Download (PDF: ca. 5 MB) - Solemedia

solemedia.de

Download (PDF: ca. 5 MB) - Solemedia

300 JAHRE

1710-2010

WALLFAHRTSKIRCHE

MARIA HILF

ZU FREYSTADT

1


FESTSCHRIFT

300 JAHRE MARIA-HILF-KIRCHE ZU FREYSTADT

Grußworte

Der Bischof von Eichstätt, Gregor Maria Hanke OSB ................. 5

Stadtpfarrer und Guardian, Pater Amadeus Buchtzik OFM ....... 7

Regierungspräsidentin der Oberpfalz, Brigitta Brunner ............ 9

Landrat, Albert Löhner ............................................................11

Bürgermeister, Willibald Gailler ...............................................13

300 JAHRE MARIA-HILF-KIRCHE ZU FREYSTADT ...........................17

JAHRESPROGRAMM ..................................................................31

Kultur

PIEROS GEHEIMNIS ..................................................................37

FESTKONZERT

MITGLIEDER DER NÜRNBERGER PHILHARMONIKER .....................43

CHRISTOPH WILLIBALD GLUCK

„Almae sedes laeta pacis“ & „Voces cantate“ ........................47

DIE REGENSBURGER DOMSPATZEN ............................................51

Domchor mit tausendjähriger Geschichte

SPONSOREN .............................................................................54

KARTENVORVERKAUF UND PREISE .............................................55

IMPRESSUM ............................................................................56

2 3


Viscardis Zentralbau

Grußworte

DER BISCHOF VON EICHSTÄTT

Grußwort des Hochwürdigsten Herrn Bischof Gregor Maria Hanke OSB

zum 300-jährigen Weihejubiläum der Wallfahrtskirche „Maria Hilf“ in Freystadt

Liebe Schwestern und Brüder im Herrn,

liebe Freundinnen und Freunde der Wallfahrtskirche „Maria Hilf“!

Im Jahr des Herrn 1710 weihte am 3. August der Eichstätter Weihbischof Johann Adam Niebler die

neu errichtete Wallfahrtskirche „Maria Hilf“ in Freystadt. Daher dürfen sich in diesem Jahr besonders

die Ordensgemeinschaft der Franziskaner, die diese Wallfahrtskirche betreut, und die Pfarreien

des Pfarreienverbundes Freystadt über dieses 300-jährige Weihejubiläum freuen, genauso aber auch

all jene, die sich mit dieser Kirche verbunden fühlen. Als Bischof von Eichstätt im Jahr 2010 beglückwünsche

ich daher ganz herzlich Sie alle zu diesem Jubiläum.

Gedenken wir miteinander aus diesem Anlass mit Freude und Gott dankend all der Menschen, die

über 300 Jahre – gerade auch durch viele schwere Zeiten hindurch – diese wunderschöne Wallfahrtskirche

zu ihrem Herzensanliegen machten. Bei aller Freude sollte aber bei diesem Jubiläum das

Wesentliche nicht vergessen werden, dass es nicht primär um diese Marienkirche als historisches

Bauwerk geht, sondern substantiell um den Glauben der Christen, für die diese Kirche errichtet

worden ist. Der Apostel Petrus erinnert und lädt dazu auch heute noch alle Getauften ein: „Kommt

zu ihm, dem lebendigen Stein. Lasst euch als lebendige Steine zu einem geistigen Haus aufbauen!“

(1 Petr 2,4-5) Und dies ist fürwahr keine Bürde, sondern wahrhaft eine Würde: „Euch, die ihr glaubt,

gilt diese Ehre.“(1 Petr 2,7)

Dieses Jubiläum könnte ein guter Anlass sein, sich gemeinsam zu besinnen, wie Sie als heute verantwortliche

Generation an diesem „geistigen Haus“ mitbauen bzw. mitbauen könnten. Ich ermutige

Sie, sich auch Zeit zu nehmen für persönliche Glaubenserneuerung und Glaubensvertiefung, um

der nächsten Generation nicht nur diese Wallfahrtskirche in gutem baulichen Zustand zu übergeben,

sondern auch das dazugehörende „Glaubenshaus“ in lebendiger und herzlicher Verbundenheit

mit Jesus Christus und seiner Mutter Maria.

Ich freue mich mit Ihnen über dieses 300-jährige Weihejubiläum und wünsche Ihnen alles Gute und

Gottes Segen.

Gregor Maria Hanke OSB

Bischof von Eichstätt

4 5


Putte an Kapitälen

Grußworte

PATER AMADEUS

Grußwort und Einleitung

des Stadtpfarrers und Guardians Pater Amadeus Buchtzik OFM

Liebe Freunde und Wohltäter der Wallfahrtskirche „Maria Hilf“,

liebe Mitchristen,

das 300-jährige Jubiläum unserer Wallfahrtskirche ist eine Herausforderung, diesen Anlass nicht

nur an einem einzigen Tag zu feiern, sondern in verschiedenen liturgischen, kunsthistorischen und

kulturellen Feierlichkeiten die Einzigartigkeit und Bedeutung des „Himmels von Freystadt“ zum

Ausdruck zu bringen. Deshalb beinhaltet diese Festschrift neben der historischen Beschreibung von

Herrn Zellner einen Überblick über die verschiedenen Veranstaltungen, zu denen ich Sie alle ganz

herzlich einladen möchte.

Die Wallfahrtskirche ist vor allem ein Haus des Gebetes und der Feier der Liturgie. Ich freue mich

und danke unserem Hochwürdigsten Herr Bischof Gregor Maria Hanke, dass er die Schirmherrschaft

für diese 300-Jahrfeier übernommen hat und mit uns am 20. Juni einen Festgottesdienst feiern

wird. Im Anschluss an diese Heilige Messe findet „rum um die Wallfahrtskirche“ unser traditionelles

Pfarrfest „Peter und Paul“ statt, welches wir sowohl räumlich wie auch zeitlich um eine Woche

vorversetzten.

Am 12. September feiert mit uns seine Exzellenz, Hochwürdigster Herr Bischof Jan Baxant aus

Tschechien ein Pontifikalamt.

Die jährliche Sternwallfahrt am 1. Mai soll das Hauptfest dieses Jubiläums sein, erweitert um die

Maiandacht, die Jugendvesper, den Jugendabend mit Bands und der ganztägigen Bewirtung im Festzelt.

Am 2. Mai ist abends das Konzert der Regensburger Domspatzen.

Das Dekanat Neumarkt kommt zur Dekanatswallfahrt am Freitag, den 17. September nach Freystadt.

In der Woche vor dem Palmsonntag wird ein „Blaues Ei“ von Prof. Peter Reute als „Pieros Geheimnis“

in der Kirchenkuppel hängen und zur Podiumsdiskussion über sakrale Kunst anregen.

Eine musikalische Besonderheit wird das Konzert der Philharmonie Nürnberg mit Prof. Goebel am

Samstag, den 11. September sein und auch das Orgelkonzert vom Prof. Edgar Krapp am 2. Oktober.

In der Jahresübersicht finden sie weitere Veranstaltungen wie die Kinderwallfahrt und Kinderkirchenführung,

die sonntägliche Kirchenführungen, den Tag der Kranken, den Tag der Ordensleute,

monatliche Fatimatage und vieles mehr…

Ich danke von Herzen allen, die diese 300-Jahrfeier bis jetzt vorbereitet haben, mitgestalten und

unterstützen werden. Trotz den vielen Feierlichkeiten würden wir uns über eine starke Resonanz

und gute Besucherzahl freuen. Ihr Besuch wird nicht nur ein Zeichen der Unterstützung sein, sondern

ein Ausdruck der Lebendigkeit unserer Wallfahrtskirche. Die Wallfahrtskirche stellt nicht nur

architektonisch und kunsthistorisch eine Besonderheit dar, sondern ist ein Heimatort, an dem wir

bei Gott und mit Maria zuhause sein dürfen.

Ihr Pater Amadeus Buchtzik OFM

Stadtpfarrer und Guardian des Franziskanerklosters Freystadt

6 7


Putte an Kapitälen

Grußworte

BRIGITTA BRUNNER

Grußwort der Regierungspräsidentin der Oberpfalz, Brigitta Brunner, für die Festschrift des

Jahresprogramms zur „300 Jahrfeier der Wallfahrtskirche Maria Hilf (Freystadt)

Wer sich von Norden her der Stadt Freystadt im Landkreis Neumarkt i.d.OPf. nähert, dem fällt noch

vor den Toren des überaus reizvoll renovierten Stadtplatzes – fast auf der grünen Wiese – ein optisch

sehr ungewöhnlicher Kirchenbau auf, nämlich die Wallfahrtskirche Maria Hilf.

Betritt man das Gotteshaus, dann ist man überwältigt von der Schönheit, der Pracht der barocken

Innenausstattung. Die nicht alltägliche äußere Erscheinung der Wallfahrtskirche setzt sich im Inneren

fort. Kein Wunder, haben doch Menschen mit überaus bekannten Namen am Entstehen und am

Bau von Maria Hilf mitgewirkt. Ferdinand Lorenz Graf von Tilly – ein Nachfahre des Generals im Dreißigjährigen

Krieg – war der Bauherr. Giovanni Antonio Viscardi aus Roveredo im italienischsprachigen

Graubünden, „Hofmaurermeister“ des bayerischen Kurfürsten Ferdinand Maria, war der Planer

des Sakralbaus und Hans Georg Asam, Vater der berühmten Brüder Cosmas Damian und Egid Quirin

schuf die Fresken, während Pietro Franceso Appiani – der sich übrigens auch im Deutschordenssaal

der Regierung der Oberpfalz verewigt hat – die Stuckierung vornahm. Ein Gesamtkunstwerk von unglaublicher

Anmut und Schönheit ist das Ergebnis des genialen Zusammenwirkens dieser Meister.

