Folie 1

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Folie 1

Eine „Führungsstelle“ war mit drei Grenzsoldaten und einem Offizier besetzt und verfügte über eine

Arrestzelle für „Grenzverletzer“. Der 19-jährige Ost-Berliner Joachim Mehr, der mit seinem 23-jährigen

Freund Hans-Jürgen K. am 3. Dezember 1964 bei Bergfelde nach West-Berlin zu fliehen versuchte,

wurde nicht festgenommen. Zwei Grenzsoldaten entdeckten die beiden im Grenzstreifen und gaben

gezielte Schüsse ab. Joachim Mehr wurde getötet, der verletzte Hans-Jürgen K. kam mit dem Leben

davon. Die Grenzsoldaten erhielten Auszeichnungen und wurden befördert.

Nicht weit entfernt von diesem Ort fand am 24. Januar 1962 die erste von mehreren Tunnelfluchten

statt. Fluchtwillige und ihre Unterstützer reagierten mit der mühevollen Anlage von unterirdischen

Gängen darauf, dass seit dem 13. August 1961 die Grenze überall hermetisch abgeriegelt worden war

und bereits mehr als zehn Flüchtlinge an der Berliner Mauer den Tod gefunden hatten. 28 Menschen

gelang auf Höhe der Oranienburger Chaussee 13 die Flucht durch einen Tunnel aus dem Keller des

Hauses. Nur vier Hausnummern entfernt entstand 1962 ein weiterer unterirdischer Fluchtweg, über

den sieben Männer und vier Frauen – mehrheitlich zwischen 70 und 80 Jahre alt – Anfang Mai West-

Berlin erreichen konnten. Weiter südlich passiert man die Straße Am Sandkrug, die mit ihren

Grundstücken wie ein „Entenschnabel“ von Glienicke (DDR) nach Frohnau (West-Berlin) hineinragte.

Wegen der besonderen Lage durften Besucher, Handwerker, Ärzte oder Lieferanten die Siedlung nur

mit einer Sondererlaubnis betreten. Nach dem Viermächte-Abkommen über Berlin fanden ab 1971

zwischen der Regierung der DDR und dem West-Berliner Senat Gespräche über einen

Gebietsaustausch statt. Dabei wurde auch eine Grenzbegradigung an der Enklave Entenschnabel

erwogen, um die Oranienburger Chaussee als West-Berliner Zufahrt zu einem neuen Grenzübergang

zu nutzen. Als aber die DDR-Regierung die Einrichtung der „Grenzübergangsstelle Stolpe“ am

Zerndorfer Weg anbot, verlor die Frage nach dem Austausch des Entenschnabels für den West-

Berliner Senat an Bedeutung.

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