Klima im Wandel

www.umweltinstitut.org

Klima im Wandel: Wie die globale Erwärmung unser Leben verändert

Nr. 72 September 2015

www.muenchner-stadtgespraeche.de

Münchner

Stadtgespräche

Ausgabe

Münchner

Klimaherbst

KLIMAPOLITIK

Kampf ums

Klima

MÜNCHEN

Stadt und

Klimawandel

GLETSCHERSTERBEN

Adieu, ihr

Gletscher

Klima im Wandel

Wie die globale Erwärmung unser Leben verändert


die seite zwei

aus dem referat für gesundheit und umwelt

Schnell und sicher ans Ziel:

Der interaktive Radroutenplaner für München

Erfolgreich Fahrt aufgenommen hat der MVV-Radroutenplaner. Nach einer Probephase

ist er jetzt mit zahlreichen Verbesserungen in den Regelbetrieb überführt worden.

Im April 2015 starteten das Referat für Gesundheit und Umwelt der

Landeshauptstadt München (RGU) und der Münchner Verkehrsund

Tarifverbund (MVV) den interaktiven Radroutenplaner, der auch

in die MVV-Fahrplanauskunft integriert ist.

Schon nach kurzer Zeit zeigt sich, dass er gut angenommen wird:

Über 1000 Nutzer am Tag rufen ihn derzeit am PC oder über die dazugehörige

App (Android und iOS) auf. Dabei wurden bislang über

400.000 Routenvorschläge berechnet und über eine Million Kilometer

an Radrouten ausgegeben. Vorausgesetzt, alle Strecken wurden tatsächlich

geradelt, konnten in den ersten zehn Wochen etwa 170 Tonnen

CO 2

eingespart werden. Besonders nachgefragt sind die Optionen

„schnellste Route“ und „grüne Route“. Bewährt hat sich auch das Angebot,

alle Radrouten jederzeit mit den Verkehrsmitteln im MVV verknüpfen

zu können.

Viele Nutzerinnen und Nutzer haben interessante und konstruktive

Rückmeldungen gegeben. Bisher konnten davon mehr als 100 ausgewertet

und viele in der Folge direkt umgesetzt werden. Der MVV-Radroutenplaner

für PC und App wurde außerdem erfolgreich von der Betaversion

in den Regelbetrieb überführt.

Zahlreiche Verbesserungen

Unter anderem wurden folgende Optimierungen vorgenommen:

• Bei der Auswahl „Grüne Routen“ werden Parks, Wälder und Grünanlagen

deutlich besser erkannt und in die Route integriert.

• Die Routenkennzeichnung erfolgt in einer transparenten Farbe,

sodass jetzt auch die Straßennamen lesbar bleiben.

• Unter der Rubrik „Zeige in Karte“ gibt es nun auch Routenvorschläge

für Berufspendlerinnen und -pendler im Grünen, die gemeinsam

von ADFC, der IHK und der Europäischen Metropolregion

München erarbeitet wurden („Grüne Routen RegioCity“).

• Den Nutzerinnen und Nutzern werden nicht nur die CO 2

-Einsparung,

sondern auch die – nach erfolgreicher Radtour – verbrauchten

Kalorien in Form von Schokoladenstückchen automatisch

angezeigt.

• Wie die MVV-Auskunft kann auch der MVV-Radroutenplaner auf

Wunsch die Schiffe der Bayerischen Seenschifffahrt am Ammersee

und am Starnberger See berücksichtigen. Dabei wird auch

angezeigt, ob eine Fahrradmitnahme möglich ist.

• Die Darstellung des Höhenprofils wurde optimiert.

Verbesserungsvorschläge können auch weiterhin von den Nutzerinnen

und Nutzern gemacht werden. Entstanden ist der MVV-Radroutenplaner

in den letzten drei Jahren mit Fördermitteln der EU im Rahmen des

Alpine-Space-Projektes PUMAS.

Im Internet finden Sie den interaktiven MVV-Radroutenplaner

unter www.mvv-muenchen.de/radroutenplaner sowie unter

www.muenchen.de/radroutenplaner.

TEXT

FOTO

Referat für Gesundheit und Umwelt (RGU), Münchner Verkehrsund

Tarifverbund (MVV)

www.mvv-muenchen.de/radroutenplaner


Münchner Stadtgespräche Nr. 72 09/2015

3

Editorial

Liebe Leserinnen und Leser,

seit den 1970er Jahren hat sich in Deutschland die Zahl extremer Stürme, von Starkregen und

anderen wetterbedingten Katastrophen mehr als verdreifacht. Mit markanten Hitzewellen starteten

wir ins neue Jahrtausend, schwere Stürme wie Lothar 1999, Kyrill im Jahr 2007 oder Xaver

in 2013 sind schon lange keine Ausnahmeerscheinungen mehr.

Das Klima wandelt sich – und wir werden uns daran gewöhnen müssen, wenn wir die globale Erwärmung

nicht stoppen. Denn der Klimawandel ist menschengemacht und nur wir selbst sind in

der Lage, ihn aufzuhalten. Kaum jemand setzt dabei noch auf die Wirkung der alljährlichen Klimakonferenzen,

die 20 Jahre lang nahezu ergebnislos geblieben sind.

Doch es gibt für uns durchaus Möglichkeiten, sich zu engagieren: Eine neue Protestbewegung

ist entstanden, die das Ende der fossilen Energiesysteme einfordert und dabei auch Aspekte der

Klimagerechtigkeit mit einschließt (siehe Artikel auf Seite 9). Die „Divestment“-Bewegung fordert

dazu auf, Investitionen aus klimaschädlichen Unternehmen abzuziehen (siehe Artikel auf Seite

22) und auch im Alltag können wir selbst aktiv zum Klimaschutz beitragen: beim täglichen Einkauf,

im Beruf oder direkt vor unserer Haustüre (siehe Artikel auf Seite 7). Wir haben Geschichten

gesammelt, die Mut machen – hoffentlich auch Ihnen.

Eine spannende Lektüre wünscht

Joy Mann

04

12

14

Inhalt

02

04

07

09

12

Schnell und sicher ans Ziel

Der interaktive Radroutenplaner für München

Kampf ums Klima

Warum die Klimapolitik regelmäßig den Kürzeren zieht

Jeden Tag das Klima schützen

Umweltpsychologin Katharina Beyerl im Interview

Stillstand der Diplomatie

20 Klimakonferenzen und kaum Fortschritte

Stadt und Klimawandel

Das kommt auf Großstädte wie München zu

14

16

18

20

22

Adieu, ihr Gletscher

Ein Schweizer Fotograf dokumentiert das Gletschersterben

Auf der Flucht

Wetterextreme vernichten viele Existenzen

Jährlich grüßt die Klimakonferenz

Über die Neuorientierung der Klimabewegung

Kein Klimaschutz ohne Agrarwende

Industrielle Landwirtschaft befeuert den Klimawandel

“Raus aus der Kohle!“

Ein Plädoyer für klimafreundliche Investitionen


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Umweltinstitut München e.V. 09/2015

Kampf

ums

Klima

Statt weiter auf Verzögerungstaktiken zu setzen, muss die Klimapolitik endlich die

wichtigsten Treiber der klimaschädlichen Emissionen in den Fokus nehmen: das ungebremste

Wirtschaftswachstum und die fossile Energieindustrie.

Sommer 2002 in Deutschland: Häuser stehen bis zum ersten

Stock unter Wasser, Straßen werden zu Flüssen und Felder

zu Seen, Boote zum städtischen Fortbewegungsmittel. Insgesamt

21 Menschen kommen zu Tode, zahlreiche weitere verlieren ihre

Existenzgrundlage. Viele Krankenhäuser müssen evakuiert werden und

historische Bauten wie die Semperoper und die Frauenkirche in Dresden

drohen, ernsthaften Schaden zu nehmen.

Die Elbeflut war eine „Jahrhundertflut“, der größte Einsatz in der

Geschichte des Technischen Hilfswerks. Und schon ein Jahrzehnt später,

im Jahr 2013, erlebte Deutschland die nächste Überschwemmung

mit ähnlichen Ausmaßen. Für viele Menschen wurde hier erstmals deutlich:

Existenzbedrohende Auswirkungen des Klimawandels sind auch in

Deutschland spürbar.

Extreme Wetterereignisse wie Hochwasser, Dürren und Wirbelstürme

haben als Folge des Klimawandels in vielen Regionen der Welt zugenommen

und werden in naher Zukunft wohl noch häufiger werden. Dabei

sind die Länder des Südens schon jetzt wesentlich stärker bedroht

als die Industrieländer, zumal hier die Ausgangsbedingungen meist viel

prekärer sind. Intensive Dürreperioden, die etwa in Ostafrika seit einigen

Jahren immer öfter auftreten, fordern Hunderttausende Tote durch

Unterernährung, bringen den Verlust der Lebensgrundlagen Landwirtschaft

und Viehzucht mit sich und treiben Menschen in die Flucht.

„Wie viele Konferenzen brauchen wir noch?“

Nicht umsonst erklärte auf der UN-Klimakonferenz in Warschau 2013

auch Naderev Sano, der Delegierte der Philippinen, er werde so lange

fasten, bis im Rahmen des Gipfels eine wirksame Vereinbarung für

globalen Klimaschutz erzielt worden sei. Kurz zuvor hatte der Taifun

„Haiyan“ in seiner Heimat riesige Zerstörung angerichtet, mindestens

6000 Menschen starben, Millionen haben alles verloren.

„Mein Land weigert sich hinzunehmen, dass eine 30. oder 40. Klimakonferenz

notwendig sein soll, um das Problem des Klimawandels zu

lösen“, sagte der philippinische Delegierte Sano vor zwei Jahren. Damit

sprach er an, was immer mehr Menschen frustriert, auch in den westlichen

Industrieländern: Seit 20 Jahren verhandeln die Regierungen auf

internationaler Ebene bei den jährlich stattfindenden UN-Klimakonferenzen,

doch wirksame Instrumente für den globalen Klimaschutz haben

sie bisher nicht beschlossen. Währenddessen steigen die globalen


Münchner Stadtgespräche Nr. 72 09/2015

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Treibhausgasemissionen weiter und es wird immer unwahrscheinlicher,

dass das Zwei-Grad-Ziel noch erreicht werden kann (siehe Artikel auf

Seite 9).

Auch der diesjährige G7-Gipfel in Elmau zeigte, dass die Politik häufig

mehr um wirkungsvolle Öffentlichkeitsarbeit als um Ergebnisse bemüht

ist: „Klimakanzlerin“ Angela Merkel und ihre Gäste aus den übrigen

G7-Ländern unterlegten das große Wort „Dekarbonisierung“ mit

schönen Bildern von Staatschefs vor Alpenkulisse – mit Erfolg: Die

Presse und auch einige Nichtregierungsorganisationen bejubelten die

G7-Beschlüsse zum Klimaschutz

als bahnbrechend.

Die Gruppe der

Sieben sprach sich für

eine „Dekarbonisierung“

der globalen Wirtschaft

bis zum Ende des Jahrhunderts

aus. Gleichzeitig

vereinbarten sie, die

weltweiten Treibhausgasemissionen

bis 2050 um 40 bis 70 Prozent im Vergleich zu 2010 zu

reduzieren. Das Zwei-Grad-Ziel wurde als Zielvorgabe der Klimapolitik

anerkannt.

Doch die Wahrheit über diese Ziele ist: Weder sind sie wirklich ambitioniert,

noch gehen sie über eine reine Absichtserklärung hinaus. Schon

2009 erklärten die G8, damals noch mit Russland, dass sie das Zwei-

Grad-Ziel anerkennen. Dieses ist auch seit der UN-Klimakonferenz in

Cancún 2010 offiziell Grundlage der internationalen Klimaverhandlungen.

Ebenfalls 2009 versprachen die acht Wirtschaftsmächte bereits,

sich dafür stark zu machen, die globalen Treibhausgasemissionen

bis 2050 um 50 Prozent oder mehr zu reduzieren.

