Sonderausgabe SUPERillu „SACHSEN – Mein Land“

sachsen
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Der 3. Oktober 2015 ist auch der 25. Geburtstag des Freistaats Sachsen. Die SUPERillu veröffentlicht zu diesem Anlass die Beilage "SACHSEN - Mein Land", zieht Bilanz und blickt zugleich in die Zukunft.

SACHSEN

Bergsteiger in der Sächsischen Schweiz

Batterieforscher bei Litarion in Kamenz

Roboterbau bei ATN Hölzel in Oppach

25

Eine

Jahre

Freistaat

Wie Sachsen

Bilanz zieht & in

die Zukunft schaut

SUPER-Sonderbeilage in

Zusammenarbeit mit der

Sächsischen Staatskanzlei

Besucher in der Gemäldegalerie Alte Meister


Hier

in

Sachsen...

...wurde ich geboren und habe die ersten 20 Jahre meines Lebens verbracht.

Ich bin bis heute oft in Sachsen. Beruflich als Chefredakteur der

SUPERillu, privat bei meinen Eltern, die in der Nähe von Leipzig leben, und

bei Treffen mit Freunden. Dabei fällt mir als jemand, der nur alle paar

Monate vorbeischaut, vielleicht stärker als denen auf, die ständig dort

leben, wie rasant und umfassend sich meine Heimat verändert hat und

immer noch verändert.

Sachsen hat in den letzten Wochen und Monaten leider viele negative

Schlagzeilen gemacht. Und zwar in erster Linie im Zusammenhang mit

Fremdenfeindlichkeit. Erst mit den „Pegida“-Demos, zuletzt mit rechtsradikaler

Randale vor Flüchtlingsheimen in Freital und Heidenau. Wir haben in

SUPERillu viel darüber berichtet - und auch die großen Themen, die dahinterstehen,

beleuchtet: Einwanderung und Asyl.

Die meisten Menschen, die zu uns kommen, sind keine Asylantragsteller,

sondern Arbeitsmigranten aus den anderen 27 EU-Ländern. Der polnische

Software-Spezialist, der spanische Fliesenleger. Und unter denen, die jetzt

per Asylantrag an unsere Tür klopfen, sind natürlich viele, die nicht nur der

Krieg von irgendwoher zu uns treibt, sondern die auch die Chancen anziehen,

die es hier gibt. Sehen wir es positiv: Jahrzehntelang war Sachsen ein

Land, dem viele Menschen wegliefen, einige sogar unter Lebensgefahr über

die Mauer. Nun ist es für viele ein gefragter Ort geworden. Sachsen ist stark.

Es wird auch die jetzigen Herausforderungen stemmen.

Fast 100 000 Menschen, die in Sachsen leben, sind Ausländer. In vielen

Firmen, die wir auf den folgenden Seiten vorstellen, steckt ausländisches

Kapital. Sachsen ist auch ansonsten eng mit der Welt vernetzt. Viele Teile für

den Porsche, der in Leipzig montiert wird, kommen aus Bratislava. Motoren

von VW in Chemnitz treiben tschechische Skodas an. Die Batterieforscher

von Litarion aus Kamenz wurden gerade von einem kanadischen Konzern

übernommen. Die Stahlbaufirma Steel Concept aus Chemnitz baut spektakuläre

Dächer auf Malta oder in den Golfstaaten. Und auf dem Dresdner

Neumarkt oder am Leipziger Bach-Grab hört man Sprachen aus aller Welt.

Umgekehrt trifft man Sachsen im Urlaub am Strand in Thailand, beim

Wandern in den Dolomiten oder im Disneypark in Florida. Wir leben heute in

einer anderen, in einer offenen Welt. Und das ist gut so. Auch wenn wir

weiter gerne Sachsen sind.

Chefredakteur von SUPERillu

Inhalt

S. 0 4

WIE SACHSEN ZUKUNFT MACHT

20 erfolgreiche sächsische Firmen

und ihre Geschichte

S. 1 0

SO HABEN WIR ES GESCHAFFT

Die sächsischen Unternehmer Jörn und

Daniel Meyer erzählen von ihrem

Erfolg mit der Firma Meyer Drehtechnik

S. 1 2

WIE SACHSEN DIE

WELT VERZAUBERT

Was Gäste aus aller Herren Länder

nach Sachsen zieht

S. 1 4

JUNG UND SÄCHSISCH

Zehn junge Sachsen zeigen den Ort ihrer

Heimat, den sie am meisten lieben

S. 1 6

WIE WIR SACHSEN SEHEN

Prominente und ihre Meinung

über den Freistaat und die Sachsen

S. 1 8

ZEHNMAL SACHSENS NEUES LEBEN

Von Gondwana bis Neuseenland. Wo

Sachsen ihre Freizeit verbringen

S. 2 0

DER TAG, AN DEM DIE FREIHEIT DEN

FREISTAAT WACHKÜSSTE

Die ersten sächsischen Landtagspolitiker

erinnern sich an das Aufbruchsjahr 1990

und ziehen Bilanz

S. 2 2

SACHSENS VIELFALT

Ministerpräsident Stanislaw Tillich (CDU)

und sein Stellvertreter Martin Dulig (SPD)

über die Herausforderungen, vor denen

Sachsen steht

Impressum

HERAUSGEBER

SUPERillu Verlag GmbH & Co. KG

KOOPERATIONSPARTNER

Sächsische Staatskanzlei

CHEFREDAKTEUR

Robert Schneider

REDAKTION

Gerald Praschl

ART DIREKTION

Matthias Last

FOTOREDAKTION

Axel Rufft

Credits Titel: imago, ddp, Action press

Sachsen

in

Zahlen

914

Meter hoch liegt Oberwiesenthal im

Erzgebirge und ist damit Deutschlands

höchstgelegene Stadt. Der nahe Fichtelberg

(1215 Meter hoch) ist Sachsens höchster

Berg. Jedes Jahr kommen in die kleine Stadt

150000 Feriengäste, Tendenz steigend.

99.235

Ausländer aus 180 verschiedenen

Ländern leben in Sachsen. Größte Gruppe

sind die Russen, gefolgt von Polen,

Vietnamesen und Ukrainern.

567

Kilometer Autobahn gibt es in Sachsen.

Davon wurden 171 Kilometer nach 1990

komplett neu errichtet. Die damals bereits

vorhandenen 396 Kilometer wurden

erneuert, die A4 von vier auf sechs Spuren

ausgebaut. Insgesamt flossen seit 1991

mehr als fünf Milliarden Euro in das

7,9

sächsische Autobahnnetz.

Prozent betrug die Arbeitslosenquote

in Sachsen im Juni 2015

die niedrigste seit 1991.

74,9

Quadratmeter ist eine durchschnittliche

sächsische Wohnung groß. Die Sachsen

leben im Bundesvergleich (Schnitt: 91,3 Quadratmeter)

also recht bescheiden.

7.4

Millionen Gäste kamen 2014 nach Sachsen

und buchten dort insgesamt 18,9 Millionen

Übernachtungen. Das sind 4,5 Prozent

mehr als im Vorjahr. Jeder neunte Besucher

kommt aus dem Ausland, besonders

viele Gäste zieht Sachsen aus den

Niederlanden, den USA, der Schweiz

und Österreich an.

36

Milliarden Euro. Für so viel exportierte Sachsens

Wirtschaft im Jahr 2014 Waren ins

Ausland. Die Hälfte davon in Länder Europas.

Größter Einzelkunde ist mit 6,4 Milliarden Euro

Jahresumsatz inzwischen aber China.

0 2 0 3

INTRO

Zwölf interessante

Fakten über den

Freistaat und über

die Sachsen

1,48

Kinder je Frau werden in Sachsen

geboren. Das ist die höchste Geburtenrate

aller deutschen Bundesländer. Dresden ist mit

116 Geburten pro 10 000 Einwohner im

Jahr die deutsche Großstadt mit der

höchsten Geburtenziffer.

