

Nazli N, Fassbender C, Klingel R, Benzing T, Fink

GR, Haupt WF. Immunoadsorption in patients with

chronic inflammatory demyelinating polyradiculoneuropathy

with unsatisfactory response to first-line

treatment. Eur. Neurol. 2011; 66: 183-189

96

b) Klinik für Kinderheilkunde der

Uniklinik Köln

Ansprechpartner des Neuromuskulären Zentrums:

OA Dr. P. Herkenrath und

PD Dr. Jürgen-Christoph von Kleist-Retzow

Tel.: 0221 / 478 5900

Die Universitätskinderklinik Köln hat im

Jahr 2011 weiter am horizontalen Netzwerk

der durch das BMBF geförderten MitoNet

Studie teilgenommen, in der klinische Daten

von Erwachsenen und Kindern mit

mitochondrialen Atmungsketten deutschlandweit

zusammengeführt werden. Krankheitsverläufe

und auch die zentrale Sammlung

von Bioproben können und sollen als

Ausgangspunkt für übergreifende Grundlagenstudien

zu dieser klinisch sehr variablen

Krankheitsgruppe zur Verfügung stehen.

_____________________________________

Literatur

Vlahou G, Elias M, von Kleist-Retzow JC, Wiesner

RJ, Rivero F The Ras related GTPase Miro is not required

for mitochondrial transport in Dictyostelium

discoideum. Eur J Cell Biol 2011; 90: 342–355

Jonckheere AI, Huigsloot M, Lammens M, Jansen

J, van den Heuvel LP, Spiekerkoetter U, von Kleist-

Retzow JC, Forkink M, Koopman WJ, Szklarczyk R,

Huynen MA, Fransen JA, Smeitink JA, Rodenburg

RJ Restoration of complex V deficiency caused by

a novel deletion in the human TMEM70 gene normalizes

mitochondrial morphology. Mitochondrion

2011; 11:954-63

Borck G, Wunram H, Steiert A, Volk AE, Körber F,

Roters S, Herkenrath P, Wollnik B, Morris-Rosendahl

DJ, Kubisch C A homozygous RAB3GAP2

mutation causes Warburg Micro syndrome. Hum

Genet 2011; 129: 45-50

Hünseler C, Paneitz A, Friedrich D, Lindner U,

Oberthuer A, Körber F, Schmitt K, Welzing L, Müller

A, Herkenrath P, Hoppe B, Gortner L, Roth B, Kat-


tner E, Schaible T Angiotensin II Receptor Blocker

Induced Fetopathy: 7 Cases.. Klin Padiatr 2011;

223:10-14

c) Abteilung für Neuropathologie

Klinikum der Uniklinik Köln

Direktorin: Prof. Dr. Martina Deckert

Ansprechpartnerin: Dr. Anna Brunn,

Tel.: 0221 / 478-97249

Fax: 0221 / 478-7237

E-Mail: anna.brunn@uni-koeln.de

Diagnostik

2011 wurden ca. 430 Biopsien untersucht,

die aus einem überregionalen Einzugsgebiet

stammen. Vorwiegend wurden Muskelbiopsien

übersandt (ca. 260). Darüber

hinaus wurden Nervenbiopsien bei unklaren

Neuropathien (ca. 140), Hautbiopsien

mit der Frage nach einer small fibre

neuropathy (ca. 15) und Darmbiopsien mit

unklaren Störungen der autonomen Innervation

(ca. 15) untersucht. Routinemäßig

werden Schnellschnittuntersuchungen, histochemische,

enzymhistochemische und

immunhistochemische Methoden angewandt.

Zudem wird das Kunststoff-eingebette

Material in Semidünnschnitt-Technik

untersucht.

Es besteht ein enger Kontakt zu den Kollegen

der einsendenden Kliniken, mit denen

Fortbildungsveranstaltungen und Fallkonferenzen

durchgeführt werden.

Frau PD Dr. Brunn wird auch als Dozentin zu

Fortbildungsveranstaltungen der Einsender

eingeladen und referiert hier insbesondere

zu Themen inflammatorischer Neuround

Myopathien sowie gastro-intestinaler

Motilitätsstörungen bei Innervationsstörungen.

Jahresberichte der Neuromuskulären Zentren

Der wissenschaftliche Schwerpunkt der

Abteilung für Neuropathologie liegt in der

Neuroimmunologie. Die verschiedenen Arbeitsgruppen

beschäftigen sich mit Fragestellungen

zur Pathogenese autoimmunmediierter

Erkrankungen des peripheren

Nervensystems sowie Mechanismen der

immunologischen Toleranz im Zentralnervensystem,

zentralnervösen Infektionen,

vor allem der murinen Toxoplasma-Encephalitis

und der Listeria monocytogenes-

Meningoencephalitis sowie primären

malignen Non-Hodgkin-Lymphomen des

Zentralnervensystems.

______________________________________

Literatur

Haroon F, Drögemüller K, Händel U, Brunn A, Reinhold

D, Nishanth G, Mueller W, Trautwein C,

Ernst M, Deckert M, Schlüter D Gp130-dependent

astrocytic survival is critical for the control of autoimmune

central nervous system inflammation. J

Immunol 2011; 186: 6521-31.

Montesinos-Rongen M, Godlewska E, Brunn A, Wiestler

OD, Siebert R, Deckert M Activating L265P

mutations of the MYD88 gene are common in primary

central nervous system lymphoma. Acta Neuropathol.

2011; Oct 22. [Epub ahead of print]

e) Institut für Humangenetik,

Uniklinik Köln

Direktorin: Prof. Dr. Brunhilde Wirth

Kontakt: Prof.Dr. Brunhilde Wirth

Tel.: 0221 / 478-86464

Dr. med. Raoul Heller (-86832)

Dr. Anne Baasner (-86826),

Dr. Jutta Becker (-86835),

Dr. Eric Hahnen (-86825),

Dr. med. Julia Schreml (-86612)

E-Mail: raoul.heller@uk-koeln.de

97


Neuromuskuläres Zentrum Nordrhein

Diagnostik

(www.uk-koeln.de/humangenetik)

• Spinale Muskelatrophien (SMA Typ I-IV):

SMN1-Gen (alle Mutationsarten inkl.

Punktmutationen); Bestimmung der

SMN1-/ SMN2-Kopienzahl mittels MLPA-

Analyse.

• Spinale Muskelatrophie mit respiratorischer

Insuffizienz (SMARD1 = DSMA1

= HMN6): IGHMBP2-Sequenzierung.

• X-chromosomale spinale Muskelatrophie

(XL-SMA): UBE1-Sequenzierung

• Autosomal-rezessive Pontocerebelläre

Hypoplasie (PCH2 und PCH4): TSEN54-,

TSEN2-, TSEN34-Sequenzierung

• Amyotrophe Lateralsklerose (ALS1 und

ALS2): SOD1-, ALS2-, VABP-Sequenzierung

• Distale Arthrogryposen (DA1, DA2 =

Freeman-Sheldon, DA7): TPM2-, TNNI2-,

TNNT3-, MYH3-, MYH8-Sequenzierung,

bei familiären Fällen auch Kopplungsanalyse.

• Kongenitale Myopathien (NEM3, NEM4,

CFTD): ACTA1, TPM2, SEPN1-Sequenzierung

• Kongenitale Myasthenien (CMS) / Arthrogryposis

multiplex congenita (AMC):

RAPSN-, CHRNA1-, CHRNB1-, CHRND-,

CHNRE-, CHRNG-Sequenzierung, bei fa-

miliären Fällen auch Kopplungsanalyse.

Patientenbetreuung /

Klinische Forschung

Sowohl für spinale Muskelatrophie (SMA)

als auch für Arthrogryposis multiplex congenita(AMC)

beraten wir weiterhin auch

überregional und international die betroffenen

Familien und ärztlichen Kollegen.

Zum festen interdisziplinären Team für die

intensive Betreuung von SMA-Patienten

in Köln gehören neben der Humangenetik

(Prof. Wirth, Dr. Heller) und Neuropädiat-

98

rie (Drs. von Kleist-Retzow u. Herkenrath)

mittlerweile speziell auf SMA geschulte

Mitarbeiter/innen aus der Physiotherapie

(Queen Rhania Rehabilitationszentrum der

Uniklinik Köln) und dem klinischen Studienzentrum

des Uniklinikums Köln. Eine

Einbindung weiterer Disziplinen wie z. B.

der Zahn-Mund-Kiefer-Heilkunde angesichts

SMA-spezifischer Versorgungsengpässe

wird gerade entwickelt. Außerdem

werden Familien mit SMA-Patienten, die

sich an uns wenden, über aktuelle oder geplante

therapeutische / klinische Studien

informiert und ggf. in direkten Kontakt mit

dem Studienteam gebracht. Ein Beispiel

hierfür ist die Studie zur Verträglichkeit und

Wirksamkeit eines Ganzkörper-Vibrationstrainings

auf einem Galileo ® -Gerät für SMA

III Patienten zwischen 5 und 18 Jahren u. a.

an der Universitätskinderklinik Köln.

Im Institut besteht mittlerweile eine große

Expertise mit genomweiten diagnostischen

Analysemethoden (Exom-Sequenzierung,

Kopplungsanalysen). Dies ermöglicht uns

die Identifizierung neuer Gene, die an der

Entstehung von bisher ursächlich ungeklärten

SMA-Formen und verwandten neuromuskulären

Erkrankungen beteiligt sind.

Wir haben entsprechende Analysen in einer

Vielzahl von Familien mit neuromuskulären

Erkrankungen eingeleitet, einige davon bereits

kurz vor Abschluss. Hier haben sich

insbesondere die engen Zusammenarbeiten

mit Neurologen aus ganz Deutschland

und Europa als sehr wertvoll erwiesen, da

sowohl die klinische Charakterisierung der

Patienten als auch die möglichst komplette

Erfassung der Familienstammbäume eine

wichtige Voraussetzung für eine erfolgreiche

genomweite Analyse sind.

Grundlagenforschung

Trotz mittlerweile seit 16 Jahren bekannter


Ursache für die autosomal-rezessive proximale

spinale Muskelatrophie (SMA) sind

die molekularen Pathomechanismen bisher

nicht vollständig verstanden. Unsere Arbeitsgruppe

forscht weiterhin intensiv über

potenzielle „modifier“ Gene neben SMN2

und Plastin 3 und über Moleküle mit therapeutischem

Potenzial bei SMA. Außerdem

haben wir in Kollaboration eine molekulare

Verbindung zum profilin2a/RhoA pathway

nachweisen können 1 , der u.a. in der Stabilisierung

von Zytoskelettstrukturen (Actin)

gerade in Nervenzellen mit ihren langen

Fortsätzen (Axone mit neuromuskulärer

Snyapse) eine wichtige Rolle spielt.

Ein weiteres unserer SMA-Forschungsprojekte

beschäftigt sich mit Mechanismen

der klinischen Progredienz beim Menschen

und im Mausmodell. Nach der initialen Beobachtung

von anderen und uns, dass bei

schwerer kongenitaler SMA ein angeborener

Herzscheidewanddefekt signifikant

gehäuft auftritt, haben wir jetzt Daten erhoben,

die einen primären pathologischen

Prozess nicht nur in den Motoneuronen,

sondern auch im Skelettmuskel belegen

und damit neue therapeutische Ansatzpunkte

andeuten 2 .

Insgesamt ist die Vernetzung von Patientenbetreuung,

humangenetischer Diagnostik,

klinischer und Grundlagenforschung

eine erfolgreiche Strategie am Institut für

Humangenetik, die in enger Zusammenarbeit

mit den betroffenen Familien und

Patientenverbänden weitergeführt werden

wird.

_____________________________________

Literatur

Nölle A, Zeug A, van Bergeijk J, Tönges L, Gerhard

R, Brinkmann H, Al Rayes S, Hensel N, Schill Y, Apkhazava

D, Jablonka S, O‘mer J, Kumar Srivastav

Jahresberichte der Neuromuskulären Zentren

R, Baasner A, Lingor P, Wirth B, Ponimaskin E, Niedenthal

R, Grothe C, Claus P. The spinal muscular

atrophy disease protein SMN is linked to the rhokinase

pathway via profilin. Hum Mol Genet. 2011;

20:4865-78.

Mutsaers CA, Wishart TM, Lamont DJ, Riessland

M, Schreml J, Comley LH, Murray LM, Parson SH,

Lochmüller H, Wirth B, Talbot K, Gillingwater TH.

Reversible molecular pathology of skeletal muscle

in spinal muscular atrophy. Hum Mol Genet. 2011;

20:4334-44.

f) Klinik für Orthopädie und

Unfallchirurgie der Uniklinik Köln

Direktor: Prof. Dr. P. Eysel

Ansprechpartner: Dr. R. Sobottke,

Tel.: 0221 / 478-4616

Terminvereinbarung über das

Servicecenter

Tel.: 0221 / 478-88664

Im Rahmen der Skoliosesprechstunde werden

Patienten mit neuromuskulär bedingten

Skoliosen untersucht und behandelt.

6. Wuppertal

Direktor: Prof. Dr. Stefan Isenmann

Ansprechpartner für das Neuromuskuläre

Zentrum: Prof. Dr. Carl-Albrecht Haensch

E-Mail:

carl-albrecht.haensch@helios-kliniken.de

Kooperierende Kliniken und Institute

• Klinik für Kinderheilkunde,Helios Klinikum

Wuppertal

• Institut für Neuropathologie der Heinrich-

Heine Universität Düsseldorf

• Institut für Neuropathologie der RWTH

Aachen

• Medizinische Klinik/Abteilung Rheumato-

99


Neuromuskuläres Zentrum Nordrhein

logie, St. Josef Krankenhaus, Wuppertal

• Institut für Praenatale Medizin und Humangenetik

Wuppertal

• HELIOS Schlaflabor Wuppertal

Bewährtes und Neues:

Die Neuromuskuläre Sprechstunde

wird weiterhin regelmäßig angeboten

(Terminvereinbarung unter

Tel.: 0202 / 896-2641; Fr. Jandt-Scheler).

Zusätzlich besteht eine ambulante KV-Ermächtigung

auch für Patienten mit Myalgien

(OA Prof. Dr. Haensch). Es wurden

im Jahr 2011 über 100 Muskelbiopsien

durchgeführt. In der Botulinumtoxinambulanz

(OA Dr. Hennen) werden rund 300

Patienten im Jahr behandelt.

Das HELIOS-Schlaflabor Wuppertal

(Tel.: 0202 / 896-2647)

bietet alle Möglichkeiten der nichtinvasiven

Beatmungstherapie bei neuromuskulären

Erkrankungen mit Weiterbildungsermächtigung

für die Schlafmedizin. Die neurophysiologische

Abteilung ist anerkannte

Ausbildungsstätte der DGKN für die Elektromyographie

und evozierte Potenziale

mit allein über 1000 EMG-Untersuchungen

pro Jahr.

Am Lehrstuhl für Neurologie der Universität

Witten/Herdecke wird in der Ausbildung

von Anfang an auf eine starke Praxisorientierung

geachtet. Begleitet wird das patientennahe

und problemorientierte Lernen

der Studenten durch Seminare und Vorlesungen

auch zu neuromuskulären Themen

durch die Dozenten der Klinik.

100

Publikationen mit neuromuskulärem Bezug:

Haensch CA, Wehe J, Jigalin A , Isenmann S. Gastroparesis

in myotonic dystrophy 1. Clin Auton Res

2011; 21: 125-6.

Pomper JK, Wilhelm H, Tayebati SK, Asmus F,

Schüle R, Sievert KD, Haensch CA, Melms A, Haarmeier

T. A novel clinical syndrome revealing a deficiency

of the muscarinic M3 receptor.Neurology.

2011; 76: 451-5.


Neuromuskuläres Zentrum Nordwest

Leiter/Sprecher:

Prof. Dr. A. Engelhardt

Neurologische Klinik

Evangelisches Krankenhaus Oldenburg

Zum Neuromuskulären Zentrum Nordwest

gehören die Standorte Oldenburg, Bremen,

Westerstede, Sanderbusch und Rotenburg

(Wümme). Ambulante Untersuchungen und

Beratungen im Neuromuskulären Zentrum

finden innerhalb der Ermächtigungsambulanz

der jeweiligen Chefärzte der Neurologie

statt. Das Zentrum hat 2011 erneut das

Gütesiegel der DGM für drei Jahre erhalten.

Die Universität Oldenburg soll im Jahr

2012 eine Medizinische Fakultät erhalten.

Der Medizin-Studiengang wird in Kooperation

mit der Universität Groningen durchgeführt.

Ein Forschungsschwerpunkt der

Universitätsmedizin wird dabei die Versorgungsforschung

sein. Für die neuromuskulären

Erkrankungen bestehen bereits

gemeinsame Projekte mit dem Institut für

Rehapädagogik der Universität Oldenburg,

die weiter ausgebaut werden sollen.

Der Schwerpunkt innerhalb des Neuromuskulären

Zentrums Nordwest liegt für

die Neurologische Klinik Oldenburg unverändert

in der Diagnostik und Therapie

immunologisch bedingter neuromuskulärer

Erkrankungen und Polyneuropathien. In der

Neuropädiatrie werden naturgemäß überwiegend

angeborene neuromuskuläre Erkrankungen

behandelt.

