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a k t u e l l - Schweizer Luftwaffe - admin.ch

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<strong>S<strong>ch</strong>weizer</strong>is<strong>ch</strong>e Eidgenossens<strong>ch</strong>aft<br />

Confédération suisse<br />

Confederazione Svizzera<br />

Confederaziun svizra<br />

<strong>S<strong>ch</strong>weizer</strong> Armee I<br />

Armee<br />

Z e i t s c h r i f t d e r s c h w e i Z e r L u f t w A f f e<br />

a k t u e l l<br />

I I 1 2007<br />

Lw ri<strong>ch</strong>tstrAhLAbteiLung 4<br />

einsAtZ im ho<strong>ch</strong>gebirge<br />

15 | ein meiLenstein:<br />

10 Jahre F/a-18 in der <strong>S<strong>ch</strong>weizer</strong> LuFtwaFFe<br />

18 | Übung beLugA 2007:<br />

ereigniSFLug auF dem miLitÄrFLugPLatz<br />

SiOn<br />

28 | einsAtZfÜhrung in der LuftwAffe:<br />

Permanent im biLd über LuFtLage und<br />

reSSOurcen


Inhalt Juni 2007<br />

3 Te<strong>ch</strong>nis<strong>ch</strong>er Dienst auf hohem Niveau<br />

5 Den Wetterfrös<strong>ch</strong>en über die S<strong>ch</strong>ulter ges<strong>ch</strong>aut:<br />

Rekrutenausbildung im LVb Fulw 34<br />

8 Time-Management in Perfektion: Der neue Chef Einsatz im LVb FULW 34<br />

9 Comic<br />

10 LW Ri<strong>ch</strong>tstrahlabteilung 4<br />

15 10 Jahre F/A-18 „Hornet“<br />

in der <strong>S<strong>ch</strong>weizer</strong> <strong>Luftwaffe</strong><br />

A1 Die Vision der <strong>S<strong>ch</strong>weizer</strong> Armee<br />

A2 Ein Kompass für die <strong>S<strong>ch</strong>weizer</strong> Armee: Neue Vision und Strategie<br />

A4 Armeetage 2007 in Lugano<br />

A6 Militäris<strong>ch</strong>e Kaderausbildung – einfa<strong>ch</strong> erklärt<br />

A8 Das neue Ausbildungsmodell XXI/08: Längere praktis<strong>ch</strong>e Führungserfahrung<br />

A9 Ein Beruf in der Armee – warum ni<strong>ch</strong>t?<br />

A10 Der Bundesrat wählt Roland Nef zum neuen Chef der Armee.<br />

A11 Militäris<strong>ch</strong> ausgerüstet – vom Béret bis zu den Kampfstiefeln:<br />

Was gehört heute zur persönli<strong>ch</strong>en Ausrüstung eines AdA?<br />

A14 Mit Taugli<strong>ch</strong>keit und Wehrwillen der Stellungspfli<strong>ch</strong>tigen geht es aufwärts<br />

A16 Gesu<strong>ch</strong>t: Truppenri<strong>ch</strong>terinnen und -ri<strong>ch</strong>ter<br />

A18 Dur<strong>ch</strong>diener bei der <strong>Luftwaffe</strong> helfen auf dem Flughafen Bern-Belp<br />

A20 Diese Checklisten helfen Ihnen bei der Vorbereitung Ihres nä<strong>ch</strong>sten WK<br />

A21 Eingeteilt in die Reserve der Armee: Was heisst das konkret?<br />

A22 Das Rüstungsprogramm 2007<br />

A24 Das VBS an der Zür<strong>ch</strong>er Herbstmesse Züspa<br />

17 Neues Verbindungsflugzeug Bee<strong>ch</strong> 1900 D<br />

18 Übung BELUGA 07 in Sion<br />

22 Alles neu auf dem Stützpunkt Locarno<br />

25 Bu<strong>ch</strong> Brots<strong>ch</strong>i oder Life firing programm 07<br />

26 20 Jahre Super Puma<br />

28 Einsatzführung in der <strong>Luftwaffe</strong><br />

30 Armeeseelsorge im Lehrverband Flab 33<br />

Impressum<br />

ARMEE aktuell – die Zeits<strong>ch</strong>rift<br />

für die Armeeangehörigen der <strong>Luftwaffe</strong><br />

Ers<strong>ch</strong>eint zweimal jährli<strong>ch</strong><br />

Herausgeber:<br />

Chef der Armee und Kdt <strong>Luftwaffe</strong><br />

Redaktion:<br />

Redaktionsgruppen LVb 31, 33 und 34<br />

Redaktionsadresse <strong>Luftwaffe</strong>nteil:<br />

Kommunikation <strong>Luftwaffe</strong><br />

Redaktion ARMEE aktuell<br />

Hansjürg Klossner,<br />

Militärflugplatz, Wangenstrasse<br />

8600 Dübendorf<br />

Tel. 044 823 20 08<br />

hansjuerg.klossner@vtg.<strong>admin</strong>.<strong>ch</strong><br />

Fa<strong>ch</strong>redaktion <strong>Luftwaffe</strong>:<br />

Kommunikationsbasisverantwortli<strong>ch</strong>e<br />

der Lehrverbände der <strong>Luftwaffe</strong>:<br />

LVb Flieger 31:<br />

Oberstlt Felix Tellenba<strong>ch</strong><br />

armeeaktuell@prosolutions.<strong>ch</strong><br />

LVb Flab 33:<br />

Oberst Urs Friedländer<br />

urs.friedlaender@vtg.<strong>admin</strong>.<strong>ch</strong><br />

LVb FULW 34:<br />

Hptm Bernhard Bis<strong>ch</strong>off<br />

bernhard.bis<strong>ch</strong>off@bluewin.<strong>ch</strong><br />

Layout und Produktion Kernteil:<br />

Kommunikation Verteidigung<br />

Adressänderungen:<br />

Eingeteilte AdA nur s<strong>ch</strong>riftli<strong>ch</strong> beim Sektions<strong>ch</strong>ef<br />

des Wohnorts. Alle anderen s<strong>ch</strong>riftli<strong>ch</strong> beim<br />

Kommando <strong>Luftwaffe</strong>, Papiermühlestr. 20, 3003 Bern<br />

Copyright:<br />

VBS, Verteidigung für sämtli<strong>ch</strong>e Inhalte<br />

Internet:<br />

www.luftwaffe.<strong>ch</strong><br />

www.vbs.<strong>admin</strong>.<strong>ch</strong><br />

www.armee.<strong>ch</strong><br />

Titelbild:<br />

Die Ri<strong>ch</strong>tstrahlabteilung 4 der <strong>Luftwaffe</strong> betreibt<br />

Anlagen auf 2700 m über Meer.


| | ARMEE aktuell<br />

Fa<strong>ch</strong>gruppen im Lehrverband FULW 4<br />

Te<strong>ch</strong>nis<strong>ch</strong>er Dienst auf hohem Niveau<br />

Der Lehrverband FULW 34 hat in seinen<br />

S<strong>ch</strong>ulen 25 vers<strong>ch</strong>iedene Fa<strong>ch</strong>gruppen<br />

auszubilden und für den Einsatz in den<br />

Milizformationen vorzubereiten. Da der<br />

Na<strong>ch</strong>wu<strong>ch</strong>sbedarf von Rekruten pro<br />

Fa<strong>ch</strong>gruppe zum Teil nur klein ist, können<br />

ni<strong>ch</strong>t alle Spezialgebiete in allen drei<br />

jährli<strong>ch</strong>en Rekrutens<strong>ch</strong>ulen ausgebildet<br />

werden. In Dübendorf finden daher drei<br />

vers<strong>ch</strong>iedene S<strong>ch</strong>ulstarts pro Jahr statt:<br />

Die Radar-, Na<strong>ch</strong>ri<strong>ch</strong>ten- und Übermitt-<br />

lungsrekrutens<strong>ch</strong>ulen.<br />

von Hptm Bernhard Bis<strong>ch</strong>off<br />

Hauptadjutant René Gehrig hat es ni<strong>ch</strong>t lei<strong>ch</strong>t.<br />

Als Chef der Fa<strong>ch</strong>ausbildung im Lehrverband<br />

Führungsunterstützung organisiert er die Aus-<br />

bildung von 25 vers<strong>ch</strong>iedenen Fa<strong>ch</strong>gruppen. Mit<br />

seinem Team von 25 Fa<strong>ch</strong>ausbildnern wird er der<br />

s<strong>ch</strong>wierigen Aufgabe gere<strong>ch</strong>t, pro Jahr ca. 390<br />

Soldaten, 60 Unteroffiziere und 18 Offiziere in<br />

ihren komplexen Aufgaben auszubilden. Er kann<br />

si<strong>ch</strong> dabei voll auf das Engagement und Fa<strong>ch</strong>-<br />

wissen seiner Berufsunteroffiziere, Fa<strong>ch</strong>berufs-<br />

unteroffiziere und zivilen Fa<strong>ch</strong>lehrer verlassen.<br />

„Im Gegensatz zu anderen Lehrverbänden, die<br />

nur eine Handvoll vers<strong>ch</strong>iedener Fa<strong>ch</strong>gruppen<br />

auszubilden haben, ist es aus personellen Grün-<br />

den ni<strong>ch</strong>t mögli<strong>ch</strong>, in den drei vorgegebenen<br />

Rekrutens<strong>ch</strong>ulstarts immer alle Fa<strong>ch</strong>gruppen<br />

auszubilden“. In Dübendorf finden daher drei<br />

vers<strong>ch</strong>iedene RS-Starts statt: Im Frühjahr startet<br />

die Radars<strong>ch</strong>ule, im Sommer die Na<strong>ch</strong>ri<strong>ch</strong>ten-<br />

sparte und im Herbst die Ausbildung der Über-<br />

mittlungsspezialisten. Die drei Starts s<strong>ch</strong>ränken<br />

au<strong>ch</strong> die Ausbildung der Kader ein. So werden<br />

beispielsweise die Zugführer der Übermittlung<br />

na<strong>ch</strong> der allgemeinen Grundausbildung (AGA)<br />

aus dem Rekrutenbestand der Radars<strong>ch</strong>ule aus-<br />

gewählt. Ein rei<strong>ch</strong>li<strong>ch</strong> kompliziertes Verfahren,<br />

meint au<strong>ch</strong> Hptadj Gehrig: “Unterbre<strong>ch</strong>ungen in<br />

der Ausbildung zum Zugführer sind ni<strong>ch</strong>t ein-<br />

fa<strong>ch</strong> zu bewerkstelligen. Will ein Zugführer seine<br />

Ausbildung etwa wegen des Studiums unterbre-<br />

<strong>ch</strong>en, so kann er seinen Dienst ni<strong>ch</strong>t einfa<strong>ch</strong> auf<br />

einen anderen RS-Start vers<strong>ch</strong>ieben. Er muss<br />

ein Jahr warten, um wieder bei “seiner“ Fa<strong>ch</strong>-<br />

gruppe den Dienst leisten zu können.“ Probleme<br />

kann es au<strong>ch</strong> geben, wenn ein Of- oder Uof-<br />

Anwärter die Ausbildung ni<strong>ch</strong>t besteht. “Of Anw<br />

können ni<strong>ch</strong>t einfa<strong>ch</strong> zu Uof der glei<strong>ch</strong>en Fa<strong>ch</strong>-<br />

gruppe umgepolt werden, weil glei<strong>ch</strong>zeitig keine<br />

Ausbildung zum Uof stattfindet. Wir haben keine<br />

Dur<strong>ch</strong>lässigkeit im System; aber anders ist die<br />

| 007<br />

|<br />

Fa<strong>ch</strong>ausbildung<br />

|<br />

Hptadj René Gehrig: Chef der Fa<strong>ch</strong>ausbildung an den FULW-S<strong>ch</strong>ulen.<br />

Ausbildung in den zum Teil sehr kleinen Fa<strong>ch</strong>-<br />

gruppen wie den diversen Geräteme<strong>ch</strong>anikern<br />

ni<strong>ch</strong>t zu organisieren. Das Qualifikationswesen<br />

ist also extrem wi<strong>ch</strong>tig, um die ri<strong>ch</strong>tigen AdA für<br />

eine Weiterausbildung vorzus<strong>ch</strong>lagen.“<br />

Ausbildung ohne Milizkader<br />

Na<strong>ch</strong> sieben Wo<strong>ch</strong>en AGA beginnt die se<strong>ch</strong>s-<br />

wö<strong>ch</strong>ige Fa<strong>ch</strong>grundausbildung (FGA). In dieser<br />

Phase sind keine Milizkader auf Platz anwesend,<br />

um die Ausbildung zu betreuen – eine gewalti-<br />

ge Veränderung gegenüber der Armee 95. Die<br />

In Dübendorf ist<br />

es aus personellen<br />

Gründen ni<strong>ch</strong>t<br />

mögli<strong>ch</strong>, in den<br />

drei vorgegebenen<br />

Rekrutens<strong>ch</strong>ulstarts<br />

immer alle<br />

Fa<strong>ch</strong>gruppen<br />

auszubilden.


4<br />

Die Fa<strong>ch</strong>ausbildner<br />

sind<br />

gezwungen, oft an<br />

die Eigenverantwortung<br />

zu<br />

appellieren.<br />

Grobübersi<strong>ch</strong>t der im Moment no<strong>ch</strong> gültigen Lehrgänge im LVb FULW 34<br />

Fa<strong>ch</strong>ausbildner sind an dreieinhalb Wo<strong>ch</strong>enta-<br />

gen alleine zuständig für die Ausbildung ihrer<br />

Rekruten. Da aus Budgetgründen die meisten<br />

Fa<strong>ch</strong>gruppen nur einen Fa<strong>ch</strong>ausbildner haben,<br />

ist Friktionspotenzial programmiert: Fällt ein<br />

Ausbildner unverhofft aus, gibt es in der Regel<br />

keinen Ersatz. Da die Fa<strong>ch</strong>gebiete in si<strong>ch</strong> sehr<br />

komplex sind und die Einarbeitungszeit man<strong>ch</strong>-<br />

mal Jahre in Anspru<strong>ch</strong> nehmen kann, hat es<br />

au<strong>ch</strong> ni<strong>ch</strong>t einen Kollegen, der s<strong>ch</strong>nell mal<br />

einspringt. Zu „Armee 95“-Zeiten waren es<br />

die oft sehr gut ausgebildeten Milizkader, die in<br />

die Bres<strong>ch</strong>e springen konnten. “Die One-Man-<br />

Show der Fa<strong>ch</strong>ausbildner verlangt von diesen<br />

alles ab! Ni<strong>ch</strong>t nur ist er für die Fa<strong>ch</strong>ausbildung<br />

zuständig, nein, er muss si<strong>ch</strong> au<strong>ch</strong> um dienst-<br />

betriebli<strong>ch</strong>e Belange kümmern, da ja dafür keine<br />

Drei vers<strong>ch</strong>iedene RS-Starts in Dübendorf.<br />

Milizkader in den S<strong>ch</strong>ulen sind.“ Oftmals fehlen<br />

au<strong>ch</strong> genügend Ausbildungssysteme. Konnten<br />

früher in Rotationen die Milizkader vers<strong>ch</strong>iedene<br />

Ausbildungsposten mitbetreuen, sind die Fa<strong>ch</strong>-<br />

ausbildner gezwungen, oft an die Eigenverant-<br />

wortli<strong>ch</strong>keit zu appellieren – und Selbststudium<br />

zu verordnen. Nur so können die umfangrei<strong>ch</strong>en<br />

Lehrpläne eingehalten werden. Ist die Rekruten-<br />

s<strong>ch</strong>ule vorbei, warten s<strong>ch</strong>on die Of Anw auf ihre<br />

fa<strong>ch</strong>te<strong>ch</strong>nis<strong>ch</strong>e Ausbildung, dana<strong>ch</strong> die Uof Anw.<br />

Der te<strong>ch</strong>nis<strong>ch</strong>e Dienst in Dübendorf dauert also<br />

das ganze Jahr; mit vers<strong>ch</strong>iedenen Stufen und<br />

Lehrplänen. Eine sehr anspru<strong>ch</strong>svolle Aufgabe.<br />

Hptadj Gehrig ist auf die Unterstützung seiner<br />

Fa<strong>ch</strong>ausbildner angewiesen, denn ohne sie<br />

werden die ca. 130 Rekruten pro RS ni<strong>ch</strong>t opti-<br />

mal ausgebildet. Diese haben aber wegen der<br />

gedrängten Zeitplanung nur wenig Freiraum, um<br />

si<strong>ch</strong> selber weiterzubilden oder die Kurse vor-<br />

zubereiten. “Zum Glück haben wir meistens top<br />

motivierte Rekruten, und oft bringen sie au<strong>ch</strong> ihr<br />

ziviles Know-how mit. So kann das hohe Niveau<br />

der Fa<strong>ch</strong>ausbildung trotz Budgetkürzungen und<br />

Personalmangel aufre<strong>ch</strong>t erhalten werden.“ Und<br />

s<strong>ch</strong>on muss Hptadj Gehrig wieder los zu einem<br />

Ausbildungsrapport: Da die fa<strong>ch</strong>dienstli<strong>ch</strong>e Lei-<br />

tung der Na<strong>ch</strong>ri<strong>ch</strong>tens<strong>ch</strong>ule aus Spargründen<br />

ni<strong>ch</strong>t besetzt ist, führt er in Personalunion au<strong>ch</strong><br />

no<strong>ch</strong> diesen Berei<strong>ch</strong> – Normalfall in der heuti-<br />

gen Armee. n


Rekrutenausbildung im LVb FULW 4<br />

Den Wetterfrös<strong>ch</strong>en<br />

über die S<strong>ch</strong>ulter ges<strong>ch</strong>aut<br />

Die Ausbildung im Lehrverband für die<br />

Radar-, Na<strong>ch</strong>ri<strong>ch</strong>ten- und Übermittlungs-<br />

lehrgänge hat pro Jahr drei vers<strong>ch</strong>iedene<br />

Starts. Das Redaktionsteam der Info Gr<br />

des LVb FULW 34 hat den angehenden<br />

Wetter- und Na<strong>ch</strong>ri<strong>ch</strong>tensoldaten bei der<br />

funktionsbezogenen Grundausbildung<br />

über die S<strong>ch</strong>ultern ges<strong>ch</strong>aut. Wir wollten<br />

von den Rekruten und Ausbildern wissen,<br />

was sie in den ersten 13 Wo<strong>ch</strong>en ihres<br />

militäris<strong>ch</strong>en Lebens gelernt haben und<br />

was sie bewegt.<br />

von Sdt Patrik S<strong>ch</strong>neider und<br />

Sdt Alfred Widmer<br />

Beoba<strong>ch</strong>ter, AWZler und Übermittler gehören<br />

der Vergangenheit an. Der heutige Na<strong>ch</strong>ri<strong>ch</strong>ten-<br />

soldat ist ni<strong>ch</strong>t mehr auf einem Gebiet speziali-<br />

siert, er vereint alle drei Aufgaben. Die Qualität<br />

der Meldungen und der Einsatzbereits<strong>ch</strong>aft hat<br />

unter der Bündelung der Kräfte ni<strong>ch</strong>t gelitten,<br />

sie ist sogar besser als zuvor. „Wenn ein Beob-<br />

a<strong>ch</strong>tungsposten früher einen s<strong>ch</strong>wa<strong>ch</strong>en Funker<br />

zugeteilt erhielt, klappte ni<strong>ch</strong>ts mehr“, erinnert<br />

si<strong>ch</strong> Adj Hans Rudolf Trüb. „Jetzt kennt jeder die<br />

Zusammenhänge, wir können uns also selbst<br />

behelfen.“<br />

Die Anforderungen sind mit der Kürzung des<br />

Personalbestands allerdings stark gestiegen.<br />

Bildete Trüb früher das Kader aus, arbeitet er<br />

nun an der Basis, direkt mit den Soldaten. 38<br />

„Start in drei, zwei, eins…“: Rekrut Naef<br />

lässt einen Wetterballon steigen.<br />

| | ARMEE aktuell<br />

| 007<br />

|<br />

Ausbildung<br />

|<br />

Rekrut Naef wartet auf das Startzei<strong>ch</strong>en für den Einsatz des Wetterballons.