Schier unglaublich mutet es an, wenn man liest, dass die Kirche nach der Klosterauflösung 1802

abgerissen hätte werden sollen.

Welch’ ein Glück, dass es dazu nicht kam.

Das wiedererstandene Kloster, die Stadt und viele Besucherinnen und Besucher freuen sich heute

über dieses bauliche Juwel in der Oberpfalz. Ich danke allen, die sich um den Erhalt dieser herrlichen

Wallfahrtskirche kümmern und grüße alle Gäste an einem der schönsten Orte unserer Oberpfalz.

Brigitta Brunner

Regierungspräsidentin

8 9


Putte an Kapitälen

Grußworte

LANDRAT ALBERT LÖHNER

Grußwort des Landrates Albert Löhner

Die Wallfahrtskirche Freystadt kann im Jahr 2010 auf ihr 300-jähriges Bestehen zurückblicken. Zu

diesem großartigen Jubiläum gratuliere ich im Namen des Landkreises Neumarkt und besonders

auch persönlich sehr herzlich.

Wer im Landkreis Neumarkt unterwegs ist, trifft überall auf Kirchen und Klöster. Viele Wallfahrer

sind hier unterwegs, was nicht nur mit der Schönheit der Kirchen, sondern mit der gelebten Frömmigkeit

der Bevölkerung zu tun hat. Wallfahrtskirchen stehen im Berching, Breitenbrunn, Batzhausen,

Griesstetten, Degerndorf, Neumarkt, Trautmannshofen, Lengenbach, auf dem Habsberg und in

Velburg sowie nicht zuletzt in Freystadt. Die Wallfahrtskirche Freystadt stellt ein besonders Juwel

für Refugien auf Zeit dar. Sie ist ein Schmuckkästchen der Kunst und Architektur und ein Ort stiller

Einkehr. Beliebtes Besichtigungsobjekt ist sie zudem, weil sich hier die Kunst der berühmten Asams

in aller Ruhe bewundern lässt. Die Wallfahrtskirche in Freystadt ist zweifelsfrei die berühmteste

Asam-Kirche unserer Region.

In den Jahren 1700 bis 1710 lies Viscardi einen prächtigen Zentralbau errichten. Durch den Ausbruch

des Spanischen Erbfolgekrieges kam allerdings der bis zum Dachgesims gediehene Bau 1703 für

fünf Jahre zum Erliegen, die Mauern mussten notdürftig abgedeckt werden. Der entstandene barocke

Zentralbau jedoch ist einzigartig in Deutschland, er ist von einer mächtigen Kuppel mit Laterne

überwölbt und von vier kleinen Ecktürmen eingefasst, er galt vielen Kirchen als Original und Vorbild.

So diente die Wallfahrtskirche Maria Hilf in Freystadt beispielsweise als schöpferischer Maßstab für

die katholische Dreifaltigkeitskirche in München, die kurz danach ebenfalls im Stil des „bayerischen

Barock“ in den Jahren 1711 bis 1718 erbaut wurde. Die Wallfahrtskirche in Freystadt blieb Viscardis

bedeutendstes Bauwerk. Die Stuckierung der Barockkirche stammt von Pietro Francesco Appiani

und die Fresken mit Motiven aus dem Marienleben schuf Hans Georg Asam, erstmals gemeinsam

mit seinen Söhnen Cosmas Damian und Egid Quirin. Die begabten Söhne führten das künstlerische

Erbe des Vaters fort und gehörten später zu den gefragtesten Künstlern der europäischen Barockkunst.

Mit der Wallfahrtskirche Maria Hilf ist somit ein bedeutender und eindrucksvoller Zentralbau

des deutschen Hochbarocks entstanden.

Zu den Feierlichkeiten anlässlich des 300-jährigen Bestehens bedanke ich mich bei allen, die bisher

und heute noch so segensreich an dieser Wallfahrtsstätte wirkten und wirken. Ich wünsche im Jubiläumsjahr

viele Besucher und auch für die Zukunft alles Gute.

Albert Löhner

Landrat

10 11


Putte an Kapitälen

Grußworte

BÜRGERMEISTER WILLIBALD GAILLER

Grußwort anlässlich des 300-jährigen Jubiläums der Wallfahrtskirche „Maria Hilf“ Freystadt

2010 begeht die Wallfahrtskirche ihr 300-jähriges Jubiläum. Namens der Stadt Freystadt und persönlich

darf ich der Katholischen Pfarrgemeinde Freystadt herzlich zu diesem besonderen Jubiläum

gratulieren. Die Wallfahrtskirche „Maria Hilf“ hat für Freystadt und die gesamte Region eine herausragende

Bedeutung, sie prägt unsere Kommune und gibt den Menschen, die hier leben, Identität.

Die Wallfahrt ist in Freystadt 1644 während des 30-jährigen Krieges entstanden. Eine rege Wallfahrt

entwickelte sich, an den Festtagen der Gottesmutter kamen bis zu 6.000 Gläubige nach Freystadt.

Die geistliche Betreuung der Wallfahrer haben 1682 die Franziskaner übernommen. Franziskaner

und Freystadt gehören seit dieser Zeit zusammen. Das sich im Eigentum der Stadt Freystadt befindliche

Franziskanerkloster, das 1711 gebaut wurde, ist 2005 – 2008 grundlegend saniert worden. Das

segensreiche Wirken der Franziskaner in unserer Region kann fortgesetzt werden. Darüber sind wir

außerordentlich dankbar.

Auf Initiative von Graf von Tilly wurde 1700 der Grundstein für die heutige Wallfahrtskirche gelegt.

Der mächtige Kuppelbau beherrscht die Ebene nordwestlich von Freystadt. Sie wirkt fremd in unserer

Landschaft und dennoch sind wir stolz auf sie. In Freystadt ist einer der architekturgeschichtlich

bedeutendsten Kirchenbauten des frühen 18. Jahrhunderts in Bayern entstanden. Das sakrale

Kunstwerk ist ein großartiges Zeugnis italienischer Architektur, ein imposantes künstlerisches Werk

von europäischem Rang.

Dieses Gotteshaus wird im Volksmund auch als der Himmel von Freystadt bezeichnet. Es ist ein

wichtiger Teil der baulichen Erkennbarkeit unserer Heimat und ein geistiges und geistliches Zentrum

unserer Region, ein religiöser Ort voller Geschichte. Das religiöse Leben und die Traditionen

von vielen Generationen sind in diesen drei Jahrhunderten geprägt worden. Sie wird auch ein unverzichtbarer

Begleiter der Menschen auf dem Weg in die Moderne des 21. Jahrhunderts bleiben.

Wir wünschen, dass von unserem Wahrzeichen, das sich eines zeitlosen Interesses erfreuen kann,

für die Menschen und Wallfahrer auch weiter vielfältige Hilfe in der christlichen Lebensgestaltung

ausgehen wird.

Wir freuen uns auf die religiösen und kulturellen Feierlichkeiten anlässlich des 300-jährigen Jubiläums

und danken allen Akteuren für ihren großartigen Einsatz.

Willibald Gailler

1. Bürgermeister und stellvertretender Landrat

12 13


Wallfahrtskirche Maria Hilf zu Freystadt i.d.Opf.

14 15


300 JAHRE WALLFAHRTSKIRCHE MARIA HILF : GESCHICHTE

300 JAHRE MARIA-HILF-KIRCHE ZU FREYSTADT

Weit über die Jurahöhe hinaus strahlt im glän-

zenden Sonnenlicht die Kuppel mit ihrer vergoldeten

Madonna. Sie gehört zu dem imposanten

Bau der „Maria –Hilf – Kirche“ vor den Toren der

Stadt Freystadt. Antonio Viscardi hat 1700 diese

Kunst des barocken Zentralbaus aus Italien

nach Bayern gebracht. Meisterhaft überträgt er

italienisches Formengut auf den barocken Zentralbau

in Bayern. Eine mächtige, von vier Türmchen

eingefasste Kuppel erhebt sich über einem

stämmigen Unterbau, der im Grundriss die Form

eines griechischen Kreuzes aufweist. An den

Schnittflächen der beiden Kreuzarme sind vier

kleinere Nischen angebracht. Den Abschluss

nach oben bildet eine bewegte Laterne. Ein 2 m

hohes Marienbild aus Stahlblech mit Blattgold

überzogen krönt den Bau, flankiert von den

vier Türmchen.

Der Innenraum wird durch acht korinthische

Säulen gegliedert. An den kreisförmigen

Hauptraum schließen sich einjochige Querarme

und zweijochige Längsarme an. Dazwischen

sind halbrunde Kapellen eingefügt. Der Stuckateur

Francesco Appiani hält gekonnt diese

Räumlichkeiten mit einer üppigen Blumengirlande

aus Eichenlaub, Palmwedel und Lilien

zusammen, füllt die freien Flächen, Fresken und

Nischen.

Mit diesem Werk hat Viscardi wesentlich die

bayerische Architektur bereichert und die

Künstler nördlich der Alpen wie Johann Michael

Fischer in München oder einen George Bähr

in Dresden für ihr Schaffen inspiriert. Darin liegt

seine kunsthistorische Bedeutung.

