Kompass 28.pdf - Werkstatt für angepaßte Arbeit GmbH

wfaa.de

Kompass 28.pdf - Werkstatt für angepaßte Arbeit GmbH

Ausgabe 28 – 02/2008 INFORMATIONEN FÜR MITARBEITER, KUNDEN UND ANDERE PARTNER www.wfaa.de

Praxisorientiert

Der Berufsbildungsbereich setzt auf ein

duales Ausbildungssystem > S. 14

Auf den Spuren der FLIP-Team-Koordinatoren

Das können wir

besser machen!

Qualitätsbewusst

Leistungsfähiger Büroservice in Zweigstelle

Reisholz etabliert > S. 8


schenken

& spielen

Burgplatz 2

40213 Düsseldorf

Telefon (0211) 13 11 66

Börchemstraße 35

40597 Düsseldorf

Telefon (0211) 71 28 11

In den Großen Banden 60

40225 Düsseldorf

Telefon (0211) 7 88 48 39

2 Inhalt

6

17

Kamera läuft, Film ab!

Impressum

Herausgeber: Werkstatt für angepasste Arbeit

GmbH, www.wfaa.de

V.i.S.d.P.: Peter Josef Kleefisch

Anschrift: „Kompass

c/o Werkstatt für angepasste Arbeit GmbH

Marienburger Straße 24

40599 Düsseldorf

E-Mail: kompass@wfaa.de

Redaktion: Wortwerk Medien und Kommuni-

kation, Düsseldorf;

Christina Schmidt, Tom Theilig

11 18

Forum

04 Nachwuchs in der Nacht

06 Nicht immer nur arbeiten...

07 Neues Reich für die „Küchenfee“

sprinter-spende an den BBB

Autoren: Georg Amend, Werner Burgschuld, Manuela

Chao, Nicole Coumann, Fred Dunkmann,

Thomas Flesch, Jürgen Grimm, Kristina Klusen,

Brunhilde Ludwinski, Thomas Oberschelp,

Bruno Potthast, Nick Rudolph, Georg Schöning,

Anja Segtrop.

Gastbeiträge sind jeweils benannt.

Fotos: (soweit nicht anders angegeben)

Handicap media produktion, Werkstatt für

angepasste Arbeit GmbH.

Layout und Druck: Köller+Nowak, Düsseldorf

Anzeigen: Sandrine Lemaître, Marcus Silber

Auflage: 3000 Stück

Erscheinungsweise: 4 Ausgaben jährlich

In Bezug auf die sprachliche Gleichbehandlung weisen wir darauf hin, dass in der gesamten Ausgabe

die jeweils gewählte Form bei allen personenbezogenen Bezeichnungen für beide Geschlechter gilt.

20

Integration + arbeit

08 Durchblick im Datenfluss: lesen, verstehen

und interpretieren

Recht

10 Gesetzliche Betreuung: Nicht über den Menschen

hinweg entscheiden

titel

14 Wichtige Erkenntnis: Lernen hört nie auf

Gesund + Fit

23 Gabi und Gerd beschäftigen sich mit Vorsorge

Förderung + Bildung

24 FLIP: Hohes Maß an Offenheit und Akzeptanz

titelfoto

Optimiert und ergonomisch: der „neue“ Arbeitsplatz von Günther Würfel ist jetzt

– dank erfolgreicher Arbeit der FLIP-Team Koordinatoren – an seine individuellen

Bedürfnisse angepasst. Foto: Werner Burgschuld

Kompass 022008


mutig der Zukunft entgegen

Liebe Mitarbeiter, Freunde

und Partner der wfaa,

mit dem Inkrafttreten des Sozialgesetzbuches

(SGB) IX vom Juni 2001

wurden die Rechte der Menschen

mit Behinderungen und der von

Behinderungen bedrohten Menschen

grundlegend neu geregelt.

Im Vordergrund steht das Recht auf

Selbstbestimmung und auf Teilhabe

am Leben in der Gesellschaft.

Der Anspruch auf Leistungen ist

in diesem SGB IX und den für die

Leistungsträger geltenden Leistungsgesetzen

(zum Beispiel SGB

II, III und XII) festgelegt.

Seitdem gibt es immer wieder neue

Festlegungen und Regelungen, die

diese Ansprüche festlegen oder einschränken.

Derzeit beschäftigt uns

unter anderem folgende Neuregelung:

Die 43 Werkstätten im Rheinland

– inklusive unserer wfaa – und

der Landschaftsverband Rheinland

haben eine Rahmenzielvereinbarung

über die Weiterentwicklung

von Leistungen zur Teilhabe am

Arbeitsleben getroffen.

Kompass 022008

Wesentliche Aussage: WfbM leisten

für behinderte Menschen einen

unverzichtbaren Beitrag zur Teilhabe

am Arbeitsleben und in der

Gesellschaft. Dieses System hat sich

bewährt und ist zukunftsfähig.

Jeder Beschäftigte hat Anspruch

auf einen Werkstattplatz und entscheidet

selbst, ob er dieses Angebot

auch künftig annehmen wird.

alternativen aufzeigen

Dennoch muss die Werkstatt Alternativen

aufzeigen oder sich Veränderungen

stellen, zum Beispiel

durch: Verbesserung der Berufswegplanung,

Erhöhung der Anzahl

der Übergänge auf den allgemeinen

Arbeitsmarkt, Aufbau und Ausbau

differenzierter Beschäftigungsangebote,

Entwicklung von Konzepten

für die Inanspruchnahme des

„Persönlichen Budgets“ oder durch

die Entwicklung von Eckpunkten

zur Förderung besonderer Personengruppen

in Werkstätten.

Die wfaa hat fünf Projektgruppen

gebildet, die sich mit den

Zielsetzungen beschäftigen. Erste

Veränderungen zeichnen sich ab:

So steht die Zusammenfassung

des Berufsbildungsbereiches und

der Dienstleistungstätigkeit für

alle Einzelhandelspartner unserer

Werkstatt an. Darüber hinaus

planen wir die Gründung einer

eigenen Integrationsgesellschaft,

die verstärkte Beschaffung von

betriebsintegrierten Arbeitsplätzen

in Drittunternehmen sowie die

Beteiligung am HIP-Projekten des

Beratungszentrums in Monheim.

Angst vor diesen Veränderungen

braucht niemand zu haben. Im

Gegenteil: Sie werden uns helfen,

unsere Werkstatt zukunftsfähig

zu erhalten und Menschen mit

Behinderungen hier nicht nur

Arbeit, sondern auch einen Platz

zu bieten, der Selbstbestimmung

und Teilhabe am Leben in hohem

Maße garantiert.

In diesem Sinne wünscht Ihnen

eine anregende Lektüre, Ihr

Peter Josef Kleefisch

Guten taG 3


4 FoRum

Damals und Heute

Ich sitze vor einem Baum.

Plötzlich kamen mir Gedanken von Früher.

Damals war ich klein wie eine Erbse,

heute bin ich groß wie ein Baum.

Damals freute man sich schon über kleine Geschenke,

heutzutage werden die Wünsche immer größer.

Damals freute man sich über eine Blume,

heutzutage muss es schon ein Blumenstrauß sein.

Es kam damals vor, dass Nachbarn Hemden, Hosen

sogar Socken und gebrauchte Schuhe vorbei brachten

und uns fragten, ob wir die Kleidungsstücke

gebrauchen können. Meistens sagten wir ja.

Wir dankten den Nachbarn.

Ich sagte mir damals:

Es muss nicht immer alles neu sein.

Und man muss nicht immer alles direkt wegwerfen.

Fragt lieber Euren Freund, Nachbarn, Arbeitskollegen

oder gebt es den Hilfswerken wie

Rotes Kreuz, Diakonie oder Caritas.

Mit gekauften und gebrauchten Sachen

kann man Glück und Freude weitergeben.

Winfried Günther

Welche Freizeitangebote gibt es für Menschen mit Behinderung?

sport, Reisen und tanzen

Sie haben frei? Sie haben Zeit?

Was machen Sie in Ihrer Freizeit?

Können Sie sich vorstellen, jeden

Tag nach der Arbeit nach Hause zu

kommen, und dann: Nichts?!

Kegeln, Tanzen, Freunde treffen,

Sport, Urlaub... Möchten Sie auf all

das verzichten? All diese Freizeitaktivitäten

haben einen enormen

Erholungswert. Welche Möglichkeiten

haben aber Menschen mit

Behinderung, ihre Freizeit aktiv zu

gestalten? Egal, ob sie in Wohnheimen

leben, in betreutem Wohnen

oder zu Hause bei ihren Eltern. Es

gibt Fahrdienste, die organisiert

werden können. So dass unter

anderem auch Menschen, die auf

einen Rollstuhl angewiesen sind,

die Möglichkeit haben, solche

Freizeitangebote zu nutzen. In

Düsseldorf gibt es zum Beispiel den

Club 68 oder die Lebenshilfe. Dort

werden für Menschen mit Behinderung

verschiedene Sportarten,

Kurse oder Reisen angeboten.

Ebenso finden regelmäßig Disco-

Veranstaltungen statt.

Menschen mit Behinderung haben

die gleichen Grundbedürfnisse wie

alle anderen Menschen.

Anja Segtrop

Sehr erlebnisreich: ein Praktikum im Tierbereich des Südparks

alle wohlauf: die beiden kleinen schäfchen kamen im april auf die Welt

nachwuchs in der nacht

Am 14. April habe ich ein Praktikum

im Tierbereich gemacht.

Eigentlich arbeite ich in der Gemüse-Gruppe.

Den Stall ausmisten

ist ganz schön anstrengend, aber

es macht Spaß, den Tieren einen

sauberen Schlafplatz zu machen,

Wasser und Futter zu geben.

Wir haben gerade kleine Ziegen-

und Schafbabys bekommen. Die

Ziegen sind kurz vor Feierabend

geboren, die Schafe nachts. Am

23. April hat Tierpfleger Alexander

Schröder drei Schafe geschoren. Da

waren viele Kinder da und haben

zugeguckt. Am 28. Mai werden

wieder Schafe geschoren und hoffentlich

kommen dann wieder so

viele Leute und gucken zu.

Caroline Basten,

Beschäftigte des Südparks

Kompass 022008


Neuer „Kollege“ für Südpark-Mitarbeiter

spieglein, spieglein an der Wand - wer ist der schönste schwan im ganzen

land? Klaus natürlich, unserer eitelster Werkstatt-mitarbeiter!

Ganz schön eitel,

dieser Klaus!

Seit zwei Monaten haben wir ein

neues Gruppenmitglied – und zwar

ein tierisch außergewöhnliches. Es

fing an, als ich eine Kollegin im

Garten mit jemandem reden hörte,

was für sie ungewöhnlich war. Ich

schaute nach und da sah ich ihn:

Ein prächtiger weißer Schwan mit

irgend etwas um den Hals, das ihm

die Kehle zuschnürte.

