Musikalienshop mit über 370'000 Titeln! - Zürcher Hochschule der ...

cc.zhdk.ch

Musikalienshop mit über 370'000 Titeln! - Zürcher Hochschule der ...


Z hdk


Zürcher Hochschule der Künste

Zürcher Fachhochschule

Zett 2–11

Das Magazin der Zürcher Hochschule der Künste

Nummer 2, August 2011



10

Mehr Qualität dank Feedbackkultur


14

Genderorientierte Designmethoden


20

22 Linsen in Istanbul


02

zett 2–11

Zum Coverbild:

Geschlossene Gesellschaft, nach Jean-Paul Sartre

Regieprojekt, Master of Arts in Theater, Theater der Künste

Bild (von links): Dora Balog, Anna Schinz und Nikolai Bosshardt, Master

Theater, Vertiefung Schauspiel.

Drei Menschen treffen aufeinander, sie sind tot, also in einem verfehlten Dasein

gefangen. Immer müssen sie sich anschauen, Zweisamkeit ist ausgeschlossen,

denn der Blick des Dritten enttarnt immer. Sie klammern sich aneinander, wüten,

reden um ihre Leben, die längst verloren sind, und doch kreisen sie ewig

um ihre verpassten Möglichkeiten, ihre Ich-Lügen – und sich zu erlösen, ist

ausgeschlossen. Neben der von Angst und Gottlosigkeit geprägten Welt Sartres

formatiert sich noch eine andere Welt, in der man sich jenseits von gesprochener

Sprache in einem Mit- und nicht Gegeneinander begegnet.

Regie: Nele Jahnke Bühne: Yassu Yabara Dramaturgie: Christian Müller

Kostüme: Vivien Waneck Musik: Adrian Pfisterer Himmel: Nina Schmalz und

Lukas Baumberger. Weitere SpielerInnen: Menschen vom Wagerenhof Uster

Hochschule I

04 Hoffentlich wird das Toni-Areal nicht zur

«Kreativwirtschaftsfabrik»!

Sechs Studierendenporträts. Adriana Bognar

07 «Im Toni-Areal werden wir tausend Räume

bewirtschaften»

Ein Gespräch mit Alessandra Zanotelli, Projektleiterin

ZHdK fürs Toni-Areal. Heike Pohl

10 Mehr Qualität dank Feedbackkultur

Interview zum Qualitätsmanagement mit Jacqueline

Otten und Patrick Bianco. Adriana Bognar

12 Facettenreiche ZHdK

Impressionen Diplomausstellung und Festival der

Künste 2011. Tommy de Monaco, Stefan Kreysler

Design

14 Genderorientierte Designmethoden

Gender Codes und Wahrnehmung. Michael Krohn

Darstellende Künste und Film

16 Ein Internat für junge TanzschülerInnen

Betreutes Wohnen für 12–18-Jährige. Sandra Nussberger,

Judith Hunger

17 Im Beruf angekommen

Erfolgreiche FilmabsolventInnen. Nicole Greuter

18 Es liegt etwas in der Luft …

Ein Studierenden-Statement. Neue Dringlichkeit

Kunst & Medien

20 22 Linsen in Istanbul

Ein Reisebericht von Fotografie-Studierenden. Michael

Etzensperger, Dominik Zietlow

23 Ein Labor des Aneignens und Erprobens

Master Fine Artes Degree Show: Eröffnungsrede Giaco

Schiesser

24 Affaire de famille – Familiensache

Wenn Geschwister zeitgleich studieren. Barbara Draeyer

25 Tourist Art

Reflexionen zu glokalen Prozessen. Annemarie Bucher,

Dominique Lämmli

Musik

26 Die Innenwelt der Aussenwelt der Stimme

Entkörperlichte Stimmen: ein Forschungsprojekt.

Ingo Starz, Germán Toro Pérez

27 Laudes Organi – ein Orgelfest

Internationales Symposium. Beat Schäfer

28 Viel effektiver als eine normale Musik-Masterclass

Jazzstudierende und Komponist Guillermo Klein.

Tom Gsteiger, Christian Merki

29 Musikalisches Als-ob für Orchester

Die Orchesterakademie in der Tonhalle.

Michael Eidenbenz

inhaltsübersicht


editorial

Kulturanalysen und Vermittlung

30 inside | outside – low | high

High Art und Low Culture: eine Diskussion.

Kuratorium Z+

32 Dabei sein ist nicht alles

Performancekunst bewahren und überliefern.

Irene Müller

33 Komplexe Fragen – kluge Lösungen

Diplomausstellung «Opening Scene». Heinrich Lüber

34 Sperrgebiet auf! Auch fürs Mitdenken?

Visionen für den Flugplatz Dübendorf. Thom Held,

Jürg Minsch, Patrick Müller, Basil Rogger

Museum

35 Die Wolken kratzen

Ausstellung «Hochhaus – Wunsch und Wirklichkeit.»

Andres Janser

36 François Berthoud – Accidents provoqués

Modeillustrator mit unverkennbarer Handschrift.

Christian Brändle

Hochschule II

37 Mentoringprogramm

«Frauen für Führungspositionen»

Zwei Mentees berichten. Stefanie Graf,

Maria Angela Algar

38 Interne Weiterbildung

Förderung von Dozierenden und Mitarbeitenden.

Ursula Akmann

39 Kommunikation auf Augenhöhe

Zweites «Gipfelitreffen» des Personalrats mit dem

Rektor. Barbara Berger, Tobias Strebel

Leute

41 Alumni

Texas – Jalisco – Zürich. Christian Ledermann im

Gespräch mit Mara Montoya

42 Who is Who

Sammlungen Museum für Gestaltung Zürich.

Eva Brüllmann

44 Nachruf Eva Afuhs

45 Neu an der ZHdK / Neu im Forschungsrat

Kurzmeldungen

46 Auszeichnungen

48 Veranstaltungen

50 Publikationen

50 Korrigenda

50 Impressum

51 Carte blanche

Zürich West.

Türme, Tram und Toni

Liebe Leserin, lieber Leser

In zwei Jahren, so der Plan, im September 2013 also, beginnen

die ersten ZHdK-Studentinnen und Studenten im neuen

Hochschulcampus Toni-Areal zu arbeiten. Bis dann soll die

ganze Zürcher Hochschule der Künste, die heute auf rund 35

Standorte in Zürich und Winterthur verteilt ist, in den neuen

Campus in Zürich West eingezogen sein.

Wer heute nach Zürich West schaut, sieht einen lebendigen

Stadtteil im Auf- und Umbruch. Das frühere Industriequartier

westlich vom Escher-Wyss-Platz, wo einst Schiffe, Motoren

und Turbinen gebaut wurden, entwickelt sich zu einem attraktiven

Kultur-, Arbeits-, Wohn- und Hochschulquartier.

5000 Studierende und Dozierende werden künftig im Toni-

Areal ein- und ausgehen; neben den Angehörigen der ZHdK

sind dies auch angehende Psychologinnen und Sozialarbeiter

der Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften

(ZHAW).

Spannend an Zürich West ist auch die Skyline. Es ist ein

Hochhaus-Boom ausgebrochen. Bereits in den 1970er-Jahren

baute die Migros das Hochhaus Herdern schräg gegenüber

dem Toni-Areal. Später entstand der heutige Swisscom Tower.

Erst kürzlich wurde mit dem Prime Tower beim Bahnhof

Hardbrücke das mit 126 Metern höchste Gebäude der Schweiz

vollendet. Sechs weitere Hochhäuser sind zurzeit im ganzen

Kreis 5 im Bau oder in Planung, so der Büro- und Wohnturm

des Toni-Areals (75 m), das Hochhaus Hard Turm Park (80 m)

direkt nebenan und der Mobimo Tower (81 m). Etwas weiter

Richtung City entstehen das Löwenbräu-Areal (70 m), die

Escher-Terrassen (60 m) und das 110 Meter hohe Swissmill

Getreidesilo.

Ab Ende Jahr lässt sich diese rege Bautätigkeit auch von oben

betrachten, dann nämlich eröffnet das Restaurant «Clouds»

mit Bar und Lounge im 35. Stock des Prime Tower – ein Ort

mit einer spektakulären Sicht auf Zürich, den See und die

Alpen. Wer nicht so lange warten mag, geniesst die Aussicht

auf Zürich West schon heute aus der Nietturm Bar auf dem

Dach des Schiffbaus.

Wo so viel Wohn-, Arbeits- und Lebensraum geschaffen wird,

rüstet sich auch der öffentliche Verkehr: Bereits Anfang Dezember

2011 weiht die VBZ Züri-Linie die neue Tramlinie 4

ein, das zukünftige «Haustram» der ZHdK. Die 4 fährt neu

ab Escher-Wyss-Platz unter der Hardbrücke zum Schiffbau,

biegt dann in die Pfingstweidstrasse ein, hält am Technopark,

an der neuen Haltestelle «Toni-Areal», am Hardturm-Areal

und fährt bis Bahnhof Altstetten. Der Bahnhof Hardbrücke

wird ebenfalls ausgebaut. Bis 2015 soll ein Bahnhof für rund

80‘000 Passagiere täglich entstehen, mit einer grosszügigen

Eingangshalle, einer Ladenpassage und einem städtischen

Boulevard .

Es sieht so aus, als ob die Reise zum Toni-Areal plötzlich ganz

einfach würde. Und richtig urban.

Heike Pohl, Leiterin Hochschulkommunikation ZHdK

Mehr Infos zu den Entwicklungen und Projekten in Zürich West:

www.stadt-zuerich.ch/zuerich-west

zett 2–11 03


hoffentlich wird

das toni-areal

nicht zur riesigen«kreativwirtschaftsfabrik»!

Keine Sorge, fabrikmässige

Fliessbandarbeit ist das Letzte,

was die ZHdK dereinst im

Toni-Areal produzieren wird.

Die «Zett»-Studierendenporträts

– darunter übrigens drei

Geschwis ter – zeigen es einmal

mehr: Hier studieren Persönlichkeiten,

die sich in kein Schema

pressen lassen. Adriana Bognar,

Fotos: Regula Bearth

Madlaina Janett, Sulgen / TG, wohnt in

Zürich. Departement Kulturanalysen

und Vermittlung, MA Art Education,

ausstellen & vermitteln.

(Abschluss Bachelor Visuelle Kommunikation,

Hochschule Luzern). Aktuelles

Projekt: An der Master-Thesis rumstudieren

und nebenbei Brötchen verdienen mit

Grafik und Musik (oder umgekehrt). Freud

und Leid im Studium. FREUD: Immer wieder

über Neues und Überraschendes stolpern;

der Austausch mit Mitstudenten

verschiedenster (beruflicher) Herkunft;

das Café im Museum für Gestaltung. LEID:

Die nervtötende kollektive Jagd nach den

ECTS-Punkten; dass man aus Zeitgründen

viele Themen meist nur antippen

kann. Drei Wünsche an die gute Fee: Mittagsschlaf,

Cervelats und reiche Eltern für

alle! Zum Toni-Areal: Dass es nicht zu einer

riesigen «Kreativwirtschaftsfabrik» wird.

Cristina Janett, Heimatort Tschlin im

Engadin, aufgewachsen in Sulgen, Thurgau,

wohnt in Zürich. Departement

Musik, MA Music Performance,

Konzert, Violoncello, Zeitgenössische

Musik (Abschluss Master

Musikpädagogik ZHdK). Aktuelle Projekte:

Herbst 2011: Konzerte mit Streichtrio in

Zürich, Sent, Leutmerken, Schwanden;

Tournee mit GIODIM – EIN RUMAN-

TSCHER LIEDERABEND und Band

(C’est si) B.O.N. Freud und Leid im Studium.

FREUD: Das riesige Angebot an der ZHdK;

nette Menschen aus der ganzen Welt

kennenzulernen; Kontakte zu knüpfen;

die Stadt Zürich. LEID: Das riesige Angebot

an der ZHdK; ich kann mich kaum

entscheiden und will alles ausprobieren.

Sowieso mache ich immer zu viel, bin am

Unterrichten, spiele in verschiedenen

Projekten, bin viel unterwegs und habe

oft zu wenig Zeit und Ruhe zum Üben.

Drei Wünsche an die gute Fee: Dass ich 1. Flügelhorn

und überhaupt ganz viele blechige

Instrumente, 2. Akkordeon, 3. Kontrabass

spielen kann. Zum Toni-Areal: Viel gutes Essen

– zum Beispiel den Sternen-Grill ins

Toni-Areal verpflanzen.


Niculin Janett, Tschlin GR, wohnt in

Zürich. Departement Musik, MA

Musikpädagogik, Jazz, Saxofon

(Abschluss Bachelor Musik, Instrument/Gesang/Jazz,

ZHdK). Aktuelles Projekt:

Dreimonatiger Aufenthalt in NYC:

Privatunterricht bei Rich Perry u. a.,

Jazzszene durchleuchten, Inspirationen

sammeln, mit dem Trio proben bis zum

bitteren Ende. Freud und Leid im Studium.

FREUD: Die kleine und darum sehr familiäre

Jazzabteilung; der Musikklub Mehrspur;

der Pingpong-Tisch im Innenhof.

LEID: Die Trägheit eines Riesendings,

genannt ZHdK; die omnipräsente Raumnot;

die z. T. eher verwirrliche Kommunikation/Organisation.

Drei Wünsche an die

gute Fee: Jazzmusik wird massentauglich

(bleibt aber Jazzmusik); eine staatlich

verordnete Humorinfusion für gewisse

Politiker; ein Leben voller Freude, Liebe

und Gelassenheit. Zum Toni-Areal: Tatsächliche

Fertigstellung innerhalb der

nächsten 25 Jahre; natürlich einen schönen

Jazzclub; grenzenlosen Kontakt und

Austausch mit allen Kunstrichtungen.

Marvin Miles Ferrante, Bern/Italien,

wohnt in Bern. Departement

Kunst & Medien, BA Medien

& Kunst, Vertiefung Fotografie

(Abschluss HF Bildende Kunst).

Aktuelle Projekte: Mit einem Fuss in der

Abschlusspräsentation des Erasmus-

Aufenthaltes in London, mit dem anderen

in den Vorbereitungen für das

Kooperationsprojekt «Common Stage»

in Peking. Freud und Leid im Studium. FREUD:

Die verschiedenen Facetten des Studiengangs,

das vielfältige Angebot sowie

die Strukturierung des Studiums. LEID:

Limite der 35 ECTS-Punkte erhöhen; in

jedem Semester die Möglichkeit haben,

transdisziplinäre Seminare zu absolvieren.

Drei Wünsche an die gute Fee: Den Master

in Fine Arts in Zürich, den Dive Master in

Thailand and last but not least: ein paar

Around-the-World-Tickets. Zum Toni-Areal:

Kreative Zerstörung, auf Unbekanntes

zugehen und permanentes Neuerfinden.


Mehmet Atesci, Berlin, wohnt in Zürich.

Departement Darstellende

Künste und Film, BA Theater,

Vertiefung Schauspiel. Aktuelles Projekt:

Bachelor-Abschlussproduktion «Der

Blaue Vogel» von Maurice Maeterlinck

unter der Regie von Christina Friedrich;

damit fahren wir zum Schauspielschultreffen

nach Hamburg. Freud und

Leid im Studium. FREUD: Studentenrabatte;

spielen dürfen, LEID: Nicht zu wissen, wo

man spielen wird später und vor allem

wie viel. Drei Wünsche an die gute Fee: Eine

beruflich sichere Zukunft; eine beruflich

unsichere Zukunft; Bedenkzeit, bis ich

mehr weiss über mein Leben, um meine

zwei verbleibenden Wünsche festzulegen.

Zum Toni-Areal: Es soll bitte nicht ein

riesiger universitärer Komplex werden,

sondern in seiner Grösse Platz für Identitäten

lassen und den Charme der einzelnen

Departemente und Vertiefungen

nicht vernichten. Eine zentrale Präsentationsstelle

wäre aber auch nett. So ’ne

Art Amphitheater.

Gabriella Höfler, Graz, Österreich,

wohnt in Zollikerberg. Departement

Design, BA Design, Vertiefung

Visuelle Kommunikation. Aktuelle

Projekte: Soeben abgeschlossen: Layout-

Modul; Ausgangslage waren zwei Bücher.

Daraus wurden jeweils eigens ausgewählte

Aspekte definiert und zu einem

neuen Buch vereint. Aktuell: Infografik.

Zukünftig: Comic Zürich Versicherung.

Freud und Leid im Studium: FREUD. Das Studium

an sich. LEID: Die kurze Umsetzungszeit

für Projekte in den Modulen.

Drei Wünsche an die gute Fee: Ein Sofa im

Klassenzimmer, vier Hände, Atelier in

NY. Zum Toni-Areal: Grosse Räume, super

Drucker und Scanner, ein Kino.


«im toni-areal

werden wir gut

tausend räume

bewirtschaften»

Alessandra Zanotelli ist Projektleiterin der ZHdK

für das Toni-Areal und Leiterin Facility Management

der Hochschule. Im Toni-Projekt stellt sie

die Interessen der ZHdK-Angehörigen sicher. Ein

Gespräch mit Heike Pohl über die Herausforderung,

viele verschiedene Interessen unter einen

Hut zu bringen. Foto: Betty Fleck

Sie sind seit Januar 2008 an der ZHdK tätig als Leiterin Facility

Management. Wie sind Sie zu diesem Job gekommen?

Als gelernte Hochbauzeichnerin habe ich zuerst in mehreren

Architekturbüros gearbeitet. Nach einem zweijährigen

«Ausflug» ins Marketing war ich zehn Jahre als Beraterin bei

einer Facility Management Firma tätig. Daneben studierte ich

Immobilienökonomie an der Fachhochschule St. Gallen. Dabei

geht es um den ganzen Lebenszyklus einer Immobilie, von der

Planung über den Unterhalt bis zum Rückbau inklusive aller

wirtschaftlichen Faktoren. Hier konnte ich auch mein früher

erworbenes Praxiswissen optimal einsetzen. Die Stelle bei

der ZHdK und die Herausforderung, mit meinen Kenntnissen

und Erfahrungen die Zukunft im Toni-Areal mitgestalten

zu können, haben mich deshalb gereizt. Mich interessiert,

wie wir die Prozesse für den künftigen Betrieb bereits in der

Bauphase optimal anlegen können, und ich diskutiere gerne

über Methoden, wie man dies tun kann.

Facility Management an der ZHdK: Was gehört dazu?

Dazu zählen die Bereiche Hausdienst und Sicherheit, Reinigung

und Betrieb sowie Raum / Bau und die Leitung des Projektes

Toni-Areal. Der Schwerpunkt meiner Arbeit liegt seit

2008 in der Konzeption und im Aufbau eines professionellen

Facility Management fürs Toni-Areal und der Begleitung des

Bauprojektes. Wir werden dort rund tausend Räume bewirtschaften.

Was beinhaltet Ihre Aufgabe als Projektleiterin Toni-Areal der

ZHdK?

Innerhalb der offiziellen Projektorganisation bin ich Nutzervertreterin

der ZHdK. In dieser Funktion sitze ich dem

obersten Steuerungsgremium bei, dem Projektausschuss,

in dem die ZHdK durch meinen Vorgesetzten, den Verwaltungsdirektor

Daniel Waeber, repräsentiert wird. Als stimmberechtigtes

Mitglied bin ich Teil des Projektteams, das sich

aus Vertretern der kantonalen Bau- und Bildungsdirektion

und der ZHAW zusammensetzt. ZHdK-intern arbeite ich im

Toni-Support-Team mit einigen meiner Mitarbeitenden sowie

mit verschiedenen Arbeitsgruppen zu den Themen Verpflegung,

Arbeitsplätze, Werkstätten usw., ich nehme also eine

Schnittstellen-Funktion ein.

hochschule I/ zett 2–11 7

An welchen Themen arbeiten Sie und ihr Team aktuell?

Zurzeit laufen parallel ganz verschiedene Projekte, die einen

beziehen sich auf die Bauphase und andere auf die Betriebsplanung.

Die Facility Management Organisation ist bereits weit

entwickelt, einzelne Teilkonzepte werden finalisiert. Auch

die Raumorganisation im Toni-Areal ist ein grosses Thema.

Zusammen mit den Informatikabteilungen der ZHdK, ITZ

und dem BAP, entwickeln wir gerade ein entsprechendes Tool.

Ausserdem durchdenken wir Abläufe und organisatorische

Fragen: Wie funktioniert der Empfang? Wo wird geraucht?

Wer reinigt was und wie oft? Wer bezahlt wie viel für welche

Leistung und aus welcher Kasse? Alle betrieblichen Fragen

müssen auch mit unserer Mitmieterin ZHAW, welche mit den

beiden Departementen Soziale Arbeit und Angewandte Psychologie

ins Toni-Areal einziehen wird, abgestimmt werden

und natürlich auch mit der Eigentümerin Allreal.

Ein Wunsch ist ja der 24-Stunden-Betrieb ...

Wir planen das Toni-Areal mit einem 24-Stunden Betrieb,

was natürlich Auswirkungen auf die Organisation hat. Die

Zutrittsberechtigungen müssen entsprechend geplant werden,

die Sicherheit muss darauf ausgerichtet werden, und es wird

Hausregeln brauchen, damit diese Leistung funktioniert.

Wir haben es geschafft,

mehr ganzheitliches Denken in die

Arbeitsgruppen zu bringen.

Wo steht das Gastronomie-Konzept?

Für die Gastronomie im Toni-Areal wurde im Rahmen eines

Ausschreibungsverfahrens der Zürcher Frauenverein ZFV

ausgewählt. Er führt beispielsweise die Mensen der Universitäten

Zürich und Bern und das Restaurant Zürichberg. Er

betreibt auch die Mensa am Sihlquai, und ich habe bis anhin

die Zusammenarbeit immer als sehr angenehm und konstruktiv

empfunden.

Wer kümmert sich um die zukünftigen Arbeitsplätze von Studierenden

und Dozierenden oder um Werkstätten? Und wer

um die IT-Infrastruktur?

Hier sind seit Jahren verschiedene Arbeitsgruppen am Werk.

Sie haben den Mieterausbau definiert, der mittlerweile steht.

Im Moment beschäftigen wir uns mit der dazugehörenden

Ausstattung und dem Spezialausbau. Die Experten aus den

Arbeitsgruppen werden dann einbezogen, wenn es um nutzerspezifische

Bedürfnisse und Abläufe geht wie Arbeitsplätze

Studierende, Arbeitsplätze Dozierende, Unterrichtsräume

und Hörsäle, Werkstätten, Verpflegung und Gastronomie,

Bibliothek und Medien, Produktion und Events, Musik,

Ton und Film, Tanz und Theater. Ausserdem gibt es die vier

Querschnittsgruppen Informations-Technologie, Facility

Management / Infrastruktur, Umzug und Audio-Video, die

bei fast allen Räumen mitreden.


8

zett 2–11 /hochschule I

Wie wissen Sie, was die ZHdK-Angehörigen morgen und übermorgen

im Toni-Areal brauchen?

Ein grosser Teil der Anforderungen lässt sich gut über die Flächen

herausfinden. Wir haben jede Fläche einer Arbeitsgruppe

zugeteilt, damit nichts vergessen geht. Als Basis nehmen wir

den Zustand von heute, dann analysieren wir, was gut und was

schlecht ist, und wir sprechen über neue Möglichkeiten im

Toni-Areal. In Brainstormings versuchen wir herauszufinden,

was in den Räumen passieren könnte und welche Leistungen

dort erbracht werden sollen. Wenn diese Anforderungen stehen,

können wir daraus die konkreten Bedürfnisse ableiten.

Dieses Vorgehen hat sich bewährt. Erfreulicherweise haben

wir es auch geschafft, mehr ganzheitliches Denken in die Arbeitsgruppen

zu bringen. Viel eher als früher stellen die Leute

sich nun die Frage, ob sie den Rolls-Royce beantragen sollen,

der dann eh gestrichen wird, oder lieber gleich den Ford,

der eigentlich ihrem Bedürfnis entspricht. Dieses Umdenken

brauchte viel Zeit, funktioniert nun aber sehr gut. Natürlich

gibt es immer Einzelne, die noch anders denken. Grundsätzlich

habe ich aber grosses Vertrauen in die Leute, in unsere Arbeit

und in die Resultate.

Ich möchte selber unbedingt im

Sommer 2013 ins Toni-Areal einziehen.

Deshalb bin ich froh um jeden Schritt,

der uns diesem Ziel näherbringt.

Was sind die nächsten Schritte mit Blick auf den Umzug?

Wir müssen zusammen mit den Arbeitsgruppen die Ausstattung

aller rund tausend Räume auf den neuen Planungsstand

bringen und detaillieren. Dafür schaffen wir eine Master-

Raumdatenbank, die zeigt, in welchem Raum welche Möbel

stehen, mit welchen Massen und zu welchem Preis. Für den

Umzug wird das ganze bestehende Mobiliar inventarisiert

und ein Möblierungskonzept erstellt. Wir sollten möglichst

viel zügeln und wenig neu kaufen müssen. Und am Schluss

muss alles in unser Budget passen – das ist ein Riesenaufwand.

Wir haben mit den organisatorischen Vorbereitungen für den

Umzug begonnen, der durch Caroline Gürber aus der Abteilung

Raum / Bau geleitet wird. Sie hat bereits in vorgängigen

Umzügen an der ZHdK Nerven aus Stahl bewiesen, und ich

bin überzeugt, dass sie uns wohlbehütet übersiedeln wird. Der

Umzug wird zusammen mit einer externen Firma durchgeführt,

im Herbst findet dazu eine interne Info-Veranstaltung

statt.

Wer sind Ihre wichtigsten Ansprechpersonen innerhalb der

ZHdK?

Oft tausche ich mich mit meinem Vorgesetzten Daniel Waeber

aus. Im Kernteam mit Marco Castellano, Peter Eberhard und

Claudia Isler diskutieren wir den baulichen Fortschritt und

unsere Pendenzen. Auch mit den einzelnen Arbeitsgruppen

habe ich regelmässig zu tun. Einen Rieseneinsatz leisten unsere

Planungsexperten für den Spezialausbau Marcello Rosenberger,

Mike Honegger, Alex Stierli und Peter Färber. In

den Hochschulleitungs-Sitzungen bin ich häufig zu Gast, weil

gewisse Arbeitsschritte dort genehmigt werden müssen, so

beispielsweise die Ausschreibungen für den Gastro-Betrieb,

für die Kinderbetreuung oder aktuell für den Bau der Orgel

im kleinen Konzertsaal. Mit dem Rechtsdienst habe ich öfter

zu tun wegen Verträgen, mit Hansuli Matter bezüglich Projekt

«ODI – Orte des Informellen» und mit dem Gremium Toni-

Kommunikation diskutiere ich die Projektkommunikation.

Wie motivieren Sie sich, um alle Anforderungen unter einen

Hut zu bringen?

Ich muss mich nicht motivieren, ich bin motiviert. Ich möchte

selber unbedingt im Sommer 2013 ins Toni-Areal einziehen.

Deshalb bin ich froh um jeden Schritt, der uns diesem Ziel

näherbringt. Da kann es allerdings schon mal ein Dämpfer

sein, wenn eine Person wieder etwas hinterfragt, was bereits

vor langer Zeit entschieden wurde.