Pfeiler mit hl. Nepomuk

16 17


300 JAHRE WALLFAHRTSKIRCHE MARIA HILF : GESCHICHTE

300 JAHRE MARIA-HILF-KIRCHE ZU FREYSTADT

Diesem Meisterwerk von Viscardi und Appiani

„hauchte“ die Künstlerfamilie Asam gleichsam

die „Seele“ ein, die den Bau zu dem werden

ließ, wovon es von ihrem Ursprung 1644 an bis

heute in der Verkündigung eigentlich lebt: Von

der Geschichte der Erlösung des Menschen. Dabei

bedient sich Gott des Menschen Maria aus

Nazareth.

Das ganze Bildprogramm ist ein einziger Lobpreis

der jungen Frau. Wie die aufgehende Sonne

erscheint Maria in den farbenfrohen Fresken,

ausgestattet von ihrem Gott mit allen Vorzügen

des ersten Menschenpaares. Dadurch wird sie

zur „neuen Eva“, um dem Anspruch ihrer Berufung

gerecht zu werden. Der Malerkünstler

Asam dokumentiert dies mit allegorischen Bildern

und Schriften, die er dem Werk eines Jacobus

Boschius entnimmt. Das Deckenfresko im

Presbyterium der Kirche dürfte darum eigentlich

das Zentralbild des ganzen Bildprogrammes

sein.

// Fortsetzung

Eine Frau im Lichtglanz mit einer Lilie in der

Hand als Sinnbild der Jungfräulichkeit, oder

besser gesagt, als Zeichen des vollkommenen

Menschen, ist dabei nicht in höhere Sphären

entrückt. Sie steht mit beiden Füßen auf der

Erde, die von der Schlange als Symbol für das

Böse umgarnt wird. Die Frau setzt ihren Fuß auf

den Kopf des Drachen mit dem verhängnisvollen

Paradiesapfel im Maul und ist daran, wie

die alte Verheißung lautet, „der Schlange den

Kopf zu zertreten.“ Aus dem brennenden Dornbusch

heraus hat einst Jahwe den Moses zur

Befreiung seines Volkes Israel aus der Sklaverei

in Ägypten berufen, nun beruft er Maria, um

an der Erlösung der Menschheit mitzuwirken.

Dem angstvollen Moses gibt er zur Unterstützung

und Beglaubigung seinen Namen „Ich bin

da“ - Maria stärkt er mit der „Kraft des Heiligen

Geistes, der auf sie herabkommen und sie

überschatten wird“ so dass sie die „Immaculata“

sein kann.

Hochaltar: Himmelfahrt Mariä Bogen am Presbyterium: Maria immaculata

18 19


Immaculata nach Aussagen des Alten Testamentes. Zwickelbild im Kirchenschiff vorne links.

Entstehungsgeschicht mit Theresia, Cosmas Damian, Egid Querin und Georg Asam.

300 JAHRE WALLFAHRTSKIRCHE MARIA HILF : GESCHICHTE

300 JAHRE MARIA-HILF-KIRCHE ZU FREYSTADT

Diese Ausnahmestellung in der Berufung Marias,

wie sie schon im Alten Testament vorhergesagt

sein soll, hat Cosmas Damian Asam besonders

in den Grisaillebildern der Pfeilerzwickel

meisterhaft umgesetzt. Besser kann man das

Dogma von der „Unbefleckten Empfängnis“ Marias

kaum veranschaulichen.

Eine ganz andere Besonderheit, wodurch sich

Mariahilf zu Freystadt von anderen Wallfahrtsorten

unterscheidet, ist die Tatsache, dass den

Anfang und Ursprung nicht himmlische Erscheinungen

und Wunder bilden, sondern handfeste

menschliche Interessen nach dem Motto: „Der

Mensch denkt und Gott lenkt“ und für die Stadt

Freystadt sogar existenztragend geworden sind.

Zwei Buben haben bei einer Fahrt durch das

„Bayerland“ erlebt, wie Frauen mit einer Kirche

auf dem Rücken Opfer sammeln, um so zu Geld

zu kommen.

Davon angetan sagen sie sich: Das können auch

wir probieren, bauen ein Marterl mit einem

Tonkrügerl und finden bald darin zwei Pfennige.

Mit diesen zwei Groschen, die sie von den

Kaufleuten auf der holprigen Handelsstraße nebenan

zur Aufbesserung ihres Taschengeldes

geschenkt bekommen haben, bauen die Buben

Hans Steinmetz und Hans Popp im Jahre 1644

auf dem Espan ein Marterl, - und weil´s den

Leuten so gut gefallen hat, gleich auch noch ein

kleines Kirchlein mit einem Glöcklein drin, um

sich besser bemerkbar machen zu können.

// Fortsetzung

Nach diesem bekannten Motto „der Mensch

denkt und Gott lenkt“ hat dann der gewiefte

Bürgermeister Hans Friedrich Kreichwich 1664

die Idee der Buben wieder aufgegriffen und

an Stelle der zerfallenen Kapelle eine richtige

Kirche gebaut und mit einer geschnitzten Marienstatue

ausgestattet. Er brauchte ja für seine

von den Schweden niedergebrannte Stadt Hilfe

zum Wiederaufbau der Häuser, Käufer für die

Waren des Leonischen Drahtzugs und Kunden

für die Geschäfte.

Und siehe, „Wer auf Gott vertraut, hat nicht auf

Sand gebaut“. Als die Leute nun auch noch von

einigen Gebetserhörungen erfahren, strömen an

den Marienfesten bis zu 6.000 Pilger an diesen

Gnadenort und siehe auch die Wirtschaft in

der Stadt floriert; denn die Pilger wollen ja mit

Essen und Trinken versorgt werden. 15 Bäckereien,

6 Metzgereien, 20 Bierwirte sind nun um

das leibliche Wohl besorgt. So konnte die wirtschaftliche

Lage, die durch den Schwedenkrieg

völlig darnieder lag, wieder aufblühen.

Vorläuferbauten der Wallfahrtskirche:

Grundriss der kreichwich´schen Kappelle von 1667

20 21


Empore: Maria breitet den Mantel aus.

Weihe-Inschrift über dem Hochaltar.

300 JAHRE WALLFAHRTSKIRCHE MARIA HILF : GESCHICHTE

300 JAHRE MARIA-HILF-KIRCHE ZU FREYSTADT

„Essen und Trinken hält bekanntlich Leib und

Seele zusammen“. Für die seelische Betreuung

brauchte man nun sogenannte „Arbeiter im

Weinberg des Herrn“. Nach schwierigen Auseinandersetzungen

mit den verschiedenen Bettelorden,

die um ihre Brotnäpfe bangten, konnten

sich mit Hilfe der Gräfin Maria Anna Theresia

von Tilly, eine große Wohltäterin und Marienverehrerin,

die Franziskaner durchsetzen und bis

zum heutigen Tag mit einigen Unterbrechungen

die Seelsorge der Pilger übernehmen.

Jahre später, man schrieb das Jahr 1700 , hat

der Ehrgeiz den Hofbaumeister Antonio Viscardi

dazu angestachelt, seinen Erzrivalen

Enrico Zucalli Paroli zu bieten und aus der kleinen

Maria-Hilf-Kapelle etwas ganz Besonderes

zu machen, – und so wuchs dieser gewaltige

barocke Prachtbau, der nicht bloß für die bayerische

Barockkunst federführend und richtungweisend

werden sollte. Das Vertrauen, mit

dem die vielen von menschlicher Verlassenheit,

Krankheit und Not beladenen Pilger nun hierher

strömten, verfestigte sich zu einem tiefen

Glauben, wie das Schutzmantelbild über dem

Deckenbogen beim Eingang zeigt. Es weist alle

kommenden Pilger hin auf die Kraftquelle in

diesem Haus und stärkt sie in ihrem Hoffen

und Glauben, wenn sie diesen Gnadenort wieder

verlassen. 76 Wunder und Guttaten sind im

„Freistättischen Wunderspiegel“ aus dem Jahre

1716 einzeln aufgelistet

// Fortsetzung

„Der Mensch denkt und Gott lenkt“. Dies bewahrheitet

sich auch in der Säkularisation: 1803

wurde das Kloster aufgehoben, die Franziskaner

vertrieben und die Kirche mit ihrem verderblichen

Aberglauben als schädlich und überflüssig

zum Abbruch freigegeben. Der Appellationsrat

Stephan Anton Freiherr von Griesenbeck, zuständig

für die Durchführung der amtlich angeordneten

Abbruchmaßnahmen entdeckt in der

Kirche das Grabmal seines 1751 verstorbenen

Großonkels. Die Pietät vor seinen Vorfahren, die

er aus seiner gläubigen Zeit sich bewahrt hat,

rettet die Kirche. Er setzt sich nun für ihren Erhalt

ein.

Durch diese Säkularisierungsversuche

wurde den Freystädter Bürgern erst so richtig

bewusst , welch großes wirtschaftliches Kapital

die Wallfahrtskirche zusammen mit dem

Kloster darstellt. Ein Großteil der Wirte, Bäcker

und Metzger verlor durch die Vertreibungen

ihre Existenzgrundlage. Wie schnell wurden

diese nun bei der Regierung in München vorstellig,

damit die Franziskaner wieder 1836 nach

Freystadt kommen und die Betreuung der Pilger

in der Wallfahrtskirche übernehmen durften.

