Denkmalpflegepreis 2015

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Sonderdruck der Denkmalpflege des Kantons Bern und der Zeitschrift UMBAUEN+RENOVIEREN, Archithema Verlag

Sonderdruck der Denkmalpflege des Kantons Bernund der Zeitschrift UMBAUEN+RENOVIEREN, Archithema Verlagwww.be.ch/denkmalpflege und www.umbauen-und-renovieren.chDENKMALPFLEGE DES KANTONS BERN 2015AUSGEZEICHNETNeue Energie in der alten MühleUnter dem restauriertenDach ist die Mühle für dieZukunft bereit.PrixspécialLa renaissance dela scierie Paroz àSaicourt.


Das PotenzialnutzenDie Hofenmühle in Wohlen bei Bern ist heute ein bekannterSchaubetrieb. Mit geeigneten neuen Nutzungen schafft dieEigentümerfamilie Baumgartner die Basis für die Zukunft. Für ihraussergewöhnliches Engagement und ihre umsichtige Planung wird siemit dem Denkmalpflegepreis des Kantons Bern ausgezeichnet.Text: Elisabeth Schneeberger, Denkmalpflege des Kantons Bern, Fotos: Markus Beyeler (15) und Regula Baumgartner (1), Redaktion: Silvia Steidinger2


1 Ein Kranz von Nebengebäudenumgibt die Mühle. Neben dem Stöcklivon 1816 (rechts) und dem Mühlestock(links) gehören auch ein Lagertrakt undeine Scheune zur Anlage.1


Grosse Teile der Mühleinstallationensind erhaltenund noch funktionsfähig.2342 Die Mahlanlage ist das Reich vonErnst Baumgartner. Mit derselbenPassion, mit der er die Einrichtungenpflegt, arbeitet er die Geschichte derMühle anhand von Archivquellen auf.3 Die ausgeklügelte Mechanik derMahlanlage in der «Oberen Mühle» istfaszinierend.4 Die Mühle wird seit 1994 nicht mehrals Kundenmühle betrieben, ziehtals Schaubetrieb aber regelmässig eingrosses Publikum an.4


Längsschnitt durch die Getreidemühle, Zustand 2000UNTERE MÜHLEOBERE MÜHLEDACHRAUM7 8DACHRAUMLAGERRAUM1 101 WASSERRÄDER (1920 ENTFERNT)2 FRANCIS-TURBINE (SEIT 1920)3 HILFSMOTOR (UM 1930)4 WALZENSTÜHLE (1954)5 ALTER RÖLLGANG6 GRIESSPUTZMASCHINE (1954)7 PLANSICHTER (1954)8 SACKAUFZUG9 TURBINENZULEITUNG10 WASSERSCHLOSS6ZIMMERKÜCHE44 51ZIMMERKÜCHE3EHEM. MÜHLERAUM219Die Hofenmühle – ein erstrangiges KulturgutText: Peter Bannwart, Plan (Längsschnitt): Rolf BachmannDie Hofenmühle befindet sich in landschaftlichreizvoller Lage am Ausgang des Mühlebachtals,etwas erhöht über dem Wohlensee.Vermutlich war Hofen schon im Mittelalter einMühlestandort. Ein erster Nachweis für dieMühle findet sich in einem Plan von 1719.Das heutige Mühlegebäude präsentiert sichals beeindruckender, in drei Etappen entstandenerBaukomplex. Der parallel zum Hangstehende Kernbau, die «Obere Mühle»,stammt wohl aus dem 18. Jahrhundert. ImAuftrag von Christian Etter wurde 1834 einmächtiger Anbau, die «Untere Mühle», angefügt.Wenig später entstand in gleicherFirstrichtung der hangseitige Aufbau über demKerngebäude. Während der Kernbau eineschlichte Fachwerkkonstruktion unter einemRündedach ist, zeichnet sich der Anbau von1834 durch eine repräsentative Giebelfassademit markantem, zweigeschossigem Mühlesockelaus. Wegen der Aufstauung der Aare zumWohlensee von 1920 wurde die Strassenführungverändert; das untere Sockelgeschossverschwand hinter einer Aufschüttung, wodurchdie Hauptfassade ein Stockwerk verlor.Die Getreidemühle war als Kunden- undHandelsmühle bis 1994 in Betrieb. Grosse Teileder Installationen des 18. und frühen19. Jahrhunderts sind in der «Oberen Mühle»erhalten und auch noch funktionsfähig. ImJahr 1900 erfolgten der Einbau von Walzenstühlenund wohl auch die Erneuerung derMahlgänge. Die drei oberschlächtigen Wasserräderwurden 1920 ausgebaut und durch eineFrancis-Turbine ersetzt. Der letzte Umbau derbisherigen Sackmühle geschah 1954. Der Mühlekanalwurde 2007/08 instand gesetzt undtreibt seit 2011 ein Kleinkraftwerk an.Das für den Mühlebetrieb notwendige Wasserwird bei der Wehranlage am Mühlebachgefasst und über einen rund 500 m langen Kanalzur Anlage geleitet. Der teilweise in Betonrohrenoder offen durch den Wald führendeKanal erreicht durch einen in Sandstein gehauenenTunnel das Wasserschloss oberhalb derMühle. Von hier aus wurde früher das Wasserüber die Mühleräder und später durch Druckrohreauf die Turbine geleitet.Ein Kranz von Nebengebäuden umgibtden zentralen Mühlebau. Das 1816 errichteteStöckli geht vermutlich auf ein älteres Ofenhauszurück; in seinem Inneren sind zweimächtige Backöfen erhalten.Der zum Hauptgebäude leicht versetzt angeordnete,schlichte Mühlestock entstand inder 2. Hälfte des 18. Jahrhunderts. An die Getreidemühleschliesst ein Lagertrakt an. Dieserleitet über zur grossen, im 19. Jahrhunderterbauten Scheune.Auf einem Plan von1719 (Staatsarchiv desKantons Bern) sindausser der Hofenmühlenoch weitere Gewerbebetriebeam Mühlebacheingetragen: «Stampfi»,«Ribi» und «Sagi».