Im Klartext: Die beschlossenen Klimaziele haben sich im Vergleich

zu den vergangenen Jahren nicht entscheidend geändert. Zudem

nützen alle hehren Ziele nichts, wenn die notwendigen politischen

Maßnahmen weder auf nationaler noch auf internationaler Ebene beschlossen

werden. Genau das zeigt aber die Gipfel-Geschichte: Den Ankündigungen

folgten keine Taten.

Wolf im Schafspelz

Die wichtigste Zielvorgabe fehlt zudem im G7-Beschluss: eine Mengenbegrenzung

der fossilen Energien, die in den nächsten Jahrzehnten

noch verbraucht werden dürfen. Denn nach wissenschaftlichen Erkenntnissen

müssen vier Fünftel der fossilen Energiereserven in der

Erde bleiben, um katastrophale Auswirkungen des Klimawandels zu

verhindern. Bisher fehlt jedoch der politische Wille, diese Prämisse für

das Erreichen der Klimaziele in konkrete Maßnahmen umzusetzen. Ein

Beispiel ist das Herumlavieren der deutschen Regierung um den dringend

notwendigen Ausstieg aus der Kohlekraft.

Das Ziel der „Dekarbonisierung“ entpuppt sich als Wolf im Schafspelz:

Einerseits geben die langfristigen Klimaziele bereits vor, dass die globale

Weltwirtschaft bis zum Ende des Jahrhunderts „dekarbonisiert“,

also sehr kohlenstoffarm werden muss. Gleichzeitig ist „Dekarbonisierung“

aber ein dehnbarer Begriff, der – mit Sicherheit nicht zufällig –

viel Raum für Interpretationen lässt.

So wird dieser zwar meist mit der notwendigen vollständigen Abkehr

von Kohlenwasserstoffen, also den fossilen Energieträgern Kohle,

Öl und Gas, gleichgesetzt. Doch andere mögliche Deutungen schließen

den Einsatz höchst umstrittener Techniken wie CCS (Carbon Capture

and Storage), die Abscheidung und unterirdische Speicherung von

CO 2

und großtechnische Manipulationen der Stoffkreisläufe der Erde

(Geoengineering) mit ein.

Das größte Dilemma der Klimapolitik liegt

darin, dass sie mit politischen Zielen und

wirtschaftlichen Interessen konkurriert –

und dabei regelmäßig den Kürzeren zieht.

Beiden Techniken sind zwei

fatale Eigenschaften gemeinsam.

Zum einen sind ihre

langfristigen Auswirkungen

auf die Umwelt aufgrund erheblicher

Wissensdefizite

kaum abschätzbar, potenziell

jedoch mit großen Risiken

verbunden. Und zum anderen werden sie vor allem mit der Motivation

diskutiert, Maßnahmen zur tatsächlichen Minderung der Treibhausgasemissionen

zu vernachlässigen.

Denn, so die Hoffnung, indem man ihre Klimaauswirkungen mit

technischen Lösungen neutralisiert, kann es mit der Verbrennung von

Öl, Kohle und Gas immer weitergehen. Daher werden diese Instrumente,

ähnlich wie die Atomkraft als angeblicher Klimaretter, auch stark

von der industriellen Lobby propagiert. Diese hat kein Interesse daran,

etwas an ihrer Wirtschaftsweise zu verändern.

Wirtschaftswachstum vs. Klimaschutz

Das wohl größte Dilemma der Klimapolitik liegt daher darin, dass sie mit

anderen politischen Zielen und wirtschaftlichen Interessen konkurriert –

und dabei regelmäßig den Kürzeren zieht. So bekräftigten auch die G7

wie in all den Jahren zuvor die Relevanz der Handelsliberalisierung. Bei

Freihandelsabkommen wie TTIP und Co. machen die Regierungschefs

Druck, um möglichst schnell zu Ergebnissen zu kommen.

Schon seit den 1990er Jahren laufen die Klimaschutzbemühungen

parallel zu einem zunehmenden Ausbau des internationalen Warenverkehrs.

So trat zwei Jahre nach der Unterzeichnung der UN-Rahmenkonvention

über den Klimawandel 1992 auch das nordamerikanische

Freihandelsabkommen NAFTA in Kraft und die Welthandelsorganisation

wurde gegründet.

Interessant ist dabei, dass beide Prozesse völlig isoliert voneinander vorangetrieben

werden, ohne die offensichtlichen Wechselwirkungen zu

thematisieren. Denn die Liberalisierung des Handels dient dem globalen

Wirtschaftswachstum. Dieses wiederum ist aber der Haupttreiber

des kontinuierlichen Anstiegs der Treibhausgasemissionen. Die Förderung

von Wachstum und wirksamer Klimaschutz schließen sich daher

aus. Handelsliberalisierung bedeutet zudem immer auch erhöhter Wettbewerbsdruck

und damit einhergehend eine Zentralisierung und Indus-


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Umweltinstitut München e.V. 09/2015

trialisierung der Strukturen, wie etwa in der Landwirtschaft – mit den

entsprechenden Auswirkungen auf Umwelt und Klima (mehr im Artikel

auf Seite 20).

Es wäre dringend notwendig, diese massive Inkohärenz zu problematisieren,

die in der internationalen wie in der nationalen Politik besteht.

Mächtige Interessensgruppen wissen dies jedoch bislang zu verhindern.

Dazu gehören zum Beispiel jene 90 Unternehmen, die für zwei Drittel

der seit Beginn der Industrialisierung ausgestoßenen Emissionen verantwortlich

sind. Viele dieser Konzerne, hauptsächlich aus der Öl- und

Gasindustrie, nehmen starken Einfl uss auf die Politik und mittels gezielter

PR-Kampagnen auch auf die öffentliche Wahrnehmung.

Die US-amerikanische Vereinigung kritischer WissenschaftlerInnen

(Union of Concerned Scientists) hat dazu in diesem Jahr einen ausführlichen

Bericht auf Basis von internen Unternehmensdokumenten

veröffentlicht: Die Belege zeigen, wie Energiekonzerne und Industrieverbände

manipulierte Studien fi nanzierten, falsche Bürgerinitiativen

gründeten oder gefälschte Briefe im Namen von Umweltorganisationen

an den US-Kongress sandten, um eine Einschränkung der Emissionen

aus fossilen Energien zu verhindern.

Wandel „von unten“

Doch die Hinhaltetaktik von Politik und Unternehmen bleibt nicht unbemerkt.

Immer mehr BürgerInnen auf der ganzen Welt verlassen sich

nicht länger auf „die da oben“ und nehmen den Wandel selbst in die

Hand. Sie protestieren gegen aufwändige Energieprojekte, die die lokale

Natur zerstören und das fossile Energiesystem auf Jahrzehnte hinaus

zementieren. Sie investieren in erneuerbare Energien und setzen

sich für „Divestment“, also das Abziehen von Geldern aus klimaschädlichen

Unternehmen, ein (siehe auch Seite 22). Und sie diskutieren über

ganzheitliche Konzepte zur Lösung der Klimakrise, die auf einer anderen,

wirklich nachhaltigen Gestaltung der Wirtschaft aufbauen. Denn

frei nach Albert Einstein sind sie der Ansicht: „Probleme kann man niemals

mit der gleichen Denkweise lösen, durch die sie entstanden sind.“

Es ist an der Zeit, dass diese Einsicht auch auf der politischen Ebene

ankommt. Nötig ist zum einen der Realismus, dass eine so radikale

Senkung der Emissionen, wie sie bereits bis Mitte des Jahrhunderts

notwendig ist, trotz erhöhter Energieeffi zienz nicht mit kontinuierlichem

Wirtschaftswachstum vereinbar ist. Zum anderen ist der Mut gefragt,

schon heute das Ende der Nutzung fossiler Energien und damit eine

konsequente Energiewende zu planen.

TEXT

FOTOS

Franziska Buch

Fotolia

Extreme Wetterereignisse wie Hochwasser, Dürren und Wirbelstürme haben als Folge des Klimawandels in vielen Regionen

der Welt zugenommen. Mit den „Jahrhundertfluten“ 2002 und 2013 wurde erstmals deutlich: Existenzbedrohende Auswirkungen

sind auch in Deutschland spürbar.


Münchner Stadtgespräche Nr. 72 09/2015

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Jeden Tag das Klima schützen

Alle wollen das Klima retten – aber keiner tut es. Psychologin Katharina Beyerl

erklärt im Interview, was uns davon abhält und wie wir unser Verhalten im Alltag

ändern können.

Frau Beyerl, der Klimawandel wird weltweit

als eine der größten Bedrohungen

wahrgenommen. Trotz dieses Bewusstseins

scheinen die Bemühungen um den

Klimaschutz zu stagnieren. Wie ist das zu

erklären?

Die globale Weltgemeinschaft erkennt und

versteht das Problem des Klimawandels mit

seinen schwerwiegenden Folgen immer besser.

Ich sehe in vielen Bereichen, dass die Bemühungen

um den Klimaschutz zunehmen.

Allerdings sind diese bei Weitem noch nicht

ausreichend, um ein 2-Grad-Ziel auch nur annähernd

zu erreichen.

Aktive Bemühungen zum Klimaschutz finden

nicht nur auf internationaler oder nationaler

Ebene statt, sondern auch regional, kommunal

und individuell. Jedoch sind diese in den

Medien und der allgemeinen Aufmerksamkeit

oft weniger präsent als andere aktuelle Themen

wie zum Beispiel die Wirtschaftskrise, internationale

Konflikte, Fußballevents und die

Welt der Stars und Sternchen. Wir haben im

Alltag viele Dinge, die uns beschäftigen, und

wir lenken uns auch gerne ab.

Politik und Wirtschaft versuchen, bei der Umstellung

der Energieversorgung auf nicht-fossile

Brennstoffe gleichzeitig das Wirtschaftswachstum

beizubehalten. Umstellung und

Verhandlungen brauchen jedoch Zeit. Damit

die Menge der Treibhausgase in der Atmosphäre

in dieser Zeit jedoch weniger drastisch

zunimmt, ist auch das tägliche Verhalten jedes

Einzelnen wichtig, denn alle Emissionen zählen.

Welche Faktoren haben Einfluss auf unser

Verhalten?

Lange war Umweltbewusstsein ein großes

Thema und wie man Verständnis für die Problematik

des Klimawandels schaffen kann. Jedoch

ist das nur ein relevanter Faktor. Selbst

wenn man den Klimawandel als Problem erkannt

hat und sehr umweltbewusst eingestellt

ist, heißt das nicht unbedingt, dass man sich

auch immer klimaschützend verhält.

Neben unseren Einstellungen, Werten und

persönlichen Normen spielen auch unser Lebensstil,

unsere Gewohnheiten und das Vorhandensein

nachhaltiger Verhaltensangebote

eine wichtige Rolle.

Damit klimaschützende Verhaltensangebote

für die Bevölkerung geschaffen werden können,

muss das Problem jedoch erst einmal

auch jenen bewusst werden, die in Politik und

Wirtschaft entsprechende Entscheidungen

treffen. Sonst werden nachhaltige Alternativen

gar nicht erst in Erwägung gezogen.

Weshalb bleibt der Klimawandel für viele

Menschen so abstrakt, obwohl die Auswirkungen

schon konkret spürbar sind?

Ursache und Wirkung sind beim Klimawandel

für uns Menschen nicht so offensichtlich.

Dass die Emission von Treibhausgasen durch

unsere tägliche Energienutzung die Ursache

für die globale Erwärmung und Versauerung

der Ozeane sind, können wir rein intellektuell

zwar verstehen, jedoch spüren wir das im Alltag

so kaum.

Erschwerend kommt hinzu, dass die Folgen

zeitlich verzögert eintreten und wir, überspitzt

gesagt, nicht für jedes Kohlekraftwerk direkt

einen Hurrikan oder eine Dürreperiode ernten.

