Nimm's leicht - Die Landwirtschaftliche Sozialversicherung

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Nimm's leicht - Die Landwirtschaftliche Sozialversicherung

LsV kompakt

magaZin für sicherheit & gesundheit

www.nb.lsv.de Juni 2011

ZusatZeinkommen

Folgen bedenken

Den Rücken FReut es

Nimm‘s leicht


inhaLt

Juni l 11

generation 55 + in niedersachsen

Für senioren gibt es unterstützung und

Informa tionen im Internet oder direkt

am Wohnort – eine Initiative der

niedersächsischen sozialministerin

Aygül Özkan. 08

hVa Braunschweig:

ernteZeit ist schadenZeit

Die erntearbeiten sind im vollen Gange –

und wenn etwas passiert? „Halb so

schlimm, ich bin doch versichert“

werden sich Viele denken. Aber

Vorsicht: Der teufel steckt im Detail! 09

aLLes gut Bedacht?

egal, ob es sich um Reparaturarbeiten

handelt oder ein Dach komplett eingedeckt

wird. Immer wieder passieren

schwere unfälle. 12

gesund Zu fuss

sommerzeit: Wer genießt es nicht,

barfuß zu laufen. Doch nicht jeder

Fuß ist ein schöner Anblick. 16

Zum titelbild: Der Gesundheit zuliebe –

Es lohnt sich immer, über technische

Lösungen nachzudenken, die dem Men-

schen das Heben und Tragen schwerer

Lasten abnehmen.

Am 14. Mai 2011 verstarb der ehemalige stellvertretende Geschäftsführer

der LsV niedersachsen-Bremen und zuvor langjährige Hauptgeschäftsführer

der LsV Oldenburg-Bremen

Manfred schmidt-Broscheit

im Alter von 58 Jahren.

Wir trauern um eine Führungspersönlichkeit, die sich in verantwortlicher

stellung stets zum Wohle der Versichertengemeinschaft eingesetzt

hat. Durch sein ausgezeichnetes Fachwissen und sein soziales

Verständnis hat er sich zudem namhafte Verdienste um die Belange

der landwirtschaftlichen sozialversicherung und deren Mitarbeiter erworben.

sein tod macht uns sehr betroffen. Wir werden dem Verstorbenen ein

ehrendes Gedenken bewahren.

Für die Landwirtschaftliche sozialversicherung

niedersachsen-Bremen

Lothar Lampe

Vorsitzender der Vorstände

❘❘❘■ Renten

Anpassung zum 1. Juli

Nachdem die Rentnerinnen und Rentner im Jahr 2010 leer ausgingen

und eine „Nullrunde“ in Kauf nehmen mussten, steht zum 1. Juli 2011

wieder eine Anhebung der Renten aus der landwirtschaftlichen Alterssicherung

und Unfallversicherung an.

Die Renten werden – einheitlich in West und Ost – um 0,99 Prozent

steigen. Allen Rentenempfängern wird gegen Ende Juni 2011 die Erhöhung

schriftlich mitgeteilt. Wegen der komplizierten Berechnung kann es

sein, dass der neue Zahlbetrag geringfügig vom selbst errechneten Ergebnis

(Monatsrente x Prozentsatz) abweicht. Renten, die erstmalig nach dem

Monat März 2004 gezahlt wurden, werden jeweils am Monatsende ausgezahlt.

Entsprechend wird sich bei diesen Renten die Erhöhung erst am

Ende des Monats Juli auf dem Konto auswirken.

LsV-impressum

Hartmut Andrä

erster Direktor

LSV kompakt – Magazin für Sicherheit und Gesundheit

Herausgeber: Landwirtschaftliche sozialversicherung niedersachsen-Bremen,

30156 Hannover, telefon 05 11 80 73 - 0, Fax 05 11 80 73 - 4 98 – spitzenverband der

landwirtschaftlichen sozialversicherung, Weißensteinstraße 70 - 72, 34131 kassel,

telefon 05 61 93 59 - 2 41, Fax 05 61 93 59-2 44

Redaktion: erster Direktor Hartmut Andrä, www.nb.lsv.de, e-Mail: info@nb.lsv.de –

Dr. erich koch, www.lsv.de, e-Mail: presse1@spv.lsv.de

erscheint vier Mal pro Jahr. Der Bezugspreis ist durch den Mitgliedsbeitrag

abgegolten. keine Gewähr für unverlangte

Manuskripte. nachdruck ist nach Rücksprache

mit der Redaktion möglich.

Druck: Dierichs Druck + Media GmbH & co. kG,

Frankfurter straße 168, 34121 kassel. Bei den

Adressangaben werden die Bestimmungen des

Datenschutzes beachtet.

kerstin kastning Ines Prell

für die Gesamtpersonalräte

PEFC zertifiziert

Dieses Produkt stammt

aus nachhaltig bewirtschafteten

Wäldern und

kontrollierten Quellen.

www.pefc.de


❘❘❘■ Rentenbezüge melden

Strafe droht

Wer Rentenbezüge in der Steuererklärung

verschweigt, hinterzieht Steuern

und macht sich strafbar. Ein Steuerpflichtiger

muss den steuerlich relevanten

Sachverhalt dem Finanzamt

richtig, vollständig und deutlich zur

Prüfung unterbreiten. Eine Frau hatte

ihre Rente in der Steuererklärung nicht

erwähnt und als Beruf nur „Hausfrau“

angegeben. Das Finanzgericht Rheinland-Pfalz

entschied, sie habe damit

unvollständige Angaben gemacht.

Damit sei der objektive Tatbestand

der Steuerhinterziehung erfüllt. Aus

dem Alter einer Frau und der Tatsache,

dass sie Kinder hat, muss das Finanzamt

nicht schließen, dass sie auch eine

Rente erhält (FG Rheinland-Pfalz, Urteil

vom 23. März 2011 – 2 K 1592/10).

❘❘❘■ Regeln füR das sonnenbad

Genießen ohne Reue

Auch wenn Sonnenlicht in Maßen

guttut, stresst jedes Sonnenbad die

Haut. Sie muss daher gut geschützt

werden. Wenn einige Regeln beachtet

werden, steht dem Sonnengenuss

nichts im Wege. Die Wirkung bedeckender

Kleidung wie T-Shirt und

Sonnenhut sowie das Eincremen vor

❘❘❘■ antibiotika

Resistenz wächst

Häufiges und unbedachtes Verabreichen

von Antibiotika hat weltweit zu

einer Zunahme an Bakterien und Keimen

geführt, die resistent gegen das lebensrettende

Medikament sind. Deshalb

sterben in Europa jedes Jahr mehr

als 25.000 Menschen an Infektionen.

Auf diese Gefahren hat der diesjährige

Weltgesundheitstag unter dem

Motto „Wer heute nicht handelt, kann

morgen nicht mehr heilen“ aufmerksam

gemacht. Die EU-Kommision hat

Ärzte, Apotheker, die Pharmaindustrie

und Landwirte aufgefordert, Antibiotika

verantwortungsbewusster einzusetzen.

Zudem sollen künftig die Entwicklung

neuer Arzneimittel und die

Einführung schnellerer diagnostischer

Tests besonders gefördert werden.

allem der nicht bedeckten Hautstellen

mit Sonnenschutzmittel ist bekannt.

Nicht jeder weiß, dass ...

■ ein dünnes und damit lichtdurchlässiges

Baumwollshirt bei starker

Sonne nicht über längere Zeit vor

einem Sonnenbrand schützt.

■ sich die Wirkung von Sonnenschutzmitteln

nicht beliebig verlängern

lässt – mehrfaches Eincremen

verdoppelt nicht automatisch

die Wirkungsdauer, es gleicht aber

den Verlust durch Wasserkontakt,

Abrieb oder Schwitzen aus.

■ auch ohne Sonnenbrand die Haut

durch UV-Strahlung geschädigt

werden kann.

■ Kleinkinder bis Ende des ersten

Lebensjahres gar nicht der prallen

Sonne ausgesetzt werden sollen, da

ihre Haut für einen Eigenschutz

noch zu dünn ist.

■ Sonnencreme für Kinder oft nicht

ausreicht, es dafür aber schnell

trocknende Spezialkleidung gibt,

die UV-Strahlen nicht durchlässt.

■ manche Medikamente (wie einige

Blutdruckmittel und Antibiotika,

aber auch Johanniskrautpräparate)

die Empfindlichkeit der

Haut gegenüber Sonnenstrahlen

extrem steigern können, so dass

schon nach wenigen Minuten ein

schwerer Sonnenbrand die Folge

sein kann.