Was würden Sie als bisher grössten Erfolg im Toni-Projekt

bezeichnen?

Ein wichtiger Schritt für die ganze ZHdK war die Umplanung

im Herbst 2009, die zu einer Bereinigung der Flächenverteilung

geführt hat. Dies ist natürlich nicht allein mein Verdienst,

sondern eine Teamarbeit. Ein Problem wurde als Chance gesehen

und angepackt. Wir teilten in mehreren Workshops die

bestehenden Flächen neu auf und simulierten zur Bestätigung

die neue Flächenverteilung. Diese Umplanung hat viel Unbehagen

besänftigt. Es ist mein ausdrückliches Ziel, dass ich alle

an ihrem Plätzchen im Toni-Areal unterbringen kann und dass

die Flächen möglichst gerecht verteilt sind. Ich möchte, dass

alle zufrieden sind und gut funktionieren können.

Wie gehen Sie mit dem von Männern dominierten Bau-Umfeld

um?

Das fällt mir nicht auf. Ich hatte noch nie das Gefühl, ich hätte

dadurch einen Vor- oder Nachteil. Seit meiner Lehre im Baugewerbe

bin ich es gewohnt, häufig die einzige Frau zu sein. Eine

Zeit lang habe ich auf dem Bau gearbeitet und bin dort halt

viermal gelaufen, um etwas zu tragen statt nur zweimal wie die

Männer. Da fand ich dann allerdings: Es bringt nichts, etwas

zu tun, wofür man doppelt so lange braucht wie ein Mann.

Nach Plan sollen wir im Sommer 2013 ins Toni-Areal einziehen.

Ab wann wird der Betrieb dort rund laufen?

Ich werde alles daran setzen, dass wir vom Facility Management

so früh wie möglich Fuss fassen im Toni-Areal. Mein

Team soll sich im Haus auskennen und soll alle ZHdK-Angehörigen

in Empfang nehmen, einführen und begleiten können.

Das erste Jahr, bis alles einmal durchgespielt ist und alle Kinderkrankheiten

überstanden sind, wird vermutlich schwierig

werden. Aber nach einem Jahr sollte es rund laufen. Dann

heisst es optimieren.

Was sind Ihre Pläne für 2015, wenn das Projekt beendet ist?

Die Arbeit wird uns nicht ausgehen! Die ZHdK wird sich weiter

verändern, und wir vom Facility Management müssen auf

diese Veränderungen reagieren. Es wäre schön, dann einen

kontinuierlichen Betrieb aufzubauen.

Sowohl im Toni-Areal als auch bei privaten Bauprojekten: Alessandra Zanotelli

fügt Stein um Stein aneinander, bis ein grosses Ganzes entsteht.

Foto: Betty Fleck


hochschule/ zett 2–11 9


10

zett 2–11 /hochschule I

mehr qualität dank

feedbackkultur

Ab dieser Nummer erscheint im «Zett» ein

Artikel zu einem der sechs Dossiers, in denen

Querschnittaufgaben der ZHdK bearbeitet

und koordiniert werden. In diesem Heft ein

Gespräch zum Dossier Qualitätsmanagement mit

der Dossierverantwortlichen Jacqueline Otten,

Direktorin Departement Design, und dem Leiter

der Fachstelle, Patrick Bianco. Die Fragen stellte

Adriana Bognar *

Was bedeutet Qualitätsmanagement für die ZHdK?

Jacqueline Otten: Qualitätsmanagement und Qualitätssicherung

sind wichtige Themen für die ganze ZHdK. Es ist die Pflicht jeder

Hochschule, alles daranzusetzen, dass in Lehre, Forschung

und den zentralen Diensten in hoher Qualität gearbeitet werden

kann. Man spürt in den Departementen, bei den Services

«Unser Qualitätsmanagement hat das Ziel, mittels

kreativer Ansätze Qualität zu erhalten und zu

entwickeln, ohne sie zu verwalten.»

Martina Bovet, Departement Musik

sowie im Rektorat, wie alle bestrebt und motiviert sind, noch

besser zu werden und dem Anspruch einer führenden Hochschule

zu genügen. Diese Bestrebungen wollen wir ordnen und

die gesamte ZHdK auf ein hohes Niveau bringen. Das macht

das Dossier so ausserordentlich spannend. Qualitätsmanagement

ist nicht ein Projekt mit einem Anfang und einem Ende,

sondern ein kontinuierlicher Prozess.

Patrick Bianco: Aus meiner Sicht bedeutet Qualitätsmanagement

an der ZHdK zudem, die Fähigkeiten aller so einzusetzen,

dass sie dauerhaft herausragende Leistungen erzielen und die

Erwartungen aller Interessengruppen erfüllen – oder sogar

übertreffen können.

«Qualitätsmanagement hat oft den Gout von

Leidensdruck. Ziel ist es, Lust auf Entwicklung

zu wecken, die nicht dem mechanischen, betrieblichen

Kalkül entstammt, sondern dem Bedürfnis

nach gegenseitigem Lernen in einer Sphäre von

Vertrauen und konstruktiver Kritik.»

Stefan Kreysler, Rektorat

Welche Ziele verfolgt die Qualitätsmanagement-Kommission?

Otten: Unser langfristiges Ziel ist ein adäquates Qualitätsmanagementsystem,

das den spezifischen Anforderungen

einer Hochschule der Künste entspricht. Wir können nicht

irgendein System übernehmen, sondern müssen darauf achten,

dass es zu uns passt, und uns die Frage stellen: Können wir

an der ZHdK damit arbeiten? Macht es für uns Sinn, dieses

System zu entwickeln und den Hochschulangehörigen zur

Verfügung zu stellen?

Die Kommission Qualitätsmanagement: Von links, vorne: Jacqueline Otten,

Patrick Bianco, Maria Angela Algar, Nicole von Salis, Martina Bovet,

hinten: Christoph Brunner, Stefan Kreysler, Christine Weidmann.

Foto: Johannes Dietschi

Welche Aufgaben packt ihr zuerst an?

Otten: Die Hochschulleitung hat Aufträge für das Qualitätsmanagement

formuliert und damit Prioritäten gesetzt. Es

geht darum, Konzepte zu entwickeln, wie Qualitätsmanagement

in der Lehre umgesetzt werden könnte. Diese liegen

bis September 2011 vor. Dazu gehört als wichtige Vorarbeit,

die Hochschulleitung darüber zu informieren, was an Erfahrungen

an der ZHdK vorhanden ist. In einem ersten Schritt

haben wir eine Auslegeordnung und Bestandsaufnahme vorgenommen.

Die Daten dafür hat Patrick Bianco gesammelt.

Nun liegt eine ausführliche Ist-Analyse vor, auf der man sieht,

welche Qualitätsmanagementmethoden und -erkenntnisse

an der ZHdK bereits existieren. Diese «Ausgrabungen» von

bestehenden Konzepten, Qualitätsbestrebungen und weiterem

Gedankengut integrieren wir in die nachfolgenden Aktivitäten.

Wir haben zudem ein Projekt- und Evaluationsportfolio 2011

erstellt, das der Sichtbarmachung von Schnittstellenthemen

dienen soll. Es wird uns die Grundlagen liefern, um geeignete

Verbesserungs- und Umsetzungsmassnahmen zu definieren.

Wie sehen die konkreten Massnahmen aus?

Bianco: Bis zum Frühling 2012 soll eine systematische und flächendeckende

Unterrichts-Evaluationssystematik als Standard

etabliert sowie eine Studierendenbefragung erstellt

werden, welche Eingangs- und Abschlussbefragung von

Bachelor- und Master-Studierenden zu Themen wie soziale


«Qualitätsmanagement versteht sich als

Instrument einer lernenden Organisation.

Dieses Instrument soll helfen zu zeigen,

wo wir gut sind, wo nicht und ob

Verbesserungsmassnahmen wirken.»

Matthias Walter, Departement Darstellende Künste und Film

Verhältnisse, Vorbildung, Eingangskompetenzen, Motivation,

Ausbildungserwartungen, Studienfortschritt, Karriereverlauf,

Weiterbildungsbedürfnisse liefern soll. Dies könnte meiner

Meinung nach zum Beispiel in Form eines Pilotprojekts in

einem einzigen Departement geschehen.

Wo besteht ansonsten Handlungsbedarf?

Otten: Es gibt gewisse Auflagen, denen die ZHdK nachkommen

muss, zum Beispiel bei der Akkreditierung eines Studiengangs.

Eine Akkreditierungskommission will von uns wissen, welches

System wir in der Qualitätssicherung oder bei der Studierendenbefragung

haben und wie der Studiengang seine Feedbackschleife

schaltet. Das ist eine Auflage im Rahmen von Bologna.

Bei den neueren Studiengängen ist diese Feedbackschleife

noch nicht überall installiert und systematisch implementiert.

«Qualitätsmanagement ist Teil einer

Arbeitskultur. Sie zu leben heisst Schnittstellen

optimieren, Leistungen messen und sich

kontinuierlich verbessern.»

Nicole von Salis, Departement Design

Wie ist Qualitätsmanagement an der ZHdK verankert?

Otten: Es gibt zurzeit noch sehr unterschiedliche Bedingungen

und Positionen, der Stand der Entwicklung ist nicht überall

gleich. Das Thema muss gemeinsam wachsen und angegangen

werden. Das Departement Kulturanalysen und Vermittlung

zum Beispiel wurde bereits im Jahr 2010 mit dem Label «Committed

to Excellence» nach dem EFQM-System für seinen

Studiengang ausgezeichnet. Es dient damit als Vorbild für die

ZHdK insgesamt und ist eine grosse Hilfe, um prototypisch

den ganzen Prozess nachzuvollziehen.

Bianco: Qualitätsmanagement, so auch meine Erfahrung, wird

an der ZHdK sehr heterogen behandelt. Von einer Verankerung

kann noch nicht gesprochen werden. Gute Qualität entsteht

aber auch ohne strukturierte Vorgehensweise. Sie ist

mancherorts einfach nicht benenn- oder ausweisbar.

Wird das Toni-Areal unser Qualitätsdenken und -handeln

begünstigen?

Otten: Oh ja, ganz gewiss! Im Moment ist es für uns alle ein

schwieriges Arbeiten wegen der vielen verschiedenen Stand-

hochschule I/ zett 2–11 11

«Qualität steht vor Management. Um strategische

Projekte systematisch umzusetzen und

einen kontinuierlichen Verbesserungsprozess

einzuleiten, startete unser Departement

mit dem EFQM-System, das die Studiengänge

2010 mit dem Label Committed to Excellence»

ausgezeichnet hat.»

Janine Schiller, Departement Kulturanalysen und Vermittlung

«Das Qualitätsmanagement unseres

Departementes muss den Spezifika einer

künstlerischen Ausbildung gerecht werden,

daher legen wir besonderen Wert auf

schriftliche und mündliche Formate.»

Christoph Brunner, Departement Kunst & Medien

«Qualität in den Services bedeutet, Querschnittsaufgaben

für die Hochschule effizient und effektiv

wahrzunehmen. Dies ist ein stetiger Vorgang,

der laufend Prozesse, Schnittstellen und Ergebnisse

überprüft und zu verbessern sucht.»

Maria Angela Algar, Services

orte, auf die die ZHdK verteilt ist. Im Toni-Areal dagegen werden

die Wege kurz sein. Das stärkt den direkten Austausch

und lässt das Zusammengehörigkeitsgefühl wachsen. Dies

wird die Qualitätskultur in hohem Masse begünstigen, davon

bin ich überzeugt.

Bianco: Gerade im Hinblick auf das Toni-Areal sehe ich ein

grosses Potenzial darin, jetzt zu definieren, was wir wollen

und wohin wir wollen. Bis zum Einzug im Jahr 2013, so hoffe

ich, hat sich an der ZHdK eine Qualitäts- und Feedback-Kultur

etabliert, die uns den Start am neuen Ort erleichtern wird.

* Adriana Bognar ist Projektleiterin Hochschulkommunikation im Rektorat

(adriana.bognar@zhdk.ch).

Wozu dienen die Dossiers an der ZHdK?

Die Mitglieder der Hochschulleitung betreuen neben ihren Aufgaben als

Departementsleitende auch sogenannte Dossiers. Bestimmte Querschnittaufgaben

der Hochschule werden darin bearbeitet und koordiniert. Es existieren

folgende sechs Dossiers: Lehre, Forschung, Vorbildung, Weiterbildung, Qualitätsmanagement

und Internationales. Die Dossierverantwortlichen arbeiten

mit einer Kommission und teilweise mit Fachstellen zusammen. Die Kommissionen

setzen sich aus Delegierten der Departemente, fallweise aus solchen der

zentralen Dienste sowie aus weiteren Fachpersonen zusammen.

Mitarbeitende Dossier Qualitätsmanagement

Leitung Dossier: Prof. Dr. Jacqueline Otten, Direktorin Departement Design

Fachstelle: Patrick Bianco

Kommission: Maria Angela Algar, Services; Martina Bovet, Musik; Christoph

Brunner, Kunst & Medien; Stefan Kreysler, Rektorat; Nicole von Salis, Design;

Janine Schiller, Kulturanalysen und Vermittlung; Matthias Walter, Darstellende

Künste und Film; Christine Weidmann, Gleichstellung (Beisitz).


die vielen facetten

der zürcher hochschule

der künste

Impressionen von der Diplomausstellung und dem

Festival der Künste 2011. Tommy De Monaco, Stefan

Kreysler. Fotos: Regula Bearth, Johannes Dietschi,

Betty Fleck

Etwa 300 Studierende der Departemente Design, Kunst & Medien

sowie Kulturanalysen und Vermittlung zeigten vom 10. bis 18. Juni

2011 an der grossen, jährlich stattfindenden Diplomausstellung,

die heuer auch Teil des Festivals der Künste war, ihre Abschlussarbeiten.

Wie erwartet, wurde die Ausstellung rege besucht –

unzählige Bekannte und Verwandte der Studierenden wie auch

Ehemalige und FestivalbesucherInnen fanden sich ein, um die

Qualität und die Vielfalt der Bachelor- und Master-Arbeiten zu

bestaunen und sich inspirieren zu lassen.

Die rund 2000 Besucherinnen und Besucher des 4. Festivals der

Künste, das am 17. und 18. Juni 2011 erfolgte, liessen sich nicht vom

schlechten Wetter abhalten. Sie tauchten ein in die bunte Welt

der jungen MusikerInnen, Theatermenschen, KünstlerInnen

und Kreativen und genossen spannende und abwechslungsreiche

Stunden. Das Festival, das bisher alle zwei Jahre stattfand, wartete

mit über 50 Programmpunkten aus Musik, Film, Theater,

Kunst, Design und Vermittlung auf. An die 360 Studierenden

präsentierten sich und ihre Arbeiten im Theater der Künste an

der Gessnerallee und in den Räumlichkeiten an der Ausstellungsstrasse

60.


14

zett 2–11 /design

genderorientierte

designmethoden

Das Spiel mit dem Geschlecht beziehungsweise

der geschlechtlichen Wahrnehmung machen

viele Dinge für das Design erst interessant. Ein

Forschungsprojekt befasst sich mit der Entwicklung

eines Gendermoduls für die Designausbildung

an Fachhochschulen. Mehr dazu von

Michael Krohn *

Heute kommt dem Design die Aufgabe zu, die gegenständliche

Erscheinung von Produkten, Informationen und Räumen

zu definieren. Meist sind die Ergebnisse hinsichtlich der

geschlechtlichen Erscheinung eher «neutral», sieht man von

genderbestimmten Objekten wie Rasierapparat oder Bügeleisen

ab. Natürlich könnte man die Meinung vertreten, in einer

(fast) emanzipierten Gesellschaft soll, ja darf es keine genderspezifisch

gestalteten Objekte mehr geben.

Tatsache ist aber, dass Frauen und Männer einen geschlechterspezifisch

geprägten Zugang zur Wahrnehmung und

Interpretation von Gegenständen haben. Dies ist für die

«Orientierung» im Alltag durchaus nützlich und wichtig.

So konnotieren wir formale Zusammenhänge und Erscheinungen

oft zuallererst unter dem Genderaspekt. Dasselbe

gilt auch für Farben. Um «Weiblichkeit» oder «Männlichkeit»

zu symbolisieren, werden häufig bipolare Gegensätze herangezogen.

Dunkle, harte, eckige oder funktional anmutende

Zeichen und Gegenstände werden in unserem Kulturkreis

eher mit «männlich» assoziiert, helle, weiche, runde oder

dekorativ anmutende Formen eher mit «weiblich». Diese geschlechtlich

orientierte Wahrnehmung wird in der Gestaltung

von Produkten immer wieder von Neuem bedient und damit

weiter gefestigt. Aber stimmen diese Werte in der heutigen

Zeit noch immer?

Bedürfnisse und Projektionen

Wir wissen: Frauen und Männer haben aus unterschiedlichen

Bedürfnissen, Fähigkeiten, Interpretationen und Wahrnehmungen

ihre eigenen Ansprüche an die dingliche Welt. Und

damit meinen wir nicht nur die Funktion, also die Nutzung

und Bedienung eines Objekts, sondern ebenso die formale

und semantische Erscheinung, die Wertigkeit und den Status.

Es fällt auf, dass im Designunterricht oft die Funktion, die

Form oder die Farbe in den Vordergrund rückt. Gender wird,

wenn überhaupt, in Fächern wie «Ergonomie» oder «Wahrnehmungslehre»

− meist reduziert auf den rein biologischen

Aspekt − behandelt.

Heute sind 50 Prozent der Studierenden in Designstudiengängen

Frauen. Von dieser Tatsache ausgehend, entstand an der

ZHdK zusammen mit den Designabteilungen der Scuola universitaria

professionale della Svizzera italiana (SUPSI) und der

Fachhochschule Nordwestschweiz (FHNW) ein Forschungsprojekt

mit der zentralen Frage: Kann man Formen einem

bestimmten Geschlecht zuordnen? Auch das Bundesamt für

Berufsbildung und Technologie (BBT) interessierte sich für

die Frage des genderspezifischen Designunterrichts im Zuge

der Förderung der Gleichstellung an Fachhochschulen und

unterstützte das Projekt finanziell.

Wir haben uns zum Ziel gesetzt, Studierende beider Geschlechter

erfahren und erleben zu lassen, dass eine Gestaltungsform

immer auch eine Aussage hinsichtlich der Orientierung für

die Geschlechter hat. Dies kann intendiert oder unreflektiert

geschehen. Neben viel möglicher Theorie fehlten uns dabei die

pragmatischen, kreativen und durchaus lustvollen Methoden

und Zugänge, frei von Dogmen.


Betrachtet man Produkte, so gehen heute viele Unternehmen

spielerisch, ja oft schon provokativ mit der Rolle der

Geschlechter um. Dies ist nichts anderes als das Abbild des

realen Zustands der Gesellschaft. Da gibt es zum Beispiel die

speziell für Frauen gestalteten Heimwerkergeräte. Von der

Kategorie des Gegenstands her also eher typisch männlich,

die Gestaltung des Objekts ist hingegen sehr weiblich. Wir

bemerkten auch, dass gerade das Spiel mit dem Geschlecht

beziehungsweise der geschlechtlichen Wahrnehmung viele

Dinge für das Design erst interessant machen.

Gender Codes und Wahrnehmung

Ob und wie die Wahrnehmung von Gender Codes mit persönlichen

Erfahrungen, Einstellungen und dem kulturellen

«Wissen» der Rezipientinnen und Rezipienten zusammenhängt,

wurde von uns untersucht und soll den Entwurfsprozess

beeinflussen. Am besten anhand der eigenen Betrachtung

und Wertung. Sind Gender Codes klar und damit einfach zu

erkennen? Oder sind die Zeichen dichter und subtiler, unterschwellig,

schwieriger wahrnehmbar? In jedem Fall galt es,

anhand von realen Beispielen zu analysieren, wie Kodierungen

genutzt und verändert werden. Dies führte zu einem Archiv

von rund 2000 Bildern, die wir anhand eines Rasters auf ihre

Genderbedeutung hin untersuchten.

Ein interessantes Beispiel für die Genderkodierung sind die

Nassrasierer für Mann und Frau. Technisch wohl sehr ähnlich,

sind die Rasierer auffallend unterschiedlich gestaltet.

Das männliche Exemplar («Mach3») ist stark strukturiert mit

aufgesetzten, sich wiederholenden formalen Elementen. Die

Farben sind dunkel und silbrig, durchbrochen mit Akzentfarben.

Die Semantik erinnert an Flugzeuge, Rennautos oder

Waffen. Die weiblichen Rasierer («Venus») scheinen organisch

und weich. Die Formen sind eher ausladend und breit, die Farben

hell und transparent. Die Objekte sprechen von Hygiene,

erinnern auch etwas an Schmuck.

design/ zett 2–11 15

Raster zur Beurteilung der Gender-Bedeutung von ausgewählten Objekten.

Foto: Stefan Schneller

Das Ausbildungsmodul

Bei den Designaufgaben arbeiteten die Studierenden in gemischt-

oder gleichgeschlechtlichen Zweiergruppen. Dies

ermöglichte Diskussionen und regen Austausch: Die Frauen

mussten beispielsweise den Männern die Wirkung von Formen

und Farben von Produkten auf sich selbst und, vermutet,

auf das andere Geschlecht erklären. In einem zweiten Teil

ging es darum, ein konkretes Produkt für eine Gendergruppe

zu entwerfen. Und dies für einmal nur hinsichtlich der

Genderwirkung. Genau hier, und damit kommen wir auf die

Kurven, wurde experimentiert, welche Formen welche Wirkung

haben.

Hatten wir zu Beginn die Befürchtung, die Studierenden

würden diese Übung als zu «theoretisch» und «dogmatisch»

betrachten, so war dieses Spiel mit Form und Geschlecht ausserordentlich

spannungsreich und attraktiv. Damit schufen

sich die Studierenden einen neuen, ungekannten Zugang zum

Design, der mit Sicherheit in vielen zukünftigen Projekten ihr

Entwurfs- und Formenvokabular erweitern wird.

* Prof. Michael Krohn ist Leiter des Studiengangs Master of Arts in Design,

Departement Design (michael.krohn@zhdk.ch).

Weiterführende Literatur: John Berger, Ways of Seeing, Pinguin Books,

London 1972.

Folgende Personen sind am Projekt beteiligt:

ZHdK: Prof. Michael Krohn, Christine Weidmann, Stefan Schneller

SUPSI: Dr. Fred Voorhorst, Cecilia Liveriero, Olivia Blum

FHNW: Catherine Sokoloff, Nicole Schneider


16

zett 2–11 /darstellende künste und film

ein internat für

junge Tänzerinnen

und Tänzer

Pionierarbeit in der Schweiz: das Internat der

Tanz Akademie Zürich für begabte Tanzschüler-

Innen ab zwölf Jahren. Was in anderen Ländern

seit Jahrzehnten Usus ist, wurde mit viel persönlichem

Einsatz auch in Zürich Realität. Sandra

Nussberger, Judith Hunger *

Die Tanz Akademie Zürich (taZ) ist Teil des Departements

Darstellende Künste und Film und bietet die Ausbildung zum

professionellen Bühnentanz mit EFZ-Abschluss an. Die mit

dem Eidgenössischen Fähigkeitszeugnis verbundene Anerkennung

des Bühnentanzberufs ist ein Meilenstein in der Schweizer

Tanzgeschichte. Braucht es jetzt auch noch ein Internat?

Ja, jetzt erst recht, meinen wir.

Wer sich die Programmhefte von namhaften Tanzkompanien

genau durchliest, merkt schnell, dass sich diese aus einem

internationalen Potpourri von 18- bis höchstens 40-jährigen

Tänzerinnen und Tänzern zusammensetzen. Im Gegensatz

zu den meisten anderen Künsten fängt die Karriere der BühnentänzerInnen

früh an und ist zeitlich limitiert. Um eine auf

die Bedürfnisse des klassischen Tanzes abgestimmte künstlerische

Ausbildung anbieten zu können, muss diese im Alter

von 10 bis 12 Jahren beginnen. Da liegt es auf der Hand, dass

ein professionell geführtes Internat unabdingbar ist. Wer aus

dem Tessin, aus Graubünden, aus dem Wallis oder aus einem

anderen Kanton würde sein 12-jähriges Kind nach Zürich in

die Tanzausbildung schicken, wenn es weder Wohnmöglichkeit

noch professionelle Betreuung gäbe? Ein Einstieg in die

Berufsausbildung im Alter von 15 oder 16 Jahren erweist sich

meist als zu spät, die Vorbildung – das Grundstudium – legt

ein wichtiges und notwendiges Fundament für das technisch

sehr anspruchsvolle Curriculum während der Berufsausbildung

– ähnlich wie in der Musik.

Das Internat der taZ beherbergt BewohnerInnen zwischen

11 und 18 Jahren aus den unterschiedlichsten Regionen des

In- und Auslands. Die Jüngsten unter ihnen (11- bis 15-jährig)

sind noch schulpflichtig und besuchen neben dem intensiven

Training den Unterricht auf Sekundarschulstufe. Diese

Jugendlichen fahren, wenn immer möglich, übers Wochenende

nach Hause zu ihren Familien. Diejenigen, welche die

Berufsausbildung absolvieren, sind ganztägig an der taZ und

wohnen zum Teil das ganze Jahr über im Internat, wenn die

Distanz zum Elternhaus zu gross ist.

Haus-Meeting im Aufenthaltsraum. Abendessen vorbereiten in der Internatsküche. Fotos: Betty Fleck

Das Team des Internats besteht ausschliesslich aus Fachpersonen

sozialer Berufe. Die Internatsleiterin Karin Bachmann

und ihr Team arbeiten eng mit der Tanz Akademie Zürich,

der SportClinic Zürich, den Sekundarschulen und den Eltern

zusammen. Eine weitere Stelle, die mit einer Ernährungsfachperson

besetzt werden soll, ist in Planung. Somit ist eine

rundum stimmige Betreuung gewährleistet.

Mit dem taZ-Internat und der taZ wird somit eine optimale

Ausbildungsstruktur geschaffen, gerade auch für den Schweizer

Nachwuchs. Diesen zu betreuen und ihm die Ausbildung

zu ermöglichen, ist erklärtes Ziel der taZ. Wir bleiben dran!

Das Internat der taZ öffnet seine Türen am Samstag, 17. März

2012 allen Interessierten, die reinschauen und reinschnuppern

wollen.

* Sandra Nussberger ist Mitglied des Leitungsteams der taZ (sandra.nussberger@zhdk.ch),

Judith Hunger ist administrative Assistentin der Departementsleitung

und verantwortlich für die Öffentlichkeitsarbeit

(judith.hunger@zhdk.ch).


im beruf

angekommen

Gleich mehrere Filmabsolventinnen

und -absolventen besetzen

diesen Sommer wichtige

Positionen in Spielfilmproduktionen

für das Schweizer Radio

und Fernsehen. Zum Beispiel

Barbara Kulcsar. Nicole Greuter *

Sie haben ein Filmdiplom der ZHdK in der Tasche und

arbeiten fest angestellt oder selbstständig für das Schweizer

Fernsehen: Jonas Projer als Auslandkorrespondent in Brüssel,

Sabine Boss als Fernsehfilm-Regisseurin und Barbara Seiler als

Autorin von «Kulturplatz»-Beiträgen. Zwar ist das Fernsehen

nicht wie in Deutschland der bedeutendste Arbeitgeber für

Absolventinnen und Absolventen von Filmhochschulen, aber

ein interessantes Arbeitsfeld für die freien Filmschaffenden.

