Wirtschaftszeitung_26102015

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Branchen & Betriebe: Eine

Werft im Münsterland

Seite 12/13

Geld & Geschäft: Mit ETFs

preiswert an die Börse

Seite 17

Leben & Wissen: Zeitreise

durch die Computergeschichte

Seite 28/29

DIE WIRTSCHAFT

Münster | Münsterland

www.agravis.de

Aschendorff Verlag GmbH & Co. KG

Soester Straße 13, 48155 Münster

ZKZ 88690 PVST

Ausgabe 5/15

www.die-wirtschaft-muensterland.de

Preis: 2,00 Euro

Erneuerbare Energien –

nur viel Wind um nichts?

Der Boom der Öko-Energie hat für zahlreiche Unternehmen im

Münsterland Vorteile – doch er treibt auch die Kosten nach oben

Viel Energie steckt im Münsterland –

den Eindruck muss zumindest bekommen,

wer sich mit Dr. Norbert

Allnoch unterhält. Und dabeigehtes

dem Chef des Internationalen Wirtschaftsforums

Regenerative Energien

(IWR) in Münster nicht einmal

nur um die Windanlagen mit zusammen

1000 Megawatt Nennleistung,

die laut IWR in der münsterländischen

Parklandschaft stehen. Auch

nicht allein um die Photovoltaik-

Anlagen auf den Dächern der

münsterländischen Klinkerbauten.

Nennleistung insgesamt:

950 Megawatt. Nein, Allnoch

geht es um den Wirtschaftsfaktor

Erneuerbare Energien – und auch

der kann sich sehen lassen.

Immerhin 350 Unternehmen aus

Münster und den vier Münsterlandkreisen

arbeiten laut IWR in

dem Bereich – vom Installationshandwerk

(160 Firmen) über rund

hundert auch mit Erneuerbaren Energien

befasste Dienstleister bis zu etwa 80Betrieben

des verarbeitenden Gewerbes.

Unter Letzteren sind internationale Player

wie KTR Kupplungstechnik in Rheine,

Saertex aus Saerbeck oder 2G Energietechnik

in Heek.

Und auch bei Forschung und Bildung im

Bereich der Erneuerbaren Energien steht

das Münsterland nicht schlecht da: Sechs

Studiengänge mit Bezug zu den Erneuerbaren

Energien hat das IWR gezählt. Dazu

entsprechende Angebote im Bildungszentrum

der Handwerkskammer (HBZ).

„Nutzung, Produktion der Anlagen, Forschung

und Bildung – wir haben auf den

ersten Blick einen ziemlich guten Mix

hier im Münsterland“, sagt Allnoch.

„Beim Zusammenspiel ist aber noch deutlich

Luft nach oben.“

Die Erneuerbaren Energien seien im

Münsterland „sehr ordentlich“ ausgebaut,

sagt auch Dr. Eckhard Göske, Experte

für das Thema bei der Industrieund

Handelskammer Nord Westfalen

(IHK) in Münster. Doch der Experte sieht

auch die Schattenseiten des Öko-Energie-Booms

– insbesondere bei den Kosten.

Bei Unternehmen, für die eine kostengünstige

und sichere Energieversorgung

besonders wichtig sei, beobachtet

er bereits einen Trend: Sie produzieren

immer öfter ihre Energie selbst im Blockheiz-

oder Gaskraftwerk.

► Fortsetzung auf Seite 2 und 3

OFFEN GESAGT

Zwickmühle

So zukunftsträchtig und lukrativ

die Welt der erneuerbaren

Energien für manche

Unternehmen im Münsterland

ist – bei wieder anderen Firmen,

die für ihre Produktion

unbedingt bezahlbare Energiekosten

brauchen, um konkurrenzfähig

zu sein, hat sie seit

Jahren auch eine Schattenseite.

Deshalb geht, wenn zum Ende

des Jahres 2015 die Ökostromumlage

auf einen Rekordwert

steigt, für einige der „Förderwahnsinn“

weiter. Denn erneut

wird damit erneuerbare Energie

massiv bezuschusst und mit

garantierter Einspeisevergütung

gestützt, um der politisch

gewollten Energiewende ein

weiteres Stück näher zu kommen.

Subventionierte Solar-, Windund

Wasserkraft machen den

in diesem Sektor angesiedelten

Investoren noch überwiegend

Freude. Bezahlen müssen Einstieg

und Betrieb dieser Technologien

über die EEG-Umlage

allerdings viele andere – Cent

für Cent. Die Privathaushalte

und die Mittelständler sind es,

die in erster Linie zur Kasse

gebeten werden.

Dass man bei der IHK bereits

in Unternehmenskreisen einen

Trend zur eigenen Stromproduktion

sieht, spricht Bände.

Die Firmen suchen einen Ausweg,

um nicht dauerhaft dem

Spiel der Kräfte ausgesetzt zu

sein: Hier die Stromkonzerne,

die niedrige Handelspreise

nicht weitergeben, dort Ökostromproduzenten,

die sich keinem

Preiswettbewerb stellen

müssen.

wk

Stabil auf hohem Niveau

Konjunkturaufschwung in Westfalen-Lippe hält weiter an

Die Geschäftsaussichten für die

Unternehmen in Westfalen-Lippe

haben sich leicht verbessert. Dies

lässt sich zumindest am Sparkassen-Konjunkturindikator

ablesen,

der im Vergleich zum Frühjahr

um gut einen Punkt auf 119,0

Punkte gestiegen ist.

4 198869 002009

2 0 0 4 4

Insbesondere der private Konsum

und der Wohnungsbau

sorgen nach den Berechnungen

für eine robuste Binnennachfrage.

Die Exporte legten

wegen der schwachen konjunkturellen

Entwicklung in vielen Schwellenländern

nur moderat zu. Trotz des anhaltenden

Konjunkturaufschwungs

sei insgesamt für Westfalen-Lippe in

den kommenden Monaten nicht mit

einer stärkeren Dynamik zu rechnen.

Der Konjunkturindikator des Sparkassenverbandes

ermittelt zweimal

im Jahr auf Grundlage von Umfragen

der acht Industrie- und Handelskammern

in Westfalen die Stimmung in

durchschnittlich rund 3400 Unternehmen.

In diese Analyse fließen

auch Daten des Statistischen Landesamtes

sowie Erkenntnisse aus der Geschäftsentwicklung

der 69 Sparkassen

in Westfalen-Lippe ein.

Aktuell schätzen 38 Prozent (Frühjahr

2015: 37 Prozent) der Betriebe

ihre Geschäftslage als „gut“ ein, unverändert

elf Prozent bewerten sie als

„schlecht“. Damit zeige sich das Lageurteil

der Unternehmen stabil auf hohem

Niveau, so der Verband. Wegen

der anhaltend hohen privaten Wohnungsbaunachfrage

sei die Stimmung

derzeit im Baugewerbe besonders

gut. Auch Betriebe aus den Bereichen

Handel und Dienstleistung profitierten

vom stabilen Konsumverhalten

der privaten Haushalte. In der Industrie

belastet insbesondere die jüngste

Konjunkturabkühlung in China den

internationalen Handel und damit

auch die Ausfuhren der westfälischlippischen

Unternehmen.

Bei der Frage nach ihren Geschäftsaussichten

ist der Anteil der Konjunkturoptimisten

mit 24 Prozent unverändert

geblieben, während der der

Pessimisten auf 13 Prozent (Frühjahr:

15 Prozent) gesunken ist.

Die Lage auf dem Arbeitsmarkt bleibt

freundlich: Unverändert 17 Prozent

der Betriebe in Westfalen-Lippe wollen

ihr Personal aufstocken.

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2 MACHER & MÄRKTE

Der Erfolg fällt

nicht vom Himmel

Beim Geschäft mit der Erneuerbaren Energie sind Know-how und technisches Können gefragt

Aus Dreck Geld machen – dafür

braucht man eine zündende Geschäftsidee.

Tobias Peselmann kam

der – im wahrsten Sinne – zündende

Gedanke bei einem Besuch auf dem

Ibbenbürener Bauhof: Warum soll

all das Laub, das bei einem kommunalen

Bauhof anfällt, nutzlos verrotten?,

dachte sich der Ingenieur aus

Hörstel.

IMPRESSUM

DIE WIRTSCHAFT Münster | Münsterland

Verlag und Herausgeber: Aschendorff Verlag GmbH & Co.

KG, Geschäftsbereich: Media & Sales, Soester Str. 13,

48155 Münster, Telefon: 0251.690-0, Telefax: 0251.690-

804801

Redaktion: Claudia Bakker (verantw.)

Anzeigen: Anzeigenleitung: Herbert Eick, E-Mail: anzeigen@die-wirtschaft-muensterland.de

Objektleitung: Jochen Gerling, Telefon: 0251.690-4948,

Telefax: 0251.690-804801

Gestaltung/Layout: Lisa Stetzkamp

Druck: Aschendorff Druckzentrum GmbH & Co. KG, An

der Hansalinie 1, 48163 Münster, Telefon: 0251.690-0,

Telefax: 0251.690-215; Auflage: 17.000 Exemplare

www.die-wirtschaft-muensterland.de

Der heutigen Ausgabe liegt eine Verlagsbeilage „ Tagungs- und

Seminarguide“ bei. Wir bitten um Beachtung.

26 000 Photovoltaikanlagen gibt es inzwischen im Münsterland und der Emscher-Lippe-Region. Foto: Fotolia

Das Laub zu verbrennen und

die Wärme zu nutzen, wäre

doch besser und umweltfreundlicher.

Peselmanns

NETZ-Ingenieurbüro

GmbH entwickelte zusammen mit

dem mittelständischen Anlagenbauer

RIELA aus Riesenbeck eine Anlage, die

Laub trocknet, zerkleinert und zu Briketts

presst. Diese „Öko-Briketts“ können

in den kommunalen Biomassenkesseln

als kostengünstiger Ersatz für andere

Brennstoffe eingesetzt werden.

Getreidetrockenanlagen sind traditionell

ein wichtiges Geschäftsfeld von RIELA.

„Wir haben einen Schubwende-Trockner

von RIELA angepasst“, erklärt Peselmann.

Das ist nur ein Beispiel dafür, wie

findige münsterländische Mittelständler

vom Öko-Energie-Boom profitieren.

„Die Unternehmen im Münsterland

schneiden sich ein Stück vom Kuchen der

Erneuerbaren Energien ab“, sagt Dr. Eckhard

Göske von der Industrie- und Handelskammer

Nord Westfalen (IHK). Aber

wie groß dieses Stück ist, wie hoch die

Wertschöpfung aus dem Bereich der Öko-

Energie? Das sei kaum konkret zu sagen:

Für die meisten Mittelständler seien die

Aufträge aus dem Bereich der Öko-Energie

eben nur ein Feld von vielen. Und

außerdem ist da die traditionelle Verschwiegenheit

der münsterländischen

Mittelständler: „Warum sollte ich auch

meinem Konkurrenten verraten, womit

ich gute Geschäfte mache?“, scherzt Göske.

Aber angesichts von rund 800 Windrädern,

etwa 26 000 Photovoltaikanlagen

und 170 bis 180 Biogasanlagen im Kammerbezirk,

der neben dem Münsterland

auch den Emscher-Lippe-Raum einschließt,

dürften auch einige Aufträge

für münsterländische Unternehmen anfallen.

Andere Firmen haben sich weit über die

Region einen Ruf als Spezialisten erarbeitet.

Beispiel: Saertex – einst ein

ganz normaler münsterländischer Textilbetrieb.

Heute sorgen die Saerbecker

dafür, dass sich bei der Windkraft tüchtig

was dreht. „Wir arbeiten mit praktisch

allen namhaften Rotorherstellern zusammen“,

sagt Saertex-Marketingleiter Daniel

Stumpp.

Die Saerbecker Gelege aus speziellen Fasern

sorgen mit dafür, dass die Rotoren in

den vergangenen Jahren immer größer

werden konnten. Die gespannten Fasern

garantieren für die nötige Steifigkeit.

„Wir sind mit der Ausbreitung der Windkraft

aus Europa in die Welt gewachsen“,

sagt Stumpp. 1200 Mitarbeiter an neun

Standorten auf fünf Kontinenten erwirtschaften

inzwischen 270 Millionen Euro

Umsatz. Windkraft ist dabei das wichtigste

Geschäftsfeld, doch Saerbecker „Textilien“

stecken auch in Autos, Booten, Flugzeugen

...

Das Blatt in Dr. Norbert Allnochs Hand ist

geschmückt mit einer bunten Palette von

„Die Unternehmen im Münsterland

schneiden sich ein Stück vom Kuchen

der Erneuerbaren Energien

ab.“

Dr. Eckhard Göske, IHK Nord Westfalen

Unternehmenslogos – von den Kraft-

Wärme-Experten von 2G Energietechnik

in Heek über den Windkraft-Service-Anbieter

Availon in Rheine bis zum Geothermie-Spezialisten

Daldrup & Söhne in

Ascheberg. Allnoch, Chef des Internationalen

Wirtschaftsforums Regenerative

Energien (IWR) in Münster, kann eine

ganze Reihe Unternehmen aufzählen,

deren Know-how für Erneuerbare Energien

weit über das Münsterland hinaus

gefragt ist. Auch die Forschung sei mit

drei Hochschuleinrichtungen gut vertreten.

So gebe es allein an der WWU Münster

21 laufende Projekte und 17 abgeschlossene

Projekte zu Themen wie Speicher,

Batterien, E-Mobilität oder Kraft-

Wärme-Kopplung.

Der Erfolg mit den Erneuerbaren Energien

fällt nicht vom Himmel, der Brennstoff

manchmal schon – etwa mit Blick

auf Peselmanns „Blatt-Briketts“. In

mehreren Kommunen sei die Anlage inzwischen

für einige Monate getestet

worden, berichtet der Ingenieur, nun ist

die erste stationäre Pilotanlage im niedersächsischen

Schortens geplant. Das

alte Laub – pro 100 Einwohner rechnen

Kommunen meist mit einer Tonne Material

– soll dort für die Beheizung des

Freizeitbades und einer Schule mitgenutzt

werden. Und das rechnet sich, obwohl

das Laub erst getrocknet werden

muss? „Wir brauchen rechnerisch etwa

ein Viertel der erzeugten Energie, um das

Laub zu trocknen, zu zerkleinern und zu

pressen“, erläutert Peselmann. „Wir rechnen

mit einer Amortisationszeit von drei

bis fünf Jahren abhängig von der Konstellation

bei diesen Projekten.“

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MACHER & MÄRKTE 3

Vernetzung könnte besser

n

Für Dr. Norbert Allnoch, Chef des Internationalen Wirtschaftsforum Regenerative Energien,

stimmt im Münsterland der Mix, aber die Räder greifen noch nicht ineinander.

Wie steht die Branche

der Erneuerbaren

Energien im Münsterland

da? Das Internationale

Wirtschaftsforum

Regenerative Energien (IWR) in

Münster hat das sogenannte SLAM-Modell

entwickelt, um herauszufinden, wie

gut eine einzelne Branche in einem bestimmten

Gebiet vertreten ist. IWR-Chef

Dr. Norbert Allnoch erklärt, wie das funktioniert.

Herr Dr. Allnoch, was muss ich mir

eigentlich unter Ihrem SLAM-Modell

vorstellen?

Allnoch: Mit dem SLAM (Standard Location

Asset Model) haben wir ein ganzheitliches

Analyse- und Steuermodell zur

Entwicklung von Branchen in Regionen

und Ländern entwickelt. Wir können so

die Stärken und Schwächen der verschiedenen

Branchen auch in einer konkreten

Region herausstellen. Dabei blicken wir

auf vier Leitparameter, die von überragender

Bedeutung sind: Nutzung, Wirtschaft,

Forschung, Bildung. Das Modell

lässt sich auf alle Branchen anwenden:

Medizin, Energie ...

Können wir das einmal am Beispiel

der Erneuerbaren Energien durchspielen?

Allnoch: Mit Blick auf die Erneuerbaren

Energien wären die Fragen dabei: Wie

gut sind die Erneuerbaren Energien in

der Region ausgebaut? Wie sieht die

Struktur der Unternehmen aus, wie viel

Umsatz erwirtschaften diese in der Branche

und wie viele Arbeitsplätze sind vorhanden?

Welche Forschungseinrichtungen

gibt es und wie sind diese aufgestellt?

Und wie sieht es mit der gewerblichen

und wissenschaftlichen Ausbildung aus?

Der Hintergrund unseres Ansatzes ist der,

dass es Ihnen volkswirtschaftlich ja beispielsweise

wenig nutzt, wenn Sie zwar

Erneuerbare Energien in großem Umfang

einsetzen, aber alles aus dem Ausland

zukaufen müssen. Es geht bei der

Entwicklung von Branchen um unseren

Wirtschaftsstandort. Alle Zahnrädchen

müssen ineinandergreifen: Wenn Sie in

großem Umfang Windkraftanlagen herstellen

können, aber keine Fachkräfte finden,

weil es bei der Ausbildung hapert,

dann ist das ein Standortnachteil. Erst in

unserem ganzheitlichen SLAM-Ansatz

werden die Stärken und Schwächen einer

Branche in einer bestimmten Region tatsächlich

deutlich.

Und wie beurteilen Sie die Situation

der Erneuerbaren Energien im

Münsterland? Und wo gäbe es noch

Verbesserungsansätze?

Allnoch: Ohne dass wir das bereits

im Detail erforscht haben,

lässt sich sagen, dass auf den ersten

Blick ein guter Mix bei Nutzung,

Wirtschaft und auch bei der

Forschung und Ausbildung vorhanden

ist. Aber: Die Vernetzung

zwischen den einzelnen Leitbereichen

könnte man erheblich verbessern.

Ein Beispiel: In vielen

Kommunen gibt es Klimaschutzbeauftragte,

bei denen liegt der

Schwerpunkt auf den politischen

Rahmenbedingungen der Förderung,

der Nutzung und dem Ausbau.

Das ist wichtig, deckt aber nur einen

einzigen der vier Teilbereiche ab. Ein

Mittelständler wird an diesen Veranstaltungen

kaum teilnehmen – er fragt sich:

Was bringt mir das perspektivisch für

mein Unternehmen? Klar ist, dass regenerative

Energietechniken ein Zukunftsmarkt

sind. Für die wirtschaftliche Entwicklung

der Region wäre es viel profitabler,

wenn stärker und auch über die

einzelne Kommune hinaus die Wirtschaftsförderer

eingebunden und das Zusammenspiel

von Wirtschaft und Forschung

konkreter und nachhaltiger

unterstützt würden. Damit ließe sich

ökonomisch für die Münsterland-Region

noch eine Menge erreichen, inklusive

einer stärkeren Profilierung

des Wirtschaftsstandortes. (mel) Dr. Norbert Allnoch

Foto: Matthias Ahlke

Top

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Netze sind teuer: Für den Ausbau der Trassen werden Milliarden benötigt.

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Reaktion auf den Strommarkt:

Firmen machen sich unabhängig

IHK-Experte Dr. Eckhard Göske beobachtet einen neuen Trend

Einerseits profitieren auch Unternehmen

in der Region in einem gewissen

Maße vom – staatlich geförderten

– Boom der Erneuerbaren

Energien, andererseits zahlen Unternehmen

tüchtig drauf, gibt Dr. Eckhard

Göske von der Industrie- und

Handelskammer Nord Westfalen zu

bedenken.

Die Ökostrom-Umlage

(EEG-Umlage) wird zum

Jahreswechsel erneut steigen

– um drei Prozent auf

dann 6,354 Cent je Kilowattstunde.

Teuer wird auch der Ausbau

der Netze werden, der den Windstrom

aus dem Norden in den Süden der Republik

bringt. Es gibt aber im Münsterland

eine ganze Reihe mittelständischer (Industrie-)Unternehmen,

für die ein bezahlbarer,

planbarer Strompreis ein

wichtiger Kostenfaktor ist – Chemiebetriebe

zum Beispiel. Auch mit Blick auf

eine verlässliche Preisentwicklung beobachtet

Göske inzwischen bereits einen

„Trend“ bei vielen Unternehmen, ihre

Energieversorgung in die eigene Hand zu

nehmen – beispielsweise mit einem eigenen

Blockheizkraftwerk. Ein Grund: Die

Kosten werden für das Unternehmen besser

kalkulierbar als auf dem – eben

(noch?) nicht durch den Markt, sondern

durch politische Vorgaben bestimmten –

Strommarkt. Eine Folge auf der anderen

Seite: Kosten der Energiewende – zum

Beispiel für den Netzausbau – verteilen

sich auf weniger Schultern. (mel)






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20150914 IHK


4 MACHER &

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Dass der Flüchtlingsstrom eine enorme

Chance für die immerstärker von

Fachkräftemangel geplagte Wirtschaftbedeutet,

darin sind sich Bund

und Länder einig. Doch die Wirtschaft

steht damit vor sehr großen

und teilweise ganz neuen Herausforderungen

–auch im Münsterland.

„Mich hat einfach Feners Motivation

beeindruckt.“

Aus den Flüchtlingen sollen

möglichst schnell Nachbarn

und Kollegen werden.“ Diesem

Slogan von Bundesa

Andrea Arbeitsministerin

Nahles pflichtet auch Handwerkskammerpräsident

Hans Hund bei. Der aber

gibt zu bedenken: „Unsere Unternehmer

erwarten, dass alle jungen Flüchtlinge,

die ausgebildet werden, bleiben dürfen

und unabhängig von ihrem Alter auch

nach der Ausbildung mindestens zwei

Jahre das Aufenthaltsrecht haben. Denn

die Betriebe gehen mit der Ausbildung

auch ein Kostenrisiko ein.“

Dass das postulierte „Möglichst-schnell“

beim Start einer Ausbildung allerdings

relativ ist, wissen all diejenige, die in der

Region bei der Flüchtlingshilfe konkret

mit anpacken.

Denn berufliche Integration erfordert als

Voraussetzung ein Ankommen der

FlüchtlingeimMünsterland, ein Zurechtfinden

in der

westfälischen

Kultur und ein Erlernen

der deutschen

Sprache –

zumindest deren Monika Jöcker

Grundkenntnisse.

„Ein bis eineinhalb

Jahre“

daueredieses Einfinden in die deutschen

Lebensverhältnisse, haben Mustafa

Schat, Ausbildungsvermittler der Handwerkskammer,und

Carsten Taudt, Leiter

des IHK-Geschäftsbereichs Bildung, beobachtet.

Eine der aussichtsreichsten Perspektiven

für gelungene Integration ist die Vermittlung

in eine passgenaue Ausbildung:

„Aber dafür müssen die jungen Menschen

erst einmal lernen, nach der meist

traumatischen Flucht wieder aufrecht zu

gehen und zu altem Selbstvertrauen zurückfinden“,

laut die Erfahrung vonMustafa

Schat.

Vor zweieinhalb Jahren hat Fener Hamo

in Qamschili,einer ehemals 200000 Einwohner

großen Stadt im Nordosten Syriens,

Eltern und Geschwister zurückgelassen,

ist monatelang durch die Türkei

geirrt und endlich inMünster angekommen.

Der 26-Jährige spricht nach einem

Integrationskurs der Diakonie recht gut

Deutsch. Diesen und andere Integrationskurse

besucht HWK-Ausbildungsvermittler

Schat und gibt jungen Flüchtlingen

und Zuwanderern berufliche

Orientierung. Der technikbegeisterte Syrer

Hamo schilderte Schat seine beruflichen

Erfahrungen aus der Heimat, wo er

nach derachtenKlasse die Schule verlassen

hat: „In der Autowerkstatt meines

Onkels habe ich fünf Jahre mitgeschraubt“,

erzählt Hamo, während er

nach einemÖlwechsel an einem40-Tonner

die Schrauben wieder festzieht. Seit

Anfang August kann Hamo seiner beruflichen

Zukunft beim Lkw-Service Münster

mit gesundem Optimismus entgegenblicken.

Denn auf Vermittlung Schats und seines

HWK-Kollegen Michael Wichtrup, die

durch intensiven Kontakt mit den Handwerksbetrieben

der Region so manchen

maßgeschneiderten Ausbildungsplatz im

Hinterkopf haben, konnte Hamo beim

Lkw-Service von Monika Jöcker an der

Hansalinie in Münster probearbeiten.

Und hatte nach nur drei Tagen seinen

Ausbildungsvertrag in der Tasche.

Das klapptenicht nur,weildie Unternehmerin

in der Flüchtlingskrise helfen will

und in ihrem Betrieb ein Quäntchen Familienanschluss

sozusagen Programm

ist. Sondern: „Mich hat einfach Feners

Motivation beeindruckt“, gesteht die

Münsteranerin. „Und trotz der fremden

kulturellen Wurzeln hat Fener sich auch

sehr schnell auf uns eingelassen. Auch

auf unsere sehr eigene westfälische Art

des Humors.“ Die herzliche Art der Chefin

bekommt der neue Azubi oft zu spüren,

da Jöcker auch nach Dienstschluss

noch viel Zeit in Fener investiert: „Im Betriebsalltag

hat Fener überhaupt keine

Probleme, ganz im Gegenteil. Aber für

die Berufsschule pauken wir oft gemeinsam.“

Nur den Ausbildungsplatz mit einem

Flüchtling besetzen, damit ist es nicht getan,

stellt IHK-Geschäftsbereichsleiter

Carsten Taudt

klar. „Es melden

sich viele Unternehmen

bei uns,

die Flüchtlingen

helfen wollen und

Ausbildungsstellen

bereitstellen.

In erster Linie aus

Menschlichkeit und erst in vierter oder

fünfter, umFachkräfte für den eigenen

Betrieb zu finden.“ Trotzdem sollten sich

die Firmen klar sein, welche Verantwortung

sie für einen eventuell traumatisierten

Menschen übernähmen, dass der Erklärungsbedarf

weit über das rein Betriebliche

hinausgehe. So möchte Bundesarbeitsministerin

Nahles nicht nur

eine Willkommens-, sondern auch eine

Begleitkultur etablieren. Und das kann

Taudt sonur unterschreiben.

Begleitet wurde Sumon Tarafder aus

Bangladesch auf seinem Weg inden Job

nicht nur vonder IHK, sondern auch von

der ehrenamtlichen Integrationshelferin

Gabi Farwick-Achterhold aus Warendorf.

Ölwechsel unter dem Führerhaus: Nutzfahrzeugmecha

Steuern im Rahmen der passgenauen Besetzung von Azubi-Stellen ineine Richtung: Mustafa

Schat (HWK, l.), Betriebsleiter Siegfried Taube und Unternehmerin Monika Jöcker.

Der En

beiter M

Lager R

Bei der Firma Vectron, einem Anbieter

vonKassensystemen und Kassensoftware

mit 130 Mitarbeitern in der münsterischen

Loddenheide, absolviert der in Warendorf

lebende Flüchtling eine Ausbildung

als Lagerlogist. Das verdankt der

27-Jährige nicht nur den sehr guten Noten

seines Realschulabschlusses am Hansa-Berufskolleg

Münster, sondern auch

dem vom Europäischen Sozialfonds für

Deutschland (ESF) geförderten Projekt

„Passgenaue Besetzung“ bei der IHK, dessen

Ziel unter anderem die Etablierung

einer Willkommenskultur in Unternehmen

ist. IHK-Ausbildungsvermittler Henrik

Dartmann nahm Tarafders Bewerbungsunterlagen

unter die Lupe und

Kontakt mit Unternehmen auf, die an

einer Bewerbung des 27-Jährigen interessiert

waren, der als Hindu in seiner

Heimat von radikalen Moslems verfolgt

worden sei. Obwohl sein Aufenthaltsstatus

nur in einer Duldung besteht, habe

Tarafder, dem vor drei Jahren in kleinen

Booten zusammengepfercht und hinter

Lkw-Ladung versteckt die Flucht nach

Deutschland gelang, Eigeninitiative entwickelt

und nicht nur Vectron-Personalerin

Ramona Kremer überzeugt: „Sumon

Tarafder und ein weiterer Azubi-Kandidat

haben zur Probe gearbeitet. Ersterer

hat sich in nur wenigen Stundensehr engagiert

in die Betriebsläufe hineingedacht

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Tarafd

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MÄRKTE

5

nik-Azubi Fener Hamo (l.) aus Syrien folgt beim Schraubenanziehen den genauen Anweisungen des Gesellen Thomas Livaja.

