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FNBPflasterbau1992

GALABAU

1. Juli 2011

7

DAS MAGAZIN FÜR DEN GARTEN- UND LANDSCHAFTSBAU

PFLASTERBAU

Optik und Wohlbehagen

sind bei Belägen Trend

BETRIEBSPORTRÄT FNB in Lehrberg

PFLANZENVERWENDUNG Gestalten mit Fackellilien

www.ulmer-galabau.de

J

www.gruener-stellenmarkt.de


FNB IN LEHRBERG-UNTERHESSBACH

Überzeugungstäter

in Sachen Innovation

Johann und Markus Stoll führen ein Unternehmen, das sich durch eigene Entwicklungen eine

besondere Marktposition erobert hat. Gemeinsam mit Ko-Geschäftsführer Bernd Göß haben

die Straßenbauer den Betrieb in den GaLaBau und das Privatkundengeschäft geführt.

DEGA GALABAU hat die Unternehmer im fänkischen Lehrberg besucht.

Man könnte Johann Stoll einen Erfinder

nennen. Auf jeden Fall verkörpert

der gelernte Straßenbauer

die gute alte Ingenieurstugend: Probleme

erkennen und so lange daran herumtüfteln,

bis eine serienreife Lösung entsteht

– mit vollem Einsatz und bis in die letzte

Konsequenz. Und hätte der Mittelfranke

einen Konzern im Rücken, der die Entwicklungen

und die Fehlschläge bezahlt, wer

weiß, der 61-Jährige wäre wahrscheinlich

schon ein gemachter Mann, wie man so

schön sagt.

Aber fangen wir vorne an, bei den

Pflastersteinen. Johann Stoll hat bei einem

Straßenbaubetrieb in seiner Region das

Pflastern von der Pieke auf gelernt, arbeitete

danach eine Weile im Schwarzdeckenbau,

bevor er wieder in seinen Lehrbetrieb

zurückging. Für den wickelte er im Zuge von

Altstadtsanierungen auch Aufträge für die

Stadt Ansbach ab. Und weil er dort als kluger

Kopf auffiel, bot ihm das Tiefbauamt der

Bezirkshauptstadt einen Job im Büro an. Für

Stoll, der gerade einen Bandscheibenvorfall

auszukurieren hatte, ein spannender Perspektivenwechsel.

Sieben Jahre saß er auf

der anderen Seite des Schreibtischs; bis die

Aufgaben sich veränderten. „Die Mittel

waren knapper geworden und ich musste

alle möglichen Sachen machen, die mich

nicht mehr befriedigt haben“, erzählt der

Süddeutsche rückblickend. Schließlich zog

er aus der Erfahrung „was da draußen alles

rumpflastert“ 1992 mit 42 Jahren die Konsequenz

und gründete zusammen mit einem

57-jährigen Kollegen vom Bauhof den „Fachbetrieb

für Natur- und Betonsteinpflaster“,

kurz „FNB“. „Ursprünglich wollten wir zwei,

drei Mann, eine Rüttelplatte, ein Auto und

mehr nicht“, sagt Stoll schmunzelnd. „Und

wir wollten nur Pflastern.“

Soweit der Plan. Doch Stoll und sein

Kompagnon leisteten gute Arbeit. Das

sprach sich schnell herum und überforderte

die kleine Firma. „Wir mussten so viel absagen,

dass die Leute gesagt haben, zu

denen braucht ihr gar nicht gehen“, erklärt

der Unternehmer das darauf folgende

Wachstum. Da habe es gar keinen anderen

Weg gegeben, als laufend Leute einzustellen.

1998 platzte der kleine Betriebshof in

Wernsbach aus allen Nähten, da waren es

schon 14 Mitarbeiter, und als 2002 sein ehemaliger

Lehrbetrieb in die Insolvenz ging,

nahm Stoll etliche der ehemaligen Kollegen

mit an Bord. Zum Zehnjährigen hatte die

FNB – da schon eine Weile am neuen Platz

in Unterhessbach – bereits 35 Leute unter

Vertrag. „Das war Wahnsinn, wenn ich das

überlege“, meint der Unternehmer. „Ich war

mit 35 Leuten und einer Halbtagskraft allein

im Büro“.