Innerhalb der<br />

ersten sieben<br />

Wo<strong>ch</strong>en Grundausbildungerlernen<br />

sie das ABC<br />

des militäris<strong>ch</strong>en<br />

Wetterdienstes.<br />

bra<strong>ch</strong>te er im vergangenen Herbst, unterstützt<br />

von Adj Andreas Brack, das Grundhandwerk bei.<br />

Ni<strong>ch</strong>t ohne Probleme. Denn einerseits sei das<br />

Kader - da bei vielen die Erfahrung im Führen<br />

von Personen fehlt - unerfahren, andererseits<br />

bewege si<strong>ch</strong> die Grösse der Einheit an der Gren-<br />

ze des Zumutbaren.<br />

Se<strong>ch</strong>s Wo<strong>ch</strong>en dauert die funktionsbezogene<br />

Grundausbildung. Dana<strong>ch</strong> folgt die Praxis auf<br />

dem Feld, hauptsä<strong>ch</strong>li<strong>ch</strong> mit Flexposten. Damit<br />

die Soldaten ihr Wissen in allen Berei<strong>ch</strong>en (Beo-<br />

ba<strong>ch</strong>tung, Zentrale, Übermittlung) anwenden<br />

können, werden die Züge na<strong>ch</strong> dem Rotations-<br />

prinzip eingesetzt. Als Folge der WEF-Einsätze<br />

- drei von gesamthaft fünf Kompanien stehen<br />

dafür bereit - wurde insbesondere die Wetter-<br />

ausbildung intensiviert. Die gewonnenen Daten<br />

werden indes ni<strong>ch</strong>t ins nationale Netz einge-<br />

speist, sondern auss<strong>ch</strong>liessli<strong>ch</strong> für <strong>Luftwaffe</strong>n-<br />

interne Zwecke verwendet.<br />

Bei der Wetterfa<strong>ch</strong>gruppe ist dies ni<strong>ch</strong>t der<br />

Fall. Hier arbeiten die militäris<strong>ch</strong>en und zivilen<br />

Wetterfa<strong>ch</strong>leute eng zusammen. Die lokal von<br />

der Wetterfa<strong>ch</strong>gruppe des LVb FULW 34 auf<br />

se<strong>ch</strong>s Wetterbeoba<strong>ch</strong>tungsstationen erfassten<br />

Daten werden zu Gunsten der Einsatzzentra-<br />

le der <strong>Luftwaffe</strong> erhoben. Dort werden sie für<br />

Briefings von Piloten und die Aufarbeitung der<br />

Wetterlage benützt. Dies ges<strong>ch</strong>ieht in enger<br />

Zusammenarbeit mit Swiss Meteo übermittelt.<br />

Deren Mitarbeiter nutzen die “militäris<strong>ch</strong>en<br />

Daten“ unter anderem au<strong>ch</strong> für das Erstellen<br />

der Emmagramme.<br />

Zum ersten Mal lässt Rekr Tobias Naef in der<br />

Ausbildung einen Wetterballon in die Luft stei-<br />

gen: „Drei, zwei, eins, Start“ zählt er mit lauter<br />

Stimme den Countdown und lässt seinen mit<br />

Wasserstoff gefüllten Wetterballon auf 35‘000<br />

Meter in die Luft steigen. Nebst Rekr Naef wer-<br />

den in der Fa<strong>ch</strong>gruppe Wetter 16 weitere Wet-<br />

tersoldaten ausgebildet. Die Ausbildung zum<br />

Wettersoldaten ist anspru<strong>ch</strong>svoll. Die meisten<br />

von ihnen haben keine meteorologis<strong>ch</strong>e Aus-<br />

bildung. Innerhalb der ersten sieben Wo<strong>ch</strong>en<br />

Grundausbildung erlernen sie das ABC des mili-<br />

täris<strong>ch</strong>en Wetterdienstes. Ihre Aufgabe besteht<br />

darin, die Wetterdaten mit Hilfe von Höhenson-<br />

dierungen zu erfassen und die Daten weiter zu<br />

verarbeiten.<br />

Adj Peter Busenhart, der die Rekruten ausbil-<br />

Adj Andreas Brack.<br />

Mit der Peilstation (links) werden die Daten der Sonde erfasst.<br />

det, ist stolz auf seine Wettersoldaten und die<br />

Qualität deren Arbeit: „Es ist au<strong>ch</strong> s<strong>ch</strong>on vorge-<br />

kommen, dass si<strong>ch</strong> die Mitarbeiter von Swiss<br />

Meteo für unsere Arbeit persönli<strong>ch</strong> bedankt<br />

haben. Oft ist nämli<strong>ch</strong> unsere Datenqualität<br />

besser als die von Swiss Meteo.“ Ni<strong>ch</strong>t zuletzt<br />

kann die Wetterausbildung au<strong>ch</strong> einen Einfluss<br />

auf die Berufswahl der Rekruten haben. Im<br />

S<strong>ch</strong>nitt, so Adj Busenhart, wird ein Rekrut pro<br />

Ausbildungslehrgang im späteren zivilen Leben<br />

Meteorologe. n


NA Sdt Kevin Lohrer<br />

(21) aus Brüttisellen<br />

DAS GEFÄLLT MIR:<br />

I<strong>ch</strong> s<strong>ch</strong>ätze in der RS am meisten die Kame-<br />

rads<strong>ch</strong>aft und die Mögli<strong>ch</strong>keit, mi<strong>ch</strong> sportli<strong>ch</strong> zu<br />

betätigen.<br />

DAS GEFÄLLT MIR NICHT:<br />

Meine pingeligen Vorgesetzten und der vorge-<br />

s<strong>ch</strong>riebene Tagesablauf.<br />

DA WÄRE ICH JETZT AM LIEBSTEN:<br />

Zu Hause bei der Freundin.<br />

Wet Sdt Tobias Naef<br />

(20) aus Engelberg<br />

DAS GEFÄLLT MIR:<br />

Die te<strong>ch</strong>nis<strong>ch</strong>e Ausbildung ist mein Ding! Das<br />

„Chriegerlen“ ist weit weg.<br />

DAS VERMISSE ICH AM MEISTEN:<br />

Meine Freundin.<br />

DA WÄRE ICH JETZT AM LIEBSTEN<br />

In Mexiko – meinem Lieblingsland.<br />

Wet Sdt Florian Pla<strong>ch</strong>esi<br />

(19) aus Basel<br />

DAS GEFÄLLT MIR NICHT:<br />

Das Wetter – ob s<strong>ch</strong>le<strong>ch</strong>t oder sonnig. Es inter-<br />

essiert mi<strong>ch</strong> eigentli<strong>ch</strong> ni<strong>ch</strong>t.<br />

DAS VERMISSE ICH ÜBERHAUPT NICHT:<br />

Das aufwändige Ko<strong>ch</strong>en meines Vaters. Die<br />

Kü<strong>ch</strong>e hier ist ganz gut.<br />

DA WÄRE ICH JETZT AM LIEBSTEN:<br />

In Kanada. Ein Land mit Zukunft – da gehe i<strong>ch</strong><br />

na<strong>ch</strong> der RS hin, um Englis<strong>ch</strong> zu lernen.<br />

Wm Benjamin Belart<br />

(22) aus Andwil<br />

DAS GEFÄLLT MIR:<br />

Wir sind keine Kampftruppe. Unsere Arbeit hat<br />

einen zivilen Nutzen. Das Wetter interessiert uns<br />

alle.<br />

DAS GEFÄLLT MIR NICHT:<br />

I<strong>ch</strong> empfinde den militäris<strong>ch</strong>en Betrieb als<br />

Zwangskorsett.<br />

DAS VERMISSE ICH AM MEISTEN:<br />

Hotel Mamma!<br />

| ARMEE<br />

aktuell |<br />

NA Sdt Roman Kuster<br />

(21) aus Es<strong>ch</strong>enba<strong>ch</strong><br />

DA WÄRE ICH JETZT AM LIEBSTEN:<br />

Auf den Malediven<br />

DAS GEFÄLLT MIR NICHT:<br />

Wir müssen zum Teil mit veraltetem Werkzeug<br />

arbeiten. Die Zange zum Abisolieren von Kabeln<br />

ist untaugli<strong>ch</strong>.<br />

DAS SCHÄTZE ICH ZURZEIT AM MEISTEN:<br />

Die tolle Kamerads<strong>ch</strong>aft. Dieselben Probleme<br />

und Nöte s<strong>ch</strong>weissen uns zusammen.<br />

Wet Sdt Kilian Weibel<br />

(20) aus Engelberg<br />

DAS VERMISSE ICH ZURZEIT AM MEISTEN:<br />

Mir fehlen der S<strong>ch</strong>nee, meine Freundin und die<br />

Kollegen.<br />

DAS GEFÄLLT MIR AM BESTEN:<br />

Die Arbeit in der freien Natur. I<strong>ch</strong> mag das Wet-<br />

ter sehr.<br />

| 007<br />

|<br />

DA WÄRE ICH JETZT AM LIEBSTEN:<br />

Im S<strong>ch</strong>nee auf den Skis.<br />

|<br />

Ausbildung<br />

7<br />

Text: Fa<strong>ch</strong>of<br />

Nik Hartmann,<br />

Fotos: Kpl<br />

Jérôme Voumard


Der neue Chef Einsatz im LVb FULW 4<br />

Time-Management in Perfektion<br />

Oberstlt i Gst Reto Bruns<strong>ch</strong>weiler ist Kdt<br />

FDT und Chef Einsatz im Lehrverband<br />

FULW 34. Als re<strong>ch</strong>te Hand von Komman-<br />

dant Brigadier Peter Zahler ist er ein<br />

wi<strong>ch</strong>tiges Mitglied eines vers<strong>ch</strong>worenen<br />

Teams.<br />

Von Sdt Patrik S<strong>ch</strong>neider<br />

Früher war Reto Bruns<strong>ch</strong>weiler ein leidens<strong>ch</strong>aft-<br />

li<strong>ch</strong>er Modellflugzeugbauer. Der We<strong>ch</strong>sel von<br />

der Artillerie zur <strong>Luftwaffe</strong> kam deshalb ni<strong>ch</strong>t<br />

überras<strong>ch</strong>end. „Die <strong>Luftwaffe</strong> hat mi<strong>ch</strong> seit jeher<br />

interessiert“, sagt der zweifa<strong>ch</strong>e Familienvater.<br />

Deshalb meldete er si<strong>ch</strong> vor zwei Jahren au<strong>ch</strong><br />

auf den Stellenauss<strong>ch</strong>rieb des LVb FULW 34, der<br />

einen Chef Einsatz su<strong>ch</strong>te. Der Ums<strong>ch</strong>lag mit der<br />

Bewerbung trug den Poststempel von St. Moritz.<br />

Das Ski-Weekend im Engadin nahm allerdings<br />

ein abruptes Ende - einen Tag na<strong>ch</strong> dem Gang<br />

auf die Post erlitt Bruns<strong>ch</strong>weiler bei einem Sturz<br />

auf der Piste einen dreifa<strong>ch</strong>en Oberarmbru<strong>ch</strong>.<br />

Als si<strong>ch</strong> wenig später der damalige Komman-<br />

dant, Brigadier Marcel Muggensturm, meldete<br />

und ihn zu einem ausführli<strong>ch</strong>en Vorstellungsge-<br />

sprä<strong>ch</strong> einlud, war ein Termin s<strong>ch</strong>nell gefunden:<br />

„I<strong>ch</strong> hatte aufgrund meiner Verletzung ja genü-<br />

gend Zeit.“<br />

Jene ist inzwis<strong>ch</strong>en rar geworden. Eine normale<br />

Arbeitswo<strong>ch</strong>e umfasst 60 bis 65 Stunden, die<br />

meiste Zeit verbringt der 37-Jährige dabei im<br />

Büro in Dübendorf. Bruns<strong>ch</strong>weiler plant, orga-<br />

nisiert und telefoniert - zwis<strong>ch</strong>en August und<br />

Januar hauptsä<strong>ch</strong>li<strong>ch</strong> für den Einsatz am Welt-<br />

wirts<strong>ch</strong>aftsforum (WEF) in Davos. „In meinem<br />

Job ist alles vereint“, sagt der Osts<strong>ch</strong>weizer.<br />

Früher, so Bruns<strong>ch</strong>weiler, sei der Kdt FDT in<br />

erster Linie eine papierverwaltende Stelle gewe-<br />

sen, „heutzutage kann i<strong>ch</strong> meine Gedanken und<br />

Ideen einbringen“. Jeweils bis im Mai muss,<br />

zwei Jahre zum Voraus, der Dienstleistungsplan<br />

fertig gestellt sein, „au<strong>ch</strong> die Telefonliste fürs<br />

WEF tippe i<strong>ch</strong>, weil wir kein Sekretariat haben,<br />

selber ab“. Da die alltägli<strong>ch</strong>en Herausforderun-<br />

gen einer immer feiner werdenden Planung<br />

bedürfen, fehlt oft die Zeit. „Meine Mails bear-<br />

beite i<strong>ch</strong> na<strong>ch</strong> Prioritäten, gewisse bleiben dann<br />

eben ein bis zwei Wo<strong>ch</strong>en unbeantwortet.“ Bis-<br />

weilen sei das ein Grund, weshalb er in seinem<br />

Job ni<strong>ch</strong>t die komplette Befriedigung finde. „I<strong>ch</strong><br />

kann no<strong>ch</strong> ni<strong>ch</strong>t den Output generieren, den i<strong>ch</strong><br />

den Milizabteilungen gerne zukommen lassen<br />

mö<strong>ch</strong>te.“ Einen Li<strong>ch</strong>tblick sieht Bruns<strong>ch</strong>weiler in<br />

der bevorstehenden Fusion der beiden Lehrver-<br />

bände FULW 34 und Uem/FU 1 zum LVb FU 30.<br />

„Wir verfügen ab dann über mehr Kaderleute,<br />

die gewisse Teilgebiete abdecken können.“<br />

Wenn es das di<strong>ch</strong>t gedrängte Programm erlaubt,<br />

taus<strong>ch</strong>t Bruns<strong>ch</strong>weiler seinen Bürostuhl gerne<br />

mit einem Platz an der fris<strong>ch</strong>en Luft. „Die WK-<br />

Zeit ist eine s<strong>ch</strong>öne Zeit. I<strong>ch</strong> komme raus aus<br />

dem Büro, besu<strong>ch</strong>e die Truppe und kontrolliere,<br />

ob die Ausbildungsvorgaben umgesetzt wer-<br />

Zur Person<br />

Der Frauenfelder Reto Bruns<strong>ch</strong>weiler ist 7<br />

Jahre alt, verheiratet und hat zwei Tö<strong>ch</strong>ter.<br />

Der gelernte Vermessungszei<strong>ch</strong>ner arbeitete<br />

vier Jahre lang in einem Ingenieurbüro. Seine<br />

militäris<strong>ch</strong>e Laufbahn begann er als Artillerievermesser,<br />

liess si<strong>ch</strong> später beim Bundesamt<br />

für Artillerie zum Berufsoffizier ausbilden<br />

und holte die Berufsmaturität na<strong>ch</strong>. Ab 999<br />

war er auf dem Waffenplatz Frauenfeld tätig,<br />

zuerst als Einheitsinstruktor von Feuerleit- und<br />

Ges<strong>ch</strong>ützbatterien und parallel dazu als Kompanie<br />

Kommandant der Unteroffiziers<strong>ch</strong>ule,<br />

später als Stellvertreter des S<strong>ch</strong>ulkommandanten.<br />

Seit Mitte 00 ist er Chef Einsatz beim<br />

LVb FULW 4, seit November 00 zusätzli<strong>ch</strong><br />

Kdt FDT.