Und nicht zuletzt sind es Millionen Menschen,

die mit vielen einzelnen Handlungen jeden Tag


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Umweltinstitut München e.V. 09/2015

durch ihren Konsum, durch Autofahrten und

Flüge oder durch das Steak aus Argentinien

auf dem Teller bewusst oder unbewusst zum

Klimawandel beitragen.

Wir merken zwar, dass Hitzewellen häufi ger

und intensiver sind als früher, dass sich Jahreszeiten

verschieben, sich Niederschlagsmengen

oder auch Extremwetterereignisse

ändern. Jedoch ist es schwer für uns zu unterscheiden,

was normale Schwankungen des

Wetters sind und was langfristiger, globaler

Klimawandel. Der Umgang mit Veränderungen

und Wetterextremen setzt zudem auch nicht

unbedingt an der Ursache des Problems an,

sondern trägt teilweise sogar dazu bei, wie

etwa das Anschalten von Klimaanlagen während

einer Hitzewelle zeigt.

Nur wenige Menschen verhalten sich

konsequent umweltbewusst. Was könnte

uns motivieren, unser eigenes Verhalten

nachhaltig zu ändern?

Sich konsequent umweltbewusst zu verhalten

ist in einer modernen Gesellschaft nicht immer

einfach, da wir in vielen Bereichen auf die Infrastruktur

angewiesen sind, die wir nutzen.

Das betrifft die Energieversorgung in Gebäuden,

die Mobilität oder den Konsum von Lebensmitteln

und Waren des täglichen Bedarfs,

die alle mit einem gewissen Aufwand an Energie

produziert wurden und oft lange Transportwege

hinter sich haben. Globale Produktionsketten

sind komplex und die Wirkungen

unserer Konsumentscheidungen schwer für

den Einzelnen nachvollziehbar.

Wie gesagt, es gibt viele Faktoren, die unser

Verhalten beeinfl ussen, darunter Gewohnheiten,

Einstellungen, Werte, unser soziales

Umfeld und Vorbilder, aber auch die objektiven

Möglichkeiten, sich klimaschützend zu verhalten.

Im Alltag stoßen die individuellen Möglichkeiten

aber oft an Grenzen, denn es ist kaum

möglich, bei jedem Schritt die eigene CO 2

-Bilanz

zu beachten.

Deshalb sehe ich auch Politik und Wirtschaft

in der Verantwortung, nachhaltige und attraktive

Verhaltensangebote zu fördern, so dass

Klimaschutz für den Einzelnen zum Standard

wird, ohne viel nachdenken zu müssen.

Gleichzeitig ist eine Vorbildwirkung bekannter

und akzeptierter Persönlichkeiten und Institutionen

relevant. Wenn alle öffentlichen Einrichtungen

auf Ökostrom umsteigen würden,

Elektroautos anschaffen, in den Kantinen zunehmend

regionale und ökologische Zutaten

nutzen oder mehr vegetarische Gerichte anbieten

würden, wäre das schon ein Zeichen.

Auch die Medien spielen eine wichtige Rolle,

denn wenn sie nachhaltige Lebensstile als

hip, modern, erstrebenswert und machbar

darstellen, kann das soziale Normen schaffen.

Wirkliche Transformation braucht mehrere

Ansatzpunkte.

Was raten Sie Menschen, die sich für den

Klimaschutz engagieren möchten, aber

nicht wissen, wo sie anfangen sollen?

Selbst aktiv zum Klimaschutz beitragen kann

man in unterschiedlichen Bereichen, privat im

Haushalt und beim täglichen Einkauf, im Beruf,

vor Ort in der Kommune bis hin zu politischem

Engagement.

Es ist sinnvoll, die eigenen Konsumentscheidungen

zu überdenken, denn so kann jeder

seinen ökologischen Fußabdruck reduzieren

und gleichzeitig auch eine gewisse Nachfrage

an den Markt und die Politik stellen. Das

beginnt beim Stromanbieter, den man schnell

und unkompliziert wechseln kann, oder bei

täglichen Entscheidungen der Verkehrsmittelwahl,

und betrifft ebenso unsere Einkaufsund

Essgewohnheiten. Man kann sich fragen,

ob es wirklich ein großes Geländeauto

sein muss oder ob ein Elektroauto nicht sogar

schicker und moderner ist.

Katharina Beyerl ist Psychologin mit Arbeitsschwerpunkt

Umweltpsychologie. Sie

arbeitet seit 2012 am Institute for Advanced

Sustainability Studies (IASS) in Potsdam.

Katharina Beyerl beschäftigt sich mit

Fragen der Wahrnehmung von Umweltveränderungen

und des Klimawandels sowie

mit der Motivation von Menschen, auf globalen

Wandel zu reagieren.

Regionale, saisonale und nachhaltig produzierte

Produkte schmecken oft besser und haben

zudem keine langen Transportwege hinter

sich. Nicht jeden Tag Fleisch zu essen hilft

auch schon. Ebenso kann man Stromfresser

im Haushalt identifi zieren und reduzieren,

schaltbare Steckerleisten nutzen, Standby vermeiden

und einer Energiegenossenschaft beitreten.

Hausbesitzer können das eigene Haus energetisch

sanieren und eigenen Strom produzieren.

Informationsangebote von Verbraucherzentralen

helfen zum Beispiel bei

Haushaltsentscheidungen weiter. Auch zertifi

ziert nachhaltige Geldanlagen können dazu

beitragen, Wandel zur Nachhaltigkeit zu unterstützen.

Zudem ist es möglich, sich am Arbeitsplatz, in

der Nachbarschaft oder auch politisch zu engagieren.

Wer Wege sucht, wird auch Ansatzpunkte

fi nden. Erreichbare, klare Ziele helfen

bei der Umsetzung.

Herzlichen Dank für das Gespräch!

INTERVIEW

FOTOS

Zur Person

Joy Mann, Franziska Buch

Pixelio / Rainer Sturm

Katharina Beyerl


Münchner Stadtgespräche Nr. 72 09/2015

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Stillstand der Diplomatie

Auch nach 20 Klimakonferenzen zeigen sich bei den internationalen Verhandlungen

kaum Fortschritte. Unterdessen schreitet der Klimawandel weiter voran. Was muss

noch geschehen, damit endlich etwas passiert?

Nach dem Ende des Ost-West-Konfliktes waren die Hoffnungen

groß, dass sich die Weltkonferenzen der Vereinten Nationen

in den 1990er Jahren den dringenden sozialen und ökologischen

Problemen zuwenden und neue Lösungswege vor allem für die

grenzüberschreitenden Probleme erarbeiten würden.

Dazu gehört auch der Klimawandel, dem durch staatliche Verhandlungen

sowie den Dialog unter staatlichen, privatwirtschaftlichen und

nicht-staatlichen Akteuren Einhalt geboten werden sollte. Doch nach

20-jährigen Verhandlungen – die erste UN-Klimakonferenz (COP I)

tagte 1995 in Berlin – gleichen die Konferenzergebnisse einem Scherbenhaufen.

Derweil erhitzt sich die Erde weiter. Die mittlere globale Oberflächentemperatur

ist seit Ende des 19. Jahrhunderts um knapp 0,9 °C angestiegen.

Der Ausstoß an Treibhausgasen hat von rund 23 Milliarden

Tonnen im Jahr 1995 auf gigantische 32,8 Milliarden im Jahr 2013 zugenommen,

eine Trendwende ist nicht in Sicht. Warum lässt die Klimawende

auf sich warten? Und warum wird auch das Dokument, das

bei der 21. Klimakonferenz in Paris verabschiedet wird, aller Wahrscheinlichkeit

nach so flexibel gestaltet, dass eine globale Reduktion

der Treibhausgase nicht gelingen kann? Vor allem ein interner, die Logik

der Klimaverhandlungen selbst betreffender, und ein externer, die

politisch-ökonomische Logik betreffender Grund können dafür angeführt

werden.

Das eigentliche Problem bleibt unberührt

Die Erfolglosigkeit der internationalen Klimapolitik lässt sich damit erklären,

dass die Verhandlungen nie zum Problemkern – dem nuklear-fossilen

Energie- und Wirtschaftssystem – vordringen konnten und

die marktwirtschaftlichen Instrumente, mit denen dem Klimawandel begegnet

werden soll, diesen Kern gar nicht berühren.

Der Klimawandel wird nicht als zentrales Problem einer ressourcenintensiven

Produktions- und Konsumweise angegangen, die durch

die Verbrennung fossiler Energien erst möglich wird. Insbesondere die


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Umweltinstitut München e.V. 09/2015

zerstörerische Kraft von Kohle, Gas und Öl bleibt jenseits des Horizonts

der internationalen Klimapolitik. Vielmehr wird die Reduktion von Emissionen

als Ziel des Klimaschutzes zum zentralen Ansatzpunkt erklärt.

Profitstreben statt Vermeidung

Damit ist allerdings nicht nur oder nur am Rande die Vermeidung der

Emissionen gemeint, vielmehr geht es lediglich um den Umgang mit ihnen

und ihren Auswirkungen. Klimaschutz wird so zum umfassenden

Modernisierungsprojekt, das statt auf die Verminderung von CO 2

-Emissionen

auf den Emissionshandel, die Verpressung der schädlichen

Emissionen in die Erdkruste, Projekte zum Klimaschutz oder den Anbau

von Wald-Monokulturen abzielt. Weitergehende Vorschläge umfassen

gar die Düngung der Weltmeere zur verbesserten Aufnahme von

Emissionen oder Sonnenschilde im Weltraum, die die Sonneneinstrahlung

verringern sollen.

Gemeinsam ist diesen Projekten der Grundgedanke, dass Emissionen

real oder zumindest rechnerisch neutralisiert werden können. So

wird nicht nur die eigentlich angestrebte Verminderung der Emissionen

umgangen, vielmehr wird aus dieser Strategie auch noch ein profitables

Geschäftsmodell. Den Maßnahmen, die hier ansetzen, kann auch von

den starken staatlichen wie privatwirtschaftlichen Akteuren zugestimmt

werden, die eine internationale Besteuerung der fossilen Energien oder

gar eine Abkehr von diesen Energieträgern strikt ablehnen.

Die Widersprüchlichkeit, die sich zwischen den erkannten Notwendigkeiten

auf der einen und den Handlungsansätzen auf der anderen Seite

ergeben, wurde jüngst auch beim G7-Gipfel auf Schloss Elmau deutlich.

Dort formulierte Bundeskanzlerin Merkel mit einigem medialen

Erfolg die Dekarbonisierung als politisches Ziel. Auf nationaler Ebene

aber musste Wirtschaftsminister Sigmar Gabriel seine geplante Kohle-Abgabe

aufgrund der erheblichen Widerstände aus der Energiewirtschaft

aufgeben. Damit sind wir beim zweiten, externen Grund: Rund

um den Globus zeigt sich, dass sich erhebliche Widerstände innerhalb

der Regierungen in den Industrie- wie in den Schwellenländern regen,

wenn es um anspruchsvolle und weitreichende Reduktionsziele geht.

Dagegen sprechen staatliche wie wirtschaftliche Interessen, die sich an

ökonomischer Prosperität und Wachstum orientieren. Deshalb wird das

weltweite Angebot an fossilen Energien mit hoher Wahrscheinlichkeit

noch bis 2040 kontinuierlich ansteigen.

Die Prognosen, die der World Energy Outlook 2014 präsentierte, sind

klimapolitisch jedenfalls mehr als alarmierend. Sowohl der Gas- als

auch der Kohle- und Ölverbrauch wird steigen. Eine große Bedeutung

kommt der unkonventionellen Gas- und Ölförderung (Fracking) zu. Der

Anteil der neuen erneuerbaren Energien (Geothermie, Solar-, Wind- und

Meeresenergie) an der Primär-Energieversorgung beläuft sich heute auf

rund ein Prozent. Dieser Anteil wird nur langsam ansteigen.