565 Für die Aufhängung der Laube hatteSimon Baumgartner knifflige konstruktiveAufgaben zu lösen. Durch dieGlasplatte im Boden fällt mehr Licht indie Küche im unteren Wohngeschoss –eine Idee von Regula Baumgartner.6 Das für die Arbeiten am Dachaufgestellte Gerüst bot die günstigeGelegenheit für die Restaurierung derRündi (Vordachverschalung) und derDekorationsmalereien.7 Die Stube von 1834 im unterenWohngeschoss. In der ersten Hälftedes 20. Jahrhunderts wurde der Ofenmit wiederverwendeten Kacheln neuaufgesetzt.8 Die bemalten Ofenkacheln stammenteilweise vom bekannten OfenmalerJohann Heinrich Egli. Die wiederverwendetenKacheln wurden mitEisenbändern fixiert.6


« Bei allen Massnahmen überlegen wir uns die Folgen genau,damit wir für die Zukunft nichts verbauen.»Regula Baumgartner, BauherrinAn der Fassade des stattlichenMühlegebäudes präsentiert diefrisch restaurierte Inschrift von1834 die Namen der Bauherrschaft:Christen Etter und AnnaImhoof. Das Haus mit dem hohen Sockel istcharakteristisch für Mühlebauten, genauso wieder Standort am Hangfuss, wo der Mühlekanaldas Wasser früher zu den Wasserrädern führte.Auf dem Areal wird intensiv gearbeitet. DieEigentümer, Regula und Niklaus Baumgartner,führen einen Landwirtschaftsbetrieb.Künstler und Handwerker gehen ein und aus.Nur die grossen Mehlsäcke sucht man vergebens:Seit zwanzig Jahren wird die Mühle nichtmehr als Kundenmühle betrieben. Als Schaumühlezieht sie jedoch regelmässig ein grossesPublikum in ihren Bann.Die Mahlanlage ist das Reich von VaterErnst Baumgartner. Der 94-Jährige pflegt mitHingabe die beeindruckenden Einrichtungen.Seine grosse Passion ist die Geschichte, die erfür die Hofenmühle anhand von Archivquellenaufarbeitet. In der «Unteren Mühle» von 1834befinden sich zwei grosszügige Wohnungen.Die aufgefrischten Hauptstuben mit qualitätvollenbauzeitlichen Fenstern, Täferausstattungund Kachelöfen vermitteln heute nocheinen Eindruck von der damaligen Welt.78Die richtigen Schwerpunkte setzen ▪ Der kontinuierlicheUnterhalt der historischen Gebäudeist eine grosse Aufgabe für Regula undNiklaus Baumgartner. Ihre Strategie: Schwerpunktesetzen und die Eingriffe auf das Notwendigebeschränken. Das oberste Ziel ist dielangfristige Erhaltung und Nutzbarkeit. «Beiallen Massnahmen überlegen wir uns die Folgengenau, damit wir für die Zukunft nichtsverbauen», erklärt die Bauherrin. «Wir machenso viel wie möglich selbst, und alle, diehier wohnen und arbeiten, helfen mit. Bei historischenBauten braucht es spezielle Kenntnisseder Materialien und Bautechniken. Wirsuchen die geeigneten Fachleute und lassenuns genau anleiten. Die Denkmalpflege mitihrem Spezialwissen und ihrer Erfahrung istuns dabei eine grosse Hilfe.»Zum Bauherrenalltag gehören auch Überraschungen:Im unteren Sockelgeschoss stiessenBaumgartners vor zehn Jahren unter längst ›


