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ewe aktuell_Jubiläum_2_2015

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Jubiläusausgabe / anniversary edition<br />

September <strong>2015</strong><br />

20 Jahre <strong>ewe</strong> / 20 years <strong>ewe</strong><br />

WEITERE THEMEN IN DIESER AUSGABE:<br />

Über Kochen, Dresscode und Kirche<br />

About cooking, dresscodes and church<br />

Erste Eindrücke<br />

First impressions<br />

Beim Friseur<br />

At the hairdresser


Seite 2<br />

Editorial Editorial Inhalt /Contents<br />

Liebe Leser,<br />

als ich mir vor Kurzem noch einmal bewusst<br />

gemacht habe, dass wir nun den zwanzigsten<br />

Geburtstag des <strong>ewe</strong> feiern, habe ich<br />

mich gefragt, wie es sich eigentlich für mich<br />

damals angefühlt hat, meinen zwanzigsten<br />

Geburtstag zu feiern. Ich kann mich vor allem<br />

daran erinnern, dass es mir wie eine<br />

sehr lange Zeit vorkam, die da schon hinter<br />

mir lag. Diese lange Zeit hat nun auch das<br />

<strong>ewe</strong> bereits hinter sich gebracht. Und dann<br />

fällt mir plötzlich ein,<br />

dass es genau mein<br />

zwanzigster Geburtstag<br />

war, an dem ich<br />

zusammen mit meinen<br />

vier Mitstreiterinnen<br />

in Düsseldorf einen<br />

Flieger gen London<br />

betreten habe<br />

und wir dann von dort<br />

nach Lusaka geflogen<br />

sind. Es war der Beginn<br />

meines Freiwilligenjahrs in Mazabuka.<br />

Blickt man auf die gesamte Lebensspanne<br />

des <strong>ewe</strong>, war das noch zur „Grundschulzeit“.<br />

Und doch hatte ich schon damals das<br />

Gefühl, das beim <strong>ewe</strong> Menschen am Werk<br />

waren, die genau wussten, was sie taten –<br />

auf deutscher und auf sambischer Seite. Ich<br />

finde es sehr spannend, zu schauen, wie<br />

sich unser Verein seitdem verändert hat. Wie<br />

immer wieder neue Generationen von Freiwilligen<br />

aufgebrochen sind, um für ein Jahr<br />

in Sambia oder in Deutschland etwas ganz<br />

Neues auszuprobieren und in eine neue<br />

Kultur einzutauchen. Darum bin ich sehr<br />

froh, dass wir in dieser Jubiläumsausgabe<br />

ein buntes Bild verschiedener Eindrücke<br />

auch aus unterschiedlichen Jahren präsentieren<br />

können. Es macht Spaß, zurückzuschauen,<br />

und es macht auch Spaß, nach<br />

vorne zu schauen. Denn mit den vielen Engagierten<br />

im Verein, dem großen Erfahrungsschatz<br />

der vielen Ehemaligen und dem großen<br />

Wunsch auf beiden Seiten, eine intensive<br />

deutsch-sambische Partnerschaft fortleben<br />

zu lassen, freue ich mich schon auf die<br />

nächsten zwanzig Jahre. Jetzt aber danke<br />

ich euch und Ihnen erst einmal für die treue<br />

Unterstützung und für vielfältiges Engagement<br />

und wünsche euch und Ihnen einen<br />

unterhaltsamen Rückblick auf die Vereinsarbeit<br />

– bei dem natürlich auch unsere <strong>aktuell</strong>en<br />

Freiwilligen mit ihren ersten Eindrücken<br />

nicht zu kurz kommen.<br />

Dear reader,<br />

when I recently reflected on the 20th anniversary<br />

of the <strong>ewe</strong>, I wondered what I had<br />

actually felt when I celebrated my 20th<br />

birthday. I can very well remember that it felt<br />

like a very long time had already passed by.<br />

And this long time is now behind the <strong>ewe</strong><br />

as well. And then it strikes me that it was<br />

exactly on my 20th birthday when I boarded<br />

the plane in Düsseldorf with my four fellow<br />

volunteers in order to fly to Lusaka. It was<br />

the beginning of my exchange year in Mazabuka.<br />

If you look at the overall lifespan of<br />

the <strong>ewe</strong>, that was still during its elementary<br />

school years. And yet even at that time I had<br />

the feeling that people committed to the<br />

<strong>ewe</strong> knew exactly what they were doing –<br />

both on the German and the Zambian side.<br />

I find it thrilling to see how our association<br />

changed since those days. To see how more<br />

and more generations of volunteers set<br />

off to try out something completely new in<br />

Zambia or Germany and to dive into a new<br />

culture. This is why I am very glad that in<br />

this jubilee edition we can present a colourful<br />

picture of impressions from different<br />

years. It is fun to look back, and it is also<br />

fun to look ahead as with all those committed<br />

people in the association, the great<br />

wealth of experiences of all former volunteers<br />

and the big desire on both sides to<br />

continue this intensive German-Zambian<br />

partnership I am already looking forward to<br />

the next twenty years. Now I would first like<br />

to thank all of you for your staunch support<br />

and for your manifold commitment and I<br />

wish you an entertaining review of the work<br />

of our association – which is of course complemented<br />

by new impressions from our<br />

current volunteers.<br />

Kind regards, Johann Müller<br />

„Jetzt kann ich reden!“ ..........................3<br />

„Now I can talk!“<br />

Ein bisschen aufmerksamer… ...........6<br />

A bit more considerate<br />

Über Kochen, Dresscode<br />

und Kirche ................................................8<br />

About cooking, dresscodes<br />

and church<br />

Abschied nehmen ..............................10<br />

Saying Good-bye<br />

„Herzlichen Glückwunsch <strong>ewe</strong>!“....13<br />

„Happy 20th anniversary <strong>ewe</strong>!“<br />

Partnerschaft ist Menschenwerk....16<br />

Manmade partnership<br />

Erste Eindrücke....................................18<br />

First impressions<br />

Sieben Jahre seit Sambia –.............20<br />

„Zurück ist noch lange<br />

nicht vorbei!“<br />

Seven years since I returned<br />

from Zambia – „Being back<br />

doesn’t mean it‘s ober!“<br />

Ehemalige Freiwillige.........................21<br />

erinnern sich (I)<br />

Former volunteers remember (I)<br />

Ehemalige Freiwillige ........................22<br />

erinnern sich (II)<br />

Former volunteers remember (II)<br />

Sambia in 20 Jahren <strong>ewe</strong>................26<br />

Sambia since teh founding<br />

of the <strong>ewe</strong><br />

Es grüßt herzlich Johann Müller


Seite 3<br />

„Jetzt kann ich reden!“<br />

Interview mit Sangulukani Phiri<br />

S<br />

angulukani<br />

Phiri (SP) kam für einen einjährigen<br />

Schüleraustausch von 2000 bis<br />

2001 nach Deutschland. In einem Interview<br />

erzählt er Johann Müller, wie sich seine Erfahrungen<br />

in Deutschland auf sein Leben in<br />

Sambia ausgewirkt haben.<br />

JM: Sangu, du warst einer der ersten Sambier,<br />

die ihm Rahmen des <strong>ewe</strong> nach<br />

Deutschland gekommen sind. Kannst du<br />

uns erzählen, wie es sich ergab, dass du<br />

zum ersten Mal nach Deutschland kamst?<br />

SP: Es war eine seltene Gelegenheit. Ich<br />

wurde als einer der ersten Gruppe der Jugendlichen<br />

ausgewählt, nach Deutschland<br />

zu kommen. Ich war glücklich, ausgewählt<br />

worden zu sein. Ich war damals in der<br />

10.Klasse in Sambia und hatte die Möglichkeit<br />

durch die katholische Kirche. Ich kam<br />

nach Deutschland mit zwei weiteren Jugendlichen.<br />

Es war eine tolle Gelegenheit.<br />

Bis jetzt bleibt diese Gelegenheit in meinem<br />

Gedächtnis.<br />

JM: Was war dein erster Eindruck, als du<br />

nach Deutschland kamst?<br />

SP: Mein erster Eindruck war, zu sehen, wie<br />

schnell die Dinge in Deutschland laufen. Es<br />

war wie die Bilder, die man in Filmen sieht,<br />

wo alles ganz schnell geht. Mein Eindruck<br />

war, dass es in Deutschland sehr, sehr sauber<br />

ist und dass man nie Schmutz sieht.<br />

Und die Zeit wird präzise eingehalten.<br />

JM: War es danach schwer für dich, wieder<br />

in Sambia anzukommen?<br />

SP: Nein, das war nicht richtig schwierig.<br />

Natürlich hatte ich, als ich zurückkam, das<br />

Gefühl, dass die Dinge in Sambia langsamer<br />

laufen. Aber ich musste wieder zurück in die<br />

Schule gehen und dann kommt man schnell<br />

zurück in den Rhythmus des alten Systems.<br />

Es hat also nicht lange gedauert, sich<br />

wieder an die alten Standards anzupassen,<br />

vielleicht ein Jahr, aber eigentlich war die<br />

Anpassung nicht schwer.<br />

JM: Inwi<strong>ewe</strong>it hat das Jahr in Deutschland<br />

sich auf dein weiteres Leben in Sambia<br />

ausgewirkt?<br />

SP: Wenn man in Deutschland ist, ist man<br />

diszipliniert. Ich habe versucht, bestimmte<br />

Dinge aus meinem deutschen Leben mit in<br />

meine sambische Situation zu nehmen, was<br />

aus meiner Sicht die Effizienz des Lebens<br />

der Sambier verbessert. Schau dir zum Beispiel<br />

das Verhältnis zur Zeit an. Du weißt,<br />

dass die Menschen über die „sambische<br />

Zeit“ Witze machen: 30 Minuten zu spät –<br />

kein Problem! 1 Stunde zu spät – kein<br />

Problem! Aber in Deutschland ist das ein<br />

Problem: Du musst pünktlich sein, vor allem,<br />

wenn du eine gute Bildung und einen guten<br />

Job haben willst. Diese Einstellung zur Zeit<br />

half mir in Sambia sehr, als eine Person anerkannt<br />

zu werden, die es mit der Arbeit<br />

Ernst meint und dementsprechend Respekt<br />

von ihren Arbeitskollegen bekommt. Ich<br />

denke, dass Deutsche Vieles sehr ernst nehmen<br />

und eine Liebe zum Detail haben. Sie<br />

wollen alles bis ins Kleinste verstehen.<br />

Wenn man etwas liest, wollen sie alles<br />

verstehen: Warum etwas so ist wie es ist<br />

und was das dann bedeutet. Das hat meine<br />

Zufriedenheit im Leben verbessert. Denn<br />

diese Dinge konnte ich aus Deutschland<br />

mitnehmen.<br />

JM: Du hast dich dann später auf den Weg<br />

begeben, Ingenieur zu werden und hattest<br />

dabei auch die Gelegenheit, ein Praktikum<br />

in Deutschland zu machen. Wie war das für<br />

dich und wie hat das deinen weiteren<br />

Karrier<strong>ewe</strong>g beeinflusst?<br />

SP: Ja, ich hatte die Gelegenheit, dieses<br />

Praktikum zu machen. Es war toll, weil ich in<br />

meinem Abschlussjahr in Sambia war. Das<br />

hat mir als Student noch einmal richtig Auftrieb<br />

gegeben. Als ich wieder zurück nach<br />

Deutschland kam, war das nun eine ernstere<br />

Angelegenheit, nicht mehr nur ein kultureller<br />

Austausch. Man muss sich ganz neu in<br />

die Terminologie einarbeiten, was auch<br />

nicht einfach war. Aber mich wieder unter<br />

die Leute in Deutschland zu mischen, fiel mir<br />

nicht schwer, vielleicht, weil ich daran schon<br />

gewöhnt war. Glücklicherweise waren meine<br />

Kollegen geduldig genug, mir zu erlauben,<br />

die wesentlichen Prinzipien ihrer Arbeit<br />

zu lernen. Das war wirklich toll. In der Arbeit,<br />

mit der ich beschäftigt war, ging es vor allem<br />

um erneuerbare Energien, darum, pflanzliches<br />

Öl als erneuerbares Öl zu verwenden.<br />

Das hat nicht so viel zu tun mit dem, was<br />

ich jetzt mache. Jetzt bin ich eher im Verkauf<br />

mechanischer Komponenten und Werkzeuge<br />

tätig. Aber ich habe immer noch diese<br />

Disziplin und Beobachtungsgabe in Bezug<br />

auf technische Dinge. Das hilft mir sehr,<br />

denn meine Kollegen nehmen mich ernst,<br />

wenn sie sehen, dass ich genau weiß, was<br />

ich verkaufe.<br />

Ich habe nun auch mehr Selbstvertrauen,<br />

zu reden, denn Deutsche reden viel, und<br />

es ist wichtig, viel zu reden. Und sie reden<br />

viel über Ideen, was gut ist und das Leben<br />

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Seite 4<br />

maßgeblich ändern kann. Ich denke, du<br />

stimmst mit mir überein, dass Sambier dazu<br />

tendieren, ruhig zu bleiben. Aber zu reden<br />

und etwas Sinnvolles zu sagen, ist eine gute<br />

Sache. Denn man lernt und teilt sich mit<br />

und kann damit viele Dinge verbessern. Das<br />

hilft mir sehr, denn ich war auch ein ruhiger<br />

Junge, aber jetzt kann ich reden!<br />

JM: Du bist in der Southern Province aufgewachsen<br />

und lebst jetzt im Copperbelt und<br />

bist beruflich auch in anderen Provinzen im<br />

Norden unterwegs. Was sind die größten<br />

Unterschiede zwischen deiner jetzigen<br />

Umgebung und Monze und der Southern<br />

Province?<br />

SP: In der Southern Province gibt es nicht<br />

viel Industrie. Die meisten Menschen sind<br />

mit Subsistenzwirtschaft beschäftigt. Im<br />

Copperbelt findet man dagegen viel<br />

Bergbau, das ist in allen Städten dort der<br />

Hauptarbeitgeber. Es ist also ein großer<br />

Unterschied. Man macht Fortschritte auf verschiedenen<br />

Ebenen, die Arbeit im gleichen<br />

Ingenieurbereich in der Southern Province<br />

ist nicht dieselbe. Hier im Copperbelt laufen<br />

die Dinge schneller und dynamischer.<br />

JM: Wie siehst du die Situation in Sambia<br />

mit Edgar Lungu als neuem Präsidenten?<br />

SP: Edgar Lungu wurde Präsident in einer<br />

Situation, in der sein Vorgänger gerade gestorben<br />

war. Nun hat er erst mal nicht viel<br />

Zeit. Ich denke, wir sollten ihm erlauben,<br />

seinen Job zu machen und dann warten,<br />

wie die nächsten Wahlen laufen. Es ist vielleicht<br />

noch zu früh, zu beurteilen, wer was<br />

am besten kann. Die Fragen, die uns jetzt<br />

beschäftigen, sind ohnehin aufgeschoben:<br />

Es geht um Gesetze, die schon vor langer<br />

Zeit hätten geändert werden können oder<br />

um Versprechen, die immer noch nicht<br />

umgesetzt worden sind.<br />

JM: Was siehst du als die wesentlichen Herausforderungen<br />

für Sambia?<br />

SP: Jetzt haben wir die Sache mit der Energie.<br />

