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BEDIENUNGSANLEITUNGEN 17

• Richtlinie 2000/31/EG (Umsetzungsfrist 16.01.2002) über den elektronischen Geschäftsverkehr.

Insbesondere für Technische Redakteure hat sich einiges getan. Unverständliche Montageanleitungen stellen

jetzt explizit auch einen reklamationsfähigen Mangel dar. Ferner können als Montageanleitung z. B. auch

Installationsanleitungen für Softwareprogramme verstanden werden.

Für die Erstellung gebrauchstauglicher Montageanleitungen muss sich der Hersteller bzw. Technische Redakteur

viel mehr als bisher in die Rolle der jeweiligen Zielgruppe hineinversetzen, um zu erkennen, was für diese

beim Verwenden des Produktes unklar, missverständlich, nicht erkennbar und u. U. sogar gefährlich werden

könnte. Ein unsachgemäßer Umgang mit dem Produkt ist daher auch vom Redakteur zu berücksichtigen. Eine

Information kann durchaus verständlich sein, ist aber genauso unbrauchbar bzw. irreführend und missverständlich,

wenn sie nicht an der richtigen Stelle erscheint oder Folgerungen zulässt, die nicht beabsichtigt

waren. Kommt es aufgrund einer fehlerhaften Montageanleitung zu Personenschäden, stellen sich nach dem

neuen Schuldrecht gravierende produkthaftungsrechtliche Konsequenzen ein.

Der Punkt „zugesicherte Produkteigenschaften“ kann schnell ungeahnte Folgen annehmen, wie am Beispiel

„Angaben zum Tankinhalt“ zu sehen ist: Der Käufer eines neuen Motorrades wunderte sich regelmäßig beim

Tanken: Statt der angegebenen 20 Liter aus dem Prospekt passten nur maximal 17 Liter in den Tank. Auf

Rückfrage erklärte der Hersteller, dass der Tank im letzten Entwicklungsstadium noch einmal an den Rahmen

angepasst werden musste, durch die Deformierung sei das Tankvolumen geringer geworden. Er fügte noch

lapidar hinzu, dass die Qualität des Motorrades in keiner Weise beeinträchtigt und der Fall für ihn abgeschlossen

sei. Der Käufer des Motorrades hat in dem letzten Brief an den Hersteller auf den Hauptaspekt seiner

Kaufentscheidung abgehoben und argumentiert, die zugesagten 20 Liter Tankinhalt hätten bei dem angegebenen

Durchschnittsverbrauch eine assoziierte Reichweite ergeben, die er als Tourenfahrer als absolutes Minimum

noch gerade so akzeptieren konnte. Wie der Hersteller darauf reagiert hat, um nicht unzählige Tourenfahrer

dieses Motorradtyps kennen zu lernen, darf spekuliert werden. Fakt ist, dass eine Menge Produkte nicht

immer aufgrund ihrer harten Leistungsdaten gekauft werden, sondern je nach Fall und persönlichem Wandlungsbedürfnis

des Käufers auch schon mal unter Stromsparaspekten, Umweltaspekten etc.

Mehr Gebrauchstauglichkeit durch das neue Geräte- und Produktsicherheitsgesetz?

Das neue Geräte- und Produktsicherheitsgesetz fasst das Gerätesicherheitsgesetz (GSG) und das Produktsicherheitsgesetz

(ProdSG) zusammen, beseitigt die kritisierten Mehrfachregelungen und setzt die EU-Produktsicherheitsrichtlinie

von 2001 in nationales Recht um. Wirtschaft und Behörden und vor allem der

Verbraucher – sie alle sollen von der Neuordnung profitieren. In der Begründung zum Gesetzestext heißt es:

Unter dem Gesichtspunkt der Deregulierung und Entbürokratisierung soll mit dem neuen GPSG ein umfassendes

Gesetz zur Gewährleistung von Sicherheit und Gesundheit im Zusammenhang mit der Vermarktung technischer

Produkte geschaffen werden. Vieles aus den alten Gesetzen wird übernommen, einige zentrale Aspekte

sind neu.

Die Auswirkungen des Gesetzes sind umfassend, für Technische Redakteure ist der Abschnitt 2 von besonderer

Bedeutung.

Inverkehrbringer von Produkten aufgepasst!

Der Abschnitt 2 im GPSG behandelt das Inverkehrbringen und Kennzeichnen von Produkten, hiernach dürfen

Produkte nur in den Verkehr gebracht werden, wenn

• sie den Sicherheitsanforderungen entsprechen

• der Verwender bei bestimmungsgemäßer Verwendung oder

• vorhersehbarer Fehlanwendung nicht gefährdet wird.

Es wird vermutet, dass Produkte den Sicherheitsanforderungen genügen, wenn sie einer im Amtsblatt veröffentlichten

Norm entsprechen. Bei der Beurteilung der Anforderungen sind zu berücksichtigen (vgl. § 4

„Inverkehrbringen und Ausstellen“):

• Produkteigenschaften

− Zusammensetzung

− Verpackung

− Anleitung für Aufbau, Installation, Wartung

• Einwirkung auf andere Produkte

• Darbietung im Handel, Kennzeichnung, Warnhinweise

• Bedienungsanleitung

• Verwendergruppen, insbesondere Senioren, Kinder, Ausländer etc.

(vgl. §4 „Inverkehrbringen und Ausstellen“)

FORUM WARE 32 (2004) NR. 1 - 4

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