Für Westerstede

wird ein besonderer Schwerpunkt in der

Palliativmedizin (insbesondere bei ALS),

Myasthenia gravis und Schlafmedizin

angegeben. Ein wesentlicher Teil der Arbeit

im Neuromuskulären Zentrum liegt

Jahresberichte der Neuromuskulären Zentren

in Oldenburg und Westerstede in der Sozialberatung

(Frau Hylla). Überwiegend

werden Informations-und psychosoziale

Entlastungsgespräche geführt, die auch

für Angehörige große Bedeutung haben.

Individuelle Hilfsangebote werden aufgezeigt,

damit trotz krankheitsbedingter Einschränkungen

neue Zukunftsperspektiven

entwickelt werden können. Kontaktaufnahmen

mit Leistungserbringern und Kostenträgern,

Reha-Anträge und Hilfsmittelberatung

sind die wichtigsten Inhalte.

Ablehnungen seitens der Kostenträger

sind in diesem Bereich häufig. Insbesondere

nach der Mitteilung einer Erstdiagnose

durch den Neurologen sind zusätzliche

Informationen zur Erkrankung, Möglichkeiten

der Einflussnahme und psychosoziale

Entlastungsgespräche für den Patienten

und seine Angehörigen von großer Bedeutung.

Es werden individuelle Hilfsangebote

aufgezeigt, Ressourcen deutlich gemacht,

so dass auch mit krankheitsbedingten Einschränkungen

neue Zukunftsperspektiven

entwickelt werden können.

Informationen zu sozialrechtlichen Fragen,

der Formulierung von Widersprüchen, Beantragung

von Pflegegeld, Rehabilitationen

oder Beratung bzgl. geeigneter Hilfsmittel

sind die Hauptinhalte der Sozialberatung.

Oft werden Patientenverfügungen und Vorsorgevollmachten

besprochen und mit den

Betroffenen aufgesetzt. Interdisziplinäres

Arbeiten mit dem Behandlungsteam bzw.

den Kooperationspartnern nimmt einen immer

größer werdenden Stellenwert ein. So

wurden in einzelnen Fällen „Round-Table-

Gespräche“ organisiert, an denen neben

dem Patienten und seinen Angehörigen der

Hausarzt, der Pflegedienst, privat beschaffte

Krankenpflege, Mitarbeiter des Sanitätshauses,

Mitarbeiter der Krankenkasse sowie

die Sozialarbeiterin teilnahmen.

101


Neuromuskuläres Zentrum Nordwest

Im Berichtszeitraum wurden allein in Oldenburg

111 Beratungsgespräche durchgeführt.

Die Diagnosenverteilung zeigt

unverändert einen besonders hohen Anteil

an ALS-Patienten (35 Prozent) und Polyneuropathien

(16 Prozent). Den Rest teilen

sich die zahlreichen zum Teil sehr seltenen

neuromuskulären Erkrankungen. Nach

wie vor wird die stationäre Abklärung und

Behandlung von neuromuskulären Erkrankungen

häufig vom MDK abgelehnt.

Die vierteljährlichen Fallkonferenzen der am

Muskelzentrum beteiligten Kliniken wurden

weiterhin durchgeführt. Herr Schulz

als Landesverbandsleiter Niedersachsen

ist bei diesen Treffen stets anwesend. Herr

Prof. Bergmann aus Bremen übernimmt

die Organisation der Einladungen und die

Neuropathologischen Demonstrationen

der Nerven- und Muskelbiopsien. Für diese

regelmäßige, hervorragende und zuverläs-

sige Tätigkeit sei ihm im Namen aller an den

Sitzungen Beteiligten besonders gedankt.

In Bremen

hat Herr Dr. Schröter als Nachfolger von

Herrn PD Dr. Probst-Cousin die Vertretung

im Muskelzentrum übernommen.

Besonders sei die seit 1998 bestehende

erfolgreiche Neuromuskuläre Sprechstunde

im Sozialpädiatrischen Institut (Frau Dr.

Haun-Jünger) erwähnt, die einmal monatlich

stattfindet. Es besteht eine erfreuliche

Kooperation mit Humangenetikern, Neuroorthopäden,

Kinderkardiologen, Pneu-

mologen und Orthopädiemechanikern.

Zwei Physiotherapeutinnen wurden von

der DGM besonders qualifiziert. Da überwiegend

Kinder mit Progressiver Muskeldystrophie

(zumeist Duchenne) betreut

werden, steht für die Betroffenen auch eine

Sozialarbeiterin und eine Psychologin zur

Verfügung.

102

In Sanderbusch

hat Herr Prof. Rohkamm, der viele Jahrzehnte

der Erforschung neuromuskulärer

Erkrankungen und der Versorgung von

Muskelkranken gewidmet hat, sein Tätigkeit

als Chefarzt der Neurologischen Klinik

beendet. Wir danken ihm für sein Engagement

und seine freundliche regelmäßige

Mitarbeit im Muskelzentrum. Sein Nachfolger

ist seit 01.11.2011 Herr Prof. Kermer.

In Rotenburg/Wümme

werden Muskelpatienten im Medizinischen

Versorgungszentrum betreut (Kontakt: siehe

Anhang). Herr Prof. Kiefer weist auf eine

eigene Veröffentlichung hin: Kiefer R (2011)

Krankheiten peripherer Nerven. Kohlhammer,

Stuttgart.

Prof. Dr. A. Engelhardt

Leiter des Neuromuskulären

Zentrums Nordwest


Neuromuskuläres Zentrum Rhein-Main

Sprecher: Prof. Dr. Claus

Klinik für Neurologie, Klinische Neurophysiologie,

Klinikum Darmstadt

Forschungsaktivitäten

B. Schrank: ALS-PEG-Register voraussichtlich

ab November 2011 (Studienleitung

Prof. Dr. A. Ludolph, Universitätsklinik

Ulm).

Neben dem jährlichen Treffen der hessischen

Neuromuskulären Zentren fanden

an allen Standorten Fortbildungsveranstaltungen

für Ärzte und Informationsveranstaltungen

für Betroffene statt.

Vorträge bei Selbsthilfegruppen werden

durch Mitglieder des Zentrums regelmäßig

gehalten.

An den gemeinsamen Sitzungen des Zentrums

nehmen Vertreter der DGM teil.

B. Schrank, C. Sommer, H. Müller: Neuromuskuläre

Falldemonstration. DKD Wiesbaden,

2.5.2011

Betreuungsstrukturen

Neuromuskuläre Spezialambulanzen werden

in allen Kliniken des Zentrums angeboten.

Für spezielle Fragestellungen wird

an die einzelnen Abteilungen verwiesen.

Selbsthilfeaktivitäten

Dr. J. Seeger ist Mitglied im pädiatrischen

Beraterkreis im Kindernetzwerk e. V.

Neue Kontaktgruppe in Darmstadt unter

der Koordination von Hr. G. Büttner.

Kontaktgruppen in Marburg (Hr. Schwerdtfeger).

Muskelstammtisch in Kassel (Hr. Eckhardt)

B. Schrank: ALS – Gesprächskreis der Landesgruppen

Hessen/Rheinland-Pfalz

DKD Wiesbaden, 14.5.2011, 29.10.2011

Jahresberichte der Neuromuskulären Zentren

In Bad-Sooden Allendorf hat sich eine

ALS-Gruppe gebildet. Sie wird von Hr. Dr.

Schröter von der Klinik Hoher-Meissner

und von Hr. Germandi oder von Fr. Haberland

durch die DGM unterstützt. In Wiesbaden

ist Hr. Dr. Schrank mit dem ALS Gesprächskreis

aktiv.

Die Landesgruppentreffen werden nicht

mehr zentral in Friedberg, sondern einmal

jährlich im nördlichen und einmal im südlichen

Hessen angeboten. Damit soll auf

die eingeschränkte Mobilität der Teilnehmer

Rücksicht genommen werden.

Kontakt zu Selbsthilfegruppen

Vorsitzender des Landesverbandes:

Herr Karsten Eckhardt

Am Donarsbrunnen 59A, 34134 Kassel

Tel.: 0561 / 282970

E-Mail: karsten.eckhardt@dgm.org

Diagnostische und therapeutische

Möglichkeiten

Die histopathologische Beurteilung von

Muskel- und Nervenbiopsaten findet im

Neuromuskulären Labor des Neurologischen

Instituts (Edinger-Institut) der Universität

Frankfurt, welches von Frau PD

Dr. med. D. S. Tews geleitet wird, statt. Im

Rahmen der üblichen histologischen, histochemischen

und enzymhistochemischen

Routinepräparationen werden auch spezielle

immunhistochemische Untersuchungsschemata

für Muskeldystrophien, Strukturmyopathien,

metabolische und mitochondriale

Myopathien sowie entzündliche Myopathien

durchgeführt. Bei entsprechenden

Fragenstellungen werden elektronenmikroskopische

Untersuchungen angeschlossen.

Ansprechpartner für diagnostische

Fragen sind Frau PD Dr. med. D. S. Tews

sowie Herrn Prof. Dr. M. Mittelbronn. Anlei-

103


Neuromuskuläres Zentrum Rhein-Main

tungen zu Gewebeentnahmen und

-asservierungen können unter

www.kgu.de/ni abgerufen werden.

____________________________________

Publikationen aus dem Zentrum

Claus D.: Spinale Infiltrationsbehandlung – nicht

ohne Risiko. Klin Neurophysiol 2011; 42: 27-28.

Claus D., Kaps M.: Ein Fall sensorischer Ganglionopathie

bei Sjögren Syndrom. Klin Neurophysiol

2011; 42: 133-135

Claus D. Thenaratrophie versus Karpaltunnelsyndrom.

Klin Neurophysiol 2011; 42: 206-207.

Claus D.: Diagnostik proximaler Läsionen des Plexus

brachialis. J Neurol Neurochir Psychiatr 2011;

12: 266-270

Heidegger T, Ziemann U.: Prolongation of central

motor conduction time by neck extension in compressive

cervical myelopathy. Clin Neurophysiol

2011; 122:1891-1893

Kang JS, Jochem-Gawehn S, Laufs H, Ferbert A,

Vieregge P, Ziemann U: Hirayama disease in Germany:

Case reports and review of the literature.

Nervenarzt 2011; 82: 1264-1272

Schrank, B., I. Metz, C. Wegner, W. Brück, W.H.

Jost Rezidivierende spontane fokale Muskelnekrosen

als Ausdruck einer metabolischen Myopathie.

Jahreskongress der DGN Wiesbaden 29.9.2011

Werdin F, Sinis N, Stetter C, Mittelbronn M, Schaller

HE, Hering R. Poikilodermia, anhidrosis, hairless

body, neurogenic muscle atrophy, and recurrent

hematuria: a new syndrome? Clin Dysmorphol.

2010; 19: 65-8.

Winter Y, Schepelmann K, Spottke AE, Claus D,

Grothe C, Schroder R, et al. Health-related quality

of life in ALS, myasthenia gravis and facioscapulohumeral

muscular dystrophy. J Neurol. 2010; 257:

1473-1481

104


Jahresberichte der Neuromuskulären Zentren

Neuromuskuläres Zentrum Rhein-Neckar

(Heidelberg, Mannheim, Ludwigshafen, Karlsruhe)

Leiter und Sprecher:

Dr. med. C. Blahak, Neurologische Klinik,

Universitätsmedizin Mannheim

und Dr. med. J. Wolf, Neurologische Klinik,

Klinikum der Stadt Ludwigshafen

Veränderungen

Nach dem Wechsel des bisherigen Leiters,

Herrn PD Dr. med. F. Ebinger als Chefarzt

an die Klinik für Kinder- und Jugendmedizin

des St. Vincenz-Krankenhauses Paderborn

wird das NMZ Rhein-Neckar nun gemein-

sam von Herrn Dr. C. Blahak und Herrn Dr.

med. J. Wolf geleitet.

Fortbildungsveranstaltungen

Im vergangenen Jahr fanden zwei neuro-

muskuläre Konferenzen zusammen mit

Prof. Dr. med. C. Sommer und Dr. med. H.

Müller (Institut für Neuropathologie, Universitätsmedizin

Mainz) statt.

Am 16.02.2011 in Ludwigshafen und am

07.09.2011 erstmals in Karlsruhe wurden

ausführlich schwierige Fälle mit allen interessierten

und beteiligten Kollegen des

Neuromuskulären Zentrums diskutiert.

Auch der 2006 gegründete Expertenkreis

Mitochondriale Medizin Rhein-Neckar traf

sich in vierteljährlichem Rhythmus, koordiniert

durch Prof. Dr. med. Matthias

Bauer und Dr. Bert Obermaier-Kusser, in

Ludwigshafen. Dabei wurden sowohl wissenschaftliche

Kooperationsprojekte als

auch klinische Fälle diskutiert.

Regelmäßige Fortbildungen im Rahmen

der Treffen ergänzen das Spektrum des

Expertenkreises, der sich aus Mitgliedern

des NMZ sowie weiteren regionalen und

überregionalen Kooperationspartnern zu-

sammensetzt.

Wissenschaftliche Arbeiten

Rheinland-pfälzisches ALS-Register:

Das rheinland-pfälzische ALS-Register ist

ein bevölkerungsbasiertes Register, in welchem

alle volljährigen rheinland-pfälzischen

Patienten mit einer seit 2009 neu diagnostizierten

ALS prospektiv erfasst und in

sechsmonatigen Abständen nachverfolgt

werden. Erfasst werden Daten zur Klinik,

Diagnostik und Therapie, ferner auch sozioökonomische

und Lebensstilfaktoren.

Hierzu liegen spezielle Erfassungsbögen

und Informationsschreiben vor, die von der

Register-Homepage (www.als-register.org)

heruntergeladen werden können.

Entscheidend für die Qualität des Registers

ist die vollständige Erfassung aller

rheinland-pfälzischen ALS-Patienten. Es

besteht daher eine Kooperation mit allen

rheinland-pfälzischen Ärzten, die ALS-

Patienten betreuen (Hausärzte, Neuro-

logen und Nervenärzte, Geriater, Palliativ-

mediziner). Patienten können sich auch direkt

mit dem Studienzentrum in Ludwigshafen

in Verbindung setzen.

Informationen zum Register:

Dr. Joachim Wolf, Neurologische Klinik,

Klinikum der Stadt Ludwigshafen,

Tel.: 0621/503-42580.

Sozialberatung für Muskelkranke

im Universitätsklinikum Mannheim

Nach dem die Förderung für das seit April

2006 bestehende Sozialberatungsangebot

für Patienten mit Muskelkrankheiten

durch Mittel der Dietmar-Hopp-Stiftung

wie geplant nach 5 Jahren Mitte 2011

ausgelaufen ist, wird dieses Angebot auf-

grund der sehr hohen Akzeptanz nun

über die Neurologische Klinik der Universitätsmedizin

Mannheim in zeitlich sogar

105


Neuromuskuläres Zentrum Rhein-Neckar (Heidelberg, Mannheim, Ludwigshafen, Karlsruhe)

noch etwas erweitertem Rahmen fortgeführt.

Im Jahr 2011 wurden mehr als 500

Beratungen durch Frau Christina Reiß

durchgeführt. Die Schwerpunkte reichen

von Informationen über die Erkrankung,

insbesondere nach Diagnosestellung, die

Vermittlung an andere Betroffene zum

Austausch und zur gegenseitigen Unterstützung,

beispielsweise in den örtlichen

Gesprächskreisen der DGM, bis hin zur

Unterstützung bei sozialrechtlichen Angelegenheiten.

Fortgeführt wurde zudem der

Gesprächskreis für ALS-Patientinnen und

Patienten sowie deren Angehörige, der

sich bei stetig wachsender Beteiligung

regelmäßig in Heidelberg trifft.

Frau Reiß ist Dienstag nachmittags

von 13.00 bis 18:00 Uhr sowie

Freitag vormittags von 09.00 bis 13.00 Uhr

in der Neurologischen Ambulanz (Haus 13,

Ebene 3, Zimmer 1) anwesend, es empfiehlt

sich eine Terminvereinbarung unter

Tel.: 0621 / 383 - 2918

oder unter christina.reiss@dgm.org

Selbsthilfeaktivitäten

Die Kontakte zum Landesverband Baden-

Württemberg und Rheinland-Pfalz wurden

auch in diesem Jahr gepflegt.

So wurde vom NMZ Rhein-Neckar der 4.

DGM Fach- und Informationstag für

Patienten mit verschiedenen neuromuskulären

Erkrankungen, der am 22.05.2011

in Pforzheim-Hohenwart stattfand, fachlichmedizinisch

mit entsprechenden Vorträgen

und Diskussionsrunden betreut.

Am 26.11.2011 fand in Heidelberg ein

weiterer ALS-Patienten-Tag statt. In

mehreren Vorträgen wurden verschiedene

Aspekte der Erkrankung diskutiert. Die

Veranstaltung war mit einer Teilnahme von

mehr als 50 Betroffenen und Angehörigen

106

sehr gut besucht. Fortgeführt wurde

zudem die ärztliche Betreuung des ALS-

Gesprächskreises in Bad Kreuznach.

