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unserherzogtum

"Unser Herzogtum - Willkommen zu Hause"
Das Magazin für den Kreis Herzogtum Lauenburg
Ausgabe Nr. 1

Geschafft!

Unser besonderer Dank gilt diesen Sponsoren:

Willkommen

zu Hause !

Über ein Jahr der Planungen, unzählige Gespräche, Entscheidungen und

Recherchen sowie nochmal soviel Herzblut stecken in dieser ersten Ausgabe von

Unser Herzogtum, die Sie nun in Ihren Händen halten. Wozu ein Magazin für

das Herzogtum Lauenburg fragen Sie? - Während wir Sie mit der Onlinezeitung

Herzogtum direkt seit fast vier Jahren an sieben Tagen in der Woche rund um die

Uhr mit den neuesten Nachrichten aus der Region versorgen, ist es mit

Unser Herzogtum jetzt an der Zeit zu entschleunigen.

Wir leben, wo andere Urlaub machen. Trotzdem verliert man manchmal den

Blick für das Schöne. Und genau hier setzt Unser Herzogtum an. Wir zeigen,

was abseits der eingetretenen Wege liegt und betrachten alte Dinge aus einer

neuen Perspektive. Der Kreis Herzogtum Lauenburg ist facettenreich und voller

interessanter Geschichten und Persönlichkeiten – entdecken wir ihn gemeinsam

neu. Willkommen zu Hause!

Wir starten unsere Reise zunächst im Norden des Herzogtums mit einzigartigen

Erzeugnissen und geschichtlichen Besonderheiten. Wir wollen mit Ihnen zusammen

nach und nach das gesamte Kreisgebiet erkunden und werden sicher auch

mal einen Blick »über den Tellerrand« direkt hinter die Kreisgrenzen wagen.

Zu guter Letzt bleibt uns noch Danke zu sagen. Danke für jedes der vielen interessanten

und oftmals konstruktiven Gespräche. Danke an alle Personen,

die in vielfältiger Weise Unterstützung geleistet haben. Besonders hervorzuheben

ist hier Jens Butz, vom dem die meisten Fotos dieser Ausgabe stammen. Danke

an Sahra Klar [Klar & Deutlich Media] und Charlin Klar für das Titelfoto, das

dieses Mal in Bäk aufgenommen wurde. Danke an alle unsere Werbepartner, die

an unsere Idee glauben und im Rahmen ihrer Möglichkeiten die Veröffentlichung

haben wahr werden lassen. Ein besonderer Dank geht an die Bürgerstiftung

Ratzeburg und das Amt Lauenburgische Seen für ihre ganz besondere Unterstützung.

Und ein großes Dankeschön geht an unsere Familien, die die letzten

Monate viel auf uns verzichten mussten und uns trotzdem stets den Rücken

gestärkt haben.

Genug der einleitenden Worte. Wir wünschen Ihnen allen viel Spaß beim Lesen

der ersten Ausgabe von Unser Herzogtum.

Sigrid Klötzl Andreas Anders Ina-Marie Inderka

[Kundenservice] [Redaktion] [Gestaltung]

P.S. »Unser Herzogtum« wird aktuell in Ratzeburg und Mölln kostenfrei an alle Haushalte verteilt. Zudem gibt es diverse Auslagestellen,

die von Ausgabe zu Ausgabe erweitert werden. Wer keine Ausgabe mehr bekommen hat, kann sich »Unser Herzogtum« regelmäßig nach

Hause liefern lassen. Sie zahlen nur die Versandkosten [mehr dazu auf Seite 38]. Zudem kann die aktuelle Ausgabe auch kostenfrei im

Internet unter www.unserherzogtum.de gelesen werden.

Unser Herzogtum Herbst 2015

3


XXX XXX

MEIN

HERZOGTUM

Landtagspräsident

Klaus Schlie stellt

seine Heimat vor

Herzogtum Lauenburg – schon der

Name unseres Landkreises weist

darauf hin, dass es sich um etwas

Außergewöhnliches, etwas Besonderes

handeln muss. Ein Alleinstellungsmerkmal

also. Genau das ist es, was

für mich den Kreis Herzogtum Lauenburg

so faszinierend macht.

Als gebürtiger Möllner, als Nachkomme

einer Familie, die seit Generationen,

seit Jahrhunderten in Mölln

ansässig ist, fasziniert mich neben der

Geschichte meiner Heimatstadt vor

allem die bewegte Historie des Herzogtum

Lauenburg. Jeder, der sich mit

der geschichtlichen Entwicklung von

Schleswig-Holstein beschäftigt, wird

immer wieder auf die Besonderheiten

dieses Herzogtums im Südosten

Holsteins treffen.

Die Herrschaft der Askanier, die

Zugehörigkeit zum dänischen Königshaus

nach dem Wiener Kongress, die

Verwaltung durch Österreich nach

dem Krieg 1864, die Personalunion mit

Preußen und dann Otto von Bismarck

als Ministerpräsident von Preußen und

auch Minister für Lauenburg.

Alles dies sind Alleinstellungsmerkmale

unseres Herzogtum Lauenburg.

Hinzu kommt die einmalige Landschaft,

das Naturrefugium geprägt

durch Wälder und Seen, eine über

Jahrhunderte entwickelte und gepflegte

bäuerliche Kulturlandschaft, deren

prägendes Element die kilometerlangen

Knicks sind.

Dörfer und Städte mit meist einer

jahrhundertealten Tradition, oft in

ihren ursprünglichen Grundkonzeptionen

erhalten und erkennbar. Die

Elbe im Süden prägt das Bild des

Herzogtums genauso wie der Artenreichtum

an Pflanzen und Tieren im

waldreichsten Kreis des Landes.

Das Außergewöhnliche, das Besondere

sind vor allem aber auch die Menschen

im Herzogtum Lauenburg. In über 120

Dörfern und den fünf Städten ist bürgerschaftliches

Engagement spürbar,

erlebbar. Kommunale Selbstverwaltung

auch in Kleinstgemeinden schafft

eine Identifikation der Menschen mit

ihrem unmittelbaren Lebensumfeld,

das ehrenamtliches Engagement in

vielfältiger Weise zur Grundlage des

Gemeinsinns in den Gemeinden und

Städten macht.

Ich nenne das direkte Demokratie,

Verantwortungsgemeinschaft.

Heimat ist bei uns im Kreis Herzogtum

Lauenburg kein verstaubter Begriff.

Heimat wird in vielfältiger, traditionsbewusster

und ebenso weltoffener und

toleranter Weise gelebt.

Der Kreis Herzogtum Lauenburg ist

weit mehr als eine Verwaltungseinheit

– ja, das ist er auch, aber vor allem ist

der Kreis Herzogtum Lauenburg ein

überaus reizvoller Lebens-, Arbeitsund

Erholungsraum. »Sie leben dort,

wo Menschen Urlaub machen«, wie

oft hören wir diese Worte von unseren

Gästen aus Nah und Fern.

Klaus Schlie wurde am 14. Mai 1954

in Mölln geboren.

_ ist amtierender Präsident der Stiftung

Herzogtum Lauenburg

_ ist seit 1971 politisch aktiv, zunächst für die

Junge Union später für die CDU

_ ist seit Juni 2012 Präsident des Schleswig-

Holsteinischen Landtages

_ war Oktober 2009 bis Juni 2012 Innenminister

des Landes Schleswig-Holsein

_ war über viele Jahre Mitglied im

Lauenburgischen Kreistag

_ ist 1. Vorsitzender des CDU-Kreisverbands

Herzogtum Lauenburg

Die Nähe zur Hansestadt Lübeck, vor

allem aber die Nähe und Verbindung

zur Freien und Hansestadt Hamburg

und die Einbindung in die Metropolregion

sind Ausdruck der Weltoffenheit

und Urbanität, die Menschen immer

wieder auch in unseren Kreis zieht.

Dazu gehört auch die Kultur im Herzogtum

– ebenfalls unverwechselbar

– einmalig. Große Namen bedeutender

Künstler: A. Paul Weber, Ernst Barlach,

Karlheinz Goedtke, und und und.

Und dann die in der Gegenwart

Aktiven – die Chöre, bildenden Künstler,

Literaten, Musiker, die niederdeutschen

Theaterbühnen, die entstehende

Kulturcommunity junger

Menschen und als weiteres Alleinstellungsmerkmal

der vierwöchige

»Kultursommer am Kanal« der

Stiftung Herzogtum Lauenburg.

Mein Herzogtum – außergewöhnlich,

besonders – einmalig!

Klaus Schlie

6 Unser Herzogtum Herbst 2015


XXX XXX

Geliebter

nachbar

Was steckt hinter den Neckereien

zwischen Ratzeburg und Mölln?

Alle Jahre wieder bei kleinen und vor allem großen

Anlässen, wie dem Möllner Altstadtfest oder dem

Ratzeburger Bürgerfest, teilen die offiziellen Vertreter

der beiden Städte kleine Seitenhiebe aus. Es

kommt zum Austausch von »Nettigkeiten«, meistens

mit einem guten Schuss Ironie. Das Ratzeburger und

Möllner Publikum weiß diese »Stand-Up-Einlagen«

in der Regel sehr zu schätzen. Die gegenseitigen

Einfälle, den Nachbarn an der Nase herumzuführen,

ernten fast immer viele Lacher. Ratzeburger und

Möllner pflegen ihre Sticheleien, sie gehören zur

hiesigen Kultur. Man mag sich und man neckt sich.