■ Sonnenbrillen ohne UV Filter die

Augen erst recht schädigen, weil

hinter dem dunklen Glas die Pupillen

weiter werden und dadurch

mehr UV-Strahlung in das Auge

gelangt.

Die Stärke der UV-Strahlung wird

durch den UV-Index angegeben, der

vom Deutschen Wetterdienst unter

www.uv-index.de abrufbar ist. Damit

lässt sich der Sonnenschutz anpassen.

Verbrannte Nase?

Ein leichter Sonnenbrand ist gut mit

einem kühlenden Gel oder einer

Feuchtigkeitscreme („After-Sun-Produkte“)

zu behandeln. Alte Hausmittel

wie Gurkenscheiben oder Quarkumschläge

sind auch sehr wirksam.

Bei schweren Verbrennungen mit

Blasenbildung oder nässenden Stellen

ist sofort ein Arzt aufzusuchen. Ganz

wichtig ist, dass nach einem Sonnenbrand

die Haut drei Tage ein „Schattendasein“

führen darf.

in Kürze ■ ❘ ❘ ❘ ❘ ❘

Juni I 11 LSV kompakt 3


❘ ❘ ❘ ❘ ❘ ■ Sicherheit

4 LSV kompakt Juni I 11

Vor dem Schritt ins Berufsleben

„ich bin für Prävention“

Man sieht es ihnen an: Sie sind mit Interesse und freude bei

der Arbeit, sprechen mit Stolz über ihren Beruf. keine frage,

für sie sind auch Sicherheit und Gesundheitsschutz keine

fremdworte. LSV kompakt hat zwei junge Auszubildende

gefragt, ob sie fit fürs Berufsleben sind.

anja Brückner läuft zügig

durch den Betrieb. Heute ist

Tag der offenen Tür in der Agrarproduktion

Beulwitz GmbH & Co. KG –

und noch ist Einiges vorzubereiten.

Trotzdem nimmt sie sich Zeit und

will „ihren“ Betrieb, ihre Kühe und

Kälber vorstellen.

Anja: mit leib und seele tierwirtin

Das Betriebsgelände liegt am Hang,

der Weg von Stall zu Stall ersetzt fast

das Fitnesstraining. Für die 20-Jäh-

rige kein Problem. „Nächste Woche

ist Prüfung und die Ausbildung dann

bald vorbei. Danach möchte ich studieren.

Tiere waren auch der Grund

für die Berufswahl. Von klein auf

habe ich gern im Betrieb meiner Eltern

mitgeholfen. Doch auch ohne

das habe ich eine ‚totale Tierklatsche‘,

kann mir eigentlich keinen anderen

Beruf als Landwirt vorstellen.“

Sie hält auch ihre Entscheidung, nach

dem Abitur zunächst eine Berufsausbildung

zu machen, immer noch für

Geschäftsführer helmut meinhardt erklärt Anja die nächsten Arbeiten bei den Kälbern

richtig. „Wenn ich im Hörsaal sitze

und nicht weiß, wovon da gesprochen

wird ... Erfahrung in der Praxis ist

unersetzbar.“

Am Kälberstall wartet Geschäftsführer

Helmut Meinhardt auf die junge

Frau. „Wenn wir nur so engagierte

Auszubildende hätten wie Anja, wäre

es gut,“ sagt er. Nebenbei schauen sie

bei den Kälber-Iglus nach dem Rechten.

„Sie nimmt das Gesagte und Gezeigte

wie selbstverständlich auf und

setzt es sofort in ihre praktische Arbeit

um.“

Beim Berufswettbewerb vorn dabei

Bestimmt konnte Anja deshalb auch

beim Bundesentscheid des Berufswettbewerbes

der Grünen Berufe im

Mai in der Sparte Tierwirtschaft überzeugen.

Neben dem Gewinn des dritten

Preises hat sie auch die Fragen zu

Arbeitssicherheit und Gesundheitsschutz

besser als ihre Berufskollegen

beantwortet. „Dass man auf sich aufpassen

und Regeln beachten muss,

haben wir in der Berufsschule und im

Betrieb gelernt. Auch, dass es nicht

immer einfach ist, Vorschriften in

der Praxis umzusetzen. Die Kollegen

haben über ihre Erfahrungen gesprochen,

uns gezeigt, wie es richtig geht.“

Helmut Meinhardt ergänzt: „Die Ausbilder

unterweisen regelmäßig, sagen

und zeigen, wie man Gefährdungen

vermeidet. Zum Beispiel das Thema

Körperschutz. Es ist Standard, dass

beim Umgang mit den Tieren Schutzschuhe

oder -stiefel mit Stahlkappe

getragen werden.“ Anja zeigt auf ihre

Füße: „Selbst hier bei den Kälbern ist

es besser, die schützende Kappe im

Stiefel zu haben.“ Ganz wichtig ist


ihr, dass bei der Arbeit im Rinderstall

immer ein erfahrener Mitarbeiter

dabei ist. „Das habe ich so gelernt.

Im Notfall kann der Andere helfen

oder Hilfe holen.“ In der Melkanlage

wird das Desinfektionsmittel nur mit

Schutzbrille, Schürze und Handschuhen

umgefüllt.

mehr Vorsicht

Einen richtigen Unfall hatte Anja

selbst noch nicht – wenn man von

„einer Begegnung ihrer Nase mit dem

Kopf einer Kuh“ absieht. Dass das so

bleibt, daran will sie weiter arbeiten:

„Schließlich war das mit der Kuh eigene

Dummheit, bei etwas mehr Umsicht

wäre mir das nicht passiert.“

Rundum-managerin Jasmin

In einem ganz anderen Arbeitsumfeld

bewegt sich Jasmin Hilker,

24 Jah re alt und kurz vor dem Abschluss

ihrer Hauswirtschaftslehre.

Kaum ein anderer Beruf ist so umfassend,

beinhaltet so viele verschiedene

Themen. „Rundum-Management

nenne ich das. Die Hauswirtschaft

deckt alle Lebensbereiche ab,

reicht von den Finanzen über gesunde

Ernährung bis zur Betreuung pflegebedürftiger

Menschen“, sagt Jasmin.

Ist es diese Vielfalt, die sie bewogen

hat, diese Ausbildung zu wählen?

Der Beruf scheint für sie auch Berufung

zu sein. „Ja, ich habe meinen

Weg gefunden – auf Umwegen. Nach

einem abgebrochenen Studium hat

mir unter anderem ein Praktikum in

einem Waisenheim gezeigt, dass ich

mich um Menschen kümmern, ihnen

auch Hilfe zur Selbsthilfe geben will.

Helfen können gibt Zufriedenheit.“

Gesundheit geht vor

Jasmin lebt für ihren Beruf – das zeigt

das Leuchten in ihren Augen, wenn

sie darüber spricht. Beim Bundesentscheid

in ihrem Heimat-Bundesland

Baden-Württemberg ist sie in ihrer

Sparte Zweite geworden und hat wie

Anja einen Präventionspreis gewonnen.

„Ich war schon überrascht, als

wir den Fragebogen von der landwirtschaftlichen

Berufsgenossenschaft bekamen.

Doch diese Themen sind ja

Bestandteil der Ausbildung und spielen

immer eine Rolle.“ In Jasmins

Arbeitsalltag gilt es wegen der Vielfalt

der Aufgaben, den unterschiedlichsten

Gefährdungen zu begegnen.

Sicherheit ■ ❘ ❘ ❘ ❘ ❘

Jasmin hilker und Ausbildungsleiterin Ulrika Biala lesen aufmerksam die sicherheitshinweise

auf dem Reinigungsmittel und entscheiden, ob und welche Körperschutzmittel beim Umgang

benutzt werden müssen

Schließlich ereignen sich die meisten

Unfälle im Haushalt. „Wir müssen

oft irgendwo hochsteigen, um Fenster

zu putzen oder an hohe Schränke

zu kommen. Sichere Tritte und

Leitern sind hier im Ausbildungsbetrieb

Klos ter Untermarchtal überall

zur Hand. Oder die Schneidemaschinen

in der Küche, die alles schneiden,

was ihnen vor die Klinge kommt.

Wenn man da nicht aufpasst und die

Schutzvorrichtungen nicht benutzt,

kann es schnell schief gehen.“

„ich bin für Prävention“

Jasmin hat gelernt, dass Leichtsinn

und Selbstüberschätzung genauso

wenig bringen wie Hau-Ruck-Aktionen:

„Vor jeder Tätigkeit mal innehalten

und den Ablauf überdenken

bewahrt vor Fehlern und damit auch

vor Unfällen. Heute gilt oft: So viel

wie möglich in immer kürzerer Zeit

erledigen. Da muss man auch mal für

seinen Standpunkt eintreten, um dagegen

zu halten. Denn die Arbeitssicherheit

leidet sonst darunter.“

Beim Rundgang durch das Kloster

mit ihrer Ausbildungsleiterin Ulrika

Biala bleibt sie vor einem Hautschutzplan

stehen. „Die eigene Ge-

sunderhaltung ist mir wichtig. Ich

will ja weiter in meinem Beruf arbeiten.