OFFEN GESAGT

Schlüsselrolle

Die Kanzlerin greift immer wieder

ins Steuerrad, um den schwierigen

„Wir-schaffen-das“-Kurs zu halten. Was

auf der politischen Kommandobrücke

postuliert wird, funktioniert in der Praxis

nur mit der Wirtschaft. Deren Verbände

haben sich früh positioniert: Der

Zustrom von Flüchtlingen birgt eine

Chance –und bedeutet eine Riesenaufgabe.

Viele Betriebe beweisen längst Mut,

Menschlichkeit und hohes Verantwortungsbewusstsein,

indem sie Kandidaten

aus Krisengebieten qualifizieren

und ihnen eine neue Zukunftsperspektive

eröffnen.

Damit das nicht nur in wenigen Fällen

gelingt, ist die Politik gefordert, alle

Mittel bereitzustellen, damit mehr

Sprachkurse angeboten und Asylverfahren

verkürzt werden. Und Bewerber,

die in Betrieben nicht nur eine spezifische

Branche, sondern zugleich auch

das Leben in Deutschland kennengelernt

haben, brauchen ein Mindest-

Bleiberecht, damit die Firmen von ihrer

Investition in Ausbildung auch profitieren

können.

Wie lange esdauern und wie gut es

klappen wird, die vielen Menschen, die

Zuflucht suchen, wirklich zu integrieren,

ist ungewiss. Sicher ist aber, dass

der Wirtschaft dabei eine Schlüsselrolle

zukommt. Dass sich viele Firmen dieser

Herausforderung stellen, verdient verstärkte

Anerkennung auch von der

Frau Kapitän und der Fregatte

Deutschland. Maike Harhues

Bringen

allesmit.

Nehmen

allesmit.

dtest bei Vectron: Lagerlogistik-Azubi Sumon Tarafder (l.) lernt von Vectron-Mitarihail

Gorbunov, welche Funktionen gecheckt werden müssen, bevor die Kasse das

ichtung Kunde verlässt.

Fotos: Maike Harhues

nd großes Interesse gezeigt.“ Dass

ers Asylantrag abgelehnt wurde

ine Aufenthaltsduldung alle sechs

ezur Verhandlung stehe, sei ein Rias

Vectron angesichts der Qualität

Mitarbeiters zu tragen bereit sei,

Personalerin. „Wir suchen händedqualifizierte

Arbeitskräfte. Wir

sogar schon überlegt, uns mit

Plakat mit der Aufschrift ‚IT-Spezialisten

gesucht‘ bei der Ankunft des

nächsten Flüchtlingsstroms an den Bahnhof

zu stellen“, erzählt Kremer mit einem

Augenzwinkern. Maike Harhues

ZIELTE ANSPRACHE –GEZIELTE FÖRDERUNG

kann man Betriebe und Flüchtlinge zusammenbringen? Die Industrie- und Handelskammer Nord Westfalen und

Handwerkskammer Münster gehen nicht nur auf die Unternehmen zu, sondern suchen gezielt auch den Kontakt

en Flüchtlingen: In den Integrationskursen bieten sie besonders jungen Flüchtlingen im Ausbildungsalter erste

fliche Orientierung. Ziel des von der Handwerkskammer betreuten und vom Bundesentwicklungsministerium

rderten Projekts „Ausbildung von Flüchtlingen in deutschen Handwerksbetrieben“ ist, dass Flüchtlinge ihre erbene

Qualifikation nach einer eventuellen freiwilligen Rückkehr inihre Heimat fürden Wiederaufbau nutzen.

halb sind insbesondere Betriebe aus dem Bau- und Ausbaugewerbe, Metallbau, Kfz-Gewerbe und Gesundheitsweangesprochen.

Projekt „Early Intervention“ arbeiten HWK und IHK Hand in Hand mit dem Sozial- und Ausländeramt der Stadt

ster, umdie Berufschancen von Flüchtlingen mit im Herkunftsland abgeschlossener Ausbildung beziehungsweiit

Studienabschluss zu erhöhen und die Anerkennung dieser Abschlüsse zu erleichtern. Die Flüchtlinge werden

elt angesprochen: 136 Anträge auf Anerkennung ausländischer Berufsabschlüsse hat die IHK Nord Westfalen

er auf den Weg gebracht. Das Verfahren mit einem persönlichen Gespräch vor Ort und der Unterlagenprüfung

h die IHK FOSA (Foreign Skills Approval) ist allerdings aufwändig und für den Antragsteller teuer. Mit 400 bis

€füreinen Flüchtling ist es schwer aufzubringen. Eine öffentliche Förderung könne Integrationshürden senken

werde sich am Ende fürdie Gesellschaft auszahlen, ist Carsten Taudt, Leiter des IHK-Geschäftsbereichs Bildung,

rzeugt. „Denn die Eingliederung von Flüchtlingen in den Arbeitsmarkt trägt zur Fachkräftesicherung bei.“ ma

Mehr als20Transporter T6 neueingetroffen.Zum Beispiel:

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75 kW,Radstandlang,

Candy-Weiß.

Ausstattung:

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el.FH, Radio/CD,Bluetooth,

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6 MACHER & MÄRKTE

Haushaltssicherung

wäre eine Katastrophe

Wirtschaftsinitiative Münster fordert einen Paradigmenwechsel in der städtischen Haushaltspolitik.

Studie zeigt: Unternehmen tragen überdurchschnittlich zur Stadtfinanzierung bei.

„Das Ziel eines ausgeglichenen

Haushalts im Jahr 2020 ist mit der

aktuellen Haushaltspolitik kaum

mehr erreichbar.“ — Nüchterne Feststellung

in einer Pressemitteilung

der Stadt Münster vom 16. September.

Im Klartext: Münster — wegen

seiner glänzenden Zukunftsaussichten

oft beneidet — bewegt sich ohne

Gegenmaßnahmen auf eine Haushaltssicherung

zu. Ein Alarmsignal

nicht nur für Rat und Verwaltung,

auch die örtliche Wirtschaft ist gewarnt.

Diese fordert über die WIN –

Wirtschaftsinitiative Münster einen

Paradigmenwechsel in der städtischen

Haushaltspolitik.

Münster in der Haushaltssicherung

— aus

Sicht der WIN wäre

dies eine Katastrophe.

Dem westfälischen

Oberzentrum, das auf vielen Feldern

über großes Potenzial verfügt, würden

damit eventuell über einen langen Zeitraum

Fesseln angelegt. Der letzte noch

verfügbare finanzielle Handlungsspielraum

ginge verloren. WIN-Vorsitzender

Michael von Bartenwerffer macht sich

ernste Sorgen um die „Zukunftsfähigkeit

der Stadt“.

Zusammen mit

Vorstandsmitglied

Franz Gemmeke

und Geschäftsführerin

Caroline Ruppert

richtete er im Namen

der über 200

Unternehmen der

„Wir stehen vor einer großen

Herausforderung, um für Münster

als wachsende Stadt den finanziellen

Handlungsspielraum zu erhalten.“

Oberbürgermeister Markus Lewe

WIN kürzlich

einen „Weckruf“

an den Rat. Dieser

soll sich mehr

an der Sache als an ideologischen oder

parteipolitischen Vorgaben orientieren.

Das Gremium müsse das Wohl der Stadt

als Ganzes sehen und gemeinsam Verantwortung

übernehmen. Von der Verwaltung

fordert die WIN parallel mehr Transparenz

und eine nachhaltige Haushaltspolitik,

die zudem erklären und begründen

soll. Von Bartenwerffer: „Unser Appell

lautet frei nach Opel: Umparken im

Kopf …“

Um die Diskussion zu versachlichen, hat

die WIN von der Fachhochschule Münster

eine Benchmark-Studie erarbeiten

lassen. Denn bei Ertrag, Aufwand und Ergebnis,

bei Investition und Verschuldung

Münsters Wirtschaft schaut genau hin: Die Unternehmen tragen wesentlich zur Finanzierung städtischer Ausgaben bei.

lohnt sich der Vergleich mit anderen

NRW-Städten. Deutlich kann man sehen,

wo Münster steht. 22 Gliederungs- und

Beziehungskennzahlen zur Erfolgs- und

Finanzanalyse aus den zurückliegenden

fünf bis sieben Jahren wurden herangezogen.

Münster wird in der Studie mit

Aachen, Bielefeld, Mönchengladbach,

Wuppertal und Bonn verglichen.

Die Ergebnisse sind aus Sicht der Wirtschaft

vielsagend und lassen laut WIN

auch einige Schlussfolgerungen zu. So

weist Münster in der Studie die mit Abstand

höchsten absoluten Gewerbesteuer-Einnahmen

auf. Diese machen mit

bis zu 285 Millionen Euro fast 36 Prozent

der ordentlichen Erträge aus. Zusammen

mit Bonn verzeichnet Münster die höchsten

Steuererträge pro Einwohner. Aus

Sicht der WIN muss Münster bemüht

sein, „die Rahmenbedingungen zu erhalten

oder zu verbessern, die die Leistungsfähigkeit

der Steuerzahler fördern“.

Steuereinnahmen seien gerade in Münster

das starke Rückgrat der städtischen

Erträge. Von Bartenwerffer: „Der Rat

sollte die Wirtschaft pfleglich behandeln,

weil Unternehmen überdurchschnittlich

zur Stadtfinanzierung beitragen.“

Beim Aufwand (Personalkosten, Sachund

Dienstleistungskosten) schließt

Münster vergleichsweise gut ab. Die

Stadt weist (Stand 2013) ordentliche

Aufwendungen in Höhe von 3050 Euro

pro Einwohner auf. Allerdings hat die

Stadt in den vergangenen sieben Jahren

am meisten zugelegt und den Aufwand

um insgesamt 29 Prozent gesteigert. In

Wuppertal erhöhte sich der Aufwand im

gleichen Zeitraum lediglich um sechs

Prozent. Aus Sicht der WIN muss die

Stadt Münster gerade beim Personalaufwand

auf die Bremse treten.

Auf der Ergebnisseite hat Münster wegen

der überdurchschnittlich stark gestiegenen

Aufwendungen auf Dauer ein Problem.

Zwar sind auch die Erträge gewachsen,

der Aufwandsdeckungsgrad

zeigt aber einen negativen Trend. „Trotz

relativer Stärke kann auch Münster in der

Regel nur ein negatives Jahresergebnis

aufweisen“, heißt es in der Studie.

Auf dem Gebiet der Investitionen liegt

Münster unter der Quote der Vergleichsstädte

Aachen und Bonn. Die Bruttoinvestitionen

liegen im Betrachtungszeitraum

kontinuierlich unter den Aufwendungen

für Abschreibungen auf das Anlagevermögen.

Laut WIN wird unterm

Strich „desinvestiert“. Im Klartext: Münster

zehrt an der Substanz. Eine Situation,

die laut WIN gestoppt werden muss.

In punkto Verschuldung erhält Münster

in der Studie die Wertung „konservativ

agierend“. Die Pro-Kopf-Verschuldung ist

vergleichsweise niedrig. Der durchschnittlich

von Münster für Verbindlichkeiten

zu zahlende Zins ist trotz guter Bonität

vergleichsweise hoch. Die Liquidität

ist gut. Aus Sicht der WIN sollte Münster

seine Schulden-Finanzierung aber optimieren.

wk

Foto: dpa

Münsterland-Kreise investieren mehr

DIW hat die Investitionssumme der NRW-Kommunen und Kreise ermittelt. Münster kommt auf 184 Euro pro Kopf.

Kaputte Straßen, marode Schulgebäude,

fehlende Plätze für die Kinderbetreuung

– um die öffentliche

Infrastruktur ist es in einigen nordrhein-westfälischen

Kommunen

schlecht bestellt. Noch schlimmer:

Die finanzschwachen Städte können

nicht genug investieren.

Vi Vele Kommunen in Nordrhein-Westfalen

können

nicht genug Geld in die Modernisierung

und Instandhaltung

ihrer Infrastruktur

investieren. Bisweilen fließen im Jahr

weniger als 100 Euro pro Einwohner in

Neubau und Instandhaltung von Straßen,

Kanalnetzen oder Schulgebäuden,

wie aus einer Studie des Deutschen Instituts

für Wirtschaftsforschung (DIW) hervorgeht.

Im Jahr 2013 betrugen die durchschnittlichen

Pro-Kopf-Investitionen der Kommunnen

in NRW 154 Euro, in Bayern 469

Euro. Ein Grund für die Investitionsschwäche

vieler NRW-Kommunen sind

nach Angaben der Forscher deren hohe

Sozialausgaben. So gab Gelsenkirchen

385 Euro für die Wohn- und Heizkosten

von Bedürftigen aus, mehr als doppelt so

viel, wie in Investitionen (177 Euro) flossen.

Das DIW empfiehlt, den Solidaritätszuschlag

zeitweise dafür zu nutzen, die

Kommunen bei den Sozialleistungen zu

entlasten. Das erweitere den Spielraum.

Innerhalb von NRW gibt es große Unterschiede

bei der Investitionskraft der

Kommunen. Die Landeshauptstadt Düsseldorf

investierte 444 Euro je Einwohner,

Bielefeld nur 67 Euro. Münster

kommt auf einen Wert von 184 Euro pro

Kopf. Die Stadt liegt damit im Münsterland

aber hinter den Kreisen. So hat der

Kreis Coesfeld nach Berechnungen der

Experten 296 Euro pro Einwohner investiert.

Im Kreis Borken waren es 286 Euro.

Auch die Kreise Steinfurt und Warendorf

liegen mit 220 Euro und 209 Euro noch

vor Münster.

Weniger als 100 Euro gaben Hagen (84

Euro), Duisburg (86 Euro), der Rheinisch-Bergische

Kreis (98 Euro) und

Oberhausen (98 Euro) aus. Eine vergleichsweise

hohe Investitionskraft haben

die Kreise Viersen (330 Euro) und

Herford (410 Euro). Bundesweiter Spitzenreiter

ist der Landkreis München mit

Investitionen von 724 Euro je Einwohner.

Durch die zu geringen Investitionen geraten

die finanzschwachen Kommunen

nach Einschätzung der Forscher des DIW

in eine Abwärtsspirale. „Weil sie kein

Geld für Investitionen haben, werden sie

wirtschaftlich noch weiter abgehängt“,

heißt es in der Untersuchung. Das DIW

hatte dafür Daten der Statistischen Ämter

von Bund und Ländern ausgewertet.

dpa/wk

Straßenbau fällt vielerorts wegen der

schlechten Finanzlage aus. Foto: Meyer


MACHER & MÄRKTE 7

Ein neues Kauferlebnis

Zu Hause auf dem Sofa aussuchen – beim Händler vor Ort noch am selben Tag kaufen. Das Online-

Einkaufsportal „Simply Local“ macht das möglich.

Zalando, Otto, Amazon und andere

Internet-Kaufhäuser werden gerne

als übermächtige Konkurrenz für

den Einzelhandel gesehen. Dabei

muss die fortschreitende Digitalisierung

nicht zwangsläufig zum Hemmschuh

für den stationären Handel

werden, wie der neue Online-Marktplatz

„Simply Local“ zeigt.

Die Situation kennt fast jeder.

Ein Produkt suchen

und finden ist im Google-

Zeitalter keine Hexerei

mehr. Eher im Gegenteil –

dem Nutzer wird in Sekundenbruchteilen

einen Flut von Angeboten präsentiert.

Der Haken: Die Onlinesuche führt den

Kunden in der Regel zu einem anonymen

Versender oder zu Platzhirschen wie

Amazon oder Zalando. Was fehlt, sind die

Angebote der Händler vor Ort. Schließlich

möchten viele Kunden sich vor dem

Kauf noch einmal beraten lassen oder das

Produkt ausprobieren und anfassen können.

Mit „Simply Local“ hat das Medienhaus

Aschendorff nun ein Online-Portal etabliert,

das im Münsterland eine Brücke

schlägt zwischen Online-Shopping und

den Vorzügen des ortsansässigen Einzelhandels.

Das Traditionsunternehmen hat

sich dafür einer Allianz von regionalen

Verlagshäusern angeschlossen, die den

stationären Handel unterstützen wollen,

indem sie ein virtuelles Abbild der regionalen

Handelslandschaft schaffen.

„Wir möchten den Kunden zum Kauf

beim Händler vor Ort motivieren“, sagt

Maximilian Degenkolbe, der bei Aschendorff

Digital als Produktmanager das Einkaufsportal

betreut. „Unser Ziel ist es, ein

möglichst vollständiges Sortiment des regionalen

Einzelhandels anzubieten.“

„Simply Local“ bietet die Übersichtlichkeit

eines Online-Marktplatzes, führt den

Kunden aber nach getroffener Kaufentscheidung

direkt ins Geschäft am Ort. Ist

der gesuchte Artikel bei mehreren Händlern

verfügbar, wird eine Liste mit Geschäften

angezeigt, die das Produkt führen.

Die Entfernung zum Ladenlokal und

der günstigste Preis erleichtern die Kaufentscheidung.

Wer unentschlossen ist,

blättert die Angebote in den unterschiedlichen

Kategorien auf der „Simply Local“-Homepage

durch oder lässt sich gezielt

das Sortiment einzelner Händler anzeigen.

Eine Karte hilft dem Nutzer wiederum,

das nächstgelegene Geschäft zu

finden.

Wer sich bei „Simply Local“ für ein Produkt

entschieden hat, kann die Ware online

reservieren und noch am selben Tag

beim Händler in Empfang nehmen – ein

klarer Vorteil gegenüber Online-Versandhäusern.

Zudem muss der Käufer nicht

Online schauen, am Ort kaufen: „Simply Local“ listet die Angebote der Händler in der Region auf.

auf eine Beratung verzichten und hat

einen Ansprechpartner für eventuelle Garantiefälle.

Alternativ ist natürlich eine

Bestellung über den jeweiligen Online-

Shop des Händlers samt Zustellung

durch einen Paketdienst möglich.

„Online wird so

zur Chance für

„Wir möchten den Kunden zum

Kauf beim Händler vor Ort motivieren.“

den Handel in der

Stadt“, sagt Boris

Hedde vom Institut

für Handelsforschung

(IFH)

in Köln. Wichtig

ist aus Sicht der

Experten, dass

Kunden möglichst

problemlos finden, was sie suchen.

Vor allem kleinere Städte haben hier vielfach

Handlungsbedarf, hat das IFH in seiner

Studie „Stadt, Land, Handel 2020“

festgestellt. Insbesondere die Möglichkeit

der persönlichen Abholung hat aus

Sicht von Handelsexperten Charme: „Die

Kunden können neben den üblichen Online-Bestell-

und Versandwegen auch

Maximilian Degenkolbe betreut als Produktmanager

das Portal „Simply Local“ bei Aschendorff Digital

ganz bewusst in den Laden geführt werden“,

sagt Peter Achten, Hauptgeschäftsführer

des Handelsverbands Nordrhein-

Westfalen. Fachleute sprechen bei diesem

Verfahren von „Click and Collect“ –

also anklicken und abholen.

Gleichwohl führen

mehrere Wege

zum Kunden.

So haben sich

beispielsweise

die Einzelhändler

in Mönchengladbach

entschieden,

auf

einen etablierten

Marktplatz zurückzugreifen,

um ihre Waren ins Internet

zu bringen, und vor wenigen Wochen

das Projekt „Mönchengladbach bei

Ebay“ ins Leben gerufen. Begleitet wird

der Versuchsballon von der örtlichen

Wirtschaftsförderung und der Hochschule

Niederrhein. „Konsumentenbefragungen

in Mönchengladbach haben

ergeben, dass vom stationären Handel

mehr und mehr erwartet wird, dass es

eine Verbindung zu Verkaufskanälen im

Internet und über mobile Geräte geben

muss“, sagt Ulrich Schückhaus, Geschäftsführer

der Wirtschaftsförderung

Mönchengladbach. Die Entscheidung,

die eigenen Waren auch im Internet anzubieten,

wird durch Online-Marktplätze

wie „Simply Local“ erleichtert – insbesondere

weil die Händler ein eingespieltes

System nutzen können. „Online zu

gehen, hört sich immer so trivial an, ist

aber für Händler mit sehr viel Aufwand

verbunden“, sagt Andre Haack, der bei

der Industrie- und Handelskammer

(IHK) Mittlerer Niederrhein für den Bereich

Unternehmensförderung zuständig

ist. Meist sind es ganz alltägliche

Problemstellungen, an denen es scheitert.

So fehlt oft ein elektronisches Warenwirtschaftssystem,

mit dem der

Händler überprüfen kann, ob ein bestimmter

Artikel am Lager verfügbar ist.

„Gebündelte Plattformen stellen daher

eine große Chance für den stationären

Handel dar“, so Haack. Andreas Fier

Foto: Gunnar A. Pier

Stolze – Dr. Diers – Beermann GmbH

Wirtschaftsprüfungsgesellschaft · Steuerberatungsgesellschaft

Unser Angebot umfasst eine breite Spanne von Dienstleistungen insbesondere

für mittelständische Unternehmen und deren Gesellschafter von der Einkommensteuererklärung

über die Abschlusserstellung bis zur Jahresabschluss- und Konzernabschlussprüfung.

Weiterhin beraten wir in Fragen des Steuerrechts – insbesondere

im Bereich des Umwandlungsteuerrechts, des internationalen Steuerrechts

und der Unternehmensnachfolge. Zu unserem Dienstleistungsspektrum

Geschäftsführer:

Prof. Dr. Fritz-Ulrich Diers

Dr. Philipp Diers

Dr. Marie-Theres Stolze

Heinz Stolze

Wilfried Beermann

Johannes Fink

zählt auch die betriebswirtschaftliche Beratung. Jeder Mandant hat bei uns einen

persönlichen Ansprechpartner, der das Unternehmen langjährig betreut. Über

unsere örtlichen Niederlassungen in Emsdetten und Rheine hinaus kooperieren

wir im Rahmen der CW & S mit anderen Praxen und sind Mitglied des internationalen

Netzwerks von Wirtschaftsprüfern und Steuerberatern „AGN“, um auch

überregional und grenzüberschreitend unsere Mandanten betreuen zu können.

CW&S

Cooperation von

Wirtschaftsprüfern & Steuerberatern

www.cw-s.de

Neubrückenstraße 5

48282 Emsdetten

Telefon (0 2572) 40 85

Telefax (0 2572) 8 56 47

Stolze-Diers@stodibe.de

Timmermanufer 142

48429 Rheine

Telefon (0 59 71) 8 08 22-6

Telefax (0 59 71) 8 08 22-75

info@stodibe.de


8 MACHER & MÄRKTE

Rheine sichert sich den Ruf

eines Top-Logistikstandorts

Auszeichnung auf der Expo Real: Gute Anbindung an das Schienennetz und die Autobahnen

Landeswirtschaftsminister Garrelt

Duin kürte Rheine am Eröffnungstag

der Münchner Expo Real, Europas

größter Gewerbeflächen- und Immobilienmesse,

zum besten „Logistikstandort

des Jahres in NRW“. Um die

Auszeichnung hatten sich insgesamt

zehn Städte, Kreise und Standortverbünde

beworben.

Der vom Cluster „Logistik.NRW“

gemeinsam mit

der landesweiten Wirtschaftsförderung

„NRW.INVEST“ ausgelobte

Wettbewerb macht Rheine und die ansässigen

Unternehmen in der Fachwelt

bekannt und dient damit auch der weiteren

positiven Imagebildung der gesamten

Logistikbranche am Standort.

Obwohl Rheine im Vergleich zu den Mitbewerbern

eher klein ist, erreichte der

Standort mit 116 von 120 möglichen

Punkten den ersten Platz im Wettbewerb.

Die weiteren Plätze belegten der Kreis

Unna und der Städteverbund Gelsenkirchen,

Herne, Herten im mittleren Ruhrgebiet.

Bei der Siegerehrung in München

wurde Rheine durch die EWG, Entwicklungs-

und Wirtschaftsförderungsgesellschaft

für Rheine mbH, und dessen Geschäftsführer

Dr. Manfred Janssen vertreten,

der den Preis entgegennahm.

Wirtschaftsminister Duin betonte bei der

Verleihung die Bedeutung des Landes

NRW als logistische Drehscheibe in Europa:

„Die Logistikbranche gehört als wichtiges

Bindeglied zwischen verschiedenen

Wirtschaftszweigen zu den Kernkompetenzen

des Landes. Sie ist Dreh- und Angelpunkt

für eine funktionierende Wirtschaft

und zudem einer der wichtigsten

Arbeitgeber im Land.“ Grundsätzlich lasse

sich die führende Position des Landes

NRW auch in Zukunft nur durch gemeinsame

Anstrengungen von Unternehmen

und Kommunen halten und weiter ausbauen.

Rheine ließ im Wettbewerb teils deutlich

größere Städte und Regionen hinter sich.

Punkten konnte der Standort besonders

bei den realisierten Bauvorhaben im Logistikbereich

sowie der kurz- und mittelfristigen

Flächenverfügbarkeit für Logistikvorhaben.

Gerade die großen Ballungsräume

haben Schwierigkeiten, geeignete

Flächen für Logistikprojekte vorzuhalten.

Darüber hinaus war die Anbindung

an den Verkehrsträger Schiene für

den Platz auf dem Siegertreppchen ausschlaggebend.

Das dynamisch wachsende

Güterverkehrszentrum (GVZ) und der

dort befindliche Kombibahnhof ergänzen

die direkte Autobahnanbindung Rheines

an die A 30 und die kurzen Wege zur A

1 und A 31 auf eine optimale Weise.

Neben den harten Standortfaktoren trug

schließlich die Anzahl der abgegebenen

Vertreter der Gewinnerstandorte nahmen die Auszeichnung in Empfang, v.l.n.r.: Frank Oelschläger (GILOG mbH),

Dr. Michael Dannebohm (Kreis Unna), Dr. Joachim Grollmann (Herten), Garrelt Duin (Wirtschaftsminister NRW),

Dr. Dennis Guth (EWG für Rheine), Dr. Manfred Janssen (EWG für Rheine), Petra Wassner (NRW Invest)

Stimmen beim Online-Voting dazu bei,

dass Rheine so gut abgeschnitten hat. Dr.

Manfred Janssen, Geschäftsführer der

EWG, freute sich darüber, dass Rheine

mehr Stimmen als andere deutlich größere

Standorte erhielt: „Zahlreiche Vertreter

aus der Unternehmerschaft und

Fachöffentlichkeit in Rheine und darüber

hinaus haben für den Standort gestimmt

– eine Unterstützung und ein Bekenntnis

zum Logistikstandort im nördlichen

NRW über das wir uns sehr freuen und

für das wir uns herzlich bedanken.“

Der Logistikstandort Rheine knüpft mit

dem Erfolg an seine gute Wettbewerbsvergangenheit

an. In den Jahren 2010,

2011 und 2012 belegte Rheine stets einen

Platz auf dem Treppchen und ist nun wieder

„Hauptstadt der Logistik“ – ein Vorteil

gerade auch im regionalen und überregionalen

Standortmarketing, das in

Zeiten des Fachkräftemangels und im

Wettbewerb um qualifizierte Mitarbeiter

immer wichtiger wird.