Doch wo liegen die Wurzeln dieser Tradition der

zwei Städte, die sich in vielem gleichen und doch

so verschieden sind?

illustration: Karl Bichowski

Fotos: Andreas Anders

8 Unser Herzogtum Herbst 2015

Unser Herzogtum Herbst 2015

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Geliebter nachbar Neckereien zwischen Ratzeburg und Mölln

Till Eulenspiegel Möllns Wahrzeichen auf dem

Marktplatz, erstellt vom Künstler Karlheinz Goedtke.

Bevor der Vertrag zur Unterschrift und

es zum Verbrennen des Fehdehandschuhs

kam, erlebten die Besucher der

Feier noch eine inszenierte Schlacht.

Einem Gesprächsprotokoll vom 23.

Juli 1962 ist Genaueres zu entnehmen.

Durch die »erste und letzte Schlacht«

der beiden Städte sollte der »Bruderzwist«

ein für alle Mal beigelegt

werden. Je zwölf Mitglieder der

Schützengilden Ratzeburg und Mölln

sowie je 36 »Mittelschüler« beider

Städter sollten mittelalterlich gekleidet

und mit Böllern, Hellebarden, Morgensternen

und Armbrüsten ausgerüstet

auf der Schloßwiese in Ratzeburg

einander gegenübertreten.

Auch das feierliche Vergraben eines

Kriegsbeils, künstlerisch mit beiden

Stadtwappen verziert, auf dem Ratzeburger

Marktplatz war geplant.

Existenz und Verbleib dieser Reliquie

kann heute leider nicht mehr nachvollzogen

werden. Alle weiteren Recherchen

hierzu verliefen leider bislang

im Sande. An einen Fehdehandschuh

erinnert sich hingegen der Möllner

Gernot Exter: »Der Handschuh war

aus Asbest, der brannte nicht. Folglich

besteht die Fehde zwischen den beiden

Städten immer noch.«

Doch wo liegen die Wurzeln dieser

kleinen Sticheleien und Streiche?

Beispiele für ähnlich geartete rivalisierende

Städtebeziehungen gibt es

deutschlandweit viele. Eine bestimmte

Ursache, den Auslöser, mit dem alles

seinen Anfang nahm, gibt es selten.

Und so verhält es sich auch mit Mölln

und Ratzeburg. Den einen Anlass,

der alles ins Rollen brachte, gab es

nicht. Oder zumindest ließ sich bis

heute noch kein Ereignis finden, das

schriftlich den »Urknall« zwischen den

beiden Städten bezeugt.

Das nächstältere Zeugnis stammt aus

dem Jahre 1896: »Dennoch standen

unsere Nachbarn, die Möllner, oder

wie wir Lateiner sagten, die Möllenser,

nicht im Rufe besonderer Geistreichigkeit,

und es wurden bei der Eifersucht

zwischen den beiden Städten,

der vornehmeren Residenz Ratzeburg

und dem mehr kaufmännischen,

geschäftlich unternehmenden Mölln,

mancherlei Stücklein, sogenannte

Eulenspiegeleien, von ihnen erzählt.

Sie gingen als Sage, wie die von

Schilda, von Mund zu Mund«, schrieb

der 1825 in Ratzeburg geborene und

später erste Direktor des Kaiserlich-

Österreichischen Museums in Wien

Jacob von Falke in seinem Buch

»Lebenserinnerungen«.

Auch die Sozialpsychologie attestiert

den Möllnern und Ratzeburgern mit

der Theorie der sozialen Identität ein

normales Sozialverhalten. So schreibt

Ruppert Brown: »Da ein Teil unseres

Selbstkonzepts (bzw. unserer Identität)

über Gruppenzugehörigkeiten

definiert ist, wird es auch eine Vorliebe

dafür geben, diese Eigengruppen eher

positiv als negativ zu sehen. […] Wenn

unsere Eigengruppe auf irgendeiner

Wertdimension als eindeutig überlegen

wahrgenommen werden kann, können

auch wir uns im Glanz dieses Ruhmes

sonnen.« (Quelle: Stroebe, Jonas, Hewstone

(Hrsg.) »Sozialpsychologie«, Eine

Einführung, 4. Auflage, Seite 560)

Mit anderen Worten: Was schöner oder

besser ist, ist oft eine subjektive Wahrnehmung.

Je nachdem aus welchem

Blickwickel man es betrachtet, hat mal

Mölln, mal Ratzeburg die Nase vorn.

So wird den städtischen Repräsentanten

auch sicher nie der Stoff für neue

Neckereien ausgehen, an denen wir uns

Jahr für Jahr erfreuen können.

Dennoch kann man versuchen, sich

dem Ganzen historisch zu nähern.

Christian Lopau, Stadtarchivar in

Ratzeburg und Mölln, vermutet, dass

dieser Zwist wahrscheinlich schon so

lange Bestand hat, wie es die beiden

Städte gibt. »Es ist alles nur eine

Vermutung und lässt sich alles nicht

direkt belegen«, verweist Lopau auf

Indizien, die die Ursprünge mindestens

im späten Mittelalter verorten lassen.

In diesen Zeiten hatte die Rivalität

zwischen den beiden Städten durchaus

einen ernsten Hintergrund. Mölln ist

von 1359 bis 1683, also 324 Jahre,

in der Pfandherrschaft von Lübeck

gewesen. Lopau: »Es hat dadurch eine

ganz andere Geschichte und Prägung

erfahren als das umliegende Herzogtum

Lauenburg. Da herrschten eben

die lauenburgischen Herzöge, die

eigentlich auch immer recht knapp

bei Kasse waren. Und Mölln hat

durch diese Zusammengehörigkeit

mit Lübeck eine ganz andere Prägung

erhalten. Das war einfach Städtischer,

vielleicht auch mehr auf Handel,

Handwerk und Gewerbe ausgerichtet.«

Im Jahre 1683 kommt dann Mölln

zurück ans Herzogtum und in der Zeit

ist Ratzeburg die Residenzstadt. »Das

heißt, alles was von der Obrigkeit

kommt, kommt für die Möllner auf

einmal aus Ratzeburg«, beschreibt

Christian Lopau die veränderten

Umstände, die vielleicht ein wenig

am Stolz des kaufmännisch etwas

erfolgreicheren Mölln genagt haben.

Ratzeburger Löwe Der Löwe vor dem Ratzeburger

Dom ist einer der sogenannten Braunschweiger Löwen.

Der Stifter des Doms, Heinrich der Löwe, ließ das

Löwenstandbild während seiner Regentschaft in seiner

Residenz Braunschweig um 1166 als Zeichen seiner

Herrschaft errichten.

12 Unser Herzogtum Herbst 2015 Unser Herzogtum Herbst 2015

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Handverlesen

klebrig

süSS

ein

Spitzenprodukt

aus

Albsfelde

vielleicht noch eine kleine illustration,

oder so.

siehe pinterest inspiration

Es ist im wahrsten Sinne des Wortes ein Spitzenprodukt, das

im Wald bei Albsfelde seinen Ursprung nimmt. Jedes Jahr im

Mai kommen Andreas Kiefer und Jan Solle mit einem Team

von Erntehelfern und pflücken in einem 160 Hektar großen

Areal die jungen Spitzen der Rotfichte und verarbeiten diese

zu einem wohlschmeckenden Sirup.

Grüne spitzen Kaum zu glauben,

dass diese Fichten mehr Vitamin C liefern

als Zitronenbäume.

Unter der Firmierung »Sonnenkiefer«

ist das Zwei-Mann-Unternehmen so

etwas wie ein Saisonbetrieb. Denn das

Zeitfenster zur Ernte dieser sogenannten

Maispitzen beschränkt sich auf

zwei, maximal drei Wochen pro Frühjahr,

etwa vom 1. bis 20. Mai. Rohkostliebhaber

können Fichtenspitzen auch

frisch vom Baum probieren, müssen

dann aber einen leicht sauren Geschmack

in Kauf nehmen. Das Erntefenster

schließt sich, sobald die

leuchtend grünen Spitzen sich dunkler

färben. Dann »schießt« ein Stoff aus

dem Harz der Fichte in die Spitzen,

erzeugt einen bitteren Geschmack und

die Weiterverarbeitung zu Sirup ist

dann nicht mehr möglich.

Nur die Rotfichte hat süßes Harz und

kommt so auf neun bis elf Prozent

Zuckergehalt. Gesund sind die jungen

Triebe des Baumes dazu, wie Jan Solle

zu berichten weiß: »Fichtenspitzen

haben sogar bis zu sieben Mal mehr

Vitamin C als eine Zitrusfrucht.«

Aber wie kommt man auf die Idee,

aus Tannenspitzen einen Sirup herzustellen?

Die beiden Unternehmer, die

hauptberuflich als Ingenieure arbeiten,

lernten sich beim Studium in Flensburg

kennen. Andreas Kiefer stammt

aus dem Schwarzwald. »Da ist dieser

Sirup eine Spezialität«, weiß Jan Solle

zu berichten. Bei einem Besuch seines

Studienkollegen in dessen Heimat

durfte dieser den Sirup zum Frühstück

kosten, hergestellt nach einem alten

Familienrezept seiner Oma. Da im

Schwarzwald der Fichtensirup nur

privat und in geringen Mengen produziert

wird, ließen sich die beiden Ingenieure

das Rezept von der Oma geben

und kehrten zurück in den Norden.