Ich holte Hilfe und ein beherzter

Kollege war so mutig und fing den

Schwan ein, um ihn zu befreien.

Kompass 022008

Von da an blieb er bei uns. Sein

Hauptquartier ist passenderweise

der „Garten in Weiß“. Dort wachsen

nur weiße Blumen und er ist

mit vier Spiegeln bestückt. Jeden

Morgen steht der Schwan nun da

und schaut sich in allen Posen im

Spiegel an.

Das brachte ihm bei den Besuchern

– die immer ganz aus dem

Häuschen sind, wenn sie ihn sehen

– den Namen „der schöne Klaus“

ein. Er ist schon recht eitel!

An manchen Tagen arbeiten wir

Seite an Seite zusammen. Er ist

überhaupt nicht scheu bei Menschen,

die ihm nichts Böses wollen.

Manchmal knabbert er an meinen

Schuhen und weicht mir nicht von

der Seite und manchmal zieht er

seine Runden. Aber wenn Klaus

geärgert wird, kann er ganz schön

wütend werden: Er plustert sich um

das Doppelte auf und schimpft.

Seine Vorgeschichte ist leider sehr

traurig. Der arme Kerl hat seine

Partnerin verloren und ist von

anderen Schwänen, die ja immer

paarweise leben, vom großen See

vertrieben worden. Umsiedlungsversuche

unsererseits sind fehlgeschlagen,

er kam immer wieder.

Nun hat unsere Gruppenleiterin

mit einer Fachfrau gesprochen. Die

meinte, dass wir uns keine Sorgen

machen brauchen. Er würde seinen

Weg schon finden und zur Zeit sind

halt – untypischerweise – unsere

Gärten mit den schmalen Wasserläufen

sein Revier. Mein Wunsch

wäre ja, dass wir einen Partner für

ihn finden, damit er nicht so alleine

ist und nicht immer mit seinem

Spiegelbild flirten muss. Leider

gestaltet sich das aber sehr schwierig,

weil Schwäne sehr eigensinnig

sind, wie wir Menschen halt auch.

Wundervolle augenblicke

Nun wollen wir hoffen, dass unsere

Parkbesucher dem „schönen Klaus“

alle wohl gesonnen sind, was nicht

immer der Fall ist. Es gibt leider

auch Randalierer und Spinner, die

die Natur und ihre kostbare Tierwelt

nicht achten und zu schätzen

wissen. Wollen wir hoffen, dass

Klaus seinen Weg findet und uns

und unseren Besuchern weiterhin

wundervolle Augenblicke beschert

– mit einem lachenden, aber auch

einem weinenden Auge.

Gabi Weil

Beschäftigte der Abteilung

Südpark

FoRum 5


6 FoRum

Der Werkstattrat informierte auf der Vollversammlung über „KoKoBe“ und „Blitzinfo“

Reichlich stoff für Diskussionen –

auch das mittagessen war ein thema

In der Zeit vom 31. März bis zum

8. April hielt der Werkstattrat seine

diesjährigen Vollversammlungen

in den Abteilungen ab. Insgesamt

waren es sechs Termine. Alle

Beschäftigten der Abteilungen

trafen sich für jeweils anderthalb

Stunden im Speisesaal, um den

Ausführungen der Mitglieder des

Werkstattrats und der anschließenden

Diskussion zuzuhören.

Besondere Aufmerksamkeit

herrschte beim daran anschließenden

Vortrag von Peter Josef

Kleefisch, dem Geschäftsführer

der wfaa.

Martin Hanusa, Vorsitzender des

Werkstattrats, eröffnete die Versammlung

und stellte zunächst

KoKoBe („Kontakt und Koordination

für Menschen mit Behinderung“)

vor. Diese Einrichtung gibt

unter anderem Hilfestelltung bei

der Gestaltung der Freizeit für

Menschen mit Behinderung.

(Blitz-)schnelle Information

Danach präsentierte Martin Hanusa

„Blitzinfo“ – ein Instrument des

Werkstattrates, das eine schnelle

Übermittlung wichtiger Informationen

ermöglicht. Im Gegensatz

zu den Protokollen des Betriebsrat-

Sitzungen werden die Protokolle

der Werkstattrat-Sitzungen im

Ordner der wfaa veröffentlicht

und sind über den Gruppenleiter

einzusehen.

Peter Josef Kleefisch wies dann in

seinem Vortrag darauf hin, dass

die Leistungen, die die Werkstatt

erbringt, auch erwirtschaftet

werden müssen. „Wir müssen uns

Das vielfältige Kurs- und Fortbildungsangebot der Werkstatt ist heiß begehrt

nicht immer nur arbeiten...

.. sondern auch lernen und Spaß

haben kann man in der Werkstatt.

Wie in jedem Jahr finden wieder

einmal viele verschiedene Kurse

und Fortbildungen in der wfaa

statt. Um nur einige zu nennen:

Acrylmalerei, Drachenbauen, Origami,

Windows Grundlagen, Excel,

verschiedene Kochkurse, Fahrradtraining,

Fahrradwartung, Rückenschule,

Erste Hilfe, „Abschied muss

man üben“, Kommunikation oder

„Wahrnehmung mal anders“.

Auch in diesem Jahr ist bestimmt

für jeden etwas dabei. Hier kann

man mit viel Spaß in kleinen Run-

den seiner Kreativität freien Lauf

lassen – oder aber praktische Tipps

und Hilfe für den Alltag bekommen.

Die meisten dieser Kurse

finden während der Arbeitszeit

statt. Bei einigen Kursen ist dies

allerdings aus organisatorischen

Gründen nicht möglich, wie etwa

bei den verschiedenen Kochkursen.

Dort lernt man einfache, leicht

zu kochende Rezepte, die zudem

gesund und preiswert sind.

Geld sparen kann man auch, wenn

man zum Beispiel am Kurs „Fahrradwartung“

teilnimmt. Dort

lernt man, kleine Reparaturen an

seinem Fahrrad selbst auszufüh-

gegenüber der Konkurrenz durchsetzen“,

erklärte er. Auch von außen

verursachte Probleme wurden

angesprochen: Den Beschäftigten,

die aufgrund des Streiktages der

S- und U-Bahn nicht zur Arbeit

erscheinen konnten, werde dafür

kein Urlaubstag abgezogen, so

Peter Josef Kleefisch.

Die Meinungen über das tägliche

Mittagessen gingen bei den

Beschäftigten weit auseinander.

Von „sehr lecker“ über „zu kalt“

bis hin zu „versalzen“ – aber im

Großen und Ganzen schmeckt es

den Beschäftigten doch recht gut.

Die Versammlungen stießen auf

großes Interesse und finden hoffentlich

nächstes Jahr wieder statt.

Bruno Potthast

ren. Oder der Kurs: „Abschied

muss man üben“. Keinem wird

es erspart bleiben, das Gefühl

zu spüren, das wir empfinden,

wenn wir uns von einem lieben

Menschen trennen müssen. Wie

gehen wir mit Trennung, Tod und

Trauer um?

Für einige Kurse gibt es so viele

Anmeldungen, dass nicht alle

Interessierten berücksichtigt werden

können. Aus diesem Grund

finden die verschiedenen Kurse

zweimal im Jahr statt. Wenn es

diesmal also nicht klappt, dann

vielleicht beim nächsten Anlauf.

Anja Segtrop

Kompass 022008


Renovierung der Kantine an der Eichelstraße bedeutete Einschränkungen, die sich aber gelohnt haben

Küchenmitarbeiterin Gisela l‘hoste fühlt sich in der neu eingerichteten „Zauberküche“ wohl.

neues Reich für die „Küchenfee“

Rumms. Die Geräusche, die aus der

Kantine in der Eichelstraße kommen,

lassen nur den einen Schluss

zu: die angekündigte Renovierung

beginnt. Sieglinde Schaefer und

ihre fleißigen Helfer sind damit

beschäftigt, überzählige Tische

und Stühle zusammenzuräumen,

denn durch die Renovierung geht

ziemlich viel Platz verloren. Einige

Bereiche, wie Kaffee- und Brötchenausgabe

sowie Spülarbeiten,

müssen ausgelagert werden.

Kicker musste weichen

Diese Arbeiten finden während der

Renovierung im Pausenraum statt,

was auch für uns andere Beschäftigten,

die nicht in der Küche arbeiten,

mit Unannehmlichkeiten

verbunden ist. So musste der

Kickertisch weichen, der nun seinen

Platz in der Fahrradmontage

gefunden hat und die Raucher dürfen

den Pausenraum nicht mehr

Kompass 022008

für die Zigarettenpause benutzen.

Als wir am Mittag in die Kantine

kommen, wird das ganze Ausmaß

der Einschränkungen sichtbar.

Der Raum ist im Thekenbereich

komplett mit einer milchigen Folie

abgetrennt und der Wärmewagen

steht nun direkt links neben der

Tür. Es ist ziemlich eng und dazu

kommt noch die Lärmbelästigung

durch die Renovierung. Es wird

gehämmert und gebohrt, was das

Zeug hält. Und da unsere Handwerker-Crew

während der Arbeit auch

noch Radio hört, ist der Aufenthalt

in der Kantine alles andere als

gemütlich.

Zum Glück wird bei uns durch die

Arbeit in der Wäscherei in zwei

Schichten gegessen, sonst wäre

die Kantine um 12 Uhr überfüllt.

Doch alles hat irgendwann einmal

ein Ende, auch die Renovierung ist

nach über zwei Wochen so gut wie

abgeschlossen. Die Folie verschwin-

det und gibt den Blick auf das von

den Handwerkern Geleistete frei.:

Der Boden hinter der Theke ist

komplett neu, der Thekenbereich

vollständig weiß gefliest. Dazu

wurde noch eine Durchreiche zum

Spülbereich der Küche gebaut.

theke und abzugshaube

Das Gröbste ist für uns nun überstanden,

nur die Küchencrew muss

noch auf die Abschlussarbeiten

warten. Es werden neue Schränke

geliefert, eine Abzugshaube für

den Herd wird installiert und

eine Spültheke montiert. Sieglinde

Schaefer, unsere „Küchenfee“, hat

nun ein neues Reich, wo sie ihren

„Zauber-Kochlöffel“ schwingen

kann. Es ist sehr schön geworden.

Thomas Flesch

FoRum 7


8 aRBeIt + InteGRatIon

Die Datenarchiverung in der Zweigstelle Reisholz konnte sich als leistungsfähiger Bereich etablieren

Durchblick im Datenfluss: lesen,

neben den etablierten produktionsbereichen wie etwa

der mechanischen Fertigung, Konfektionierung und

Verpackung oder der holzbearbeitung, bietet die wfaa

seit einigen monaten einen leistungsfähigen Büroservice

an, der ebenfalls anspruchsvolle aufgaben bewältigt.