Regionalkreis liegt vorn

Auszeichnung für „Die jungen Unternehmer“ Münster/Osnabrück

sie bestimmen das spiel.

wir die mannschaft.

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Flexibilität. Und die Schlagkraft Ihres Unternehmens.

Ehre für den Regionalkreis

Münster/Osnabrück im Verband

„Die jungen Unternehmer“:

Auf dem Gipfel des Verbands

in Düsseldorf wurde

der Regionalkreis für die große Zahl an

erfolgreichen und gut besuchten Veranstaltungen

ausgezeichnet.

„Für uns ist die Auszeichnung eine Bestätigung

unserer Arbeit und ein großer Ansporn,

unseren Mitgliedern auch in Zukunft

eine große Bandbreite an Veranstaltungen

zu bieten“, betonen Katharina

Schaffstein, Regionalvorsitzende von

„Die jungen Unternehmer“, und Michael

Wendt, Regionalkreisvorsitzender von

„Die Familienunternehmer“ in Münster/Osnabrück.

Im Jahr gibt es rund

zwölf Veranstaltungen, zu denen Mitglieder

des Verbands und Interessenten eingeladen

sind. Das Angebot reicht von Betriebsbesichtigungen

bei innovativen

Unternehmen aus der Region, Vorträgen

zu aktuellen Themen und Stammtischen

für den unternehmerischen Austausch. In

diesem Jahr zählten beispielsweise das

Gespräch mit Joschka Fischer und der

Vortrag von Walter Kohl zu den Höhepunkten

Der Regionalkreis freut sich besonders,

dass mit dem Jungunternehmer Konstantin

Schnitker ein Mitglied aus Münster/Osnabrück

in den Bundesvorstand

des Verbands und als Stellvertreter des

neuen Bundesvorsitzenden Hubertus

Porschen gewählt wurde. Schnitker engagiert

sich seit 2014 als Vorstandsmitglied

im Regionalkreis Münster / Osnabrück

und stieg 2012 in den elterlichen

Betrieb der Schnitker GmbH Bauunternehmen

und Schnitker GmbH Projektentwicklung

in Bad Essen ein.

Die kreativsten Spots

Marketingclub präsentiert am 23. November die „Cannes Rolle 2015“

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Das International Festival of

Creativity, auch bekannt

unter „Cannes Lions“, ist

die weltweit wichtigste

und bekannteste internationale

Veranstaltung der Werbebranche.

Erstmalig veranstaltet wurde sie 1953 in

Venedig, inspiriert von den Internationalen

Filmfestspielen in Cannes. Jedes Jahr

im Juni nehmen eine Woche lang über

11 000 Delegierte aus 95 Ländern teil und

informieren sich über Trends und Strategien

in Werbung und Kommunikation.

Die kreativsten Arbeiten werden mit

Grand-Prix-, Gold-, Silber- oder Bronze-

Löwen ausgezeichnet. Der Stellenwert

der verliehenen „Löwen“ entspricht dem

des Oscars in der Filmbranche.

In einem 90-minütigen Film, der „Cannes

Rolle“, werden jährlich die ausgezeichneten

und damit allerbesten Werbespots zusammengefasst.

Der Marketing-Club Münster Osnabrück

macht die „Cannes Rolle 2015“ zum ersten

Mal in Münster einem breiten Publikum

zugänglich. 90 Minuten kreative

Höchstleistung von international renommierten

Agenturen mit Stil, Humor und

innovativen Ideen. Veranstaltungsort ist

am 23. November ab 19 Uhr das Cineplex

am Albersloher Weg.

Weitere Informationen: www.facebook.com/cannesrollemuenster.

Tickets:

www.tickets-mc.de.


9 BRANCHEN & BETRIEBE

Saertex erobert mit

Spezialgewebe den Orbit

Material aus dem Münsterland soll beim Bau der Hilfsraketen für die Ariane 6 eingesetzt werden

Saertex greift nach den Sternen.

Wortwörtlich. Na, fast jedenfalls,

denn die Rakete, mit der die Saerbecker

das bewerkstelligen wollen, soll

nicht höher fliegen als 250 Kilometer;

dort oben, ziemlich direkt über

dem Äquator ist der beste Ort, um Satelliten

auf ihre Umlaufbahn zu setzen.

Oder noch 150 Kilometer höher,

um die Besatzung des Außenpostens

der Menschheit, die Internationale

Raumstation ISS, zu versorgen.

Mit beiden Beinen fest auf der Erde, aber den Blick schon in den Orbit gerichtet. Bruno Lammers, Geschäftsführer und Mitbegründer der Firma Saertex, steht

in einer Produktionshalle des Global Players für technisches Gewebe Dort wird auch das Material für die Feststoffbooster der Ariane 6 gewebt. Foto: Jürgen Christ

Der Saerbecker Mittelständler

Saertex ist weltweit

eine der ersten Adressen,

wenn es um Leichtbaulösungen

und Höchstleistungstextilien

geht. Das Unternehmen

von Gründer und Geschäftsführer Bruno

Lammers liefert unter anderem Doppel-

T-Träger für das Seitenruder des derzeit

größten Passagierfliegers der Welt, den

Airbus A 380. Außerdem stellt Saertex für

fast jeden Anbieter das Material für die

Rotorblätter von Windkraftanlagen her.

„Technische Textilien und Komposit-Materialien

sind um ein Vielfaches leichter

und damit spritsparender als Stahl oder

Aluminium. Und trotzdem sind sie bis zu

sechsmal fester“, schwärmt Bruno

Lammers, während er durch die weitläufigen,

blank geschrubbten Produktionshallen

geht. Links und rechts rattern Dutzende

Multiaxial-Maschinen (sehen für

Laien wie Webstühle aus), ziehen Fäden

von riesigen Garnrollen und legen sie in

verschiedenen Winkeln übereinander –

der Fachmann spricht von multilaxialen

Strukturen: das Ausgangsmaterial für die

Windradflügel.

Aber Saertex ist nicht nur auf dem Boden

und in der Luft erfolgreich, sondern auch

unter der Erde, zum Beispiel bei der Kanalsanierung.

Dazu fertigt die Tochtergesellschaft

Saertex multiCom einen Glasfaserschlauch,

der anschließend in Harz

getränkt wird. Der Schlauch wird durch

das brüchige Rohr gezogen, aufgeblasen

und mit Hilfe einer UV-Lampe ausgehärtet.

„Mit dieser Methode können 200 Meter

Kanal in drei Stunden saniert werden,

ohne dass man die Straße aufbuddeln

muss“, sagt Lammers.

„Unsere Industrie ist ja noch ganz

jung, wir haben sozusagen eben

erst das Laufen gelernt. Die erzielten

Fortschritte

sind zwar schon immens,

aber da wird

noch einiges kommen“,

verspricht

Lammers, dessen

1982 gegründetes

Unternehmen in

diesem Jahr erstmals

mit einem

Umsatz von 300

Millionen Euro

rechnet.

Wer sich den rasanten

Aufstieg der

Saerbecker vor Augen

führt, den wundert

es nicht, dass

eines Tages auch

Raketenbauer in

Saerbeck auf der

Matte standen. Die

Firma Herakles,

eine Tochter des

französischen Aeronautik-Konzerns

Snecma, fertigt

unter anderem

Die Ariane 5 beim Start im Kourou-Space- Feststoffantriebe

Center in Französisch-Guyana.

für Lenk- und Trägerraketen

– wie die Ariane. Im März

1980 wurde die Firma Arianespace gegründet,

die seitdem Finanzierung, Produktion,

Verkauf und Start der Ariane-

Raketen übernimmt. Eigentümer dieser

Firma sind verschiedene europäische

Raumfahrtunternehmen. Alleiniger

Hauptauftragnehmer für die Serienanfertigung

der aktuellen Rakete, Ariane 5,

ist die Airbus-Group-Tochter Airbus Defence

& Space. Obwohl noch umfangreiche

Leistungssteigerungen der Ariane 5

in Planung sind, wird bereits an der Entwicklung

der Nachfolgeversion, Ariane 6,

gearbeitet. Sie soll noch einmal 20 Meter

länger werden als ihre Vorgängerin und

Nutzlasten bis etwa 8000 Kilo ins All tragen.

Dazu braucht Ariane 6 zwei Feststoffbooster,

das sind diese gut 30 Meter großen

Hilfsraketen, die beim Start eingesetzt

und dann abgeworfen werden. Sind

sie nach nicht ganz drei Minuten ausgebrannt,

werden sie abgetrennt und landen

am Boden oder im Wasser. Am meisten

aushalten müssen die Booster ganz

unten, wo das höllisch heiße Startfeuer

aus diesen trichterförmigen Düsen

schießt. Und eben da ist das Saertex-Material

offenbar genau das Richtige. Davon

haben sich die Franzosen bei etlichen Audits

in Saerbeck und millionenteuren

Brennversuchen in ihren eigenen Unternehmen

überzeugt. Wie viel Denk- und

Testarbeit die Saerbecker Ingenieure investieren

mussten, um so ein spezielles

Material zu entwickeln, kann kein Laie

nachvollziehen; wohl aber über diese

Eigenschaft staunen: Bis auf ein Drittel

werden die Booster-Düsen beim Start

kontrolliert verbrannt, so exakt muss das

Material komponiert werden. „Wir

brauchten Jahre für die Entwicklung“,

sagt Dietmar Möcke, technischer Geschäftsführer

bei Saertex, „aber wir haben

dabei auch eine Menge gelernt.“ Und

einen Liefervertrag bis ins Jahr 2023 abgeschlossen.

2020 soll die erste Ariane 6 abheben und

7500 Kilometer von Saerbeck entfernt, in

Kourou in Französisch-Guayana mit

8000 km/h in den Weltraum schießen –

und ein kleines Stückchen Saerbeck fliegt

dann mit.

Hans Lüttmann

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10 BRANCHEN & BETRIEBE

„Wir favorisieren hier

lieber das ‚Slow-Dating‘“

Die AXA Entwicklungs- und Maschinenbau GmbH in Schöppingen lädt auch in den Ferien

zu Praktika ein. 50 Auszubildende im Betrieb sollen die Lücken von morgen schließen.

Dem Fachkräftemangel durch verstärkte

Ausbildungsaktivitäten begegnen.

– Es sind überwiegend keine

neuen Lösungsansätze, die in diesen

Wochen immer wieder von den Kammern

und Verbänden, aber auch von

vielen Unternehmen selber angedacht

und angesprochen werden, um

den Nachwuchsproblemen in Industrie

und Handwerk zu begegnen.

„Heute muss man kräftig rudern,

um geeigneten Nachwuchs an sich

zu binden.“

Matthias Kappelhoff, Geschäftsführer

Zwischen dem Gedanken und

der Tat liegt allerdings oft

eine große Zeitspanne. Zeit,

die viele Betriebe mitunter

kaum mehr haben. Schon vor

Jahren auf den Weg gemacht, eigene Auszubildende

als gute Fachkräfte heranzuziehen,

hat sich die Schöppinger AXA

Entwicklungs- und Maschinenbau

GmbH. „Der Wandel hat sich ja abgezeichnet“,

sagt Geschäftsführer Matthias

Kappelhoff. „Vor zehn Jahren noch wurden

wir mit Bewerbungen überschüttet,

man konnte sich die Lehrlinge aussuchen.

Heute muss man kräftig rudern, um

geeigneten

Nachwuchs an

sich zu binden.“

Das Unternehmen

hat sich

eine Reihe von

Initiativen entwickelt,

um sich

bei den Jugendlichen

auf deren

Weg zur Berufsorientierung

interessant

zu machen.

„Wir setzen

im Grunde

schon in der

sechsten, siebten

Klasse an“,

erklärt der 45-

jährige Geschäftsführer.

„Beim Girls- beziehungsweise

Boys-Day laden wir die Schüler ein,

um ihnen einen ersten Impuls zu geben,

was die Berufswelt alles für sie bereithält.

Und von da an geht es beispielsweise

über Praktika kontinuierlich weiter. Ich

halte nichts von den so genannten Speed-

Datings. Wir favorisieren gerade im Bereich

der Ausbildung das Slow-Dating.“

So könnten die Mädchen und Jungen

auch außerhalb der schulischen Pflichtpraktika

in den Ferien ein oder zwei Wochen

die verschiedenen Firmenbereiche

kennen lernen.

Annika Schüring ist eine von aktuell drei weiblichen betrieblich Auszubildenden. Die angehende Technische Produktdesignerin bekommt während ihrer Lehrzeit

Einblick in die verschiedensten Bereiche des Unternehmens.

Foto: Susanne Menzel

Start ins Berufsleben: 17 Auszubildende wurden im August neu im Unternehmen begrüßt.

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AXA – SEIT 50 JAHREN MIT ERFOLG AM MARKT

Die AXA Entwicklungs- und Maschinenbau GmbH wurde 1965 von Heinrich Kappelhoff

gegründet und wird in zweiter Generation jetzt von Sohn Matthias weitergeführt.

350 Mitarbeiter gehören dem Unternehmen an, das neben dem

Stammsitz in Schöppingen im Kreis Borken noch über Niederlassungen im

schwäbischen Leipheim und im sächsischen Chemnitz sowie eine Tochterfirma

in Horovice (Tschechien) verfügt. In diesem Jahr feiert AXA das 50-jährige Firmenjubiläum.

Anfang Mai waren Kunden, Partner und Interessierten zur Jubiläums-Hausmesse

im Stammwerk eingeladen. Rund 600 Gäste schauten auch

hinter die Kulissen der 15000 Quadratmeter großen Produktionsstätte.

„Wir produzieren nach ‚good old fashion‘ in Deutschland. 60 Prozent unserer

Maschinen liefern wir auch hier aus“, berichtet Geschäftsführer Matthias Kappelhoff.

Weitere Absatzmärkte findet das nach eigenen Angaben erfolgreichste

mittelständische Unternehmen seiner Branche im näheren europäischen Ausland,

zum Beispiel in Spanien oder Italien. Mindestens einmal im Jahr, so der

Firmenchef, gehe aber auch ein Produkt bis ins ferne China.

AXA steht für vollständigen Service rund um die Werkzeugmaschine. Dies beginnt

bei der Planung, Entwicklung und Konstruktion von Anlagen und Komponenten,

wie zum Beispiel Schwenkköpfen oder Spindeln, und reicht über die

Fertigung der Teile bis hin zur Montage und Inbetriebnahme der Maschinen vor

Ort. Durch den hohen Anteil an Eigenfertigung ist die AXA Entwicklungs- und

Maschinenbau GmbH in der Lage, Änderungswünsche der Kunden sowie konstruktive

Verbesserungen schnell umzusetzen.

sm


BRANCHEN & BETRIEBE 11

Mit einem Giganten der Straße wurde das Portal-Bearbeitungszentrum nach Österreich geliefert. Der Lkw benötigte für den Transport eine Sondergenehmigung und durfte nur nachts über die Straßen rollen.

„Das Betriebsklima ist gut, alle

helfen weiter. Bereut habe ich

meine Entscheidung bis jetzt auch

noch nicht.“

Annika Schüring, Auszubildende bei AXA

Matthias Kappelhoff: „Wir kooperieren

nicht nur mit der Sekundarschule in

Schöppingen, sondern auch mit Schulen

im Umkreis und stellen uns dort vor. Da

bin ich häufig selbst mit von der Partie.“

Ihm sei es wichtig, so der Vater von drei

Töchtern, „die Jugendlichen kennenzulernen.“

Sie sollen auch bei uns im Betrieb

nicht einfach nur mal so mitlaufen,

sondern betreut und begleitet werden.

„Erst dann haben sie wirklich etwas von

ihrem Praktikum.“ Das sei, so gibt er zu,

„für uns ein Lernprozess gewesen. Inzwischen

führen wir mit den Praktikanten

Eingangs- und Abschlussgespräche. Für

unsere Auszubildenden gilt ebenso eine

engmaschige Betreuung.“

Eine eigene Ausbildungsbroschüre, in

der speziell die Mädchen noch einmal angesprochen

werden, aktive Präsenz auf

Ausbildungsmessen sowie eine erhöhte

Zahl an Einstellungen von Auszubildenden,

sollen dem

demografischen

Wandel begegnen,

der natürlich

auch vor AXA

nicht haltmacht.

Kappelhoff: „Wir

sind in den 70er

Jahren stark gewachsen.

Und

viele unserer Mitarbeiter,

die wir

damals eingestellt haben, nähern sich

jetzt dem Rentenalter. Dafür brauchen

wir langfristig Ersatz. Etwa die Hälfte der

Auszubildenden bleiben nach ihrer Gesellenprüfung

im Unternehmen, die anderen

wechseln oder bilden sich beruflich

weiter.“ Daher wurde inzwischen die

Zahl der neuen Lehrlinge auf zehn und

mitunter mehr erhöht. Über alle drei Ausbildungsjahre

hinweg sind zeitweise 50

Azubis im Betrieb.

Festgestellt hat Matthias Kappelhoff,

„dass die Zahl der qualifizierten Bewerbungen

in den vergangenen Jahren rückläufig

geworden ist. Aber da muss man

schauen, dass man denjenigen, die man

früher vielleicht hätte links liegen lassen,

eine Chance gibt. Wir haben damit bereits

gute Erfahrungen gemacht.“

Dass vor allem bei Gymnasiasten vorzugsweise

der Trend zum Studium geht,

versucht AXA mit zwei zusätzlichen attraktiven

Angeboten aufzufangen. „Die

Technischen Hochschulen sind unsere

schärfste Konkurrenz“, betont Matthias

Kappelhoff. „Deshalb bilden wir nun zusätzlich

im Rahmen von dualen, ausbildungsintegrierten

Studiengängen aus.“

Und über den eigentlichen Pflichtrahmen

hinaus erhalten engagierte und sprachlich

interessierte Azubis den Freiraum für

einen Auslandsaufenthalt während der

Lehrzeit. „Daraus ziehen letztlich beide

Seiten ihren Gewinn“, weiß der Geschäftsführer.

Was ihn besonders freut:

„Mädchen entdecken immer häufiger ihr

Interesse an technischen Berufen. Ihre

Entscheidung, sich in diesem Bereich zu

bewerben, stößt anfangs im Familienund

Freundeskreis oft zwar noch auf Unverständnis,

wenn sie sich aber einmal

entschieden haben, sind sie auch mit ganzer

Seele dabei.“

Ein gutes Beispiel dafür ist Annika Schüring,

eine der aktuell drei weiblichen Auszubildenden.

Die 18-jährige Legdenerin

möchte Technische Produktdesignerin

werden. „Ich bin über ein Praktikum zu

AXA gestoßen. Dabei habe ich meinen

jetzigen Ausbildungsberuf kennengelernt.

Und ich muss sagen: Es macht mir

einfach Spaß. Das Betriebsklima ist gut,

alle helfen weiter. Deshalb kam die Firma

bei meinen Bewerbungen auch in die engere

Auswahl. Dass ich angenommen

wurde, hat mich gefreut. Bereut habe ich

meine Entscheidung bis jetzt auch noch

nicht.“

Susanne Menzel

Schon ein einziges Teil der Bearbeitungsanlage hatte beeindruckende Ausmaße.

Fotos: AXA/Huge Mense

Spektakuläre Arbeit

AXA fertigte eine insgesamt 64 Tonnen schwere Bearbeitungsanlage

Einen spektakulären Großauftrag – allein

schon die räumlichen Ausmaße betreffend

– bearbeitete das Maschinenbauunternehmen

AXA kürzlich für einen

Kunden in Österreich. Seit dem Frühjahr

beschäftigten sich die Mitarbeiter des

Schöppinger Unternehmens mit der Erstellung

eines 15 Meter langen und 64

Tonnen schweren Portal-Bearbeitungszentrums,

mit dem in Zukunft bis zu zehn

Meter lange und bis zu vier Meter breite

Werkstücke bewegt werden können.

War die Anfertigung dieser Maschine

schon etwas Besonderes, stellte die Logistik,

also der Transport zum Kunden nach

Österreich, die AXA-Beschäftigten ein

weiteres Mal vor eine nicht alltägliche

Herausforderung.

Zwar wurde die Maschine für die Tour in

Einzelteile zerlegt, doch hatten selbst

diese zum Teil Dimensionen von rund 15

Metern Länge. So wurde letztlich ein 24

Meter langer Gigant der Straße geordert,

der mit einer Sondergenehmigung nach

Österreich steuerte.

Drei Nächte war die wertvolle Fracht

unterwegs, bis sie schlussendlich ihr Ziel

erreichte.

sm

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12 BRANCHEN

Der Chef auf seinem Schiff: Gerhard Bicker an Bord einer Biga-Jacht. Das Markenzeichen der Werft: Ein Rumpf aus glasfaserverstärktem Kunststoff und Aufbauten aus Holz. Die Schiffe werden komplett in Ahlen gefertigt. „Wir können alle

Segelboote made in Ahlen

Biga-Jachten haben in der Szene ein Name. Die begehrten Boote stehen für Qualität, Solidität und das nötige Quäntchen

Dass die Jachten einen Tick teurer sind als die Kreuzer manches Konkurrenten, stört die Kunden offenbar nicht.

Seit vielen Jahren ist die Bicker-

Werft mit ihren „Biga“-Jachten im

Geschäft. Das kleine Unternehmen

hat in der internationalen Szene

einen schon fast legendären Ruf: Als

eine von wenigen Firmen baut Bicker

Jachten mit einemKunststoff-Rumpf

und Holzaufbau. Das verspricht Qualität,

Solidität und eine ganz eigene

Eleganz.

Unter Seglernund Bootseignern

genießt die Bicker-

Werft imAhlener Stadtteil

Dolbergeinen ganz besonderen

Ruf. Den nämlich,

europaweit zu den wenigen verbliebenen

Manufakturen zugehören, die ihre Segler

vom Kiel bis zur Mastspitze komplett

selbst fertigen und dabei derart hohe

Maßstäbe anlegen, dass die Schiffe aufwendig

gefertigt sowie

extrem haltbar sind – und als Bonbon

über einen Aufbau aus Holz verfügen.

„Unsere Kreuzer halten ein Leben lang“,

sagt GerhardBicker,der Chef. Und so wie

er das sagt, klingt es, als sei es das Normalste

überhaupt.

Schiffsbau in Westfalen, auf dem platten

Land fernab größerer Gewässer? Nicht

als Hobby, sondern handfestes Business

und das obendrein noch erfolgreich? Das

funktioniert in Ahlen seit Jahrzehnten.

Die Bicker-Werft zeigt es.

In einem Büro, das gestaltet ist wie eine

Kajüte, sitzt der Chef an einem großen

Tisch und erzählt die Geschichte des

Unternehmens, die 1949 begann und in

einer Laune wurzelt.

Der nämlich, dass sein Vater vier Jahre

nach dem Krieg ein Paddelboot für sich

baute, umdamit auf der Lippe fahren

zukönnen. Als reiner Zeitvertreib,

„nach dem Krieg gabesjakein richtiges

Freizeitvergnügen“, sagt der Sohn.

Das wardie Ouvertüre, danach ging alles

Schlag auf Schlag: Ein Ruderbootvermieter

amnahen Fluss war auf Bickers Paddelboot

aufmerksam geworden und orderte

gleich mehrere Exemplare. Wenig

später wollte die münsterische Segelschule

Overschmidt Segelboote made in

Ahlen. KleinereSchiffewaren das damals

noch, jollengroß, „Zugvögel und Piraten

eben“, sagt der 55-Jährige. Gemeinsam

mit dem Konstrukteur Heribert Steuer

entwickelte Bicker senior in den 1960er

Jahren die ersten Jollenkreuzer. 1969

folgte das erste Schiff mit einem Rumpf

aus glasfaserverstärktem Kunststoff

(GFK), Bicker versah es mit einem traditionellen

Mahagoni-Aufbau. Geboren

war damit ein Konstruktionstyp, an dem

die Ahlener Werftbis heutefesthält. Und

der den Grundstein ihres Erfolges bildet.

„Mein Vater hat damals immer wieder

versucht, reine Kunststoffboote zubauen“,

erinnert sich der Sohn. „Mit einem

22-Fuß-Boot hatte auch er es am Markt

versucht. Das wollte aber niemand haben.“

Die Jachten ausAhlen segeln heute unter

dem Namen Biga – und tragen einen

Holzaufbau. „Woher der Typenname

kommt, weiß auch in derWerft niemand

mehr“, sagt Gerhard Bicker. Die ersten

Boote hießen noch Wega. „Mein Vater

hatte sich den Namen jedoch nie schützen

lassen.“ Dawar erdann plötzlich

weg. Die schicken Kreuzeraus Ahlengibt

es heute invier Typen, die sich auf Längen

zwischen

7,5und knapp über

strecken. Knapp 850 Bigas h

fe der Jahrzehntedie Ahlene

verlassen. Am erfolgreichst

sich die kleine, 1,4Tonnen v

Biga 24mit einer Stückza

240.

GerhardBickerlädt zu einer

den Betrieb. Fünf Lehrlinge

sellen und der Chef fertig

zehn und 14 Bootepro Jahr.

boot fertig ist, vergehen ru

drei Monate. Der Grundprei

ße Biga 33beträgt 175000

ausgerüstet mit Elektronik

schnell 250 000 Euro“, sagt

Am Ende der Halle stehen a

einige nagelneue Jachten. Z

auf: Das glänzende Holz läss

sehr edel erscheinen. Und: D

zwar für vier Freizeit-Seeb

legt. Unter Deck ist e

eng.


&BETRIEBE

13

s“, sagt der 55-Jährige selbstbewusst. Dazu gehört auch die fachmännische Reparatur von Fremdschiffen.

Fotos: Wilfried Gerharz

Eleganz.

zehn Meter

aben im LaurWerfthalle

en verkaufte

erdrängende

hl von rund

Rundedurch

,sieben Geen

zwischen

is ein Segelnd

zwei bis

sfür die gro-

Euro. „Voll

sind es auch

Bicker.

ufgeständert

weierleifällt

tsie wirklich

ie Biga33ist

ären ausgesganz

schön

Biga-Boote bauen ist das eine Standbein

der Ahlener. Hinzu kommt der Einzelbau,

sozusagen die Königsdisziplin beim

Bootsbau: Jedes Segelboot ein schwimmendes

Unikat. „In diese Sparte wollen

wir verstärkt hinein“, sagt der 55-Jährige.

Und dann, lukrativ, aber Schwarzbrot:

die Reparatur.Die Saison ist zu Ende,

„zurzeit haben wir unheimlich viele

Reparaturen“, sagt der Chef. Man sieht

es. Überall wird angroßen und kleinen

Seglerngeschmirgelt, gestrichen und gespachtelt.

Eigene Booten bauen heißt auch: Immer

wieder neue Typen konstruieren, dabei

den Zeitgeist ebenso aufnehmen wie

neue Entwicklungen, ohne die eigenen

Wurzeln zu vernachlässigen. Die Bicker-

Werft arbeitet schon seit geraumer Zeit

mit der Konstrukteurin Juliane Hempel

zusammen. „Sie kann schnelle Linien“,

sagt Bicker anerkennend.

Natürlich: Der Chef selbst segelt. Auch

privat. „Jawoll, ich mache manchmal

Urlaub auf meinem Schiff“, sagt er.