Wir haben nicht genügend Kraftwerke,<br />

die genug Strom erzeugen. Das kann das<br />

Land lahmlegen. Wenn wir nicht schnell genug<br />

handeln… Wir sind sowieso schon spät<br />

dran. Das Problem ist schon lange bekannt,<br />

aber es wurde nichts gemacht. In der Landwirtschaftwirtschaft<br />

gibt es nicht so viele<br />

Herausforderungen, außer dass wir sie<br />

wichtiger nehmen und uns nicht nur auf die<br />

Kupferindustrie konzentrieren sollten. Denn<br />

wenn die Kupferpreise sinken, kann es zum<br />

Stillstand kommen. Diejenigen an der Macht<br />

müssen sich dieser Probleme annehmen.<br />

JM: Was wünscht du dem <strong>ewe</strong> für die nächsten<br />

20 Jahre?<br />

SP: Mein erster Wunsch ist, dass ich mich<br />

mehr engagiere. Bisher habe ich mich noch<br />

nicht viel beteiligt. Es ist mein Wunsch, dass,<br />

wenn ich richtig in meinem Job angekommen<br />

bin, mehr Zeit habe, zu schauen, was<br />

alles passiert und dann unterstützen kann.<br />

Mein zweiter Wunsch ist, dass die Kontinuität<br />

des Austausches erhalten bleibt. Ich<br />

glaube, es gab ein oder zwei Jahre, in denen<br />

keine sambischen Freiwilligen nach<br />

Deutschland gekommen sind. Es wäre<br />

schön, wenn es weiter jedes Jahr möglich<br />

ist. Damit wir beim nächsten Jubiläum zweimal<br />

feiern können: in Deutschland und in<br />

Sambia.<br />

Mein dritter Wunsch ist, dass wir noch<br />

mehr Energie reinstecken, vor allem auf<br />

sambischer Seite. Wir, die Generation, die so<br />

viel profitiert hat, sollte mehr Energie darauf<br />

verwenden, so dass die Menschen in Sambia<br />

genauso viel Freude daran haben wie<br />

die Jugendlichen in Deutschland.<br />

JM: Vielen Dank. Wir freuen uns auf dein<br />

Engagement.<br />

„Now I can talk!”<br />

Interview mit Sangulukani Phiri<br />

Sangulukani Phiri (SP) came to Germany<br />

for a school exchange organized by the<br />

<strong>ewe</strong> from 2000 to 2001. In an interview, he<br />

told Johann Müller (JM) about the impact<br />

the exchange had on his life.<br />

JM: Sangu, you were one of the first Zambians<br />

to come to Germany within the<br />

programme of <strong>ewe</strong>. Could you just share<br />

with me how you happened to come to<br />

Germany for the first time?<br />

SP: It was a rare opportunity at that time. I<br />

was selected as part of a first bunch of<br />

youth to come to Germany. I was lucky to be<br />

picked. I was in 10th grade in Zambia. I had<br />

the opportunity through the Catholic Church.<br />

I came to Germany with two others; it was<br />

really a great opportunity. Up till today it has<br />

stayed in my memory.<br />

JM: What was your first impression when<br />

you got to Germany?<br />

SP: My first impression was to see how fast<br />

things were moving. Really it was more like<br />

a picture you see in the movies, where you<br />

see that life is fast. My impression was that<br />

this place is very, very clean and that you<br />

never see dirt. And time was so precise.<br />

JM: Was it then difficult for you to settle<br />

down back in Zambia?<br />

SP: No, not really, it wasn`t difficult. Of<br />

course, when I got back, I got that feeling<br />

that things are slower in Zambia. But I had<br />

to go back to school and then you quickly<br />

get back into the rhythm of that system<br />

there. So it didn’t take me that long to adjust<br />

back to the Zambian standard, maybe a<br />

year, but it was not very difficult to adjust.<br />

JM: In how far did that year in Germany have<br />

an impact on your life back in Zambia<br />

and on what you became?<br />

SP: When you are in Germany you are disciplined<br />

to a certain type of lifestyle. I tried to


Seite 5<br />

implement certain things of my German life<br />

in my Zambian situation which in my view<br />

helped improve efficiency in the lifestyle of<br />

Zambians. Take for example the issue of<br />

keeping to time. As you know people joke<br />

about that thing called ZAMBIAN TIME: 30<br />

minutes late – no problem. 1 hour late – no<br />

problem… But in Germany it’s a problem:<br />

You have to keep to time, especially if you<br />

want to get this fine education and a fine<br />

job. This tendency was helping me a lot in<br />

Zambia to be appreciated as a person that<br />

is quite serious about work and to get some<br />

form of respect from work colleagues. I think<br />

Germans take things seriously and they love<br />

details. They like to understand stuff to its<br />

bits. You know when you read something<br />

they want to know why it is like this or what<br />

does it mean. That improved my satisfaction<br />

in live. Those were some of the things I<br />

managed to carry forth from my German<br />

exposure.<br />

JM: And then later you started following the<br />

engineering path and you also had the<br />

chance to do an internship in Germany.<br />

How did you experience that and how did<br />

that determine your career?<br />

SP: Yes I had the opportunity to do that<br />

internship. First of all it was great, because it<br />

was in my final year of my engineering<br />

studies in Zambia. It added some good<br />

impetus to my experience as a student.<br />

Coming back to Germany was now more a<br />

serious business, because it was now more<br />

than a cultural exchange. You start using<br />

different language terminologies, which I<br />

think was not easy either. But to mingle with<br />

people was not very difficult. Maybe it was<br />

because I was used to doing that. Luckily<br />

the guys were patient enough to allow me<br />

to learn the engineering principles in what<br />

we were doing. That was really great. What I<br />

did was more centered around renewable<br />

energies, using vegetable oil as renewable<br />

fuel. It doesn`t really go in line with what<br />

I am doing now. Now I am more of a<br />

salesman in mechanical components or<br />

tools. But I still have that discipline and observance<br />

towards technical aspects. It has<br />

really helped me a lot that the colleagues<br />

take me serious, when they realize that you<br />

know what you are selling.<br />

I have also grown in confidence to talk<br />

because Germans talk a lot and I think it is<br />

necessary to talk a lot. And they tend to<br />

talk about ideas a lot, which is great and<br />

changes lives significantly. I think you agree<br />

with me: Zambians just tend to keep quiet.<br />

But to talk and to talk sense is a good thing.<br />

Because you learn as well and you share<br />

and as that process continues, you can<br />

improve. That has helped me because I was<br />

also quite a quiet boy, but now I can talk.<br />

JM: You have grown up in Southern Province<br />

and now you are staying on the Copperbelt<br />

and you are working in other northern<br />

provinces, too. What are the main differences<br />

that you see between where you are<br />

now and Monze and the other southern<br />

parts of Zambia?<br />

SP: Having grown up in Southern Province it<br />

is a place that is not very busy industrywise.<br />

Most people are subsistence farmers<br />

and there are not many industries any way.<br />

So coming to the Copperbelt you find the<br />

mining industries that offer the main activity<br />

of employment in all cities around. So I think<br />

it is a huge change in that you really feel<br />

like you are progressing at a different level in<br />

your chosen work area, whereas in the<br />

same field of engineering in Southern<br />

Province the work is not actually the same.<br />

Naturally things up here are faster or more<br />

dynamic.<br />

JM: How do you generally see the situation<br />

in Zambia looking at Edgar Lungu being the<br />

new president?<br />

SP: Edgar Lungu came in a situation where<br />

his predecessor had died. Now he doesn’t<br />

have much time. I think we should allow<br />

him to do his part and especially to see how<br />

the elections unfold, because maybe it is<br />

too early to judge who can do what best.<br />

The questions we are facing now are adjourned.<br />

They are based on policies that<br />

could have been changed a long time ago<br />

or promises that could have been done better<br />

a long time ago.<br />

JM: So what are the main challenges for<br />

Zambia in the coming years?<br />

SP: I think right now we have this power<br />

issue, we do not have power stations that<br />

give us enough power. This can really bring<br />

the country to a standstill. If we do not act<br />

fast enough… We are already late. People<br />

were aware of it but nothing was done<br />

about it. Agriculture-wise we do not have<br />

that many challenges, except from the fact<br />

that we need to expand on it and not only<br />

on the copper industry alone. Because<br />

when the copper prices go done, the<br />

country could come to a standstill. It is up to<br />

those in power to do something about it.<br />

JM: What do you wish the <strong>ewe</strong> for the next<br />

20 years?<br />

SP: The first wish I have is that I become<br />

more involved. So far I was not really that<br />

much involved in it. My first wish is that if I<br />

settle down in my job, I start to spend more<br />

time in getting to know what is going on<br />

and put in my support in any way possible.<br />

The second wish is that I would love the<br />

consistency of the exchange not to die<br />

down. I think there were one or two years<br />

where there was no exchange from the<br />

Zambian to the German side. I would just<br />

like it to continue every year as it is. So the<br />

next time we celebrate an anniversary it<br />

should be done twofold: in Germany and<br />

Zambia.<br />

My third wish is that we should put<br />

more energy into the programme, especially<br />

on the Zambian side. We, the generation<br />

that has benefitted so much from it, should<br />

put in more energy so that people on the<br />

Zambian side can enjoy it as much as the<br />

German youths.<br />

JM: Thank you very much. Your contribution<br />

will be greatly appreciated.<br />

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Seite 6<br />

Ein bisschen aufmerksamer…<br />

Anna ist zurück aus Sambia<br />

Der Kopf ist voll und leer zugleich, ich bin<br />

gefühls- und antriebslos und doch überfordert<br />

mit Emotionen, im einen Moment bin<br />

ich froh und fröhlich, im nächsten überwiegt<br />

der Herzschmerz.<br />

Es scheint, als holt mich hier der Kulturschock<br />

ein, den ich in Sambia ein bisschen<br />

übersprungen habe.<br />

Vom Flughafen zum Düsseldorfer Bahnhof....<br />

Nach unten in die Unterführung, von<br />

der aus es zu den Gleisen geht: Viele weiße<br />

Menschen, die durch den Gang hetzen. Die<br />

Menschenmenge dürfte mich eigentlich<br />

nicht so geschockt haben – am Intercity<br />

(dem großen Busbahnhof in Lusaka) geht es<br />

mindestens genauso, wenn nicht noch<br />

überfüllter zu. So viele weiße Menschen zu<br />

sehen, war ungewohnt, das auf jeden Fall.<br />

Aber was mich im ersten Moment überfordert<br />

hat, war, dass die Leute da nicht durchgingen,<br />

sondern hetzten – willkommen zurück<br />

in Deutschland. Willkommen zurück in<br />

Deutschland, wo der Zug bei fünf Minuten<br />

Verspätung schon zu spät ist, und bei dem<br />

die nichtfunktionierende Klimaanlage das<br />

größte Problem ist, während wir gemütlich<br />

im ICE mit eigener Steckdose für unbegrenzten<br />

Strom für Handy, Tablet und Laptop sitzen.<br />

Willkommen zurück in Deutschland, wo<br />

man schon am Flughafen am geschwisterlichen<br />

Streit fremder Kinder teilhaben muss<br />

und an familiären Diskussionen, bei denen<br />

die Kinder die Eltern anmaulen, weil sie<br />

doch besser wissen, wo sie jetzt hinmüssen.<br />

Mich in Ingolstadt wieder einzuleben,<br />

geht relativ gut. Was mich noch einmal so<br />

richtig überfordert hat, war die Großstadt<br />

Nürnberg, die wir letzte Woche besucht haben.<br />

Dort geht meine Schwester zur Schule<br />

und hat eine wunderschöne Wohnung für<br />

sich alleine. Dann musste ich an Freunde in<br />

Lusaka denken, die zur Uni gehen, und zu<br />

viert in einem Zimmer wohnen, das so groß<br />

wie ihr Wohn-/Schlafzimmer ist, wo das Bad<br />

aber dann nicht direkt daneben ist. Ich<br />

möchte das nicht generalisieren, ich habe<br />

dort auch schöne Studentenzimmer gesehen.<br />

Und ich will auch nicht sagen, dass<br />

man sich hier schlecht fühlen muss, weil<br />

man so viel Luxus für sich genießen darf.<br />

Was mir aufgefallen ist, war, wie unbewusst<br />

vielen das hier ist. Als wir durch die Stadt<br />

gegangen sind, habe ich Menschen beobachtet.<br />

Manche, die durch die Gegend<br />

schlendern, ziellos von einem Laden zum<br />

anderen, und den Samstagnachmittag genießen.<br />

Um das zu können, braucht man ein<br />

bisschen Zeit und Geld. Zeit – sonst könnte<br />

man nicht schlendern, und Geld – sonst<br />

würde es keinen Spaß machen, von einem<br />

Geschäft zum nächsten zu ziehen, wenn<br />

man sich nicht ab und zu auch mal was leistet.<br />

Oder manche, die in den Cafes sitzen<br />

und unzufrieden aussehen. Leute, denen<br />

nicht auffällt, wie wunderschön die Sonne<br />

herunterscheint und dass sie es sich leisten<br />

können, den Milchkaffee teuer in der Stadt<br />

zu trinken, und dass sie eigentlich alles haben,<br />

was sie brauchen. Dieses mangelnde<br />

Bewusstsein vieler Leute war, glaube ich, etwas,<br />