Bei all den vielen im Laufe der Zeit notwendig

gewordenen Renovierungsmaßnahmen haben

gläubige Menschen aus nah und fern die

Kirche nicht im Stich gelassen. Dem Beispiel der

Buben von damals folgend, die mit 2 Pfennigen

begonnen haben, tragen sie jetzt ihr Schärflein

zur Erhaltung dieser „Gnadenquelle“ bei – meist

aber ohne den damit verbundenen wirtschaftlichen

Faktor für Stadt und Land klar zu erkennen.

22 23


Innenraum (Kirchenschiff) mit Blick auf den Hochaltar

300 JAHRE WALLFAHRTSKIRCHE MARIA HILF : GESCHICHTE

300 JAHRE MARIA-HILF-KIRCHE ZU FREYSTADT

Für 300 Jahre solch aktiven Glaubens ist die

Maria-Hilf-Kirche ein lebendiges Zeugnis, das

eine gewisse „Archivierung“ gefunden hat in

dem Werk „MARIA HILF ZU FREYSTADT“ von Walter

Steiner und Wolfgang Zellner, über das der

Universitätsprofessor für Bayerische Geschichte

an der Universtät München Alois Schmidt

urteilt: „ ... ein sowohl pastoralgeschichtlich

als auch volkskundlich aussagekräftiges Dokument...

Eines der wichtigsten Barockbauwerke

der Oberpfalz hat ein volles Jahrhundert nach

der letzten Veröffentlichung zu seiner Geschichte

durch den damaligen verdienten Stadtpfarrer

Johann Baptist Götz eine zeitgemäße Neubearbeitung

erhalten, die den Kenntnisstand in

historischer und kunstgeschichtlicher Hinsicht

wesentlich erweitert. Es stellt eine wertvolle

Hilfe bei der Vorbereitung des im Jahre 2010

anstehendem Wallfahrtsjubiläums dar“.

Lorenz Zellner, Archivpfleger der Stadt Freystadt

// Fortsetzung

24 25


Kanzel links vom Hochaltar, Seitennische mit Walpurga,

Seitenaltar der hl. Familie

>

26 27


Franziskanerkloster mit Wallfahrtskirche, Stich um 1710

28 29


Empore

Kanzelbilder

300 JAHRE WALLFAHRTSKIRCHE

Donnerstag

04.03.2010, 10.00 Uhr

Samstag

13.03.2010, 08.15 Uhr

08.30 Uhr

09.00 Uhr

21.03. - 28.03.

300 JAHRE WALLFAHRTSKIRCHE MARIA HILF : JAHRESPROGRAMM

30 *Kartenvorverkaufsstellen siehe Seite 55.

31

MÄRZ

APRIL

MAI

20.00 Uhr

Sonntag

21.03.2010, 17.00 Uhr

Samstag

27.03.2010, 19.00 Uhr

Sonntags, 15.00 Uhr

Dienstag

13.04.2010, 08.15 Uhr

08.30 Uhr

09.00 Uhr

Sonntags, 15.00 Uhr

Samstag

01.05.2010, 10.00 Uhr

14.00 Uhr

20.00 Uhr

anschl.

Sonntag

02.05.2010, 10.00 Uhr

13.00 Uhr

14.00 Uhr

19.00 Uhr

Donnerstag

13.05.2010, 08.15 Uhr

08.30 Uhr

09.00 Uhr

Gebetstag der pensionierten Priester des

Bistums mit Hochwürdigstem Herrn Bischof

Dr. Gregor Maria Hanke

Fatimatag

Beichtgelegenheit

Rosenkranzgebet

Fatimaamt und Festpredigt:

H. H. Pfarrer Norbert Zawilak, Untermässing

Kammermusikabend im Refektorium des

Franziskaneklosters

Kunstwoche „Blaues Ei“

Prof. Hans Peter Reuter

Eröffnung der Kunstwoche (Wallfahrtskirche)

Prof. Hans Peter Reuter

Bläserquartett

Gesprächsrunde mit Prof. Hans Peter Reuter

anschl. gemütliches Beisammensein

im Haus Franziskus

Termine für Schulklassen

Kirchenführungen

Fatimatag

Beichtgelegenheit

Rosenkranzgebet

Fatimaamt und Festpredigt:

H. H. Pfarrer i. R. Franz Schmid, Hilpoltstein

Kirchenführungen

JAHRESPROGRAMM

„Sternwallfahrt“ - Hauptfest des Jubiläums

Kirchenzug v. Marktplatz zur Wallfahrtskirche

Festgottesdienst (Stadtkapelle Freystadt)

Maiandacht (Krippenverein Freystadt)

Jugendvesper mit vocalipur

Jugendabend mit Bands im Festzelt

Festgottesdienst (Blaskapelle Thannhausen)

Kirchenführungen

Kirchenführungen, Kaffee und Kuchen

Konzert der Regensburger Domspatzen *

Fatimatag

Beichtgelegenheit

Rosenkranzgebet

Fatimaamt und Festpredigt:

H. H. Pfarrer Tobias Göttle, Heideck

anschließend Lichterprozession und Schlussandacht

im Freien


Abraham

Zwickelbild am Pfeiler (vorne rechts)

Beichtstuhl

David

300 JAHRE WALLFAHRTSKIRCHE MARIA HILF : JAHRESPROGRAMM

300 JAHRE WALLFAHRTSKIRCHE JAHRESPROGRAMM

Sonntags, 15.00 Uhr

Samstag

12.06.2010

Sonntag

13.06.2010, 18.15 Uhr

18.30 Uhr

19.00 Uhr

Sonntag

20.06.2010, 10.00 Uhr

Sonntags, 15.00 Uhr

Dienstag

13.07.2010, 08.15 Uhr

08.30 Uhr

09.00 Uhr

Mittwoch

14.07.2010, 14.30 Uhr

Sonntag

25.07.2010, 16.00 Uhr

Sonntags, 15.00 Uhr

Freitag

13.08.2010, 08.15 Uhr

08.30 Uhr

09.00 Uhr

Sonntag

15.08.2010, 08.00 Uhr

10.00 Uhr

Sonntag

22.08.2010, 18.00 Uhr

32 *Kartenvorverkaufsstellen siehe Seite 55.

33

JUNI

JULI

AUGUST

Kirchenführungen

Kinderwallfahrt und Kinderkirchenführung

Fatimatag

Beichtgelegenheit

Rosenkranzgebet

Fatimaamt und Festpredigt:

H. H. Kaplan Christoph Wittmann, Greding

Festgottesdienst (Kirchenchor Freystadt)

mit Hochwürdigsten Herrn Bischof

Dr. Gregor Maria Hanke

anschl. Pfarrfest „Peter und Paul“ um die

Wallfahrtskirche

Kirchenführungen

Fatimatag

Beichtgelegenheit

Rosenkranzgebet

Fatimaamt und Festpredigt:

H. H. Pfarrer Jürgen Konert, Thalmässing

„Tag der Kranken“

Gottesdienst mit Krankensalbung in der

Wallfahrtskirche (Kirchenchor Freystadt)

Kurze Führung, anschl. Seniorennachmittag

im Haus Franziskus

Freystädter Konzerttage *

Symphonie Nr. 2 „Lobgesang“

Felix Mendelssohn Bartholdy

Soli, Chor u. Orchester Collegium Noricum

Kirchenführungen

Fatimatag

Beichtgelegenheit

Rosenkranzgebet

Fatimaamt und Festpredigt:

H. H. Pfarrer Roland Seger, Meckenhausen

Gottesdienst zum Fest

„Mariä Aufnahme in den Himmel“ -

„Patrozinium“

Fränkischer Sommer - Kammermusik *

für Klarinette, Gambe und Hammerklavier

C. Leitherer, B. Leitherer, B. M. Willi


Eingangsbereich und Emporen; Georg (l.), Nepomuk (r.)

300 JAHRE WALLFAHRTSKIRCHE MARIA HILF : JAHRESPROGRAMM

300 JAHRE WALLFAHRTSKIRCHE JAHRESPROGRAMM

SEPTEMBER

Sonntags, 15.00 Uhr

Samstag

11.09.2010, 20.00 Uhr

Sonntag

12.09.2010, 10.00 Uhr

Montag

13.09.2010, 08.15 Uhr

08.30 Uhr

09.00 Uhr

Freitag

17.09.2010, 18.30 Uhr

Samstag

02.10.2010 19.00 Uhr

Sonntag

03.10.2010 14.00 Uhr

Mittwoch

13.10.2010, 08.15 Uhr

08.30 Uhr

09.00 Uhr

Samstag

13.11.2010, 08.15 Uhr

08.30 Uhr

09.00 Uhr

34 *Kartenvorverkaufsstellen siehe Seite 55.

35

OKTOBER

NOVEMBER

DEZEMBER

20.00 Uhr

Montag

13.12.2010, 08.15 Uhr

08.30 Uhr

09.00 Uhr

Kirchenführungen

Festkonzert *

Mitglieder der Nürnberger Philharmoniker

Leitung Prof. Reinhard Goebel

Festgottesdienst

mit Bischof von Leitmeritz,

Excellenz Msgr. Jan Baxant

(Männergesangverein Thannhausen)

Fatimatag

Beichtgelegenheit

Rosenkranzgebet

Fatimaamt und Festpredigt:

H. H. Pfarrer i. R. Michael Harrer, Hilpoltstein

„Dekanatswallfahrt“

Lichterkette entlang der Allee

Bewirtung in der Mehrzweckhalle

Orgelkonzert *

Prof. Dr. Edgar Krapp

Franziskusfest

„Tag der Ordensleute des Bistums“

Fatimatag

Beichtgelegenheit

Rosenkranzgebet

Fatimaamt und Festpredigt:

H. H. Kaplan Thomas Eholzer, Hilpoltstein

anschließend Lichterprozession und Schlussandacht

im Freien.