Erstmals fand in der Universitätsmedizin

Mannheim ein Kurs „Kinaesthetics für

pflegende Angehörige“ statt, an dem mehrheitlich

pflegende Familienmitglieder von

Muskelkranken teilnahmen. Sie erhielten

in dieser Veranstaltung hilfreiche Tipps

zur Unterstützung der noch vorhandenen

Fähigkeiten der Pflegebedürftigen und zur

Erleichterung der häuslichen Pflege.

______________________________________

Literatur

Yis U, Uyanik G, Heck PB, Smitka M, Nobel H,

Ebinger F, Dirik E, Feng L, Kurul SH, Brocke K, Unalp

A, Ozer E, Cakmakci H, Sewry C, Cirak S, Muntoni

F, Hehr U, Morris-Rosendahl DJ. Fukutin mutations

in non-Japanese patients with congenital muscular

dystrophy: Less severe mutations predominate in

patients with a non-Walker-Warburg phenotype.

Neuromuscul Disord 2011; 21: 20-30.


Neuromuskuläres Zentrum Ruhrgebiet

Leiter und Sprecher:

Prof. Dr. M. Vorgerd

Ltd. Oberarzt der Neurologischen Klinik

Kliniken Bergmannsheil, Ruhr-Universität

Bochum

Tel.: 0234 / 302 6812

Fax: 0234 / 302 6888

Kooperierende Kliniken und Institute:

Kliniken der Ruhr-Universität Bochum:

• Neurologische Universitätsklinik, Kliniken

Bergmannsheil

• Neurologische Universitätsklinik,

St. Josef-Hospital

• Humangenetik der Ruhr-Universität

Bochum

• Univ.-Kinderklinik, St. Josef-Hospital

• Orthopädische Universitätsklinik,

St. Josef-Hospital

Duisburg:

• Neurologische Klinik, Ev. und Johanniter

Klinikum Niederrhein

Witten/Herdecke:

• Vestische Kinder- und Jugendklinik,

Datteln, Universität Witten/Herdecke

Im Rahmen der regelmäßig stattfindenden

Sprechstunden in den einzelnen oben angeführten

Kliniken und Instituten erfolgt die

umfassende klinisch-medizinische Betreuung

von Patienten mit neuromuskulären

Erkrankungen.

Grundlage bilden die Neuromuskulären

Sprechstunden der Neurologischen Kliniken

Bergmannsheil und des St. Josef Hos-

pitals (Kliniken der Ruhr-Universität Bochum)

sowie der Niederrheinklinik in Duisburg.

Darüberhinaus werden Spezialsprechstunden

für hereditäre Neuropathien, für

ALS und andere Motoneuronerkrankungen

sowie für Patienten mit hereditärer Spinalparalyse

angeboten.

Jahresberichte der Neuromuskulären Zentren

Kinder und Jugendliche werden in der

Klinik für Kinder- und Jugendmedizin des

St. Josef-Hospitals, Bochum sowie im

Zentrum für Neuropädiatrie, Entwicklungsneurologie

und Sozialpädiatrie der Vestischen

Kinder- und Jugendklinik, Datteln

betreut.

Eine Humangenetische Beratung wird in

der Humangenetik der Ruhr-Universität

Bochum durchgeführt.

Kooperationen mit den Kliniken für Orthopädie,

Endokrinologie, Kardiologie und Pneu-

mologie an den einzelnen Standorten mit

besonderer Ausrichtung auf Patienten mit

Neuromuskulären Erkrankungen sind etabliert.

In den Kliniken Bergmannsheil besteht

darüber hinaus die Möglichkeit der

Vorstellung der Patienten im Schlaflabor.

Sprechstunden des Muskelzentrums

Ruhrgebiet

1. Sprechstunde für erwachsene

Patienten mit neuromuskulären

Erkrankungen (Muskelsprechstunde)

An allen drei Standorten werden neuromuskuläre

Sprechstunden mit der Zielsetzung

einer Diagnosestellung oder -überprüfung,

einer Therapieeinleitung oder -kontrolle sowie

einer regelmäßigen klinischen Verlaufskontrolle

und Beratung angeboten.

Ziel ist es, in Zusammenarbeit mit den niedergelassenen

Kollegen, die ambulante

Betreuung der Patienten zu optimieren

und stationäre Aufnahmen vor- bzw. nachzubereiten.

Darüber hinaus erleichtert die

Anbindung der Patienten die Durchführung

wissenschaftlicher Projekte und klinischer

Studien. Das Spektrum der behandelten

Erkrankungen reicht von Neuropathien,

Neuronopathien, Erkrankungen der Neuromuskulären

Übertragung bis hin zu allen

Formen der Myopathien (Stoffwechsel-,

107


Neuromuskuläres Zentrum Ruhrgebiet

Strukturmyopathien, Myositiden, degenerativen

Myopathien und Myotonien sowie

Kanalerkrankungen).

Wissenschaftliche Schwerpunkte

Bergmannsheil:

Laufende wissenschaftliche Projekte:

• Klinik und Pathogenese der erblichen

und immunogenen Rippling-Muskelerkrankung

• Proteomanalysen humaner Skelettmuskelbiopsate

myofibrillärer Myopathien

• Phänotypisierung und molekulare Pathogenese

der Filamin C-assoziierten myofibrillären

Myopathie

• Untersuchungen zum angeborenen Immunsystem

bei den Myositiden

St. Josef-Hospital:

Klinisch-wissenschaftliche Schwerpunkte

der Ambulanz sind

• Myasthenia gravis und Lambert-Eaton

myasthene Syndrom (LEMS)

• Myopathien

• Myositiden

• Myotone Dystrophie Typ 1 und 2

• Hereditäre Neuropathien

• Autoimmune Polyneuropathien

• Läsionen peripherer Nerven

Kooperationen:

• Prof. J. Epplen, Humangenetik Ruhr-Universität

Bochum Prof. A. Marx, Institut

für Pathologie, Universität Heidelberg-

Mannheim

• Dr. M. Minnerop, Forschungszentrum

Jülich

• PD Dr. J. Schmidt, Abteilung Neurologie

und IMSF, Universität Göttingen

• PD Dr. B. Schoser, Friedrich-Baur-Institut,

LMU München

• Prof. L. Timchenko, Baylor College of

Medicine, Houston, US

108

2. Sprechstunde für Kinder und Jugendliche

mit neuromuskulären Erkrankungen

(Muskelsprechstunde)

In der Klinik für Kinder- und Jugendmedizin

der Ruhr-Universität Bochum im St.

Josef-Hospital finden regelmäßige, wöchentliche

Muskelsprechstunden statt.

Ca. 80 Kinder und Jugendliche mit neuromuskulären

Erkrankungen (Einzugsbereich:

Bochum, Dortmund und Umgebung,

nord-östliches Ruhrgebiet, angrenzendes

Münsterland, Sauerland und Ost-Westfalen)

befinden sich in ständiger ambulanter

Betreuung (entsprechend der Häufigkeit:

Patienten mit Dystrophinopathien, spinaler

Muskelatrophie, Myasthenia gravis, hereditären

Neuropathien etc., unklaren Kreatinkinase-Erhöhungen

und anderen selteneren

Diagnosen wie der malignen Hyperthermie).

Diagnostisch bestehen folgende Möglichkeiten:

Neurophysiologie, Muskel-MRT mit

spezialisertem Radiologen-Team, Stoffwechseldiagnostik,

Muskelbiopsie, in enger

Kooperation mit dem Muskellabor der

Neurologischen Universitätsklinik „Bergmannsheil“,

Bochum.

Neben der ambulant ärztlichen Betreuung

durch Kinderärzte mit dem Schwerpunkt

Neuropädiatrie werden folgende Leistungen

in Kooperation angeboten:

• Hilfsmitttelberatung und Versorgung

durch Orthopädietechnik mit Werkstatt

• Physiotherapeutische Behandlung (Statuserhebung

und Beratung)

• Logopädische Diagnostik und Therapie

(Schluckstörung)

• Ambulante pneumologische und kardiologische

Betreuung, Polysomnografie,

Einleitung und Betreuung bei nicht invasiver

Beatmung

• Gastroenterologische Betreuung (z. B.

PEG-Anlage möglich), Ernährungsberatung


• Sozialberatung, Vermittlung psychologischer

Anbindung in Heimatnähe

Im Zentrum für Neuropädiatrie, Entwicklungsneurologie

und Sozialpädiatrie der

Vestische Kinder- und Jugendklinik in Datteln

finden regelmäßige Sprechstunden für

Kinder und Jugendliche mit neuromuskulären

Erkrankungen (Dystrophinopathien,

spinaler Muskelatrophie, hereditären Neuropathien,

mitochondrialen Myopathien,

Myasthenia gravis etc.) statt. Die Hilfsmittelberatung

und Versorgung durch Neuropädiater,

Orthopäden und Orthopädietechnik

mit Sozialberatung erfolgt im Rahmen

einer gemeinsamen neuro-orthopädischen

Sprechstunde.

Diagnostisch bestehen folgende Möglichkeiten:

Neurophysiologie (EMG, NLG,

EP), Muskel-Sonographie und -MRT in

Kooperation mit der Abteilung für Pädiatrische

Radiologie und Stoffwechseldiagnostik

sowie Muskelbiopsie, Lungenfuntionsdiagnostik,

EKG, Langzeit-EKG,

Echokardiographie, Schlaflabor und Pädaudiologische

Abklärung in Kooperation

mit entsprechenden Fachabteilungen etc.

3.) Sprechstunde für Amyotrophe Latralsklerose

und andere Motoneuronerkran

kungen (ALS-Sprechstunde)

Seit 1999 wird in der Neurologischen Universitätsklinik

Bergmannsheil in Bochum

eine Sondersprechstunde für ALS und andere

Motoneuronerkrankungen angeboten.

Im laufenden Jahr werden über 400 Patienten

(in der überwiegenden Mehrzahl mit

einer ALS) betreut. Neben differentialdiagnostischen

Fragestellungen und der

Überprüfung der Erstdiagnose standen die

Optimierung der symptomatischen Therapie,

die Beratung der Patienten und der

Angehörigen und die palliativmedizinische

Jahresberichte der Neuromuskulären Zentren

Betreuung im Mittelpunkt der Tätigkeit. Als

etabliertes Studienzentrum konnten in den

letzten Jahren internationale Multicenter-

Studien zur Therapie der ALS (ALS-GA

201, der Firma Teva®, SIRONA, der Fa.

Ono®, ALS-TAL 201, der Fa. Teva®, GERP,

initiiert am Universitätsklinikum Ulm) abgeschlossen

werden. Aktuell wird eine internationale

Therapiestudie mit dem Medikament

Dexpramipexol der Fa. Biogen Idec

(EMPOWER) durchgeführt.

Die Sprechstunde wird von OA Dr. Grehl

geleitet, ärztliche Mitarbeiter sind Frau

Roshan-Ghiasi und Frau Dr. Schüning.

Laufende klinische und wissenschaftliche

Projekte:

• Koordination der ambulanten Versorgung

von Patienten mit einer ALS in Kooperation

mit der ALS-Ambulanz der Charite in

Berlin (AmbulanzPartner®)

• Kooperation mit dem Inst. für Geschichte,

Philosophie und Ethik der Medizin der Universitätskliniken

Ulm (Untersuchung der

Lebensqualität von Patienten mit ALS

und deren Angehörigen)

• Aufbau einer Biobank für Patienten mit

einer Amyotrophen Lateralsklerose

• Landesweites bevölkerungsbasiertes Register

zur Erfassung von ALS-Patienten

in Nordrhein-Westfalen

Kooperationen:

• Prof. Dr. med Lars Steinsträßer, Berufsgenossenschaftliche

Universitätskliniken

Bergmannsheil GmbH, Bochum; Plastische

Chirurgie

• Prof. Dr. med Thomas Meyer, Neurologische

Klinik der Charite am Campus

Virchow-Klinikum, Berlin

109


Neuromuskuläres Zentrum Ruhrgebiet

4.) Sprechstunde für Patienten mit

eigner Hereditären Spastischen

Paraplegie (HSP) und anderen Motoneuronekrankungen

In der neurologischen Universitätsklinik

am St. Josef-Hospital Bochum wird von

Frau Dr. Otto eine Spezialsprechstunde für

Patienten, die an einer HSP erkrankt sind

bzw., bei denen diese Verdachtsdiagnose

besteht, angeboten.

In dieser Sprechstunde erfolgt zunächst

eine ausführliche differentialdiagnostische

Abklärung zur Verifizierung der Diagnose.

Darüber hinaus wird das individuelle

Vererbungsmuster erfasst und die sich

daraus ableitende humangenetische Diagnostik

veranlasst. Nach Vorliegen der

humangenetischen Befunde erfolgt eine

ausführliche Beratung, einerseits bezüglich

der humangenetischen Befunde, andererseits

bezüglich der Möglichkeiten der

symptomatischen Therapie der Erkrankungssymptome,

inklusive der Möglichkeit

einer Botulinumtoxinbehandlung.

Eine Zusammenarbeit mit der Tom-Wahlig

Stiftung besteht auch bezüglich der Rekrutierung

von Patienten für die vom Bundesministerium

für Forschung geförderte

GeNeMove-Studie, eine Natural-History-

Studie, die dem Erkenntnisgewinn über

Verlauf und Symptomatik sowie begleitende

Therapien dieser seltenen Erkrankung

dient. Gleichzeitig wird im Rahmen dieser

Studie auch in Zusammenarbeit mit dem

Institut für Humangenetik der Universität

Tübingen eine Gendatenbank angelegt,

um neue für die HSP verantwortliche Genloci

zu finden.

Darüber hinaus wird von Frau Dr. Otto eine

Sprechstunde zur klinischen und neurophysiologischen

Diagnostik bei Verdacht

auf Motoneuronerkrankungen angeboten.

Auch hier erfolgt eine ausführliche Beratung

sowie symptomatische Behandlung

110

der Patienten und Begleitung im Krankheitsverlauf.

Laufende wissenschaftliche Projekte:

• GeNeMove Studie in Zusammenarbeit

mit Hr. Prof. Dr. Schöls, Universität

Tübingen

5.) Humangenetik (Beratung, Diagnostik,

Forschung)

Humangenetische (Familien-)Beratung findet

statt in der Abteilung für Humangenetik

der RUB auf dem Campus. Insgesamt

stehen als Team für die oft zeitintensiven

Abläufe 5 FachärztInnen und 2 ÄrztInnen

zur Verfügung. Das Spektrum der molekulargenetischen

Diagnostik für mehrere

erbliche neuromuskuläre Erkrankungen

wird von mehreren ÄrztInnen sowie einer

spezialisierten Naturwissenschaftlerin (Dr.

G. Dekomien) abgedeckt. Die Forschungsaspekte

der neurogenetisch ausgerichteten

Abteilung sind krankheitsspezifisch

gefächert und sind immer in möglichst

enger Interaktion mit klinischen Partnern

ausgerichtet.

Laufende wissenschaftliche Projekte:

• Molekulargenetische Grundlagen und

Mutationsanalytik bei hereditären Neuropathien

• Mutationsanalyse bei maligner Hyperthermie,

Central Core-Erkrankung und

Gliedergürtel-Muskeldystrophie-Formen

• Service-Einheit für MD-Net: Mutationsanalyse

und Genotyp/Phänotyp-Korrelation

bei Sarkoglycanopathien, konge-

nitale Muskeldystrophie mit Merosin-Defizienz

• Mutationsanalyse und Genotyp/Phänotyp-Korrelation

bei Morbus Tay-Sachs,

Myotilinopathie und Caveolinopathie


Neuromuskuläres Labor des Muskelzentrums

Ruhrgebiet

Das Labor verfügt über die folgenden

Techniken zur Auswertung von Muskel-

biopsien: Histologie, Histochemie, Enzymhistochemie,

Immunhistologie, Western

Blot, Morphometrie Nervenbiopsien: Immunhistologie

______________________________________

Publikation

M, Budde P, Tegenthoff M, Fangerau H. Depression

and QOL in patients with ALS: how do self-ratings

and ratings by relatives differ? Qual Life Res. 2011;

20: 569-74

Jahresberichte der Neuromuskulären Zentren

111


Neuromuskuläres Zentrum Stuttgart

Neuromuskuläres Zentrum Stuttgart

Leiter und Sprecher: Prof. Dr. med. A. Lindner

Am Marienhospital Stuttgart sind alle für die

Diagnostik und Therapie neuromuskulärer

Krankheiten erforderlichen Abteilungen wie

Endokrinologie, Kardiologie, Pulmologie,

Beatmung und Schlaflabor, Rheumatologie

mit klinischer Immunologie, HNO-Heil-

kunde, Phoniatrie und Logopädie sowie

Physiotherapie und Ergotherapie unter

einem Dach vorhanden, so dass kurze

Wege bestehen und dadurch die Patienten

umfassend interdisziplinär betreut werden

können. Bei schweren Krankheitsverläufen

stehen eine eigene und eine anästhesiologisch

geführte Intermediate-Care-

Station sowie operativ und konservativ

geführte Intensivstationen zur Verfügung.

Daneben besteht eine enge Kooperation

mit den Nephrologen (Drs. N. Frischmuth/

U. Schenk). Invasive immunmodulatorische

Verfahren, wie z. B. Immunapherese können

auch auf der Intensivstation unserer Klinik

für Innere Medizin I (Prof. Dr. M. Kellerer,

Dr. H. Tröster, Dr. M. Theisen) durchgeführt

werden.

