T o t o d e r l e b e n d i g ? - M a n i f e s t z u r ... - Baumkunst

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Der Wald und das

Holz unterliegen augenscheinlich

und

spürbar den Gesetzen

der Schöpfung

und sind Quelle

der Inspiration des

BAUM.KÜNSTLERS


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Vorab ein paar statistische Fakten: 48% der Fläche der Republik Österreich sind mit Wald bedeckt

– und Jahr für Jahr kommen 5000-8000 Hektar dazu. Im europäischen Ökovergleich ist der Zustand

des österreichischen Waldes bestens. Fast 300.000 ÖsterreicherInnen leben direkt oder indirekt

von ihm. Maßnahmen wie die von den Landeshauptleuten von Niederösterreich und Wien in der

„Wienerwald-Deklaration“ festgeschriebene UNESCO-konforme Schaffung des „Biosphärenpark

Wienerwald“ mit seinen 40 Millionen Bäumen sollen den für unser Atmen und Leben unersetzlichen

Wald erhalten und aufwerten, indem der Mensch die Vorteile der Natur maßvoll nutzt. Österreich

bietet auf dem Gebiet der Wald- und Holzwirtschaft Spitzen-Know-How, und gleichzeitig ist der uns

umgebende Wald für viele unserer Landesbewohner noch ein recht unbekanntes Wesen. Der Zauber

dieser vielfältigen Lebensgemeinschaft bleibt ihnen verborgen.

Das früher als „Klaubholz“ genutzte Totholz bleibt infolge unseres gestiegenen Wohlstandes zu einem

großen Teil auf dem Boden unseres Waldes, der meist „naturnaher Wirtschaftswald“ ist, liegen. Hier

setzt Baum.Kunst an, die geschaffen werden kann, wenn das Holz aufgehört hat, zu wachsen: Sie ist

das farbliche Gestalten von abgestorbenen Baumstücken unter Beibehaltung deren naturgegebener

Form. Baum.Kunst will Bäume und den Wald zum Menschen und damit dem Menschen nahe bringen,

zu einer Synthese und Begegnung, zur Schärfung unseres Blickes, zur meditativen Betrachtung, zur

Öffnung unserer Sinne, unserer Empfindungen und unseres Geistes für die Wunder der Schöpfung.

Neben der Phantasie und den eigenschöpferischen Kräften wird möglicherweise auch die Lust

angeregt, in die Natur hinaus zu gehen.

Im Gegensatz zur Schnitzkunst geht es also bei dieser Art der Holzkunst darum, die Gestalt der

vorgefundenen naturgegebenen „Malunterlage“ bewusst unverändert zu lassen, deren Stofflichkeit


und Bezug zum Wald bestehen zu lassen und gleichzeitig Werke zu schaffen, die unsere Sinne und

unser Bewusstsein ansprechen – so wie es der Satz ausdrückt:

„Es liegt am Wesen jeder Kunst, durch ihre Werke eine andere Schicht der Wirklichkeit als die

vordergründige durchscheinen zu lassen. Jede Kunst weist über unsere gewohnte Wirklichkeit hinaus.“

Adolph Zimmermann, Domprediger zu St. Stephan in Wien

Da der künstlerische Akt nicht durch Verformung, sondern durch Farbe – und manchmal durch

verfremdend hinzugefügte Elemente – erfolgt, ergibt sich in der Interaktion mit den naturgegebenen

Formen ein besonders inniger Dialog und respektvoller Umgang mit dem Holz: Ausgangspunkt ist

die liebevolle Erwartung, durch intensives Nachvollziehen der Lebensspuren im abgestorbenen

Holz etwas Neues zu finden, das zu Bewusstheit und Lebensfreude beiträgt. Grenzenlos neugieriges

Herangehen, bewusste Nähe und Konzentration, sowie beständiges lustvolles Lernen machen es

möglich, den Baum zu be-greifen, seine Botschaften wahrzunehmen und schöpferisch umzusetzen.

„Die Kunst ist die herrlichste Mission des Menschen, da sie die Ausübung des Denkens ist, das

versucht die Welt zu ergreifen und sie uns begreifbar zu machen.“

Auguste Rodin, Künstler

Das Anliegen „ich will das Holz verstehen und künstlerisch interpretieren“ und die gleichzeitige

Ehrfurcht vor der Schöpfung, welche auf ihre Weise bereits vollkommen ist, drücken sich auch darin

aus, dass bei jedem Werk ein Teil des Holzes unbemalt bleibt.

Gerade als Zimmermann ist mir bewusst, wie vergleichsweise gering unser menschlicher Beitrag ist,

aus Holz etwas Höheres zu schaffen und es zu veredeln, wenn wir uns vergegenwärtigen, dass die

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Urkraft des Schöpfers vermag, jedes Jahr Triebe, Blätter und Blüten daraus wachsen oder im Kreislauf

der Natur neues Leben entstehen zu lassen. Pflanzen ermöglichen unser Leben, und Baum.Kunst

stellt sich in diesem Kontext zur Aufgabe, abgestorbene Baumteile, ohne deren Form zu verändern,

als Symbol für die den Tod überwindende Auferstehung zum „Baum des Lebens“ zu gestalten.