Hier weiß beispielsweise jeder,

dass der häufige Wasserkontakt nicht

ohne Folgen für die Haut bleibt. Da

helfen nur Schutz, Reinigung und

Pflege. Wir nennen das den „unsichtbaren

Handschuh“.

Verantwortung für sich selbst

Besonders bei der Arbeit im Pflegeheim

des Klosters spürt sie, wie wichtig

die persönliche Fitness ist. „Mit einem

gesunden Rücken kann ich Lasten natürlich

besser heben und tragen. Damit

es möglichst lange so bleibt, treibe ich

Sport. Und wenn es zu schwer wird,

benutze ich Hilfsmittel oder bitte eine

Kollegin um Hilfe. Geteilte Last ist

schließlich halbe Last.“

Ihre Zukunftspläne – demnächst die

Geburt ihres ersten Kindes, ein Studium

der Ernährungswissenschaften,

Arbeit im sozialen Bereich –

sind für Jasmin untrennbar mit Sicherheit

und Gesundheitsschutz

verbunden. „Ich bin für Prävention.

Nachher zur Kur oder nach einem

Unfall im Krankenhaus ist es eigentlich

zu spät.“ ■

Juni I 11 LSV kompakt 5


❘ ❘ ❘ ❘ ❘ ■ im fokus

6 LsV kompakt Juni I 11

Zusatzeinkommen und sozialversicherung

Folgen bedenken (2)

Ferien auf dem Bauernhof,

Hofladen oder Melkhus –

typische Beispiele für die

eigene erwerbstätigkeit des

ehepartners. steuerlich häufig

gut durchdacht und was

ist mit der sozialversicherung?

In der letzten Ausgabe von LSV

kompakt wurde bereits über sozialversicherungsrechtlicheAuswirkungen

von zusätzlichem außerlandwirtschaftlichem

Einkommen für

den landwirtschaftlichen Unternehmer

berichtet. In dieser Folge sollen

die Folgen eigener außerlandwirtschaftlicher

Einkünfte des Ehepartners

beleuchtet werden.

Der Ehepartner des landwirtschaftlichen

Unternehmers ist bei der landwirtschaftlichenBerufsgenossenschaft,

Alterskasse und Kranken-/

Pfle ge kasse im Normalfall mitversichert

oder selbst pflichtversichert.

Was kann hier passieren?

Berufsgenossenschaft

Der Unfallversicherungsschutz bei

der landwirtschaftlichen Berufsgenossenschaft

(LBG) leitet sich aus der

Versicherung für das landwirtschaftliche

Unternehmen ab und erstreckt

sich auf alle Tätigkeiten im Zusammenhang

mit dem versicherten Unternehmen.

Unter bestimmten Voraussetzungen

zählt hierzu auch der

landwirtschaftliche Haushalt.

Wird nun beispielsweise ein Hofcafe

auf Rechnung des Ehepartners des

landwirtschaftlichen Unternehmers

betrieben, sind dieses Hofcafe und

alle damit in Zusammenhang stehenden

Tätigkeiten bei der LBG aber

nicht mitversichert. Grund: Bei der

LBG können zwar Nebenunternehmen

des landwirtschaftlichen Unternehmens

preisgünstig „mitversichert“

werden, dies setzt aber voraus,

dass die sogenannte Unternehmeridentität

besteht. Läuft die Landwirtschaft

auf „Stefan“ und das Hofcafe

auf „Petra“ fehlt es aber an dieser Unternehmeridentität.

Zuständig für

das Hofcafe ist dann die Berufsgenossenschaft

für Nahrungsmittel und

Gastgewerbe. Dort besteht Versicherungsschutz

in aller Regel aber nur

für die Arbeitnehmer. Der Unternehmer

selbst – im Beispielsfall die Ehefrau

– kann sich nur gegen einen Zusatzbeitrag

versichern. Und Eile ist

geboten, denn rückwirkend wird dort

ein Versicherungsschutz für den Unternehmer

nicht eingeräumt.

ein gut besuchtes hofcafe – Damit die Arbeit sich auch auszahlt, am besten vorab mögliche Auswirkungen prüfen


Alterskasse

Bei der Alterskasse besteht eine eigene

Pflichtversicherung als „Ehegatte

eines landwirtschaftlichen Unternehmers“.

Zusätzliches Erwerbseinkommen,

zum Beispiel das Hofcafe, eröffnet

dem Ehepartner die Möglichkeit,

sich von dieser Versicherungspflicht

befreien zu lassen. Wesentliche Voraussetzung

ist, dass das Einkommen

regelmäßig erwirtschaftet wird und

mehr als 4.800 Euro jährlich/400 Euro

monatlich beträgt. Die Befreiung gilt

solange, wie das außerlandwirtschaftliche

Einkommen den Grenzbetrag

überschreitet.

Diese Möglichkeit sollte aber im Einzelfall

genau geprüft werden. Ist eine

Befreiung tatsächlich sinnvoll? Vordergründig

wird der Beitrag zur Alterskasse

eingespart. Aber wie gestaltet

sich die langfristige Absicherung

im Alter? Und wie steht es mit der Gesundheit

und möglichen Rentenansprüchen

wegen Erwerbsminderung?

Wie realistisch ist die Annahme, keine

Rehabilitationsmaßnahmen (Kuren)

zu benötigen?

Eine Beratung ist unbedingt zu empfehlen.

Krankenkasse

Bei der landwirtschaftlichen Krankenkasse

(LKK) ist der Ehepartner

typischerweise über den landwirtschaftlichen

Unternehmer beitragsfrei

mitversichert (Familienversicherung).

Ganz wesentliche Voraussetzung

ist hierfür jedoch, dass die eigenen

Einnahmen 365 Euro monatlich

(Wert für 2011) nicht übersteigen und

auch – unabhängig vom Gewinn –

keine eigene selbstständige Tätigkeit

hauptberuflich ausgeübt wird. Natürlich

entfällt eine Familienversicherung

auch bei einer eigenen Mitgliedschaft,

z.B. wegen einer Arbeitnehmertätigkeit.

Dies gilt bei allen gesetzlichen

Krankenkassen.

Auf eine positive Besonderheit der

LKK ist in diesem Zusammenhang

jedoch hinzuweisen: Nur bei der LKK

ist das Einkommen aus einem gemeinsam

bewirtschafteten landwirtschaftlichen

Unternehmen bei der

Familienversicherung nicht anzurechnen!

Dies kann bei Zuständigkeit

einer anderen Krankenkasse durchaus

zum „bösen Erwachen“ führen.

Denn bei einer gemeinsamen Bewirtschaftung,

wird im Steuerbescheid

für beide Ehepartner Einkommen

aus Land- und Forstwirtschaft ausgewiesen.

Liegt das Einkommen dann

für den familienversicherten Ehepartner

oberhalb von 365 Euro monatlich,

kann die Familienversicherung

bei der anderen Krankenkasse

nicht durchgeführt werden.

Betreibt der Ehepartner nun zum

Beispiel das bereits bemühte Hofcafe,

ist zunächst auf die Einkommensgrenze

zu achten. Zu berücksichtigen

sind dabei allerdings auch andere

Einkünfte im Sinne des Steuerrechts.

Denn alle Einkünfte sind zusammenzurechnen,

so dass schon geringe zusätzliche

Einkünfte aus dem Hofcafe

zur Überschreitung der 365 Euro-

Grenze führen können.

Eine Hauptberuflichkeit schließt die

Familienversicherung auch dann aus,

wenn die Einkommensgrenze nicht

erreicht wird. Im Beispiel des Hofcafes

reicht hiefür bereits die Beschäftigung

von zwei Aushilfen als „Minijobber“

mit einem Arbeitslohn von je

300 Euro monatlich. Gegebenenfalls

müsste eine – beitragspflichtige –

freiwillige Krankenversicherung abgeschlossen

werden. Dies würde den

erhofften Hinzuverdienst zumindest

reduzieren.

Die Beurteilung der Hauptberuflichkeit

einer selbstständigen Tätigkeit

hängt von einer Reihe von Faktoren

ab, die im Einzelfall zu prüfen sind.

