Folie 1

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Folie 1

Der weiter nach Westen führende Weg bringt einen zur Havel und zu den Wochenendgemeinschaften

Fichtewiese und Erlengrund. Auch sie lagen als West-Berliner Exklaven auf dem Gebiet der DDR. Die

Besitzer mussten die Grenzanlagen passieren, um zu ihrem Freizeitgelände zu kommen. Am

Eingangstor aus Richtung Bürgerablage meldeten sie sich per Sprechanlage bei den DDR-

Grenzposten an. Erst ab dem 1. Juli 1988 war der Zugang zu den Wochenendsiedlungen durch einen

Gebietsaustausch mit der DDR wieder frei.

Von den ehemaligen Exklaven führt der Weg an der Havel entlang in die nördlich gelegene Gemeinde

Hennigsdorf. Mit ihr verbindet sich für ältere West-Berliner noch immer „der Zug der Stahlarbeiter“.

Der Protestmarsch am Morgen des 17. Juni 1953 gehört zu den wenigen West-Berliner Erinnerungen

an den Aufstand in der DDR: Die Arbeiter des Hennigsdorfer Stahlwerks und des Lokomotivwerks

waren zur Begeisterung vieler Anwohner durch Reinickendorf und Wedding zum „Haus der

Ministerien“ an der Leipziger / Ecke Wilhelmstraße gezogen, um dort die DDR-Regierung mit ihren

sozialen und politischen Forderungen zu konfrontieren. Im Hennigsdorfer Ortsteil Nieder Neuendorf

steht noch ein Grenzturm, in dem sich seit dem zehnten Jahrestag des Mauerfalls ein kleines

Museum befindet.

Vom Ende der Uferpromenade führt eine Brücke an den Oder-Havel-Kanal und die ehemalige

„Grenzübergangsstelle Hennigsdorf“, eine Wasserkontrollstelle. Sie lag von 1949 bis 1990 am Nieder

Neuendorfer See zwischen See, Havel und dem später angelegten Kanal. Hier durften Binnenschiffe

zum Gütertransport von und nach Polen passieren oder in das Gebiet der DDR einfahren.

Transitverkehr in die Bundesrepublik war nicht möglich; für Sportboote war die Durchfahrt

verboten. Nach der Teilung Berlins und der Abriegelung der Außengrenzen der DDR ließ die DDR-

Regierung 1951 bis 1953 den Havelkanal bauen, um West-Berlin zu umschiffen, denn zwischen

Hennigsdorf und Potsdam fließt die Havel durch den Westteil der Stadt.

Auf der Strecke von Hennigsdorf nach Hohen Neuendorf trifft man bei Stolpe auf den letzten

Grenzübergang, der noch kurz vor dem Fall der Berliner Mauer in Betrieb genommen wurde. Um die

Fernverkehrsstraße F5 (bzw. B5) zu entlasten, die den Anforderungen des steigenden Reiseverkehrs

zwischen West-Berlin und Hamburg nicht mehr genügte, baute die DDR – von der Bundesrepublik

Deutschland finanziert – 1981/82 eine Autobahn (heute: A111).

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