Nicht jeder Mensch mit Behinderung,

findet sich in unserer

Werkstatt in den klassischen Produktionsbereichen

ein. Sei es, weil

er kein Interesse oder Geschick

für handwerkliche Tätigkeit hat,

oder mit dem erhöhten Geräuschpegel

in einer Montagehalle nicht

zurechtkommt. In den Läden oder

Hauswirtschaftsgruppen gibt es

schon lange alternative Angebote.

Gerade bei den Mitarbeitern mit

psychischer Erkrankung war und

ist die Nachfrage nach Büroarbeit

groß. Nicht wenige haben vor ihrer

Erkrankung in kaufmännischen

Berufen gearbeitet, bringen eine

abgeschlossene Berufsausbildung

oder gar ein Studium mit. Wir

sind froh und stolz, in unserer

Zweigstelle auf der Karl-Hohmann-

Straße in Reisholz einen leistungs-

fähigen Bereich etabliert zu haben,

der einerseits den Beschäftigten

einen angepassten Arbeitsplatz

mit anspruchsvoller Bürotätigkeit

bietet, andererseits unseren Kunden

neue Dienste zur Verfügung

stellt, die zuverlässig und in hoher

Qualität ausgeführt werden.

Neben allgemeiner Büroarbeit wie

etwa der Konfektionierung von

Infopost, gehören vor allem Datenarchivierung

und Dateneingabe

zum Service. Derzeit stehen den

Beschäftigten, überwiegend Menschen

mit psychischer Erkrankung,

13 modern ausgestattete

Bildschirmarbeitsplätze zur

Verfügung.

In der Datenarchivierung werden

Unterlagen verschiedener Kunden

der wfaa mittels moderner und

schneller Einzugsscanner eingelesen

und in elektronischer Form

gesichert. Das jeweilige Dateiformat

entspricht dabei den Wünschen

und Bedürfnissen unserer Kunden.

Auch die Ausgabe ist flexibel:

Momentan brennen wir die Daten

auf CD / DVD oder übermitteln sie

ohne separaten Datenträger online

direkt zum Kunden.

ordnung muss sein

Die Form der Unterlagen, die wir

zur Archivierung bekommen, ist

unterschiedlich. Teilweise sind es

lose Einzelblätter, die mehr oder

weniger unsortiert in den Scanner

gelegt werden. Teilweise ist es eine

Vielzahl an übervollen Aktenordnern,

die sich – sauber sortiert und

in Bereiche oder Kapitel unterteilt

– in entsprechender Form in der

späteren elektronischen Akte

widerspiegeln müssen. Fatal wäre

es für den Kunden, wenn einzelne

Dokumente fehlen oder wegen

falscher Zuordnung nicht gefunden

werden könnten.

Die Qualität unserer Arbeit be-

ginnt bereits mit der Vorbereitung

der Unterlagen: Die Papiere müssen

den Ordnern entnommen, beschriftet,

entklammert oder geglättet

werden. Teilweise ist das Papier

zu dünn, liegt in einem falschen,

nicht scanbaren Format vor oder

der Druck ist über die Jahre ausgeblichen

und kaum noch lesbar. In

diesen Fällen kommt einer unserer

leistungsstarken Fotokopierer zum

Einsatz, mit dem bei Bedarf Papiere

für den Scan aufbereitet werden.

Die Beschäftigten am Scanner kontrollieren

die Aktenvorbereitung,

bedienen selbstständig die Software

und führen die Speicherung

Kompass 022008


verstehen und interpretieren

der Daten durch. Abschließend

werden – je nach Kundenwunsch

– die Originale wieder zurück

gegeben oder im Werkstatt eigenen

Aktenvernichter geschreddert.

Datenschutz gewährleistet

Während des gesamten Workflows

ist die Einhaltung der Datenschutzrichtlinien

gewährleistet.

Die Bürogruppe ist auf einem separaten

Stockwerk untergebracht,

zu dem nur autorisiertes Personal

Zutritt hat. Die vertraulichen

Kundenunterlagen sind in verschlossenen

Stahlschränken oder

separaten Räumen untergebracht,

deren Schlüssel nur der notwendig

kleinste Personenkreis hat.

Anders als in der Archivierung werden

im Bereich Dateneingabe die

Informationen händisch per Tastatur

in Datenbanken eingepflegt,

etwa über MS-Access. Alle Rechner

haben einen Internetzugang, teilweise

erfolgt die Eingabe online,

direkt über das Portal des Kunden.

Kompass 022008

Die Arbeit beschränkt sich dabei

keineswegs auf bloßes Abtippen,

vielmehr müssen die Beschäftigten

in der Lage sein, die relevanten

Daten aus unterschiedlich formulierten

Textdokumenten zu lesen,

zu verstehen und zu interpretieren.

Dabei handelt es sich zum Teil

um juristische Veröffentlichungen

in Amtssprache geschrieben.

Die Anforderungen an die intellektuellen

Fähigkeiten eines

jeden Mitarbeiters sind hier entsprechend

hoch und dürfen nicht

unterschätzt werden. Zudem ist

ein hohes Maß an Konzentrationsvermögen

und Zuverlässigkeit

gefordert, eine Nachkontrolle jedes

einzelnen Datensatzes durch den

Gruppenleiter ist bei Aufträgen

mit einem Volumen von mehreren

tausend Eingaben pro Woche

nicht ohne Weiteres durchführbar

– wie sich zeigt, aber auch nicht

notwendig. Die Einarbeitung und

Weiterbildung der Beschäftigten

ist langwierig und wird durch

Schulungsmaßnahmen aufwän-

dig begleitet. Neue Mitarbeiter

der Dateneingabe werden lange

Zeit erfahrenen Kollegen zur Seite

gestellt, bis sie selbstständig und

zumeist eigenverantwortlich einen

Arbeitsplatz übernehmen.

ausweitung geplant

aRBeIt + InteRGaRtIon 9

sowohl scannen der akten und sicherung der Daten (Foto mitte und links) als auch die aktenvorbereitung erfodern volle Konzentration.

Für die nahe Zukunft plant die

Abteilung 600 eine Ausweitung der

Kapazitäten und des Serviceangebotes.

Neben den anspruchsvollen

PC-Arbeitsplätzen sollen vor allem

die Services für Konfektionierung,

Versendung und Sortierung verstärkt

angeboten werden.

Es bedurfte einiger Anstrengungen

und auch finanzieller Investitionen,

um den Bürobereich leistungsfähig

auf die Beine zu stellen. An

dieser Stelle möchten wir uns aber

vor allem bei den Menschen bedanken,

die durch ihren Einsatz, ihre

Motivation und Qualifikation das

Rückgrat des Bereiches bilden: bei

den Beschäftigten!

Georg Schöning


10 Recht

Arbeit eines gesetzlich bestellten Betreuers ist verantwortungsvoll

nicht über den

menschen hinweg

entscheiden

In einer Info-Broschüre des landes nRW sagt Justizministerin

Roswitha müller-piepenkötter: „auch wenn wir es

gerne verdrängen, im Grunde wissen wir: Jeder von uns

kann durch unfall, Krankheit oder alter in die lage kommen,

dass er wichtige angelegenheiten seines lebens nicht

mehr selbstverantwortlich regeln kann. Was aber wird,

wenn ich auf die hilfe anderer angewiesen bin?“ Diesem

thema, von dem auch viele unserer behinderten mitarbeiter

betroffen sind, versuchen wir uns hier zu nähern.

Erstaunliche Zahlen hat Klaus Niel

vom Betreuungsverein der Diakonie

in Düsseldorf bei einem Fachvortrag

im Begleitenden Dienst der

wfaa im Reisegepäck: „Im Moment

werden rund 6600 Menschen in

Düsseldorf von einem so genannten

gesetzlichen Betreuer vertreten,

etwa 3300 davon durch beruflich

tätige Betreuer“, erläutert Niel, der

gleichzeitig erster stellvertretender

Vorsitzender des Fachverbandes für

Betreuungen, Vormundschaften

und Pflegschaften im Diakonischen

Werk der Evangelischen

Kirche im Rheinland ist.

Neben berufsmäßig tätigen

Betreuern (zum einen selbstständige

Berufsbetreuer mit unterschiedlichsten

Ausbildungen

etwa als Jurist, Sozialpädagoge,

Krankenpfleger, Erzieher, aber

auch kaufmännische- oder Verwaltungsausbildungen

und zum

anderen Vereinsbetreuern, die

in Düsseldorf in der Regel ein

pädagogisches Studium absolviert

haben) wird die andere Hälfte von

ehrenamtlichen Personen betreut

– vor allem Eltern, Geschwistern

und nahen Verwandten, die sich

dieser verantwortungsvollen Aufgabe

stellen.

Vereinsbetreuer sind in Betreuungsvereinen

organisiert, die

mit der Stadt Düsseldorf einen

Kooperationsvertrag geschlossen

haben, bei dem auch das Thema

Qualität eine wichtige Rolle spielt.

Die Betreuungsvereine haben sich

auch die Beratung und Information

der ehrenamtlichen Betreuer

auf die Fahnen geschrieben.

„Ursprünglich wollte ich“, so Klaus

Niel „aus diesem Vortag eine Werbeveranstaltung

für diese ehrenamtlichen

Betreuer machen, sich einem

Betreuungsverein anzuschließen“.

Da der Begleitende Dienst aber gar

keinen unmittelbaren Zugang zu

den ehrenamtlichen Betreuern

habe, sei es ebenso wichtig, die

Neuerungen und Fragen zu erörtern,

die sich seit Inkrafttreten

des Zweiten Betreuungsrechtsänderungsgesetzes

am 1. Juli 2005

ergeben haben.

Obwohl das Betreuungsrecht in

Betreuen heißt auch, das gemeinsame Ges

Beschäftigten der wfaa, Jürgen Röhrs (mitt

großen Teilen unangetastet blieb,

im Wesentlichen die Regelungen

der Vergütung der beruflich tätigen

Betreuer geändert wurden, haben

diese Änderungen doch großen

Einfluss auf die Betreuungspraxis.

Daumen hoch oder runter?

„Ganz ehrlich gesagt“, bemerkt

Klaus Niel, „handelt es sich dabei

um ein Kostendämpfungsgesetz“.

Bis dato konnten und mussten die

gesetzlichen Betreuer jede Tätigkeit

für den Betreuten dokumentieren

und dem Kostenträger, in

der Regel dem Fiskus, in Rechnung

stellen. Dieser entschied über das,

was abrechnungsfähig war: „Dau-

Kompass 022008


präch zu suchen: Betreuer achim Wißmann (links) vom Betreuungsverein der Diakonie in Düsseldorf mit dem betreuten

e), und dem sozialpädagogen der wfaa, hubert hülskamp.

men hoch oder Daumen runter“.