Trendwende muss erst durchgesetzt werden

Diese Entwicklungen und ihre Auswirkungen werden bei den jährlichen

Klimaverhandlungen nicht thematisiert. Sie verdeutlichen aber, dass

eine Trendwende in der auf fossilen Energieträgern basierenden Energiewirtschaft

erst noch – und zwar gegen machtvolle Interessen – angestoßen

und durchgesetzt werden muss.

Ökonomische Prozesse der Inwertsetzung der Natur, freier Warenhandel,

Wachstum und Lebensstil- bzw. Konsumfragen sind nach

wie vor wirkmächtig. Zudem bringt das beachtliche Wirtschaftswachstum

in den BRIC-Staaten Brasilien, Russland, Indien und China neue

Während der Klimakonferenz 2007 in Bali und dem G8-Gipfel in Heiligendamm ist eine eher konferenzkritische neue Protestbewegung

entstanden.


Münchner Stadtgespräche Nr. 72 09/2015

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Konkurrenten auf dem Weltmarkt hervor, deren steigender Verbrauch

an fossilen Energieträgern ganz wesentlich zum globalen Anstieg an

Treibhausgasen beiträgt.

Weder die Schwellenländer noch die Industrieländer übernehmen –

jenseits regelmäßiger internationaler Symbolpolitik – eine Vorreiterrolle.

Im Gegenteil: Lange Jahre waren die USA mit ihrer ablehnenden Haltung

gegenüber der internationalen Klimapolitik isoliert. Im Dezember

2011 gab aber auch Kanada seinen Ausstieg aus dem völkerrechtlich

verbindlichen Kyoto-Protokoll bekannt, und auch Russland, Neuseeland

und Japan haben sich später verabschiedet. Damit ist die absurde Situation

eingetreten, dass die Länder, die dem Kyoto-Protokoll noch die

Treue halten, lediglich 15 Prozent der globalen Emissionen auf sich vereinigen.

Vor diesem Hintergrund wird verständlich, warum die Rede vom

Scheitern der Klimaverhandlungen durchaus seine Berechtigung hat.

Dabei war der Weg in die Erfolglosigkeit keinesfalls vorgezeichnet. Zu

Beginn der klimapolitischen Debatte in den 1980er/1990er Jahren

wurden grundsätzliche gesellschaftliche Probleme thematisiert, die in

den Klimawandel eingeschrieben sind.

Diese Diskussionen bewegten sich um Fragen der Klimagerechtigkeit

zwischen Nord und Süd, um die weltweite Gleichverteilung der

Pro-Kopf-Emissionen, um den Zusammenhang von Armut, Reichtum

und Umweltzerstörung, um den schnellen Ausbau der erneuerbaren

Energien oder um die Frage der historischen Verantwortung für den Klimawandel

und den Konsequenzen daraus. Diese umfassenderen Ansätze,

die vor allem von zivilgesellschaftlichen Akteuren vorgetragen wurden,

entwickelten jedoch keine Deutungs- und Durchsetzungsmacht.

Konferenzkritische Initiativen begleiten die

Verhandlungen

Aber auch im zivilgesellschaftlichen Feld lassen sich Veränderungen

beobachten. Während der Klimakonferenz 2007 in Bali und dem

G8-Gipfel im gleichen Jahr in Heiligendamm ist eine eher konferenzkritische

neue Protestbewegung entstanden, die 2009 in Kopenhagen zur

breiten Gegendemonstration aufrief. Mit dem transnationalen Netzwerk

für Klimagerechtigkeit oder der Klimainitiative 350.org, beide mit hunderten,

wenn nicht tausenden von NGOs und Graswurzelbewegungen,

ist eine gewisse Konkurrenz zum Climate Action Network (CAN) entstanden,

das die Konferenzen von den ersten Verhandlungen an begleitete.

Durch die neuen Akteure und ihre Netze werden wieder die ehemaligen

Perspektiven auf den Klimawandel entwickelt, die Aspekte von

Demokratie, das Ende des fossilen Energiesystems, Gerechtigkeit und

neue Lebensstilformen umfassen. Doch die magnetische Anziehungskraft

der internationalen UN-Klimakonferenzen ist groß, sodass Konferenz-NGOs

und Protest-Bewegungen zum Gipfel 2015 in Paris aufeinander

zugehen.

Gleichzeitig finden im Zuge der Energiewende „Energiekämpfe“

von Umweltorganisationen, sozialen Bewegungen und engagierten BürgerInnen

statt; zum Beispiel in den vom Braunkohletagebau bedrohten

Dörfern in der Lausitz, in Klimacamps oder den Kommunen, die

ihre nachhaltige Energieversorgung in die eigene Hand nehmen wollen.

Auch die umweltpolitischen Kampagnen gegen die Gas- und Ölförderung

in der Arktis oder gegen den Trassenbau für Stromleitungen, gegen

die partielle Nutzung von Naturschutzgebieten für Windkraftparks

oder gegen andere energiepolitische Maßnahmen sind Teil dieser Auseinandersetzungen.

Die internationalen Klimaverhandlungen der UN haben längst den Anschluss

an diese wichtigen gesellschaftlichen Auseinandersetzungen

verloren; sofern sie aufgrund ihrer marktwirtschaftlichen Orientierung

überhaupt ein Gespür für die Bedeutung solcher gesellschaftlichen Prozesse

hatte. Viele dieser Initiativen zeigen die Erfordernisse einer weitreichenden

Transformation zur Nachhaltigkeit an – aber auch die Hürden

und Widerstände, die dafür noch überwunden werden müssen.

TEXT

FOTOS

Dr. Achim Brunnengräber

Fotolia

350.org

www.globalpolicy.org

Zur Person

Dr. Achim Brunnengräber ist Privatdozent am Fachbereich Politik- und Sozialwissenschaften

der FU Berlin. Er leitet am Forschungszentrum für Umweltpolitik (FFU) ein Projekt

zu gesellschaftlichen Problemen bei der Endlagerung radioaktiver Abfälle. Er hat

Forschungsprojekte zum Klimawandel und zur Klimapolitik, zu NGOs und sozialen Bewegungen

sowie zu Fragen globaler Demokratie durchgeführt.

Im Jahr 2000 promovierte Brunnengräber zur Einflussnahme von NGOs und ihrer transnationalen

Netze auf die internationale Klimapolitik. Im Jahr 2007 legte er seine Habilitationsschrift

zur „Politischen Ökonomie des Klimas“ vor. Er hat an der Pädagogischen

Hochschule in Heidelberg (Lehramt), der FU Berlin (Diplom-Politologie) und der Universität

Bremen (Diplom Entwicklungspolitik) studiert.


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Umweltinstitut München e.V. 09/2015

Großstadt in Zeiten des

Klimawandels

Wer früher zum Sonnenbaden in den Süden gefahren ist, kann sich den Weg wohl in Zukunft

sparen: Neuesten Studien zufolge könnte München bis 2050 ein Klima haben wie heute Verona,

Nürnberg muss sich gar auf Temperaturen wie in Tunesiens Hauptstadt Tunis einstellen. Doch

welche Risiken drohen einer Großstadt wie München mit der Klimaerwärmung? Und wie können

wir uns dagegen rüsten?

Die Bilanzen des Deutschen Wetterdienstes

(DWD) zeigen es eindeutig:

Heftige Hitzeperioden wie in den letzten

Sommern werden wohl in Zukunft zur Normalität

gehören. Deshalb steigen der Bewässerungsbedarf

und die Stromnachfrage, denn

viel Energie wird in die weniger umweltschonenden

Kühlungen fließen.

Extreme Hitze führt außerdem zu erheblichen

gesundheitlichen Problemen. Nicht nur

werden hitzebedingte Krankheiten wie Kreislaufprobleme

häufiger auftreten. Hiervon sind

besonders Kinder und alte Menschen betroffen.

Auch allergene Pflanzen gewinnen an Boden,

exotische Mücken wie die Malaria übertragende

asiatische Tigermücke breiten sich

aus und wir müssen mit einer erhöhten Pollenbelastung

rechnen. Außerdem ist während

der Hitzewellen die Feinstaub- und Ozonbelastung

höher.

Auch das Niederschlagsmuster wird sich ändern.

Im Sommer gibt es weniger Regen, im

Winter dafür umso mehr. Trotzdem wird es

deutlich weniger schneien. Zusätzlich kann es

häufiger zu starken Stürmen oder sogenannten

„Starkregen-Ereignissen“ kommen, wie

uns zahlreiche Sturmtiefs wie Niklas, Elon und

Felix zum Jahresbeginn schon ankündigten.

Städte wie München trifft der

Klimawandel besonders

München ist eine der am dichtesten besiedelten

Großstädte Deutschlands, und das bei relativ

kleiner Stadtfläche. Die Temperaturen

in der Stadt liegen im Durchschnitt zwei bis

drei Grad höher als im Umland, nachts sogar

manchmal um zehn Grad.

Dieser sogenannte Wärmeinsel-Effekt

liegt vor allem an der dichten Bebauung und

dem hohen Versiegelungsgrad der Stadt. Seine

Intensität nimmt mit steigender Einwohnerzahl

zu – und hier liegt das Problem, denn der

Zuzug nach München ist enorm. Schon jetzt

herrscht Wohnungsmangel und eine Nachverdichtung

ist unumgänglich. Damit wächst

auch der Druck auf die Freiflächen. Die Krux:

Eine der wichtigsten Maßnahmen ist gerade

die Entsiegelung, also die Entwicklung von

Freiflächen. Was also tun?

Die Städte sind für einen Großteil der Treibhausgase

verantwortlich. Oberstes Gebot ist

es, diese zu reduzieren. Die energetische Sanierung

alter Gebäude ist wichtig, denn der

Energieverbrauch hier ist enorm. Er verursacht

fast die Hälfte des gesamten CO 2

-Ausstoßes.

Neubauten müssen den Anforderungen

des Klimaschutzes folgen. Und sie können

nicht nur durch Dämmung oder Sonnenschutz

vor dem sommerlichen Aufheizen schützen.

Genauso wichtig ist der Schutz vor extremen

Wetterereignissen wie Hagel, Sturm

oder Starkniederschlag. Darüber hinaus muss

ein Wandel in der Energieversorgung stattfinden,

möglich wäre dieser durch den Ausbau

der regenerativen Energiequellen. Die Stadtwerke

nutzen bereits die umweltschonende

Kraft-Wärme-Kopplung: Wärme, die bei der

Stromerzeugung entsteht, wird ins Fernwärmenetz

der Stadt eingespeist.

Das Modellprojekt „Solare Nahwärme Ackermannbogen“

ist hier ein gutes Beispiel für

die klimafreundliche Planung von Siedlungen.

Großflächig auf Dächern angebrachte Son-


Münchner Stadtgespräche Nr. 72 09/2015

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nenkollektoren erwärmen den Wasserspeicher

im Sommer auf etwa 90 Grad, dem bis in

den Januar hinein Wärme entnommen werden

kann. Ein Problem: Einer der wichtigsten Träger

der erneuerbaren Energien in Bayern ist

die Wasserkraft. Das verfügbare Wasserangebot

wird sich jedoch als Folge des Klimawandels

reduzieren, was bedeutet, dass die Wasserkraftproduktion

verringert wird.

Frischluftschneisen müssen

offen bleiben

Beim Bau von Gebäuden oder Siedlungsentwicklungen

kommt es außerdem auf weitere

entscheidende Details an. Hierzu hat das

Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumforschung

einen ausführlichen Ergebnisbericht

über Strategien und Maßnahmen erstellt. Mittlerweile

können klimatische Veränderungen mit

Hilfe von Klimamodellen wie etwa der DWD-Klimasimulation

INKAS gut simuliert und so praktische

Hinweise für die Stadtplanung abgeleitet

werden. Aber auch private Eigentümer müssen

beraten und finanziell gefördert werden. Denn

die Stadt kann natürlich nur auf dem eigenen

Grund die Bebauung bestimmen. Primär gilt:

nichts in die Frischluftschneisen bauen.

