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Souffleuse-Die Programmzeitschrift des Theaters im Romanischen Keller-Herbst/Winter2015.pdf

Die Souffleuse ist die Programmzeitschrift des Theaters im Romanischen Keller Heidelberg. Sie informiert über die verschiedenen Veranstaltungen des Theaters im Bereich Schauspiel, Musik, Tanz, Workshop, Lesung etc. Das Theater befindet sich in der Seminarstraße 3 [Ecke Kettengasse] in der Altstadt Heidelbergs. Für den termingerechten Ablauf des angekündigten Programms und für dessen Inhalt trägt der Herausgeber keine Verantwortung. Die Zeitschrift und deren Inhalt sind Eigentum der Autoren und Herausgeber. Theater im Romanischen Keller 2015

Rückblick

Rückblick Die Leiden des jungen Charlie Kritik zu Bert V. Royals "Dog Sees God. Confessions of a Teenage Blockhead" von der Schauspielgruppe des Anglistischen Seminars Die Schulzeit kann ganz schön hart sein, wenn man mit sich selbst und mit den anderen nicht zurechtkommt und einen existentielle Fragen bewegen – die Verzweiflung ist tief und die Verwirrung gigantisch. Der Zeit des Heranwachsens, in ihrer Tragik und Komik, sind die studentischen Schauspieler der "Schauspielgruppe des Anglistischen Seminars eben erst entronnen.Im Mai 2015 hat die Gruppe im Romanischen Keller ein High School Drama auf die Bühne gebracht. Insgesamt acht Mal war das Stück dort zu sehen. Eine lange Tradition wurde auf diese Weise fortgesetzt, denn schon vor über 50 Jahren, im Januar 1964, hatte die Gruppe ihre ersten Aufführungen. Damals hatte man sich für einen Klassiker entschieden – "The Importance of Being Earnest" von Oscar Wilde. Klassiker, moderne Klassiker, sind auch die Peanuts – allen voran Snoopy, zusammen mit seinem Herrchen Charlie Brown, dem Vogel Woodstock und allen ihren Freunden. Im Jahr 1950 haben sie das Licht der Welt erblickt. Und bis zum Jahr 2000 hat ihr Erfinder Charles M. Schulz jeden Tag einen neuen Strip veröffentlicht. Aber wie würde es Charlie und seinen Freunden ergehen, wenn sie langsam erwachsen würden? Wie würden sie die Prüfungen bestehen? Zu wem würden sie werden? Als er sein preisgekröntes Stück schrieb, war der Amerikaner Bert V. Royal erst Mitte zwanzig. In seiner nicht autorisierten Fortsetzung der berühmten Comics lässt er keine Schwierigkeiten aus, an denen sich die armen Protagonisten abarbeiten können. Es kommt immer noch schlimmer. Deswegen bleibt im zweiten Teil des Stücks dann auch der Humor auf der Strecke. Das Ende ist tragisch, wenn auch tragisch auf gut griechische Weise – der Zuschauer darf sich immerhin geläutert fühlen. 'Hund sieht Gott. Bekenntnisse eines jugendlichen Knallkopfs' – so etwa könnte man den Titel des besagten Theaterstücks ins Deutsche übersetzen. Der Hund sieht Gott, weil er schon gestorben ist (vor Beginn des Stücks). Der jugendliche 23

Knallkopf ist selbstverständlich sein Herrchen, Charlie Brown (bzw. "CB", und im Romanischen Keller dargestellt von dem Engländer Laurence Williams). Die Story ist ein wenig zu überladen, als dass man sie hier nacherzählen könnte. Nur so viel: Der Autor schrickt auch vor Folter und Selbstmord nicht zurück, die Moral kommt mit dem Holzhammer – und es geht in so pädagogischer Weise um Homosexualität, als würde man sich im Sexualkundeunterricht befinden. In gewisser Weise werden die Peanuts gemartert, im wortwörtlichen wie im übertragenen Sinne, denn Subtilität und Feinsinnigkeit des Originals sind Royals Stil nicht. Der Autor scheint seine Lebensangst mit Brachialität und hysterischer Lautstärke übertönen zu wollen, anstelle seinen Figuren mit Liebe und Zartgefühl zu begegnen. Orientierungslos und ohne festen Boden unter den Füßen wirkt er überfordert mit seinen transzendentalen Fragen. Witzig und unterhaltsam ist er dennoch, zumindest in der ersten und realistischeren Hälfte des Stücks. Aber die anglistische Theatergruppe ist exzellent. Außer der Wahl des Stückes ist ihr nichts vorzuwerfen – und die wird verständlich dadurch, dass es dem Autor gelungen ist, acht sehr dankbare Rollen zu erschaffen zum Vergnügen der amerikanischen, britischen und deutschen Schauspieler. Alle Rollen sind hervorragend besetzt – und auch bei den deutschen Muttersprachlern sprachlich überzeugend. Der amerikanische Regisseur Jeff Silence hat einen brillanten Cast zusammengestellt. Und der Cast ist es, der einem vor Augen führt: Das Heranwachsen (in jedem Alter) ist nicht nur hart, sondern auch sehr aufregend. Von Christine Wetzka 24

Souffleuse 1/2016 Die Programmzeitschrift des Theaters im Romanischen Keller
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Souffleuse 2017/18 - Die Programmzeitschrift des Theaters im Romanischen Keller
Souffleuse 2/2016 Die Programmzeitschrift des Theaters im Romanischen Keller, Herbst/Winter 2016
Souffleuse - Die Programmzeitschrift des Theaters im Romanischen Keller, Sommersemester 2015
Souffleuse - Die Programmzeitschrift des Theaters im Romanischen Keller, Wintersemester 2014/15
Programmheft HEIDELBERGER THEATERTAGE 2016
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