220

Einwohner pro Quadratkilometer leben in

Sachsen. Das Land hat damit eine höhere

Bevölkerungsdichte als die anderen vier

östlichen Bundesländer, aber auch mehr als

Bayern oder Rheinland-Pfalz.

2.021.600

Erwerbstätige gab es im Jahresschnitt 2014

in Sachsen. Das waren rund 50000 mehr als

2008. 544700 Sachsen arbeiteten im

produzierenden Gewerbe, 1,447 Millionen

im Dienstleistungsbereich, 29000 in

der Landwirtschaft.

4.046.385

ist die aktuelle Einwohnerzahl des

Freistaats Sachsen, die beim Statistischen

Landesamt verfügbar ist. Stand: 31.12.2013.

2,37

ist der durchschnittliche Notendurchschnitt

sächsischer Abiturienten Platz 3

der 16 deutschen Bundesländer

(nach Bayern und Thüringen).


SACHSEN

Sachsen

macht

Zukunft

Glashütter Uhrenbetrieb,

Park Belantis, Fit, DHL, VW

- eine Bilderreise durch Sachsens

Wirtschaft und ihre Erfolge

06

Glashütte

04

05

01 LITARION GMBH

Die Kamenzer Firma entwickelte einen

keramischen Separator, der die Batterietechnik

revolutioniert. Mit einem kanadischen Investor

soll dieses „SEPARION“ nun weltweit zum Einsatz

kommen, unter anderem in Elektrofahrzeugen.

01

02

03

Z

wanzig Beispiele sind nicht

viel, wenn man beschreiben

soll, was in den letzten

25 Jahren in der sächsischen

Wirtschaft passiert ist. Diese

kleine Bilderreise erhebt

keinen Anspruch darauf, repräsentativ zu

sein. Sie zeigt aber, wie vielfältig die Wege zu

wirtschaftlichem Erfolg waren.

Einen besseren Überblick vermitteln die

gesamtwirtschaftlichen Zahlen: Rund 36

Milliarden Euro betrug der Wert aller sächsischen

Waren, die 2014 ins Ausland exportiert

wurden. Das ist etwa 14 Mal mehr als 1991,

dem ersten vollen Geschäftsjahr nach der

Wiedervereinigung und der Wiedergründung

des Freistaats. Das Bruttoinlandsprodukt

Sachsens hat sich in derselben Zeit von 35

Milliarden auf 108 Milliarden Euro verdreifacht.

Mit 26 329 Euro Bruttoinlandsprodukt

pro Kopf ist der Freistaat Sachsen das wirtschaftsstärkste

der fünf östlichen Bundesländer.

Auch 25 Jahre nach der Wiedervereinigung

gibt es wirtschaftlich zwar immer

noch einen signifikanten Ost-West-Unterschied.

So erwirtschaftete jeder Erwerbstätige

in Sachsen im Jahr 2014 im Schnitt

53 745 Euro, was 79 Prozent des Bundesschnitts

entspricht. Wie fast in jedem Jahr

hat der Freistaat Sachsen auch 2014 gegenüber

dem Westen weiter aufgeholt, mit einer

Credits: U. Toelle, M. Handelmann (2), A, Jungnickel/alle SUPERillu, ddp (4), Imago, PR

0 2 FIT

Unternehmer Wolfgang Groß übernahm

1991 den Spülmittelhersteller Fit im sächsischen

Hirschfelde, machte die einstige DDR-Marke

bundesweit erfolgreich. Fit übernahm auch

„Westmarken“ wie Rei, Sunil und Sanso.

0 3 ZMDI

Das Zentrum Mikroelektronik Dresden

ist das Herz von „Silicon Saxony“ mit

300 Firmen der Mikroelektronik und Halbleiter-

Industrie. Schwerpunkt: Energieeffizienz.

0 4 DHL

Das Logistikunternehmen machte den

Leipziger Flughafen zum zentralen Umschlagplatz

für Luftfracht in Europa. Jede Nacht landen und

starten hier 60 Frachtflugzeuge.

0 5 WEINGUT PROSCHWITZ

1990 erwarb Georg Prinz zur Lippe die

ersten Teile der 1945 enteigneten Weinberge seiner

Familie zurück, machte daraus wieder eines

der bekanntesten Weingüter Deutschlands.

0 6 UHRENSTADT GLASHÜTTE

Mit den Marken Lange & Söhne, Nomos

und Glashütte Original steht die Stadt heute

wieder weltweit für hochwertige Uhren.

07 ATN HÖLZEL GMBH OPPACH

ATN baut mit rund 250 Mitarbeitern

Fabrikations-Roboter, überwiegend für die Fahrzeugindustrie.

Die Firma liefert in 24 Länder.

07

0 4 0 5


SACHSEN

Zuwachsrate von preisbereinigt 1,3 Prozent.

Bundesweit stieg dieser Wert, die sogenannte

„Produktivität“, nur um 0,7 Prozent, errechneten

die Statistiker des Landesamtes.

Eine wirtschaftliche Entwicklung, die

viele Menschen nach Sachsen zieht. Schon

seit 2011 hat der Freistaat, aus dem es genau

wie aus den anderen östlichen Bundesländern

auch nach 1990 viele Menschen aufgrund

besserer Jobchancen in den Westen

zog, eine positive Wanderungsbilanz, also

mehr Zu- als Fortzüge - zuletzt pro Jahr rund

13 000 plus. Besonders stark profitieren von

diesem Bevölkerungsplus die Städte Leipzig,

Dresden und Chemnitz sowie die Landkreise

Meißen und Sächsische Schweiz.

Jedes zehnte deutsche Auto wird in

Sachsen produziert. Im Dreieck zwischen

Dresden, Freiberg und Chemnitz haben die

meisten Mikroelektronikfirmen Produktionsstätten,

von Infineon über Siemens bis

Carl Zeiss, die alle in bestimmten Bereichen

Weltmarktführer sind. Insgesamt gibt es in

Sachsen 28 Unternehmen, die in ihren jeweiligen

Bereichen Weltmarktführer sind. Mehr

als in Berlin (15), fast so viele wie in Hamburg

(33). Sachsen ist dabei eines der Bundesländer,

das bei der Zahl seiner Weltmarktführer

gegenüber den industriellen Schwerpunkten

im Süden der Republik weiter kräftig

aufholt. Besonders viele Spitzenfirmen sind

09

08

12

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10

11

14

08 COMPUTER- CHIRURGIE

Am Innovationszentrum für Computerassistierte

Chirurgie der Universität Leipzig

(ICCAS) entwickeln Mediziner und Informatiker

neue Assistenzsysteme für die Chirurgie.

09 BMW LEIPZIG

Mit den Elektrofahrzeugen BMW i3 und

i8 werden nicht nur zukunftsweisendste Autos gebaut,

das Werk setzt auch ökologische Maßstäbe,

produziert seinen Strom per Windkraft selbst.

1 0 PORSCHE LEIPZIG

Der Porsche Cayenne und der Porsche

Panamera rollen hier vom Band. Bei der Standortentscheidung

für das Werk 1998 setzte sich Leipzig

gegen 16 andere europäische Städte durch.

11 KIROW LEIPZIG

Den Namen des DDR-VEB behielt man.

Heute ist die Kirow Ardelt GmbH mit 350 Mitarbeitern

Weltmarktführer für Eisenbahnkräne, die

Auftragsbücher sind voll. Auch China bestellt.

09

Credits: A. Jungnickel/SUPERillu

0 6 0 7

1 2 WELLNESSEL

„Fit und vital - durch die Kraft der Nessel“-

mit diesem Slogan erfand die Vogtländerin

Elfi Braun Lebensmittel aus Brennnesseln und

verkauft sie erfolgreich unter der Marke Wellnessel.

1 3 NAUTILUS SKIN TOUCH

Laufbekleidung Marke „thoni mara“ - der

Textilhersteller aus Jahnsbach ist einer der wenigen,

die erfolgreich in Deutschland produzieren.

