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VERBRAUCHERPOLITIK 47

4 Bereich Verbraucherinformation

Der Bereich Verbraucherinformation ist in Österreich ähnlich wie in Deutschland vergleichsweise gut entwickelt.

Es existiert eine unabhängige monatlich erscheinende Testzeitschrift (Konsument) mit einer Reichweite

von 5 bis 10 Prozent der Verbraucher und daneben gibt es eine Fülle an punktuellen, thematisch orientierten

Verbraucherinformationen in Form von Broschüren, Faltprospekten, Buchpublikationen und Online-

Informationsangeboten (Arbeiterkammer, Verein für Konsumenteninformation und Bundesministerium für

Soziales, Gesundheit und Konsumentenschutz).

Auch die Medien transportieren Verbraucherinformations-Inhalte, jedoch ebenfalls nur punktuell und nicht

systematisch, im Fernsehen ist das systematische Informationsangebot in Deutschland besser entwickelt (mehrere

verbraucherbezogene Sendereihen). Daneben gibt es insbesondere im Bereich Kommunikationselektronik,

Haus und Garten, Wohnen, Wellness, etc eine Reihe von kommerziellen Printmedien.

5 Verbraucherbildung

5.1 Erwachsenenbildung

Im klassischen Bereich der Erwachsenenbildungseinrichtungen stagniert der Bereich Verbraucherbildung,

Verbraucherbildungsthemen werden heute in Österreich und Deutschland von den oft öffentlich finanzierten

bzw mitfinanzierten Bildungseinrichtungen nur mehr in einem sehr bescheidenen Umfang angeboten, da es

auch an einer entsprechenden Nachfrage mangelt.

Einer der entscheidenden Gründe für die geringe Nachfrage nach Verbraucherbildung im Bereich der

Erwachsenenbildung ist, dass, bedingt durch die sehr ausgeprägten beruflichen Weiterbildungs-Anforderungen

und den sich verschärfenden Qualifikationswettbewerb bei den Arbeitnehmern, sich die Schwerpunkte auf

berufsbezogene Erwachsenenbildung verlagert haben. Auf der anderen Seite kommen die sich immer mehr

entwickelnden Bereiche Esoterik, Wellness, Freizeitgestaltung offenbar eher den aktuellen Bedürfnissen der

Menschen entgegen.

Ein grundsätzliches Problem der Erwachsenenbildung ist, dass die verfügbare Freizeit in den letzten Jahren

in Österreich, ähnlich ebenso in Deutschland, abgenommen hat, und zwar zu Gunsten eines Anstiegs der Zeiten

für Erwerbsarbeit und auch für Hausarbeit (bspw. Do It Yourself).

5.2 Schulische Verbraucherbildung

Im Bereich der schulischen Bildung in Verbraucherfragen gibt es in den meisten europäischen Ländern ein

ausgeprägtes Defizit, ausgenommen sind hier die skandinavischen Länder.

Zwar sind in den Lehrplänen der Schulen durchaus Verbraucherthemen vorhanden, jedoch eher isoliert,

gewissermaßen als Facetten und Einsprengsel und nicht in einem gestalthaften Zusammenhang oder mit einem

systematischen Charakter. Das heißt, auch Absolventen einer höheren Schule verfügen über nur ein geringes

Basiswissen in Verbraucherangelegenheiten. Dies betrifft in gleichem Maß auch praktische hauswirtschaftliche

Fertigkeiten und Fähigkeiten. Grundsätzliche Kenntnisse, was Verbraucherrechte und Verbraucherpflichten

anlangt, was Fragen der Warenkennzeichnung betrifft, wie die Marktverhältnisse und Marktmachtverhältnisse

aussehen und dergleichen mehr, sind in einem erschreckend geringen Maß vorhanden. Dies betrifft übrigens

auch das Wirtschaftswissen generell.

Zweifellos gibt es nun von Seiten der EU-Einrichtungen Initiativen zu einer Verbesserung der Verbraucherbildung

sowohl im schulischen wie im Erwachsenenbildungsbereich. Diese Initiativen sind zweifellos lobenswert,

aber es ist daran auch insofern Kritik zu üben, als sie relativ punktuell ansetzen.

6 Verbraucherbezogene Forschung

Leider werden in den letzten Jahren die verbraucherorientierten bzw. auf den privaten Haushalt hin orientierten

wissenschaftlichen Aktivitäten an den Universitäten – hier gibt es in Deutschland eine jahrzehntelange

Tradition – kontinuierlich abgebaut. Ähnliches ist schon vor Jahren in Großbritannien geschehen.

Die finanziellen Mittel, die hier – dies gilt jedoch ganz generell für gesellschaftsbezogene wissenschaftliche

Disziplinen – von diesen auf den einzelnen Bürger, auf den Verbraucher, auf die Allgemeinheit hin orientierten

Arbeitsbereichen abgezogen werden, werden zusehends zu den technik- und wirtschaftsorientierten Disziplinen

hin verschoben. Diese Entwicklung einer indirekten Industrie- und Wirtschaftsförderung erschiene

dann weitaus weniger problematisch, wenn dies eben nicht zu Lasten der am Bürger, am Verbraucher und an

der Gesellschaft orientierten Wissenschaftsbereiche ginge.

FORUM WARE 32 (2004) NR. 1 - 4

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