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6. Ö/D WARENLEHRE-SYMPOSIUM, LAMBRECHT 51

Kurzfassungen der Referate

FORUM WARE 32 (2004) NR. 1 - 4

Prof. Dr. Reinhold Hedtke

(Universität Bielefeld, Fakultät für Soziologie)

Die Ethik des Konsums und der Konsum von Ethik.

Anmerkungen zu den Paradoxien des Marktes

1. Ethik im Konsum und Konsumethik

Jeglicher Konsum ist ethischer Konsum, weil alle individuellen und kollektiven Konsumentscheidungen und

Konsumhandlungen einer impliziten oder expliziten Ethik folgen. Wie kann man diese allgemeine Ethik im

Konsum von besonderen Konsumethiken unterscheiden? Wie kann man ethische Konsummuster

identifizieren?

2. Freiheit und Selbstbeschränkung

Moderne kapitalistische Marktwirtschaften proklamieren und praktizieren Grundwerte wie Konsumfreiheit

und individuelle konsumtive Beliebigkeit. Kollektive und individuelle Konsumethiken dagegen basieren auf

Grundwerten, die kollektive und individuelle Selbstbeschränkung und eine verallgemeinerbare Legitimation

für individuellen Konsum verlangen. Wie kann man Restriktion und Reflexion im Konsum begründen?

3. Individualität und Regulation

Zwar proklamieren und propagieren moderne Marktwirtschaften und Gesellschaften konsumtive Freiheit und

Individualität, doch ist der scheinbar individuell gestaltete Konsum faktisch vielfach präformiert, normiert und

reguliert. In diesen Konsumregulationen drücken sich kollektive, offene und verborgene Konsumethiken aus.

Führen individualistisch gedachte Ansätze, Konsummuster ethischer zu gestalten, in die Irre?

4. Wachstum und Mäßigung

Moderne kapitalistische Marktwirtschaften sind wachstumsorientiert und verlangen deshalb auch hohe und

wachsende Konsumausgaben; Konsummäßigung („Käuferstreik“) ist aus makroökonomischer Sicht ethisch

nicht vertretbar. Konsumethiken dagegen verlangen im Allgemeinen Konsumzurückhaltung in der einen oder

anderen Form. Wie passen makroökonomischer Konsumzwang und konsumethische Mäßigung zusammen?

5. Abgrenzung und Integration

Konsumethiken definieren sich oft dadurch, dass sie sich von „normalem“ Konsum und von charakteristischen

Konsumphänomenen in kapitalistischen Marktwirtschaften abgrenzen. In diesen Marktwirtschaften werden

diese distanzierten Konsumethiken dadurch „normalisiert“ und integriert, dass sie als eine Form von

Konsumnachfrage unter beliebigen anderen interpretiert und mit entsprechenden Angeboten bedient werden.

Werden kritisch distanzierte Konsumethiken zwangsläufig so umfunktioniert? Ist dies aus konsumethischer

Sicht ein Erfolg oder eine Niederlage?

6. Ethik und Konsumobjekt

Konsumethiken führen oft nicht zu weniger, sondern zu „anderem“ Konsum. Ganze Branchen werden durch

ethisch bewussten Konsum umgestaltet, ausdifferenziert und getragen. Ist ethisch aufgeladener Konsum selbst

ein Konsumobjekt, mit dessen Hilfe man sich von „normalen“ Konsumenten abheben will? Sind sie ein Mittel,

fragwürdig gewordenen Konsum akzeptabel zu machen?

Kontakt:

Prof. Dr. Reinhold Hedtke, Upfeldweg 13, 33739 Bielefeld, reinhold.hedtke@uni-bielefeld.de

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