Grobe Orientierungswerte sind:

■ Beschäftigung von Arbeitnehmern

mit einem Gesamtlohn von mehr

als 400 Euro monatlich oder

■ Zeitaufwand von mehr 20 Stunden

pro Woche einschließlich vor- und

nachbereitender Tätigkeiten (zum

Beispiel Buchführung)

Die Aufnahme einer selbstständigen

Erwerbstätigkeit kann also sehr

schnell die Familienversicherung und

damit die angestellten wirtschaftlichen

Überlegungen in Frage stellen.

Achten Sie deshalb nicht nur auf die

steuerlichen Auswirkungen!

Fazit

Die steuerlichen und sozialversicherungsrechtlichen

Regelungen sind

nicht immer leicht zu durchschauen.

Dies kann die landwirtschaftliche Sozialversicherung

leider nicht ändern.

Eine kostenfreie Beratung zu den so-

im fokus ■ ❘ ❘ ❘ ❘ ❘

Guten Appetit! Fotos: Witte

zialversicherungsrechtlichenKonsequenzen eines zusätzlichen Einkommens

wird aber gerne angeboten.

Nehmen Sie am besten noch vor dem

Start Ihrer Unternehmung dieses Angebot

in Anspruch.

Ausblick

In der nächsten Ausgabe wird über

mögliche sozialversicherungsrechtliche

Auswirkungen von außerlandwirtschaftlichen

Einkünften von Altenteilern

berichtet. Bis dahin viel Erfolg

in Ihrem Unternehmen. ■

Andreas Sandig

Juni I 11 LsV kompakt 7


❘ ❘ ❘ ❘ ❘ ■ aktueLL

8 LsV kompakt Juni I 11

Generation 55 + in niedersachsen

Vorwärts –

mit positiver energie

Bis zum Jahr 2030 wird jeder

dritte niedersachse älter als

65 sein. Das schlagwort heißt:

Demografischer Wandel.

Ältere Menschen gehen mit der

Zeit und organisieren ihren

Alltag möglichst lange selbstständig.

Hierfür suchen sie nach konkreten

Informationen und Unterstützung an

ihrem Wohnort. Es gibt bereits viele

Angebote, aber nicht alle sind jedem

bekannt.

Eine gute Orientierung bietet das Internetportal

www.senioren-in-niedersachsen.de

das von Sozialministerin Aygül Özkan

initiiert worden ist.

Alles auf einen Klick

In dem Internetauftritt finden sich in

verschiedenen Rubriken übersichtliche

Hinweise auf Beratungs- und

Unterstützungsleistungen, die von

fit in erster hiLfe?

Für die Betriebshelferinnen und Betriebshelfer der Landwirtschaftlichen

sozialversicherung niedersachsen-Bremen

war es wieder Zeit: Alle zwei Jahre werden die kenntnisse

in erster Hilfe auf den neuesten stand gebracht,

damit bei einem unfall im einsatzbetrieb schnell und

professionell geholfen werden kann.

Denn: In jedem unternehmen muss mindestens eine

Person zur Verfügung stehen, die in der Lage ist, erste

Hilfe bei unfällen zu leisten.

Die Vorschrift über sicherheit und Gesundheitsschutz

erste Hilfe (VsG 1.3) regelt, wie die erste Hilfe im Betrieb

richtig organisiert wird. Diese kann im Internet unter

www.nb.lsv.de > Prävention > Fachinformationen >

Vorschriften der LsV eingesehen werden.

Dort steht auch, welches erste-Hilfe-Material im eigenen

Betrieb vorhanden sein muss und welche Organisationen

eine anerkannte Aus- und Fortbildung durchführen.

verschiedenen Institutionen und Anbietern

speziell für die Generation

55 + entwickelt wurden. Antworten

auf Fragen zu Themen wie Wohnen,

Gesundheit und aktiver Ruhestand

werden hier genauso beantwortet,

wie Tipps zur Vorsorgevollmacht und

Patientenverfügung gegeben.

seniorenservicebüros

Wer sich lieber im persönlichen Gespräch

Rat holen möchte, kann sich an

eines der örtlichen Seniorenservicebüros

wenden. Diese sind nahezu flächendeckend

in den Landkreisen und kreisfreien

Städten eingerichtet und werden

vom Land Niedersachsen finanziell gefördert.

Adressen finden sich unter

www.ms.niedersachsen.de und dort

unter „Seniorenservicebüros“ oder sie

können bei der Stadt- bzw. Gemeindeverwaltung

erfragt werden.

Die Büros führen vor Ort ein Netzwerk

von ehrenamtlichen, nachbarschaftlichen

und professionellen Anbietern,

die nützliche Informationen

für den Alltag geben können oder gezielt

beraten. Hierdurch ergeben sich

sozialministerin Aygül Özkan: „Ältere

menschen im Alltag unterstützen“

Quelle: Niedersächsisches Sozialministerium

Lösungen, die Unabhängigkeit und

Eigenständigkeit älterer Menschen

erhalten.

Aber nicht nur Ratsuchende sind hier

richtig. Wer über besondere Kenntnisse

und Fähigkeiten verfügt, der ist

auch gern mit seinem ehrenamtlichen

Engagement gesehen, um Anderen zu

helfen oder die Freizeit gemeinsam

sinnvoll zu gestalten. ■

Joachim Knoll

Foto: Knoll

übrigens: Die Lehrgangskosten für die Aus- und regelmäßigen

Fortbildungen in erster Hilfe werden von der landwirtschaftlichen

Berufsgenossenschaft getragen. Weitere

Informationen gibt es unter ( 0511 8073-484.

Joachim Knoll


LsV-kontakt

Haftpflichtversicherungsanstalt

Braunschweig

Helene-Künne-Allee 5

38122 Braunschweig

telefon 0531 4800221

oder

4800220

Fax 0531 4800229

e-Mail hva-braunschweig@nb.lsv.de

sicherheit ■ ❘ ❘ ❘ ❘ ❘

Die Haftpflichtversicherung Braunschweig informiert:

erntezeit ist schadenzeit

Zur ernte Versicherungsschutz überprüfen! „Gewahrsamversicherung“,

kaskoversicherung für Anhänger und Mähdrescher vorhanden?

Die Erntearbeiten sind im

vollen Gange. Ein kleiner Rest

steht noch und die nächste Regenfront

hat sich schon angekündigt. Um

das Korn noch schneller abfahren zu

können, wird ein selbstkippender

Anhänger vom Nachbarn geliehen.

Bei der letzten Fuhre passiert es. Die

Bolzen für die Kippstellung werden

in der Hektik über Kreuz gesteckt.

Das Ergebnis ist ein erheblich verzogener

Rahmenaufbau; Schadenhöhe:

3.500 Euro. „Halb so schlimm, ich

bin doch versichert“, werden sich

Viele denken. Aber Vorsicht: Der

Teufel steckt im Detail.

Grenzen vorhandener

Versicherungen

„Gewahrsamschäden“, dass sind

Schäden an geliehenen oder in Verwahrung

genommenen Gegenständen,

sind durch die Betriebshaftpflichtversicherung

nicht abgedeckt.

Auch die Kraftfahrthaftpflichtversicherung

des Schleppers bietet keine

Deckung, da Schlepper und Anhänger

eine verbundene Einheit bilden

und der Schaden am Anhänger damit

ein nicht versicherter Eigenschaden

des Schleppers darstellt.

Gewahrsamversicherung

Versicherungsschutz kann hier nur

eine „Gewahrsamversicherung“ bieten.

Die Haftpflichtversicherung

Braun schweig (HVA) bietet ihren

Kunden diese Versicherung in zwei

Stufen an.

In der Standardvariante kann das Risiko

der Beschädigung des geliehenen

Gegenstandes durch äußere Einflüsse

– wie z.B. durch einen Unfall – versichert

werden.

Die „Gewahrsam PLUS-Versicherung“

geht weiter und deckt zusätzlich Schäden

wegen Bedienfehler – wie im Beispielsfall

– ab.

erntekaskoversicherung

In erster Linie sind natürlich Schäden

an den eigenen Geräten zu versi-

Foto: Knoll

chern. Hierzu bietet die HVA Teil-

und Vollkaskoversicherungen für

Schlepper und Anhänger sowie Teilkaskoversicherungen

für Mähdrescher

und sonstige selbst fahrende

Erntemaschinen an. Die Versicherungen

können auch nur für die Zeit

der Ernte abgeschlossen werden.

Die HVA erteilt gerne nähere Informationen.