den.“ Was ma<strong>ch</strong>t Reto Bruns<strong>ch</strong>weiler eigentli<strong>ch</strong><br />

ni<strong>ch</strong>t? „Diese Frage habe i<strong>ch</strong> mir au<strong>ch</strong> s<strong>ch</strong>on<br />

gestellt“, antwortet er la<strong>ch</strong>end. Ni<strong>ch</strong>ts zu tun<br />

habe er mit dem personellen Berei<strong>ch</strong>, ebenso<br />

wenig mit finanziellen Belangen. „Ansonsten<br />

geniesse i<strong>ch</strong> eine unheimli<strong>ch</strong>e Freiheit.“ Die<br />

grosse Belastung hat au<strong>ch</strong> ihre positiven Sei-<br />

ten: „Gerade weil i<strong>ch</strong> so viel zu tun habe, kann<br />

i<strong>ch</strong> mi<strong>ch</strong> viel besser mit der Materie vertraut<br />

ma<strong>ch</strong>en. I<strong>ch</strong> kenne wahrs<strong>ch</strong>einli<strong>ch</strong> vieles besser,<br />

als einer, der mit der <strong>Luftwaffe</strong> gross geworden<br />

ist.“ Angespro<strong>ch</strong>en auf die interne Unterstüt-<br />

zung gerät er gar ins S<strong>ch</strong>wärmen: „Wir sind ein<br />

vers<strong>ch</strong>worenes Team, harmonieren sehr gut.“<br />

Und: „Einen Chef wie Peter Zahler findet man<br />

ni<strong>ch</strong>t so s<strong>ch</strong>nell wieder.“<br />

Damit sein komplexes Time-Management funk-<br />

tioniere, brau<strong>ch</strong>e es zu Hause „einen Laden, der<br />

läuft. Es ist s<strong>ch</strong>li<strong>ch</strong>t genial, wie meine Frau das<br />

Ganze organisiert.“ Sein Hobby pflegt er na<strong>ch</strong><br />

wie vor - weil es ihm wi<strong>ch</strong>tig ist, andere Leute<br />

in einem anderen Umfeld kennenzulernen. Bruns<strong>ch</strong>weiler<br />

baut allerdings keine Flugzeuge mehr,<br />

sondern Modellsegelboote. „Die stürzen weniger<br />

häufig ab. . .“ n<br />

| ARMEE<br />

aktuell |<br />

| 007<br />

|<br />

|<br />

Personelles<br />

9


0<br />

<strong>Luftwaffe</strong>n Ri<strong>ch</strong>tstrahlabteilung 4<br />

Highte<strong>ch</strong> auf hohen Bergesrücken<br />

Die <strong>Luftwaffe</strong>n Ri<strong>ch</strong>tstrahlabteilung 4 ist ein Mauerblüm<strong>ch</strong>en unter den Abteilungen<br />

im Lehrverband FULW 34: Fast unbekannt, leistet sie einen unverzi<strong>ch</strong>tbaren Beitrag für<br />

die Führungsunterstützung von <strong>Luftwaffe</strong> und Armee. Auf über 100 Höhenstandorten<br />

betreibt sie zentrale Kommunikations- und Datennetze.<br />

von Hptm Bernhard Bis<strong>ch</strong>off (bb), Fa<strong>ch</strong>of Nik Hartmann (nh), Kpl Jérôme Voumard (jv), Sdt Nico<br />

Castagna (nc) und Sdt Alfred Widmer (aw)<br />

Auf einem Berggipfel in den Zentralalpen stehen<br />

Oberstlt i Gst Germaine Seewer und Oberstlt<br />

Mi<strong>ch</strong>ael Riederer. Als “Co-Kommandanten“<br />

we<strong>ch</strong>seln sie si<strong>ch</strong> in der Führung ihres Verban-<br />

des ab. Ist Oberstlt i Gst Seewer mehr für die<br />

Führung zuständig, so ist Oberstlt Riederer vor<br />

allem für fa<strong>ch</strong>te<strong>ch</strong>nis<strong>ch</strong>e Belange verantwort-<br />

li<strong>ch</strong>. Der Ausblick von 2‘700 Metern in unbe-<br />

rührter Gebirgslands<strong>ch</strong>aft ist für den S<strong>ch</strong>reiben-<br />

den einmalig, für die beiden ist er militäris<strong>ch</strong>er<br />

Alltag. Ihre Abteilung betreibt über 100 ver-<br />

glei<strong>ch</strong>bare Standorte im Auftrag von <strong>Luftwaffe</strong><br />

und Armee. Die vier LW Ristl Kompanien sind für<br />

den reibungslosen Einsatz zahlrei<strong>ch</strong>er Kommu-<br />

nikations- und Datennetze zuständig. Zentrales<br />

Element ist das Breitbandübertragungssystem<br />

(BBUS) Ri<strong>ch</strong>tstrahl, das Ri<strong>ch</strong>tstrahl-Höhennetz.<br />

Das Telefonsystem IMFS gehört aber ebenso<br />

zum Verantwortungsberei<strong>ch</strong>, wie Flugfunk- oder<br />

FLORAKO-Verbindungen. Eine komplexe Aufga-<br />

be, hängt do<strong>ch</strong> fast die ganze Kommunikation<br />

und der Datenfluss der Armee von den Syste-<br />

men ab. “Unsere Geräteme<strong>ch</strong>aniker sind au<strong>ch</strong><br />

im zivilen Leben Elektroniker oder Elektroinge-<br />

nieure. Nur so können sie die zum Teil kniffligen<br />

Probleme lösen. Wir arbeiten mit der glei<strong>ch</strong>en<br />

Te<strong>ch</strong>nik wie beispielsweise Swisscom, Sunrise<br />

oder Orange. Oft sind unsere AdA au<strong>ch</strong> bei die-<br />

sen Firmen tätig“, so Elektroingenieur Riederer.<br />

Keine Fehler erlaubt<br />

Da die von der Ristl Abt 4 betreuten Netze das<br />

ganze Jahr hindur<strong>ch</strong> benutzt werden, findet<br />

ni<strong>ch</strong>t nur ein WK statt. Zwar rückt das Gros, im<br />

Normalfall ca. 560 AdA, zusammen ein; übers<br />

Jahr verteilt leisten aber gegen 200 AdA bei-<br />

nahe individuelle Einsätze. Ausserhalb des Trup-<br />

penbetriebs werden die Aufgaben von zivilen<br />

Mitarbeitern der Bundesbetriebe wahrgenom-<br />

men. “Pro Standort steht meist ein Team von<br />

fünf Geräteme<strong>ch</strong>anikern im Einsatz. Dazu kom-<br />

men das Werkbetriebspersonal und die inneren<br />

Dienste. Eine wi<strong>ch</strong>tige Aufgabe ist das Gewähr-


leisten der Logistik“, so Oberstlt i Gst Seewer.<br />

“Ein grosses Problem ist die Führung. Die vier<br />

Kp Kdt bekommen wir fast nie zu Gesi<strong>ch</strong>t. Dazu<br />

kommt die S<strong>ch</strong>wierigkeit, dass wir fast keine<br />

realitätsnahen Übungen dur<strong>ch</strong>führen können:<br />

Ein Systemausfall hätte verheerende Auswir-<br />

kungen!“ Sind die Geräteme<strong>ch</strong>aniker das Herz<br />

der Ristl Kp, so gibt es eine zweite Fa<strong>ch</strong>gruppe,<br />

ohne die der Betrieb auf einer Höhenanlage ni<strong>ch</strong>t<br />

Badge der LW Ristl Abt 4: Ein perfektes Spinnenetz<br />

als Symbol; ni<strong>ch</strong>t gut, wenn ein Faden reisst!<br />

mögli<strong>ch</strong> ist. Das Werkbetriebspersonal gewähr-<br />

leistet den Brands<strong>ch</strong>utz, betreibt die militäris<strong>ch</strong>e<br />

Seilbahn; transportiert aber au<strong>ch</strong> das auf dem<br />

Berg notwendige Wasser. Nur im Verbund funk-<br />

tioniert eine Höhenanlage.<br />

Um immer auf dem neusten Ausbildungsstand zu<br />

sein, absolvieren die Geräteme<strong>ch</strong>aniker jährli<strong>ch</strong><br />

4<br />

dfi<br />

4 4 4 44<br />

df d d di<br />

Organigramm der LW Ristl Abt 4<br />

zentrale Ausbildungskur-<br />

se an den Rekrutens<strong>ch</strong>u-<br />

len in Dübendorf, Kloten<br />

und Lyss. Dort werden sie<br />

von Fa<strong>ch</strong>ausbildnern der<br />

S<strong>ch</strong>ulen und von Spezia-<br />

listen der Geräteherstel-<br />

ler ges<strong>ch</strong>ult. Highte<strong>ch</strong> ist<br />

gefragt – und ges<strong>ch</strong>ätzt:<br />

“Unsere Geräteme<strong>ch</strong>a-<br />

niker, die “Me<strong>ch</strong>anos“, sind eigenwillige Bur-<br />

s<strong>ch</strong>en. Allesamt Te<strong>ch</strong>nikfreaks, verbringen sie<br />

die meiste Zeit vor den Computern und Geräten.<br />

Freiwillig gehen sie ni<strong>ch</strong>t einmal raus an die<br />

fris<strong>ch</strong>e Luft“, sagt Oberstlt Riederer mit einem<br />

S<strong>ch</strong>munzeln. (bb) n<br />

| ARMEE<br />

aktuell |<br />

| 007<br />

|<br />

Oberstlt i Gst Germaine Seewer und Oberstlt Mi<strong>ch</strong>ael Riederer.<br />

LVb<br />

FULW 4 |


Ni<strong>ch</strong>t selten<br />

müssen die<br />

Geräteme<strong>ch</strong>aniker<br />

notfallmässig zu<br />

den Höhenstandorten<br />

ausrücken.<br />

Auf 2700 Meter - und do<strong>ch</strong> im Bunker<br />

Eine WK-Kompanie, verteilt über mehrere Alpen-<br />

gipfel, zu koordinieren und zu führen, ist eine<br />

ni<strong>ch</strong>t ganz einfa<strong>ch</strong>e Aufgabe. Vor allem dann,<br />

wenn die Standorte nur s<strong>ch</strong>wer zugängli<strong>ch</strong>, die<br />

Wetterverhältnisse oft widrig und keine Dus<strong>ch</strong>en<br />

vorhanden sind. Trotz dieser Umstände ist die<br />

Kompanie von Hptm Martin Pfister motiviert im<br />

Einsatz.<br />

In einem Ri<strong>ch</strong>tstrahlbunker auf 2‘700 Meter<br />

über Meer in den Alpen sitzt Martin Pfister in<br />

seinem KP. Seine 200 Soldaten starke Kom-<br />

panie, verteilt auf zehn Standorte und zum Teil<br />

mobil im Einsatz, muss geführt und logistis<strong>ch</strong><br />

versorgt werden. „Die Führung und Ausbildung<br />

der Kompanie kann i<strong>ch</strong> zum Glück meinen Offi-<br />

zieren überlassen, die ma<strong>ch</strong>en das gut“, so der<br />

Kompaniekommandant. „Aber die Logistik ist<br />

äusserst anspru<strong>ch</strong>svoll und für die bin i<strong>ch</strong> ver-<br />

antwortli<strong>ch</strong>“.<br />

Da die Einsatzorte der Geräteme<strong>ch</strong>aniker der<br />

Ri<strong>ch</strong>tstrahlkompanie oft abgelegen und auf<br />

normalem Weg kaum zugängli<strong>ch</strong> sind, errei<strong>ch</strong>t<br />

die Koordination und Organisation der Logistik<br />

einen hohen Komplexitätsgrad. Für die Trans-<br />

porte muss der Kompaniekommandant insbe-<br />

sondere Seilbahnen organisieren, Helikopter<br />

bestellen sowie au<strong>ch</strong> Wanderrouten aussu<strong>ch</strong>en,<br />

damit seine Teams auf die entspre<strong>ch</strong>enden<br />

Höhenstandorte einrücken können.<br />

„Es ist au<strong>ch</strong> s<strong>ch</strong>on vorgekommen, dass alles<br />

organisiert war, aber plötzli<strong>ch</strong> der angeforder-<br />

te Helikopter für den Einsatz im abgelegenen<br />

Gebiet ni<strong>ch</strong>t ers<strong>ch</strong>ienen ist“, sagt Pfister. Dies<br />

fordert dann von allen Betroffenen ein hohes<br />

Mass an Flexibilität. Ni<strong>ch</strong>t selten müssen die<br />

Geräteme<strong>ch</strong>aniker notfallmässig zu den Höhen-<br />

standorten ausrücken, um Ri<strong>ch</strong>tstrahlgeräte zu<br />

reparieren oder diese für einen spezifis<strong>ch</strong>en<br />

Einsatz zu aktivieren.<br />

In seinem zivilen Leben ist Martin Pfister Kan-<br />

tonss<strong>ch</strong>ullehrer. Er erzählt, dass er zwis<strong>ch</strong>en-<br />

dur<strong>ch</strong> aus dem Unterri<strong>ch</strong>t gerufen wird und von<br />

der S<strong>ch</strong>ule aus einen Einsatz und die komplexe<br />

Logistik organisieren muss. Aber wie motiviert<br />

er eigentli<strong>ch</strong> seine Truppe unter diesen Umstän-<br />

den? Pfister meint dazu: „Das ist für mi<strong>ch</strong> die<br />

grösste Herausforderung. Unbefriedigend ist für<br />

mi<strong>ch</strong>, wenn der te<strong>ch</strong>nis<strong>ch</strong>e Betrieb ni<strong>ch</strong>t läuft<br />

und die Geräteme<strong>ch</strong>aniker ni<strong>ch</strong>t gefordert wer-<br />

den.“ Deshalb setzt Martin Pfister alles daran,<br />

dass seine Teams neue mobile Übertragungs-<br />

te<strong>ch</strong>niken einsetzen können und er die Dienst-<br />

leistungen seiner Kompanie reellen Abnehmern<br />

anbieten kann, wie zum Beispiel dem WEF in<br />

Davos. (nc/aw)<br />

Hptm Martin Pfister


„Ein Feuer kann jederzeit ausbre<strong>ch</strong>en“<br />

Der Zugführer des Werksi<strong>ch</strong>erheits-Zuges (WS)<br />

kennt seinen Berg. Oblt Martin Bugmann ist<br />

rund um die Uhr für die Anlage verantwortli<strong>ch</strong>.<br />

Wenns brennt, retten seine Leute Mens<strong>ch</strong>en<br />

aus dem Lift, befreien im Winter das Anlagetor<br />

von den S<strong>ch</strong>neemassen und si<strong>ch</strong>ern den Weg<br />

hinunter ins Tal.<br />

Aa: Ihre Aufgabe ma<strong>ch</strong>t Sinn. Sehen Sie das<br />

au<strong>ch</strong> so?<br />

Martin Bugmann: Und wie! Wir haben dauernd<br />

Live-Einsatz. Ein Feuer kann jederzeit ausbre-<br />

<strong>ch</strong>en, ein Lift stecken bleiben. I<strong>ch</strong> s<strong>ch</strong>ätze an<br />

meiner Aufgabe als WS-Zugführer den unmittel-<br />

baren Nutzen für unsere „Kunden“, aber au<strong>ch</strong><br />

für mi<strong>ch</strong>.<br />

Aa: Inwiefern?<br />

Im zivilen Leben. I<strong>ch</strong> habe mir in der Armee ein<br />

Wissen angeeignet, das mir bei meinen Berg-<br />

wanderungen und Skitouren sehr nützli<strong>ch</strong> ist. Im<br />

„Zivilen“ hätte i<strong>ch</strong> dafür viel Geld ausgegeben.<br />

Aa: Gehen Sie oft in die Berge?<br />

Na<strong>ch</strong> Mögli<strong>ch</strong>keit, ja. I<strong>ch</strong> war s<strong>ch</strong>on vor dem<br />

Militär auf Klettertouren. Aber zum Skitourenfah-<br />

ren bin i<strong>ch</strong> über meine Tätigkeit bei der Werk-<br />

si<strong>ch</strong>erheit gelangt. Und gerade eben hat mi<strong>ch</strong><br />

der Kommandant der Abteilung angefragt, im<br />

kommenden Winter einen Gebirgskurs zu leiten.<br />

Da muss man mi<strong>ch</strong> ni<strong>ch</strong>t zweimal darum bitten.<br />

I<strong>ch</strong> habe spontan zugesagt.<br />

Aa: Sie klingen begeistert von der Bergwelt.<br />

Wären Sie enttäus<strong>ch</strong>t, wenn Sie in einen<br />

Abteilungsstab umgeteilt würden?<br />

Auf jeden Fall! I<strong>ch</strong> gehöre ni<strong>ch</strong>t in einen Stab.<br />

I<strong>ch</strong> verbringe s<strong>ch</strong>on die restli<strong>ch</strong>en 45 Wo<strong>ch</strong>en<br />

des Jahres am S<strong>ch</strong>reibtis<strong>ch</strong>. Die militäris<strong>ch</strong>e<br />

Abwe<strong>ch</strong>slung s<strong>ch</strong>ätze i<strong>ch</strong> sehr.<br />