1 2

26 7/2011


SCHWERPUNKT

BETRIEB + MANAGEMENT

STANDORT

Lehrberg

3

1 GaLaBau-Meister Thomas Schuh

kümmert sich bei der FNB um das

Thema „Pflanze“.

2 Teure Schauanlage: Im „Nürminger

Handwerkerzentrum“ haben die

Stolls in einen Mustergarten

investiert.

3 Führen die Geschäfte der FNB:

Markus und Johann Stoll sowie

Gärtnermeister Bernd Göß.

4 Mit einer 9 000 e teuren Mischanlage

hat sich die Firma vom Betonwerk

unabhängig gemacht.

5 Der Lagerplatz bietet auch anderen

Betrieben die Möglichkeit, Steine

und Schüttgüter einzukaufen.

6 Ein gut ausgestatteter und

moderner Fuhrpark sorgt bei den

Franken für die nötige Mobilität

BETRIEBSDATEN

FNB/Der Stein

· Firmengründung: 1992

· Gesellschaftsform: GmbH

·Geschäftsführer/Gesellschafter:

Johann und Markus Stoll, Bernd Göß

· Umsatz: 2,1 Mio. e (2009/2010)

· Gewinn: 0,056 Mio. e (2009/2010)

· Materialkostenanteil: 42 %

· Betriebsmittellohn: 12,57 e

· Kalkulator. Stundenlohn: 48 e

· durchschn. Verrechnungssatz: 44 e

· Mitarbeiter: 28, davon, 1 Techniker,

4 Meister, 5 Gesellen, 3 Azubis, 12

Ungelernte, 3 Verwaltungsangestellte

· Mitarbeiter im Büro: 4

· Bauleiter: 3

· Baustellenleiter: 5

· Kolonnen: 6

· Fuhrpark/Maschinen: 3 Pkw, 9 Lkw,

3 Bagger/Minibagger, 6 Radlader,

1 Raupe, weitere Besonderheiten:

Steinfräse, Betonmischanlage

· Auftraggeberstruktur: Privat (50%),

Gewerbe (20%), öffentliche Hand/

Submission (30%)

· Tätigkeitsfelder: Landschaftsbau

(25%), Pflaster- und Straßenbau (75%)

· Zertifikate: Qualitätsinitiative Bauen

mit Innungs-Qualität e. V.

(www.bauen-mit-iq.de)

· EDV-Lösungen: BRZ (www.brz.de)

4

5

6

7/2011

27


7

8 9 10

7 Mit der patentierten Maschine

Marke Eigenbau fertigt die Firma

ihre Produkte aus Stein.

8 Der „Lapis perfectus“ sitzt im

unteren Bereich fast knirsch und

lässt sich wie Betonstein verlegen.

9 Auch die Steine für die Flächenheizung

lassen sich auf der

Maschine fertigen.

10 Eine neue Variante des Systems

Gabo-Flex ist die mit Sand und

Lava gefüllte Lärmschutzwand.

Doch Stoll hat Glück. Sein Sohn Markus

(31) fand die Arbeit des Vaters spannend

und trat in seine Fußstapfen. Als er 2003 die

Meisterschule beendet hatte, sprang er dem

Vater in der Firma bei. Zusammen mit dem

Gärtnermeister Bernd Göß leiten die beiden

heute das Unternehmen.

VOM PFLASTERHANDWERK

IN DEN GALABAU

In den ersten zehn Jahren wickelte Stoll in

erster Linie öffentliche Aufträge ab. 70 bis

80 % der Aufträge kamen von Städten und

Gemeinden aus der Umgebung für Arbeiten

im Straßen- und Pflasterbau; vorwiegend

Natursteinpflasterungen im Rahmen der

Altstadtsanierungen und Dorferneuerungen.