Fatimatag

Beichtgelegenheit

Rosenkranzgebet

Fatimaamt und Festpredigt:

H. H. Kaplan Martin Seefried, Heideck

Kammermusikabend im Refektorium des

Franziskaneklosters

Fatimatag

Beichtgelegenheit

Rosenkranzgebet

Fatimaamt und Festpredigt:

H. H. Pfarrer Peter Tontarra, Allersberg


RAUMSTATION I - PIEROS GEHEIMNIS

Installation von SCHWEBENDES BLAU 1/2/4

in der Kirche St. Elisabeth in Nürnberg, 2006

RAUMSTATION III – BLAU IN KIRCHZARTEN

Installation von SCHWEBENDES BLAU 1/2/4

im Kunstverein Kirchzarten, 2007

RAUMSTATION II – ROTTWEILER BLAU

Installation von SCHWEBENDES BLAU 1/2/4

im Chor des Münsters von Rottweil, 2007

RAUMSTATION IV – WAHNBLAU

Installation von SCHWEBENDES BLAU 1/2/4

im Haus Wahnfried in Bayreuth, 2009

PIEROS GEHEIMNIS

Abstrakte Gemälde oder Skulpturen, so schrieb

der katholische Kunsthistoriker Hans Sedlmayr

vor knapp 30 Jahren, „können in sich gut organisiert

sein, ein hohes Formniveau …, ein eigentümliches

formales Leben, … sie können einen

Reiz, eine Faszination, ja eine Schönheit eigener

Art haben. Nur sollte man sie nicht mit Kunstwerken

verwechseln.“ Er schlage deshalb vor,

sie als „ästhetische Objekte“ zu bezeichnen. So

werde deutlich, dass Kunst es nur am Rande

mit Ästhetik zu tun habe. Ihrem Wesen nach

gehe es ihr um die Beziehung des Menschen zu

Gott, weshalb ihr eigentlicher Platz auch nicht

das Museum, sondern die Kirche sei.

Kollegen und Kritiker schüttelten verständnislos

den Kopf über den unverbesserlichen Reaktionär.

Eine Diskussion fand nicht statt. Warum

auch – Ende der 70er Jahre waren die Theorieschlachten

um die Moderne Kunst ja längst

zu seinen Ungunsten entschieden.

Obwohl die Bezeichnung „ästhetisches Objekt“

heute längst nicht mehr als ehrenrührig gilt, gilt

das Verhältnis von Kunst und Kult nach wie vor

als problematisch. Kein Wunder, ist doch das

Museum ein Ort, der, will er seiner Bestimmung

gerecht werden, alles Sakrale unweigerlich in

Profanes verwandeln muss. Ist ein Kultbild erst

einmal in den Ausstellungsraum überführt, wird

es per definitionem zu autonomer „Kunst“, d.h.

zu einem Objekt, vor dem man allenfalls eine

ästhetische, keinesfalls jedoch eine religiöse

Andacht verrichtet. Dabei gehört zu den unausgesprochenen

Glaubenssätzen der Moderne,

dass man dem künstlerischen Wert im Zweifelsfall

Vorrang vor dem kultischen einzuräumen

habe.

300 JAHRE WALLFAHRTSKIRCHE MARIA HILF : PIEROS GEHEIMNIS

Kunst und Kult

Zu Hans Peter Reuters Installation PIEROS GEHEIMNIS

Die Forderung, Kathedralen außerhalb der Liturgie

wie öffentliche Museen zu behandeln,

weil sie schließlich „Kulturerbe“ enthielten, ist

uns weitgehend selbstverständlich. Wer umgekehrt

auf die Idee käme, vor einer Madonna in

der Pinakothek niederzuknien, würde schnell

feststellen, dass man im Andachtsraum der

Kunst für derartige Timesharing-Modelle wenig

Verständnis aufbringt. Als Ort der (ästhetischen)

Wandlung scheint das Museum die Kirche inzwischen

eindeutig abgehängt zu haben.

Um so interessanter ist es auszuprobieren, was

geschieht, wenn Kunst aus der Präsentationsstätte

des Museums herausgenommen und

stattdessen in den liturgischen Kontext eines

Sakralraums integriert wird. Dabei stellt sich

nämlich in aller Regel heraus, dass der Ort des

religiösen Kultus keineswegs geringere Wandlungs-

und Aneignungskräfte besitzt als sein

ästhetisches Pendant. Die Grenzen zwischen

beiden Sphären sind offenbar alles andere als

undurchdringlich. Dass diese Kräfte in dem

Maße zunehmen, in dem der liturgisch genutzte

Raum seinerseits nach genuin ästhetischen

Kriterien gestaltet, sprich: selbst Resultat einer

künstlerischen Inszenierung ist, spricht jedenfalls

weniger für radikale Differenz als vielmehr

für grundlegende Affinität.

36 37


PIEROS GEHEIMNIS

Hans Peter Reuters Installation „PIEROS GE-

HEIMNIS“ ist dafür ein gutes Beispiel.

Als der Künstler sein dreidimensionales, sphärisches

Objekt „SCHWEBENDES BLAU“ über dem

Altar der Nürnberger Kirche St. Elisabeth installierte,

trafen zwei denkbar unterschiedliche

Gestaltungswelten aufeinander: Barockisierende

Überwältigungsarchitektur und monochrome

Reduktion – größer hätte die künstlerische Differenz

eigentlich kaum ausfallen können.

Der riesige, von 40 monumentalen Säulen eingefasste

Innenraum, mit der an das römische

Pantheon erinnernden Kuppel über einem von

Figurennischen gegliederten Tambour, wurde

Ende des 18. Jahrhunderts geplant, erhielt aber

erst Anfang des 20. Jahrhunderts seine heutige

Gestalt.

Dass man sich dabei seinerzeit für einen ausgesprochen

traditionalistischen, neobarocken

Entwurf entschied, dessen Formprinzip sich aus

zahlensymbolischen Bezügen ableitete, statt an

die avancierteren Positionen der Baukunst um

die Jahrhundertwende anzuschließen, mag man

aus stilkritischer Perspektive als epigonal und

aus architekturhistorischer Sicht als anachronistisch

empfinden. Tatsächlich aber entfaltet der

Bau eine derart eindrucksvolle Raumwirkung,

dass derartige Kategorien schlichtweg ins Leere

laufen: Dass der Raum „funktioniert“ muss man

nicht beweisen, man muss ihn nur betreten.

Genau diese Qualität ist es, die auch Hans Peter

Reuters Arbeit „SCHWEBENDES BLAU“ auszeichnet.

300 JAHRE WALLFAHRTSKIRCHE MARIA HILF : PIEROS GEHEIMNIS

// Fortsetzung

Dabei entwickelt sich die Wirkung in diesem

Fall nicht aus Monumentalität und Fülle, sondern

aus der konzentrierten Leuchtkraft eines

vergleichsweise winzigen Kerns, dessen Grenzen

von einem vibrierenden Farbraum aus Ultramarin

überstrahlt werden. Auch in diesem Fall

bringt es wenig, sich der Arbeit mit dem begrifflichen

Instrumentarium der Kunstgeschichte zu

nähern. Die weitaus meisten Kategorien, mit deren

Hilfe man normalerweise zeitgenössischer

Kunstproduktion beizukommen versucht, gleiten

an dem schieren Faszinosum des leuchtend

blauen Objekts einfach ab. Zwar lassen sich

auch hier vielfältige historische und semantische

Bezüge ermitteln. So ist die vermeintlich

natürliche Form des sphärischen Objekts und

der seine Oberfläche gliedernden Quadrate alles

andere als ein Naturprodukt, sondern vielmehr

Resultat einer aufwendigen Rechenoperation

und schließt so an das zahlensymbolische Konstruktionsverfahren

von St. Elisabeth an. Doch

dass die Arbeit funktioniert, teilt sich auch in

diesem Fall ohne reflexive Umwege und hermeneutischen

Handreichungen unmittelbar mit.

Wer Objekt und Raum vor der Installation jeweils

für sich gesehen hatte, konnte sich ausmalen,

dass beide gemeinsam eine eindrucksvolle

ästhetische Wirkung entfalten würden.

Dass dieser Gewinn an Schönheit von vielen

Teilnehmern der Osterliturgie auch in spiritueller

Hinsicht als bereichernd empfunden wurde,

war dagegen nicht vorherzusehen, bestätigt

aber den Verdacht, dass Kunst und Kultus noch

immer mehr miteinander zu tun haben, als die

kanonische Geschichte von der Autonomie der

Modernen Kunst das wahrhaben möchte.

Christian Demand

RAUMSTATION I - PIEROS GEHEIMNIS

Installation von SCHWEBENDES BLAU 1/2/4 in der Kirche St.

Elisabeth in Nürnberg, 2006

38 39

Das Kunstobjekt schwebte in drei Meter Höhe über dem

zentralen Altar in dem über 40 Meter hohen Kuppelbau.