Aa: Man spri<strong>ch</strong>t immer darüber, wie man<br />

militäris<strong>ch</strong>e Erfahrung im berufli<strong>ch</strong>en Alltag<br />

einbringen kann. Was bringen Sie aus der<br />

zivilen Welt mit in den WK?<br />

Meine Führungserfahrung. Sehen Sie. Heute<br />

kommen die jungen Zugführer aus der S<strong>ch</strong>ule<br />

in den WK. Sie sind jung und unerfahren. Viel-<br />

lei<strong>ch</strong>t ni<strong>ch</strong>t im Militäris<strong>ch</strong>en. Do<strong>ch</strong> Führen hat<br />

viel mit Lebenserfahrung zu tun. Es ist do<strong>ch</strong> voll-<br />

kommen verständli<strong>ch</strong>, dass si<strong>ch</strong> ein eben in den<br />

WK eingerückter Soldat gegen militäris<strong>ch</strong>e Sit-<br />

ten sträubt: Er zieht den Mutz vorsätzli<strong>ch</strong> s<strong>ch</strong>räg<br />

an, hat si<strong>ch</strong> ni<strong>ch</strong>t rasiert etc. Hier den ri<strong>ch</strong>tigen<br />

Ton zu finden und ni<strong>ch</strong>t wie mit Rekruten umzu-<br />

gehen, erfordert Fingerspitzengefühl. I<strong>ch</strong> denke,<br />

hier kann die Truppe von meiner privaten Erfah-<br />

rung profitieren.<br />

Aa: In der gesamten Anlage gibt es keine<br />

Dus<strong>ch</strong>e. Können Sie gut auf alltägli<strong>ch</strong>en<br />

| ARMEE<br />

aktuell |<br />

Oblt Martin Bugmann (re<strong>ch</strong>ts) im Gesprä<strong>ch</strong> mit Fa<strong>ch</strong>of Nik Hartmann<br />

Zur Person<br />

Oblt Martin Bugmann ist , arbeitet als<br />

Produktionsverantwortli<strong>ch</strong>er bei einem<br />

Lebensmittelmulti. Er ist verheiratet und hat<br />

einen zweijährigen Sohn.<br />

Luxus verzi<strong>ch</strong>ten?<br />

Während sieben Tagen keine Dus<strong>ch</strong>e zur Verfü-<br />

gung zu haben ist ni<strong>ch</strong>t so s<strong>ch</strong>limm. Do<strong>ch</strong> die<br />

Vorstellung, drei Monate ohne Dus<strong>ch</strong>e zu leben,<br />

ma<strong>ch</strong>t s<strong>ch</strong>on ein wenig Mühe.<br />

Aa: Was vermissen Sie zur Zeit am meis-<br />

ten?<br />

| 007<br />

Meine Familie. Und ein gutes Restaurant – Reh-<br />

rücken mit einer s<strong>ch</strong>önen Flas<strong>ch</strong>e Wein aus dem<br />

Tessin. Das wärs! (nh)<br />

|<br />

|<br />

LVb FULW 4


4<br />

Ein beruhigendes<br />

Gefühl, zu wissen,<br />

dass man im<br />

Ernstfall in guten<br />

Händen ist.<br />

Am Seil über dem Abgrund – Seilbahn-<br />

rettung in luftiger Höhe<br />

Kaum an der Talstation der Seilbahn angekom-<br />

men, wel<strong>ch</strong>e zum Höhenstandort führt, halten<br />

die Mitglieder der Werksi<strong>ch</strong>erheit der Anlage<br />

eine Überras<strong>ch</strong>ung für die Infogruppe bereit. Ein<br />

Mitglied aus unserem Team kann bei der Übung<br />

einer Seilbahnrettung mitwirken. Na<strong>ch</strong> einem<br />

kurzen Zögern stelle i<strong>ch</strong> mi<strong>ch</strong> freiwillig für das<br />

kleine Abenteuer zur Verfügung. Kaum habe i<strong>ch</strong><br />

mi<strong>ch</strong> ents<strong>ch</strong>ieden, vergeht keine Minute und<br />

i<strong>ch</strong> sitze s<strong>ch</strong>on in der kleinen blauen Kabine,<br />

wel<strong>ch</strong>e Ri<strong>ch</strong>tung Gipfel losfährt. Auf halber Stre-<br />

cke stoppt die Bahn in luftiger Höhe, rund 120<br />

Meter über dem Boden. Souverän und mit hoher<br />

Kompetenz instruiert mi<strong>ch</strong> der Werksoldat, was<br />

nun zu tun ist. Er montiert das Rettungsseil am<br />

Haken des Kabinenda<strong>ch</strong>s und zeigt mir, wie die<br />

Rettungsausrüstung anzuziehen ist. Nun öffne<br />

i<strong>ch</strong> die Kabinentüre und setze mi<strong>ch</strong> an den Rand<br />

des Kabinenbodens. Meine Füsse baumeln über<br />

dem Ni<strong>ch</strong>ts. Obwohl i<strong>ch</strong> keine Höhenangst habe,<br />

bes<strong>ch</strong>lei<strong>ch</strong>t mi<strong>ch</strong> beim Gedanken an das Bevor-<br />

stehende denno<strong>ch</strong> ein mulmiges Gefühl in der<br />

Magengegend. Vorsi<strong>ch</strong>tig seile i<strong>ch</strong> mi<strong>ch</strong> ab. Mit<br />

jeder Sekunde, die vergeht, kann i<strong>ch</strong> die wun-<br />

ders<strong>ch</strong>öne Aussi<strong>ch</strong>t über das Gebiet des Oberalp-<br />

passes geniessen und ein paar Fotos zur Erin-<br />

nerung ma<strong>ch</strong>en. Kaum habe i<strong>ch</strong> wieder festen<br />

Boden unter den Füssen, folgt mir s<strong>ch</strong>on mein<br />

Retter am zweiten Seil. Eine gelungene Übung<br />

und ein beruhigendes Gefühl zu wissen, dass<br />

man im Ernstfall in guten Händen ist. (jv)<br />

n


Ein Meilenstein<br />

10 Jahre F/A-18 «Hornet»<br />

in der <strong>S<strong>ch</strong>weizer</strong> <strong>Luftwaffe</strong><br />

Seit dem 23. Januar 1997 verfügt die<br />

<strong>S<strong>ch</strong>weizer</strong> <strong>Luftwaffe</strong> mit dem F/A-18 über<br />

eines der leistungsfähigsten Kampfflug-<br />

zeuge überhaupt. Zur Zeit wird die F/A-<br />

18-Flotte mit dem Ergänzungsprogramm<br />

«Upgrade 21» den neuesten Te<strong>ch</strong>nologien<br />

angepasst.<br />

Hansjürg Klossner, Kommunikation <strong>Luftwaffe</strong><br />

Es ist bezei<strong>ch</strong>nend für die typis<strong>ch</strong> s<strong>ch</strong>weize-<br />

ris<strong>ch</strong>e Bes<strong>ch</strong>eidenheit, dass dieses 10-Jahr-<br />

Jubiläum nur im kleinsten Rahmen gefeiert und<br />

bewusst ni<strong>ch</strong>t publik gema<strong>ch</strong>t wurde. Immerhin<br />

war KKdt Christophe Keckeis, Chef der Armee,<br />

anlässli<strong>ch</strong> des WEF 07 persönli<strong>ch</strong> in Payerne<br />

und überrei<strong>ch</strong>te der F/A-18-Crew die Medaille<br />

des CdA.<br />

JA des <strong>S<strong>ch</strong>weizer</strong>volks<br />

Für die Bes<strong>ch</strong>affung des F/A-18 benötigte die<br />

Eidgenossens<strong>ch</strong>aft erstmals einen Volksent-<br />

s<strong>ch</strong>eid. In den Erläuterungen des Bundesrates<br />

für die Abstimmung vom 6. Juni 1993 war zu<br />

lesen: «Die Hornet F/A-18 ist für die S<strong>ch</strong>weiz<br />

das ideale Flugzeug. Sie hat neben hohen<br />

te<strong>ch</strong>nis<strong>ch</strong>en Qualitäten ein optimales Kosten-<br />

/Nutzen-Verhältnis. Sie ist der zweitgünstigste<br />

Abfangjäger auf dem westli<strong>ch</strong>en Markt…“ Das<br />

<strong>S<strong>ch</strong>weizer</strong> Volk ents<strong>ch</strong>ied si<strong>ch</strong> klar dafür, für<br />

3,4 Milliarden Franken 34 F/A-18 C/D anzu-<br />

s<strong>ch</strong>affen. Und - wie die Erfahrung zeigt - der<br />

Bundesrat hat mit seiner Argumentation Re<strong>ch</strong>t<br />

bekommen.<br />

Die lärmintensivsten F/A-18-Flüge werden mög-<br />

li<strong>ch</strong>st über un- oder kaum besiedeltem Gebiet<br />

im Ausland anlässli<strong>ch</strong> von Trainingskampagnen<br />

mit anderen <strong>Luftwaffe</strong>n dur<strong>ch</strong>geführt. Seit die<br />

<strong>S<strong>ch</strong>weizer</strong> Militärpiloten F/A-18 fliegen, sind sie<br />

in Europa begehrte Trainingspartner.<br />

Upgrade 21<br />

40‘000 Flugstunden und zehn Jahre na<strong>ch</strong> der<br />

Bes<strong>ch</strong>affung wird die F/A-18 Flotte gegenwärtig<br />

im Rahmen des Ergänzungsprogramms «Upgra-<br />

de 21» zum zweiten Mal modernisiert. Mit dem<br />

Rüstungsprogramm 2001 (RP 01) wurden für<br />

220 Millionen Franken ein forts<strong>ch</strong>rittli<strong>ch</strong>es<br />

Freund-Feind-Erkennungsgerät, ein Karten-<br />

Anzeigegerät neuester Te<strong>ch</strong>nologie sowie ein<br />

Teil der Vorbereitung für das taktis<strong>ch</strong>e Datalink-<br />

System MIDS/Link-16 bewilligt. Die Bes<strong>ch</strong>af-<br />

fung der Systeme erfolgte 2002-2005. Für die<br />

Modifikation der Flugzeuge zwis<strong>ch</strong>en 2004 und<br />

2006 war die Firma RUAG Aerospace als Unter-<br />

auftragnehmerin des Hauptlieferanten Boeing<br />

verantwortli<strong>ch</strong>. Die erste Phase des Upgrade 21<br />

wurde 2006 erfolgrei<strong>ch</strong> beendet.<br />

| ARMEE<br />

aktuell |<br />

| 007<br />

Die ersten drei modifizierten F/A-18 beim gemeinsamen Training. An der vordersten Mas<strong>ch</strong>ine ist eine der<br />

neuen AIM-9X Manipulierlenkwaffen zu erkennen..<br />

|<br />

Mit dem RP 03 bewilligten die eidgenössis<strong>ch</strong>en<br />

Räte einen Kredit von 292 Millionen Franken<br />

für die Realisierung des zweiten S<strong>ch</strong>ritts des<br />

Ergänzungsprogramms. Es handelt si<strong>ch</strong> dabei<br />

um Anpassungen am Flugzeug für die neue<br />

Infrarot-Lenkwaffe AIM-9X, die Bes<strong>ch</strong>affung und<br />

Integration eines Helmvisier-Systems sowie die<br />

Bes<strong>ch</strong>affung und Integration des digitalen Data-<br />

link-Systems MIDS. Für 115 Millionen Franken<br />

bewilligte das Parlament zudem die Bes<strong>ch</strong>af-<br />

fung der neuen Infrarot-Lenkwaffe AIM-9X Side-<br />

winder, wel<strong>ch</strong>e die te<strong>ch</strong>nis<strong>ch</strong> und operationell<br />

veraltete AIM-9P5 ersetzt. Zusätzli<strong>ch</strong> wird die<br />

Flugzeugbetriebssoftware für die Aufnahme und<br />

Integration dieser neuen Systeme angepasst.<br />

Te<strong>ch</strong>nik<br />

|<br />

Die lärmintensivsten<br />

F/A-18-Flüge<br />

werden mögli<strong>ch</strong>st<br />

über un- oder<br />

kaum besiedeltem<br />

Gebiet im Ausland<br />

anlässli<strong>ch</strong> von<br />

Trainingskampagnen<br />

mit anderen<br />

<strong>Luftwaffe</strong>n<br />

dur<strong>ch</strong>geführt.


Payerne, 28.3.2007: Vorbereitungen zum ersten Flug mit der neuen AIM-9X Lenkwaffe bei der <strong>Luftwaffe</strong>.<br />

Bü<strong>ch</strong>erecke<br />

Peter Brots<strong>ch</strong>i<br />

Gebro<strong>ch</strong>ene Flügel<br />

Alle Flugunfälle der <strong>S<strong>ch</strong>weizer</strong> <strong>Luftwaffe</strong><br />

Von 9 4 bis heute verzei<strong>ch</strong>nete die <strong>S<strong>ch</strong>weizer</strong><br />

<strong>Luftwaffe</strong> rund 400 Flugunfälle. Dabei sind<br />

über 0 Besatzungsmitglieder, Passagiere<br />

sowie Personen am Boden ums Leben<br />

gekommen. Peter Brots<strong>ch</strong>i, Aviatikjournalist<br />

und selber Offizier der <strong>Luftwaffe</strong>, hat in Ar<strong>ch</strong>iven<br />

Tausende von Aktenseiten gesi<strong>ch</strong>tet und<br />

überlebende Besatzungsmitglieder befragt.<br />

Als Journalist ma<strong>ch</strong>te Brots<strong>ch</strong>i die Erfahrung,<br />

dass Flugunfälle der lokalen Bevölkerung<br />

no<strong>ch</strong> Jahrzehnte na<strong>ch</strong> dem Absturz in lebhafter<br />

Erinnerung sind. Au<strong>ch</strong> zeugen überall im<br />

Land Gedenksteine von den Abstürzen. Für<br />

sein Bu<strong>ch</strong> hat Peter Brots<strong>ch</strong>i im Bundesar<strong>ch</strong>iv<br />

und in den Ar<strong>ch</strong>iven der <strong>Luftwaffe</strong> unzählige<br />

Expertenberi<strong>ch</strong>te, te<strong>ch</strong>nis<strong>ch</strong>e und fliegeris<strong>ch</strong>e<br />

Expertisen, Skizzen, Karten und Fotos gesi<strong>ch</strong>tet.<br />

Präzise und einfühlsam bes<strong>ch</strong>reibt der<br />

Autor den Hergang jedes einzelnen der 400<br />

Flugunfälle, begleitet von Detailangaben zu<br />

Unfallort, Zeit, Luftfahrzeug und den Namen<br />

und Fotos der tödli<strong>ch</strong> verunfallten Besatzun- Sehr empfehlenswert!<br />

Mit dieser zweiten Phase wird das Ergänzungs-<br />

programms F/A-18 bis 2009 abges<strong>ch</strong>lossen.<br />

Der vorläufig letzte Teil in der Gesamtverifikation<br />

des F/A-18-Waffensystems na<strong>ch</strong> der Ergänzung<br />

der Ausrüstung wurde am 2. Mai 2007 errei<strong>ch</strong>t.<br />

Testpilot Beni Berset (armasuisse) startete um<br />

07.55 in China Lake (USA) zum ersten AIM-9X<br />

Lenkwaffen-S<strong>ch</strong>uss ab dem modernisierten F/<br />

A-18 J-5001. Als Ziel wurde eine Subscale Dro-<br />

ne BQM-74 eingesetzt. Der S<strong>ch</strong>uss verlief wie<br />

erwartet und gemäss Testplan. n<br />

gen. Bilder von Absturzstellen, aber au<strong>ch</strong> von<br />

Mas<strong>ch</strong>inen vor dem tragis<strong>ch</strong>en Einsatz sowie<br />

Skizzen ergänzen die Beri<strong>ch</strong>te.<br />

Brots<strong>ch</strong>is Werk stellt die erste Aufarbeitung<br />

sämtli<strong>ch</strong>er Flugunfälle der <strong>S<strong>ch</strong>weizer</strong> <strong>Luftwaffe</strong><br />

dar und ist damit ein wi<strong>ch</strong>tiger Beitrag zur<br />

s<strong>ch</strong>weizeris<strong>ch</strong>en Militärges<strong>ch</strong>i<strong>ch</strong>te.<br />

Peter Brots<strong>ch</strong>i ist Lehrer und Journalist mit<br />

Spezialgebiet Aviatik sowie Hauptmann der<br />

<strong>S<strong>ch</strong>weizer</strong> <strong>Luftwaffe</strong>. Er ist ein grosser Kenner<br />

der <strong>S<strong>ch</strong>weizer</strong> Luftfahrtges<strong>ch</strong>i<strong>ch</strong>te.<br />

Bis 00 war er Chefredaktor der «Aero-<br />

Revue». Als Bu<strong>ch</strong>autor s<strong>ch</strong>rieb er u.a. über<br />

den Lufttransport der <strong>S<strong>ch</strong>weizer</strong> <strong>Luftwaffe</strong><br />

sowie über Ausbildung und Einsätze bei der<br />

Jetfliegerei in der <strong>S<strong>ch</strong>weizer</strong> <strong>Luftwaffe</strong>.<br />

Kontakt zum Autor: www.peterbrots<strong>ch</strong>i.<strong>ch</strong><br />

Bibliografie<br />

Peter Brots<strong>ch</strong>i, Gebro<strong>ch</strong>ene Flügel, Orell Füssli<br />