das mich irgendwie berührt hat. Es<br />

geht auch gar nicht darum, dass solche Dinge<br />

das Leben besser machen, es geht einfach<br />

darum, so etwas einfach manchmal bewusst<br />

wahrzunehmen und nicht alles als<br />

gegeben zu nehmen. Als wir dann beim Es-


Seite 7<br />

sen waren (die Preise schocken mich natürlich<br />

immer noch, auch wenn diese wenigstens<br />

mit dem höheren Lohnniveau gerechtfertigt<br />

werden können), hat mich meine<br />

Mutter mitfühlend angeschaut und verstanden,<br />

dass mich das Großstadtleben nach<br />

zwei Wochen dann doch überfordert hat. Ich<br />

habe wenig geredet an dem Tag, bloß zugeschaut<br />

und versucht, meine Emotionen und<br />

diesen schwer zu beschreibenden Druck,<br />

den ich auf mir gefühlt habe, zu verarbeiten.<br />

Als wir nachmittags zurück in der Wohnung<br />

waren, habe ich erst einmal zwei<br />

Stunden geschlafen, es war ein anstrengender<br />

Tag für mich.<br />

Es mögen mich zwar manche Dinge<br />

noch ein bisschen überfordern, dafür schätze<br />

ich manch andere umso mehr. Was ich<br />

unglaublich genieße und wirklich sehr zu<br />

schätzen gelernt habe, ist die Freihieit, die<br />

ich hier als Mädchen habe. Ich kann selbst<br />

entscheiden, wann ich was wo und mit<br />

wem mache. Ich bin nicht bei Dunkelheit<br />

daheim, sondern verlasse vielleicht dann<br />

erst das Haus. Ich darf alleine mit dem Fahrrad<br />

nachts fahren, ich darf Alkohol trinken,<br />

und ich kann vor allem mit meinen Eltern offen<br />

über all das reden, und sie erlauben es<br />

mir. Wir haben hier so viele Freiheiten und<br />

Möglichkeiten, von denen wir gar nicht wissen,<br />

dass wir sie haben, weil es uns nicht<br />

bewusst ist, dass sie nicht natürlich und vorgegeben<br />

sind, sondern dass es an unserer<br />

Kultur und der hohen Sicherheit hier liegt,<br />

dass uns das alles so möglich ist. Dafür bin<br />

ich auch unglaublich dankbar, dass ich solche<br />

Dinge jetzt wahrnehmen darf. Es fühlt<br />

sich zwar vieles noch an wie im Traum, aber<br />

im Großen und Ganzen, denke ich, gehe ich<br />

ein bisschen aufmerksamer durchs Leben.<br />

Ich bin zwar langsam dabei, anzukommen,<br />

und an vieles habe ich mich schon<br />

wieder gewöhnt, aber bis ich wieder so richtig<br />

und ganz da bin, braucht es glaube ich<br />

noch ein bisschen...<br />

Anna Hofbeck<br />

A bit more considerate<br />

Anna has returned from Zambia<br />

My head is full and empty at the same<br />

time, I am unemotional and aimless<br />

and still unable to cope with emotions, in<br />

one moment very happy, in the next one full<br />

of heartache.<br />

It seems like the culture shock I skipped<br />

in Zambia a bit, has now got me.<br />

From the airport to the main train station<br />

in Düsseldorf: Downstairs to the passage<br />

from where you can reach the railway: A lot<br />

of white people, rushing through there. The<br />

big number of people shouldn’t be the thing<br />

shocking me – at Intercity in Lusaka there<br />

are at least as much people as well. And for<br />

sure it was different seeing so many white<br />

faces. But what I was unable to cope with in<br />

the first moments, was that the people weren’t<br />

just walking, but rushing. Welcome<br />

back to Germany. Welcome back to Germany,<br />

where the train is delayed when it’s five<br />

minutes late and where it is a big problem<br />

when the air conditioning is not working.<br />

Meanwhile we sit comfortably in the ICE<br />

with our own plug for phone, tablet and laptop.<br />

Welcome back to Germany, where<br />

already at the airport you have to take part<br />

in other people’s childrens’ fights and other<br />

families’ discussions, where the children<br />

shout at their parents because they think<br />

they know better where to go.<br />

To settle down back in Ingolstadt is<br />

working quite well. But it was a bit too<br />

much for me, when we visited the bigger city<br />

Nuremberg last week. My sister goes to<br />

school there and has a beautiful apartment<br />

on her own. Then I had to think of some<br />

friends in Lusaka that go to university there<br />

and live in one room that is as big as her sitting/sleeping<br />

room is, and the toilet is not<br />

next to it. I don’t want to generalize, I also<br />

saw really nice student rooms there. And I<br />

don’t want to say she should feel bad about<br />

having that much space for her own. But<br />

what caught my eye was how unconscious<br />

a lot of people here are about that. When<br />

we walked through the city, I watched some<br />

people. Some of them walking aimlessly<br />

from one shop to the another in order to enjoy<br />

the Saturday afternoon. For being able to<br />

do so, you have to have left a bit of time<br />

and money. Time – otherwise you wouldn’t<br />

be able to linger around, and money – because<br />

otherwise it wouldn’t be fun to go<br />

from one shop to another if you do not buy<br />

anything. Other people are sitting in cafés<br />

and look unhappy. People being unaware of<br />

how beautiful the sun is shining and of the<br />

fact that they can afford drinking their coffee<br />

expensively in town, and that actually they<br />

have everything they need. I think this lack<br />

of awareness of many people was something<br />

that somehow touched me. It is not<br />

that those things make life better, but it’s<br />

about simply taking these things for granted.<br />

When we were having lunch (the prices<br />

everywhere are still shocking me), my Mom<br />

looked at me, understanding that the city<br />

life was too much for me just two weeks<br />

after coming back. I didn’t talk much that<br />

day, I was just looking around and trying to<br />

cope with my emotions and this feeling that<br />

seemed to overwhelm me. When we came<br />

back to the apartment in the afternoon, I<br />

immediately slept for about two hours, it<br />

was an exhausting day.<br />

There may be some things that I’m not<br />

yet able to cope with, but therefore I also<br />

learned to appreciate some other ones so<br />

much more. What I am really enjoying and<br />

what I am appreciating a lot nowadays is<br />

the freedom I have as a girl. I can decide<br />

myself what I want to do, and where, when<br />

and with whom. I don’t have to come home<br />

when it’s getting dark, but maybe that’s the<br />

time I’m leaving home. I’m allowed to come<br />

home alone at night, to ride a bike, I’m<br />

allowed to drink alcohol, and I can talk about<br />

all of that with my parents. We have so<br />

much freedom and so many opportunities<br />

here, of which we don’t even know we<br />

have them, because we’re not aware of<br />

them not being natural and always there.<br />

It’s part of our culture and the safety we<br />

have here, that’s why all this is possible.<br />

And I’m so grateful for being able to see<br />

those things now. A lot of things still feel like<br />

a dream, but all in all, I think I am now more<br />

considerate in life.<br />

I am now about to really settle down,<br />

and there are a lot of things I got used to<br />

again. But it will still take some time until I<br />

can really say that I am back.<br />

Anna Hofbeck


Seite 8<br />

Über Kochen, Dresscode und Kirche<br />

Sambia. Choma, Livingstone und Mazabuka.<br />

In den ersten Wochen habe ich<br />

schon so viele Plätze in diesem neuen, noch<br />

etwas fremden Land gesehen. Dieses Jahr<br />

habe ich die Orientierungsswochen bei der<br />

Ordensschwester in ihrem „Convent“ (Kloster)<br />

verbringen dürfen – ein Gegensatz zu<br />

den letzten Jahren. Aber deswegen habe ich<br />

das Leben in Choma und das der Ordensschwester<br />

hautnah miterleben können. Zusammen<br />

haben wir gekocht, gespült, gewaschen<br />

und den restlichen Haushalt geschmissen.<br />

Und wenn bei der Ordensschwester<br />

gekocht wird oder auch in meiner Familie,<br />

bei der ich nun wohne, dann wird schon<br />

morgens damit angefangen (oder am Tag<br />

vorher). Es werden Bohnen noch vor dem<br />

Frühstück geköchelt, Fisch am Tag vorher<br />

getrocknet. Kochen ist hier kein „ich wärme<br />

mir mal eben was in der Mikrowelle auf“.<br />

Kochen ist hier ein Prozess und zwar ein<br />

Prozess mit viel Geduld und Arbeit. Aber das<br />

ist gerade schön. In meiner Familie kochen<br />

meistens wir Kinder. Und deswegen verbringen<br />

wir schon allein beim Kochen viel Zeit<br />

miteinander.<br />

Einmal war es so, dass wir so viel gequatscht<br />

haben, dass das Gemüse schon<br />

wieder kalt geworden war und Mama sich<br />

beschwert hat. Doch auch sie muss<br />

schmunzeln, wenn sie uns in der Küche<br />

hört, wie wir Gospellieder singen oder wie<br />

ich versuche, ihnen Paartanz beizubringen.<br />

Tanzen und Singen ist hier etwas ganz<br />

Alltägliches. In meinem Freundeskreis in Aachen<br />

habe ich oft das Gefühl, dass besonders<br />

die Jungen nicht tanzen, weil sie<br />

sich schämen. Hier schämt sich niemand.<br />

Hier werden vor der Kirche, wenn auf ein<br />

Treffen gewartet wird (und es wird hier oft<br />

gewartet) die Trommeln rausgeholt, und es<br />

fängt einfach irgendwer an zu tanzen.<br />

Genauso ist das mit Singen. Ständig<br />

wird gesungen, beim Kochen, beim Kehren,<br />

besonders natürlich in der Kirche.<br />

Kirche verbindet einfach alles. Und wenn<br />

man sonntags zur Messe geht, alle Leute<br />

trifft, zusammen singt und lacht, dann fühle<br />

ich einfach, dass Kirche hier lebt und ich<br />

wünschte, ich könnte etwas von diesem<br />

„Spirit“ mit nach Deutschland nehmen.<br />

Genauso in meiner Familie. Wir sind<br />

sehr katholisch und deswegen wird jeden<br />

Abend zusammen gebetet, was ich sehr<br />

schön finde. Einer leitet immer das Gebet,<br />

und so kann jeden Tag ein anderes Familienmitglied<br />

seine Gedanken mitteilen. Das<br />

verbindet.<br />

Ich wurde sowieso direkt in die Familie<br />

aufgenommen, und so habe ich erst mal<br />

beim Ankommen einen<br />

Tonganamen verpasst bekommen,<br />

der nichts anderes<br />

heißt als „Blessing“ (Segen).<br />

Auf Tonga ist das Chileleko,<br />

und wenn ich mich hier mit<br />

diesem Namen vorstelle,<br />

ernte ich jedes Mal erstaunte<br />

Blicke, weil dieser jemand<br />

nicht glauben kann, dass ein<br />

weißes Mädchen Chileleko<br />

heißt. Meine Mutter ist überzeugt<br />

davon, dass ich allein<br />

hier in dieser Familie bin,<br />

weil es Gottes Wille war.<br />

Und so bin ich ein Segen, eine „Chileleko“,<br />

und ein weiteres ihrer Kinder, und das fühle<br />

ich auch. Ich bin hier keine Fremde.<br />

Vom ersten Moment an war ich ein Teil<br />

der Familie, und als mich der Priester in meiner<br />

ersten Messe vorgestellt hat und ich und<br />

meine Gastschwester nach vorne kommen<br />

mussten, meinte er: „Das sind Helen und<br />

Winnie und sie sind Schwestern.“ Und alle<br />

haben gelacht.<br />

Leider ist unser erstes Meeting der Jugend<br />

in meiner Gemeinde ausgefallen, ganz<br />

plötzlich. Hier muss man jederzeit auf alles<br />

vorbereitet sein, „anytime from now“ sagen<br />

wir hier (jederzeit ab jetzt).<br />

Was mich natürlich als modebegeistertes<br />

Mädchen besonders interessiert, ist die<br />

Kleidung, die hier getragen wird. Die Ordensschwester<br />

meinte zu mir, dass sie sehr<br />

streng ist, was Kleidung angeht und sie<br />

meinte, dass in Deutschland vielleicht Dinge<br />

wie Pünktlichkeit wichtig sind. Aber hier ist<br />

eines der Dinge, die wichtig sind, der Dresscode.<br />

So zieht sich meine Familie jeden<br />

Sonntag schick an, um zur Messe zu gehen,<br />

Kleider werden noch schnell gebügelt und<br />

Hemden herausgekramt. Und wenn man<br />

absolut nicht weiß, was man diesen Sonntag<br />

anziehen soll, dann bindet man sich ein<br />

Chitenge um, das ist nie verkehrt.<br />

Chitenge, das ist ein bedruckter Stoff,<br />

den sich die Frauen hier um die Hüften binden.<br />

Es gibt Stoff mit kirchlichen Motiven<br />

und welchen mit einfachen Mustern. Man<br />

kann sie als Tuch, als Rock, als Tragetasche<br />

für Babys und Gemüse benutzen und sie<br />

sind nie verkehrt zu tragen. Mit einem Chitenge<br />

in der Tasche ist man immer auf der<br />

sicheren Seite, finde ich.<br />

Was außerdem typisch hier ist, das ist<br />

natürlich das afrikanische Haar – oder sollte<br />

ich lieber indisches Haar sagen? Denn<br />

irgendwie war ich immer der Überzeugung,<br />

dass die tollen Rastalocken und geflochtenen<br />

Zöpfe der Sambierinnen aus echtem<br />

Haar bestehen. Falsch gedacht.<br />

In meiner zweiten Woche habe ich einen<br />

„Hairdresser“ (Friseur) besucht und da<br />

wurden alle Frisuren von lang bis kurz mit<br />

falschem Haar angenäht, hineingeflochten<br />

und aufgedreht. Ich war fasziniert. Und deswegen<br />

musste ich mir natürlich auch selbst<br />

so eine tolle Frisur verpassen lassen. Acht<br />

geschlagene Stunden habe ich dort verbracht,<br />

während die Friseusen um mich<br />

rumgeschwirrt sind und wir Geschichten<br />

ausgetauscht haben – über Filme, die hier<br />

wie in Deutschland bekannt sind aber auch<br />

über Dinge wie, dass in Deutschland in der<br />

Kirche nicht getanzt wird, was man schokkierend<br />

fand. Außerdem habe ich die ein<br />

oder andere Geschichte über „Witchcraft“<br />

(Hexerei) gehört und musste schmunzeln,<br />

weil die meisten Leute hier auf dieser Zauberei<br />

beharren.


