DEGEMED News 53 Oktober 2015

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DEGEMED Newsletter Nr. 53 Oktober 2015

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Nr. 53 Oktober 2015

news

Sind wir erfolgreich?

Was die Reha bringt.

Wie misst man Erfolg? Klar, am Ergebnis

natürlich. Jedes Schulkind weiß das. Ist

das Lernziel erreicht, gibt´s eine gute Note.

Ein fehlerfreies Diktat ist besser als eines,

in dem der Lehrer ständig den Rotstift angesetzt

hat. Wir sind es von Kindheit an gewohnt,

Leistungen zu messen, Ergebnisse

zu betrachten und zu vergleichen. Ist es also

so einfach? Erklärt sich jedes Ergebnis

selbst? Beim Diktat: ja. Im Gesundheitsbereich

und bei der medizinischen Reha liegen

die Dinge etwas komplizierter. Und dennoch

verlangen Gesellschaft und Politik von uns

eine eindeutige Antwort. Sie wollen wissen,

ob sich Reha wirklich lohnt und sie wollen

wissen, warum.

Welcher Maßstab ist richtig?

Seien wir ehrlich: Die Frage nach dem Erfolg

löst zunächst Unruhe bei uns aus. An

der medizinischen Reha hängen schließlich

etablierte Strukturen und liebgewonnene

Geschäftsmodelle. Irritierend ist auch, dass

die Antworten so unterschiedlich ausfallen.

Rehabilitanden antworten anders als ihre

Angehörigen oder ihre Ärzte, als Versorgungsforscher,

Methodenbewerter oder

professionelle Qualitätssicherer, als Sozialpolitiker

oder Chefs von Sozialkassen.

Da ist es schwer, den Überblick zu behalten

und sich für den richtigen Maßstab zu

entscheiden. Denn die Festlegung auf eine

Perspektive ist zugleich ja immer auch eine

Verengung.

Reha-Ziel entscheidet

Da hilft die Orientierung an den eigentlichen

Zielen der Reha. Politik und Gesetzgeber

haben sie nicht zweckfrei konstruiert. Sie

verbinden mit ihr konkrete Erwartungen.

Leistungsträger und Leistungserbringer

müssen sie gemeinsam erfüllen. Erhaltung

der Erwerbsfähigkeit und Pflegevermeidung

sind die wichtigsten Ziele. Werden diese

Ziele erreicht, dann ist eine gute Reha zugleich

eine erfolgreiche.

Aktuelle RWI-Studie

Was bringt die Reha? Man kann diese Frage

kompliziert beantworten. Und sich dabei im

methodischen Kleinklein verheddern. Man

kann die Frage aber auch grundsätzlich auffassen.

So wie das Rheinisch-Westfälische

Institut für Wirtschaftsforschung (RWI) im

Auftrag der Deutschen Rentenversicherung

Westfalen und der Deutschen Rentenversicherung

Rheinland. Das RWI verglich die

gesundheitliche Entwicklung von Rehabilitanden

und Nicht-Rehabilitanden. Und wies

deutliche und positive Effekte nach. Das

bringt die Reha!

Weitere Infos

Den Bericht zur Studie des RWI

finden Sie in diesem Heft auf Seite 6.


Inhalt

Degemed intern

2 Editorial

14 Neue Referentin

Kampagne

4 Unter’m Strich

Politik

3 Vergaberecht: Keine Ausschreibung

von Reha-Leistungen!

12 Rahmenvereinbarung:

Entlassmanagement in

Reha-Einrichtungen

12 Reha-Richtlinie: Wird jetzt alles gut?

Wissenschaft

6 RWI-Studie: Was bringt die Reha?

7 Interview

Thomas Keck, Erster Direktor der DRV

Westfalen, im Gespräch mit der

DEGEMED

Qualitätsmanagement

10 Never Events – Fehler, die nie

passieren dürfen

von Angela Herold

Liebe Kolleginnen

und Kollegen,

Editorial

Norbert

Glahn,

Vorstands–

vorsitzender

der DEGE-

MED

dass Rehabilitation wirkt, daran wird niemand

von uns seine Zweifel haben. Darum

ist das Ergebnis der Studie des Rheinisch-

Westfälischen Instituts für Wirtschaftsforschung

(RWI), die im Auftrag der Deutschen

Rentenversicherungen Westfalen

und Rheinland erstellt wurde, zunächst

überraschungsfrei. Natürlich haben auch

die Rentenversicherungen (man vergleiche

nur den jährlichen Reha-Bericht der

DRV Bund) aus ihren Qualitätssicherungsverfahren

Zahlen vorliegen, die die

Wirksamkeit der Reha belegen. Und wer

in seinen Kliniken Ein- und Ausgangs-

Assessments durchführt, wird ebenfalls

wissend nicken und eigene Zahlen aus

der Schublade holen können. Doch das ist

nicht der Kern. Wichtiger erscheint mir, wer

hier die Wirksamkeit bestätigt und welche

Folgen das hat. Denn glaubwürdige neutrale

wissenschaftliche Institutionen wie das RWI

haben erhebliches Gewicht in Fachkreisen

und Politik. Den Beweis der Wirksamkeit

schwarz auf weiß zu haben, holt uns als

wichtigen Teil des Gesundheitssystems aus

dem Schatten. „Wer heilt, hat recht“ – dieser

Paracelus zugeschriebene, oft zitierte Satz

heißt für uns aktuell übersetzt: „Reha wirkt,

man muss sie ernst nehmen“. Und ich füge

hinzu: Man muss sie nicht nur ernst nehmen,

sondern ihr auch ihren verdienten Platz im

Gesundheitssystem zugestehen. Reha kann

keine Medizin zweiter Klasse sein und eine

adäquate Vergütung keine Verhandlungssache.

Wir sollten uns deshalb die Zahlen

der Wissenschaftler sehr genau durchlesen,

daraus lernen und mit ihnen „wirksam“ argumentieren.

Ihr Professor Bernd Petri

Vorstandsvorsitzender der DEGEMED

Initiativen

3 BDA und DGB wollen Reha stärken

11 Starke Kammer für

Pflege und Gesellschaft

von Dr. Markus Mai

12 Kinder- und Jugendreha:

Jetzt erst Recht!

14 Recht auf unabhängige Lebensführung

Projekte

8 Degemed-Sommerakademie 2015:

Irritierende Kräfte

15 Bäder- und Rehatour:

In die Pedale getreten

Service

13 Diskussionsforum www.reha-recht.de

13 Reha-Welt in Zahlen

16 Termine und Veranstaltungen

16 Impressum

Adressen zur

beruflichen Reha

Unter www.rehadat-adressen.de ist das

neueste Portal des REHADAT-Informationssystems

online gegangen. Es bietet

deutschlandweit die umfangreichste Sammlung

von Adressen rund um berufliche Integration

und Rehabilitation. Das Portal enthält

über 24.000 Dienstleister, Ansprechpartner

und Organisationen aus allen Bereichen

der beruflichen Rehabilitation und Teilhabe

mit Kontaktdaten und Beschreibung ihrer

Angebote. Zusätzlich informiert das Portal

über Produkte und Dienstleistungen der

Werkstätten für behinderte Menschen, die

Leistungen spezialisierter Reha-Anbieter

und über Seminare für Fachkräfte aus dem

Reha-Bereich.

Weitere Infos

Das Portal finden Sie unter:

www.rehadat-adressen.de

Reha-Tag zum Zwölften

Zum zwölften Mal fand im September

bundesweit der Deutsche Reha-Tag statt.

Kliniken und Einrichtungen der Rehabilitation

konnten an diesem gemeinsamen

Aktionstag bei über 100 Veranstaltungen

erneut zeigen, wie medizinische, berufliche

und soziale Rehabilitation chronisch kranken

und behinderten Menschen helfen. Die

DEGEMED hatte als einer von 19 Initiatoren

im Vorfeld alle Kliniken und Einrichtungen

der Rehabilitation zum Mitmachen aufgerufen.

Der Deutsche Reha-Tag findet jährlich

am vierten Samstag im September statt.

Weitere Infos

Weitere Informationen gibt´s auf der

Internetseite www.rehatag.de

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GEMEINSAME FORDERUNGEN

BDA und DGB wollen Reha stärken

Eine Rehabilitation kann Erwerbsunfähigkeit

verhindern und die Wiedereingliederung

in Beschäftigung beschleunigen und sicherstellen.

Deshalb muss auch aus Sicht der

Arbeitgeber und Arbeitnehmer der Zugang

zu Reha-Leistungen und die Zusammenarbeit

der Reha-Träger verbessert werden. Die

Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände

(BDA) und der Deutsche Gewerkschaftsbund

(DGB) fordern in einem am

1. September erschienenen gemeinsamen

Papier zahlreiche Nachbesserungen.

SGB IX soll verbindliches Leitgesetz

werden

Das SGB IX soll nach Vorstellungen von

BDA und DGB das verbindliche „Leitgesetz“

für die Rehabilitation und Teilhabe in

Deutschland werden. Abweichungen in

den Leistungsgesetzen sollen auf wenige

Ausnahmen beschränkt bleiben. Ein Träger

soll die Federführung für alle Abläufe übernehmen.