Raumstation V (MARIENBLAU, 2010), Simulation

300 JAHRE WALLFAHRTSKIRCHE MARIA HILF : PIEROS GEHEIMNIS

PIEROS GEHEIMNIS IN DER WALLFAHRTSKIRCHE

Raumstation V (MARIENBLAU, 2010) ist zur Dreihundert-Jahr-Feier

der Wallfahrtskirche Maria

Hilf in Freystadt geplant. Die Wallfahrtskirche ist

ein beeindruckender Zentralbau, der um 1700

errichtet wurde. An der künstlerischen Innenaustattung

war neben den Italienern Viscardi

und Appiani auch Georg Asam beteiligt. Dies

bringt eine weitere, neu Raumkonstellation in

die Versuchsanordnung ein. Der barocke Farb-

und Raumklang unterscheidet sich völlig von

den vorausgegangenen Stationen.

Das Kunstobjekt wird in etwa sechs Meter Höhe

über dem Altar und der schönen Marienfigur

schweben. Diese Himmelfahrt Mariens, umgeben

von neun Engeln, ist die bildhauerische

Komposition von Hans Osel aus dem Jahr 1957.

Sie spielt bei dieser RAUMSTATION eine wichtige

Rolle, da sie eines der seltenen Beispiele

für eine Figurengruppe aus den fünfziger Jahren

des zwanzigsten Jahrhunderts ist, die ich

künstlerisch überzeugend und noch dazu richtig

schön finde. Sie kommt mit 50 Jahren Abstand

dem Kunstobjekt SCHWEBENDES BLAU 1/2/4 zeitlich

am nächsten.

Hans Peter Reuter

40 41


Musikalische Leitung

Reinhard Goebel

Sopranistin

Heidi Elisabeth Meier

Soloflötist der

Nürnberger Philharmoniker

Dr. Jörg Krämer

300 JAHRE WALLFAHRTSKIRCHE MARIA HILF : FESTKONZERT

FESTKONZERT

MITGLIEDER DER NÜRNBERGER PHILHARMONIKER

Zum 300-jährigen Bestehen der Wallfahrtskirche

„Maria Hilf“ in Freystadt findet am 11.

September 2010 um 20.00 Uhr ein Festkonzert

mit Mitgliedern der Nürnberger Philharmoniker

unter der Leitung von Reinhard Goebel, einem

Spezialisten für Alte Musik, statt.

Schon von Neumarkt (Oberpfalz) auf der Fahrt

dorthin wird der Besucher vom Anblick des „barocken

Himmels“ überwältigt. Der sakrale Bau

ist eine Perle in der bayerischen Barockkunst,

die sich vor den Toren der Stadt Freystadt so

herrlich präsentiert. Sie ist das einzige Kunstdenkmal

des Landkreises von weit überregionaler

Bedeutung.

Erbaut wurde sie nach den Plänen von Giovanni

Antonio Viscardi in den Jahren 1700 bis 1710 im

Auftrag von Ferdinand Lorenz Graf Tilly. Alle, die

damals Rang und Namen hatten, waren am Bau

beteiligt. Die Stuckaturen stammen von Pietro

Francesco Appiani, die Ausmalung von Hans Georg

Asam mit Unterstützung seiner Söhne Cosmas

Damian und Egid Quirin.

Die Fresken aus dem Marienleben sind ein Abbild

der Pracht des Himmels auf Erden.

in der Wallfahrtskirche „Maria Hilf“

Samstag, 11.09.2010, 20.00 Uhr

Christoph Willibald Gluck: Motetten „Almae sedes laeta pacis“ & „Voces cantate“

für Sopran und Orchester

Jean Paul Egide Martini: Sinfonie in D-Dur

Giovanni Battista Martini: Konzert für Flöte und Orchester in G-Dur

Johann Christoph Vogel: Sinfonie in D-Dur

Unter der hohen lichterfüllten Kuppel, die den

Innenraum beherrscht, werden zur Erinnerung

an die Kirchenweihe am 3. September 1710

durch den Weihbischof Johann Adam Nieberlein

aus Eichstätt Werke von Christoph Willibald

Gluck (1714– 1787), Jean Paul Egide Martini

(1741–1816), Giovanni Battista Martini, genannt

Padre Martini, (1706–1784) und Johann Christoph

Vogel (1756–1788) aufgeführt.

Es wurde ein außergewöhnliches Konzertprogramm

mit musikalischen Entdeckungen und

Raritäten von Komponisten aus der Oberpfalz

und aus Franken ausgewählt. Eine Ausnahme

bildet Padre Martini aus Bologna, der für Christoph

Willibald Gluck musikalischer Ratgeber und

Freund war.

Von Christoph Willibald Gluck, im nahen Erasbach

bei Berching geboren, erklingen anlässlich

des Jubiläums die lateinischen Motetten

„Almae sedes laeta pacis“ und „Voces cantate“ in

seiner Vertonung (gesonderter Beitrag von Prof.

Dr. Gerhard Croll).

Die Sopranistin Heidi Elisabeth Meier wird den

solistischen Part übernehmen. Mit ihrer brillanten

Koloraturtechnik hat sie sich weltweit einen

Namen gemacht.

42

Wir bedanken uns für die freundliche

Unterstützung bei den Sponsoren

Nürnberger Versicherungsgruppe AG und Infowerk AG.

43


Christoph Willibald Gluck

Jean Paul Egide Martini

Padre Giovanni Battista Martini

300 JAHRE WALLFAHRTSKIRCHE MARIA HILF : FESTKONZERT

FESTKONZERT

MITGLIEDER DER NÜRNBERGER PHILHARMONIKER // Fortsetzung

Eine Sinfonie in D-Dur von Jean Paul Egide Martini

ist ein weiterer Programmpunkt des Abends.

Johann Paul Ägidius Martin wurde in Freystadt

als Sohn des Lehrers Andreas Martin geboren.

Bereits mit elf Jahren Organist versah er während

seiner Schulzeit am Jesuitenseminar in

Neuburg an der Donau den Dienst des Organisten.

Über Freiburg und Nancy, dort nannte er

sich „Martini il Tedesco“, kam er nach Paris. Mit

Opernkompositionen und Militärmusik erzielte

er größte Erfolge, die ihm 1788 den Titel „Surintendant

de la musique du roi“ einbrachten. Als

Hofmusiker mit Zuständigkeit für Kirchenmusik

komponierte er nun auch geistliche Werke.

Politische Unruhen (Französische Revolution)

führten dazu, dass Martini all seine Ämter verlor.

Erst 1814 erhielt er seine bisherige Stelle als

Surintendant wieder zurück.

Sein letztes Werk war ein Requiem zu Ehren

des hingerichteten Königs Ludwig XVI. Martini

starb in Paris und wurde auf dem Friedhof Père-

Lachaise begraben.

Sein Namensvetter Giovanni Battista Martini, berühmt

unter dem Namen Padre Martini, gehörte

den Minoritenorden an. Er galt in musikalischen

Fragen als höchste Instanz und korrespondierte

mit namhaften Musikern und Gelehrten. Johann

Christian Bach und der junge Wolfgang Amadeus

Mozart gehörten zu seinen Schülern Vicente

Martin y Soler, Christoph Willibald Gluck und

weitere Komponisten suchten seinen Rat und

kamen zu ihm nach Bologna.

Neben geistlicher Musik komponierte er auch

zahlreiche Instrumentalstücke, u. a. auch Werke

für Flöte. Sein Konzert für Flöte und Orchester

in G-Dur wird von Dr. Jörg Krämer, Soloflötist der

Nürnberger Philharmoniker, Musikwissenschaftler

und Mitglied der IGG, ausgeführt.

Der 1756 in Nürnberg geborene Johann Christoph

Vogel erhielt sein Rüstzeug während seiner

Zeit als Mitglied der Thurn und Taxisschen

Hofkapelle in Regensburg durch Joseph Riepel

und danach in Paris durch Christoph Willibald

Gluck. Seine Kompositionen stehen eindeutig in

der Nachfolge des Opernreformers, der für Vogel

ein großes Vorbild war. Gluck und auch Antonio

Salieri waren von seinem dramatischen Talent

überzeugt.

Am 3. August 1787 sandte Gluck ein Schreiben

nach Paris an J. Chr. Vogel und bedankte sich für

die Zueignung von Vogels Oper „La toison d’or“.

Von Vogel gibt es u. a. drei um 1784 publizierte

Sinfonien. Im Festkonzert dirigiert Reinhard

Goebel die Sinfonie in D-Dur.

Mit Reinhard Goebel am Pult wurde ein Künstler

gewonnen, der für seine exemplarischen Interpretationen

vertrauter und unbekannter Musik

des 17. und 18. Jahrhunderts den Staatspreis

des Landes Nordrhein-Westfalen erhielt.

Dem breiten Publikum ist er als Gründer des

Ensembles „Musica Antiqua Köln“ bekannt.

In der letzten Zeit widmet er sich dem Dirigieren

fremder Orchester, auch mit modernem Instrumentarium,

um diese mit der Klangwelt des

18. Jahrhunderts vertraut zu machen. Es gelingt

ihm fürwahr!

Gerne erinnern wir uns an das von ihm geleitete

Galakonzert „Gluck in Paris“ anlässlich der Internationalen

Gluck-Opern-Festspiele Nürnberg

am 7. März 2008. Die Nürnberger Philharmoniker

zeigten wie so oft, dass sie ein wirkliches

Spitzenorchester von höchster Qualität in der

Metropolregion Nürnberg und in Bayern sind.