Seite 9<br />

Selbst beim Friseur wird man, sobald es<br />

Mittag wird, zum Nshima essen eingeladen<br />

und selbstverständlich wird von einem gemeinsamen<br />

Teller gegessen. Das verbindet<br />

irgendwie, und ich finde es sehr schön, dass<br />

hier alles geteilt wird, egal was es ist und<br />

wie wenig man hat.<br />

Als ich beim Friseur Nshima mit den<br />

Händen gegessen habe, waren alle Augenpaare<br />

plötzlich auf mich gerichtet. Die Weiße<br />

ist Nshima mit den Händen! Ich habe ihnen<br />

erklärt, dass ich sogar schon Nshima gekocht<br />

habe, und das fanden sie alle großartig.<br />

So habe ich in dieser ersten Zeit schon<br />

viele neue Erfahrungen gesammelt – über<br />

Haushalt schmeißen, Beten, Familienleben,<br />

Tonga lernen. Und ich bin gespannt, in welche<br />

Situationen ich in den nächsten Monaten<br />

noch stolpern werde.<br />

Helen Hermens<br />

About cooking, dresscodes<br />

and church<br />

Zambia. Choma, Livingstone and Mazabuka.<br />

I have already seen so many<br />

places of this new country in my first weeks.<br />

This year the orientation weeks were<br />

spent in the convent of the Sister – quite a<br />

contrast to recent years, because I am the<br />

only volunteer. I was thus able to jump into<br />

Zambian life from the very first moment. We<br />

prepared lunch together, cleaned the house,<br />

watered the garden and did the rest of the<br />

household. Weeks full of new experiences.<br />

When it’s time for cooking, no matter<br />

whether in the convent or in my family who<br />

I am now living with, we begin to prepare<br />

lunch before taking breakfast (or even the<br />

day before). Beans are cooked in the morning,<br />

dry fish is prepared many days before.<br />

Cooking is nothing like “I warm something<br />

for 10 minutes in the microwave”. Cooking is<br />

a process – a process of<br />

patience and work. But<br />

this aspect is so precious<br />

when you learn to<br />

love it. In my family it’s<br />

the children’s job to<br />

cook and to prepare the<br />

meal. Therefore we already<br />

spend much time<br />

together by cooking together.<br />

One day we were so<br />

busy chatting and laughing<br />

that the vegetables<br />

had got cold again and<br />

my mother complained.<br />

But even mum has to<br />

laugh when she sees us in the kitchen singing<br />

gospels and dancing German standard<br />

dances.<br />

Dancing and singing belong to the daily<br />

life here. I often made the experience that<br />

my friends in Aachen (especially the boys)<br />

were ashamed of dancing in public. Here,<br />

nobody is ashamed! When you wait for a<br />

meeting in front of the church somebody<br />

gets a drum and the girls stand up and<br />

dance.<br />

With singing it’s the same. We sing very<br />

often –when we cook, sweep, but especially<br />

when we go to church.<br />

Church connects everything. And when I<br />

go to church on Sunday to meet my friends<br />

there and to sing and dance, I feel that<br />

church is full of life. I wish I could get some<br />

of this spirit to carry it in my suitcase back to<br />

Aachen one day.<br />

This is similar to life in my family. We are<br />

very catholic and therefore we pray every<br />

evening together what I think is very nice.<br />

Every day a different member of my family<br />

guides the others through the prayer. That’s<br />

why everybody is able to share his or her<br />

thoughts with us and this connects us as<br />

children and parents.<br />

I was welcome in my family from the<br />

first moment and so I already got a Tonga<br />

name when I arrived. My name is Chileleko<br />

(“blessing”) and every time I introduce myself<br />

with this name the other person is<br />

looking very surprised. A white girl with a<br />

Tonga name? Never ever! My mother is<br />

convinced that it was the will of God that I<br />

live in her family. Therefore I’m a blessing, a<br />

Chileleko and another child in the family.<br />

Here I’m not a stranger.<br />

From the first moment I was a part of<br />

the family and on my first Sunday I was introduced<br />

in church as “the sister of Wini and<br />

a child in the family Mweemba.” Of course<br />

everybody laughed. Unfortunately the first<br />

meeting of the youth didn’t take place. Here<br />

you have to be prepared that things can<br />

happen anytime from now. I think I must get<br />

used to this.<br />

As a girl who is very interested in fashion<br />

I have to write something about the<br />

dress code, too. The Sister from the convent<br />

said to me that she’s very strict with this<br />

dress code. In Germany there are maybe<br />

other things that are more important like<br />

being on time. Here it is the dress code. On<br />

Sundays we always dress up with our nicest<br />

clothes. Dresses are ironed carefully and<br />

shoes are polished. Sometimes I don’t know<br />

what to wear on a certain Sunday. In this<br />

case I wear a Chitenge that’s never wrong.<br />

Chitenge, that’s a piece of cloth you can<br />

tie around your hips. There are some with<br />

Catholic motives and some with normal<br />

patterns. You can wear them as a skirt, tie<br />

them around your head or use them as<br />

a bag for a baby. I think if you have a<br />

Chitenge with you, you will always be on<br />

the safe side.<br />

In addition a thing that is very typical<br />

here, that’s the African hair – or should I<br />

rather say the Indian hair? I was always<br />

convinced that the beautiful hairstyles of the<br />

Zambian girls are their real hair. But that’s<br />

wrong.<br />

In my second week I visited a hairdresser.<br />

In this place you can get every hairstyle<br />

– every length, every colour and every<br />

arrangement. I was fascinated. And because<br />

of that I had to get such a nice hairstyle, too!<br />

I spent eight hours in this place while the<br />

women prepared my hair and chatted with<br />

me. We talked a lot about German and Zambian<br />

movies, about typical German and<br />

Zambian food and when I told them that in<br />

the German mass nobody is dancing, they<br />

were kind of shocked. I also listened to a lot<br />

of witchcraft-stories and had to laugh about<br />

these strange tales. But here most of the<br />

people take these stories serious.<br />

Of course we ate all together when I<br />

spent my day at the hairdresser. Normally<br />

we eat all together from one plate and in<br />

my opinion this connects the people very<br />

well and describes the spirit here. Everything<br />

is shared no matter how much you have – it<br />

is shared.<br />

When I ate Nshima with my hands at<br />

the hairdresser all eyes were on me. The<br />

white girl eats Nshima with her hands! I told<br />

them, that I had already cooked Nshima and<br />

they were very surprised.<br />

In my first weeks I have made a lot of<br />

new experiences –about household, prayer,<br />

family, Tonga. And I am very curious to see<br />

with what situations I will be confronted in<br />

the next months.<br />

Helen Hermens


Seite 10<br />

Abschied nehmen<br />

Lea berichtet von ihren letzten Tagen in Sambia<br />

Meinen letzten Bericht vor drei Monaten<br />

beendete ich mit der Feststellung, dass<br />

nun der Zeitpunkt gekommen war, alles zu<br />

machen, was ich in Sambia noch machen<br />

wollte. Habe ich das geschafft? Natürlich<br />

nicht. Es steht immer noch der Besuch der<br />

Fabrik von Zambia Sugar aus, die das Stadtbild<br />

von Mazabuka genauso sehr prägt wie<br />

die Anwesenheit der riesigen Firma den Alltag<br />

der Einwohner und die ich täglich von<br />

außen aber nie von innen gesehen habe.<br />

Ich habe es doch nicht geschafft, meinen<br />

Vater auf der Arbeit zu besuchen und sambische<br />

Oberstufenluft zu schnuppern. Auch die<br />

von einem Freund meines Gastbruders aufgebaute<br />

Behindertenschule habe ich nicht<br />

noch einmal besucht. Und so blieb noch<br />

vieles mehr offen.<br />

Fotonachweise<br />

Johann Müller 1 / Sangulukani Phiri 1 /<br />

Anna Hofbeck 3 / Yavonne Kabombwe<br />

1 / Lusaka Star 1 / Helen Hermens 3 /<br />

Lea Hennemann 2 / Rabea Brandt 3 /<br />

Carolin Pawlowski 1 / Lea Thiekötter 6 /<br />

Wikipedia 1 / Embassy of Japan 1 /<br />

Daily Nation 1 / The Post 1 / Electoral<br />

Commission of Zambia 1 / Skynews 1 /<br />

Latimesblogs 1


Seite 11<br />

Dass ich all diese Dinge nicht geschafft<br />

habe, liegt vor allem daran, dass während<br />

der letzten drei Monate so viel Anderes anstand,<br />

dass einfach keine Zeit mehr blieb.<br />

Innerhalb der Gemeinde gab es wieder und<br />

wieder besondere Ereignisse, in deren Vorbereitung<br />

und Gestaltung die Jugendlichen<br />

involviert waren. Angefangen mit der ersten<br />

Messe eines jungen Priesters, der ursprünglich<br />

aus unserer Gemeinde stammt, über die<br />

Priesterweihe der Diözese Monze und Firmung<br />

bis hin zu den Wahlen der „Executives“<br />

auf allen Ebenen der Gemeinde – überall<br />

bereiteten wir vor, halfen mit. Neben den<br />

vielen Aktivitäten innerhalb der Gemeinde<br />

war ich gleichzeitig viel außerhalb von Mazabuka<br />

unterwegs. So nutze ich meine letzten<br />

Urlaubstage, um noch ein wenig herumzureisen,<br />

besuchte unter anderem den Copperbelt<br />

und –natürlich – wieder Livingstone.<br />

Dass ich dorthin zwei Wochen später erneut<br />

mit den Jugendlichen fuhr, ergab sich kurzfristig.<br />

Wie jedes Jahr organisierte die Gruppe<br />

einen gemeinsamen Trip, der dieses Jahr eigentlich<br />

an den am Lake Kariba liegenden<br />

Ort Siavonga führen sollte. Einige Tage vor<br />

unserer Abreise dann jedoch die ernüchternde<br />

Nachricht: Wir können doch nicht nach<br />

Siavonga fahren. Ein neuer Plan musste her,<br />

ein neues Ziel. Livingstone. Trotz der spontanen<br />

Kursänderung eine gelungene Fahrt!<br />

Und so flog die Zeit bis August nur so<br />

dahin. Genau wie vor der Ausreise aus<br />

Deutschland vor einem Jahr kam der Augenblick<br />

des Abschieds viel zu schnell, unerwartet<br />

früh, ja fast überraschend. Schon letztes<br />

Jahr fiel es mir schwer zu realisieren, mich<br />

von meinen Liebsten, von meinem Zuhause<br />

für ein Jahr verabschieden zu müssen. Ein<br />

Jahr erschien mir furchtbar lang und so waren<br />

die letzten Tage eine Reihe beinah hektisch<br />

aufeinanderfolgender Treffen mit<br />

Freunden und Familie, um möglichst jeden<br />

vor der Abreise noch sehen und sich verabschieden<br />

zu können. Der eigentliche gedankliche<br />

und emotionale Abschied holte<br />

mich erst in meinen ersten Tagen in Sambia<br />

ein, wo ich dank einer locker geplanten<br />

Orientierungswoche im Pastoral Center von<br />

Kizito endlich Zeit hatte, runterzukommen,<br />

nachzudenken, einen Moment innezuhalten.<br />

Ein Abschied für ein langes Jahr –<br />

schwer, aber doch machbar.<br />

Ein Jahr später eine andere Situation:<br />

Wie verabschiedet man sich nach diesem<br />

„langen“ Jahr, das irgendwie doch viel kürzer<br />

als erwartetet war, von einem Platz, der zum<br />

Zuhause geworden ist, von Menschen, die<br />

zu engen Freunden, Vertrauten, zur Familie<br />

geworden sind, und diesmal nicht zu wissen,<br />

dass es eben nur für ein Jahr ist? Um<br />

ehrlich zu sein, nach außen hin ähnlich wie<br />

in Deutschland. Wieder hatte ich eine Liste<br />

von Freunden, die ich unbedingt noch besuchen<br />

wollte, wieder eine Liste mit letzten<br />

Besorgungen, wieder die Sorge, dass nicht<br />

alles in den Koffer passt, wieder Abreisestress.<br />

Abreisestress, doch weniger hektisch.<br />

Dank des sambischen Zeitgefühls, mit dem<br />

ich zu Beginn meines Aufenthaltes doch so<br />

meine Probleme hatte, das ich aber während<br />

des Jahres durchaus zu schätzen gelernt<br />

habe, waren die letzten Tage weniger<br />

durchgetaktet. Dauerte ein Besuch eines<br />

Freundes länger und verspätete ich mich daher<br />

beim nächsten, war das kein Problem.<br />

Änderte ich meinen Tagesplan spontan, kam<br />

ich unangekündigt vorbei, war auch das<br />

kein Problem. Und so war meine zweite Reihe<br />

hektisch aufeinanderfolgender Treffen<br />

weniger hektisch, entspannter und dadurch<br />

auch bewusster. Also ein bewussterer Abschied?<br />

Eher im Gegenteil. Zu realisieren, in<br />

ein paar Wochen fahren zu müssen, war unglaublich<br />

schwer, ja fast nicht möglich. Alles<br />

was ich sah, war so selbstverständlich und<br />

gewohnt, der Umgang mit meinen Mitmenschen,<br />

meinen Freunden, meiner Familie so<br />

vertraut, dass es vollkommen unreal erschien,<br />

bald nicht mehr hier bei ihnen zu<br />

sein und dadurch auch so viele wichtige<br />

Stationen ihrer Leben zu verpassen.<br />

Ein erster Schritt, sich emotional zu verabschieden<br />

und loszulassen, war sicherlich<br />

die Abschlussevaluation mit unseren sambischen<br />

<strong>ewe</strong>-Verantwortlichen etwa drei Wochen<br />

vor unserer Abreise in Monze. Es hat<br />

mir unglaublich gut getan, einmal genug<br />

Zeit zu haben, das Jahr mit seinen Höhen<br />

und Tiefen Revue passieren zu lassen, und<br />

von außen und mit etwas Abstand auf teils<br />

noch offene Konflikte zu blicken und dadurch<br />

verzeihen zu können. Anderen, aber<br />

auch mir selbst, weil ich vielleicht nicht alles<br />

in dem Jahr erreicht habe, was ich wollte.<br />

Und so war ich mit mir, meinem Dienst, meinen<br />

Mitmenschen, ja mit Sambia im Reinen<br />

als wir unser letztes Treffen beendeten, und<br />

konnte die letzten Tage meines Aufenthaltes<br />

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Seite 12<br />

noch mehr genießen. Fest steht für mich auf<br />

jeden Fall, dass ich mich nicht für immer verabschiedet<br />

habe. Ich werde noch einmal<br />

nach Sambia kommen. Einmal, um all das<br />

zu machen, was ich eben doch nicht geschafft<br />

habe. Vor allem aber um die Menschen,<br />

die mir wichtig geworden sind, zu<br />

besuchen und mit ihnen gemeinsam die<br />

verpasste Zeit aufzuholen.<br />

Lea Hennemann<br />

Saying Good-Bye<br />

Lea writes about her last days<br />

in Zambia<br />

In my last report three months ago, I<br />

ended by saying that the time had come<br />

to do everything I still wanted to do in Zambia.<br />

Did I do everything? Of course not. Still I<br />

have not been to the factory of Zambia<br />

Sugar that shapes the town of Mazabuka as<br />

much as the giant company’s presence<br />

shapes the citizen’s everyday life and that I<br />

saw from the outside every day but never<br />

from the inside. I have not managed to visit<br />

my father’s workplace to get a taste of the<br />

Zambian High School flair. And I have not<br />

visited the school for the disabled that a<br />

friend of my host brother built. All of this and<br />

so much more remained open.<br />

But that I have not managed to do all<br />

these things is mainly due to all the other<br />

events that took place during the last three<br />

months. There simply was no more time<br />

for them. Again and again special events<br />

occurred within our parish and certainly the<br />

youths were involved in their preparation:<br />

The first mass of a young priest who comes<br />

from our parish, the ordination to the<br />

priesthood, Confirmation and the elections<br />

of the executives at all levels of the community<br />

– everywhere we prepared and helped<br />

where we could. In addition to the many<br />

activities within the parish, I spent much<br />

time out of Mazabuka. During my last vacation<br />

I travelled around and visited among<br />

others the Copperbelt and – of course –<br />

Livingstone again. Later I went there again<br />

with the youths, another trip which came up<br />

spontaneously. As every year, the group<br />

organised a trip that was supposed to go to<br />

Siavonga, a town at the shores of Lake Kariba.<br />

However, a few days before our departure<br />

unfortunate news reached us: We were<br />

not allowed to go to Siavonga. A new plan<br />

was needed, a new destination: Livingstone.<br />

Despite the spontaneous change it became<br />

a successful trip!<br />

And so time flew! Just like my departure<br />

from Germany one year ago the moment of<br />

leaving came too quickly, unexpectedly<br />

early, almost surprisingly. Already last year I<br />

found it difficult to realise that the time had<br />

come to say good-bye to my loved ones<br />

and to my home for a year. A whole year<br />

seemed to be a terribly long time. The last<br />

few days in Germany were a number of<br />

hectic meetings with friends and family just<br />

in order to see everyone who was important<br />

to me and to say good-bye to them. The<br />

actual mental and emotional far<strong>ewe</strong>ll only<br />

caught me during my first days in Zambia.<br />

Thanks to a loosely planned orientation<br />

week at the Pastoral Center of Kizito I finally<br />

had time to calm down, ponder and pause<br />

for a moment. It was a far<strong>ewe</strong>ll for one long<br />

year – difficult, but manageable.<br />

One year later, I had to face a different<br />

situation: After this “long” year, that somehow<br />

was much shorter than I had expected,<br />

I had to leave a place which had become<br />

home. I had to say good-bye to people who<br />

had become close friends, confidants, family.<br />

And this time I did not know that it would<br />

be only for one year. Again I had a list of<br />

friends who I really wanted to visit. Again I<br />

had a list of things to do and to buy. Again<br />

there was the concern that not everything<br />

could fit into the trunk. Again departure<br />

meant stress. But this time the stress was<br />

less hectic. Thanks to the Zambian time feeling,<br />

with which I had one or two problems<br />

in the beginning of my stay, but which I<br />

have learned to appreciate during the year,<br />

the last few days were less meticulously<br />

planned. There was no problem when a<br />

visit of a friend took longer than expected<br />

and I therefore delayed the next one. There<br />

was no problem when I changed my<br />

daily schedule spontaneously and I arrived<br />

unannounced. And therefore my last few<br />

days in Zambia were a number of meetings<br />

with friends again but more relaxed and<br />

therefore also more conscious. A more<br />

conscious far<strong>ewe</strong>ll? To the contrary. To<br />

realise the necessity to leave in a few<br />

weeks was incredibly hard, almost impossible.<br />

Everything I saw, everything I did was so<br />

usual and well-known. My fellows, my<br />

friends, my family were so familiar and<br />

close. It just seemed completely unreal that<br />

I soon would no longer be in Zambia with<br />

them and that I soon would be missing out<br />

on so many important stages of their lives.<br />

The final evaluation with our Zambian<br />

responsible persons in Monze was surely a<br />

first step to a mental letting go and an emotional<br />

far<strong>ewe</strong>ll. It was so valuable to have<br />

enough time to review and reflect the year<br />

with its ups and downs, to be able to step<br />

back a bit and to take a look from the outside.<br />

Looking at some conflicts, which were<br />

partly not yet resolved, with some distance<br />

was somehow healing and I was able to<br />

forgive – others but also myself. I might not<br />

have achieved everything that I wanted to<br />

achieve during the year but after our meeting<br />

I was at peace with my service, my<br />

fellows, with Zambia and me. And therefore<br />

I could enjoy the last days of my stay even<br />

more until it was finally time to leave.<br />

But one thing is already definite for me: I<br />

did not say good-bye forever. I will come<br />

back to Zambia. Firstly, to do all I have not<br />

managed to do. But above all, to see the<br />

people again who have become so important<br />

to me during my stay, to visit them and<br />

to have the chance to catch up together the<br />

missed time.<br />

Lea Hennemann


Seite 13<br />

Herzlichen Glückwunsch <strong>ewe</strong>!<br />

Yvonne Kabombwe, ehemalige sambische Freiwillige, sendet ihre Grüße<br />

Ich möchte dem <strong>ewe</strong><br />

ganz herzlich zu seinem<br />

zwanzigjährigen<br />

Jubiläum gratulieren. Ich<br />

möchte das <strong>ewe</strong> für die<br />

tolle Arbeit loben, mit<br />

der es zur kulturellen<br />

und globalen Entwikklung<br />

beigetragen hat. In den letzten zwanzig<br />

Jahren hat die Organisation eine Reihe<br />

von Projekten unterstützt, die diese Welt zu<br />

einem besseren Ort gemacht haben. Das<br />

<strong>ewe</strong> hat Kleinbauern geholfen und Freiwillige,<br />

die in Schulen, Kliniken und anderen Institutionen<br />

gearbeitet haben, nach Deutschland<br />

und Sambia geschickt. Ich kann den<br />

deutschen Freiwilligen, die in sambischen<br />

ländlichen Gebieten unter schwierigen Bedingungen<br />

gearbeitet haben, nur Beifall klatschen.<br />

Sie haben die Menschen berührt, mit<br />

denen sie zusammen waren, und ihre Leben<br />

werden nie wieder so sein wie sie vorher<br />

waren. Das <strong>ewe</strong> hat jungen Menschen geholfen,<br />

ihre Erfahrungen zu teilen, um so offener<br />

zu werden und zur Entwicklung der<br />

Welt beitragen zu können. Ich möchte daher<br />

alle Sponsoren des <strong>ewe</strong> ermuntern, das<br />

schöne “Projekt”, das so viele Menschen<br />

verändert hat, weiter zu unterstützen.<br />

Vor zwölf Jahren wurde ich vom Bistum<br />

Monze ausgewählt, für den kulturellen Austausch<br />

nach Deutschland zu gehen. Ich bin<br />

daher im September 2003 zusammen mit<br />

meiner Freundin aus der Gemeinde Kalomo,<br />

Sharon Chileshe, mit 18 Jahren mit vielen Erwartungen<br />

in Deutschland gelandet. Sobald<br />

wir da waren, haben wir schon mit Deutschstunden<br />

und einem Computerkurs begonnen.<br />

Ich hatte die Gelegenheit zum St. Angela<br />

Gymnasium zu gehen, wo ich viel über<br />

das deutsche Bildungssystem gelernt habe<br />

und mich mit vielen Lehrern und Schülern<br />

ausgetauscht habe. Ich konnte außerdem in<br />

einem Kindergarten mit sonderpädagogischer<br />

Förderung, einem Waisenhaus, in einem<br />

Altenheim, in einem Frauenhaus und<br />

bei der Caritas arbeiten. Ich habe viel über<br />

die deutsche Kultur gelernt, die durch Lieder<br />

und Sprichwörter von Jungen, Kindern und<br />

Alten reich und vielfältig ist.<br />

Durch meine Erfahrung bei der Caritas<br />

habe ich einen guten Einblick bekommen,<br />

wie die Kirche in Deutschland im sozialen<br />

Bereich tätig ist und wie sie sich für Frieden<br />

und Gerechtigkeit einsetzt. Neben meinen<br />

Arbeitsstätten habe ich viele Orte und Familien<br />

besucht. 2004 bin ich nach Namalundu<br />

in Sambia zurückgekehrt. Ich wurde alsbald<br />

an der University of Zambia angenommen,<br />

wo ich mein Studium in Erziehungswissen-


Seite 14<br />

Stundentenprozession an der University of Zambia, Yvonnes Alma Mater; Student procession at the University<br />

