10/2014

Elternsein

Fritz + Fränzi

CHF 7.50 #10/Dezember 2014

ElternMagazin

DAS SCHWEIZER

DAS 1. SMARTPHONE

Verhandeln statt verbieten:

ein Leitfaden für die ganze

Familie zur Handybenutzung

TEUFLISCH GUT

Eine Kurzgeschichte von

Franz Hohler, in der niemand

macht, was er soll

SCHULSTRESS ADE

Diese Yogastile sind für

junge Yogis gut und verhelfen

zu mehr innerer Ruhe

Religion

nach

Wenn immer mehr Eltern

glauben, was sie wollen:

Nach welchen Werten

erziehen sie ihre Kinder?

Mass

ar


Immer da, wo Zahlen sind.

Reden Sie mit uns über

Ihre Vorsorge.

Wir machen den Weg frei


DAS 1. SMARTPHONE

Verhandeln statt verbieten:

ein Leitfaden für die ganze

Familie zur Handybenutzung

TEUFLISCH GUT

Eine Kurzgeschichte von

Franz Hohler, in der niemand

macht, was er soll

Wenn immer mehr Eltern

glauben, was sie wollen:

Nach welchen Werten

erziehen sie ihre Kinder?

CHF 7.50 #10/Dezember 2014

DAS SCHWEIZER

SCHULSTRESS ADE

Diese Yogastile sind für

junge Yogis gut und verhelfen

zu mehr innerer Ruhe

Editorial

LIEBE LESERINNEN

UND LESER

FOTO: VERA HARTMANN/13PHOTO

Eveline von Arx

ElternMagazin

Religion

nach

Mass

Unser Dezember-Cover

Janis (9) geht gerne in den

kirchlichen Religionsunterricht –

auch, weil dort kein

Leistungsdruck besteht

ar

UNSER VIERJÄHRIGER SOHN IST SEHR OFFEN UND

GEHT GERNE AUF ANDERE MENSCHEN ZU. Als wir

kürzlich zusammen Tram fuhren, fragte er eine Frau, deren kleine

Tochter im Kinderwagen sass, ob ihr Kind als Baby denn laut

geschrien hätte. Die Mutter war etwas überrascht und erwiderte

dann, ihre Tochter habe zwar geweint, jedoch nicht besonders laut.

«Aber», entgegnete mein Sohn, «ich meine: Hat sie denn bei der

Geburt laut geschrien?» Da erinnerte ich mich, wie ich ihm vor ein

paar Wochen erzählt hatte, dass sowohl er als auch sein knapp drei

Jahre jüngerer Bruder laut geschrien hätten, als sie auf die Welt

kamen. Nun wollte er wahrscheinlich sein Vorwissen im Gespräch

mit dieser Frau einbringen, vielleicht auch überprüfen.

EINE FRAGE ERGAB DIE NÄCHSTE, und während ich den

beiden weiter zuhörte, freute es mich zu sehen, welchen Lauf die

Unterhaltung zwischen der Frau und dem vierjährigen Buben

nahm: Sie suchten zusammen nach möglichen Antworten auf ganz

unterschiedliche Fragen. Und genau darum geht es mitunter auch

im grossen Experteninterview auf Seite 20 zu unserem Schwerpunktthema

Religion: um das Dialogisieren mit Kindern und das

gemeinsame Finden von möglichen Antworten – auch im Zusammenhang

mit Sinn- und Wertfragen.

NACH VIELEN FRAGEN, die sich auch mir in letzter Zeit

gestellt haben, bin ich zum Schluss gekommen, mich nochmals zu

verändern und weiterzuentwickeln und somit nicht mehr als

Redaktionsleiterin beim Schweizer ElternMagazin Fritz+Fränzi

tätig zu sein. Ganz Adieu sage ich allerdings nicht: Ich bleibe in der

Stiftung Elternsein und werde der Redaktion mit einem reduzierten

Pensum als wissenschaftliche Beraterin zur Seite stehen.

ICH MÖCHTE MICH VON IHNEN VON HERZEN FÜR

IHRE TREUE, Ihr Interesse und Ihre konstruktiven Anregungen

bedanken. Es hat mir viel Freude bereitet, Fritz+Fränzi vier Jahre

lang mit einem wunderbaren Team zu machen.

Eveline von Arx, Redaktionsleiterin

Q-Publikation

des Jahres

Award 2014

Das Schweizer Elternmagazin

Fritz + Fränzi

Verliehen durch den Verband

SCHWEIZER MEDIEN

Fritz+Fränzi gewinnt

den Q-Award 2014 – eine

grosse Auszeichnung!