Aus den ehemaligen Ökonomie- undNebenräumen wurden inspirierende Ateliers.9 1011› stillgelegten früheren Mahleinrichtungenauf einen alarmierenden Hausschwammbefall.Sofort mussten alle betroffenen Bauteile entferntwerden. Die Eigentümer machten aus derSituation das Beste; sie zogen wieder einenZwischenboden ein und schufen einen stimmungsvollenRaum, der gegenwärtig als Ausstellungsraumdient.Teamarbeit ▪ Von ihrer Grundstrategie liessensich Baumgartners auch 2013 leiten, als eine Instandsetzungdes Daches der «Unteren Mühle»unumgänglich wurde. Sie verzichteten auf denAusbau des Dachgeschosses, der unverhältnismässiggrosse bauliche Eingriffe und hohe Kostenverursacht hätte, und entschieden sich fürdie Restaurierung; die alte Tragkonstruktionwurde repariert, Lattung und Ziegel sind neu.Die einzige Zutat ist das heutigem Standard entsprechendeUnterdach. Somit ist die Hülle wiederintakt, und den nächsten Besitzerinnen undBesitzern stehen alle Optionen offen.Die jüngere Generation engagierte sich mitvollen Kräften bei den Bauarbeiten: SimonBaumgartner, ausgebildeter Zimmermannund Holzbauingenieur, übernahm die Planungund Bauleitung und arbeitete gemeinsam mitseinem Bruder Beat und einem Team vonFreunden und Bekannten während mehrererWochen auf dem Dach des Elternhauses. «AlsIngenieur müsste ich dieses Dach heute anderskonstruieren», sagt er, «der historische Dachstuhlist einfacher konzipiert als ein moderner,aber sehr durchdacht. Das hat mich beeindruckt.Was beschädigt war, haben wir genaugleich ersetzt. So bleibt die Konstruktion stabil,und wir haben viel Planungsarbeit gespart.»Peter Ernst, der verantwortliche Bauberaterder Denkmalpflege, hebt die überaus sorgfältigeArbeit hervor. «Der Aufwand im Vorfeldund die Suche nach den geeigneten Massnahmenlohnen sich immer», ist er überzeugt. Erhat die Besitzer unter anderem bei den Speziallösungenfür das Unterdach und für die Aufhängungder instabil gewordenen Seitenlaubeunterstützt. Ausserdem vermittelte die Denkmalpflegeeinen finanziellen Beitrag.Das für die Dacharbeiten aufgestellte Baugerüstbot eine günstige Gelegenheit für dieRestaurierung der Ründi und der Dekorationsmalereienan der Fassade. Regula Baumgartnerführte die Malerarbeiten gemeinsam miteinem kleinen Team aus. Das Holzwerk ›8