Hier tüftelten sie weiter an Rezept

und Equipment zur Herstellung.

Bis zur Zulassung als Lebensmittel

brauchte es dann zwei Jahre. »Fichtenspitzen

waren bis dahin in Deutschland

noch gar nicht als Lebensmittel

katalogisiert«, so Solle.

Ideefinder Firmengründer

Andreas Kiefer (links) und Jan Solle

Unser Herzogtum 1 | 2015 Unser Herzogtum Herbst 2015 17


sonnenkiefer SPITZENPRODUKT AUS ALBSFELDE

Die Fichtenspitzenernte begann ursprünglich

in der Nähe von Flensburg

auf einer Fläche von drei Hektar. »Doch

da ist die Rotfichtendichte unglaublich

gering«, sagt Solle. Bei einer Menge

von 100 Kilogramm war Schluß. Dann

bekamen Kiefer und Solle Kontakt zum

Stadtwald Lübeck, der Forstbehörde der

Hansestadt. In deren Besitz befindet sich

auch das Waldstück bei Albsfelde. Solle:

»Dieser Boden hier ist seit 150 Jahren

buchmäßig geführt worden. Man weiß

genau, was mit ihm gemacht worden ist.

Auch nach dem Krieg hat es hier keine

Abholzungen gegeben und somit keine

Aufforstungen durch Monokulturen.

Dadurch kam es zu keinem Schädlingseinfall,

so dass kein Einsatz von Pestiziden

notwendig war. Deswegen ist dieser

Boden total unbelastet.« Das Waldstück

bei Albsfelde ist quasi also ein Biowald,

in dem die beiden Siruphersteller seit

etwa sechs Jahren in enger Abstimmung

mit dem Förster auf einer Fläche von

160 Hektar ernten dürfen. »Wir haben

den Wald auch ‘Bio’ zertifizieren lassen«,

erklärt Solle.

Pro Baum werden in der Regel bis zu 25

Prozent der Spitzen geerntet, das obere

Drittel wird ausgespart. Eine solche

Menge, im Durchschnitt rund 200 Gram

pro Baum, könne dieser gut verkraften,

erläutert Jan Solle. Zudem treibt die

Rotfichte im Sommer, gegen Ende Juni

herum, nochmal nach.

Pro Saison werden in Albsfelde so rund

eine Tonne Fichtenspitzen geerntet. Das

ergibt zwischen 11.000 bis 12.000 Gläser

Sirup pro Jahr. Kapazitäten zum Wachstum

des Unternehmens sind auch gegeben.

Laut Solle würde die zur Verfügung

stehende Waldfläche bis zu zehn Tonnen

Maispitzen hergeben.

Der Firmensitz der beiden Unternehmen

ist an ihrem Wohnsitz, nämlich in Hamburg.

Eingekocht wird der Sirup hingegen

in Kiel. Klar, dass Kiefer und Solle

aufgrund der Fahrtzeit überlegen, die

Sirupherstellung mittelfristig komplett

ins Herzogum Lauenburg zu verlegen.

Denn nachdem die Maispitzen geerntet

sind, muss es relativ flott gehen.

18 Unser Herzogtum Herbst 2015

Unser Herzogtum Herbst 2015

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sonnenkiefer SPITZENPRODUKT AUS ALBSFELDE

Noch am gleichen Abend muss spätestens der Sud angesetzt

werden, damit nichts an Geschmack und Qualität

verloren geht. Die Maispitzen werden einmal kurz aufgekocht,

um das Harz darin zu lösen (Die Spitzen haben

ein anderes Harz als der Rest des Baumes). Dann muss

es mehrere Stunden sudten. Das Wasser wird langsam

bernsteinfarben und die Pflanzenteile dann entfernt.

Schließlich wird der Sud eingedickt und mit Zucker

angereichert. »Wir nehmen keinen normalen Zucker,

sondern einen, der fast ohne Saccharose auskommt«,

erklärt Jan Solle.

Den Fichtensirup gibt es

in den Hofläden:

Domäne Fredeburg

23909 Fredeburg

Lämmerhof

23896 Mannhagen

Deutschland weit sind »Sonnenkiefer« das einzige Unternehmen,

das Fichtenspitzen erntet und daraus Sirup herstellt

und vertreibt. »Wir werden wahrscheinlich auch die

einzigen bleiben, denn das Verfahren ist sehr aufwendig

und die Verdienstmöglichkeiten sind gering«, beschreibt

Jan Solle das Nischenprodukt. Dieses ist nicht nur bio

zertifiziert, sondern bis hin zum Etikettenkleber vegan.

Preislich liegt der Fichtensirup im guten Mittelfeld

zwischen Agavensirup und Ahornsirup. Die Abnehmerzahl

in Deutschland wächst langsam aber stetig. Mittlerweile

gibt es auch schon weitere Produkte. Wer auf die

Homepage des Unternehmens schaut, entdeckt zudem

einen aus auskristallisiertem Tannenspitzensirup hergestellten

Brotaufstrich, einen etwas dünnflüssigeren

Sirup als Süßungsmittel sowie einige mit Fichtenspitzen

veredelte Produkte wie Bier, Obstler und Korn.

Weitere Informationen unter www.sonnenkiefer.de.

Jetzt, wo der Herbst und somit die Erkältungszeit vor

der Tür steht, ist der süße Sirup der Fichte besonders zu

empfehlen – nämlich zur Hustenprävention. »Er hilft bei

Bronchialinfekten aber auch präventiv vorweg«, sagt Jan

Solle. Der Grund dafür seien die in den Fichtenspitzen

enthaltenen ätherischen Öle. UH

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Unser Herzogtum Herbst 2015

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ANZEIGE

mein Lieblingsplatz

»Herzogs Naturschätze« –

besonders im Herbst ein Erlebnis

MEIN

LIEBLINGSPLATZ

© Thomas Ebelt

Wenn sich bunt gefärbte Wälder an der glatten Seeoberfläche

spiegeln, wenn die Luft fein würzig in der Nase kribbelt und

die Vögel des Glücks zur Dämmerung über uns hinwegziehen –

dann ist Herbst im Herzogtum Lauenburg. Dann präsentieren

sich »Herzogs Naturschätze« von ihrer besonders reizvollen

Seite.

Über 40 Seen liegen malerisch verträumt in den Wäldern des

Naturparks Lauenburgische Seen. Die herbstlich bunte Blätterpracht

lässt sich hervorragend vom Kanu aus beobachten,

zum Beispiel auf den Möllner Seen, der Wakenitz oder dem

Schaalseekanal. Pedalrittern eröffnet die »Seenradtour«, eine

48 Kilometer lange Rundtour ab Ratzeburg, besondere Perspektiven

auf das farbgewaltige Schauspiel. Genauso reizvoll

ist eine Radtour entlang des Hohen Elbufers zwischen Lauenburg

und Geesthacht, wenn die herbstlichen Hangwälder

wundervolle Blicke auf die Elbe freigeben. Ein besonderes

Schauspiel lockt jedes Jahr zum Oldenburger Wall. Von

September bis November lassen sich hier in der Dämmerung

hunderte Kraniche bei ihrem imposanten Anflug auf den

Oldenburger See beobachten.

Für unsere erste Ausgabe von »Unser Herzogtum« schickte uns Friedrich J. Flint aus Harmsdorf seinen Lieblingsplatz.

Zu seinem Foto schreibt er:

»Bei jedem Wetter und zu jeder Jahreszeit und dann auch noch bei Kaiserwetter

ist dort mein Lieblingsplatz. Ziemlich am Ende des Behlendorfer Sees steht eine

Bank mit Tisch. Dort hat man einen schönen Blick über den See mit Ruhe.«

Das Herzogtum Lauenburg hat viele schöne Ecken, aber welcher ist Ihr Lieblingsplatz? Zeigen Sie uns Ihre favorisierte Stelle. Wir zeigen in jeder Ausgabe

einen dieser Plätze. Senden Sie uns einfach Ihr Foto [möglichst hochauflösend] sowie eine kleine Umschreibung, wo Ihr Lieblingsplatz ist und was ihn so besonders

macht, an redaktion@herzogtum-direkt.de. Wir bitten zudem um einen kleinen Zusatz, dass Sie die Rechte an dem Foto besitzen und wir dieses honorarfrei für

»Unser Herzogtum« verwenden dürfen.

»Herzogs Naturschätze« ist eine Gemeinschaftsaktion des

Naturparks und der Städte unter dem Dach der Herzogtum

Lauenburg Marketing und Service GmbH.

Weitere Informationen gibt es auf

www.herzogtumlauenburg.de/de/herzogs-schaetze

Die »Naturschatzkarte« kann unter Tel. (0 45 42) 85 68 60 oder

erlebnisreich@hlms.de kostenlos bestellt werden.

22 Unser Herzogtum HERBST 2015

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kurz vorgestellt:

Das Amt

Lauenburgische Seen

Das Amt Lauenburgische Seen mit seinen rund 13.000 Einwohnern ist noch ein recht junges Amt.