Gerne können Sie auf

Seite 72 mehr

darüber erfahren

Das Asperger-Syndrom

Eine Störung, die mit vielen

Vorurteilen behaftet ist. Ab Seite 32

klären wir auf

Fritz+Fränzi DEZEMBER 2014 3


Inhalt

AUSGABE 10 / DEZEMBER 2014

ar

Psychologie & Gesellschaft

29 Eltern und Pubertät

Wie wichtig dürfen Gleichaltrige

in der Pubertät sein? Zwei Psychologen,

zwei Meinungen

32 Das Asperger-Syndrom

Wenn soziale und kommunikative

Probleme von einer tief

greifenden Störung herrühren

36 Im Dienste der Kindheit und Jugend

Ein Porträt über den Kinder- und

Jugendpsychiater Heinz Stefan Herzka

38 Meditation

Was verhilft Jugendlichen

zu mehr Selbstkontrolle?

AUGMENTED

REALITY

Überall, wo Sie dieses Zeichen

sehen, erhalten Sie digitalen Mehrwert

im Heft. Auf Seite 73 beschreiben

wir Ihnen, was Augmented Reality ist

und wie Sie diese mit Fritz+Fränzi

nutzen können. Hier verraten wir schon

einmal so viel: Hinter dem ar-Logo

verbergen sich Videos und Zusatzinformationen

zu den Artikeln

10

SCHWERPUNKT:

RELIGION

ar

Auch wenn die Landeskirchen seit

Jahren Mitgliederschwund beklagen,

wachsen Kinder in der Schweiz

nicht ohne Glauben auf. Wie

dieser gelebt wird, entscheiden heute

jedoch viele Familien für sich

FOTOS: STEPHAN RAPPO, HELMUT WACHTER, DÉSIRÉE GOOD/13PHOTO(3), ISTOCKPHOTO. TITELFOTO: STEPHAN RAPPO/13PHOTO

4 DEZEMBER 2014 Fritz+Fränzi


44 54 58

Leben im Internat: eine Starthilfe für Karriere

und Charakter oder Strafe der Eltern?

Sina Candrian ist eine Snowboard-Pionierin.

Sie weiss, wie man sich durchsetzt

Mit om und Baum zum Glück:

Auch Jugendliche mögen Yoga

Erziehung & Schule

42 Mehr Selbstständigkeit

Die Schule verlangt von Kindern

Eigenständigkeit. Was können Eltern

vom Nachwuchs erwarten?

44 Internate

Für manche der beste Platz auf der

Welt, für andere ein Ort des Grauens

48 Lehrplan 21

Soll Sexualaufklärung Inhalt des

Lehrplans oder Sache der Eltern

sein? Eine Standortbestimmung

51 Schweizer Schulpreis

87 Schulen haben 2013

teilgenommen. Drei Gewinner

berichten von ihren Erfahrungen

Ernährung & Gesundheit

58 Yoga gegen den Schulstress

Die Bewegungslehre tut Körper und

Seele gut – welche Yogastile für

Jugendliche besonders geeignet sind

62 Helm, Knieschoner, Rückenschutz

ar Wie Protektoren beim Skifahren

und Snowboarden richtig schützen

64 Leistungsfähig dank Brainfood

ar Gesunde Ernährung stärkt

nicht nur unser Immunsystem,

sie hält auch unser Gehirn fit

Digital & Medial

66 Das erste Smartphone

ar Was sollten Eltern

beachten, wenn sich Kinder

ein Smartphone wünschen?

Ein Leitfaden samt Vertrag

70 Ausgrenzung

Machen soziale Netzwerke

unsere Kinder neidisch,

einsam oder gar süchtig?

72 Mixed Media

ar

74 Eltern, spielt Video-Games!

Mütter und Väter sollten sich auf

die Videospiele ihrer Kinder einlassen,

sagt Spieleexperte Marc Bodmer

Service

71 Abo

76 Freizeit-Tipps

78 Impressum/Sponsoren

79 Buchtipps

80 Bonbons

81 1001 Adressen

Rubriken

03 Editorial

06 Entdecken

ar

40 Von Engeln und Teufeln

Was passiert mit einem kleinen

Teufel, wenn er einfach nicht

böse sein kann? Eine Vorlesegeschichte

von Franz Hohler

50 Aufklärungs-Kolumne

Wie geht Küssen?