Elmar Ries

DIE BICKER-WERFT

Den Grundstock für die Bicker-Werft

legt Gerhard Bicker senior 1949. Damals

hatte eraus Hartfaserplatten

ein Boot gebaut, mit dem er privat

über die nahe Lippe fuhr. Wenig später

baute er die ersten Ruderboote für

eine Bootsvermietung in Hamm. Die

ersten Segelboote folgten in den frühen

1960er Jahren. Bicker baute sie

für die münsterische Segelschule

Overschmidt. Der Konstrukteur Heribert

Steuer ließ sich wenig später von

Bicker einen selbst gezeichneten Jollenkreuzer

bauen, mit dem er dann

erfolgreich einige Regatten segelte.

Mit der Wega 1entstand im Gefolge

die erste kleine Fahrtenjacht.

1994 übernahm Gerhard Bicker junior

den Betrieb. Derzeit beschäftigt die

Werft sieben Gesellen und fünf Lehrlinge.

Die Bicker-Werft hat vier

Grundtypen der Bicker-Jachten im

Angebot. Die teuerste, die „Biga 33“

mit einer Länge von etwas mehr als

zehn Meter, kostet inklusive eines

umfangreichen Technik- und Elektronik-Pakets

rund 250 000 Euro. Das

Unternehmen hat bislang rund 840

Biga-Jachten gebaut. Zwischen zehn

und 14 Segelschiffe verlassen jedes

Jahr die kleine Werft. Standbeine sind

neben dem Biga-Bau die Reparatur

von Segelschiffen aller Art und Einzelbauten.

In dieser Sparte will sich

das Unternehmen künftig noch stärker

engagieren.

„Mein Vater hat damals immer wieder versucht, reine

Kunststoffboote zubauen. Mit einem 22-Fuß-

Schiff hat er es auch am Markt versucht. Das wollte

aber niemand haben.“

Gerhard Bicker, Inhaber der Bicker-Werft in Ahlen

Da gab es wohl was auf die Nase: Die Saison ist zu Ende. Derzeit hat die Bicker-Werft

sehr viel mit der Reparatur von Schiffen zu tun.

Der Entwurf für die neue Biga stammt wieder aus der Feder Juliane

Hempels. Die Konstrukteurin hat schon manches Segelschiff

für die Bicker-Werft entworfen. „Sie kann schnelle Linien“, sagt

Gerhard Bicker.


14 BRANCHEN & BETRIEBE

Freilandhaltung in Rosendahl: Zwischen Unterständen zum Schutz gegen Bussard und Co., sengende Sonne und Regenschauer picken die Hühner zwischen den Gräsern.

Keine Idylle – kein Horrorbild

Landwirte wie der Bio-Eier-Bauer Henrik Althues in Rosendahl

zeigen Verbrauchern und Kunden nur zu gerne, was heute

wirklich auf einem zeitgemäßen Hof passiert.

Es weht ein frischer Wind durch die

bäuerliche Branche: Eine Generation

junger Landwirte tritt dem Verbraucher

nicht nur mit neuen Ideen

für mehr Regionalität, sondern auch

mit neuer Offenheit entgegen. Junge

Landwirte im Münsterland öffnen

die Hoftore und Stalltüren, um realistisch

zu zeigen, wie Massentierhaltung

aussieht. Einer von ihnen ist

Henrik Althues, der bis zu zwei Besuchergruppen

täglich durch seinen

Betrieb führt. Diese erleben hautnah,

dass 27 000 Freiland-Hühner

zwischen Gräsern nach Würmern suchen

und 11 500 in der Bodenhaltung

die Luzerneballen in Netzen gegen

die Langeweile immer wieder anflattern,

um sich Halme und Kleeblüten

herauszurupfen.

Manchmal auch Chefsache: Henrik Althues hat die Nudel-Rezepte zusammen mit seinem ältesten Sohn Moritz selbst kreiert.

Fotos: Maike Harhues

Es ist wichtig, die Realität zu

vermitteln – wie Landwirtschaft

wirklich funktioniert.

Das hilft gegen Bilderbuch-

Idealisierung genauso wie

gegen Horrorbilder von kranken Tierbeständen

auf heruntergewirtschafteten

Höfen“, ist der Eierbauer aus Rosendahl

sich sicher. Die meisten Besuchergruppen

seien sogar eher positiv überrascht.

Und manchmal ist der Effekt eines einzigen

Verbraucher-Blicks in den Stall auch

unbezahlbar: „Samstagmittag, wir sind

gerade mit unserer neuen Hofeinfahrt

fertig, kommt unangemeldet ein Kunde,

beschwert sich über seinen langjährigen

Bio-Eier-Bauern, der ihm nicht die Ställe

zeigen will. Ob ich damit anders umgehen

würde?“, erzählt der 40-Jährige.

Leicht zerknirscht wegen des ausfallenden

Familien-Mittagessens mit seiner

Frau und seinen drei Jungs und fix und

alle vom Einsatz an der Einfahrt, führt

Althues den Eierkunden aus dem Ruhrgebiet

über den Hof und durch alle Ställe.

Eineinhalb Stunden, die sich gelohnt haben.

Denn es trudelte ein Dankesbrief ein. Darin,

so schilderte es der Landwirt,

schreibt der Hofbesucher, er werde „in

seinem Kölner Rewe-Markt jedem Kunden

vor dem Eierstand meine Eier

wärmstens ans Herz legen“. Der Mann

aus der Domstadt hatte auch an die Qualitätssicherung

der Einzelhandelskette

geschrieben, und die hat das positive

Feedback mit wohlwollendem Begleitton


BRANCHEN & BETRIEBE 15

an Althues weitergeleitet. Denn die Althues-Eier

– „ohne meinen aufgedruckten

Namen und den ,Landei-sucht-Genießer‘-Slogan

fährt hier kein Zehner-Karton

vom Hof“ – erobern in den Regional-

Sortimenten von Rewe und Edeka mittlerweile

nicht nur Münster, sondern

selbst Supermarktkunden im Ruhrgebiet.

Umsonst ist das nicht: Die Öffentlichkeitsarbeit

in eigener Sache bindet einiges

an Arbeitszeitkapazität, trotzdem hat

der Landwirt ganz nebenbei Vermarktungs-

und innovative Genusskonzepte

entwickelt.

Die Holtwicker Landeier seiner Freilandhühner

und Bio-Eier aus den Freckenhorster

Werkstätten werden mit Hochprozentigem

aus Lüdinghausen und dem

Aroma selbst getrockneter Vanille-Schoten

zu Eierlikör verarbeitet. Und schreiben

zudem preisgekrönte Erfolgsgeschichte,

nachdem sie durch die hochwertige

Bronze-Matrize gedrückt und als

Spaghetti oder Spiralnudel in den Trockenraum

geschoben wurden.

Denn seit der Rosendahler im März dieses

Jahres zusammen mit seiner Frau Judith

eine gläserne Nudelmanufaktur eröffnet

hat, ist er nicht nur mit dem Innovationspreis

der Landwirtschaft

2014/2015 von Landwirtschaftskammer

NRW, Westfälisch-Lippischem Landwirtschaftsverband

und Sparkasse Westmünsterland

ausgezeichnet worden.

Der Nudelumsatz hat sich verzehnfacht

und die Zahl seiner Mitarbeiter seit der

Übernahme des väterlichen Hofes im

Jahre 2007 verfünffacht – auf zehn Festangestellte

und 15 Aushilfen.

Die Produktion von 50 verschiedenen

Nudelsorten aus Eiern und Hartweizengrieß,

Dinkel, aber auch fast vergessenen

Getreidearten wie Emmer aus Havixbeck

(mal frisch, mal getrocknet,

und einiges sogar in Bio-Qualtität) können

Besucher durch die großen Fenster

zwischen Hofladen mit Verkostungsecke

und Nudelmanufaktur bestaunen.

Doch nicht nur in der Umsetzung guter

Ideen und Tierschutzkonzepten liegt in

den Augen des „Nudelbauern“ das Geheimnis

seines Erfolgs. Der gründet auf

einer weiteren wesentlichen Zutat – der

Ernährung des Federviehs. Das Futter

sieht aus wie Müsli und lagert in riesigen

Silos in einer Halle hinter dem schmuck

renovierten Wohnhaus: Was drin ist in

seinem selbst gemixten Futter, schmecke

man nicht nur im Rührei, sondern sogar

noch in der Münsterland-Spaghetti, ist

Althues sich sicher. Das Rezept für das Ei-

Aroma: Selbst angebautes Getreide, Luzerne,

Sonnenblumenkerne und Sonnenblumenöl

picken seine braunen und weißen

Hühner der Rasse Lohmann genüsslich,

die Mischung wird automatisch

in die Ställe geleitet.

Dort feilt der Junglandwirt gerade

an Ideen, die Hühner

trotz begre n Platzangebots

bei Laune zu n.

Denn ab 2017 greift eine neu

Tierschutzverordnung in ganz

Deutschlan . Das Lasern der

Schnäbel ist verboten. Das

kann zu me pfen

Verletzunge l

ren. Der „V

native T

men“ (KAT

Gläserne Produktion: Auf dem Hofladen können die Besucher den „Nudelmeistern“ auf die Finger schauen.

„In den städtischen Gebieten sind

die Verbraucher stärker bereit, in

den Tierschutz zu investieren. In

den ländlichen Bereichen verkaufe

ich mehr Bodenhaltungs-Eier.“

Henrik Altues

Mitgliedsbetriebe per Rundbrief, „sich

rechtzeitig auf die Umstellung der Herden

vorzubereiten“. Wer seine Eier an

größere Supermarktketten verkaufen

möchte, für den ist die KAT-Zertifizierung

ein Muss. „Es ist wichtig, die Hühner

dann während ihrer aktiven Phasen mit

ausgeklügelter Futteraufnahme zu beschäftigen“,

weiß der Eierbauer. Denn in

der Bodenhaltung sind für neun Hühner

nur ein Quadratmeter Fläche vorgesehen.

Der Blick in den Stall relativiert die

Zahlen: Die neun Hühner pro Quadratmeter

leben in mehreren Etagen, flattern

von Stange zu Legenest, von Trinkleitung

zu Futterstelle. „Wir arbeiten in einem

geschlossenen System: Meine Hühner

lasse ich in Velen schlüpfen und mit 17

Wochen ziehen sie hier in den Legestall“,

erläutert der Landwirt. Doch welches Federvieh

hier leben möchte, muss den

Flugschein bestanden haben, nicht nur

aus Fitnessgründen: „Eine Mitarbeiterin

bringt den jungen Hühnern das

Fliegen bei, damit sie hier in unserem

Stallsystem mit mehreren Etagen die Legenester

erreichen“, erklärt Althues.

Bis zu 10 000 Bodenhaltungs-Eier rollen

pro Tag in die Sortierungsanlagen oder

werden im Stall gesammelt. Doch der

Verkaufsschlager ist das Freilandei: Die

tägliche Legeleistung liegt im Rosendahler

Betrieb bei 21 000 Stück. „In den

städtischen Gebieten sind die Verbraucher

stärker bereit, in den Tierschutz zu

investieren, in den ländlichen Bereichen

verkaufe ich mehr Bodenhaltungs-

Eier“, ist die Erfahrung des 40-Jährigen.

So können seine Freiland-Hühner morgens

auf die Wiese laufen – pro Huhn

sind vier Quadratmeter vorgesehen –

und nach Lust und Laune wieder in den

Stall oder in den Unterständen Schutz

suchen, falls der Bussard über der Hühnerschar

kreist oder die Sonne zu stark

vom Himmel brennt.

Gut zwei Jahre alt werden die Legehennen,

„dann werden die Eierschalen zu

dünn“. Die Tiere landen mit zwei Kilo

Schlachtgewicht im Suppentopf.

Nicht nur die alten Tiere, sondern auch

den Hühnermist kann Althues verkaufen.

„Zwar machen wir sogar einen kleinen

Gewinn, wenn der Mist per Lkw vom Hof

fährt. Der Hauptgrund des Abtransportes

ist aber, dass der Mist keine Ratten anlocken

soll, die Krankheiten auf die Hühner

übertragen könnten“, erklärt der Eierbauer.

Deshalb würden auch sehr engmaschig

Bodenproben aus den Ställen analysiert.

Überhaupt läuft die Überwachung

in der Legehennenbranche dicht

und meist unangemeldet ab: Land, Kreis,

KA

T und Kontrolleure vom International

Food Standard (IFS) nehmen die

Bücher, die Ställe, die Tiere, die

Eier, die Nudeln und, und, und …

genauestens unter die Lupe, bis

zu 21 Mal im Jahr.

Damit lupenrein ist, was als Wellenspätzle

aus dem Münsterland

mTeller von Feinschmeckern

lande sich ein Stück Heimatges

oder Urlaubsfeeling auf der Zunge

ergehen lassen. Teigwaren, die Pasta

der Tosk n ch geschmacklich allearoli

bie Maike Harhues

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des Leasingvertrags. Bei Überschreiten der vereinbarten

Gesamtfahrleistung entfällt der Leistungsanspruch

des Kunden.

Die Herstellung der frischen Spaghetti ist besonders arbeitsintensiv,

da die Nudeln von Hand geschnitten werden. Foto: Althues

NETZWERK

Networking wird unter dem sechseckigen, farbigen Münsterland-Siegel großgeschrieben:

Imker Mike Gerdes aus Havixbeck lässt seine Bienenvölker in den

blühenden Obstwiesen neben Hotel und Hofcafé von Elmar Grothues in Senden

Honig sammeln. Feinbrennerei-Chef Rüdiger Sasse berät Henrik Althues, welches

Destillat von Euro-Alkohol in Lüdinghausen sich am besten für den Rosendahler

„Landei-sucht-Genießer-Eierlikör“ eignet. Das „Netzwerk Münsterland

Qualität“ vereint gut 40 Klein- und Großunternehmer aus der Lebensmittelbranche,

für die Regionalität eine Herzensangelegenheit ist. Je nach Unternehmensgröße

zahlen die Betriebe 250 bis 3000 Euro Mitgliedsbeitrag pro Jahr. Die

Betriebe unterzeichnen eine Selbstverpflichtung, dass ihre Produkte im Münsterland

gewachsen, erzeugt oder wesentlich veredelt sind. Die Unternehmen

dürfen dann das „Münsterland-Siegel“ führen, „das immer bekannter wird“, ist

sich Dr. Jürgen Grüner sicher. Trotzdem sieht der Netzwerk-Geschäftsführer in

der Öffentlichkeitsarbeit des Vereins Spielraum nach oben, will eine Testimonial-Kampagne

starten: „Wir werden damit beginnen, die regional verwurzelten

Unternehmerfamilien vorzustellen, die hinter dem Produkt stehen.“ ma

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16 BRANCHEN & BETRIEBE

Gürtler ist ein gefragter

Mann – am Hof sowieso

Ein kleiner Handwerksbetrieb aus Drensteinfurt ist weltweit aktiv – in einem Beruf,

den heute kaum noch jemand richtig kennt. Dabei schaut man die Arbeit nur zu gerne an.

Den König von Saudi-Arabien hat Alfons

Böcker zwar nicht kennengelernt.

Die Ziergitter in den Privatgemächern

des Herrschers im Stadion

von Riad hat der Gürtlermeister aber

selbst angebracht. Von diesem Auftrag

erzählt er immer noch gern,

wenn er sein Handwerk erläutert,

das nur noch von wenigen Meistern

ausgeübt wird.

Dieser Hauseingang ist ein gutes Beispiel für die hochwertige

handwerkliche Arbeit des Böcker-Teams.

Alfons Böcker in seinem Element: Auch im Alter von 80 Jahren nimmt er gerne noch die edlen Metallarbeiten zur Hand.

Die Geschichte des Betriebes

Böcker beginnt im 17. Jahrhundert.

Ein Vorfahre von

Alfons Böcker wird als

Schmied erwähnt. Dieses

Handwerk begründet eine Tradition bis

zum Vater des heutigen Seniors. Der war

auch Schmied. Alfons Böcker wollte eine

gestalterische Komponente in den Beruf

einbringen und deshalb Kunstschmied

werden. Doch dann machte er eine Lehre

als Gürtler – ein

Beruf, den er

überhaupt nicht

„Immer dann, wenn es kompliziert

kannte. „Mit der

wird, kommt man zu uns.“

Herstellung von

Alfons Böcker, Gürtlermeister

Gürteln hat das

allerdings nichts

zu tun“, schmunzelt

der Handwerksmeister,

wenn er seine Arbeit erklärt.

Zum Aufgabenspektrum des Gürtels

gehört die Anfertigung von Nutz- ,

Zier- und Kunstgegenständen, zum Beispiel

Ladentheken, Tore, Treppengeländer,

Gitter, Altarkreuze, Tabernakel,

Schalen, Kannen und Portale.

Nach Abschluss der Lehrzeit und einer

weiteren Ausbildung zum Silberschmied

arbeitete der junge Geselle in namhaften

Werkstätten in Deutschland und in der

Schweiz. Er lernte die Anfertigung von

handgetriebenen hochwertigen Geschenkartikeln

und sakralen Geräten und

fertigte Unikate für Schweizer Kirchen

und den Vatikan.

Die Meisterprüfung war dann die Grundlage

zum Aufbau einer eigenen Existenz

– und die begann in einer Garage in Drensteinfurt.

Den Begriff „Start-up“ für aufstrebende

junge Leute, die mit Ideen,

Idealismus und Wagemut einen eigenen

Betrieb gründen, gab es damals noch

nicht – doch Alfons Böcker gehört genau

zu dieser Gruppe. Der junge Meister

zeichnete Entwürfe von Kirchengeräten.

Die ersten Aufträge für Kelche, Monstranzen

und Kreuze kamen aus den Bistümern

München, Speyer, Wiesbaden und

Köln. Und zwischendurch erhielt er auch

die Anerkennung als „freischaffender

Künstler“ von der Kunstakademie Düsseldorf.

Die Arbeit des Silberschmieds und Gürtlermeisters

aus dem Münsterland sprach

sich herum. Der Familienbetrieb, im dem

zeitweise bis zu 15 Mitarbeiter (darunter

vier Meister) beschäftigt waren, stellte

hauptsächlich sakrale Geräte her – auch

für Kirchen in Mexiko und Papua-Neuguinea.

Anfang der 1980er Jahre spezialisiert

sich die Firma auf die gehobene Einrichtung

von Hotels, Geschäften und Privathäusern.

Bei Arbeiten aus dem Handwerksbetrieb

Böcker handelt es sich stets

um Sonderanfertigungen, wie zum Beispiel

Vitrinen für das weltbekannte

Unternehmen Montblanc, das hochwertige

Füllfederhalter und Kugelschreiber

herstellt. Bei solchen Aufträgen knüpft

der Gürtelmeister auch Kontakt zu Kollegen

aus anderen Gewerken. Dies führt

dann zu weiteren Aufträgen – ebenso wie

der hohe Bekanntheitsgrad des Handwerksbetriebs,

der unter der Bezeichnung

„Gestaltende und formende Metallwerkstätte“

firmiert.

Wenn Alfons Böcker an besondere Kunden

denkt, dann erwähnt er beispielsweise

auch die Jil-Sander-Boutiquen. An den

Ladenausstattungen mit Theken und Regalen

aus Neusilber war der Handwerksbetrieb

in München, Tokio, Taipeh und in

den USA beteiligt.

Auch auf Kreuzfahrtschiffen ist die Arbeit

des Böcker-Teams geschätzt. Deckenbeleuchtungen,

Vitrinen und Säulenverkleidungen

wurden angebracht. Und auf

einem Luxus-Dampfer können sich die

Passagiere sogar auf einer von Leuchtstreifen

und Intarsien durchzogenen

Messing-Tanzfläche aus der Böcker-

Werkstatt bewegen. „Das war eine komplizierte

Sache“, erinnert sich der Meister

und fügt gern hinzu: „Immer dann, wenn

es kompliziert wird, kommt man zu uns.“

Die Dokumentation mit Fotos von Arbeiten

aus der Drensteinfurter Werkstatt

lässt es daran keinen Zweifel.

Bei allen weltweiten Aktivitäten ist das

Böcker-Team immer fest auf dem Boden

GÜRTLER IST EIN AUSBILDUNGSBERUF

Der Gürtler ist ein handwerklicher Ausbildungsberuf und hat heute die Bezeichnung

„Metallbildner – Fachrichtung Gürtler- und Metalldrücktechnik“. Der Begriff

Gürtler stammt aus dem Mittelalter: „Gurtelaere“ bezieht sich auf die Herstellung

von Gürtungen, Gürteln und Gürtelschnallen aus Metall. Im Laufe der

Zeit kam die Anfertigung von Gebrauchsgegenständen hinzu: Schalen und Dosen,

außerdem sakrale Gegenstände wie zum Beispiel Altarkreuze und Tabernakel.

Zum heutigen Berufsbild gehört die Anfertigung von Nutz-, Zier- und

Kunstgegenständen. Werkstoff ist hauptsächlich Messing. Das Restaurieren von

Metallgegenständen gehört auch zum Aufgabenspektrum des Gürtlers, dessen

individuelle handwerkliche Arbeit von moderner Technik unterstützt und begleitet

wird.

hko

Alfons (l.) und Xaver Böcker zeigen einen Spiegel für eine Jil-

Sander-Boutique – und darin spiegelt sich die Zeichnung für eine

mit Ornamenten verzierte Treppe, die der Handwerksbetrieb für

eine Yacht gebaut hat.

Fotos: Hubertus Kost

des Handwerks geblieben und in der Region

fest verwurzelt. So werden auch

kleinere Restaurierungsarbeiten für Kirchengeräte

erledigt oder Nachbauten von

Leuchtern angefertigt, von denen nur

noch Zeichnungen existieren. So ganz

nebenbei erwähnt Alfons Böcker, dass

der Betrieb auch den Uefa-Pokal für Bayer

Leverkusen nachgebaut hat.

Zehn Fachkräfte arbeiten im Böcker-Team,

darunter zwei Meister. Zwei Lehrlinge

werden ausgebildet. Xaver Böcker leitet

inzwischen den Familienbetrieb. Er ist

– ebenso wie sein Vater – Silberschmied

und Gürtlermeister.

Aus dem betrieblichen Alltag hat sich Alfons

Böcker weitgehend zurückgezogen.

Das Handwerk hält ihn aber fit. In seiner

kleinen Werkstatt am Wohnhaus beschäftigt

sich der Meister, der in diesem Monat

80 Jahre alt wird, immer noch gern mit

kleinen Arbeiten. Hubertus Kost


17 GELD & GESCHÄFT

Preiswert an die Börse

Am Aktienmarkt gibt es viele Indizes, doch letztlich steht vor allem der Dax mit seinen 30

Standardwerten für den allgemeinen Trend. Mit ETFs kann man sich kostengünstig daran beteiligen.

Das Auf und Ab an den Aktienmärkten spüren auch die Besitzer von Exchange Traded Funds intensiv.

Foto: Fotolia

OFFEN GESAGT

Aktieneinstieg

leicht gemacht

Die Deutschen trauen sich nicht an

den Aktienmarkt. Im internationalen

Vergleich gehören sie beim Börsenengagement

zu den Schlusslichtern.

Während etwa in den USA über die

Hälfte der Erwachsenen Aktien besitzt

und selbst in der Schweiz jeder fünfte,

sind es in Deutschland lediglich etwas

mehr als vier Prozent.

ETFs sind eine attraktive Alternative.

Kostengünstig kann ein Anleger auch

mit kleinem Geldeinsatz an den Chancen

der Börse teilhaben. Die immer zu

empfehlende breite Streuung des Aktien-Engagements

erfordert beim Direktkauf

eine hohe Geldsumme. Für

ETFs gilt das nicht. Im Vergleich zu anderen

Fondsformen ist zudem die

Transparenz hoch. Doch Vorsicht: Auch

Indexfonds sind keine Wunderprodukte,

die hohe Renditen verheißen, ohne

Risiken zu bergen. Wer ETFs in sein

Portfolio aufnimmt, kann massiv Geld

verlieren, aber eben auch gewinnen.

Als Einstieg in das Börsen-Abenteuer

sind Indexfonds auf jeden Fall ideal.

Jürgen Stilling

Die Fülle der Geldanlageprodukte ist

groß. Wer bei der Auswahl viel Wert

auf niedrige Gebühren legt, schaut

früher oder später bei den sogenannten

ETFs genauer hin.

Wer Mut hat und sich

kümmern will, für

den sind Exchange

Traded Funds (ETFs)

ein ideales Geldanlageinstrument

– auch für die Altersvorsorge.

Das glaubt Klaus Morgenstern vom

Deutschen Institut für Altersvorsorge.

Dem „Handelsblatt“ sagte der Experte

kürzlich: „Gerade für Jüngere eignen sich

Vorsorgestrategien mit ETFs, junge Sparer

haben viel Zeit, bis das Geld tatsächlich

für den Lebensunterhalt zur Verfügung

stehen muss.“ Zudem könnten junge

Anleger einen zwischenzeitlichen

Kursrutsch an der Börse leichter aussitzen,

betonte Morgenstern.

Überzeugendes Argument für den Einstieg

in ETFs, auch Indexfonds genannt,

sind die niedrigen Kosten. Wie beim direkten

Aktienkauf fallen nur die banküblichen

Gebühren an. Aus- und Rücknahmeaufschläge,

die bei klassischen Fonds

fällig werden, gibt es nicht. Dennoch sichern

Exchange Traded Funds – im

Gegensatz zum unmittelbaren Aktienkauf

– auch bei kleinen Anlagebeträge

eine weite Risikostreuung. Zumal es ETFs

in zahlreichen Anlageklassen gibt – etwa

für Aktien, Immobilien, Anleihen und

Rohstoffe.

Zudem ähneln ETFs, die in Deutschland

seit dem Jahr 2000 gehandelt werden, in

ihrer Liquidität und Flexibilität den Aktien.

Die Papiere können während der

Handelszeiten der Börse jederzeit geund

verkauft werden. Hinzu kommt eine

extrem hohe Transparenz: Während klassische

Fondsanbieter die Zusammenstellung

ihres Aktien-Portfolios oftmals nur

halbjährlich veröffentlichen, geben die

meisten ETF-Anbieter tagtäglich Auskunft

über ihre Anlagestrategie. Eine

Möglichkeit stellt die exakte Nachbildung

des Standardwert-Index Dax dar.

Weiterer Vorteil ist die Einordnung der

ETFs als Investmentfonds. Daher gilt

auch für dieses Anlageprodukt das Investmentgesetz.

Das Vermögen der

Fonds ist somit im Fall einer Insolvenz

des ETF-Herausgebers zugunsten der Anleger

geschützt.

Risikolos ist es dennoch nicht, sein Geld

in ETFs zu parken. Das wurde am 24. August

dieses Jahres deutlich, als schlechte

Nachrichten aus China die Märkte beunruhigten.

Die Indexfonds stürzten deutlich

stärker ab, als die ihnen zugrundeliegenden

Indizes.

Wie kann das sein? Börsenexperten vermuten,

dass der Mechanismus, mit dem

der konkrete Preis der ETFs bestimmt

wird, der entscheidende Auslöser für den

drastischen Kursverfall war. Sogenannte

„Market Maker“ kaufen immer dann,

wenn ein ETF weniger kostet als die zugrundeliegenden

Wertpapiere, Fondsanteile

auf und tauscht sie gegen Aktien ein.

Genau umgekehrt läuft der Mechanismus

wenn der Fondspreis höher ist. Da diese

Vorgänge in Sekundenschnelle ablaufen,

können schlagartig gravierende Marktverzerrungen

ausgelöst werden. Die

Wertentwicklung läuft aus technischen

Gründen nicht immer parallel – dieser Effekt

wird „Tracking Error“ genannt und

ist für ETF-Besitzer ein erheblicher

Risikofaktor.