Verlag, Züri<strong>ch</strong> 00 , Seiten, gebunden<br />

ISBN - 0-0 0 7- .<br />

Fr. 9.–


Lufttransportdienst des Bundes<br />

Neues Verbindungsflugzeug in Dübendorf<br />

Seit Osterdienstag setzt die <strong>S<strong>ch</strong>weizer</strong> Luftwaf-<br />

fe an Stelle des ausgemusterten Lear-Jets eine<br />

Bee<strong>ch</strong> 1900 D ein. Die Mas<strong>ch</strong>ine verfügt über<br />

zwei je 1400 PS starke Turboprop-Triebwerke.<br />

Sie wurde von einer deuts<strong>ch</strong>en Fluggesells<strong>ch</strong>aft<br />

gemietet und ist als D-CBIG immatrikuliert. Das<br />

ursprüngli<strong>ch</strong> 18-plätzige Flugzeug wird dur<strong>ch</strong><br />

die <strong>Luftwaffe</strong> im Normalfall mit 10 Sitzplätzen<br />

für Passagiere sowie Platz für Material einge-<br />

setzt und ist vorläufig in Dübendorf stationiert<br />

n<br />

Blick ins Cockpit der<br />

Bee<strong>ch</strong> 1900 D.<br />

Te<strong>ch</strong>nis<strong>ch</strong>e Daten der Bee<strong>ch</strong> B-1900 D<br />

Die Bee<strong>ch</strong> 1900 D mit der Immatrikulation D-CBIG auf dem Flugplatz Bern-Belp.<br />

• Baujahr 997<br />

• Hersteller: Raytheon Bee<strong>ch</strong>craft in Wi<strong>ch</strong>ita, USA<br />

• Triebwerke: PT A 7 mit je ca 400 PS<br />

• Beladung: max Pax<br />

• Max Startgewi<strong>ch</strong>t: 7 0 lbs ( 7. t)<br />

• Spannweite: 7. 4 m<br />

• Länge: 7. m<br />

• Höhe: 4.7 m<br />

• High Speed Cruise: 0 Kts (rund 0 km/h)<br />

• Max Rei<strong>ch</strong>weite mit 0 Passagieren: rund 00km<br />

| ARMEE<br />

aktuell |<br />

| 007<br />

|<br />

|<br />

Te<strong>ch</strong>nik<br />

7


Hauptziel der<br />

Übung war es,<br />

die Führungsabläufe<br />

auf dem<br />

Flugplatz Sion zu<br />

überprüfen.<br />

Übung Beluga 07<br />

Ereignis-Flut<br />

auf dem Militärflugplatz Sion<br />

In der Übung BELUGA 07 wurden während drei Tagen die Führungsabläufe auf der Wal-<br />

liser Air base überprüft. Rund 900 AdA waren in die Ereignisse involviert.<br />

von Remo Meister (Text), Sebastian Derungs (Fotos)<br />

Auf der Air base Sion bri<strong>ch</strong>t die grosse Hektik<br />

aus. Ein fremdes Flugzeug ist in den <strong>S<strong>ch</strong>weizer</strong><br />

Luftraum eingedrungen. Zwei F/A-18-Kampfjets<br />

fangen es ab und zwingen den Piloten zur Lan-<br />

dung auf dem Militärflugplatz. Eine Mas<strong>ch</strong>ine<br />

fliegt begleitend neben dem unbekannten Flug-<br />

zeug her, die zweite „Hornet“ folgt in S<strong>ch</strong>ussdis-<br />

tanz. Auf der Air base geht die Si<strong>ch</strong>erungseinheit<br />

in Stellung, um den fremden Jet militäris<strong>ch</strong> in<br />

Empfang zu nehmen.<br />

Kurz darauf steigen ausländis<strong>ch</strong> uniformierte<br />

Passagiere aus, die der Flugplatz-„Security“ den<br />

Gehorsam verweigern. Einer der Unbekannten<br />

ma<strong>ch</strong>t si<strong>ch</strong> zu Fuss auf die Flu<strong>ch</strong>t, eine kleine<br />

Gruppe nimmt die Verfolgung auf. Die anderen<br />

„Eindringlinge“ werden dur<strong>ch</strong>su<strong>ch</strong>t, in Hand-<br />

s<strong>ch</strong>ellen gelegt und abtransportiert. Na<strong>ch</strong> eini-<br />

gen turbulenten Minuten kehrt auf der Air base<br />

in Sion wieder etwas Ruhe ein. Lange wird die<br />

Atempause indes ni<strong>ch</strong>t andauern...<br />

Die aufmüpfigen Passagiere waren Grenadie-<br />

re, die si<strong>ch</strong> im Rahmen der Übung BELUGA 07<br />

anfangs Mai für diesen Einsatz zur Verfügung<br />

gestellt hatten. Ein Hauptziel der Übung war es,<br />

die Führungsabläufe auf dem Flugplatz Sion zu<br />

überprüfen. Dafür löste die Übungsleitung wäh-<br />

rend den drei Tagen knapp 30 Ereignisse aus,<br />

um das Personal der Air base – bestehend aus<br />

Miliz- und Berufsmilitärs – aus der Reserve zu<br />

locken.<br />

„Seit den späten 1990er Jahren stand bei der<br />

<strong>Luftwaffe</strong> die te<strong>ch</strong>nis<strong>ch</strong>e Ausbildung im Vorder-<br />

grund“, sagt BELUGA-Stabs<strong>ch</strong>ef Oberstleutnant<br />

i Gst Beat-Jürg Minder. Das habe mit der Zeit<br />

zwar zu routinierten Abläufen geführt, aber die<br />

taktis<strong>ch</strong>e S<strong>ch</strong>ulung ni<strong>ch</strong>t eben gefördert. „Seit<br />

2005 konnten wir zudem die Attraktivität und<br />

den Praxisbezug dank sol<strong>ch</strong> grosser Übungen<br />

wieder steigern“, fügt Minder bei.<br />

Realistis<strong>ch</strong>es Szenario<br />

In der Tat haben si<strong>ch</strong> die BELUGA-“Ma<strong>ch</strong>er“<br />

einiges einfallen lassen. Ein paar Stunden na<strong>ch</strong><br />

dem Ereignis mit dem fremden Flugzeug wird<br />

das Flugplatzpersonal erneut gefordert: Ein<br />

Helikopter des Typs Alouette 3 hebt mit fünf<br />

Passagieren von Sion Ri<strong>ch</strong>tung Payerne ab.<br />

Kurz na<strong>ch</strong> dem Start muss der Pilot aufgrund<br />

eines te<strong>ch</strong>nis<strong>ch</strong>en Defekts seines Helikopters<br />

auf einem militäris<strong>ch</strong>en Übungsplatz in Aproz<br />

unter s<strong>ch</strong>wierigen Bedingungen zur Notlandung<br />

ansetzen.<br />

Es dauert ni<strong>ch</strong>t lange, bis Feuerwehr und Ambu-<br />

lanz des Unfall-Pikettdienstes (UP) vor Ort sind<br />

und damit beginnen, die Unfallstelle zu si<strong>ch</strong>ern<br />

und die verletzten Passagiere zu bergen. Wäh-<br />

rend si<strong>ch</strong> die Rau<strong>ch</strong>s<strong>ch</strong>waden langsam verzie-<br />

hen, müssen die Truppen einen Armbru<strong>ch</strong>, ein<br />

halb abgetrenntes Ohr sowie Fingerverletzungen<br />

verarzten. „Sol<strong>ch</strong>e Einsätze s<strong>ch</strong>ätzen wir sehr,<br />

weil sie sehr realitätsnah sind“, findet Sven<br />

Fis<strong>ch</strong>er. Der 30-Jährige ist als Mitglied des UP<br />

an der Bergung beteiligt und zieht ein positives<br />

Fazit: „Auf diese Art lernen wir am meisten.“<br />

Die Helikopter-Notlandung war damit für das<br />

Flugplatz-Kommando indes no<strong>ch</strong> ni<strong>ch</strong>t abge-<br />

hakt. Weil die verantwortli<strong>ch</strong>en Militärs au<strong>ch</strong> in<br />

Sa<strong>ch</strong>en Kommunikation beübt wurden, mussten<br />

sie im Auftrag der Übungsleitung am nä<strong>ch</strong>sten<br />

Morgen eine Medienkonferenz organisieren<br />

und vor Journalisten den Vorfall der Notlandung<br />

erläutern. Au<strong>ch</strong> sonst wurde Flugplatz-Komman-<br />

dant Oberstleutnant i Gst Jean-Louis Courvoisier


mit unangenehmen Fragen konfrontiert: Sein<br />

TV-Interview mit einem fiktiven „S<strong>ch</strong>weiz aktu-<br />

ell“-Reporter zur aktuellen Fluglärm-Problematik<br />

war ebenfalls Teil der Übung. Genauso wie die<br />

von Grenadieren inszenierte Demonstration vor<br />

dem Air base-Eingang und der ans<strong>ch</strong>liessend<br />

spontan verlangten Stellungnahme gegenüber<br />

den Medien.<br />

Fazit<br />

Na<strong>ch</strong> drei intensiven Tagen ging BELUGA 07<br />

zu Ende. Insgesamt knapp 900 Militärs waren<br />

daran beteiligt. Als einen besonderen Höhepunkt<br />

nannte Übungsleiter Oberst i Gst Wolfgang Hoz<br />

die Auswei<strong>ch</strong>landung zweier F/A-18-Jets auf<br />

dem internationalen Flughafen in Genf – das<br />

einer Premiere entspra<strong>ch</strong>. Au<strong>ch</strong> sonst ma<strong>ch</strong>te<br />

Hoz einen zufriedenen Eindruck: „Das Flugplatz-<br />

Kommando war sehr gut vorbereitet und hat<br />

ständig voraus geda<strong>ch</strong>t.“ Andererseits habe es<br />

au<strong>ch</strong> Mängel gegeben: Auf den unteren Stufen<br />

sei der Bereits<strong>ch</strong>aftsgrad der Truppe mitunter<br />

ni<strong>ch</strong>t optimal gewesen. „Das hing wohl damit<br />

zusammen, dass der Informationsfluss von oben<br />

na<strong>ch</strong> unten während der Übung ni<strong>ch</strong>t immer gut<br />

funktioniert hat“, resümiert Hoz.<br />

Um künftig weitere Forts<strong>ch</strong>ritte zu erzielen, gilt<br />

für die <strong>S<strong>ch</strong>weizer</strong> <strong>Luftwaffe</strong> der Grundsatz „Na<strong>ch</strong><br />

der Übung ist vor der Übung“. Mit ihren Gedan-<br />

ken dürften die Verantwortli<strong>ch</strong>en deshalb bereits<br />

bei der Vorbereitung von BELUGA 08 sein.<br />

| ARMEE<br />

aktuell |<br />

| 007<br />

Wie entsteht eine Übung?<br />

Von Lorenzo Vasella (lov.)<br />

|<br />

Eine militäris<strong>ch</strong>e Übung läuft nur so gut ab, wie<br />

sie vorbereitet ist. Deshalb brau<strong>ch</strong>t es für eine<br />

derart gross angelegte Aktion wie BELUGA 07<br />

genügend Vorlaufzeit. Etwa ein halbes Jahr vor<br />

dem eigentli<strong>ch</strong>en Start trifft si<strong>ch</strong> der Kernstab<br />

von BELUGA zur Konzeptwo<strong>ch</strong>e. Während meh-<br />

reren Tagen ma<strong>ch</strong>t er si<strong>ch</strong> mit der zu beübenden<br />

Air base vertraut. So müssen sie bei der Aus-<br />

wahl der Ereignisse auf die Besonderheiten der<br />

jeweiligen Basis Rücksi<strong>ch</strong>t nehmen, im Fall von<br />

Sion etwa auf deren zivile Nutzung.<br />

In der Redaktionswo<strong>ch</strong>e – rund vier Monate vor<br />

Ausbildung<br />

|<br />

9<br />

Um künftig weitere<br />

Forts<strong>ch</strong>ritte<br />

zu erzielen, gilt<br />

für die <strong>S<strong>ch</strong>weizer</strong><br />

<strong>Luftwaffe</strong> der<br />

Grundsatz „Na<strong>ch</strong><br />

der Übung ist vor<br />

der Übung“.


0<br />

Übungsstart – ma<strong>ch</strong>t si<strong>ch</strong> die Übungsleitung<br />

zusammen mit ausgewählten S<strong>ch</strong>iedsri<strong>ch</strong>tern<br />

vor Ort ein Bild. Dana<strong>ch</strong> erstellt sie ein erstes<br />

Übungsdossier. Darin sind unter anderem alle<br />

geplanten Ereignisse aufgelistet. Die Übungs-<br />

leitung bestellt Material und Personal. Zudem<br />

stimmt sie die einzelnen Ereignisse mit der<br />

Übung COPERTA ab, bei der während BELUGA<br />

die Piloten beübt werden. Nun erhält das Flug-<br />

platzkommando den Vorbefehl. Das Übungsdos-<br />

sier bes<strong>ch</strong>reibt au<strong>ch</strong> das Na<strong>ch</strong>ri<strong>ch</strong>tenspiel. Das<br />

ist die „Story“ hinter der Übung. Bei BELUGA 07<br />

etwa trafen si<strong>ch</strong> – rein fiktiv natürli<strong>ch</strong> – zwei zer-<br />

strittene Nationen zu einer Konferenz in Crans<br />

Montana.<br />

Damit sind die Vorbereitungen no<strong>ch</strong> ni<strong>ch</strong>t been-<br />

det. In der Überprüfungswo<strong>ch</strong>e, zwei Monate<br />

vor Übungsstart, muss die ganze Übungsanlage<br />

kontrolliert werden. Die Übungsleitung nennt die-<br />

sen Teil der Vorbereitungen „Wargame“, da alle<br />

Ereignisse theoretis<strong>ch</strong> auf einer grossen Karte<br />

„Die <strong>Luftwaffe</strong> verleiht uns Stabilität<br />

über die <strong>S<strong>ch</strong>weizer</strong> Grenzen hinaus“<br />

Oberstlt i Gst Claude Maier.<br />

dur<strong>ch</strong>gespielt werden. Mögli<strong>ch</strong>e S<strong>ch</strong>wa<strong>ch</strong>punkte<br />

können so eliminiert werden. Dana<strong>ch</strong> komplettiert<br />

die Übungsleitung das Dossier. Trotz dieser<br />

intensiven Arbeitswo<strong>ch</strong>en ist aber klar: Ohne<br />

das ausserdienstli<strong>ch</strong>e Engagement des Stabsmitglieder<br />

wäre BELUGA ni<strong>ch</strong>t ma<strong>ch</strong>bar.<br />

Interview: Remo Meister<br />

Oberstleutnant i Gst Claude Meier (4 ) ist<br />

Chef Führungs- und Stabsausbildung des<br />

<strong>Luftwaffe</strong>n Stab-A7 sowie Pilot und nimmt im<br />

Interview mit „Armee aktuell“ Stellung zum<br />

Zustand der <strong>S<strong>ch</strong>weizer</strong> <strong>Luftwaffe</strong>. Meier war<br />

Leiter der Übung COPERTA, die parallel zur<br />

Übung BELUGA lief.<br />

Armee aktuell: Oberstleutnant Meier,<br />

weshalb brau<strong>ch</strong>t die <strong>S<strong>ch</strong>weizer</strong> Armee eine<br />

<strong>Luftwaffe</strong>?<br />

Claude Meier: Das hat vers<strong>ch</strong>iedene Gründe.<br />

In der Bundesverfassung ist im Art.<br />

verankert, dass die S<strong>ch</strong>weiz eine Armee hat.<br />

Und einer der Aufträge der Armee ist es,<br />

die dritte Dimension, also den Luftraum zu<br />

s<strong>ch</strong>ützen und die s<strong>ch</strong>weizeris<strong>ch</strong>e Lufthoheit<br />

zu gewährleisten. Die <strong>Luftwaffe</strong> übt also einen<br />

Luftpolizeidienst aus.<br />

Wel<strong>ch</strong>en internationalen Nutzen hat die<br />

<strong>S<strong>ch</strong>weizer</strong> <strong>Luftwaffe</strong>?