52 Stiftung Elternsein

Ellen Ringier über die Kunst, mit

Erinnerungen richtig umzugehen

53 Bildungspreis 2014

Für ihr Engagement wurde Ellen

Ringier ausgezeichnet

54 Tischgespräch

ar mit der Snowboarderin

Sina Candrian

56 Kolumne

Mikael Krogerus über die erste Liebe

82 Im Mittelpunkt

Kletterfan Alina will hoch hinaus

Fritz+Fränzi DEZEMBER 2014 5


[

Entdecken

[

Das Portemonnaie ist weg! Glück hat, wer jetzt in Helsinki lebt. Von12 Geldbeuteln, die das US-Magazin «Reader’s Digest» in einem

Versuch auslegte, wurden dort 11 zum Fundamt gebracht. Auf Platz 2: Mumbai mit 9 Börsen. Ganz hinten liegt Lissabon mit 1 Rückgabe.

Jugendlohn wirkt!

Das Prinzip ist einfach: Jugendliche erhalten von ihren Eltern einen

monatlich fixen Geldbetrag, den Jugendlohn. Mit diesem bezahlen

sie eigene Lebenskosten wie Kleidung, Coiffeur, Velo, Handy, aber

auch Konsumwünsche. Das ist nicht neu. Im Auftrag der Schuldenberatung

Aargau-Solothurn und der Müller-Möhl Foundation hat

das Kompetenzzentrum Prävention und Gesundheit der Hochschule

Luzern nun den Jugendlohn evaluiert. Und tatsächlich: Die Elternbefragung

zeigt, wie das Erziehungsmodell präventiv gegen Verschuldung

wirkt. Demnach lernen Jugendliche, weitsichtig mit Geld

umzugehen und reflektierte Kaufentscheidungen zu treffen.

FOTOS:NIKLAUS SPOERRI, THINKSTOCK, FOTOLIA

Für immer Sommer(zeit)

Im Winter haben Kinder weniger Lust,

sich sportlich zu betätigen. Es wird

früh dunkel, und nach der Schule bleiben

nur wenige Stunden Tageslicht. Forscher

von der London School of Hygiene and

Tropical Medicine und der University of

Bristol fordern daher, die Uhr nicht nur

im Frühling, sondern das ganze Jahr

eine Stunde vorzustellen. Mit der Folge,

dass Kinder und Jugendliche auch

im Winter mehr Sport treiben. Denn in

einer Studie haben die Wissenschaftler

berechnet, dass diese Zeitumstellung

den Kindern 200 Stunden mehr Tageslicht

bringen würde, was zu einem

Anstieg der körperlichen Aktivität von

33 auf 35 Minuten pro Tag führen würde.

Zwei Minuten nur – aber immerhin.

ar

Starten Sie

die aktuelle

Fritz+Fränzi-App,

scannen Sie diese Seite

und starten Sie den Film

zur Kampagne der

Stadt Zürich

Pflegefamilien gesucht

In einer Kampagne wirbt die Stadt Zürich um Familien

für Pflegekinder. Peter Hausherr und Sandra Lippuner,

Stellenleiter der Fachstelle Pflegekinder der Sozialen

Dienste, sagen, worum es geht. Interview: Evelin Hartmann

Wie viele Kinder warten in Zürich auf eine Pflegefamilie?

In der Regel geht es in diesen Fällen um Kinder, deren

Wohlergehen gefährdet ist. Sie können nicht warten.

Kommt eine Fachperson mit einer solchen Anfrage auf uns

zu, müssen wir sie an andere Einrichtungen, wie beispielsweise

Kinderheime, verweisen, falls wir keine geeignete

Familie vermitteln können. Das kommt vor. Konkrete Zahlen

kann ich aber nicht nennen.

Sie werben in Ihrer Kampagne auch ausdrücklich um

Familien, die nicht dem traditionellen Familienbild

entsprechen, wie beispielsweise ein lesbisches Paar.

So vielfältig, wie die Bedürfnisse von Pflegekindern sind,

so vielfältig sollte der Pool an Pflegepersonen sein, aus dem

wir geeignete Familien für diese Kinder vermitteln können.

Dafür steht symbolisch das gleichgeschlechtliche Paar

in unserem Kampagnen-Film.

So können also auch Paare und Einzelpersonen

zusammen mit einem Pflegekind eine Familie bilden.

Was sollten sie mitbringen?

Eine innere Stabilität sowie stabile Lebensverhältnisse.

Die Fähigkeit zu reflektieren und sich auf ein solches Kind

einlassen zu können. Ausserdem muss ihre Existenzgrundlage

so weit gesichert sein, dass sie für sich

und das Kind sorgen können, wobei der Lebensunterhalt

des Kindes von den Eltern beziehungsweise

vom Staat getragen wird.

6 DEZEMBER 2014 Fritz+Fränzi


Rubrik

Was macht gute

Hypothekenberatung aus?

Sie entspannt.