of Zambia, where Yvonne teaches and studies<br />

Sambier sind das Familienleben, Kommunikation,<br />

Respekt und Liebe wichtig. Ich konnte<br />

daher zu allen gute Beziehungen aufbauen.<br />

Und ich glaube deshalb, dass der kulturelle<br />

Austausch weitergehen sollte, damit<br />

die Menschen ihren Blick auf das Leben und<br />

ihre Wahrnehmungen ändern können.<br />

Ich möchte der Bundesregierung, dem<br />

<strong>ewe</strong>, dem Bistum Monze und den Gastfamilien<br />

in Deutschland und Sambia danken für<br />

ihre Unterstützung und ihre harte Arbeit, mit<br />

der sie die Projekte des <strong>ewe</strong> Wirklichkeit<br />

werden lassen. Mein aufrichtiger Dank geht<br />

an die Lehrer, Ehrenamtlichen, Eltern und<br />

Geldgeber, die Jahr für Jahr das <strong>ewe</strong> unterstützen.<br />

Ihr Engagement und Ihr Beitrag haben<br />

die Leben Vieler in Deutschland und<br />

Sambia berührt. Gerne würde ich alle von<br />

euch und Ihnen für den Friedensnobelpreis<br />

vorschlagen für die Opfer, die Sie und ihr gebracht<br />

habt, um diese Welt zu einem besseren<br />

Ort zu machen. Gott segne euch!<br />

schaften, Geschichte und Englisch begann<br />

und 2010 meinen Abschluss gemacht habe.<br />

Seit 2011 arbeite ich an der Uni als unterstützende<br />

Dozentin. Derzeit bin ich dabei,<br />

meinen Master in Geschichte zu machen.<br />

Hoffentlich schaffe ich noch dieses Jahr meinen<br />

Abschluss.<br />

Was habe ich von meinem kulturellen<br />

Austausch gelernt?<br />

Eine der Lektionen, die ich aus meinem<br />

kulturellen Austausch gelernt habe, ist, dass<br />

wir alle eins sind, auch wenn wir durch geographische<br />

und kulturelle Unterschiede getrennt<br />

sind. Wir gehören zu einer Familie, die<br />

nach dem Bild Gottes geschaffen wurde. Wir<br />

brauchen daher kein negatives Bild von einander<br />

zu haben, denn vor Gott sind wir alle<br />

gleich. Das bedeutet, dass alle Theorien von<br />

überlegenen Rassen, über die ich in der<br />

Schule gelernt habe, nicht gültig sind. Mir<br />

wurde mit viel Respekt und Liebe in den<br />

deutschen Familien, in denen ich gelebt habe<br />

und in den Institutionen, in denen ich gearbeitet<br />

habe, begegnet. Für Deutsche und<br />

Yvonne Kabombwe<br />

Iwould like to congratulate the <strong>ewe</strong> for<br />

clocking twenty years in existence since<br />

its inception. I would like to commend the<br />

organization for the tremendous work it has<br />

done in order to promote cultural and global<br />

development. In the last twenty years the<br />

organization has done a number of projects<br />

that have made the world a better place.<br />

Happy 20th anniversary <strong>ewe</strong>!<br />

Yvonne Kabombwe, former Zambian volunteer, sends her greetings


Seite 15<br />

The organization has helped small scale farmers<br />

in Zambia and also sent volunteers to<br />

both Germany and Zambia who have<br />

worked in schools, clinics, and other institutions.<br />

I also applaud German volunteers<br />

who have worked in Zambian rural areas<br />

under harsh conditions. They have touched<br />

the lives of the people they interacted with<br />

and their lives will never be the same again.<br />

The organisation has helped young people<br />

to share their experiences and learn from<br />

each other so that they can be open minded<br />

and contribute to global development. Therefore<br />

I would like to urge all the sponsors to<br />

continue supporting this noble project as it<br />

has transformed many people.<br />

Twelve years ago I was selected to go to<br />

Germany for a cultural exchange by the<br />

Diocese of Monze. Therefore, in September<br />

2003, at the age of 18, I landed in Germany<br />

with my friend Sharon Chileshe from Kalomo<br />

Parish with a lot of expectations. As soon as<br />

we arrived we enrolled for the German<br />

language course and computer lessons. I<br />

had an opportunity to go to St Angela High<br />

School where I learned about the German<br />

education system and interacted with the<br />

students and teachers. I also had an opportunity<br />

to work in the kindergarten for children<br />

with special needs, an orphange, in a<br />

home for the aged, a home for women and<br />

at Caritas. I learnt about the German culture<br />

which is rich and diverse through songs and<br />

proverbs from the young, children and elderly<br />

people.<br />

My experience at Caritas provided an<br />

insight on how the church was providing<br />

social service and it is fighting for peace and<br />

justice in Germany. Apart from working in<br />

different institutions I also visited many<br />

places and families. In 2004, I returned to<br />

Zambia in Namalundu. I was later accepted<br />

at the University of Zambia, where I pursued<br />

my Bachelor of Arts in Education, in History<br />

(Major) and English (Minor) and graduated<br />

in August 2010. I have been working as a<br />

trainee lecturer at the Unversity of Zambia<br />

since 2011 to date. I am currently winding<br />

up with my Masters of Arts in History. Hopefully<br />

I will graduate this year .<br />

What Lessons did I learn from my Cultural<br />

Exchange Experiences (2003-2004)?<br />

One of the lessons I learnt from the cultural<br />

exchange is that we are one even<br />

though we are seperated by geographical<br />

and cultural differences. We belong to one<br />

family of humanity created in the image of<br />

God. Therefore there is no need for us to<br />

have a negative perception about each<br />

other because we are equal in the image of<br />

God. Hence the old theories of superior<br />

races I learnt in school do not hold<br />

anymore. I was treated with a lot of respect<br />

and love in German families I lived in and<br />

also with the people I worked with in<br />

various instituitions in Germany. Germans<br />

like Zambians value family life such as<br />

communication, respect and love. Thus I<br />

was able to relate to everyone very well.<br />

And I thus believe that cultural exchanges<br />

should continue so that people can change<br />

their view of life and their perceptions.<br />

I would like to thank the Government of<br />

the Republic of Germany, <strong>ewe</strong>, the Monze<br />

Diocese and the families that have hosted<br />

the volunteers from Zambia and Germany<br />

for their support and hard work in order to<br />

make this project a reality. My sincere<br />

thanks goes to the teachers, lay workers,<br />

parents and donors who have been supporting<br />

<strong>ewe</strong> year by year. Your commitment<br />

and contribution has touched the lives of<br />

many in German and Zambia. I would like to<br />

commend all you for the Nobel Peace Prize<br />

for sacrifices you made to make the world a<br />

better place. God bless you.<br />

Yvonne Kabombwe


Seite 16<br />

Partnerschaft ist Menschenwerk<br />

In jeder Organisation gibt<br />

es Gründungsmythen. Der<br />

Gründungsmythos des <strong>ewe</strong><br />

geht ungefähr so:<br />

Ein Schulseelsorger an<br />

einer Dürener Gesamtschule<br />

initiiert eine Eine-Welt-AG.<br />

Diese baut einen Laden mit fair gehandelten<br />

Produkten auf. Die erwirtschafteten Gewinne<br />

sollen einem Projekt, am besten mit Schülern,<br />

zugute kommen. Der Schulseelsorger<br />

fährt nach Aachen zum katholischen Hilfswerk<br />

Misereor, um ein entsprechendes Projekt<br />

vermittelt zu bekommen. Dort begegnet<br />

er einem afrikanischen Jesuiten-Bischof aus<br />

Sambia. Der lädt den Schulseelsorger ein,<br />

ein Projekt in seiner Diözese Monze zu fördern<br />

und längerfristig mit dieser Diözese eine<br />

Partnerschaft einzugehen.<br />

Die Schüler der Eine-Welt-AG, die mittlerweile<br />

ein Verein (das eine-welt-engagement<br />

e.V.) aus Schülern, Lehrern und Eltern an der<br />

Schule geworden ist, wollen mit den Jugendlichen<br />

in Sambia Kontakt aufnehmen.<br />

Dies geschieht per Brief und mit ersten<br />

Emails, und es entsteht der Wunsch nach<br />

Face-to-Face Kontakten. Der Verein beschließt<br />

mit den Partnern in Sambia, dies zu<br />

ermöglichen, indem deutschen Schülern<br />

nach dem Abitur ein freiwilliges soziales Jahr<br />

in der Diözese Monze ermöglicht wird. 1997<br />

werden die ersten Freiwilligen, Lars Hammermeister<br />

und Karina Reul, nach Monze<br />

ausgesandt, und 2000 kommen erstmals<br />

drei sambische Jugendliche für ein Jahr nach<br />

Deutschland.<br />

Mittlerweile haben 55 deutsche und 18<br />

sambische Jugendliche an diesem interkulturellen<br />

Austausch teilgenommen. Der Gründungsmythos<br />

wurde zu einer Erfolgsgeschichte<br />

des interkulturellen Jugendaustausches,<br />

die sich auch nach 20 Jahren immer<br />

noch weiter entwickelt.<br />

In religiösen und kirchlichen Zusammenhängen<br />

ist als Deutung, wenn Menschen<br />

zueinanderfinden, häufig von göttlicher Fügung<br />

die Rede. Ich denke, die vermeintlich<br />

zufällige Begegnung eines suchenden<br />

Schulseelsorgers mit einem sambischen Bischof<br />

hat etwas von göttlicher Fügung, insbesondere,<br />

wenn sich daraus eine Freundschaft<br />

entwickelt (obwohl dieser leider nur<br />

wenige Jahre blieben, bis ein Verkehrsunfall<br />

die Diözese ihres Bischofs beraubte.)<br />

Die damals angestoßene Partnerschaft<br />

hat nunmehr 20 Jahre Bestand, obwohl die<br />

Akteure auf beiden Seiten wechselten. Dank<br />

moderner Kommunikationsmittel habe ich<br />

sogar das Gefühl, näher dran zu sein, mehr<br />

vom anderen, seiner Lebenssituation und<br />

von den Menschen zu erfahren. Das allerdings<br />

setzt auch ein Interesse aneinander<br />

voraus. Dieses Interesse an einander ist die<br />

Basis der Partnerschaft der Menschen im eine-welt-engagement<br />

und den Menschen in<br />

der Diözese Monze.<br />

Und diese Partnerschaft hat viele Gesichter:<br />

Menschen mit ihren Geschichten<br />

und Erfahrungen, mehr als 70 Jugendliche<br />

leben diese Partnerschaft, haben ihre Erfahrungen<br />

mit einer anderen Kultur (und auch<br />

mit einer anderen Art kirchlichen Lebens)<br />

gemacht und ihr Leben davon bereichern<br />

und verändern lassen. Diese Partnerschaft<br />

bedarf der Pflege, indem wir immer wieder<br />

und an beiden „Enden“ dieser Partnerschaft<br />

davon erzählen und Anteil geben.<br />

Dies zu ermöglichen sieht sich der Vorstand<br />

des <strong>ewe</strong> verpflichtet, und die Mitglieder<br />

und Förderer des <strong>ewe</strong> ermöglichen es<br />

durch ihre Spenden und ihr Engagement.<br />

Partnerschaft zu entwickeln ist Menschenwerk<br />

(mit göttlichem Segen)und ich<br />

hoffe, dass sich immer wieder in Sambia<br />

und Deutschland Menschen für diese Partnerschaft<br />

begeistern und sie weiterentwikkeln.<br />

Dann wird es in einigen Jahren mehr<br />

als hundert Gesichter der Partnerschaft des<br />

eine-welt-engagement in Deutschland und<br />

in Sambia geben.<br />

Guido Schürenberg, Vorsitzender des <strong>ewe</strong><br />

Manmade partnership<br />

Every organisation has its founding myth.<br />

The founding myth of the <strong>ewe</strong> goes like<br />

this:<br />

A school pastor at a comprehensive<br />

school in Düren starts a one world working<br />

group which establishes a shop with fair<br />

trade products. The revenues generated are<br />

supposed to benefit a project, if possible a<br />

project for pupils. The school pastor goes to<br />

Aachen to the Catholic relief organisation<br />

Misereor in order to find an interesting project<br />

that can be supported. At Misereor he<br />

meets an African Jesuit bishop from Zambia<br />

who invites him to support a project in his<br />

diocese Monze and to establish a long-term<br />

partnership with his diocese.<br />

The pupils of the one world working<br />

group, which has now become an association<br />

(<strong>ewe</strong>) made up of pupils, teachers and<br />

parents at the school, want to establish contact<br />

with the youth in Zambia. This is done<br />

via letters and first emails, and quickly the<br />

desire for face-to-face contacts develops.<br />

The association decides with its partners in<br />

Zambia to make this possible by sending<br />

German pupils to Zambia for a voluntary<br />

social year after school. In 1997, the first<br />

German volunteers, Lars Hammermeister<br />

and Karina Reul, are sent to Monze, and in<br />

2000 three Zambian youth come to Germany<br />

for the first time.<br />

By now, 55 German and 18 Zambian<br />

youth have participated in this intercultural<br />