12139 Beat Baumgartner betreibt auf demMühleareal eine Fahrradwerkstatt.10 Bernhard Wyss beim Töpfern inseinem Atelier in der «Unteren Mühle».11 Im ehemaligen grossen Mühleraumwurde ein neuer Zwischenboden eingezogen.Der neu gestaltete Raum dientgegenwärtig als Ausstellungsraum.12 Nach der Dachrestaurierung istdie Gebäudehülle wieder intakt.Die einzige Zutat ist das heutigemStandard entsprechende Unterdach.13 Dach und Hauptfassade vor derRestaurierung: Die Ziegel warenmoosbewachsen und teilweisezerbrochen, Lukarnen und Ründi inschlechtem Zustand.9


1414 Die Familie Baumgartner: An derRestaurierung des Daches beteiligtesich auch die jüngere Generation mitvollen Kräften.15 Der Mühlekomplex entstand in dreiBauetappen. Die stattliche «UntereMühle» von 1834 prägt das Gesicht desEnsembles am Mühlebach. DieAufnahme zeigt die Mühle um 1900.16 Wegen der Aufstauung der Aarezum Wohlensee von 1920 wurde dieStrassenführung verändert; das untereSockelgeschoss verschwand hintereiner Aufschüttung, wodurch dieHauptfassade ein Stockwerk verlor.KontaktadressenBauleitung Dach / ZimmerarbeitenSimon BaumgartnerSulgenrain 4, 3007 Bernsimub@gmx.ch« Wir machen so viel wie möglich selbst, und alle,die hier wohnen und arbeiten, helfen mit.»Regula Baumgartner, Bauherrin› erhielt den ursprünglichen kühlen Grautonzurück, den der Restaurator ermittelt hatte.Nun ist der sorgfältig aufgefrischte Hausspruchwieder so aktuell wie 1834: «(…) bleibedieses Haus hier stechen, (…) bis die Weldwirt untergechen.»Das Potenzial nutzen ▪ Damit die Hofenmühlelangfristig weiterbestehen kann, braucht esgeeignete neue Nutzungen. Die historischenGebäude in ihrer intakten Umgebung bildenheute das grosse Potenzial. Ernst Baumgartnererinnert sich, wie seine Eltern vehementdafür eintraten, auch die nicht mehr benötigtenGebäude zu erhalten. Unterdessen sindaus den ehemaligen Ökonomie- und Nebenräumeninspirierende Ateliers geworden.Mit baulichen Anpassungen hielt man sichzurück. So wird die unverwechselbareAtmosphäre bewahrt, und die Räume bleibenflexibel nutzbar.Bereits setzt sich die Familie mit der nächstenHerausforderung auseinander: dem bevorstehendenGenerationswechsel. «Nun sollendie Jungen ihre Ideen einbringen», sagenNiklaus und Regula Baumgartner. Die Nachfolgegenerationist genauso stolz auf dieHofenmühle – die Zeichen stehen gut, dassdas geflügelte Wort der Dachdecker von 2013Wirklichkeit wird: «Da cha de dr Maël witerluege.» Der jüngste Spross der Familie wirddemnächst zwei Jahre alt.‹15 16Bauberatung DenkmalpflegePeter ErnstDenkmalpflege des Kantons BernMünstergasse 323011 BernT 031 633 40 30www.be.ch/denkmalpflegeDachdeckerarbeitenMichael KohlerEymattstrasse 2003232 HinterkappelenT 079 763 37 49Farbuntersuchung und -beratungBernhard MaurerHübeli 243182 UeberstorfT 031 372 81 30info@benemaurer.chMalereirestaurierungKornelia BolliReichenbachstrasse 77Postfach 6423004 BernT 079 472 35 16NatursteinarbeitenHeidi und Richard WyssMühlegasse 21C, 3033 Wohlen b. BernT 031 829 22 32Schindel-Fassadenverkleidung MühleGebr. Wenger AGGaselmattstrasse 533144 Gasel/KönizT 031 849 01 33www.wenger-bedachungen.ch10