Neuorganisation des Reha-Prozesses

Die Begutachtung von Rehabilitanden soll

nach einheitlichen Grundsätzen erfolgen

und jeder soll nur einmal begutachtet werden.

Zuständigkeiten sollen eindeutiger geregelt

werden. Zur besseren Steuerung soll

eine Reha-Statistik eingeführt werden.

Die Begutachtung von Rehabilitanden soll

zukünftig nach einheitlichen Grundsätzen

erfolgen.

BAR stärken

Um die Koordination zwischen den Reha-

Trägern zu verbessern, soll die Bundesarbeitsgemeinschaft

für Rehabilitation (BAR)

aufgewertet und ihre Stellung gesetzlich

ausgebaut werden. Dadurch können auch

die Gemeinsamen Empfehlungen (GE) mehr

Verbindlichkeit erhalten.

Was ist eigentlich …?

Der Deutsche Gewerkschaftsbund

(DGB) ist die Dachorganisation von

acht Einzelgewerkschaften. Er versteht

sich als Stimme gegenüber politischen

Entscheidungsträgern und Verbänden in

Bund, Ländern und Gemeinden und hat

sechs Millionen Mitglieder. www.dgb.de

Die Bundesvereinigung der Deutschen

Arbeitgeberverbände (BDA) ist

der arbeits- und sozialpolitische Spitzenverband

der gesamten deutschen Wirtschaft.

Die BDA vertritt die Interessen

aller Branchen der privaten gewerblichen

Wirtschaft. Sie ist in 14 Landesvereinigungen

gegliedert. www.arbeitgeber.de

Infos im Netz

Das vollständige Papier gibt es unter:

www.dgb.de

VERGABERECHT

Keine Ausschreibung von Reha-Leistungen!

Das Bundeskabinett hat im Juli 2015

seinen Entwurf des Vergaberechtsmodernisierungsgesetzes

(VergModG) vorgelegt.

Grundlage des Entwurfs sind die Eckpunkte

zur Reform des Vergaberechts, die die

Bundesregierung bereits im Januar 2015

veröffentlicht hatte. Das Gesetz regelt die

Vergabe durch öffentliche Auftraggeber neu

und geht jetzt in das parlamentarische Verfahren.

Die DEGEMED hatte bereits zu den

Eckpunkten des Gesetzes deutlich Stellung

bezogen: Europaweite Ausschreibungen

von Reha-Leistungen dürfe es nicht geben.

Das müsse in der Gesetzesbegründung

noch deutlicher herausgestellt werden.

Gesetzesbegründung angepasst

In der Kabinettsfassung des Gesetzes

wurde bereits deutlicher formuliert, dass

Dienstleistungserbringer im sogenannten

sozialhilferechtlichen Dreiecksverhältnis

nicht der EU-Vergaberichtlinie unterliegen.

Der DEGEMED reicht diese Formulierung jedoch

noch nicht aus. Um zukünftige Rechtsunsicherheiten

zu vermeiden, wird sich

die DEGEMED weiter für eine Klarstellung

einsetzen. Dass Leistungen zur Reha und

Teilhabe nicht in den Anwendungsbereich

der EU-Vergaberichtlinien fallen dürfen, ist

auch die Position von Kostenträgern wie der

Deutschen Rentenversicherung.

Infos im Netz

Die Stellungnahme der DEGEMED finden

Sie unter www.degemed.de, den

Kabinettsentwurf unter: www.bmwi.de

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KAMPAGNE

Unter’m Strich

Auch nach dem offiziellen Abschluss

der Kampagne „Meine

Reha – Mein Leben.“ sind in der

Geschäftsstelle der DEGEMED

noch Unterschriftenlisten und Postkarten

eingegangen. Zusammen

mit diesen Unterschriften haben

seit April 2014 fast 19.000 Menschen

der Aktion für die Zukunft

der Rehabilitation ihre Stimme

gegeben. Die hohe Resonanz zeigt,

dass die Initiative an der richtigen

Stelle angesetzt und den Puls der

Zeit getroffen hat.

Schon während der Kampagne

zeigte sich die Politik offen gegenüber

den Forderungen und bereit

zu Gesprächen. Aber auch nach

dem Abschluss von „Meine Reha

– Mein Leben.“ sollten Verantwortliche

aus dem BMG und dem

BMAS noch einmal die Möglichkeit

bekommen, sich zur Kampagne

und den Forderungen der DEGE-

MED zu äußern.

Zahlen, Daten, Fakten

• Bis zu 1,5 Millionen Leser

durch Veröffentlichungen

in Printmedien

Ihre Kampagne „Meine Reha – Mein Leben.“

sieht unser Haus als sehr unterstützenswert

an. Die Beteiligung mit mehr als

18.000 Unterschriften zeigt auf, welch

breite Resonanz die Kampagne in der Öffentlichkeit

gefunden hat. Ich kann Ihnen

versichern, dass wir die von Ihnen aufgeführten

Kriterien wie den einfacheren Zugang

zur Rehabilitation, die Erhaltung der

Rehabilitation als Komplexleistung und eine

bedarfsgerechte Finanzierung der Rehabilitation

weiterhin im Blick behalten werden.

Denn auch der Politik liegt eine bedarfsgerechte

Umsetzung von Rehamaßnahmen

am Herzen.

Bundesministerium für Gesundheit im

Auftrag von Hermann Gröhe, CDU

Bundesminister für Gesundheit

Ich halte die drei Kernbotschaften Ihrer

Kampagne für sehr unterstützungswert.

Mit der im Rentenversicherungs-Leistungsverbesserungsgesetz

vorgesehenen Anhebung

des Reha-Budgets in der gesetzlichen

Rentenversicherung durch die Berücksichtigung

einer Demografiekomponente haben

wir gute Voraussetzungen dafür geschaffen,

dass die gesetzliche Rentenversicherung

auch künftig ihre Leistungen der medizinischen

Rehabilitation bedarfsgerecht erbringen

kann. In jedem Fall wünsche ich ihrer

Kampagne auf diesem Weg guten Erfolg,

denn sie rückt die berechtigten Belange der

medizinischen Rehabilitation verstärkt ins

öffentliche Bewusstsein.

Andrea Nahles, SPD

Bundesministerin für Arbeit und Soziales

• Insgesamt rund

19.000 Unterstützer

• Rund 250 unterstützende

Kliniken

• Mehr als 75 Medienberichte

• Bundesweite Anzeigen

• Vier politische Dialogabende

mit MdB-Beteiligung

DEGEMED-Mitarbeiterin Katharina Ruppelt (unten) und Eberhard Gienger beim

Tandemsprung „zurück ins Leben“. Beide unterstützten damit die Kampagne.

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Jedes Jahr nehmen rund zwei Millionen

Menschen eine medizinische Rehabilitation

in Anspruch. Für diese Menschen ist das

ein Schritt, der ihre Lebenssituation konkret

verbessert. Rehabilitation wird in Zukunft

an Bedeutung zunehmen: Der demografische

Wandel, die gestiegenen Ansprüche

der Arbeitswelt und Multimorbidität der

Bevölkerung führen zu höheren und komplexeren

Bedarfen bei den Patientinnen und

Patienten. Zentrales Ziel muss es deshalb

sein, dass jede und jeder, der eine Reha-

Maßnahme zur Erhaltung oder Wiedererlangung

ihrer oder seiner Gesundheit benötigt,

diese auch erhält.

Potenzial besser nutzen

Barrieren müssen deshalb abgebaut werden.

Ein Beispiel dafür, dass das Potenzial

für Rehabilitation nicht ausgeschöpft wird,

sind die niedrigen Empfehlungsquoten für

Reha-Maßnahmen des MDKs bei den Pflegebegutachtungen.

Durch eine konsequentere

Umsetzung des gesetzlich verankerten

Ansatzes „Reha vor Pflege“ kann Pflegebedürftigkeit

vermieden und hinausgezögert

werden. Deshalb werden wir im Rahmen

des Pflegestärkungsgesetzes II rehabilitative

Bedarfe in der Pflegebegutachtung zum

verpflichtenden Gegenstand der Berichterstattung

machen. Die bestehende Berichtspflicht

über die Erfahrungen mit der Umsetzung

der Empfehlungen zur medizinischen

Rehabilitation wird um drei Jahre bis in das

Geschäftsjahr 2018 verlängert. Perspektivisch

muss auch in anderen Bereichen das

Potenzial für Rehabilitation besser genutzt

werden. Das Reha-System muss weiterentwickelt,

Zugangshürden müssen abgebaut,

Beratung muss gestärkt und Vergütungsstrukturen

müssen überdacht werden.

Die Verwirklichung umfassender Teilhabe

gehört zur Daseinsvorsorge und damit zu

den zentralen Aufgaben des Sozialstaates.