1 4 STEELCONCEPT GMBH

Der Stahlbau für das Zeltdach einer Tempelanlage

auf Malta oder den Coca-Cola-Pavillon

für Olympia London (Foto) - die 30 Spezialisten der

Chemnitzer Stahlbaufirma schaffen alles. Nächster

Auftrag: ein Zeltdach in Jerusalem.


SACHSEN

1 5 INFINEON DRESDEN

Infineon, einer der führenden Halbleiterhersteller

der Welt, betreibt in Dresden eine

hochmoderne Fertigung mit 2 000 Mitarbeitern.

16 SARAD DRESDEN

Physiker Prof. Dr. Thomas Streil

produziert in seiner 1993 gegründeten

Firma hochwertige Messgeräte (hier zur Messung

radioaktiver Belastung), exportiert weltweit.

1 7 SCHUSTERLIEBS NEUKIRCH

Susann Lindner, 29, ist Sachsens

einzige Brennmeisterin, gründete 2009 mit Vater

Steffen die „Schusterliebs Brennerei“, vertreibt

selbstgemachte Edelbrände und Liköre.

1 8 BELANTIS

Der 2003 gegründete Freizeitpark bei

Leipzig zieht jährlich 600 000 Besucher an, ist

Herzstück des neuen Leipziger Seenlands.

19 TU DRESDEN

2012 wurde die Technische Universität

Dresden von der „Exzellenz-Initiative“ zu einer

von elf deutschen „Elite-Universitäten“ gekürt.

2 0 VW SACHSEN

Mit rund 10 000 Beschäftigten in

Zwickau, Chemnitz und Dresden stellt Volkswagen

in Sachsen täglich bis zu 1 350 Fahrzeuge (u.a.

Golf und Passat) und 3 000 Motoren her.

2 1 PREISS-DAIMLER FIBREGLAS

1993 übernahm Jürgen Preiss-Daimler

die Oschatzer Glasseiden GmbH von der Treuhand,

heute Herz der weltweit tätigen P-D Fibreglass

Gruppe, die u.a. Textilglasfasern herstellt.

ZEITREISE

Sachsens Wirtschaft:

vom Mittelalter

bis zum Mauerfall

ANNO

11 86 14 09

15

16 18

17

17

Bergbau

Ab 1186 entsteht

Freiberg, Zentrum des aufstrebenden

Silberbergbaus

im Erzgebirge

Bildung

1409 wird die Leipziger

Universität gegründet.

Sie ist heute die zweitälteste

deutsche Uni

Porzellan

1708 erfindet Johann

Friedrich Böttger in

Sachsen das

europäische Porzellan

Maschinenbau

Chemnitz wird ab 1837

Maschinenbaustadt

u. a. durch Firmengründer

Richard Hartmann

Credits: ddp (3), dpa (2), Mauritius, AKG, PR

nicht aus DDR-Strukturen gewachsen, sondern

erst in den letzten 25 Jahren entstanden.

„Setzt man die 120 erst seit 1990 gegründeten

(Welt-)Marktführer ins Verhältnis zur

Einwohnerzahl, wird noch deutlicher,

wo die Dynamik liegt. Besonders positiv

entwickelten sich Bremen, Mecklenburg-

Vorpommern, Sachsen, Hamburg und

Thüringen, erst dann folgen Bayern und

Baden-Württemberg“, schreiben Experten des

Leibniz-Instituts für Länderkunde und des

Nürnberger Weissman-Instituts.

Die Arbeitslosigkeit ist heute in Sachsen

auf dem niedrigsten Stand seit 1991.

Die wirtschaftlichen und gesellschaftlichen

Herausforderungen, vor denen Sachsen heute

steht, sind völlig andere. Fachkräftemangel

und demografischer Wandel zum Beispiel und

die damit verbundene Zuwanderungsdebatte.

Die Asylwelle. Die Energiewende, die in Sachsen

aktuell durch den geplanten Rückzug von

Vattenfall aus der Braunkohle für Verunsicherung

sorgt, aber auch die Ernüchterung in der

Solarwirtschaft. Oder die Landflucht vom Dorf

in die Stadt. Herausforderungen, vor denen die

meisten Regionen in Deutschland stehen, ob in

Ost oder West.

Gerald Praschl

Textilien

1881 erfindet Anton Falke

die Plauener Spitze.

Sachsen wird Zentrum

der Textilindustrie

Auto-Pioniere

1903 stellt August Horch

in Zwickau den ersten

Viertakter-PKW her,

gründet später Audi

Autobau

Horch, Wanderer, Audi

und DKW vereinen sich

zur Autounion, Europas

zweitgrößtem Autobauer

17 08 18 37 18 81 19 03 19 32

19 68

19 89

0 8 0 9

19

20

19

21

Industrieriese

Das Heckert-Kombinat

Chemnitz ist größter

Werkzeugmaschinenhersteller

im RGW

Devisenbringer

Der VEB Trikotex und

das Kombinat Esda sind

große Textilhersteller,

liefern auch in den Westen


So haben

wir es

geschafft!

01 Daniel Meyer vor einer der CNC-Werkzeugmaschinen.

02 und 03 Moderne Arbeitsplätze

in der neu errichteten Werkhalle. 0 4 Eine Mitarbeiterin

vor einer Maschine, die Oberflächen

veredelt. 05 Blick ins komplizierte Innenleben

der CNC-Werkzeugmaschinen. 06 Die Firma

stellt rund 100 verschiedene Metallteile her.

01 01

04

05

Hier erzählt der sächsische

Unternehmer Daniel Meyer, wie

er und sein Bruder Jörn Meyer

von Arbeitslosen zu erfolgreichen

Unternehmern wurden

02

03

06

Credits: A. Fuhrmann (12), St. Boss/beide SUPERillu

D

ie Stimmung war düster am

Küchentisch der Meyers in

Großolbersdorf im Erzgebirge,

damals, Anfang 1994.

„Wir waren alle arbeitslos“,

erzählt Daniel Meyer, 41,

heute. Er selbst hatte noch in den Wendewirren

1990 eine Lehre als Instandhalter beim VEB

Strumpfkombinat Esda angefangen. Die durfte

er zwar zu Ende machen, dann wurde aber auch

er, wie alle anderen Esda-Mitarbeiter, entlassen,

das Textilkombinat mangels Zukunftschancen

abgewickelt. Auch sein älterer Bruder

Jörn, heute 44, wurde damals arbeitslos, ebenso

wie ihr Vater, der Facharbeiter beim VEB DKK

Scharfenstein war, dem größten Kühlschrankwerk,

mit dem es ebenfalls zu Ende ging.

Daniel Meyer sagt: „Nur unsere Mutter hatte

noch einen Job, aber auch der stand auf der Kippe.

Wir hatten damals hier bei uns im Erzgebirge

30 Prozent Arbeitslosigkeit. Es gab keinen Betrieb,

der dich eingestellt hätte, weil es einfach

keine Arbeit gab.“ Die Alternative für viele war

damals, in den Westen zu pendeln oder gleich

ganz hinzuziehen. Die Meyers aber wollten in

der Heimat bleiben. „Es musste eine Lösung

her, wieder in Lohn und Brot zu kommen. So

entwickelten wir ein Konzept für einen eigenen

Betrieb. Meine Mutter hatte über ihren Beruf, im

Einkauf eines Betriebes, Kontakte zu Drehereibetrieben.

Und durch meine Ausbildung beim

VEB Esda konnte ich mit Drehmaschinen umgehen.

Es gelang uns, für ein paar hundert Mark

einige gebrauchte, uralte Drehmaschinen Baujahr

1950 zu kaufen, die keiner mehr wollte

und die wir in einer gemieteten kleinen Halle

wieder funktionstüchtig machten. Dann zogen

wir los zum Klinkenputzen bei Drehereien in

Baden-Württemberg, denen wir unsere Dienste

als Zulieferer von kleinen Metall-Drehteilen

anboten. Nach ersten kleinen Aufträgen kamen

weitere. Schon 1996 kam mein Bruder Jörn mit

in die Firma, der bis dahin in den Westen gependelt

war. 1998 fing auch meine Mutter bei

uns an“, sagt Daniel Meyer.