Experten raten zudem dazu – vor

allem bei einer Anlage für das Alter

– ETFs mit breitem Portfolio ins

Depot zu nehmen. Inzwischen

gibt es auch zahlreiche stark

spezialisierte Indexfonds, die

jeweils nur in eine bestimmte

Nische des Kapitalmarkts investieren,

zum Beispiel in eine

bestimmte Branche oder Region

der Welt.

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18 GELD & GESCHÄFT

Beratungsprotokoll alter

Prägung bald passé?

Umfangreicher Referentenentwurf des Bundesfinanzministeriums greift Vorgaben der EU auf.

Bankenverbände wünschen sich Vereinfachungen bei der konkreten Umsetzung im Alltag.

Das erst vor wenigen Jahren eingeführte

und umstrittene Beratungsprotokoll

bei Geldanlagen soll wieder

abgeschafft werden. Stattdessen

sollen Anlageberater ihren Privatkunden

künftig eine „Geeignetheitserklärung“

vorlegen, wie aus einem

Referentenentwurf des Bundesfinanzministeriums

hervorgeht, der

der Deutschen Presse-Agentur vorliegt.

Verbraucherschützer sind allerdings

nicht alarmiert. Sie kritisieren

schon länger die Qualität der Beratungsprotokolle

und hoffen im Zuge

der EU-Vorgaben auf künftig präzisere

Angaben der Banken vor Wertpapiergeschäften.

„Beim Beratungsprotokoll bekommt

das Kind lediglich einen

anderen Namen.“

Sparkassenverband

Beratungsprotokolle wurden

2010 eingeführt – vor allem

in Folge der Lehman-Pleite.

Verbraucher erhalten seither

bei einer Anlageberatung zu

Wertpapieren Produktinformationsblätter

mit klaren Aussagen über Rendite, Risiko

und Kosten. Das Bankprotokoll soll

also vor Fehlberatungen

schützen

und die Position

des Bankkunden

stärken, indem er

seine Anlageent-

Seit 2010 muss bei Geldanlagen die Beratung protokolliert werden. Banken und Kunden kritisieren häufig den bürokratischen Aufwand. Jetzt sind Änderungen

im Gespräch. Ob die Protokollierung dadurch einfach wird, ist allerdings offen.

Foto: colourbox.de

scheidung auch

auf die schriftliche

Zusammenfassung

des Beratungsgespräches

stützen kann.

Zudem sollen Kunden etwas in der Hand

haben, um im Zweifel vor Gericht beweisen

zu können, wie die Beratung erfolgte.

Sie können das Beratungsprotokoll als

Beweismittel einsetzen, sollte es zu

einem Schadensersatzprozess wegen

Falschberatung kommen. Die Kreditwirtschaft

kritisiert die Protokolle schon seit

langer Zeit als bürokratisch, ohne dass

Verbraucher davon einen größeren Nutzen

hätten.

Künftig soll eine Erklärung über die „Geeignetheit“

der Empfehlung vor Abschluss

des Wertpapiergeschäfts „die erbrachte

Beratung nennen sowie erläutern,

wie sie auf die Präferenzen, Anlageziele

und die sonstigen Merkmale des

Kunden abgestimmt wurde“. Sie muss

Kunden auf einem dauerhaften Datenträger

bereitgestellt werden. Die geplante

Abschaffung der Beratungsprotokolle

wird in dem weit über 200 Seiten umfassenden

Entwurf begründet mit den „nunmehr

europaweit einheitlichen Aufzeichnungs-

und Protokollierungspflichten“,

die Protokolle überflüssig machten.

Diese EU-Vorgaben (MiFid II) werden mit

dem Finanzmarktnovellierungsgesetz in

deutsches Recht umgesetzt. Nach Darstellung

der deutschen Finanzaufsicht

Bafin hat die neue EU-Richtlinie den Gedanken

des Beratungsprotokolls aufgegriffen.

Der Inhalt dieser Erklärung entspreche

im Wesentlichen den Inhalten

des Beratungsprotokolls: „Teilweise geht

er sogar darüber hinaus, insbesondere

bei den Ausführungen zur Geeignetheit

der Empfehlung.“

Beim Bundesverband der Verbraucherzentralen

(vzbv) ist man angesichts der

Pläne „relativ ruhig“. Beratungsprotokolle

hätten ihren Zweck nicht erfüllt, weil

sie in der Praxis oft unpräzise gefasst gewesen

seien. „Es liegt eine Chance darin“,

sagte vzbv-Expertin Dorothea Mohn.

Dies komme aber auf die Umsetzung an.

Banken dürfe kein Spielraum für Ungenauigkeiten

gewährt werden.

Der Sparkassenverband erklärte, „beim

Beratungsprotokoll bekommt das Kind

lediglich einen anderen Namen“. Erleichterungen

seien nicht zu erkennen. Es sollten

die Erfahrungen aus der Praxis berücksichtigt

werden, etwa in bestimmten

Fällen auf ein Protokoll zu verzichten.

Eine Studie im Auftrag des Bundesjustizministeriums

vom vergangenen Jahr hatte

ergeben, dass die meisten Beratungsprotokolle

den Anlegern nichts bringen.

In der Praxis laufe vieles nicht so, wie der

Gesetzgeber sich das erhofft habe, da

Protokolle gar nicht oder nur unvollständig

angefertigt würden, hieß es seinerzeit.

Auch Union und SPD hatten in ihrem Koalitionsvertrag

von 2013 vereinbart, die

„Zweckmäßigkeit und die Verständlichkeit

von Produktinformationsblättern

und Beratungsprotokollen“ im Finanzbereich

regelmäßig zu überprüfen. dpa

Wieder mehr Firmenpleiten

Wirtschaftsauskunftei verzeichnet für das erste Halbjahr noch Rückgang um 4,4 Prozent

Blick mit der Lupe auf den Insolvenzbeschluss eines Amtsgerichts

Foto: dpa/Oliver Berg

Im Juli 2015 meldeten die deutschen

Amtsgerichte 2187 Unternehmensinsolvenzen.

Das waren nach aktuellen

Angaben des Statistischen Bundesamtes

(Destatis) 3,6 Prozent

mehr als im Juli 2014. Insgesamt

aber beobachteten die Experten im

ersten Halbjahr 2015 noch einen

Rückgang gegenüber dem Vorjahr.

Die Wirtschaftsauskunftei Bürgel berichtet

in einer Studie „Firmeninsolvenzen

1. Halbjahr 2015“, dass die

Zahl der Firmenpleiten im Jahresvergleich

4,4 Prozent niedriger lag.

Doch die Tendenz ist steigend.

Im Juni 2015 hatte es nach Feststellungen

des Statistischen Bundesamtes

einen deutlichen Anstieg

der Unternehmensinsolvenzen

gegenüber dem entsprechenden

Vorjahresmonat (plus 11,2 Prozent ) gegeben.

Davor waren seit November 2012

mit Ausnahme von September 2014 (plus

2,7 Prozent), Dezember 2014 (plus 8,1

Prozent) und März 2015 (plus 2,1 Prozent)

jeweils Rückgänge der Unternehmensinsolvenzen

im Vergleich zum entsprechenden

Vorjahresmonat registriert

worden.

Der Wirtschaftsbereich Handel (einschließlich

Instandhaltung und Reparatur

von Kraftwagen) war mit 417 Fällen

am häufigsten von Unternehmensinsolvenzen

betroffen. 350 Insolvenzanträge

stellten Unternehmen des Baugewerbes.

Im Wirtschaftsbereich Erbringung von

freiberuflichen, wissenschaftlichen und

technischen Dienstleistungen gab es 272

Insolvenzanträge.

Die voraussichtlichen offenen Forderungen

der Gläubiger aus beantragten Unternehmensinsolvenzen

beliefen sich nach

Angaben der Amtsgerichte im Juli 2015

auf rund 1,4 Milliarden Euro. Im Juli

2014 hatten sie bei 2,3 Milliarden Euro

gelegen. Der Rückgang der Forderungen

bei gleichzeitigem Anstieg der Zahl der

Unternehmensinsolvenzen ist darauf zurückzuführen,

dass die Gerichte im Juli

2014 mehr Insolvenzen von wirtschaftlich

bedeutenden Unternehmen registriert

hatten als im Juli 2015.

Zusätzlich zu den Unternehmensinsolvenzen

meldeten 9058 übrige Schuldner

im Juli 2015 Insolvenz an (minus 12,6

Prozent gegenüber dem Vorjahresmonat).

Darunter waren 6927 Insolvenzanträge

von Verbrauchern und 1821 Insolvenzanträge

von ehemals selbstständig

Tätigen, die ein Regel- beziehungsweise

ein Verbraucherinsolvenzverfahren

durchlaufen.

Die vollständige Information mit Tabellen

sowie sind im Internet-Angebot des

Statistischen Bundesamtes unter

www.destatis.de zu finden.

„Einen Anstieg der Firmeninsolvenzen

auf Jahressicht können wir nicht mehr

komplett ausschließen. Ende des 1. Quartals

gingen wir von bis zu 23000 Firmeninsolvenzen

aus. Diese Prognose können

wir nicht mehr halten. Aktuell rechnen

wir mit bis zu 23700 Insolvenzen“, so

Bürgel-Geschäftsführer Dr. Norbert Sellin.

Vor allem im zweiten Quartal habe

sich das Insolvenzgeschehen in Deutschland

wieder eingetrübt.


GELD & GESCHÄFT 19

Sicherer Ort für

den letzten Willen

Die Bundesnotarkammer führt seit Jahren ein Zentrales Testamentsregister.

Bis Ende 2016 werden dort 20 Millionen Urkunden hinterlegt sein.

So sollte man sein Testament nicht hinterlegen. Statt es im Bücherregal

zu verstecken, wäre der richtige Ort das von der Bundesnotarkammer

geführte Zentralregister. Foto: dpa/Kai Remmers

Seit 2012 gibt es ein zentrales gesetzliches

Register für Testamente in

Deutschland. Das von der Bundesnotarkammer

geführte Zentrale Testamentsregister

verzeichnete im dritten

Jahr seines Bestehens bereits 7,7

Mio. Urkunden und bietet jedermann

die Möglichkeit, sein Testament

kostengünstig registrieren zu

lassen. Die Testamentsverzeichnisse

der Standesämter in Nordrhein-

Westfalen sind bereits in das Register

überführt. Bis Ende 2016 wird der

Verwahrort von 20 Millionen Urkunden

für Gerichte und Notare zentral

und zuverlässig abrufbar sein.

Selbst das wohlüberlegteste

Testament zählt letztlich

nichts, wenn es nach dem Tod

nicht dem Nachlassgericht

zur Eröffnung übergeben

wird. Alle, die sich mit der Abfassung

ihres letzten Willens beschäftigten, stoßen

zwangsläufig auf das Problem, wie

sie sicherstellen können, dass ihr letzter

Wille auch aufgefunden und befolgt

wird. „Besonders häufig machen sich Alleinstehende

darüber Sorgen“, berichtet

Dr. Steffen Breßler, Geschäftsführer einer

Notarkammer aus der Beratungspraxis.

Aber auch Ehegatten fühlen sich nach seiner

Erfahrung oft unsicher, wenn sie beispielsweise

an einen gemeinsamen Autounfall

denken.

Bei einem notariellen Testament geschieht

die Meldung automatisch durch

den Notar. Nach der Beurkundung führt

dieser die Registrierung beim Zentralen

Testamentsregister der Bundesnotarkammer

durch und übergibt das mit

einem Siegel verschlossene Testament in

die Verwahrung des Amtsgerichts. Will

der Bürger ein handschriftliches Testament

registrieren lassen, muss er es selbst

in die Verwahrung des Amtsgerichts geben.

Die Meldung an das Zentrale Testamentsregister

erfolgt dann durch das Gericht.

Durch die Meldung an das Zentrale Testamentsregister

wird die bis vor Jahren

noch übliche Meldung von erbfolgerelevanten

Urkunden an das Geburtsstandesamt

des Erblassers ersetzt. Die bei den

knapp 5000 Geburtsstandesämtern verstreut

liegenden Verwahrnachrichten

über Testamente und andere für das Erbrecht

wichtige Dokumente, die vor der

Einführung des zentralen Testamentsregisters

errichtet wurden, werden von der

Bundesnotarkammer sukzessiv in das

zentrale Testamentsverzeichnis überführt.

Wie wird das Testament mittels des Registers

gefunden? Im Sterbefall informiert

das Standesamt das Zentrale Testamentsregister.

Dort wird dann überprüft,

ob Verwahrangaben zu einer letztwilligen

Verfügung registriert sind. Das Testamentsregister

informiert sodann die verwahrende

Stelle. Das Amtsgericht eröffnet

daraufhin das Testament und übersendet

es an das

zuständige Nachlassgericht,

das

sich am letzten

Wohnsitz des Verstorbenen

befindet.

Das Nachlassgericht

informiert

dann Erben

und Hinterbliebene.

„Zahlreiche Bürger meinen zu Unrecht,

es kämen hohe Kosten auf sie zu. Tatsächlich

ist ein professionell beratenes und

beurkundetes Testament regelmäßig

günstiger als eine Autoinspektion“, weiß

Dr. Breßler. Die Gebühr für die Registrierung

beim Zentralen Testamentsregister

beträgt einmalig 18 Euro und die Verwahrung

durch das Amtsgericht kostet

einmalig pauschal 75 Euro.

„Tatsächlich ist ein professionell

beratenes und beurkundetes Testament

regelmäßig günstiger als

eine Autoinspektion.“

Dr. Steffen Breßler, Notarkammer

Verstöße an der

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Compliance-Beschwerden in Dax-Konzernen

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das Gute in NRW.

In Dax-Konzernen werden jedes Jahr

mehrere Tausend mutmaßliche Verstöße

gegen Gesetze oder interne

Compliance-Vorschriften gemeldet.

Das ist das Ergebnis einer Umfrage

des Wirtschaftsmagazins „Capital“

unter den größten börsennotierten

Unternehmen in Deutschland. Nach

dem VW-Skandal hatte das Magazin

nach eigenen Angaben allen Dax-

Konzernen – mit Ausnahme von VW

– einen umfangreichen Fragenkatalog

zu ihren internen Compliance-

Regeln und -systemen geschickt.

Vo Vn den 29 angefragten Konzernen

antworteten 21 mehr

oder weniger ausführlich.

Immerhin sieben Unternehmen

machten konkrete Angaben

zu gemeldeten Fällen und den

Konsequenzen für betroffene Mitarbeiter.

So liefen 2014 über weltweite interne

Melde-Systeme und Hotlines bei BASF,

Daimler, der Deutschen Telekom, dem

Energiekonzern EON, Henkel, dem Pharmaunternehmen

Merck und dem Sportartikelhersteller

Adidas knapp 1600 Beschwerden

und Meldungen über mutmaßliche

Verstöße auf. Siemens antwortete

zwar nicht auf die Magazin-Anfrage,

veröffentlicht die Zahlen aber im jährlichen

Compliance-Bericht: Dort wurden

im vergangenen Geschäftsjahr 653 mutmaßliche

Verstöße gemeldet.

Von diesen insgesamt mehr als 2200 Meldungen

stellten sich meist zwischen

einem Drittel und der Hälfte der Beschwerden

als stichhaltig heraus – diese

wurden dann nach Angaben der Unternehmen

intensiver geprüft. Bei diesen

Prüfungen erwiesen sich in der Regel

wiederum die Hälfte der Eingaben als zutreffend

und wurden nach Angaben der

Unternehmen disziplinarisch geahndet.

Nur zwei der angefragten Unternehmen

machten laut „Capital“ auch Angaben

über die Konsequenzen: So verloren 2014

aufgrund eines Gesetzes- oder Compliance-Verstoßes

bei Henkel 26 Mitarbeiter

weltweit ihren Job, 20 weitere erhielten

eine Abmahnung. Beim Siemens-Konzern

wurden 2014 genau 114 Mitarbeiter

abgemahnt, 50 erhielten die Kündigung.

Alle Konzerne, die sich an der Umfrage

beteiligten, gaben an, Anlaufstellen für

anonyme Whistleblower geschaffen zu

haben. In neun der 21 antwortenden

Unternehmen berichten die Chief Compliance

Officer nicht nur einem Vorstandsmitglied

oder dem Vorstandschef,

sondern auch dem Aufsichtsrat.

Während einige Unternehmen wie Telekom

oder ThyssenKrupp ihre Kontrollstrukturen

sehr ausführlich erklärten,

schickten Unternehmen wie Linde oder

HeidelbergCement dem Magazin in der

Antwort nur wenige allgemeine Zeilen.

Auch die von Skandalen erschütterte

Deutsche Bank antwortete auf keine der

insgesamt elf Fragen präzise. Keine Angaben

zu ihren internen Kontrollsystemen

machten auf Anfrage die Unternehmen

Siemens, Bayer, Continental, Infineon,

K+S, RWE, SAP und Beiersdorf.

Die meisten Unternehmen beschränken

sich nach Einschätzung eines Experten in

Fragen von Recht und Integrität zu sehr

auf den Kampf gegen Korruption. „Gute

Compliance ist eine Führungsaufgabe

und eine Frage der Unternehmenskultur“,

sagte Rainer Markfort von der Kanzlei

Dentons in Berlin der dpa.

NRW 2015

Dominik Schweer, erfolgreicher Existenzgründer

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20 GELD &

Leistung aus eine

Die Handwerkskammer Münster hat mit den „Service-Welten“ ein Net

Dienstleistungsbetriebe aus der Taufe gehoben. Eine Reaktion auf eine

Die Gesellschaft wird älter, di

Kunden von heute wünsche

mer häufiger möglichst

noch einenAnsprechpa

für mehrere Dienstlei

ein Lied davon zu

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und Dienstlei

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Netzwerk „ServiceWelten e.V.

tiiert – für Handwerk, Pflege

haushaltsnahe Dienstleistunge

sprüche steigen, die privaten

ressourcen werden knapper.

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Abhilfe kommt

der Handwerkskam

einer Hand.

Brückenbauer und Langstreckenläufer gleichermaßen ist der Leiter der Geschäftsstelle, Dr. Frank Kühn-Gerhard, von der Handwerkskammer.

Foto: Peter Sauer

hochschule Münster) und den Kreis

Coesfeld und Borken sowie fünf k

rungsbezirk Münster ins Leben ge

hat. Das Projekt wurde anteilig dur

Union von Mitte 2009 bis Mitte 20

partner für viele verschiedene Ar

Entstanden sind die Se

Welten im Rahmen eine

jektes, das die Kamme

Unterstützung des INF

e.V. (An-Institut der

werkerschaften Steinfurt-Ware

und mittleren Unternehmen im

Ziel-2-Programm der Europä

fördert.

So ist jetzt möglich, was viele sich

lange wünschten: Nur einen Ans

Mit Verstärkung in den Wettbewerb

Bei haushaltsnahen Dienstleistungen macht die kollegiale Vernetzung aus Sicht der Mitgliedsunternehmen großen Sinn.

Die Mitglieder des Netzwerks Service-Welten

sind allesamt Praktiker.

Ihr gemeinsames Ziel: Kräfte und

Kompetenzen bündeln, Angebote attraktiver

gestalten, Wettbewerbsfähigkeit

stärken und somit die Zufriedenheit

der Kunden sicherstellen.

Service-Welten-Vorstand Markus

Massmann, Inhaber eines

Malerbetriebs in Lüdinghausen,

steht hinterder innovativen

Vereinsidee: „Der Bedarf

an haushaltsnahen Handwerks- und

Dienstleistungen ist riesig.“ Der erfahrene

Dienstleister stützt sich auf Studien,

die belegen, dass in Gesellschaften mit

zunehmend älteren Menschen und veränderten

Sozialstrukturen der Bedarf an

personen- und haushaltsnahen Leistungenstetig

zunimmt –nicht nur aufgrund

neuer Familienstrukturen, gestiegener

Mobilität, globalen Denkens, sondern

auch aufgrund veränderter wirtschaftlicher

und demografischer Verhältnisse.

Oftmals sind die Zeitbudgets zu knapp,

um Arbeiten imund rund umdas Haus

selbst auszuführen. Auch die Generation

50 plus kann es sich inzwischen leisten,

handwerks- und haushaltsnahe Dienstleistungen

einzukaufen.

Dienstleistungen auseiner Hand sind besonderswertvoll

für älter werdende Menschen.

Das lästige Suchen imDschungel

unzähliger Anbieter ist vorbei.

Malermeister Massmann weiß aus eigener

Erfahrung: „Hilfsbedürftige Menschen

wissen es zu schätzen, wenn ihnen

der Pflegedienst einen Handwerker empfiehlt

und zum Beispiel seniorengerechte

Umbaumaßnahmen vermittelt.“ Die

Unternehmen bieten Lösungen an und

nehmen notwendigen Veränderungen

den Schrecken. „Außerdem“, so Geschäftsstellenleiter

Dr. Frank Kühn-Gerhard,

„verstehen die Partnerunternehmen

die Service-Welten als Lern-Arena,

in der sie sich durch kontinuierlichen

Austausch und Kooperation stetig zum

Wohl ihrer Kunden verbessern.“ Dabei ist

der Blickwinkel entscheidend. Offenheit

ohne Konkurrenzdenken löst überholte

Provinzfürsten-Mentalität ab: „Man muss

Unternehmen zusammenführen, die Zusammenarbeit

anstoßen“, betont Massmann.

Auch geografisch Grenzen werden

überwunden: So findet zum Beispiel ein

reger Austausch zwischen Firmen in

Recklinghausen und Gelsenkirchen statt.

Kühn-Gerhard, „Vertrauen und Qualität

sind Bausteine einer erfolgreichen Netzwerkarbeit“.

Denn ein Unternehmer

empfehle nur dann einen Handwerker

und Dienstleister,wenn er selbst vondessen

Leistung und Zuverlässigkeit auch

wirklich überzeugt ist. Alles anderewürde

ja seinem eigenen Image schaden.

„Der Kunde kann wirklich sicher sein,

Service-Welten-Vorstand Markus Massmann

Foto: HWK

dass er mit der Vermittlung gut beraten

und in guten Händen ist.“

Es gibt vielfältige Beispiele. „Wenn der

Maler Ihre Wohnung renoviert, liegt es

doch nahe, dass er für Sie in dieser Zeit

in Zusammenarbeit mit einem Reisebüro

einen Urlaub organisiert oder mit einem

Umzugsunternehmen Ihren Umzug regelt“,

sagt Massmann und nennt gleich

ein weiteres Beispiel: „Ein Frisör,der gut

situierten Kunden das Haar frisiert, kann

während dieser Zeit in Zusammenarbeit

mit einer Kfz-Werkstatt den Winter-oder

Frühjahrs-Check am Auto des Kunden anbieten“

–über eine im Netzwerk verbundene

Werkstatt.

Neben dem Malermeister haben sich den

lokalen Lüdinghauser Service-Welten

unter anderem ein Gartenbauer, ein Sanitärmeister,ein

Fliesenlegermeister,ein

Umzugsunternehmer sowie ein Anwalt

angeschlossen. Ein Gewinn für Verbraucher

und Firmen. Durch Zusammenarbeit

der Unternehmen in verschiedenen

Bereichen verbessert sich so die

Wettbewerbsfähigkeit aller Netzwerkpartner.

Gerade kleine und mittlere

Unternehmen haben so die Chance, neue

Märkte zuerschließen und sogar neue

Dienstleistungen gemeinschaftlich zu

entwickeln, was vorher schon von der

Man-Power nicht möglich gewesen wäre.

Ein Fernziel von Service-Welten lautet

auch, auf Dauer eine festeMarkezuetablieren.

Dafür braucht es mitunter einen

langen Atem, weiß Dr. Frank Kühn-Gerhard.

Der Wirtschaftsförderer der HWK arbeitet

als „Brückenbauer“ zwischen den

Netzwerken und den Firmen sowie zwischen

den Firmen untereinander. Kühn-

Gerhard hat sein Büro bei der HWK in

Münster, ist aber oft bei den Firmen vor

Ort unterwegs. „Man muss ausgetretene

Pfade verlassen, um erfolgreich zu denken

und zu handeln“, veranschaulicht er

seine tägliche Arbeitsphilosophie. „Ich

biete quasi Hilfe zur Selbsthilfe für die

Unternehmen.“ Um in und mit den Service-Welten

jene Lebensw

reich bedienen zu können, d

dernen Gesellschaft imme

werden. Hauptaufgaben vo

hard: „Ich akquiriere und

kümmere mich darum, die

fung der Firmen zu erweite

In einer intensiven Vorarbei

bogen für das erste Gesprä

dasjeweils spezifische Eigen

Betriebes, ist Türöffner und

Firmen brauchen einen

wenn sie als Unternehmen b

len. Das fußt auf Vertrauen u

und muss stetig erarbeitet w

Einfach ist dies nicht. Etwa

traditionsbewusste Firmenin

Zeit für Gespräche über neu

Service-Welten haben oder

reits installierten lokalen Ne

grund interner Querelen N

rungen benötigen.

„Ich bin ein Langstreckenläu

Kühn-Gerhard, der mit Wis

fühlungsvermögen serv

unterwegs ist –für die Firm

Kunden.

Fundament der Service-W

Vereinsstruktur. „Darauf ba

schiedene Dinge auf und ve

sukzessivezuverwerten.“ K

entwickelt Flyer, Roll-ups u

schüren mit, gibt juristisch

macht die Pressearbeit.


GESCHÄFT

21

rHand

zwerk für Handwerks-, Pflege und

älter und anspruchsvoller werdende Gesellschaft.

Instrumente für

den Alltag

Netzwerker können Konzepte und Leitfäden nutzen

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am Menschen, im und am Haus zu haben.

Der Maler, der neben der Renovierung

auch noch gleich den Partnerfür den Umzug

mitbringt. Der Heizungsmonteur,der

das Reinigungsunternehmen gleich dabeihat.

Der Pflegedienst,der notwendige

(Umbau-)Arbeiten im Haus erkennt und

auf Wunsch die passenden Handwerker

vermittelt. Das passiert bereits im Münsterland

und in der Emscher-Lippe-Region,

wo lokale Dependancen bestehen.

Die Beteiligten haben das Ziel, vertrauensvoll

und kompetent zu agieren und

qualitativ hochwertigeAngebotezuentwickeln.

So heißt bei den „ServiceWelten

Recklinghausen“ das Motto passenderweise

„Wir meistern ihren Alltag“. Da

klingt nach einem eigenen Qualitätssiegel.

Die individuellen Wünsche der Kunden

stehen im Fokus. Das Ziel lautet:

„Mehr Zeit, Lebensqualität und Hilfe“.

Weil die Konkurrenz nicht schläft, sollte

man aus Sicht der Initiatoren bei den Service-Welten

im Netzwerk mitwirken. Das

meint auch der Leiter der Geschäftsstelle,

Dr. Frank Kühn-Gerhard von der HWK

Münster.

Auch wenn die Service-Welten Mitte

2009 aus dem Projekt „Entwicklung eines

(Pilot-)Clusters Consumer Facility Management

– Con FM“ (Steuerung von

Dienstleistungsprozessen rund um das

Wohlergehen von Privatpersonen) entstanden

sind, soreicht die Entstehungsgeschichte

schon bis ins Jahr 2007 zurück.