In München sorgt das „Alpine Pumpen“ für die

Durchlüftung: Tagsüber strömt heiße Luft aus

der Stadt in Richtung Alpen und kühlt dort ab.

Nachts wird kalte Luft in umgekehrter Richtung

durch Frischluftschneisen in der Stadt verteilt.

Das sind unbebaute Flächen wie Parks, Friedhöfe,

Sport- und Spielflächen oder Wälder, zum

Beispiel der Perlacher Forst oder der Englische

Garten. Diese Bereiche haben zudem ein kühleres

Binnenklima, das in die überhitzten Stadträume

ausstrahlen kann.

Um den Wärmeinsel-Effekt zu reduzieren, ist

also die Begrünung von Freiflächen und Gebäuden

notwendig. In der Münchner Innenstadt ist

die Bebauungsdichte jedoch so hoch, dass keine

Parks mehr angelegt werden können. Hier

könnte die Entsiegelung und Begrünung von

Hofflächen Abhilfe schaffen. Auch eine Fassadenbegrünung

hat positive Effekte: Sie mindert

die Einstrahlung auf die Gebäude und schwächt

so deren Erwärmung in Hitzeperioden ab.

Zudem entlasten Grünflächen die Kanalnetze.

Sie funktionieren nämlich wie Schwämme: Ist

viel Wasser vorhanden, wird es im Boden gesammelt

und zwischengespeichert. In wasserarmen

Perioden kann es den Pflanzen dann

zur Verdunstung bereitgestellt werden. Dabei

gilt: je höher die Verdunstungsrate, desto höher

die Kühlwirkung.

Deshalb sollte das Regenwasser nicht

mehr abgeführt werden oder versickern, sondern

zwischengespeichert werden, damit es

während der Hitzewellen über Vegetation und

Böden verdunsten kann. In Freiham wurde etwa

ein neuer Wohnstandort mit dem Ziel entwickelt,

den Wasserhaushalt und die Grundwasserneubildung

möglichst nicht zu beeinflussen.

Das Konzept: Dachbegrünung, Versickerungsanlagen

und gezielte Baumpflanzung unter anderem

in straßenbegleitenden Mulden.

Urbanes Gärtnern – ein nützlicher

Trend

Aber nicht nur das städtische Baureferat kann

für unsere Entlastung sorgen. Wir selber können

auch einen Beitrag leisten, nicht nur bei

der Reduzierung von Emissionen, sondern

auch bei der Schaffung neuer Grünflächen.

Und so entstehen im dicht bebauten München,

wo jede Nische und kleinste Freifläche

wertvoll ist, immer mehr urbane Gärten.

Diese Form der urbanen Landwirtschaft

auf Brachen, öffentlichen Plätzen oder Dächern

sorgt nicht nur für Kühlung, sondern

fördert auch die Feinstaubbindung und könnte

große Niederschlagsmengen aufnehmen. Dabei

wird nicht nur dem Klima Gutes getan: Die

Bewegung im Grünen fördert das körperliche

und psychische Wohlbefinden und die ökologischen

Lebensmittel sorgen für eine gesunde

Ernährung.

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FOTO

Ruth Böcher

Lukáš Hron


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Umweltinstitut München e.V. 09/2015

Adieu, ihr Gletscher

Weltweit sind unsere Gletscher auf dem Rückzug, die Alpenregion ist davon besonders

stark betroffen. Seit vielen Jahren hält der Schweizer Fotograf Simon Oberli diese

Entwicklung mit der Kamera fest. Seine Bilder zeigen eindrücklich, was wir bald

für immer verlieren werden.

Zu Fuß geht es den Berg hinauf, viele Kilometer durch alpines Gelände, die schwere Fotoausrüstung ist immer dabei. Früher waren die Gipfel

das Ziel von Simon Oberli, heute hat er anderes im Sinn: Gemeinsam mit seiner Frau Daniela hat er es sich zur Aufgabe gemacht, die

Veränderungen an den Alpengletschern zu dokumentieren. „Die größte Herausforderung ist das Wiederfinden des Punktes, von dem aus

die früheren Aufnahmen gemacht wurden. Je genauer dieser Punkt lokalisiert werden kann, umso genauer wird der Bildvergleich“, erklärt Oberli.

Rhonegletscher

28. Juni 2007

22. Juni 2015


Münchner Stadtgespräche Nr. 72 09/2015

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Oberaargletscher

28. Juni 2010

24. Juli 2015

Mit Hilfe eines speziellen Softwareprogrammes werden die Einzelaufnahmen am Computer zu einem Panoramabild zusammengesetzt. In stundenlanger

Arbeit optimiert der Schweizer Fotograf die Bilder, bis schließlich gestochen scharfe Fotovergleiche dabei herauskommen.

Das Ergebnis ist erschreckend: Innerhalb weniger Jahre sind imposante Gletscher wie der Rhonegletscher, der Steigletscher oder der Oberaargletscher

kilometerweit zurückgegangen – vom „ewigen Eis“ kann keine Rede mehr sein. Im direkten Bildvergleich zeigt sich nämlich, was viele noch

immer nicht wahrhaben wollen: Der Klimawandel hat längst begonnen. Und dank des unermüdlichen Engagements der Oberlis kann niemand mehr

sagen, er hätte nichts davon gewusst.

Die Vorher/Nachher-Bildvergleiche im Internet: http://www.gletschervergleiche.ch

TEXT

FOTOS

Joy Mann

Simon Oberli, GletscherVergleiche.ch


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Umweltinstitut München e.V. 09/2015

Auf der Flucht

Überschwemmungen, Dürren und Stürme: Der Klimawandel zwingt immer mehr Menschen, ihre

Heimat zu verlassen. Die Flucht vor dem Klima ist schon heute ein ernstzunehmendes Problem, das

sich in den kommenden Jahrzehnten noch verschärfen wird.

Plötzliche Überflutungen, extrem heftige Stürme, langanhaltende

Dürren und Hitzewellen führen insbesondere in den sogenannten

Entwicklungsländern zunehmend zu Katastrophen, die große

Schäden, hohe Verluste, humanitäre Not, Vertreibung und Todesfälle verursachen.

Auch schleichende Umweltveränderungen wie der Meeresspiegelanstieg

oder die Versalzung von fruchtbarem Boden bewirken,

dass sich gerade arme und marginalisierte Bevölkerungsgruppen aus

ländlichen Gebieten schon heute nicht mehr aus eigener Kraft versorgen

können und sich gezwungen sehen, ihr Land zu verlassen.

Es sind vor allem arme und marginalisierte Bevölkerungsgruppen,

die am stärksten betroffen sind: Jene Menschen, denen ohnehin schon

der Zugang zu staatlichen Dienstleistungen, zu materiellen und immateriellen

Ressourcen und die Teilhabe an politischen Entscheidungsprozessen

verwehrt wird.

Versinkende Lebenswelten

Anfällig gegenüber den Auswirkungen des Klimawandels sind kleine Inselstaaten

und tief liegende Küstengebiete, etwa in der Nähe großer

Flussmündungen. Weltweit könnten langfristig über 300 Millionen Menschen

allein wegen des Anstieges der Meeresspiegel gezwungen sein,

dauerhaft ihre Siedlungsgebiete zu verlassen, darunter fast die Hälfte

der Bevölkerung Bangladeschs.

Besonders betroffen sind auch die 22 südpazifischen Inselstaaten wie

Kiribati, die Marschallinseln oder Tuvalu mit ihren insgesamt knapp sieben

Millionen Einwohnern. Viele dieser Inseln sind derart flach, dass auf

ihnen kaum neue Siedlungsmöglichkeiten bestehen, wenn das Wasser

einmal dauerhaft gestiegen ist.

Angesichts der immensen Kosten wird es für viele Inselstaaten unmöglich

sein, sich mit immer höheren Deichbauten vor dem steigenden

Meeresspiegel zu schützen. Einige der betroffenen Inseln werden mittel-

bis langfristig ihr Territorium komplett und dauerhaft verlieren, wenn

sie nicht schon lange vorher durch fortschreitende Versalzung der Böden

und häufige Überflutung unbewohnbar geworden sind. Dieses apokalyptische

Szenario ist nicht mehr nur eine Zukunftsvision, sondern es

hat längst begonnen.

Auf den Carteret-Inseln im pazifischen Ozean ist der Klimawandel schon

jetzt unwiderruflich angekommen: Der gestiegene Meeresspiegel entwurzelt

Palmwälder und vernichtet Bananenplantagen. Die Kohlendioxid-Exzesse

der Industrienationen führen dazu, dass der Pazifik das Atoll überfluten

wird. Die Lebensgrundlagen vor Ort sind weitestgehend vernichtet

und seine BewohnerInnen müssen evakuiert oder umgesiedelt werden –

auf dieses Atlantis des 21. Jahrhunderts werden weitere folgen.

40 Millionen Unschuldige

NomadInnen tragen mit ihrem traditionellen Lebensstil unwesentlich

zum Klimawandel bei. Sie spüren die Veränderungen des Klimas aber

schon heute, denn er bringt etwa für die nomadische Bevölkerung in

Ostafrika große Probleme mit sich: unbeständiger und unvorherseh-


Münchner Stadtgespräche Nr. 72 09/2015

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barer Regenfall und längere Trockenperioden in immer kürzeren Abständen.

Nomadische Bevölkerungsgruppen gibt es auf allen Kontinenten der

Erde, vor allem aber in Zentralasien und in Afrika. Hier leben sie häufig

in extrem wasserarmen Regionen wie beispielsweise den ariden und

semi-ariden Gebieten des östlichen Afrikas. Die weltweit ca. 40 Millionen

NomadInnen lernten über Generationen, mittels spezieller Kulturtechniken

in zumeist wasserarmen Gebieten zu überleben. Doch das

Fortbestehen des nomadischen Lebens ist zunehmend gefährdet. Nomaden

aus Äthiopien berichten, wie der Regen seine traditionelle Regelmäßigkeit

einbüßt und zugleich die Temperaturen ansteigen. Im Ergebnis

verenden große Teile der Herden aufgrund des Wasser- und

Futtermangels. Geht das Nutzvieh als einziges Hab und Gut verloren,

droht das endgültige Ende der nomadischen Lebensweise.

Aber nicht nur die Wanderhirten in den Trockenregionen der Erde sind

betroffen, auch die mit ihren Rentierherden umherziehenden NomadInnen

im Norden Europas verlieren durch milder werdende Winter ihre

Lebensgrundlagen. Wenn die Temperaturen steigen und die Böden der

Taiga nicht mehr lange genug gefrieren, versinken die Tiere mit ihren

Hufen im morastigen Grund und ein Umherziehen wird unmöglich.

Eine erzwungene Sesshaftigkeit in fruchtbareren Gebieten kann jedoch

Konflikte mit anderen Bevölkerungsgruppen um die vorhandenen

Ressourcen nach sich ziehen. Schon heute stehen sich im Sudan NomadInnen

und sesshafte Bauern in einem blutigen Bürgerkrieg gegenüber

und konkurrieren um Wasserressourcen und um Weide- oder

Ackerland. Im subsaharischen Afrika bleibt den Vertriebenen oft nur die

perspektivlose Existenz in den Lagern der internationalen Hilfsagenturen

oder die Abwanderung in die informellen Siedlungen und Slums

der neuen Megastädte.

Die ersten Boten

Bangladesch ist einer der Frontstaaten des Klimawandelgeschehens.

Der Meeresspiegel steigt und bedroht den Lebensraum von Millionen

armen Menschen, die unmittelbar an der Flutkante leben. Das Schicksal

des Kleinbauern Rahula Amin, der durch die Folgen des Klimawandels

beinahe sein gesamtes Hab und Gut verloren hat, steht für die vielen

ungezählten anderen, denen Ähnliches droht.

Rahula lebt unter ärmlichen Verhältnissen mit seiner neunköpfigen Familie

in Dhania, einem kleinen Dorf im Süden Bangladeschs. Als Tagelöhner

verdient er gerade das Nötigste, um seine Familie versorgen zu

können. Die Erträge eines kleinen Flecken Landes sichern zusätzlich

den Eigenbedarf.