exchange. The founding myth has become a<br />

success story of intercultural youth exchange,<br />

which still keeps developing further.<br />

In religious and church contexts it is<br />

often said that when people come together<br />

this would be upon divine intervention.<br />

I think that the supposedly accidental<br />

encounter of the school pastor with the<br />

Zambian bishop has something to do with a<br />

divine intervention, especially when this is<br />

the beginning of a friendship (even though it<br />

did not last very long due to the tragic traffic<br />

accident of the Zambian bishop).<br />

The partnership initiated at that time<br />

now exists for 20 years although the principal<br />

actors kept changing on both sides.<br />

Thanks to modern means of communication<br />

I even have the feeling to be closer to the<br />

Zambian side and to be able to find out<br />

much more about life on the other side.<br />

This, however, implies interest in each other.<br />

This is the foundation for the partnership of<br />

the people of <strong>ewe</strong> and the diocese of Monze.<br />

And this partnership has many faces: People<br />

with their stories and experiences. More<br />

than 70 youth live this partnership. They<br />

have made their experiences with a different<br />

culture (and also with a different kind of<br />

church life), and this has enriched and changed<br />

their lives. This partnership also needs<br />

care. At both „ends“ of this partnership we<br />

need to talk about it and share our experiences.<br />

The board of <strong>ewe</strong> feels obliged to continuously<br />

make this possible, and the members<br />

and supporters of <strong>ewe</strong> do so through<br />

donations and their commitment.<br />

To develop a partnership is manmade<br />

work (with God’s blessing) and I hope that<br />

there will always be people in Zambia and<br />

Germany who will be inspired by this partnership<br />

and who develop it further. Should<br />

this be the case we will have more than a<br />

hundred faces of partnership in a few years<br />

time in different corners of Germany and<br />

Zambia.<br />

Guido Schürenberg, Chairman of the <strong>ewe</strong>


Seite 17<br />

<strong>ewe</strong>-Freiwillige/<strong>ewe</strong> volunteers<br />

Jahrgang/ Vorname/ Nachname/ Einsatzort/<br />

Year Name Surname Parish<br />

1997/1998 Lars Hammermeister Monze<br />

1997/1998 Karina Reul Monze<br />

1998/1999 Mechthild Jersch Monze<br />

1998/1999 Gerrit Plum Chivuna<br />

1998/1999 Rainer Schmid Monze<br />

1999/2000 Melanie Hahn Chivuna<br />

1999/2000 Carolin Philipp Monze<br />

1999/2000 Jenny Schellberg Chivuna<br />

1999/2000 Sebastian Stotz Monze<br />

2000/2001 Christian Blume Chivuna<br />

2000/2001 Ingrid Rosendahl Chikuni<br />

2000/2001 Lili Türk Chikuni<br />

2001/2002 Miriam Berger Monze<br />

2001/2002 Marcela Knapp Monze<br />

2001/2002 Johann Müller Mazabuka<br />

2001/2002 Christina Ranker Chivuna<br />

2001/2002 Alma Rittel Chivuna<br />

2002/2003 Robert Lörken Kalomo<br />

2002/2003 Beate Welzenbach Chivuna<br />

2002/2003 Linde Teubner Chivuna<br />

2003/2004 Florian Scheibe St. Kizito<br />

2003/2004 Gesine Marquardt Chikuni<br />

2003/2004 Marijke Knod Chikuni<br />

2004/2005 Thomas McColgan Namwala<br />

2004/2005 Natalie Rzehak Maamba<br />

2004/2005 Ulla Schipulle Zimba<br />

2006/2007 Christoph Schlager Chivuna<br />

2006/2007 Alexandra Schruff Maamba<br />

2006/2007 Lisa Voissel Chirundu<br />

2007/2008 Chantal Zohren Choma<br />

2007/2008 Cora Wagner Chivuna<br />

2007/2008 Natalie Regniet Kalomo<br />

2008/2009 Sarah Labdi Maamba<br />

2008/2009 Simon Theißen Namwala<br />

2008/2009 Rabea Brandt Choma<br />

2009/2010 Lea Thiekötter Mazabuka<br />

2009/2010 Aline Cuvelier Kalomo<br />

2009/2010 Christine Martzok Maamba<br />

Jahrgang/ Vorname/ Nachname/ Einsatzort/<br />

Year Name Surname Parish<br />

2010/2011 Veronika Gather Mazabuka<br />

2010/2011 Junia Heidenfels Maamba<br />

2010/2011 Meike Fischer Monze<br />

2011/2012 Nina Braun Pemba<br />

2011/2012 Nicole Jansen Choma<br />

2011/2012 Lena Schuhmacher Zimba<br />

2012/2013 Benjamin Fuhrt Namwala<br />

2012/2013 Carolin Pawlowski Mazabuka<br />

2012/2013 Susanne Harth Kaleya<br />

2013/2014 Nele Papenhoff Maamba<br />

2013/2014 Julia Mergenschröer Pemba<br />

2013/2014 Katja Wilhelmi Kalomo<br />

2014/<strong>2015</strong> Lea Hennemann Mazabuka<br />

2014/<strong>2015</strong> Nurit Rudolph Monze<br />

2014/<strong>2015</strong> Anna Hofbeck Choma<br />

<strong>2015</strong>/2016 Helen Hermens Mazabuka<br />

Sambische Freiwillige in Deutschland/<br />

Zambian volunteers in Germany:<br />

Jahrgang/ Vorname/ Nachname/<br />

Year Name Surname<br />

2000/ 2001 Nchimunya Hamoonga<br />

Phinias Phiri<br />

2003/ 2004 Yvonne Kabombwe<br />

Sharon Chileshi<br />

2006/ 2007 Mazuba Ngandu<br />

Inutu Kamayoyo<br />

2007/ 2008 Gift Muyasani<br />

Letricia Sikwale<br />

2009/ 2010 Annette Siamalube<br />

Milimo Monze<br />

2010/ 2011 Gaitano Kabwe<br />

Chipo Shanjina<br />

2013/ 2014 Dorcas Nkhata<br />

Agness Mumba<br />

2014/ <strong>2015</strong> Lweendo Kaluwa<br />

Evans Chali<br />

<strong>2015</strong>/ 2016 Nelly Kabila<br />

Melody Namano


Seite 18<br />

Erste Eindrücke<br />

Die beiden neuen sambischen Freiwilligen<br />

Es war mich für mich sehr schwierig, mir<br />

ein Leben in einem fremden Land vorzustellen.<br />

Nun habe ich die ersten Tage hinter<br />

mir und das erste Mal in meinem Leben einen<br />

Eindruck davon bekommen, wie es ist,<br />

weit weg von zu Hause zu sein. Es ist sehr<br />

wichtig zu sehen, wie andere Menschen leben<br />

und davon zu lernen. Es fühlt sich bisher<br />

gut an!<br />

Ich bin am 5. August in Deutschland angekommen<br />

und hatte Bedenken, ob ich die<br />

Personen, die auf mich am Flughafen warten<br />

sollten ohne Komplikationen finden würde.<br />

Dank der modernen Kommunikationstechnologie<br />

gab es keine Probleme.<br />

Die Art, wie ich willkommen geheißen<br />

wurde, war toll und interessant für mich. Es<br />

war ein freundliches Willkommen und es<br />

kam von Herzen. Ich bin ohne Schwierigkeiten<br />

angekommen und habe angefangen,<br />

die deutsche Sprache zu lernen. Ich kann<br />

die Leute begrüßen, mich bedanken und<br />

einzelne Wörter verstehen, wenn Personen<br />

miteinander sprechen.<br />

Das Wetter in Deutschland hat mich<br />

überrascht. Hier kann es zu allen Jahreszeiten<br />

regnen. In Sambia regnet es allerdings<br />

nur in der Regenzeit von November bis<br />

März.<br />

Ich bin das erste Mal in Deutschland<br />

Fahrrad gefahren – und das auf einer gut<br />

ausgebauten Straße. Das hat mir sehr viel<br />

Spaß gemacht.<br />

Ich genieße meine Zeit in Deutschland.<br />

Ich bin sehr glücklich. Danke!<br />

Melody Namano<br />

In meinem Leben habe ich schon einige<br />

Orte besucht, aber nie wurde ich wie in<br />

Deutschland willkommen geheißen. In dem<br />

Haus, wo ich die ersten vier Wochen wohne,<br />

wurde der Eingang mit Ballons, Blumen und<br />

einem Willkommensschild geschmückt. Ich<br />

habe mich sehr gefreut und fühle mich wohl<br />

dort. Ich bin gut in Deutschland angekommen,<br />

obwohl die Luft und das Wetter sehr<br />

unterschiedlich sind von dem, was ich aus<br />

Sambia gewohnt bin.<br />

Am nächsten Morgen wachte ich mit einer<br />

Erkältung auf, sodass ich mich anfangs<br />

viel ausruhen musste. Dank der Medizin, die<br />

ich bekommen habe, geht es mir jetzt wieder<br />

gut.<br />

In Deutschland gibt es viele große Felder,<br />

auch mit Mais bepflanzt. Allerdings wird<br />

aus einem Großteil Futter für die Tiere hergestellt<br />

und nur wenig von den Menschen<br />

konsumiert. Das hat mich sehr überrascht,<br />

da unser traditionelles Nationalgericht „Nshima“<br />

aus Mais hergestellt wird und wir es<br />

tagtäglich essen.<br />

In Sambia beten wir immer vor dem Essen,<br />

in Deutschland sagt man nur „guten<br />

Appetit“. Das ist ebenfalls ungewohnt für<br />

mich.<br />

Am Sonntag habe ich meinen ersten<br />

Gottesdienst in Deutschland miterlebt. Leider<br />

habe ich nicht viel verstanden, da der<br />

Priester nur Deutsch gesprochen hat. Ich habe<br />

versucht zu folgen und die deutschen<br />

Lieder, die der Chor sang, angehört. Ich war<br />

sehr überrascht, dass die Kirche mit einem<br />

Café verbunden ist, wo sich die Leute nach<br />

der Messe treffen, um gemeinsam Kaffee zu<br />

trinken und sich zu unterhalten. Die Leute<br />

haben mich mit einem Lächeln begrüßt. Ich<br />

denke, sie haben sich gefreut, ein sambisches<br />

Mädchen zu sehen.<br />

Bei unserem Besuch in der Dürener<br />

Innenstadt hat mich die moderne Technologie<br />

beeindruckt. Rolltreppen, Bildschirme,<br />

Türen, die sich von selbst öffnen. All dies<br />

kenne ich aus Sambia nicht.<br />

Ich bin froh, dass ich in den ersten Wochen<br />

verschiedene Personen habe, die mir<br />

helfen mich in Deutschland einzuleben.<br />

Danke <strong>ewe</strong>!<br />

Nelly Kabila


Seite 19<br />

First impressions<br />

The two new Zambian volunteers<br />

It was so hard for me to imagine how new<br />

life was going to be in a foreign country, but<br />

now that I have experienced or seen it for<br />

the first time in my life, it is good and nice to<br />

be away from home sometimes because<br />

you learn and see how other people live.<br />

I arrived in Germany on 5th August. I<br />

didn’t expect it to be easy to meet someone<br />

for the first time without complications but<br />

due to communication technology it was so<br />

easy.<br />

The way I was welcomed was so nice<br />

and interesting. The house was well decorated<br />

with balloons and stickers. I even found<br />

some ribbons with “Herz”-a welcome from<br />

the heart.<br />

I am settling very well without difficulties.<br />

I have started to learn the German<br />

language recently. I am now able to greet<br />

and understand some words like “Guten<br />

Morgen” which means “Good morning” and<br />

“thank you” - “Danke”.<br />

I was surprised about the big fields with<br />

maize which I was told are for cattle instead<br />

of people. I was also surprised about the<br />

seasons because in Zambia we have rain in<br />

November to March. Here in Germany it can<br />

start raining at any time.<br />

I also felt good when I went to ride a<br />

bicycle on a good road and it was surprising<br />

that vehicles are not allowed to pass there.<br />

I am enjoying my stay at least, even<br />

though I have not yet started working. I am<br />

very happy! Thank you!<br />

Melody Namano<br />

In my whole life I have visited places but I<br />

never was welcomed as it was in Germany.<br />

I found balloons, flowers and some<br />

words on the door saying “Welcome from<br />

the Heart”. It was interesting and I really felt<br />

at home. I am settling well and fast though<br />

the air here is very different from the one<br />

back home.<br />

But the following morning I developed a<br />

flue and my throat was paining so much<br />

that I stayed in bed and I was given some<br />

medicine. Now I am well again.<br />

In Germany there are big fields of maize<br />

but they are for the cows. The people only<br />

eat a bit of maize while in Zambia it is for<br />

our mealie meal which is our staple food.<br />

In Zambia before eating we just pray<br />

and eat but in Germany we have to say:<br />

“Guten Appetit” meaning enjoy your meal<br />

and now you can eat.<br />

I went for mass but I didn’t understand<br />

anything because the priest preached in<br />

German. It was very hard. I just sat and<br />

listened to the German songs of the choir. I<br />

was very surprised that the church is<br />

attached to a café. It is only separated by a<br />

glass window. After mass the people went<br />

to the café and drank coffee and talked to<br />

each other. I just said “Hallo” to the people<br />

and they smiled. I think they were happy to<br />

see a Zambian girl.<br />

When I went to town I was very<br />

surprised because most doors opened on<br />

their own. Wow, I have never seen such<br />

improved technology in my whole life.<br />

At the airport I found Mrs. Edith, Mrs.<br />

Irmela and Nina waiting for me. I was happy,<br />

because there were no worries of getting<br />

lost.<br />

Thank you <strong>ewe</strong>!<br />

Nelly Kabila


Seite 20<br />

Sieben Jahre seit Sambia –<br />

„Zurück ist noch lange nicht vorbei!“<br />

Was macht der Freiwilligendienst mit uns? Rabea Brandt beschreibt, wie sich<br />