Daraus habe sich häufig ein Konflikt

entwickelt, wenn der Träger

der Meinung war, dass eine Maßnahme

des gesetzlichen Betreuers

nicht nötig gewesen sei. der Betreuer

lief Gefahr, seine Kosten nicht

erstattet zu bekommen. Dass dabei

auch wirtschaftliche Erwägungen

federführend sind, müsse nicht

besonders erläutert werden.

Dies habe sich nun seit Juli 2005

entscheidend geändert. Zwar seien

die Maßnahmen der gesetzlichen

Betreuer überwiegend sinnvoll

gewesen und den Betreuten zu

Gute gekommen, aber die Staatskasse

sei nun mal leer und es gebe

Kompass 022008

nichts mehr zu verteilen. Zudem

sei sicher auch die eine oder andere

Tätigkeit in Rechnung gestellt

worden, die eigentlich nicht zu

den Aufgaben des gesetzlichen Vertreters

gehört hätte. Der Vorrang

einer Vollmacht vor Einrichtung

einer Betreuung ist schon seit 1999

geltendes Recht.

nur die ultima Ratio

Klaus Niel: „Seit der Gesetzesänderung

wird zusätzlich der eigentlich

schon immer geltende Erforderlichkeitsgrundsatz

einer gesetzlichen

Betreuung von den Gerichten

sehr hoch gehängt. Gesetzliche

Betreuung ist die Ultima ratio und

erst wenn etwa definitiv kein sozialer

Dienst dem Klienten helfen

kann, wird der Einrichtung einer

Betreuung zugestimmt“.

Seit der neuen Vergütungsregelung

haben sich die Prioritäten in der Praxis

des Betreuungsalltags entscheidend

geändert: Der Betreuer tut so

viel, wie er zur Erfüllung seines

gesetzlichen Auftrags unbedingt

muss. Jetzt taucht oft die Frage auf

„Wer ist für was zuständig?“ Klaus

Niel macht deutlich, dass es für die

gesetzlichen Betreuer zunehmend

wichtig werde, sich abzugrenzen.

Absprachen in diesem Bereich

seien für die effektive Arbeit ein

Muss. Deshalb müssten sich Wohn-

Recht 11


12 Recht

Fragen rund um das thema Betreuung

Wann wird eine Betreuung eingerichtet?

Eine gesetzliche Betreuung wird eingerichtet, wenn ein Mensch aufgrund

einer psychischen Erkrankung, körperlichen, geistigen oder

seelischen Behinderung nicht in der Lage ist, seine Angelegenheiten

zeitweise oder auf Dauer selbständig zu regeln (z. B. finanzielle, Wohnungs-

oder Heimangelegenheiten, medizinische Versorgung oder

ärztliche Behandlung). In diesem Fall wird einem anderen Menschen

ein Vertretungsrecht eingeräumt. Ein solcher gesetzlicher Vertreter

heißt „Betreuer“ (nach BGB) und wird durch das Vormundschaftsgericht

bestellt und kontrolliert.

Wie wird eine Betreuung eingerichtet?

Die „Bestellung“ eines gesetzlichen Betreuers erfolgt durch das

zuständige Amtsgericht (in der Regel das Amtsgericht Düsseldorf in

Absprache mit der Betreuungsstelle der Stadt Düsseldorf). Ein Arzt

muss bescheinigen, dass eine Krankheit oder Behinderung vorliegt

und die Einrichtung einer gesetzlichen Betreuung sinnvoll ist. Die

Betreuung kann sowohl auf Antrag eines Kranken oder Behinderten

eingerichtet werden, als auch durch Anregung von dritter Seite. In

beiden Fällen ist das Amtsgericht zur Ermittlung verpflichtet. Das

Amtsgericht bestellt einen gesetzlichen Betreuer und definiert in

der „Bestellungsurkunde“ seine Aufgaben, z. B. die Vermögenssorge

oder die medizinische Versorgung. Die gesetzliche Betreuung wird

durch das Amtsgericht immer befristet, kann aber wieder verlängert

werden.

Finanzierung

Die Kosten einer gesetzlichen Betreuung übernimmt der Staat, die

Justizkasse und die Kommune. Hat ein gesetzlich Betreuter Vermögen

oder größeres regelmäßiges Einkommen, muss er die Betreuung

selbst bezahlen.

Wer kann Betreuer werden?

Grundsätzlich kann jeder Volljährige, der selbst nicht unter Betreuung

steht, zum gesetzlichen Betreuer bestellt werden. Nahe Angehörige,

Eltern, Kinder und Ehegatten sollen bei der Auswahl eines

Betreuers vorrangig berücksichtigt werden. Sie können als Betreuer

nur dann abgelehnt werden, wenn der potentiell Betreute selbst es

nicht wünscht, eine Interessenkollision zu befürchten ist oder ernste

Zweifel an der Eignung bestehen. Es besteht aber keine Verpflichtung

zur Übernahme der Betreuung durch einen Angehörigen.

Ehrenamtliche Betreuer

Die Mitarbeiter des Betreuungsvereins beraten ehrenamtliche Betreuer.

Über die Hälfte aller in Deutschland geführten Betreuungen

werden ehrenamtlich geführt. In Düsseldorf werden z. Zt. etwa 2500

Menschen durch ehrenamtliche Betreuer betreut Die meisten dieser

ehrenamtlichen Betreuer sind nahe Angehörige, Eltern oder Kinder

des Betreuten. Es gibt aber eine immer größer werdende Zahl von

Menschen, die ehrenamtlich einen ihnen bisher Fremden betreuen.

heim-Mitarbeiter oder Mitarbeiter

des betreuten Wohnens vermehrt

für die praktische Alltagsbewältigung

verantwortlich fühlen.

Klassisch in diesem Zusammenhang

seien strittige Fragen wie

zum Beispiel der folgende Fall, den

Klaus Niel schildert: Ein Wohnheim-Mitarbeiter

beobachtet, dass

sich die Verfassung eines Bewohners

mit einer psychischen Erkrankung

zusehends verschlechtert. Er

zieht sich immer mehr aus dem

Gruppengeschehen zurück, verschläft

am Morgen und verweigert

die Medikamenteneinnahme. Der

Wohnheim-Mitarbeiter ist zu Recht

der Meinung, dem Bewohner müsse

geholfen werden, da er zunehmend

unter Realitätsverlust zu leiden

scheint. Der Bewohner verhält sich

ablehnend und geht nicht auf die

Hilfsangebote des Wohnheim-Mitarbeiters

ein, der sogar bereit wäre,

ihn zum Arzt zu begleiten. Der

Mitarbeiter beschließt, den gesetzlichen

Betreuer mit der Absicht

einzuschalten, dieser solle den

erkrankten Bewohner zu einem

Arzt bringen.

Die hände gebunden

Doch sind in diesem Fall auch dem

gesetzlichen Betreuer die Hände

gebunden. Der Wohnheim-Betreuer

wusste nicht, dass der Mensch,

der unter gesetzlicher Betreuung

steht, nicht geschäftsunfähig ist.

Das bedeutet, dass er nicht gegen

seinen Willen zum Arzt gebracht

werden darf – egal, wieviele

Betreuer der Meinung sind, dass

dies das Beste für ihn sei und ein

Arzt darüber hinaus sicherlich

die kompetenteste Person für eine

Lösungsfindung.

„Gesetzliche Betreuer sind zwar

Respektspersonen“, so Klaus Niel,

„sie haben mit Sicherheit Einfluss

auf den Betreuten und können ihm

mit Nachdruck raten, dass sie ein

Kompass 022008


Klaus niel vom Betreuungsverein

der Diakonie in Düsseldorf

medizinisches Eingreifen eines

Arztes für dringend erforderlich

halten, zwingen können sie ihre

Betreuten jedoch nicht dazu.“

Eine eng eingegrenzte Situation

bleibe, so Klaus Niel. Nur in dem

Fall, dass Gefahr für Leib und

Leben des Betreuten selbst bestehe

(zum Beispiel Äußerung von

Selbstmordgedanken) oder Fremdaggression

auftritt (beispielsweise

Gewaltandrohungen gegen Mitarbeiter

oder andere Wohnheimbewohner),

erlaube ein Eingreifen

des gesetzlichen Betreuers und

die zwangsweise Zuführung zu

einer Klinik nach entsprechender

vormundschaftsgerichtlicher

Genehmigung.

Ambulante Zwangsbehandlungen

seien grundsätzlich unzulässig.

In allen anderen Fällen greife

das Selbstbestimmungsrecht des

Betreuten – eben auch das Recht auf

Nichtbehandlung. „Letztendlich“,

so Klaus Niel, „ist dies auch gut

so, wenn man an die Missachtung

der Persönlichkeits- und Patientenrechte

beispielsweise im Bereich

psychisch Erkrankter denkt, die

noch bis in die 70er Jahre des vergangenen

Jahrhunderts reichte.

Aus diesem Zusammenhang wird

klar, dass der gesetzliche Betreuer

den Betreuten nicht überstimmen

darf.“

Kompass 022008

Klaus Niel betont, dass das oben

genannte Beispiel nur eines der

vielfältigen Praxisbeispiele aus

dem Alltag eines berufsmäßig

bestellten gesetzlichen Betreuers

sei. Meistens liefen die Betreuungsverhältnisse

in einem wesentlich

entspannteren Rahmen ab.

Dies sei besonders in den Fällen

gegeben, in denen Verwandte die

Betreuung übernehmen. Hier

tauchten häufiger Fragen bei

Interessenskonflikten auf, die

sich auf die Verselbständigung

des Betreuten bezieht. Klaus Niel

erteilt all denen, die sich durch die

im Artikel angerissenen Fragestellungen

angesprochen fühlen den

Ratschlag, sich mit einem Betreuungsverein

in Verbindung zu setzen.

Diese hätten sich zur Aufgabe

gemacht, ehrenamtliche Betreuer

zu unterstützen und bei Fragen

zur Seite zu stehen.

mensch im mittelpunkt

Gesetzliche Betreuung, dies wurde

durch den Fachvortrag von Klaus

Niel deutlich, ist ein ebenso spannendes

wie verantwortungsvolles

Amt. Im Mittelpunkt, sowohl der

Bemühungen der gesetzlichen

Betreuer, der Eltern und Wohnheimmitarbeiter

und der Mitarbeiter

der wfaa steht der Mensch.

Dafür ist eine enge Zusammenarbeit

zwischen allen Beteiligten

nötig, die nicht über den Betreuten

hinweg entscheidet, sondern ihn

in die ihn betreffenden Prozesse so

selbstverantwortlich wie möglich

einbindet. Daran müssen sich alle

Beteiligten in ihrer Arbeit täglich

messen lassen.