Früher lebte die Familie in einem anderen Dorf, besaß ein ausreichend

großes Haus und genug Land, um einen bescheidenen Wohlstand

zu erwirtschaften. Doch durch wiederkehrende Fluten, die den Boden abtrugen

und die Ernten zerstörten, verlor die Familie nach und nach alles.

Neue Fluten zwangen sie siebenmal zum Umziehen, die Ersparnisse wurden

verbraucht. Schlussendlich verließ die Familie ihr Heimatdorf, um in

das benachbarte, vor den Fluten geschützte Dhania zu ziehen.

Dies geschah vor 30 Jahren. In dem damals flutgeschützten Dorf wurde

ein kleineres Stück Land und ein kleineres Haus erworben. Aber vor zehn

Jahren erreichte die Flut auch diese Siedlung. Wieder waren es die Fluten

und Landabtragungen, die den Amins ihren Besitz entrissen.

Seit dieser Zeit kämpfen Rahula und seine Frau um das blanke

Überleben der Familie. Auch wenn Rahula immer wieder an die weitere

Flucht in eine der dem Wasser fernen Großstädte im Norden des Landes

denkt, ist dies keine unmittelbare Lösung. Weder besitzt die Familie

genug Rücklagen für einen weiteren Umzug, noch möchte Rahula seine

Mutter zurücklassen. Für die betagte Frau wäre ein weiterer Umzug

mit Sicherheit einer zu viel.

Für eine solidarische Klimamigrationspolitik

Angesichts solcher Szenarien stellen sich grundsätzliche Fragen: Wer

schützt die Menschen, die aufgrund von Klimawandelfolgen fliehen

müssen? Und was ist mit denen, die nicht über die Mittel verfügen,

sich in Sicherheit zu bringen? Wer übernimmt die Verantwortung, wenn

Menschen aufgrund plötzlicher Klimakatastrophen oder schleichender

Umweltveränderungen alles verlieren?

Wichtig ist, dass die Antworten und Konzepte, seien sie lokal, regional

oder global, eng mit menschenrechtlichen Prinzipien verknüpft werden.

Das heißt, dass die Ursachen von Verwundbarkeit, wie Armut,

Diskriminierung oder Ungleichheit bekämpft werden müssen. Die Widerstandsfähigkeit

gegenüber Klimawandelfolgen muss gestärkt und

Kapazitäten zur Bewältigung der Auswirkungen des Klimawandels geschaffen

werden.

Vielversprechend ist auch die Nansen-Initiative, die explizit auf den

Schutz von Menschen zielt, die sich in der Folge einer Naturkatastrophe

über eine Staatsgrenze hinweg bewegen. Im Oktober soll eine Schutzagenda

verabschiedet werden. Ihre Prinzipien und Empfehlungen werden

nicht bindend sein. Dennoch versuchen Staaten, hier ein gemeinsames

Verständnis von Handlungsnotwendigkeiten zu entwickeln. Ziel

ist es, einen internationalen Konsens zu erreichen, der die zwischenstaatliche

Kooperation, Schutznormen für Betroffene und die Rolle der

humanitären Hilfe bestimmen.

Ein weiterer wichtiger Schritt für den richtigen Umgang mit durch den

Klimawandel verursachter Migration steht kurz bevor: Im Dezember soll

in Paris ein internationales Klimaabkommen verabschiedet werden.

Dieses Klimaabkommen muss rechtsverbindliche gemeinsame, aber

unterschiedliche Verantwortlichkeiten aller Länder umfassen. Es muss

faire und ehrgeizige Ziele festschrieben. Nur so kann es gelingen, die

globale Erwärmung auf unter zwei Grad zu begrenzen.

TEXT

FOTO

Sophia Wirsching / Brot für die Welt

Broschüre „Auf der Flucht vor dem Klima“ (Amnesty International,

Brot für die Welt, DGVN, medico international, German

Watch, Oxfam Deutschland, Förderverein PRO ASYL)

Pixelio / Dr. Stephan Barth


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Umweltinstitut München e.V. 09/2015

Und jährlich grüßt die

Klimakonferenz

Nicht der internationale Klimagipfel, sondern das Geschäft mit den fossilen Brennstoffen

Kohle, Gas und Öl steht dieses Jahr im besonderen Fokus der Klimabewegung.

Ende November ist es wieder soweit: Zahlreiche Regierungsdelegationen

treffen sich in Paris zum Klimagipfel der Vereinten Nationen.

Seit Inkrafttreten der UN-Klimarahmenkonvention 1995

jähren sich die internationalen Klimaverhandlungen dann zum 21. Mal,

doch trotz der über 20-jährigen(!) Geschichte sind die Erfolge der internationalen

Klimapolitik mehr als dürftig. Zwar gab es vereinzelt Vereinbarungen

zur Reduktion klimaschädlicher Treibhausgase, doch sind die

globalen Emissionen als Folge des rasanten Wirtschaftswachstums seit

1990 kontinuierlich weiter gestiegen.

Wegweisend für globalen Klimaschutz?

Ähnlich wie im Vorfeld des Kopenhagener Gipfels 2009 liegt auf den

Verhandlungen in Paris heute wieder die allgemeine Erwartung, sie

brächten den nötigen „Wendepunkt hin zu einem effektiven Klimaabkommen“.

Doch ist dieser Optimismus berechtigt? Fest steht, die Notwendigkeit

wirksamen Klimaschutzes ist unbestreitbar und wird mit jedem

weiteren Bericht des Weltklimarats IPCC deutlicher. Doch klar ist

auch: Die UN-Klimaverhandlungen sind seit einiger Zeit festgefahren.

Unauflösbare Interessenskonflikte stehen der Durchsetzung eines globalen

Vertrags zur Reduzierung der Klimaerwärmung gegenüber.

Im Jahr 2009 in Kopenhagen zeigte sich besonders deutlich, dass die

Bekämpfung der Klimakrise mit zahlreichen anderen politischen Zielen

konkurriert. In Zeiten der Finanz- und Wirtschaftskrise und mit dem

Erstarken der Schwellenländer gewann besonders in den Ländern des

Nordens eine „Politik der Sachzwänge“ die Oberhand, die auf eine Beschleunigung

des Wirtschaftswachstums und die Stärkung der internationalen

Wettbewerbsfähigkeit ausgerichtet ist.

Diese Strategie steht jedoch im Widerspruch zu einer auf Konsens zielenden

internationalen Klimapolitik. Es wurde nicht der Versuch unternommen,

sozialen Wohlstand und Klimaschutz vereinbar zu machen,

etwa durch eine Abkehr vom Wirtschaftswachstum als Allheilmittel. Der

Gipfel in Kopenhagen wurde auch deshalb zum klimapolitischen Desas-


Münchner Stadtgespräche Nr. 72 09/2015

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ter, denn auf ein bindendes globales Abkommen konnten sich die Staaten

entgegen der Ankündigungen nicht einigen.

In der Folge hat sich die Einstellung der umwelt- und entwicklungspolitischen

Organisationen sowie der sozialen Bewegungen deutlich

verändert. Seit der Unterzeichnung der Klimarahmenkonvention der

Vereinten Nationen haben sich diese Akteure zwei Jahrzehnte lang intensiv

mit Forderungen in die internationale Klimapolitik eingebracht

und die Debatte um die Verhandlungen beobachtet und begleitet. Sie

setzten darauf, dass auf dieser Ebene entscheidende Fortschritte zur

Vermeidung katastrophaler Auswirkungen des Klimawandels erreicht

werden. Doch inzwischen ist für viele KlimaschützerInnen klar: Auch in

Paris werden die Privilegien der größten Klimasünder nicht entscheidend

angetastet werden und die offensichtlich gewordenen Interessenskonflikte

der Staaten werden zur Aufweichung der ambitionierten

Ziele führen.

Ausstieg aus den fossilen Energien

Bei vielen hat sich diese Erkenntnis aus dem Kopenhagener Gipfel in

den letzten Jahren gefestigt, denn bei den Klimaverhandlungen konnte

immer wieder beobachtet werden, dass den Worten kaum Taten folgen

und die Bemühungen um ein wirksames globales Klimaabkommen

erfolglos bleiben.

Um das politisch gesetzte Ziel, den Temperaturanstieg auf 1,5 Grad

zu begrenzen, noch erreichen zu können, haben viele Nichtregierungsorganisationen

nun den Fokus ihrer klimapolitischen Arbeit angepasst.

Aktivitäten werden nicht mehr primär auf die internationalen Verhandlungen

verengt, sondern die nationale Energiepolitik und die fossile

Energieindustrie als Verursacher eines Großteils der klimaschädlichen

Emissionen werden als zentrale Felder klimapolitischer Auseinandersetzungen

wiederentdeckt.

Insbesondere die direkte Auseinandersetzung mit den größten Klimasündern

ist für viele etablierte Organisationen neu. Sie folgen damit einem

Pfad, der in den Jahren zuvor vor allem von Graswurzel-AktivistInnen

verfolgt wurde. Diese kritisierten den Fokus der internationalen Klimaverhandlungen

auf die Reduktion von Emissionen, also die Output-Seite

des fossilen Energiesystems. Mit Protesten an Kohleminen oder fossilen

Großkraftwerken machten sie deutlich, dass auch die Energieträger Kohle,

Gas und Öl selbst in den Blick genommen werden müssen.

Protest gegen die größten Klimasünder

Eigentlich ist es offensichtlich: Nur wenn sich die Zusammensetzung

unseres Energiemixes grundlegend ändert und der globale Energieverbrauch

reduziert wird, können wir unsere Klimaziele erreichen. Das bedeutet

aber auch, die fossile Energiegewinnung in Frage zu stellen und

die Privilegien der Öl-, Gas- und Kohleunternehmen einzuschränken.

Die Neu-Orientierung der Klimabewegung hin zur nationalen Energiepolitik

und auf die fossile Industrie zeigt sich in den Protest-Aktivitäten

im Vorfeld des Pariser Klimagipfels. Auch im Sommer 2015

fanden wie in den Jahren zuvor in zahlreichen Ländern sogenannte Klimacamps

statt – Zeltlager, die als Orte (klima)politischer Debatten und

zugleich Ausgangspunkte für Aktionen zivilen Ungehorsams gegen zentrale

Treibhausgasemittenten dienen.

Bis dato unbekannte Unterstützung und Solidarität erfuhr eine angekündigte

Braunkohletagebau-Besetzung im Rheinland Mitte August

dieses Jahres. Während ein internationales Bündnis von Gruppen zu

dieser Aktion zivilen Ungehorsams unter dem Motto „Ende Gelände“

aufrief, solidarisierten sich zahlreiche weitere Organisationen, darunter

auch große Umweltverbände wie der BUND und Entwicklungsorganisationen

wie Oxfam mit dem Protest. Mehrere hundert Menschen versammelten

sich am Braunkohletagebau Garzweiler, um durch die kurzzeitige

Behinderung des dortigen Abbau-Betriebs ein Zeichen für den

Kohleausstieg zu setzen.

Die Klimabewegung behält das letzte Wort

Kurz vor Beginn der Klima-Verhandlungen in Paris sind in zahlreichen

Hauptstädten weltweit Großdemonstrationen geplant. Sinn und Stoßrichtung

dieser Veranstaltungen ist jedoch innerhalb der Verbände und

der Klimabewegung höchst umstritten. Während die wenigen Fürsprecher

den Regierungsdelegationen kurz vor deren Abflug nach Paris ein

deutliches Signal auf den Weg mitgeben wollen, steht ein Großteil diesem

Vorhaben skeptisch bis ablehnend gegenüber. Dadurch werde nur

erneut in der Bevölkerung die falsche Hoffnung genährt, mit Hilfe kurzfristigen

Protests könne es beim Klimagipfel einen Durchbruch für den

globalen Klimaschutz geben. Angesicht der festgefahrenen internationalen

Verhandlungen müssten die politischen Entscheidungen auf nationalstaatlicher

und lokaler Ebene in den Blick rücken.