Von Sabine Boss, deren Filmografie neben Kino- und Theaterarbeiten

bereits mehr als ein halbes Dutzend Fernsehfilme

aufweist, wird im Herbst «Mord hinterm Vorhang» ausgestrahlt.

Weitere Pläne der Zusammenarbeit mit dem Schweizer

Fernsehen sind vorhanden.

Diesen Sommer besetzen gleich mehrere Filmabsolventinnen

und -absolventen Schlüsselfunktionen in Spielfilmproduktionen.

Unter ihnen Thomas Gerber, der sich bisher als Regisseur

von Werbe- und Imagefilmen hervorgetan hat und bei

Spielfilmen als Editor beteiligt war. Demnächst beginnen die

Dreharbeiten für seinen ersten 90-Minüter «Rache ist süss».

Und in der Tragikomödie «Der Patient», die derzeit im Luzerner

Hinterland gedreht wird, arbeiten sogar drei ehemalige

Zürcher Filmstudierende in leitenden Positionen: Regie führt

Barbara Kulcsar, Director of Photography ist Pierre Mennel

und Editor Gion-Reto Killias.

In einer Drehpause am Telefon meint Barbara Kulcsar, die

starke Vertretung von Zürcher Absolventinnen und Absolventen

sei wohl eher Zufall. Ausschlaggebend für die Besetzung

des Stabs sei die Qualität. Sie hält Gion-Reto Killias, Editor

von «Der letzte Weynfeldt», für den besten Cutter. Mit ihm

hat sie studiert. Man kennt sich und hat schon zusammengearbeitet.

Mit Pierre Mennel, der sein Studium abschloss, als sie

ihres begann, hat sie hingegen noch nie gedreht. Für ihn hat sie

sich wegen seines Stils entschieden, «der zu den Bildern passt,

die ich mir vorgestellt habe». Zu den jüngsten Kameraarbeiten

Mennels gehören «Die Standesbeamtin» und «Hugo Koblet –

Pédaleur de charme». Seit einigen Jahren unterrichtet Pierre

Mennel auch an der ZHdK.

1999 schloss die damals 28-jährige Barbara Kulcsar ihr Studium

ab. Ihr Kurzspielfilm «Blush» wurde im darauffolgenden

Jahr für den Schweizer Filmpreis nominiert. Zehn Jahre später

darstellende künste und film/ zett 2–11 17

Bei den Dreharbeiten zu «Der Patient», SF Schweizer Film, (v.l.n.r.) : Barbara Kulcsar

(Regie), Pierre Mennel (DOP), Sami Khouri (2. Kameraassistent, Clapper, Loader),

Peter Demmer (Chefbeleuchter), Orit Teply (1. Kameraassistent), Roger Schweizer

(1. Regieassistent), Jean Cotter (Maske). Foto: SRF / Thomi Studhalter

feierte «Zu Zweit», ihr erster langer Spielfilm, am Zurich Film

Festival Premiere. Die Geschichte über das Zusammen- und

Nebeneinanderleben eines Ehepaars erhielt im Herbst 2010

den Zürcher Filmpreis, und Linda Olsansky wurde Anfang

2011 für ihre Rolle der Ehefrau als Beste Darstellerin für den

Schweizer Filmpreis nominiert. Zwischen «Blush» und «Zu

Zweit» liegen Erfahrungen im Werbefilm und im Schreiben

von Drehbüchern. Und der Wunsch, etwas Eigenes zu machen.

Gut möglich, dass «Zu Zweit» dazu beigetragen hat, dass Barbara

Kulcsar für die Regie des Fernsehfilms «Der Patient»

angefragt wurde. Jedenfalls fand sie das Drehbuch, das ihr die

ausführende Produktionsfirma Zodiac Pictures vorlegte, so

gut, dass sie es gewissermassen «zu meinem eigenen» gemacht

hat. «Der Patient» erzählt die Geschichte einer Bauernfamilie,

die durch die Alzheimer-Erkrankung des Grossvaters aus dem

Gleichgewicht gerät.

Welche Bedeutung die Fernseharbeit für ihre Laufbahn habe,

wollten wir von der Regisseurin wissen. Ein Karrieresprung,

meint sie, sei es insofern, als sie stärker wahrgenommen werde

und dies möglicherweise dazu führe, dass sie schneller einen

weiteren Film realisieren könne. Die Arbeit mache jedenfalls

extrem Spass. Einfach loslegen zu können, Regie zu führen,

ohne sich um alles andere auch noch zu kümmern, mit guten

Schauspielern zusammenzuarbeiten, «nicht drauflegen zu

müssen», das sei toll. Im Vergleich zu ihrem Film «Zu Zweit»,

den sie ohne Fördergelder und dank der Gratisarbeit aller

Beteiligten realisiert hat, sei dies ein anderes Gefühl von Schaffen,

es habe eine handwerklichere Komponente. «Der Patient»

sei ein Auftrag mit einem Anfang und einem Ende. Ohne ewige

Entwicklungszeit. Im Januar habe man sie angefragt, im Juni

sei gedreht worden. Sie habe nun das Gefühl, in ihrem Beruf

angekommen zu sein.

«Der Patient» wird 2012 im Sonntagabendprogramm des Schweizer Fernsehens

ausgestrahlt. Der genaue Termin ist noch offen.

* Nicole Greuter ist wissenschaftliche Mitarbeiterin der Fachrichtung Film,

Departement Darstellende Künste und Film (nicole.greuter@zhdk.ch).


18

zett 2–11 /darstellende künste und film

Links: «Sheep», rechts: «Meeting»,

Neue Dringlichkeit

es liegt etwas in der

luft …

… das nur schwer in Schrift zu fassen ist. Es ist da

– bei den Treffen, bei den Aktionen, beim gemeinsamen

Essen. Es ist ein Gefühl, eine Stimmung,

etwas, das ausserhalb von Text stattfindet. Hier

ein Versuch, Unbeschreibliches zu erklären, vor

allem, weil wir uns freuen würden, wenn Du mitmachst.

Neue Dringlichkeit – ein Statement von

Studierenden *

Entstanden ist die neue Dringlichkeit (nD) am 3. Dezember

2010. Auf der Bühne A fand ein «Spontanfestival gegen die

Fremdenfeindlichkeit der Schweiz» statt. Innerhalb weniger

Tage kam ein buntes Programm aus Performances, Videos,

Liedern und Reden zusammen. Im Anschluss an das Festival

gab es ein Gespräch, im Rahmen dessen ein Student den entscheidenden

Anstoss gab, indem er den Begriff «Neue Dringlichkeit»

in den Raum warf. Was aber macht die (nD) aus?

Was ist unser Anliegen? Was suchen wir? Kurz darauf entstand

der Blog der (nD) * *, ein erstes Treffen fand statt: Es wurde

hitzig diskutiert, und Aktionen im öffentlichen Raum wurden

geplant. In Folge rannten ein paar Verrückte im Schafskostüm

durch das weihnachtliche Niederdörfli oder sangen in der

Tram Lieder gegen Rassismus. Ein Stein war ins Rollen geraten.

Viele Leute haben ein paar Zeilen / Zeichen an den Blog

geschickt. Die folgende Textfläche ist ein Zusammenschnitt

dieser Schnipsel (am besten laut lesen und Musik dabei hören):

«Es liegt etwas in der Luft. Menschen gehen auf die Straße.

Stuttgart. Kairo. Madrid. Zynismus und Resignation bringen

uns nicht weiter. Wir müssen wieder an uns glauben. Wir

können etwas verändern. Wir müssen es versuchen. Weil ich

etwas verändern will und das mit anderen zusammen besser

geht. Weil ich mich zu weit aus dem Fenster lehnen möchte.

Weil das Gespenst des Heuchlers überall lauert. Die (nD)

ist für mich der Versuch, ein Forum zu schaffen, um sich innerhalb

der stressigen und zeitraubenden Ausbildung und

dem Leben einen Platz zu schaffen und immer wieder neu

über die Frage ‹Was ist meine Dringlichkeit?› nachzudenken

und ‹Wie setze ich meine Dringlichkeit in Aktion um?›. Die

gegenwärtige Situation ist oftmals nicht auszuhalten. Ihre

Folgen werden nicht auszuhalten sein. Sozial. Ökologisch. Philosophisch.

Der Drang zu einer gemeinsamen Veränderung!


Nichts annehmen, weil es so ist, oder immer so war – Mut,

uns den undurchsichtigen Ereignissen zu stellen, die uns als

ausserhalb unserer Einflussnahme und als unveränderlich

erscheinen. Was heutzutage Politik ist, verdient seinen Namen

nicht. Anderes hat keinen Platz. Anstelle der Ohnmacht

gegenüber der Welt eine neue Dringlichkeit zulassen. Lust,

einen Nerv der Zeit zu treffen. Sich selber in einem globalen

Netzwerk begreifen. Der inneren Notwendigkeit Ausdruck

verleihen. Sinnlich sein. Die Menschen auffordern, über den

eigenen Standpunkt zu reflektieren. Eine Bewegung, die die

Welt als veränderbar begreift und versucht, dem herrschenden

Zynismus, der jegliches Aktionspotenzial hemmt, etwas entgegenzusetzen.

Jeder Einzelne trägt eine Verantwortung

gegenüber der Gesellschaft. Gemeinsam versuchen wir, uns

vor der sogenannten Ohnmacht der Generation zu lösen und

aktionsgerichtet Stellung zu aktuellen Themen zu beziehen.

Ich möchte die Welt lieben, in der ich lebe, dafür muss ich

versuchen, gegen die herrschende Ungerechtigkeit etwas zu

unternehmen. Die (nD) ist die geeignete Plattform dafür. Ein

WIR aus vielen ICHs. Ich will mich nicht ausruhen auf meiner

Ohnmacht. Ich will mich verhalten zur Welt, mit meiner

Sprache Theater über das Theater hinaus. Weil, diese Welt ist

auch meine Welt. Ich muss das. Ich will das. Mut haben zur

Utopie. Wild hinterfragen und dann weiter. Labor. Aktion.

Weiter. Für mich als Theaterschaffende ist es notwendig, sich

seiner Verantwortung gegenüber der Gesellschaft bewusst zu

sein. Es ist an der Zeit, sich von der Selbstreferenz zu lösen

und gemeinsam an einem Strick zu ziehen. Ich will wieder

JA sagen zur Welt!»

Nachdem wir die weihnachtliche Innenstadt Zürichs verunsichert

hatten, stellten sich ein junger Mann und eine junge Frau

nackt auf den Bundesplatz, um sich öffentlich zu schämen.

darstellende künste und film/ zett 2–11 19

Bald danach unterstützten wir eine Aktion am Stauffacher, um

auf die Situation abgewiesener Asylsuchender aufmerksam zu

machen. Als der arabische Frühling aufflammte, tranken wir

gemeinsam Tee und redeten über die Entwicklungen in der Region

und über Möglichkeiten, mitzuwirken. Eine davon ist das

Projekt «Camera Directa», welches versucht, die Geschichte

der ägyptischen Revolution mit Bildern zu erzählen, die von

Menschen vor Ort stammen und nicht von Pressefotografen.

Eine Möglichkeit, sich frisch und persönlich mit dem Thema

Fremdenfeindlichkeit auseinanderzusetzen, bietet das «Büro

für Xenophobie»: Auf BfX-blog.org gibt es viele lustige Videos.

Weitere Projekte folgen!

Momentan existiert die (nD) vor allem innerhalb der Fachrichtung

Theater des Departements Darstellende Künste und

Film. Das liegt aber nur daran, dass sie hier geboren wurde.

Wir bedauern unsere Theaterlastigkeit und sehnen uns nach

anderen Mitwirkenden. Lasst uns die leere Worthülse Transzdisziplinarität

mit einem Inhalt füllen: Lasst uns quer durch

alle Künste und Nichtkünste danach suchen, wie wir die Gesellschaft

mitgestalten können! Wir haben einen Auftrag!

* neue Dringlichkeit, Studierende Fachrichtung Theater

(dringlichkeit@systemausfall.org)

* * Der offene Blog. Der Blog ist einerseits eine Art Zeitung der (nD) – ein Ort,

wo Gedanken und Denkanstösse veröffentlicht werden. Andererseits ist er eine

Organisationsplattform, auf der beispielsweise Treffen und Aktionen angekündigt,

geplant und dokumentiert werden. Ausserdem gibt es Videos, Fotos und

Texte der Aktionen. Es ist ein offener Blog, jeder kann posten. Die Anleitung

dazu ist auf dem Blog gleich oben rechts. Die Adresse ist: nD-blog.org

Der E-Mail-Newsletter. Über den E-Mail-Newsletter werden zirka alle zwei

Wochen wichtige Meldungen und Vorhaben der (nD) angekündigt.

Wer in den Newsletter rein will, schreibt bitte eine Mail an:

dringlichkeit@systemausfall.org


20

zett 2–11 /kunst & medien

22 linsen in istanbul

Von einer nicht alltäglichen Exkursion

der Vertiefung Fotografie berichten

Michael Etzensperger und Dominik Zietlow *.

Vom 3. bis 7. Mai 2011 unternahmen 22 Studierende der Vertiefung

Fotografie eine Studienreise nach Istanbul. Zweck der

Reise war es, sich vertieft mit den städtebaulichen Eigenheiten

der türkischen Metropole auseinanderzusetzen sowie Istanbul

als Kunst- und Kulturstadt kennenzulernen. Begleitet wurden

wir von der Dozentin Marianne Mueller und von der Unterrichtsassistentin

Veronika Spierenburg.

Während einer Peripherieführung auf dem asiatischen Teil der

Stadt sahen wir, wo in Istanbul gewohnt, gearbeitet und gependelt

wird. Wir besuchten Trabantenstädte, Orte, an denen

Shopping Malls den einzigen öffentlichen Raum darstellen,

anarchisch gewachsene Stadtstrukturen, Gated Communities

und den Grüngürtel, der Istanbuls Luft einigermassen erträglich

macht. Bei einer Wanderung entlang der byzantinischen

Stadtmauer entdeckten wir Romaviertel wie Sulukkule, die

sich an die Mauer schmiegen und dem massiven Verdrängungsdruck

der Immobilienspekulation zu trotzen versuchen.

Wir lernten die Rolle der Mauer aber auch als urbanen Mikrokosmos

von Lebens-, Arbeits- und Gewerberaum kennen.

Anlässlich des Besuchs bei der Künstlerin Banu Cennetoglu,

einer Eigenverlags-Pionierin, hatten wir die Gelegenheit, in

ihrer Printed-Matter-Sammlung / Bibliothek zu schmökern.

Natürlich blieb trotz des dichten Programms auch Zeit, in

Galerien, Hamams und Moscheen zu gehen oder sich für

wenig Geld einen schlechten Haarschnitt verpassen zu lassen.

Daneben frönten wir der Völlerei oder testeten Istanbuls

Nachtleben. Auch hiefür standen uns einheimische Experten

zur Verfügung, die sich aufs Rührendste selbst um die Bedürfnisse

der durstigsten Studierenden kümmerten.

* Michael Etzensperger und Dominik Zietlow studieren im Bachelor of Arts

in Medien & Kunst, Vertiefung Fotografie (michael.etzensperger@zhdk.ch,

dominik.zietlow@zhdk.ch).


kunst & medien/ zett 2–11 21


22

zett 2–11

www.musikalienshop.ch

für Musiknoten

und Musikbücher.

Musikalienshop mit über 370’000 Titeln!

Kaufen Sie Musiknoten und -bücher bequem von zu Hause

aus – und dies erst noch portofrei* an Ihre Adresse in der

Schweiz! In unserem Shop finden Sie aus über 370’000

Titeln aller Musiksparten – davon 110’000 sofort lieferbar –

bestimmt Ihre gewünschten Notenausgaben, Musikbücher,

Spiele, Postkarten, Poster, Karaoke-CDs und und und ...

Unser Online-Sortiment wird kontinuierlich ergänzt und

ausgebaut.

*Bei Bestellwert ab CHF 25.00

www.musikalienshop.ch –

Ihre Adresse für Musiknoten und -bücher

www.musikhug.ch

Portofreie

Lieferung!*


ein labor des

aneignens und

erprobens

Mit der Master Fine Arts Degree Show

präsentierte die ZHdK vom 7. bis 19. Juni 2011

die Abschlussarbeiten des 2008 geschaffenen

Studiengangs Master of Arts in Fine Arts (MFA).

Nachfolgend die Ansprache des Direktors des

Departements Kunst & Medien, Giaco Schiesser,

anlässlich der Vernissage vom 6. Juni 2011.

Sehr verehrte Anwesende,

liebe Diplomandinnen und Diplomanden.

Mit dem heutigen Tag schliessen Sie – sofern Sie die noch

ausstehenden Diplomprüfungen in den nächsten Tagen

bestehen – als erster oder als zweiter Studienjahrgang des

Masters of Fine Arts an der ZHdK Ihre Ausbildung auf dem

Spiel- und Experimentierfeld Hochschule ab. Vor Ihnen steht

der Übertritt auf ein anderes Spiel- und Experimentierfeld:

in die Arbeitswelt – in eine Arbeitswelt, die sich in grossem

Umbruch befindet und die immer mehr nach schneller und

ein-fältiger Verwertung gerade auch von KunsthochschulabsolventInnen,

gerade auch aus den Fine Arts, verlangt. Die

heutige Creative Industry, die viele prekäre, manche 0815- und

einige spektakuläre Möglichkeiten bereithält, und der Staat,

der sich neuerdings rührend Sorge darum macht, ob denn die

Kunstdiplomierten auch von ihrem Tun werden leben können

– eine Frage, die an die Philosophie-, Geschichts- oder

GermanistikabsolventInnen nicht gestellt wird, zu Recht nicht

gestellt wird – sind die Stichworte dazu. (Und, en passant:

Unsere AbsolventInnen können von ihrem Tun leben, und

das seit vielen Jahren.)

Wir haben Ihnen ein Curriculum angeboten, das Ihnen

ermöglichen sollte und von Ihnen abverlangt hat, eigensinnige

und scharfsinnige AutorInnen zu werden, eigene Haltungen

zu entwickeln zu Fragen, die Sie, und zu Fragen, die die Gesellschaft

heute umtreiben.

Es waren schöne und turbulente Zeiten mit Ihnen.

Sie haben uns oft erfreut und manchmal genervt. Wir DozentInnen

haben Sie vermutlich öfter genervt – und manchmal

vielleicht, hoffentlich erfreut. Sie haben Herausforderungen

gesucht, sind daran gewachsen, mitunter gescheitert, haben sie

manchmal unterlaufen, sind immer wieder in Krisen geraten.

Stets aber haben Sie weitergemacht. Sie waren hartnäckig –

wir waren hartnäckig. Sie waren eigensinnig – wir Dozierende

waren es auch.

Kurz, Sie sind bestens vorbereitet auf ein Leben nach der

Hochschule. Dies nicht nur und vielleicht nicht einmal in

erster Linie, weil Sie das Labor des Masters of Fine Arts als

«dichten Raum», als Labor des Aneignens und Erprobens genutzt

haben, sondern weil Sie immer schon, auch während

kunst & medien/ zett 2–11 23

Installation vom Künstlerkollektiv U5 2009 – 2011, Mixed media, Dimensions variable

Marco Nicolas Heinzen: The Return Of Eternal Beauty II. – Work cycle, Visual Porn and the

Return of Eternal Beauty, 2010 – 2011, Oil and mixed media on paper, 100×70 cm each

Fotos: Gunnar Meier

Ihres Studiums, in der Gesellschaft draussen unterwegs waren,

im In- und Ausland, in Garagen und Galerien, in Kirchen und

Kellern, in Off-Spaces und In-Places.

Ich gratuliere – zur diesjährigen Diplomausstellung 2011, die

Sie, ganz dem Master-Profil entsprechend, eigenständig und

unter Walten der unsichtbaren Hand des Kollegen Thomas

Müllenbach geplant und realisiert haben.

Ich danke – dass Sie uns, die Dozierenden, ausgehalten haben.

Ob es der Mühe wert war, müssen Sie selber und werden die

BesucherInnen und RezensentInnen der Degree Show 2011

hier in der Shedhalle entscheiden.

Ich wünsche – dass Sie eigensinnig und erfahrungshungrig,

hellwach und hartnäckig bleiben und manchmal, eher öfter:

witziger, verspielter, poetischer und zugleich bissiger, ironischer,

böser werden. Denn ohne all dies geht es für Autor-

Innen, geht es in den Künsten nicht.

Ich hoffe – dass die Gesellschaft, also auch die heute hier Anwesenden,

in Zukunft weiterhin von Ihnen hören werden, so

oder so: als KünstlerInnen, als MedienautorInnen, als TheoretikerInnen,

als KulturarbeiterInnen.

Wenn nicht, hätte es sich nicht gelohnt, dass Sie uns und wir

Sie ausgehalten, dass wir miteinander gestritten, gelernt und

gefeiert haben.

Ich danke Ihnen.


24

zett 2–11 /kunst & medien

Omar und Leylah Fra

affaire de famille –

familiensache

Leylah und Omar sind unzertrennlich. Sie studieren

beide gleichzeitig in ganz unterschiedlichen

Departementen der ZHdK – und ergänzen

sich aufs Beste. Was verbindet oder trennt zwei

Geschwister, die zur selben Zeit an derselben

Hochschule studieren? Ein Gespräch von Barbara

Draeyer *, Foto: Johannes Dietschi.

Was könnt ihr mir über eure Herkunft, eure Familie erzählen?

Omar: In unserer Familie mit ihren türkisch-italienischen Wurzeln

spielte Musik immer eine sehr grosse Rolle. Seien es die

Instrumente der beiden Grossväter – der eine spielte türkische

Volksmusik auf der Oud (Laute), der andere italienische Lieder

auf dem Akkordeon – oder das Musizieren der Eltern (unser

Vater komponierte u. a. die Rockoper «Hyde» nach der

Novelle von Stevensons «The Strange Case of Dr. Jekyll and

Mr. Hyde»). Musik verbindet die Familie Fra laufend in verschiedenen

Projekten, so auch uns beide in der Band Death

of a Cheerleader.

Was hat eure Wahl des Studienfachs beeinflusst?

Leylah: Eigentlich wollte ich zuerst Musik studieren oder Architektur.

Ich lernte früh Querflöte spielen. Aber ich wollte

auch etwas Künstlerisch-kreatives machen, und so fiel mein

Entscheid nach dem Vorkurs auf die Fotografie, ein Studium,

das eine ideale Verbindung zwischen Kreativität und Technik

darstellt. Während meines Fotografiestudiums habe ich

in unserer Band Bass gespielt, habe dies allerdings nie gross

publik gemacht.

Omar: Bei mir war es gerade umgekehrt. Nach meiner Matura-

Arbeit (einer Fotoarbeit), wollte ich Fotografie studieren. Aber

im tiefsten Innern bin ich Musiker. Alles andere, zum Beispiel

Fotografie oder bildende Kunst, ist für mich in erster Linie

ein «Ausprobieren». Mein Instrument ist die Gitarre, aber ich

spiele auch viel Klavier. Ich schreibe und singe die Songs für

unsere Band. An der ZHdK studierte ich Gitarre, Songwriting

und Producing und sehe mich deshalb nicht primär als

Instrumentalisten.

Habt ihr euch gegenseitig beeinflusst oder konkurrenziert?

Beide: Beeinflusst haben wir einander auf jeden Fall – konkurrenziert

nie! Wenn man zusammen aufwächst und auch heute

noch zusammen wohnt, ist der Austausch quasi permanent.

Wir beraten uns gegenseitig und besprechen immer alles. So

ist der eine immer auch im Projekt des anderen mit drin und

möchte natürlich, dass dieses möglichst gut wird. Das schliesst

Konkurrenz aus.

Ihr schliesst euer Studium beide dieses Jahr ab – seid ihr denn

Zwillinge?

Leylah lacht: Das meinen viele, und wir werden immer wieder darauf

angesprochen, aber nein, unsere verschiedenen Schullaufbahnen

haben uns einfach gleichzeitig an die ZHdK gebracht.

Wie und wann ist Death of a Cheerleader (DOAC) denn entstanden?

Omar: Das war eigentlich zuerst ein Soloprojekt von mir. Nachdem

Clubs DOAC plötzlich buchen wollten, habe ich die Musiker

zusammengeholt, und dann sind wir aufgetreten.

Leylah: So richtig mit Konzerten ging es Ende 2008, Anfang

2009 los. Zur Kerngruppe von DOAC gehören vier Personen,

bei Live-Auftritten sind wir jeweils sechs.

Wer gibt den Ton an?

Leylah: Omar ist die tragende Figur der Band. Er schreibt die

Songs, macht das Booking und organisiert die Touren. Das

Artwork besprechen wir gemeinsam. Omar singt, und ich

spiele Bass – die Fertigkeit dazu habe ich mir selbst angeeignet

(Augenzwinkern), aber Omar hat mir damals das erste

Stück beigebracht.

Was sind eure Pläne nach dem Studium?

Leylah: Wir konzentrieren uns in nächster Zeit voll auf das

Album, das wir soeben in Stockholm aufgenommen haben,

das heisst, wir suchen ein Label für Produktion und Vertrieb.

Gerne würden wir auch auf Tournee gehen.

Was war für euch ein herausragendes Erlebnis an der ZHdK?

Beide: Unsere Teilnahmen am Projekt «Common Stage» – das

war etwas vom Schönsten! Die Reisen nach China, die Kontakte

dort mit den Studierenden aller Disziplinen, von Game

Design über Regie zu Musik und Theater, die Erlebnisse –

einfach super.

Leylah Fra besucht den Bachelor-Studiengang Medien & Kunst, Vertiefung

Fotografie, Abschluss 2011.

Omar Fra besucht den Master-Studiengang Musikpädagogik, Pop, Abschluss

2011.

Infos zu Death of a Cheerleader unter: www.deathofacheerleader.net

* Barbara Draeyer ist administrative Assistentin und Kommunikationsverantwortliche

im Departement Kunst & Medien (barbara.draeyer@zhdk.ch).


tourist art

Die Holzbildhauerei in Brienz zwischen Contemporary

und Tourist Art – Bachelor-Studierende

des Departements Kunst & Medien reflektieren

glokale Prozesse im Modul «Wozu Kunst?».

Annemarie Bucher und Dominique Lämmli *

Seit rund zwei Jahrzehnten hat der Katalog der Kunstbegriffe

eine interessante Erweiterung erfahren: Tourist Art. Damit

werden «Kunstprodukte» bezeichnet, die vorwiegend an

Touristinnen und Touristen verkauft werden. Ehemals lokale

künstlerische Tätigkeiten haben sich unter dem Einfluss des

globalen Tourismus strukturell verändert und sich der Nachfrage

angepasst. Die Kunstethnologie hat für diese glokalen

Phänomene den Begriff der Tourist Art geprägt.