Es entstand erst im Januar 2007 im Rahmen einer in Schleswig-Holstein durchgeführten Ämterreform

aus der Auflösung der Ämter Ratzeburg-Land und Gudow-Sterley.

Das Amt Lauenburgische Seen erstreckt sich vom Stadtrand

Lübecks entlang der Ratzeburger Seen bis zum Schaalsee. Die

Amtsverwaltung in Ratzeburg mit Außenstelle in Groß Grönau

und Bürgerbüro in Sterley ist für die 25 Gemeinden Albsfelde,

Bäk, Brunsmark, Buchholz, Einhaus, Fredeburg, Giesensdorf,

Groß Disnack, Groß Grönau, Groß Sarau, Harmsdorf, Hollenbek,

Horst, Kittlitz, Klein Zecher, Kulpin, Mechow, Mustin,

Pogeez, Römnitz, Salem, Seedorf, Schmilau, Sterley und

Ziethen zuständig. Es ist mit fast 240 Quadratkilometern das

flächenmäßig größte Amt im Kreisgebiet.

Viel Wald, viel Wasser, viel Abwechslung

Der Naturpark Lauenburgische Seen ist Schleswig-Holsteins

ältester Naturpark.

Die Amtsverwaltung in Ratzeburg.

Wie der Name nahelegt, befinden sich besonders viele Seen

innerhalb des Amtes. Aber auch die vielen Wälder, Wiesen und

Felder bieten eine große landschaftliche Vielfalt. Unter anderem

ist hier der rund 45.000 Hektar Fläche umfassende Naturpark

Lauenburgische Seen zu finden. Nicht nur Touristen nutzen

daher gerne das vielfältige Angebot mit entsprechenden zahlreichen

Wander-, Radfahr- und Reitwegen sowie Wassersportmöglichkeiten.

Einen genauen Überblick gibt hier die Regionalkarte,

die beim Amt Lauenburgische Seen erhältlich ist.

Der ländliche Charme des Amtes wird durch die zahlreichen

Direktvermarkter der Region mit ihren Hofläden, Hofcafés und

Restaurants mit vielen Spezialitäten aus ihrer eigenen Produktion

unterstrichen. Kultureller Höhepunkt des Amtes Lauenburgische

Seen ist das fast amtsweite Kulturfestival »Dörfer zeigen

Kunst«, das jedes Jahr im Sommer in rund 20 Gemeinden und

unter Teilnahme von zirka 100 Künstlern stattfindet und vom

Zusammenhalt der Gemeinden zeugt.

24 Unser Herzogtum Herbst 2015 Unser Herzogtum Herbst 2015

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HANDWERK IM HERZOGTUM TRADITIONSBÄCKEREIEN

In fast jedem Supermarkt gibt es inzwischen Selbstbedienungsbrotläden.

Super praktisch, so ist der

Brotkauf gleich beim Einkauf mit erledigt. Und das

Brot sieht auch noch lecker aus. Dass der Bäcker

aber nicht im Haus sitzt und im hinteren Ladenteil

gar nicht backt, sondern dass dort nur Öfen zum

Auftauen von Teiglingen stehen, ist vielen Konsumenten

gar nicht bewusst.

Text und Fotos: Gabi Finck [mondamo.de]

Das Bild vom Bäcker, der um drei

Uhr nachts in der Backstube sitzt

und den Brotteig knetet, ist eine

alte romantische Vorstellung. Solche

Handwerksbäckereien sind vom Aussterben

bedroht. Einer der letzten

Bäcker seiner Art in und um Ratzeburg

ist Dirk Oldenburg.

Was die Kunden tatsächlich nur

noch hier bekommen, ist Frische:

»Unser Brot ist jeden Morgen ganz

frisch. Jedes Brötchen, das wir machen,

wird auch wirklich angefasst.«

Ganz im Gegensatz zu den Broten,

die im Discounter zu finden sind.

Diese stammen aus riesigen Backfabriken,

die ihre Brote maschinell

herstellen und mit vielen Zusatzstoffen

und Backtriebmitteln versehen.

Für alles gibt es das chemische Enzym-Doping:

die richtige Feuchtigkeit,

bessere Haltbarkeit, Teiggängigkeit ...

Auch die Liste der erlaubten Zusatzstoffe

ist lang: Azodicarboxamid,

Benzoylperoxid, Calciumperoxid...

und diese müssen noch nicht einmal

deklariert werden, weil sie angeblich

beim Backen zerfallen. Brote vom

Fließband sehen dennoch so aus, als

kämen sie direkt aus einer dörflichen

Backstube. »Die versuchen natürlich

auch ganz bewusst, einen Handwerkstouch

hinzukriegen. Krustenbrot zum

Beispiel, kriegen sie überall, ist ein

bisschen ungleichmäßig aufgerissen«,

weiß Bäckermeister Oldenburg zu

berichten. Nur selten ist dem Verbraucher

bewusst, dass das Brot im

Discounter teilweise schon Wochen alt

ist. Es stammt aus osteuropäischen und

sogar asiatischen Backfabriken, wo

es vorgebacken und eingefroren wird.

Später gelangt es dann an ein Distributionszentrum,

das die Ware an die

Verkaufsstellen verteilt.

Bestellung per Katalog. Hier wird

das Brot nur noch für den Kunden

aufgebacken. Als »frisch« könne man

das nicht gelten lassen, argumentiert

Oldenburg: »Das ist so wie aufgewärmtes

Essen. Kann einem ja egal sein,

hauptsache warm.

Aber es ist nun mal ein Unterschied:

ob es ein paar Stunden vorher noch

Mehl, Wasser, Hefe war – oder ob es

in Kunststoff eingeschweißt und lange

gelagert wurde, bevor es in der Filiale

landet.« Daher sind die Brötchen aus

dem Discounter auch nach einem halben

Tag steinhart, wirklich frisches

Brot hält sich einfach länger.

Seit vier Generationen backt die

Familie Oldenburg schon. Urgroßvater

Heinrich aus Utecht hatte damals die

Georgsberger Mühle in Ratzeburg

übernommen. Da wurde das Mehl

noch selbst gemahlen. Heute stammt

es weiterhin aus der Region: Oldenburg

bezieht sein Mehl seit 40 Jahren

von der Hobbersdorfer Mühle. Großvater

Heinrich hatte sich neben dem

Bäckereibetrieb noch am Verkauf von

Heizöl und Kohle probiert. Das Geschäft

ging an seinen Sohn Jochen, der

schließlich die Backstube seinem Sohn

Dirk, dem jetzigen Bäckermeister, vermacht

hat. Ein Familienbetrieb durch

und durch: »Ich wollt das eigentlich

schon immer machen«, erklärt Dirk

Oldenburg. Wenn das Bäckereigeschäft

dann noch interessant ist, könne er sich

auch gut vorstellen, dass sein Sohn

die Backstube später übernimmt. Die

Arbeit als Bäckermeister war für ihn

schon immer sehr reizvoll. Auch wenn

ein Bäckerleben viel Arbeit bedeutet,

sei es dafür aber »etwas, worauf man

nachher stolz sein kann.«

Doch die Realität hat auch vor

der Bäckerei Oldenburg nicht halt

gemacht: Seit Jahren in einem Discounter

in Bahnhofsnähe ansässig,

hat dieser nun selbst einen Aufbackautomaten.

Oldenburg darf am Standort

bleiben, mit der Auflage nichts

zu backen, was drinnen die Kunden

kaufen sollen. Die anderen Standorte

laufen mal gut, mal weniger gut.

Daher setzt Oldenburg jetzt auf ein

touristisches Konzept: selbst gebackene

Torten am Pavillon der Schifffahrt

direkt am Ratzeburger See. Das

Café ist gerade bei Sommerwetter ein

Kundenmagnet.

Traditionshandwerk In der Bäckerei Oldenburg

wird noch von Hand gewogen und geformt.

Wer Wert auf wirklich frisches Brot

legt, dem bleiben in unserer Region

neben Bäcker Oldenburg noch die

beiden Biohöfe Fredeburg und Lämmerhof.

Diese beziehen ihr Brot aus

Handwerksbäckereien in Schwerin

und Schürensöhlen. Ob Dirk Oldenburg

selbst auch mal die Discounter-

Aufbackbrötchen esse? »Nur wenn

ich muss. Doch schmecken tun sie

mir nicht«, wehrt Oldenburg ab, »Sie

schmecken so ein bisschen nach Karton,

haben einen gewissen Muffgeschmack.«

Daher lautet die erste

Frage am Urlaubsort immer:»Wo gibt

es hier noch einen guten Bäcker?«

Solange es sie noch zu finden gibt. UH

Unser Herzogtum Herbst 2015

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Reportage

Die Bürgerstiftung

Ratzeburg

Nur wenige Landkreise in Deutschland dürften eine so hohe Dichte an Serviceclubs, Stiftungen und anderen

gemeinnützigen Institutionen vorweisen wie das Herzogtum Lauenburg. Hiermit sei nun eine Serie gestartet,

die nach und nach all diese Einrichtungen einmal vorstellt. Den Anfang macht die Bürgerstiftung Ratzeburg.