Der Plan der Meyers war aufgegangen, die

Familie war mit Arbeit und Einkommen versorgt.

Doch sie wollten weiter expandieren.

1999 wurde die alte angemietete Halle, die

ohnehin in sehr schlechtem Zustand war, zu

klein. Die Meyers beschlossen, eine neue Halle

zu bauen, im Industriegebiet von Marienberg.

Im selben Jahr gründeten sie eine GmbH, stellten

die ersten Arbeitnehmer ein. Und gaben

seitdem Gas. Daniel Meyer: „Wir bekamen auch

eine gute Förderung durch das Land Sachsen,

die wir in vollem Umfang genutzt haben. Am

Anfang waren die Förderprogramme des Freistaats

vor allem daran gebunden, dauerhafte

Arbeitsplätze zu schaffen. Wir haben diese Fördermittel

dazu genutzt, teure CNC-Werkzeugmaschinen

anzuschaffen. In der Aufbauphase

unserer Firma war die gute staatliche Förderung

ein enorm wichtiger Faktor, um schnelles

Wachstum zu schaffen. Ohne die Förderung

hätten wir nur sehr langsam wachsen können.“

SACHSEN

CHRONIK

Der Aufstieg der Firma

Meyer Drehtechnik in

Marienberg

1994

Diese alte Halle war der erste Firmensitz,

die Meyers hatten sie günstig gemietet

1995

Mit diesen alten Maschinen fingen

die Meyers an zu produzieren

1999

Die Brüder Meyer legen den Grundstein

für ihre neue Halle in Marienberg

2012

Ein Teil der Belegschaft der heutigen

Meyer Drehtechnik GmbH

2014

Die Firma hat heute 155 Angestellte an

zwei Standorten in Marienberg

1 0 1 1

Es gab auch Rückschläge, den schlimmsten

2008, als Folge der internationalen Finanzkrise.

Weil die Meyers überwiegend Metallteile für

die Automobilindustrie herstellen, brachen die

Aufträge weg, bis zu 50 Prozent wurden storniert,

weil weltweit viel weniger Autos verkauft

wurden. Daniel Meyer: „Wir mussten in der

Folge 60 Mitarbeiter entlassen. Das war bitter.

Gleichzeitig kündigte uns eine unserer Banken

mitten in der Krise die Kredite. Glücklicherweise

hielt unsere Hausbank, die Sparkasse,

aber zu uns. Wir hatten inzwischen auch schon

einiges an Reserven, um so eine Krise durchzustehen.

Schon nach einem Jahr zog der Umsatz

wieder an, wir waren gerettet. Aber vorher hatte

ich viele schlaflose Nächte.“

Wichtigstes Verkaufsargument der Meyers

war anfangs natürlich, dass sie in einer Region

mit für deutsche Verhältnisse günstigem Lohnniveau,

aber guten Facharbeitern günstig produzieren

konnten. Noch dazu als kleiner Familienbetrieb:

Anfangs stand Daniel Meyer ganz

alleine in der Werkhalle. Heute ist das Erzgebirge

kein Billigstandort mehr. Daniel Meyer: „Wir

konkurrieren nicht nur mit Zulieferbetrieben in

ganz Deutschland, sondern auch dem EU-Ausland,

wo das Lohnniveau zum Teil wesentlich

niedriger ist. Da zählen vor allem unsere Qualität

und unsere Zuverlässigkeit.“

Im Wesentlichen stellt die Marienberger

Firma Meyer Drehtechnik GmbH heute drei

Produktgruppen her. Zum einen Teile für Nockenwellen

für Motoren, zum zweiten verschiedene

Metallteile für Auto-Sicherheitsgurte

sowie Anhängerkupplungen. Zusammen etwa

hundert verschiedenartige Metall-Bauteile, die

alle eins gemeinsam haben: Man kann sie auf

einer der zehn modernen computergesteuerten

Werkzeugmaschinen herstellen, die die Meyers

zu Stückpreisen um eine Million Euro für ihr

Unternehmen anschafften.

Daniel Meyer: „Das Erzgebirge ist auch ansonsten

ein guter Standort für die Produktion,

weil wir hier im direkten Umfeld viele Partnerbetriebe

finden, zum Beispiel Galvanik-Unternehmen.

Das Erzgebirge und ganz Sachsen haben

sich in den letzten Jahren insgesamt sehr

gut entwickelt. Wir haben bei uns im Umfeld

nur noch 5 bis 7 Prozent Arbeitslosigkeit, in der

Stadt Marienberg selbst sind es sogar nur noch

zwei Prozent. Abwanderung und Pendeln sind

kein sehr großes Thema mehr, inzwischen bewerben

sich bei uns auch Facharbeiter, die in

den Westen gingen und jetzt wieder zurück in

die Heimat wollen. Junge Menschen haben hier

anders als damals beste Aussichten auf einen

guten Ausbildungsplatz.“ Gerald Praschl

AUSZEICHNUNG

2014 wurden die Brüder

Meyer für ihre Leistung beim

Aufbau des Automobilzulieferers

Meyer Drehtechnik

GmbH als „Sachsens Unternehmer

des Jahres“ geehrt


Wie Sachsen

die Welt

verzaubert

Grünes Gewölbe, Bach

und das Elbsandsteingebirge

- was Besucher von überallher

nach Sachsen zieht

SACHSEN

04 06

05

01

03

02

Credits: A. Fuhrmann /SUPERillu, dpa, ddp (3), Ullstein, K. Eckhold (2), O. Killing, PR (6)

0 1 THOMANERCHOR

Die Ursprünge des weltbekannten

Leipziger Knabenchors gehen zurück bis ins 13.

Jahrhundert, als unter Kaiser Otto IV. in Leipzig

die Klosterschule St. Thomas gegründet wurde.

02 SACHSENS KÜNSTLER

Die „Neue Leipziger Schule“ ist ein

Begriff auf dem Kunstmarkt, der Leipziger

Neo Rauch, 55, ihr bekanntester Vertreter. Auch

andere weltweit bekannte Künstler stammen aus

Sachsen: Georg Baselitz und Gerhard Richter.

3

GEMÄLDEGALERIE ALTE MEISTER

0

Eine der berühmtesten Gemäldesammlungen

der Welt, in der Sempergalerie des Dresdner

Zwinger. U.a. Raffaels „Sixtinische Madonna“

und Bilder von Rembrandt, Vermeer und Tizian.

4

GRÜNES GEWÖLBE

0

Schon Sachsens Herrscher August

der Starke zeigte hier im 18. Jahrhundert seine

Schätze. Seit der Rekonstruktion des Dresdner

Residenzschlosses 2006 sind sie auch wieder

in den Originalräumen des Historischen Grünen

Gewölbes zu sehen.

0 5 AUERBACHS KELLER

Einst Goethes Studentenkneipe die

berühmt wurde, weil er sie in einer Szene im

„Faust“ verewigte. „Mein Leipzig lob ich mir! ...“

0 6 BACH-GRAB IN

DER THOMASKIRCHE

Das Grab des großen Komponisten Johann

Sebastian Bach ist eine Pilgerstätte für

Musikliebhaber aus aller Welt. Bach lebte und

wirkte in Leipzig von 1723 bis zu seinem Tod 1750.

0 7 ELBSANDSTEINGEBIRGE

Die berühmten Felsformationen in der

07

Sächsischen Schweiz faszinierten auch den Maler

Caspar David Friedrich. Rechts unten sehen Sie

eines seiner berühmtesten Gemälde: „Wanderer

über dem Nebelmeer“, entstanden 1818.