Doch als die Preise in den Keller gingen,

wendete sich das Unternehmen den Privaten

zu: „Im Privatbereich hätten wir mit

Pflasterbau alleine den Umsatz nie erzielen

können“, meint Stoll. Also habe man zugesehen,

dass man noch in anderen Bereichen

den Fuß in die Tür bekommt, etwa beim Bau

und der Wartung von Kleinkläranlagen, von

denen FNB mittlerweile rund 50 Stück betreut,

aber eben auch im GaLaBau. „Wir

haben die Gartenbauleistung, die die vielen

Ein-Mann-Betriebe sowieso gemacht haben,

nie mit anbieten können“, ergänzt sein

Sohn. Das sei der Hauptgrund gewesen, eine

„grüne Abteilung“ aufzubauen. Im Jahr 2000

stieß deshalb Bernd Göß dazu. Der Gärtnermeister

hatte in Veitshöchheim seinen Abschluss

gemacht, war bei einem Betrieb in

der Gegend beschäftigt und wollte sich beruflich

verändern – für die FNB die Chance

zu diversifizieren. Unter dem Signet „grünconcept“

bieten jetzt sechs Leute Gärten

von der Planung bis zur Umsetzung. Göß

bildet eigene Landschaftsgärtner aus; Landschaftsgärtner,

die auch richtig pflastern

können. Denn selbst die „grüne Abteilung“

bestreitet einen großen Teil ihrer Arbeitskraft

mit Belagsarbeiten und Mauerbau.

Qualität bei den Pflasterarbeiten sieht

Johann Stoll denn auch als eines der Abgrenzungskriterien

zur Konkurrenz: „Unsere

Pflasterflächen sind Pflasterflächen nach

Straßenbau-Grundprinzipien“, sagt der Unternehmer.

Das sehe man schon an den

Gerätschaften. „Während bei uns ein 8 000er-

Rüttler steht, steht bei vielen Firmen nur ein

Gerät, das man mit zwei Mann hochheben

kann“, hat er beobachtet. „Wir bauen eine

Garageneinfahrt mit 40 cm Koffertiefe. Wenn

ich so durch die Gegend fahre, sehe ich, dass

viele mit 20 cm arbeiten“, hat der Senior

festgestellt. Die positive Folge: Die Zahl der

Reklamationen liegt nach eigenen Angaben

„im Promillebereich“ und 70 % der Aufträge

kommen über Empfehlungen zustande.

Etwa 25 bis 30 % des FNB-Umsatzes erwirtschaftet

der GaLaBau – oder wegen der

vielen Steinarbeiten besser: der private Bereich.

Das ist nicht der zentrale Umsatzbringer,

aber ein gutes Stück Sicherheit. Das

zeigt sich gerade in diesem Jahr, in dem die

Firma noch keinen einzigen öffentlichen

Auftrag akquiriert hat; dafür aber viele Privataufträge,

mit zum Teil für die Gegend

ungewöhnlich hohem Umsatz und dem Einsatz

selbst entwickelter Produkte.