Die Planung einer großen Demonstration zum Ende der Verhandlungen

in Paris ist Ausdruck dieser vom Großteil der NGOs und Initiativen geteilten

Überzeugung. Unter dem Motto „Die Klimabewegung behält das

letzte Wort“ fordern sie: Für wirklichen Klimaschutz braucht es nationale

Energiewenden! Sie fordern den Ausstieg aus der besonders klimaschädlichen

Kohleverstromung und warnen davor, nun großräumig

in die unkonventionelle Öl- und Gasförderung einzusteigen, die extrem

energieintensiv und umweltschädlich ist, wie das Beispiel Fracking

zeigt. Mit diesem Abschluss soll zugleich ein Gegenpol zu dem auf der

Klimakonferenz betriebenen „Greenwashing“ entstehen.

Denn seit langem werden die Verhandlungen von genau den Konzernen

gesponsert und beeinflusst, die am wenigsten Interesse an einer

wirksamen Klimapolitik haben. Die Botschaft der Klimabewegung

ist klar: Fossile Energien sind klimaschädlich. Anstatt sie weiter auszubeuten,

brauchen wir eine konsequente Energiewende. Alternativen für

eine umfassende Transformation zu einer sozial-ökologisch gerechten

Gesellschaft sind vorhanden und realisierbar.

TEXT

FOTO

Philip Bedall

Robin Wood e.V.

350.org


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Umweltinstitut München e.V. 09/2015

Kein Klimaschutz ohne

Agrarwende

Wenn wir vom Klimawandel reden, müssen wir auch über unsere Landwirtschaft

sprechen. Denn die Ausbreitung von Wüsten, die Versalzung von Grundwasser, Dürren,

Überschwemmungen, Unwetter und die Instabilität ganzer Ökosysteme treffen

diejenigen besonders hart, die unsere Lebensmittel produzieren. Gleichzeitig trägt die

industrielle Landwirtschaft immer stärker zum Klimawandel bei.

In der Landwirtschaft werden große Mengen

an Treibhausgasen freigesetzt. Neben

Kohlenstoffdioxid (CO 2

) handelt es sich

dabei vor allem um Methan und um Lachgas.

Methan wirkt in der Atmosphäre etwa

28 Mal stärker als Kohlendioxid, es entsteht

beim Reisanbau und bei der Rinderzucht.

Lachgas ist gleich 265 Mal so klimaschädlich

wie CO 2

und entsteht bei der Düngung mit

Stickstoff und bei der Lagerung und Bearbeitung

von Gülle.

Wichtige CO 2

-Quellen sind außerdem die Produktion

von Düngemitteln und Pestiziden, der

Energieverbrauch von Landmaschinen und

sogenannte „Landnutzungsänderungen“. Hinter

Letzterem verbirgt sich unter anderem die

Abholzung von Wäldern, um Land für Viehhaltung,

Ackerbau und den Anbau von Energiepflanzen

zu gewinnen. Auf etwa 18 Millionen

Hektar Land – das entspricht etwa der landwirtschaftlichen

Nutzfläche der Bundesrepublik

– werden heute in Amerika Futtermittel

für Europas Ställe produziert.

Die steigende Nachfrage nach Fleisch und

nach Agrartreibstoffen hat besonders in Südamerika

gravierende Folgen: Regenwald wird

abgeholzt und durch Soja- oder Mais-Monokulturen

ersetzt.

Landnutzungsänderungen

verstärken den Klimawandel

Eine weitere Landnutzungsänderung ist der

sogenannte Grünlandumbruch. Wenn Wiesen

und Weiden zu Ackerland umgepflügt werden,

wird der Boden durchlüftet und die Bodenlebewesen

beginnen, organisches Material und

Humus abzubauen.

Kohlenstoff, der im Boden gebunden war,

gelangt als CO 2

in die Atmosphäre und verstärkt

den Klimawandel. In kleinerem Maßstab

geschieht das jedes Mal, wenn gepflügt wird

oder wenn der Boden bei Plusgraden nicht bewachsen

ist.

Diese Landnutzungsänderungen sind die

größten CO 2

-Quellen in der Landwirtschaft.

Umgekehrt liegt darin jedoch auch eine

große Chance, den Kohlenstoff wieder zu

binden. Denn ein Betrieb, der mit dem Boden

und den Bodenlebewesen gut umgeht, kann


Münchner Stadtgespräche Nr. 72 09/2015

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den Humusgehalt erheblich erhöhen. Das ist

nicht nur gut für‘s Klima, sondern auch für

den Ertrag. In Bayern bindet ein Hektar Bio-

Acker pro Jahr durchschnittlich 400 Kilogramm

CO 2

dauerhaft im Boden. Ökologische

Landwirtschaft ist praktizierter Klimaschutz –

auch weil im Ökolandbau ohne Pestizide und

synthetische Stickstoffdünger gearbeitet wird

und kaum Futtermittel aus Südamerika importiert

werden müssen.

Klimakiller Kuh?

Eine intensive Debatte dreht sich um die Rinderhaltung,

denn Rinder produzieren bei der

Verdauung Methan, das besonders klimaschädlich

ist. Umgekehrt aber können sie

Nahrungsmittel für Menschen auf Wiesen und

Weiden erzeugen, die anders nicht bewirtschaftet

werden könnten. Würde alles ackerfähige

Grünland gepfl ügt und zum Getreideanbau

genutzt, ginge sehr viel Kohlenstoff aus

dem Boden in die Atmosphäre über. Ist das

Rind nun ein Klimakiller oder nicht?

Die Kuh, die auf der Weide steht oder Heu von

den Wiesen der Umgebung frisst, ist nicht für

den Klimawandel verantwortlich. Aber Kühe

stehen nicht immer auf der Weide und fressen

im Winter nur Heu, auch wenn uns das die Bilder

auf den Verpackungen suggerieren wollen.

Tiere, die Soja und Getreide fressen, sind

Nahrungskonkurrenten zu uns Menschen und

treiben mit ihrem Futterbedarf Landnutzungsänderungen

voran. Rinder sind unter diesen –

realistischen – Umständen besonders ineffi zient.

Weniger Tiere zu halten wäre wichtig, um

den Klimawandel zu begrenzen.

Wassermangel in Westafrika

Ganz verhindern lässt sich der Klimawandel

heute nicht mehr. Schon jetzt ist er zu spüren,

zum Beispiel bei WinzerInnen in Deutschland,

die heute völlig andere Rebsorten pfl anzen

können als noch vor zwanzig Jahren.

Das klingt erst einmal positiv, doch die für uns

bislang eher gering anmutenden Veränderungen

und die Zunahme von extremen Wetterereignissen

sind für die Landwirtschaft eine

enorme Bedrohung. Im US-Bundesstaat Kalifornien

herrscht beispielsweise seit 2011 eine

extreme Dürre, durch die die Landwirtschaft

einen Verlust von über zwei Milliarden Dollar

erlitten hat.

Am schlimmsten aber trifft es oft die Menschen,

die in der Vergangenheit am wenigsten

zum Klimawandel beigetragen haben. So wird

zum Beispiel die Wasserverfügbarkeit im südlichen

Mali in diesem Jahrhundert um rund

zehn Prozent zurückgehen.

Schuld daran sind der Klimawandel und

seine Folgen: Dürren werden häufi ger und die

Landwirtschaft damit unsicherer. Die Wüste

Sahara droht, sich langsam in Richtung Süden

auszubreiten. Die Menschen verlieren

ihre Lebensgrundlage und müssen ihre Heimat

verlassen.

Vielfalt ist die Fähigkeit, sich

anzupassen

Ob Deutschland, Amerika oder Westafrika:

Die Beispiele zeigen, dass die Landwirtschaft

überall betroffen ist – unabhängig davon, wie

viel Geld, Chemikalien und Maschinen wir einsetzen.

Die Landwirtschaft muss also fi t werden

für den Klimawandel. Das zentrale Konzept

dafür nennt sich Resilienz.

Als Resilienz wird die Fähigkeit eines

Systems bezeichnet, auf Veränderungen zu

reagieren und gleichzeitig stabil zu funktionieren.

Der Schlüssel zu Stabilität unter wechselhaften

Bedingungen ist Vielfalt. Das gilt für

einzelne Betriebe ebenso wie für ganze Ökosysteme

und menschliche Gesellschaften.

Doch die industrielle Landwirtschaft zerstört

die Vielfalt der Ökosysteme. Die Intensivierung

verdrängt die Vielfalt der Landschaften.

Pestizide, Überdüngung und Monokulturen töten

die Bodenlebewesen, Insekten, Vögel und

Pfl anzen, die in landwirtschaftlichen Flächen

und um diese herum ihren Lebensraum haben.

Während der Klimawandel den Ökosystemen,

von denen wir leben, eine große Anpassungsleistung

abfordert, nimmt die Vielfalt und

damit die Resilienz dieser Systeme ab.

Gleichzeitig geht auch in der industriellen

Landwirtschaft die Vielfalt von Nutzpfl anzen

und Nutztieren zurück. Fast alle Legehennen

in Deutschland stammen von nur zwei Zuchtlinien

ab. Der Saatgutmarkt in Europa wird von

lediglich fünf Unternehmen dominiert.

Sie verkaufen vor allem Saatgut, das bei der

Verwendung von synthetischem Dünger und

Pestiziden sehr hohe Erträge bringt. Diese

Form der Landwirtschaft ist nicht in der Lage,

sich an die geringere Stabilität der Ökosysteme

anzupassen, die der Klimawandel mit

sich bringt.

Eine andere Landwirtschaft

ist möglich

Längst gibt es alternative Formen der Landwirtschaft,

die klimafreundlicher und anpassungsfähiger

sind: Die Biobetriebe machen

es vor. Und dank der globalen Vernetzung

können wir heute von alten und neuen Ideen

aus allen Erdteilen profi tieren. Aus Australien

kommen die Grundlagen der Permakultur, die

Kreisläufe und Beständigkeit von Systemen

betont. Die Idee einer solidarischen Landwirtschaft,

die VerbraucherInnen und ProduzentInnen

direkt zusammenbringt, wurde in den

USA entwickelt.

Was können wir von Kuba lernen, das Jahrzehntelang

unter dem US-Wirtschaftsembargo

stand und während dieser Zeit eine Landwirtschaft

entwickeln musste, die weitgehend

unabhängig von Erdöl ist?

Unter welchen Umständen bringt es etwas,

Tiere, Gemüse und Getreide unter Bäumen

zu züchten, oder Pfl anzenkohlereste in

den Boden einzubringen? Traditionelle landwirtschaftliche

Systeme in Südamerika arbeiten

damit. In einem Berliner Forschungsinstitut

schlagen Tomaten ihre Wurzeln in Süßwasser,

in dem Fische gezüchtet werden.

Die Alternativen sind quicklebendig. Damit sie

sich durchsetzen, brauchen sie die Politik, die

die Regeln vorgibt und Ressourcen verteilt.

Doch Bundeslandwirtschaftsminister Schmidt

und EU-Agrarkommissar Hogan fördern lieber

weiterhin die Agrarindustrie und suchen

nach Absatzmärkten für Schweinefl eisch und

Milchpulver, das aus Ställen kommt, die südamerikanische

Gensoja verfüttern.

TEXT

FOTO

Karl Bär

Fotolia


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Umweltinstitut München e.V. 09/2015

Raus aus der Kohle!

Die Divestment-Bewegung fordert dazu auf, Investitionen aus den klimaschädlichsten

Unternehmen abzuziehen. Einige symbolkräftige Erfolge hat sie bereits erzielt. Auch in

deutschen Städten schließen sich immer mehr Klimabewegte der Initiative an.

