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2 DIRECTIONS FOR USE

Voraussetzungen und Anforderungen

Ist die Erstellung einer Bedienungsanleitung für meine Ware freiwillig?

Nein! Die Bedienungsanleitung ist ein Teil des Produkts und muss dem Anwender in geeigneter Form mit

der Auslieferung zur Verfügung gestellt werden.

„Anleitungen sind ein integraler Bestandteil der Produktlieferung. Sie müssen den korrekten

Gebrauch eines Produkts erlauben und fördern.“ DIN EN 62079

Wie können Benutzerinformationen dem Anwender dargeboten werden?

Benutzerinformationen können auf unterschiedliche Weise mit dem Produkt ausgeliefert werden. Folgende

Möglichkeiten kommen in Frage:

• auf dem Produkt (Piktogramme, Sicherheitssymbole, Produktdaten, CE- oder GS-Zeichen, technische

Daten, Kurzanleitung, Gebrauchsinformationen etc.)

• auf der Verpackung (Piktogramme, Sicherheitssymbole, Kurzanleitung, Herstellererklärung etc.)

• in beigefügter Dokumentation oder als Begleitmaterial (Informationsblatt, Beipackzettel, verschiedene

Formen von Anleitungen als Handbuch, Booklet, Leitfaden, CD-ROM oder Online-Hilfe etc.)

Der Umfang der Benutzerinformation ist an die Ware anzupassen: Die Benutzerinformation eines Kugelschreibers

wird entsprechend kleiner ausfallen als die Dokumentation einer Hebebühne.

Sicherheitshinweise, Produkthaftung und Schadensansprüche

Das Beilegen der Bedienungsanleitung zum Produkt ist ein wichtiger, rechtlich vorgeschriebener Aspekt.

Anwender müssen insbesondere vor Restgefahren gewarnt werden, die technisch-konstruktiv nicht vermeidbar

sind.

„Anleitungen... müssen Informationen enthalten, um ein nicht toleriertes Risiko für den Benutzer,

eine Schädigung des Produkts und Fehlfunktionen oder ineffizienten Betrieb zu vermeiden. Anleitungen

sind aber nicht dazu da, Konstruktionsmängel zu kompensieren.“ DIN EN 62079

Um Restgefahren zu vermeiden, ist insbesondere auf die Einarbeitung klar verständlicher Sicherheitshinweise

(z. B. nach ANSI 535) zu achten. Das konsequente Warnen vor Gefahren ist gesetzlich durch die so

genannte „Instruktionspflicht“ des Herstellers vorgeschrieben. Falls ein Anwender aufgrund einer mangelhaften

Bedienungsanleitung einen Schaden erleidet, können Produkthaftungsansprüche erhoben werden.

„Wird durch den Fehler eines Produkts jemand getötet, sein Körper oder seine Gesundheit verletzt

oder eine Sache beschädigt, so ist der Hersteller des Produkts verpflichtet, dem Geschädigten

den daraus entstehenden Schaden zu ersetzen.“ § 1 ProdHaftG

Aus dem Produkthaftungsgesetz leiten sich unter anderem die Inhalte „Bestimmungsgemäßer Gebrauch“

und „Nicht bestimmungsgemäßer Gebrauch (Missbrauch)“ einer Bedienungsanleitung ab. Liegt ein Fehler in

der Darbietung vor, können Produkthaftungsansprüche geltend gemacht werden. Falls eine vorsätzliche oder

fahrlässige Pflichtverletzung des Herstellers vorliegt, greift das BGB.

„Wer vorsätzlich oder fahrlässig das Leben, den Körper, die Gesundheit, die Freiheit, das Eigentum

oder ein sonstiges Recht eines anderen widerrechtlich verletzt, ist dem anderen zum Ersatze

des daraus entstandenen Schadens verpflichtet.“ § 823 BGB

Die hier aufgeführten Punkte machen deutlich, wie wichtig die Einarbeitung der Ergebnisse einer Gefahrenanalyse

in die Bedienungsanleitung ist. Die Umsetzung erfolgt mit der Beschreibung von „Restgefahren“ und

entsprechender Sicherheitshinweise in der Bedienungsanleitung. Ein konstanter Austausch zwischen der Entwicklung/Konstruktion

und der Redaktion ist unabdingbar, um hier stets auf dem aktuellen Stand zu sein!

Gibt es Mindestanforderungen an eine Bedienungsanleitung?

Ja – die gibt es. Bedienungsanleitungen werden aus Anwendersicht bewertet und sollten folgende Punkte

berücksichtigen:

• Vollständigkeit

Eine Bedienungsanleitung muss alle relevanten Informationen enthalten, die der Anwender benötigt, um

die Ware in seinem vollen Umfang über den gesamten Lebenszyklus zu nutzen. Deshalb müssen Bedienungsanleitungen

mit Informationen zu Installation, Montage, Bedienung, Fehlersuche, Wartung, Instandsetzung

und Entsorgung enthalten. Wie schon erwähnt, gehören hierzu auch die Sicherheitshinweise, welche

auf Restgefahren aufmerksam machen.

FORUM WARE 32 (2004) NR. 1 - 4

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