Folie 1

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Folie 1

Die Westberliner Exklave Steinstücken gehörte mit ca. 200 Bewohnern zum amerikanischen Sektor Berlins,

lag aber im Gebiet der DDR. Symbolisch wurden dort drei Soldaten der US-Army stationiert; die US Air Force

hielt einen Hubschrauber für Luftkontakte bereit. Erst 1972 konnte die Verbindungsstraße nach

Steinstücken von West-Berlin übernommen und ausgebaut werden. Eine Infotafel zum Mauerweg, der

Gedenkort für Willi Marzahn am Königsweg und das Hubschrauber-Denkmal an der Teltower Straße erinnern

dort an die historische Situation. Der 21-jährige Willi Marzahn war Unteroffizier der Nationalen Volksarmee

der DDR, als er am 19. März 1966 mit einem Kollegen nach West-Berlin fliehen wollte. Als sie von Grenzposten

entdeckt wurden, kam es zum Feuergefecht. Willi Marzahn wurde tödlich getroffen; seinem Freund gelang

die Flucht nach West-Berlin.

Am Gleisdreieck Griebnitzsee / Kohlhasenbrück, hat am 18. April 1962 ein Fluchtversuch stattgefunden, bei

dem zwei Menschen starben. Der 19-jährige Offiziersschüler Peter Böhme war aus der Flak-Artillerie-Schule

der Nationalen Volksarmee in Potsdam desertiert und wollte mit einem anderen Offiziersschüler nach West-

Berlin fliehen. Bei einem Schusswechsel mit DDR-Grenzsoldaten wurde Peter Böhme tödlich getroffen.

Ebenfalls getötet wurde der Gefreite Jörgen Schmidtchen, der als Postenführer der Grenztruppen die Flucht

verhindern wollte. Die Grenze zum ehemaligen West-Berlin liegt in der Mitte des Griebnitzsees; nur ein kleiner

Teil ganz im Westen gehörte vollständig zur DDR. Die Sperranlagen zogen sich am südlichen Seeufer entlang,

das von der DDR-Führung für den Grenzausbau enteignet worden war. Für DDR-Bürger war der See nicht

zugänglich.

Nun erreicht man zwischen Parkbrücke und Königstraße die einstige DDR-Exklave Klein Glienicke, ein

schmetterlingsförmiges Siedlungsgebiet, das von der Mauer umschlossen war. Die angrenzenden Schlösser

und Gärten sowie der Böttcherberg gehörten zu West-Berlin. Klein Glienicke war nur von Babelsberg über die

Parkbrücke erreichbar, die von Grenzkontrollposten der DDR überwacht wurde. Bewohner mussten einen

Registriervermerk im Personalausweis vorweisen, Besucher für ihren Aufenthalt einen Passierschein

beantragen. Denn Klein Glienicke lag im „Grenzgebiet“, für das besondere „Sicherheitsvorschriften“ galten.

Wegen dieser Einschränkungen zogen vor allem jüngere Leute aus Klein Glienicke fort. Leerstehende Häuser

wurden abgerissen; 1979 musste die Kapelle geschlossen werden. Im Juli 1973 gelang zwei Familien durch

einen 19 Meter langen, nur mit Kinderschaufel und Spatenblatt gegrabenen Tunnel vom Keller ihres Hauses

die Flucht nach West-Berlin.

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