1 2 1 3

07


SACHSEN

Jung

und

sächsisch

Sie wurden im selben Jahr

geboren wie der Freistaat: Junge

Sachsen, alle 25 Jahre alt,

zeigen hier ihre Lieblingsplätze

ROY HOCHGREBE,

Handelsvertreter aus Dresden,

im Café „Enjoy“ in Bautzen

„Bautzen gefällt mir, ein Landstädtchen

mit Charme. Das

Café Enjoy hat eine gute Lage,

ist von schönen sanierten Häusern

umgeben. Und der Cappuccino,

den sie hier machen,

kann sich schmecken lassen.“

ISABELL BRUHNKE,

Barkeeperin aus Dresden, am Stadtstrand

„Citybeach“ in Dresden

„Hier treffe ich meine Freunde und Kollegen,

man kann hier Beachvolleyball spielen oder

einfach nur chillen. Ich bin gerne hier.“

GPS-Koordinaten:

51.068365, 13.729412

GPS-Koordinaten:

51.181200, 14.424270

ARIANE WALTHER,

Erzieherin aus Leipzig, am

Lindenauer Hafen in Leipzig

„Ich liebe diesen Platz, weil er

so romantisch ist. Ich bin in

der Gegend aufgewachsen.

Hier habe ich Radfahren

gelernt. Meist bin ich mit

Freunden hier. Wir sitzen

zusammen, quatschen.“

GPS-Koordinaten:

51.3363, 12.29663

JULIANE BOCEK,

Tischlerin aus Dresden, im

„Zschonergrund“ in Dresden

„Die Zschonermühle am Stadtrand

von Dresden ist eines der

schönsten Ausflugsziele in der

Gegend. Man ist draußen in der

Natur und doch nicht weit von

der Stadt entfernt.“

GPS-Koordinaten:

51.058800, 13.641640

PHILIP LEITHNER,

Student aus Zwickau, in

der Werkstatt des WHZ

Racing Teams in Zwickau

PIT STREHL,

Meteorologe aus Leipzig, an

der Sachsenbrücke

„Hier treffen ganz verschiedene

Menschen aufeinander: Studenten,

Azubis, Leute, die von der

Arbeit kommen. Manche machen

Musik, andere genießen einfach

den Augenblick. Am schönsten

ist es hier am Abend.“

„Es ist mein Lieblingsplatz,

weil ich hier mit meinen

Kommilitonen und Freunden

Spaß haben kann, abends

nach der Uni und vor allem

am Wochenende.“

GPS-Koordinaten:

50.734220, 12.501120

GPS-Koordinaten:

51.330388, 12.354722

JENNY KIRCHEIS,

Tierpflegerin aus Aue, mit

Zwergaras im „Zoo der Minis“

in Aue.

„Ich liebe Tiere, und Tierpfleger

zu sein ist mein Traumberuf.

An den Zwergaras gefällt mir,

dass sie so zutraulich sind. Sie

kommen mir auf die Schulter

geflogen, manchmal quatschen

sie einen auch einfach nach.

Die sind echt lustig. Zu Hause

hab ich einen Kater.“

GPS-Koordinaten:

50.583120, 12.711450

EILEEN PUESCHEL,

Studentin aus Nossen, am

Roten Ufer an der Mulde

„Ich bin hier schon als Kind oft

hergekommen. Für mich hat der

Ort etwas ganz Besonderes,

fast Magisches. Der weite Blick

über das Tal der Mulde. Und

die Wärme, die die roten Felsen

ausstrahlen.“

GPS-Koordinaten:

51.053520, 13.312920

Credits: C. Busse, Ullstein, D. Moeller, M. Aust, dpa, PR (4)

ELISA POHL,

Krankenschwester aus

Bautzen, an der alten

Stadtmauer von Bautzen

„Ich wohne jetzt zwar in

Dresden, aber alle zwei, drei

Wochen komme ich nach

Hause, nach Bautzen zurück.

Früher oder später zieht es

mich zur alten Stadtmauer.

Anderen Leuten geht es auch

so, diese Stelle hier ist so

eine Art Treffpunkt. Man guckt

runter auf die Spree.“

GPS-Koordinaten:

51.180820, 14.422120

PHILIP WEIGL,

Koch aus Markkleeberg, im

Leipziger Clara-Zetkin-Park

„Die Atmosphäre hier ist

toll. Am Springbrunnen kann ich

mich wunderbar entspannen.

Ich versuche, zwei, drei Mal pro

Woche herzukommen. Manchmal

allein, manchmal nehme ich

meine Freundin mit.“

GPS-Koordinaten:

51.331448, 12.358586

1 4 1 5


Wie wir

Sachsen

sehen

Was zehn prominente „Dresden, du heiß Geliebte. (...)

„Die Sachsen sind besonders

Nur eine Affäre sollte es werden,

ein Spiel der Sinne zwi­

Sachsen und

lebendig, humorvoll und reisefreudig.

Alles im Unterschied zu

Nicht-Sachsen über den schen dir und mir. Doch die

Freistaat sagen Affäre wurde zur Liebe,

uns Berlinerinnen und Berlinern.

meine Gedanken gehören dir.“

Schon das gefällt mir. Wenn

02 Dirk Hilbert (FDP) / OB Dresden 03 Kurt Biedenkopf (CDU) / Politiker

10 Yvonne Catterfeld / Sängerin & Musikerin

06 Roland Kaiser / Musiker (in einem Liedtext) ich was ziemlich ausgeschlossen

„Die Geschichte Sachsens

ist fantastisch,

es Heimat. Die

„Für mich bedeutet

ist sächsischer Ministerpräsident

„Sachsen ist längst für mich und

meine Familie zur Heimat

gewesen wäre und mir

voller Größe. Ich Sachsen sind ein

geworden. Ich lebe gerne hier.

wie geschehen vor Badenhabe

keine blühenden

Landschaften gemütliches Völkchen. die Bürger in meinen Landkreis Werbespruch ‚Wir können alles.

gastfreundliches, Auch mein politischer Einsatz für Württemberg für Sachsen der

versprochen aber Immer dabei, sich Meißen ist für mich eine Herzensangelegenheit.

Ich schätze die

Außer Hochdeutsch‘ angeboten

auf vielen Reden voranzumachen.“

Menschen hier, gerade ihre Bodenständigkeit,

ihre Verbundenheit mit zugegriffen und damit Sachsen

worden wäre, hätte ich sofort

gesagt: „Es wird ein 04 Uta Bresan / Sängerin & Moderatorin

01 Nadja Michael / Opernsängerin

harter und schwieriger

Weg. Ich kann

der Region und ihre Offenheit.“

„Deutsche Bergsteiger,

noch weltberühmter gemacht.“

07 Dr. Thomas de Maizière / Bundesminister des Inneren

09

euch dabei helfen, das waren in erster

Gregor Gysi (Die Linke) / Politiker

aber machen müsst Linie Bayern und die

„Aus meiner Jugend in Sachsen wusste ich, „Ich mag die Sachsen einfach.

ihr es. Ihr müsst aber Sachsen. Wobei die

wie hochqualifiziert und gewissenhaft sächsische

Industriearbeiter und sächsische

keine Angst haben, Sachsen immer friedlicher,

streitbarer und

haltend, beinahe misstrauisch.

Am Anfang erst mal zurück­

Ingenieure arbeiten ... Ohne die hervorragenden

Fachkräfte hätten wir das nicht

denn was eure Vorfahren

geschafft sehr gebildet sowie

geschafft. Wir haben in Sachsen sehr kreative

Mitarbeiter, die sehr produktiv arbeiten

Aber wenn man dann

haben, das schafft ihr stets mit die kreativsten

einmal mit ihnen warm wird,

und unserem Unternehmen sehr verbunden

auch wieder.“ Deutschen waren.“

sind. Das ist eine fantastische Entwicklung.” ein Herz und eine Seele.“

„Ohne meine Heimat

Sachsen wäre ich

nicht das, was ich bin.

Ich liebe die Menschen

hier. Früher

hat mich der Dialekt

noch gestört, heute

hört sich das nach

Zuhause an.“

„Der Aufbruch von 1990 ist

eine Erfolgsgeschichte.

Das lag auch an einer

klugen Wirtschaftspolitik

mit schnellen Entscheidungen.

