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"Unser Herzogtum - Willkommen zu Hause" Das Magazin für den Kreis Herzogtum Lauenburg Ausgabe Nr. 1

Geliebter nachbar

Geliebter nachbar Neckereien zwischen Ratzeburg und Mölln Till Eulenspiegel Möllns Wahrzeichen auf dem Marktplatz, erstellt vom Künstler Karlheinz Goedtke. Bevor der Vertrag zur Unterschrift und es zum Verbrennen des Fehdehandschuhs kam, erlebten die Besucher der Feier noch eine inszenierte Schlacht. Einem Gesprächsprotokoll vom 23. Juli 1962 ist Genaueres zu entnehmen. Durch die »erste und letzte Schlacht« der beiden Städte sollte der »Bruderzwist« ein für alle Mal beigelegt werden. Je zwölf Mitglieder der Schützengilden Ratzeburg und Mölln sowie je 36 »Mittelschüler« beider Städter sollten mittelalterlich gekleidet und mit Böllern, Hellebarden, Morgensternen und Armbrüsten ausgerüstet auf der Schloßwiese in Ratzeburg einander gegenübertreten. Auch das feierliche Vergraben eines Kriegsbeils, künstlerisch mit beiden Stadtwappen verziert, auf dem Ratzeburger Marktplatz war geplant. Existenz und Verbleib dieser Reliquie kann heute leider nicht mehr nachvollzogen werden. Alle weiteren Recherchen hierzu verliefen leider bislang im Sande. An einen Fehdehandschuh erinnert sich hingegen der Möllner Gernot Exter: »Der Handschuh war aus Asbest, der brannte nicht. Folglich besteht die Fehde zwischen den beiden Städten immer noch.« Doch wo liegen die Wurzeln dieser kleinen Sticheleien und Streiche? Beispiele für ähnlich geartete rivalisierende Städtebeziehungen gibt es deutschlandweit viele. Eine bestimmte Ursache, den Auslöser, mit dem alles seinen Anfang nahm, gibt es selten. Und so verhält es sich auch mit Mölln und Ratzeburg. Den einen Anlass, der alles ins Rollen brachte, gab es nicht. Oder zumindest ließ sich bis heute noch kein Ereignis finden, das schriftlich den »Urknall« zwischen den beiden Städten bezeugt. Das nächstältere Zeugnis stammt aus dem Jahre 1896: »Dennoch standen unsere Nachbarn, die Möllner, oder wie wir Lateiner sagten, die Möllenser, nicht im Rufe besonderer Geistreichigkeit, und es wurden bei der Eifersucht zwischen den beiden Städten, der vornehmeren Residenz Ratzeburg und dem mehr kaufmännischen, geschäftlich unternehmenden Mölln, mancherlei Stücklein, sogenannte Eulenspiegeleien, von ihnen erzählt. Sie gingen als Sage, wie die von Schilda, von Mund zu Mund«, schrieb der 1825 in Ratzeburg geborene und später erste Direktor des Kaiserlich- Österreichischen Museums in Wien Jacob von Falke in seinem Buch »Lebenserinnerungen«. Auch die Sozialpsychologie attestiert den Möllnern und Ratzeburgern mit der Theorie der sozialen Identität ein normales Sozialverhalten. So schreibt Ruppert Brown: »Da ein Teil unseres Selbstkonzepts (bzw. unserer Identität) über Gruppenzugehörigkeiten definiert ist, wird es auch eine Vorliebe dafür geben, diese Eigengruppen eher positiv als negativ zu sehen. […] Wenn unsere Eigengruppe auf irgendeiner Wertdimension als eindeutig überlegen wahrgenommen werden kann, können auch wir uns im Glanz dieses Ruhmes sonnen.« (Quelle: Stroebe, Jonas, Hewstone (Hrsg.) »Sozialpsychologie«, Eine Einführung, 4. Auflage, Seite 560) Mit anderen Worten: Was schöner oder besser ist, ist oft eine subjektive Wahrnehmung. Je nachdem aus welchem Blickwickel man es betrachtet, hat mal Mölln, mal Ratzeburg die Nase vorn. So wird den städtischen Repräsentanten auch sicher nie der Stoff für neue Neckereien ausgehen, an denen wir uns Jahr für Jahr erfreuen können. Dennoch kann man versuchen, sich dem Ganzen historisch zu nähern. Christian Lopau, Stadtarchivar in Ratzeburg und Mölln, vermutet, dass dieser Zwist wahrscheinlich schon so lange Bestand hat, wie es die beiden Städte gibt. »Es ist alles nur eine Vermutung und lässt sich alles nicht direkt belegen«, verweist Lopau auf Indizien, die die Ursprünge mindestens im späten Mittelalter verorten lassen. In diesen Zeiten hatte die Rivalität zwischen den beiden Städten durchaus einen ernsten Hintergrund. Mölln ist von 1359 bis 1683, also 324 Jahre, in der Pfandherrschaft von Lübeck gewesen. Lopau: »Es hat dadurch eine ganz andere Geschichte und Prägung erfahren als das umliegende Herzogtum Lauenburg. Da herrschten eben die lauenburgischen Herzöge, die eigentlich auch immer recht knapp bei Kasse waren. Und Mölln hat durch diese Zusammengehörigkeit mit Lübeck eine ganz andere Prägung erhalten. Das war einfach Städtischer, vielleicht auch mehr auf Handel, Handwerk und Gewerbe ausgerichtet.« Im Jahre 1683 kommt dann Mölln zurück ans Herzogtum und in der Zeit ist Ratzeburg die Residenzstadt. »Das heißt, alles was von der Obrigkeit kommt, kommt für die Möllner auf einmal aus Ratzeburg«, beschreibt Christian Lopau die veränderten Umstände, die vielleicht ein wenig am Stolz des kaufmännisch etwas erfolgreicheren Mölln genagt haben. Ratzeburger Löwe Der Löwe vor dem Ratzeburger Dom ist einer der sogenannten Braunschweiger Löwen. Der Stifter des Doms, Heinrich der Löwe, ließ das Löwenstandbild während seiner Regentschaft in seiner Residenz Braunschweig um 1166 als Zeichen seiner Herrschaft errichten. 12 Unser Herzogtum Herbst 2015 Unser Herzogtum Herbst 2015 13

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