Gut etabliert und ausgebaut werden konn-

te die nicht invasive Heimbeatmung von

Patienten mit neuromuskulären Erkrankungen

durch die pneumologische Ab-

teilung im Hause (Dres. Reinecke und

Glockner).

Eine weitere wichtige Einrichtung im

Marienhospital sind die Palliativstationen.

Hier werden nicht nur Krebspatienten in

einem weit fortgeschrittenen Krankheitsstadium

betreut, sondern auch Patienten

mit fortgeschrittenen neuromuskulären

Erkrankungen, insbesondere ALS.

Für die ganzheitliche Betreuung der

Schwerkranken wie auch ihren nächsten

Angehörigen steht ein geschultes Team

von Ärzten, Pflegekräften, Psychologen,

112

Theologen, Sozialpädagogen, Krankengymnasten,

Diätberatern sowie Musik-,

Kunst- und Maltherapeuten zur Verfügung.

In Kooperation mit der anästhesiologischen

Klinik im Hause (Ärztlicher Direktor Dr.

W. Junginger) ist eine Schmerzambulanz

(Leitung Dr. U. Köster) etabliert, bei der

neben medikamentös invasiven Verfahren

auch nach Indikation und mit Erfolg

Akupunkturbehandlungen zum Einsatz

kommen.

In den neuromuskulären Sprechstunden

der Neurologischen Klinik werden

Diagnostik und Behandlung, regelmäßige

Verlaufsuntersuchungen und gegebenenfalls

stationäre Aufnahmen koordiniert

mit dem Ziel der langfristigen Betreuung.

Hier stehen alle modernen neurophysiologischen

und neuroradiologischen Methoden

und Laboruntersuchungen zur

Verfügung. Es werden regelmäßig auch zur

Qualitätssicherung neurophysiologischer

Methoden Fortbildungsveranstaltungen

durchgeführt. In Zusammenarbeit mit der

Klinik für Plastische Chirurgie (Ärztlicher

Direktor Prof. Dr. Th. Schoeller) werden

Muskel- und Nervenbiopsien durchgeführt,

die im Muskellabor (Prof. Dr. A. Bornemann)

des Instituts für Hirnforschung (Prof. Dr. R.

Meyermann) der Universität Tübingen oder

in der Neurologischen Universitätsklinik

Halle (Ärztlicher Direktor Prof. Dr. S. Zierz)

begutachtet werden. Mit beiden Instituten

besteht zudem ein reger wissenschaftlicher

Austausch.

Zusammen mit Myopathologen, klinischen

Neurologen und Vertretern aller wichtiger

Nachbardisziplinen finden in monatlichem

Abstand regelmäßig Konferenzen statt, in

denen einzelne (Neu)Diagnosen ausführlich

besprochen und diskutiert werden.


Aus unserer Klinik werden regelmäßig

wissenschaftliche Beiträge publiziert (Poster

auf der DGN, Fachzeitschriften) sowie

Vorträge (z. B. im Rahmen des jährlichen

Medizin-Kongresses, Stuttgart-Messe) und

Fortbildungsveranstaltungen durchgeführt.

Unsere Neurologische Klinik ist Koope-

rationspartner der Klinischen Studie “Herz-

erkrankungen bei Patienten mit mitochondrialen

Erkrankungen Projekt Mito-Herz”

der Abteilung für Kardiologie des Robert-

Bosch-Krankenhauses Stuttgart (Ärztlicher

Direktor Prof. Dr. U. Sechtem) und beim

Aufbau eines ALS-Registers in der Region

Schwaben (Prof. Dr. A.C. Ludolph).

Es besteht ein enger Kontakt und regelmäßiger

Austausch mit der seit langem

bestehenden neuropädiatrischen Muskelsprechstunde

(Leitender Oberarzt Dr.

R. Keimer) des Pädiatrischen Zentrums

Olgahospital Stuttgart. Es kann dort

sämtliche Diagnostik, die bei Kindern mit

neuromuskulären Erkrankungen notwendig

ist, durchgeführt werden. Hierzu gehören

neben der klinischen Untersuchung und

Labor- und Stoffwechseldiagnostik auch

die Elektromyografie, die Myosonogra-

fie, die Kernspintomografie sowie die

Durchführung von Nerven- und Muskel-

biopsien. Zusätzlich zu einer evtl. möglichen

medikamentösen Therapie werden alle

physikalischen Behandlungen angeboten

(Krankengymnastik, Ergotherapie, Logo-

pädie). Im Olgahospital steht eine Orthopädische

und Kinderorthopädische Klinik

(Prof. Dr. T. Wirth) für rehabilitative und

korrigierende operative Eingriffe sowie

zur Hilfsmittelversorgung zur Verfügung.

Eine genetische Beratung ist bei Dr.

Heilbronner in der Humangenetischen

Abteilung möglich. Ebenso wird ein Schlaflabor

vorgehalten. Kinderpsychologen

(Frau Raab-Schneider), Sozialarbeiter (Frau

Jahresberichte der Neuromuskulären Zentren

Dämmrich) und eine Krankenhausschule

(Rektor J. Orts) helfen bei der Integration

muskelkranker Kinder im Alltag.

In der monatlich stattfindenden Muskelkonferenz

werden die Patienten und Befunde

gemeinsam diskutiert.

Verantwortlich für den Bericht.

Prof. Dr. med. A. Lindner

Ärztlicher Direktor

_____________________________________

Publikationen

1. Rudnik-Schöneborn S, Schaupp M, Lindner A,

Kress W, Schulze-Bahr E, Zumhagen S, Elbracht

M, Zerres K.

Brugada-like cardiac disease in myotonic

dystrophy type 2: report of two unrelated patients;

Eur J Neurol. 2010.

2. Stober A, Aleo A, Kuhl V, Bornemann A, Walter

MC, Lochmüller H, Lindner A,

Krause S.

Novel missense mutation p.A310P in the GNE

gene in autosomal-recessive hereditary inclusionbody

myopathy/distal myopathy with rimmed

vacuoles in an Italian family; Neuromuscul Disord.

2010; 20:335.

113


Neuromuskuläres Zentrum Thüringen

Neuromuskuläres Zentrum Thüringen

Vorstand:

1. Vorsitzender und Sprecher:

Herr PD Dr. J. Grosskreutz (Jena)

2. Vorsitzende:

Frau Dr. med. A. Thieme (Erfurt)

Herr Dr. med. B. Romeike (Neuropathologie

FSU Jena), Herr Dr. med. A. Kunze (Jena),

Herr Dr. med. A. Lohr (Erfurt)

Neue Mitglieder: Dr. A. Grimm (Jena)

Mit Erhalt des zertifizierten Gütesiegels der

DGM und dem Ausbau der engen Zusammenarbeit

engagierter Kliniken mit ihren

Spezialambulanzen ist es 2011 gelungen,

die Forschung und Versorgung neuromuskulär

Erkrankter in Thüringen optimiert

fortzuführen. Mehrere Veranstaltungen für

Ärztinnen und Patientinnen haben das

Netzwerk im TMZ weiter gestärkt. Auch

konnte unsere Homepage (http://www.

tmz.uniklinikum-jena.de) weiter zur umfangreichen

Informationsquelle für Ärzte

und Betroffene mit ihren Angehörigen in

Thüringen aufgebaut werden.

Forschungsaktivitäten:

Im Jahr 2011 wurden im Forschungszentrum

Lobeda kombinierte Kalzium-Imaging-

und Patch-Clamp-Messungen an

Zellkulturen fortgeführt, um die Rolle des

ER-Mitochondrien-Kalzium-Zyklus in der

selektiven Degeneration von Motoneuronen

zu untersuchen. In Kooperation mit

Partnern in Rom (Italien), Valladolid (Spanien)

und Göttingen stehen hierzu EU-Drittmittel

von NEURON-ERANET für 2009-

2012 zur Verfügung.

Die Rolle von endoplasmatischem Retikulum-Stress

und der Proteinfehlfaltung bei

ALS konnte in kultivierten Motoneuronen

näher charakterisiert werden.

ALS- und HSP-Patienten werden mittels

neuer voxel-basierter Analysen der Kern-

114

spintomographie (VBM, DTI, MTI) hinsichtlich

feinstruktureller Hirnfrühveränderungen

in Zusammenarbeit mit der Abteilung für

Neuroradiologie im Querschnitt und Verlauf

der Erkrankungen untersucht.

Studien zur Analyse verschiedener entscheidender

Faktoren für die Lebens- und

Versorgungsqualität von ALS-Patienten

wurden 2011 fortgeführt.

Mittels der elektrophysiologischen Methode

des Threshold Tracking werden weiterhin

HSP-Patienten untersucht, um die

Pathogenese der gehäuft beobachteten

peripheren Neuropathie zu untersuchen.

In der kardiologischen Klinik Jena werden

in Kooperation mit der Ambulanz für Motoneuronerkrankungen

Untersuchungen

zum myokardialen Remodelling durch

histologische Untersuchungen der Reexpression

von Tenacin-C bei ALS Patienten

durchgeführt. Im Institut für Klinische Chemie

der FSU Jena werden die Molekulare

Genetik der HSP, Mausmodelle für die HSP

und neuronal differenzierte adulte Stammzellen

von HSP-Patienten untersucht. Dafür

wurden Drittmittel von der DFG, der Uni

Jena und Tom-Wahlig-Stiftung eingeworben.

Am Institut für Physiotherapie des Universitätsklinikum

Jena läuft eine prospektive

Verlaufsstudie zur Evaluierung der Lebensqualität

von Poliopatienten. Weiterhin wird

eine Therapiestudie zur kontinuierlichen

Erfassung von Muskel- und Bewegungsfunktion

zur Einschätzung differenzierter

Therapiemittel durchgeführt. Die Orthopädische

Klinik in Eisenberg ist Mitglied

im „Forschungsnetzwerk Muskuloskelettale

Biomechanik“ (MSB-Net) der Sektion

Grundlagenforschung der Deutschen

Gesellschaft für Orthopädie und Orthopädische

Chirurgie (DGOOC). Weiterhin


ist die Anwendung eines Systems für die

klinische Ganganalyse (3D – Bewegungsanalyse)

einer der Arbeitsschwerpunkte.

Fortbildungsveranstaltungen:

Im Rahmen der Patientenakademie im

September 2011 wurde das Thema des

Erwachsenwerdens mit neuromuskulären

Erkrankungen und Therapieoptionen ausführlich

mit Betroffenen und Angehörigen

diskutiert.

25. Jahrestagung der Deutschen, Österreichischen

und Schweizer Vereinigung für

Kinderorthopädie vom 10.-12.März 2011

im Marienstift Arnstadt. Der Freitag war

insb. der Neuroorthopädie unter dem Tagungspräsidenten

CA Dr. Sebastian Senst

gewidmet

Im Rahmen der neurologischen Fallkonferenz

am 07.12.2011 wurde von der Abteilung

Neuropädiatrie des Universitätsklinikum

Jena ein Beitrag zur Interdisziplinären

Fallkonferenz des Thüringer Neuromuskulären

Zentrums gemacht.

Am Universitätsklinikum Jena findet weiterhin

jeden 2. Montag im Monat eine Neurologisch-Palliativmedizinische

Fallkonferenz

im Zentrum für Palliativmedizin statt.

Regelmäßige Fortbildungsveranstaltungen

zu Themen der Heimbeatmung/ Respiratorentwöhnung

im Säuglings- bis Erwachsenenalter

werden am Zentrum für Schlaf-

und Beatmungsmedizin Apolda (zertifiziertes

Zentrum der AG Heimbeatmung

und Respiratorentwöhnung e. V.) durchgeführt.

Jahresberichte der Neuromuskulären Zentren

Betreuungsstrukturen

Zentrum für Schlaf- und Beatmungsmedizin,

Robert-Koch-Krankenhaus

Apolda

Ambulante und stationäre Diagnostik und

Therapieeinleitung bei Fragen der Atmungsstörung/ventilatorischen

Insuffizienz

wird durch langjährig erfahrenes Personal

mit hoher Sachkompetenz gesichert. In

Zusammenarbeit mit regionalen Pflegediensten,

die langjährige Erfahrungen mit

der Heimbeatmung haben, werden der

weitere Betreuungsbedarf individuell abgestimmt

und erforderliche Schritte inklusive

Abstimmung mit den Kostenträgern

eingeleitet.

Kinderorthopädischen Abteilung,

Marienstift Arnstadt

Es werden regelmäßig Bobathkurse für

Ärzte, Physiotherapeuten, Ergotherapeuten

und Logopäden/innen durchgeführt. Durch

die enge Verzahnung der ambulanten

und stationären Behandlung von Kindern,

Jugendlichen und jungen Erwachsenen

mit neuromuskulären Störungen ist eine

langjährige kontinuierliche Betreuung von

Patienten möglich. Stationär erfolgen insbesondere

Multileveleingriffe an Sehnen,

Muskeln und Knochen, um bei mehrfachbehinderten

Patienten in möglichst wenigen

Schritten zum Ziel zu kommen. Bei

gehfähigen Patienten werden regelmäßig

3-D-Ganganalysen zur Therapieevaluation

durchgeführt.

Orthopädische Klinik – Lehrstuhl für

Orthopädie FSU Jena, Eisenberg

Im Waldkrankenhaus ”Rudolf Elle” wird unter

der Leitung von Lehrstuhlinhaber Prof.

Dr. Venbrocks in enger Zusammenarbeit

mit niedergelassenen Kollegen eine Mus-

115


Neuromuskuläres Zentrum Thüringen

kelsprechstunde angeboten, wobei die

Koordination in der Abteilung Kinderorthopädie

unter Leitung von OA Dr. A. Sachse

und OA Dr. A. Straub erfolgt. Das kurative

Spektrum beinhaltet insbesondere Operationen,

Sehnentransfers, Langzeitbetreuung

von Patienten mit neuromuskulären

und neuropädiatrischen Erkrankungen,

ambulante Diagnostik und für ausgewählte

Fälle eine Ganganalyse (Vycon-System).

Bei Erwachsenen mit muskulären und neurologischen

Erkrankungen werden nahezu

sämtliche Operationen und deren Nachbehandlung

durchgeführt, die z.B. mit der

Algos-Klinik oder in Bad Klosterlausnitz

rehabilitativ weitergeführt werden.

Klinik für Neurologie,

Helios-Klinikum Erfurt

Die gut etablierte Spezialambulanz für neuromuskuläre

Erkrankungen unter OÄ Frau

Thieme bietet auch eine Sozialberatung

durch Frau Feltz an. Die umfassende Versorgung

neuromuskulär Erkrankter in Erfurt

ambulant und stationär ist interdisziplinär

in Zusammenarbeit mit der Abteilung für

Neuropathologie gesichert.

Sozialpädiatrisches Zentrum der Klinik

für Kinder- und Jugendmedizin, Erfurt

Am Sozialpädiatrischen Zentrum wird die

Betreuung von Kindern mit neuromuskulären

Erkrankungen durch Herrn Dr. Lohr

gewährleistet. Die Diagnostik erfolgt in enger

Zusammenarbeit mit der Kinderklinik

des HELIOS Klinikums Erfurt, insbesondere

mit der Möglichkeit somnografischer

und kinderkardiologischer Diagnostik, der

Bodyplethysmografie sowie der Ableitung

von Polysomnografien. Eine enge Kooperation

besteht mit dem Institut für Pathologie,

der Kinderradiologie und dem Institut

116

für Klinische Chemie und Laboratoriumsdiagnostik

des HELIOS Klinikums sowie

der Praxis für Humangenetik Dr. Demuth/

Weidensee, Erfurt. Die kinderorthopädische

Betreuung erfolgt durch regelmäßige

Visiten im SPZ mit Chefarzt Dr. Senst,

Marienstift Arnstadt. Ergänzend erfolgen

monatliche orthopädietechnische und rehabilitationstechnischeHilfsmittelsprechstunden.

Die Sprechstunde am Sozialpädiatrischen

Zentrum ermöglicht eine interdisziplinäre

Zusammenarbeit mit allen am Hause vertretenen

Fachdisziplinen, insbesondere mit

Physiotherapeuten und Ergotherapeuten,

psychologischer Diagnostik und sozialrechtlicher

Beratung.

Institut für Pathologie des

Helios-Klinikums Erfurt

Verschiedene enzymhistochemische Nachweisverfahren

zur diagnostischen Abklärung

von metabolischen Myopathien sind

etabliert. Desweiteren erfolgt die Kryokonservierung

und Asservierung von Muskelgewebe

für weiterführende elektronenmikroskopische

und molekulargenetische Untersuchungen

außerhalb des Instituts. Es

besteht eine enge Zusammenarbeit mit dem

Referenzinstitut für neuromuskuläre Erkrankungen

Aachen, Herrn Prof. J. Weis.

Klinik für Neurologie der FSU Jena

In der Klinik für Neurologie der FSU Jena

werden Spezialsprechstunden für Muskel-

und Motoneuronerkrankungen angeboten.

Zudem besteht bei Erstdiagnostik,

Therapiebeginn oder Verlaufskontrollen

neuromuskulärer Erkrankungen neben der

stationären Abklärung ein interdisziplinäres

tagesklinisches Setting zur Verfügung.