Juni I 11 LsV kompakt 9


❘ ❘ ❘ ❘ ❘ ■ sicherheit

transport von Großballen

Ladungssicherung von hoher Bedeutung

es ist mal wieder eilig: Ballen aufgeladen und

losgefahren. so bitte nicht!

Beim Transport von Großballen

auf Anhängern ist der Ladungssicherung

größte Aufmerksamkeit

zu schenken; auch wenn

es Zeit kostet. Eine Sicherung

durch aufgestellte

Bordwände allein ist

dabei nicht ausreichend.

Zusätzlich sind immer

10 LsV kompakt Juni I 11

Zurrgurte zu verwenden. Dies setzt

voraus, dass am Anhänger geeignete

Zurrpunkte vorhanden sind. Selbst

beim Einsatz von Spezialanhängern

(siehe Bild) sind zur zusätzlichen Sicherung

Zurrgurte zu nutzen. Bei der

Beurteilung der Ladungssicherung

muss die mögliche Beschleunigung

der Ballen auch bei extremer Brems-

verzögerung und scharfer Kurvenfahrt

berücksichtigt werden.

Wird dann die Fahrgeschwindigkeit

den Straßenverhältnissen angepasst,

steht einem sicheren Transport nichts

mehr im Wege. ■

Joachim Jäger

links: Ungesicherter Ballentransport

führt immer wieder zu Unfällen

Unten: spezialanhänger mit zusätzlicher

sicherung durch spanngurte


kompakttraktoren mit

unzureichender sicherheitsausstattung

Unwissenheit

erhöht das Risiko

Bereits beim kauf ist auf ein schutzdach zu achten. Das ist

nicht nur sicher, sondern auch preiswerter.

Aus wirtschaftlichen Gründen

werden von der Landmaschinenindustrie

zurzeit einfache Kompakttraktoren

in den Verkehr gebracht,

die nicht für alle Arbeiten geeignet

sind. Insbesondere in der

Kombination mit einem Frontlader

und der Ausstattung mit einer Zwei-

Pfoster-Umsturzschutzvorrichtung

bestehen beim Ein- und Auslagern

sowie Stapeln von Rund- und Großballen

erhebliche Gefahren. Der

Landwirt ist gefordert und muss bereits

beim Kauf darauf achten, dass

der Schlepper mit einem für den späteren

Einsatz geeigneten Schutzdach

(FOPS) ausgestattet ist. Ansonsten ist

ein Betrieb in dieser Weise nicht zulässig.

Der Spitzenverband der landw. Sozialversicherung

sucht im Kontakt mit

den verschiedenen Traktorenherstellern

eine schnelle Lösung dieses Problems.

Da jedoch nicht auszuschließen

ist, dass bereits mehrere dieser

Schlepper ausgeliefert wurden und

nicht bestimmungsgemäß eingesetzt

werden, wird der Technische Aufsichtsdienst

bei seinen Beratungen in

den Betrieben ein besonderes Augenmerk

auf den Einsatz dieser Maschinen

legen. Zusätzlich werden die

Traktorenhändler in Niedersachsen

und Bremen aufgesucht und über das

Problem informiert. ■

Joachim Jäger

Die Gefährdung für den schlepperfahrer ist offensichtlich Fotos: tietjen

Kompaktschlepper ohne schutzdach – nicht geeignet zum stapeln von Großballen

sicherheit ■ ❘ ❘ ❘ ❘ ❘

Juni I 11 LsV kompakt 11


❘ ❘ ❘ ❘ ❘ ■ sicherheit

Arbeiten auf landwirtschaftlichen Gebäuden

Alles gut bedacht?

egal, ob es sich um

Reparaturarbeiten

handelt oder ein Dach

komplett eingedeckt

wird. Immer wieder

passieren schwere

unfälle.

Vor Beginn von Dacharbeiten

sind einige Fragen zu klären.

Die wichtigsten sind:

■ Kann die Dachfläche sicher betreten

werden?

■ Müssen Maßnahmen gegen Absturz

von der Dachfläche getroffen

werden?

■ Sind die Arbeiten an einer vorhandenen

Dachfläche zulässig (Stichwort

„Asbest“)?

■ Wie kommt man sicher auf die

Dachfläche?

Die montage von Photovoltaik-Anlagen ist nicht

auf allen Dächern zulässig Foto: Rasche

12 LsV kompakt Juni I 11

Vor Beginn der Arbeiten sind sicherungsmaßnahmen durchzuführen

■ Ist ein sicherer Materialtransport

gewährleistet?

Betreten der Dachfläche:

Bei Dacheindeckungen aus Wellplatten

besteht meist Durchsturzgefahr.

Fast immer müssen bei Reparaturarbeiten,

aber auch bei der Montage von

neuen Platten Laufbohlen verwendet

werden. Besondere Vorsicht ist bei

Lichtplatten geboten.

Absturzsicherungen

Generell sind Absturzsicherungen

vorzusehen. In den meisten Fällen

sind Gerüste mit einem Geländer

bzw. Fangnetz geeignet. Anseilschutz

allein ist nur in seltenen Ausnahmefällen

und bei Arbeiten geringen Umfanges

zulässig.

Bei Neueindeckungen sind zusätzlich

Fangnetze gegen Absturz nach innen

einzubauen.

Asbestzementdächer

Arbeiten an Asbestzementdächern

dürfen nur von Personen mit nachgewiesener

Fachkunde durchgeführt

werden. Die Montage von Photovoltaik-Anlagen

auf solchen Dächern ist

nicht mehr zulässig.

Der sichere Weg auf die Dachfläche

Oft sollen die Dachflächen lediglich

über Anlegeleitern bestiegen werden.

Hier gilt: Anlegeleitern sind nur bis 5

m Höhe als Zugang zu der Dachfläche

zulässig.

Vorzuziehen sind innen liegende Leitern

eines Gerüstes bzw. Treppen

oder eventuell Hubarbeitsbühnen.

materialtransport

Leitern sind zum Materialtransport

ungeeignet. Material kann über Gerüste

auf die Dachfläche gereicht werden.

Die Übergabepunkte sind gut zu

sichern. Eventuell ist an diesen Punkten

zusätzlich Anseilschutz zu verwenden.


Volkmar Höche


Besuchen sie uns auch in diesem Jahr auf unserem Ausstellungsstand Foto: hotes

Ausstellungen in tarmstedt und Wüsting

lsV vor Ort

Die Landwirtschaftliche Sozialversicherung

Niedersachsen-

Bremen ist auch in diesem Jahr wieder

auf den Ausstellungen in Tarmstedt (8.

bis 11. Juli 2011) und Wüsting (19. bis

22. August 2011) vertreten.

Schwerpunkte auf beiden Ausstellungen

sind Gefährdungen beim Umgang

mit Rindern und bei innerbetrieblichen

Transportarbeiten (Kampagne

„Risiko Raus!“).

Um die Gefährdungen beim Umgang

mit Rindern zu reduzieren, werden die

Einsatzbereiche von Fang- und Behandlungsständen

dargestellt.

Zum Themenblock der innerbetrieb-

persönLiche

Beratung

auch Zu hause

nachdem sie die Prüfung

erfolgreich absolviert

haben, arbeiten ab

sofort 15 Mitarbeiterinnen

und Mitarbeiter

der landwirtschaftlichen

Pflegekassen als

qualifizierte Pflegeberaterinnen

und Pflegeberater

(einige der

Absolventen im Bild).

Während einer Zusatzqualifikation

haben sie sich das nötige Wissen angeeignet,

um Pflegende und Pflegebedürftige

umfassend beraten zu

können. Die erworbenen kenntnisse

lichen Transportarbeiten sollen Einsatzbereiche

von Rückfahrvideosystemen

und Modulspiegeln sowie die

daraus resultieren Vorteile hervorgehoben

werden.

Zusätzlich werden Beratungsmöglichkeiten

zu allgemeinen Themen von Berufsgenossenschaft,

Alterskasse, Krankenkasse

und Pflegekasse angeboten.

In Tarmstedt ist die Landwirtschaftliche

Sozialversicherung zum 50. (!)

Mal mit einem Ausstellungsstand vertreten.

Wir freuen uns auf Ihren Ausstellungsbesuch!


Uwe Hotes

konnten sie in einem Pflegepraktikum

praxisbezogen vertiefen. Die

Pflegeberatung ist gesetzlich geregelt

und ein kos tenloses Angebot

der Pflegekassen.

BeitragsZuschuss

der aLterskasse –

ein ausLaufmodeLL?