Hilde Mattheis MdB

Gesundheitspolitische Sprecherin der

SPD-Bundestagsfraktion

Jeder von uns kann nach einer schweren

Erkrankung, einem medizinischen Eingriff

oder einem Unfall auf medizinische Rehabilitation

angewiesen sein. Sie ist Teil einer

individuellen und ganzheitlichen medizinischen

Versorgung. Die Kampagne „Meine

Reha – Mein Leben.“ ist sehr hilfreich,

denn sie sensibilisiert auch Nichtbetroffene,

sich zu informieren. Sie ist de facto eine

Möglichkeit, ein informierter Versicherter

zu werden. Sie dient auch dazu, in einer

insgesamt älter werdenden Gesellschaft

Pflegebedürftigkeit zu verhindern, sie zu

vermindern oder hinauszuzögern.

Zugang wird verbessert

Mit dem Pflegestärkungsgesetz II verbessern

wir aktuell den Zugang zu einer

individualisierten Rehabilitation und erfüllen

damit eine langjährige Forderung. Das

neue Begutachtungsverfahren verpflichtet

Krankenkassen und Pflegekassen zu einem

einheitlichen Verfahren für die Erfassung

und Weitergabe des Reha-Bedarfs. Dabei

ist die Möglichkeit, ambulante oder stationäre

Reha zu nutzen, weiterhin individuell

zu entscheiden. Die Inanspruchnahme

begleiten wir politisch selbstverständlich

weiter. Herzlichen Dank für die DEGEMED-

Kampagne „Meine Reha – Mein Leben.“

Maria Michalk MdB

Gesundheitspolitische Sprecherin der

CDU/CSU-Bundestagsfraktion

Infos im Netz

Infos zur inzwischen beendeten

Kampagne finden Sie bis

Ende Oktober 2015 unter

www.meinereha-meinleben.de

„Reha als Komplexleistung erhalten“,

„Nicht an der Reha sparen“ und „Den Zugang

zur Reha erleichtern“: Die Postkarten der

Kampagne »Meine Reha – Mein Leben.«

brachten die drei Botschaften in die Öffentlichkeit

und kamen mit Unterstützer-

Unterschriften zurück nach Berlin.

Eberhard Gienger (Mitte) und DEGEMED-

Mitarbeiter verteilten im August grüne

Äpfel an Passanten vor dem Reichstag

und erläuterten die bedrohte Lage der

Reha-Medizin in Deutschland.

Steht mir

einfach zu!

Das gesamte

Spektrum!

So viel

wie ich brauche!

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Wirksamkeit bewiesen

Aktuelle Studie des RWI belegt positive Effekte

Was ist eigentlich …?

Das RWI

Das Rheinisch-Westfälische Institut für

Wirtschaftsforschung (RWI) mit Sitz in

Essen beschäftigt sich mit wissenschaftlicher

Forschung und evidenzbasierter

Politikberatung in Deutschland

und ist Mitglied der Leibniz-Gemeinschaft.

Es wurde 1926 gegründet

und arbeitet seit 1943 in rechtlicher

Selbstständigkeit als eingetragener

Verein; es dient ausschließlich gemeinnützigen

Zwecken.

Rheinisch-Westfälisches Institut für

Wirtschaftsforschung e.V.

Hohenzollernstraße 1-3

45128 Essen

Tel.: 0201 8149-0

E-Mail: rwi@rwi-essen.de

www.rwi-essen.de

Präsentation der Studienergebnisse am 20. August bei der DRV Westfalen in Münster

Wie jede öffentlich finanzierte Leistung

muss auch die medizinische Reha darlegen,

dass sie die mit ihr verbundenen Ziele erreicht.

Studien gibt es dazu viele. Nun fügt das Rheinisch-Westfälische

Institut für Wirtschaftsforschung

(RWI) eine weitere hinzu. Sie nutzt

Daten der DRV Rheinland und DRV Westfalen.

Keck: Akzente setzen

Immer wieder würden in Ministerien oder anderen

Institutionen Kosten-Nutzen-Analysen

zur Reha angestellt oder über die Zuordnung

von Zuständigkeiten diskutiert. So skizzierte

der erste Direktor der DRV Westfalen, Thomas

Keck, die Ausgangssituation bei der

Präsentation der Studie am 20. August in

Münster. In dieser Diskussion wollten er

und die anderen Auftraggeber mit der Studie

„einmal einen Akzent setzen“. Die Studie

habe den Ansatz gewählt, mit Vergleichsgruppen

zu arbeiten. Personen mit und ohne

Reha-Leistung wurden gegenübergestellt.

Positive Effekte bei allen Zielgrößen

Die Studie evaluiert medizinische Reha-Leistungen

im Hinblick auf ihren medizinischen

Erfolg und ihre Auswirkungen auf die Erwerbsbiografie.

Sie bezieht Versicherte und

Rehabilitanden von DRV Rheinland und DRV

Westfalen aus 2009 ein und betrachtet deren

Entwicklung nach Reha-Antragstellung bzw.

nach Abschluss der Reha-Leistung. Der

Leiter der Studie, Dr. Boris Augurzky, hob

bei der Präsentation der Ergebnisse hervor,

dass bei allen drei Zielgrößen Gesundheitszustand,

Erwerbstätigkeit und Bezug einer

Erwerbsminderungsrente (EM-Rente) die

Gruppe der Rehabilitanden besser abschnitt

als die Vergleichsgruppe ohne Reha. Für ihn

ein Beleg für die Wirksamkeit der Reha. Der

Reha-Erfolg sei auch abhängig von der Dauer

der vorangegangenen Erwerbslosigkeit.

Impulse für Weiterentwicklung

Die Ergebnisse zeigten zunächst einmal

die Qualität der Reha-Einrichtungen, der

eigenen wie der privaten, resümierte Keck.

Sie werfen aber auch Fragen auf, ob für alle

Rehabilitanden die richtige Einrichtung

ausgewählt werde. Keck kündigte an, die

Gruppe der abgelehnten Reha-Antragsteller

genauer zu untersuchen. Möglicherweise sei

die bisherige Praxis der Begutachtung nicht

ausreichend. In der Psychosomatik könne

man bei Rentenantragstellern mit mehrtägigen

Assessments in Kliniken möglicherweise

besser Reha-Potenziale offenlegen

als mit den etablierten Verfahren.

Studie bereit zum Download

Die Studie des RWI steht im Pressebereich

der DRV zur Verfügung:

www.deutsche-rentenversicherung.de

Zur Person

Dr. Boris Augurzky

Leiter des Kompetenzbereichs „Gesundheit“,

Rheinisch-Westfälisches Institut für

Wirtschaftsforschung (RWI)

Boris Augurzky studierte Volkswirtschaftslehre

und Mathematik an der

Universität Heidelberg. Zwischen 2001

und 2003 war er Berater bei The Boston

Consulting Group. Seit August 2003 ist

er Kompetenzbereichsleiter Gesundheit

am RWI. Die Schwerpunkte seiner Arbeit

liegen auf dem stationären Gesundheitssektor,

Fragen zur Reformierung des

Gesundheitssystems und der Evaluation

von Politikmaßnahmen. Unter anderem ist

er Autor des Krankenhaus Rating Reports

sowie des Pflegeheim Rating Reports.

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news Nr. 53Oktober 2015


Was bringt die Reha?

Interview mit Thomas Keck,

Erster Direktor der DRV Westfalen

Das Rheinisch-Westfälische Institut

für Wirtschaftsforschung (RWI) weist

in seiner Studie positive Effekte der

medizinischen Rehabilitation nach.

DRV Westfalen und DRV Rheinland

haben die Studie gefördert und

eigene Daten zur Verfügung gestellt.

Thomas Keck, Erster Direktor der

DRV Westfalen, erklärt warum.

DEGEMED news: Herr Keck, warum dieses

Gutachten?

Thomas Keck: Ziel der Studie mit ihrem

ökonomischen Ansatz ist es, neben den

rentenversicherungsträgereigenen Analysen

einen externen Blick auf die Erfolge von

Maßnahmen zur medizinischen Rehabilitation

zu richten. Dabei sollten auch mögliche

Unterschiede zwischen stationärer und

ambulanter Rehabilitation betrachtet werden

und eine Bewertung des Einflusses der

Trägerschaft sowie der Größe der ausführenden

Reha-Einrichtungen auf die Rehabilitationsergebnisse

erfolgen.

Was ist eigentlich …?

Die DRV Westfalen ist einer der

großen Träger der gesetzlichen Rentenversicherung

und betreut rund vier

Millionen Versicherte und Rentner. Sie

hat ein Haushaltsvolumen von 12,8

Mrd. Euro und veranschlagt in diesem

Jahr 366 Mio. Euro für Leistungen zur

Rehabilitation. Die DRV Westfalen betreibt

auch fünf eigene Reha-Kliniken

an den Standorten Bad Rothenfelde,

Bad Driburg, Bad Salzuflen, Ennepetal

und auf Norderney.

www.drv-westfalen.de

DEGEMED news: Die Reha-Branche ist

doch über die Selbstverwaltungen der

Reha-Träger mit den Sozialpartnern und mit

der Politik eigentlich gut vernetzt. Reden wir

zu wenig über unsere Erfolge?

Thomas Keck: Wir können gar nicht häufig

genug über die Erfolge der medizinischen

Rehabilitation sprechen. Ob Rentenversicherungsträger,

Reha-Einrichtung oder

sonstiger Akteur auf dem Gebiet der Rehabilitation:

Nur gemeinsam kann es uns

gelingen, den Stellenwert der Rehabilitation

nachhaltig in das Bewusstsein der Politik

zu rufen.

