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REZENSIONEN 69

Renate Hübner / Monika Himpelmann / Stefan Melnitzky

ÖKOLOGISCHE PRODUKTGESTALTUNG UND KONSUMENTEN-

VERHALTEN: QUO VADIS ECODESIGN?

DIE AUSSCHÖPFUNG DES ÖKOEFFIZIENZPOTENTIALS VON

GÜTERN DURCH KONSUMENTINNEN UND LOGISTIK ALS KONSUM-

BEGLEITENDE DIENSTLEISTUNG IN EINER INTEGRIERTEN

PRODUKTPOLITIK

Frankfurt am Main, Berlin, Bern, Bruxelles, New York, Oxford, Wien, 2004. XXI, 139 S., 11 Abb., 4 Tab.

ISBN 3-631-52499-4, br. € 34.–* / US-$ 37.95 / £ 23.–

Bezug des Buches :E-Mail: zentrale.frankfurt@peterlang.com

Die Autoren dokumentieren eine Studie, deren Ziel es war, die Wirksamkeit des fünf Mal in Österreich

abgehaltenen Ecodesign Wettbewerbes (1993 – 2001) zu evaluieren. Es war zu untersuchen, inwieweit die

Ökoeffizienzpotentiale der analysierten Produkte realisiert und damit Vorstellungen des Konzeptes der IPP

bzw. Beiträge im Sinne der Nachhaltigkeit erfüllt worden waren bzw. welche Handlungsanleitungen auf Grund

der Ergebnisse für die verschiedenen Akteure (Staat, Unternehmen, Konsumenten) zu empfehlen wären.

Informationsgrundlage bildeten an die 200 eingereichte Ecodesignprojekte (produktrealisierte Lösungen und

Konzepte), 69 davon waren ausgezeichnet worden. An dieser Stelle vielleicht gleich ein ernüchterndes Ergebnis

vorweg: nur bei 8 dieser prämierten Lösungen wurde später von den jeweiligen Unternehmen der Ecodesignaspekt

bzw. die Auszeichnung auf der Homepage erwähnt. Sechs Ecodesign (ED) Projekte aus der

Möbelbranche (3 Beispiele), der Sportbranche, der Textilbranche und dem Hygienebereich wurden einer eingehenden

Analyse (u. a. mittels Befragungen der Unternehmen) unterzogen. Als Vergleichsalternativen wurden

konventionelle Produkte auf der Grundlage eines Expertenworkshops gewählt, wobei sich die Autoren der

Problematik des Warenvergleiches bewusst sind. Die Analyse zeigt - für Insider wenig überraschend – dass

eine Ausschöpfung des Ökoeffizienzpotentials (ÖEP) in der Produktionsphase angestrebt und vielfach auch

erreicht wird, während in der Nutzungs- und Nachnutzungsphase kaum Informationen hierüber vorliegen. Hier

orten die Autoren Forschungsbedarf, aber auch vermehrt Anstrengungen der Unternehmen, sowohl hinsichtlich

Mitarbeiterausbildung und Positionierung von Ecodesign in den Unternehmen selbst, Aufbaus von Infrastruktur,

Dienstleistungsangeboten als auch aktiver Information der Kunden. Die Aufklärung der Konsumenten

ist insbesondere unerlässlich, wenn diese zur Realisierung des Ökoeffizienzpotentials eines Produktes ihr Verhalten

ändern müssen. Die aufgezeigte Diskrepanz zwischen einer relativ ökoeffizienten Produktion und dem

Nichtwissen bzw. der mangelnden Ausschöpfung des ÖEP in der Nutzungs- und Nachnutzungsphase herrscht

ebenso bei konventionellen Produkten. Da die Produktion der Ecodesign Produkte in kleinerem Maßstab

erfolgt, kann es sein, dass konventionelle Produkte bei der Produktion ihr OEP fast besser ausschöpfen. Die

Verfasser verweisen auch auf die Notwendigkeit der Einführung einer umfassenden Verbraucherausbildung,

die an den Schulen etabliert werden sollte. Diese wäre eine notwendige Voraussetzung für einen Übergang von

einem produktorientierten zu einem nutzungsorientierten Wirtschaftssystem.

Abgesehen von dieser Kernuntersuchung wird der Wettbewerb selbst einer kritischen Betrachtung unterzogen,

ergänzend finden sich Informationen und Kritikpunkte zum Konzept der IPP.

Ein Vorwort von Walter Stahel erweckt die Neugier des Lesers. Es ist wahrscheinlich kein Buch, das man

nur zur Unterhaltung liest. Vielmehr handelt es sich um eine informative, in ihren Aussagen letztlich spannende

Studie, die aufgrund von Wiederholungen einiger Gedanken und Argumente zumindest beim ersten

Lesen etwas an Übersichtlichkeit leidet, vielleicht aber gerade dadurch den Leser auf die bedeutenden Punkte

hinlenkt und ihm zahlreiche Anregungen zum Nach- und Weiterdenken bietet. Der warenkundlich und ökonomisch

Interessierte findet darüber hinaus etliche klassische und neuere Definitionen zu Grundbegriffen rund

um die Ware, ein angesichts des Mangels an IPP Literatur zwar angemessenes Literaturverzeichnis, das aber

leider die projektbegleitenden Berichte über die Wettbewerbe nicht erwähnt, sowie viele Quellenverweise auf

das Internet, die zur weiteren Beschäftigung mit der Thematik einladen. Für jene, denen eine Modernisierung

der Warenkunde bzw. ihre Weiterentwicklung ein Anliegen ist, zeigt dieses Buch zahlreiche Ansatzpunkte und

Ideen auf.

Dr. Eva Waginger, Institut für Technologie und nachhaltiges Produktmanagement, WU Wien, Augasse 2 –6, 1090 Wien,

E-Mail: eva.waginger@wu-wien.ac.at

FORUM WARE 32 (2004) NR. 1 - 4

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