Lokale Kunst wird kommerzialisiert und globalisiert


Reisende besuchen Orte und kaufen als Erinnerungsstück

massenhaft Souvenirs. Eigenständige Märkte entstehen. Diese

liegen häufig an Verkehrslinien und Flughäfen. Bezüglich

Material und Form nehmen die Artefakte scheinbar Bezug auf

regionale und lokale Gestaltungstraditionen. Die Kaufenden

beeinflussen jedoch das Angebot massgeblich mit ihrem

Kaufverhalten, ihren Vorstellungen und Wünschen. Tourist

Art ist deshalb nicht unabhängig vom Gebrauchskontext und

den kulturellen Vorstellungen der Reisenden und deren Herkunftsland.

Die aus «fremden Ländern» im Reisegepäck mitgebrachten

Tourist-Art-Stücke zieren meist private Räume und

zeugen von einer weltweiten Mobilität. Es sind vermeintlich

authentische kulturelle Produktionen, die jedoch hinter dem

Exotischen und Fremden in erster Linie die Kultur und die

Lebens- und Vorstellungswelt der Touristinnen und Touristen

offenbaren.

… auch im Berner Oberland

Tourist Art ist somit ein Resultat von Kommerzialisierungsprozessen,

bedingt durch eine verstärkte Nachfrage vordergründig

authentischer, das heisst originaler lokaler Erzeugnisse.

Derartige Produktionsbedingungen sind weltweit

feststellbar. Zu den wichtigsten Phänomenen der Schweizer

Tourist Art gehört die Berner Oberländer Holzschnitzerei mit

Brienz als Zentrum. In dieser Region begann dieser Prozess

mit dem aufkommenden Massentourismus im 19. Jahrhundert.

Der ästhetische Blick auf die «bildgewaltige» Alpenlandschaft

zog Reisende aus ganz Europa an, was nicht nur eine

neue Verkehrsinfrastruktur mit Bergbahnen und Hotels bedingte,

sondern auch die Souvenir-Industrie und damit lokale

kunstgewerbliche und künstlerische Produktion beeinflusste.

Die Mitbringsel aus dem Berner Oberland reichten von geschnitzten

Kochlöffeln über Murmeltiere, Bären und Gämse

bis zu Miniatur-Chalets und Wilhelm-Tell-Statuen. Dieser sich

daraus entwickelnde Markt besteht bis heute, wird aber selten

bis gar nicht im zeitgenössischen Kunstdiskurs verhandelt.

Denn die Ein- und Ausschlusskriterien der modernen Kunst

(die sich auf Innovation und Originalität stützen) haben die

Erzeugnisse der Tourist Art als kunstvolle Sammlungsstücke

von vornherein ausgeschlossen. Die gegenwärtig zu beobach-

Ausstellungsraum Schule für Holzbildhauerei in Brienz. Foto: foa-flux

kunst & medien/ zett 2–11 25

tende Auflösung der Dominanz des modernen/postmodernen

Kunstbezugsystems und die neue Aufmerksamkeit für

traditionsbezogene, hybride Kunstwerke im internationalen

Ausstellungskontext sind Grund genug, die Erzeugnisse der

Tourist Art neu zu sichten.

Tourist Art im Kontext zeitgenössischer Kunst

Die Unterrichtsmodule zum Thema «Wozu Kunst?» befassen

sich mit der Debatte verschiedener Kunstverständnisse und

Werkbegriffe, die das globalisierte Feld der Kunst abstecken.

Studierende der ZHdK haben das Museum und die Schule

für Holzbildhauerei in Brienz besucht und über künstlerische

Selbstverständnisse diskutiert. Obwohl die Holzskulpturen als

schweizerische Repräsentationsgegenstände weltweit im Umlauf

sind (u. a. an der Weltausstellung in Shanghai), tauchen

sie im zeitgenössischen Kunstkontext kaum auf. In Brienz hat

sich den Studierenden eine fremde Welt und gleichzeitig eine

beziehungsreiche Geschichte erschlossen, deren Reflexion ein

neues Licht auf die zeitgenössischen künstlerischen Produktionsbedingungen

wirft.

Modulangaben

Die Module «Wozu Kunst?» werden von Annemarie Bucher und Dominique

Lämmli an der ZHdK seit Herbstsemester 2009 angeboten.

* Dr. Annemarie Bucher und Dominique Lämmli sind Dozentinnen im

Departement Kunst & Medien und Betreiberinnen von foa-flux.net (annemarie.

bucher@zhdk.ch, dominique.laemmli@zhdk.ch).


26

zett 2–11 /forschung

Performance von Dave Phillips im «The Lab»,

San Francisco, 2010. Foto: © Randy Yau/23five Inc.

die innenwelt

der aussenwelt

der stimme

Transzendenz mittels Technik — «Disembodied

Voice» macht’s möglich. Wie man eine Stimme

entkörperlicht, beschreibt das ZHdK-Forscherteam

Ingo Starz * und Germán Toro Pérez *.

Das Institute for the Performing Arts and Film (ipf ) und das

Institute for Computer Music and Sound Technology (ICST)

der ZHdK unterhalten derzeit ein vielstimmiges Laboratorium:

In dem vom Schweizerischen Nationalfonds unterstützten

DORE-Projekt «Disembodied Voice. Stimme / Körper / Technik»

werden Phänomene der technischen Manipulation der

Stimme und deren Nutzbarmachung für das Theater untersucht.

Im Zeitraum von 16 Monaten werden die Potenziale

der elektroakustischen Transformation der Stimme und der

dreidimensionalen Klangprojektion mit Ambisonics für die

Theaterpraxis erforscht. In Zusammenarbeit mit dem Master-

Studiengang Theater wird im Frühjahr 2012 eine Modellinszenierung

realisiert, die Lehre und Forschung zusammenführt.

Theaterwissenschaft, Elektroakustik und Bühne treten in

einen interdisziplinären Dialog.

Entwicklung der stimmlichen Präsenz

im Theaterraum

Das Forschungsprojekt gründet auf der Beobachtung, dass

sich die Bedingungen und das Selbstverständnis von Stimme

als performativen Akt durch neue Technologien und Medien

im 21. Jahrhundert grundlegend verändert haben. Die Ausstellung

«Phonorama. Eine Kulturgeschichte der Stimme als

Medium» (Zentrum für Kunst und Medientechnologie Karlsruhe,

2004/05), um nur ein Beispiel angewandter Forschung

zu nennen, legte die Entwicklungslinien der mediatisierten

Stimme seit den Anfängen der Tonaufzeichnung offen.

Nebenbei inszenierte sie in unterschiedlichen Settings die

Stimme im Raum. «Disembodied Voice» nutzt gegenwärtige

technologische Möglichkeiten und entwickelt Strategien für

den Umgang mit der mediatisierten Stimme im Theaterraum:

Wie (de-)konstruiert die Stimme den Raum? Wie verhalten

sich dabei SprecherIn und Stimme zueinander?

In den Anfängen der Tonaufzeichnung stand die Stimme im

Zentrum der Theateraufführung: Wenn man Aufnahmen von

Alexander Moissi oder Tilla Durieux hört, erlebt man beinahe

musikalisch gestaltete Monologe. Die klangliche Opulenz

solcher Aufnahmen dient als Ausgangspunkt für die Suche

nach einer Terminologie stimmlicher Eigenschaften, die ebenso

akustische wie performative Qualitäten kommunizierbar

macht. Die den Forschungsprozess begleitende Dokumentation

nimmt beides in den Fokus: die Stimme als solche und das

Hören von Stimmen. Wissenschaftler und Expertinnen aus

der Praxis sind regelmässig Zuhörerinnen und Diskutanten im

Laboratorium: Der Arbeitsprozess mit SprecherInnen wird so

einer eingehenden Analyse unterzogen. Dass sich im Rahmen

der Modellinszenierung Studierende des Master-Studiengangs

mit Fragen und Methoden der Forschung auseinandersetzen,

schafft interessante Perspektiven für die künstlerische Forschung

an der ZHdK.

Interdisziplinäres Zusammenspiel von

Theaterwissenschaft, Soundtechnologie

und Theaterpraxis

Das Projekt wirft Fragen auf, die eine Erweiterung der bisher

im Kontext elektroakustischer Musik gesammelten

Erfahrungen und verfügbaren Techniken im Umgang mit

der Stimme fordern. Deshalb werden technische Werkzeuge

eigens dazu entwickelt, um eine Erfassung von Merkmalen der

gesprochenen Stimme als Ausgangspunkt für Interaktion und

Klangtransformation im dreidimensionalen Raum und in der

Zeit zu ermöglichen. Rückflüsse auf die Konzerte und Musiktheaterpraxis

werden dabei ebenso erwartet. Im Vordergrund

steht jedoch die Entwicklung einer gemeinsamen Forschungskultur

zwischen Musik und Theater auf der Basis eines Dialogs

zwischen Wissenschaft und künstlerischer Praxis.

* Ingo Starz ist Projektleiter von «Disembodied Voice» und Mitarbeiter des ipf

der ZHdK (ingo.starz@zhdk.ch), Germán Toro Pérez leitet das ICST der ZHdK

(german.toro-perez@zhdk.ch).


Orgel in der Predigerkirche, Zürich

laudes organi –

ein orgelfest

Das internationale Symposium «Orgel Orgue

Organo Organ 2011» findet vom 8. bis 11. September

in Zürich statt und hat die Bedeutung und

Zukunft der Orgel zum Thema. Beat Schäfer *

Das Tauflied, von der Gemeinde gesungen, Mendelssohns

Hochzeitsmarsch bei der kirchlichen Trauung, Johann Sebastian

Bachs «Befiehl Du Deine Wege» bei der Abdankung:

Die Orgel begleitet viele – auch nicht kirchliche – Menschen

durch die wichtigen Stationen ihres Lebens oder des Lebens

ihnen nahestehender Personen. Über ihre jahrhundertealte

Funktion in der christlichen Liturgie hinaus ist die Orgel die

vielfältig rauschende «Königin der Instrumente» in Konzertsaal

und Kirchenkonzert. Nicht immer war ihre Popularität

jedoch gleich gross, und sie ist es auch heute nicht überall.

Manchenorts wird sie durch andere Instrumente, Musikkonserven

oder kirchliches Desinteresse aus dem Bewusstsein

gedrängt.

Kooperation von Musikhochschulen

Und manchenorts erlebt sie ein Revival: Vom 8. bis 11. September

2011 veranstaltet die ZHdK zusammen mit den Musikhochschulen

Basel, Bern, Luzern, der Universität Zürich, dem

internationalen Studiengang OrganExpert und mit der Unterstützung

von Kirchen sowie weiteren in- und ausländischen

Verbänden das grosse internationale Symposium «Orgel Orgue

Organo Organ 2011» in den Räumen des Konservatoriums und

in acht Kirchen der Stadt Zürich.

Das Symposium vereint sowohl Fachleute der Bereiche Orgelbau,

Orgelspiel, Lehre (Dozierende, Studierende) und Musikmanagement

aus ganz Europa als auch Verantwortungsträger

aus Kirche, Kultur und Politik sowie ein breites Publikum. Angeboten

werden über 20 Referate, Podiumsdiskussionen und

Workshops zu Themenbereichen wie «Die Rolle der Orgel in

Konzert, Gottesdienst, Kirche und Gesellschaft», «Neuerungen

im Orgelbau», «Denkmalpflegerische Normen in Orgelbau und

-restaurierung», «Strömungen und Entwicklungen im Orgelbau»,

«Tendenzen und Entwicklungen des Berufsfeldes der

Organistinnen und Organisten» oder «Nachwuchsförderung».

Orgel im Grossmünster, Zürich. Fotos: Simon Reich

Uraufführungen von ZHdK-Dozierenden

Dazu kommen Orgelkonzerte, Orgelpräsentationen, eine ganze

Nacht lang Musik im Halbstundentakt in der bekannten Zürcher

Orgelnacht im St. Jakob, Gottesdienste mit zahlreichen

Aufführungen von Orgelmusik der letzten 400 Jahre, darunter

auch Uraufführungen neuer Werke namhafter Komponisten

wie Germán Toro-Pérez, Mathias Steinauer und Burkhard

Kinzler (allesamt ZHdK-Dozierende), ein Jazz-Konzert mit

Hammond-Orgeln B-300 (Marcel Thomi, Roland Köppel) und

schliesslich ein Orgelkonzert mit Orchester in der Tonhalle.

Berichte zur Orgelsituation aus allen Ländern Europas, eine

Sonderausstellung in der Zentralbibliothek, die Verabschiedung

einer Orgel-Resolution, eine Notenausstellung sowie

Präsentationen einer Vierteltonorgel, der winddynamischen

Forschungsprojektorgel und vieles mehr sind weitere ergänzende

Angebote.

Orgelspaziergang und Angebote für Kinder

Die Veranstaltungen wollen aber nicht nur Expertenkreise

und ein fachlich informiertes Publikum bedienen, sondern

richten sich auch an eine breite Öffentlichkeit und damit an

den potenziellen Nachwuchs. Kinder und ihre Eltern können

Orgelmärchen hören, Orgeln begehen und erhalten Gratisunterricht.

Jugendliche bauen ihre eigenen Orgelpfeifen, und

die Familien sind beim Orgelspaziergang durch vier grosse

Altstadtkirchen willkommen.

Zudem wird ein Preis verliehen: Nach einer ersten Tagung in

Bern haben über 60 Orgelstudierende der Schweizer Musikhochschulen

Orgelpräsentationen für Kinder kreiert, durchgeführt

und aufgezeichnet. Die beste Idee wird vom Departement

Musik der ZHdK prämiert.

Detaillierte Informationen zum Symposium unter: www.orgel2011.ch

* Beat Schäfer ist Leiter des Profils Kirchenmusik, Departement Musik,

und Präsident des Vereins Orgel 2011 sowie Projektleiter des Symposiums

(beat.schaefer@zhdk.ch).

musik/ zett 2–11 27


28

zett 2–11 /musik

«viel effektiver als

eine normale musikmasterclass»

Schweizer Jazzstudierende gemeinsam auf einer

CD mit dem argentinischen Star-Jazzkomponisten

Guillermo Klein: Hans Peter Künzle und

Hämi Hämmerli haben als Leiter der Jazzabteilungen

in Zürich und Luzern das ungewöhnliche

Album angestossen. Ein Gespräch von Tom

Gsteiger und Christoph Merki *

Kein Geringerer als Gary Burton, der weltberühmte amerikanische

Vibrafonist, darf als Entdecker Guillermo Kleins gelten.

Burton hörte ein Tape mit Stücken von Klein. Und flugs hatte

er für den Jungspund ein Stipendium am Berklee College of

Music organisiert. Seither hat sich Klein, heute 41-jährig, als

unorthodoxer Musikschreiber einen Namen gemacht. Hans

Peter Künzle und Hämi Hämmerli, die beide in der Direktoren-Konferenz

Schweizerischer Jazzschulen (DKSJ) Einsitz

haben, holten Klein also für fünf Konzerte mit Jazzstudierenden

in die Schweiz. Eines der Konzerte, im Zürcher Musikklub

Mehrspur, erscheint nun auf CD.

Hämi Hämmerli und Hans Peter Künzle, Sie haben den Live-

Mitschnitt von der Tournee Guillermo Kleins mit Schweizer

Jazzstudierenden angeregt. Was macht Klein so interessant

für Sie?

Hans Peter Künzle: Klein bewegt sich mit seiner Musik in Grenzbereichen,

die weit entfernt sind vom traditionellen Bigbandsound.

Wir wollten die Studierenden mit einer eigenwilligen

Persönlichkeit konfrontieren und ihnen so neue Horizonte

eröffnen.

Hämi Hämmerli: Obwohl Klein in Berklee studierte und einige

Jahre in New York lebte, ist er kein typischer New-York-Hardcore-Jazz-Purist.

Seit 2007 führt die DKSJ die All-Star-Projekte mit Studierenden

aus Basel, Bern, Lausanne, Luzern und Zürich durch:

2009 also unter der Leitung von Guillermo Klein, vorher etwa

unter derjenigen von Alexander von Schlippenbach, einem legendären

Free-Jazz-Urgestein. Wie muss man sich den Ablauf

dieser Projekte konkret vorstellen?

Hämmerli: Die Bandleader geben in einem ersten Schritt ihre

Besetzungswünsche bekannt. Dann sucht man an den fünf

Hochschulen passende Leute. Nach drei Probetagen geht die

Band auf Tournee und gibt Konzerte an den fünf Hochschulstandorten.

Künzle: Diese Projekte sind viel effektiver als die normalen

Masterclasses. Da wird wirklich gemeinsam auf ein Ziel hin

gearbeitet, und man erlebt ein echtes Tournee-Feeling.

Hämmerli: Durch diese Projekte entsteht auch ein Netzwerk

zwischen den Jazzabteilungen, und zwar über den Röstigraben

hinweg. Die Hochschulen übernehmen ja immer mehr

die Funktion, die früher Clubs wie zum Beispiel das legendäre

Minton’s Playhouse in Harlem hatten – sie sind ein wichtiger

Treffpunkt für den Austausch frischer Ideen.

Komponist und Bandleader Guillermo Klein aus Buenos Aires, Argentinien, bei

der Probearbeit mit Schweizer Jazzstudierenden. Foto: Bernhard Ley

Warum erscheint das Projekt mit Klein auf CD?

Künzle: In Zürich betreibt die Jazzabteilung der Hochschule

der Künste mit dem Mehrspur einen eigenen Club mit eingebautem

Aufnahmestudio, und wir führen auch eine Tonmeisterausbildung

durch. So können wir von Synergien profitieren.

Bei den Aufnahmen der von Klein geleiteten Band

hatten wir das Gefühl, dass dies ein gutes Dokument ist, um

ein einzigartiges Projekt breiter bekannt zu machen.

Hämmerli: Man spürt, dass da sehr viel Herzblut investiert

wurde.

Künzle: Es war von Anfang an das Bestreben der DKSJ, dem

Jazz hierzulande zu mehr Anerkennung zu verhelfen. Bei der

Ausbildung ist uns dies sicherlich gelungen. Wir haben fünf

Jazzabteilungen, die fest in der Hochschullandschaft verankert

sind. Jetzt geht es darum, vermehrt in die Öffentlichkeit

zu treten. Das All-Star-Projekt eignet sich bestens dafür.

Man hat das Gefühl, dass in der Schweiz viel Geld in die Ausbildung

von Jazzmusikerinnen und -musikern investiert, aber

die Förderung von Jazzprofis sehr stiefmütterlich behandelt

wird.

Künzle: Das stimmt natürlich. Man kann aber andererseits auch

sagen: Die Leute, die an unseren Jazzschulen ausgebildet werden,

leisten nachher Basisarbeit für den Jazz. Es landen ja

zwischen 80 und 90 Prozent mit einem zusätzlichen Standbein

im Lehrerberuf.

Guillermo Klein & Swiss Exchange: Live at Mehrspur (ZHdK Records /

Phonag). Die CD ist ab 15, Okt, 2011 für CHF 30.– beim Online Shop des ZHdK

Labels erhältlich: http://zhdkrecords.zhdk.ch

* Christoph Merki ist Dozent für Jazzgeschichte und Ensembles im Departement

Musik und Journalist (christoph.merki@zhdk.ch), Tom Gsteiger ist

Jazz-Journalist.


musikalisches als-ob

für orchester

Die Orchesterakademie der ZHdK präsentiert im

Herbst ein nicht alltägliches Programm, in dem

das Mögliche zum Wirklichen wird. Von Michael

Eidenbenz *

Manchmal gerät näher an die Wahrheit, wer nur so tut, als ob.

Verkleidung, Spiel mit Möglichkeiten, Imagination, Hypothesen,

zwischenmenschliche Versuchsanordnungen, Doppelsinn

und Fantasie: Darauf bauen Geschichten der Künste auf. Sie

vermeiden die nackte Wirklichkeit und entkleiden sie dann

durch Kostümierung. Hamlet hat Schauspieler gebraucht, um

die Wahrheit eines Königsmords ans Licht zu bringen. Und

der junge Dmitri Schostakowitsch hat tief in die Trickkiste der

avantgardistischen Klangfantasien seiner Zeit gegriffen, als er

1932 seine Bühnenmusik zu «Hamlet» schrieb. Doppeldeutige

Märsche, kapriziöse Flirrklänge, aufgedrehte Galoppaden und

dramatische Aufzüge füttern die Spiellust eines Orchesters

ebenso wie die Vorstellungskraft des stimulierten Publikums.

Gut fünfzig Jahre später entfesselte ein anderer Russe sein

Spiel mit dem Möglichen. In seinem ersten «Concerto grosso»

verhält sich Alfred Schnittke exzessiv, als ob: Als ob er ein

Barockkomponist wäre beispielsweise, indem er nicht nur die

alte Konzertform verwendet, sondern Passagen schreibt, die

wie ein entgleisender Vivaldi hoch drei klingen. Oder indem er

diese in ein stilistisches Kaleidoskop wirft, wo Tango, Walzer,

Cluster, Streichgeräusche durcheinanderwirbeln. Und manchmal

hält plötzlich alles still, zwei verlorene Cembalo-Töne

bleiben, und der erschreckte Zuhörer glaubt, einen Moment

in ein leeres Jenseits zu blicken …

Schliesslich aber wird das Spiel auch ganz wörtlich genommen,

und zwar dort, wo das Als-ob im Sinne des Bluffs zentral

ist und sich oft genug gleichzeitig mit elementarem Lebensernst

verbindet: Poker ist gemeint! Igor Strawinsky hatte die

verblüffende Idee, ein Ballett der Spielkarten zu komponieren,

bei dem der treulose Joker eine Hauptfigur darstellt. Am

Ende wird er als Kopf einer Pique-Strasse vom Herz-Flush

geschlagen.

Alles zusammen ist in der Herbst-Orchesterakademie der

ZHdK zu erleben, Marc Kissóczy dirigiert. Herzliche Einladung!

* Prof. Michael Eidenbenz ist Direktor des Departements Musik

Orchesterakademie - (Russland)

Sonntag, 9. Oktober 2011, Tonhalle Zürich

18.30 Uhr, Kleiner Saal: Einführung Dominik Sackmann

19.30 Uhr, Grosser Saal: Konzert

Orchester der Zürcher Hochschule der Künste; Marc Kissóczy, Leitung

Igor Strawinsky (1882–1971): Jeu de cartes (1936)

Alfred Schnittke (1934–1998): Concerto grosso Nr. 1, d-Moll (1977)

Dmitri Schostakowitsch (1906–1975): Hamlet-Suite op. 32a (1932)

Eintrittsmodalitäten: +41 44 206 34 34, übliche Vorverkaufsstellen

(www.tonhalle.ch)

StreicherInnen Orchester der ZHdK. Fotos: Daniela Huser

musik/ zett 2–11 29


30

zett 2–11 /kulturanalysen und vermittlung

Syntharp, ein Instrument das elektronische Daten übersetzen und wahrnehmbar

machen kann. Foto: Martin Benz © Syntharp Instruments AG, 2010

inside | outside –

low | high

Wie situieren sich die einzelnen Künste heute

zwischen High Art und Low Culture, und wie

generiert sich dabei das Gefühl, «in» oder «out»

zu sein? Z+, die Plattform für transdisziplinäre

Lehre, Forschung und Veranstaltungen der ZHdK

stellt das Thema «inside | outside – low | high»

zur Diskussion. Kuratorium Z+ *

Die Problematik von High Art und Low Culture ist in allen

Künsten und im Design virulent, wenngleich in unterschiedlicher

Weise. Die Musikindustrie hat um 1900 offiziell eine bis

heute gültige Scheidung zwischen dem U- und dem E-Bereich

vollzogen, doch in der alltäglichen Musikpraxis sieht es gar

nicht so eindeutig aus; in den visuellen Künsten wurde der

Einfluss der Low Culture bereits um 1850 als Gefahr debattiert,

bevor ihr Einbezug im 20. Jahrhundert für ein neues

Kunstverständnis (Beuys, Warhol u. a.) geradezu konstitutiv

wurde. Für das Theater stellen die Popkultur und mit ihr auch

die elektronischen Medien seit den 1990er-Jahren eine zentrale

Bezugsgrösse dar, die Auseinandersetzung mit diesen

Medien ist dabei weitgehend an die Stelle der Interpretation

des klassischen Kanons getreten. Das Kino, das ja gemeinhin

als industrielle Massenkunst gilt, stellt im Rahmen von

«high | low» einen Sonderfall dar. Und das Design verknüpft

«Mode und Modetheorie arbeiten und argumentieren

notorisch im Souterrain des Designs. Die

Diskussion über Bedingungen und Konstruktionen

von «inside | outside» ist deshalb für uns

nicht nur verlockend und verführerisch, sondern

macht sie aus unserer sozusagen myzelartigen

Perspektive zur Notwendigkeit.»

Anna-Brigitte Schlittler, Dozentin Theorie, Kunst und Design,

Departemente Design und Kulturanalysen und Vermittlung

Nicole Steiner, Style & Design: Ein einfacher Schlüsselring wird zum Schmuckstück.

Foto: Betty Fleck

durch seine Geschichte als angewandte Kunst gleichsam von

vornherein Kunst und Alltag.

Nachträglich und rückblickend lassen sich in der Geschichte

der Künste mannigfache Verhältnisse zwischen «high» und

«low» neu rekonstruieren, wobei vor allem die entsprechenden

Umwertungen ins Auge fallen: Wie wird eine «niedere» Kunst

– wie etwa der Jazz, der jahrzehntelang als anrüchig galt und

dann aber nach 1970 auch Eingang in die akademische Lehre

fand – in High Art transformiert? Und wie wird umgekehrt

ein Kunstobjekt, das heute noch der Hochkultur zugewiesen

wird, morgen schon zum Kultgegenstand der Alltags- und

Massenkultur?

Bei diesen Umwertungen geht es nicht nur um Geld, es geht

nicht nur um die Zugehörigkeit zur Elite bzw. zur Masse oder

um Tradition und Popularisierung, sondern wesentlich immer

auch um Ausschluss- und Integrationsverfahren. Gerade mediale

Hybridformate zwischen «high und low» spielen hierbei

eine zentrale Rolle: Was zum Beispiel bedeutet «in» und «out»,

«Die Dialektik von Innen und Aussen ist eine

Konstitutionsbedingung der Kunst in ihrem

Sagen, dass die Alltagswirklichkeit ihrer Stimme

bedarf. Wie kann ihr das gelingen? Vielleicht als

Arbeit an der Differenz, an der die Kunst ihre

Argumente immer neu verhandeln kann.»

Oliver W. Villiger, Student Master Transdisziplinarität,

Departement Kulturanalysen und Vermittlung


«Je mehr wir uns als Musiker spezialisieren, zu

Insidern unserer Disziplin machen, desto wichtiger

ist es für uns, in fremde Bereiche Einblick

zu bekommen, in denen wir also Outsider sind: in

unbekannte Musik sowie in Denkweisen anderer

Kunstdisziplinen, um neue kreative Gedankengänge

wieder in unser künstlerisches Tun zu

integrieren.»

Benjamin Lang, Dozent Musiktheorie, Departement Musik

Josina Schiff, Style & Design: Aufwertung durch neues Logo.

Foto: Betty Fleck

wenn der Popsong im Theater dröhnt oder wenn Stardesigner

für H&M entwerfen?