Ansteckendes EngagementÜber mehrere Generationen hinweghat die Familie Baumgartner dashistorische Gebäudeensemblesorgfältig gepflegt und genutzt. Sieist stolz auf ihre Mühle – besondersauf das kürzlich restaurierte Dach.Im Gespräch mit Regula undNiklaus Baumgartner.Interview: Elisabeth SchneebergerHerr und Frau Baumgartner, mit welchenAufgaben beschäftigen Sie sich im Alltagam häufigsten?Niklaus Baumgartner (NB): Meine Hauptaufgabeist die Landwirtschaft, die täglicheArbeit mit den Tieren. Ausserdem kümmereich mich um die Finanzen, und mich interessiertdie Geschichte.Regula Baumgartner (RB): Ich bin vor allemfürs Bauliche und fürs Organisatorische zuständig.Schon während der Lehre als Hochbauzeichnerinhätte ich mich gerne intensivermit Handwerkstechniken auseinandergesetzt.Wenn es bei uns etwas zu reparieren gibt, frageich die Fachleute aus, bis ich weiss, wie ichvorgehen muss.Sie besitzen und verwalten ein kulturhistorischwertvolles Gebäudeensemble. Wieplanen Sie den Unterhalt?RB: Wir erledigen jeden Tag eine Kleinigkeit …Jedes Jahr arbeiten wir an zwei, drei grösserenProjekten. Am aufwendigsten waren der Baudes Kleinkraftwerks 2011 und die Dachrestaurierung2013. Jedes Jahr überlegen wir: Wasist am wichtigsten, was ist am dringendsten?Ein Konzept für mehrere Jahre würde nichtfunktionieren. Oft müssen wir einfach kurzfristighandeln, beispielsweise wenn ein grosserAst aufs Dach fällt.Der Unterhalt ist aufwendig und dasBaubudget begrenzt. Wie gehen Sie da vor?NB: Wir müssen genau im Griff haben, wie vielwir ausgeben können.RB: Bei jeder Baumassnahme versuchen wir.auch die Nutzung zu optimieren, sodass wireinen Mietzins erzielen oder verbessern können.Wichtig ist uns eine hohe Qualität; sonstmuss man die Bauteile bald wieder ersetzen.NB: Oft gibt es Sachzwänge. So mussten wiruns etwa entscheiden, ob wir den Mühlekanalsanieren oder ihn aufgeben und zurückbauen.RB: Schliesslich beschlossen wir, ihn durch einKleinkraftwerk zu nutzen. Auf diese Weisekonnten wir ihn erhalten.NB: Aber die Arbeiten waren viel teurer alsveranschlagt.RB: In Zukunft sollten wir das alles noch besservermarkten können. Mit umweltfreundlicherEnergie verarbeitete Produkte aus der eigenenLandwirtschaft könnte man zu einer «Marke»machen. Dafür hätten wir hier gute Voraussetzungen:einen spannenden Ort, geeigneteRäumlichkeiten.« Komfort können wirnicht bieten. Die Leutearbeiten hier, weil derOrt sie inspiriert.»Sie haben sich für die Restaurierung desDaches und gegen einen Ausbau entschieden.Aus welchen Gründen?NB: Der Ausbau wäre finanziell nicht tragbargewesen.RB: In der historischen Dachkonstruktion istdies technisch sehr aufwendig.NB: Wir hätten zudem mehr Licht gebraucht,ein neues Treppenhaus, eine Brandmauer –das hätte einen grossen Umbau ergeben.RB: Bei so hohen Kosten müsste eine tolleWohnung entstehen, die einen entsprechendenMietzins einbrächte. Der Dachraum wäreattraktiv, aber es lässt sich keine eigenständigeWohnung daraus machen. Wir fragen uns jeweilsimmer: Was bekommen wir? Was bezahlenwir dafür? Ist es das wert? Brauchen wirdas überhaupt?Wohnen und arbeiten in Baudenkmälern.Was bedeutet das für Sie?RB: Ich finde es wunderbar, ein historischesGebäude zu besitzen. Aber die schöne Fassadereicht nicht, das Innere gehört dazu. DieseStruktur darf man nicht einfach verändern, …NB: … sonst weiss man nicht mehr, ob mansich in einem Bauernhaus oder in einemWohnblock befindet.RB: Man muss sorgfältig überlegen, wo manumgestalten kann. Viele reissen alles heraus.Dabei kann man beispielsweise alte Böden undDecken gut reparieren. So haben wir zum Beispielin unserer Stube die im Lauf der Jahreentstandenen Spalten im Deckentäfer geschlossen,sodass nun kein Schmutz mehrherunterfallen kann.In Ihrer Stube ist es angenehm warm, ...NB: … aber der Energieverlust ist gross. Immerhinheizen wir CO2-neutral mit Holz ausdem eigenen Wald.RB: Hier zu dämmen, wäre bauphysikalischsehr heikel. Wir würden riskieren, die Bausubstanzzu zerstören. Demnächst müssen wir dieTrauffassade neu streichen. Ich hoffe, dass dieDenkmalpflege uns Ideen geben kann, wie wirbei dieser Gelegenheit energetisch trotzdemetwas verbessern können.Wie wird die Mühle mit ihren Nebengebäudenheute genutzt?RB: Die Mühle ist jetzt ein Schaubetrieb. DieMöglichkeiten sind jedoch bei weitem nochnicht ausgeschöpft.NB: Wir vermieten viele der Räume. Bildhauerarbeiten bei uns, ein Faltbootverkäufer, eineKünstlerin; es gibt ein Töpferatelier, und unserSohn betreibt eine Fahrradwerkstatt.RB: Wir wählen Mieterinnen und Mieter aus,die hierher passen. Dass man an einem spannendenOrt, in einem aussergewöhnlichen Gebäudeetwas machen kann, ist unser Markenzeichengeworden. Komfort können wir nichtbieten. Aber die Leute kommen hierher, weilder Ort sie inspiriert.