Abgestorbene Bäume sind im biologischen Kreislauf zunächst die Versteck- und Nahrungsgrundlage

für eine Vielzahl von Lebewesen, bis sie endlich als Erde wieder mineralische Grundlage neuen

Lebens werden. So betrachtet ist Holz nie wirklich tot. Sterben ist die Grundlage neuen Lebens. Jeder

Tod ist ein neuer Beginn. Leben und Sterben sind nur Ausdruck einer Transformation, in der alles

mit allem verbunden ist.

Wir Menschen, als einzige Spezies, die über das Sterben reflektieren kann, wollen dieses Geschehen

jedoch möglichst ausblenden. Wir trachten sosehr danach, den Tod aus unserem Leben zu

verbannen, dass wir sogar das Tote in der Natur nicht akzeptieren wollen: Totes Holz findet kaum eine

Entsprechung in den Darstellungen des Waldes in der Bildenden Kunst. Auf dem Boden liegende,

modernde Stämme und Äste drücken in Gemälden bis in die Gegenwart hinein nicht die Harmonie

in der Natur aus, sondern eher das Chaos und den Niedergang. Tradierte kulturelle Muster prägen

solcherart unser Natur- und Kunstverständnis. Jene Gattung der Malerei, welche „tote“ Objekte zum

eigenständigen Bildthema erhebt und daher im Französischen „nature morte“ genannt wird, heißt

im deutschen Sprachraum, den Ausdruck „Tod“ vermeidend, „Stilleben“, also stilles Leben. Es

verwundert nicht, dass der Begriff „Totholz“ außerhalb von Umwelt-Bewegten bisher wenig akzeptiert

ist. Langsam nimmt unsere Bewusstheit zu, dass Bäume auch und gerade in den letzten Stadien

ihrer Existenz als Symbole ewiger Wiedergeburt gelten können.


Die von uns in der Natur beobachtbaren Erscheinungsformen erinnern uns an die Spielregeln und die

Rahmenbedingungen, die Leben und Wachstum in unserem hochgradig organisierten Gemeinwesen

ermöglichen:

„Viele Menschen fühlen eine innere Ruhe, wenn sie in der Natur sind. Die Natur lehrt uns viel über

den Frieden… Frieden und Lebensqualität entstehen nur, wenn wir die fundamentalen Gesetze

des Lebens entdecken und uns mit ihnen in Einklang bringen.“

Steven Covey, Managementtrainer, in „Der Weg zum Wesentlichen“

Die Form des verwendeten Holzes entstand durch langsames Wachstum, welches durch

Gewalteinwirkung – etwa durch Holzfällen oder Windwurf – „schlagartig“ verändert wurde. Dabei

gibt der Baum oft sein Inneres preis. Mitunter folgte danach eine weitere Gestaltveränderung durch

die Kräfte der Zersetzung. Die Vorgänge des Wachsens und des Wandels spiegeln sich in jener

Form wider, die in den Werken festgehalten ist. Mit der konservierenden Momentaufnahme wird die

Zeit aufgehalten und ein Stück Zeitlosigkeit geschaffen. Ein Baumteil wird „verewigt“. Gleichzeitig zu

dieser Unterbrechung des natürlichen Kreislaufes entsteht hier eine andere, neue Art Wienerwald-

Recycling, denn ökonomisch uninteressantes Holz wird nicht der Vermoderung überlassen, sondern

in veredelter Weise den Menschen nahe gebracht. Für diese auf scheinbar „wertlosen“ Malgründen

geschaffenen Werke gilt das Künstlerwort:

„Ein Kunstwerk kann so einfach und summarisch sein, dass jeder es machen könnte. Aber eine

kostbare und wertvolle Fähigkeit muss es haben, die darin besteht, den Betrachter über einen

Aspekt aufzuklären, der ihm vorher unbekannt war; es soll eine Regeneration seines Sehvermögens

bewirken, Auslöser sein für eine neue Art, die Dinge zu betrachten und aufzufassen. Es soll auf sein

Denken einwirken, es verändern, es zu neuen, unvorhergesehenen Positionen anregen.“

Jean Dubuffet, Künstler

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Baum.Kunst gibt somit „Totholz“-Findlingen in deren von der Natur vorgegebener Vielgestaltigkeit

durch Bemalung neues spirituelles Leben und vermittelt uns für unser eigenes Leben die Botschaft

vom Baum, vom Wald und von vielem mehr: Jedes einzelne dieser Baumstücke fordert auf, es als

„Denk mal!“ wahr zu nehmen. Das den Gesetzen der Schöpfung untergeordnete persönliche Werk des

Gestalters lädt den Betrachter nicht nur zum subjektiven Nachfühlen und Nachdenken ein, sondern

übermittelt auch die Energie des Baumes. Dieser ist wie wir selbst Teil des Energiekörpers der Erde

und beschert uns Verbundenheit mit der Natur und mit der göttlichen Energie.