Die Bürgerstiftung ist sehr breit aufgestellt. Die Aktionen

reichen von restaurativen Maßnahmen, wie zum Beispiel

ein Ziffernblatt der St. Petri Kirche zu vergolden, über Kulturförderung,

wie beispielsweise beim Filmclub Burgtheater

Ratzeburg geschehen, bis hin zu unterstützender Förderung,

wie zum Beispiel beim Hospizverein. Die Förderchronik auf

der Internetseite der Stiftung legt hierbei ein beeindruckendes

Zeugnis über die große Bandbreite ab. »Das ist das

Interessante an der Stiftung, dass sie gerne auch mal hintergründig

arbeitet und auch eben andere Vereine unterstützt«,

erklärt Stiftungsvorstand Andreas von Gropper.

Die Bürgerstiftung hat sich in den letzten zwölf Jahren seit

ihrer Gründung in Ratzeburg etabliert. Allein regelmäßige

Veranstaltungen wie der Ratzeburger Lesefrühling sind

nicht mehr wegzudenken aus dem kulturellen Leben der

Stadt. Sie bestechen durch ihren eigenen Charme und sind

somit auch zu einem Markenzeichen der Bürgerstiftung

Ratzeburg beworden. Der Schwerpunkt der Jugendarbeit

wird zum Beispiel deutlich sichtbar an der alle zwei Jahre

stattfindenden schulübergreifenden Projektwoche, an der

Schüler der 5. und 6. Klassen aller Ratzeburger Schulen

gemeinsam teilnehmen und am Ende ein großes Stadtschulfest

feiern. ‘Mentor – Die Leselernhelfer’ ist ein Projekt

ehrenamtlich tätiger Bürger zur Förderung der Lese- und

Sprachkompetenz von Schulkindern in der Region Ratzeburg.

Der dreiköpfige Vorstand selbst bildet die Zentrale, in

der die Fäden zusammenlaufen, sich die Arbeitskreisverantwortlichen

bei Fragen hinwenden können, und wirkt in

erster Linie koordinierend und weist grob die Richtung. Zu

guter Letzt wacht ein Kuratorium darüber, dass die Stiftungsziele

auch tatsächlich eingehalten werden.

Wie der Name bereits verrät, handelt es sich um eine Stiftung.

Einer solchen ist zu eigen, dass es darum geht, das

vorhandene Stiftungskapital zu mehren beziehungsweise

weitere Zustifter zu finden. Bei der Bürgerstiftung Ratzeburg

kann man ab einer Summe von 1.000 Euro Stiftungsmitglied

werden. Wem die Summe zu hoch ist, hat auch die

Möglichkeit ein Stiftungskonto anzulegen, auf das solange

Betrag X eingezahlt wird, bis die Stiftungssumme von 1.000

Euro erreicht ist. »Mit jeder Zustiftung wird unser jährliches

Budget mehr«, erklärt Andreas von Gropper. Denn

die Aktivitäten einer Stiftung werden vom jährlichen Zinsertrag

finanziert. Das Stiftungskapital bleibt unangetastet.

Allerdings leiden Stiftungen derzeit, wie alle Sparer, unter

den niedrigen Zinsen. So ist aktuell pro Jahr etwas weniger

Geld zur Verfügung als noch vor ein paar Jahren. Von

Gropper: »Wir sehen deshalb 2015 auch eher als ein Konsolidierungsjahr,

was die Aktivitäten angeht.« Daher sind

auch Einzelspenden gerade im Einmal-Projekt-Bereich

und zur Förderung der jeweiligen Arbeitskreise stets gern

gesehen.

Steckbrief

Name: Bürgerstiftung Ratzeburg

Motto: »Jeder Einzelne ist Teil des Ganzen«

Gründungsjahr: 2003

Gründungszweck: Förderung, Entwicklung und Erhaltung der Besonderheiten

Ratzeburgs im Rahmen innovativer und bewahrender Projekte

Schwerpunkte: Integrations- und Jugendarbeit

Förderbilanz: 244.419,16 Euro wurden seit der Gründung für operative und

fördernde Projekte in und um Ratzeburg ausgeschüttet.

(Stand April 2015)

Aufbau: ein Vorstand (führt die Geschäfte der Stiftung),

ein Kuratorium (wacht über die Einhaltung der Stiftungszwecke

und berät den Vorstand hinsichtlich der Festlegung der

konkreten Ziele und Prioritäten der Stiftung)

Herausragende Projekte

und Veranstaltungen: Ratzeburger Lesefrühling, Mentor - Die Leselernhelfer,

Schulübergreifende Projektwoche mit abschließendem

Stadtschulfest, hinzu kommen unzählige einmalig

geförderte Projekte

Auszeichnungen: Gütesiegel des Bundesverbands Deutscher Stiftungen,

Förderpreis Aktive Bürgerschaft 2007

Kontakt: Telefon: 04541-808868, Telefax: 04541-808896,

Email: info@buergerstiftung-ratzeburg.de

Weitere Infos: www.buergerstiftung-ratzeburg.de

Diese Veranstaltungen werden durch selbstständig in der

Stiftung agierende Arbeitskreise ins Leben gerufen, organsiert

und durchgeführt. »Die Arbeitskreise, die sich eigenverantwortlich

organisieren, agieren fast wie ein eigener

kleiner Verein, wo es jeweils einen Hauptverantwortlichen

gibt«, beschreibt Andreas von Gropper die Mechanismen

unter dem Dach der Stiftung. Vom »Dach« der Stiftung

gäbe es nur sehr geringe Vorgaben, wie die jeweiligen Veranstaltungen

oder Projekte am Ende auszusehen haben.

Dann gibt es die sogenannten Einmal-Projekte, wo sich die

Stiftung einmalig finanziell oder, wenn auch seltener, mit

‘menpower’ beteiligt.

Langfristig hofft die Bürgerstiftung weiter zu wachsen,

um aus den Zinserträgen weitere nachhaltige Strukturen zu

schaffen, wie zum Beispiel die Finanzierung einer Stelle in

der präventiven Jugendarbeit. Doch dafür muss der Kapitalstock

noch gewaltig wachsen, um entsprechende Zinserträge

zur Verfügung zu haben, die das erlauben. UH

Über mittelalterliche Wasserstraßen: Die Stecknitzfahrt

28 Unser Herzogtum HERBST 2015 Unser Herzogtum HERBST 2015

29


W lliger Spiegel

in die Seele

Besuch bei den Alpakas von Giesensdorf

FOTOS: ANTJE BERODT | JENS BUTZ

Das Alpaka ist eine domestizierte Kamelform, die

vorwiegend ihrer Wolle wegen gezüchtet wird.

Alpakas sind in den südamerikanischen Anden zu Hause …

und in Giesensdorf auf dem Hof »Carpe Diem« von

Renate Paul [60] und Klemens Thiede [54].

Nähe und Distanz Alpakas sind zwar

sehr neugierig, ihr Vertrauen muss man sich

aber erst verdienen.

30 Unser Herzogtum Herbst 2015

31


CARPE DIEM besuch bei den alpakas von giesensdorf

»Ich habe mir damit einen Lebenstraum erfüllt«,

sagt Renate Paul. Zusammen mit ihrem Partner

Klemens Thiede kaufte sie vor neun Jahren den

Resthof in der Dorfstraße 15. Doch es fehlten noch

die Tiere. Nach ersten Pferden, Hunden und Katzen

kamen dann 2010 schließlich die Alpakas dazu.

»Ich wollte hier aber eigentlich auch irgendetwas

machen, das mit meinem Beruf zu tun hat«, erklärt

Renate Paul, die hauptberuflich eigentlich als

Sonderschullehrerin für Menschen mit kognitiven

Einschränkungen in Hamburg arbeitet. Ähnlich wie

auch Delfine werden Alpakas aufgrund ihres ruhigen

und friedlichen Charakters in der tiergestützten

Therapie eingesetzt. »Alpakas haben ein interessantes

Wesen. Sie sind neugierig und kommen

heran, sind dann aber doch wieder distanziert, weil

es ja eigentlich Fluchttiere sind. Sowie man nach

ihnen greift, sind sie auch schon wieder weg. Die

Herausforderung bei der Alpakatherapie besteht

darin, dass man mit dem Tier Kontakt aufnehmen

muss, um letztendlich Vertrauen zu entwickeln«,

beschreibt Renate Paul das Spiel von Nähe und

Distanz, das unter anderem Menschen helfen kann,

die sich nach einem erlittenen Trauma in sich selbst

zurückgezogen haben. Aber auch Alzheimerpatienten,

Menschen mit Autismus sowie Personen, die unter

Depressionen leiden, könne der Umgang mit dem

Alpaka helfen. Paul: »Es gibt viele Möglichkeiten,

wenn man sich in sich verschlossen hat.« Der Umgang

mit den Tieren könne dann als »Türöffner«

wirken.

Renate Paul darf als Sonderschullehrerin keine

Thearapien anbieten. »Wir haben aber eine Ergotherapeutin,

die mit ihren Patienten hierher kommt«,

sagt Renate Paul. Hierbei handelt es sich um Claudia

Below, die mit ihrer Praxis in Ratzeburg ansässig ist.