ihre Zeit in Sambia auf ihren weiteren Weg ausgewirkt hat.<br />

Sieben Jahre ist es inzwischen her, dass<br />

ich mich mit zitternden Knien in den Flieger<br />

nach Sambia gesetzt habe. Sieben Jahre<br />

seit Sambia!? Wow, ganz schön lange her…<br />

Seitdem ist sooo viel passiert… Und dann<br />

kommt es mir wiederum gar nicht lange her<br />

vor. Die Erinnerungen, die Menschen, die<br />

Gerüche – das alles ist mir noch so nah, ist<br />

mir noch so vertraut!<br />

Wenn ich ein Jahr in meinem bisherigen<br />

Leben benennen müsste, in dem ich die<br />

größten Höhen und Tiefen erlebt habe, mich<br />

selbst am meisten verändert habe, dann ist<br />

es wohl das Jahr in Sambia. Und auch wenn<br />

ich an andere Ereignisse in meinem Leben<br />

zurückdenke, erwische ich mich ganz oft dabei,<br />

dass ich denke „das war noch vor Sambia“<br />

oder „das war zwei Jahre nach Sambia“.<br />

Welch großen Einfluss der Freiwilligendienst<br />

auf meinen weiteren Lebensweg<br />

haben würde, war mir direkt nach meiner<br />

Rückkehr nach Deutschland erst einmal gar<br />

nicht so bewusst. Das Einleben in Deutschland<br />

fiel mir vergleichsweise leicht und<br />

schon wenige Wochen später begann mein<br />

Soziologiestudium in Mannheim. Neue<br />

Stadt, neue Leute und viele gewonnene<br />

Freiheiten, auf die ich mich schon während<br />

meiner Zeit in Choma sehr gefreut hatte.<br />

Durch Zufall wurde ich auf die<br />

„Undjetzt?!-Konferenz“ für Rükkkehrer<br />

internationaler Freiwilligendienste<br />

aufmerksam und fand<br />

mich wenige Monate später im Organisationsteam<br />

der Konferenz<br />

wieder. Die Konferenz im August<br />

2010 war großartig. Etwa 150 ehemalige<br />

Freiwillige kamen hier für<br />

fünf Tage zusammen, um sich auf<br />

der Basis ihrer gemeinsamen Erfahrungen<br />

aus dem Freiwilligendienst<br />

in Deutschland weiter zu<br />

engagieren. Die Energie, die Offenheit<br />

und die Vertrautheit unter den<br />

Teilnehmenden waren einzigartig für mich.<br />

Durch den Austausch mit anderen Rückkehrern<br />

ist mir dort noch mal bewusst geworden,<br />

dass der Freiwilligendienst nicht nach<br />

dem Auslandsjahr endet. Nach dem Motto<br />

„Zurück ist noch lange nicht vorbei“ habe ich<br />

mich nach der Konferenz weiter bei grenzenlos<br />

e.V. – Vereinigung internationaler<br />

Freiwilliger engagiert, wo ich inzwischen im<br />

Vorstand tätig bin.<br />

Der Freiwilligendienst ist ein fester Teil<br />

meiner Identität geworden. Und wenn ich<br />

an meinen Freiwilligendienst denke, dann<br />

denke ich natürlich immer auch an den <strong>ewe</strong>,<br />

an Sambia, an meine Gastfamilie, an die Arbeit<br />

in St. Mulumba und an all die lieben<br />

Menschen, die mir in der Zeit begegnet sind.<br />

Zu einigen dieser Menschen habe ich auch<br />

heute noch Kontakt. Das ist ein wirklich<br />

schönes Gefühl, weil es mir zeigt, dass dieses<br />

Jahr des intensiven Austauschs nicht nur<br />

in mir Spuren hinterlassen hat, sondern dass<br />

auch ich weiterhin in den Herzen und Gedanken<br />

meiner sambischen Freunde präsent<br />

bin.<br />

Inzwischen studiere ich Friedens- und<br />

Konfliktforschung in Magdeburg, und Sambia<br />

spielt in meinem Alltag von Jahr zu Jahr<br />

eine zunehmend kleinere Rolle. Aber während<br />

ich diese Zeilen so schreibe und die<br />

Fotos an der Wand vor mir sehe, merke ich<br />

mal wieder: Es wird dringend Zeit nach<br />

Sambia zurückzukehren!<br />

Rabea Brandt<br />

Seven years since I<br />

returned from Zambia –<br />

„Being back doesn’t mean<br />

it’s over!“<br />

Rabea Brandt describes the<br />

impact her stay in Zambia has had<br />

on her life<br />

It is now seven years ago that I went on<br />

the plane in Zambia with shaking knees.<br />

Seven years? Wow – that’s a long time!<br />

Since then, so much has happened! On the<br />

other hand it doesn’t feel that long. The<br />

memories, the people, the smells – this all<br />

still seems to be so close, so familiar.<br />

If I had to name one year in my life so<br />

far, in which I had the biggest ups and<br />

downs and in which I myself have changed<br />

the most, it would be my year in Zambia.<br />

And even when I think of other events in my<br />

life, I often catch myself thinking „this was<br />

before Zambia“ or „this was after Zambia”.<br />

Immediately after my return to Germany<br />

I was not aware of the big impact my volun-


Seite 21<br />

teer service would have on my life. Settling<br />

down in Germany I found relatively easy,<br />

and a few weeks later my sociology course<br />

at Mannheim University started. A new city,<br />

new people und many newly gained freedoms<br />

that I had been looking forward to<br />

when I was in Choma. By coincidence I<br />

happened to find out about a conference<br />

called „what now?“, a conference for<br />

returnees from international volunteer<br />

services. A couple of months later I suddenly<br />

found myself as a member of the organising<br />

committee of the conference. The conference<br />

in August 2010 was great. About<br />

150 former volunteers came together for five<br />

days to exchange their ideas about further<br />

engagement in Germany. The energy, the<br />

openness and the intimacy among the participants<br />

were absolutely unique. Through<br />

the exchange with other returnees I realised<br />

that my voluntary service had not just ended<br />

after my year in Zambia. Based on the<br />

motto “Being back doesn’t mean it’s over” I<br />

further got involved after the conference –<br />

this time with grenzenlos e.V., an association<br />

of international volunteers, where I am<br />

now a member of the board.<br />

Voluntary service has become a permanent<br />

part of my identity. And when I think of<br />

my voluntary service I always think about<br />

<strong>ewe</strong>, about Zambia, about my host family,<br />

about my work in St. Mulumba and about<br />

all the dear people I met during my stay in<br />

Zambia. I am still in touch with some of<br />

them. This is a very good feeling because<br />

it shows me that my year of intensive<br />

exchange has not only left its marks inside<br />

me, but also in the hearts and thoughts of<br />

my Zambian friends.<br />

By now I am studying peace and conflict<br />

research in Magdeburg, and the role Zambia<br />

is playing in my daily life decreases from<br />

year to year. But while I am writing these<br />

lines and while I am looking at the pictures<br />

on the wall I realize: It’s really time to come<br />

back to Zambia!<br />

Rabea Brandt<br />

Aus dem Freiwilligenleben:<br />

Ehemalige Freiwillige erinnern sich (I)<br />

Liebe Leserin,<br />

lieber Leser,<br />

erst einmal möchte ich<br />

dem eine-welt-engagement<br />

ganz herzlich<br />

zu seinem 20-jährigen<br />

Bestehen gratulieren und darf mich stolz<br />

als ein Teil dieser Zeit zählen: als Freiwillige<br />

12/13. DANKE!<br />

Das Jahr in Mazabuka in meiner wundervollen<br />

Gastfamilie „Hambayi“ hat mich<br />

sehr geprägt und mitunter einen großen Teil<br />

zu dem beigetragen, was ich jetzt bin.<br />

Erst vor kurzem schrieb meine Gastmutter<br />

mir stolz, dass sie Zuwachs zu ihrer<br />

sechsköpfigen Familie bekommen würden.<br />

Ich habe mich sehr gefreut und drücke ihnen<br />

nun ganz fest die Daumen, dass es der<br />

heiß ersehnte erste Junge wird.<br />

Ich erinnere mich dabei noch sehr lebhaft<br />

an meinen ersten Kontakt mit meiner<br />

damals zwei Tage alten Gastschwester Musambo.<br />

Die mir zuvor prophezeite, jedoch<br />

von mir sehr angezweifelte Tatsache, dass<br />

afrikanische Babys anfangs so weiß seien<br />

wie ein „Mzungu“, also ein Weißer, musste<br />

ich kopfschüttelnd zur Kenntnis nehmen,<br />

als ich das kleine unglaublich süße Wunder<br />

auf dem Arm hielt und nur sprachlos betrachtete.<br />

Sie hatte doch tatsächlich rosa<br />

Wangen und sogar noch hellere Hände und<br />

Füße als meine Haut. Dies hielt ca. den ersten<br />

Monat an. Ab dann wurde die Haut<br />

allmählich dunkler wurde.<br />

Nun würde ich allzu gerne sehen, wie<br />

sie sich entwickelt hat, was mich auf der<br />

anderen Seite traurig macht, so weit weg<br />

zu sein. Umso mehr strahlen lässt es mich,<br />

dass mein Gastvater mir erzählt, dass Lumono,<br />

die kleine Prinzessin unserer Familie<br />

noch immer alle Mzungus „Caro“ ruft.<br />

Ganz herzliche Grüße und Glückwunsche<br />

zum Jubiläum! Alles Gute für die Zukunft –<br />

macht weiter so!<br />

Carolin Pawlowski<br />

From the volunteers life:<br />

Former volunteers<br />

remember (I)<br />

Dear reader,<br />

first of all I would like to cordially congratulate<br />

the one world engagement for its<br />

twentieth anniversary. I am proud to be part<br />

of this history as a volunteer from 2012 to<br />

2013. Thank you!<br />

My year in Mazabuka in my wonderful<br />

host family “Hambayi“ has really had an<br />

impact on my life and has contributed to<br />

what I am now. Recently, my host mother<br />

proudly wrote to me that their six-member<br />

family will grow again. I was very happy to<br />

hear that and I keep my fingers crossed<br />

that they will get the boy they have long<br />

been hoping for.<br />

I still remember vividly my first contact<br />

with my host sister Musambo who was<br />

two days at that time. It was then that I<br />

realised that it was true what everybody<br />

had said before: that African babies are<br />

white in the beginning, as white as a<br />

Mzungu. I shaked my head as I was carrying<br />

this sweet miracle in my arms. I looked<br />

at it speechless. She really had pink cheeks<br />

and her hands and feet were even whiter<br />

than mine. It was like this for about one<br />

month. From then on her skin slowly got<br />

darker.<br />

Now I would really like to see how she<br />

has developed. It somehow makes me sad<br />

to be so far away. But I am all the more<br />

happy to hear from my host father that<br />

Lumono, the small princess of the family,<br />

still calls all Bazungu “Caro”.<br />

Cordial greetings and congratulations!<br />

All the best for the future – keep it up!<br />

Carolin Pawlowski


Seite 22<br />

Aus dem Freiwilligenleben:<br />

Ehemalige Freiwillige erinnern sich(II)<br />

Beim Friseur<br />

W<br />

ie wahrscheinlich fast jede Freiwillige<br />

in Afrika wollte ich während meines<br />

Jahres in Mazabuka 2009/10 auch gerne<br />

mal eine richtige afrikanische Flechtfrisur haben.<br />

„Der Barbershop ist viel zu teuer, ich<br />

mache dir das!“ bot meine Freundin Ireen<br />

mir sofort an. Im heimischen Salon im Nka-<br />

bika Compound erlebte<br />

ich dann in<br />

den nächsten Stunden<br />

wahrhaftig eine<br />

Überraschung. Am<br />

Außenwasserhahn<br />

neben der Eingangstür<br />

wurden<br />

mir erst mal die<br />

Haare gewaschen –<br />

kann ja nicht schaden!<br />

Als nächstes<br />

durfte ich auf einem<br />

Hocker im Vorgarten<br />

Platz nehmen, wo<br />

mir die Haare ordentlich<br />

durchgebürstet<br />

und dann auf<br />

Lockenwickler gedreht wurden. Natürlich,<br />

wie bei fast allem was ich tat, mit viel Publikum<br />

und jeder Menge Spaß. Spätestens als<br />

ich dann im Wohnzimmer unter eine Trokkenhaube<br />

geschoben wurde, sah ich meine<br />

Rastazöpfe langsam schwinden. Nach einer<br />

Ewigkeit Hitze durfte ich wieder ins Freie treten:<br />

mit beinahe engelsgleichen Locken! Da<br />

war wohl bei unserem Austausch über eine<br />

neue Frisur irgendetwas schief gelaufen.<br />

„Kwasila?“, fragte ich, fertig? Aber nein: Jetzt<br />

ging es ans Styling. Natürlich mit Vaseline.<br />

Jede einzelne Strähne wurde sorgsam eingeölt.<br />

Leider wollten meine Haare nicht so<br />

richtig gut halten wie die von Ireen, wenn<br />

man sie mit Vaseline einrieb. Doch irgendwann<br />

war das Werk vollbracht und konnte<br />

fotografiert werden. „Kwasila zowona!“ – It’s<br />

ready for real!<br />

Letztendlich hatte ich keine Rastas, aber<br />

dafür einen echten Homesalon kennengelernt<br />

und Beautytipps aus erster sambischer<br />

Hand erfahren!<br />

Lea Thiekötter


Seite 23<br />

From the volunteers life:<br />

Former volunteers<br />

remember (II)<br />

At the<br />

hairdresser<br />

As probably most other female volunteers<br />

in Africa as well, I also wanted to have<br />

my proper African cornrows while I was in<br />

Mazabuka from 2009 to 2010. “The barbershop<br />

is way too expensive, I’ll do it for you”,<br />

my friend Ireen said to me. In her beauty<br />

parlour in the Nkabika compound I was<br />

then faced with a real surprise in the coming<br />

hours. At the tap outside the house next to<br />

the entrance door I had my hair washed –<br />

that couldn’t do any harm. I then took a<br />

seat on a stool in the front garden where my<br />

hair was neatly brushed and then put in<br />

curlers. Of course, as in other similar situations<br />

as well, I had a lot of spectators who<br />

all had a lot of fun. Finally, when I was<br />

Auf dem Rückweg konnte ich sogar eine ganze Fussballmannschaft<br />

finden, die sich mit mir ablichten ließ!<br />

placed under a hair dryer in the living room,<br />

I saw my hopes for braids fade away. After<br />

an eternity in the heat I was finally allowed<br />

to step outside again: with almost angelic<br />

curls! Apparently, something had gone<br />

wrong when we had exchanged about my<br />

new hairstyle. „Kwasila?“, I asked, finished?<br />

But no: Now, styling was next. Of course<br />

with Vaseline! Every single chip was carefully<br />

oiled. Unfortunately my hair was not<br />

sticking together as nicely as Ireen’s was,<br />

when treated with Vaseline. But at some<br />

stage the work was done and could be<br />

photographed. „Kwasila zowona!“ – It’s<br />

ready for real!<br />

After all, I did not have braids, but I had<br />

got to know a real beauty parlour and had<br />

received beauty advice from a good Zambian<br />

friend.<br />

Lea Thiekötter<br />

Impressum<br />

Herausgeber: eine-welt-engagement (<strong>ewe</strong>) e.V.<br />

Internet: www.eine-welt-engagement.de<br />

Redaktion: Johann Müller<br />

E-Mail: johann.mueller@eine-welt-engagement.de<br />

Postfach 100523, 52305 Düren<br />

Layout/Satz: Type Art, Herzogenrath<br />

Meine Nachbarin, die sich auch direkt mit mir fotografieren<br />

wollte wegen der Locken.<br />

Druck: saxoprint.de<br />

Die Redaktion übernimmt keine Haftung für unverlangt<br />

eingesandte Manuskripte, Fotos und Illustrationen.<br />

„<strong>ewe</strong> <strong>aktuell</strong>“ ist im Abonnement gegen eine Spende<br />

erhältlich. Info unter Telefon 02421- 8 79 88<br />

oder unter: info@eine-welt-engagement.de<br />

ViSdP: Guido Schürenberg


Seite 24<br />

Sambia<br />

Als das eine-welt-engagement<br />

1995 gegründet wurde, war<br />

das Land Sambia bereits 31 Jahre<br />

alt. Am 24.10.1964 als eines der<br />

ersten Länder des südlichen Afrika<br />

unabhängig geworden, erfuhr<br />

Sambia zu diesem Zeitpunkt aber<br />

bereits erste Ermüdungserscheinungen<br />

des 1991 einsetzenden<br />

politischen und wirtschaftlichen Transformationsprozesses.<br />

Mit seinem Konzept des sambischen<br />

Humanismus hatte sich Sambias Gründungspräsident<br />

Kenneth Kaunda 21 Jahre<br />

an der Macht gehalten. Mit seiner UNIP (United<br />

National Independence Party) hatte er<br />

einen Ein-Parteien-Staat aufgebaut, den er<br />

autoritär regierte und in dem jeglicher Pluralismus<br />

unerwünscht war. Der sambische Humanismus<br />

sollte als Grundlage für die angestrebte<br />

sozialistische Entwicklung des Landes<br />

dienen, wirtschaftlich warf er Sambia jedoch<br />

zurück. Die einseitige Orientierung der<br />

Wirtschaft auf den Export des wesentlichsten<br />

Rohstoffs Kupfer und die staatlich kontrollierte<br />

Planwirtschaft führten immer wieder<br />

zu schweren Rezessionen und 1990<br />

schließlich zu immer stärkeren g<strong>ewe</strong>rk-<br />

Der ehemalige Präsident Chiluba mit sambischen Fußballern. / Former<br />

President Chiluba with Zambian footballers.<br />

in 20 Jahren <strong>ewe</strong><br />

schaftlich organisierten Demonstrationen,<br />

deren wesentlichste Forderung die Einführung<br />

einer Mehrparteiendemokratie war. Im<br />

September 1990 stimmte Kaunda schließlich<br />

der Organisation von freien Wahlen zu.<br />

Von der Welle des Protestes getragen, erreichte<br />

G<strong>ewe</strong>rkschaftsführer Frederick Chiluba<br />

mit seiner Movement for Multiparty Democracy<br />

(MMD) 125 von 150 Sitzen im Parlament<br />

und wurde mit 75,8 % zum sambischen<br />

Präsidenten gewählt.<br />

Mit dem Beginn von Chilubas Amtszeit<br />

setzte bald eine Transformation in Richtung<br />

freie Marktwirtschaft ein. Sambia erhielt Kredite<br />

von Weltbank und Internationalem<br />

Währungsfonds, die streng an Reformen gebunden<br />

waren. Eine große<br />

Herausforderung stellte die<br />

Privatisierung der Kupferminen<br />

dar, zumal sich der<br />

Kupferpreis als wenig stabil<br />

erwies und in Tiefzeiten<br />

regelmäßig große Lücken<br />

in den sambischen Staatsetat<br />

riss.<br />

Politische Rückschritte<br />

Die Hoffnungen auf einen<br />

politischen und wirtschaftlichen<br />

Liberalisierungsprozess<br />

wurden schon bald<br />

enttäuscht. Die MMD nutzte<br />

ihre Parlamentsmehrheit<br />

zu oft fragwürdigen Verfassungsänderungen.<br />

So entschied das Parlament<br />

bei den Wahlen 1996, den ehemaligen<br />

Präsidenten Kaunda von der Wahl auszuschließen.<br />

Kaundas UNIP boykottierte daraufhin<br />

die Wahlen, die Chiluba und seine<br />

MMD ohne ernsthafte Gegenwehr im Amt<br />

bestätigten. Nach einem gescheiterten<br />

Staatsstreich, der am 28.10.1997 von zwei<br />

Junior-Offizieren initiiert worden war, verhängte<br />

Chiluba den Ausnahmezustand, um<br />

wesentliche Grundfreiheiten einzuschränken.<br />

Führende Oppositionspolitiker wurden<br />

inhaftiert, Kaunda vorübergehend unter<br />

Hausarrest gestellt.<br />

Ein Jahr später wurde der Notstand aufgehoben.<br />

Chiluba zeigte jedoch schnell,<br />

dass er keineswegs gewillt war, 2001 wie<br />

von der Verfassung vorgegeben die Macht<br />

abzugeben. Seine Bemühungen, die Verfassung<br />

zu ändern, um sich eine dritte Amtszeit<br />

zu ermöglichen, zeigten jedoch, dass die<br />

Oppositionsparteien an Schlagkraft gewonnen<br />

hatten und sich mittlerweile eine Zivilgesellschaft<br />

entwickelt hatte, die in der Lage<br />

war, sich Gehör zu verschaffen und durch<br />

engagierte Proteste eine erneute Kandidatur<br />

Chilubas zunichte machte. So musste sich<br />

Chiluba auf die Suche nach einem loyalen<br />

Nachfolger aus der eigenen Partei machen,<br />

den er glaubte, in Levy Mwanawasa gefunden<br />

zu haben.<br />

Mwanawasa musste sich zunächst dem<br />

Wähler stellen und siegte im Dezember<br />

2001 schließlich nur mit einer hauchdünnen


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Mehrheit. Mit unter 30 % der Stimmen landete<br />

er mit nur rund einem Prozentpunktvorsprung<br />

vor Anderson Mazoka von der UPND<br />

(United Party for National Development), die<br />

ihre Hochburg vor allem im Süden des Landes,<br />

also auch im Bistum Monze, hatte. Eine<br />

Stichwahl sieht die sambische Verfassung<br />

nicht vor. Sowohl nationale wie auch internationale<br />

Beobachter kritisierten die Wahl<br />

als weder frei noch fair. Manipulationen der<br />

Regierungspartei waren allgemein bekannt,<br />

änderten trotz einiger teils gewaltsamer Proteste<br />

in Lusaka aber nichts an der Amtseinführung<br />

Mwanawasas.<br />

Als Präsident distanzierte sich Mwanawasa<br />

überraschend schnell von seinem<br />

Mentor Chiluba. Alsbald wurde das Ausmaß<br />

der Korruption deutlich, in das Chiluba verstrickt<br />

war. In Sambia musste er sich vor einem<br />

Gericht verantworten, in Großbritannien<br />

wurde er sogar von einem Gericht wegen<br />

Diebstahls öffentlicher Mittel schuldig gesprochen.<br />

Zu einer Inhaftierung Chilubas<br />

kam es nie. Chiluba hatte seit längerem gesundheitliche<br />

Probleme und verstarb 2011.<br />

Mwanawasa als Reformpräsident<br />

War Mwanawasa noch unter fragwürdigen<br />

Umständen an die Macht gekommen, so<br />

entwickelte er zusehends einen Politikstil,<br />

der Reformen voranbrachte und die Korruption<br />

zurückdrängte. Die Regierung erlangte,<br />

besonders mit seiner Wiederwahl 2006,<br />

neue Legitimität und exorbitante Staatsausgaben<br />

wurden auf ein vernünftiges Maß reduziert.<br />

Besondere Beachtung fand Mwanawasas<br />

kritische Haltung gegenüber Simbabwes<br />

Präsident Robert Mugabe, der seit den<br />

Farmbesetzungen im Nachbarland zwar<br />

international zunehmend isolierter wurde,<br />

aber im südlichen Afrika noch immer große<br />

Sympathien genoss. Zusammen mit Botsuana<br />

befand sich Mwanawasa mit seiner<br />

Haltung in der Minderheit in der Entwicklungsgemeinschaft<br />

des südlichen Afrika<br />

(SADC) und wurde teils scharf angefeindet.<br />

Sambia profitierte jedoch von der mit Beginn<br />

des Jahrtausends sich verschärfenden Krise<br />

in Simbabwe, da immer mehr Touristen die<br />

sambische Seite wählten, um sich die Viktoriafälle<br />

anzuschauen, so dass im sambischen<br />

Livingstone viele Hotels emporschossen<br />

– wenn auch oft unter ausländischer<br />

Führung. Außerdem siedelte sich so man-<br />

Michael Sata mit einem chinesischen Diplomaten. / Michael Sata with a Chinese diplomat.<br />