EINE EIGENE FIRMA FÜR DIE

ERFINDUNGEN

Von denen hat Johann Stoll mittlerweile

mehrere an den Start gebracht. Die erste

Erfindung war eine Betonsteinpflasterlinie,

die der Süddeutsche an ein Oberpfälzer Betonwerk

verkauft hat. Vom Erlös hat er sich

seinerzeit ein Wohnmobil geleistet – obwohl

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SCHWERPUNKT

BETRIEB + MANAGEMENT

er zum Herumfahren eigentlich gar keine

Zeit hat – und eigentlich auch gar keine Lust,

wenn man es richtig betrachtet. Denn Stoll

lebt seine Arbeit und geht in seinen Aufgaben

auf. Nacheinander erfand er ein besonderes

Gabionensystem, einen „perfekten“

Natursteinbelag und eine energiesparende

Flächenheizung; um nur die Produkte zu

nennen, die sich derzeit am vielversprechendsten

zeigen und über die eigene Firma

„Der Stein“ vermarktet werden. Da ist zum

Beispiel der „Lapis perfectus“: ein Natursteinprodukt,

das dank einer speziellen Bearbeitung

mit einer eigens konstruierten und

zum Patent angemeldeten Fräsmaschine die

Herstellung nahezu perfekter Natursteinbeläge

erlaubt (siehe Kasten auf Seite 30). Stoll

kann die Natursteine in seiner Halle für jedes

Projekt individuell aus jedem vom Bauherrn

gewünschten Material herstellen lassen.

„Die Entwicklung kommt daher, weil wir seit

den 80er-Jahren in Natursteinpflasterflächen

enorme Probleme mit den Fugen haben“,

sagt der Unternehmer. „Lose und leere Fugen

oder wackelnde Steine hat man in der

alten Pflasterbauweise nicht gekannt.“ Der

Lapis perfectus sei eigentlich eine Reaktion

auf eine falsche DIN, meint Stoll. Denn die

bestehende DIN sei für Betonsteine ausgelegt

und werde dem Naturstein nicht gerecht.

„Man kann unser System eigentlich

nur mit einer gebundenen Bauweise vergleichen“,

erklärt der Pflasterprofi. Es habe fast

die gleiche Stabilität. „Und dann habe ich

noch den ganz großen Vorteil: Ich bewege

mich damit in der Regelbauweise.“

Die zweite große Erfindung, die Flächenheizung

ist eigentlich eine Ableitung aus der

Lapis-Entwicklung. Dieselbe Maschine fräst

2,5 cm unter der Oberkante jedes beliebigen

Belagsteins eine Nut in das Material, in

die später die Kabel der Heizung verlegt

werden. Während früher Heizungen unter

dem Belag verlegt wurden und deshalb mit

viel Energie und erheblicher Trägheit ein

großes Volumen erwärmen mussten, kommen

Stolls Heizungen mit deutlich weniger

Strom aus und reagieren zugleich schneller.

„Generell geht eine Freiflächenheizung mit

300 W/m² los und geht bis 500 W/m². Wir

verlegen gerade mal 160 W/m²“, beschreibt

der Franke das Verhältnis. Mehr als

230 W/m² bringe man da gar nicht rein.

Ein Schaltkasten in der Garage und Fühler

im Freien schalten die Heizung an, wenn

ein bestimmtes Wetterereignis eintritt.

Ruckzuck ist der Weg zum Haus schneefrei;

gerade die letzten beiden Wintern haben

die Nachfrage kräftig angekurbelt. Dafür

fährt die Firma auch schon mal nach Bad

Schwartau an der Ostsee oder nach Dresden,

um Beläge mit integrierter Flächenheizung

zu verlegen.

Der dritte Streich war ein schmales Gabionensystem

namens Gabo-Flex, das bei

nur 27 cm Korbbreite eine Hinterfüllung bis

2 m Höhe erlaubt. In die Körbe eingehängte

Gitter wirken als Erdanker und Widerlager

für den Bodendruck. FNB baut aus den Gabionen

Erdkeller, Saunen, fängt Kellerlöcher

ab und grenzt Gärten ein. Mit einer kleinen

Modifikation erlaubt das Material den Bau

einer gigantischen Lärmschutzwand, die

sich nicht nur jeder Biegung ohne Keilfugen

anpassen lässt, sondern dank eines Sandkerns

und einer speziellen Lavafüllung als

hochabsorbierend gilt.

