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GEBRAUCHSTAUGLICHKEIT 29

Fall galt jedoch weniger die Konstruktion als solche, sondern vielmehr die schlechte Verarbeitung der älteren

Modelle dieses Maschinentyps als Problem, da scharfe und unregelmäßige Metallkanten die Wäsche beschädigen

konnten. Ähnliche Probleme bewirkte eine mangelnde Wartung der Waschgeräte, weshalb Haushaltsratgeber

immer wieder daran gemahnten, die Geräte regelmäßig auch auf kleine und kaum sichtbare Schäden hin

zu untersuchen.

Die Skepsis gegenüber der Waschmaschine äußert sich in den Haushaltsratgebern auch in Ratschlägen zur

Schonung der Wäsche in der Maschine. Meist wird empfohlen, die feine Wäsche zuerst in die Maschine zu

legen, „bei ganz feiner Wäsche empfiehlt es sich, dieselbe in Kopfkissenbezüge oder in einen Sack zu binden“

11 . Es wurden also verschiedene Vorsichtsmaßnahmen getroffen, um die Wäsche auch in der Waschmaschine

möglichst zu schonen. Dies kann als eine Strategie verstanden werden, die vermeintlichen oder tatsächlichen

Nachteile der Maschinenwäsche durch bestimmte Anwendungspraktiken zu kompensieren.

Bei der Abwägung der Vor- und Nachteile technischer Hilfsmittel wurde weiters nach dem Verschmutzungsgrad

der Wäsche und nach der Art der Textilien unterschieden. So galt der Einsatz eines Waschbrettes

bei grober und stark verschmutzter Wäsche als nützlich, bei feinerer und wenig verschmutzter Wäsche sollte es

zwecks Schonung der Wäsche hingegen nicht verwendet werden. Mit und nach dem Ersten Weltkrieg erlangte

mit dem Aufkommen neuer Textilien ein Argument an Bedeutung, das sich ebenfalls auf die Abstimmung von

Waschmethode und Waschgerät auf die zu waschenden Textilien bezieht. Den neuen Stoffen waren die alten

Waschmethoden mit Waschbrett und Bürste, die für die strapazierfähige Leinenwäsche geeignet waren, nicht

mehr zuträglich. Die Waschmaschinenhersteller nutzten diesen Wandel auf dem Textil- und Bekleidungssektor

und priesen ihre Maschinen als besser geeignet für diese neuen, empfindlicheren Textilien an.

Vor allem für die Zeit des 19. Jahrhunderts kann in den Haushaltsratgebern noch eine gewisse grundlegende

Skepsis gegenüber den technischen Hilfsmitteln für die Wäschereinigung festgestellt werden. So meint zum

Beispiel Marie Clima in ihrer 1870 erstmals und in den folgenden Jahrzehnten in zahlreichen weiteren Auflagen

erschienenen „Haushaltungskunde“: „Doch jeder Apparat und jede Maschine thut der Wäsche mehr weh

als die elastische Menschenhand, welche allsogleich innehalten oder ihren Kraftaufwand mäßigen kann, wenn

sie fühlt, daß der Stoff die Behandlung nicht verträgt.“ 12 Die Überlegungen der Autorin können als Ausdruck

einer Auseinandersetzung mit dem zeitgenössischen Stand der Waschmaschinentechnik und den spezifischen

Eigenschaften der menschlichen Hand interpretiert werden. Nicht immer kommt dieses Abwägen der Vor- und

Nachteile maschineller bzw. händischer Wascharbeit so anschaulich zum Ausdruck, es kann jedoch vermutet

werden, dass die nicht gerade euphorisch zu nennende Haltung gegenüber der Waschmaschinentechnik im

Untersuchungszeitraum in der Regel keiner unreflektierten „weiblichen“ Technikfeindlichkeit geschuldet war,

sondern vielmehr praktischen Erfahrungen und Überlegungen. Vor dem Hintergrund des Zwangs zur Wäscheschonung

musste jedes technische Hilfsmittel, das die Wäsche nicht ausreichend zu schonen imstande war, als

Problem erscheinen. Im Vergleich mit den meisten der damals gebräuchlichen Waschmaschinen erschien die

Hand als das schonendere Waschinstrument, eben weil sie lebendig und flexibel ist und unmittelbar den

Befehlen der Wäscherin gehorcht.

Wenn hingegen von groben und die Wäsche misshandelnden Händen die Rede ist, so handelt es sich dabei

meistens entweder um die Propaganda von Waschmaschinenherstellern und -vertreibern oder um implizite wie

explizite Verweise auf eine unterstellte Sorglosigkeit des beim Wäschewaschen eingesetzten Hilfspersonals.

Dabei kommt nicht nur ein generell verstärkter Vorbehalt gegenüber Dienstpersonal zum Ausdruck, sondern

auch die teilweise wohl berechtigte Annahme, dass „Fremde“ mit der eigenen Wäsche weniger verantwortungsvoll

umgehen. Im Kontext dieser Problematik empfehlen dann sogar ausgesprochene Maschinen-Skeptikerinnen

wie die bereits erwähnte Marie Clima, die ansonsten der Menschenhand als Reinigungswerkzeug

eindeutig den Vorzug gibt, den Einsatz von maschinellen Hilfsmitteln. Während sie im Hinblick auf die

Wäscheschonung den meisten Waschmaschinenmodellen misstraut, verhält es sich beim Auswringen der nassen

Wäsche durch Hilfskräfte genau umgekehrt. Hier misstraut sie den „unverständigen Mädchen oder

Wäscherinnen“ 13 die durch zu heftiges Auswinden die Wäsche beschädigen würden, und empfiehlt stattdessen

Wringmaschinen mit Gummiwalzen, die mit ihren elastischen Walzen das Wasser mit weniger Schaden für die

Wäsche herausdrückten.

Nicht zuletzt auch die Tatsache, dass vor allem seitens der Gerätehersteller und Gerätevertreiber Gegenoffensiven

gestartet wurden, lässt auf eine verbreitete Sorge um das Wohlergehen der Wäsche in der Maschine

schließen. Vor diesem Hintergrund werden Bemühungen verständlich, Maschinenarbeit gegen Handarbeit

auszuspielen. So brachte die StromabnehmerInnenzeitschrift „Salzburger Elektrobote“ 1934 einen mit mikro-

11

Ernst, Magdalene [um 1900]: Handbuch der Hausfrau. Leipzig. S. 253.

12

Clima, Marie (1870): Haushaltungskunde. Ein Lehr- und Lesebuch für Lehrerinnen-Bildungsanstalten und höhere

Töchterschulen. Wien. S. 53.

13

Clima, Marie (1870): Haushaltungskunde. Ein Lehr- und Lesebuch für Lehrerinnen-Bildungsanstalten und höhere

Töchterschulen. Wien. S. 54.

FORUM WARE 32 (2004) NR. 1 - 4

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