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46 CONSUMERISM

Hand. Das heißt nicht, dass diese öffentlichen Hände diese Aufgabe selbst durchführen müssen, sie können

natürlich dort, wo es Selbstorganisationen der Verbraucher gibt, diese Aufgabe diesen Organisationen übertragen.

Die Mittelaufbringung dafür ist jedoch eine Aufgabe der öffentlichen Hände.

Die Asymmetrie, die im Bereich der Verbraucherinformation einschließlich der Verbraucherberatung

herrscht, wird deutlicher, wenn man sich bspw. die österreichischen Daten in diesem Bereich ansieht. Ende der

90er Jahre wurde in Österreich jährlich ein Volumen von rund 6 Milliarden Euro für Werbung, also für die

sogenannte „kommerzielle Information“ an die Verbraucher - darin enthalten Schaltungskosten von rund 1,5

Milliarden Euro – ausgegeben.

Dem gegenüber wurde von der öffentlichen Hand die Verbraucherarbeit mit rund 1,8 Millionen Euro finanziert.

Dies sind 0,03 Prozent der Ausgaben für Werbung und Marketing.

In Deutschland ist diese Asymmetrie nicht ganz so dramatisch ausgeprägt wie in Österreich, da dort auf den

Kopf umgelegt die Förderung für Verbraucherarbeit etwa drei Mal höher als in Österreich ist.

Für Österreich ist anzumerken, dass neben dem VKI (Verein für Konsumenteninformation) insbesondere

die AK (Kammer für Arbeiter und Angestellte) als selbstfinanzierte öffentlich rechtliche Körperschaft, Mitglieder

sind die Arbeitnehmer, einen Gutteil der Verbraucherarbeit durchführt. Sonst wäre das jährliche Beratungsvolumen

von rund 450.000 Beratungsfällen im Bereich der Konsumentenberatung überhaupt nicht realisierbar.

Diese teilweise Selbstfinanzierung von Verbraucherarbeit durch die Arbeitnehmer gibt es in dieser Form

übrigens in Deutschland nicht.

3 Praktische Probleme der Verbraucherberatung

3.1 Zeitaufwand für Verbraucher

Zwar ist die Inanspruchnahme der Beratungsleistungen für die österreichischen wie die deutschen Konsumenten

im Großen und Ganzen für die Verbraucher kostenlos (abgesehen von Spezialberatungen), aber relativ

zeitkostenaufwendig, da die Beratungseinrichtungen in den großen Städten konzentriert sind.

Aus der Perspektive des ratsuchenden Konsumenten hat sich - insbesondere bei weniger komplizierten

Angelegenheiten - die telefonische Beratung als kostengünstig und unaufwendig herausgestellt, die persönliche

Beratung ist für den Ratsuchenden zeitkostenintensiv, die elektronische Beratungsform im Sinne von E-Mail-

Anfragen und Auskünften hat sich grosso modo nicht recht bewährt, da häufig mehrere Frage-Antwort-Verläufe

notwendig sind.

3.2 Ressourcenprobleme der Verbraucherberatung

Eines der entscheidenden Probleme im Bereich der Verbraucherberatung ist das der personellen und technischen

Ressourcen. Die Konsumgütermärkte sind immer komplexer geworden, etwa werden auf mitteleuropäischen

Märkten 1.500 Farbfernsehgerätemodelle angeboten oder hunderte verschiedene digitale Kameramodelle.

Die Entwicklung und das in den Markt Hineinschieben von Geräten mit neuen Designs und Features hat

sich rasant beschleunigt, wobei übrigens zusehends weniger Verbraucher diese Features auch nutzen. So wissen

wir aus der empirischen Forschung, dass etwa bei einem Kassettenvideorecorder von der überwiegenden

Mehrzahl der Verbraucher nur die Grundfunktionen benutzt werden, die übrigen Features werden kaum

genutzt. Mit dieser Innovationsbeschleunigung haben natürlich auch die Phänomene, wie Mehrfachvermarktung,

Modelldifferenzierungen usw. zugenommen. Auf der anderen Seite ist in vielen Marktbereichen eine

Nivellierung der qualitativen Unterschiede feststellbar, das zeigt sich ja auch immer wieder in den Warentests

der Verbraucherorganisationen.

Bei dieser technischen und wirtschaftlichen Entwicklung mitzuhalten stellt die Verbraucherarbeit heute vor

enorme Ressourcenprobleme. Der Objektbereich der Verbraucherarbeit wächst zudem unaufhörlich - Stichwort:

Neue Medien, neue Zahlungsformen, Gentechnik, Datenschutz, Überwachungsstaat, usw. Das Fehlen

der Ressourcen für eben diese neuen Aufgabenfelder hat dazu geführt, dass sich viele Verbraucherorganisationen

im Bereich der Beratung und Information auf die traditionellen Kernbereiche beschränken bzw auf jene

Felder, die zu einer entsprechenden medialen Außenwirkung führen.

Dies bedeutet jedoch, dass im Hinblick auf den New Approach der EU – also: die Verlagerung von rechtlichen,

ordnungspolitischen Regelungen hin zu sogenannter Ko-Regulation oder technischen Normen – viele

Bereiche nicht mehr in einem zureichenden Maß abgedeckt werden können. Dies betrifft zwar in erster Linie

die Verbraucherpolitik, ist aber für die Verbraucherarbeit natürlich ebenfalls von großem Belang, da hier in der

Folge fachliches Know-how fehlt.

FORUM WARE 32 (2004) NR. 1 - 4

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