IMMER EIN STÜCK VORAUS

Auch bei den Abläufen hat sich der Senior

als Tüftler erwiesen. Schon 2001 kaufte die

DIN 18318

Das Kreuz mit der

Pflasternorm

„Mit der Einführung der harten Tragschicht

und der Veränderung der Kornzusammensetzung

hat sich die Pflasterbauweise

verändert“, sagt Johann Stoll und

meint damit zum Negativen. Der Wechsel

von den bindigen, weichen Materialien in

Bettung und Fuge zu harten, „frostsicheren“

Baustoffen sei mit Blick auf den Betonstein

vorgenommen worden und habe

der Natursteinpflasterung einen Bärendienst

erwiesen. „Wir bräuchten eine

zweite DIN. Wir bräuchten eine DIN für

den Naturstein“, ist der Unternehmer

überzeugt. „Ein Betonsteinpflaster verhält

sich ganz anders als ein Natursteinpflaster.

Da hat man die frostsicheren Materialien

gebraucht. Und die mag der Naturstein

nicht“, sagt der 61-Jährige im DEGA-

Interview. Der fühle sich allseits in Bettung

eingehüllt viel wohler, meint Stoll:

„Deswegen heißt es ja auch Bettung.“

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Weitere spannende Betriebsporträts aus

dem Bereich Pflasterbau und Fachbeiträge

wie das Intro zum letztjährigen

Schwerpunktheft „Gib mir den Pflasterer

zurück“, lesen Sie, wenn Sie den

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7/2011

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BETRIEB + MANAGEMENT

SCHWERPUNKT

LAPIS PERFECTUS

Naturstein

in Betonsteinqualität

Weil die Pflasternorm den Anforderungen

des Natursteins nicht gerecht wird (siehe

Kasten auf S. 29), hat Johann Stoll einen

Naturstein entwickelt, der funktioniert

wie ein Betonpflasterstein, der also ganz

kleine Fugen übrig lässt, überall gleich

stark ist und auf ein abgezogenes Splittbett

verlegt werden kann. „Jeder Betonstein

hat einen Abstandhalter, der die

Mindestfuge vorgibt“, erklärt der Unternehmer.

„Bei Natursteinen geht das

nicht.“

„Das hat uns auf den Gedanken gebracht,

im oberen Bereich diese Rückfräsung zu

machen, sodass die Steine im unteren Bereich

– also im Lastabtragungsbereich –

fast knirsch aneinanderliegen“, führt er

aus. Die Fuge werde dann so breit gefräst,

wie der Kunde das will und werde zweilagig

gefüllt: Im unteren Bereich ist feuergetrockneten

Quarzzsand 0 bis 0,7 mm,

in die obere verbleibende Fugentasche

kommt ein Material von 0 bis zu einem

Größtkorn entsprechend Fugenbreite.

So würde man fast die gleiche Stabilität

erzielen, wie bei der gebundenen Bauweise,

habe aber zugleich den großen Vorteil,

sich in der Regelbauweise zu bewegen.

„Ich kann die Fläche sofort wieder belasten.

Bei einer gebundenen Bauweise

muss ich einfach mal vier Wochen warten,

bis ich da Verkehr drauflassen kann, wenn

ich Gewährleistung übernehmen soll“, beschreibt

Stoll den Vorteil.

Die Mehrkosten gegenüber einem bearbeiteten,

ungefrästen Stein lägen bei etwa

30 e/m², bei vierseitiger Bearbeitung.

Aber 50 % der Mehrkosten seien bei der

Verlegung schon wieder zu sparen. „Und

dann habe ich ja eine ganz andere Flächenqualität“,

gibt der Unternehmer zu

bedenken.

Bis das Geschäft richtig anläuft, will Stoll

die Steine projektbezogen aus beliebigen

Rohlingen auf der eigenen Maschine produzieren.

Stoll hatte anfangs Partner im

Bayerwald gesucht, bei denen aber im

wahrsten Sinne des Wortes auf Granit gebissen.

„Bua, da musst auf China gehen.

So was mache mir net“, hatte ihm einer

der lokalen Natursteinfürsten zugerufen.