Levy Mwanawasa<br />

cher weiße Farmer, der nun nicht mehr im<br />

Nachbarland willkommen war, in Sambia an<br />

und brachte sein umfangreiches Knowhow<br />

ein.<br />

Während sich Sambias Wirtschaft zu Beginn<br />

des neuen Jahrtausends nur langsam<br />

von seiner Kupferabhängigkeit löst und dabei<br />

auch einen gewissen Wert auf den Export<br />

von Nahrungsmitteln und landwirtschaftlichen<br />

Gütern legt, entwickelten sich<br />

im Rahmen des plötzlich erwachten Interesses<br />

Chinas am afrikanischen Kontinent auch<br />

ausgeprägte Wirtschaftsbeziehungen zwischen<br />

China und Sambia, die sich in zahlreichen<br />

Bauaufträgen und Krediten widerspiegeln,<br />

die mit Rohstoffen bzw. mit der Verpfändung<br />

von zukünftigen Rohstoffen, in erster<br />

Linie Kupfer, bezahlt werden. In Sambia<br />

wurden die starken Verbindungen schon<br />

bald sehr kritisch gesehen, zumal Chinesen<br />

oft viele eigene Arbeiter aus der Heimat mitbrachten,<br />

wenig Integrationswillen zeigten<br />

und ihre sambischen Arbeiter vielfach<br />

schlecht behandelten. Diesen weit verbreiteten<br />

Unmut nahm Michael Sata auf, der als<br />

Politikveteran bereits zuvor mehrfach für das<br />

Präsidentenamt kandidiert hatte und mit der<br />

Patriotic Front (PF) inzwischen über eine eigene<br />

Partei verfügte.<br />

Ein Populist im Amt<br />

Sata hatte immer wieder gegen ausländische<br />

Investoren g<strong>ewe</strong>ttert und gerade die<br />

Chinesen dabei an den Pranger gestellt.<br />

Schon frühzeitig hatte er die Chinesen durch<br />

Besuche in Taiwan brüskiert. Immer wieder<br />

hatte er sich zudem öffentlich mit Robert<br />

Mugabe solidarisiert. Bei der Präsidentschaftswahl<br />

2011 sah er nun seine Chance<br />

gekommen, die inzwischen 20 Jahre andauernde<br />

MMD-Herrschaft zu beenden. Inzwischen<br />

war Rupiah Banda Präsident. Banda<br />

hatte bereits unter Kaunda als Minister verschiedener<br />

Ressorts gewirkt und war unter<br />

Mwanawasa Vize-Präsident g<strong>ewe</strong>sen. Als<br />

dieser an den Folgen eines Schlaganfalls<br />

verstarb, rückte Banda bis zum Ende der Legislaturperiode<br />

an die Spitze des Staates.<br />

Dort konnte Banda jedoch keine nennenswerten<br />

Akzente setzen. Er verlor die<br />

Wahl gegen Sata, der alsbald Reformen auf<br />

dem Arbeitsmarkt durchsetzte und die Sozialausgaben<br />

erhöhte. Er zeichnete sich aber<br />

auch durch eine erratische Führung aus,<br />

ging repressiv gegen seine Gegner vor und<br />

ließ jegliche Konsultation mit der Zivilgesellschaft<br />

vermissen. Er war wenig berechenbar,<br />

schaffte es jedoch, die Bedürfnisse der armen<br />

städtischen Bevölkerung zu artikulieren<br />

und deren Hoffnungen zu wecken. Seine<br />

Machtbasis hatte er ansonsten im Norden<br />

des Landes, während die MMD in den meisten<br />

ländlichen Gegenden, insbesondere im<br />

Osten des Landes, breite Unterstützung genoss.<br />

Gleichzeitig etablierte sich mit der United<br />

Democratic Alliance (UDA) eine dritte


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Kraft, die aus Mazokas UPND hervorgegangen<br />

war. Die UDA wird von einem Geschäftsmann<br />

aus Monze geführt: Hakainde Hichilema.<br />

Hichilema schaffte es seit den Präsidentschaftswahlen<br />

2006 konstant, seine<br />

Stimmenanzahl zu erhöhen. Neben der Südprovinz<br />

sind Hichilema und die UDA auch im<br />

Westen bei den Lozi zunehmend populär.<br />

Hichilema scheiterte <strong>2015</strong> nur haarscharf<br />

am Präsidentenamt, als eine weitere<br />

Neuwahl erforderlich wurde. Sata verstarb<br />

ebenso wie sein Vorvorgänger im Amt, sodass<br />

vorzeitige Neuwahlen notwendig wurden.<br />

In der Zwischenzeit übernahm Guy<br />

Scott als erster Weißer vorübergehend das<br />

höchste Staatsamt. Hichilema unterlag im<br />

Januar <strong>2015</strong> knapp Edgar Lungu, dem politischen<br />

Ziehsohn Satas, der nun die Geschikke<br />

Sambias bis zu den regulär anstehenden<br />

Wahlen Ende 2016 lenkt.<br />

Herausforderungen für die Zukunft<br />

Die Herausforderungen sind immens:<br />

Weiterhin hakt es bei dem Versuch, die Verfassung<br />

zu reformieren und so z.B. durchzusetzen,<br />

dass ein Präsident mit absoluter<br />

Mehrheit gewählt werden muss. Zwar sind<br />

Lusaka und die großen Städte am Copper<br />

Belt gewachsen und bieten eine z.T. bemerkenswerte<br />

Infrastruktur. Davon profitiert jedoch<br />

nur eine kleine Elite. Die Mittelschicht<br />

ist nach wie vor dünn, die Armut groß. Im<br />

Human Development Index belegt Sambia<br />

Michael Satas Beisetzung. / Michael Sata’s funeral.<br />

mit 141 weiter einen der hinteren Plätze. An<br />

vielen Stellen im Land ist jedoch der<br />

Wunsch der Menschen spürbar, sich zu engagieren,<br />

sich für ihre Rechte einzusetzen<br />

und ihr Land voranzubringen. „The hour has<br />

come“ – Die Zeit ist gekommen. Das war<br />

einst der Wahlspruch der MMD, um auszudrücken,<br />

dass die Kaunda-Ära vorbei sei. Es<br />

ist Sambia zu wünschen, dass nun die Zeit<br />

von wirtschaftlich nachhaltigem Wachstum<br />

und von politischer Öffnung anbricht.<br />

Johann Müller<br />

Zambia since the<br />

founding of the <strong>ewe</strong><br />

When the one world engagement (<strong>ewe</strong>)<br />

was founded in 1995, Zambia was<br />

celebrating already its 31st anniversary. On<br />

24th October 1964 Zambia had become independent<br />

as one of the first countries of<br />

southern Africa, but by then, the country<br />

was already experiencing first symptoms of<br />

fatigue with regard to the political and economic<br />

transformation process that had<br />

begun in 1991.<br />

With his concept of Zambian Humanism,<br />

Zambia’s founding president Kenneth Kaunda<br />

had clung to power for 21 years. With his<br />

UNIP (United National Independence Party)<br />

he had established a one-party-state which<br />

he governed in an authoritarian manner<br />

where any kind of pluralism was simply<br />

undesirable. Zambian Humanism was<br />

supposed to serve as the foundation for the<br />

socialistic development of Zambia he aspired<br />

to, but economically the country was<br />

thrown back. The one-sided orientation<br />

towards the exportation of copper, the most<br />

essential commodity, and the state-controlled<br />

economy led, time and again, to<br />

heavy recessions and in 1990 finally to<br />

powerful demonstrations organised by trade<br />

unions that demanded a multi-party democracy.<br />

In September 1990 Kaunda eventually<br />

agreed to the organisation of<br />

free elections. Carried by the<br />

wave of protests, the trade<br />

unionist Frederick Chiluba and<br />

his Movement for Multiparty<br />

Democracy (MMD) won 125 of<br />

150 seats in the National<br />

Assembly and Chiluba was<br />

elected President with 75.8 %<br />

of the votes in 1991.<br />

Starting with Chiluba’s first<br />

term in office, a transformation<br />

towards free market economy<br />

set in. Zambia received<br />

loans from the World Bank and the International<br />

Monetary Fund that were strongly<br />

linked to reforms. One of the biggest<br />

challenges was the privatization of the copper<br />

mines, especially because the copper<br />

price never proved to be stable and whenever<br />

it reached a low it regularly tore huge<br />

gaps into the Zambian national budget.<br />

Political setbacks<br />

Those who were hoping for a political and<br />

economic liberalisation process were quickly<br />

disillusioned though. The MMD took advantage<br />

of its majority in parliament to enforce<br />

questionable changes to the constitution.<br />

In 1996 for example,<br />

parliament decided to exclude<br />

former president Kaunda from<br />

the elections. As a consequence,<br />

the 1996 elections<br />

were boycotted by Kaunda’s<br />

UNIP. They were won by<br />

Chiluba and his party<br />

without any serious resistance.<br />

After a failed coup<br />

d’état initiated by two junior<br />

officers on 28th October 1997,<br />

Chiluba declared a state of<br />

emergency in order to be able to<br />

restrict substantial basic freedoms.<br />

Leading politicians from the opposition<br />

were detained, Kaunda was put<br />

under arrest.<br />

A year later the state of emergency was<br />

lifted. Chiluba, however, quickly demonstrated<br />

that he was not willing to give up<br />

his power in 2001 as demanded by the<br />

constitution. Yet, his attempts to change the<br />

constitution in his favour to stand for a third<br />

term proved that opposition parties had<br />

increased their assertiveness and that a civil<br />

society had evolved that was capable to<br />

make its voice heard. Their concerted efforts<br />

with committed protests dashed Chiluba’s<br />

hopes for a third term. Consequently, Chiluba<br />

had to look out for a loyal successor<br />

whom he believed to have found in the person<br />

of Levy Mwanawasa.<br />

Mwanawasa first had to face up to the<br />

Zambian electorate und finally turned out<br />

victorious with an extremely thin majority.<br />

With less than 30 % of the votes he finished<br />

first with a margin of just one percent ahead<br />

of Anderson Mazoka from the UPND (United<br />

Party for National Development) which<br />

mainly had its strongholds in the south of<br />

the country, thus also in the diocese of Monze.<br />

A run-off ballot was not stipulated by the<br />

constitution. Both national and international<br />

observers criticised the elections as neither<br />

free nor fair. Manipulations effected by the<br />

ruling party were common knowledge, but<br />

despite protests in Lusaka that partly turned<br />

violent, Mwanawasa was inaugurated into<br />

the Office of the President.<br />

As president, Mwanawasa dissociated<br />

himself quickly from his mentor Chiluba.<br />

Shortly after Chiluba’s departure from office,<br />

the extent of corruption he had been<br />

involved was revealed. In Zambia he had to<br />

face a corruption charge while in the United<br />

Kingdom he was found guilty of theft of public<br />

funds. Yet, Chiluba was never taken into<br />

custody. For long he was suffering from<br />

health problems and finally died in 2011.


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Mwanawasa as a reformer<br />

Having come to power by dubious means,<br />

Mwanawasa noticeably developed a new<br />

style of politics that promoted reforms and<br />

pushed back corruption. The government<br />

obtained, especially after Mwanawasa’s<br />

re-election in 2006, new legitimacy and<br />

exorbitant spending was considerably<br />

reduced. Particular attention was paid to<br />

Mwanawasa’s critical stance on Zimbabwe’s<br />

president Robert Mugabe who became<br />

more and more isolated internationally since<br />

the illegal occupations of farms had started<br />

in Zambia’s neighbouring country in 2000<br />

but who still enjoyed a lot of sympathies<br />

among his colleagues in southern Africa.<br />

Together with Botswana, Zambia was thus<br />

in a minority in the Southern African Development<br />

Community (SADC) and received<br />

some hostile reactions. However, Zambia<br />

benefitted from the exacerbating crisis<br />

in Zimbabwe as more and more tourists<br />

interested in the Victoria Falls chose the<br />

Zambian side. As a consequence quite a<br />

few hotels rose in Livingstone – even<br />

though most of them owned by foreign<br />

investors. In addition, some white farmers<br />

who no longer felt welcome in Zimbabwe<br />

settled in Zambia and brought in their comprehensive<br />

knowhow.<br />

While in the beginning of the new millennium<br />

Zambia only slowly moved away<br />

from its dependence on copper and thereby<br />

also attached a certain importance on the<br />

exportation of food and agricultural products,<br />

it developed, in the context of China’s<br />

suddenly sparked interest in the African continent,<br />

pronounced economic ties with the<br />

rising power. These ties are reflected in<br />

numerous construction contracts and loans<br />

that are paid with commodities or the<br />

pledging of prospective revenues from<br />

commodities, mainly copper. In Zambia<br />

these close ties were soon regarded<br />

sceptically, especially because many<br />

Chinese investors brought many<br />

Chinese workers along with them,<br />

they did not show a strong desire to<br />

integrate and Chinese employers<br />

often did not treat their Zambian<br />

employees adequately. This widely<br />

prevalent discontent was absorbed by<br />

Michael Sata, a political veteran who<br />

had previously stood for presidency on<br />

several occasions and who commanded<br />

his own party: the Patriotic Front (PF).<br />

A demagogue in office<br />

Sata had time and again ranted against<br />

foreign investors and thereby especially<br />

pilloried the Chinese. At an early stage he<br />

had already affronted the Chinese by visiting<br />

Taiwan. On several occasions he had also<br />

publicly sympathized with Robert Mugabe.<br />

When it came to presidential elections in<br />

2011 Sata saw his chance to end 20 years<br />

of MMD government. Meanwhile Rupiah<br />

Banda, minister in<br />

several portfolios under<br />

Kaunda and later<br />

vice-president under<br />

Mwanawasa stood<br />

as the incumbent. After<br />

Mwanawasa had<br />

passed away in 2008<br />

after a stroke, Banda<br />

took over until the<br />

end of the term.<br />

Banda, however,<br />

did not make a<br />

strong impact. He lost<br />

the 2011 elections<br />

against Sata who<br />

quickly enforced reforms<br />

on the labour<br />

market and increased social expenditures.<br />

On the other hand he was characterized by<br />

an erratic leadership, took repressive action<br />

against his political opponents and lacked<br />

any consultation with civil society. He was<br />

often unpredictable, but he managed to articulate<br />

the needs of the poor urban population<br />

und to raise their hopes. His power<br />

base was in the north of the country, while<br />

the MMD enjoyed massive support in most<br />

of the rural areas, particularly in the east.<br />

At the same time, the United Democratic<br />

Alliance (UDA) established itself as a third<br />

force. It had evolved from Mazoka’s UPND<br />

and is led by a businessman from Monze:<br />

Hakainde Hichilema. Since the presidential<br />

elections in 2006, Hichilema succeeded<br />

in increasing his share of the votes in<br />

every single election. Apart from Southern<br />

Province, Hichilema and the UDA also<br />

become increasingly popular among the<br />

Lozi.<br />

In the presidential elections in <strong>2015</strong>,<br />

Hichilema only missed the presidency by a<br />

hair’s breadth. In <strong>2015</strong> a new election was<br />

necessary because just as his pre-predecessor,<br />

Sata had died in office in November<br />

2014. In the interim period, Guy Scott<br />

became, as the first white in the office,<br />

acting president. In January <strong>2015</strong> Hichilema<br />

closely lost to Edgar Lungu, Sata’s political<br />

mentee. Edgar Lungu will now govern the<br />

Zambian’s destinies until the next regular<br />

elections in the end of 2016.<br />

Challenges for the future<br />

The challenges for the future are immense:<br />

Attempts to reform the constitution, for<br />

example to assert that the president has to<br />

be elected with an absolute majority, have<br />

not yet succeeded. Indeed Lusaka and the<br />

large cities on the Copperbelt have grown<br />

and they partly offer a modern infrastructure.<br />

Sambias Wahlkommision / Electoral Commission of Zambia<br />

Yet, only a tiny elite benefits from this. The<br />

middle class is still small. On the UN Human<br />

Development Index Zambia ranks 141st –<br />

one of the lower ranks. In many areas in<br />

Zambia, one can, however, feel the people’s<br />

desire, to engage themselves for the benefit<br />

of their country, to enforce their rights and to<br />

bring their country forward. „The hour has<br />

come“. This was once the election slogan of<br />

the MMD to underline that the Kaunda-era<br />

was over. Let’s hope for Zambia that now<br />

the hour of sustainable economic growth<br />

and of political opening has come.<br />

Johann Müller


Bitte<br />

vormerken!<br />

Samstag, 3.Oktober.<strong>2015</strong>:<br />

20 Jahre <strong>ewe</strong><br />

– 18 Uhr Wortgottesdienst<br />

in der Marienkirche<br />

– 19 Uhr Partnerschaft entwickelt –<br />

Ein Begegnungs- und Feierabend<br />

mit Entwicklungsgeschichten und<br />

sambischen Gästen

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