Die einkommenssituation der

landwirte muss sich in den letzten

zehn Jahren deutlich verbessert

haben, denn die Zahl der Beitragszuschussempfänger

hat um über

60 Prozent abgenommen.

trotz zum teil deutlicher einkommensschwankungen

kann eine

Verbesserung der einkommenssituation

in den meisten Fällen

erfreulicherweise festgestellt

werden. Aber ist dies allein ursache

für die massive Abnahme der

Beitragszuschussempfänger?

Auffällig ist, dass die Zahl der

Beitragspflichtigen in den letzten

zehn Jahren „nur“ um rund 30

Prozent zurückgegangen ist. Die

verbesserte einkommenssituation

wird sicher zur stärkeren entwicklung

beim Beitragszuschuss

beigetragen haben. nicht zu

vergessen ist auch, dass der

strukturwandel gerade zur schließung

„kleinerer“ Höfe führt. Aber

dies ist alles nur eine seite der

Medaille.

Wesentlichen einfluss auf die Zahl

der Zuschussberechtigen hat die

tatsache, dass die relevante

einkommensgrenze von 15.500

euro seit 1995 im wesentlichen

nicht verändert wurde. Ist es

vorstellbar, dass über mehr als 15

Jahre Preise stabil bleiben oder

Renten nicht angepasst werden?

entsprechendes ist beim Beitragszuschuss

festzustellen und deshalb

kann die sehr starke Abnahme

der empfänger dieser Leistung

nicht überraschen. Bei grober

Berechnung hat die einkommensgrenze

heute nur noch ein niveau

von etwa 12.000 euro. sie wurde

faktisch herabgesetzt.

Der Beitragszuschuss vermeidet

bei einheitlicher Beitragshöhe

eine finanzielle überforderung im

einzelfall. Als Leistung der Alterskasse

steht der Beitragszuschuss

daher auch künftig außer Frage.

eine Anhebung der einkommensgrenze

von 15.500 euro wird aber

zu thematisieren sein.

sicherheit ■ ❘ ❘ ❘ ❘ ❘

Hartmut Fanck

Juni I 11 LsV kompakt 13


❘ ❘ ❘ ❘ ❘ ■ Sicherheit

die Transporttechnik in der

Landwirtschaft stellt zunehmend

höhere Anforderungen an die

Fahrer. Vor Arbeitsschwerpunkten

wie der Ernte ist es wichtig, das Gefahrenbewusstsein

zu schärfen.

schnelle Fahrt

Moderne Traktoren fahren mit bis zu

60 km/h und meist voll beladen auf

der Straße. Wenn der Fahrer plötzlich

bremsen oder ausweichen muss,

die Straße zusätzlich noch nass und

glatt ist, hilft kein ABS oder ESP – das

Fahrzeug schleudert. Häufigste Unfallursachen

bei der Fahrt mit großen

Transportzügen sind:

■ nicht angepasste Geschwindigkeit,

■ mangelnde Fahrpraxis mit großen

Zuggespannen,

■ keine oder mangelhafte Ladungssicherung,

■ im Verhältnis zur Zugmaschine zu

hohe angehängte Last.

Traktoren mit stufenlosem Fahrantrieb

sind bequemer zu steuern. Allerdings

kann es im Vergleich zu

konventionellen Getrieben durch

den Hydrostat zu speziellen Gefährdungen

kommen, wenn der Fahrer

den Fuß vom Fahrpedal nimmt. Bei

der Verzögerung des Traktors wird

der Anhänger nicht mitgebremst.

Dieser kann den Traktor wegschie-

14 LSV kompakt Juni I 11

Risiko raus! – Den überblick behalten im

transportunternehmen

landwirtschaft

Pro Jahr werden von Landwirten

in Deutschland etwa 500

Millionen tonnen Güter transportiert

– das ist mehr als auf

dem Schienennetz. Die erntesaison

ist Höhepunkt – und

eine Zeit mit vielen Gefahren

im Landwirtschaftsbetrieb.

Der Kollege hinter dem Futterverteilwagen ist auf dem monitor deutlich erkennbar –

vereinbarte Zeichen eingeschlossen

ben und das Gespann knickt ein. So

kam es schon zu tödlichen Unfällen.

Abbiegen vom Feldweg auf die straße

Es kann über 30 Sekunden dauern,

wenn beispielsweise der Mähdrescher

mit angehängtem Schneidwerkswagen

oder ein Traktor mit beladenen

Anhängern vom Feld auf die Straße

einbiegt. Besonders in Kurvenbereichen

kann es dabei zu brenzlichen

Situationen mit dem übrigen Straßenverkehr

kommen. Regen, Nebel

oder Dunkelheit verschärfen die Situation.

Hier haben sich retroreflektierende

Streifen an den Längs- und

Rückseiten der Fahrzeuge bewährt.

toter Winkel: eingeschränkte sicht

Große Geräte und Maschinen – oft

im Einmannbetrieb – gestatten dem

Fahrer meist keinen sicheren Rundumblick

mehr. Besonders schwierig

wird es beim Rangieren, An- und Abkuppeln

oder wenn beengte Hofstellen

oder Wirtschaftsgebäude befahren

werden müssen. Rückwärtsfahren

ist ohne Einweiser meist nicht si-

cher möglich. Wenn dazu noch mit

Kindern und weiteren Personen in

der Nähe der Maschinen gerechnet

werden muss, hilft ein „drittes Auge“,

die Übersicht zu behalten.

Durch die Ausstattung von Fahrzeugen

und angehängten Maschinen mit

Rückfahrkameras kann der Fahrer

vom Führerplatz aus Arbeitsabläufe

überwachen und den Bereich hinter

der Maschine komplett einsehen.

Das bedeutet für ihn eine deutliche

Entlas tung und mehr Sicherheit.

Neue spiegelgeneration

Neuartige Rückspiegel haben ein ungewöhnlich

breites Sichtfeld und ermöglichen

vor allem eine gute Sicht

nach unten. Spielt ein Kind am Hinterreifen

des Schleppers, ist es mit

herkömmlichen Rückspiegeln nicht

erkennbar (toter Winkel). Dank eines

unter dem großen Hauptspiegel angebrachten

kleinen Nahbereichspiegels

wird auch diese Zone einsehbar. ■


Störungen im Arbeitsablauf:

sommer ohne Zwischenfälle

Der Beginn der ernte

scheint auch Startschuss

für eine „unfallsaison“

zu sein. Die Zahl der

Zwischenfälle steigt dann

jedes Jahr an. Wer einige

Grundregeln beachtet,

kann sicher durchs Jahr

kommen.

die meisten Unfälle haben ihre

Ursache in menschlichem Fehlverhalten,

häufig ausgelöst durch Hektik

unter Zeitdruck. Vor Arbeitsbeginn

oder nach Störungen sollen schnell kleinere

Wartungs- und Reparaturarbeiten

erledigt werden – damit nur ja kein

Zeitverzug eintritt. Unter solchen Voraussetzungen

sind Fehler mit Folgen

vorprogrammiert.

schnell passiert

Ein Landwirt hatte an seinem Mähdrescher

eine Störung bemerkt. Unter dem

Stroh auswurf liegend, suchte er nach

dem Grund für die Klappergeräusche.

Um wieder aufzustehen, tastete er mit

der Hand nach einem Halt zum Hochziehen.

Dabei kam er an das laufende

Aggregat und zog sich so schwere Verletzungen

zu, dass der Zeigefinger spä-

ter abgenommen werden musste. So

oder ähnlich lesen sich viele Unfallanzeigen

– und meist wurde vor der Störungssuche

oder bei Entstör- und Wartungsarbeiten

der Antrieb der Maschine

nicht abgestellt.

Tipps fürs sichere Arbeiten sind im Kasten

zusammengestellt.

Festgefahren – was nun?

Ackerschlepper, Landmaschinen und

selbst fahrende Arbeitsmaschinen sind

nur unzureichend für das Freischleppen

auf dem Acker ausgerüstet. In den

Bedienungsanleitungen werden oft nur

Abschlepppunkte an der Vorderachse

der Fahrzeuge ausgewiesen, für das

„rückwärts“ Herausziehen sind solche

kaum zu finden.

Daran muss vor dem Freischleppen gedacht

werden:

■ Mitarbeiter einweisen, eindeutige

Signale vereinbaren,

■ keine Personen zwischen den Fahrzeugen

und im Gefährdungsbereich

dulden,

■ geeignete, gekennzeichnete Zugmittel

sowie nur geprüfte, intakte

Verbindungselemente verwenden,

■ Zugmittel nur an vom Hersteller gekennzeichneten

Anschlagpunkten

befestigen, jedoch niemals an der

Lenkachse,

■ Spaten zum Freischaufeln der Räder

in Zugrichtung mitführen,

■ frei zu schleppende Fahrzeuge

durch Entladen entlasten. ■

Anhängekupplungen sind ungeeignet für das Freischleppen auf dem Feld

Sicherheit ■ ❘ ❘ ❘ ❘ ❘

Vor jedem eingriff in die maschine Antrieb

ausschalten und den stillstand der Aggregate

abwarten

Tipps füR‘s sicheRe ARBeiTeN

■ Gerade, wenn es eilt: Ruhig und überlegt

vorgehen. Hektik vermeiden.