Sie verleiht uns Stabilität über die <strong>S<strong>ch</strong>weizer</strong><br />

Grenzen hinaus. Wenn wir unseren Luftraum<br />

ni<strong>ch</strong>t s<strong>ch</strong>ützen könnten, entstünde mitten<br />

in Europa ein Si<strong>ch</strong>erheitsvakuum. Dieses<br />

müsste dann von einem unserer Na<strong>ch</strong>barländer<br />

„gefüllt“ werden – was wir ni<strong>ch</strong>t wollen.<br />

Glei<strong>ch</strong>es gilt übrigens au<strong>ch</strong> für die <strong>S<strong>ch</strong>weizer</strong><br />

Armee im Allgemeinen.<br />

Wie steht es um die aktuelle Einsatzbereits<strong>ch</strong>aft<br />

der <strong>Luftwaffe</strong>?<br />

Generell gut. Wenn zum Beispiel in der<br />

S<strong>ch</strong>weiz eine internationale Konferenz<br />

einberufen wird, bei der es den Luftraum<br />

besonders zu s<strong>ch</strong>ützen gilt, können wir das<br />

mittlerweile innert kurzer Zeit garantieren.<br />

Auf der anderen Seite haben wir aufgrund der<br />

Umstrukturierungen und des Personalabbaus<br />

Probleme damit, genügend Kapazitäten für<br />

die Bereits<strong>ch</strong>aft zu haben. Eines der Ziele der<br />

Übungen COPERTA und BELUGA war es zu<br />

sehen, wo es am meisten Lücken gibt.<br />

Die von Ihnen angespro<strong>ch</strong>enen Übungen<br />

fanden unter anderem in Sion statt. Wel<strong>ch</strong>en<br />

Stellenwert hat der Flugplatz in Sion<br />

für die <strong>S<strong>ch</strong>weizer</strong> Armee?<br />

Einen grossen, die Air base in Sion ist neben<br />

Meiringen und Payerne einer der drei verbleibenden<br />

Kriegsflugplätze. I<strong>ch</strong> mag dieses Wort<br />

zwar ni<strong>ch</strong>t, aber so heisst es nun mal. Die<br />

Piloten profitieren von der geografis<strong>ch</strong>en Lage<br />

des Walliser Flugplatzes: Dank des Nord- und<br />

Südföhns hat es dort selten Nebel, so dass<br />

au<strong>ch</strong> bei s<strong>ch</strong>le<strong>ch</strong>tem Wetter operiert werden<br />

kann.<br />

Was ist die Rolle der beiden Kampfjet-<br />

Typen der <strong>S<strong>ch</strong>weizer</strong> <strong>Luftwaffe</strong>?<br />

Die F/A Hornet und der F Tiger dienen<br />

auss<strong>ch</strong>liessli<strong>ch</strong> der Luftverteidigung. Unsere<br />

<strong>Luftwaffe</strong> ist auf eine defensive Luftsi<strong>ch</strong>erung<br />

trainiert und soll die Wahrung der Lufthoheit<br />

garantieren. Andere Kompetenzen, wie etwa<br />

jene der Luftaufklärung, sind mit der Ausmusterung<br />

der Mirage weggefallen.<br />

„Der Flugplatz bringt der Region bis zu 100 Millionen Franken im Jahr“<br />

Interview Lorenzo Vasella<br />

| ARMEE<br />

aktuell |<br />

| 007<br />

Die Airbase Sion geriet in jüngster Vergangenheit wegen der Initiative der Fondation Franz Weber in<br />

den Fokus der Öffentli<strong>ch</strong>keit. Das Volksbegehren verlangt, dass Kampfjets in touristis<strong>ch</strong>en Regionen<br />

verboten werden. „Armee Aktuell“ spra<strong>ch</strong> mit Flugplatz<strong>ch</strong>ef Antoine Jacquod über die Bedeutung der<br />

Airbase für die Region Sion.<br />

Armee Aktuell: Herr Oberstleutnant<br />

Jacquod, Kritiker<br />

sagen, dass die Air base<br />

Sion zu viel Lärm ma<strong>ch</strong>t. Wie<br />

gross ist das Problem aus<br />

Ihrer Si<strong>ch</strong>t?<br />

Oberstleutnant Antoine Jacquod:<br />

Lärm ist ein Problem der<br />

Militärfliegerei. In der heutigen<br />

Zeit führt Lärmbelästigung in<br />

vielen Berei<strong>ch</strong>en zu Diskussionen,<br />

etwa im Strassenverkehr<br />

oder bei S<strong>ch</strong>iessständen. Für<br />

mi<strong>ch</strong> als Flugplatz<strong>ch</strong>ef ist<br />

die Lärmproblematik deshalb<br />

immer aktuell. Einen grossen<br />

Teil meiner Arbeitszeit setze i<strong>ch</strong><br />

für Gesprä<strong>ch</strong>e mit Anwohnern<br />

und Behörden zu diesem<br />

Thema ein.<br />

Was unternehmen Sie gegen<br />

den Lärm?<br />

Die <strong>Luftwaffe</strong> nimmt die Sa<strong>ch</strong>e<br />

ernst und kommt der regionalen<br />

Bevölkerung entgegen. Von<br />

Oberstlt Antoine Jacquod. anfangs Juli bis Mitte August<br />

bleiben in Sion die Abfangjäger<br />

auf Wuns<strong>ch</strong> der Tourismusbran<strong>ch</strong>e<br />

am Boden. Zudem sind die tägli<strong>ch</strong>en Flugzeiten dur<strong>ch</strong> das Jahr hindur<strong>ch</strong> stark begrenzt.<br />

Zusätzli<strong>ch</strong> nehmen wir Rücksi<strong>ch</strong>t auf die lokalen Feiertage.<br />

Ma<strong>ch</strong>t ein Flugplatz in Sion überhaupt Sinn?<br />

Auf jeden Fall! Denn der Flugplatz wird ja ni<strong>ch</strong>t nur militäris<strong>ch</strong> genutzt. Für einen Randkanton wie das<br />

Wallis sind alle Verbindungen na<strong>ch</strong> draussen wi<strong>ch</strong>tig. Die zivile Luftfahrt ermögli<strong>ch</strong>t dem Wallis, seine<br />

engen geografis<strong>ch</strong>en Grenzen zu sprengen. Für den Tourismus ist der Flughafen deshalb eine grosse<br />

Chance.<br />

Wäre ein ziviler Flughafen in Sion ohne die Militärfliegerei mögli<strong>ch</strong>?<br />

Der zivile Flugplatz profitiert von der Infrastruktur der <strong>Luftwaffe</strong>. Unsere Dienstleistungen werden auf<br />

vier bis fünf Millionen pro Jahr ges<strong>ch</strong>ätzt. Dazu gehören zum Beispiel die S<strong>ch</strong>neeräumung, Radarund<br />

Funksysteme sowie die Luftraumüberwa<strong>ch</strong>ung während den militäris<strong>ch</strong>en Flugzeiten. Ni<strong>ch</strong>t zu<br />

vergessen ist, dass dank des Zivil- und Militärflugplatzes jährli<strong>ch</strong> zwis<strong>ch</strong>en 70 und 00 Millionen<br />

Franken in die regionale Wirts<strong>ch</strong>aft fliessen. Ausserdem bildet die <strong>Luftwaffe</strong> vor Ort 40 Lehrlinge zu<br />

Polyme<strong>ch</strong>aniker aus.<br />

Steht die lokale Bevölkerung hinter der Militärfliegerei?<br />

Ja, eine grosse Mehrheit befürwortet unsere Anwesenheit. Seit etwa Jahren nutzt die <strong>S<strong>ch</strong>weizer</strong><br />

<strong>Luftwaffe</strong> den Flugplatz Sion. Ohne breite Akzeptanz der Walliser Bevölkerung wäre dies kaum<br />

mögli<strong>ch</strong> gewesen.<br />

|<br />

Ausbildung<br />

|<br />

Die Piloten<br />

profitieren von<br />

der geografis<strong>ch</strong>en<br />

Lage des Walliser<br />

Flugplatzess.


Flugplatzkommando Locarno<br />

In der Magadinoebene ist ein<br />

praktis<strong>ch</strong> neuer Stützpunkt entstanden<br />

In den letzten a<strong>ch</strong>t Jahren wurde die bauli<strong>ch</strong>e Infrastruktur des Militärflugplatzes<br />

Locarno praktis<strong>ch</strong> vollständig erneuert. Na<strong>ch</strong> einer zweijährigen Bauphase wurde die<br />

letzte und mit 45 Millionen teuerste Bauetappe von der armasuisse an die <strong>Luftwaffe</strong><br />

übergeben.<br />

Von Hansjürg Klossner, Kommunikation <strong>Luftwaffe</strong><br />

Blick in die geräumige Flugzeughalle.<br />

Locarno war bis vor wenigen Jahren für alle<br />

Militärpiloten der Ort, wo ihre fliegeris<strong>ch</strong>e Kar-<br />

riere mit der Ausbildung auf Bücker, P-3, später<br />

PC-7, begonnen hatte. Und wer den südli<strong>ch</strong>sten<br />

<strong>S<strong>ch</strong>weizer</strong> Militärflugplatz besu<strong>ch</strong>te, rieb si<strong>ch</strong><br />

die Augen: Einige ältere Hangars, eine Halle mit<br />

winzigem Büroanbau, dazu viele, viele roman-<br />

tis<strong>ch</strong> anzusehende Holzbaracken, umrahmt von<br />

tollem Blumens<strong>ch</strong>muck, alle im S<strong>ch</strong>atten e<strong>ch</strong>-<br />

ter Marronibäume. Herz was willst du mehr…!<br />

Ein Blick hinter die Kulissen zeigte dann aber<br />

sehr ras<strong>ch</strong>, dass hier zielgeri<strong>ch</strong>tet und knallhart<br />

gearbeitet wurde. Die Karriere so man<strong>ch</strong> hoff-<br />

nungsvollen Pilotanwärters ging hier abrupt zu<br />

Ende. Nur wenige - die besten Anwärter eben<br />

- s<strong>ch</strong>afften es bis zur Brevetierung.<br />

Erneuerung in zwei Etappen<br />

Mit dem Baubeginn für das CIMPP (Centro per<br />

l‘istruzione militare dei piloti e dei paracadutisti)<br />

wurde 1998 ein neues Zeitalter eingeläutet. Der<br />

moderne Neubau bietet ausrei<strong>ch</strong>end Platz für<br />

Zimmer und Theorieräumli<strong>ch</strong>keiten der Truppe,<br />

das neue Personalrestaurant sowie Büros der<br />

Instruktoren. Diese neue Infrastruktur konnte im<br />

Jahr 2000 von den Piloten- und Falls<strong>ch</strong>irmauf-<br />

klärer-S<strong>ch</strong>ulen übernommen werden. Dana<strong>ch</strong><br />

wurden die alten Baracken abgebro<strong>ch</strong>en. No<strong>ch</strong><br />

im Oktober des selben Jahres, no<strong>ch</strong> vor der<br />

offiziellen Eröffnung, stand die neue Infrastruk-<br />

tur bereits teilweise unter Wasser. Die Natur in<br />

Form einer grossen Übers<strong>ch</strong>wemmung hatte<br />

si<strong>ch</strong> wieder einmal als stärker erwiesen.<br />

Dieses Ereignis dürfte wohl ents<strong>ch</strong>eidend dazu<br />

beigetragen haben, dass bei der Planung der<br />

zweiten Erneuerung eine Aufs<strong>ch</strong>üttung des<br />

Geländes des Hauptgebäudes mit Flugzeug-<br />

halle, Garage, Werkstätten, Lager und Büros<br />

bes<strong>ch</strong>lossen wurde.<br />

Ein Betrieb unter einem Da<strong>ch</strong>!<br />

Unter dem Kürzel RILOC wurde auf dem Flug-<br />

platz mit Ausnahme des ebenfalls modernisier-<br />

ten Kontrollturms, der Betriebswa<strong>ch</strong>e und dem<br />

altehrwürdigen Kasino praktis<strong>ch</strong> alles abge-<br />

bro<strong>ch</strong>en und neu in einem einzigen, riesigen<br />

Gebäudekomplex integriert. Von der Flight line<br />

Investitionen in Locarno<br />

99 CIMPP Mio<br />

00 - 007 RILOC incl. Hangar ,<br />

Of-Kaserne, Kontrollturm<br />

Lös<strong>ch</strong>wasserbecken 44 Mio<br />

Total 0 Mio


her gesehen ist ein riesiger Hangar entstanden;<br />

von der Rückseite her wähnt man si<strong>ch</strong> vor einem<br />

mä<strong>ch</strong>tigen Industriekomplex. Hier sind alle Flug-<br />

zeuge wie PC-7, PC-9, Helikopter Alouette und<br />

Super Puma/Cougar ebenso untergebra<strong>ch</strong>t wie<br />

im hinteren Teil die Spezialfahrzeuge. Selbst für<br />

die öfters mal ab Locarno eingesetzten Drohnen<br />

ADS-95 ist hier ausrei<strong>ch</strong>end Platz. Und au<strong>ch</strong> der<br />

neue PC-7 Simulator mit den dazugehörigen<br />

Räumen für Instrumentenfluglehrer und Brie-<br />

fingräume hat im ersten Stock Platz gefunden.<br />

Modernste computergesteuerte Lagersysteme<br />

ma<strong>ch</strong>en das Ausfassen von Ersatzteilen einfa<strong>ch</strong>.<br />

Im Gebäude integriert sind Theoriesäle, Bespre-<br />

<strong>ch</strong>ungszimmer, alle die nötigen Spezialwerk-<br />

stätten des Betriebes, das Magazin und zweck-<br />

mässige, freundli<strong>ch</strong>e Büros für die Benutzer. Auf<br />

dem S<strong>ch</strong>edda<strong>ch</strong> ist eine photovoltais<strong>ch</strong>e Anlage<br />

mit einer Leistung von 60 KVA installiert.<br />

Au<strong>ch</strong> die Falls<strong>ch</strong>irmaufklärer haben mit dem<br />

neuen Hangar 5 eine moderne und grosszügig<br />

eingeri<strong>ch</strong>tete Bleibe gefunden, in der jeder sei-<br />

nen persönli<strong>ch</strong>en S<strong>ch</strong>rank vorfindet. Ni<strong>ch</strong>t von<br />

ungefähr bietet der Hangar 5 au<strong>ch</strong> Platz für<br />

Super Puma. Bei grösseren - oder gar mehre-<br />

ren - Waldbränden, wie beispielsweise 1997 im<br />

Misox, waren zeitweise bis zu a<strong>ch</strong>t Super Puma<br />

im Tessin eingesetzt worden.<br />

Das Flugplatzkommando Locarno mit seinen<br />

rund Zahl Bes<strong>ch</strong>äftigten hat heute folgende<br />

Aufgaben:<br />

- Unterstützung der Piloten- und Falls<strong>ch</strong>irm-<br />

aufklärer-S<strong>ch</strong>ule der <strong>Luftwaffe</strong> sowie<br />

der Lufttransportabteilung 8 in Lodrino<br />

- Lufttransport Basis südli<strong>ch</strong> der Alpen<br />

- Betrieb des PC-7 Simulators<br />

- Kompetenzstelle für PC-7- und PC-6-Flug-<br />

zeuge<br />

- Flugbetrieb zugunsten des Flabs<strong>ch</strong>iessplatzes<br />

von Samaden<br />

Die neue, grosse Flugzeughalle. Re<strong>ch</strong>ts unten wie oben sind Werkstätten und Theorieräume, ja selbst ein<br />

Zimmer für die Dur<strong>ch</strong>diener untergebra<strong>ch</strong>t..<br />

- Einsätze zugunsten der Zivilbevölkerung spe-<br />

ziell bei Unwetterkatastrophen und Waldbrän-<br />

den n<br />

| ARMEE<br />

aktuell |<br />

| 007<br />

Das idyllis<strong>ch</strong>e, für die Betriebsfeuerwehr unabdingbare Lös<strong>ch</strong>wasserbecken, wird oft zweckentfremdet. Ein<br />

neues Te<strong>ch</strong>nik/Gardarobengebäude erlei<strong>ch</strong>tert das..<br />

|<br />

|<br />

Infrastruktur


4<br />

PC-7 Flugzeuge vor dem imposanten Neubau. Gut erkennbar sind die Photovoltaik-Zellen auf dem Da<strong>ch</strong>.<br />

Einweihungsfeier im neuen Hangar 5, wel<strong>ch</strong>er für die Ausbildung der Falls<strong>ch</strong>irmaufklärer vorgesehen ist.<br />

Das computergesteuerte Materiallager.<br />

Präzise Vorführung des PC-7-Teams. Wenig später<br />

flog das Team in Italien vor 200‘000 begeisterten<br />

Zus<strong>ch</strong>auern.<br />

S<strong>ch</strong>lüsselübergabe: V.l.n.r.: Ulri<strong>ch</strong> Appenzeller, arma-<br />

suisse, KKdt Walter Knutti, Kdt LW, Oberst Tiziano<br />

Ponti, Kdt Flpl Kdo Locarno, Staatsrat Luigi Pedrazzini.


| | ARMEE aktuell<br />

F/A- Live Firing Program USA<br />

Alles bereit – es kann losgehen!<br />

Das Upgrade-21-Programm, Phase 2, der<br />

<strong>S<strong>ch</strong>weizer</strong> F/A-18-Flotte beinhaltet unter<br />

anderem den Einbau eines Helmvisiers<br />

und eine Ergänzung der Bewaffnung mit<br />

der Infrarot-Lenkwaffe Sidewinder AIM-<br />

9X. Als Abs<strong>ch</strong>luss der Gesamtverifikation<br />

des modifizierten F/A-18-Systems wird<br />

ein «Lenkwaffen Live Firing» dur<strong>ch</strong>ge-<br />

führt. Dieses findet unter Verantwortung<br />

der armasuisse auf vers<strong>ch</strong>iedenen<br />

S<strong>ch</strong>iessplätzen der US Navy in den USA<br />

statt.<br />

Das Upgrade-21-Programm der F/A-18 Flotte<br />

– eine Zusammenarbeit zwis<strong>ch</strong>en armasuisse,<br />

US Navy, Boeing, und der RUAG Aerospace<br />

– beinhaltet in der Phase 2 im Wesentli<strong>ch</strong>en<br />

die Integration der neuen Sidewinder-Lenkwaffe<br />

AIM-9X zusammen mit dem neuen Helmvisier<br />

JHMCS (Joint Helmet Mounted Cueing<br />

System)und dem Datenlinksystem MIDS. Infolge<br />

der Komplexität aller Systeme und als notwendiger<br />

End-to-End-Test muss diese Lenkwaffe<br />

in s<strong>ch</strong>arfem S<strong>ch</strong>uss getestet werden. Sol<strong>ch</strong>e<br />

Lenkwaffens<strong>ch</strong>üsse brau<strong>ch</strong>en auf Grund der<br />

Si<strong>ch</strong>erheit sehr grosse S<strong>ch</strong>iessräume. Wegen<br />

der Geographie und Bevölkerungsdi<strong>ch</strong>te in der<br />

S<strong>ch</strong>weiz ist ein sol<strong>ch</strong>es Lenkwaffens<strong>ch</strong>iessen<br />

hier ni<strong>ch</strong>t mögli<strong>ch</strong>. Deshalb wird dieses «Live<br />