Nun kommt der Lapis perfectus ganz „made

in Germany“ aus Lehrberg in Mittelfranken.

tw

Firma 7 000 m² Acker in Sichtweite des Betriebshofs,

um darauf eine Halle und einen

großen Lagerplatz zu errichten. Zwei Jahre

später erwarb Stoll weitere 4 000 m² dazu.

Platz genug, Dinge auszuprobieren, zu werkeln,

Produkte vorzuführen und Abläufe zu

optimieren. 2006 zum Beispiel ließen sich

die Unternehmer auf dem insgesamt 1,1 ha

großen Gelände eine Bauschuttrecyclinganlage

genehmigen. „Der Ursprung war der,

dass die ganzen öffentlichen Kippen um vier

Uhr zumachen. Und wir arbeiten bis 16:30,

17:00 Uhr“, sagt Stoll schmunzelnd. „Da

haben wir gesagt, her mir auf, da schütten

wir das Zeig do her“, ergänzt er in fränkischer

Mundart. Statt selbst 10 e/t zu zahlen,

ermuntert er jetzt andere Unternehmer aus

der Region Bauschutt anzuliefern. Die zahlen

bei der FNB etwa 8 e – für den Kubikmeter!

Einmal im Jahr kommt der mobile

Brecher und macht aus dem Abbruch Mineralgemisch,

der bei FNB besonders in

Hinterfüllungen oder als Tragschicht unter

privaten Pflasterungen verschwindet.

Ebenfalls ins Auge fällt ein 8 m hoher

Siloturm einer Betonmischanlage. Die haben

die Stolls letztes Jahr gebraucht für knapp

9 000 e in Bozen gekauft. Statt mit fünf Mann

in der Pritsche ins Betonwerk zu fahren, um

eine halbe Stunde auf das Beladen zu warten,

macht der russische Lagerverwalter

den Beton im eigenen Mischwerk so fertig,

dass er pünktlich zu Abfahrt zur Verfügung

steht. „Und wenn der Beton 200 e kosten

würde – das spielt überhaupt keine Rolle

gegenüber den Lohnkosten“, sagt der Junior

in Hinblick auf die Zeitersparnis. „Wir hatten

uns eine Mischschaufel für den Radlader

gekauft. Da haben wir die Kleinmengen selber

gemacht“, erzählt er. Das sei aber zu

umständlich gewesen.

Ganz nebenbei entwickelt sich der Lagerplatz

auch zur Handelsplattform. Denn

in der Gegend hat sich rumgesprochen, dass

der FNB viele Schüttgüter wie den guten

alten Kalkbrechsand für die Fugen und weitere

Baustoffe auf Vorrat vorhält. So mancher

Landschaftsgärtner aus der Gegend

kauft deshalb bei Stoll Materialien; so lohnen

sich auch die Naturstein-Direktimporte von

Blockstufen, Pflaster und Mauersteinen, die

die Firma auf eigene Rechnung abwickelt.

GLÜCK MIT DEM

ZAHLENMENSCH

So mancher Betriebswirtschaftler würde

wahrscheinlich den Kopf schütteln, angesichts

der Lager- und Entwicklungskosten,

die die FNB jährlich abschreiben muss. Geld,

das einerseits festliegt, andererseits aber

auch Einsparungen und Gewinne in der Zukunft

ermöglicht. Aber natürlich war nicht

jede Investition ein Erfolg. Einen großen

Mustergarten, ein gutes Stück Autofahrt

vom Betriebssitz entfernt, sehen Vater und

Sohn heute eher als Fehlinvestition.

120000 e hat die aufwendige Anlage gekostet,

die trotz regelmäßiger Beratungstermine

von Bernd Göß vor Ort nicht auf die erwartete

Resonanz stößt; Auch weil der

Handwerkerzusammenschluss in dessen

Rahmen die Anlage entstand, nicht so funktioniert

hat, wie gewünscht.