Jürgen Grimm

Adressen und Hinweise

Diakonie in Düsseldorf

Betreuungsverein

Langerstraße 20a

40233 Düsseldorf

Ansprechpartner: Klaus Niel

Telefon: 0211. 73 53 392

Mail: klaus.niel@diakonieduesseldorf.de

Ehrenamtliche Betreuer und

Angehörige finden Unterstützung

durch fach- und sachkundige

Mitarbeiter des Betreuungsvereins.

Die Diakonie in

Düsseldorf hat zur Zeit etwa

70 ehrenamtliche Betreuer.

Als ehrenamtlicher Betreuer

des Betreuungsvereins ist man

haftpflichtversichert. Zudem

können die regelmäßig stattfindendenFortbildungsangebote

kostenlos genutzt werden.

Neben dem Betreuungsverein

der Diakonie gibt es fünf weitere

Betreuungsvereine. Hier zwei

Kontaktadressen:

AWO-Betreuungsverein e. V.

Schlossallee 12c

40229 Düsseldorf

Ansprechpartner: Gunnar Born

Telefon: 0211. 600 25 395

Internet: awo-duesseldorf.de/

Betreuungverein

DRK-Betreuungsverein

Kölner Landstraße 169

40591 Düsseldorf

Ansprechpartner: Jutta Sahr-

Jädke

Telefon: 0211. 2299-1249

Mail: Jutta.sahr-jaedke@DRKduesseldorf.de

Broschüre des Justizministeriums

des Landes Nordrhein-

Westfalen mit dem Titel: „Was

sie über die Vorsorgevollmacht

und das Betreuungsrecht wissen

sollten“.

Internet: www.justiz.nrw.de

Recht 13


14 tItel

Über die Arbeit der Koordinatoren im Berufsbildungsbereich

Wichtige erkenntnis:

lernen hört nie auf

erst die theorie: matthias Bergmeier bekommt anhand von anschaulichem material durch

Koordinatorin christine Jaschke wichtige Grundlagen vermittelt

„Schon wieder Unterricht?!“ Das

denkt sich so manch ein neuer Teilnehmer

aus dem Berufsbildungsbereich,

der gerade die Schule frisch

verlassen hat und sich aufs Arbeiten

freut. Durchs Fenster in den Unterrichtsraum

im Südpark dringt das

Motorengeräusch der Rasenmäher.

Thema im Unterricht ist die

Arbeitssicherheit im Umgang mit

dem Rasenmäher. Schon bald wird

deutlich, dass sich der Unterricht

stark auf die Praxis bezieht und

die Grundlagen gebraucht werden,

um Zusammenhänge besser verstehen

zu können und Sicherheit im

Umgang mit den Arbeiten geben.

Seit 2003 betreuen die Koordinatoren

die Teilnehmer im integrierten

Berufsbildungsbereich in

den Abteilungen und unterrichten

fachbezogen auf den Arbeitsbe-

reich, ähnlich dem dualen System

einer Berufsausbildung. Eine

Aufgabe der Koordinatoren ist es

also, die theoretischen Kenntnisse

für die verschiedenen Berufsbildungsbereiche

der jeweiligen

Abteilung zu vermitteln und zu

dokumentieren.

Schauen wir uns einmal die Arbeit

im Südpark genauer an. Erstens gibt

es im Südpark eben nicht nur den

Gartenbau, sondern auch noch die

so genannten Dienstleistungs- und

Hygienebereiche wie Laden, Cafe,

Bäckerei, Wäscherei und Ausgabeküche.

Die Teilnehmer aus diesen

Bereichen werden im Unterricht

zusammengefasst. Vermittlung

von Kenntnissen wie Warenkunde,

Kundenservice, Hygienevorschriften

und Schwerpunkthemen

der einzelnen Arbeitsbereiche

stehen im Vordergrund. Die Teilnehmer

sollen Basiswissen über

die Produkte bekommen, die sie

verkaufen, herstellen oder anbieten.

Das hilft ihnen, im Umgang

mit den Kunden sicherer zu werden

und Fragen beantworten zu

können. Exkursionen zu vergleichbaren

Anbietern stehen auch mit

auf dem Programm: Lernen von

anderen und vergleichen.

schwerpunkt Gartenbau

Den Schwerpunkt des Südparks

bildet allerdings immer noch

der Gartenbaubereich. Vergleicht

man die Arbeiten und Aufträge

der Gruppen, stellt man schnell

ein arbeitstag von matthias Bergmeier +++ ein arbeitstag von

06:00 uhr

Ich mache mich auf den Weg zur

Arbeit. Dort rede ich erstmal mit

meinen Kollegen und trinke einen

Kaffee. Umziehen muss ich mich

nicht, ich komme schon in den

Arbeitssachen.

07:30 uhr

Freitags habe ich Unterricht. Ich bin

noch im Berufsbildungsbereich.

Heute sprechen wir über Sicherheit

im Umgang mit Gefahrenstoffen

wie Benzin oder Gas. Wenn ich

eine Maschine betanke, muss ich

ja wissen, worauf ich achten muss.

Wir müssen etwas aufschreiben

und es wird etwas vorgelesen. Wir

gucken uns auch Piktogramme an,

die uns auf Gefahren hinweisen.

Kompass 022008


fest: Gartenarbeit ist nicht gleich

Gartenarbeit. Wie im wirklichen

Leben, wo der Gartenbau in viele

Sparten eingeteilt und die Ausbildung

auch sehr spezialisiert

ist, gibt es im Grünbereich große

Unterschiede. Pflegearbeiten, Neuanpflanzungen,

Landschaftsbau,

Friedhofsarbeiten, Gemüseanbau

oder Forstarbeiten, um nur einige

zu nennen. Die Teilnehmer im

Berufsbildungsbereich im Grünbereich

haben die Möglichkeit,

bei Interesse in verschiedenen

Gruppen zu arbeiten und so unterschiedliche

Fähigkeiten aus der

Praxis zu erlernen.

Die Teilnehmer starten zusätzlich

mit fachpraktischen Gartenbaugrundlagen

bei Christiane Strehlow

parallel zu ihren Gruppen. Im

einmal wöchentlich stattfindenden

Unterricht werden alle wichtigen

Grundlagenkenntnisse vermittelt.

Die Lerninhalte sind angelehnt an

die praktischen Arbeiten, damit

die Teilnehmer einen Bezug zu

der Praxis herstellen können. Die

Unterrichtsthemen im Gartenbau

sind entsprechend der anfallenden

Arbeiten an den Jahreszeiten orientiert.

Im Sommer – der Hauptwachstumsphase

– ist Pflanzenkunde

ein wichtiges Thema, um

Kulturpflanzen von Wildkräutern

unterscheiden zu lernen.

Jeder Teilnehmer hat so seine Vorlieben

in der Praxis und diese trägt

er auch mit in den Unterricht. Ein

beliebtes Thema ist immer die

Kompass 022008

tItel 15

matthias Bergmeier +++ ein arbeitstag von matthias Bergmeier +++ ein arbe

Früher mochte ich nicht so gerne

in den Unterricht gehen, weil ich

ja gerade erst von der Schule kam.

Aber jetzt weiß ich ja, dass ich nach

den Stunden wieder in den Garten

gehen und arbeiten kann.

Arbeit mit den Maschinen. Aber:

Dort geht nichts ohne Arbeitssicherheit

und Grundlagen im richtigen

Umgang mit den Maschinen. Doch

auch manuelle Tätigkeiten erfordern

Kenntnisse, zum Beispiel das

Zusammenstellen des passenden

Werkzeugs und die entsprechende

Benennung zur Verständigung

im Arbeitsbereich. „Einfaches“

Unkraut jäten erweist sich als gar

nicht einfach, wenn man die Pflanzen

nicht kennt. Sehr theoretisch

erscheinen einem da schon eher

die Themen über das Leben der

Pflanzen und deren Wachstumsbedingungen,

aber mit Beispielen

am lebenden Objekt wird auch das

anschaulich.

Über die hecke schauen

Auch im Gartenbau wird man

schlau, wenn man mal über andere

Hecken schaut. Und so werden auch

hier Exkursionen, beispielsweise in

den nahe gelegenen Botanischen

Garten, oder Führungen durchs

Gartenbaumuseum von Schloss

Benrath angeboten.

In allen Unterrichtsgruppen werden

Kulturtechniken wie Lesen,

Schreiben und Rechnen anhand

der berufsspezifischen Inhalte

geübt und vertieft. Die Teilnehmer

lernen, diese Techniken in ihrem

speziellen Bildungsbereich umzusetzen.

Dann fällt das Lesen von

Etiketten leichter, Kopfrechnen

mit dem Euro wird flüssiger oder

das Verständnis für Maßeinheiten

09:30 uhr

Frühstückspause. Ich rauche erst

mal eine. Morgens bin ich noch

etwas ruhiger und laufe nur etwas

rum.

Dann die praxis: hier wird das Gelernte umgesetzt

entwickelt sich zunehmend. Dieses

praxisorientierte Lernen, also

Lernen für die zukünftige Arbeit,

lässt auch bei so manchem „Schul-

10:00 uhr

Jetzt geht es nach dem Unterricht

in die Praxis. Ich arbeite in einer

Gruppe mit elf Kollegen. Ich verteile

Mulch unter Büschen. Da arbeite

ich meistens alleine, damit ich keinen

Stress mit Kollegen bekomme.


16 tItel

müden“ das Interesse noch mal

erwachen. Das vermittelte Wissen

und der praktische Umgang mit

dem Erlernten steigert das Selbstbewusstsein

der Teilnehmer in der

alltäglichen Arbeit.

Für die vielen verschiedenen Themen

gibt es schon einiges an Unterrichtsmaterial

auch von anderen

Werkstätten, aber oft entspricht es

dann doch nicht den Ansprüchen

der Teilnehmer. Manchmal sind

die Arbeitsblätter zu schwer verständlich

oder zu naiv bebildert.

Die Unterrichtsgruppen sind aus

Menschen mit sehr unterschiedlichen

Behinderungen zusammengesetzt

– dementsprechend

müssen die Arbeitsblätter immer

wieder neu abgestimmt und angepasst

werden.

Wissen praktisch umsetzen

Menschen, die nicht lesen und

schreiben können, brauchen gute

realistische Bilder, um sich das

theoretische Wissen einzuprägen

und in die Praxis umzusetzen. Die,

die lesen und schreiben können,

sollten dieses Potenzial auch behalten

und lernen, es in Fachliteratur

umzusetzen. Jeder hat sich am

Ende seiner beruflichen Bildung

einen Ordner mit Arbeits –und

Infoblättern erarbeitet.

Im Südpark gibt es 18 Menschen

mit geistiger und körperlicher

Behinderung im Berufsbildungsbereich

und bis zu sechs Menschen

11:30 uhr

Freitags ist früher Mittagspause.