Es liegt aber vor

allem an den Sachsen

selbst: Wir haben viel

Tüftlergeist und sind stolz

auf unser Land.“

05 Reinhold Messner / Bergsteiger

Credits: U. Toelle/SUPERillu, S. Döring/AG. Focus, PR (4), ddp, momentphoto

08 Carl H. Hahn / Ex-VW-Chef

SACHSEN

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SACHSEN

Zehnmal

Sachsens

neues Leben

Von der Barfußgasse bis

zum Leipziger Neuseenland

wo die Sachsen ihre

Freizeit verbringen

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08

0 1 LEIPZIGER NEUSEENLAND

Wo einst Förderkräne Braunkohle herausholten,

ist heute eine große Seenlandschaft

entstanden, die Badegäste und Segler anzieht.


02 HORCH MUSEUM ZWICKAU

Audi, Horch, DKW, Wanderer - die Ausstellung

ist eine Zeitreise in die Geschichte des

deutschen Autobaus, die in Sachsen begann.

0

3

BARFUSSGASSE LEIPZIG

Sie ist das Herz des Leipziger Stadtlebens,

umgeben von prächtig restaurierten

einstigen Messehöfen der Handelsstadt.

01

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0 4 FÜRST-PÜCKLER-PARK

Der Landschaftspark in Bad Muskau -

halb in Deutschland, halb in Polen - und das Neue

Schloss in seinem Zentrum wurden aufwendig

rekonstruiert, sind heute Unesco-Weltkulturerbe.

05 KURORT BAD SCHLEMA

Das Kurhaus ist das Herz des berühmten

Radonheilbads, das viele Kurgäste anzieht.

6

DRESDNER NEUMARKT

Das spätbarocke Coselpalais ist eines

0

der historischen Gebäude, das in Dresdens

Zentrum rund um die Frauenkirche originalgetreu

wieder aufgebaut wurde.

Credits: U. Toelle/SUPERillu, S. Döring/AG. Focus, dpa, Ullstein, PR

1 8 1 9

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0 7 OBERWIESENTHAL

Freizeitspaß rund um den Fichtelberg:

im Winter auf Skiern, im Sommer unter anderem

zum Beispiel auf den „Monster-Rollern“ (Foto).

08 TAG DER SACHSEN

Das große sächsische Volks- und

Heimatfest findet jedes Jahr in der ersten

Septemberwoche und jedesmal in einer anderen

sächsischen Stadt statt.

0 9 BAROCKJUWEL GÖRLITZ

Von Kriegszerstörung verschont geblieben,

ist das heute aufwendig restaurierte Görlitz

mit seinen rund 4 000 Baudenkmälern in Deutschland

einzigartig, dient auch oft als Filmkulisse.

1 0 GONDWANALAND LEIPZIG

Die 2011 eröffnete größte Tropenhalle

Europas ist die Heimat von rund 100 Tierarten

und 17 000 tropischen Pflanzen.


SACHSEN

Aufbruch

in die

Freiheit

Im Herbst 1990 wählte Sachsen

seinen ersten freien Landtag.

Thomas Jurk (SPD), Karl-Heinz

Gerstenberg (Grüne), Matthias Rößler

(CDU), André Hahn (Linke) und Ludwig

Martin Rade (FDP) erinnern sich

THOMAS JURK, 53, SPD. Der Funkmechaniker war 1989 Brigadier im

Trafowerk Weißwasser. Von 1990 bis 2013 saß er im Landtag, 2004 bis

2009 war er Stv. Ministerpräsident. Seit 2013 Bundestagsabgeordneter.

KARL-HEINZ GERSTENBERG, 64, Bündnis 90/Grüne. Bis 1990

war er Ingenieur beim Forschungszentrum Mikroelektronik Dresden.

Von 1990 bis 1994 und 2004 bis 2014 im Sächsischen Landtag.

MATTHIAS RÖSSLER, 60, CDU. Zu DDR-Zeiten Entwicklungsingenieur

im Schienenfahrzeugbau. 1989 für den „Demokratischen Aufbruch“ aktiv,

seit 1990 für die CDU im Landtag. Seit 2009 Landtagspräsident.

ANDRE HAHN, 52, LINKE. Bis 1989 Lehrer für Deutsch und Geschichte.

Von 1994 bis 2013 im Sächsischen Landtag, heute für die Linke im Bundestag

und dort Vorsitzender des Geheimdienst-Kontrollgremiums.

Der Aufbruch.

Noch im Sommer 1989 überlegte ich, das Land zu verlassen. Ich beschloss

aber, zu bleiben und mich politisch für einen neuen Anfang zu

engagieren. Dass ich zur SPD ging, war kein Zufall. Ich schätzte Willy

Brandt und Helmut Schmidt. Ihr soziales Gewissen und ihre wirtschaftliche

Kompetenz.

Die Arbeit.

In der SPD-Fraktion war ich mit meinen 28 Jahren einer der Jüngsten.

Dass wir in der Opposition waren, war natürlich etwas frustrierend. Oft

beschränkte sich unsere Rolle darauf, den Regierenden von der CDU auf

die Finger zu schauen. In der ersten Zeit hatten wir nicht einmal Schreibtische,

es mangelte auch an Telefonen. Es war nicht alles so perfekt wie

heute, aber wir waren mit Herzblut bei der Sache. Wie es in einem Parlament

zugeht, kannte ich bis dahin nur aus dem Westfernsehen. Fast alle

waren Quereinsteiger: Facharbeiter, Ingenieure, Ärzte. Sie brachten zwar

keine Parlamentserfahrung mit, aber viel Lebenserfahrung. Der Umgang

miteinander war angenehmer als heute im Parlament. Wir hörten uns

mehr zu. Das dramatischste Thema war für mich der Strukturwandel im

Braunkohle-Bergbau, der unsere Region prägt. Zehntausende verloren

ihren Arbeitsplatz, Weißwasser 20 000 seiner 37 000 Einwohner. Auch

meine beiden Kinder verließen die Heimat, als sie erwachsen waren.

Die Bilanz.

Wirtschaftlich können wir bei uns in Sachsen stolz auf das Erreichte

sein. Die Familien haben ihr Auskommen, obwohl die Löhne im Vergleich

zum Westen teilweise noch recht mäßig sind. Auch wenn sich die

Lage stabilisiert hat, sind die Folgen der Veränderungen von 1989/90

also bis heute hier sehr spürbar, ganz anders als in den eher prosperierenden

großstädtischen Räumen um Dresden, Chemnitz und Leipzig.

Daran etwas zu ändern, ist heute mein wichtigstes politisches Anliegen.

Der Aufbruch.

Ich beschloss im Herbst 1989, mich bei „Demokratie Jetzt“ zu engagieren.

Das war eine der Bürgerbewegungen, die sich zur Wahl in Sachsen mit

Neuem Forum, der Grünen Partei und dem Unabhängigen Frauenverband

zum Wahlbündnis zusammenschlossen. Mitbestimmungsrechte, Transparenz

und mehr Demokratie waren unsere wichtigsten Themen.

Die Arbeit.

Es war eine Stunde Null. Die Abgeordneten kamen aus vielen Berufen:

Naturwissenschaftler, Pfarrer, Ärzte, fast keine Berufspolitiker. Es ist

gut, wenn Menschen, die schon Berufserfahrung haben, in die Politik

gehen und später wieder in ihren Beruf zurückkehren. Der Umgang

miteinander war meist fair. Es war eine bewegte Zeit, eine enorme Zahl

von Gesetzen musste verabschiedet werden. Wir haben uns bemüht, zu

kontrollieren und Alternativen aufzuzeigen. Ich kannte die Realität in

den Betrieben, wo die Substanz durch die zu DDR-Zeiten verbreitete

Misswirtschaft aufgebraucht war. Es war klar, dass wir einen grundsätzlichen

Neuanfang brauchen. Aber wir hätten es damals besser gefunden,

es wäre langsamer und verträglicher gegangen. Ob das die bessere

Strategie gewesen wäre, darüber kann man heute spekulieren.

Die Bilanz.

Es ist vieles in der Wissenschafts- und Kulturpolitik sehr gut gelaufen.