Firing Program» in den USA dur<strong>ch</strong>geführt. Die<br />

Programmdauer beträgt neun Monate. Das ist<br />

für die ganze Kampagne sehr knapp bemessen.<br />

Neben der neuen Lenkwaffe werden au<strong>ch</strong><br />

AMRAAM-Lenkwaffen sowie das Datalink-System<br />

MIDS getestet.<br />

26 Tonnen Material<br />

Als verantwortli<strong>ch</strong>er Site Manager führt Bruno<br />

Häusermann ein kleines Team von Mitarbeitern<br />

der RUAG Aerospace, wel<strong>ch</strong>es für den reibungslosen<br />

Unterhalt und Betrieb der eingesetzten<br />

F/A-18 Hornet J-5001 sorgen wird. Seit Oktober<br />

2006 wurde in der Lagerhalle in Emmen das für<br />

diese S<strong>ch</strong>iesskampagne notwendige Material<br />

- rund 26 Tonnen aus dem Bestand der <strong>Luftwaffe</strong><br />

und der RUAG Aerospace - zusammengetragen<br />

und am 30. Januar 07 mit einer Boeing<br />

747F der Fluggesells<strong>ch</strong>aft «Evergreen» na<strong>ch</strong><br />

Los Angeles überflogen. Von Los Angeles aus<br />

ging es dann mit vier Lastwagen weiter na<strong>ch</strong><br />

China Lake. Ans<strong>ch</strong>liessend wurde das gesamte<br />

Material ausgepackt, eingelagert und inventarisiert,<br />

die Testgeräte auf deren Funktion überprüft<br />

| 007<br />

|<br />

Te<strong>ch</strong>nik<br />

|<br />

Das „Live firing Team“ am 2. Mai 2007 na<strong>ch</strong> dem erfolgrei<strong>ch</strong>en ersten<br />

AIM-9X Lenkwaffen-S<strong>ch</strong>uss ab dem modernisierten F/A-18 J-5001 auf<br />

dem Flugplatz von China Lake.<br />

und erste Trainings bei der Navy in China Lake<br />

zur Bedienung des US Navy-Materials besu<strong>ch</strong>t.<br />

Während Häusermann während der gesamten<br />

Kampagne in den Staaten verbleibt, werden si<strong>ch</strong><br />

die restli<strong>ch</strong>en Mitglieder des «Hornet Handler<br />

Teams» regelmässig ablösen. Somit ist gewährleistet,<br />

dass ein breit gefä<strong>ch</strong>ertes Know-how in<br />

die S<strong>ch</strong>weiz transferiert wird.<br />

Für die Kampagne wurde die F/A-18 J-5001<br />

im März 2007 in Begleitung des Falcon 50 der<br />

<strong>Luftwaffe</strong> na<strong>ch</strong> China Lake überflogen. Für den<br />

Überflug via S<strong>ch</strong>ottland, Island, Grönland und<br />

Kanada na<strong>ch</strong> Amerika sind sieben Zwis<strong>ch</strong>enstopps<br />

zwecks Betankung und Pilotenwe<strong>ch</strong>sel<br />

geplant. Gesamthaft sind in den USA zirka 45<br />

Flüge geplant. Der Serieumbau für die Phase 2<br />

der <strong>S<strong>ch</strong>weizer</strong> F/A-18-Flotte startet na<strong>ch</strong> dem<br />

erfolgrei<strong>ch</strong>en Ersts<strong>ch</strong>uss einer AIM-9X in China<br />

Lake n<br />

Wegen der<br />

Geographie und<br />

Bevölkerungsdi<strong>ch</strong>te<br />

in der S<strong>ch</strong>weiz<br />

ist ein sol<strong>ch</strong>es<br />

Lenkwaffens<strong>ch</strong>iessen<br />

hier ni<strong>ch</strong>t<br />

mögli<strong>ch</strong>.


0 Jahre Super Puma<br />

Eine Erfolgsges<strong>ch</strong>i<strong>ch</strong>te<br />

Die T-313 der <strong>S<strong>ch</strong>weizer</strong> <strong>Luftwaffe</strong> mit KFOR-Bemalung beim Einsatz in Toplicane (Albanien) zusammen mit<br />

einer CH-53 der deuts<strong>ch</strong>en Bundeswehr..<br />

Vor 20 Jahren bes<strong>ch</strong>affte die S<strong>ch</strong>weiz für 46 Millionen Franken die ersten drei Trans-<br />

porthelikopter des Typs Super Puma. Kaum in der <strong>Luftwaffe</strong> eingeführt, zeigten si<strong>ch</strong><br />

anlässli<strong>ch</strong> der Unwetterkatastrophe von 1987 die vielfältigen Einsatzmögli<strong>ch</strong>keiten<br />

dieses ‹Lastesels der Luft›. Heute umfasst die Flotte 27 Mas<strong>ch</strong>inen.<br />

Hansjürg Klossner, Kommunikation <strong>Luftwaffe</strong><br />

Im Vorfeld der Bes<strong>ch</strong>affung gab es bei der Luft-<br />

waffe ein gewi<strong>ch</strong>tiges Lager von Befürwortern<br />

des amerikanis<strong>ch</strong>en Black Hawk-Helikopters.<br />

Letztli<strong>ch</strong> ents<strong>ch</strong>ied si<strong>ch</strong> die S<strong>ch</strong>weiz aber für den<br />

französis<strong>ch</strong>en Hersteller Eurocopter und wählte<br />

den bewährten Super Puma. Heute, 20 Jah-<br />

re später, sind alle Benutzer zufrieden mit der<br />

damaligen Wahl. Der Super Puma ist aus der<br />

<strong>S<strong>ch</strong>weizer</strong> <strong>Luftwaffe</strong> ni<strong>ch</strong>t mehr wegzudenken.<br />

Im Frühjahr 1987 erfolgte in Frankrei<strong>ch</strong> die<br />

Ausbildung der ersten Piloten und des Boden-<br />

personals. Am 14. August wurde die erste,<br />

gänzli<strong>ch</strong> in Frankrei<strong>ch</strong> gefertigte Mas<strong>ch</strong>ine der<br />

<strong>S<strong>ch</strong>weizer</strong> <strong>Luftwaffe</strong> übergeben. Kurz na<strong>ch</strong><br />

deren Auslieferung im Sommer 1987 wurde<br />

die S<strong>ch</strong>weiz von s<strong>ch</strong>weren Unwettern heimge-<br />

su<strong>ch</strong>t. Bei Hilfseinsätzen in den Kantonen Uri,<br />

Graubünden und Wallis erwies si<strong>ch</strong> der Super<br />

Puma als wirkungsvolles Transportmittel. Ohne<br />

diesen leistungsstarken Helikopter wären die<br />

Transporte von Baumas<strong>ch</strong>inen, Geniematerial<br />

usw. innerhalb der notwendigen Zeit ni<strong>ch</strong>t mög-<br />

li<strong>ch</strong> gewesen.<br />

Der Transport von Truppen ist die Hauptaufga-<br />

be des Super Puma. Er kann 15 ausgerüstete<br />

Soldaten und deren Versorgung mitführen. Er<br />

ist ni<strong>ch</strong>t für den Einsatz in Kampfzonen vorge-<br />

sehen und unbewaffnet. Der Super Puma kann<br />

Aussenlasten bis zu drei Tonnen transportieren;<br />

speziell für die Einsätze zur Waldbrandbekämp-<br />

fung ist dies ein grosser Vorteil. Au<strong>ch</strong> seitens der<br />

Truppe wurde die Mögli<strong>ch</strong>keit, ganze Einheiten<br />

innert kurzer Zeit auf dem Luftweg zu vers<strong>ch</strong>ie-<br />

ben, ges<strong>ch</strong>ätzt. So wurden nur drei Jahre später<br />

mit dem Rüstungsprogramm 98 für insgesamt<br />

320 Millionen no<strong>ch</strong>mals zwölf Helikopter, der<br />

inzwis<strong>ch</strong>en verbesserten Militärversion Cougar<br />

AS532, bestellt. Das Na<strong>ch</strong>folgemodell des Super<br />

Puma verfügt über ein modernes Glascockpit<br />

und ein Selbsts<strong>ch</strong>utzsystem. Der Grossteil der<br />

Transporthelikopter der <strong>Luftwaffe</strong> sind in der<br />

heutigen RUAG Aerospace in Emmen endmon-<br />

tiert worden. Dies bra<strong>ch</strong>te der Unternehmung<br />

einen sehr wi<strong>ch</strong>tigen Know-how-Gewinn. In<br />

Emmen steht au<strong>ch</strong> der moderne Super Puma<br />

Simulator.<br />

Spezialaufgaben<br />

Einige der Transporthelikopter der <strong>Luftwaffe</strong><br />

sind mit speziellen Ausrüstungen bestückt. Spe-<br />

ziell erwähnenswert ist der FLIR-Puma, dessen<br />

Besatzungen dank ihrer Infrarot-Ausrüstung<br />

s<strong>ch</strong>on mehrmals Verunglückte gerettet oder<br />

na<strong>ch</strong> Waldbränden für die Feuerwehren unter<br />

dem Boden weiter mottende Glutnester entdeckt<br />

haben.<br />

Die ersten drei Super Puma der <strong>S<strong>ch</strong>weizer</strong><br />

<strong>Luftwaffe</strong> - die Helikopter T-311, T-312 und T-<br />

313 - weisen heute um die 4›000 Flugstunden<br />

auf. Alle standen mehrmals im Dauereinsatz


ei Waldbränden, flogen Holztransporte na<strong>ch</strong><br />

Sturms<strong>ch</strong>äden und weitere Lasten für die Trup-<br />

pe, Bevölkerung usw. Nebst Soldaten waren<br />

immer wieder sogenannte VIP Fluggäste im<br />

Super Puma. Dies bei Staatsbesu<strong>ch</strong>en und dem<br />

WEF in Davos. Im Log-Bu<strong>ch</strong> verzei<strong>ch</strong>net die T-<br />

311 eine Flugs<strong>ch</strong>au in Lappeenranta (Finnland)<br />

und im Januar 05 der Hilfseinsatz im Tsunami<br />

heimgesu<strong>ch</strong>ten Sumatra. Die T-312 war nebst<br />

den s<strong>ch</strong>weizeris<strong>ch</strong>en Standardaufträgen 1999<br />

im UNHCR-Auftrag in Albanien eingesetzt. Die<br />

T-313 flog bisher nur im Inland. Alle drei Erst-<br />

mas<strong>ch</strong>inen sind bis heute unfallfrei geflogen n<br />

Für länger dauernde Einsätze bes<strong>ch</strong>affte die <strong>Luftwaffe</strong><br />

Zelte für die Unterbringung und Wartung ihrer<br />

Helikopter.<br />

Der FLIR-Puma: Dank des kugelförmigen IR-Sensors hat si<strong>ch</strong> das System bei<br />

Rettungseinsätzen bewährt.<br />

| ARMEE<br />

aktuell |<br />

| 007<br />

|<br />

|<br />

Te<strong>ch</strong>nik<br />

Im Frühjahr 07 standen die Helikopter der <strong>Luftwaffe</strong><br />

einmal mehr zur Bekämpfung von Waldbränden im<br />

Einsatz. Das Bild zeigt einen Helikopter bei Lös<strong>ch</strong>arbeiten<br />

oberhalb von Ronco TI.<br />

7


Können Ents<strong>ch</strong>eide<br />

ni<strong>ch</strong>t<br />

auf der Stufe der<br />

Einsatzzentralen<br />

gefällt werden,<br />

wird der Senior<br />

Duty Officer (SDO)<br />

beigezogen.<br />

Einsatzführung in der <strong>Luftwaffe</strong><br />

Permanent im Bild über<br />

Luftlage und Ressourcen<br />

Im Herbst 2006 ist die Operationszentrale der <strong>Luftwaffe</strong> (Op Zen LW - oder au<strong>ch</strong> ‚AOC‘<br />

genannt) in den modernen Neubau der skyguide in Wangen bei Dübendorf eingezo-<br />

gen. Direkt dem Chef Einsatz der <strong>Luftwaffe</strong> unterstellt, sind in der Op Zen LW die drei<br />

Berei<strong>ch</strong>e Einsatzplanung, Einsatzführung und Einsatzunterstützung vereint. Die moderne<br />

Te<strong>ch</strong>nik erlaubt eine zeitverzugslose Führung der fliegenden Verbände und die optimale<br />

Koordination sämtli<strong>ch</strong>er Mittel der <strong>Luftwaffe</strong>.<br />

Hansjürg Klossner, Kommunikation <strong>Luftwaffe</strong><br />

Im Alltag hat si<strong>ch</strong> statt „Operationszentrum“ der<br />

international gebräu<strong>ch</strong>li<strong>ch</strong>e Begriff „Air Opera-<br />

tions Center (AOC)“ dur<strong>ch</strong>gesetzt. Das AOC ist<br />

die Führungs- und S<strong>ch</strong>altstelle für alle Luftwaf-<br />

feneinsätze inklusive Trainingsmissionen. Hier<br />

treffen sämtli<strong>ch</strong>e einsatz- und führungsrelevan-<br />

ten Informationen zusammen und werden auf<br />

der den Raum dominierenden Multimediawand<br />

übersi<strong>ch</strong>tli<strong>ch</strong> dargestellt: Planungsdaten des<br />

Führungs- und Informationssystems der Luft-<br />

waffe (FIS LW), die aktuelle Luftlage, Wetter-Info,<br />

Fernsehbilder usw. lassen si<strong>ch</strong> glei<strong>ch</strong>zeitig auf-<br />

s<strong>ch</strong>alten. Ferner kann das AOC über die multi-<br />

mediale Führungswand in Videokonferenzen<br />

integriert werden.<br />

Planung ist alles<br />

Wenn ein Militärpilot seinen Einsatzbefehl erhält,<br />

hat die daraus resultierende Mission bereits<br />

eine Vielzahl von Planungss<strong>ch</strong>ritten hinter si<strong>ch</strong>.<br />

Planungsbasis bilden das Kurs- und S<strong>ch</strong>ul-<br />

tableau, sowie die monatli<strong>ch</strong> ers<strong>ch</strong>einende Air<br />

Operations Directive (AOD). Im AOC wurde diese<br />

Planung weiter verfeinert; die unterstellten Ver-<br />

bände (Airbase, Ges<strong>ch</strong>wader) haben von hier<br />

ihre Befehle erhalten.<br />

Monday-Briefing: Im AOC werden die Aktivitäten der <strong>Luftwaffe</strong> für die laufende Wo<strong>ch</strong>e festgelegt..<br />

Die tägli<strong>ch</strong>en Einsätze werden jeweils von<br />

Wo<strong>ch</strong>e zu Wo<strong>ch</strong>e geplant, da die Luftraumre-<br />

servation gesamteuropäis<strong>ch</strong> koordiniert werden<br />

muss. Sie sind in der Air Tasking Order (ATO)<br />

aufgeführt, wel<strong>ch</strong>e wö<strong>ch</strong>entli<strong>ch</strong> ers<strong>ch</strong>eint. Bei<br />

Truppendiensten oder grösseren Operationen<br />

wie WEF-Einsätzen wird dieses für alle verbind-<br />

li<strong>ch</strong>e Dokument tägli<strong>ch</strong> erstellt - basierend auf<br />

den Lageentwicklungen und den daraus ent-<br />

stehenden Bedürfnissen. Dabei ist es wi<strong>ch</strong>tig,<br />

dass die Aufträge mit der Ressourcen-Situation<br />

vergli<strong>ch</strong>en und notwendige Steuerungsmass-<br />

nahmen ergriffen werden.<br />

Einsatzführung im AOC<br />

Die Ents<strong>ch</strong>eidungsfindung dur<strong>ch</strong> das AOC wird<br />

dadur<strong>ch</strong> stark erlei<strong>ch</strong>tert, dass si<strong>ch</strong> die Einsatz-<br />

zentralen Luftverteidigung, Lufttransport und<br />

Luftaufklärung im selben Gebäude in unmittel-<br />

barer Nähe befinden. Wenn nötig können si<strong>ch</strong><br />

die Verantwortli<strong>ch</strong>en kurzfristig zusammenset-<br />

zen. Die Einsätze werden im Normalfall dur<strong>ch</strong><br />

die entspre<strong>ch</strong>enden Einsatzzentralen (Luftver-<br />

teidigung, Lufttransport, Luftaufklärung) - als<br />

integrale Bestandteile des AOC - geführt. Kön-<br />

nen Ents<strong>ch</strong>eide ni<strong>ch</strong>t auf der Stufe der Einsatz-<br />

zentralen gefällt werden, wird der Senior Duty<br />

Officer (SDO) beigezogen. Dieser gewährleistet<br />

als Ents<strong>ch</strong>eidungsträger auf Stufe Op Zen LW im<br />

Führungsraum die angemessene Reaktions- und<br />

Führungsfähigkeit für die tägli<strong>ch</strong>en Operationen.