Doch trotz der einen oder anderen Fehlinvestition:

In zwei Jahren wollen die Stolls

von den Banken unabhängig sein und alle

Kredite abgezahlt haben. Geholfen hat dabei

unter anderem 2010 die „IQ-Zertifizierung“,

die dem Unternehmen „Bauen mit Innungsqualität“

bescheinigt. Da seien viele Prozesse

auf den Prüfstand gekommen und

viele Abläufe optimiert worden. Besonders

geholfen aber auch ein Freund von Markus

Stoll, der zusammen mit seiner Frau in Ansbach

BWL studiert hat. Der hatte aufgrund

eines geplanten Jobwechsels etwas Zeit und

hat auf Wunsch des Juniors die Bücher

geprüft; und zwar mit solcher Begeisterung,

dass er nicht den neuen Job annahm,

sondern als Berater in der Region blieb und

nun wöchentlich die Finanzen der FNB kontrolliert.

„Der macht unsere Zahlen und wir

haben den Kopf komplett frei. Jetzt läuft

aber auch nichts mehr ohne ihn“, erzählt

Markus Stoll. „Aber, Du hast die Banker los.

Das war ja für uns Horror“, fügt sein Vater

an. Als Betriebswirtschaftler habe der ein

ganzes anderes Auftreten gegenüber den

Bankern.

So einig, wie in Bezug auf die Banken

sind sich Vater und Sohn vielleicht nicht in

jeder Hinsicht. Aber das Team funktioniert

und der Senior ist sichtlich stolz und glücklich,

dass sein Filius Spaß an der Firma hat

und das Unternehmen weiterführt. Und

wenn Not am Mann ist, greift der Firmengründer

ebenso wie der Rest der Belegschaft

auch am Wochenende zum Pflasterhammer,

um ein Projekt pünktlich zu Ende

zu bringen. „Wir klatschen auch schon mal

150 m² Natursteinpflaster an einem Samstag

rein; mit der ganzen Mannschaft“, erzählt

Johann Stoll grinsend. Das käme erstens bei

der Kundschaft gut an und zweitens fänden

es auch die Mitarbeiter toll, wenn „der Alte“

30 7/2011


+++ KO NTA K T

11

12

11 Der dieses Jahr vollendete Klosterhof

in Heilsbrunn ist eine Referenz

der FNB

12 Die Auffahrt eines Privathauses in

Cadolzburg ist mit einer

Flächenheizung versehen

mitmacht. Das steigert das Wir-Gefühl in

einem Unternehmen. Ganz besonders angetan

sind übrigens die vielen russisch

stämmigen Mitarbeiter im Team, von denen

FNB etliche beschäftigt. Sie haben sich als

schnell lernfähig, fleißig und flexibel erwiesen.

Für Stoll ein Weg, mit dem Fachkräftemangel

umzugehen, der sich im ländlichen

Mittelfranken schon seit längerer Zeit

abzeichnet. Auch da waren die Unternehmer

also so pfiffig, für ihre Probleme gemeinsam

eine schnelle Lösung auszutüfteln.

Nur in einem Bezug müssten Stoll & Stoll

noch nachbessern: an dem Mut zur Selbstdarstellung

und zur blumigen Verpackung.

Wenn sie nämlich nur halb so gut im Vermarkten

ihrer Produkte wären, wie im Entwickeln,

wäre Johann Stolls Vision schon

lange Wirklichkeit geworden: nämlich, dass

sie von ihren Erfindungen allein schon leben

können.

TEXT und BILDER: Tjards Wendebourg,

Redaktion DEGA GALABAU

FNB Pflaster- & Gartenbau GmbH

DER STEIN

Unterheßbach 24, D-91611 Lehrberg

Telefon 0 98 20/9 18 56-0, Fax -120

Telefon 0 98 20/9 18 56-30, Fax -39

info@fnb-pflasterbau.de,

info@derstein.eu,

www.fnb-pflasterbau.de,

www.derstein.eu

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7/2011

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