DEGEMED news: Welche Schlüsse ziehen

Sie aus der Studie? Was muss sich ändern?

Thomas Keck: Nach der Studie lassen

sich zwischen ambulanter und stationärer

Rehabilitation keine nennenswerten Unterschiede

feststellen. Außerdem ist der

Reha-Erfolg der untersuchten Maßnahmen

auf den ersten Blick nicht abhängig von

Faktoren wie der Größe der Einrichtung

oder in wessen Trägerschaft sich diese befindet.

Dies bestätigt uns darin, dass unser

Qualitätssicherungsprogramm funktioniert.

Aufgrund der indifferenten Datengrundlage

handelt es sich bei dieser ersten Studie um

den Auftakt für weitere Untersuchungen,

bei denen es ethischen und datenschutzrechtlichen

Problemstellungen durch innovative

Forschungskonstruktionen entgegenzutreten

gilt. Weiter stellt die Studie

fest, dass der Anteil der Rehabilitanden,

die nach der Maßnahme wieder arbeiten

umso höher ist, je eher die Rehabilitation

beginnt. Dies unterstreicht die These, dass

wir möglichst frühzeitig auf die Versicherten

zugehen müssen, um sie langfristig wieder

in das Erwerbsleben zu reintegrieren.

Zur Person

Thomas Keck

ist seit 2009 Vorsitzender der Geschäftsführung

der Deutschen Rentenversicherung

Westfalen. Er engagiert sich für

eine qualitativ hochwertige Rehabilitation

sowie für ein möglichst frühzeitiges Zugehen

auf die Versicherten (Prävention).

Beides sind für Keck wesentliche Voraussetzungen,

um Menschen bestmöglich

bei dem Verbleib im Erwerbsleben bis

zum Renteneintrittsalter zu unterstützen.

Als einer der Initiatoren der Bäder- und

Reha-Radtour 2015 hat Thomas Keck

nunmehr zum zweiten Mal Ziele und

Möglichkeiten von Reha, Prävention und

Inklusion auf besondere Art stärker in das

Bewusstsein der Öffentlichkeit gebracht

– u. a. auch unterstützt von prominenten

Mitradlern.

DEGEMED news: Sie haben sich in diesem

Jahr wieder mit Ihrer Radtour durch Westfalen

für die Reha engagiert. Braucht die Reha

mehr Öffentlichkeit?

Thomas Keck: Reha ist ein essenzieller

Bestandteil unseres Versorgungssystems.

Wir sollten nicht müde werden, dies immer

wieder in das Bewusstsein zu rufen.

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JUNGE REHA/DEGEMED-SOMMERAKADEMIE 2015

Irritierende Kräfte

„Irritierende Kräfte“ lautete

das Motto der DEGEMED-

Sommerakademie 2015 vom

30.6. bis 3.7. in Bernried am

Starnberger See.

Zwischenmenschliche Konflikte sind alltäglich

und die meisten Menschen empfinden

sie als unangenehm. Aber auch die

unangenehmsten Konflikte stellen immer

eine Chance dar – eine Chance auf einen

Neuanfang. Notwendig dafür sind die Überwindung

von Zweifeln und das Verlassen

unserer eigenen Komfortzone – also nicht

den einfachen konfliktfreien Weg zu gehen,

sondern vom gewohnten, meist bequemeren

Pfad abzuweichen. Denn gerade die unklaren

und riskanten Wege sind die, die uns

vorantreiben und weiterbringen.

Sommerakademie zeigt neue Wege

des Denkens für die Reha

In der Reha-Branche, in der unterschiedlichste

Berufsgruppen miteinander arbeiten,

ist es wichtig, als Führungskraft auch

außerhalb der eingefahrenen Bahnen zu

denken, um Mitarbeiter zu motivieren und

gemeinsam an einem Strang zu ziehen. Die

diesjährige DEGEMED-Sommerakademie

zeigte den Teilnehmern die Möglichkeiten,

Konflikte konstruktiv anzugehen und durch

motivationale Ansprache Vertrauen zu

schaffen und zu überzeugen. Im gemeinsamen

Dialog und Austausch gab sie den

Teilnehmern die Möglichkeit, über die üblichen

Grenzen hinauszugehen und neue

Denkwege einzuschlagen.

Stimmen von Teilnehmern

In diesem Newsletter sind Stimmen von

Teilnehmerinnen und Teilnehmern der

DEGEMED-Sommerakademie 2015 zusammengetragen.

Sie zeigen, wie lebendig und

frisch die Reha denkt.

„Dogma und Dilemma – Wie viel Wirklichkeit

vertragen meine Grundsätze?“

Diskussionsabend mit Thomas Bold, Thomas

Keck und Robert Zucker

Absolventen der DEGEMED-Sommerakademie 2015 mit Dr. Constanze Schaal (Mitte)

und Christof Lawall (rechts)

Reha braucht Leidenschaft!

von Nina Boes

Als ich 2011 zu der Deutschen Rentenversicherung

Westfalen wechselte, kam

ich erstmals mit der medizinischen Rehabilitation

in Berührung. Schnell wurde mir

klar, was Rehabilitation eigentlich bedeutet:

Reha ermöglicht Menschen mit oder mit

drohender Behinderung Teilhabe. Teilhabe

am Leben in der Gesellschaft. Innerhalb

kürzester Zeit war ich überzeugt: Reha ist

ein essenzieller, nicht wegzudenkender Bestandteil

unseres Versorgungssystems, für

den es sich einzusetzen und zu kämpfen

lohnt.

Reha braucht Leidenschaft!

Denn ohne Leidenschaft wird Reha, die immer

wieder Gegenstand politischer Diskussionen

ist, langfristig nicht überleben können.

Wir leben in einem der wenigen Länder,

das Leistungen zur medizinischen und

beruflichen Rehabilitation vorhält. Dessen

sollten wir uns stets bewusst und deshalb

auch bereit sein, die Reha weiterzuentwickeln

und an die sich verändernden Rahmenbedingungen

anzupassen sowie aktiv

auf die Politik zuzugehen, um die Bedeutung

der Reha nachhaltig in das Bewusstsein

zu rufen. Damit das gelingt, braucht

es uns alle: RV-Träger, Reha-Einrichtungen

sowie alle weiteren Akteure auf dem Gebiet

der Rehabilitation, insbesondere aber auch

die Menschen mit Behinderungen. Reha ist

nicht irgendein Produkt. Es geht dabei vor

allem um Menschen. Menschen, die möglicherweise

ohne Reha an den Rand der

Gesellschaft gedrängt werden und den

Anschluss verlieren.

Zur Person

Nina Boes

Alter: 32 Jahre

Rechtsanwältin

Bis 9/2011 Referentin im Ministerium

für Arbeit, Integration und Soziales

NRW in Düsseldorf

Bis 8/2013 Referentin bei der DRV

Westfalen im Referat „Medizinische

Rehabilitation wegen allgemeiner

Erkrankungen“

Seit 9/2013 Referentin der Geschäftsführung

bei der DRV Westfalen

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Herausforderung gesucht – Reha gefunden

von Christian Kunisch

Innovativ, wegweisend, nachhaltig: willkommen

in der Rehabilitation. Was für

viele Unternehmen Schlagworte oder

Zur Person

Christian Kunisch

Alter: 30 Jahre

Controller

Erstausbildung Sport- und

Gymnastik lehrer; Studium zum

Diplom-Kaufmann (FH)

Bei den RehaZentren Baden-

Württemberg seit Juli 2014

auch nur Phrasen sind, ist unsere tägliche

Arbeit. Zusammen mit den Ärzten, Therapeuten,

Pflegern und dem restlichen Reha-

Team erfinden wir die Rehabilitation immer

wieder neu, um mit den sich schnell wandelnden

Anforderungen des Arbeitslebens

unserer Rehabilitanden Schritt zu halten. Als

Controller begleite ich die Prozesse und gebe

Impulse für die optimale Ausgestaltung,

die den vorgegebenen wirtschaftlichen Ressourcen

entspricht. Wachstum ist auch im

Reha-Markt eine unerlässliche Eigenschaft

geworden. Stagnation bedeutet Rückschritt,

denn die Erlöse von heute decken die Kosten

von morgen nicht mehr. Das Aufschieben

von Investitions- und Instandhaltungsentscheidungen

sichert nur den kurzfristigen

Erfolg. Der Garant für langfristigen und

nachhaltigen Erfolg liegt in der wirtschaftlichen

Betrachtung von Entscheidungen. Die

Komplexität und Schnelligkeit nimmt seit

Jahren deutlich an Fahrt auf. Alles ist gefühlt

messbar und bewertbar geworden, die

Informationsflut kennt keine Grenzen. Als

Controller reduziere ich die Informationen

auf einfache und vor allem aussagefähige

Kernbotschaften. Mit wenigen verdichteten

Zahlen und Worten lassen sich auch die

weniger zahlenaffinen Führungskräfte und

Teamleiter zum wirtschaftlichen Führungs-

und Entscheidungsverhalten bewegen.