Er ist au<strong>ch</strong> Pikettoffizier bei besonderen Ereig-<br />

nissen ausserhalb der regulären Arbeitszeiten.<br />

Diese wi<strong>ch</strong>tige Funktion wird von erfahrenen<br />

Offizieren ausgeübt. Sol<strong>ch</strong>e Ents<strong>ch</strong>eide können<br />

kurzfristig notwendig werden bei ni<strong>ch</strong>t plan-<br />

baren Su<strong>ch</strong>- und Rettungs-(SAR/Sear<strong>ch</strong> and<br />

Rescue) Missionen, Einsätzen mit dem FLIR-<br />

Helikopter oder zugunsten von Polizei- oder<br />

Grenzwa<strong>ch</strong>torganen. „Es kann beispielsweise<br />

au<strong>ch</strong> sein, dass bei einer Anfrage für zivile Mit-<br />

Abkürzungen<br />

Op Zen LW Operationszentrale der <strong>Luftwaffe</strong><br />

Die wi<strong>ch</strong>tigsten Funktionsträger im AOC v.l.n.r: Oberst i Gst Bernhard Müller (C Op Zen LW), Divisionär Markus Gygax (Chef Einsatz LW),<br />

Oberst i Gst Peter Soller (C Ei Fhr), Urs Wüst (C NSF), Oberstlt Martin Erb (Stv C Ei Plan).<br />

benützung des militäris<strong>ch</strong>en Luftraums keine<br />

Einigkeit erzielt werden kann. Dann ents<strong>ch</strong>eiden<br />

wir hier“ erklärt Oberst i Gst Peter Soller, der bei<br />

unserem Besu<strong>ch</strong> gerade die Funktion des Senior<br />

Duty Officers innehat.<br />

Einsatzunterstützung<br />

Als „eine Art Mäd<strong>ch</strong>en für alles“ bezei<strong>ch</strong>net<br />

Oberst Urs Frunz seinen Berei<strong>ch</strong> der Einsatzun-<br />

terstützung. Zusammen mit seinen Leuten und<br />

AOC Air Operations Center (internationale Bezei<strong>ch</strong>nung für Op Zen)<br />

OZD Operationszentrum Dübendorf<br />

(luftwaffeninterne Bezei<strong>ch</strong>nung für skyguide-Gebäude)<br />

SDO Senior Duty Officer = Ents<strong>ch</strong>eidungsträger im AOC<br />

FIS LW Führungs- und Informationssystem der <strong>Luftwaffe</strong><br />

AOD Air Operation Directive (monatli<strong>ch</strong>)<br />

ATO Air Tasking Order (wö<strong>ch</strong>entli<strong>ch</strong>, bei Truppendiensten oder WEF tägli<strong>ch</strong>)<br />

FLIR Forward looking Infrared = na<strong>ch</strong> vorn geri<strong>ch</strong>teter Infrarot-Sensor<br />

| ARMEE<br />

aktuell |<br />

dem Berei<strong>ch</strong> NSF sorgt er für eine vollständige<br />

und zeitgere<strong>ch</strong>te Übersi<strong>ch</strong>t der zur Verfügung<br />

stehenden Mittel (Flugzeuge), sowie der Infra-<br />

struktur der <strong>Luftwaffe</strong> in allen Lagen. Da gilt es,<br />

Spezialbedürfnisse und den Einsatz der unter-<br />

s<strong>ch</strong>iedli<strong>ch</strong>sten Fa<strong>ch</strong>spezialisten und Partneror-<br />

ganisationen zu koordinieren. Au<strong>ch</strong> Oberst Frunz<br />

leistet gemäss S<strong>ch</strong>i<strong>ch</strong>tplanung seinen Einsatz<br />

als Senior Duty Officer.<br />

24 Stunden und 365 Tage<br />

Das AOC ist rund um die Uhr errei<strong>ch</strong>bar, und<br />

während 16 Stunden an Wo<strong>ch</strong>entagen ist der<br />

Senior Duty Officer vor Ort. Wi<strong>ch</strong>tigstes Füh-<br />

rungsmittel ist das Führungs- und Informations-<br />

system der <strong>Luftwaffe</strong> (FIS LW), das eine hohe<br />

Transparenz über alle Missionen und die Res-<br />

sourcenlage bietet. Über das FIS LW können die<br />

Verantwortli<strong>ch</strong>en im AOC direkt Einfluss nehmen<br />

auf die Einsätze und die Instandhaltung. Egal, ob<br />

Einsätze in der S<strong>ch</strong>weiz oder im Ausland erfol-<br />

gen: Alle Informationen kaufen im AOC zusam-<br />

men.<br />

| 007<br />

|<br />

Einsatzführung<br />

|<br />

9<br />

Die Einsätze<br />

werden im Normalfall<br />

dur<strong>ch</strong> die<br />

entspre<strong>ch</strong>enden<br />

Einsatzzentralen<br />

(Luftverteidigung,<br />

Lufttransport,<br />

Luftaufklärung)<br />

- als integrale<br />

Bestandteile des<br />

AOC - geführt.


0<br />

Au<strong>ch</strong> das militäris<strong>ch</strong>eBerufspersonal<br />

nimmt die<br />

Armeeseelsorger<br />

in Anspru<strong>ch</strong>.<br />

Armeeseelsorge im Lehrverband Flab<br />

Ein e<strong>ch</strong>tes Bedürfnis<br />

Religiöse Themen stehen in der heutigen Gesells<strong>ch</strong>aft ni<strong>ch</strong>t mehr an erster Stelle. Das<br />

eigene Wohlergehen ist für viele wi<strong>ch</strong>tiger. Wie positioniert si<strong>ch</strong> die Armeeseelsorge in<br />

diesem Umfeld? Brau<strong>ch</strong>t es die Armeeseelsorge no<strong>ch</strong>? Ein Gesprä<strong>ch</strong> mit den Dienst-<br />

<strong>ch</strong>efs Armeeseelsorger Hauptmann Felix S<strong>ch</strong>errer und Hauptmann Guido Estermann gibt<br />

Antworten.<br />

von Hauptmann Patrick Semadeni, Presse- und Informationsoffizier Lehrverband Flab 33<br />

Angebot wird genutzt<br />

– auf zeitgemässe Art<br />

Trotz Wertewandel und zunehmender Individua-<br />

lisierung der Gesells<strong>ch</strong>aft wird das Gesprä<strong>ch</strong> mit<br />

den Armeeseelsorgern gesu<strong>ch</strong>t. „Immer mehr<br />

Mens<strong>ch</strong>en haben das Bedürfnis, mit anderen<br />

Mens<strong>ch</strong>en zu spre<strong>ch</strong>en, denen sie vertrauen.<br />

Als Armeeseelsorger haben wir einen Vertrau-<br />

ensvors<strong>ch</strong>uss. Dies erlei<strong>ch</strong>tert uns den Zugang<br />

zu den Angehörigen des Lehrverbandes.“ stellt<br />

Hauptmann Estermann fest. Im Laufe der Zeit<br />

Hptm Guido Estermann.<br />

hat si<strong>ch</strong> die Form des Angebotes aber verändert.<br />

Früher wurden die Armeeseelsorger Feldpredi-<br />

ger genannt. Und sie kamen oft als eigentli<strong>ch</strong>e<br />

Prediger daher. Heute steht das persönli<strong>ch</strong>e<br />

Gesprä<strong>ch</strong> im Vordergrund. Eine Entwicklung, die<br />

bereits vor 20 Jahren mit der gesells<strong>ch</strong>aftli<strong>ch</strong>en<br />

Veränderung begonnen hat, wie Hauptmann<br />

S<strong>ch</strong>errer meint, und er fasst zusammen: „Die<br />

Armeeseelsorge ist heute ebenso bedeutend<br />

wie früher. Die Formen und Inhalte haben si<strong>ch</strong><br />

aber verändert.“ Und Hauptmann Estermann<br />

ergänzt: „Das Selbstverständnis hat geän-<br />

dert: vom Prediger hin zum vertrauensvollen<br />

Gesprä<strong>ch</strong>spartner.“<br />

Wer nutzt das Angebot?<br />

Vers<strong>ch</strong>iedenste Mens<strong>ch</strong>en, die im Lehrverband<br />

Dienst leisten, su<strong>ch</strong>en das Gesprä<strong>ch</strong>. Haupt-<br />

mann S<strong>ch</strong>errer hat den Eindruck, dass Men-<br />

s<strong>ch</strong>en im Militärdienst offener sind. Sie sind<br />

dem Druck und der Beoba<strong>ch</strong>tung dur<strong>ch</strong> ihr<br />

gewohntes Umfeld entzogen. Die Erwartungs-<br />

haltungen des zivilen Umfeldes dringen ni<strong>ch</strong>t bis<br />

in den Militärdienst dur<strong>ch</strong>. Vorhandene Hemm-<br />

s<strong>ch</strong>wellen, einen Seelsorger aufzusu<strong>ch</strong>en, fallen.<br />

Au<strong>ch</strong> das militäris<strong>ch</strong>e Berufspersonal nimmt die<br />

Armeeseelsorger in Anspru<strong>ch</strong>. „Die Armee wird<br />

in erhöhtem Rhythmus reformiert. Das s<strong>ch</strong>afft<br />

Verunsi<strong>ch</strong>erung und Ängste.“ begründet Haupt-<br />

mann Estermann diese Entwicklung. Hauptmann<br />

S<strong>ch</strong>errer fügt an, dass au<strong>ch</strong> die Kommandanten<br />

die Armeeseelsorger s<strong>ch</strong>ätzen: „Als unabhängi-<br />

ge Gesprä<strong>ch</strong>spartner können wir vers<strong>ch</strong>iedene<br />

Blickwinkel einnehmen und den Kommandanten<br />

neue Perspektiven vermitteln.“<br />

Armeeseelsorge und multikulturelle<br />

Gesells<strong>ch</strong>aft<br />

Interessant ist, dass das Gesprä<strong>ch</strong> mit den<br />

Armeeseelsorgern au<strong>ch</strong> von Angehörigen des<br />

Lehrverbandes mit einem anderen kulturellen<br />

Hintergrund genutzt wird. Hauptmann Estermann<br />

stellt sogar fest, dass die Armee für sol<strong>ch</strong>e Men-<br />

s<strong>ch</strong>en als Integrations- und Identifikationsmög-<br />

li<strong>ch</strong>keit genutzt wird. Au<strong>ch</strong> Angehörige anderer<br />

Religionen finden den Weg zu den Armeeseel-<br />

sorgern. Hauptmann S<strong>ch</strong>errer begründet dies<br />

damit, dass bei vielen Mens<strong>ch</strong>en eine gewisse<br />

Indifferenz gegenüber der Religion herrs<strong>ch</strong>t, so<br />

dass diese ni<strong>ch</strong>t ein Hinderungsgrund für das<br />

Gesprä<strong>ch</strong> mit den Armeeseelsorgern darstellt.<br />

„Die Armee ist eben ein Ort der Begegnung, ein<br />

Ort der Gemeinsamkeit.“ bringt es Hauptmann<br />

Estermann auf den Punkt.


Typis<strong>ch</strong>e Themen<br />

Hauptmann Estermann betont, dass es um<br />

grundlegende Fragen geht, die mit den Ange-<br />

hörigen des Lehrverbandes diskutiert werden.<br />

Der Glaube wird ni<strong>ch</strong>t instrumentalisiert und in<br />

den Vordergrund gestellt. Aber es gibt eine Rei-<br />

he von Fragen, die si<strong>ch</strong> ni<strong>ch</strong>t mit naturwissen-<br />

s<strong>ch</strong>aftli<strong>ch</strong>er oder ökonomis<strong>ch</strong>er Logik beantwor-<br />

ten lassen. Hier werden Antworten im Glauben<br />

gesu<strong>ch</strong>t. Wel<strong>ch</strong>es sind die Themen, wel<strong>ch</strong>e die<br />

Angehörigen des Lehrverbandes bes<strong>ch</strong>äftigen?<br />

„Die Einstiegsthemen sind meist im Berei<strong>ch</strong> der<br />

militäris<strong>ch</strong>en Erfahrung zu finden. Das Einord-<br />

nen in eine Gemeins<strong>ch</strong>aft, die Unterordnung,<br />

der Verlust von Autonomie. Bald kommen aber<br />

darunter liegende Probleme hervor. Etwa in der<br />

Beziehung und Familie, Geldsorgen und Ver-<br />

Hptm Felix S<strong>ch</strong>errer.<br />

s<strong>ch</strong>uldung,Su<strong>ch</strong>tprob- leme.“ fasst Hauptmann<br />

Estermann zusammen.<br />

Sind Armeeseel-<br />

sorge und Militär<br />

vereinbar?<br />

Gewalt und Unfrieden<br />

sind Realitäten in die-<br />

ser Welt. Die Konflikt-<br />

fors<strong>ch</strong>ung weist na<strong>ch</strong>,<br />

dass es man<strong>ch</strong>mal eine<br />

militäris<strong>ch</strong>e Interven-<br />

tion brau<strong>ch</strong>t, um den<br />

Frieden wieder her-<br />

zustellen. Gerade hier<br />

muss eine Betreuung<br />

der Mens<strong>ch</strong>en erfol-<br />

gen. „In einem Kontext<br />

von Unmens<strong>ch</strong>li<strong>ch</strong>keit<br />

brau<strong>ch</strong>t es jeden ein-<br />

zelnen, der Mens<strong>ch</strong>li<strong>ch</strong>-<br />

keit lebt.“ unterstrei<strong>ch</strong>t<br />

Hauptmann Estermann<br />

die Bedeutung der Armeeseelsorge bei der<br />

Betreuung von Mens<strong>ch</strong>en in Konfliktsituationen.<br />

Wie ist die Armeeseelsorge im Lehrver-<br />

band organisiert?<br />

Insgesamt sind sieben Armeeseelsorger ein-<br />

geteilt. „Das ist leider etwas knapp.“ bemerkt<br />

Hauptmann S<strong>ch</strong>errer. Ideal wären zwölf Armee-<br />

seelsorger, um keine Betreuungslücken ent-<br />

stehen zu lassen. „Die Selektionskriterien für<br />

Armeeseelsorger sind weitrei<strong>ch</strong>end.“ stellt<br />

Hauptmann Estermann fest. So wird etwa die<br />

Absolvierung der Rekrutens<strong>ch</strong>ule und eines<br />

anerkannten Theologiestudiums verlangt. In der<br />

Praxis sind immer aber mehr Studierende der<br />

Theologie Frauen. Der Anteil der ausländis<strong>ch</strong>en<br />

Studenten nimmt zu. Die Studierenden begin-<br />

nen ausserdem später mit dem Studium. Alles<br />

Faktoren, wel<strong>ch</strong>e die Rekrutierungsbasis kleiner<br />

werden lassen. Auf der anderen Seite ist die<br />

| ARMEE<br />

aktuell |<br />

| 007<br />

Präsenz der Armeeseelsorger sehr wi<strong>ch</strong>tig, wie<br />

Hauptmann S<strong>ch</strong>errer betont. Die Erfahrung hat<br />

gezeigt, dass im Pikettdienst viel weniger auf<br />

die Armeeseelsorger zurückgegriffen wird als<br />

bei effektiver Präsenz.<br />

|<br />

Die Zukunft der Armeeseelsorge<br />

Hauptmann S<strong>ch</strong>errer erklärt, wie si<strong>ch</strong> die<br />

Armeeseelsorge künftig aufstellen wird: „Bisher<br />

lag die Priorität in der Betreuung der Truppen<br />

im Wiederholungskurs. Neu werden wir das<br />

S<strong>ch</strong>wergewi<strong>ch</strong>t auf die Waffenplätze legen.“<br />

Dafür gibt es eine ganze Reihe von Gründen.<br />

Auf den Waffenplätzen Emmen und Payerne<br />

sind vor allem Angehörige des Lehrverbandes<br />

anzutreffen, wel<strong>ch</strong>e S<strong>ch</strong>ulen absolvieren. Sie<br />

sind jünger und länger im Dienst. „Wir können<br />

den jungen Mens<strong>ch</strong>en zu Beginn ihrer militäri-<br />

s<strong>ch</strong>en Laufbahn vieles mitgeben, was sie später<br />

im Wiederholungskurs anwenden können.“ ist<br />

Hauptmann Estermann überzeugt. Und weiter:<br />

„Wi<strong>ch</strong>tig sind für uns die angehenden Kader.<br />

Sie stehen bereits früh unter Druck. Wir klin-<br />

ken uns modulartig in die FUM (Anmerkung der<br />

Redaktion: Führungsausbildung unterer Milizka-<br />

der) ein und haben so einen direkten Draht zu<br />

den künftigen Kadern.“ Die Ausbildung in der<br />

FUM konzentriert si<strong>ch</strong> auf zwei Berei<strong>ch</strong>e: einer-<br />

seits das Vermitteln von Werthaltungen und<br />

Führungsgrundsätzen im Dreieck Armee-Ethik-<br />

Persönli<strong>ch</strong>keit, und andererseits das Kennenler-<br />

nen als Gesprä<strong>ch</strong>spartner. Hauptmann S<strong>ch</strong>errer<br />

sieht einen weiteren Vorteil darin, dass die jun-<br />

gen Kader später als Multiplikatoren wirken und<br />

die Armeeseelsorge an Bekanntheit gewinnt. So<br />

wird die Armeeseelsorge die Angehörigen des<br />

Lehrverbandes wirkungsvoll unterstützen kön-<br />

nen. n<br />

LVb<br />

Flab |<br />

Die Erfahrung hat<br />

gezeigt, dass im<br />

Pikettdienst viel<br />

weniger auf die<br />

Armeeseelsorger<br />

zurückgegriffen<br />

wird als bei effektiver<br />

Präsenz.


<strong>S<strong>ch</strong>weizer</strong>is<strong>ch</strong>e Eidgenossens<strong>ch</strong>aft<br />

Confédération suisse<br />

Confederazione Svizzera<br />

Confederaziun svizra<br />

Waldbrandbekämpfung<br />

<strong>S<strong>ch</strong>weizer</strong> Armee<br />

Au<strong>ch</strong> 2007 mussten die Super Puma<br />

Helikopter der <strong>Luftwaffe</strong> bei Waldbränden<br />

helfen. Beim grossen Brand ob Ronco TI<br />

Ende April standen total 15 Piloten wäh-<br />

rend über 42 Stunden im Lös<strong>ch</strong>einsatz<br />

und warfen dabei 1196 Tonnen Lös<strong>ch</strong>wasser<br />

ab.

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