„Unser Ziel war esschon länger,

vorhandene Strukturen im Bereich haushaltsnaher,

pflegerischer, objekt-, technik-

sowie familienbezogener Dienstleistungen

im Regierungsbezirk Münster zusammenzuführen“,

sagt Kühn-Gerhard

im Gespräch mit der WIRTSCHAFT.

Darauf aufbauend woll(t)en Firmen aus

unterschiedlichen Handwerk- und

Dienstleistungsbereichen ihre Kompetenzen

und Kräfte langfristig bündeln:

Am 19.Oktober 2011 gründetesich dann

der Verein „ServiceWelten –ihr Handwerks-

und Dienstleistungsnetzwerk“.

Eine Erfolgsgeschichte begann. Aus damals

17 Gründungsmitgliedern ist ein

Kreis von heute knapp 130 Mitgliedern

geworden. Tendenz steigend, auch bezogen

auf die einzelnen lokalen Standorte.

Derzeit bestehen elf aktive Service-Welten

imMünsterland und in der Emscher-

Lippe-Region, weitereentstehen ganz aktuellinden

Kreisen Borken, Steinfurt und

Warendorf.

Peter Sauer

ZAHLEN UND FAKTEN

Die Verteilung der Mitglieder der

Service-Welten inder Region: 30

Firmen in Münster, sieben in den

Kreisen Warendorf und Steinfurt,

zwölf im Kreis Borken, 26 im

Kreis Coesfeld, 50 in der Emscher-Lippe-Region,

vier außerhalb.

Das sind derzeit in Summe

129 Betriebe.

Davon 64Handwerksbetriebe,

neun Haushaltsdienstleister, sechs

Pflegedienstleister, 42unterschiedliche

Dienstleister, zwei

Vereine, sechs Intermediäre (wie

die HWK, Kreishandwerkerschaften

oder die Fachhochschule).

Weitere Informationen: Service-

Welten e.V.,c/o HWK Münster, Dr.

Frank Kühn-Gerhard, Bismarckallee

1,48151 Münster, Telefon:

0251 /5203-328, Mail: info@servicewelten.net

Der Mitgliedsbeitrag beträgt

für Betriebe mit bis

zu zehn Beschäftigten 100

Euro im Jahr, Unternehmen

mit mehr Beschäftigten

zahlen 200 Euro. Hinzu kommt ein

lukratives Angebot: Die Beitragshöhe

reduziert sich um 30 Prozent, wenn der

Betrieb in einer der lokalen Service-Welten

vor Ort engagiert ist.

Der Verein unterstützt seine Mitglieder

mit verschiedenen Maßnahmen und Aktivitäten.

So steht ihnen zum Beispiel ein

„Werkzeugkoffer“ mit zahlreichen Instrumenten

zur Verfügung, um die Zusammenarbeit

zufestigen und die Bildung

der lokalen Verbünde zu unterstützen

– mit Leitfäden und Konzepten,

Checklisten sowie Mustervorlagen zur

Planung, Vorbereitung und Durchführung

von Maßnahmen und Aktionen

unterschiedlichster Art.

Im Mittelpunkt stehen die Themenfelder

Kooperation, Marktanalyse, Marketing,

Bildung und Qualifizierung, Qualitätssicherung,

Finanzierung, Partnerfindung

sowie Entwicklung eines Leitbildes.

Ziel ist es, die Kooperation passgenau zu

fördern. Analyse-Werkzeuge zur kleinräumigen

Markterhebung dienen der

Identifikation von Bedürfnissen und

Kundenzielgruppen. Marketing-Werkzeugehelfen

wiederum bei der Erschließung

neuer Märkte beziehungsweise

Stärkung der Marktposition.

Bei der Erstellung eines Internetauftritts

und der Gestaltung von Werbematerial

kann das „Service-Welten“-Logo eingesetzt

werden. Konzepte, Checklisten

und Leitfäden sowie Material zur Durchführung

von Presseaktivitäten und öffentlichkeitswirksamen

Maßnahmen

runden die Palette ab. Im Bedarfsfall

werden Schulungsmaßnahmen organisiert

und vermittelt. Es gibt auch regelmäßige

Netzwerk-Treffen und einen

Eintrag mit Firmenprofil im Onlineportal

www.servicewelten.net.

Auf dieser Webseite finden Interessentenper

Mausklick einen Service-Welten-

Netzwerkpartner. Ein Kurzprofil informiert

über das Unternehmen und dessen

Leistungsangebot. Das Portal richtet

sich an Unternehmen, die sich über

Handwerks- und Dienstleistungsfirmen

in ihrer Region informieren wollen. Sie

finden dort zuverlässige Unternehmen

und Auftraggeber. Internetpräsenzen

der Service-Welten vor Ort, den lokalen

Netzwerken, runden das Angebot ab.

Konzepte und Leitfäden zur Messung

der Kundenzufriedenheit (Marktbeobachtung

und Bedarfsermittlung) sowie

Informationen zum Beschwerde- und

Vorschlagswesen gehören ebenso zum

Inhalt des „Werkzeugkoffers“. Diese

Konzeptekönnen auch gut auf das eigene

Unternehmen übertragen und dort

angewandt werden.

Weitere „Werkzeuge“ geben den Netzwerkpartnern

einen Überblick über das

Angebot der verschiedenen Finanzierungs-

und Förderbereiche für Handwerks-

und Dienstleistungsbetriebe.

Eine erste Bilanz fällt so aus: Die entwickelten

Instrumente haben sich in der

Praxis bewährt.

Kooperationsansätze in Form gemeinschaftlich

durchgeführter Marketingmaßnahmen

sowie Empfehlungsgeschäfte

zwischen Handwerkern und

haushaltsnahen Dienstleistern belegen

den Erfolg. Mittlerweile haben die lokalen

Netzwerke inCoesfeld und Haltern

am See eigene Vereine gegründet –in

enger Abstimmung mit den Service-Welten

e.V. inMünster. Und weitere sollen

folgen.

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Zahlreiche Handwerksbetriebe – darunter auch Malerbetriebe – sind dem Netzwerk angeschlossen.

Foto: Massmann Malerbetrieb/Dirk Kaltenhaeuser


22 GELD & GESCHÄFT

Keine Freude für Passagiere: Doch bei Verspätungen von über drei Stunden hat der Kunde nach EU-Recht Anspruch auf eine finanzielle Entschädigung.

Foto: dpa

Das Potenzial ist enorm

Lüdinghauser gründet „Passengers Friend“ und will bei Verspätungsansprüchen für Flugpassagiere

aktiv werden. Angeblich werden nur drei Prozent der Ansprüche pro Jahr geltend gemacht.

„Das müsste man eigentlich mal machen!“

Wer hat auf einer Party, bei

der über neue Geschäftsmodelle diskutiert

wird, diesen Spruch noch

nicht gehört? Peter Finke aus Lüdinghausen

hat‘s gemacht. Er gründete

jetzt die Interessenvertretung

für Fluggäste „Passengers Friend“

(Freund der Passagiere). Da ist der

Name Programm. Und dass die Anfangsbuchstaben

der beiden Begriffe

mit den Initialen von Peter Finke

identisch sind, ist auch sicherlich

kein Zufall.

SCHLICHTUNGSSTELLE (SÖP)

Die Zahl der Inkasso-Unternehmen, die sich um die

Durchsetzung der Fluggastrechte kümmern, ist in den

vergangenen Jahren sprunghaft gestiegen. Um Beschwerden

von Reisenden kümmert sich aber auch die „Schlichtungsstelle

für den öffentlichen Personenverkehr“ (SÖP) –

und zwar kostenlos. Die Reisenden, die mit dem Transportunternehmen

Probleme haben, müssen zunächst selber

aktiv werden. Wenn sie nicht klarkommen, hilft die

Schlichtungsstelle. 240 Verkehrsunternehmen beteiligen

sich mittlerweile am Schlichtungsverfahren und an der

Finanzierung des Trägervereins. Wie Heinz Klewe, Geschäftsführer

der SÖP, erläuterte, haben in jüngster Zeit

insbesondere die Schlichtungen im Bereich Flugreisen

enorm zugenommen: im ersten Halbjahr 2015 um 295

Prozent. Er erwartet in diesem Jahr 13 000 zu behandelnde

Fälle. Über die Aktivitäten der Inkasso-Unternehmen

ist der Geschäftsführer nicht gerade begeistert. „Da wird

der Rahm abgeschöpft.“ Die Unternehmen kümmern sich

um die klaren Fälle, wenn‘s komplizierter wird und es um

Wenn ein Flugzeug Verspätung

hat, können

die Fluggäste Schadensersatz

einfordern.

Nicht bei 20 Minuten

und zudem keine horrenden Summen.

Aber ab drei Stunden Verspätung

wird es laut EU-Verordnung für die Fluggesellschaften

teuer. Bis zu 600 Euro können

dann (je nach Dauer des Fluges beziehungsweise

Entfernung) fällig werden.

Als Peter Finke von dieser Verordnung

am Radio hörte, wurden seine grauen

Gehirnzellen flott. Da muss sich doch

was machen lassen, grübelte er über ein

neues Geschäftsmodell.

Dass sich im IT-Zeitalter viele Dinge – beispielsweise

Flugverspätungen – schnell

ermitteln lassen, spielte ihm in die Karten.

Und so gründete

Finke „Passengers

Friend“.

Ziel des Unternehmens

ist es,

die Interessen der Peter Finke

Fluggäste gegenüber

den Airlines

durchzusetzen.

Die Passagiere wissen häufig gar nichts

von der EU-Verordnung, die für sie bares

Geld bedeutet. Finke seinerseits ist natürlich

auch kein Samariter. Er will auch verdienen

– genauer gesagt sind es 36 Prozent

der zu erwartenden Entschädigungen,

die er für seine Dienstleistung reklamiert.

Dieses Honorar fällt allerdings erst

dann an, wenn die Fluggesellschaften

zahlen. „Für den Fluggast besteht also

überhaupt kein Risiko“, betont er.

920 Millionen Fluggäste sind pro Jahr in

Europa unterwegs. Ein Prozent der Flüge

hat mehr als drei Stunden Verspätung,

weiß Finke aus Statistiken. Und: Nur drei

Prozent aller Ansprüche werden geltend

gemacht. „Das Potenzial ist also enorm“,

ist sich Finke sicher, der sein Unternehmen

seit einem Jahr betreibt.

Wie funktioniert das Unternehmen in der

Praxis? Beispielsweise Mallorca: Wenn

dort ein Flieger mit mehr als drei Stunden

Verspätung eintrifft, bekommt Finkes

Mitarbeiter automatisch eine SMS. Er

„empfängt“ die Fluggäste am Gepäckband

und gibt ihnen eine Broschüre mit

einem Abtretungs-Formular. „Die Rück-

„Die Passagiere werden in der

Regel für blöd verkauft.“

Wunder, für die Passagiere besteht kein

Risiko. Finke setzt sich dann mit den

Fluggesellschaften auseinander. Das ganze

Unternehmen besteht aus elf Mitarbeitern,

von denen drei im Backoffice sitzen.

Dass Peter Finke sicherlich nicht der „Best

Friend“ der Fluggesellschaften ist, liegt

auf der Hand. Deren Geschäftspraktiken

kommen dem Lüdinghauser Unternehmer

auch manchmal ziemlich konzeptlos

vor. Auf die Beschwerden,

die

aus einer einzigen

Verspätung resultierten,

reagierte

ein großes Flugunternehmen

auf

dreierlei Weise:

mit Zahlung, Abwiegeln

und Ignoranz. „Die Passagiere

werden in der Regel für blöd verkauft“, so

Finkes Einschätzung.

Natürlich sitzt Peter Finke nicht am PC

oder am Videotext und schaut nach,

wann ein Flugzeug wie viele Stunden

Verspätung hat. Das geschieht längst alles

automatisch, schließlich beschäftigt

„Passengers Friend“ drei Programmierer,

die die unterschiedlichsten Aufgaben

automatisieren. „Wir sind ein virtuelles

Unternehmen“, schmunzelt der Unternehmer.

Mit 5000 Kunden in diesem Jahr ist die

Zahl der Hilfesuchenden noch relativ

überschaubar. Das kann sich in einem

nächsten Schritt jedoch ändern. Peter

Finke holt die Reisebüros mit ins Boot.

Sein nächster Plan: das Monitoring. Im

Klartext: Die gebuchten Flüge werden

von einem Computerprogramm kontrolliert.

Sobald „justiziable“ Verspätungen

eintreten, tritt „Passengers Friend“ auf

den Plan. „Ideen entwickeln (und damit

Geld verdienen) ist mein Job“, versichert

Finke und hat schon ein neues „Baby“ im

Auge. Dass man auf Mallorca in Bussen

Gepäck-Fragen geht, „ist das Interesse vorbei“. west lauf-Quote ist sensationell“, berichtet keine Werbung findet, ist ihm ein Dorn Verspätet sich ein Flug, will Peter Finke aus Lüdinghausen aktiv

Finke über seine berufliche Praxis. Kein im Auge. Werner Storksberger werden. Bei Zahlungen verdient er natürlich mit.

Foto: west


GELD & GESCHÄFT 23

„Weiterbildung steigert die

Motivation ganz enorm“

Bei der Qualifizierung von Mitarbeitern liegen münsterländische Unternehmen im NRW-Vergleich

weit vorn. Die Firma Terhalle aus Ahaus erreicht dabei Spitzenwerte.

Weiterbildung als ständige Aufgabe: Terhalle-Mitarbeiter während eines Seminars.

Foto: Terhalle

Die Notwendigkeit betrieblicher

Weiterbildung ist unbestritten. Ergebnisse

aus einer vor wenigen Wochen

veröffentlichten Studie der Bertelsmann-Stiftung

zeigen allerdings

deutliche regionale Unterschiede. In

dem Holzbau-Unternehmen Terhalle

in Ahaus gehört Weiterbildung zum

Alltag. Fast alle 240 Mitarbeiter des

großen Handwerksbetriebes nehmen

an Kursen und Seminaren teil.

Weiterbildung kommt

den Mitarbeitern und

dem Betrieb gleichermaßen

zugute.“ Davon

ist Josef Terhalle

fest überzeugt. Und deshalb ist berufliche

Weiterbildung für das Terhalle-Team

durchaus selbstverständlich. „Überzeugungsarbeit

muss ich jedenfalls nicht leisten“,

freut sich der Firmenchef. Er ist

selbst ein überzeugendes Beispiel für

Qualifizierung: Zimmerermeister, Tischlermeister,

Restaurator im Handwerk

und Betriebswirts des Handwerks. Und

Unternehmensgründer, denn im Alter

von 27 Jahren hat Josef Terhalle (inzwischen

56 Jahre) den Schritt in die Selbst-

Josef Terhalle im Bürobereich des Unternehmens. Dort hängen

zahlreiche Urkunden, mit denen Mitarbeiter für Spitzenplätze bei

Berufs-Wettbewerben geehrt wurden.

Foto: Kost

ständigkeit gewagt. Mit einer guten Berufsbildung,

münsterländischer Beharrlichkeit,

Mut und bestimmt auch mit

einer Portion Glück.

Holzbau, Objektbau, Innenausbau, Fenster

und Fassaden sind die Kernbereiche

des Unternehmens, das ständig gewachsen

und weit über

die Region hinaus

bekannt ist. Auch

„Auch unsere Kunden werden anspruchsvoller.“

in Belgien und

den Niederlanden

ist Terhalle Josef Terhalle

aktiv. Die Bandbreite

der Aktivitäten

macht der

Handwerksunternehmer, der sich auch in

der Zimmerer-Innung im Kreis Borken

(als Mitbegründer und einige Jahre als

Obermeister) und im Rat der Stadt Ahaus

engagiert, mit dem Satz deutlich: „Wir

restaurieren auch Kirchen.“ Und außerdem

baut die Firma gerade Holzhäuser in

Norwegen.

Solche Leistungen können nur mit ebenso

motivierten wie qualifizierten Mitarbeitern

erbracht werden. Und genau

deshalb setzt Josef Terhalle auf ständige

Qualifizierung, denn: „Auch unsere Kunden

werden anspruchsvoller.“ Das ist Ansporn

für sein Team, um für alle Fragen

eine Lösung anbieten zu können. Und das

setze voraus, in allen betrieblichen Bereichen

auf dem neuesten Stand zu sein.

Deshalb „drücken“ Lehrlinge, Gesellen,

Meister, Ingenieure und die kaufmännischen

Kräfte immer mal wieder die

„Schulbank“ – zum Beispiel in der Akademie

des Handwerks Schloss Raesfeld

(dort besucht auch der Chef Kurse und

Seminare), in der Berufsbildungsstätte

Westmünsterland in Ahaus und im Bildungszentrum

der Handwerkskammer

Münster. Seminare werden auch in

einem Schulungsraum im Betrieb angeboten.

Dazu werden dann Referenten aus

verschiedenen Fachgebieten eingeladen,

„auch schon mal ein Richter vom Oberlandesgericht,

um Fälle aus der VOB, der

Vergabe- und Vertragsordnung für Bauleistungen,

zu diskutieren“, erläutert Josef

Terhalle. Zu den Angeboten gehören

auch Themen wie Redegewandtheit und

sicheres Auftreten, „denn die Mitarbeiter,

die Kontakt zu Kunden haben, sollen sich

auch gut ausdrücken können“.

Gute Kontakte

gibt es zu weiteren

Bildungseinrichtungen.

Terhalle-Mitarbeiter

nehmen auch an

berufsbegleitenden

Studien und

Fernstudien in

Berufsakademien und Hochschulen teil,

um ihre Kenntnisse zu erweitern und sich

für neue Aufgaben zu qualifizieren. Übrigens

auf Kosten des Unternehmens, denn

Josef Terhalle bezahlt nicht nur die Weiterbildung

seiner Mitarbeiter, sondern

auch die Stunden, die während der regulären

Arbeitszeit dafür aufgewendet werden.

„Weiterbildung ist Arbeitszeit“, lautet

das Credo des Chefs, denn wer sich

weiterbilde, der zeige auch eine hohe

Identifikation mit dem Betrieb und fördere

den Zusammenhalt. Geld für Weiterbildung

sei auf jeden Fall gut investiertes

Geld. Das gelte übrigens immer, und deshalb

investiert Josef Terhalle gerade auch

in konjunkturell guten Zeiten in Weiterbildung.

„Damit wir für weniger gute Zeiten

gerüstet sind.“ Er ist der Meinung,

dass es keinen Sinn macht, Weiterbildung

erst bei flauer Wirtschaftslage anzubieten.

„Dann ist es zu spät.“

Die Frage nach der Fluktuation von Mitarbeitern

stellt sich beim Terhalle-Team

eigentlich nicht – oder sie kommt von

außen. „Natürlich gibt es Unternehmen,

die an meinen Leuten baggern“, weiß der

Chef. Aber von den wenigen, die ein solches

Angebot angenommen hätten, seien

einige zurückgekommen.

37 Lehrlinge bildet der Handwerksbetrieb

aktuell aus – Abiturienten, Realschüler,

Hauptschüler und Absolventen

von Förderschulen. „Ich möchte vielen

jungen Leuten die Chance auf eine Ausbildung

geben“, betont Josef Terhalle.

Und wer nicht klar komme, für den gebe

es samstags Unterricht im Betrieb.

Kennt der Chef seine 240 Mitarbeiter alle

mit Namen? Josef Terhalle schmunzelt.

Fast alle – und bei den Festen im Sommer

und in der Weihnachtszeit tragen alle ein

Namensschild.

Er hat sogar eine Geburtstagsliste seines

Teams und gratuliert den Mitarbeitern,

die er am Geburtstag erreichen kann

(meist per Telefon), persönlich.

Hubertus Kost

MÜNSTERLAND ÜBERDURCHSCHNITTLICH

Jeder siebte Deutsche ab 25 Jahre (13,5 Prozent der Einwohner) nimmt mindestens

einmal jährlich an einer Weiterbildung teil. Das hat die Bertelsmann-Stiftung

in einer Studie („Weiterbildungsatlas“) ermittelt. Die Qualifikation der Bevölkerung

und die Wirtschaftskraft vor Ort wirkten sich positiv auf die Teilnahme

an Weiterbildung aus, heißt es in der Studie. Dabei gibt es deutliche regionale

Unterschiede.

Die „stärkste“ Weiterbildungs-Region ist Würzburg (17 Prozent der Einwohner

bildet sich mindestens einmal jährlich weiter), Schlusslicht ist das Emsland mit

sechs Prozent. Für Nordrhein-Westfalen wurde eine Quote von zwölf Prozent ermittelt.

Das Münsterland liegt mit 15,7 Prozent über dem bundesweiten Durchschnitt.

Betriebliche Weiterbildungsangebote, so zeigt die Studie, die den Zeitraum

2007 bis 2012 umfasst, sind in dieser Zeit gestiegen.

hko

www.bertelsmann-stiftung.de


24 GELD & GESCHÄFT

++ TERMINE +++ TERMINE +++ TERMINE ++

28. Oktober 2015: 1. Westfälischer Kongress für Mitarbeiterbegeisterung,

Messe- und Congress-Centrum Halle

Münsterland, Münster (www.begeisterungs-kongresse.de)

5./6. November 2015: DVSG-Bundeskongress 2015 (Deutsche

Vereinigung für Soziale Arbeit im Gesundheitswesen),

Messe- und Congress-Centrum Halle Münsterland,

Münster

6. bis 8. November 2015: Zimt & Sterne, Messe mit 120

Ausstellern, Messe- und Congress-Centrum Halle Münsterland,

Münster (www.zimtundsterne.de)

7. bis 9. November 2015: Martinimarkt in Nottuln, Ortskern

(www.nottuln.de)

11./12. November 2015: SAP-Forum für Versorgungswirtschaft,

Messe- und Congress-Centrum Halle Münsterland,

Münster

16. bis 22. November 2015: Gründerwoche im Kreis Coesfeld

– Impulse für den starken Start (www.wfc-kreis-coesfeld.de)

16. bis 20 November 2015: „Münster gründet!“, Seminare

und Workshops, Wirtschaftsförderung Münster (www.muenster-gruendet.de)

24. November 2015: „Altes Eisen oder Edelstahl? Fachkräftesicherung

durch ältere Mitarbeiter“, Business-Talk

der Bundesagentur für Arbeit Ahlen-Münster, 16.30 bis

19.30 Uhr, Friedenskapelle, Willy-Brandt-Weg 37b, Münster

27. November 2015: Job-Matching Münsterland, 10 - 14

Uhr, DEULA Westfalen-Lippe GmbH, Warendorf, gfw-Gesellschaft

für Wirtschaftsförderung im Kreis Warendorf

GmbH und Aktion Münsterland e.V.

8./9. Dezember 2015: Angewandte Computersicherheit für

Unternehmen, Seminar, Fachhochschulzentrum (FHZ),

Corrensstraße 25, Münster

Mehr Unterstützung auf

dem Weg zum Meister

Bundesregierung legt beim „Meister-BAfög“ nach. Auch Bachelor profitieren.

Wer sich zum Handwerks- oder Industriemeister,

zum Techniker,

Fachwirt oder staatlich geprüften Erzieher

fortbilden will, wird künftig

besser unterstützt. Ab August 2016

werden die Förderbeträge beim

„Meister-BAföG“ erhöht. Fortbildung,

Beruf und Familie werden besser

vereinbar.

Das Bundeskabinett hat die

Novelle des Aufstiegsfortbildungsförderungsgesetzes

beschlossen. Sie soll

zum 1. August 2016 in

Kraft treten. Fach- und Führungskräftenachwuchs

wird überall gebraucht: in

Handwerks- und Industriebetrieben genauso

wie in Krankenhäusern oder Kitas.

Allein im Handwerk stehen in den kommenden

zehn Jahren 200 000 Betriebsnachfolgen

an. Mit dem „Meister-BAföG“

werden ausgebildete Fachkräfte unterstützt,

die sich weiterqualifizieren. Seit

sieben Jahren steigt die Zahl der mit dem

„Meister-BAföG“ geförderten Teilnehmerinnen

und Teilnehmer kontinuierlich:

2014 waren es rund 172 000.

Wer eine Aufstiegsfortbildung plant,

muss Arbeit, Familie, Lehrgänge sowie

Zeit fürs Lernen und für die Prüfung vereinbaren.

Oft sind Freistellungsphasen

oder Teilzeitarbeit sowie zusätzliche Kinderbetreuung

erforderlich. Lebensunterhalt

und Fortbildungskosten müssen finanzierbar

sein. Die Bundesregierung

In einem Bildungszentrum bereitet sich ein

Gas-Wasser-Installateur auf die Meisterprüfung

vor.

Foto: dpa

will mögliche Hemmschwellen abbauen,

um noch mehr Menschen für die Aufstiegsfortbildung

gewinnen.

Ziele der Novelle sind daher, die Vereinbarkeit

von Fortbildung, Beruf und Familie

zu erleichtern und die Finanzierung

weiter zu verbessern. So sollen mehr

Frauen davon profitieren und sich für

eine Aufstiegsfortbildung entscheiden.

Bisher sind weniger als ein Drittel der Geförderten

Frauen.

Mit der Novelle des Aufstiegsfortbildungsförderungsgesetzes

(AFBG) wird

die Förderung familienfreundlicher: die

Unterhaltszuschläge für Kinder und Ehegatten

steigen von auf 235 Euro monatlich.

Der einkommensunabhängige Kinderbetreuungszuschlag

für Alleinerziehende

wird auf 130 Euro monatlich erhöht.

Außerdem steigen die Zuschussanteile,

die Vermögensfreibeträge, die Beiträge

für Lehrgangs- und Prüfungskosten und

für das „Meisterstück“. Der Erfolgsbonus

für das Bestehen der Abschlussprüfung

wird erhöht: Künftig werden 30 Prozent

des Restdarlehens für Lehrgangs- und

Prüfungskosten erlassen.

Bereits mit der 25. BAföG-Novelle wurden

die Basisunterhaltsbeträge und die

Einkommensfreibeträge beim Meister-

BAföG erhöht. Die Verbesserungen aus

beiden Gesetzesnovellen sollen zeitgleich

zum 1. August 2016 in Kraft treten.

Bund und Länder stellen in den nächsten

Jahren bis zu 55 Millionen Euro jährlich

zusätzlich bereit.

Mit der Novelle öffnet die Bundesregierung

das Meister-BAföG für Bachelorabsolventen.

Auch Studienabbrecher, die in

eine betriebliche Ausbildung gewechselt

sind, können mit Vorqualifikationen

künftig Meister-BAföG erhalten.

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25 LEBEN & WISSEN

Arroganz kann

nicht schaden

Unternehmensberater finden: Frauen sollten im Beruf die Gesten

der Männer durchschauen lernen

Männer und Frauen bewegen sich in

unterschiedlichen Umlaufbahnen.

Zumindest, wenn es um die Macht

der Sprache und der Gesten geht.

Unternehmensberater wie Peter

Modler haben sich darauf spezialisiert,

Frauen mit typisch männlichem

Verhalten vertraut zu machen,

um ihnen Werkzeuge in die Hand zu

geben, mit denen sie sich beruflich

durchsetzen können. Wenn es hart

auf hart kommt, kann das sehr nützlich

sein.

Nicht dass sie nicht ohnehin

schon gewusst hätte, dass

Männer und Frauen eine

denkbar unterschiedliche

Kommunikation pflegen.