Wenn es falsch ist, zur globalen Erwärmung beizutragen und

damit Ökosysteme und menschliche Lebensgrundlagen zu

zerstören, dann ist es auch falsch, von dieser Zerstörung

zu profitieren. Unter diesem Motto finden sich Menschen überall auf der

Welt zusammen und fordern den Abzug von Geldanlagen aus dem fossilen

Energiesektor. Denn der ist verantwortlich für mehr als 20 Prozent

der globalen klimaschädlichen Emissionen.

Unter dem Namen „Fossil Free“ startete die Divestment-Kampagne

im Herbst 2012 in den USA und ist inzwischen in Neuseeland, Australien,

Europa und Kanada aktiv. Neue Kampagnen in Südafrika, Japan und

auf den Philippinen kamen kürzlich dazu. Die Bewegung wächst stetig:

Innerhalb von nicht einmal drei Jahren gründeten Freiwillige weltweit

über 600 Fossil Free-Initiativen.

Der Vorteil für ehrenamtlich Engagierte: Menschen können in ihrem

Wohnort aktiv werden, egal ob in Freising oder Berlin. Denn Institutionen,

die im Namen der Bürger*innen Gelder anlegen, finden sich

überall. Kommunen, Universitäten, Kirchengemeinden, berufsständische

Versorgungswerke oder Banken investieren über Unternehmensbeteiligungen

oder Aktienfonds auch in klimaschädliche Kohle-,

Erdöl- und Erdgasunternehmen. Die Menschen um Fossil Free sind aktiv,

um sich gegen eine Industrie zu stellen, welche die Klimakrise vorantreibt

und seit Jahren erfolgreiche Klimapolitik verhindert, um weiterhin

ihren Profit zu maximieren.

Die Kohlenstoffblase wird zum Finanzrisiko

Kommunen, die Geld in Unternehmen der fossilen Energie investieren,

setzen dabei nicht nur das Klima aufs Spiel. Es besteht ein beträchtliches

Finanzrisiko: Die sogenannte Kohlenstoffblase („carbon bubble“).

Darunter versteht man eine Spekulationsblase, die aus der Unvereinbarkeit

des in der internationalen Klimapolitik anerkannten Zwei-Grad-

Ziels mit der Förderung eines Großteils der bekannten Öl-, Gas- und

Kohlereserven entsteht. Denn wird das politische Ziel konsequent verfolgt,

verlieren zahlreiche Unternehmen der fossilen Energiewirtschaft in

den nächsten Jahrzehnten massiv an Wert. Der Grund dafür: Sie haben

die Förderrechte an zahlreichen Lagerstätten erworben und haben diese

als Vermögenswerte in ihren Bilanzen verzeichnet.

Angesehene Institutionen und Expert*innen wie die Deutsche Bank und

die britischen Banken HSBC und Citibank, die Internationale Energieagentur,

die Ratingagentur Standard & Poor‘s, das Wirtschaftsmagazin

Forbes Magazine, Bloomberg, der britische Ökonom Lord Nicholas


Münchner Stadtgespräche Nr. 72 09/2015

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„Die Finanzaktivitäten der eigenen Stadt, Universität oder

Kirche sind konkret und direkt vor Ort beeinflussbar“

Stern, die London School of Economics und die Smith School der Universität

Oxford warnen, dass Kohle-, Öl-, und Gasunternehmen massiv

überbewertet sind. HSBC spricht beispielsweise davon, dass 40 bis

60 Prozent des Börsenkapitals von Öl- und Gasunternehmen auf dem

Spiel stehen. Sie drohen als sogenannte gestrandete Vermögenswerte

(„stranded assets“) an Wert zu verlieren.

Gestrandete Vermögenswerte sind bei dem deutschen Energiekonzern

RWE, der größten CO 2

-Schleuder Europas, bereits Realität. Im letzten

Jahr musste RWE 4,8 Milliarden Euro auf seine Kohle- und Gaskraftwerke

abschreiben und machte Verluste von über 2,8 Milliarden

Euro. Das hat die deutschen Kommunen hart getroffen. Denn 86 deutsche

Städte und Kommunen halten insgesamt etwa 25 Prozent aller

RWE-Aktien. Die Prognosen für 2015 sehen ähnlich schlecht aus, denn

RWE hat ebenso wie E.on den Einstieg in die Energiewende lange verpasst.

Trotzdem halten viele Kommunen an RWE fest.

Divestment-Bewegung auch in Deutschland

In den vergangenen Monaten ist Divestment eine anerkannte, an Einfluss

gewinnende Taktik in der europäischen und deutschen Klimabewegung

geworden. Mittlerweile gibt es Fossil Free-Gruppen in 18 deutschen

Städten und wöchentlich schließen sich neue Klimabewegte an.

Das Medieninteresse reißt nicht ab, denn einige große internationalen

Divestment-Erfolge sorgten für Aufsehen. So beschloss beispielsweise

das schwedische Parlament im Juni 2015, dass der Norwegische

Pensionsfonds, der größte Staatsfonds der Welt, sich aus Energie- und

Bergbaufirmen zurückziehen soll, bei denen das Kohlegeschäft mehr als

30 Prozent des Umsatzes ausmacht. Das wird auch RWE treffen, denn

der Fonds ist mit 300 Millionen Euro an dem Unternehmen beteiligt, was

etwa zwei Prozent der Unternehmensanteile entspricht.

Es mag überraschend sein, dass auch immer mehr Studierende laut

ausrufen: „Kein Geld mehr für Kohle, Öl und Gas!“. Nur wenigen ist bekannt,

dass auch in Deutschland zahlreiche Hochschulen Stiftungsvermögen

und Finanzanlagen in Millionenhöhe verwalten. Die Universität

Freiburg hat bereits positiv auf die Ideen und Forderungen der lokalen

Fossil Free-Gruppe reagiert. Heidelberg, Münster, Bayreuth, Tübingen

und weitere Hochschulen könnten bald folgen.

Es gibt lohnenswerte Alternativen

Eine besonders gute Nachricht der letzten Monate ist der Start einer

Kampagne, die die Berliner Ärzteversorgung auffordert, zu deinvestieren.

Alle Investments aus der Kohle-, Öl- und Gasindustrie sollen binnen

fünf Jahren beendet und die frei werdenden Mittel in Anlagen für eine

nachhaltige und gesunde Zukunft reinvestiert werden.

Auch der Vorstand der Bundesärztekammer wird sich nach einem

Beschluss nun mit dem Thema Divestment auseinandersetzen. Und seit

Kurzem beschäftigen sich Journalist*innen mit den Anlagestrategien

ihres Versorgungssystems. Im kirchlichen Bereich wird das Thema weiter

diskutiert und nimmt Gestalt an. Banken und Versicherer sind schon

lange ins Blickfeld gerückt. Die großen Kohleinvestoren Deutsche Bank

und Allianz werden in den kommenden Monaten den wachsenden öffentlichen

Druck zu spüren bekommen.

Der Klimawandel scheint von der eigenen Lebensrealität aus oft schwer

anzugehen. Die Finanzaktivitäten der eigenen Stadt, Uni oder Kirche

sind dagegen konkret und direkt vor Ort beeinflussbar. So kann jede*r

Interessierte eine lokale Kampagne starten und einen offenen Brief an

den Stadtrat und den*die Bürgermeister*in schicken.

Divestment wird die fossile Industrie nicht in den Bankrott treiben.

Aber sie kann ihr die soziale Akzeptanz und damit politischen Einfluss

entziehen. Und das wäre ein großer Gewinn für den Klimaschutz.

TEXT

FOTO

Tine Langkamp

350.org

350.org

Was versteht man unter Divestment?

Divestment ist das Gegenteil einer Investition. Es bedeutet,

dass man sich von Aktien, Anleihen oder Investmentfonds

trennt, die unökologisch oder unter ethischen

Gesichtspunkten fragwürdig sind. Investitionen in fossile

Brennstoffe stellen ein Risiko für Investoren und für den

Planeten dar. Darum ruft das internationale Netzwerk Fossil

Free sämtliche Institutionen dazu auf, ihr Vermögen aus

den 200 größten börsennotierten Unternehmen abzuziehen.

Diese Unternehmen sind derzeit im Besitz eines

Großteils der verzeichneten Kohle-, Öl- und Gasreserven

und planen, diese zu fördern und zu verbrennen. Doch 80

Prozent der fossilen Rohstoffreserven müssen im Boden

bleiben, damit die Erderwärmung auf zwei Grad begrenzt

werden kann.


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Kontakte

Referat für Gesundheit und

Umwelt

Öffentlichkeitsarbeit

Bayerstraße 28a

80335 München

Tel.: 089-233-47 524

Fax: 089-233-47 508

oeffentlichkeitsarbeit.rgu@muenchen.de

www.muenchen.de/rgu

Umweltinstitut München e.V. 09/2015

Ökologisches

Bildungszentrum

Englschalkinger Str. 166

81927 München

Tel.: 089-93 94 89 60

Fax: 089-93 94 89 81

mail@oebz.de

www.oebz.de

Bürgerstiftung

Zukunftsfähiges München

Klenzestraße 37/Rgb.

80469 München

Tel.: 089-202 38-111

Fax: 089-202 38-113

mail@bszm.de

www.bszm.de

www.lifeguide-muenchen.de

www.sinn-muenchen.de

Newsletter der Agenda 21

Regelmäßige Informationen zu Agenda-Terminen

in München erhalten Sie

im kostenfreien Newsletter unter

www.muenchner-stadtgespraeche.de

Termine

Do., 15. Oktober, 20:00 Uhr

Film: Zehn Milliarden - wie werden

wir alle satt?

Bis 2050 wird die Weltbevölkerung auf zehn

Milliarden Menschen anwachsen. Doch wo

soll die Nahrung für alle herkommen? Regisseur,

Bestseller-Autor und Food-Fighter

Valentin Thurn sucht nach Lösungen: Er

erkundet die wichtigsten Grundlagen der

Lebensmittelproduktion und verdeutlicht,

wie die Menschheit durch die hemmungslose

Ausbeutung knapper Ressourcen die

Grundlage ihrer Ernährung zerstört. Mit Gespür

für Verantwortung und Handlungsbedarf

macht der Film klar: Wir können etwas

verändern – wenn wir es wollen!

www.mvhs.de

Mi., 21. Oktober, 19:00 Uhr

Teersandöl & Fracking: Wie die Energielobby

den Klimaschutz torpediert

Selbst die konservative Internationale Energieagentur

fordert, dass zwei Drittel der

fossilen Energiereserven in der Erde bleiben

müssen, da andernfalls katastrophale

Auswirkungen des Klimawandels nicht zu

vermeiden sind. Doch die Energiekonzerne

treiben genau das Gegenteil voran: Mit immer

umweltschädlicheren Methoden holen

sie nun sogar die unkonventionellen fossilen

Ressourcen aus der Erde – auch in

Deutschland. Ein Vortrag von Energiereferentin

Franziska Buch über Ölsand, Fracking

und die Macht der Energielobby.

www.umweltinstitut.org

Impressum

Herausgegeben vom Umweltinstitut München e.V.

Anschrift für Verlag, verantwortlichen Redakteur

und Anzeigenverantwortlichen:

Umweltinstitut München e.V.

Verein zur Erforschung und Verminderung der

Umweltbelastung

Landwehrstr. 64a

80336 München

Tel.: (089) 30 77 49-0

Fax: (089) 30 77 49-20

E-Mail: a21@umweltinstitut.org

Internet: www.umweltinstitut.org

Redaktion Joy Mann, Christina Hacker (verantwortlich),

Fabian Holzheid

Layout Joy Mann

Druck Ulenspiegel Druck GmbH & Co. KG

Birkenstraße 3

82346 Andechs

Versand axmax GmbH, Riedering

Auflage 15.000

Namentlich gekennzeichnete Artikel geben die

Meinung der Verfasserin/des Verfassers und nicht

in jedem Fall die der Redaktion wieder.

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Stichwort AGENDA 21

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und mit Förderung des Referates

für Gesundheit und Umwelt der Landeshauptstadt

München. Dieses Heft kann im Internet unter der

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