■ Antrieb abschalten, Stillstand bewegter

und nachlaufender teile abwarten.

■ fahrzeug gegen Wegrollen sichern.

■ Achtung: unter Spannung stehende

teile und durch Verstopfungen blockierte

Maschinenteile können sich

plötzlich lösen.

■ Angehobene Maschinenteile abstützen

oder absenken.

■ Mit Werkzeugen und Hilfsmitteln,

nicht mit bloßen Händen arbeiten.

■ Auch beim Probelauf nicht in die

Maschine greifen.

■ nach Abschluss der Reparaturarbeiten

alle entfernten Schutzvorrichtungen

wieder anbringen.

■ Immer auf unbeteiligte Personen wie

neugierige kinder achten.

■ notrufmöglichkeiten organisieren,

Handy mitführen. Bei Dritten den

Arbeitsort hinterlassen.

Juni I 11 LSV kompakt 15


❘ ❘ ❘ ❘ ❘ ■ geSundheit

füße auf Händen tragen

Gesund zu Fuß

Sommerzeit: Wer genießt es

nicht, barfuß zu laufen. Doch

nicht jeder fuß ist ein schöner

Anblick.

bei jedem zehnten Deutschen

ist die Haut der Füße gerötet,

schuppig oder sie juckt. Häufig handelt

es sich dabei um einen Fußpilz. Für

viele ein Tabuthema, das gern ignoriert

wird. Doch das hat Folgen, denn Fußpilz

ist ein treuer Begleiter, der unbehandelt

die Gesundheit der Füße ruiniert.

Fußpilz (lat. Tinea pedis) ist eine der

häufigsten Hauterkrankungen. Männer

sind häufiger betroffen als Frauen.

Übertragen wird der Pilz von Mensch

zu Mensch. Bei jedem Schritt verlieren

Erkrankte infizierte Hautschuppen,

die sich an die Fußhaut oder in kleine

Wunden des nächsten barfuß Gehenden

heften und dort ebenfalls zu

einer Infektion führen können.

Dort, wo gewöhnlich barfuß gelaufen

wird und ein feucht-warmes Klima

Vorbeugen – aber wie?

■ So oft wie möglich barfuß laufen. In

öffentlichen Bereichen wie Schwimmbädern

sind Badelatschen ein sicherer

Schutz.

■ In der freizeit Schuhe aus kunststoff

meiden und luftiges oder atmungsaktives

Schuhwerk vorziehen. Im Betrieb

immer Sicherheitsschuhwerk tragen.

■ füße nach dem Baden oder Duschen

gründlich abtrocknen (Zwischenräume

der Zehen), bevor Strümpfe und Schuhe

angezogen werden.

■ Socken auswählen, in denen der fuß

möglichst wenig schwitzt.

■ Socken täglich wechseln.

■ Socken (kochwäsche) und Schuhe

(Pulver oder Spray) desinfizieren.

16 LSV kompakt Juni I 11

herrscht, also in Schwimmbädern,

Saunen oder in den Duschen beim

Sport, kann man davon ausgehen, dass

Pilzfäden in großer Zahl den Boden

besiedeln. Aber auch auf dem heimischen

Teppichboden und im eigenen

Badezimmer kann man sich mit

Fußpilz anstecken, wenn ein Familienmitglied

bereits erkrankt ist. Ein

Infektionskreislauf mit immer neuen

Ansteckungen beginnt, wenn der Fußpilz

nicht frühzeitig erkannt und unter

ärztlicher Aufsicht behandelt wird.

Der Pilz liebt es feucht und warm. Die

besten Wachstumsbedingungen findet

er daher zwischen den Zehen, wenn

geschlossene Schuhe getragen werden

müssen.

Die Arbeitsabläufe in der Landwirtschaft

erfordern betriebsabhängig das

tageweise Tragen von Sicherheitsschuhen

oder Gummistiefeln, so dass in

dieser Zeit keine Luft an den Fuß gelangt.

Luftundurchlässiges Schuhwerk

bietet geradezu ideale Bedingungen für

die Entstehung von Fußpilz.

Für die Arbeitssicherheit ist das richtige

Schuhwerk dennoch ohne Alternative.

Sandalen haben bei der Arbeit

im Betrieb nichts zu suchen.

erste Anzeichen

Typische Anzeichen für eine Infektion

können Juckreiz, Brennen, Rötung

oder Schuppung der Haut besonders

zwischen den Zehen und auf der Fußsohle

sein. In den Zwischenräumen der

Zehen findet sich hierbei manchmal

weißliche, aufgeweichte Haut.

Den unbehandelten Verlauf der Erkrankung

begleiten häufig Entzündungen

und kleine Bläschen, die sich

nach und nach auf der gesam ten Fußhaut

ausbreiten. Der Pilz kann sich

auch auf anderen Regionen des Körpers

mit hoher Hautfeuchtigkeit – wie

den Achseln – ansiedeln.

Ohne ärztlich überwachte Behandlung

bleibt der Fußpilz ein ständiger

Begleiter. Nicht vollständig ausgeheilte

und konsequent behandelte Infektionen

kehren zurück und zeigen

nicht selten einen hartnäckigeren Verlauf.

Unter einem Fußpilz und hässlich

aussehenden Füßen leidet nicht

nur der Erkrankte. Die Infektion zieht

schnell Kreise und befällt dann nicht

nur Fami lienmitglieder, sondern auch

andere Menschen.

Das hilft

Bereits beim ersten Verdacht, an Fußpilz

erkrankt zu sein, sollte umgehend

der Hausarzt aufgesucht werden. Der

Hausarzt oder bei Bedarf ein Facharzt

für Dermatologie (Hautkrankheiten)

führt zunächst eine körperliche Untersuchung

durch und nimmt ggf. eine

mikroskopische Untersuchung der

Hautschuppen vor. Eine mit den Hautschuppen

angelegte Pilzkultur kann

im Labor Aufschluss über den genauen

Erreger geben. Diesen zu kennen, ist

besonders dann von Bedeutung, wenn

eine erste Therapie mit einer pilztötenden

Creme oder einem Spray nicht

den gewünschten Behandlungserfolg

bringt.

In besonderen Fällen können die notwendigen

Wirkstoffe auch in Form von

Tabletten verabreicht werden.

selbsthilfe

Wenn ein Familienmitglied erkrankt

ist, sollte zusätzlich zu den zur Vorbeugung

gegebenen Tipps (siehe Kasten)

daran gedacht werden, auch Badematten

und Handtücher in die Kochwäsche

zu geben. Zusammen mit der

ärztlichen Behandlung kann der Infektionskreislauf

mit diesen Hygieneregeln

unterbrochen und der Fußpilz

wirksam bekämpft werden. ■


❘ ❘ ❘ ❘ ❘ ■ geSundheit

Den Rücken freut es

Nimm‘s leicht

Rückenbeschwerden sind

längst die Volkskrankheit

nummer eins. Die ursachen

sind oft im privaten Alltag zu

finden. Aber auch der Arbeitsplatz

bietet einige Möglichkeiten

der Vorbeugung.

heben und Tragen führen stets

zu einer verstärkten Belastung

der Wirbelsäule. Wer das falsch

18 LSV kompakt Juni I 11

angeht, kann sicher mit Rückenbeschwerden

rechnen. Ungeübt neigt

der Mensch dazu, die eher schwachen

Rückenmuskeln zu nutzen und

nicht, was besser wäre, die kräftigere

Beinmuskulatur. Beim Heben geringer

Gewichte darf man schon mal

den Rücken beugen. Das ist so gut wie

Gymnastik. Ab etwa fünf Kilogramm

sollte auf die richtige Haltung geachtet

werden – gerader Rücken und gebeugte

Knie. Und das gilt für Lasten

am Arbeitsplatz genau so wie für Getränkekisten.

Die (hebe-)technik macht es

Eine gute Technik schont nicht nur

die Bandscheiben durch gleichmäßige

Belastung, sondern den ganzen

Bewegungsapparat. Ganz nebenbei

wird die Muskulatur trainiert und

gestärkt. Mit gebeugtem Rücken werden

die Bandscheiben vorn viel stärker

belas tet als hinten. Je weiter man

sich nach vorne beugt und je größer

das Gewicht ist, umso größer ist die

Belastung der Bandscheiben (Grafik).

so bleibt der Rücken gesund

■ Auf sicheren Stand achten.