1La renaissance d’unescierie du XVIII e siècleLa commission d’experts pour la protection du patrimoinedu canton de Berne rend hommage à la Fondation de la scierieParoz à Saicourt qui, par son travail et sa persévérance, faitrevivre une scierie du XVIII e siècle.Textes: René Koelliker et Bernard Wick, Photos: Jacques Bélat, Rédaction: Silvia Steidinger


1 Vue d’ensemble des deuxbâtiments qui forment la scierie deSaicourt. On reconnaît le canald’apport d’eau, la roue à augets et lesmécanismes de transmission. Ces troiséléments sont actuellement en parfaitétat de marche.13


La scierie de Saicourt est un importanttémoin de l’histoire socio-économiquede l’ancien Évêché de Bâle.À ce jour, la mention la plus anciennede l’existence d’une scierie àSaicourt date de 1657. Un document privé faitmention d’une scierie bâtie par Henri Sautebinau milieu du XVII e siècle. Le bâtiment en questionn’existe plus et a certainement été remplacépar la construction actuelle, datée de 1785.L’ensemble comprend deux corps de bâtiment,l’un servant de scierie, l’autre, en maçonnerie,abritant un local de fonction. Une poutredatée de 1785 et portant les initiales «I» ou«J», «L» et «R» atteste probablement l’annéede construction. Au-dessus de la date et desinitiales se trouvent gravés l’équerre et le compas,outils symbolisant le charpentier.Une scierie de type classique ▪ Le bâtimentreprend le type classique de la scierie: le premierniveau héberge les mécanismes de transmission,tandis que le second, constitué d’unestructure à poteaux soutenant d’imposantessablières, abrite la scierie. Cette partie de lascierie reste largement ouverte afin de manipuleraisément les grandes billes de bois. C’està ce niveau que se trouvent la scie à cadre et lechariot qui se déplace sur un rail. Le canal aérienextérieur alimente en dessus la roue àaugets. La force hydraulique permet d’actionnerl’ensemble du mécanisme qui, à l’aide d’unebielle manivelle, permet au mouvement circulairede se transformer en mouvement vertical.Les travaux de rénovation ▪ Robert Paroz, ledernier propriétaire, cessa son activité sanstrouver de successeur: la scierie devient inactive.Sans l’engagement d’une poignée de volontaires,ce précieux témoin serait devenu laproie du temps.Les travaux entrepris de 2008 à 2013 concernentla scie, le bâtiment où se trouvent lesdiverses installations de transmission et la scie,les accès et l’amenée aérienne d’eau. Les principauxproblèmes à résoudre se concentraient surles infiltrations d’eau, l’humidité et une fondationdéficiente qui déstabilisait le bâtiment.22 Une scierie classique conservant lascie à cadre qui, à l'aide d'une biellemanivelle, permet au mouvementcirculaire de se transformer enmouvement vertical et au chariot dese déplacer sur un rail.3 Une structure à poteaux permetde soutenir les imposantes sablières.Les nombreuses ouverturespermettent un maniement aisé desgrandes billes de bois.