Zuerst gehe ich etwas essen und

danach wieder eine rauchen. Jetzt

bin ich schon fitter und mache viel

Blödsinn mit anderen. Jetzt mag

ich auch mehr reden.

mit psychischer Behinderung. Für

Letztere gibt es ein eigenes Unterrichtsmodul

und entscheidend ist,

dass sie sich mit den gemischten

Arbeitsgruppen im Südpark arrangieren

können.

Die Koordinatoren können den

Lernerfolg am besten mit der

Zufriedenheit der Teilnehmer,

dem Interesse an dem gewählten

Bildungsbereich und den Rückmeldungen

aus der Praxis messen.

Schriftliche Testmethoden kommen

nicht für alle Teilnehmer in

Frage. Anhand von wiederholtem

Fragen kann das Behalten von

Informationen überprüft und gefestigt

werden.

Eine weitere Aufgabe der Koordinatoren

ist es, immer im Gespräch

mit den Gruppenleitern vor Ort zu

sein, bei Bedarf die Führung der

Förderplanmappe mit zu unterstützen

und einen individuellen

Bildungsplan für den Teilnehmer

zu erstellen. In diesem individuellen

Bildungsplan werden der zeitliche

Wechsel in andere Gruppen

oder Abteilungen geplant und die

Wünsche mit berücksichtigt.

Manche Teilnehmer sind sehr flexibel

und interessiert und möchten

viele verschiedene Gruppen

kennen lernen, andere sind damit

überfordert und brauchen eher

Halt und Gewissheit. Einstellungen

und Verhaltensweisen können sich

ändern und nun sollten die Koordinatoren

nicht unflexibel sein,

12:45 uhr

Endspurt. Am liebsten arbeite ich

mit Maschinen. Deswegen finde

ich Unterricht jetzt auch o.k. Wenn

ich mich nicht an die Sicherheitsvorschriften

halte, darf ich auch

nicht mit Maschinen arbeiten.

sondern entsprechend auf die Veränderungen

eingehen können.

Die Koordinatoren sind von daher

auch immer im Dialog mit der

Abteilungs- und Bereichsebene und

dem Begleitenden Dienst in ihrer

Abteilung, um Gruppenwechsel

und zum Abschluss der Berufsbildungszeit

auch die Übernahme in

den Produktionsbereich zu planen.

Zum Abschluss der Berufsbildungszeit

schreiben die Koordinatoren

ein individuelles Zertifikat mit

Inhalten der vermittelten Kenntnisse

und Fähigkeiten aus dem

Unterricht und dem Arbeitsbereich,

mit einer Empfehlung für

den Produktionsbereich.

ein gutes Gefühl

Viele Teilnehmer aus dem Berufsbildungsbereich

freuen sich auf

den Übergang in den Produktionsbereich,

erst dann haben sie

das Gefühl, fest in der Werkstatt

zu arbeiten und bekommen dementsprechend

auch einen Lohn

für ihre Arbeit. Manche erhoffen

sich noch einen Schritt weiter zu

kommen und auf dem „Ersten

Arbeitsmarkt“ integriert werden

zu können. Spätestens dann wird

klar, dass das Lernen nie aufhört.

Christine Jaschke

Der Arbeitstag von Matthias Bergmeier

wurde aufgezeichnet von

Nicole Coumann

itstag von matthias Bergmeier +++ ein arbeitstag von matthias Bergmeier

14:15 uhr

Feierabend. Umziehen muss ich

mich jetzt nicht mehr. Aber noch

Werkzeug und Maschinen einräumen.

Ich fahre immer mit dem

Fahrrad zur Arbeit. Und so komme

ich auch wieder nach Hause.

Kompass 022008


Kamera läuft, Film ab: Die Mediengruppe ist immer zur rechten Zeit am rechten Ort

Bewegte Bilder, die bewegen

Fast ein Jahr ist vergangen, seit

am 1.Juli 2007 der Startschuss für

die „Mediengruppe“ der wfaa fiel.

Anlass genug, einmal nachzufragen,

wie es so läuft.

Vor ungefähr vier Wochen war

der Umzug der Mediengruppe in

die Zweigstelle „Steele“. In Reisholz

war die Mediengruppe – mit

Gruppenleiter Joachim Stüpp und

seinen drei Mitarbeitern Siegmund

Heckes, Ulrich Lehmann und Jürgen

Fischer – aus Platzgründen in

eine Produktionsgruppe integriert.

Doch bald standen die Räumlichkeiten

„In der Steele“ zur Verfügung.

Dort digitalisiert Joachim

Stüpp mit seinen Mitarbeitern nun

Dias, Fotos, VHS-Kassetten, Super8-

Filme, Schallplatten und Kassetten.

Weiterhin ist die Mediengruppe

mit der Kamera unterwegs, um zu

filmen oder zu fotografieren.

Mittlerweile ist schon eine schöne

Sammlung entstanden, in der

Veranstaltungen der wfaa in Bild

und Ton festgehalten worden sind.

„Reißenden Absatz hat der Film

vom letzten Karneval gefunden“,

berichtet Joachim Stüpp. Eine ganz

besondere Aktion war jedoch die

diesjährige Einladung für unsere

Kunden zum Grünkohl-Essen.

Diese wurde als Film verschickt.

Neben dem Grünkohl spielten Mitarbeiter

– nach einem Drehbuch

– die Hauptrollen. Zudem hat die

Mediengruppe den Bau des neuen

Steinbackofens im Südpark mit der

Kamera festgehalten.

Von Bedeutung war auch der Film,

der im Rahmen des Wettbewerbs

„Entente Florale – unsere Stadt

blüht auf“ vorgeführt wurde,

an dem die Stadt Düsseldorf teilgenommen

hat. In diesem Film

Kompass 022008

ob im Kindergarten oder im stall: siegmund heckes und seine Kamera sind immer dabei!

wurde der Südpark vorgestellt.

Düsseldorf hat diesen Bundeswettbewerb

gewonnen und tritt dieses

Jahr auf europäischer Ebene gegen

elf andere Städte an. Weil der wfaa-

Film so gut ankam, wird er auch

beim Besuch der internationalen

Jury gezeigt.

Selbst als Ende April mitten in

der Nacht das Telefon klingelte,

schnappte sich Joachim seine

Kamera und machte sich um zwei

Uhr nachts auf den Weg Richtung

Südpark. Er kam noch rechtzeitig,

um die Geburt der beiden Lämmer

zu filmen.

Anja Segtrop

aKtuell 17


18 paRtneRschaFt

und was können wir für sie aufnehmen?

An Ideen mangelt es der Mediengruppe nicht

Der Kompass als hör-cD

Mit dieser Ausgabe ist unser „Kompass

nun auch für Menschen mit

Leseschwierigkeiten erhältlich. Ab

Juni gibt es die Hör-CD für Blinde,

Sehbehinderte, für Menschen mit

Leseschwäche oder Problemen bei

der Bildbeschreibung.

Ulrich Lehmann liest den gesamten

Kompass ungekürzt in anderthalb

Stunden vor. Der Service wird

allerdings zunächst intern getestet

und soll zu einem späteren Zeitpunkt

für alle Leser bzw. Hörer

zugänglich sein.

Sie sehen, an Ideen mangelt es der

Mediengruppe nicht. Und wenn

Ihnen eine Geschenk-Idee fehlt

– wir haben sie!

Vielleicht eine CD mit Kinder-Fotos

zum 18. Geburtstag, die Lieblingslieder

von der guten alten

Schellackplatte auf CD, Lieblingsgedichte

oder -geschichten auf

CD gesprochen? Sind Sie noch im

Besitz von Dias, Ihr Projektor ist

aber längst schon defekt? Sprechen

Sie uns an: Telefon: 0211.882584-0.

Joachim Stüpp

Dr.-Franz-Stüsser-Stiftung spendet dem Berufsbildungsbereich der wfaa einen Sprinter

sieg gleich bei der ersten Fahrt

Rechtsanwalt Albert Potthast,

Stiftungsverwalter der Dr.-Franz-

Stüsser-Stiftung, überreicht einen

Mercedes Sprinter mit Rollstuhlfahrer-Rampe

an den Berufsbil-

dungsbereich der wfaa. Das Fahrzeug,

dessen Schaltung von der

wfaa montiert wird, verfügt über

insgesamt neun Sitze und bietet die

Möglichkeit, Rollstuhlfahrer zu

so sieht ein glücklicher sprinter-Besitzer aus! Feierlich überreicht albert potthast (links) peter

Josef Kleefisch schlüssel und Fahrzeugpapiere für den neuen, rollstuhlgerechten Bus.

befördern. So dient es vor allem für

Exkursionen des Berufsbildungsbereiches,

wie die zum Rheinischen

Industriemuseum. Hier lernen die

Teilnehmer des Berufsbildungsbereiches

Kenntnisse über das Handwerk

und Industrie kennen.

Die Dr.-Franz-Stüsser-Stiftung spendete

insgesamt 60.000 Euro aus

ihrem Stiftungsvermögen. Hiervon

wurde neben dem Mercedes-

Sprinter eine lärmisolierende

Decke für den Berufsbildungsbereich

angeschafft. Über diese informierten

wir bereits in der vorigen

Kompass-Ausgabe.

Geschäftsführer Peter Josef

Kleefisch und Abteilungsleiterin

Sigrun Lemaître bedankten sich.

Kleefisch: „Der Bus hat schon seine

erste erfolgreiche Fahrt hinter sich.

Die Fahrt zur Fußballmeisterschaft

der Werkstätten endete mit dem

Gruppensieg.“

W. B.

Kompass 022008


Stadtwerke Düsseldorf spendeten der Fußballmannschaft der wfaa neue Trikots

so schön kann Fußball sein - stolz präsentieren die spieler der wfaa ihr neues outfit!

Wichtiges tor in letzter sekunde

Die Stadtwerke Düsseldorf haben

der Fußballmannschaft der wfaa

rechtzeitig vor der Meisterschaft

einen neuen Satz Trikots gespendet.

Unsere Spieler und deren Trainer

Stefan Leuchter fanden großen

Gefallen an den rot-weißen Trikots

mit dem Logo der Stadtwerke Düsseldorf

AG vorn und dem der wfaa

auf dem Rücken.

Diese kamen auch schon erfolgreich

zum Einsatz. Zum ersten

Mal nimmt unsere Mannschaft

in diesem Jahr an der „Deutschen

Fußballmeisterschaft der Werkstätten

für behinderte Menschen“

teil. In der NRW-Vorrunde Ruhrgebiet/Rheinland

traten in Essen

insgesamt zehn Mannschaften

in zwei Gruppen aus der Region

gegeneinander an.

Nach einem 0:0 gegen die Franz-

Sales Werkstätten aus Essen, einem

0:1 für die Nordeifel-Werkstätten

aus Düren, und einem 1:0 gegen

Kompass 022008

die WfB Grevenbroich-Hemmerden

konnte die Mannschaft der

wfaa ihr Weiterkommen nur noch

im direkten Vergleich durch einen

hohen Sieg in der letzten Partie

sichern.