Unter der Leitung von OA PD Dr. med.


Grosskreutz betreut das Team mit Dr. Ringer,

Dr. Smesny, Dr. Prell, der Studienkoordinatorin

Frau Herzau, Frau Aurich, Frau

Rohr und der Sozialarbeiterin Frau Tautz

Patienten und Angehörige. Patienten mit

Amyotropher Lateralsklerose und anderen

Motoneuronerkrankungen, entzündlichen

Muskelerkankungen, Myopathien oder

myasthenen Syndromen, hereditären Neuropathien,

Muskeldystrophien und myo-

tonen Störungen erhalten spezifische

Therapiekonzepte einschließlich der medikamentösen

Behandlung, supportiven

Maßnahmen und fachgerechten Heil- und

Hilfsmittelversorgungen. Die Anlage transkutaner

Ernährungssonden mit Nachbetreuung

auf der neurologischen Intensivstation,

Polysomnografie und Initiierung

einer nicht-invasiven Heimbeatmung ergänzen

die stationäre Diagnostik.

Klinik für Kardiologie, FSU Jena

Als Kooperationspartner steht Prof. Dr.

med. Bernhard Brehm aus der Klinik für

Kardiologie, Klinik für Innere Medizin I zur

Verfügung. Er bietet spezifische kardiale

Diagnostik und Behandlung myokardialer

Beteiligung einschließlich Ergometer-Untersuchungen

für neuromuskulär Erkrankte

an.

Klinik für Neuropädiatrie/

Sozialpädiatrisches Zentrum Jena

Unter Leitung von Herrn Prof. Dr. Brandl

führt OA Dr. Husain eine Spezialsprechstunde

für neuromuskuläre Erkrankungen

bei Kindern und Jugendlichen, die innerhalb

des SPZ dessen umfassende interdisziplinäre

Versorgungsstrukturen nutzt. Es

liegt eine große Erfahrung in der Diagnostik

und Therapie von angeborenen Stoffwechselerkrankungen

mit primärer oder

Jahresberichte der Neuromuskulären Zentren

sekundärer Muskelbeteiligung vor. Es besteht

eine enge Zusammenarbeit mit den

Abteilungen Kinderradiologie und Kinderkardiologie,

dem Institut für klinische

Chemie und Laboratoriumsdiagnostik, der

Abteilung Neuropathologie sowie Kinderorthopäden.

Neben der ärztlichen, physio- und ergotherapeutischen

sowie sozialmedizinischen

Betreuung besteht eine direkte Kooperation

mit dem Zentrum für Humangenetik

mit genetischer Diagnostik und Beratung

für Kinder mit neuromuskulären Erkrankungen

und deren Eltern bzw. Geschwister

in einer SPZ-eigenen Sprechstunde.

Zur frühzeitigen Erkennung von Gang- und

Bewegungsmustern werden regelmäßig

Ganganalysen mit dem Zebris-System unter

Leitung von Herrn Geisendorf durchgeführt,

die eine zügige Anpassung der

Hilfsmittel zum Erhalt der autonomen Mobilität

ermöglichen. Desweiteren erfolgen

monatliche gemeinsame Patientenbesprechungen

mit dem Kinderorthopäden OA

Dr. Sachse der FSU Jena.

Abteilung für Neuropathologie, Jena

In der Abteilung für Neuropathologie des

Universitätsklinikums Jena werden Muskel-

und Nervenbiopsate aus ganz Thüringen

und teils auch aus Sachsen und

Sachsen-Anhalt mit aufwändigen modernen

Methoden untersucht. Darüber hinaus

kommen auch elektronenmikroskopische

Untersuchungen zum Einsatz. Im letzten

Jahr wurden ca. 100 Muskelbiopsien,

über 50 Nervenbiopsien und mehr als 10

Hautbiopsien (meist bei V.a. CADASIL,

einschließlich elektronenmikroskopischen

Untersuchungen) durchgeführt.

117


Neuromuskuläres Zentrum Thüringen

Institut für Physiotherapie, Jena

Die erfolgreiche Dispensairesprechstunde

für Patienten mit Postpoliosyndrom wird

fortgeführt und bietet ein multimodales

physiotherapeutisches und berufs- und

arbeitsbegleitendes Behandlungskonzept.

Es erfolgt der Aufbau eines stationären

Kompetenzzentrums für Polio-Patienten.

Institut für Klinische Chemie und

Laboratoriumsmedizin (IKCL), Jena

In den Arbeitsgruppen von Herrn Prof.

Hübner und Herrn Prof. Deufel werden

molekulardiagnostische Untersuchungen

für Ursachen der HSP angeboten.

Abteilung für Neurologie,

Klinikum Meiningen

Neben einer KV-Ermächtigungs-Sprechstunde

für neuromuskulär Erkrankte bietet

die Klinik im DGSM-zertifizierten Schlaflabor

neben der Therapie der obstruktiven

Schlafapnoe Behandlungen komplexer

Atemstörungen wie zentrales SAS, Cheyne-Stoke-Atmung

oder auch chronische

Hypoventilationen bei neuromuskulären

Erkrankungen an.

Praxen für Humangenetik in Thüringen

Im Rahmen der differentialdiagnostischen

Bestrebungen zur Klärung neuromuskulärer

Erkrankungen erfolgt in den humangenetischen

Praxen Jena (Dres. Schreyer und

Schulz) und Erfurt (Dres. Demuth und Weidensee)

eine genetische Beratung und Diagnostik.

Bei der genetischen Heterogenität

der Muskel- und Nervenerkrankung bei oft

ähnlichem Phänotyp hat die molekulargenetische

Diagnostik einen wichtigen Stellenwert

eingenommen. Ziel ist es, die rasche

Entwicklung molekularer Kenntnisse

118

bei der Ätiologie der Muskelerkrankungen

mit in die Diagnostik ungeklärter Muskelerkrankungen

einzubringen. Bei zahlreichen

neuromuskulären Erkrankungen können

mittlerweile Mutationen, Deletionen oder

Repeat-Expansionen als kausale Ursache

nachgewiesen werden. Die Anwendung

molekulargenetischer Techniken ermöglicht

eine definitive Diagnosestellung bei Betroffenen.

Ergänzt wird die Diagnostik seit den

letzten Jahren durch neue Möglichkeiten

der genomweiten Suche nach Deletionen

und Duplikationen mittels Array-CGH. Basis

der Diagnostik ist eine ausführliche genetische

Beratung und Untersuchung der

Familien nach den Richtlinien der Gesellschaft

für Humangenetik sowie dem Gen-

diagnostikgesetz. Ratsuchende und Überweisende

werden über die humangenetische

Beratung und Diagnostik durch ein

abschließendes humangenetisches Gutachten

informiert.

Klinik für Innere Medizin III,

Rheumatologie

Die Abteilung für Rheumatologie der Universitätsklinikums

Jena bietet ambulante

und stationäre Betreuungsmöglichkeiten

für Patienten mit entzündlichen Systemerkrankungen

an. Es erfolgt eine komplexe

differentialdiagnostische Abklärung bei

Patienten mit einem Beschwerdebild im

muskuloskelettalen System. Insbesondere

zählen hierzu die Kollagenosen und Vaskulitiden.

Therapiekonzepte werden entsprechend

den üblichen Leitlinien und Empfehlungen

umgesetzt. Die Klinik beteiligt sich

unter anderem aktiv an Projekten der europäischen

Vaskulitisarbeitsgruppe EUVAS.


Selbsthilfeaktivitäten

In Thüringen besteht eine Reihe von

Selbsthilfegruppen. Neben dem ALS-Gesprächskreis

in Gotha und der Elterngruppe

muskelkranke Kinder finden Treffen in

Altenburg, Bad Salzungen, Erfurt, Gotha,

Greiz und Suhl/Meiningen statt. Regionale

Selbsthilfegruppen für alle Krankheitsbilder

werden thüringenweit unterstützt, insbesondere

die Betreuung der Selbsthilfegruppe

Polio. Im November 2010 fand ein

Treffen der Selbsthilfegruppe in Jena statt,

bei der neben der Vorstellung der dortigen

Spezialambulanzen Informationen über die

Erkrankungen und Hilfsmittelmöglichkeiten

für die Betroffenen weitergegeben wurden.

Neuere diagnostische und

therapeutische Möglichkeiten

Der Muskel- und Nervenultraschall zur erweiterten

Diagnostik bei neuromuskulären

Erkrankungen wurde in der Neuromuskulären

Ambulanz der Uniklinik Jena etabliert.

Laufende Therapiestudien

Die Abteilung Neuropädiatrie der Klinik für

Kinder- und Jugendmedizin des Universitätsklinikums

Jena beteiligt sich an Therapiestudien

zu Enzymersatztherapien u. a.

bei Patienten mit Morbus Pompe.

In der Neurologie der FSU Jena wurden 25

Patienten in die multizentrische Therapiestudie

zur Wirksamkeit von Dexpramipexol

auf den Verlauf der ALS (EMPOWER) rekrutiert.

Leiter der Prüfung am Zentrum ist

PD Dr. med. Julian Grosskreutz.

Jahresberichte der Neuromuskulären Zentren

Publikationen

Sargsyan SA, Blackburn DJ, Barber SC, Grosskreutz

J, De Vos KJ, Monk PN, Shaw PJ. A comparison

of in vitro properties of resting SOD1

transgenic microglia reveals evidence of reduced

neuroprotective function. BMC Neurosci. 2011 Sep

23; 12: 91.

Turner MR, Grosskreutz J, Kassubek J, Abrahams

S, Agosta F, Benatar M, Filippi M, Goldstein LH, van

den Heuvel M, Kalra S, Lulé D, Mohammadi B; first

Neuroimaging Symosium in ALS (NISALS). Towards

a neuroimaging biomarker for amyotrophic lateral

sclerosis. Lancet Neurol. 2011 May; 10(5): 400-3.

Filippi M, Agosta F, Abrahams S, Fazekas F, Grosskreutz

J, Kalra S, Kassubek J, Silani V, Turner MR,

Masdeu JC; European Federation of Neurological

Societies. EFNS guidelines on the use of neuroimaging

in the management of motor neuron diseases.

Eur J Neurol. 2010 Apr; 17(4): 526-e20.

Beetz: Organsiation Tom Wahlig Symposium „Aktuelle

klinische und molekulare Dimensionen der

hereditären spastischen Spinalparalysen (HSP)“ am

18.3.2011 in Münster.

Synofzik M*, Beetz C*, Bauer C, Bonin M, Sanchez-

Ferrero E, Schmitz-Hübsch T, Wüllner U, Nägele T,

Riess O, Schöls L, Bauer P. Spinocerebellar ataxia

type 15: diagnostic assessment, frequency, and

phenotypic features. J Med Genet 2011; 48: 407-

412. *equal contribution

Bocker B, Hölig C, Smolenski UC. Orthosis management

in patients after poliomyelitis anterior

acuta. J. Rehabil. Med. Suppl. 49, Summary 54.

119


Neuromuskuläres Zentrum Ulm

Neuromuskuläres Zentrum Ulm

Leiter/Sprecher:

Prof. Dr. Dr.h.c. Frank Lehmann-Horn

Division Neurophysiologie, Universität Ulm

Albert-Einstein-Allee 11, 89081 Ulm

Tel.: +49-731 / 500-23250

Fax: +49-731 / 500-23260

Stellverteter:

Prof. Dr. Albert C. Ludolph

Neurologische Universitätsklinik im RKU

Oberer Eselsberg 45, 89081 Ulm

Tel.: +49-731 / 177-1201

Wissenschaftlicher Sekretär:

PD Dr. Karin Jurkat-Rott

Division Neurophysiologie, Universität Ulm

Albert-Einstein-Allee 11, 89081 Ulm

Tel.: +49-731 / 500-23065

Fax. +49-731 / 500-23260

Das NMZ Ulm besteht seit 19 Jahren

und wurde aktuell von der DGM für weitere

3 Jahre zertifiziert (www.uni-ulm.de/

med/neuromuskulaeres-zentrum). Es ist

ein fest installiertes Bindeglied in der klinischen

Betreuung (Diagnostik und Therapie)

von Patienten mit neuromuskulären

Erkrankungen sowie der Forschung

zu diesen Krankheitsbildern und verfügt

über mehrere Spezialambulanzen. Hauptschwerpunkte

bilden Erkrankungen der

motorischen Systemdegenerationen (ALS,

SMA), die hereditäre spastische Spinalparalyse

(HSP), Krankheiten des Muskels

(Myotonien, periodische Lähmungen) und

die Anlage zu maligner Hyperthermie. Zu

den Spezialsprechstunden gehört auch die

Palliativ- und die Dysphagie-Sprechstunde.

Die Einrichtung ist Mitglied im European

Consortium of Respiratory Insufficiency.

120

Stationäre Patientenversorgung

Die stationäre Patientenversorgung erfolgt

am RKU (Neurologie, Orthopädie, Anästhesie)

sowie in der Universitätskinderklinik.

Operationen (z. B. bei Kontrakturen oder

Skoliosen) werden an der Orthopädischen

Universitätsklinik durchgeführt. Ein Team

von KrankengymnastInnen nimmt an speziellen

Schulungen teil und verbessert so

die physikalische Behandlung stationärer

neuromuskulärer Patienten.

Ambulante Patientenversorgung

Die Spezialambulanzen der Neurologischen

Universitätsklinik Ulm (Neuromuskuläre

Sprechstunde, Sprechstunde für Motoneuronerkrankungen

einschließlich Sprechstunde

für hereditäre spastische Spinalparesen,

Palliativsprechstunde), das Sozialpädiatrische

Zentrum (SPZ) des Universitätsklinikums

und der stationäre Bereich

der Neurologischen Universitätsklinik im

RKU sind die ersten Anlaufstellen für Patienten

mit neuromuskulären Beschwerdebildern

sowie deren Angehörige. Neben der

klinischen Versorgung von neuromuskulär

erkrankten Patienten, der Beratung der

Betroffenen und deren Angehörigen stehen

die Mitarbeiter der jeweiligen Einrichtungen

auch beratend für niedergelassene

Kollegen, die sich mit neuromuskulären Erkrankungen

beschäftigen, zur Verfügung.

Die Orthopädische Universitätsklinik im

RKU hat eine hohe Expertise in Fragestellungen,

welche muskulär bedingte

Deformitäten und Fehlstellungen betreffen.

Weiterhin ist die Orthopädie im Rahmen

einer speziellen Muskelsprechstunde

Hauptansprechpartner zu Korrekturoperationen

und Orthesenversorgungen. Eine

Beatmungssprechstunde für überwiegend

invasiv beatmete Patienten ist seit Jahren

Anlaufstelle in der Klinik für Anästhesiologie


im RKU. Nicht invasiv beatmete Patienten

und Betroffene mit einer Ernährungssonde

werden im Rahmen der Palliativambulanz

in der Neurologie betreut. Im Sozialpädiatrischen

Zentrum werden Kinder mit neuromuskulären

Fragestellungen vorstellig. Sie

werden entsprechenden diagnostischen

Maßnahmen zugeführt.

Im Rahmen regelmäßiger Konsultationen

besteht eine enge Zusammenarbeit zwischen

den einzelnen Sprechstunden, wobei

elektrophysiologische Unterschungen in

der Neurologischen Universitätsklinik durch

geführt werden.

Spezialsprechstunden

Ambulanz für neuromuskuläre

Erkrankungen

Etabliertes Bindeglied zwischen niedergelassenen

Ärzten und dem klinischen Bereich

bleibt die Neuromuskuläre Sprechstunde,

die vornehmlich die Diagnostik, die

Therapiekontrolle, die Nachbetreuung und

auch die Beratung von Patienten, Angehörigen

und (nicht)ärztlichen Kollegen wahrnimmt.

Im Zeitraum Januar–November

2011 wurden 382 Patienten und Patientinnen

mit neuromuskulären Erkrankungen

betreut. Das Spektrum reicht von Neuropathien,

degenerativen, entzündlichen

und metabolischen Myopathien bis hin zu

Kanalerkrankungen und Überleitungsstörungen

der neuromuskulären Endplatte.

Die neuromuskuläre Sprechstunde wird

von Herrn Prof. Dr. J. Kassubek und Dr.

A. Rosenbohm geleitet. Weitere ärztliche

MitarbeiterInnen sind Dr. R. Gastl, Dr. K.

Kasischke. Im Rahmen einer Kooperation

mit der Arbeitsgruppe von Dr. F. Kerling,

dem Leiter des Ultraschallabors im RKU,

werden standardisierte Ultraschalluntersuchungen

von Muskeln und peripheren Ner-

Jahresberichte der Neuromuskulären Zentren

ven bei neuromuskulären Krankheitsbildern

durchgeführt und unter quantitativen und

qualitativen Gesichtspunkten ausgewertet.

Eine enge Zusammenarbeit besteht auch

mit der von Herrn Prof. Dr. J. Kassubek

geleiteten Arbeitsgruppe für Bildgebung

hinsichtlich des standardisierten Einsatzes

der Kernspintomographie der Muskulatur.