Hommage ▪ La commission d’experts décided’adjuger le prix spécial à la fondation de lascierie Robert Paroz pour diverses raisons. Lecôté socioculturel du projet est exemplaire. Ilest de plus en plus rare de trouver des volontairesprêts à s’engager pour un objet appartenantà la communauté sans y trouver des intérêtspersonnels ou financiers. La fondation a surecruter et motiver maints membres appropriésdans les domaines de la construction, dela mécanique et de l’architecture. Au fil desannées de travail bénévole, ils ont su collaborerharmonieusement avec le Service cantonal desmonuments historiques et ont restauré l’ensembleavec le respect nécessaire envers cebâtiment et son contenu historique.Le canal aérien et le mécanisme sont parfaitementrestaurés sur les plans historique et technique.Fonctionnels à 100%, ils remplissent cesconditions et ont convaincu le groupe d'experts.Le fait de renoncer complètement àtoute source d’énergie électrique est explicitementlouable. Le bâtiment est exempt de touteconduite, éclairage et prise de courant.Avec cette restauration, les membres de lafondation ont atteint un but vraiment nobleet précieux. Pour les prochaines générations,la fondation en est consciente, la tâche serade convaincre les futurs membres d’entretenirce joyau et, surtout, de former des scieursaptes à manier cette fabuleuse machine, sansbut lucratif.‹3Adresses de contactMaître d’œuvreFondation de la Scierie Paroz à SaicourtJean-Paul Roethlisberger, présidentLes Vieux Chemins 112712 Le FuetT 032 484 10 54scierie.paroz.saicourt@hotmail.comConseiller techniqueOlivier BurriService des monuments historiques ducanton de Berne, antenne TramelanGrand-Rue 1262720 TramelanT 032 481 14 56Denkmalpflege des Kantons BernMünstergasse 323011 BernT 031 633 40 30www.be.ch/monuments-historiquesMenuiserie et bénévolatRomain Boegli et Lucien JuilleratMaçonnerieWalter RamseierChemin de la Cernière2710 TavannesT 032 481 26 84CharpenteGilgen SAMilieu du Village 102716 SaulesT 032 481 22 39TerrassementPaul Neukomm SAClos Devant 192716 SornetanT 032 484 93 36SerrurerieDenis MailleChemin des Lovières 12720 TramelanT 032 487 42 20Commission d’experts pour la protection du patrimoinePrix spécial 2015Le prix spécial de la commission d’experts pour la protection dupatrimoine sera décerné pour la deuxième fois en 2015. Alors quele prix principal récompense le traitement respectueux d’un monumentexploité au quotidien, le prix spécial met en valeur destravaux de restauration exemplaires ou des mesures de restaurationisolées et spectaculaires.Il ne s’agit pas «d’architecture de tous les jours» comme pour leprix principal, mais de la restauration minutieuse d’un monumentexceptionnel à l’aide de mesures et de moyens sophistiqués. Tousles types de bâtiments peuvent prétendre à cette distinction: leséglises, les châteaux, les auberges, les maisons et les villas, maisaussi des constructions plus rares comme les colonnes météorologiquesou les murs de barrage. Le prix des monuments historiqueset le prix spécial ont tous deux pour but de présenter le travaildu Service des monuments historiques à un large public et defavoriser l’échange avec les partenaires. La commission d’expertspour la protection du patrimoine constitue le jury externe chargéde choisir le lauréat du prix spécial et apporte ainsi un regard extérieursur les projets réalisés par le Service des monuments historiques.Elle prend sa décision en se basant à la fois sur des critèresde valeur universelle, comme la qualité de la restauration, etsur le caractère innovant et durable des solutions utilisées.Le prix des monuments historiques et le prix spécial montrent larichesse culturelle du canton et illustrent, du Jura à l’Oberlandbernois, tout ce qui est fait pour conserver ce patrimoine – en particulierpar des maîtres d’ouvrage privés ou publiques et par desspécialistes de l’architecture ou de l’artisanat, en collaborationavec le Service des monuments historiques.