Die Begegnung mit dem Team der

Lebenshilfe Wuppertal startete

zunächst vorsichtig, doch dann

begann unsere Mannschaft einen

spannenden Kampf und erzielte in

den letzten Sekunden das entscheidende

3:0!

landessieger gesucht

So erlangte unser Team in seiner

Gruppe einen verdienten zweiten

Platz und qualifizierte sich für

die Endrunde am 20. August in

Dortmund. In dieser wird dann

der Landessieger für NRW ermittelt,

der im weiteren Verlauf des

Turniers wiederum gegen die

Sieger der anderen Bundesländer

antreten wird. Die Endspiele der

Deutschen Fußballmeisterschaft

der WfbM’s 2008 finden vom 1. bis

4. September in Duisburg statt. Wir

drücken unserer Mannschaft für

die anstehenden Begegnungen die

Daumen und wünschen weiterhin

viel Erfolg!

I. Finke

einer für alle – alle für einen!

paRtneRschaFt 19


20 ZeItGeschIchte

Teil 2: Die Geschichte unserer wfaa von 1983 bis 1991

„Den Brandgeruch hab‘ ich

noch heute in der nase!“

Im ersten teil unserer wfaa-Zeitgeschichte erzählte Kristina Klusen,

was in den Jahren 1972 bis 1985 passierte. Im zweiten teil widmet

sie sich den wichtigsten eckpfeilern, erfolgreichsten unterneh-

mungen und tragischsten ereignissen in der Geschichte unserer

wfaa bis ins Jahr 1991.

Mit der Eröffnung eines eigenen

Verkaufladens beginnt 1983 ein

neues Kapitel in der Geschichte

der wfaa. Neben zunehmender

wirtschaftlicher Produktivität der

Beschäftigten entsteht auch ein

enormes kreatives Potenzial. Dieses

soll künftig besser genutzt werden

– mit dem Verkauf der selbst

hergestellten Produkte in einem

eigenen Geschäft. Positiver Nebeneffekt:

Die Arbeit der behinderten

Beschäftigten wird damit auch in

der breiten Bevölkerung bekannt

gemacht.

„Kik Erenn“ soll der Laden heißen:

Der Name, eine Idee von wfaa-

Geschäftsführer Horst Borrmann,

ist Düsseldorfer Mundart und

bedeutet soviel wie „Schau doch

mal rein“.

„es lief von anfang an gut“

Das Motto geht auf, zahlreiche

Düsseldorfer folgen der Aufforderung

und nehmen gleich auch

noch etwas aus dem Laden wieder

mit hinaus. „Das Geschäft

lief von Anfang an gut, besser als

wir gedacht haben“, erinnert sich

wfaa-Gründer Richard Isselhorst

rückblickend.

Unvergessen bleibt ihm auch, wie

die Werkstatt zu ihrem ersten

Ladenlokal am Benrather Schloss

kam. Ursprünglich sollte an dieser

Stelle eine Gaststätte mit Alkohol-

ausschank öffnen. Problematisch

ist allerdings die Jugendeinrichtung

Haus Spilles gleich gegenüber,

in der kein Alkohol erlaubt ist. Im

Jugendhilfeausschuss sorgte das

für Diskussion.

Richard Isselhorst, der für die

Stadt zu diesem Zeitpunkt als

Mitglied im Verwaltungsrat der

wfaa sitzt, bekommt in seiner

Funktion als Jugendhilfeplaner

von dem Streit mit. Mit dem Ziel

an diesem Standort eine Kneipe zu

verhindern, schaltet sich die wfaa

ein und bekundet ihr Interesse für

das Lokal. Mit Erfolg: Innerhalb von

14 Tagen handelt sie einen Mietvertrag

aus und eröffnet kurze Zeit

später ihr erstes Geschäft.

Zwei Jahre später, 1985, eröffnet

ein weiterer Laden am Burgplatz

mitten in der Altstadt. Ob Kinderstühlchen,

Puppenstuben, Holzlaster,

Kaufläden, Puppentheater,

später auch Kerzen aus eigener

Herstellung, unermüdlich ist die

wfaa in ihrem Ideenreichtum.

Neben Produkten aus den eigenen

Düsseldorfer Werkstätten werden

in den Geschäften auch Artikel von

anderen Werkstätten angeboten.

Heute gibt es „Kik Erenn“ drei

Mal in Düsseldorf (Burgplatz 2,

Börchemstraße 35 sowie In den

Großen Banden 60), 3000 Artikel

sind im Angebot. Seit Herbst 2007

gibt es auch einen Online-Shop

(www.onlineshop.wfaa.de), der vorwiegend

klassisches Holzspielzeug

und Kindermöbel über das Internet

verkauft.

„Geniestreich“ BuGa

Ein weiterer wichtiger Schritt

im Hinblick auf das öffentliche

Bewusstsein von behinderten

Menschen als Teil unserer Gesell-

Baustelle BuGa: Die wfaa errichtete insgesamt über zwei Kilometer

Gitterzäune, zum Beispiel auch am Kinderhaus Don Bosco

Kompass 022008


Die farbenprächtige Bundesgartenschau war 1987 mit insgesamt 7,5 millionen Besuchern ein Riesenerfolg...

schaft stellt die Übernahme von

Grünarbeiten 1987 im Zuge der

Bundesgartenschau (BUGA) im

Südpark dar. Als „Geniestreich“

bezeichnet Horst Borrmann, wfaa-

Geschäftsführer von 1979 bis 2002,

noch heute die Kooperation mit der

Stadt.

Schon vor der BUGA haben einige

wfaa-Beschäftigte Gartenarbeiten

und Gemüseanbau in Heerdt

betrieben. Für die Gartenschau

stellen die Werkstatt-Beschäftigten

Kompass 022008

Gitter her und kümmern sich um

die Tiere im Streichelzoo und den

Bauerngarten auf dem Gelände.

Die BUGA wird mit 7,5 Millionen

Besuchern an 166 Veranstaltungstagen

ein Riesenerfolg – zu dem

auch die Beschäftigten der wfaa

beigetragen haben.

Ihre zuverlässige Arbeit ist der

Beginn einer bis heute andauernden

Verbindung: Knapp 200

Menschen mit Behinderung

beschäftigt die wfaa heute im Süd-

...nicht zuletzt dank der ebenso tatkräftigen wie zuverlässigen unterstützung

durch die wfaa.

park. Für viele ist die Parkanlage

ihr zweites Zuhause. Unter den

behinderten Mitarbeitern und den

Park-Besuchern herrscht reger Kontakt.

Und ein – Selbstbewusstsein

förderndes – Lob über die Sauberkeit

und den Pflegezustand des

Parks ist beileibe keine Seltenheit.

Werkstatt brannte lichterloh

Die 80er Jahre markieren in der

Chronik der wfaa jedoch nicht

nur positive Erlebnisse. So bleibt

der 8. November 1988 vielen bis

heute unvergessen. Auch Richard

Isselhorst. Der wfaa-Gründer ist

gerade von einer Gedenkveranstaltung

zur Reichspogromnacht

nach Hause gekehrt, als das Telefon

klingelt. Am anderen Ende ist die

Frau von wfaa-Geschäftsführer

Horst Bormann und überbringt

die furchtbare Nachricht: Die

Werkstatt in Heerdt brennt lichterloh.

Richard Isselhorst macht sich

sofort auf den Weg. „Als ich ankam

und den roten Feuerschein sah,

wusste ich, dass etwas Schlimmes

auf mich zukommt.“ Auch Horst

Bormann ist schon vor Ort und

muss fassungslos mitansehen, wie

ZeItGeschIchte 21


22 ZeItGeschIchte

(_S_H_O_P_ _3)

Die Werkstatt in heerdt unmittelbar nach dem Brand im november 1988

das Werkstattgebäude in Flammen

aufgeht: „Den Brandgeruch hab‘

ich heute noch in der Nase.“ Innerhalb

kürzester Zeit ist der preisgekrönte

Holzbau komplett zerstört.

In den Redaktionsräumen der

Rheinischen Post, die sich gleich

nebenan befindet, wird umgehend

eine Krisensitzung abgehalten.

„Wir haben sofort dafür gesorgt,

dass die betroffenen Beschäftigten

auf unsere anderen Werkstätten

verteilt werden, es brauchte keiner

am nächsten Tag zuhause bleiben“,

so Bormann. Und dennoch: Der

Brandschaden beläuft sich auf über

zehn Millionen Mark, das Gebäude

samt Inneneinrichtung ist komplett

zerstört, darunter auch zahlreiche

Akten, die im Kundenauftrag

zu Dokumentationszwecken

in Heerdt abgefilmt wurden.

ursache: Brandstiftung

Doch viel schlimmer als der finanzielle

Verlust wiegt die persönliche

Enttäuschung. Denn wie sich bald

herausstellt, ist die Ursache für

die Katastrophe Brandstiftung.

Durch eigene Mitarbeiter. Zwei

Beschäftigte haben offenbar aus

persönlichem Frust das Feuer in

der Schreinerei gelegt. Was Horst

Bormann bis heute besonders trifft:

„Das waren Mitarbeiter, denen wir

eine Heimat, denen wir Arbeit

gegeben haben.“

Die Ausnahmesituation hat aber

auch positive Seiten: Alle halten

zusammen. Gemeinsam gelingt

es, den Betrieb aufrecht zu erhalten,

kein einziger Auftrag geht

verloren. Die Stiftung und Firmen

geben Gelder, so dass die Werkstatt

in Heerdt neu aufgebaut werden

kann. 1991 ist Wiedereröffnung.

Kristina Klusen

(_S_C_H_I_L_D_E_R_-_S_H_O_P) höherweg 101 40233 düsseldorf tel. 0211 / 5868723

Kompass 022008


medizinische Beratung: Dr. med. Gabriele Fischer

siehst Du Gerd,

war gar nicht schlimm.

und ich fühl mich sicherer.

Das ergebnis der untersuchung

zeigt, dass auch Gerd sich keine

sorgen machen muss.

ein paar gute tipps hat der arzt

aber auch für ihn damit das

noch lange so bleibt:

...Ihr Gewicht ist soweit auch okay.

Verzichten sie allerdings lieber auf

die gelegentliche Zigarette.

Regelmäßiger sport wäre auch gut.

Ihr cholesterin ist etwas zu hoch:

also bitte weniger fettes Fleisch, dafür

mehr obst und Gemüse.

Jetzt bin ich ja doch froh,

dass ich da gewesen bin!

und Gabi ist auch noch stolz auf mich!

Kompass 022008

er nimmt jedoch seinen ganzen mut

zusammen und geht zum arzt.

Dieser nimmt ihm zuerst Blut ab.

Zudem überprüft der arzt herz und Kreislauf

und röntgt seine lunge.