Ambulanz für Motoneuronerkrankungen

In der Ambulanz für Motoneuronerkrankungen

wurden 2011 von Januar bis November

360 Motoneuronpatienten versorgt.

Überwiegend werden Patienten mit

Amyotropher Lateralsklerose betreut sowie

Patienten mit Spinalen Muskelatrophien

und anderen Motoneuronerkrankungen.

Neben der Diagnostik, Differenzialdiagnostik

und der langfristigen Betreuung stehen

Beratungen hinsichtlich einer adäquaten

Hilfsmittelversorgung sowie zum Einsatz

von Logopädie, Ergotherapie und Krankengymnastik

im Vordergrund. Die bereits etablierte

und bewährte Kooperation mit der

von PD Dr. S. Süssmuth geleiteten Ambulanz

für Schluckstörungen im RKU wurde

weitergeführt, in der insbesondere die Fragen

nach Charakter und Schweregrad einer

Dysphagie und die möglichst optimale

Nahrungsanpassung erörtert werden. Über

die Ambulanz für Motoneuronerkrankungen

werden bei Bedarf auch gezielt gesonderte

Termine für die einzelnen Beratungen oder

auch Therapiesitzungen in den jeweiligen

Therapiebereichen vermittelt. Gemeinsam

mit Ernährungsberaterinnen werden alle

Fragen zur angepassten oralen und intragastralen

Ernährung über gastrointestinale

Sonden sowohl mit den Patienten als auch

deren Angehörigen detailliert erörtert.

121


Neuromuskuläres Zentrum Ulm

Die im Jahr 2009 begonnene Studie mit

der Substanz TRO19622, die sogenannte

MitoTarget-Studie wurde fortgeführt. Diese

Substanz stabilisiert den Mitochondrienstoffwechsel

und soll dadurch das Absterben

der Mitochondrien verhindern. Die im

Jahr 2010 gestartete Studie zur Untersuchung

von Nogo-A, eines myelinassoziierten

Transmembranproteins, das das Axonwachstum

hemmt, in Muskelbiopsieproben

bei ALS-Patienten wurde abgeschlossen.

Diese Studie diente als Voraussetzung für

die Prüfung eines Nogo-A-Antikörpers auf

die Krankheitsprogression bei ALS-Patienten,

die Mitte 2012 beginnen wird. Neben

diesen Studien ist die Ambulanz an der so

genannten EMPOWER-Studie, Dexpramipexol

bei ALS-Patienten, beteiligt, zu der

der Patienteneinschluss im Sommer 2011

erfolgte. Diese Substanz wirkt wahrscheinlich

als Mitochondrienmodulator.

Die ALS-Sprechstunde wird von Prof. Dr.

A. C. Ludolph und Prof. Dr. J. Kassubek

geleitet. Ärztliche Mitarbeiter sind Dr. J.

Dorst, S. Endruhn, Dr. M. Rabe, Dr. A. Hübers

und Dr. U. Weiland. Frau Sabine Raubold

und Frau Melanie Mayer sind als Studienassistentinnen

wichtige Stützen der

Ambulanz.

Palliativsprechstunde

Eine in die Motoneuronambulanz integrierte

und fest etablierte Einrichtung ist

die Palliativsprechstunde. Sie ist über das

Neuromuskuläre Zentrum Ulm Mitglied in

der Arbeitsgemeinschaft der deutschen

Heimbeatmungszentren und im Europäischen

Consortium of Respiratory Insufficiency.

In diesem Rahmen findet die

Langzeitversorgung von chronisch ateminsuffizienten

Patienten statt, auch die

Versorgung von Patienten mit einer Ernäh-

122

rungssonde (PEG/PEJ). Viele Patienten

leiden an verschiedenen neuromuskulären

Erkrankungen und kommen aus dem Ulmer

Raum, aber auch von außerhalb der

Region. Ärztlicher Ansprechpartner ist Dr.

J. Dorst.

In der Palliativsprechstunde bilden die invasiv

beatmeten Patienten den Schwerpunkt.

Daneben werden auch nicht-invasive

Beatmungstechniken angewandt

und eine optimale Hilfsmittelversorgung

gewährleistet. Es werden Patienten mit unterschiedlichen

Motoneuronerkrankungen,

dystrophen Myopathien und seltenen Erkrankungen

(z. B. Einschlusskörperchenmyositiden)

betreut.

Die Datenerhebung zur prospektiven Langzeitstudie

zu Determinanten der Entscheidungen

bezüglich lebensverlängernder

Maßnahmen bei ALS-Patienten in fortgeschrittenen

Stadien unter der Leitung von

Prof. Dr. A.C. Ludolph und Dr. Dorotheé

Lulé konnte 2011 abgeschlossen werden.

Aktuell erfolgt die Analyse der Daten. Die

Studie wird in Kooperation mit dem Institut

für Medizinische Psychologie der Universität

Tübingen unter Leitung von Prof. Dr.

N. Birbaumer und in zusätzlicher Kooperation

mit der Arbeitsgruppe von Frau Prof.

Dr. A. Kübler an der Universität Würzburg

durchgeführt. In Kooperation mit der Arbeitsgruppe

von Prof. Dr. Wim Robberecht

an der Universität Leuven und der Arbeitsgruppe

von Prof. Dr. L. van den Berg am

Universitair Medisch Centrum Utrecht ist

geplant, dieses Projekt auch im Hinblick

auf einen interkulturellen Vergleich zwischen

Deutschland und Belgien bzw. den

Niederlanden zu bearbeiten. Desweiteren

konnte 2011 in einer Querschnittstudie die

Diskrepanz zwischen Fremd- und Selbsteinschätzung

der Lebensqualität von ALS-


Patienten unter der Leitung von Prof. Dr. A.

C. Ludolph und Dr. Dorotheé Lulé gezeigt

werden.

Den Zusammenhang von Kognition und

Entscheidungen bezüglich Lebensverlängerung-

und -verkürzung bei ALS-Patienten

mit frontotemporaler Demenz (ALS-

FTD) wird in einer aktuellen Studie unter der

Leitung von Prof Dr. A.C. Ludolph und Dr.

D. Lulé in Zusammenarbeit mit der Arbeitsgruppe

von Prof Dr. M. Otto untersucht. Es

wird die Hypothese geprüft, inwiefern ein

Zusammenhang vom Auftreten kognitiver

Auffälligkeiten bei ALS-FTD-Patienten und

deren Entscheidungen, (eventuell ohne

Rücksicht auf andere) das Leben verlängern

zu wollen besteht.

Zur Erfassung der kortikalen Veränderungen

und Reorganisationsmechansismen im

Verlauf der ALS werden zwei von der Deutschen

Forschungsgemeinschaft (DFG) ge-

förderte fMRT-Studien durchgeführt, die

sich auf die Verarbeitung von Alltagsbewegungen

und auf die von Gefühlen beziehen.

Außerdem wird die Ruhenetzwerkaktivität

des Gehirns (Resting State) des

motorischen und emotionalen Systems

bei den Patienten untersucht. Die beiden

Studien werden unter der Leitung von Prof.

Dr. A. C. Ludolph und Dr. Dorotheé Lulé

sowie Dipl Psych Johanna Heimrath und

bis Ende 2011 von Dipl Psych Dirk Lang

durchgeführt.

In Zusammenarbeit mit dem San Luca

Hospital, Istituto Auxologico Italiano in

Mailand, Italien, findet eine Untersuchung

von kognitiven Funktionen bei der ALS mithilfe

von Motorik-unabhängigen Techniken

wie Brain Computer Interfaces (BCIs) und

Eyetracking statt. Im Rahmen der Studien

sollen Methoden entwickelt werden, die

Jahresberichte der Neuromuskulären Zentren

auch im fortgeschrittenen Stadium der

ALS bei der Untersuchung der kognitiven

Fähigkeiten der Patienten Anwendung finden

können.

Zusammen mit der Arbeitsgruppe für Bildgebung

der Neurologischen Klinik (Leiter:

Prof. J. Kassubek) finden aktuell mehrere

Studienprojekte zur Phänotypisierung von

Motoneuronerkrankungen statt, diese dienen

der Charakterisierung von Patientenkollektiven

mit Primärer Lateralsklerose,

HSP, Spinobulbärer Muskelatrophie Typ

Kennedy und der Flail Arm-Variante. Hierbei

werden spezielle Protokolle zur Computer-basierten

Analyse von MRT des Gehirns

erhoben. Bezüglich der Konzepte dieser

Studien wird auch auf den Beitrag „Computer-basierte

multiparametrische Magnet-

resonanztomographie-Bildgebung bei ALS

und anderen Motoneuronerkrankungen“

(J. Kassubek) in diesem Buch (S. 150)

verwiesen. Zudem wurden MRT-Analysen

der Body Composition (Körperfett) durchgeführt:

Mit dem hauseigenen Analysesoftwarepaket

Automatic Tissue Labelling

and Analysis Software wurden diese Daten

bzgl. der Körperfettverteilung von subkutanem

und viszeralem Fettgewebeanteil bei

ALS-Patienten ausgewertet. In einer weiteren

Studie wird die kardiale Beteiligung

bei ALS mittels KardioMRT untersucht.

Die in den Untersuchungen zu den Lang-

und Kurzzeiteffekten einer PEG-Anlage er-

hobenen Befunde und die gesammelten

Erfahrungen wurden auch in diesem Jahr

wieder allen Patienten im Rahmen eines

Patiententreffens mitgeteilt.

123


Neuromuskuläres Zentrum Ulm

Genetische Beratung

Die Genetische Beratungsstelle des Instituts

für Humangenetik steht den Familien

der im Neuromuskulären Zentrum betreuten

Familien zur Verfügung, soweit dies

gewünscht und benötigt wird. Nach differenzialdiagnostischer

Klärung erfolgt eine

fachlich qualifizierte Genetische Beratung

gemäß Gendiagnostikgesetz (GenDG) vom

31. Juli 2009, §10. In den letzten 5 Jahren

waren es 145 Beratungen (Familien/Ratsuchende)

bei neuromuskulären Erkrankungen.

Deutschlandweite „Rund um die Uhr“

Hotline für Maligne Hyperthermie

08221-9600

Für die Anästhesie stellt die Maligne Hyperthermie

(MH) auch heute noch, knapp

50 Jahre nach Erstbeschreibung, ein bedrohliches

Krankheitsbild dar. Die Gefährlichkeit

zeigt sich an der Tatsache, dass in

sämtlichen anästhesiologischen Einrichtungen

das Antidot Dantrolen vorgehalten

wird.

Durch Prävention, Identifikation der Anlageträger,

Aufklärung der Betroffenen und

Schulung von Fachpersonal konnte die

Häufigkeit klinischer Krisen sowie die Letalität

in den letzten Jahren deutlich gesenkt

werden. Diese Maßnahmen liefern damit

einen wesentlichen Beitrag für die Patientensicherheit

im Bereich der Anästhesiologie.

Die Deutschlandweite 24 Stunden besetzte

Hotline für Maligne Hyperthermie (bisher

Prof. Schulte-Sasse, Heilbronn) diente

seit Jahren sowohl Laien als auch medizinischem

Fachpersonal als Anlaufstelle für

sämtliche Fragestellungen im Zusammenhang

mit der Malignen Hyperthermie.

Seit 1. Januar 2011 ist die Deutschland-

124

weite MH-Hotline unter der Telefonnummer

08221-9600 über ein ständig besetztes

Mobiltelefon der Neuroanästhesie der Neurochirurgischen

Klinik der Universität Ulm

am BKH Günzburg erreichbar. Es wechseln

sich dort bei der Beantwortung von Fragen

acht speziell geschulte Oberärzte sowie

Chefarzt Dr. Dirk Repkewitz ab. Die MH-

Hotline ist ebenso wie das MH-Labor Teil

des NMZU.

Außerdem werden Fragen zu den Themenkomplexen

Rhabdomyolyse, neuromuskuläre

Erkrankungen, isolierten CK-Wert-

Erhöhungen und dem anästhesiogischen

Vorgehen bei Verdacht auf Maligne Hyperthermie

beantwortet. Fragen gibt es häufig

auch zum Malignen Neuroleptischen Syndrom

und zum Multiorganversagen.

Das MH-Zentrum Ulm-Günzburg unterhält

nicht nur die MH-Hotline, sondern führt

auch ein Register für Zwischenfälle und

dokumentiert Anfragen und Beratungen.

Es wird geführt von PD Dr. Werner Klingler,

Neuroanästhesie Günzburg, und PD Karin

Jurkat-Rott, Division of Neurophysiology,

Universität Ulm. Es werden auch die Daten

zu Genetik, Histopathologie und klinischen

Besonderheiten erhoben und ausgewertet.

Das überregionale MH-Zentrum besteht

seit mehr als 15 Jahren. Es ist europaweit

eines der wenigen Labors, in welchen der

diagnostische Kontrakturtest (IVCT), histopathologische

(Prof. Dr. Möller, Universität

Ulm) und genetische Untersuchungen für

die Anlage zu maligner Hyperthermie und

zu ähnlichen Erkrankungsdispositionen

durchgeführt werden.

In-vitro Zusatzdiagnostik: Muskel- und

Nervenbiopsien

Die Muskelproben werden an der Orthopädischen

Universitätsklinik in Absprache mit


der Neurologie und der Division of Neurophysiology

entnommen. Im Zeitraum Januar-November

2011 wurden insgesamt 101

Muskelbiopsien durchgeführt. Die In-vitro-

Diagnostik der Anlage zu maligner Hyperthermie

(MH) und bei speziellen Formen

von Myotonien und periodischen Paralysen

erfolgt in der Division of Neurophysiology.

Die histologische MH-Diagnostik findet

in der Neuropathologie statt, die histologische

Diagnostik der Myopathien im Muskellabor

der Neurologischen Universitätsklinik

im RKU durch Dr. A. Rosenbohm, Dr.

K. Kasischke, Prof. Dr. H. Tumani und Frau

H. Mogel. Im Muskellabor werden neben

der Routinehistologie (Strukturmyopathien,

entzündliche Myopathien, d. h. Poly/

Dermatomyositis, Inclusion-Body-Myositis,

mitochondriale Myopathien, Faserdisproportionen,

MAD-Mangel, toxische Myopathien,

Fettstoffwechselstörungen, neuro-

gene Muskelatrophien) immunhistochemische

Färbungen für alle derzeit einer

Diagnostik zugänglichen Gliedergürteldystrophien,

kongenitalen Myopathien sowie

Dystrophinopathien durchgeführt. Die immunhistochemischen

Methoden umfassen

weiterhin Lymphozyten- und Oberflächenmarker

für entzündliche Myopathien.

Darüber hinausgehend werden aktuell

Western-Blot Verfahren zur Analyse von

Membranproteinen etabliert. Die elektronenmikroskopische

Analyse der Muskulatur

erfolgt in der Neuropathologie (Prof. Dr.

D. Thal).

Datenbanken

Gen- und Patientendatenbank

Die DNA- und Patientendatenbank der Division

of Neurophysiology wuchs auch 2011

beständig, wobei die Finanzierung mit lo-

Jahresberichte der Neuromuskulären Zentren

kalen Mitteln erfolgte. Die Patientendatenbank

umfasst mehr als 9.000 Personen mit

dystrophischen und nicht-dystrophischen

Myotonien, periodischen Paralysen und

Anlage zu maligner Hyperthermie. In der

Genbank sind mehr als 8.000 DNA-Proben

asserviert (Ansprechspartner ist Frau

PD Dr. K. Jurkat-Rott, Tel.: 0731 / 500-

23065). Für die Motoneuronerkrankungen/

ALS sind bisher mehr als 2.700 Lymphoblastenkulturen

angelegt. Ansprechpartner

für die ALS-Phänotyp-Genbank ist Frau

Kneer (0731 / 1771201). Im Rahmen der

Motoneuronerkrankungen/ALS-Genbank

wurde die bestehende Kooperation mit

anderen Kliniken Deutschlands (München,

Hannover, Berlin, Lübeck) weitergeführt

und ausgebaut.

Molekulargenetische Diagnostik

Myotonien, periodische Paralysen

und maligne Hyperthermie

In der Division of Neurophysiology wird

die molekulare Diagnostik der nicht-dystrophischen

Myotonien (CLCN1, SCN4A),

der periodischen Paralysen (SCN4A,

CACN1AS) und der Anlage zu maligner

Hyperthermie (RYR1) durchgeführt. Die

potenziellen Differentialdiagnosen werden

ebenfalls abgeklärt: episodische Ataxien,

hemiplegische Migräne und Neuromyotonien

(KCNA1, CACN1A1, ATP1A2,

KCNQ2/3). Bisher konnte bei etwa 2.500

Patienten eine krankheitsverursachende

Mutation nachgewiesen werden (je nach

Diagnose bei 20-70%), bzw. bei 1.294

Familienmitgliedern die in der Familie bekannte

Mutation ausgeschlossen werden.

Weitere Klärung ist bei neuen genetischen

Veränderungen nötig, um festzustellen, ob

es sich dabei um krankheitsverursachende

125


Neuromuskulärens Zentrum Ulm

Mutationen oder benigne Polymorphismen

handelt. Dazu werden Familienmitglieder

und ggf. Hunderte von Kontrollen

untersucht. Häufig ist es erforderlich, die

Veränderung in einem Expressionssystem

funktionell zu charakterisieren. Dies kann

sehr schwierig sein, da viele genetische

Veränderungen, die mit einer Aminosäuresubstitution

einhergehen, funktionelle Auswirkungen

haben, die aber nicht unbedingt

krankheitsverursachend sein müssen.