Marie Luise Karl

44 45


# #

Kuppel, Wallfahrtskirche Maria Hilf

300 JAHRE WALLFAHRTSKIRCHE MARIA HILF : FESTKONZERT

CHRISTOPH WILLIbALD GLUCK

„Almae sedes laeta pacis“ & „Voces cantate“

Zwei lateinische ‚Motetten‘ mit „Musik von Gluck“

In der Abteilung „Kirchenmusik“ findet sich

in den bisher vorliegenden Verzeichnissen der

Werke von Christoph Willibald Gluck nur wenig:

Neben dem De profundis clamavi - für vierstimmigen

Chor, sechs solistisch besetzte Bläser

(Oboe, Fagott, Horn und drei Posaunen), Streicher

(ohne Violinen!) und Orgel - wird nur eine

Motette Alma(!) sedes angeführt, beide in zeitgenössischen

Drucken überliefert.

Darüber hinaus finden sich Hinweise auf verschollene

Kompositionen des 8. und 50. Psalms

und auf eine (unbekannt große) Zahl geistlicher

Parodien aus seinen Opern, darunter auch eine

Messa funebre (1784) mit Musik der italienischen

Alceste.

Umso erfreulicher die Ankündigung einer Aufführung

der genannten „Motette“ im Rahmen

eines Festkonzerts zur 300-Jahrfeier der Wallfahrtskirche

„Maria Hilf“ in Freystadt in der

Oberpfalz, Glucks Heimat. (vgl. den Beitrag von

Marie Luise Karl). Überliefert ist sie – zusammen

mit einer zweiten lateinisch textierten Komposition

– unter Glucks Namen („Par Monsieur

le Chevalier Glouk“) in einem bei Lemarchand

in Paris erschienenen Stimmen-Druck, der im

Verzeichnis der im Druck erschienenen Werke

Glucks „vor 1779“ datiert ist.

Dass es sich um eine (geistliche) Parodie einer

Ariette aus der anlässlich des Besuchs von

Erzherzog Maximilian in Versailles Anfang 1775

aufgeführten Opéra comique L’arbre enchanté

(2. Fassung) von Gluck handelt, wurde von Lemarchand

tunlichst verschwiegen und blieb un-

Jedenfalls ist das im genannten Druck als „Motette“

bezeichnete liebenswerte Stück eine

lateinisch-geistlich textierte Bearbeitung der

‚Ariette‘ (Nr. 6) des Lubin („Du jeune objet que

j’adore“) aus der 3. Szene dieser Opéra comique

und gehört demzufolge nicht in die – nun noch

spärlicher besetzte – Abteilung ‚Kirchenmusik‘

des Gluck‘schen Oeuvres.

Der mit Gluck – nicht ohne dessen eigenes Verschulden

– damals bereits zerstrittene Verleger

Lemarchand hat sich offensichtlich den Namen

des in Paris gefeierten Komponisten zunutze

gemacht. Er pries auf dem Drucktitel die Komposition

– ohne die Herkunft aus Glucks Opéra

comique zu erwähnen – als ein von Gluck „in

einem ganz neuen Genre“ komponiertes Werk

an und fügte noch eine Widmung „aux Monasteres

qui ont Pensionnaires“ hinzu, wohl um

noch mehr Aufmerksamkeit (und Abnehmer) zu

finden, in Klosterschulen vor allem, die er zuvor

mit einer Veröffentlichung derselben Musik mit

dem ‚originalen‘ französisch-weltlichem Text

nicht erreicht hatte.

Gluck selbst hat auf Lemarchands Veröffentlichung

der lateinischen Bearbeitung seiner

französischen Ariette nicht reagiert, zumindest

nicht öffentlich. Verärgert über Lemarchands

selbstherrliche verlegerische Praxis mit der ihm

anvertrauten Partitur seiner Opéra comique

L’arbre enchanté, hatte Gluck schon im Sommer

1776 erklärt, er wolle „niemahl mehr von Ihme

(Lemarchand) Etwas hören.“

seres Wissens bisher unbemerkt.

46 47


Chorgallerie

Allegorische Darstellung

Gesimse

Auch die zweite von Lemarchand in dem ein-

gangs genannten Stimmen-Druck veröffentlichte

Komposition Voces cantate (sie wird in

den Gluck-Werkverzeichnissen nicht genannt)

ist keine originale Kirchenmusik von Gluck. Es

handelt sich – auch das blieb bisher unbemerkt

- um Nr. 11 aus der zweiten Szene des zweiten

Aktes in Glucks letztem Beitrag zur Opéra comique

in Wien, La rencontre imprévue, die Arie

des Ali „Vous resemblez à la rose naissante“.

In Verbindung mit dem Namen des Sängers dieser

Partie bei der Wiener Erstaufführung (1764),

Monsieur Godard, war diese Arie schon kurz danach

ebenfalls bei Lemarchand in Paris im Klavierauszug

erschienen, als letzte von sechs Airs

aus La rencontre imprévue.

In beiden Pariser Ausgaben finden sich Änderungen

gegenüber der Wiener „Urfassung“ vor

allem in der Singstimme. Hier sind die häufigen

punktierten („lombardischen“) Rhythmen besonders

auffallend, aber auch eingefügte Triller,

Triolen und kantabel ausgestufte große Intervallsprünge,

offensichtlich sogenannte Sängermanieren,

die sehr wahrscheinlich auf Godard

zurückzuführen sind, der nachweislich in Paris

dem Verleger Lemarchand zur Seite stand, so

dass mit guten Gründen anzunehmen ist, dass

wir hier Auszierungen der Singstimme in zeitgenössischer

(und von Gluck sanktionierter?)

Aufführungspraxis vor uns haben.

300 JAHRE WALLFAHRTSKIRCHE MARIA HILF : FESTKONZERT

CHRISTOPH WILLIbALD GLUCK

„Almae sedes laeta pacis“ & „Voces cantate“

Zwei lateinische ‚Motetten‘ mit „Musik von Gluck“ // Fortsetzung

In beiden Pariser Ausgaben finden sich Änderungen

gegenüber der Wiener „Urfassung“ vor

allem in der Singstimme. Hier sind die häufigen

punktierten („lombardischen“) Rhythmen besonders

auffallend, aber auch eingefügte Triller,

Triolen und kantabel ausgestufte große Intervallsprünge,

offensichtlich sogenannte Sängermanieren,

die sehr wahrscheinlich auf Godard

zurückzuführen sind, der nachweislich in Paris

dem Verleger Lemarchand zur Seite stand, so

dass mit guten Gründen anzunehmen ist, dass

wir hier Auszierungen der Singstimme in zeitgenössischer

(und von Gluck sanktionierter?)

Aufführungspraxis vor uns haben.

Die in Alis Air hervortretende Soloflöte findet

sich auch in der Bearbeitung als lateinisch textierte

Motette Voces cantate. Die Ali-Arie erfreute

sich offensichtlich besonderer Beliebtheit:

Sie ist in mehreren Drucken und Handschriften

des 18. und frühen 19. Jahrhunderts überliefert,

auch mit deutschem Text („Schönste, dein

Reiz“) und mit dem Vermerk „Gesungen von

Hrn. Adamberger“ (Mozarts erster Belmonte);

Gluck selbst soll sie, wie glaubwürdig überliefert

ist, deutsch textiert an die Freundin Klopstocks

geschickt haben.

Beide ‚Motetten‘ mit lateinisch-geistlichen Texten

sind mit der von Gluck komponierten ‚weltlichen‘

Musik eine schöne Bereicherung für besondere

Konzertprogramme.

48 49

Gerhard Croll


DIE REGENSbURGER DOMSPATZEN

Domchor mit tausendjähriger Geschichte

Die Regensburger Domspatzen gibt es seit über

tausend Jahren. Bischof Wolfgang gründete im

Jahr 975 eine eigene Domschule, die neben

dem allgemeinbildenden Unterricht besonderen

Wert auf die musikalische Ausbildung legte. Den

Schülern war der liturgische Gesang in der Bischofskirche

übertragen. Mitte des 19. Jahrhunderts

leitete Domkapellmeister Joseph Schrems

eine neue Blütezeit ein. Doch erst Dr. Theobald

Schrems machte Regensburger Domspatzen seit

den 30er Jahren des 20. Jahrhunderts weltberühmt.

In seiner knapp 40-jährigen Tätigkeit als Domkapellmeister

von 1924 bis 1963 baute Schrems

die Konzerttätigkeit des Chores zielstrebig aus,

ohne den liturgischen Dienst im Dom St. Peter

zu vernachlässigen. Das Musikgymnasium

der Regensburger Domspatzen, ein staatlich

anerkanntes Gymnasium, seit dem Schuljahr

2004/2005 als Musisches Gymnasium im G8

(achtklassiges Gymnasium), sowie ein Internat

in Regensburg und eine Tages- und Internatsgrundschule

für die Grundschulklassen 1. – 4.

vor den Toren der Stadt, sind das Lebenswerk

von Theobald Schrems.

Von 1964 – 1994 leitete Georg Ratzinger, der

Bruder von Papst Benedikt XVI., den berühmten

Knabenchor. Er unternahm mit dem Chor jedes

Jahr eine ausgedehnte Tournee durch ganz

Deutschland. Die großen Auslandsreisen führten

die Domspatzen 1984 und 1987 in die USA

und 1988 nach Ungarn und Japan. 1991 und 1994

wurden die Verbindungen mit Ostasien weiter

ausgebaut. Der Chor war Gast in Japan, Taiwan,

Hongkong und Korea. Es folgten Auslandsreisen

nach Ungarn, Tschechien und Polen.