Kraft dieser Energie und weil Werke der Baum.Kunst im Unterschied zu Gemälden und Skulpturen

mit keinerlei Verfahren reproduzierbar sind, lädt Totholz-Waldkunst zum Nachmachen ein, indem

man eigenschöpferisch aktiv wird: Ein bloßes Kopieren ist ja nicht möglich, da es sich bei jedem

Baumstück um ein „kopiergeschütztes“ Unikat handelt. Der schöpferische Akt kann bereits beginnen,

wenn wir uns die Freiheit nehmen, aus dem Wald ein fantastisch geformtes Stück „Klaubholz“

zu holen - Bäume entfalten in der Phase ihres Vergehens noch größere Individualität und

Formenreichtum als in allen Stadien ihres Lebens davor. Suchen wir die Einzigartigkeit abseits der

Norm und lernen wir - so wie beim Holz auch sonst im Leben -, Anomalien zum wertvollen Fundus

für das Finden neuer, vielfältiger Lösungen zu machen! Gerade das bisher für „wertlos“ Gehaltene

birgt oft Zukunftsweisendes: So ging Albrecht Dürer mit seinem Werk „Kleines Rasenstück“, das

heute primär wegen seiner handwerklichen Exzellenz geschätzt wird, radikal und revolutionär von bis

dahin gültigen Bildinhalten ab und erregte Anstoß, weil er in den Augen seiner Zeitgenossen „Abfall“

gemalt hatte. Dies hat der österreichische Doyen der Kunstkritik, Prof. Peter Baum, bewusst gemacht

sowie auch, dass die wichtigsten Anstöße in der bildenden Kunst des 20.Jh. von Autodidakten

kamen. Das macht Mut, nach den Sternen zu greifen und die in uns allen schlummernde Kreativität

zu leben.


Die künstlerische Betätigung ist ein möglicher Weg, unsere vorwiegend rezeptive und

konsumorientierte Denk- und Lebensweise mit dem elementaren Prinzip schöpferischen Tuns

auszubalancieren. Wenn viele Menschen sich eigenständig künstlerisch betätigen, wirkt die Energie

des Schöpferischen als innovationsstiftender Motor für positive Veränderungen in alle Bereiche

menschlicher und gesellschaftlicher Existenz hinein.

So wie der Wald zum Gesamtsymbol für Natur geworden ist, symbolisiert jedes Stück des Individuums

Baum die magische Ganzheit des Wunders Leben. Baum.Kunst symbolisiert darüber hinaus auch

den behutsamen Umgang des Menschen mit unseren Naturgrundlagen, auf denen wir, ohne sie

zu zerstören, aufbauen und daraus – hier durch Hinzufügen von physiologisch und toxikologisch

unbedenklichen Farben – neue spirituell erfahrbare Werte schaffen. Sich mit dieser Art von Kunst zu

umgeben bedeutet gleichzeitig, mit einem Stück unverformter Natur zu leben. Baum.Kunst ist somit

Kunst im Einklang mit der Natur und möge den Weg zur Natur, zum Umweltbewusstsein und zur

künstlerischen Auseinandersetzung fördern.

Zum Abschluss: Der Wald und das Holz unterliegen besonders augenscheinlich und spürbar den

Gesetzen der Schöpfung und sind die Quelle der Inspiration des Baum.Künstlers. Umsetzung und

Ausdruck dieser Inspiration sind Totholz-Plastiken. Sie sollen von den Wundern der Natur künden

und Menschen für deren Schönheiten begeistern. Dies kann ein Beitrag sein, den Schleier, der das

Geheimnis der uns umgebenden Lebensgemeinschaft Wald umgibt, ein Stück weit zu lüften und uns

jenen Grünraum zu erschließen, wo das helle Lichtreich des Himmels und die dunkle Erdenschwere

einander in versöhnter Ausgewogenheit begegnen und wir selbst uns - in der Freiheit dieser Balance

schwebend - eins mit der Schöpfung wissen.

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Der BAUM.KÜNSTLER Gerhard R. Zimmermann

Geboren 1950 in Obdach, Seetaler Alpen - wo Steiermark und Kärnten zusammenkommen

neben dem Managerberuf in internationalen Unternehmen Beschäftigung mit Garten, Natur, Malerei

und HUNA, der Philosophie des Hawaiianischen Schamanismus

wohnt seit 22 Jahren im Wienerwald, auf dem Allerheiligenberg von Mauerbach

dort befindet sich sein Atelier in einem runden Holzpavillon an einem Seerosen-

und Schwimmteich

verwendet als Malgrund „Holz-Findlinge“ aus der Umgebung, die er

mit physiologisch und toxikologisch unbedenklichen Farben bemalt

Friessner

ist Verfasser von „Tot oder lebendig? - Manifest zur BAUM.KUNST“

Werbeagentur

Kontakt: Dr. Gerhard R. Zimmermann, A-3001 Mauerbach, Gerlachstraße 63

Tel. und Fax +43/1/979 31 49

Design:

Mobil +43/650/979 31 49

E-mail: GerhardZimmermann@gmx.at, www.BaumKunst.at Grafik,

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