In Sachsen sind viele neue Forschungsinstitute entstanden, die Weltspitze

sein wollen. Wenn wir auf dem Weltmarkt bestehen wollen, ist

das die richtige Entwicklung. Auch wenn wir an vielen Punkten anderer

Meinung waren als die regierende CDU, gab es einige Gesetze, die

von einer sehr breiten Mehrheit im Parlament mitgetragen wurden.

Eines war das Kulturraum-Gesetz, ein anderes das Personalvertretungs-Gesetz,

das Arbeitnehmern mehr Mitbestimmung brachte. Und

dann natürlich vor allem auch die Sächsische Verfassung...

Credits: M. Handelmann/SUPERillu, dpas (4), ddp (4), Vario Press, PR

Der Aufbruch.

Sachsen ist das Mutterland der friedlichen Revolution. Aber die Menschen

wollten keine andere DDR. Sie wollten endlich leben wie im

Westen und das politische System Westdeutschlands. Das war mir auch

schon damals klar. Sie haben bei der Volkskammerwahl vor allem Helmut

Kohl und die West-CDU gewählt. Deshalb habe ich mich 1990 auch

dafür eingesetzt, dass unser „Demokratischer Aufbruch“ sich mit der

CDU vereint.

Die Arbeit.

Auch wenn die Richtung durch die Wiedervereinigung klar war, ging es

im Landtag in der Gesetzgebung darum, sehr viele wichtige Weichen für

Sachsen zu stellen. Ich selbst habe mich auch als Kultusminister dafür

eingesetzt, dass im Bildungssystem konsequent das Leistungsprinzip

gilt: Abitur bereits nach 12 Jahren, Kopfnoten für Betragen und Fleiß.

Dass dieser Weg richtig war, zeigte spätestens der PISA-Test, bei dem

wir, vor Bayern, vor Baden-Württemberg, den ersten Platz belegten. An

den sächsischen Universitäten setzten wir auf einen konsequenten Neuanfang.

Aus 21 großen und kleinen Hochschulen machten wir vier Universitäten

und fünf Fachhochschulen. Auch der moralische Neuanfang

war uns wichtig: Alle Hochschullehrer aus DDR-Zeiten mussten sich

nun im Wettbewerb mit anderen Bewerbern aus Ost und West neu um

ihre Lehrstühle bewerben. Auch das hat dazu beigetragen, dass wir heute

einen so herausragenden Universitäts- und Forschungssektor haben.

Die Bilanz.

Kurt Biedenkopf hat den Menschen Mut, aber keine falschen Versprechungen

gemacht. Das war richtig. Es war schon klar, dass wir vieles so

machen würden wie im Westen. Wir wussten aber auch, was wir anders

machen sollten. Wir wussten, es würden schwere Jahre. Aber Schritt für

Schritt wurde es besser. Sachsen ist auf einem sehr guten Weg.

Der Aufbruch.

Wir fühlten uns als junge Rebellen innerhalb der SED, der ich seit 1985

angehörte. Dann kam die Wendezeit und mit ihr die Hoffnung, dass sich

jetzt tatsächlich etwas verändert. Ich saß als einer der Jüngsten 1989/90

in Berlin am zentralen Runden Tisch der DDR. Die neue Parteispitze unter

Gregor Gysi hatte verstanden, dass dort für die SED nicht nur ehemalige

Funktionäre sitzen können, sondern dass es einen glaubwürdigen

Neuanfang nur mit den Jungen geben kann.

Die Arbeit.

Seit Anfang 1991 war ich Mitarbeiter der Fraktion Linke Liste/PDS im

Landtag und zuständig für Bildung, Wissenschaft, Jugend und Sport.

Ich schrieb Gesetzentwürfe, beantwortete Bürgeranfragen. Gegen die

breite Mehrheit der CDU war aber nichts auszurichten. Die von ihr betriebene

Umstrukturierung des Schulsystems nach westlichem Muster,

darunter die Trennung der Kinder schon nach der vierten Klasse, halte

ich bis heute für einen großen Fehler. Beim Thema DDR-Vergangenheit

trat ich für einen differenzierten Umgang ein, was anfangs schwierig

war, auch in der eigenen Partei. Durch die Angriffe auf uns gab es eine

Wagenburg-Mentalität, krampfhaft alles zu verteidigen, was DDR war.

Die Bilanz.

Der Umgang mit der DDR-Vergangenheit hat sich versachlicht. Die

Reisefreiheit ist ein Riesengewinn, wenn man sie sich leisten kann. Beeindruckend

ist, wie schön unsere Städte wieder geworden sind. Wenn

die DDR noch 20 Jahre weitergewurstelt hätte, wäre in vielen Altstädten

doch alles zusammengebrochen. Grundsätzlich war es positiv, dass

auch mit Fördermitteln Leuchttürme der Wirtschaft entstanden sind.

Aber mit wenigen Großbetrieben macht man sich auch sehr abhängig.

Abseits der Leuchttürme gibt es noch viele Problemregionen. Trotzdem

ist natürlich viel geworden, keine Frage.

LUDWIG MARTIN RADE

76, FDP.

War zur DDR-Zeit Ingenieur

für Automatisierungstechnik

bei der VVB Feuerfest Industrie.

Von 1990 bis 1994 für die FDP

im Sächischen Landtag.

Der Aufbruch.

Als ich 1988 bei einer Dienstreise

in Riga die Demos der Letten gegen

die Sowjetunion sah, begann

ich an der Zukunft der DDR zu

zweifeln. Ich beschloss, mich politisch

zu engagieren, ließ mich

1989 bei der LDPD, wo ich seit

1969 Mitglied war, als Kreissekretär

anstellen. Dieser Weg führte

mich 1990 in den Landtag.

Die Arbeit.

Wir konnten konstruktiv Opposition

machen. Menschlich belastend

war meine Tätigkeit in der Stasi-

Bewertungskommission. Ich erinnere

mich an lange Diskussionen,

auch ein Mitglied unserer Fraktion

war betroffen. Eine schwierige

Zeit. Im Nachhinein denke ich,

dass die Stasiüberprüfungen weitgehend

gerecht abliefen.

Die Bilanz.

Wir rechneten damals zwar damit,

dass viele arbeitslos werden,

aber nicht, dass ganze Industrien

wegbrechen. Es traf vor allem

auch Menschen meiner Generation.

Aber wenn ich heute auf

Sachsen schaue, zum Beispiel auf

meine Heimatstadt Meißen, dann

sind hier tatsächlich blühende

Landschaften entstanden.

Mein Land 2 0 Sachsen

2 1


SACHSEN

Sachsens

Reichtum ist

seine Vielfalt

W

ir feiern 25 Jahre deutsche

Einheit und 25

Jahre Freistaat Sachsen.

Beide Ereignisse

gehören zusammen.

Wir Sachsen haben

in dieser Zeit

eine Menge erreicht und können auf eine

beeindruckende Aufbauleistung schauen.

Das war nicht einfach, und wir dürfen

darauf stolz sein. Gott sei Dank waren wir

dabei nicht allein: Wir haben große Hilfe

und Solidarität erfahren. Ohne sie stünden

wir heute nicht so gut da, ohne sie hätten

wir es nicht geschafft.

In den letzten 25 Jahren haben wir große

Veränderungen gemeistert: in Politik,

Wirtschaft und Gesellschaft. Die ersten Jahre

waren geprägt von einer großen Aufbruchstimmung,

ja sogar von Euphorie, und die

errungene Freiheit forderte zum Ausprobieren

auf. Wir haben damals die engen Grenzen

01 Sachsens Ministerpräsident Stanislaw Tillich

(CDU) und sein Stellvertreter, der sächsische

Wirtschaftsminister Martin Dulig (SPD)

02 Am 23. August besuchten sie das Flüchtlingslager

in Heidenau bei Dresden

03 Freiwillige Helfer verteilen Hilfsgüter an

Flüchtlinge in Heidenau

Ministerpräsident Stanislaw

Tillich und sein Stellvertreter

Martin Dulig schreiben

über ihre Gedanken zu 25

Jahre Freistaat Sachsen

01

03

02

der Vergangenheit hinter uns gelassen und

begonnen, die eigene Zukunft zu gestalten.