300 JAHRE WALLFAHRTSKIRCHE MARIA HILF : REGENSBURGER DOMSPATZEN

Seit Sommer 1994 liegt die Leitung der Regensburger

Domspatzen in den Händen von Roland

Büchner, vorher Stiftskapellmeister in Altötting

und Dozent für Orgel und Chorleitung an der

Fachakademie für kath. Kirchenmusik und Musikerziehung

Regensburg. Unter seiner Leitung

konzertierte der Chor bereits dreimal in Japan

(1998, 2000 und 2004) und unternahm Auslandstourneen

nach Italien, Ungarn, Schottland,

auf die Philippinen und nach Frankreich sowie

Südafrika. Für seine Verdienste um den Chor

erhielt Roland Büchner im Jahr 2004 den Kulturpreis

der Stadt Regensburg. Er ist verheiratet

und Vater von vier Kindern.

Das eigene Musische Gymnasium erleichtert die

Abstimmung mit den musikalischen Aufgaben.

In den meisten Klassen sitzen nicht mehr als

25 Schüler. Die Sprachenfolge umfasst Latein

oder Englisch in der 5. Klasse, dann Englisch

oder Latein in der 6. Klasse. Ab der 10. Klasse

ist die Möglichkeit gegeben, Französisch im

Austausch mit einer bisherigen Fremdsprache

zu lernen. Zur Schulausbildung gehört auch der

kostenlose Unterricht an mindestens einem Instrument.

Über 500 Schüler besuchen im Schuljahr

2009/2010 das Gymnasium. Davon wohnen

240 im angeschlossenen Internat, 135 Buben

nehmen das Angebot der Ganztagesbetreuung

wahr. Die jüngeren „Spatzen“ erledigen ihre

Hausaufgaben unter der Betreuung fachkundiger

Erzieher. Die „Großen“ lernen auf ihren

Zimmern, die Abiturienten haben Einzelzimmer.

Für die Gestaltung der Freizeit stehen ein eigenes

Hallenbad, eine Turnhalle, ein Sportplatz,

ein Fitnessraum und mehrere Freizeiträume zur

Verfügung. Das Internat wird von einem katholischen

Priester geleitet.

50 51


DIE REGENSbURGER DOMSPATZEN

Domchor mit tausendjähriger Geschichte

Die Internatsvolksschule der Domspatzen liegt

15 km nordwestlich in Pielenhofen, im landschaftlich

reizvollen Naabtal. Schule und Internat

mit ihren Sport- und Spielplätzen erinnern

an ein Landschulheim, in dem das pädagogisch

Notwendige eine Verbindung mit den Annehmlichkeiten

einer schönen Umgebung eingeht. In

Pielenhofen finden Schüler der Volksschuljahrgänge

1 bis 4 mit den entsprechenden Voraussetzungen

Aufnahme. Unterricht und tägliche

Singstunden dienen der Vorbereitung für das

Musikgymnasium und den Chor der Regensburger

Domspatzen. Jeder Schüler erhält schon hier

eine Instrumentalausbildung, entweder für Klavier

oder für Violine.

Der Eintritt zu den Regensburger Domspatzen

ist entweder in der 1., 2., 3. oder 4. Klasse in

Pielenhofen oder direkt in das Musikgymnasium

in Regensburg ab der 5. Klasse möglich.

// Fortsetzung

Das umfangreiche musikalische Repertoire

der Regensburger Domspatzen reicht von den

ältesten Gesängen der Kirche, dem Gregorianischen

Choral, über die Vokalpolyphonie des

16. Jahrhunderts mit Werken Palestrinas, Lassos

und Hasslers, den Barock und die Romantik

bis hin zum Volkslied und Werken zeitgenössischer

Komponisten. Einmal im Jahr kommt

ein größeres oratorisches Werk mit namhaften

Orchestern und Solisten zur Aufführung (z. B.

Bach: „Johannes-Passion“, „Matthäus-Passion“;

Händel: „Messias“; Haydn: „Die Schöpfung“; F.

Mendelssohn Bartholdy: „Elias“ u. a. mit der

Akademie für Alte Musik Berlin, Concerto Köln

oder dem L’Orfeo Barockorchester). Regelmäßig

treten die Domspatzen auch im Rundfunk und

Fernsehen auf. Viele Schallplatten- und CD-Aufnahmen

sind erschienen.

Die Hauptaufgabe der Regensburger Domspatzen

liegt jedoch nach wie vor in der liturgischen

Gestaltung der Gottesdienste im Regensburger

Dom. Jeden Sonntag singen sie beim Hochamt

Gregorianischen Choral sowie mehrstimmige

Messen und Motetten. Besonders eindruckvoll

werden die kirchlichen Hochfeste von den Regensburger

Domspatzen gestaltet.

Christof Hartmann

52 53


SPONSOREN

Wir bedanken uns für die freundliche Unterstützung bei

NÜRNBERGER VERSICHERUNGSGRUPPE AG, Nürnberg

INFOWERK AG, Nürnberg

SOLEMEDIA GBR MEDIEN.AGENTUR, Freystadt

VÖLKL OFFSETDRUCK, Freystadt

Lorenz Winter (Titelbild), Heideck

Ludwig Kellendorfer GmbH Malerfachbetrieb, Freystadt

Raiffeisenbank Freystadt-Berching-Mühlhausen, Freystadt

Sparkasse Neumarkt-Parsberg, Freystadt

SRE Sachs Regenerative Energie GmbH, Freystadt

Geiger H. GmbH

Haas Josef, Freystadt

KW Energie Technik e. K., Freystadt

Gruber GmbH Heizung u. Sanitär, Freystadt

Karl Eichinger Optic Art, Freystadt

Hotel Gasthof Johannes Pietsch,Freystadt

Landpartie Hofladen und Klosterschänke am Franziskanerkloster, Freystadt

Friedhelm Lindemann

KARTENVORVERKAUF / PREISE

Aktuelle Informationen, Termine, Vorverkaufstellen

und Preise finden Sie unter

www.kirche-freystadt.de.

300 JAHRE WALLFAHRTSKIRCHE MARIA HILF : SPONSOREN/INFO/IMPRESSUM

Regensburger Domspatzen

02.05.2010, 19.00 Uhr

Eintritt 10,- EUR

Karten bei

Sparkasse-Ticket-Service,

Neumarkt: 09181 / 21 01 10

Kulturamt/Tourist-Info,

Neumarkt: 09181 / 25 51 25

Stadt Freystadt: 09179 / 94 90 12

stefanie.engelman@freystadt.de

Freystädter Konzerttage

25.07.2010, 16.00 Uhr

Eintritt 18,- / ermäßigt 16,- EUR

Karten bei

Sparkasse-Ticket-Service,

Neumarkt: 09181 / 21 01 10

Fränkischer Sommer

22.08.2010, 18.00 Uhr

Eintritt 26,- / ermäßigt 18,- EUR

Karten unter/bei

www.fraenkischer-sommer.de

Kulturreferat des Bezirks Mittelfranken

Tel. 0981-466 450 11

Fax. 0981- 466 459 98

Organisationsbüro Fränkischer Sommer

Tel. 09123-954 493 1(O)

Fax. 09123-954 493 0

AKUT Ansbach

Tel. 0981-512 43

Festkonzert

Mitglieder der Nürnberger Philharmoniker

11.09.2010, 20.00 Uhr

Eintritt 15,- EUR

Karten bei

Sparkasse-Ticket-Service,

Neumarkt: 09181 / 21 01 10

Kulturamt/Tourist-Info,

Neumarkt: 09181/ 25 51 25

Stadt Freystadt: 09179 / 94 90 12

stefanie.engelman@freystadt.de

Orgelkonzert

02.10.2010, 19.00 Uhr

Eintritt Frei

54 55


56

Impressum

Veranstalter und Herausgeber

Gesellschaft zur Förderung der Wallfahrtskirche Maria Hilf

in Freystadt i.d.Opf. e.V.

V. i. S. d. P.

Pater Amadeus Buchtzik

Gestaltung

solemedia GbR medien.agentur

92342 Freystadt

Schwallgasse 14

www.solemedia.de

Druck

Völkl Offsetdruck

92342 Freystadt

Frettenshofen 36

www.voelkl-druck.de

Bildnachweis

Titelbild, © Lorenz Winter, Heideck

S. 42, Portrait Reinhard Goebel, © Christina Bleier

S. 42, Portrait Heidi Elisabeth Meier, © Thomas Dashuber

S. 42, Portrait Dr. Jörg Krämer, © Privat

S. 42, Nürnberger Philharmoniker, © Ludwig Olah

S. 6-12, 16, 19-20, 24-29, 32-34, 46-48, 53, © Walter R. Steiner

S. 26,27, Pater Amadeus

S. 17, 18 , 22, 30, © Wolfgang Lorenz Zellner

S. 14, 48, © Dr. Hansjörg Widler

S. 21, Staatsarchiv Amberg

S. 4, Kunstdenkmäler d. Königreich Bayerns

S. 36-41, © Hans Peter Reuter

S. 50-52, © Regensburger Domspatzen

Weitere Magazine dieses Users
Ähnliche Magazine