■ Last sicher greifen, nach Möglichkeit

mit beiden Händen.

Heben und Tragen vermeiden – die bessere Lösung

Beispiele aus der betrieblichen Praxis

zeigen, dass eine Investition und gute

Ideen helfen, die Gesundheit zu erhalten:

nicht immer sind so aufwändige Hilfsmittel

wie diese pneumatische Hebevorrichtung

für Saatgutsäcke bei Landwirt Scherb

in Gudensberg nötig, um nicht selbst zu

heben. Die Vorrichtung hat durch einen

flexi b len Ansaugschlauch eine große

Reichweite und kann „mit dem kleinen

finger“ bewegt werden (titelbild).

Viele Ideen und eine gute Werkstatt, die

diese umsetzt: Das ist das Rezept von

familie Veigl in kemnath für die Ablösung

schwerer körperlicher Arbeit in

ihrem fischzuchtbetrieb. Abfischen – herkömmlich

ein knochenjob bei oft wid-

rigem Wetter – wird durch einen fischtransportanhänger

mit containern und

Hebezeug und das (fast) vollmechanisierte

fischhaus beinahe zum „kinderspiel“

(rechts). Auch beim einsetzen der

fische in die teiche ist nur ein Hebel zu

betätigen (unten).

■ Aus der Hocke heben.

■ Last nah am Körper halten.

■ Mit gestrecktem, flachem Rücken

heben und tragen.

■ Auch für das Absetzen gilt: In die

Knie gehen, Rücken gerade halten.

■ Hilfsmittel einsetzen.

■ Last aufteilen und lieber zweimal

gehen. Wege kurz halten.

■ Last zu zweit tragen.

Die Dosis macht‘s – Lasten an

Alter und Geschlecht anpassen.

Besser vermeiden

Das führt garantiert zu Rückenschmerzen:

■ krummer Rücken oder Hohlkreuz,

■ ruckartige Bewegungen,

■ Verdrehen des Oberkörpers beim

Anheben und Abstellen der Last,

■ schweres einseitiges Heben/Tragen.

Heben und Tragen lassen sich nicht

immer vermeiden. Deshalb: Erst die

Arbeit planen, dann die Muskeln

spielen lassen. Trotzdem bleibt das

Vermeiden von Heben und Tragen

der bessere Weg.

Übrigens: Praktische Anleitungen

und Tipps zum richtigen Heben und

Tragen gibt es auch in der „Rückenschule“.


Auszeit vom Pflegealltag

Was tun, wenn die pflegende

Person verhindert

ist und die pflegebedürftige

Person nicht alleine

gelassen werden kann?

für solche fälle gibt es

zwei Leistungen der Pflegekasse:

kurzzeit- und

Verhinderungspflege.

in landwirtschaftlichen Familien

werden pflegebedürftige Angehörige

meist zuhause versorgt. Eine Aufgabe,

die vor allem den Bäuerinnen

neben ihrer Arbeit im Haus und auf

dem Hof zufällt. „Das stellt die Pflegenden

oft vor große Herausforderungen“,

erklärt Martina Opfermann-

Kersten, Referentin der landwirtschaftlichen

Pflegekasse. „Es ist schon

schwer, den normalen Alltag zu bewältigen.

Stehen aber Erledigungen

außerhalb, ein Krankenhausaufenthalt

oder eine Kur an, wird es oft

kompliziert, dies zu organisieren.“ Die

Kurzzeit- und die Verhinderungspflege

sind Leistungen der Pflegekasse,

die greifen, wenn die Pflege zuhause

vorübergehend nicht gewährleistet ist.

leben für den Anderen

Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter

der Pflegekasse betreuen mit den

Pflegeberatern alle Versicherten, die

diese Leistungen in Anspruch nehmen.

Opfermann-Kersten schildert

ein Beispiel, das die Situation vieler

Familien beschreibt: Die Landwirtin

mit Ackerbaubetrieb, die seit zwei

Jahren ihre Mutter betreut und pflegt.

„Vor einem halben Jahr wurde die

Mutter in Pflegestufe zwei eingestuft.

Sie braucht unter anderem beim Laufen

und Stehen Hilfe. Aber auch der

Vater will versorgt sein. Die beiden

erwachsenen Söhne sind außerhalb

der Landwirtschaft tätig und wohnen

weit entfernt.“ Früher, so die Referentin

weiter, sei die Frau in vielen Ehrenämtern

aktiv gewesen. Diese habe

sie aufgrund der Pflegesituation abgeben

müssen. Inzwischen nehme sie

regelmäßig stundenweise die Verhinderungspflege

in Anspruch. „In den

Zeiten ihrer Abwesenheit übernimmt

eine Nachbarin die Pflege, die Mutter

und Tochter gleichermaßen vertraut

ist. Für die Familie ist das sehr praktisch.“

Gerade sei der älteste Sohn des

Landwirtsehepaares Vater geworden.

Ihr erstes Enkelkind zu besuchen sei

etwas, das die Frau nur dank der Verhinderungspflege

organisieren könne.

sich selbst nicht vergessen

Die Mehrfachbelastungen durch

den landwirtschaftlichen Betrieb und

die Pflegesituation bringen die Pflegenden

oft an ihre Grenzen“, fasst Opfermann-Kersten

zusammen. „Es ist

wichtig, mit seinen Kräften hauszuhalten

und auch einmal etwas für

sich selbst zu tun.“ Kurzzeit- und Verhinderungspflege

sollen helfen, diese

Auszeiten von der täglichen Pflege

wahrzunehmen. ■

KoMpLizierte begriffe –

unKoMpLizierte hiLfe

LSV-info

information rund um die Pflege gibt es

bei den mitarbeitern der Pflegekasse.

Martina Opfermann-kersten, Referentin der landwirtschaftlichen

Pflegekasse, über Hilfsangebote für Pflegende:

Verhinderungs pflege ...

... ist die ersatzweise Pflege durch eine andere Person, wobei

die Pflegekasse hierfür entstehende kosten übernimmt. Die

Verhinderungspflege kann grundsätzlich von jeder Person,

beispielsweise von Angehörigen, Bekannten oder nachbarn,

durchgeführt werden. Bei Personen, die mit dem Pflegebedürftigen bis zum zweiten

Grad verwandt oder verschwägert sind, darf die Pflegekasse die kosten in Höhe des

anteiligen Pflegegeldes erstatten. Aufwendungen wie fahrkosten oder Verdienstausfall

können bei nachweis zusätzlich berücksichtigt werden. Die Verhinderungspflege

kann für längstens vier Wochen und für einen Betrag von bis zu 1.510 euro (ab 2012:

1.550 euro) je kalenderjahr in Anspruch genommen werden. Ist die pflegende Person

an einzelnen tagen nur zeitlich begrenzt verhindert, kann die Verhinderungspflege

auch stundenweise in Anspruch genommen werden. Dann entfällt die Beschränkung

auf 28 tage im Jahr. eine weitere wichtige Voraussetzung ist, dass die Pflegeperson

den Pflegebedürftigen schon mindestens sechs Monate in seiner häuslichen umgebung

gepflegt hat.

Kurzzeitpflege ...

... findet in einer vollstationären einrichtung statt. Der zu pflegende Angehörige lebt

vorübergehend in einem Pflegeheim. Der Höchstanspruch beträgt auch hier pro

kalenderjahr 1.510 euro (ab 2012: 1.550 euro) längstens für vier Wochen. Als Leistungen

werden die pflegebedingten Aufwendungen übernommen.

Weitere Informationen sind im Internet unter www.lsv.de/spv > Leistungen > Pflege

zu finden.

pfLege ■ ❘ ❘ ❘ ❘ ❘

Juni I 11 LSV kompakt 19


starke Bausteine

für das Wachstum und die funktion

braucht der menschliche organismus

mehr als 15 mineralstoffe. sie müssen

in ausreichenden mengen über die

nahrung aufgenommen werden.

interessantes zu diesem thema

in der september-ausgabe

Menge der Spuren- und Mengenelemente im

Körper eines Erwachsenen (Gramm)

calcium 1.500

phosphor 860

schwefel 300

Kalium 180

chlor 74

Natrium 64

Magnesium 25

eisen 4,5

fluor 2,6

Zink 2,0

Kupfer 0,1

Kobalt 0,015

selen 0,013

Mangan 0,012

Jod 0,011

Molybdän 0,009

chrom 0,006

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