Sonderdruck der Denkmalpflege des Kantons Bernund der Zeitschrift UMBAUEN+RENOVIEREN, Archithema Verlagwww.be.ch/denkmalpflege und www.archithema.chSpez_Publikation_Denkmalpflege.indd 43 16.04.2010 9:15:41 Uhr3Denkmalpflege des Kantons BernDenkmalpflegepreis 2015Die Denkmalpflege des Kantons Bern zeichnet mit dem Anerkennungspreis eine Bauherrschaftaus, die ein Baudenkmal mit Alltagsnutzung in Zusammenarbeit mit der Fachstellesorgfältig restauriert und weiterentwickelt hat. Auch weniger beachtete – auf denersten Blick – unspektakuläre Bauten rücken in den Fokus: Die Denkmalpflege legt mitdem Denkmalpflegepreis einen Akzent auf die zahlreichen charakteristischen, architektonisch,geschichtlich oder technisch interessanten Gebäude, welche die Identität unsererDörfer und Städte genauso stark prägen wie Herrschaftsbauten und Kirchen, in derenSchatten sie oft stehen. Die Auszeichnung würdigt sowohl den respektvollen Umgangmit dem Baudenkmal als auch innovative Lösungen. Zu den Kriterien gehören dieQualität einer Restaurierung, die Sorgfalt in der Ausführung und die ökologische Nachhaltigkeitder Massnahmen. Im Vordergrund steht die Werterhaltung, nicht die Wertvermehrung.Mit einem angemessenen Budget soll Wohnqualität erhalten, optimiertoder geschaffen werden.Die Denkmalpflege des Kantons Bern bedankt sich sehr herzlich bei der Familie Baumgartner, dem Fotografen Markus Beyelersowie bei der Redaktorin Silvia Steidinger.Erziehungsdirektiondes Kantons BernAmt für Kultur/DenkmalpflegeDirection del’instruction publiquedu cantonde BerneOffice de la culture/Service des monumentshistoriqueswww.be.ch/denkmalpflege1 Denkmalpflegepreis 2010Umnutzung und Restaurierungdes Schulhauses Maussin Mühleberg2 Denkmalpflegepreis 2011Aussenrestaurierung einesWohnhauses in Hünibach beiThun3 Denkmalpflegepreis 2012Innenumbau einesReihenhauses in Wabern4 Denkmalpflegepreis 2013Innenrestaurierung einesBauernhauses in CortébertAusgezeichnetUmnutzung und Restaurierung des SchulhausesMauss in Mühleberg, Kanton Bern124 55 Denkmalpflegepreis 2014Sanfte Sanierung einesWohnhauses in Muri bei BernDas Schweizer Magazin für Modernisierung erscheint sechsmal proJahr. UMBAUEN+RENOVIEREN bietet Ihnen anschauliche Reportsaus den Bereichen Umbau und Sanierung, Werterhaltung undRenovation sowie Umnutzung und Ausstattung. Dazu praktischesWissen über Ausbau, Haustechnik, Baubiologie und Gestaltungsfragenvom Grundriss bis zur Farbe, von der Küche bis zum Badezimmer.Jede Ausgabe steht unter einem thematischen Fokus, wasdie präsentierten Objekte für den Leser vergleichbar macht.www.umbauen-und-renovieren.ch und www.archithema.chImpressumHerausgeber: Archithema Verlag AG, Rieterstrasse 35,8002 Zürich, T 044 204 18 18, www.archithema.chDenkmalpflege des Kantons Bern, Münstergasse 32,3011 Bern, T 031 633 40 30, www.be.ch/denkmalpflegeVerleger: Emil M. Bisig, emil.bisig@archithema.chChefredaktion: Britta Limper, britta.limper@archithema.chRedaktion: Silvia Steidinger, silvia.steidinger@archithema.chGrafik: Evelyn Acker, evelyn.acker@archithema.chBildtechnik: Thomas Ulrich, thomas.ulrich@archithema.chDruck: AVD Goldach, Sulzstrasse 12, 9403 Goldach© 2015 Archithema Verlag AGJeder Nachdruck, auch auszugsweise, ist nur mit Erlaubnisdes Verlages, der Redaktion und der Denkmalpflege desKantons Bern gestattet.16

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