Muss man nur selber definieren, ob man «low» oder «high» ist,

und wäre man dann mit einer solchen Selbstzuschreibung automatisch

drin, weil man sich zugehörig fühlt? Wer bestimmt

denn eigentlich schon, was das Drinnen ist? Und: Was ist zu

tun, wenn für Dozierende nicht dasselbe «in» und «out» ist

wie für Studierende?

Mit der Profilierung dieser gemeinsamen thematischen Referenz

sucht Z+ die Künste, das Design und die Vermittlung

gezielt miteinander ins Gespräch zu bringen. An verschiedenen

Departementen bestehen bereits Projekte (Ausstellung,

Forschung, Lehre), die sich unter dem Aspekt «inside | outside

– low | high» diskutieren lassen; im Rahmen des Forums

(Agentur Z) 1 werden diese Projekte nebeneinandergestellt und

vergleichend diskutiert. Ausserdem sollen Unterrichtsprojekte

(Z-Module) 2 sowie weitere Arbeiten zum Thema gezielt

ini tiiert und unterstützt werden (Unterstützungsbeiträge der

Agentur Z) 3 .

«Innerhalb der Künste ist die Fotografie geradezu

das Paradebeispiel für ein grenzüberschreitendes

Medium, bei dem die Kategorien ‹inside | outside

und low | high› stets im Fluss waren. Heute laufen

die Linien quer durch alle Anwendungsbereiche,

wie etwa bei William Eggleston oder Jürgen

Teller.»

Thilo Koenig, Dozent Fotografiegeschichte und -theorie,

Departement Kulturanalysen und Vermittlung

kulturanalysen und vermittlung/ zett 2–11 31

Flowspace ist eine interaktive audio-visuelle Installation. Foto: Daniel Bisig,

Institute for Computer Music und Sound Technology.

*Kuratorium Z+

Prof. Dr. Corina Caduff ist Kulturwissenschaftlerin und Leiterin Z+,

Dept. Kulturanalysen und Vermittlung.

Prof. Felix Baumann ist Leiter Komposition / Theorie, Dept. Musik.

Dr. Jochen Kiefer lehrt in der Fachrichtung Theater,

Dept. Darstellende Künste und Film.

Prof. Patrick Müller ist Leiter Master of Arts in Transdisziplinarität,

Dept. Kulturanalysen und Vermittlung.

Marianne Müller lehrt in der Vertiefung Fotografie, Dept. Kunst & Medien.

Prof. Katharina Tietze ist Leiterin der Vertiefung Style & Design, Dept. Design.

E-Mails: vorname.name@zhdk.ch

1 Forum (Agentur Z)

Im Herbstsemester 2011/12 greift die Agentur Z bestehende ZHdK-Projekte

«inside | outside – low | high» auf und stellt sie vergleichend zur Diskussion.

Gezeigt und besprochen werden u. a. eine Arbeit von Sarah Owens zum Thema

Laiendesign, das neue Filmprojekt zwischen Dokumentar- und Spielfilm von

Maurizius Staerkle-Drux, das Glossar zum Begriff «Material» von Andrea Gleiniger

sowie ein Jazzstück mit Chris Wiesendanger.

Termine (sofern nicht anders vermerkt) jeweils um 19 h, Bühne A, Theater der

Künste): 29. September / 13. Oktober; im Museum Bellerive: 18. November; um

19.30 h im Rahmen der Master-Tagung «Regie heute»: 1. Dezember /

12. Januar 2012.

Der Schriftsteller Perikles Monioudis, der im Herbstsemester 2011/12 als

«Observer-in-Residence» regelmässig Veranstaltungen der ZHdK besprechen

wird, nimmt zudem als Diskutant an sämtlichen Forumsveranstaltungen teil

(siehe Kurzportrait Seite 45).

2 Teilthema der Z-Module

«inside | outside – low | high» ist 2012 Teilthema der Z-Module.

Informationen unter: http://z-module.zhdk.ch/

3 Unterstützungsbeiträge der Agentur Z

Unterstützungsbeiträge werden im September 2011 schwerpunktmässig an

Projekte vergeben, die einen Bezug zum Thema aufweisen.

Informationen unter: http://www.zhdk.ch/index.php?id=18481


32

zett 2–11 /forschung

dabei sein

ist nicht alles

Wie kann Performancekunst bewahrt und überliefert

werden? Welche Rolle kommt dabei den

Dokumenten und Artefakten zu, die mit dem

Live-Moment in Verbindung stehen? Diesen

Fragen geht das Forschungsprojekt «archiv

performativ» am Institute for Cultural Studies

in the Arts (ICS) nach. Irene Müller *

Das Szenario ist bekannt: Man hat eine Performance nicht

erlebt und greift bei der Recherche auf Fotos, Pressetexte oder

Videos zurück, lässt sich Gesehenes und Erlebtes von den Anwesenden

schildern. Alle dabei gewonnenen Informationen

und übermittelten Eindrücke verdichten sich zu einem Bild

dessen, was während des Live-Moments stattgefunden haben

könnte. In vielen Fällen stellen (an-)gesammelte Materialien

in Festival- oder Institutionsarchiven oder für das Internet

aufbereitete Dokumente den ersten Anknüpfungspunkt dar,

damit man sich der «Leerstelle», die das vergangene Ereignis

hinterliess, annähern kann. Doch wie verhält es sich mit den

blinden Flecken dieser Archive, mit der Überlieferungsleistung

der konsultierten Videos, Fotos und Texte? Um diesen

Fragen nachzugehen, wurden einerseits VertreterInnen der

oft unerschlossenen Materialsammlungen zu ihrem Selbstverständnis

und ihrer Arbeitspraxis befragt. Andererseits wollte

man von den potenziellen NutzerInnen solcher Materialien

mehr über ihren spezifischen Umgang, ihre Vorlieben und Erfahrungen

lernen. Dabei machte die Frage nach der «Leistung»

der verschiedenen Artefakte den Dreh- und Angelpunkt der

Gespräche aus.

Aufzeichnung und Erinnerung

Aufgrund der Interviews können die Kriterien, die für die

Produktion, Rezeption und Beurteilung der Artefakte und

Dokumente als wichtig erachtet werden, jetzt klarer gefasst

und ergänzt werden. So ist das Bewusstsein, dass wirklich

hinter jedem Dokument, auch hinter einer scheinbar objektivdokumentarischen

Videoaufzeichnung, ein Autor oder eine

Autorin steht, ausschlaggebend für die Bewertung und Nutzung

der Unterlagen. Wir konnten auch eruieren, dass dem

individuellen, persönlich gefärbten Zeugnis, wie es in mündlichen

Erzählungen, (aufgezeichneten) Augenzeugenberichten

oder subjektiv formulierten Texten vorliegt, ein grosses

Überlieferungspotenzial zugestanden wird – ein Umstand,

der unseren Blick verstärkt auf den Aspekt einer sprachlichen

«Wiedergabe» respektive einer Weiterschreibung von Performance

gerichtet hat. Den technischen Aufzeichnungen

wie Fotografie oder Video kommt nach wie vor ein wichtiger

Stellenwert zu, obschon der an sie gestellte Anspruch auf

«Wirklichkeitstreue» und vollständige Wiedergabe des Live-

Moments durchaus zu relativieren ist.

Andere Zugänge erproben

Mit «archiv performativ: ein Modell» werden die bisher gewonnenen

Erkenntnisse und Annahmen nun in einem modellhaften

Arbeitsumfeld überprüft. In Zusammenarbeit

mit Julia Wolf (Studentin ZHdK, MA Art Education, ausstellen

& vermitteln) und dem Künstlerduo Michael Meier /

Christoph Franz entsteht derzeit für den Ausstellungsraum

Klingental in Basel, ein Ausstellungs- und Vermittlungskonzept.

Die Ausstellung ist einerseits öffentlich zugänglicher

Präsentationsort ausgewählter Materialien aus dem Archiv des

Kaskadenkondensators Basel, andererseits dient sie den eingeladenen

Gästen, KünstlerInnen, KuratorInnen, Forschenden,

Dozierenden und ihren Studierenden als Experimentierfeld,

Forschungsstation und Aufenthaltsraum. Zentraler Aspekt

dieser Anlage ist es, unterschiedliche methodische Zugänge

und theoretische Ansätze im gegenseitigen Austausch der verschiedenen

wissenschaftlichen und künstlerischen Felder zu

erproben, zu diskutieren und in öffentlichen Veranstaltungen

zu präsentieren – in gewisser Weise Forschung auch als performativen

Vorgang zu betreiben.

* Irene Müller ist Mitarbeiterin beim SNF/DORE-Forschungsprojekt «archiv

performativ» am Institute for Cultural Studies in the Arts, Departement Kulturanalysen

und Vermittlung (irene.mueller@zhdk.ch).

«archiv performativ: ein Modell»

Ausstellungsraum Klingental, Basel: bis 11. September 2011

Öffnungszeiten: Di–Fr 15–18 h, Sa und So 11–17 h

Öffentliche Präsentationen und Veranstaltungen:

Freitag, 2. September und 9. September, jeweils um 18 h

«Recollecting the Act. Zur Tradierung von Performancekunst»

Eine Tagung mit Live-Performances, Präsentationen und Vorträgen zur

Überlieferung und Weiterschreibung von Performancekunst.

Kaserne Basel, 6. bis 8. Oktober 2011

ics.zhdk.ch/ics/deutsch/forschungsprojekte/archiv-performativ/


Diplomausstellung Opening Scene 2010. Foto: Stefan Hunziker

komplexe fragen –

kluge lösungen

Wie vermitteln wir Vermitteln? Und wie zeigen

wir Transdisziplinarität? Diesen Fragen

versuchten die beiden Master-Studiengänge in

Transdisziplinarität und in Art Education auf

die Spur zu kommen. Unter dem Titel «Opening

Scene» stellten sie ihre Master-Arbeiten vor und

präsentierten kluge Lösungen. Heinrich Lüber *

Opening Scene bezeichnet in der Regel die Eröffnungsszene

eines Films. Gewisse Meister ihres Faches schafften es, in dieser

kurzen Sequenz die ganze Geschichte vorwegzunehmen,

ohne dass man sie bereits im vollen Umfang verstanden hat.

So zeigte zum Beispiel Alfred Hitchcock in «Rear Window»

in einer komplexen Kamerabewegung, die nur einzelne Fragmente

sichtbar machte, einen Mann mit Gips am Fenster, eine

Balletttänzerin, ein Paar, das streitet, einen Hund, einen Pianisten,

eine kaputte Kamera, Fotomagazine und ein Bild eines

Autounfalls. Hitchcock beschrieb gleich zu Beginn den durch

einen Unfall an den Stuhl gefesselten Fotografen und seine Situation.

Das hätte er auch anders leisten können, zum Beispiel

durch ein inszeniertes Gespräch. Er wollte die Geschichte

aber subtiler angehen. Das Potenzial seiner Eröffnungsszene

ist also mitunter darin zu sehen, dass auf einfache Weise das

Setting der Geschichte, also die Bedingungen der Möglichkeiten,

offengelegt wird.

Unter dem Titel «Opening Scene» stellten 2010 und 2011 im

Rahmen der Diplomausstellungen ZHdK Studierende der Studiengänge

Master of Arts in Transdisziplinarität und Master of

Arts in Art Education ihre Master-Arbeiten vor. In kurzen Videoporträts

veranschaulichten sie noch vor der Fertigstellung

ihrer Projekte zentrale Fragestellungen und Herangehenswei-

Diplomausstellung Opening Scene 2011. Foto: Katja Gläss

kulturanalysen und vermittlung/ zett 2–11 33

sen, um einen Einblick in ihren Arbeitsprozess zu gewähren.

Diese Aufgabe führte, auf für sie ungewohnte Weise, zu Fragen

nach Inszenierung, Schnitt und Dramaturgie.

Dieses Konzept soll Schnittstellen der beiden Studiengänge in

Bezug auf Methoden und Prinzipien aufzeigen: sei es dadurch,

dass das eine im anderen erzählt wird oder dass Reibungen

zwischen verschiedenen Disziplinen erzeugt werden. Daraus

ergaben sich Fragen wie: Wie vermitteln wir Vermitteln? Wie

stellen wir Ausstellen aus? Wie können wir Beschreiben beschreiben?

Und schliesslich: Was können wir zeigen, wenn

wir Transdisziplinarität zeigen möchten?

Richtige Antworten gibt es nicht – aber eines ist klar: Nur

wenn an festen Grössen wie Kunst, Disziplin, Autorschaft,

Werkbegriff und natürlich auch an Vermittlung und Transdisziplinarität

gerüttelt wird, gibt es kluge Lösungen.

* Heinrich Lüber ist Leiter bilden & vermitteln im Master of Arts in Art

Education, Departement Kulturanalysen und Vermittlung,

(heinrich.lueber@zhdk.ch).

Alle Videos und weitere Informationen sind zu finden unter: http://openingscene.ch


34

zett 2–11 /kulturanalysen und vermittlung

Bisherige Ideen auf die Seite räumen. Neue Visionen entwickeln.

(Bild: © Weiss-heiten Design)

sperrgebiet auf!

auch fürs

mitdenken?

Wer hat welche Visionen für die Umnutzung

einer Brache von 2,5 Millionen Quadratmetern

im Herzen des Metropolitanraums von Zürich?

Was sind Alternativen zur Zerstückelung des

Flugplatzes Dübendorf aufgrund partikulärer

wirtschaftlicher und politischer Interessen? Eine

Ausstellung und Veranstaltungen auf der Bühne A

des Theaters der Künste schaffen Perspektiven

für die Zukunft. Thom Held, Jürg Minsch,

Patrick Müller, Basil Rogger *

Noch ist der Flugplatz Dübendorf militärisches Gelände,

Sperrgebiet also. Nach dem voraussichtlichen Rückzug der

Armee um das Jahr 2014 wird es – nur kurzzeitig? – zur riesenhaften

Brache. Pläne, was mit dem Gebiet im Anschluss

geschehen könnte, bestehen einige: Es soll neues Zentrum

einer verdichtet gebauten «Grossstadt Glattal» werden, wie

die Zürcher Architektengruppe Krokodil vorschlug. Oder das

aus allen Nähten platzende Zürcher Universitätsspital könnte

dort seinen neuen Standort finden. Oder aber es soll sich ein

«Swiss Innovation Park» ansiedeln, ergänzt durch eine Innovationsplattform

«I2», und so Innovation – auch mit ästhetischen

Mitteln – in den breiten öffentlichen Diskurs tragen.

Diesen Vorschlag hat Iris Pinkepank, Absolventin des Master

in Transdisziplinarität, in ihrem Diplom-Projekt ausgearbeitet.

Aufruf zum Wettbewerb

Doch wer hat hier eigentlich das Sagen? Der Bund? Der Kanton?

Die Standortgemeinden? Meistbietende? Politikerinnen?

Wirtschaftsführer? Raumplaner? Wie kann man das Gelände

zukunftsweisend nutzen, anstatt es gleich zu filettieren und

zu überbauen? Wie wird überhaupt Zukunft entworfen? Dies

fragt sich die Denk-Allmend, eine Art Themenerkundungsfenster

der Zivilgesellschaft, ein unabhängiger Thinktank der

Öffentlichkeit. Und es stellt sich auch die Frage, ob Demokratie

von heute noch in der Lage ist, etwas Grosses zu schaffen,

etwas, das die Menschen bewegt. Im Frühjahr 2011 hat die

Denk-Allmend öffentlich zu einem Wettbewerb aufgerufen

mit der Aufforderung, alle bisherigen Ideen mit Respekt auf

die Seite zu räumen und neue zu entwickeln. Eingegangen sind

mehr als fünfzig Vorschläge, Schweizer Ideen und solche aus

dem Ausland, natürlich von ArchitektInnen und Stadt- und

RaumplanerInnen, aber auch von KünstlerInnen, Kunsthochschulen

und Privatpersonen. Eine hochkarätige Jury, der auch

Mitglieder des Leitungsteams des MA in Transdisziplinarität

angehören, diskutiert die Entwürfe und zeichnet die besten

aus.

Ideen und Meinungen ausstellen

Zwischen dem 10. und dem 16. Oktober 2011 werden die eingegangenen

Vorschläge auf der Bühne A des Theaters der Künste

präsentiert. Die Denk-Allmend, der Bereich Szenografie des

Departements Darstellende Künste und Film sowie der MA

in Transdisziplinarität | Z+ schaffen dabei einen diskursiven

Denkraum. Die Umnutzung des Flugplatzes Dübendorf trifft

auf die erweiterte Nutzbarmachung eines Theaterraums für

alle Künste und über die Künste hinaus. Neben Vernissage,

Prämierung der besten Ideen gemäss Wettbewerbsjury und

Präsentation der eingegangen Projekte finden auch eine Reihe

von Workshops, Diskussions- und Denkveranstaltungen statt.

Sind wir nicht alle «Easy Rider der Demokratie», mit einem

Drang zur Mitgestaltung, zur Freiheit nicht nur des Denkens,

zur Tat? Und was können künstlerische und ästhetische Strategien

dazu beitragen, vielfach umstellte Felder mit ihrem

Eigensinn aufzubrechen und in neue Perspektiven zu führen?

Gelingt es, neue «Raumwerte» zu schaffen, die gesellschaftlich,

kulturell und wirtschaftlich impulsgebend sind, auf die

wir stolz sein können?

* Thom Held (VIVA!campus) und Dr. Jürg Minsch (minsch sustainability

affairs) sind Gründer der Denk-Allmend für den Flugplatz Dübendorf (www.

denkallmend.ch).

Prof. Patrick Müller und Basil Rogger gehören dem Leitungsteam des MA in

Transdisziplinarität, Departement Kulturanalysen und Vermittlung an (patrick.

mueller@zhdk.ch, basil.rogger@zhdk.ch).

Weitere Informationen: www.denkallmend.ch/flugplatz, http://trans.zhdk.ch


die wolken kratzen

Das Hochhaus ist en vogue wie schon lange nicht

mehr und unübersehbarer Ausdruck heutiger Urbanität.

Das Museum für Gestaltung Zürich zeigt

herausragende Gebäude und Hochhaus-Alltag

aus Zürich, London, New York, Dubai, Hongkong

und Shanghai. Andres Janser *

Etwa die Hälfte der Hochhäuser, die in den Städten dieser

Welt stehen, wurde seit der Jahrtausendwende gebaut. Die

Gründe für den aktuellen Bauboom, der auch architektonische

Innovation begünstigt, sind mannigfaltig. In den rasant wachsenden

Grossstädten Asiens hilft das Hochhaus, das Problem

massenhaft fehlender Wohnungen zu lösen. In Europa ist es

eher eine zahlungskräftige Minderheit, für die Wohnen an erhöhter

(Aussichts-)Lage zu einem modernen Lifestyle gehört.

Und immer wieder hegen Repräsentanten von Firmen, Städten,

ja ganzer Länder den Wunsch nach einer symbolischen

Verkörperung ihrer wirtschaftlichen oder gesellschaftlichen

Stellung – sei es durch extreme Höhe, eine expressive Form

oder neuerdings auch durch eine ökologische Konzeption. All

dies führt zu baulicher Verdichtung, womit bei sorgfältiger

Planung auch ein nachhaltiger Städtebau entsteht.

Zürichs diskrete Urbanität

Jede Stadt hat ihr eigenes Verhältnis zum Hochhaus. Anders

als bei manchen grossen Metropolen ist das Stadtbild

von Zürich nicht von Hochhäusern geprägt – und das soll im

Grundsatz so bleiben. Doch wird das Thema auch hier eifrig

verhandelt, und es sind grössere Investitionen in einige solche

Bauprojekte zu verzeichnen. So wird dieses Jahr das mit

126 Metern zurzeit höchste Gebäude der Schweiz, der Prime

Tower, fertiggestellt. Und unsere Zürcher Hochschule der

kulturanalysen und vermittlung/ museum/ zett 2–11 35

Prime Tower, im Hintergrund Hardau (links) und Mobimo Tower (rechts).

Gigon/Guyer Architekten. Foto: © Swiss Prime Site AG / Ralph Bensberg 2011

Wettbewerb: Lade bis 30. September 2011 Dein Foto des Zürcher Prime

Tower auf die Homepage des Museums, und es wird in der Ausstellung

«Hochhaus» gezeigt! Die Jury wählt zudem die drei besten Bilder aus – auf die

GewinnerInnen warten tolle Preise! Mehr Infos: www.museum-gestaltung.ch

Künste wird zukünftig durch eine markante Aufstockung ihres

neuen Heims im Toni-Areal in ihrer Sichtbarkeit bestärkt.

Superhohe Bauten mit über 200 oder gar 300 Metern dürfte

es hierzulande hingegen auf viele Jahre hinaus kaum geben.

Das Hochhaus, künstlerisch betrachtet

Das Hochhaus verkörpert vielleicht mehr als je zuvor den

Zeitgeist unserer Epoche. Im Blick zeitgenössischer Künstler

und Künstlerinnen ist dieser mehr als blosser Ausdruck

einer Faszination für gewaltige, von Menschenhand errichtete

Strukturen. Er ist auch eine kritische Auseinandersetzung mit

einer heroischen Geschichte, in welcher der Wolkenkratzer

lange als Inbegriff und Indiz für Fortschritt und Zukunftsoptimismus

galt. So bilden die künstlerischen, vor allem fotografischen

Positionen zum Hochhaus, die in der Ausstellung

neben zahlreichen Abbildungen, Plänen und Modellen von

über zwei Dutzend Bauten und Projekten zu betrachten sind,

zugleich Kommentare zu einer zusehends globalisierten und

urbanisierten Welt.

* Andres Janser ist Kurator am Museum für Gestaltung Zürich (andres.janser@

zhdk.ch).

Ausstellung «Hochhaus − Wunsch und Wirklichkeit»: 31. August 2011 bis

2. Januar 2012, Museum für Gestaltung Zürich, Halle, Ausstellungsstrasse 60,

Di–So 10–17 h, Mi 10–20 h

Vernissage: 30. August 2011, 19 Uhr

Publikation: Hochhaus – Wunsch und Wirklichkeit (D), High-Rise – Idea and

Reality (E), Museum für Gestaltung Zürich (Hg.), Hatje Cantz


36

zett 2–11 /museum

françois

berthoud –

accidents

provoqués

Ohne Computer läuft in der visuellen

Kommunikation heute gar nichts

mehr. Und doch sind die Quellen für

die berauschend schönen Illustrationen

von François Berthoud analog:

«Denn was der Computer nicht leisten

kann, ist der Unfall – das Wohlkalkulierte,

aber Ungeplante» so der

Künstler. Christian Brändle *

Der Schweizer François Berthoud zählt zu den

herausragenden Modeillustratoren unserer

Zeit. Ab 1982 in Mailand tätig, entwickelte

er früh eine unverkennbare Handschrift und

erlangte mit Illustrationen für Magazine wie

«Vanity» oder «Vogue» Weltruhm. Seine expressiven,

hochästhetischen Linolschnitte und

Drippings geben Modehäusern – etwa Yves

Saint Laurent, Givenchy oder Shiseido – und

deren Kampagnen ihr Gesicht. Berthouds

Werk vereint Kunst, Mode und Kommunikation.

Es vermittelt die Facetten visueller Verführung

in doppeltem Sinn: Sowohl in der Mode

wie auch in deren illustrativer Interpretation

dreht sich alles um Andeutung, Prägnanz und

Ästhetik. Die Ausstellung, die zurzeit im Museum

für Gestaltung Zürich gezeigt wird, führt

1 Flowerbomb, Werbung für Viktor & Rolf

Parfüm, Dia, gemischte Techniken, 2008

2 Panties, Mode von Dior / veröffentlicht in

Numero, Linolschnitt, Monotype, 2002

3 Calzedonia Tights, Verpackung für

Calzedonia, Linolschnitt, Monotype, 2002

4 Allure, veröffentlicht in Rebel, Dripping,

Lackfarbe auf Papier, 2001

5 Girl Sitting, veröffentlicht in Flair,

Dripping, Lackfarbe auf Papier, 2001

1 2

3

4

5

über Vorstudien und Zwischenschritte an die

finalen Werke François Berthouds heran und

vermittelt so den Entstehungsprozess dieser

suggestiven Bildwelt.

Linolschnitte

Seit Jahrzehnten arbeitet Berthoud intensiv

mit der Technik des Linolschnitts. Mit mehreren

Skizzen wird die Linienzeichnung verdichtet,

diese überträgt der Künstler auf die Linolplatte,

die anschliessend geschnitten wird.

Die entstandene Druckvorlage wird nun unterschiedlich

eingefärbt: Über die Farbdichte,

die mit partiellem Reinigen der Linolplatte

variiert wird, sowie mittels Einsatz transparenter

Farbe werden Licht und Schatten in die

Arbeiten eingeführt.

Dripping

Beim Dripping lässt Berthoud dickflüssige Farbe

auf ein Stück Acetat tropfen und zeichnet

so die darunterliegende Vorlage nach, ohne

mit dem Pinsel die Oberfläche zu berühren.

Die Acetatfolie bildet nun die Druckvorlage

für wenige Monotypien, die abgezogen werden

können.

Dia

François Berthouds jüngste Technik sind die

der Dias: Mit weisser Gouachefarbe malt er auf

einen transparenten Bildträger. Durch mehrfachen

Farbauftrag unterschiedlich pastöser

Farbqualitäten entsteht eine Vorzeichnung,

die ausser dem Umriss keine wesentlichen

visuellen Informationen zu beinhalten scheint.

Ein komplexer weisser Fleck ist das Resultat.

Erst das Einlesen mit einem Durchlichtscanner

macht das Bild sichtbar − je dichter der

Farbauftrag in der Vorzeichnung, desto intensiver

das farbige Abbild.

Abgerundet wird die Ausstellung durch einen

Film von Eric Stitzel, der einen Werkprozess

von A bis Z nachvollziehen lässt. Diese erste

Einzelausstellung von Berthoud in einem Museum

zeigt sein Werk im Spannungsfeld von

Mode, Accessoires und subtiler Erotik.

* Christian Brändle ist Direktor des Museum für Gestaltung

Zürich und Kurator dieser Ausstellung (christian.

brändle@zhdk.ch).

Ausstellung «François Berthoud − Die Kunst der Modeillustration»:

bis 9. Oktober 2011, Museum für Gestaltung

Zürich, Galerie, Ausstellungsstrasse 60, Di–So 10–17 h, Mi

10–20 h

Publikation

François Berthoud Studio

Mit einem Interview mit François Berthoud und einem

Essay von Jeroen van Rooijen

Museum für Gestaltung Zürich (Hg.), D/E, Hatje Cantz,

CHF 47.–


mentoringprogramm

«frauen

für führungspositionen»

Zwei Mentees berichten von ihrer Studienreise

nach Boston, die den Abschluss des hochschulübergreifenden

Mentoringprogramms der ZFH

bildete. Stefanie Graf und Maria Angela Algar *

Die Zürcher Fachhochschule (ZFH) startete im Mai 2010 die

erste Durchführung des Mentoringprogramms «Frauen für

Führungspositionen (fff )». Ziel des Programms ist es, Frauen

auf dem Weg in leitende Positionen zu unterstützen. Insgesamt

nahmen am einjährigen Programm rund dreissig Mentorinnen

und Mentees der ZHdK, der Zürcher Hochschule

für Angewandte Wissenschaften (ZHAW) und der Pädagogischen

Hochschule Zürich (PHZH) teil. Während zweimal

sechs Monaten tauschten sich hochschulübergreifende Tandems

über Führungserfahrungen und -fragestellungen aus. Als

Abschluss des Programms unternahmen die Teilnehmerinnen

eine gemeinsame Studienreise nach Boston (USA), von der

nun die Rede sein wird:

In Boston setzten wir Mentees und Mentorinnen uns intensiv

mit den Themen Führung und Gender auseinander und

verbanden dies mit dem Besuch mehrerer amerikanischer

Hochschulen. Unterstützt wurden wir durch swissnex Boston,

die konsularische Vertretung der Schweiz, die mit der

Beziehungspflege in Wissenschaft, Bildung und Innovation

beauftragt ist.