Zusätzlich erfolgen an großen Familien mit

neuen neuromuskulären Syndromen Genom-weite

Kopplungsstudien.

Motoneuronerkrankung/

Amyotrophe Lateralsklerose (ALS)

In der Neurologischen Klinik wird in Kooperation

mit dem Institut für Humangenetik

Mutations-Screening für Kupfer/Zink SOD-

Mutationen (ALS1), TDP-43-Veränderngen,

VABP-Veränderungen (ALS8) und Untersuchungen

des Dynactin-Gens durchgeführt.

Mit den Instituten für Humangenetik in

Aachen, Tübingen und Ulm besteht eine

Kooperation bei der Suche nach weiteren

genetischen Defekten für die ALS, der

SMA und der HSP. Hauptsächlich werden

hier familiäre Varianten und Suszeptibilitätskandidaten

untersucht. Die Kooperation

mit der Humangenetik der Universität

Bochum (Dr. L. Arning) mit der Frage nach

Senataxin-Veränderungen (ALS4) wird weitergeführt.

Progressive Muskeldystrophien

Duchenne/Becker und myotone

Dystrophien

Die für das Neuromuskuläre Zentrum relevante

DNA-Diagnostik im Institut für Humangenetik

umfasst die molekulargenetische

Diagnostik der Muskeldystrophien

126

Duchenne und Becker sowie die myotonen

Dystrophien Typ I und Typ II (http://

www.uni-ulm.de/humangenetik). Pro Jahr

werden 200 bis 250 Patienten mit dieser

klinischen Verdachtsdiagnose molekulargenetisch

untersucht.

Therapiestudien

Klinisch-wissenschaftlicher Schwerpunkt

ist die Durchführung von Therapiestudien

im klinischen Studienzentrum der Neurologie.

In diesem Jahr wurde die Therapiestudie

mit dem Wirkstoff TRO19622

(Mito Target) weitergeführt. Die Studie zur

Bestimmung von Nogo-A in Muskelbiopsieproben

bei ALS-Patienten wurde abgeschlossen.

Eine weitere Studie mit der

Substanz Dexpramipexol hat im Frühsommer

2011 begonnen. Desweiteren wurden

die Einzelprojekte mit der Frage zur Lebensqualität

in der Terminalphase der ALS,

nach spezifischen serologischen Markern

zur Gewichtsregulation und zur Frage der

Objektivierbarkeit des subkutanen Fettverlustes

durch kernspintomographische Methoden

weitergeführt. Nach wie vor wird in

Kooperation mit der Universität Tübingen

die Studie „Kommunikation durch Selbstkontrolle

der Hirnströme – eine neue Möglichkeit

der Verständigung für gelähmte

Patienten“ durchgeführt. Außerdem konnte

in diesem Jahr das ALS-PEG-Register

und das ALS-Register Schwaben erfolgreich

weitergeführt werden.

Translationsforschung zu Kanalopathien

Untersuchungen zu den

periodischen Paralysen:

In der Division of Neurophysiology wurde

herausgefunden, dass Muskelfasern zwei

Zustände einnehmen können, nämlich einen

(Z1), von dem aus sie sich verkürzen

und Kraft entwickeln können, und einen


zweiten (Z2), in dem sie unerregbar und

somit gelähmt sind. Normalerweise befinden

sich alle Muskelfasern im Zustand Z1.

Wenn aber die Kaliumkonzentration im Blut

extrem niedrig ist (


Neuromuskuläres Zentrum Ulm

und zur Publikation vorbereitet. Weiterhin

werden nach wie vor Konduktorinnen für

Dystrophinopathien mittels der kardialen

MRT untersucht.

In einem zweiten Projekt wird im Rahmen

dieser Kooperation der Nutzen der kardialen

Kernspintomographie zur Evaluation

einer kardialen Beteiligung bei Patienten

mit mitochondrialen Myopathien (MELAS,

MERRF, KSS, etc.) durchgeführt. Erste Ergebnisse

dieser Arbeiten sind bereits ausgewertet

und zur Publikation eingereicht.

Eine neue Kooperation besteht seit dem

Jahr 2010 mit der Klinik für Innere Medizin

II der Universität Ulm (PD Dr. Bernhardt,

Prof. Dr. Rottbauer). Diese Zusammenarbeit

hat sich zur Aufgabe gesetzt, eine

kardiale Beteiligung bei Patienten mit entzündlichen

Muskelerkrankungen (Polymyositis,

Dermatomyositis, Inclusion-Body-

Myositis) und bei ALS zu evaluieren.

Natrium-Kernspintomographie

der Muskulatur:

In einer Kooperation zwischen dem DKFZ

Heidelberg und der Division of Neurophysiology

gelang es, die intrazelluläre Natriumkonzentration

im Muskelgewebe in-vivo

nicht-invasiv darzustellen. Dazu wurde die

neuartige 23Natrium-Magnetresonanztomographie

(23Na-MRT) implementiert. Die

Methode ist schwierig und erfordert hohe

Ansprüche an den MR-Tomographen und

das Sequenzdesign. Grund dafür ist die

Tatsache, dass das 23Na MR-Signal im

Menschen 22.000-fach niedriger ist als das

1H MR-Signal, welches die Grundlage für

das Standard MRT ist. Zusätzlich weisen

Natriumatome ungünstige Eigenschaften

wie eine extrem kurze T2 Relaxationszeit

im Gewebe auf, so dass das Signal-zu-

Rausch Verhältnis in der Natriumbildgebung

sehr niedrig und die Messdauern

128

dementsprechend lang sind. Durch Entwicklung

einer 3-dimensionalen 23Na MR

Sequenz mit ultrakurzer Echozeit von 0,2

ms wurde es möglich, binnen 10 Minuten

den intrazellulären Natriumgehalt beider

Unterschenkel mit einer Messung zu erfassen.

Damit wurden Patienten mit muskulären

Natrium- und Kalziumkanalopathien

untersucht, da bei diesen Krankheiten eine

reversible Muskellähmung durch Abkühlung

und andere Trigger in-vivo provozierbar

ist.

Es zeigte sich, dass die Lähmung bei

verschiedenen Kanalopathien mit einer

pathologisch erhöhten intrazellulären Natriumakkumulation

einhergeht und dass

die Natriumakkumulation mit bestimmten

Medikamenten verhindert bzw. rückgängig

gemacht werden kann, wodurch auch die

Muskelkraft normalisiert wird. Auch bei der

Duchenneschen Muskeldystrophie waren

der intrazelluläre Gehalt an Natrium und

Wasser pathologisch erhöht. Das Muskelödem

bei Duchenne ist somit hauptsächlich

osmotisch und nicht, wie bisher angenommen,

inflammatorisch bedingt. Zurzeit wird

eine Therapiestudie mit einem Diuretikum

vorbereitet.

Organisation von Kongressen und Fortbildungsveranstaltungen

• 20. Kongress des Wissenschaftlichen

Beirats der Deutschen Gesellschaft für

Mus-kelkranke e. V. (DGM), Ulm/Neu-

Ulm, 30.03.-2.04.2011, Kongresspräsident:

Prof. Dr. A.C. Ludolph

• Mitgliederversammlung des NMZ 2010,

nachgeholt am 27.1.2011

• Mitgliederversammlung des NMZ 2011

am 12.12.2011

• Muskelkolloquien, organisiert von Frau

PD Dr. Jurkat-Rott

• Muskelkolloquium 2011/1:


Fall 1: Einseitige Schultergürtelparese –

was tun?

Fall 2: Familiäre distale Myopathie vom

Miyoshi-Typ ohne Dysferlin-Mutation

Fall 3: 25 Jahre Jahre Dystrophin-Gen –

und immer noch Überraschungen

• Muskelkolloquium 2011/2:

Differentialdiagnose der idiopathischen

und präsymptomatischen CK-Erhöhung

Fall 1: Anoctamin-5 Mutation

Fall 2: Isolierter Coenzym Q Mangel

Fall 3: Multiminicore-Myopathie bei familiärer

CK-Erhöhung und fulminanter

MH-Krise

Preise und Auszeichnungen für Mitglieder

des NMZ Ulm

Dr. Dr. D. Lulé erhielt den Mattiacum-Preis

2011 der Deutschen Gesellschaft für Neurologie

(DGN) und des Lions Club Wiesbaden

Mattiacum.

Prof. Dr. J. Kassubek wurde der 1. Preis

des Felix-Jerusalem-Preises für neuromuskuläre

Erkrankungen 2011 der Deutschen

Gesellschaft für Muskelkranke e. V.

(DGM) verliehen.

Dr. B. Holzherr erhielt den 3. Preis des

Felix-Jerusalem-Preises für neuromuskuläre

Erkrankungen 2011 der DGM (s. a.

Berichte der DGM-Preisträger in diesem

(Buch S. 156)

Prof Dr. Dr.h.c. F. Lehmann-Horn erhielt

2011 in Orlando/FL den „Research and

Patient Care Award“ der Periodic Paralysis

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Jahresberichte der Neuromuskulären Zentren

131


Neuromuskuläres Zentrum Würzburg

Neuromuskuläres Zentrum Würzburg

Das Neuromuskulären Zentrums (NMZ)

Würzburg führt die auf Krankheitserkennung,

Behandlung und Betreuung von neuromuskulären

Patienten der Region ausgerichteten

Aktivitäten der Neurologischen

Klinik, der Kinderklinik und dem Sozialpädiatrischen

Zentrum „Frühdiagnosezentrum“,

der Orthopädischen Klinik und der

Klinik für Anästhesiologie des Universitätsklinikums

Würzburg sowie der Abteilung

für Medizinische Genetik des Instituts für

Humangenetik der Universität zusammen.

Die Mitarbeiterinnen in den Psychosozialen

und Ergotherapeutischen Beratungsstellen

Würzburg des DGM Landesverbandes Bayern

e. V. sind häufig die erste Anlaufstelle

für die Betroffenen und die Angehörigen.

Seit diesem Jahr ist das NMZ an herausgehobener

Stelle über die Homepage des

Universitätsklinikums erreichbar (http://

www.neuromuskulaeres-zentrum.uk-wuerzburg.de).

Über das Muskuloskelettale

Centrum Würzburg (MCW) (http://www.

mcw.medizin.uni-wuerzburg.de) werden

zusätzlich zum Beratungsangebot der DGM

spezielle Versorgungs- und Forschungsaspekte

der Auswirkungen von Muskelkrank-

heiten auf das Bewegungssystem bearbeitet.

Ein weiterer Schwerpunkt ist die Information

der Öffentlichkeit über Fragen der

Vorsorge auf dem Hintergrund einer durch

die Alterstruktur zunehmenden Bedeutung

der Osteoporose, Sarkopenie (Muskelschwund

im Alter) und neuromuskulärer

Defizite im Alter. Zur überörtlichen Koordination

finden regelmäßig gemeinsame

Sitzungen der Mitglieder und Mitarbeiterinnen

des Zentrums mit dem Vorsitzenden

des LV, Herrn Dr. R. Janiak, statt.

Im Verlauf des Jahres ist Herr Prof. Dr. Hans-

Michael Straßburg, für über zwei Jahrzehnte

Oberarzt der Universitätskinderkli-

nik und in Personalunion Leiter des Frühdi-

132

agnosezentrums, ein weit über die Region

hinaus bekannter Vertreter des Bereiches

Neuropädiatrie, in den Ruhestand getreten.

Herr Prof. Straßburg war von Anbeginn

an ein tragendes Mitglied des NMZ

Würzburg und Initiator vieler gemeinsamer

Aktivitäten. Es ist seinem engagierten Wirken

zu verdanken, dass die Neuropädiatrie

speziell auch hinsichtlich der neuromuskulären

Erkrankungen für die jungen Patienten

über das Einzugsgebiet des NMZ

Würzburg hinaus hier eine kompetente Diagnostik

und Betreuung in jeder Hinsicht

erhalten haben. Sein langjähriger Mitarbeiter

Oberarzt Dr. M. Häußler führt diese

anerkannt sehr erfolgreiche Arbeit kommissarisch

fort. Organisatorisch wurde das

Frühdiagnosezentrum/Sozialpädiatrisches

Zentrum zu Beginn des Jahres 2011 in die

Universitäts-Kinderklinik eingegliedert.

In diesem Jahr wurde das NMZ Würzburg

für eine neue Fünfjahresperiode von der

DGM-Kommission mit einem sehr erfreulichen

Ergebnis evaluiert, so dass die bisherige

erfolgreiche Arbeit fortgesetzt werden

kann.

Psychosoziale und Ergotherapeutische

Beratung für Patienten und Angehörige;

Öffentlichkeitsarbeit

In diesem Jahr nahmen ca. 180 Betroffene

mit ihren Angehörigen die Beratung der

Mitarbeiterinnen (Brigitte Brauner, Ergotherapie

und Angelika Eiler, Psychosoziale

Beratung) in Anspruch. Etwa die Hälfte dieser

Personen waren bereits aus den Vorjahren

– zum Teil über einen langen Zeitraum

hinweg – bekannt.

Themen der Beratung waren einerseits

Fragen von Neuerkrankten, beispielsweise

zum Umgang mit der Erkrankung, zur


Anpassung des beruflichen und privaten

Lebens an die neue Situation, zum Einsatz

von Hilfsmitteln und zur notwendigen

Umgestaltung des Wohnraums, aber auch

Fragen, die sich aus dem chronisch progredienten

Krankheitsverlauf ergeben.

Dazu gehören beispielsweise die Organisation

von Pflege und Assistenz, die Veränderungen

der Rollen in der Familie, der

Umgang mit den stets wiederkehrenden

Abschieden im Leben durch Verlust von

körperlichen Funktionen oder die Gestaltung

des letzten Lebensabschnitts. Kennzeichnend

für die Tätigkeit ist eine enge Ko-

operation zwischen ehrenamtlichen Kontaktpersonen

der DGM – Landesverband

Bayern e. V. – und den hauptamlichen Mitarbeiterinnen

am Neuromuskulären Zen-

trum, so dass Fachwissen der Hauptamtlichen

und Erfahrungswissen der Betroffenen

sich ergänzen können. Erfreulicherweise

finden auch junge Menschen, deren

Eltern vor vielen Jahren Kontakt zur DGM

aufgenommen haben, den Einstieg in das

ehrenamtliche Engagement.

Ein wichtiges Projekt dieses Jahres war die

Erarbeitung neuer Informationsmaterialien

zu den unterschiedlichen Angeboten des

Landesverbandes und den Beratungsstellen

an den Neuromuskulären Zentren in

Bayern.

Auch die Vernetzung mit anderen Diensten

vor Ort ist eine ständige Aufgabe der beiden

Mitarbeiterinnen. Erstmals konnte in

diesem Jahr ein interdisziplinärer Arbeitskreis

von Fachkräften ins Leben gerufen

werden, die mit der Versorgung/Begleitung

von Kindern und Jugendlichen mit

neuromuskulären Erkrankungen befasst

sind. Auch in diesem Arbeitskreis war die

Betroffenen-Perspektive durch einen jungen

Erwachsenen mit spinalen Muskelatrophien

und Vertreterinnen der Elternseite

Jahresberichte der Neuromuskulären Zentren

repräsentiert. Zwei Arbeitskreistreffen zu

den Themen „Lebensqualität“ und „Atemstörung

und häusliche Beatmung“ fanden

gute Resonanz und trugen dazu bei, bestehende

Kooperationen auszubauen.

Klinisch-Wissenschaftliche Aktivitäten

Klinische Arbeitsgruppe Motoneuron-Erkrankungen

(Prof. K. Reiners, Priv.-Doz. Dr.

Wessig, Dr. Kraft, Fr. Dr. Seiler, Fr. Brauner,

Fr. Eiler)

Schwerpunkt der Arbeit ist die Beratung

und Versorgung von Patienten und deren

Angehörigen mit systemischen Motoneuron-Erkrankungen,

insbesondere der Amyotrophen

Lateralsklerose. Neben der symptomatischen

Behandlung steht die Erörterung

medizinischer und soziomedizinischer

Folgen im Mittelpunkt der klinischen Betreuung.

Die Beratung orientiert sich an

Standards, die in Zusammenarbeit mit ALS-

Zentren in Deutschland und Europa entwickelt

wurden. Hilfsmittelberatung, Anpassung

von Kommunikationshilfen, Schluckdiagnostik

und -therapie bei Dysphagie

sind wesentlicher Teil der Arbeit der ergotherapeutischen

Abteilung. Bei Atemstörung

erhalten die Patienten über Behandlungsmöglichkeiten

bis hin zur Anpassung

maschineller Abhusthilfen und Heimbeatmungssystemen.

Experimentelle Arbeitsgruppe Motoneuronerkrankungen

(Institut für Klinische Neurobiologie: Prof.