Gerd überlegt sich jetzt auch,

zur Vorsorge-untersuchung

zu gehen... aber oh-oh:

Was wenn es auf einmal heißt...

DeR Rat Von FRau DR. meD. FIscheR:

nachRIchten 23

- check-up ab 35 Jahren zu lasten der gesetzlichen

Krankenkassen alle zwei Jahre

- anamnese, insbesondere die erfassung des Risikoprofils

- Körperliche untersuchung einschließlich Blutdruckmessung

- Blutuntersuchung (cholesterin, Glukose)

- urinuntersuchung (eiweiß, Glukose, erythrozyten,

leukozyten und nitrit mit harnstreifentest)

- Bei Bedarf eKG

- zusätzlich beim mann ab 45 einmal im Jahr Krebsvorsorge

mit Darmkrebstest zu lasten der gesetzlichen Kassen


24 FöRDeRunG + BIlDunG

FLIP: „Förderpläne und Lernwege als Instrument zur Planung und Umsetzung der Betreuung etablieren“

hohes maß an offenheit und akzeptanz

passt! Die FlIp-team-Koordinatoren Karin Bürkel und Daniel Koch testen eine neue Vorrichtung,

mit deren hilfe man schlüssel sortieren kann.

Im April 2002 beschloss die Abteilungsleiter-Runde,

für die Dauer

von sechs Monaten in jeder Produktions-Abteilung

ein so genanntes

„FLIP-Team“ zu gründen.

Unter der Leitung eines Gruppenleiters

(FLIP-Team-Koordinator) sollte

in jeder Produktions-Abteilung ein

Team gebildet werden, das in Form

von Fallbesprechungen Förderpläne

erstellt und fortführt und die

Durchführung von Lernzielerhebungen

plant. Ziel des Projektes

sollte sein, die Förderpläne und das

Lernwege-Modell als Instrument

aufgaben des FlIp-team Koordinators

- Organisieren der FLIP–Teams in den Abteilungen, in Absprache mit

dem Abteilungsleiter (zweimal jährlich, bei Bedarf auch häufiger)

- Teilnahme am Erfahrungsaustausch der FLIP–Team Koordinatoren

- wechselseitiger (Informations-)austausch mit dem Abteilungsleiter

- Einarbeitung neuer Kollegen in die Thematik der Förderpläne, dieses

kann auch an einen Kollegen aus dem FLIP–Team delegiert werden.

- Unterstützung von Kollegen, die Schwierigkeiten mit Dokumentation

(schriftlich oder am PC) haben

- Zusammenstellung, Aktualisierung und Verteilung (an GL) von Formulierungsbeispielen

und Unterstützungsmaterialien für Förderpläne

bzw. Beobachtungsprotokolle

zur Planung und Umsetzung der

Betreuung in den Produktionsabteilungen

zu etablieren. Seit der

Einführung des FLIP-Teams 2002

konnten die Ziele stufenweise

erreicht werden. Nach und nach

etablierte sich das FLIP-Team und

gewann an Akzeptanz. Mittlerweile

gibt es für jeden Beschäftigten

einen individuellen Förderplan,

der jährlich fortgeschrieben wird.

Das FLIP-Team wird als positive

Hilfestellung geschätzt.

engagiert und zielstrebig

Wie gelang es, das FLIP-Team in

die Abteilung zu integrieren? Mit

Karin Bürkel und Daniel Koch hat

die Montageabteilung zwei Mitarbeiter,

die im FLIP-Team mit Engagement

und Zielstrebigkeit allen

Kollegen der Abteilung unterstützend

zur Seite stehen. Durch die

Einführung des Modellversuches

Berufsbildungsbereich (BBB) im

Oktober 2002 in der wfaa und das

Inkrafttreten des neuen SGB IX im

Juli 2001 hat die Abteilung für viele

Projekte im Bereich BBB, Förderung

und Betreuung die Pilotprojekte

übernommen.

Besonders hervorzuheben ist die

qualifizierte, konstruktive und

enge Zusammenarbeit mit Sigrid

Kipar als Koordinatorin für den BBB

der Abteilung. Bis Oktober 2002 hat

Sigrid Kipar als Gruppenleiterin

bei allen aufgeführten Projekten

aktiv mitgewirkt und diese dann

als BBB-Koordinatorin in der Montageabteilung

weiter mit den beteiligten

FLIP-Team Koordinatoren,

Abteilungs- und Geschäftsleiter

vorangetrieben.

Bei der Entwicklung und Einführung

von neuen Konzepten und

Kompass 022008


Bisherige projekte

Aus der Einführung der FLIP-

Teams und der daraus resultierenden

Beobachtungen

haben sich im Laufe der Zeit

neue Maßnahmen und Projekte

in der Montageabteilung

entwickelt:

2002: Berufsbildungsbereich

als Pilotprojekt in der

Abteilung

2004: Fragebogenaktion „Älter

werdende Beschäftigte“, daraus

weiterentwickelt: Konzept zur

Erhaltung der Arbeitsfähigkeit

älter werdender Behinderter

in der wfaa. Seit der Erarbeitung

der Konzeption im Jahr

2000 war die Abteilung bei

der Entwicklung und ersten

Umsetzung beteiligt.

2005: Fragebogen: Berufliche

Rehabilitation nach dem

Berufsbildungsbereich in der

Betreuungsbilanz der wfaa.

Darstellung der Förderpläne

in der Betreuungsbilanz

2005: Gruppenprofile werden

vorgestellt. Diese sollen zur

Unter stützung von Vert re tungen

dienen, sowie zur Überprü

fung von Arbeiten, die

nicht so häufig vor kommen

bzw. län gere Zeit her sind.

2006: Benchmarking der Förderungs-

und Rehabilitationsqualität

in WfbM (Lernen vom

Besten)

2007: Einführung der Testphase

einer Fähigkeiten- und

Kompetenzanalyse im Montagebereich

der Abteilung

2007: Pilotprojekt KuKs (Kopf

und Körper stärken) Training.

2008: Ab Januar 2008 hat

die Abteilung eigene Koordinatoren

(Karin Bürkel und

Daniel Koch) für das weitere

Benchmarking. Sie nehmen

damit an den Benchmarking-

Treffen teil.

Kompass 022008

Förderziel erreicht: Günther Würfel an seinem optimierten arbeitsplatz in der Fahrradmontage

Projekten herrscht in der Abteilung

immer ein hohes Maß an

Offenheit und Akzeptanz. Gerade

die konstruktive Mitgestaltung

bewegt viele Kollegen zur aktiven

Mitarbeit.

probleme mit der ordnung

Ein Beispiel aus der Praxis: Günther

Würfel (siehe Fotos) arbeitet

in der Fahrradmontage an einer

Bemantelungsmaschine und hat

Probleme, Ordnung am Arbeitsplatz

zu halten. Ständig fällt Material

zu Boden. Die Arbeitsgänge

dauern dadurch zu lange bzw. sind

zu umständlich. Er hockt beispielsweise

häufig am Boden und packt

FöRDeRunG + BIlDunG 25

die Verpackung der Mäntel aus.

Förderziel: Einen ergonomischen

Arbeitsplatz einrichten. Verhindern,

dass Material zu Boden fällt,

flüssige Arbeitsgänge ermöglichen,

kürzere Arbeitswege schaffen.

Umsetzung: Eine größere Arbeitsplatte

auf einem Rollwagen verschraubt,

zum transportieren der

Mäntelballen an die Maschine. Auf

der Arbeitsplatte Vorrichtungen

zum Ablegen der Arbeitsmittel

und Werkzeuge montiert. Günther

Würfel muss noch häufig

angeleitet werden. Er gewöhnt sich

aber langsam an den geänderten

Arbeitsplatz.

Fred Dunkmann


26 Rätsel

Im unteren Bild haben sich 10 Fehler eingeschlichen

ein sicherer stand erleichert die arbeit

Kompass 022008


JuBIlaRe 1. Quartal 2008

Beschäftigte

10 Jahre

Henk Stefan

Rehberg Angelika

Geesmeier- Wilhelm

Faßbender

15 Jahre

Silbernagel Wolfgang

Kunze Sieghard

Faßhauer Andreas

Rausch Hans-Jürgen

Fischer Tatjana

Schuster Agneta

20 Jahre

Molderings Helmut

Hütten Sybille

Baier Maria

Wernicke Helga

Bürger Angelika

25 Jahre

Schoen Ralf

Gerth Konrad

Helmes Friedrich

Hauser Gregor

Uwiss Martina

Thiel Karin

30 Jahre

Al-Saadi Safa

40 Jahre

Ganske Gustav

50 Jahre

Georg Michael

Betreuungspersonal

15 Jahre

Romanowski Elisabeth 1.07.1993

20 Jahre

Stumpe Jens 1.07.1988

Becher Wolfgang 1.08.1988

Wittkowski Christine 1.09.1988

Malcher Michael 1.09.1988

25 Jahre

Stark Lorenz 15.07.1983

Wir gratulieren allen Jubilaren

Die neue Kompass-ausgabe erscheint im september 2008

Kompass 022008

Helga Geuting und Dieter Kagemann:

Verabschiedung in den Ruhestand

christian Benski (mitte), abteilungsleiter der Zweigstelle „Im lie-

feld“, verabschiedete die Gruppenleiter helga Geuting und Dieter

Kagemann nach jeweils langjähriger mitarbeit in der wfaa in den

Ruhestand.

eIntRItt ab 1. Februar 2008

Betreuungspersonal

Stefan Vater 1.02.2008 Montage-Konfektionierung Heerdt

Klaus Richter 1.03.2008 Manuelle Verpackung - Liefeld

Martina Fienhold 1.03.2008 allg. Verpackung - Liefeld

Katja Reisdorf 1.03.2008 Begleitender Dienst

Michael Heuschen 7.04.2008 Gärtner Südpark

Wir begrüßen die neuen mitarbeiter ganz herzlich in der wfaa!

125 Jahre Bienenzuchtverein

Imker gesucht

Am Samstag, 14. Juni, findet die

125-Jahr-Feier des Bienenzuchtvereins

Düsseldorf e. V. im Südpark

statt. Von 11 bis 18 Uhr wird im

Hofladen Honig der parkeigenen

Imkerei verkauft und verköstigt.

Tierpfleger Alexander Schröder

präsentiert das Schleudern von

Honig im Café Pavillon. Kinder

können Kerzen aus Wachs rollen

und an einem Malwettbewerb

teilnehmen. Am Bienenhaus im

Tierbereich können Groß und

Klein an Schaukästen genau beobachten,

wie die Bienen leben und

arbeiten. Auf diese Weise soll den

Besuchern der Beruf des Imkers

näher gebracht werden, da es an

Nachwuchs in dieser Branche

fehlt. Nicole Coumann

peRsonalIen 27


28

Kompass 022008

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