Bologna - Deutscher Berufsverband für Tanzpädagogik

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Zeitgenössische.Postkarten.zeigen.Joséphine.Baker.in.den.Pariser.»Folies. Bergère« .. Die. Abbildungen. wurden. freundlicherweise. vom. Deutschen. Tanzarchiv.in.Köln.zur.Verfügung.gestellt ..Das.kleine.Foto.zeigt.einen.Blick. in.die.aktuelle.Joséphine-Baker-Ausstellung . war sie der erste dunkelhäutige Superstar. Ein Star, der seinen Ruhm nutzte, um – auch an der Seite Martin Luther Kings – gegen die Rassentrennung einzutreten. Ohne Rücksicht auf die Nachteile, die ihr das bei ihren USA-Auftritten brachte. In ihrer Heimat konnte sie ihre Erfolge nicht wiederholen, man fand ihre Revue-Auftritte vulgär. Der Misserfolg muss sie bis zuletzt geschmerzt haben. So symbolisiert eine kleine Filmaufnahme ihr Leben vielleicht besser als alles andere: In der Ecke von etwas, das offenbar ein Boxring ist, kniet Joséphine Baker da, eine Kämpferin im langen silberfarbenen Kleid, und singt mit herzzerreißender Intensität »ihr« Lied: »J’ai deux amours/Mon pays et Paris». Sie liebe ihr Vaterland und sie liebe Paris. Am 12. April 1975 hören die beiden Herzen in ihrer Brust zu schlagen auf. ■ 62-95834 – Operation Joséphine Das FBI und Joséphine Baker Von Dagmar Fischer Einige sahen in Joséphine Baker nur die erotische Dunkelhäutige, andere eine komische Ulknudel, eine dritte Gruppe nahm Impulse zur Frauenbefreiung von ihr auf. Thomas Thorausch vom Deutschen Tanzarchiv Köln fand noch andere Aspekte in der Biographie der Künstlerin, als er die Akten des FBI zu Gesicht bekam, er sagt: »Meine Grundidee für die Ausstellung war, aus Anlass des 100. Geburtstags keine – wie vielleicht erwartet – Glamour-Ausstellung über Joséphine Baker zu machen, sondern die Photographien, die man kennt, wie auch jene, die noch keiner gesehen hat, zu kombinieren mit einem ganz anderen »Blick von außen« auf Joséphine Baker. Diesen ganz anderen Blick hatte ich vor ca. zwei Jahren entdeckt: Die Akten des FBI mit all den Denunziationen, Spitzelberichten etc., deren veröffentlichte Form (mit Schwärzungen) mich fatalerweise an die Akten der Stasi erinnerten.» Beim Namen Joséphine Baker denkt jeder zuerst an das Bananenröckchen und die biegsame, schwarze Tänzerin. Was es jedoch hieß, in den zwanziger Jahren als schwarze(!) Frau(!) zum international erfolgreichen Superstar zu avancieren, ist heute nur noch schwer nachvollziehbar. Denn Erfolge und Popularität konnten ihr nicht Erlebnisse wie die folgenden ersparen: In einem Restaurant erklärt ein Gast an einem Nebentisch, er wolle nicht mit Niggern in einem Raum sitzen; schwarze Mitglieder ihrer Compagnie werden nicht in Hotels aufgenommen; nach einem Auftritt werden sie und ihre Gäste in dem Prominentenrestaurant »Stork Club« in New York demonstrativ nicht bedient. Aber Joséphine Baker wehrt sich. Sie protestiert gegen Diskriminierung und rassistische Äußerungen, und sie nutzt ihr Vermögen, um sich für die schwarze Bürgerrechtsbewegung in den USA zu engagieren. Mit solchem Engagement machte man sich in den fünfziger Jahren, in der berüchtigten McCarthy Ära, schnell verdächtig. Joséphine Baker gerät ins Visier des FBI, die US-amerikanische Bundespolizei sammelt Informationen jedweder Art über die Tänzerin und Sängerin, die kommunistischer Umtriebe verdächtigt wird. Ihre Akte trug die Nummer 62-95834 und umfasst 359 Seiten – sie enthält Informationssammlungen von »special agents« des FBI ebenso wie Denunziationen durch Theaterbesucher oder Journalisten, Berichte von US- Konsularbeamten ebenso wie Einschätzungen über das Presseecho auf Gastspiele. Während ihre große Kinderliebe sich gut in den Medien vermarkten ließ, blieb ihre Rolle in der französischen Résistance, was natürlich auch in der Natur der Sache liegt, weniger bekannt. Die Ausstellung im Deutschen Tanzarchiv Köln zeigt endlich die andere, die unbekannte Joséphine Baker. »62-95834 – Operation Joséphine – das FBI und Joséphine Baker« in der Reihe »Die Kleine Ausstellung im Tanzmuseum« ist im Deutschen Tanzarchiv Köln / SK Stiftung Kultur noch bis 27. August 2006 zu sehen, geöffnet täglich außer mittwochs von 14 bis 19 Uhr. ■ Ballett Intern 4/2006 3

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