Doch dass all dies intuitiv geschieht, quasi

einem Naturgesetz der Unterschiedlichkeiten

geschuldet ist – das weiß Anja

seit einem Workshop genau. Gebucht

hatte ihn die in Süddeutschland lebende

Führungskraft in der Finanzindustrie bei

Dr. Peter Modler, einem Unternehmensberater

und Autor. Der Titel dürfte zunächst

einmal irritieren: Modler lädt regelmäßig

Frauen aus deutschen Führungsetagen

zu einem „Arroganz-Training“

ein, das sie in die Lage versetzen

soll, die Körperbotschaften, das Revierverhalten

und die Sprache der Männer als

Machtinstrumente zu verstehen und für

ihre eigenen Zwecke zu nutzen. Wie

unterschiedlich Männer und Frauen handeln,

ist Modler spätestens als Dozent im

Rahmen eines Lehrauftrags aufgefallen.

„Dabei“, sagt der Coach, „will ich nicht

„Dabei will ich nicht Arroganz als

Lebenshaltung empfehlen.“

Peter Modler

Arroganz als Lebenshaltung empfehlen.

Vielmehr verstehe ich die Anwendungsformen

von Arroganz als Werkzeuge, die

betroffene Frauen in ihrer alltäglichen

,Tool-Box‘ dabeihaben sollten, um sie bei

Bedarf auch einsetzen zu können – bei

Bedarf wohlgemerkt. Also bevorzugt an

einem Arbeitsplatz, an dem das berufliche

Klima wegen bestimmter Männer als

belastend erlebt wird. Dann darf der

Werkzeugkasten hervorgeholt werden

und das passende Instrument zum Einsatz

kommen.“ Anja, eine seiner Seminarteilnehmerin,

heißt übrigens nicht wirklich

so. Sie will ihre Identität in diesem

Zusammenhang nicht offenbaren – die

Männer aus ihrem berufl

ichen Umfeld

sollen schließlich nicht wissen, dass sie

ihr Verhalten enttarnt hat. Es ist auch

nicht so, dass sie das, was sie bei Modler

gelernt hat, bewusst anwendet. „Es ist jedoch

in vielen Situationen hilfreich zu

verstehen, weshalb und wie Männer auf

bestimmte Situationen reagieren.“ Heute

jedenfalls würde ihr nicht mehr

das passieren, was zuvor häufig

geschehen ist. „Wenn Frauen

gefragt werden, wie sie die

Ergebnisse eines Meetings

empfunden haben, nennen

sie zunächst die negativen

und dann erst die positiven

Punkte. Einem Mann würde

das nie passieren.“ Das zeigen

viele von ihnen schon durch ihre

Körpersprache. „Männer fl

äzen

sich auf ihren Stühlen, sitzen breitbeinig

und signalisieren, dass sie alles

im Griff haben und längst schon

alles wissen.“ Schön wär’s ...

► Fortsetzung auf Seite 26

Alles im Griff. Die Körpersprache und der Blick sprechen Bände.

Foto: coulorbox.de

Bauunternehmer des Jahres 2015

Besser bauen dank

Kundenorientierung

Das „Bauunternehmen des Jahres 2015“ in der Kategorie Hochbau (gU) punktet mit Kundenorientierung.

Die Firma Heckmann aus Westfalen steht für eine neue Generation von Bauunternehmen,

die mit modernen Managementmethoden einen fast vergessenen Ehrenkodex wiederbeleben.

Preisverleihung in Düsseldorf Verwaltungsgebäude Ruhr-Uni, Bochum Produktions-/Bürogebäude ITA, Beckum Busbahnhof Witten

Der Wettbewerb zum „Bauunternehmen des Jahres“ wurde vom Fachmagazin

THIS und der Technischen Universität München, Lehrstuhl

für Bauprozessmanagement und Immobilienentwicklung, erstmals vor

drei Jahren ins Leben gerufen. Ziel ist es, Erfolgsfaktoren und Innovationen

in der Bauwirtschaft zu identifizieren und auszuzeichnen. Die

Firma Heckmann konnte die Juroren vor allem mit ihrer konsequenten

Kundenorientierung überzeugen.

Wendepunkt 2000

„Auch für uns war es nicht immer selbstverständlich, die Wünsche

des Bauherren in den Mittelpunkt unserer Anstrengungen zu stellen“,

gesteht Martin Karnein. „Der Wendepunkt war im Jahr 2000. Hätten

wir damals nicht alles für eine konsequente Kundenorientierung getan,

gäbe es uns heute wohl nicht mehr“, glaubt Karnein.

Was war geschehen? – Um zu verstehen, wie tiefgreifend der Wandel

in der Unternehmensphilosophie war, ruft Martin Karnein die

Entwicklung der Bauindustrie in Erinnerung.

Die Firma Heckmann wurde bereits 1921 in Hamm gegründet. Straßen-

und Kanalbau war damals das große Thema. In den folgenden

Jahrzehnten kam der Hochbau hinzu, außerdem spezialisierte

Betriebe im Bereich der Kanalsanierung, des Baustellenservice und

schließlich der Projektentwicklung im Bereich des Wohnungsbaus.

Standorte sind Hamm, Brilon und Wiehl. Heute arbeiten 410 Mitarbeiterinnen

und Mitarbeiter für die Unternehmensfamilie, davon

330 in Hamm. Doch die Zeiten waren nicht nur rosig.

Martin Karnein erinnert sich noch an die goldenen 1980er Jahre:

Die Branche boomte, Vollbeschäftigung war selbstverständlich, die

Bauunternehmer tranken Kaffee miteinander und beglückwünschten

sich gegenseitig zu guten Preisen. Der „Aufbau Ost“ hielt die gute

Stimmung noch einige Jahre in Gang. Doch dann kam die Krise. Ab

1995 schrumpfte die Branche in zehn Jahren von rund 1,5 Millionen

Mitarbeitern auf 700.000.

Handeln statt jammern

Die Firma Heckmann konnte ihre Beschäftigtenzahl ungefähr halten.

Doch um genügend Aufträge zu generieren, musste auch sie sich auf

den brutalen Preiskampf einlassen. Die Unternehmen unterboten sich

gegenseitig und versuchten, über möglichst viele Nachträge auf ihre

Kosten zu kommen. Mit der VOB gerüstet, tricksten die Bauunternehmen

auf der einen, die Architekten und Bauherren auf der anderen

Seite sich gegenseitig aus. Kosten- und Termintreue blieben ebenso

auf der Strecke wie die Freude am Bauen.

„Fünf Jahre lang haben wir mitgemacht und mitgejammert“, erzählt

Karnein. Man hoffte, dass es irgendwann besser werden würde,

hoffte auf die nächsten Wahlen. „Doch im Jahr 2000 kamen wir zu

der Einsicht, dass der Markt sich nicht ändern wird. Wir mussten uns

ändern.“ Die Führungskräfte der Firma Heckmann stellten sich die

Schlüsselfrage: Warum soll der Kunde mit uns bauen?

Weil er mit der Leistung der Firma Heckmann zufriedener ist als mit

anderen. Weil seine Wünsche und Bedürfnisse wo immer möglich

berücksichtigt werden. Weil er das Bauunternehmen als Partner erlebt,

auf den er sich in jeder Hinsicht verlassen kann. Heckmann

machte das Wort „GILT“ zum Kerngedanken ihrer Philosophie. Es

steht für Kostentransparenz und Termintreue, aber auch für den fairen

Umgang mit Mitarbeitern und ein Qualitätsversprechen bis ins Detail

der Bauausführung.

Alte Werte und moderne Methoden

Der Kundennutzen wurde also an die oberste Stelle des Denkens und

Handelns gestellt. Man besann sich wieder auf die alten Werte der

traditionsreichen Unternehmerfamilie. Martin Karnein gibt ein einfaches

Beispiel: „Eine aufgeräumte Baustelle ist für uns Ehrensache.

Doch sie ist auch von großem Nutzen für die Kundenzufriedenheit.

Wenn der Bauherr am Wochenende seiner Familie voller Stolz die

Baustelle zeigen kann, macht das oft einen nachhaltigeren Eindruck

als tausend technische Argumente über Dachisolierung und Entwässerungssysteme.“

Um die Idee von der Kundenorientierung ins operative Geschäft

umzusetzen und schließlich wirtschaftlichen Nutzen daraus zu ziehen,

reichte es nicht, sich an die alten Werte eines traditionsreichen

Unternehmens zu erinnern. Moderne Managementmethoden waren

gefragt.

Martin Karnein gehörte zu den Gründungsmitgliedern des 2000 von

Dr.-Ing. Rüdiger Weng ins Leben gerufene Arbeitskreis „Marketing

Bau“. Zweimal jährlich treffen sich zwölf Bauunternehmen aus ganz

Deutschland, um gemeinsam über Verbesserungen im Bereich Kundenorientierung

und Marketing nachzudenken. Zusätzlich führte die

Geschäftsleitung der Firma Heckmann mit ihrer Führungsmannschaft

eine Strategietagung unter der Leitung von Heinz-Jürgen Maier von

ConsultingPartner BAU durch. Eine Grundsatzentscheidung wurde

getroffen: Die wesentlichen Bauleistungen sollten mit eigenen Mitarbeitern

durchgeführt werden.

Die Ziele wurden festgezurrt, Handbücher mit praktischen Anleitungen

zur Kundenorientierung für die Führungskräfte erarbeitet. In Schulungen

wurden Bauleiter, Kaufleute und Poliere von der neuen Unternehmenskultur

überzeugt. Die Wertschätzung der Mitarbeiter wird

durch das außergewöhnliche Engagement in der Ausbildung und der

Fortbildung unterstrichen. Die Ausbildungsquote von Heckmann ist

heute mit 1:6, also einem Auszubildenden auf sechs Mitarbeitern,

die höchste in ganz Nordrhein-Westfalen. Für Karnein ist das nur logisch:

„Wir wollen keine Bauleistungen managen, sondern sie selbst

mit unseren eigenen, gewerblichen Mitarbeitern erbringen. Daher

übernehmen wir selbstverständlich die Verantwortung für eine gute

Ausbildung und Fortbildung im Sinne unserer Unternehmenskultur.“

Jeder Bau ein Unikat

In der Akquise- und Entwurfsphase sowie im Vertrieb sind die Bauund

Kaufleute bemüht, sich in das Denken des Kunden hineinzuversetzen.

Karnein bericht beispielhaft von dem Bau des Handelshofs

in Hamm. Ein zentraler Aspekt des Entwurfs war die Höherverlegung

des Großhandels um einen Meter. Zahlreiche technische Gründe

sprachen dafür. Doch ausschlaggebend für die Auftragsvergabe

war schließlich das Argument, dass die Werbung des Großhandels

durch die Erhöhung von der Schnellstraße aus besser sichtbar ist.

„Darauf wäre ich vorher nicht gekommen“, sagt Karnein. Bei jedem

Angebot setzen sich die Kalkulatoren vorher mit dem Auftraggeber

zusammen, um die Bedürfnisse und Wünsche genau kennenzulernen.

Vor allem beim Gewerbebau im Bestand wird darauf geachtet, dass

der Bauherr möglichst ungestört weiterarbeiten kann, Zufahrtswege

nicht blockiert und zukünftige Entwicklungen berücksichtigt werden.

„Die intensive Auseinandersetzung im Vorfeld lohnt sich unbedingt“,

macht Karnein deutlich. „Jeder Bau ist ein Unikat. Einen zweiten

Versuch gibt es nicht.“

Und so kommt es, dass auf den Baustellen von Heckmann auch

die Auszubildenden grüßen, wenn unverhofft ein Architekt erscheint.

Dass für die VIP beim Spatenstich Gummistiefel bereitstehen. Dass

Eigentümer schon vor dem vereinbarten Termin einziehen können.

Und dass Heckmann die Umsätze steigern, die Zahl der Mitarbeiter

in den letzten zehn Jahren um rund ein Drittel erhöhen und sich zuletzt

mit großem Erfolg als Projektentwickler im städtischen Wohnungsbau

etablieren konnte.

„Mit zufriedenen Kunden macht die Arbeit mehr Freude, das Ergebnis

wird besser und das Bauunternehmen erfolgreicher“, fasst Martin

Karnein die Neuausrichtung in der Unternehmensfamilie Heckmann

zusammen. Und letztlich kann man sich sogar über die Auszeichnung

zum „Bauunternehmen des Jahres 2015“ freuen. Ins Bild passte dann

auch, dass die Firma Heckmann mit einem Omnibus zur Preisverleihung

anreiste. Schließlich sollten möglichst viele Mitglieder der

Unternehmensfamilie dabei sein, wenn der Erfolg gefeiert wird.

Die Autorin: Ursula Pfennig ist Journalistin in Hamm und verfolgte die

Entwicklung der Firma Heckmann seit zehn Jahren.

Bernhard Heckmann GmbH & Co. KG

Bauunternehmen | HAMM | BRILON | WIEHL

Römerstraße 113 T. 02381.7990-37 | M. 0151.42269837

D-59075 Hamm F. 02381.7990-937 | www.heckmann-bau.de

andreas.grosse-waechter@heckmann-bau.de


26 LEBEN & WISSEN

Lernen mit dem

Sparringpartner

Im Seminar werden bei verschiedenen Spielszenen

Reaktionen und Verhaltensmuster deutlich

Modler versteht es immer

wieder, die Teilnehmerinnen

seiner Seminare,

zu denen längst

nicht mehr nur Führungskräfte

gehören, mit seiner Konzeptidee

zu verblüffen. Als Sparringspartner

bringt er Männer mit, die bewusst nicht

über den Sinn und Zweck des Workshops

informiert werden. „Der Sparringspartner

muss lediglich zwei Bedingungen

erfüllen: Er muss ein Mann sein,

und er muss sich artikulieren können“,

erklärt Modler. Alter und Beruf spielen

keine Rolle.

Die Seminarteilnehmer und der Sparringpartner

werden kurz über eine Ausgangssituation

informiert. Anschließend

verlässt der Mann den Raum. Die Frauen

überlegen gemeinsam mit dem Unternehmensberater,

wie der Mann reagiert.

„Der Sparringspartner muss lediglich

zwei Bedingungen erfüllen:

Er muss ein Mann sein, und er

muss sich artikulieren können.“

Peter Modler

PETER MODLER

Jahrgang 1955, verheiratet, zwei erwachsene

Kinder, drei Semester Jura,

Studium Katholische Theologie

(Promotion); bautechnische Ausbildung;

langjährige Führungspraxis

als Prokurist, Geschäftsführer und

Unternehmer in der Medienbranche.

Eigene Unternehmensberatung seit

1998, ehrenamtlicher Arbeitsrichter

(Arbeitgeber-Vertretung). Lehraufträge

an der Universität Freiburg.

Autor der Bücher „Das Arroganz-

Prinzip“ und „Die Manipulations-

Falle“.

„Und es ist tatsächlich so, dass er sich anschließend

genauso verhält, wie wir es

erwartet haben.“

In nachhaltiger Erinnerung ist Anja eine

Spielsituation geblieben, in der ein Bruder

und eine Schwester gemeinsam ein

Familienunternehmen erben. „Der Bruder

beginnt augenblicklich, die Führung

an sich zu reißen und seine Schwester aus

der Verantwortung zu drängen.“ Sollte

Anja in eine solche Situation geraten,

wüsste sie, was zu tun ist: „Ich würde

mich nicht unterbuttern lassen und dem

Mann seine Grenzen aufzeigen.“

Zusammenarbeit auf Augenhöhe? Im Beruf versucht oft der Mann, das Terrain zu beherrschen.

Foto: coulorbox.de

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Der Raum

gehört mir

An der Wand entlang gehen, schnell dorthin

gehen, wo gerade ein Stuhl frei ist

und auf der Kante Platz nehmen, wenn

ein Meeting beginnt, das schon vorher

Unbehagen bereitet: Das ist typisch für

viele Frauen. Sie wollen auf fremdem

Territorium nicht anmaßend auftreten.

Der Effekt: Ihre Ausstrahlung – und mag

sie auch sonst noch so beeindruckend

sein – verpufft.

Männer – die meisten jedenfalls nach der

Beobachtung von Peter Modler – verhalten

sich ganz anders. Sie schreiten durch

den Raum, als handele es sich um ihr

Wohnzimmer, beanspruchen den Stuhl

komplett und legen ihre Unterarme entspannt

auf dem Tisch ab. Die Botschaft:

Dieses Territorium gehört mir.

Gebote der

Arroganz

Modler hat Gebote der Arroganz entwickelt,

die er Frauen sehr ans Herz legt.

Darunter: Du sollst nicht alles tödlich

ernst nehmen. Denn das führt im Umgang

mit Männern viel zu oft zu Missverständnissen.

Nächstes Gebot: Du sollst

nach der Macht greifen. Wenn die Kompetenz

gegeben ist – warum das eigene

Licht unter den Scheffel stellen. Ein weiteres

Gebot: Du sollst deine Stimme bewusst

einsetzen. Denn das kann manchmal

beeindruckender als der Inhalt sein.

Gleichfalls interessant: Du sollst dein Revier

verteidigen. Das schützt vor Eindringlingen

und führt zu Respekt. Wer

sein Territorium schützt, wird es nicht

mehr erleben, dass sich ein Kollege plötzlich

auf den Schreibtisch setzt.

Klare

Sprache

Stress, feuchte Hände, große Anspannung:

Viele Frauen erhöhen in einer solchen

Situation ihre Sprechgeschwindigkeit.

Mit einer unangenehmen Konsequenz:

Was sie sagen, ist kaum zu verstehen.

Das Zuhören ist mühsam und unangenehm.

Zu einem solchen Verhalten neigen

Frauen vor allen Dingen in Konflikten,

wenn sie jemanden wegen seines

schlechten Verhaltens zur Rede stellen

wollen, die Konfrontation aber scheußlich

finden. Die meisten Männer hingegen

bringen das Problem knapp auf

den Punkt und lassen sich auf keine Diskussion

ein. Interessanterweise kommt

dieses Verhalten bei den zurechtgewiesenen

Männern gut an: Klare Kante, verstanden

und begriffen.

Sagen, was

Sache ist

In seinem Buch „Das Arroganz-Prinzip“

schildet Modler eine typische Situation:

Eine Frau steht vor der von ihr als sehr unangenehm

empfundenen Aufgabe, einen

Geschäftspartner auf seine schlechte

Arbeit hinzuweisen. In den ersten Anläufen

des Rollenspiels bemüht sie sich um

Höflichkeit und prallt an der aalglatten

Reaktion des Geschäftspartners ab. Dann

jedoch ändert sie ihre Strategie, kündigt

eine Honorarkürzung an und klingt

knapp und distanziert.

Der für viele Frauen in Modlers Seminaren

verblüffende Effekt: Der Mann fühlt

sich nicht persönlich angegriffen und

weiß, woran er ist. In manchen Situationen

sind weitschweifende und freundliche

Erklärungen zwecklos.


LEBEN & WISSEN 27

Wundertüte Westfalen

Ausstellung im Museum für Kunst und Kultur bietet vielfältige Exponate, wirkt aber unübersichtlich

Der rote Faden der Jubiläumsausstellung

„200 Jahre Westfalen“ im

Museum für Kunst und Kulturgeschichte

in Dortmund lässt sich nicht

so ganz leicht finden. Das liegt zum

einen an der vielschichtigen Materie,

die hier verhandelt wird. Denn wenn

in Westfalen, das vor 200 Jahren auf

dem Wiener Kongress als preußische

Provinz aus der Taufe gehoben wurde,

eines wirklich beständig war,

dann der stete Wandel. Das liegt zum

anderen aber auch an der Anordnung

von rund 800 Exponaten in nur

drei Räumen im beengten Erdgeschoss

des Museums.

Museumsdirektorin und

Ausstellungskuratorin

Dr. Brigitte Buberl

möchte, wie sie im Gespräch

mit unserer Zeitung

erläutert, zusammen mit ihrer Mitkuratorin

Carina Berndt eine Art „Wundertüte“

bieten, die viele Facetten und

Überraschungen bereithält. Daran mangelt

es tatsächlich nicht: Der Bogen reicht

von der Aktentasche des preußischen Reformers

Freiherr vom Stein bis zum Bergmannshelm

und von der dichtenden

Droste bis zur Schalke-Bettwäsche. Doch

es braucht angesichts eines solchen Sammelsuriums

Durchblick oder im Zweifelsfall

die Bereitschaft, sich mit einzelnen

Themen intensiver zu befassen, um nicht

im Westfälischen unterzugehen wie der

Löffel im Töttchen.

Der historisch vorgebildete Besucher

wird sich tunlichst am chronologischen

„Horizont“ und an den historischen Anfängen

des modernen Westfalen orientieren.

Da trifft er auf Gemälden und Stichen

den 1814 fast endgültig geschlagenen

und die Hand auf den kranken Magen

legenden Napoleon sowie auf die

Wiener Kongress-Diplomaten von Metternich

bis Talleyrand, die Europa wie ein

Kuchenstück neu aufteilen und dabei die

Preußen, die eigentlich viel lieber Sachsen

haben wollten, mit Westfalen entschädigen.

Westfalen wiederum wurde

zuvor noch von Napoleons lustigem Bruder

Jérôme von Kassel aus wie ein künstlicher

Musterstaat

regiert.

Reformer, Dichter,

Denker und

Regierende markieren

an der

Wand den historischen

Zeitstrahl,

„Das Westfälische ist die Urform

der Nachhaltigkeit.“

Dortmunds Oberbürgermeister Ullrich Sierau

Aktentasche und Schreibbesteck des Freiherrn vom Stein, um

1820/30. Foto: Jürgen Peperhowe

Zeitsprünge: Im Vordergrund ein „Kleinschnittger“. Das Auto aus den 1950er Jahren wurde in Arnsberg konstruiert. Im Hintergrund schaut Annette von Droste

Hülshoff (1797-1848) ernst und würdevoll in die Welt.

Foto: Jürgen Peperhowe

der vom 19. bis

ins 20. Jahrhundert, von der Romantik

über die Revolution 1848/49 bis in die

Weimarer Zeit reicht. Wir sehen Johann

Joseph Spricks geschöntes Droste-Bild

aus dem Jahre 1838 ebenso wie den sich

bereits Ende des 18. Jahrhunderts bildenden

katholisch-intellektuellen Kreis der

Fürstin von Gallitzin auf dem bekannten

Gemälde von Theobald Reinhold von Oer

(1864).

Allein mit Bildern und papierener Flachware

können historische Ausstellungen

heute natürlich niemanden mehr hinter

dem Ofen hervorlocken. Deshalb haben

die Ausstellungsdesigner Ovis Wende

und Lukas Kretschmer als Blickfänge im

Verlauf einer

„Straße“, die

durch simple Linien

am Boden

markiert ist, vier

„Häuser“ über das

Leben in Westfalen

angesiedelt.

Der Besucher darf

zunächst in eine Amtsstube schauen, in

der persönliche Relikte der Freiherren

Karl vom Stein und Ludwig von Vincke

(erster Oberpräsident der Provinz Westfalen)

ausliegen. Ein Bergmann lädt in

ein typisch möbliertes Wohnzimmer mit

Küche ein. Ein Kneipenszenario bietet

Tresen, Biersorten, Zigarren und

Preispokale. Im vierten Haus oder

besser „Zimmer“ findet man Bettwäsche

und Fußball-Devotionalien

zweier Zwillingsbrüder, die aus

dem Ruhrgebiet stammen, allerdings

den beiden Antagonisten

Schalke und Borussia Dortmund

huldigen.

Thematisch angenehm geschlossen

und konzentriert präsentiert sich jener

Raum mit dem Titel „Gewächshaus“,

der dem Museumsgast

im weitesten

Sinne Flora, Fauna und

Landwirtschaft des ländlich

geprägten Westfalen näherbringt.

Pflanzen der Region,

Ackerbau und Viehzucht werden

anhand von Fotos und ausgestopften Tieren

sowie Gerätschaften in Szene gesetzt.

Ein lobenswerter Kniff der Präsentation,

bei deren Erstbegehung noch vieles hinund

hergerückt wurde, besteht aus drei

Wechselausstellungen, die in die über ein

halbes Jahr dauernde Gesamtschau integriert

werden. Im ersten „Territorium“

geht es bis Anfang November um Westfalens

Aufbruch in die Moderne. Weitere

„Territorien“ werden sich sodann mit „Industrie,

Mobilität und Produktion mit

Wasserkraft“ sowie mit „Gegensätzen

und Toleranz“ befassen. Dazu zählen thematisch

die konfessionelle Struktur ebenso

wie die Verfolgung der Juden und die

Zwangsarbeit im Zweiten Weltkrieg sowie

die heutige Migrationskultur in Westfalen.

Nicht zu vergessen ist der dem Lebensgefühl

vieler junger Museumsgäste geschuldete

„Prolog“ der Ausstellung, in dem

Selfies vor typischen Schlagwörtern über

Westfalen im Hintergrund angefertigt

werden können. Johannes Loy

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Die Schau „200 Jahre Westfalen.

Jetzt!“ vereint 800 Exponate von

136 Leihgebern auf rund 1000

Quadratmetern Grundfläche. Sie

hat rund 700 000 Euro gekostet

und ist als Wanderausstellung

konzipiert. Zunächst wird sie nun

vom 28. August bis zum 28. Februar

2016 in Dortmund gezeigt.

Dann wandert sie ab Mitte 2016 in

teilweise abgespeckter Form

durch Westfalen. Im Münsterland

ist sie in Wadersloh, Lüdinghausen

und Gescher zu sehen. Öffnungszeiten:

Di, Mi, Fr, So 10-17

Uhr, Do 10-20 Uhr, Sa 12-17 Uhr.

Eintritt: 6 Euro, ermäßigt 3 Euro,

umfangreiches Begleitprogramm.

ERFOLGSFAKTOR BERUFLICHE BILDUNG

Kontakt:

www.kh-st-waf.de

Beckum | Ibbenbüren | Rheine | Warendorf

T 05971 4003-3500

weiterbildung@kh-st-waf.de


28 WISSEN

Der Weltmarktführer unter

den Computermuseen

Das „Heinz Nixdorf MuseumForum“ inPaderborn besticht durch Größe und Konzept. Die multimediale Zeitreise

führt durch 5000 Jahre und beginnt bei der Entstehung von Zahl und Schrift.

Nicht imSilicon Valley, sondern im

ostwestfälischen Paderborn steht

das weltgrößte Computermuseum.

Mit 6000 Quadratmetern Ausstellungsfläche

übertrifft das Heinz-Nixdorf-Museumsforum

(HNF) alle anderenMuseen,

diesich mit der Informationstechnik

befassen.

Einzigartig ist das HNF abgesehen

von seiner Größe aber

vorallem aufgrund seinerinhaltlichen

Konzeption. Die

Dauerausstellung umfasst

5000 Jahre Vergangenheit, Gegenwart

und Zukunft der Informationstechnik,

Wiedererkannt? Der Apple Macintosh aus den 1980ern war der

erste Mikrocomputer mit grafischer Benutzeroberfläche, der in größeren

Stückzahlen produziert wurde.

Fotos: HNF

von der Keilschrift über Rechen- und

Schreibmaschinen bis zu Internet und

Robotik.

Die multimediale Zeitreise beginnt bei

der Entstehung von Zahl und Schrift in

Mesopotamien 3000 v. Chr. und umfasst

die Kulturgeschichte des Schreibens,

Rechnens und Zeichnens. Schreib- und

Rechenmaschinen sind ebenso ausgestellt

wie Lochkartenanlagen, eine funktionsfähige

Telefonvermittlungsanlage

der 50er Jahre, Bauteile der frühesten,

zimmergroßen Computer, über 700 Taschenrechner

und die ersten PC.