Claudia Below: »Es geht darum, dass die Menschen,

egal in welcher Form sie Probleme haben, diesen Weg

über das Tier gehen können. Das hängt nicht vom

Krankheitsbild ab, sondern einfach von der Person.«

So gilt es unter anderem vorher zu klären, ob der

Patient vor Tieren Angst hat. »Wenn man so allgemeine

Dinge abgeklärt hat, ist eine solche Therapie

eigentlich für jeden geeignet, egal welches Alter, egal

welche Diagnose.« Letztere können vom Schlaganfall,

über psychische Probleme, bis hin zu ADHS

[Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung]

reichen. Es geht bei der Therapie darum, die Alpakas

mit in diese einzubinden. Somit kann der Kontakt

zu den Tieren nur ein Teil der Therapie sein. »Man

kann mit den Tieren keine Situation stellen. Man lebt

von den Situationen. Das ist das Tolle daran. Jeder,

der dahin kommt, profitiert davon. Allein auf die

Anwesenheit, da braucht noch gar nichts Großartiges

passieren, reagieren die Alpakas. Sie sind neugierig

und kommen auf den Menschen zu. Mehr ist das

nicht, aber auch nicht weniger«, beschreibt Claudia

Below den Aufbau einer Vertauensbasis zwischen

Mensch und Tier. Nach dem ersten Kennenlernen

kann es dann zum Beispiel auf einen Spaziergang

gehen. »Dem Alpaka gegenüber kann man sich nicht

verschließen. Sich einem Tier zu verschließen, ist

ganz schwer. Das Schöne daran ist, man muss keine

Worte benutzen. Man kann seine Seele sprechen lassen

und sich auf einer ganz anderen Ebene mit den

Alpakas unterhalten. Und die verstehen einen und

helfen einem auch. Es kann sein, wenn man tottraurig

auf der Weide sitzt, dass ein oder zwei Tiere

kommen und einen trösten. Das ist das Schöne daran

und kann der erste Schritt aus einer Krise heraus

sein. Man kann die Tiere zu nichts zwingen, man

muss Geduld aufbringen, um etwas zu erreichen.

Und genau wenn man das getan hat, ist das schon

ein erster Therapieerfolg«, beschreibt Claudia Below

weiter. Sie arbeitet auch mit Hunden und Pferden in

dieser Richtung, doch hätten Alpakas ihrer Meinung

nach nochmal etwas ganz Besonderes.

Immer im Frühjahr kommt der Friseur. Die gute Wolle

der Tiere wird weiterverarbeitet und findet sich später

teilweise auch im Hofladen von Renate Paul wieder.

»Alpakas haben

ein interessantes Wesen.«

32 Unser Herzogtum Herbst 2015

Unser Herzogtum Herbst 2015

33


CARPE DIEM besuch bei den alpakas von giesensdorf

Renate Paul selbst kommt regelmäßig mit ihren Schülern

für einen Tagesausflug von Hamburg nach Giesensdorf.

»Rund 60 bis 70 Prozent der Schüler profitieren von dem

Kontakt mit den Tieren«, ist sich Renate Paul sicher. Personen,

die sich außerhalb einer Therapie Kontakt mit den

Alpakas wünschen, können bei Renate Paul jedoch »pädagogische

Spaziergänge« buchen.

Pünktlich zum Winter haben die Alpaka

wieder ihr typisch wollig warmes Antlitz.

Neben ihren besonderen Wesenszügen sind Alpakas auch

hervorragende Wolllieferanten. Jedes Frühjahr bekommen

die dreizehn Tiere von einem Profischerer eine neue Frisur

verpasst. Das geschorene Fell lässt sie zu Strickwolle oder

Garn verarbeiten, die an die Qualität von Kaschmirwolle

heranreicht. Das Ergebnis bietet sie dann in ihrem Hofladen

zum Kauf an. »Weil die Sachen von den Alpakas den

Laden nicht füllen, verkaufe ich darüberhinaus Produkte

von Fairtrade-Unternehmen aus Peru«, berichtet Renate

Paul. So finden sich im Laden Alpaka-Wolle, Mützen aus

Alpaka-Wolle, Alpaka-Seife aus dem Keratin der Haare

und sogar Bettdecken. »Nichts ist besser als unter einer mit

Alpakafell gefüllten Bettedecke zu schlafen. Das ist der

absolute Wahnsinn«, beschreibt sie ihre Erfahrungen aus

einem Selbstversuch. Alle Produkte seien so ökologisch wie

möglich produziert.

Carpe Diem –

das ist nicht nur

der Titel

dieses Hofes.

Alpakahof Carpe Diem

DorfstraSSe 15

23909 Giesensdorf

Hofladenöffnungszeiten:

dienstags von 15 bis 18 Uhr,

sonnabends von 10 bis 12 Uhr

sowie nach Vereinbarung.

Mehr unter

www.carpe-diem-alpakas.de

Von Alpakaseife mit Alpakakeratin der Tiere,

über Einlegesohlen aus gefiltzer Alpakawolle

bis hin zu jede Menge warmer wolliger

Kleidung: Ein Besuch im Hofladen von Renate

Paul lohnt sich.

»Ich hätte mir die Erfüllung meines Traums etwas näher an

Hamburg erhofft«, so Paul. Die Ortswahl bereut sie trotzdem

nicht: »Wir sind hier in Giesensdorf so bezaubernd

aufgenommen worden. Ich genieße jeden Tag. Das ist nicht

nur der Titel dieses Hofes.« UH

34 Unser Herzogtum HERBST 2015

Unser Herzogtum HERBST 2015

35


TERMINE UND VERANSTALTUNGEN IM HERBST

Egal, ob Stecknitzbier

oder Eulenspiegelbier

beides sind Frischeprodukte ohne

Zusatz- oder Konservierungsstoffe.

FOTOS: JENS BUTZ | ANDREAS ANDERS

GUTES

AUS DER REGION

Biere im herzogtum

Im ersten Quartal 2015 setzten laut statistischem Bundesamt die in Deutschland ansässigen

Brauereien und Bierlager insgesamt rund 20,4 Millionen Hektoliter Bier ab. Zwar sank damit

der Bierabsatz gegenüber dem entsprechenden Vorjahreszeitraum um 0,1 Prozent. Doch über

80 Prozent des gesamten Bierabsatzes waren für den Inlandsverbrauch bestimmt. Von daher

kann man getrost weiter behaupten, dass die Deutschen ein Volk der Biertrinker sind.

Fotos: Jens Butz

36 Unser Herzogtum 1 | 2015

Unser Herzogtum Herbst 2015

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XXX XXX

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Alte Dorfstraße 4

23896 Poggensee

Auch im Herzogtum Lauenburg hat

das Bierbrauen eine lange Tradition.

Allein Ratzeburg und Mölln hatten zur

Zeit des Mittelalters pro Stadt phasenweise

zwischen 50 und 100 kleine

Brauereien. Beide Städte waren für ihr

Bier durchaus berühmt. Während die

Ratzeburger ihr Rommeldeus bis nach

Lübeck und weiter darüber hinaus exportierten,

wurde das »Möllner Lauke«

in viele Schankwirtschaften und Dorfkrüge

der Region geliefert. Und während

des 30jährigen Krieges »... verlangten

die Truppen Wallensteins, als

sie in Nusse im Quartier lagen, nur

nach Möllner Lauke und wiesen

alles andere zurück« [Quelle: Mölln,

Hansjörg Zimmermann, Verlag

Damaschke + Co, 1977]

Doch mit Beginn der Industrialisierung

beginnt auch das Sterben der vielen

kleinen Brauereien, auch in Ratzeburg

und Mölln. Irgendwann war es soweit

und das letzte Rommeldeus war in Ratzeburg

gebraut und das letzte «Möllner

Lauke” ging in der Eulenspielstadt

über den Tresen. Großbrauereien in

Großstädten mit riesigen Abfüllanlagen

hatten die kleinen Brauereien verdrängt.

Ein Stück Tradition und auch

lokale Identität ging verloren.

Doch seit einigen Jahren gibt es

eine kleine Trendwende wider der

Globalisierung des überall fast gleich

schmeckenden Bieres. Seit 2008 gibt

es wieder Ratzeburger Rommeldeus

und auch in Mölln wird seit rund drei

Jahren wieder fleißig gebraut. Mit

dem Eulenspiegelbier und dem Stecknitzbier

wird die Region von hier aus

gleich mit zwei schmackhaften

Gerstensäften versorgt.

Der Brauvorgang erstreckt sich

über mehrere Wochen.

Vom Brauen bis

zum Abfüllen –

Bier made in

Mölln

Seit 2012 darf sich Mölln wieder zu

den Brauereistädten zählen. Hier in

der Ratzeburger Straße werden in einer

einzigartigen mobilen Brauerei das

Eulenspiegelbier und das Stecknitzbier

produziert. »Wir fahren vereinzelt mit

der Anlage zu Veranstaltungen, aber in

erster Linie brauen wir zu Hause«,

erklärt Richard Rau, Inhaber der

Getränke-Stapelfeldt GmbH.

Der große Unterschied zu industriell

hergestelltem Bier ist, dass bei Stapelfeldt

nach dem Reinheitsgebot von

1516 gebraut wird. »Das heißt also, es

ist nichts an irgendwelchen Hilfstoffen

drin. Das hat Vor- und Nachteile.