Und wir haben uns dabei tragen lassen

von der Zuversicht, dass die Chancen

überwiegen.

Demokratie, Rechtsstaatlichkeit und

Marktwirtschaft standen ganz oben auf der

Agenda. Sie waren das Leitbild beim Aufbau

von Kommunen und Landkreisen, von Verwaltung

und Rechtspflege, von Landtag und

Staatsregierung, sowie bei der Gründung

neuer Unternehmen. Selbstverwaltungen

und Kammern, Vereine und Parteien wurden

gegründet. Und jeder einzelne konnte

spüren: kein allgegenwärtiger Staat bevormundete

in der Schule oder am Arbeitsplatz,

Studieren hing nicht mehr vom Verhalten,

sondern von der Leistung ab, jeder konnte

sein Leben selbst in die Hand nehmen. Neu

war auch die Erfahrung, dass Freiheit sehr

viel mehr Eigenverantwortung bedeutet.

Deshalb waren die letzten 25 Jahre für viele

Credits: U. Toeller (3), A. Fuhrmann/beide SUPERillu, PR

auch schwere Jahre. Vor allem Arbeitslosigkeit

hat den Betroffenen viel abverlangt und

zu schmerzlich empfundenen Brüchen in

zahlreichen Biografien geführt. Unsicherheit

und Bitterkeit waren so etwas wie die zweite

Seite des Neubeginns.

Wenn wir nun zurückblicken auf 25 Jahre

Freistaat Sachsen, dann dürfen wir sagen:

Es liegen gute Jahre hinter uns. Angefangen

mit der friedlichen Revolution, die in Sachsen,

das damals noch nicht wieder so heißen

durfte, ihren Ausgang nahm. Dann brachte

der Fall der Mauer die DDR endgültig ins

Wanken. Und die deutsche Einheit war der

Ausgangspunkt für alles Weitere. Seither

genießen wir die Vorzüge von Frieden und

Freiheit, von Demokratie und Rechtsstaatlichkeit,

von Wohlstand und Sicherheit. Hier

lässt es sich gut leben und arbeiten, gut lernen

und forschen, gut feiern und erholen.

Wir Sachsen haben an alte Traditionen

wieder angeknüpft: in der Automobilindustrie,

im Maschinenbau, in Forschung und

Entwicklung. Wir haben aus einer Planwirtschaft

eine Marktwirtschaft gemacht

und aus einer Mangelwirtschaft ein Zuhause

für Weltmarktführer. Wir haben aus einem

ideologisch gelenkten Bildungssystem einen

PISA-Sieger gemacht. Wir haben Sachsen

als attraktives Kulturland profiliert und als

innovativen Forschungsstandort etabliert.

Unsere Heimat liegt im Herzen Europas und

hat ihren alten Namen „Sachsen“ wieder.

Sachsens Reichtum ist die Vielfalt seiner

Regionen und seines Brauchtums, vom

Erzgebirge bis zur Lausitz, vom Vogtland

bis zur Sächsischen Schweiz, in Chemnitz,

Dresden und Leipzig. Und vielfältig sind

auch die Menschen schon immer gewesen,

die hier leben und die hierhergekommen

sind. Sachsens Geschichte erzählt von Zuwanderung

und Abwanderung, seien es nun

Schlesier oder Böhmen, Westdeutsche oder

Rückkehrer. Und vielfältig sind auch die

Gründe gewesen: manche kamen als Glaubensflüchtlinge

wie die Herrnhuter, andere

suchten gute Bedingungen und Mitstreiter

für ihre Ideen wie August Horch und wieder

andere suchten die Freiheit und ein besseres

Leben. Vor allem die zehntausendfache

Flucht bzw. Abwanderung in den Westen

Deutschlands ist ein Verlust, den wir noch

heute spüren.

Eine der größten Herausforderungen,

vor denen Sachsen steht, ist der Zulauf von

Menschen, den wir momentan erleben.

Viele flüchten vor Krieg und Terror, andere

suchen Asyl aus politischen oder religiösen

Gründen. Alle, die kommen, suchen Sicherheit

und erhoffen sich ganz persönlich eine

neue Perspektive für ihr Leben und ihre

Familie. Nicht alle werden bleiben dürfen;

„Seit 25 Jahren

nennen wir Sachsen

wieder unsere

Heimat. Diese

Erfahrung tut gut und

kann uns Sicherheit

geben für die

menschliche Begegnung

mit denen, die

jetzt zu uns kommen

und bei uns heimisch

werden wollen.“

STANISLAW TILLICH, 56, CDU

Sächsischer Ministerpräsident

„Sachsen wird

vielfältiger.

Diese Vielfalt ist eine

große Chance, wenn

wir miteinander reden

und nicht übereinander,

wenn wir miteinander

leben und nicht

gegeneinander.

Das beste Mittel gegen

Vorurteile und Ängste

ist immer noch

Neugier.“

MARTIN DULIG, 41, SPD

Stellvertretender Sächsischer

Ministerpräsident

aber die, die hier bleiben, werden Sachsen

vielfältiger machen. Von ihnen dürfen wir

konsequent Integration einfordern, müssen

sie aber auch anbieten. Das ist eine Aufgabe,

die Politik und Gesellschaft gemeinsam auf

Basis unserer Gesetze und Werte gestalten

müssen. Entscheidend ist jetzt, wie wir diese

Aufgabe anpacken. Tausende Sachsen setzen

sich in Beruf und Ehrenamt für eine gute und

menschenwürdige Aufnahme ein. Sie geben

damit ein Stück der Solidarität und Hilfe zurück,

die wir seit 1990 erfahren haben und

für die wir dankbar sind. Sachsen steht zu

Deutschlands humanitärer Verpflichtung

und zum Grundrecht auf Asyl. Einen dunklen

Schatten auf Sachsen werfen die, die das

Grundgesetz und unsere freiheitlich-demokratische

Grundordnung mit Füßen treten.

Für Hass und Hetze, für Ausländerfeindlichkeit

und Antisemitismus, für Rassismus und

Gewalt, egal ob auf der Straße oder im Netz,

darf bei uns in Sachsen kein Platz sein! Das

steht nicht für die Mehrheit der Menschen in

Sachsen und das werden wir nicht zulassen!

Gemeinsam vertrauen wir darauf, dass

wir die Herausforderungen, die vor uns liegen,

gut meistern werden: sei es der Strukturwandel

in der Lausitz, der Generationswechsel

in den Lehrerzimmern oder aber

die Unterstützung der vielen Unternehmensnachfolgen

im sächsischen Mittelstand.

Mit anderen Worten: Veränderung kennen

wir und Veränderung können und wollen

wir. Schöpfen wir daraus Sicherheit und

Gelassenheit.

Bei Jubiläen blickt man auch nach vorn

und fragt sich: Was wird morgen wichtig

sein? Wir sind der Meinung, dass es darauf

ankommt, dass wir gemeinsam den

Wunsch teilen, unser Sachsen von morgen

zu gestalten und Verbindungen zu schaffen

zwischen Alt und Jung, zwischen Alteingesessenen

und noch Fremden, zwischen

Ängstlichen und Mutigen, zwischen Gläubigen

und Nichtgläubigen, zwischen Heute und

Morgen, zwischen Tradition und Innovation,

zwischen Bewahren und Wagen, zwischen

Heimat und Fremde und auch noch zwischen

West und Ost. Es geht darum, mitzumachen,

so wie die vielen, die sich ehrenamtlich

engagieren in Vereinen und Parteien, in

Gewerkschaften und Kirchen, im Sport und

in der Kultur.

Es kommt darauf an, miteinander zu leben

und nicht gegeneinander; dazu müssen

wir miteinander reden und nicht über einander.

So funktioniert auch heimisch werden:

Die einen müssen es wollen, und die anderen

müssen es zulassen. Beides, miteinander leben

und heimisch werden, ist der Schlüssel

für die nächsten 25 Jahre, und das wird nur

funktionieren, wenn wir miteinander anpacken,

so wie in den vergangenen Jahren.

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