Den Auftakt der Studienwoche bildete die Teilnahme an der

Simmons Leadership Conference, die das Simmons College alljährlich

organisiert. Das Simmons College wurde 1899 mit dem

Ziel gegründet, Frauen Zugang zu höherer Bildung zu ermöglichen.

Sein heutiges Renommee basiert insbesondere auf den

Ausbildungs- und Forschungsprogrammen im Bereich Management

und Gender. An der Konferenz nahmen 3000 Frauen

teil, es sprachen weibliche Führungspersonen amerikanischer

Top-Unternehmen wie Anne Mulcahy (ehemalige CEO von

Xerox) und Marilyn Carlson Nelson (Verwaltungsratspräsi-

hochschule II/ zett 2–11 37

Das Bild zeigt die Gruppe vor dem Sea port World

Trade Center Boston, dem Kongresszentrum des

Simmons Leadership Conference. Stefanie Graf:

5. v. rechts, vord. Reihe. Maria Angela Algar:

7. v. rechts, vord. Reihe

dentin von Carlson Companies) sowie Persönlichkeiten aus

den Cultural Industries wie Judith Jamison (künstlerische

Leiterin des Alvin Ailey American Dance Theater) oder Donna

Karan (Modedesignerin). Während der folgenden Tage

nahmen wir an einem Workshop am Simmons College teil. Im

Zentrum stand die Analyse der Führungsqualitäten und -potenziale

der Mentees: Eine im Vorfeld abgegebene Beurteilung

durch mehrere Observers (Vorgesetzte, Kolleginnen / Kollegen,

Untergebene) mündete in einen kritisch-konstruktiven

Bericht in Form eines 360-Grad-Feedbacks, der sowohl mit

einer dortigen Dozentin als auch mit einer Peer-Mentorin

reflektiert wurde und aus dem ein Action Plan für die weitere

Karriereplanung resultierte.

Im zweiten Teil der Studienwoche lernten wir das Hochschulwesen

der USA näher kennen. Anlässlich unseres Besuchs des

140-jährigen Wellesley Colleges mit wunderschönem Campus

erhielten wir Einblick in den Studienalltag einer amerikanischen

Eliteuniversität. An der Harvard University staunten

wir über die Infrastruktur und die zahlreichen Anekdoten

rund um die namhafteste Hochschule des Landes. Weitere

Stationen waren das Massachusetts Institute of Technology

(MIT), das Fraunhofer Center for Sustainable Energy und das

Cambridge Innovation Center, wo wir uns mit engagierten

Jungunternehmerinnen austauschten.

Während der Studienwoche knüpften wir eifrig Kontakte zu

den Kolleginnen der ZHAW und der PHZH. Diesen hochschulübergreifenden

Austausch erlebten wir als grosse Bereicherung.

Um unser neues Netzwerk zu festigen und für unsere

Hochschulen nachhaltig zu machen, gründeten wir im Juni

2011 einen Verein, den Liberty Club (benannt nach unserem

Hotel in Boston, welches früher ein Gefängnis war). Dass eine

stärkere Vertretung von Frauen in den Führungsetagen ein

ernsthaftes Anliegen der drei Hochschulen ist, bezeugt die

Tatsache, dass an der Schlussveranstaltung des Programms

die jeweiligen Rektoren in einem Podium das Thema diskutierten

und sich den Fragen der Mentees und Mentorinnen

stellten. Das Mentoringprogramm findet voraussichtlich eine

Fortsetzung.

* Stefanie Graf ist Assistentin im Generalsekretariat der ZHdK (stefanie.graf@

zhdk.ch), Maria Angela Algar ist Assistentin in der Verwaltungsdirektion

(maria.algar@zhdk.ch).

Als Mentorinnen seitens der ZHdK wirkten Ursula Akmann, Barbara Berger,

Elisabeth Danuser und Alessandra Zanotelli mit. Die Leitung des Programms

hat Ursula Bolli-Schaffner (ZHAW) inne.


38

zett 2–11 /hochschule II

«Mit Weiterbildung ist es bei mir immer

dasselbe: Ich melde mich mit Freude an und

verfluche dies kurz vor dem Termin,

weil ich zu viel um die Ohren habe. Nach den

Anlässen bin ich aber praktisch immer

sehr zufrieden: Denn ich habe Neues entdeckt,

Bekanntes reflektiert und bin inhaltlich

bereichert. Zudem gibt mir eine Weiterbildung

Sicherheit und Rückhalt im eigenen Tun.»

Christian Brändle, Direktor Museum für Gestaltung Zürich

«Am Seminar Sitzungsleitung erhielt ich

nützliche Tipps, die sofort umsetzbar sind.

Die Kursleiterin überzeugte mit klaren

Aussagen und grosser Erfahrung.»

Pia Perolini, Leiterin Hochschuladministration

Das neue Programm der hochschulinternen

Weiterbildung ist erschienen. Es enthält zahlreiche

Angebote für Dozierende, Führungsverantwortliche

und Mitarbeitende, die sich weiterqualifizieren

möchten. Damit fördert die ZHdK

nicht nur die persönliche Weiterentwicklung der

Hochschulangehörigen, sondern sie trägt auch

zur Entwicklung der Organisation bei. Ursula

Akmann *

Im Rahmen der Vision und Strategie der ZHdK wurde die

Relevanz von hoch qualifizierten Dozierenden als zentrales

Element für die Qualität der Lehre und Forschung betont.

Neben den selbstredend vorausgesetzten hohen fachlichen

Kompetenzen sind auch funktionsbezogene Qualifikationen

von Bedeutung, beispielsweise im Bereich Hochschuldidaktik

und Führung. Ebenso benötigen die Leitungsverantwortlichen

der zentralen Dienste entsprechende Schlüsselkompetenzen.

Das Programm der internen Weiterbildung umfasst zahlreiche

Angebote zur Weiterqualifizierung und richtet sich an Dozierende,

Personen mit Führungsverantwortung und punktuell

an Mittelbauangehörige und Mitarbeitende.

Persönlichkeits- und Institutionsentwicklung

Individuelle Weiterbildungen haben persönliche und institutionelle

Wirkungen. Sie sind im Kontext von Persönlichkeits-,

Personal- und Institutionsentwicklung zu verstehen. Zum

einen soll die Weiterentwicklung des Selbstverständnisses der

Lehrenden, zum anderen die Führungskultur und damit die

Identität der noch jungen ZHdK gefestigt werden. Es gilt zu-

«Im Seminar Mitarbeiterführung

beeindruckte mich bei der Analyse von

hausinternen Fallstudien das

intelligente, engagierte und äusserst

differenzierte Feedback seitens

der Teilnehmenden.»

Cecilia Hausheer, Vorsitzende Kommission Weiterbildung, Weiterbildungsbeauftragte

Dept. Darstellende Künste und Film

«Mit der Englischklasse alle zwei Wochen in die

Sprache eintauchen, kleine oder grosse Themen

des beruflichen und privaten Alltags diskutieren

und sich dabei ebenso vom Humor wie von der

sprachlichen Differenziertheit des Kursleiters

anstecken lassen: Practice makes perfect!»

Ruth Frischknecht, Dozentin und Studienleiterin Schulmusik I und II

«Eine Recherchespezialistin vermittelt im Kurs Wissenschaftliche Literaturrecherche nicht nur, welche

Fallstricke bei der Literaturbeschaffung vorhanden, sondern wie sie vor allem vermeidbar sind.

Sie stellt insbesondere die Zugriffs- und Nutzungsmöglichkeiten für eine Vielzahl von internationalen

Datenbanken sowie Fach- und elektronischen Publikationen dar, in denen wissenschaftliche Literatur

bibliografiert und zum Teil sogar direkt online verfügbar ist. Der Kurs lohnt sich für alle, die von den

zahlreichen Vorteilen des internet- und programmgestützten Forschens profitieren und praxistaugliche

Verfahren für das effiziente Quellenstudium kennenlernen möchten.»

Margarete von Lupin, Journalistin, Dozentin

interne weiterbildung an der zhdk

dem, den Nachwuchs sowohl in Lehre und Forschung als auch

in der Führung der Hochschule zu fördern. Im Weiteren bietet

das Programm den ZHdK-Angehörigen eine Möglichkeit, ihre

Position am Arbeitsmarkt zu festigen und zu entwickeln. Es

unterstreicht insofern auch das Selbstverständnis der ZHdK

als attraktive Arbeitgeberin.

Neue Angebote

Mitte Mai ist das Programm interne Weiterbildung für das

Studienjahr 2011/ 12 erschienen. Es enthält zahlreiche neue

Angebote. So wurden in der Sparte Führung & Selbstmanagement

Seminare zu Themen wie Gesprächsführung, Konfliktmanagement

und Work-Life-Balance programmiert. Die bisher

erfolgreich durchgeführten Seminare Mitarbeiterführung,

Sitzungsleitung und Selbstmanagement werden fortgesetzt,

wobei Selbstmanagement neu auch speziell für Nichtführungskräfte

ausgeschrieben wird.

In der Sparte Forschung & Methoden bietet das Medien- und

Informationszentrum verschiedene bewährte Recherchekurse

zur Erhöhung der Informationskompetenz an. In Erarbeitung

ist zudem ein Angebot für wissenschaftliches Schreiben, das

zu einem späteren Zeitpunkt ausgeschrieben wird.

Die Sparte ZHdK & Umfeld umfasst den Einführungstag für

neue Mitarbeitende und Dozierende, der im März 2011 erstmals

mit Erfolg durchgeführt wurde und künftig regelmässig

halbjährlich stattfinden soll. Die Veranstaltung ist als einzige

obligatorisch, und zwar für alle neu an der ZHdK angestellten

Personen mit einem Beschäftigungsgrad ab 30 Prozent. Ziel ist


«Das Sprichwort sagt: ‹Einem geschenktem Gaul

schaut man nicht ins Maul›, und die ZHdK-Weiterbildung

für Dozierende und Angehörige des

Mittelbaus ist so ein geschenktes Vehikel, dem

man vorschnell einen gewissen Mundgeruch attestiert.

In Wirklichkeit ist es eine Investition, der

man entspannt auch tief in den Rachen blicken

kann. Nicht weil bahnbrechende Erkenntnisse

vermittelt oder Formeln für die perfekte Handhabe

in Selbstmanagement, Sitzungsleitung oder

Mitarbeiterführung gelehrt würden, sondern weil

einem Zeit und Runde geschenkt werden, mit erfahrenen

Fachkräften und KollegInnen die eigene

Sachkenntnis (und Routine) zu überprüfen und

weiterzuentwickeln. Diese Programme helfen so

auch ZHdK-weit, sinnvolle Standards zu etablieren.»

Anton Rey, Leiter Institute for the Performing Arts and Film

«Meine Erfahrungen mit den Seminaren Selbstmanagement

und Mitarbeiterführung sind durchweg

positiv. Durch eine gelungene Mischung aus

thematischen Inputs, Kleingruppenarbeit und

Fallbeispielen habe ich Werkzeuge an die Hand

bekommen, die von der Dozentin getestet und

mit Beispielen aus der Praxis überzeugend belegt

worden sind. Die geschützte Atmosphäre, die

Begegnung und Auseinandersetzung mit KollegInnen

aus anderen Arbeitsfeldern der ZHdK

tragen dazu bei, dass ich gerne wieder Angebote

der internen Weiterbildung wahrnehme.»

Maria Rapp, Leiterin Master Musikpädagogik

es, die ZHdK als Arbeitgeberin kennenzulernen. Der Rektor

präsentiert die Hochschule, und die neuen Mitarbeitenden

besuchen einzelne Standorte und Studiengänge. Das Seminar

Kontextwissen, das über rechtliche, politische und finanzielle

Grundlagen der ZHdK informiert und bisher einmal durchgeführt

wurde, wird überarbeitet.

Teaching & Learning

Neu aufgebaut wurde die Sparte Teaching & Learning mit

den sogenannten Faculty Visits, die von der Kommission Teaching

& Learning entwickelt wurden. Daran beteiligt sind Ulrich

Görlich (DKM), Wanja Kröger (DDK), Jürg Lanfranconi

(DMU), Sarah Owens (DDE) und Anna Schürch (DKV). Die

Projektleitung und Verantwortung für die Durchführung liegt

bei Manfred Künzel, einem Hochschuldidaktiker mit Mandaten

an verschiedenen Hochschulen und grosser Erfahrung

in den Bereichen Kunst, Design und Vermittlung. Mit den

Faculty Visits lanciert die ZHdK erstmals ein eigenes, speziell

auf ihre Bedürfnisse als Kunsthochschule abgestimmtes Programm

mit dem Ziel, entsprechende Kompetenzen weiterzuentwickeln

und durch den Austausch der Dozierenden über

ihre Lehre einen Beitrag an die Entwicklung der Hochschulkultur

zu leisten. Zurzeit wird zudem abgeklärt, inwiefern

die Teilnahme an den Faculty Visits an das Portfolioverfahren

für den Nachweis der didaktischen Qualifikation angerechnet

werden kann.

* Dr. Ursula Akmann ist Leiterin des Generalsekretariats und verantwortlich

für die interne Weiterbildung (ursula.akmann@zhdk.ch).

Die Angebote der internen Weiterbildung sind auch auf der Website www.zhdk.

ch > Weiterbildung > Interne Weiterbildung publiziert.

hochschule II/ zett 2–11 39

Tobias Strebel, Thomas D. Meier und Barbara Berger diskutieren am zweiten

«Gipfelitreffen».

kommunikation

auf augenhöhe: das

«gipfelitreffen» des

personalrats

Um die Fronten zwischen «oben» und «unten»

produktiv aufeinanderprallen zu lassen, organisierte

der Personalrat (PR) der ZHdK das zweite

«Gipfelitreffen» mit Rektor Thomas D. Meier.

Darüber berichten Barbara Berger * und Tobias

Strebel *

Angelockt vom vielschichtigen Diskussionsthema «Hochschul-Betriebskultur»,

kamen etwa sechzig Angehörige der

ZHdK am 7. April ins Podium an die Gessnerallee. Zwei Traktanden

standen auf dem Programm: Einerseits informierte

PR-Präsidentin Barbara Berger über die laufenden Geschäfte,

andererseits gab der Rektor Auskunft über die Grundschwingungen

der ZHdK-Politik.

In einer ausführlichen Rückschau sprach Barbara Berger

über die Situation des administrativ-technischen Personals

und über die Aktivitäten des Personalrats an der ZHdK: Das

Personal ist im Grossen und Ganzen zufrieden mit den Arbeitsbedingungen

und hat grosses Interesse an der Hochschul-

und Bildungspolitik. In einigen Punkten ist es aber doch eher

unzufrieden.

Zum Beispiel sind die Führungskräfte bei Fragen der Personalführung

oft weiterbildungsbedürftig. Im Frühling 2011 veröffentlichte

das Rektorat ein umfangreiches Weiterbildungsprogramm.

Wenn alle leitenden Angestellten diese Angebote

rege nutzen würden, wären wir einen grossen Schritt weiter.

Gleichzeitig bleibt das Weiterbildungsangebot für Mitarbeitende

ohne Leitungsfunktion ausbaufähig – dass beispielswei-


40

zett 2–11 /hochschule II

se Konfliktmanagement oder Work-Life-Balance Chefsache

sein sollen, leuchtet nicht ein. Die Empfehlung des PR: Wer als

normale/r MitarbeiterIn Interesse an einem solchen Angebot

der internen Weiterbildung hat, soll sich einfach trotzdem

anmelden und schauen, was passiert.

Ein weiterer wunder Punkt sind die Mitarbeitergespräche,

welche unabdingbar für eine Beförderung sind. Sie werden

nicht von allen Vorgesetzten konsequent durchgeführt. Die

Personalabteilung müsste in solchen Fällen die Betreffenden

zur Durchführung ermahnen. Immerhin wurde durch Intervention

des Personalrats durchgesetzt, dass die Feedbacks

der Mitarbeitenden zu ihren direkten Vorgesetzten an deren

Vorgesetzte weitergeleitet werden. Dies war bislang nicht der

Fall und muss auch jetzt noch durch Ankreuzen auf dem MAG-

Bogen ausdrücklich verlangt werden.

Der Rektor gibt Auskunft

Im zweiten Teil des Treffens stand der Rektor Thomas

D. Meier Rede und Antwort. Erfreulich entwickelte sich die

Hochschule aus seiner Sicht in Bezug auf die Transparenz

der Kommunikation. Das wirke sich auf die Gesprächs- und

Betriebskultur sehr positiv aus. Erfreuliche Entwicklungen

des vergangenen Jahres waren für ihn auch die Einführung

des neuen, transparenten Ressourcenmodells (zur Verteilung

der Mittel >> siehe auch Zett 3–10), der gute Rechnungsabschluss,

der es ermöglicht, gewisse Reserven anzulegen, sowie

die Genehmigung der Institute durch den Fachhochschulrat.

Unerfreulicher war die Abschaffung der gestalterischen Weiterbildungskurse.

Immerhin konnte die Hochschule mithelfen,

diese Angebote in anderer Form neu zu lancieren. Die Tatsache,

dass der Bachelor Tanz noch keine und der Master Film

keine definitive Bewilligung erhalten haben, zählte ebenfalls

zu den unerfreulichen Ereignissen.

Für 2011 hat der Rektor in Bezug auf das Personal einiges vor:

In erster Priorität sollen die Arbeitsverhältnisse des Mittelbaus

verbessert und ein Personalentwicklungskonzept erarbeitet

werden. Ein entsprechendes Reglement liegt inzwischen

vor und steht vor der Umsetzung. Der PR hofft, dass danach

Gleiches für das administrativ-technische Personal in Angriff

genommen wird, und bleibt am Thema dran. Ebenso will der

Rektor eine Studie hinsichtlich der Zufriedenheit des Personals

ins Auge fassen. Abgeklärt wird, ob da allenfalls ein

Koordinationsbedarf mit dem Kanton besteht. Mit grossem

Applaus unterstützte das Publikum die Hochschulleitung in

ihrer Absicht, die Sache voranzutreiben.

Zu guter Letzt wurde über die Betriebskultur an der ZHdK

diskutiert. Eine konkrete Aussage dazu ist nicht einfach zu machen,

weil jedes Departement seine eigene Betriebskultur lebt.

Aus Sicht des Rektors ist allen Departementen gemeinsam,

dass sie sich nach wir vor stark auf sich selber konzentrieren.

Das ist von den Aufgaben her, die sie erfüllen, durchaus verständlich.

Auf der anderen Seite wird es künftig wichtig sein,

eine departementsübergreifende Sichtweise zu stärken, nicht

zuletzt auch im Hinblick auf die gesellschaftliche Relevanz

dessen, was wir als Hochschule tun.

Aus der Sicht des administrativ-technischen Personals ist

mancherorts mangelnde Wertschätzung zu beklagen. Die

Kultur des Umgangs miteinander ist gerade zwischen Dozierenden,

Studierenden und administrativem Personal in den

letzten Jahren zu kurz gekommen. Nach Rektor Meier wird

die Hochschulleitung das ihr Mögliche unternehmen, um einen

respektvollen Umgang zu kultivieren. Der Personalrat

hat im Anschluss an die Veranstaltung die gesamte ZHdK mit

einer Plakataktion zur «DÜNKELFREIEN ZONE» erklärt.

Der Rektor meinte dazu, auch er sei noch nie ein Freund dünkelhaften

Verhaltens gewesen. (Die PDF-Vorlage des Plakats

für die Bezeichnung der dünkelfreien Zonen kann unter

www.zhdk.ch/?personalrat heruntergeladen werden.)

Ein Fazit der Diskussion um die Betriebskultur ist, dass ein Teil

der Probleme auf Sprachdifferenzen zurückzuführen ist und

dass es sich lohnen würde, den Austausch von Dozierenden,

Studierenden und Forschenden mit den übrigen Mitarbeitenden

der ZHdK zu fördern. Damit das gelingt, müsste eine

gemeinsame Sprache gefunden werden. Davon würden alle

Seiten profitieren, und das administrativ-technische Personal

könnte seine vielfältigen Erfahrungen und Kompetenzen

besser einbringen.

Zum Schluss kam die Frage auf, wo die ZHdK in fünf Jahren

stehen wird, wenn sie sich im Toni-Areal eingerichtet hat. Der

Rektor will den Stand der Angebote beibehalten, ein Ausbau

ist – abgesehen von der Einführung des Bachelors Tanz – nicht

das Ziel. Wichtiger sind die Konsolidierung zugunsten der

Qualitätsentwicklung sowie die Sicherung der hohen Attraktivität

der Hochschule für die talentiertesten Studierenden. Gerüchte

über geplante grosse Einsparungen durch Entlassungen

von administrativ-technischem Personal in allen Bereichen

dementierte der Rektor.

Fazit: Die Begegnung zwischen «oben» und «unten» verlief auf

Augenhöhe. Der Rektor stellte sich den Fragen der Mitarbeitenden

und nahm deren Anliegen ernst. Nach der Podiumsdiskussion

konnten die Probleme und die passenden Lösungsansätze

dann auch mit der wohlverdienten Unterstützung durch

Kaffee und Gipfeli weiterverhandelt werden.

* Barbara Berger ist Leiterin des Informationstechnologie-Zentrums und Präsidentin

des Personalrats der ZHdK (barbara.berger@zhdk.ch). Tobias Strebel

ist visueller Gestalter Hochschulkommunikation und Vorstandsmitglied im

Personalrat (tobias.strebel@zhdk.ch).


texas –

jalisco –zürich

Mara Montoya, in Houston / Texas aufgewachsen,

zog mit acht Jahren nach Mexiko, wo sie die

Deutsche Schule besuchte. 2002 kam sie nach

Zürich an den Vorkurs der HGKZ. An der ZHdK

erwarb sie 2008 das Diplom in der Vertiefung

Neue Medien des Studiengangs Medien & Kunst.

Das folgende Interview ist ein Ausschnitt aus

einem längeren Gespräch. Der ganze Text befindet

sich auf www.netzhdk.ch. Von Christian

Ledermann *

Du hast in Hamburg und Zürich studiert, aber besonders

wichtig war für dich auch ein Aufenthalt in Brüssel?

Ja, ein Austauschsemester an der Kunsthochschule Sint-Lukas.

Das war extrem toll. Brüssel ist sehr lebendig, ein bisschen

dreckig, chaotisch, man weiss nie genau, was passieren wird.

Das kulturelle Verhältnis zwischen Wallonen und Flamen

ist äusserst spannend. Ich war in einer flämischen Schule,

und wenn du da rausgehst, ist alles französisch. Sie ist wie

ein kleines Pünktchen in der Stadt, und viele junge Leute aus

dem flämischen Teil Brüssels studieren dort.

Ich belegte das Fach Dokumentarfilm. Die Schule ist ziemlich

alt und hierarchisch. Der Umgang zwischen ProfessorInnen

und Studierenden ist einerseits formell, andererseits nehmen

die ProfessorInnen ihre Verantwortung gegenüber den Studierenden

sehr ernst. Sie wollen das Beste aus den Studierenden

herausholen. Sie pushen dich und nehmen dich an der Hand.

Ist das Verhältnis zwischen Studierenden und Dozierenden

anders als an der ZHdK?

Ja, in Zürich ist es nicht so hierarchisch. Man duzt sich, das

Verhältnis ist weniger eng, man ist stärker für sich selber verantwortlich.

Was ich hier erlebt habe, war unverbindlicher.

Man wird auch nicht so gepusht.

Was arbeitest du jetzt?

Ich bin seit einem Jahr bei der Videokünstlerin Ursula Biemann

tätig. Die Arbeit mit ihr prägt mich stark. Sie eröffnet mir

eine neue künstlerische Perspektive. Ich lerne sehr viel von ihr,

kann in manchem, was ich mir vorher irgendwie vorgestellt

habe, zum ersten Mal Erfahrungen sammeln, zum Beispiel,

wie man von den eigenen Projekten leben kann – oft sind ja

die Budgets ziemlich niedrig. Man muss einfach intensiv dranbleiben,

hartnäckig sein.

Jetzt ist unsere Zusammenarbeit lockerer geworden, und

sie ist Ende Juli 2011 zu Ende, weil ich im September mein

Bachelor-Studium an der Uni St. Gallen anfangen werde, in

Law & Economics. Ich sehe mich zwar in Zukunft nicht in

diesem Bereich, aber das Studium bietet mir das Allgemeinwissen

für meine Tätigkeiten. Damit lerne ich eine andere Art

von Denken zu verstehen, die in meine Praxis einfliessen soll.

Was ist deine Muttersprache?

Zu Hause sprachen wir Spanisch. Englisch hatte ich im Kindergarten.

Bis 18 dachte ich immer auf Englisch. Es war die

Fotos: Johannes Dietschi

leute/alumni/ zett 2–11 41

erste Sprache, die ich schreiben konnte. Später, in Mexiko,

las ich natürlich Literatur auf Spanisch. Mit zwölf fing ich an,

Deutsch zu lernen. Ich fühle mich sehr wohl in dieser Sprache,

mache zwar noch viele Fehler, kann es aber recht gut sprechen

und verstehen. Als ich hierherkam, habe ich mir vorgenommen,

Schweizerdeutsch zu lernen. Denn wenn man an einen

neuen Ort geht, muss man sich anstrengen, um es gut zu machen.

Das war mein erster Vorsatz: Wenn ich in die Schweiz

gehe, will ich Schweizer Freunde haben.

Meine Arbeiten sind auf Englisch, weil ich das besser schreiben

und damit mehr Menschen erreichen kann.

Erzähl uns etwas von deinem aktuellen Projekt.

Vor Kurzem bin ich auf einen spannenden Text über die Nazca-Linien

in Peru gestossen, die zum Teil mehr als 2500 Jahre

alt sind. Das hat mich sehr angesprochen als Idee für ein neues

Projekt. Schon in der altperuanischen Kultur war Wasser die

wichtigste Lebensessenz, ein immer knappes Gut. Ich versuche,

dieses Phänomen mit unserer heutigen Zeit und Gesellschaft

in Verbindung zu bringen in einem Videoessay, der die

Linien aus ästhetischer Perspektive sowie hinsichtlich ihrer

damaligen Funktion untersucht und zeigt, was wir von diesem

früheren Denken lernen können.

Wie lange dauert die Gedankenphase bei dir?