Der Nachteil ist, dass die Haltbarkeit

nicht ganz so stabil ist. Der Vorteil ist

aber, dass man sagen kann, dass das

Bier so ist, wie man es von früher her

kennt«, führt Richard Rau aus, »Wir

versuchen mit vernünftigen Rohstoffen

ein gutes Bier zu brauen, was uns

unsere Kunden bislang bestätigen.«

Die Rohstoffe sind alle natürlich und

es kommen keine Konzentrate zum

Einsatz. »Wir arbeiten mit Hopfen,

Hefe, Wasser und Malz und eben nicht

mit Extrakten. Extrakte gab es 1516

nicht und deshalb halten wir uns auch

daran«, erklärt Rau.

»Bier ist ja eigentlich ein Kulturgut«,

fährt Richard Rau fort. Die Deutschen

gelten als ein Volk der Biertrinker,

gleichzeitig sind die pro Kopf getrunkenen

Liter pro Jahr rückläufig. »Das

ist sicherlich auch dem geschuldet,

dass die Grundqualität der Biere sehr

standardisiert worden ist. Es gibt

eigentlich keine großen geschmacklichen

Unterschiede mehr zwischen den

Bieren, insbesondere hier bei uns in

Norddeutschland. Und das macht ein

Produkt dann ein bißchen langweilig,

wenn ich nicht mehr unterscheiden

kann, welche Marke trinke ich da gerade?« Diesem

Trend versucht sich Richard Rau mit seinen

Bieren entgegenzustellen. Und das ist gelungen:

mit dem Eulenspiegelbier und dem Stecknitzbier

deren geschmacklichen Unterschiede deutlich

erkennbar sind. Das eine ist hell, fein und frisch,

das andere kräftig, karamellig und deftig. Auch

die Zeit spielt bei der Qualität eine große Rolle.

Fünf bis sechs Wochen dauert der Brauprozess bis

zum fertigen Bier. »Das Bier braucht die Zeit um

zu reifen«, erklärt Rau, der sich bewusst gegen

Schnellbrauverfahren entschieden hat.

Vom Brauen bis zum Abfüllen und der Lagerung

wird bei Stapelfeldt alles selbstgemacht. Verantwortlich

dafür ist der Diplom-Brauer Adam

Mitcher. Der gebürtige Schotte überwacht nicht

nur alle technischen Abläufe, sondern ist auch

maßgeblich an den Bierkreationen beteiligt. Dem

Stecknitzbier verlieh er beispielsweise seine

ganz eigene Note mittels Einsatz von britischem

Hopfen.

Rau: »Eulenspiegelbier ist ein Logo, das ja der

Stadt gehört. Das ist damals von Mölln Marketing

ins Leben gerufen worden. Und wir als Möllner

sehen uns natürlich dazu verpflichtet, Eulenspiegelbier

zu brauen. Wir können behaupten,

dass das ein echtes Regionalprodukt ist.« Dieses

gibt es unter anderem bei Familia im Grambeker

Weg, seit kurzem im Kneipenrestaurant Amadeus

in der Hauptstraße und natürlich bei Getränke-

Stapelfeldt selbst.

Ein wahres Regionalprodukt haben seit einem

Jahr auch die Bewohner der Stecknitz-Region

im Amt Berkenthin. Im Auftrag des Tourismusbeirates

des Amtes Berkenthin wurde eigens für

die Region hier ein neues Bier kreirt. »Die Idee

wurde schon vor ein paar Jahren geboren«, führt

Tourisbeiratsmitglied Gisela Bockholdt aus.

Das Stecknitzbier wurde jetzt zur eigenen Marke

gemacht. »Wir haben auch ein Logo, mit dem

wir alles kennzeichnen wollen, das man in der

Stecknitz-Region bekommt«, erklärt Gisela Bockholdt

weiter. Das Bier wurde natürlich diesen

Sommer auf dem Stecknitzfest reichlich ausgeschenkt.

Darüber hinaus bekommt man es unter

anderem im Markant Markt und Getränkeland in

Berkenthin sowie in Oldeshaveres Bauernschänke

in Kastorf.

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nach 38 4 Ausgaben.

Unser Herzogtum Herbst 2015

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Unser Herzogtum Herbst 2015

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Veranstaltungen im Herbst 2015

Marktplatz

Dienstag, 1.9.

Sonntag, 13.9.

Freitag, 2.10.

Mittwoch, 21.10.

Freitag, 20.11.

Hebewerkfahrt inkl. Hebevorgang

mit der Reederei Helle

14 bis 17 Uhr; Anlegestelle am Ruferplatz

Elbstraße 100, 21481 Lauenburg/Elbe

Preis: 11 bis 16,50 Euro

Info: Reederei Helle,

Tel.: +49 (0) 41 53 - 59 28 48

25 Jahre Deutsche Einheit –

25 Jahre Städtepartnerschaft

Ratzeburg/Schönberg: Jazzkonzert in

Schönberg unterstützt durch »JAZZ IN

Ratzeburg« - Clara Haberkamp – Solo

20 Uhr; St.-Laurentius-Kirche Schönberg

in Mecklenburg, Hinterstraße 4,

23923 Schönberg

Preis: 10 Euro, Förderkarte 15 Euro

Info: Jazz in Ratzeburg e.V.,

Tel.: +49 (0) 45 41- 857 867

Mittwoch, 2.9.

Führung durch den Wildpark Uhlenkolk

14.30 bis 16 Uhr; Naturparkzentrum

Uhlenkolk, Waldhallenweg/Wildparkeingang

11, 23879 Mölln

Preis: Eintritt frei

Info: Naturparkzentrum Uhlenkolk,

Tel.: +49 (0) 45 42-80 3345

Sonnabend, 5.9.

Fahrt mit der historischen

Dampfeisenbahn «Karoline”

Verschiedene Abfahrtszeiten; Alter Bahnhof,

Bahnstraße, 21502 Geesthacht

Preis: vier bis sechs Euro

Info: Arbeitsgemeinschaft Geesthachter

Eisenbahn e.V., Tel.: +49 (0) 41 52 - 77899,

www.geesthachter-eisenbahn.de

Musik im Park: NEA! live

Wann: 19 bis 22 Uhr

Wo: Kurpark Mölln, Bergstraße,

23879 Mölln

Preis: kostenfrei

Info: www.moelln-tourismus.de

Sonntag, 6.9.

Musikalischer Frühschoppen

mit ElbRock live

10.30 Uhr; Berkenthin, Kirchenstraße,

Pastoratsvorplatz; Preis: Eintritt frei

Info: www.stecknitz-region.de

Sonnabend, 12.9.

Naturkundliche Führung »Drüsensee und

Kranicheinflug« mit Wolfgang Buchhorn

19 Uhr; Parkplatz oberhalb des Drüsensees

an der L 287; Preis: 3 Euro

Info: Die Tour dauert 2 bis 3 Stunden.

Festes Schuhwerk ist erforderlich.

Konzert »Singet dem Herrn ein neues Lied,

denn er tut Wunder”

18.15 Uhr; Kirche zu Breitenfelde,

Dorfstraße 26, 23881 Breitenfelde

Tag des offenen Denkmals im Möllner

Stadthauptmannshof

11 bis 14 Uhr; Stiftung Herzogtum

Lauenburg, Hauptstraße 150, 23879 Mölln

Preis: Eintritt frei; Info: www.rzkultur.de

Naturerlebnistag 2015

11 bis 17 Uhr; Naturparkzentrum

Uhlenkolk, Waldhallenweg/Wildparkeingang

11, 23879 Mölln

Preis: Eintritt frei

Freitag, 18.9.

»Best of« Hans Sachs – Theater und Musik im

Viehhaus Segrahn

19.30 Uhr; Gutsallee 1, 23899 Gudow

Preis: 10 Euro/erm. 5 Euro

Info: www.gut-segrahn.de

Sonnabend, 19.9.

13. Ratzeburger Apfeltag

14.30 bis 16.30 Uhr; Streuobstwiese

Ratzeburg b. Einhaus, Stüvkamp

Preis: Eintritt frei

Info: Anmeldung bis 4. September 2015

unter Tel. 04542 / 870 00

oder info@rzkultur.de

12. Drachenfest im Kurpark Ratzeburg

14 bis 18 Uhr; Kurpark Ratzeburg,

23909 Ratzeburg; Preis: Eintritt frei

Info-Tel.: +49 (0) 45 41 - 862 322

Donnerstag, 24.9.

Dinnerkrimi »Der letzte Schrei«

19.30 Uhr; Hotel «Der Seehof”,

23909 Ratzeburg; Preis: 69 Euro inkl.

4-Gang-Menü und Aperitif

Info: Karten an der Rezeption oder auf

www.dinnerkrimi.de

Sonnabend, 26.9.

Vortrag »Einblicke in die Natur«

19 Uhr; Alte Schule, Am Müllerweg 1,

23883 Klein Zecher; Preis: 10 Euro

GroSSes Kartoffelfest

11 bis 17 Uhr; Domäne Fredeburg,

Domänenweg 1, 23909 Fredeburg

Preis: Eintritt frei

Info: Domäne Fredeburg,

Tel.: +49 (0) 45 41 - 862 142

Mittwoch, 30.9.

Jörg Knör: «Vip, Vip, Hurra!”