Arbeitswelten aus mehreren Jahrhundertensindinder

Ausstellung inszeniert. Zu

den Höhepunkten zählen der funktionstüchtige

Nachbau der Leibniz-Rechenmaschine,

ein Thomas-Arithmomètre

von 1850, eine Jacquard-Maschine mit

Lochkartensteuerung, Komponenten des

ENIAC-Rechners von 1945, der Bordrechner

der Gemini-Raumkapsel und der

Apple 1.

Eine besondere Attraktion des HNF ist

der berühmteste Automat der Welt: Der

sogenannte Schachtürke Wolfgang von

Kempelens aus dem 18. Jahrhundert

wurde in über einjährigerArbeit im HNF

rekonstruiert.

Aber auch aktuelle Themen wie Robotik

und Künstliche Intelligenz, mobile Kommunikation

und Digitalisierung werden

präsentiert. So kann man sich mit dem

Avatar Max über Fußball und das aktuelle

Wetter unterhalten. Der Roboter RoboThespian

brilliert mit schauspielerischen

Glanzstücken aus bekannten Hollywood-Filmen

und imitiert die Bewegungen

seines menschlichen Gegen-

Nachbau der Leibniz-Rechenmaschine: Die Arbeit des Philosophen, Mathematikers und

Diplomaten Gottfried Wilhelm Leibniz war wegweisend für die Computer.

übers.

Zu Publikumslieblingen sind in kurzer

Zeit die beiden Roboter Petra und Peter

geworden. Sie führen die Besucher zu

ausgewählten Ausstellungsbereichen

und geben dazu einige Erläuterungen.

Die Roboter sind 1,50 Meter hoch, wiegen

75 Kilogramm und fahren selbstständig

durch das Museum.

Über einen Bildschirm können die Besucher

aus acht Stationen auswählen, die

Petra und Peter anschließend ansteuern.

Am Ziel angekommen, erläutern sie mit

gut verständlicher, künstlich erzeugter

Stimme auf Deutsch oder Englisch die

Ausstellungsobjekte.

Aber die Besucher können auch alte und

neue Computerspiele testen und Mensch-

Maschine-Schnittstellen ausprobieren.

Eine multimediale Inszenierung präsentiert

150 Pioniere der Computergeschichte.

Neueste Computeranwendungen und

Softwareentwicklungen können an der

digitalen Werkbank getestet werden. An

den Spieleinseln stehen Lern-, Geschicklichkeits-

und Strategiespiele zum Ausprobieren

bereit. Etwa 100

wickelte interaktive Multim

dungen und Videoinstallatio

dem Besucher die Funktions

stellter Objekteebenso nähe

bensläufe historischer Persö

Das HNF hat ein abwechslu

museumspädagogisches Pr

sammengestellt, um Kinde

gendlichen Anregungen zur

einandersetzung mit den A

objekten und ihrer Geschich

In den Workshops bauen Kin

verschlüsseln Botschaften

Papier schöpfen.

Für Lehrer und Schüler gib

es zahlreiche Möglichkeiten

Unterrichtsinhalte aufzugre

fen. Workshops und Vorträg

ergänzen die Themen de

HNF-Dauerausstellung. Au

ßer einer allgemeinen Füh

rung können Spezialführun

gen gebucht werden zu den

Themen Rechnen, Schreiben

Erfinder und Unternehmer,

Frauenarbeit in der Informationstechnik,

Kryptologie

und zur Geschichteder

Nixdorf

Computer AG.

Franz-Josef

Herber

1996 wurde es eröffnet: Seit Jahren zieht das „Heinz Nixdorf MuseumsForum“ regelmäßig weit über 100 000 Besucher an, die dort ineine Welt der Technik und Kommunikation eintauchen können.


&LEBEN 29

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„Heinz Nixdorf MuseumsForum“

Das „Heinz Nixdorf MuseumsForum“ (HNF) wird getragen durch die von Heinz

Nixdorf gegründete Stiftung Westfalen. Diese fördert vorrangig Wissenschaft

und Lehre, insbesondere auf dem Gebiet der Informationstechnik. Eröffnet wurde

das Museum imOktober 1996. Seit Jahren zieht es regelmäßig weit über

100 000 Besucher, die dort ineine Welt der Technik und Kommunikation eintauchen

können. Über 40 000 Führungen wurden seit der Gründung bereits durchgeführt.

im Haus fanden über 15 000 Veranstaltungen statt. Zur großen Sammlung

gehören rund 6000 Objekte der Rechen-, Schreib- und Bürotechnik und

der Computertechnologie, davon werden mehr als 2000 Objekte inder Ausstellung

präsentiert. 67Multimediaterminals mit speziell fürdie Ausstellung erstellten

interaktiven Anwendungen stehen zur Verfügung. 29 Video- und Audio-

Installationen werden präsentiert. Eine Weltnachrichten-Wand mit fünf Multimedia-PCs,

zwei Spieleinseln mit zwölf Multimedia-PCs gehören ebenso zum

HNF wie eine digitale Werkbank mit 16 Arbeitsplätzen. Und es gibt ein Softwaretheater.

Heinz Nixdorf MuseumsForum, Fürstenallee 7,Paderborn, Telefon 05251/306-

600, www.hnf.de

Täglich geöffnet außer montags;

dienstags bis freitags: 9bis 18 Uhr; samstags, sonntags: 10 bis 18 Uhr.

Eintritt: Erwachsene sieben Euro, ermäßigt vier Euro; Schulklassen haben nach

Anmeldung freien Eintritt.

Am Anfang war Ada

Frauen schreiben bis heute erfolgreich die Computergeschichte mit. Sonderausstellung zu den Pionierinnen.

An der Wiege des Computers stand

eine Frau. Bereits 100 Jahre vor seiner

Erfindung verfasste Ada Lovelace

(1815-1852) das erste Programm.

Auch dieweitere Entwicklung wurde

maßgeblich von Frauen geprägt. So

werden inder Ausstellung „Am Anfang

war Ada. Frauen in der Computergeschichte“

im Paderborner

Heinz Nixdorf MuseumsForum

(HNF) neben Ada Lovelace mehrere

andere Pionierinnen der vergangenen

75Jahre gewürdigt, die bis heute

dieEntwicklung der Informationstechnik

wesentlich vorangebracht

haben.

Foto: Jan Braun/Heinz Nixdorf MuseumsForum

Die Ausstellung –zusehen

bis zum Juli 2016 –illustriert

den Kampf gegen

Konventionen, zeigt technische

Meisterleistungen

und bewegende Lebensläufe. Dabei ist

„Am Anfangwar Ada“ für die Besucherinnen

und Besucher eine kurzweiligeReise

durch die Geschichtedes Computers, bei

der es viel auszuprobieren und zu erleben

gibt. So richtet sich die Ausstellung an die

gesamte Familie, Schulklassen ab der 7.

Jahrgangsstufe und alle an Technik- und

Frauengeschichte Interessierte.

„Leider sind die enormen Beiträge von

Frauen zur Computergeschichte kaum

bekannt. Daher leisten wir mit dieser

Ausstellung Pionierarbeit und hoffen,

dass die Menschen nachihrem Besuch sagen:

Wow, toll, wasdiese Frauen geleistet

haben!“, beschreibt HNF-Geschäftsführer

Dr. Kurt Beiersdörfer die Absicht der

Ausstellungsmacher. „Dabei haben wir

Wert daraufgelegt, neben den Biografien

den gesellschaftlichen Hintergrund zu

beleuchten und auch etwas über die technischen

Funktionen eines Computers zu

vermitteln.“

Die Besucherinnen und Besucher erleben

auf 700 Quadratmetern in spannenden

Inszenierungen und anhand zahlreicher

Objekte und interaktiver Installationen,

unter welchen Bedingungen Ada Lovelace

und ihreNachfolgerinnen ihreLeistungenvollbrachten.

Mit ihrer Leidenschaft,

ihren wegweisenden Überlegungen zur

Programmierung und den visionären

Ideen einer universell einsetzbaren Rechenmaschine

steht Lovelace heutestellvertretend

für viele Frauen, denen eine

gleichwertige Anerkennung bisher versagt

blieb.

Denn Ada Lovelace erkannte bereits 1843

die Universalität von Computern weit

über deren Funktion als bloße Rechenmaschine

hinaus. Sie schrieb das erste

Programm für die nie gebauteAnalytical

Engine des Charles Babbageund verwen-

An multimedialen Stationen lassen sich die Schritte, die bei der Entwicklung einer Software absolviert werden, spielerisch nachvollziehen.

Foto: Jan Braun/Heinz Nixdorf MuseumsForum

Ada Lovelace erkannt früh die Möglichkeiten

von Rechenmaschinen.Foto: Science Museum

Photo Studio

dete dabei noch heute gültige Prinzipien

der Programmierung wie bedingte Verzweigungen,

Variablen und Schleifen,

100 Jahre vor den ersten Computern.

Spannend sind neben den klassischen

Museumsobjekten 23 interaktive und

multimediale Stationen. Hier bekommt

man einiges über die Grundlagen der

Programmierung vermittelt. Die Funktion

einesCompilers, ohne den ein heutigerComputer

nicht funktionieren würde,

wirdspielerisch über das Setzen vonNoten

auf einem elektronischen Notenblatt

vermittelt. Grafische Benutzeroberflächen

und das Grundprinzip der ComputerspracheSmalltalk

wirddurch das individuelle

Gestalten eines Smileys deutlich.

Bereits während des Zweiten Weltkriegs

waren Frauen maßgeblich an der Computerentwicklung

beteiligt. Die Programmierung

des ENIAC, vondem im HNF einigeOriginalteile

zu sehen sind, nahmen

vor allem Frauen vor. Ihre Leistungen

blieben beinahe 50 Jahre lang unerwähnt,

genauso wie die bei der Entschlüsselung

der Enigma-Chiffriermaschine

im englischen Bletchley Park, an

der Tausende Frauen mitarbeiteten. In

Deutschlandwaren während des Krieges

Frauen in großer Zahl zur Bewältigung

umfangreicher Rechenaufgaben eingesetzt.

Dargestellt wird die Arbeit von

Rechnerinnen der TH Darmstadt u. a. für

das A4(V2)-Raketenprogramm in Peenemünde.

Drei Pionierinnen der Software ist eine

weitereAbteilung gewidmet. Grace Hopper

ist die bekanntesteFrau aus der Frühzeit

des Computers. Sie warnicht nur erste

Admiralin der US-Navy, sondern hat

sich vorallem als Entwicklerin des ersten

Compilers einen Namen gemacht. Mary

Allen Wilkes gilt als erste Nutzerin eines

Personal-Heimcomputers, der in der Ausstellung

zu sehen ist und für den sie ein

Betriebssystem schrieb. Beim heutigen

Computer ist die grafische Benutzeroberfläche

selbstverständlich, zu der Adele

Goldberg im Xerox-PARC Wesentliches

beigetragen hat.

Drei weitereFrauen stehen für die globalen

und digitalen Fortschritte der letzten

Jahrzehnte. Christiane Floyd war 1978

an der TU Berlin die ersteInformatik-Professorin

in Deutschland. Nadia Magnenat-Thalmann

war eine der ersten, die

Mitteder 1980erJahrefür einen computeranimierten

Film „virtuelle Menschen“

in Gestalt vonMarilyn Monroe und Humphrey

Bogart entwickelte. Sie leitet das

MIRALab in Genf und das internationale

Institutefor Media Innovation an der TU

Nanyang in Singapur.Für dieAusstellung

realisiertesie neben der Softwarefür Roboterdame

Nadine eine „virtuelle Ada“,

die die Besucher beim Verlassen der Ausstellung

begleitet.

Die aktuelle Generation repräsentiert die

MIT-Absolventin Limor Fried, die vor allem

in der aktuellen Maker- und Open-

Source-Szene aktiv ist und 2011 als einflussreichste

Frau in der Technologiebranche

ausgezeichnet wurde.

Die Schirmherrschaft hat die Bundesbildungsministerin

Johanna Wanka übernommen,

die die Ausstellung zusammen

mit NRW-Schulministerin Sylvia Löhrmann

am 1. September eröffnet hat.

www.hnf.de/adalovelace


30 LEBEN & WISSEN

Turbo für den Anfänger

Ivo Henningsen aus Münster kennt als Trainer die Qualen des Neulings - und hat deshalb einen

Golfschläger entwickelt, der schneller Erfolgserlebnisse bescheren soll.

Neues im Sinn: Ivo Henningsen präsentiert seinen Anfänger-Driver, der den Schaft von einem Eisen 6 hat, aber einen Driverkopf mit 21-Grad-Schlagflächenwinkel.

Foto: Jürgen Peperhowe

GOLFSCHLÄGER –

WER BRAUCHT WAS?

Der Golfschlägermarkt ist unübersichtlich

– und er soll es wohl auch

sein. Denn je mehr angebliche

Neuerungen Jahr für Jahr präsentiert

und getestet werden, umso

mehr verspüren Golfer die Lust,

ihre Bags mit neuen Eisen oder

Hölzern auszustatten. Häufig von

der Stange, aber ebenso oft gefittet,

sprich: von einem Fachmann

auf den Spielertyp zugeschnitten.

Bei der Auswahl sollte gerade der

Anfänger genauer hinschauen. Welche

Schläger sind für den Start in

dieser Sportart unbedingt erforderlich?

Welche erwecken den falschen

Eindruck, man sei bereits in der

Profi-Liga angekommen? Der Putter

ist bei jedem Handicap ein Muss.

Erforderlich sind bei Hcp. 54 bis 36

außerdem Sand-Wedge und Pitching-Wedge

für das kurze Spiel.

Eisen 9, 8, 7 und 6 machen Sinn.

Und wer dann noch ein Holz 5 in

der Tasche hat, kann starten. Der

exklusive Driver oder ein langes

Eisen 3 sollten erst dann erworben

werden, wenn das Spiel zur großen

Leidenschaft geworden ist. wk

Er hat weder das Rad neu erfunden,

noch glaubt er an eine Weltsensation.

Ivo Henningsen hat sich einfach

nur Gedanken gemacht, wie man der

Schwindsucht unter Golfern beikommen

kann. Sein Gegenmittel: ein

neuer Schlägertyp, der den Ball

schon bei einem Neuling in dieser

Sportart beeindruckend fliegen

lässt.

Es geht bergab mit unserer

Sportart, da braucht sich niemand

etwas vorzumachen.“

Die Mitgliederzahlen warten

schon länger auf steigende

Tendenz, mit dem Nachwuchs sieht es

gar nicht gut aus. Für den Golflehrer aus

Münster das Alarmzeichen, dieser Entwicklung

möglichst rasch Einhalt zu gebieten.

Schließlich geht es auch um seinen

Arbeitsplatz.

Und wie geht das am besten? „Indem

man den Einsteigern vom ersten Tag an

die Dynamik dieser Sportart vermittelt.“

Konkreter? „Mit einem neuen Schläger,

der speziell für Anfänger konzipiert ist.“

Es handelt sich um eine Kombination aus

dem, was es schon gibt: Der Schaft

kommt vom Eisen 6, die Hülse vom Driver,

doch der Loft (die Schlagflächenneigung)

beträgt 21 Grad – und nicht wie

sonst bei einem Driverkopf rund zehn

Grad.

All dies ergibt einen Driver, der kürzer,

leichter und handlicher ist. Zudem garantiert

er das frühe Erfolgserlebnis, ohne

das ein Golfer wohl kaum auskommt: Der

Schläger lässt, richtig eingesetzt, die Kugel

leichter weiter fliegen.

Nebenan auf der

Driving-Range

müht sich ein

„Talent ist nicht entscheidend. Das

gibt es sowieso kaum“

Ehepaar mit dem

Abschlag. „Wir

sind blutige Anfänger.“

Das ist

Golf-Pro Ivo Henningsen

nicht zu übersehen.

Zumeist rollt

der Ball, ab und an fliegt er leicht durch

die Luft und landet irgendwo in der Botanik.

„Testen Sie doch mal diesen Schläger.“ –

„So einen brauche ich noch. Was kostet

der?“ – „Schlagen Sie erst mal ein paar

Bälle.“

Anfangs kein großer Unterschied zu vorher.

Aber plötzlich hat der Mann den Bogen

raus und darf der fliegenden Kugel

länger nachschauen. „Jetzt bist du dran,

Barbara.“ Seine Frau übernimmt und

macht ihre Sache auch ganz gut. Und wie

ist der Eindruck? „Wirklich nicht schlecht

dieser Schläger.“ Kostenpunkt: 169 Euro,

er wird in China gefertigt.

Golf wird seit 600 Jahren (oder länger)

gespielt, erfunden von den Holländern

(oder Schotten). Und seit dieser Zeit gibt

es nur einen Wunsch unter den Golfern:

„Das Ding muss fliegen.“

Am besten: möglichst hoch, lange und

beim Abschlag

auf einer langen

Spielbahn sehr

weit. Wenn das

klappt, dann ist

der Spieler zufrieden.

Um dies und

eine hohe Genauigkeit

zu erreichen,

übt er intensiv. Weil das ohnehin

das Geheimnis ist, wenn man Henningsen

glauben kann. „Talent ist nicht entscheidend,

das gibt es sowieso kaum“, behauptet

der Pro. Fleißige Arbeit mit

einem guten Trainer – das bringt es im

Golf.

Henningsen muss es wissen. Er hat selbst

eine Karriere hinter sich, die so normal

nicht ist. „Vom Tellerwäscher auf Mallorca

zum Profi und Golftrainer auf dem

Kreuzfahrtschiff.“ Aus Korea stammt der

Mann, der in Lüdenscheid aufgewachsen,

später adoptiert und damit Deutscher

wurde. Die Familie zog durch die

Republik und landete in Münster. In

Coerde und Kinderhaus („den sozialen

Brennpunkten“) hat Henningsen gewohnt,

war IT-Berater für mittelständische

Unternehmen.

Das Golfen integrativ und sozial verträglich

einzusetzen, ist ihm ein Anliegen. Inzwischen

leitet er Golfseminare und steht

als Trainer parat. Und er ist allem Neuen

gegenüber aufgeschlossen, wenn es dem

Sport nur hilft. In Köln hat er jetzt ein Projekt

durchgeführt, bei dem man für fünf

Euro schnuppern durfte und hinterher

noch ein Kölsch und eine Bratwurst bekam.

Eine Maßnahme, die so manchen

diese Sportart näherbrachte.

Im Winter wollte er an der Gartenstraße

in Münster die Insassen der JVA mit Golf

ablenken, da scheiterte er an der Gefängnisverwaltung.

Er bleibt weiter am Ball,

das hat er versprochen – und hat inzwischen

den kleinsten Putter der Welt erfunden.

Das ist ein gebogenes Eisen, das

mit Magneten an ein Eisen sechs gepappt

wird. „Der Putter für die Hosentasche.“

Ist noch ein Prototyp, könnte aber auch

in Serie gehen. Weil Henningsen weiß:

„Der Handicap-Hunter jagt immer den

Fortschritt.“ Michael Schulte

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15. 12. 2015

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LEBEN & WISSEN 31

Wenn der russische

Löwenzahn Gummi gibt

Wissenschaftler im Fraunhofer Institut für Molekular-Biologie und angewandte Ökologie in Münster

erforschen eine Alternative zum Kautschukbaum. Die Reifen-Industrie zeigt bereits Interesse.

Frühmorgens kommt der Tapper in

die Gummibaumplantage, ritzt die

Rinde des Kautschukbaums an. Unaufhörlich

tropft die „Träne des

Baums“ in das Behältnis. Baum um

Baum wird geritzt. Ein Knochenjob,

der in Vietnam und anderen Kautschuk

produzierenden Ländern Südostasiens

gerade mal mit einem Euro

pro Tag vergütet wird. Der mühsam

gewonnene Rohstoff ist für die Reifenherstellung

unverzichtbar.

Szenenwechsel: Schlossplatz

8, Münster. Im Fraunhofer

Institut für Molekular-Biologie

und angewandte Ökologie

begutachten Laborchef Dr.

Christian Schulze Gronover und seine

wissenschaftliche Mitarbeiterin Dr. Janina

Epping ihre kleine Löwenzahnkultur.

Die kräftig gezackten Blätter breiten sich

sternförmig um die dottergelbe Blüte, die

Kopf und Hals zum hellen Pflanzenschutzlicht

reckt. Doch Blätter und Blüten

dieses kaukasischen Löwenzahnexemplars

interessieren die beiden Grevener

Wissenschaftler nur sekundär. Es

sind die Wurzeln, denen sie und weitere

Mitarbeiter des Instituts, das vom Molekularbiologen

Prof. Dirk Prüfer geleitet

wird, ihre Aufmerksamkeit schenken.

Aus eben diesen Wurzeln lässt sich Kautschuksaft

gewinnen, der im heimischen

Löwenzahn nur in Spuren vorkommt. Die

Wurzel des Wildkrauts – eine Plage für

manchen Gartenfreund – ist nicht nur

Grundlage für die Reifenproduktion, der

milchige Stoff ist auch die Basis für Kondome

und Latex-Handschuhe.

Löwenzahn, Schnee von gestern? Ein

bisschen schon, denn bereits Anfang des

20. Jahrhunderts experimentierten Wissenschaftler

in Sachen Gummigewinnung

mit dem Löwenzahn. Allerdings erfolglos.

Auch 40 Jahre später im Nachkriegs-Deutschland

blieben Versuche stecken,

eine Alternative zum Hevea brasiliensis,

dem Kautschukbaum, zu finden.

Doch auch die Wissenschaftler in diesen

Jahren hatten bereits die hohe Kautschuk-Effektivität

des russischen Löwenzahns

im Fokus.

Ortswechsel: Im Contidrom nördlich von

Hannover und im schwedischen Arvidjaur

hat die Reifenfirma Continental die

ersten Tests mit Reifen aus einer rein aus

Löwenzahn gewonnenen Kautschuk-

Lauffläche durchgeführt. „Erfolgreich“,

wie die beiden Wissenschaftler am

Schlossplatz bestätigen. Es ist schon weit

gediehen mit der Alternative zum Kautschukbaum.

Der Wunsch nach der Unabhängigkeit

von den „Tränen des Baums“

ist in den vergangenen Jahren deutlich

gewachsen. „Durch eine Pilzerkrankung

wurde der kommerzielle Anbau von Hevea

brasiliensis in Brasilien völlig ausgerottet“,

nennt Christian Schulze Gronover

einen wichtigen Grund. Ein weiterer

ist die Veränderung des Weltmarktes. In

Bricht man die getrocknete Wurzel des Löwenzahns, werden die

Kautschukfäden sichtbar.

Russischer Löwenzahn: Durch Kreuzungen versuchen die beiden Grevener Wissenschaftler Dr. Christian Schulze Gronover und Dr. Janina Epping den kautschukhaltigen

Milchausstoß der Pflanzen zu verbessern.

Fotos: Ulrich Reske

den Anbaugebieten Südostasiens werden

immer, wenn der Rohstoffpreis für Kautschuk

in den Keller geht, ganze Plantagen

stillgelegt. „Stattdessen werden Palmölplantagen

angelegt.“ Das ärgert Continental

und die Branche. Wichtig ist für

die beiden Molekularbiologen aber auch

der ökologische Aspekt. „In Ländern wie

Thailand, Malaysia und Vietnam wird rigoros

der Regenwald für Kautschukplantagen

abgeholzt.“

Die Rohstoffverknappung macht der Reifenindustrie

zu schaffen. Vor allem auch,

weil durch das Wachstum in Ländern wie

China und Indien der Reifenbedarf kontinuierlich

steigt.

Bei 27 Millionen

Tonnen Kautschuk

liegt derzeit

der Jahresbedarf.

Wie aber soll der

Löwenzahn mit

Christian Schulze Gronover

seiner Milch diesen

Bedarf befriedigen?

Größer als

ein Tennisball ist

der schwarze Klumpen, zudem von zäher

Konsistenz. Christian Schulze Gronover

holt ihn aus der Schublade, wirft ihn auf

den Boden, lässt ihn noch einmal auftitschen.

Klar, so sind die Eigenschaften

eines Gummiballs. Der Kautschuk aus 40,

maximal 50 Löwenzahnwurzeln reiche,

um diese schwarze Kugel zu bilden,

schätzt Ballspieler Schulze Gronover.

Auch für künftige Löwenzahnfelder gibt

es gesicherte Ertragsprognosen: „Eine

Tonne pro Hektar.“ Sorgen, dass Löwenzahn-Monokulturen

künftig die Felder

des Münsterlandes prägen, teilen die

Wissenschaftler nicht. Die anspruchslosen

russischen Pflanzen begnügen sich

mit marginalen Böden.

Könnte nicht synthetisch hergestellter

Kautschuk die Abhängigkeit von den

Gummibaum-Plantagen lösen? Auch dazu

gibt es ein klares Nein der beiden Wissenschaftler.

Winterreifen, Lastwagen-

Pneus und Räder von Flugzeugen können

nur mit Naturkautschuk produziert werden.

Der ist einfach besser. „Da ist man

„In Ländern wie Thailand, Malaysia

und Vietnam wird rigoros der

Regenwald für Kautschukplantagen

abgeholzt.“

längst noch nicht allen Geheimnissen der

Natur auf die Spur gekommen.“

Besser ist der Kautschuk aus Löwenzahn

auch in anderer Hinsicht: Immer mehr

Menschen reagieren allergisch auf Latexprodukte

vom Gummibaum. „Sechs Prozent

können keine Kondome überstreifen,

gar 20 Prozent keine Latex-Handschuhe.“

Diese allergenen Stoffe habe

man hingegen im Kautschuk aus Löwenzahn

nicht festgestellt, bilanziert Janina

Epping.

Löwenzahnfelder gibt es schon. Doch die

Standorte möchte man noch nicht preisgeben.

„Im Süden, im Norden, nicht in

Westfalen.“ Nein,

mit Geheimnistuerei,

hat das

nichts zu tun,

eher mit der Verbindung

von Forschung

und konkreter

industrieller

Anwendung.

Und nicht nur in

Münster wird zu

Alternativen zu

den Gummibaumplantagen geforscht. In

den USA haben Wissenschaftler die

Guayule als Kautschuklieferanten im Auge,

einen Strauch, der im trockenen

Grenzgebiet zu Mexiko wächst. Und auch

in anderen europäischen Ländern ist man

alternativen Gewinnungsmöglichkeiten

auf der Spur.

Münsters Forschung allerdings ist spitze.

Auch weil das Fraunhofer Institut, die

Universität und der größte deutsche Reifenhersteller

an einem Strang ziehen. Gewürdigt

wurde diese herausragende wissenschaftliche

Leistung in diesem Sommer

durch den „Joseph-von-Fraunhofer-

Preis“, den die münsterischen Biologen

und der Reifenhersteller Continental für

die anwendungsnahe Kooperation entgegennehmen

durften.

Der wissenschaftliche Preis dürfte sich in

ein paar Jahren vergolden: Ab 2020 soll

nämlich der Reifen auf Löwenzahn-Kautschuk-Basis

in die Großproduktion gehen.

Ulrich Reske

INFOS

27 Millionen Tonnen Kautschuk werden pro Jahr benötigt.

60 Prozent werden synthetisch aus Rohölbasis, 40 Prozent

natürlich produziert. Die wichtigsten Herkunftsländer sind

Thailand, Indien, Malaysia und Vietnam. 70 bis 80 Prozent

der Gesamtproduktion fließen in die Reifenherstellung.

Rund 40 000 Produkte werden aus Kautschuk hergestellt.

Die Milch wird für Latexprodukte wie Kondome und

Handschuhe verwendet. Der aus der Milch gewonnene

Feststoff Kautschuk für die Reifen.

Kräftig und dick sind die Blätter des russischen Löwenzahns. Aus

den Wurzeln lässt sich Kautschuk gewinnen.


581

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