Ich bin sehr langsam, recherchiere überaus gerne, lese viel,

sehe viel, gehe in Archive, setze mich wirklich mit dem Thema

auseinander, um dann langsam die Story aufzubauen. Die

Recherchephase dauert etwa ein Jahr, das Projekt insgesamt

vielleicht zwei Jahre.

Ich wünsche mir, dass meine Werke einen Denkraum schaffen.

Soziopolitische Themen interessieren mich. Meine Arbeiten

sollen zum Diskutieren und Nachdenken anregen. Bei der

Betrachterin / beim Betrachter soll etwas zurückbleiben. Ich

möchte, dass meine Stimme gehört wird. Doch ich bin nur das

Medium für etwas Grösseres.

* Christian Ledermann leitet die Geschäftsstelle von netzhdk, der Alumni-

Organisation der ZHdK (christian.ledermann@zhdk.ch).


42

zett 2–11 /leute

Who is Who

Die Würfel sind gefallen –

alle Sammlungen des Museum

für Gestaltung Zürich werden

im Toni-Areal zusammengelegt;

es sind dies die Design-, die

Grafik-, die Kunstgewerbe- und

die Plakatsammlung. Nach folgend

stellen sich deren Mitarbeiterinnen

und Mitarbeiter vor.

Eva Brüllmann, Bild: Betty Fleck

1 Franziska Müller-Reissmann

Mitarbeiterin Kunstgewerbesammlung. Ausbildung/Beruf:

Tischlerin, Kunsthistorikerin.

An der ZHdK seit: Anfang 2008. Ausserberufliche

Interessen: bauen, spielen, tanzen. Was mir an

der ZHdK gefällt: die verschiedenen Ebenen

des Kreativen. Was ich verändern würde: weniger

Formulare. Was ich mir für das Toni-Areal

wünsche: neue Wege.

2 Liana Bähler

Assistentin Designsammlung. Ausbildung/

Beruf: Lehre Innenausbau, Gestalterische

BMS, KME, Studium Germanistik und

Kunstgeschichte. An der ZHdK seit: 1989. Ausserberufliche

Interessen: Literatur, Musik, mich

treiben lassen … Was mir an der ZHdK gefällt:

die vielseitige Arbeit, neue Impulse durch

die Zusammenarbeit mit den unterschiedlichsten

Menschen. Was ich verändern würde:

die oft verstrickten Wege entflechten, um

den Inhalten mehr Raum zu geben. Was ich

mir für das Toni-Areal wünsche: einen kreativen

Ort für freie Geister.

3 Sabine Flaschberger

Kuratorin ad Interim Kunstgewerbesammlung,

wissenschaftliche Mitarbeiterin Plakatsammlung.

Ausbildung/Beruf: lic. phil. An der

ZHdK seit: Januar 2008. Was mir an der ZHdK

gefällt: die Vielfalt an Menschen und Themen.

Ausserberufliche Interessen: Gardening, Agglowandern,

Nähen. Was ich verändern würde: die

administrative Flutwelle. Was ich mir für das

Toni-Areal wünsche: nette Begegnungen bei

leckerer Verpflegung.

4 Sonja Gutknecht

Mitarbeiterin The Museum System (TMS),

Fotoarchiv. Ausbildung/Beruf: Werk- und

Gestaltungslehrerin. An der ZHdK seit:

1. Juli 2007. Ausserberufliche Interessen: Kino,

Lesen, Wandern. Was mir an der ZHdK gefällt:

die Vielfältigkeit. Was ich verändern würde: die

tägliche Mailflut. Was ich mir für das Toni-Areal

wünsche: –.

5 Balthasar Zimmermann

Dokumentar Plakatsammlung. Ausbildung/

Beruf: Dramaturg. An der ZHdK seit: Januar

2008. Ausserberufliche Interessen: vieles,

alles; in der Aufzählung wird das Einzelne

banal oder unangenehm exquisit. Was mir an

der ZHdK gefällt: das Gebäude an der Ausstellungstrasse

60 samt Park. Was ich verändern

würde: manchmal mich selbst, manchmal die

anderen. Was ich mir für das Toni-Areal wünsche:

dass es um die Sache geht und nicht ums

Prestige.

6 Bettina Richter

Kuratorin Plakatsammlung. Ausbildung/Beruf:

Kunsthistorikerin, Dr. phil. An der ZHdK seit:

1997. Ausserberufliche Interessen: Lesen, Klavierspielen,

Fahrradfahren, Kino, Theater,

1 2 3 4

11

Kunst. Was mir an der ZHdK gefällt: Abwechslungsreichtum,

ständiger Wandel – vielleicht

nicht immer nur zum Besten, aber

immerhin wird die Arbeit nie zur Routine.

Was ich verändern würde: weniger Bürokratie,

mehr inhaltlicher Austausch. Was ich mir für

das Toni-Areal wünsche: Synergien, wo’s Sinn

macht – Autonomie, wo’s Sinn macht.

7 Barbara Junod

Kuratorin Grafiksammlung. Ausbildung/Beruf:

Kunst- und Architekturgeschichte lic. phil.

mit Nachdiplom MAS in Museologie. An der

ZHdK seit: 1. Mai 2004. Ausserberufliche Interessen:

Wandern, Tanzen, Reisen, Freunde treffen.

Was mir an der ZHdK gefällt: viele Kontakte,

abwechslungsreiche Arbeit. Was ich verändern

würde: wenn ich könnte: den Bürokram. Was


5 6 7 8 9 10

12 13 14 15

ich mir für das Toni-Areal wünsche: einen regen

Austausch, eine Bombenstimmung und ein

tolles Sammlungszentrum.

8 Renate Menzi

Kuratorin Designsammlung. Ausbildung/Beruf:

Gestalterin / Diplom Theorie der Gestaltung

und Kunst ZHdK, BA of Fine Arts Bezalel

Academy of Arts and Design Jerusalem. An

der ZHdK seit: 2000. Ausserberufliche Interessen:

Kochen, Lesen, Rennen, Legospielen (oft mit

Sohn). Was mir an der ZHdK gefällt: das Zusammentreffen

unterschiedlicher Menschen mit

ähnlichen Interessen. Was ich verändern würde:

gute Ideen unbürokratisch umsetzen. Was

ich mir für das Toni-Areal wünsche: eine Schausammlung

von internationaler Bedeutung.

9 Alessia Contin

Registrarin Plakatsammlung. Ausbildung/Beruf:

Diplomierte Übersetzerin Dolmetscherschule

Zürich. An der ZHdK seit: Januar 1999.

Ausserberufliche Interessen: meine drei Kinder,

Lesen, Schwimmen, dies und das. Was mir an

der ZHdK gefällt: die gute Mischung. Was ich

verändern würde: alles, was zu sehr zur Routine

wird. Was ich mir für das Toni-Areal wünsche:

gute Zusammenarbeit untereinander und

Einblicke in die anderen Departemente.

10 Kirstin Haefele

Wissenschaftliche Mitarbeiterin Kunstgewerbesammlung.

Ausbildung/Beruf: lic. phil.

Kunsthistorikerin. An der ZHdK seit: Juni 2004.

Ausserberufliche Interessen: Familie, Garten

und kulturelle Höhenflüge. Was mir an der

ZHdK gefällt: die Menschen, das Potenzial

und natürlich die Schätze der Kunstgewerbesammlung.

Was ich verändern würde: die

Bürokratie, die einem effizienten Arbeiten

im Wege steht. Was ich mir für das Toni-Areal

wünsche: Lichtblicke für die Sammlungen.

11 Umberto Romito

Fotograf. Ausbildung/Beruf: Fotograf, Konservator.

An der ZHdK seit: 2007. Ausserberufliche

Interessen: Lesen, Jazz, Harleyfahren, Reisen.

Was mir an der ZHdK gefällt: mein Team. Was ich

verändern würde: das Fotoatelier (zu klein). Was

ich mir für das Toni-Areal wünsche: Ich möchte

ein grösseres Fotoatelier!

12 Gabriela Dietrich

Wissenschaftliche Mitarbeiterin Design- und


44 zett 2–11 who is who

Grafiksammlung. Ausbildung/Beruf: lic. phil.,

MAS Museologie. An der ZHdK seit: Mai 2005.

Ausserberufliche Interessen: abhängig von Jahreszeit

und Tagesform. Was mir an der ZHdK

gefällt: die Vielfalt. Was ich verändern würde:

die Kommunikation. Was ich mir für das Toni-

Areal wünsche: bessere Kommunikation durch

Zusammenlegen der Sammlungen.

13 Nico Lazúla Baur

Dokumentarin. Ausbildung/Beruf: Szenografin

MAS / Künstlerin. An der ZHdK seit: 2002. Ausserberufliche

Interessen: Raumtheorien, Klangforschung,

Kunst und öffentlicher Raum,

Bewegung in vielen Formen, Kampfkunst.

Was mir an der ZHdK gefällt: die Vielschichtigkeit

und Buntheit des Betriebs. Was ich verändern

würde: das Neue zu denken, ist mir nun präsenter.

Aber hier und anderswo: Lohntransparenz

schaffen. Was ich mir für das Toni-Areal

wünsche: einen lebendigen Austausch über

Disziplinen und Departemente hinweg.

14 Franz Xaver Jaggy

Fotograf Sammlungen. Ausbildung/Beruf: Lehre

als Fachfotograf. An der ZHdK seit: 1. April 1990.

Ausserberufliche Interessen: ein Buch, gute Musik

und ein Glas Wein. Was mir an der ZHdK gefällt:

die Sammlungen. Was ich verändern würde: –. Was

ich mir für das Toni-Areal wünsche: ein schönes,

grosses Fotostudio.

15 Susanne Giezendanner

Dokumentarin Plakatsammlung. Ausbildung/

Beruf: Informations- und Dokumentationsspezialistin

FH. An der ZHdK seit: August 2004.

Ausserberufliche Interessen: Musik, Fotografie,

Literatur, Natur, reisen … Was mir an der ZHdK

gefällt: der kreative Geist der jungen Leute.

Was ich verändern würde: die langen «Amtswege».

Was ich mir für das Toni-Areal wünsche:

genug Platz für alle.

Nicht im Bild:

Tuija Toivanen

Restauratorin Plakatsammlung. Ausbildung/

Beruf: Konservatorin/Restauratorin, University

Professional (UP) Papierkuratorin.

An der ZHdK seit: 1. Mai 1999. Ausserberufliche

Interessen: Natur, ostasiatische Malerei und

Tanzen. Was mir an der ZHdK gefällt: die Vielfältigkeit.

Was ich verändern würde: –. Was ich

mir für das Toni-Areal wünsche: gut funktionierendes

Restaurierungsatelier, interessante

Begegnungen.

Vanessa Gendre

Dokumentaristin TMS. Ausbildung/Beruf:

Kunsthistorikerin Universität Zürich M.A.

An der ZHdK seit: 1. April 2008. Ausserberufliche

Interessen: Lesen, Freunde treffen, Familie.

Was mir an der ZHdK gefällt: das inspirierende

Umfeld und die Vielfalt. Was ich verändern

würde: schlankere Strukturen. Was ich mir

für das Toni-Areal wünsche: mehr Platz für die

Sammlungsobjekte.

Pascale Schuoler

Archivarin TMS. Ausbildung/Beruf: Archivarin,

Nachdiplomstudien: Information

und Dokumentation, Kulturmanagement,

Papierkuratorin. An der ZHdK seit: 2002.

Ausserberufliche Interessen: Ästhetik, Musik,

Bewegung (ausser Pendeln). Was mir an der

ZHdK gefällt: kreativ-inspirativer Pool. Was

ich verändern würde: Professionalisierung des

Projektmanagements. Was ich mir für das Toni-

Areal wünsche: schön gestaltetes und gleichzeitig

multifunktionales Gebäude; Nähe zu

anderen Bereichen.

Abschied von

Eva Afuhs

Die traurige Nachricht erreichte uns alle

unvermittelt und lässt uns tief betroffen

zurück: Eva Afuhs, die leitende Kuratorin des

Museum Bellerive, ist am 8. April 2011 am

Limmatplatz tödlich verunfallt. Damit verliert

die Zürcher Kultur eine Persönlichkeit, die

viele Begabungen in sich vereinte und für ihr

Umfeld fruchtbar machte: Als leitende Kuratorin,

als Künstlerin, als Mentorin, Motivatorin

und Freundin hat sie das Leben unzähliger

Menschen bereichert. Die 1954 geborene

Eva Afuhs stammte aus Wien, wo sie an der

Hochschule für angewandte Kunst Metallge-

Eva Afuhs war leitende Kuratorin am Museum Bellerive. Foto: Marcel Meili

staltung studierte und in der Meisterklasse

für Bildhauerei unterrichtete. Danach begann

eine intensive künstlerische Tätigkeit mit

Installationen, Skulpturen, Fotoarbeiten,

aber auch Videokunst. Ihre Arbeit und die

Partnerschaft mit dem Architekten Marcel

Meili führten sie nach Zürich. 1998 folgte

mit der Ausstellung «Dialog im Dunkeln»

ein erstes Engagement für das Museum für

Gestaltung Zürich. Danach leitete Eva Afuhs

an der Expo.02 die Abteilung Ausstellungen

unter Martin Heller. Ab 2004 übernahm

sie die Leitung des Museum Bellerive, in

just dem Augenblick, als der Regierungsrat

der damaligen HGKZ dessen Schliessung

nahegelegt hatte. Mit Beharrlichkeit, Begeisterungsfähigkeit,

einem ausgezeichneten

Netzwerk und einer Vielzahl hervorragender

Ausstellungsprojekte gelang es Eva Afuhs,

dem Museum neue Stabilität zu verleihen.

Auf ihre erste Ausstellung «Magische Fäden»

folgten 18 Ausstellungen und Publikationen,

etwa über Sophie Taeuber-Arp, Jugendstil,

Hermann Obrist oder Kronleuchter, die das

Kunstgewerbe geschickt als zeitgenössisches

Phänomen positionierten. Dies gilt auch für

ihre letzte Ausstellung «Neue Masche». Nebst

Ihrer Ausstellungsarbeit hat Eva Afuhs die

Sammlungen des Museum für Gestaltung,

allen voran die Kunstgewerbesammlung,

neu positioniert.

Eva Afuhs wurde mitten aus ihrem Berufsleben

und Umfeld gerissen. Sie hatte viele

Ideen und freute sich auf Herausforderungen.

Wir trauern um eine engagierte, kompetente,

humorvolle und überaus warmherzige Persönlichkeit.

Wir vermissen sie sehr.

Christian Brändle, Direktor Museum für

Gestaltung Zürich


leute

Neuer Leiter Forschungsschwerpunkt

Transdisziplinarität

Die Hochschulleitung der ZHdK hat

Dr. Florian Dombois aufgrund seiner erfolgreichen

künstlerischen Praxis und seiner

theoretischen Fundierung zum Leiter des

Forschungsschwerpunkts Transdisziplinarität

ernannt. Der Forschungsschwerpunkt ist Teil

der disziplinenübergreifenden Plattform Z+.

Er wird seine Arbeit mit Beginn des Herbstsemesters

2011/ 12 aufnehmen.

Florian Dombois ist freischaffender Künstler

und seit 2003 Leiter des Y-Instituts für

Transdisziplinarität an der Hochschule

der Künste Bern. Er hat als Künstler Geophysik

und Philosophie studiert und 1998

in Kulturwissenschaft promoviert («Was

ist ein Erdbeben?», Humboldt-Universität

zu Berlin). Heute beschäftigt er sich mit

Landformen, Labilitäten, Seismik sowie mit

wissenschaftlichen und technischen Fiktionen

in unterschiedlichen Darstellungs- und

Publikationsformaten.

Die künstlerische Arbeit setzte Florian

Dombois während seiner Leitungstätigkeit

am Y fort. Ausserdem war er Fellow

an wissenschaftlichen und künstlerischen

Institutionen (2008 am Zentrum für Literatur-

und Kulturforschung Berlin, 2010 /11 an

der Hochschule für Musik / Gutenberg-Forschungskolleg

der Universität Mainz). 2010

erhielt er den Deutschen Klangkunst-Preis.

Florian Dombois gründete 2003 das Institut

Y – Kunst als Forschung und betrieb dort den

Auf- und Ausbau von transdisziplinären Forschungsprojekten

und Lehrveranstaltungen.

Dabei engagierte er sich besonders für die

künstlerische Produktion als ein zu den

Wissenschaften alternatives Forschungsformat.

Er ist Mitinitiator des internationalen

«Journal for Artistic Research» und weltweit

sehr gut vernetzt.

Neuer Fundraising-

Verantwortlicher

Im Februar 2011 hat die Hochschulleitung

dem Aufbau eines professionellen

Hochschul-Fundraisings an der ZHdK und

der Besetzung einer neuen Stelle, die bei

der Hochschulkommunikation angesiedelt

ist, zugestimmt. Der neue Fundraising-

Verantwortliche heisst Philipp Kotsopoulos.

Er begann seine Arbeit am 1. August 2011 mit

einem Pensum von 80 Prozent. Seine Aufgabe

wird es sein, zusammen mit Vertreterinnen

und Vertretern der ZHdK ein Konzept für

die Gewinnung von Drittmitteln in allen

Bereichen der ZHdK zu erarbeiten und

umzusetzen. Dazu gehören beispielsweise

die Identifikation von geeigneten Förderprojekten

innerhalb der Hochschule sowie

der Aufbau und die Pflege von Kontakten

zu Förderinstitutionen. Philipp Kotsopoulos

hat an der Universität St. Gallen (HSG)

studiert und leitete danach während vier

Jahren als Geschäftsführer die HSG-Alumni-

Organisation. In den letzten beiden Jahren

war er als Verantwortlicher für Business

Development bei Condor Films tätig. (hpo)

Neu im Forschungsrat

Der Stiftungsrat des Schweizerischen Nationalfonds

(SNF) hat Corina Caduff als

Mitglied in den Nationalen Forschungsrat

des SNF, Abteilung I (Geistes- und Sozialwissenschaften),

gewählt. Als Mitglied des

Forschungsrats wird sie für den Bereich

«Künste» zuständig sein. Das Mandat tritt

per 1. Oktober 2011 in Kraft. Die Wahl erfolgte

im Rahmen einer öffentlichen Ausschreibung

des SNF.

Corina Caduff ist Kultur- und Literaturwissenschaftlerin

und Leiterin von Z+, der Plattform für

transdisziplinäre Lehre, Forschung und Veranstaltungen

am Departement Kulturanalysen und

Vermittlung (siehe Seite 30, Z+).

Observer in

Residence

Der Schriftsteller Perikles Monioudis wird

während des Herbstsemesters 2011/ 12 im

Auftrag von Z+, der Plattform für Transdisziplinarität,

ausgewählte Veranstaltungen

der ZHdK besuchen und darüber

schriftlich reflektieren. Seine Eindrücke

als «Observer in Residence» sollen zur

Diskussion anregen und dabei insbesondere

disziplinenübergreifende Aspekte

berücksichtigen. Seine Texte werden auf

der Website von Z+ veröffentlicht und

können online diskutiert werden. Zudem

wird Perikles Monioudis im Herbstsemester

als Gast an verschiedenen Forumsveranstaltungen

zum Thema von Z+ «inside |

outside – low | high» teilnehmen.

(www.zhdk.ch/index.php?id=18751)

Perikles Monioudis (geb. 1966) hat über

ein Dutzend Romane und Erzählbände

geschrieben. Er stand und steht in regem

Austausch mit verschiedenen Künsten und

wissenschaftlichen Institutionen. 2005 war

er «Writer in Residence» und Gastprofessor

am Massachusetts Institute of Technology

(MIT), wo er eine Poetikvorlesung zum

Verhältnis von Wissenschaft und Dichtung

hielt (erschienen 2005 unter dem Titel «Im

Äther»). Publikationen (Auswahl): Land,

Roman, Ammann Verlag, Zürich 2007; Die

Stadt an den Golfen, Notate, Rimbau Verlag,

Aachen 2004. (www.monioudis.ch/)

zett 2–11 45


46 zett 2–11 auszeichnungen

Auszeichnungen Musik

Wettbewerbe

Das Trio Rafale mit Daniel Meller, Violine,

Flurin Cuonz, Cello, und Maki Wiederkehr,

Klavier, gewann am Melbourne International

Chamber Music Competition 2011 am

16. Juli den 1. Preis in der Kategorie Klaviertrio.

Alle drei studieren Kammermusik

bei Eckart Heiligers. Der Wettbewerb in

Melbourne, der alle vier Jahre stattfindet,

gehört zu den weltweit renommiertesten

Kammermusikwettbewerben. Sämtliche

Vorführungen wurden durch ABC-Radio

Australien-weit live übertragen und waren

restlos ausverkauft.

Clint Haycraft, MA Komposition bei Isabel

Mundry, erhält ein Stipendium für ein vierjähriges

Doktoratsstudium in Buffalo, USA, sowie

eine Assistenz-Dozentur. Fabian Künzli, MA

Theorie bei Burkhard Kinzler und Andreas

Nick, bekommt ein hochdotiertes Stipendium

für ein Semester in London, gestiftet von Landis

+ Gyr. Elvira Garifzyanova, MA Theorie

bei Felix Baumann und Burkhard Kinzler,

wurde ein einjähriger Studienaufenthalt

am renommierten Institut de Recherche et

Coordination Acoustique / Musique (Ircam)

in Paris zugesprochen.

Nachdem er am diesjährigen ZHdK-Wettbewerb

für zeitgenössische Musik nicht

teilnehmen konnte, flitzte Querflötist Rafal

Zolkos (Klasse Philippe Racine) noch

am selben Tag ins italienische Sogliano al

Rubicone und holte dort beim 9°Concorso

Internazionale per Giovani Musicisti «Luigi

Zanuccoli» den 1. Preis.

Oboistin Lisa Gross, Studentin bei Louise

Pellerin, hat am 30. April 2011 in Lausanne

die Schweizer Ausscheidung des vom Lions

Clubs International organisierten 21. Europäischen

Musikwettbewerb 2011 gewonnen.

Sie wird die Schweiz im Herbst 2011 am

Europa Forum in Maastricht (NL) vertreten.

Am 7. Internationalen Kammermusikwettbewerb

in Lyon platzierten sich zwei Klaviertrio-Formationen

auf den besten Plätzen: Das

Van Baerle Trio mit dem Cellisten Gideon

den Herder (Klasse Thomas Grossenbacher),

dem Pianisten Hannes Minnaar und der

Violonistin Maria Milstein hatte gleich

mehrfachen Erfolg mit dem 1. Preis, dem

Publikumspreis und zwei Spezialpreisen.

Den 2. Preis erspielte sich das Trio Rafale

mit Studierenden der Kammermusikklasse

Eckart Heiligers: Violonist Daniel Meller,

Cellist Flurin Cuonz und Pianistin Maki

Wiederkehr.

Arta Arnicane. Foto: Andreas Zihler

Pianistin Arta Arnicane, Studentin von

Homero Francesch, hat erneut die gesamte

internationale Konkurrenz hinter sich gelassen

und den Wettbewerb des Prager Frühlings

2011 gewonnen. Ein 1. Preis wurde,

wie bereits oft geschehen, nicht vergeben;

Arta Arnicane hat jedoch zusätzlich zum

2. auch alle anderen Preise eingespielt:

den Czech Music Fund Foundation Prize

für die beste Interpretation einer für den

Wettbewerb kreierten Komposition, den City

of Prague Prize, den Rudolf Firkusny Prize

und den Pro Harmonia Mundi Foundation

Prize. Arta Arnicane ist seit Studienbeginn

2008 Stipendiatin an der ZHdK. Ihren 2010

erworbenen Master Specialized Music Performance

ermöglichte ihr das Schweizer

Bundesstipendium (Eskas). Ihr derzeitiges

Studium zum Zweitmaster Musikpädagogik

wird vom Förderpreis der Marguerite

Meister Stiftung getragen. Mehr Infos:

www.artaarnicane.com.

Am Internationalen Andrea-Postacchini-

Wettbewerb in Italien erlangte Robert

Lakatos den 2. Preis. Der Pianist Akihito

Okuda, Student von Homero Francesch, hat

am 23. Internationalen Klavierwettbewerb

in Épinal (F) den 3. Preis sowie den Preis

für die beste Interpretation eines modernen

Werkes erhalten.Im November 2010 wurde

ihm am Isang-Yun-Wettbewerb im koreanischen

Tongyeong den Spezialpreis für die

beste Interpretation von Yuns «Interludium

A» verliehen.

Folgende MusikerInnen haben ein Friedl-

Wald-Stipendium erhalten: Manuel Beyeler,

Fagott, Klasse Giorgio Mandolesi; Seraphina

Rufer, Violoncello, Klasse Thomas Grossenbacher;

Seraina Perrenoud und Michaela

Unsinn, Gesang, beide Klasse Lina Maria

Åkerlund.

Orchesterstellen

Die Dirigierklasse von Johannes Schlaefli

wartet gleich mit einem dreifachen Erfolg

auf: Mirga Grazinyte gewann das Auswahlverfahren

zur 2. Kapellmeisterin an

der Oper in Heidelberg. Gordon Bragg

ging bei der Ausscheidung für den «Royal

Scottish Academy‘s Fellow in Conducting

and Assistant Conductor of the BBC Scottish

Symphony Orchestra» als Sieger hervor. Ciaran

McAuley wurde beim Auswahldirigieren

ins Förderprogramm des Dirigentenforums

des Deutschen Musikrates aufgenommen.

Bei den Probespielen für das Musikkollegium

Winterthur behaupteten sich zwei

Violonistinnen der Klasse Rudolf Koelmann:

Margarete Benkova tritt die 1. Geige tutti an,

und Silvia Savova bekam einen Zeitvertrag

für ein Jahr. Die Stelle des Solobratschisten

im Symphonieorchester Basel hat sich Veit

Hertenstein, Student von Nicolas Corti,

erspielt. (dhu/abo)

Förderpreise der

ZHdK für Bachelor-

AbsolventInnen

Die ZHdK vergibt den Absolventinnen und

Absolventen der Bachelor-Studiengänge

einen Förderpreis, dotiert mit 5000 Franken

je Studiengang. Die Auszeichnung soll

die PreisträgerInnen im weiteren Studium

unterstützen und herausragende Arbeiten

sichtbar machen. Die diesjährigen Preisträgerinnen

und Preisträger sind:

Bachelor in Design:

«Meditative Moments» von Milos Savic.

Milos Savic, Vertiefung Cast, für das Projekt

«Meditative Moments». Darin lässt er die

Kamera auf Menschen ruhen, die sich ganz

der meditativen Spiritualität verschrieben

haben. Die Interviewstatements wirken

stark und sind entsprechend ätherisch

montiert. Sie lassen sich auf einer monothematischen

Website auswählen und ersetzen

den Zwischensprecher eines Dokufilms

durch die eigene Auswahl des Mauszeigers

und optional einer Zwischenrecherche im


förderpreise

Netz (Text nach einer Rezension auf www.

heise.de). Die Arbeit ist für den Förderpreis

deshalb exemplarisch, weil die medialen

Mittel kompromisslos dem Inhalt dienen und

die Möglichkeiten der neuen konvergenten

Technologien ausloten.

www.meditativemoments.org, cast.zhdk.ch/home/

aktuell/bachelorprojekte-2011/

meditative-moments-von-milos-savic/

Bachelor in Film:

Filmstill aus «Korpus» von Sebastian Weber und

Florian Baumann.