20 Uhr; Kleines Theater Schillerstraße,

Schillerstraße 33, 21502 Geesthacht

Preis: 19,80 Euro

Info: Kleines Theater Schillerstraße

Tel.: +49 (0) 41 52 - 779 79

1., 2., 3., 4. Oktober

Kriminalstück « 5 Frauen + 1 Mord”

20 Uhr; Theater im Stall, 23883 Neu-Horst

Preis: 11 Euro

Info: www.theater-im-stall.de

Konzert »Liedermacher aus Deutschland«

20 Uhr; Stadthauptmannshof Mölln

Preis: 14 Euro; Info: Reservierung ist

möglich unter Tel. 04542 / 870 00 oder info@

folksfest-moelln.de.

SonnAbend, 3.10.

Tage der Industriekultur am Wasser

ganztägig; Elbschifffahrtmuseum, Kaiser

wilhelm, Palmschleuse, Hitzler Werft,

E-Werft, 21481 Lauenburg/ Elbe; Info:

www.tagederindustriekultur-hamburg.de

Mittwoch, 7.10.

Vortrag »Leben und Tod der Sterne«

19.30 Uhr; In der Alten Schule,

Hauptstraße 10, 23627 Groß Grönau

Preis: 2 Euro, Schüler und Rentner zahlen

1 Euro; Info: www.gemeindegrossgroenau.de

Donnerstag, 8.10.

Kabarett: »Alles so schön beknackt hier!«

mit Hans Scheibner

19.30 Uhr; Kulturzentrum Priesterkate,

Gudower Straße 1, 21514 Büchen-Dorf

Preis: 30 Euro; Info: www.amt-buechen.eu

Freitag, 9.10.

»Der Herbstwald raschelt um mich her...« –

Lyrischer Spaziergang

17 Uhr; Domäne Fredeburg, Domänenweg 1,

23909 Fredeburg; Preis: 6 Euro Kinder frei

Info: Domäne Fredeburg,

Tel.: +49 (0) 45 41 - 862 142

Sonnabend, 10.10.

Führung »Ackerboden: Das Lebensmittel für

Lebensmittel.«

11 Uhr; Treffpunkt vorm Hofladen,

Domäne Fredeburg; Preis: kostenfrei

Info: www.domaene-fredeburg.de

Oktoberfest

ab 20 Uhr; Dörpshuus, Lübecker Str. 6,

23628 Krummesse; Info: www.krummesse.de

Mittwoch, 14.10.

Kindertheater »Elmar, der bunte Elefant«

9 Uhr; Kleines Theater Schillerstraße,

Schillerstraße 33, 21502 Geesthacht

Preis: 5 Euro

Info-Tel.: +49 (0) 41 52 - 779 79

Montag, 19.10.

Wald-Herbstferienwoche für

Grundschulkinder

8 Uhr; Kreisrevierförsterei Grünhof,

Ringweg 18, 21502 Geestacht

Preis: 80 Euro; Info: Bis zum 23.10. haben

Grundschulkinder im Alter von 6 bis

10 Jahren täglich von 8 bis 13 Uhr die

Möglichkeit, mit offenen Augen und Ohren

den Wald zu erkunden. WalderlebnisWelt,

Tel.: +49 (0)4152 - 8 37 55 40

«schnu-Mi” – Der Ferien Aktions-Mittwoch

14 bis 20 Uhr; Schnurstracks Kletterpark,

Am Museum 2 , 21521 Friedrichsruh

Preis: 15 Euro; Info: Schnurstracks

Kletterpark, Tel.: 04104 – 9071511

Sonnabend, 24.10.

Herbstjahrmarkt in Ratzeburg

Auf dem Marktplatz, auf dem Rathausplatz

und in der Herrenstraße

Info: www.inselstadt-ratzeburg.de

Donnerstag, 29.10.

Plattdeutsche Lesung mit Matthias

Stührwoldt

20 Uhr; Krummesse, Lübecker Str. 6,

Dörpshuus Krummesse

Info: www.stecknitz-region.de

Freitag, 30.10. bis 2.11.

Möllner Herbstmarkt

14 bis 23 Uhr, 2. November 2015 von 14.00

bis 21.00 Uhr mit großem Schlussfeuerwerk;

Möllner Innenstadt

Info: www.moelln-tourismus.de

Sonnabend, 31.10.

Halloween-Kinderstadtführung

mit der historischen Stadtwache

17 Uhr; Rathaus Ratzeburg

Preis: pro Person 3 Euro, verkleidete

Kinder zahlen nur 2 Euro.

Info: Anmeldung bis spätestens 30.10.2015

bei der Tourist-Information Ratzeburg

unter Tel. 04541 / 8000-886 gebeten.

Dienstag, 3.11.

Kabarett »Zwischen Witz und Anarchie: Ein

Kurt-Tucholsky-Abend zum 80. Todesjahr«

19.30 Uhr; Stadthauptmannshof Mölln

Preis: 5 Euro; Info: Reservierung ist

möglich unter Tel. 04542 / 870 00 oder

info@rzkultur.de.

Dienstag, 10.11.

Niederdeutsche Lesung:

»Wi vertellt di wat – op Platt«

19.30 Uhr; MarktTreff Gülzow,

Hauptstraße 21, 21483 Gülzow

Preis: 5 Euro / erm. 3 Euro

Sonnabend, 14.11.

9. Möllner Kriminacht

20 Uhr; Stadthauptmannshof Mölln

Preis: 10 Euro; Info: Reservierung ist

möglich unter Tel. 04542 / 870 00 oder

info@rzkultur.de.

Sonntag, 15.11.

Die Päpstin – Schauspiel nach dem Roman-

Bestseller von Donna W. Cross

18 Uhr; Kleines Theater Schillerstraße,

Schillerstraße 33, 21502 Geesthacht

Preis: 24,20 bis 26,40 Euro

Info: Kleines Theater Schillerstraße,

Tel.: +49 (0) 41 52 - 779 79

Acoustic Guitar Night 2015

19.30 Uhr; Stadthauptmannshof Mölln,

Hauptstraße 150, 23879 Mölln

Preis: 14 Euro; Info: www.rzkultur.de

Donnerstag, 26.11. bis 6.12.

Weihnachtsmarkt

Mo bis Fr 15 bis 20 Uhr,

Sa bis So 11 bis 20 Uhr;

Möllner Marktplatz

Info: www.moelln-tourismus.de

Sonnabend, 28.11. bis 30.12.

Ausstellung “Christbaumschmuck und

Modelleisenbahn aus alter Zeit”

10 bis 17 Uhr; Kreismuseum Herzogtum

Lauenburg, Domhof 12, 23909 Ratzeburg

Preis: 2 Euro, Schüler: ab 0,50 Euro,

Familienkarte: 3 Euro

Info: Kreismuseum Herzogtum Lauenburg,

Tel.: +49 (0) 45 41 - 860 70

Sonnabend, 28.11.

Sandesnebener Weihnachtsmarkt

ab 13 Uhr; Feuerwehrgelände

Info: www.sandesneben.de

Sonntag, 29.11.

Weihnachtsmarkt rund um die Kirche

nachmittags; 23896 Nusse

Info: www.nusse.de

Adventsmarkt Punsch on the Beach

Marina Lauenburg, Hafenstraße 14,

21481 Lauenburg; Info: Marina Lauenburg,

Tel.: +49 01 71-8 11 21 85

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Viele weitere

Veranstaltungen finden Sie

im Internet unter

www.herzogtum-direkt.de

40 Unser Herzogtum Herbst 2015

Unser Herzogtum Herbst 2015

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IMPRESSUM

Unser Herzogtum ist kostenlos und erscheint vierteljährlich.

Herausgeber

Herzogtum Direkt

Andreas Anders

Alte Dorfstraße 4

23896 Poggensee

www.herzogtum-direkt.de

Redaktion

Andreas Anders

redaktion@herzogtum-direkt.de

Telefon 0 41 56.6 79 90 04

Anzeigen / Kundenberatung

Sigrid Klötzl

Telefon 0 45 41.87 80 39

Fax 0 45 41.85 99 35

Grafisches Konzept

und Gestaltung

Ina-Marie Inderka –

Visuelle Kommunikation

inamarie@mac.com

Anzeigengestaltung

Sahra Klar –

Klar&Deutlich Media

info@klarunddeutlich.net

Auflage

16 000 Exemplare

Druck

Audiotex Ratzeburg

Vertrieb

_Hausverteilung: an alle Haushalte

in Ratzeburg und Mölln;

_Abo Verteilung: Pressevertrieb

Herzogtum Direkt, Poggensee

_Auslagestellen im Umland von

Ratzeburg und Mölln

_www.unserherzogtum.de

Text

Soweit nicht anders vermerkt:

Andreas Anders

Titelfoto

Sahra Klar [Klar & Deutlich Media]

und Charlin Klar

Weitere Fotos

Antje Berodt

Gabi Finck [Mondamo.de]

Simona Klar

Jens Butz

Andreas Anders

Ausblick

Dezember | Januar | Februar 2015/16

Von Weihnachtsmännern und

Weihnachtsmärkten: Adventszeit

im Herzogtum

Bei Anruf Licht: Das clevere

Laternensystem in Güster

42 Unser Unser Herzogtum Herzogtum Herbst 1 | 2015 Unser Herzogtum Herbst 2015

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