Als Controller hinterfragt man ständig

Prozesse, Entscheidungen und Projekte.

Die optimale Lösung ist meist nur ein auf

einen bestimmten Zeitraum begrenzter

Kompromiss.

Christian Kunisch sucht auch privat als

Sportler die Herausforderung.

Impulse

erhalten

von Nicol Schmidt

Zur Person

Nicol Schmidt

Alter: 42

Mitglied der Geschäftsleitung der

inoges ag

Schloss Höhenried am Starnberger

See war 2015 beeindruckender

Tagungsort der DEGEMED-Sommerakademie.

Ich halte für einen Moment inne und reise

in Gedanken an den Starnberger See,

dort war ich im Juli. Eine besondere Zeit

für mich – fernab von dem sonstigen Pensum

der täglichen Arbeit war es eine Gelegenheit

zum Genießen, zum Träumen

und zum Lernen. Es war eine Zeit für die

Kunst und das gemütliche Beisammensein.

Sonnige Tage verführten zum morgendlichen

Schwimmen im See, zu neuen

Begegnungen und zu Entdeckungsreisen.

Und die vielen Impulse machen nun

Lust auf mehr ... Neugierig? Die nächste

DEGEMED-Sommerakademie kommt

bestimmt. Ich bin jedenfalls wieder dabei.

news Nr. 53Oktober 2015

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Never Events – Fehler, die nie passieren dürfen

Ein Beitrag von Angela Herold, Risikoberaterin bei der GRB Gesellschaft für Risiko-Beratung mbH

Eine schwere Verletzung führt zum Aussetzen

der Reha-Behandlung. War es ein Fehler

der Klinik? Oder kann man davon ausgehen,

dass sich Patienten der typischen Gefahrenquellen

bewusst sind? Wie kann man

vermeiden, dass Patienten sich Gefahren

aussetzen? Wie können sie über potenzielle

Gefahren informiert werden? Stellt man sich

Fragen wie diese, lassen sich Ideen zur Beseitigung

von Risiken im klinischen Alltag

gut generieren und Präventionsmaßnahmen

festlegen.

Never Events entdecken

Ein „Never Event“, also ein Ereignis, das nie

passieren darf, nennt das amerikanische National

Quality Forum solche Fälle. Klassifiziert

und veröffentlicht wurden sie erstmals

im Jahr 2001, aktualisiert 2006 und 2012.

Um als Never Event klassifiziert zu werden,

Fallskizze

Ein Patient tritt nach seinem Motorradunfall

seine Reha-Behandlung an.

Wegen eines gerissenen Nervs ist sein

linker Arm gefühllos. Am ersten Tag legt

er beim Duschen den Arm auf der heißen

Wasserarmatur ab, spürt es aber

nicht. So zieht er sich eine Verbrennung

zweiten Grades zu und muss die Reha-

Behandlung aussetzen.

Wer ist schuld?

Es ist streitbar, ob hier ein Fehler der

Reha-Klinik vorliegt, zumal der Patient

zum Zeitpunkt des Vorfalls in seiner

pflegerischen Versorgung bereits wieder

selbstständig war. Der Fall wirft aber

die Frage auf, ob das Klinikpersonal

per se alle Gefahren identifizieren und

unschädlich machen muss oder ob es

davon ausgehen kann, dass sich Patienten

der typischen Gefahrenquellen

bewusst sind.

Klage droht

Der Vorfall führt aus Sicht des Patienten

zu einer Verzögerung seiner weiteren

Genesung. Eine solche Konstellation

birgt Klagepotenzial: Womöglich erhebt

er nun gegen die Klinik Vorwürfe

wegen mangelnder Absicherung von

Gefahrenquellen. Dann wäre die Klinik

in der Pflicht, sich Maßnahmen zur Risikobeseitigung

zu überlegen und diese

umzusetzen. Eine erlittene Verbrennung

während der Reha-Behandlung ist als

typisches Never Event zu sehen.

Verstecken nützt nichts. Lieber mit potenziellen

Fehlern auseinandersetzen. Auch

„Never Events“, also Ereignisse, die nie

passieren dürfen, lassen sich in den Griff

bekommen.

muss ein Ereignis im Zusammenhang mit

einer Behandlung stehen, sich schwerwiegend

auf den Patienten auswirken und als

vermeidbar gelten. Ein weiteres Kriterium

ist, dass die Ursachen des Ereignisses gegenüber

dem öffentlichen Interesse schwer

zu rechtfertigen sind, da immer ein Verschulden

der Klinik zu vermuten ist. In der Vielzahl

von Behandlungsfehlerarten sind Never

Events eine umgrenzte Kategorie. Bei ihnen

handelt es sich um unerwünschte Ereignisse

(adverse events), die klar identifizierbar und

messbar sind. Zum Beispiel:

• Operation auf der falschen Seite/am

falschen Patienten

• Tod oder Verletzung durch kontaminierte

Produkte/Geräte

• Tod oder Verletzung durch Sturz

• Tod oder Verletzung durch Verbrennung

• Verabreichung einer falschen

Blutkonserve

• Medikamentenverabreichung, die zum

Tod oder zu einem Folgeschaden führt

Risikomanagement

Erste Priorität im Risikomanagement einer

Klinik muss es sein, ein Never Event zu

vermeiden. Ist es trotz Vermeidbarkeit eingetreten,

sollte das Ereignis – z. B. durch

eine Fallanalyse – im Nachgang sachlich

und neutral aufgearbeitet und seine Entstehung

abgeklärt werden. Die identifizierten

Ursachen sind als Risiken zu bewerten und

zu beheben. Dem Patienten gegenüber

schuldet man Ehrlichkeit und Transparenz

hinsichtlich des Geschehnisses und seiner

Auswirkungen. Verlangt der Patient Erklärungen,

ist jeder Behandelnde laut Patientenrechtegesetz

zur Offenheit verpflichtet

und hat dem Patienten Auskunft über den

Ereignishergang zu geben, freilich ohne ein

Schuldeingeständnis machen zu müssen.

Eine Risikoanalyse mit Fokus auf Never

Events klärt, wie wahrscheinlich ihr Eintritt

in der Klinikpraxis ist. Den so identifizierten

Risikofaktoren lässt sich dann gezielt mit

präventiven Maßnahmen entgegenwirken.

Literatur

1. National Quality Forum, Serious Reportable

Events in Health Care 2006

update, A Consensus Report

2. National Quality Forum, klassifizierte

und veröffentlichte Never Events

unter www.qualityforum.org

3. Weitere Informationen zu unerwünschten

Ereignissen (adverse

events) unter www.aps-ev.de und

http://psnet.ahrq.gov

Die Autorin

• Angela Herold

• Risikoberaterin bei der GRB Gesellschaft

für Risiko-Beratung mbH

• Diplom-Psychologin, Examinierte

Krankenschwester, Supervisorin

• Kontakt: angela.herold@grb.de

www.grb.de

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news Nr. 53Oktober 2015


Starke Kammer für Pflege und Gesellschaft

Ein Beitrag von Dr. Markus Mai, Vorsitzender des Ausschusses zur Errichtung der Landespflegekammer Rheinland-Pfalz

Seit Beginn des Jahres läuft

der Aufbau der neuen rheinland-pfälzischen

Landespflegekammer.

Die Landespflegekammer soll künftig den

ca. 40.000 Pflegefachkräften in Rheinland-

Pfalz die Möglichkeit geben, selbst über ihre

Angelegenheiten zu bestimmen. So hat es

der Landtag einstimmig entschieden und die

Pflegekammer im Heilberufsgesetz (HeilBG)

verankert. In einem ersten Schritt ist im Januar

der gesetzlich vorgesehene Gründungsausschuss

als Körperschaft des öffentlichen

Rechts zusammengetreten. Er soll die Kammermitglieder

registrieren und die Wahl der

ersten Vertreterversammlung durchführen.

Berufsbild wird gestärkt

Mit der neuen Institution bekommen die

Berufsangehörigen im Land nicht nur eine

kraftvolle Interessenvertretung, sondern

können im Rahmen der Selbstverwaltung

auch viele ihrer Angelegenheiten direkt

und in Eigenverantwortung regeln. Eine der

Hauptaufgaben wird dabei die Professionalisierung

des Berufsbildes sein. Dazu gehören

selbstformulierte Regelungen und Standards

ebenso wie eine qualitätssteigernde

Berufsaufsicht. Letztendlich soll die Kammer

so die Gleichwertigkeit der Berufsgruppe

im Gesundheitssystem unterstützen. Die

Pflegekammer wird die mit Abstand größte

Heilberufskammer im Land sein und so eine

kraftvolle Interessenvertretung für die Pflegenden

sicherstellen.

Kammerwahl schafft starke

Interessenvertretung

Bei der bevorstehenden Wahl zur ersten Vertreterversammlung

haben die Berufsangehörigen

die Gelegenheit, sich aktiv in die Arbeit

der Kammer einzubringen. Sie können

das künftige „Parlament der Pflegenden“

nicht nur wählen, sondern sich auch selbst

wählen lassen. Alle Informationen zur ersten

Kammerwahl und die notwendigen

Dokumente zur Aufstellung eines eigenen

Listenvorschlags stehen unter www.pflegekammer-rlp.de/kammerwahl

bereit. Mit der

ersten Sitzung der Vertreterversammlung im

Januar 2016 ist dann der Grundstein für die

starke Weiterentwicklung des Berufsstandes

und eine Position der Pflege als aktiver Partner

gelegt.