Sebastian Weber und Florian Baumann

für den Film «Korpus», in dem das Porträt

eines älteren Mannes gezeigt wird, der versucht,

seine demente Frau in den eigenen

vier Wänden zu behalten. Mehr und mehr

überfordert von der Situation, kommen ihm

Zweifel an seinem Vorhaben. Nimmt sie ihn

noch wahr? Möchte sie denn wirklich zu

Hause bleiben? Ist sie überhaupt noch da?

Ein sensibel inszeniertes Beziehungsdrama,

das vor allem durch Bildsprache und Montage

überzeugt.

Bachelor in Medien & Kunst:

«Max Dätwyler» von Patrick Kull.

Patrick Kull, Vertiefung Mediale Künste, für

seine Arbeit «Max Daetwyler», einer historischen

Fiktion, in der die Grenzen zwischen

Dokumentarischem und Fiktionalem fliessend

sind. Mit wenigen Ausnahmen verändert

Kull das historische Material und konstruiert

aufgrund von Tatsachen und Möglichkeiten

neue, fiktive Situationen. Die Arbeit ist

getragen von einem subtilen Humor, sowohl

hinsichtlich der historischen Imagination

wie auch der formalen Umsetzung.

Bachelor in Musik:

Simon Mantel mit Zeichenstift und Oboe

Simon Mantel, Vertiefung Instrument /

Gesang – Klassik, Oboe, der auf einer Konzerttournee

durch Argentinien Zeichnungen

von Gebäuden und Plätzen angefertigt hat,

die ihn beeindruckt haben. Im Rahmen des

Bachelor-Projekts stellte er diese Zeichnungen

aus und gestaltete eine komplexe

Raum-Klanginstallation. Dazu schuf er

Musik, welche die Atmosphäre der entsprechenden

Orte transformiert. Es ist ihm

gelungen, intensive Stimmungen zu erzeugen.

Das Resultat ist eine hinreissende Musikalisierung

von urbanen Raumeindrücken. Das

Resultat ist eine hinreissende Musikalisierung

von urbanen Raumeindrücken.

Weitere Informationen: http://esbozo.suona.ch

Bachelor in

Musik und Bewegung:

Nina Tshomba für das Projekt «Scheine Trügen

– Fäden Reissen: Ach, ist es nicht wunderbar,

wie alles so schön ... so wunderschön

und gut ist ...?». Die siebenminütige Performance,

zu der auch eine eigens geschaffene

Komposition für Bratsche, Klavier, Schlagzeug

und Marimbafon gehört, wurde zweimal

im Theater am Gleis Winterthur aufgeführt.

Dabei vermochten Inszenierung, Musik,

Bewegung, ästhetisches Experiment und

professionelle Selbstreflexion ein künstlerisch

gültiges Ganzes zu bilden, das rundum

überzeugte.

Bachelor in Theater:

Projekt «Auf in die Stadt!» in Bülach.

Nathalie Brunner, Anja Lina Egli, Daniel

Korber, Silvan Kuhl, Loris Mazzocco, Saskia

Neuthe, Fjolla Rizvanolli und Léonie

Süess im Kollektiv für das Projekt «Auf in die

Stadt!». Gemeinsam in einer von Studierenden

der Vertiefung Dramaturgie entwickelten

Projektarbeit ist es den AbsolventInnen der

Szenografie und Theaterpädagogik gelungen,

anlässlich der 1200-Jahr-Feier der

Stadt Bülach unter aktiver Beteiligung der

Bevölkerung Geschichten und Gesichter der

Stadt in Inszenierungen, Installationen und

Audio-Touren auf unkonventionelle Weise

in eindrücklichen szenischen Porträts zu

verdichten.

Bachelor in Vermittlung

von Kunst und Design:

Nina Tshomba während ihrer Performance Projekt «Bühnen – Miniaturen der Vermittlung»

an der Diplomausstellung 2011

Chelsea Bider, Nicole Eichholzer, Corina

Hänger, Diana Khuu, Simona Nussbaumer,

Alex Ochsner, Marc Ochsner und Michael

Rauch zeichnen verantwortlich für das Projekt

«Bühnen – Miniaturen der Vermittlung».

Darin stellen Konzept und Umsetzung auf

bemerkenswerte Art die Kernkompetenz

des Studiengangs in den Vordergrund:

die Vermittlung. Partizipative Zugänge,

Video- und Audioinstallationen zeigen die

Herausforderungen moderner Vermittlungsarbeit

auf und weisen der Besucherin / dem

Besucher konsequent eine aktive Rolle zu,

die das Setting erst komplettiert. Die Jury

erachtet den Zugang für die Positionierung

des Studiengangs als zukunftsversprechend.

zett 2–11 47


48 zett 2–11 auszeichnungen

Auszeichnungen

Design

Originelle Töpfe

«Paso Doble», Pete Bürgy

Im Rahmen eines Unterrichtsmoduls entwarfen

Studierende der Vertiefung Industrial

Design unter der Leitung von Nicole Kind

innovative Pflanzengefässe für die Firma

Grütter Kunststoff + Formen AG, die für ihre

Kollektion auf der Suche nach inspirierenden,

neuen Formen war. Das Gefäss sollte im

Rotations-Molding-Verfahren herstellbar

sein, den Produktionsstandort Schweiz

rechtfertigen und somit mehr als nur ein

herkömmliches Pflanzengefäss sein.

Die Durchführung der Aufgabe erfolgte

im Rahmen des 50-Jahre-Jubiläums der

Firma. Für die Studierenden wurde eine

Wettbewerbssituation geschaffen mit der

Option, den Entwurf der Gewinnerin oder

des Gewinners durch die Firma herstellen zu

lassen. Die Jury, bestehend aus den DesignerInnen

Susanne Marti, Christophe Marchand

und Nicole Kind, Johannes Mac und Reto

Grütter (Grütter Kunststoff + Formen AG)

sowie Bernhard Schmid (Gartenbauingenieur

FH), urteilte auf den Ebenen Design, Produktion

/ Umsetzung und Markt / Bepflanzung.

Auf der ganzen Linie überzeugt haben

schliesslich die Objekte von Pete Bürgy

(1. Platz, Arbeitstitel: «Paso Doble»), Ivo

Mauch (2. Platz, Arbeitstitel: «Bamboule»)

und Fiona Sartori (3. Platz, Arbeitstitel:

«Bolero»). Alle drei Gefässe weisen ihren

jeweils eigenen Mehrwert auf; so besteht

zum Beispiel bei einem die Möglichkeit,

Kletterpflanzen oder einen platzsparenden

und schicken Bambus-Sichtschutz darin zu

ziehen, und bei einem anderen, die Sommerlektüre

und den passenden Drink darauf zu

deponieren. (Cyril Kennel)

Akkuschrauberrennen in

Hildesheim

Fahrer Pablo Lunin mit der Curvetta.

Foto: Pablo Lunin, Reto Togni

Bereits zum sechsten Mal fand im Mai 2011

im deutschen Hildesheim das publikumswirksame

Akkuschrauberrennen statt. Das

Spezielle daran: Die Teams, bestehend aus

Studierenden technischer und gestalterischer

Hochschulen, bauen ihr Gefährt selber, und

als Antrieb dient ein herkömmlicher Akku-

Bohrschrauber. Auch eine fünfköpfige Gruppe

der Studienvertiefung Industrial Design

der ZHdK unter der Leitung von Dozent

Hanspeter Wirth trat zum Wettrennen

an. Während eines vierwöchigen Unterrichtprojekts

und etlicher Abendstunden

hatten die vier Jungdesigner Pablo Lunin,

Lorenz Wipf, Reto Togni, Alex Jenter und

die Jungdesignerin Franziska Marxer ihr

eigenes Gefährt namens Curvetta für das

Rennen entwickelt. Besonderes Augenmerk

galt dabei der Entwicklung der Lenkung und

dem Kettenantrieb. Zudem musste der selbst

gestellte Fahrer, Pablo Lunin, ziemlich genau

70 Kilogramm auf die Waage bringen, um

am Rennen nicht mit zusätzlichem Ballast

ausgestattet werden zu müssen.

Der Aufwand hat sich gelohnt: Gleich in

mehreren Kategorien war das Zürcher Team

erfolgreich: In der Kategorie Geschwindigkeit

erreichte es den 2. Rang (1 Stunde

17 Minuten), beim Publikumspreis den

3. Platz. (Cyril Kennel)

Auszeichnungen Tanz

Migros-Studienpreis Tanz 2011

Fabienne Wäger, Till Brechbühl und Benoît

Favre wurden mit dem Studienpreises Tanz

2011, welcher vom Migros-Kulturprozent

vergeben wird, ausgezeichnet. Der alljährlich

wiederkehrende Tanzwettbewerb fand am

2. und 3. Juli 2011 im Tanzhaus Zürich statt.

(Sabine Albrecht)

Internationaler Ballettwettbewerb

Solothurn

Am Wochenende vom 14. und 15. Mai 2011

fand der alljährlich wiederkehrende Internationale

Ballettwettbewerb Solothurn für

Jugendliche der Jahrgänge 1994 bis 1999 im

Konzertsaal Solothurn statt. SchülerInnen

und Studierende der Tanz Akademie Zürich

wurden mit insgesamt sechs Medaillen

ausgezeichnet, drei Mädchen und ein Junge

erreichten das Finale.

In der Altersgruppe 1 mit Teilnehmenden

der Jahrgänge 1999/98 gewann Nastasia

Vlahovic die Silbermedaille. In der Kategorie

der Jahrgänge 1997/96 errangen Lou

Spichtig die Gold- und Laura Fernandez die

Silbermedaille. In der Altersgruppe 3 der

Jahrgänge 1995/94 wurden Yuiko Adachi mit

Von links nach rechts: Roberta Inghilterra,

Laura Fernandez, Dominique Larose, Lou Spichtig,

Yuiko Adachi, Nastasia Vlahovic

der Goldmedaille, Dominique Larose mit der

Silbermedaille und Roberta Inghilterra mit

der Bronzemedaille ausgezeichnet. Selina

Peterhans, Fabienne Wäger, Julia Winnips

und Patrick Bruppacher gingen als Finalisten

hervor. Der taZ-Pianist Robert Ashby

begleitete die Wettbewerbsaustragungen,

wie auch viele Jahre zuvor, auf dem Flügel.

(Sabine Albrecht)

Veranstaltungen

ZHdK-Eröffnungsfeier

Studienjahr 2011 / 12

Die traditionelle Eröffnungsfeier des Studienjahrs

2011 / 12 findet am Montag, 19. September

2011, um 11 Uhr im grossen Saal des

Departements Musik an der Florhofgasse 6

statt. Neben der offiziellen Begrüssung

der Neustudierenden und Neudozierenden

durch Thomas D. Meier, Rektor der ZHdK,

und den Hausherrn Michael Eidenbenz,

Direktor Departement Musik, wird ein

musikalisches Rahmenprogramm geboten.

Ein Apéro beschliesst die Feier. Studierende,

Dozierende und Mitarbeitende der ZHdK

sind herzlich willkommen. (Stefan Kreysler)

Montag, 19. September 2011, 11 Uhr, grosser Saal,

Florhofgasse 6, 8001 Zürich


veranstaltungen

Lange Nacht der

Zürcher Museen 2011

Die Vorfreude auf die diesjährige Lange

Nacht der Zürcher Museen am Wochenende

vom 3./4. September 2011 wächst. Zum Programm

gehört natürlich die Nachtschicht mit

Führungen durch die aktuellen Ausstellungen

im Museum für Gestaltung Zürich und im

Museum Bellerive. Kurzfilme – thematisch

zur laufenden Ausstellung «Hochhaus»

gehörend – verführen zum Pausieren und

Entspannen im Vortragssaal des Museum für

Gestaltung Zürich. Keine feste Bühne unter

den Füssen wird die Band haben: Sie spielt

an verschiedenen Orten im Museum, dessen

Innengestaltung für diesen Abend ebenfalls

dem Thema «Hochhaus» verpflichtet ist.

Den grossen und kleinen Hunger stillt Faro

Catering mit Köstlichkeiten aus Thailand.

Im Museum Bellerive schwebt in schwindelerregender

Höhe die Akrobatin Giovanna mal

wild und schnell, mal graziös und anmutig

in der Welt der Lüfte. Dazwischen ver-rückt

die Theaterperformance mit Linaz die Zeit.

Nicht zu vergessen sind die kulinarischen

Leckerbissen aus den kunterbunten Töpfen,

die zu verschiedenen Geschmackserlebnissen

einladen. (lve)

Lange Nacht der Museen: 3./4. September 2011,

19 bis 2 Uhr, Museum für Gestaltung Zürich, Ausstellungsstrasse

60; Museum Bellerive, Höschgasse 3

Detailliertes Programm unter: www.langenacht.ch

Interdisziplinäres Design-

Modul «Tablet & Tokio»

Mehr als hundert Designstudierende aus dem

4. Semester und aus allen Designvertiefungen

arbeiteten im Frühlingssemester 2011 vier

Wochen lang in kleinen Projektgruppen

zusammen. Hauptthema war «The future of

magazines on the tablet» – womit das Thema

des diesjährigen Designsymposiums fortgesetzt

wurde. Konkret haben 18 gemischte

Projektgruppen über die Zukunft des Genres

«Frauenzeitschrift» nachgedacht. Projektpartner

dieses Moduls und des Symposiums

war Europas grösstes Zeitschriftenhaus

Gruner & Jahr. G-&-J-Vorstandsvorsitzender

Bernd Buchholz reiste aus Hamburg an,

um mit den Designstudierenden und acht

Dozierenden einen Nachmittag lang über

iPad & Co zu diskutieren und ihre Visionen

zu hören und zu sehen. Die «Brigitte»-

Geschäftsführung und die Chefredaktion

gaben ebenfalls ein professionelles Feedback

zu den Einzelergebnissen.

Drei Gruppen widmeten sich abseits des

Hauptthemas einer aktuellen Katastrophe:

Nach einem Hilferuf aus Japan von Andreas

Schneider, Institut für Informationsdesign in

Tokio, wurden einfach verständliche Visua-

lisierungs- und Vermittlungskonzepte zum

Thema «radioaktive Strahlung» entwickelt.

(Martin Zimper)

Tagung «Mode und Bewegung»,

22.– 24. September 2011

Mode bewegt: Kleider erfüllen ihre Bestimmung

erst in Bewegung, und die Mode selbst

ist als flüchtiges Phänomen dynamisch. Tanz,

Theater, Film, Ritual und Defilee sind ohne

bewegte textile Hüllen kaum vorstellbar. Wie

gerät das Kleid durch den Körper in Bewegung,

wie wirkt diese Bewegung ihrerseits

auf den Körper, und welche Bedeutungen

werden damit generiert?

Diesen und anderen Fragen geht die von

Anna-Brigitte Schlittler und Prof. Katharina

Tietze konzipierte und organisierte Tagung

«Mode und Bewegung» im Vortragssaal der

ZHdK nach. Etablierte Wissenschaftlerinnen

und Wissenschaftler sowie Nachwuchskräfte

werden an der international besetzten Veranstaltung

neueste Forschungsergebnisse aus

diversen akademischen und gestalterischen

Disziplinen vorstellen und diskutieren.

Ein medialer Parcous – erdacht und umgesetzt

von Studierenden der Vertiefung

Style & Design unter der Leitung von Eva

Wandeler – begleitet, reflektiert und erweitert

die Tagung visuell.

Das detaillierte Programm sowie weitere Informationen

sind unter www.modeundbewegung.ch zu finden.

Alle Interessierten sind herzlich willkommen!

(Katharina Tietze / Anna-Brigitte Schlittler)

Showcase III –

ausstellen & vermitteln

Die letzte Ausstellung der dreiteiligen

Reihe «Showcase» findet mit der Vertiefung

ausstellen & vermitteln des Studiengangs

Master of Arts in Art Education (MAE)

einen erfrischenden Abschluss. Im Ausstellungskonzept

«I love Trash» gehen die

drei Studentinnen Ludovica Cadario, Laura

Hilti und Stefanie Löser dem Phänomen

der Mainstream-Kultur nach. Im Zentrum

stehen zeitgenössische Künstlerinnen und

Künstler, die mit Formaten und Inhalten

aus der Populär- und Trivialkultur arbeiten

und diese durch Neukontextualisierungen

mit anderen Bedeutungen versehen. Die

KünstlerInnen haben für die Präsentation

ihrer Werke jeweils zwei Container zur

Verfügung, die im Zürcher Niederdorf positioniert

sind. In der modellhaften Ausstellung

«Showcase III – ausstellen & vermitteln»

werden an der Vestibülwand entsprechend

dem Konzept der Container-Parcours die

verschiedenen künstlerischen Positionen

sowie ein Film gezeigt.

Das Museum für Gestaltung Zürich hat 2009

die Ausstellungsreihe «Showcase» mit dem

Ziel lanciert, ausgewählte Arbeiten von

Studierenden einem öffentlichen Publikum

vorzustellen. Ein grosser Dank gebührt dem

ehemaligen Förderverein hgkz/MfGZ, der

diese Ausstellungsreihe ermöglicht hat.

(Simone Wildhaber)

Ausstellung «Showcase III – ausstellen & vermitteln»:

18. Oktober – 6. November 2011, Museum für

Gestaltung Zürich, Vestibül (vor dem Vortragssaal)

Vernissage: Dienstag, 18. Oktober 2011, 18 h

Weitere Informationen unter:

www.museum-gestaltung.ch

«Instant Muve» – neues Modul

im BA Musik und Bewegung

Ein Studium im Profil Musik und Bewegung

der ZHdK zeichnet sich vor allem durch seine

Heterogenität aus – es oszilliert zwischen

den Spannungsfeldern Musik und Bewegung

sowie zwischen Kunst und Pädagogik. Mit

entsprechend unterschiedlichen Erfahrungen

und Präferenzen treten die Neustudierenden

jeweils ihr Studium an. Diese Kompetenzen

gilt es nun bestmöglich zu fördern.

Bühnenerfahrenen Studierenden im BA

Musik und Bewegung bietet sich heuer

mit dem neu geschaffenen Modul «Instant

Muve» die Möglichkeit, ihre bereits erworbenen

Fähigkeiten zu erweitern und gezielt

weiterzuentwickeln. Der junge Performancepool

steht allen Profilstufen offen und lotet

lustvoll die Transdisziplinarität von Musik

und Bewegung aus: Die Studierenden tanzen

und musizieren simultan oder begleiten sich

gegenseitig. «Instant Muve» untersucht nun

die dieser bipolaren künstlerischen Auseinandersetzung

immanenten Spezifika und

eröffnet neue Betätigungsfelder. Dies ermöglicht

es performancestarken Studierenden,

ihre Ideen und Visionen zu kanalisieren und

zur Bühnenreife zu bringen. (dhu)

Cartier Time Art

Mit «Cartier Time Art» präsentiert das Museum

Bellerive eine weitere Erfolgsgeschichte

aus der Welt des Kunsthandwerks. Louis-

François Cartier gründete das Unternehmen

1847 und erkannte schnell, dass neben den

zett 2–11 49


50 zett 2–11 publikationen

Juwelen auch Uhren eine grosse Zukunft

für das Haus versprachen. Das Streben nach

Höchstleistungen in der Fertigung der Zeitmesser,

gepaart mit einem visionären Design,

bescherte Cartier sehr rasch einen Platz im

Kreis der weltbesten Uhrenhersteller.

Die Ausstellung, die nach Zürich eine

internationale Reise antreten wird, vereint

die grösste Anzahl von Cartier-Uhren, die

jemals der Öffentlichkeit gezeigt wurden.

Die Exponate folgen einem hohen künstlerischen

Anspruch. Zu sehen sind über

hundert verschiedene historische Uhren und

zwanzig exklusive aktuelle Modelle wie die

Konzeptuhr Cartier ID One, die noch einen

Schritt weiter geht und die Besucherinnen

und Besucher einen Blick in die Zukunft der

Uhrmacherkunst bei Cartier werfen lässt …

Ausstellung «Cartier Time Art»: 26. August bis

6. November 2011, Museum Bellerive, Höschgasse 3,

Di–So 10–17 h, Do 10–20 h

Weitere Informationen unter:

www.museum-bellerive.ch

Neuerscheinung

in der Reihe

«Poster Collection»

Band 23 der «Poster Collection», In Series,

präsentiert die Serie als kreatives Gestaltungskonzept.

Plakate eignen sich hervorragend

dafür, seriell zu erscheinen.

Wiedererkennungseffekte unterstützen die

Vermittlung einer Botschaft, die Identität des

Auftraggebers gewinnt an Präsenz, komplexe

Inhalte, die das Einzelplakat überfrachten,

werden in der Variation anschaulicher. Das

Prinzip ist offen und beliebig fortsetzbar. Die

Balance liegt in einer subtilen Erinnerung,

einem gewissen Zugang, der jedes Plakat

frisch erscheinen lässt und dem Publikum

doch vertraut vorkommt.

Nicht nur der grosse Bestand an Schweizer

Plakaten in der Plakatsammlung, auch eine

hohe Affinität hiesiger Gestaltung zur Serie

erklären die Dominanz schweizerischer Plakate

in dieser Auswahl unterschiedlichster

serieller Ansätze. (Christina Reble)

In Series, Museum für Gestaltung Zürich, Bettina

Richter (Hg.), Essay von Fabian Wurm, Statements

von CYAN, Max Küng, Anette Lenz / Vincent

Perrottet, Giorgio Pesce, Georg Staehelin, Ruedi

Wyss, Lars Müller Publishers, CHF 36. Erhältlich ab

Oktober 2011.

Buchpräsentation: 10. November 2011, 19 h, Museum

für Gestaltung Zürich, Plakatraum

Ausstellung «Gleich und anders – Serie im

Plakat»: 10.–27. November 2011, Museum für

Gestaltung Zürich, Vestibül und Bibliotheksgang

Der «Formfächer»

erscheint in China

«Formfächer» – der etwas andere Duden für

Kreative – erschien 2010 im AV-Verlag und

soll die präzise sprachliche Vermittlung von

Formbegriffen im Designbereich fördern.

Entstanden ist er aus einer Zusammenarbeit

zwischen der Zürcher Hochschule der

Künste und der Hochschule für Kunst und

Design Halle (DE) zum Forschungsprojekt

«Begriffe – begreifen».

Nach einem erfolgreichen Start in Europa

wird der «Formfächer» im bestehenden

Layout spätestens 2012 in einer

chinesisch-englischen Version erscheinen.

Er soll chinesischen Designstudierenden

die professionelle Designsprache, speziell

in der Übersetzung ins Englische,

näherbringen. Der «Formfächer» wird

von Fachautoren übersetzt und in chinesischen

Buchhandlungen erhältlich sein.

(Cyril Kennel)

Zürcher Hochschule der Künste, Burg Giebichenstein

u. a., Formfächer. Design – Begriffe – Begreifen,

AV Edition 2009, ISBN: 978-3-89986-121-1 (Preis:

CHF 34.90, Änderungen vorbehalten)

Im Reich der Töne –

eine Spurensuche

Seit über die Wirkung von Musik nachgedacht

wird, interessieren ihre Elemente

oder Teile den hörenden und spielenden

Menschen. Das kürzlich im Reichert Verlag

in Wiesbaden erschienene Buch «Der Wirkung

von Musik auf der Spur» der ZHdK-

Dozierenden Fritz Hegi und Maja Rüdisüli

möchte dem Geheimnis der Wirkungsfelder

von Tönen auf die Spur kommen – in der

Musiktherapie sowie im musikalischen

Alltag.

Das Buch enthält die theoretischen Erkenntnisse

aus den Vorgängerbüchern von Fritz

Hegi, eine therapieübergreifende Betrachtung

der Improvisation als Kommunikation

und soziales Modell sowie die von

Maja Rüdisüli durchgeführte Erforschung

der Komponentenlehre. Theorie und Forschungsresultate

zeigen überraschende

Entsprechungen und erfreuliche Ergebnisse.

Zusammen ergibt dies ein Lehrbuch des

Zuhörens und der Anwendung von Improvisation

im therapeutischen, pädagogischen

und spielerischen Feld. Die Komponenten

zeigen sich als theoriegeleitete Metamethode,

unabhängig von Vorlieben, Musikgattungen

oder Kulturen, eine Vision der Sprache von

Musik hinter den Worten. (dhu)

Fritz Hegi, Maja Rüdisüli, Der Wirkung von Musik

auf der Spur, 213 Seiten, ISBN 978-3-89500-736-1,

Reichert Verlag, Wiesbaden 2011, Reihe zeitpunkt

musik

Korrigenda

«Zett» 1–11

Im Artikel «als krönung die klangverwirbelungsmaschine»,

Seite 27, blieb bei

der Autorenangabe im Lead der Name

von Dominik Landwehr, Migros-Kulturprozent,

leider unerwähnt. Zudem

wurde seine E-Mail-Adresse falsch

geschrieben. Hier die korrekte Adresse:

dominik.landwehr@mgb.ch.

Die «Zett»-Redaktion entschuldigt sich.

Impressum

«Zett»: Das Magazin der Zürcher Hochschule der

Künste. Erscheint dreimal jährlich. Herausgeberin:

Zürcher Hochschule der Künste, Zürcher Fachhochschule.

Redaktion: Heike Pohl (hpo) (Leitung), Adriana

Bognar (abo). Externe re daktionelle Mitarbeit:

Chantal Frey (Textredaktion, Lektorat), Dela Hüttner

(Korrektorat). Redaktionsteam: Eva Brüllmann

(ebr), Services, Barbara Draeyer (bdr), Kunst &

Medien, Daniela Huser (dhu), Musik, Elisabeth

Krüsi (ekr), Design, Bernadette Mock (bmo), Leona

Veronesi (lve), Museum für Gestaltung Zürich,

Judith Hunger (jhu), Darstellende Künste und Film,

Janine Schiller (jsc), Kulturanalysen und Vermittlung,

Stefan Schöbi (ssc), Hochschulkommunikation,

Marilena Abt (SturZ).

Die von den Autorinnen und Autoren in diesem

Heft geäusserten Ansichten decken sich nicht

un bedingt mit der Meinung der Redaktion.

Gestaltung und Produktion: Moritz Wolf,

Regula Bearth, Betty Fleck

Druck: Ropress Genossenschaft Zürich.

Papier: Reprint FSC 90 g/m2 , BVS glänzend 170 g/

m2 ; Schriften: Neue Helvetica, Bernard, Mercury;

Auflage: 5000

Copyright: Der Nachdruck von Artikeln ist un ter

Quellenangabe gestattet. Belegexemplare erwünscht.«Zett»

ist auch digital als PDF-Datei

erhältlich: http://cc.zhdk.ch

Redaktionsschluss: 14. Oktober 2011

Feedback und

Anregungen zu Zett:

heike.pohl@zhdk.ch

adriana.bognar@zhdk.ch


carte blanche

Dreaming of you I., 2010, zwei im Computer zusammengesetzte Filzstiftzeichnungen von Dominika Lehocka,

Bachelor Medien & Kunst, Bildende Kunst, studiert ab September 2011 im Master of Fine Arts.

zett 2–11 51

Weitere Magazine dieses Users
Ähnliche Magazine