Sendtner, Priv.-Doz. Dr. Jablonka, Priv.-

Doz. Dr. Blum, Dr. Drepper; Neurologische

Klinik: Priv.-Doz. Dr. Wessig)

Das Institut beschäftigt sich mit der Etablierung

und Analyse von Zellkultur- und Mausmodellen

für Amyotrophe Lateralsklerose

und spinale Muskelatrophie. Neben der

133


Neuromuskuläres Zentrum Würzburg

Identifikation und Charakterisierung neuer

Gendefekte bei Motoneuronerkrankungen

werden die Mechanismen für die axonale

Translokation von mRNAs bearbeitet und

gezeigt, dass Störungen dieser Mechanismen

bei Motoneuronerkrankungen eine

wesentliche Rolle spielen. Medikamente,

die zwischenzeitlich für die Therapie der

spinalen Muskelatrophie getestet wurden,

wie Valproinsäure, wurden in Zellkultur

und Mausmodellen getestet und relevante

Nebenwirkungen aufgeklärt. Die Rolle verschiedener

Signalwege für die Aufrechterhaltung

von Axonen und neuromuskulären

Endplattem wurden weiter charakterisiert.

Gemeinsam mit einem internationalen

Netzwerk, das von B. Traynor am NIH/USA

geführt wurde, wurden weitere Gen-Loci

identifiziert, die mit einer Prädisposition für

ALS assoziiert sind. In Zusammenarbeit

mit der Neurologischen Klinik wurde eine

DNA-Sammlung von Patienten mit Amyotropher

Lateralsklerose erweitert. Parallel

dazu wurden in Zusammenarbeit mit Priv.-

Doz. Dr. Wessig, Neurologische Klinik, bei

Patienten mit ALS neue Mutationen im C-

Terminus des FUS-Proteins identifiziert.

Laufende Arbeiten sollen die Pathomechanismen

aufklären, die von solchen Mutationen

zu Defekten in der Funktion und Aufrechterhaltung

von Motoneuronen führen.

Arbeiten des Instituts werden durch die

Schilling-Stiftung und die Deutsche Forschungsgemeinschaft

über die SFBs 487

und 581 gefördert.

Arbeitsgruppe

Neuromuskuläre Erkrankungen

Prof. Reiners, Fr. Prof. Sommer, Prof. Stoll,

Priv.-Doz. Dr. Wessig, Fr. Priv.-Doz. Dr.

Üçeyler, Dr. Buttmann, Fr. Dr. Doppler)

Die Mitglieder dieser Arbeitsgruppe nehmen

die laufende ärztliche Betreuung von

134

Patienten mit neumuskulären Erkrankungen

und ihren Familien im NMZ wahr. Die

Zusammenarbeit mit den kardiologischen

Kollegen der Medizinischen Universitätsklinik

I bezüglich einer Skelettmuskelbeteiligung

und zur Differenzierung des

Phänotyps bei Patienten mit hereditären

Kardiomyopathien wurde im Rahmen des

Interdisziplinären Forschungs- und Behandlungszentrums

(IFB) Herzinsuffizienz

fortgesetzt, fokussiert auf Patienten mit

Myotoner Dystrophie Typ 1. Die Enzymersatztherapie

bei erwachsenen Patienten

mit Saure-Maltase-Mangel (M. Pompe)

wurde ebenfalls mit den internistischen

Kooperationspartnern fortgeführt. Die

neurologische Klinik ist ein überregionaler

Schwerpunkt für die neuromuskuläre Diagnostik

speziell auch mit neurophysiologischen

Untersuchungen sowie Muskel-,

Nerven- und Hautbiopsien, die in unserem

eigenen neuromorphologischen Speziallabor,

ggf. mit Elektronenmikroskopie, analysiert

und befundet werden. Neuropathologische

Demonstrationen der Präparate im

Kontext der klinischen und neurophysiologischen

Befunde finden wöchentlich für die

betreuenden Ärzte, Neurologen in der Weiterbildung

wie auch die anderen Mitglieder

der neuromuskulären Arbeitsgruppen statt

und sind auch für externe Interessenten

offen. Im laufenden Jahr wurden über 90

diagnostische Muskelbiopsien bearbeitet,

über 60 Suralis-Biopsien und über 300

Hautbiopsien für die Diagnostik der Pathologie

epidermaler Nervenfasern (s. a. AG

Morphologie und Schmerz).

Experimentelle Untersuchungen zur Pathogenese

verschiedener neuromuskulärer

Erkrankungen wurden an Krankheitsmodellen

in Kooperation mit verschiedenen

internen und externen Arbeitsgruppen

durchgeführt. Die Bedeutung der Myotubularin-related

Phosphatidylinositol-Phos-


phatasen (mtmr2 und 13) in der Entwicklung

hereditärer Neuropathien wurden im

Modell neurophysiologisch untersucht. In

Zusammenarbeit mit dem Institut für Neuropathologie

der Universität Zürich konnte

gezeigt werden, dass das Prion-Protein im

Axon für die Myelinerhaltung im peripheren

Nervensystem notwendig ist

Die Arbeitsgruppe Experimentelle

Entwicklungsneurobiologie

(Leiter: Prof. Dr. rer. nat. Martini; Dr. Ip, Dr.

Patzko, Dipl.-Biol. Groh; Dipl.-Biol. Klein)

beschäftigt sich mit der Erforschung der

Pathomechanismen bei erblichen peripheren

Neuropathien unter Zuhilfenahme

natürlicher und künstlicher Mausmutanten.

Ein besonderer Schwerpunkt liegt auf modulierenden

Mechanismen, wie der Beteiligung

des Immunsystems, und auf der Entwicklung

von Behandlungsstrategien im

Mausmodell. Hierbei wird besonders der

Einfluss der Immunkomponenten auf das

axonale Überleben untersucht (DFG: SFB

581, GHS und andere Förderbereiche).

Die Arbeitsgruppe „Neuroimaging“,

interdisziplinäre Einrichtung der Neurologischen

Klinik (

Prof. Dr. G. Stoll, Prof. Dr. K. Reiners, PD

Dr. C. Wessig), der Abteilung für Neuroradiologie

(Prof. Dr. L. Solymosi) und des Instituts

für Physik V der Universität Würzburg

(Prof. Dr. P. Jakob) beschäftigt sich mit der

Entwicklung neuer Bildgebungsverfahren

zur Erfassung von Nervenschäden mittels

Magnetresonanztomographie (MRT). Die

MR-Neurographie wird in Würzburg seit

Jahren erfolgreich zur Diagnostik fokaler

Nervenläsionen klinisch eingesetzt. Sie

erlaubt bei axonalen Läsionen Aussagen

zur Prognose z.B. bei Spritzenläsionen des

Jahresberichte der Neuromuskulären Zentren

Nervus ischiadicus. Neben der Darstellung

von Nervenläsionen ist das Ziel, auch pathophysiologische

Prozesse in der MRT

möglichst direkt darzustellen. In diesem

Jahr ist es gelungen, eine neue experimentelle

MR-Bildgebungsplattform im Nervensystem,

die 19F/1H MR-Spektroskopie,

aufzubauen und damit Entzündungsprozesse

am peripheren Nerven in-vivo sichtbar

zu machen. Die Methode beruht auf

der intravenösen Applikation von Perfluorocarbon-haltigen

Nanopartikeln als zelluläre

MR-Kontrastmittel, die von Makrophagen

im Blut aufgenommen werden und

bei Entzündungsprozessen im Nervengewebe

mittels 19F-MRT detektiert werden

können. Da Fluor im Organismus in freier

Form nicht vorkommt, erlaubt das 19F/1H-

MRT eine hintergrundfreie Darstellung von

Entzündungsprozessen im Gegensatz zur

artefaktanfälligen Bildgebung mit eisenhaltigen

Nanopartikeln.

Arbeitsgruppe

Morphologie und Schmerz

(Fr. Prof. Sommer, Fr. Dr. Doppler, Dr. Geis,

Dr. Hansen, Fr. Dr. Kramer, Fr. Priv.-Doz. Dr.

Üçeyler)

Im Rahmen des langjährigen Forschungsprojekts

zur Rolle von Zytokinen bei neuropathischen

Schmerzen wurde in Kooperation

mit der Uniklinik Mainz eine

Hochregulation des Zytokins Tumor Nekrose

Faktor (TNF)-alpha bei Patienten mit

komplexem regionalen Schmerzsyndrom

(CRPS) im Vergleich zu Traumapatienten

ohne CRPS gezeigt. In der experimentellen

Schmerzforschung konnte an mehreren

neuen Modellen die Bedeutung von proinflammatorischen

Zytokinen und des Serotoninsystems

für die Schmerzmodulation

gezeigt werden. Zudem wurde am Modell

der Vincristin-Neuropathie ein protektiver

135


Neuromuskuläres Zentrum Würzburg

Effekt von Lacosamid gefunden. Durch

Untersuchungen an Suralisbiopsien konnten

wir eine Subgruppe von Patienten mit

ALS identifizieren, die das histologische

Bild einer Vaskulitis aufwiesen, jedoch

nicht auf Immuntherapien ansprachen. U.a.

für diese Arbeiten wurden über die für die

Routine-Diagnostik angegebenen Zahlen

hinaus weit über 200 Biopsien von Nerven,

Muskeln und Haut bearbeitet. In einer Kooperation

mit universitären Arbeitsgruppen

in Aachen und Ulm wurde bei ALS-Patienten

eine Beteiligung der Hautinnervation

beschrieben. Es wurden mehrere Leitlinien

neu herausgebracht bzw. aktualisiert. Mit

einer internationalen Expertengruppe wurde

eine Leitlinie zur Diagnostik neuropathischer

Schmerzen erstellt. Des Weiteren

wurde für die Deutsche Gesellschaft für

Neurologie die Leitlinie zur Behandlung der

Immunneuropathien aktualisiert und erstmals

auf S2-Niveau gebracht. Mitglieder

der Arbeitsgruppe waren zudem federführend

an systematischen Reviews und Metaanalysen

zu Ursachen und zur Behandlung

des Fibromyalgie-Syndroms beteiligt.

Ferner wurden die systematischen Untersuchungen

zur Beteiligung des peripheren

Nervensystems bei Patienten mit M. Fabry

fortgeführt.

Humangenetik/Medizinische Genetik

Zum Zentrum Medizinische Genetik Würzburg

gehören das Institut für Humangenetik

(Vorstand und Lehrstuhl Prof. Dr. Haaf),

die Abt. für Medizinische Genetik (kommissiarische

Leitung Prof. Dr. Grimm) und

die Praxis für Humangenetik (Fr. Priv.-Doz.

Dr. Kunstmann). Zusammen mit der Praxis

für Humangenetik werden humangenetische

Beratung und Diagnostik angeboten.

Ein Forschungsschwerpunkt ist die Erforschung

der molekulargenetischen Grund-

136

lagen und der populationsgenetischen As-

pekte neuromuskulärer Erkrankungen (Arbeits-gruppe

Molekulare Humangenetik

(Prof. Müller-Reible) und Abt. für Medizinische

Genetik (Prof. Grimm, Dr. Kreß).

Im Rahmen dieser Patientenversorgung

wird die molekulargenetische Diagnostik

auf Gen- oder Proteinebene u. a. bei folgenden

neuromuskulären Erkrankungen

durchgeführt:

Muskeldystrophien

• Duchenne/Becker Muskeldystrophie

(Deletionen/Duplikationen und Punktmutationen)

• Emery-Dreifuss Muskeldystrophie (autos.

dom.)

• Emery-Dreifuss Muskeldystrophie (Xchrom.)

• Fazio-skapulo-humerale Muskeldystrophie

(FSHD)

• Okulo-pharyngeale Muskeldystrophie

(OPMD)

• Rigid Spine Muskeldystrophie (SEPN1)

Myotubuläre Myopathien

• MTM1 (X-chromosomal)

• DNM2 (autosomal dominant)

• BIN1 (autosomal rezessiv)

Myofibrilläre Myopathien

• Desmin

• ZASP (Hot spots)

• Myotilin (Hot spot)

• α-B-Crystallin

• Filamin C (Hot spot oder gesamt)

• FHL1

• BAG3*

Strukturmyopathien –

Maligne Hyperthermie

• Central Core Erkrankung (RYR1, Hot spot

oder gesamt)

• Multi-Mini-Core-Erkrankung (SEPN1/RYR1)


• Nemaline Myopathie (ACTA1)

• Maligne Hyperthermie (RYR1, Hot spot

oder gesamt)

Gliedergürtel-Muskeldystrophien

• Typ LGMD 1B (Lamin A/C)

• Typ LGMD 1C (Caveolin3)

• Typ LGMD 2A (Calpain 3)

• Typ LGMD 2B (Dysferlin)

• Typ LGMD 2D (Adhalin, Hot spot)

• Typ LGMD 2G (Telethonin)*

• Typ LGMD 2i (FKRP)

• Typ LGMD 2J (tibiale MD, Titin)

• Typ LGMD 2L (ANO5)*

Myotone Dystrophien

• DM1 (Curschmann-Steinert)

• DM2 (Proximale myotone Myopathie)

Sonstige Myopathien

•Myoadenylatdesaminase-Mangel

(MADA-Mangel)

Spinale Muskelatrophien

• Spinale Muskelatrophien (Typ I, II und III)

• Spino-bulbäre Muskelatrophie

(Typ Kennedy)

(* für diese Diagnosen ist das Labor noch

nicht akkrediert, November 2011)

Universitäts-Kinderklinik mit Frühdiagnosezentrum/Sozialpädiatrisches

Zentrum

Im Verlauf des Jahres ist Herr Prof. Dr. Hans-

Michael Straßburg, über zwei Jahrezehnte

Leiter des Frühdiagnosezentrums, in den

Ruhestand getreten. Sein langjähriger Mitarbeiter,

Oberarzt Dr. M. Häußler, führt diese

erfolgreiche Arbeit kommissarisch fort.

Schon am 26. Mai 2011 wurde der neue

Arbeitskreis „Kinder und Jugendliche mit

neuromuskulären Erkrankungen“ durch

sein Referat über das Thema Lebensqua-

Jahresberichte der Neuromuskulären Zentren

lität von Kindern mit neuromuskulären Erkrankungen

initiiert; über 20 in der Region

mit der Betreuung von Muskelkranken

Kindern, Jugendlichen und Erwachsenenbefasste

Funktionsträger machten diese

erste Veranstaltung zu einem Erfolg. Ein

zweites Treffen am 24.November 2011

hatte das Thema Nichtinvasive Beatmung.

Weitere Treffen sollen themenbezogen

ca.zweimal im Jahr stattfinden und zu einer

besseren Vernetzung der beteiligten Institutionen

führen. Ein wichtiges Anliegen

ist dabei insbesondere die Beteiligung der

Pädagogen z. B. aus den Körperbehinderteneinrichtungen.

Orthopädische Klinik

In der Arbeitsgruppe von Prof. Raab, Orthopädische

Universitätsklinik, König-Ludwig-

Haus, werden Patienten mit Skelett- und

Gelenkveränderungen infolge neuromuskulärer

Erkrankungen in der Klinik und den

betreuten Behinderteneinrichtungen untersucht

und behandelt. Ein Schwerpunkt

stellt die Versorgung von Patienten mit

neuromuskulären Skoliosen, Deformitäten

von Hüft- und Kniegelenk und Fußfehlstellungen

dar. Es erfolgt eine wissenschaftliche

Auswertung vor allem hinsichtlich der

postoperativen Schmerztherapie, der postoperativen

Funktionsverbesserung und

der Verbesserung der Lebensqualität. Die

Ärzte der Orthopädische Klinik sind ferner

führend im Muskuloskelettalen Centrum

Würzburg (MCW) engagiert und tragen wesentlich

zu den Forschungsaktivitäten in

diesem Rahmen bei.

Klinik und Poliklinik für Anästhesiologie

Die Maligne-Hyperthermie-Ambulanz (Leiter:

Priv.-Doz. Dr. F. Schuster) betreut als

Beratungs- und Diagnosezentrum über

137


Neuromuskuläres Zentrum Würzburg

1300 Patienten, vorwiegend aus dem süd-

und mitteldeutschen Raum. Ein breites

Spektrum der myopathologischen Diagnostik

wird in Zusammenarbeit mit der

Neurologischen Universitätsklinik, der Universitätskinderklinik

und dem Institut für

Humangenetik der Universität Würzburg

angeboten. Im Rahmen der Maligne-Hyperthermie-Diagnostik

kommen der In-vitro-Kontrakturtest,

die histologische Un-

tersuchung und die Mutationsanalyse entsprechend

der diagnostischen Richtlinien

der „Europäischen-MH-Gruppe“ zum Einsatz.

Darüber hinaus wird eine individuelle

Beratung angeboten für betroffene Patienten,

Familien mit Maligne Hyperthermie-

Veranlagung sowie für behandelnde Ärzte,

vor allem Anästhesisten, Allgemeinmediziner

und Neurologen.

Die wissenschaftlichen Aktivitäten im Jahr

2011 lagen zum einen in der Entwicklung

eines minimal-invasiven metabolischen

Tests zur Diagnose einer Maligne Hyperthermie-Veranlagung

bei disponierten Patienten,

zum anderen in der Untersuchung

von potenziellen Maligne Hyperthermie-

Triggersubstanzen im In-vitro-Kontraktur-

Test.

Weitere Informationen zur „Maligne Hyperthermie“

sind unter http://anaesthesie.

uk-wuerzburg.de/maligne-hyperthermieambulanz.html

abrufbar

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Zusammengestellt von

Prof. Karlheinz Reiners

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