Mit einem modernen Internetauftritt wirbt der Gründungsausschuss für die künftige

Landespflegekammer Rheinland-Pfalz.

Beispielhaft für andere Bundesländer

In der Aufbauphase stehen Vertreter des

Gründungsausschusses im engen Austausch

mit anderen Heilberufskammern,

wichtigen Akteuren des Gesundheitswesens,

der Landespolitik und der Öffentlichkeit.

Diese wichtige Arbeit wird mit Etablierung

der eigentlichen Kammerstrukturen

durch die Vertreterversammlung fortgesetzt

und intensiviert. Auch in anderen Bundesländern

wie Schleswig-Holstein und Niedersachsen

werden derzeit Landespflegekammern

errichtet. Damit ist auch die

Gründung einer Bundespflegekammer ein

mittelfristiges Ziel. Denn die Pflege braucht

auch auf Bundesebene eine effektive und

starke Interessenvertretung. In Rheinland-

Pfalz geht man dafür gemeinsam den ersten

Schritt.

Registrieren lassen

Seit dem 1. April können sich Berufsangehörige

unter www.pflegekammerrlp.de/mitgliedschaft

als Mitglieder registrieren.

Eine weitere Möglichkeit sind

landesweit angebotene Informationsveranstaltungen

(„Gründungsausschuss vor

Ort“). Termine mit „Registrierungsmöglichkeit“

finden sich auf der Homepage

www.pflegekammer-rlp.de

Der Autor

Dr. rer. cur. Markus Mai

ist gelernter Krankenpfleger und Pflegewissenschaftler.

Er ist stellvertretender

Pflegedirektor im Brüderkrankenhaus Trier

und hat die Leitung des Fachbereichs Gesundheitsdienste

(Pflege) in der Zentrale

der BBT-Gruppe inne. Dr. Mai ist Vorsitzender

des Ausschusses zur Errichtung

der Landespflegekammer Rheinland-Pfalz

(Gründungsausschuss).

news Nr. 53Oktober 2015

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ENTWURF RAHMENVEREINBARUNG

Entlassmanagement in Reha-Einrichtungen

Das zum 01.07.2015 in Kraft getretene

GKV-Versorgungsstärkungsgesetz (GKV-

VSG) hat die Möglichkeit geschaffen, dass

Verbände der Krankenkassen künftig auch

mit Verbänden der Reha-Leistungserbringer

Rahmenvereinbarungen über Entlassmanagement

in Reha-Einrichtungen abschließen

können (§§ 40 Abs. 2 Satz 4 i. V. m. 39

Abs. 1a SGB V). Der GKV-Spitzenverband

arbeitet inzwischen an einem Entwurf.

Neuer Anspruch des Rehabilitanden

gegen die Einrichtung

Entlassmanagement zielt auf die Verbesserung

der Anschlussversorgung nach einer

medizinischen Reha. Der Rehabilitand hat

künftig einen Anspruch darauf, dass seine

Reha-Einrichtung sich um die weitere Versorgung

kümmert. Er soll dabei von seiner

Krankenkasse unterstützt werden. Im einzelnen

soll zum Entlassmanagement das

Organisieren der medizinischen oder pflegerischen

Versorgung des Rehabilitanden

sowie die Terminkoordination mit anderen

Leistungserbringern (z. B. Ärzte, Physiooder

Ergotherapeuten, Pflegedienste) ge-

An der Kliniktür ist nach der Reha nicht Schluss. Künftig soll es hier übergreifende

Vereinbarungen zum Entlassmanagement geben können.

hören. Neu ist auch ein Verordnungsrecht

der Reha-Einrichtung für Arznei-, Heil- und

Hilfsmittel und weitere Leistungen für die

ersten sieben Tage nach Entlassung. Eine

Vergütungsregelung enthält der Entwurf der

Rahmenvereinbarung noch nicht.

NEUE REHA-RICHTLINIE

Wird jetzt alles gut?

In der Anhörung zur Änderung der Rehabilitationsrichtlinie

(Reha-RL) des Gemeinsamen

Bundesausschusses (G-BA) am

23.09. in Berlin wurde deutlich, dass der

Zugang zu medizinischer Reha der Krankenkassen

noch nicht so einfach und bürokratiearm

ausgestaltet sein wird wie bei

anderen Reha-Trägern.

Verfahren bleibt in vielen Fällen

zweistufig

Zwar wird das bislang zweistufige Antragsverfahren

bei den Fällen mit eindeutiger Zuständigkeit

der Krankenkassen künftig nur

noch einstufig. Ebenso wird der Antragsvordruck

etwas entschlackt. Dennoch sollen

niedergelassene Ärzte und ihre Patienten

sich bei unklarer Zuständigkeit zwei Mal

mit dem Antrag auseinandersetzen müssen.

Obwohl in diesen Fällen das Amtsermittlungsprinzip

gilt und Krankenkassen den

Antrag gegebenenfalls weiterleiten müssen,

verschieben sie dieses Risiko nun erneut auf

Patienten und Ärzte. Die DEGEMED hat diese

faktische Zweistufigkeit in ihrer Stellungnahme

und in der Anhörung kritisiert.

Zusatzqualifikation entfällt

Positiv dagegen, dass die bislang zusätzlich

notwendige Zusatzqualifikation für niedergelassene

Ärzte zum Ausfüllen der Antragsvordrucke

künftig entfällt. Sie war eine

wesentliche Barriere für Reha-Anträge bei

den Krankenkassen. Patienten mussten bei

Reha-Bedarf erst den Arzt wechseln, wenn

ihr betreuender Haus- oder Facharzt diese

Zusatzqualifikation nicht aufwies.

Infos im Netz

Weitere Informationen zum Gemeinsamen

Bundesausschuss (G-BA), dem obersten

Beschlussgremium der gemeinsamen

Selbstverwaltung der Ärzte, Zahnärzte,

Psychotherapeuten, Krankenhäuser und

Krankenkassen in Deutschland, finden

Sie unter unter www.g-ba.de.

Die Stellungnahme der DEGEMED

gibt es als Download im Internet unter

www.degemed.de im Bereich Downloads/Politik

und Positionen/Positionspapiere

KINDER- UND JUGENDREHA

Jetzt erst Recht!

„Kinder- und Jugendreha – jetzt erst

Recht!“ Unter diesem Motto rief das Bündnis

Kinder- und Jugendreha Ende Juli zum

Krisengipfel auf. Auslöser war der massive

Rückgang der Anträge zur Kinder- und Jugendrehabilitation

bei der DRV in der ersten

Jahreshälfte 2015. Ziel des Gipfels war es,

über die aktuelle Situation zu informieren

und in Arbeitsgruppen geeignete Ideen zu

erarbeiten, die dazu beitragen können, die

Antragszahlen wieder zu steigern. Die erarbeiteten

Maßnahmen gehen alle in eine

Richtung: die Kinder- und Jugendreha an

der Basis bekannter zu machen. Es ist wichtig,

dass sowohl Eltern als auch Ärzte, aber

auch Verantwortliche in Schulen, Jugendämtern

und Beratungsstellen informiert sind

und sich des positiven Effekts einer gelungenen

Reha-Leistung bewusst sind.

Info

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news Nr. 53Oktober 2015


DISKUSSIONSFORUM WWW.REHA-RECHT.DE

Neues aus dem Rehabilitations- und Teilhaberecht

In den Fachbeiträgen berichtet Veit Becker

über Ergebnisse einer klinikinternen Studie

zur „Begleitenden Sozialberatung“ während

der stufenweisen Wiedereingliederung (B10-

2015). Wolfgang Cibis thematisiert in seinem

Beitrag die Klassifikation von personbezogenen

Faktoren der ICF und ihre Bedeutung

für die Rehabilitation (C6-2015). Marcus

Schian und Thomas Stähler diskutieren

die Vorschriften zur trägerübergreifenden

Koordination und Kooperation (D26-2015).

Mit der Barrierefreiheit in der Rehabilitation

setzt sich Irmgard Badura auseinander

(D30-2015). Christiane Goldbach berichtet

über die Integration nach medizinischer

Reha (E4-2015). Aus betriebswirtschaftlicher

Perspektive betrachten Jörg Sydow

und Carolin Auschra den Nutzen von Rehabilitationsnetzwerken

(E5-2015). Walter

Krug befasst sich mit der Barrierefreiheit

in der beruflichen Rehabilitation (E6-2015)

und Daniel Kreutz beschäftigt sich in seinem

Fachbeitrag mit der Beziehung von Pflege

und Reha (E8-2015).

Die Internetseite www.reha-recht.de bietet umfangreiche Informationsund

Diskussionsmöglichkeiten.

Diskussionen zu Reha und Pflege

Vom 25. August bis 8. September 2015

wurde bei „Fragen – Meinungen – Antworten“

das Thema „Teilhabe pflegebedürftiger

Menschen – zum Verhältnis von Reha und

Pflege“ diskutiert. Der Diskussionsverlauf

kann unter http://fma.reha-recht.de nachgelesen

werden.

Zahlen helfen uns, die Wirklichkeit zu erkennen. Wenn wir etwas wiegen, messen oder

zählen können, entsteht dabei ein Bild im Kopf und wir trauen uns ein Urteil zu. Nicht

immer liegen wir dabei richtig. Das liegt nur zum Teil an den Zahlen selbst.

Unsere Rubrik „Die (Reha-)Welt in Zahlen“ stellt Zahlen ohne Kommentar zusammen,

die uns in den letzten Wochen begegnet sind. Manche Zahlen verblüffen oder ärgern,

andere erregen Widerspruch. Allen ist aber gemeinsam: Sie haben etwas mit Reha zu

tun und wurden bereits veröffentlicht.

Die (Reha-)Welt in Zahlen

Forschung in der Infothek

In der Infothek wird unter anderem das Forschungsprojekt

„AKTIF – Akademiker_innen

mit Behinderung in die Teilhabe- und Inklusionsforschung“

vorgestellt, mit dem die Anzahl

von behinderten Wissenschaftlerinnen

und Wissenschaftlern in der Teilhabe- und

Inklusionsforschung erhöht werden soll. Die

Deutsche Rentenversicherung (DRV) Westfalen

hat eine Studie zur Wirksamkeit von

Rehabilitation vorgestellt. Im September

soll die Studie in gedruckter Form vorliegen.

Die Deutsche Vereinigung für Rehabilitation

(DVfR) hat im August ihre Grundpositionen

zur Entwicklung eines Bundesteilhabegesetzes

sowie ein ergänzendes Diskussionspapier

vorgestellt. Weitere aktuelle

Hintergrundinformationen und Materialien

wie Stellungnahmen, Regelungen, Gesetzesentwürfe

finden Sie in der Infothek.

Anteil der Gesundheitsausgaben in Deutschland am Bruttoinlandsprodukt (BIP) 2013 (Quelle: OECD) 11 %

Anteil der Gesundheitsausgaben in den USA am BIP 2013 (Quelle: OECD) 16,4 %

Finanzielle Mittel, die der durch das GKV-VSG neu eingeführte Innovationsfonds für Projekte zu innovativen sektorübergreifenden

Versorgungsformen jährlich bereitstellt

Anteil der Erwerbstätigen, die sich am Arbeitsplatz psychisch stark belastet fühlen

(Quelle: „Great Place to Work ® Gesundheitsindex 2015“)

Zahl der Pflegekräfte in der medizinischen Rehabilitation, die sich am Arbeitsplatz psychisch stark belastet fühlen

(Quelle: Fehlzeitenreport 2015)

225 Mio. Euro

28 %

41 %

Zahl der Auszubildenden, die sich am Arbeitsplatz psychisch stark belastet fühlen (Quelle: Fehlzeitenreport 2015) 49 %

Zahl der Rehabilitanden, die zwei Jahre nach ihrer Rehabilitation wieder erwerbsfähig sind

(Quelle: DRV Bund – Reha-Bericht – Update 2014)

Zahl der Patienten in Deutschland, die sich bei einem Krankenhausaufenthalt vor der Ansteckung mit multiresistenten Keimen fürchtet

(Quelle: Studie der Asklepios Kliniken: „Patientensicherheit – worauf es Patienten ankommt“)

85 %

65 %

news Nr. 53Oktober 2015

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Was ist eigentlich …?

Das Deutsche Institut für

Menschenrechte

Das Deutsche Institut für Menschenrechte

wurde im März 2001 auf Empfehlung

des Deutschen Bundestages

gegründet. Es soll als Nationale Menschenrechtsinstitution

Deutschlands

zur Förderung und zum Schutz der

Menschenrechte durch Deutschland im

In- und Ausland beitragen.

Recht auf unabhängige Lebensführung

Deutsches Institut für Menschenrechte

beleuchtet Studie

des UN-Hochkommissariats

Rechtliche Handlungsfähigkeit und Wahlfreiheit,

individualisierte Unterstützung

und die Verfügbarkeit von gemeindenahen

Wohnformen und Diensten – das sind nach

einer Studie des UN-Hochkommissariats

für Menschenrechte drei zentrale Elemente

des Rechts auf unabhängige Lebensführung

und Einbeziehung in die Gemeinschaft

von Menschen mit Behinderungen (Artikel

19 UN-BRK). Die Studie, die bereits am

12. Dezember 2014 veröffentlicht wurde

und wichtige Anstöße für die Umsetzung

dieses Rechts in Deutschland gibt, ist bisher

nicht in deutscher Übersetzung erhältlich.

Das Deutsche Institut für Menschenrechte

hat darum Hintergrundinformationen zusammengestellt,

die wichtigsten Inhalte beleuchtet

und die Empfehlungen der Studie

ins Deutsche übersetzen lassen.

Studie im Netz

Das barrierefreie PDF gibt´s im

Internet unter

www.institut-fuer-menschenrechte.

de/monitoring-stelle-un-brk/

publikationen

Seine Aufgaben sind insbesondere:

• Information und Dokumentation

• Forschung zur Qualifizierung der

Menschenrechtsarbeit

• Beratung von Politik und Gesellschaft

• menschenrechtsbezogene Bildungsarbeit,

wie z. B. das Erarbeiten von

Lehrprogrammen für Berufsgruppen,

Behörden und Schulen oder die Weiterbildung

von Fachkräften der Entwicklungszusammenarbeit,

Polizei

und Militär

• internationale Zusammenarbeit mit

anderen nationalen Menschenrechtsinstitutionen

und Menschenrechtseinrichtungen

der Europäischen Union,

des Europarats, der Organisation

für Sicherheit und Zusammenarbeit

in Europa (OSZE) und der Vereinten

Nationen

• Förderung von Dialog und Zusammenarbeit

über Menschenrechtsfragen

in Deutschland

www.institut-fuer-menschenrechte.de

STUDIE

Dr. Google in Zahlen

„Schilddrüsenvergrößerung“ ist mit

durchschnittlich 294.000 Suchen pro Monat

die mit Abstand meistgesuchte Krankheit

der Deutschen im Internet. Rang zwei und

drei belegen die Volkskrankheiten Diabetes

(140.220) und Hämorrhoiden (127.400). Das

ist das Ergebnis der Studie „Praxis Dr. Internet“

der Central Krankenversicherung. Die

Studie fußt auf einer Analyse von deutschlandweit

mehr als 41,2 Millionen Google-Suchen

(Zeitraum 11/2013-10/2014). Am häufigsten

nach Krankheiten googeln danach

übrigens Hamburger, Bremer und Berliner.

Weitere Informationen zur Studie finden Sie

unter: www.Central.de/Praxis-Dr-Internet

DEGEMED-GESCHÄFTSSTELLE

Neue Referentin

Seit dem 1. September unterstützt Bettina

Schulze (34) als Referentin die Geschäftsstelle

der DEGEMED. Die Diplom-Verwaltungswissenschaftlerin

war zuvor an der

Medizinischen Fakultät der Universität Ulm

und im Deutschen Bundestag beschäftigt.

In den vergangenen Jahren war sie Büroleiterin

und Referentin bei der Abgeordneten

und gesundheitspolitischen Sprecherin der

SPD-Bundestagsfraktion Hilde Mattheis.

Sie wird die DEGEMED im Bereich Politikberatung

und Veranstaltungskonzeption unterstützen.

In ihrer Freizeit geht Frau Schulze

regelmäßig laufen, verreist und fotografiert

gern.

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news Nr. 53Oktober 2015


BÄDER- UND REHA-RADTOUR

In die Pedale getreten

Gleich zwei Bäder- und Reha-Radtouren machten sich in diesem

Herbst auf den Weg – eine in Nordrhein-Westfalen und eine in

Baden-Württemberg.

Bäder- und Reha-Radtouren

Weitere Informationen zu den Bäder-

und Reha-Radtouren 2015

finden Sie auf den Internet-Seiten

der Deutschen Rentenversicherung

Westfalen und Baden-Württemberg.

Dort gibt es auch ein Tourtagebuch

der Süd-Tour.

Im Norden

quer durch NRW

800 Kilometer radeln für die Reha!

Nach dem Premieren-Erfolg im vergangenen

Jahr startete am 28. August in Münster

die zweite Auflage der großen „Bäderund

Reha-Radtour“ in neun Etappen quer

durch Nord rhein-Westfalen. Den feierlichen

Startschuss zu dieser besonderen Radtour

gab NRW-Wissenschaftsministerin Svenja

Schulze vor dem Haupteingang der Deutschen

Rentenversicherung. Auch in diesem

Jahr begleitete Katharina Ruppelt, Referentin

für Öffentlichkeitsarbeit der DEGEMED,

die Bäder- und Reha-Radtour von Thomas

Keck, Erster Direktor der DRV Westfalen. Die

Tour sollte zeigen: „Reha ist notwendig und

sinnvoll.“

Sammeln für den guten Zweck

„Wir wollen für die Rehabilitation werben,

vor allem für die Rehabilitation, um wieder

Im Süden rund

um Bad Rappenau

Den Startschuss zur Radtour gab NRW-Wissenschaftsministerin Svenja Schulze.

ins Berufsleben einzusteigen und das möglichst

frühzeitig. Gleichzeitig fahren wir für

einen guten Zweck: wir sammeln Spenden

für ‘Herzkranke Kinder e.V.‘ in Münster“,

so Thomas Keck während der Tour. André

Greipel, Marcel Sieberg, aber auch Olaf Thon

und Hans-Peter Durst wissen um die Wichtigkeit

der Rehabilitation. Sie begleiteten

Radler- und Radlerinnen etappenweise, um

die Botschaft der Tour in die Öffentlichkeit

zu tragen.

Tour-Termin mit (v. l.) Olaf Thon, Nicolaus

Philipp Hüssen, Geschäftsführer von

medicosAufSchalke, und Gerald Asamoah.

Die 8. Bäder- und Reha-Radtour von Hubert

Seiter (Erster Direktor der DRV Baden-

Württemberg) startete am 28.08. in Bad

Rappenau und endete dort auch nach neun

Tagen. Die Botschaft der Tour: Mit guter

fachlicher medizinischer Unterstützung bei

einer Reha und der notwendigen Willenskraft

des Einzelnen kann nach einem Unfall

oder einer Krankheit die Rückkehr in den

Job und damit auch in die Gesellschaft und

ins Leben gelingen.

Sport hält fit fürs Leben

Wie erfolgreich „Reha made in Germany“

sein kann, bewiesen einige der Tourteilnehmer:

Nach schweren Unfällen oder

Krebserkrankungen hat ihnen eine Reha

wieder ermöglicht, Sport zu treiben und an

der Tour teilzunehmen. „Die Tour ist für mich

wichtig, weil gerade Sport mich physisch

und psychisch fit fürs Leben hält!“, betont

Thomas Gensler, der nach einem schweren

Motorradunfall mit dem Liege-Dreirad mitfährt.

Verena Bentele (M.), Behindertenbeauftragte der Bundesregierung, fuhr mit bei der letzten

Etappe der Radtour.

Prominente Begleitung

Verena Bentele, Behindertenbeauftragte

der Bundesregierung, begleitete die 40

Radsportler auf der letzten Etappe. „Im

Sport kommt es darauf an, als Team für

ein gemeinsames Ziel alles zu geben und

Kondition zu zeigen. Tugenden, die auch in

der Politik helfen, Erfolge zu erzielen“, sagte

sie und freute sich darauf, gemeinsam mit

den Teilnehmerinnen und Teilnehmern der

Fahrt ein Zeichen zu setzen für erfolgreiche

Rehabilitation und Inklusion.

news Nr. 53Oktober 2015

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TERMINE UND VERANSTALTUNGEN

Know-how aus der Praxis für die Praxis

9. Deutscher Reha-Rechtstag in Kooperation

mit der DAA und der DVfR am

02.10.2015 in Berlin

Mit dem Deutschen REHA-Rechtstag bieten

die DEGEMED, die DeutscheAnwaltAkademie

und die Deutsche Vereinigung für

Rehabilitation e.V. (DVfR) jährlich ein Forum

für die Vernetzung aller in der Praxis mit der

Rehabilitation befassten Berufsgruppen. In

diesem Jahr stehen u. a. die Themen „Das

neue Bundesteilhabegesetz“, „Übernahme

von Fahrtkosten durch Rehakliniken“ und

die „Rechtsprechung des BSG zum Recht

der Rehabilitation“ auf der Agenda.

Seminar „Konstruktives Verhandeln“

am 15. und 16.10.2015 in Stuttgart

Schwierige Verhandlungspartner und -situationen

begegnen uns immer wieder. Mit

den Werkzeugen aus dem Seminar können

Sie in kürzester Zeit unfaire Kommunikation

und Manipulation identifizieren und gekonnt

abwehren. Sie lernen, wie Sie auch

unter schwierigen Bedingungen, z. B. bei

Zeitdruck, dominanten Verhandlungspartnern

oder stark gegenläufigen Interessen,

Widerstände auflösen und Verhandlungsbereitschaft

aktivieren können.

Seminar Krisenkommunikation

am 22.10.2015 in Berlin

Das Fachseminar bietet Ihnen die Möglichkeit,

realitätsnah ein mögliches Krisenszenario

Ihrer Reha-Einrichtung/Ihres Unternehmens

in einem Planspiel zu erleben. Sie

lernen in Kleingruppen verschiedene Rollen

kennen, die Sie befähigen sollen, in echten

Krisen flexibel zu reagieren und zu kommunizieren.

Nach dem Planspiel erfolgt direkt

eine Auswertung und Analyse der Krisenbewältigung,

sodass Sie Ihre neu gewonnenen

Fähigkeiten sofort in Ihre Arbeit und

Ihr Handeln integrieren können.

DEGEMED-Dialog

am 10.11.2015 in Berlin

Medizinische Rehabilitation kann Pflegebedürftigkeit

hinauszögern oder verhindern

und damit einen zentralen Beitrag zur Lebensqualität

dieser Menschen leisten. Mit

dem Pflegestärkungsgesetz II, das voraussichtlich

noch in diesem Jahr verabschiedet

wird, soll erneut der Ansatz „Reha vor

Pflege“ gestärkt werden. Mögliche Auswirkungen

des Gesetzes und darüber hinausgehende

Ansatzpunkte sind das Thema des

DEGEMED-Dialogs, zu dem spannende

Diskussionsgäste aus der Bundespolitik

erwartet werden.

DEGEMED-Mitgliederversammlung

am 11.11.2015 in Berlin

Fachtagung Arbeitsplatzorientierung

in der medizinischen Rehabilitation

am 19.11.2015 in Berlin

Im Mittelpunkt der Fachtagung stehen die

aktuellen Konzepte „Medizinisch-beruflich

orientierte Rehabilitation (MBOR)“ der DRV

und „Arbeitsplatzbezogene Muskuloskeletale

Rehabilitation (ABMR)“ der DGUV. Dabei

kommt der Sport- und Bewegungstherapie

eine zentrale Rolle zu. In Erfahrungsberichten,

Vorträgen und Diskussionen geht es um

die Inhalte der Konzepte, Unterschiede und

Vorteile von ambulant und stationär, aktuelle

Forschungsergebnisse und Anforderungen

an die Dokumentation der Leistungen.

Veranstalter sind die DEGEMED und der

Deutsche Verband für Gesundheitssport

und Sporttherapie e.V. (DVGS).

Fachseminar Sozialrecht im Reha-Management

am 27./28.11.2015 in Köln

Das Sozialrecht bildet die gesetzliche

Grundlage für alle Maßnahmen und Verfahren

in der medizinischen und beruflichen

Rehabilitation. Das Fachseminar beleuchtet

diesen komplexen Apparat. Im Mittelpunkt

des zweiten Veranstaltungstages stehen die

Fallbeispiele der Teilnehmer, getrennt nach

den Schwerpunkten medizinische und berufliche

Rehabilitation. Veranstalter sind die

DEGEMED und der DVSG in Kooperation

mit dem IHR Rehabilitations-Dienst.

Vorankündigungen

(Änderungen vorbehalten):

Reha-Wirtschaftstag, Fachtagung von

DKI, VKD, Fachgruppe Reha und DE-

GEMED am 15.12.2015 in Berlin

Personenschaden, Management und

Sozialrecht in Kooperation mit der

DVSG am 16.12.2015

E-Bericht am 25.01.2016 in Berlin

Zugang in die Rehabilitation am

28.01.2016 in Berlin

Seminar Arbeitstechniken

am 25./26.02.2016

Sporttherapie in der Reha (DVGS) am

03.03.2016

Weitere Informationen zu den

Veranstaltungen und zur Anmeldung

erhalten Sie bei der Geschäftsstelle

der DEGEMED

Tel.: 030 284496-6

E-Mail: degemed@degemed.de

oder im Internet unter

www.degemed.de

! Jetzt anmelden

25. Rehabilitationswissenschaftliches

Kolloquium „Gesundheitssystem im

Wandel – Perspektiven der Rehabilitation“

vom, 29.02.bis 02.03.2016 im Kongresszentrum

Eurogress Aachen. Veranstalter

sind DRV Bund, DRV Rheinland

und DGRW. Anmeldung über

www.reha-kolloquium.de

Impressum

DEGEMED

Deutsche Gesellschaft für

Medizinische Rehabilitation e.V.

Vorstand:

Prof. Bernd Petri (Vorsitzender)

Dr. Constanze Schaal

(1. stellv. Vorsitzende)

Horst Gollée

Thomas Heiming

Ricarda Lorenz

Dr. André M. Schmidt

Petra Schraml-Dussle

Geschäftsführer:

Christof Lawall (V.i.S.d.P.)

Fasanenstraße 5, 10623 Berlin

Tel.: 030 284496-6, Fax: 030 284496-70

E-Mail: degemed@degemed.de

Internet: www.degemed.de

Realisation:

müller:kommunikation,

Eichhoffstr. 36, 44229 Dortmund

Tel.: 0231 477988-30

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news Nr. 53Oktober 2015

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