Je kompetenter Ihr Finanzierungspartner, desto entspannter können Sie Ihr Eigenheim

geniessen. Seien Ihre Ansprüche noch so komplex – unsere lokalen Hypotheken-Experten

bringen Ihre Bedürfnisse mit dem Markt in Einklang und bieten Ihnen individuelle Finanzierungslösungen.

Schnell und unkompliziert, bewährt und sicher.

Mehr über unsere vielseitigen Dienstleistungen zum Thema Hypotheken:

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[

Entdecken

[

«Behinderte sind heute viel mehr in die Gesellschaft integriert. Behindertengerechtigkeit ist, etwa im

öffentlichen Verkehr, viel mehr ein Thema. Ich muss aber betonen: Die Behinderten haben sich diese Rechte erkämpft!»

Christian Lohr über die Situation von Behinderten. Der CVP-Nationalrat hat selbst ein Handicap.

Stress im Job

Fast jeder vierte Schweizer fühlt sich an seinem Arbeitsplatz gestresst

– so das Ergebnis einer Studie der Stiftung Gesundheitsförderung

Schweiz in Zusammenarbeit mit der Universität Bern sowie der

Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften. So zeigt der von

ihnen veröffentlichte Job-Stress-Index 2014, dass bei 24,8 % der

Erwerbstätigen am Arbeitsplatz verhältnismässig mehr Belastungen

als Ressourcen vorhanden sind. Dazu gehören beispielsweise

Zeitdruck, Überforderung, Probleme mit Vorgesetzten und Kollegen.

FOTOS: ISTOCKPHOTO, WWW.HELFETIA.CH

Kostenlose Skicamps in St. Moritz für 150 Kinder

Immer wieder den Hang hinuntersausen und später mit roten Wangen und

eiskalter Nasenspitze eine heisse Schokolade geniessen – Skiferien sind eine tolle

Sache. Aber nicht jede Familie kann sich das meist kostspielige Vergnügen leisten.

Der Förderverein Helfetia hat es sich zum Ziel gesetzt, wirtschaftlich und sozial

benachteiligten Kindern den Zugang zum Schnee- und Bergsport zu ermöglichen.

Im Rahmen des Jubiläums «150 Jahre Wintertourismus» organisiert und finanziert

der Verein im Laufe dieses Winters Skilager für insgesamt 150 sozial benachteiligte

Kinder aus der ganzen Schweiz – kostenlos. Um an einem Lager teilzunehmen, ist

Kreativität gefragt. Helfetia wählt in Zusammenarbeit mit dem Schweizer Kinderhilfswerk

Kovive unter den Anmeldungen 150 Kinder aus. Teilnahmebedingung:

eine kreative Zeichnung zum Thema «Warum möchte ich in ein Schneesportcamp?»

schicken. Informationen und Anmeldung auf www.helfetia.ch

Teilnehmer für

Umfrage gesucht –

Elternsein heute

Wie erziehen Eltern heute,

welche Bedürfnisse haben sie,

mit welchen Schwierigkeiten

kämpfen Mütter und Väter, und

welche Unterstützung wünschen

sie sich? Diese und noch mehr

Fragen stellt die Universität

Lausanne und Fribourg in einer

internationalen Elternbefragung.

Ziel ist es, mehr über das Elternsein

zu erfahren. Um möglichst viele

Mütter und Väter zu erreichen, wurde

für die Studie ein Online-Fragebogen

entwickelt, um einfach, schnell und

ökonomisch teilnehmen zu können.

Mitmachen können alle Eltern

von Kindern zwischen zwei und zwölf

Jahren. Fragebögen auf

https://exp.psy.uq.edu.au/

ips/swi-ger

Geschenke

Warum nicht mal

ein Weihnachtsgeschenk

selber bauen, auf

www.freshdads.com gibt’s

kreative Anleitungen.

8 DEZEMBER 2014 Fritz+Fränzi


Milch.

Werde gross, bleibe stark.

Wir wünschen allen eine schöne Wintersaison.

www.swissmilk.ch


IE

Schwerpunkt

IEL

RELIGION

BRAUCHT

DAS

KIND?

Der Kirche laufen die Mitglieder

davon, und immer mehr

Kinder wachsen in konfessionslosen

Familien auf. Das heisst aber nicht,

dass sie ohne Religion gross werden.

Eine Standortbestimmung

TEXT: FLORIAN BISSIG

Bin ich in meiner Kirche

am richtigen Ort oder «müsste»

ich eigentlich austreten? Was glaube

ich überhaupt und wie will ich

meinen Glauben leben? Antworten

auf diese Fragen zu finden, ist

im Prinzip heute die Aufgabe jedes

Einzelnen. Die Religionslandschaft

in der Schweiz ist pluralistisch, das

heisst, die verschiedenen Religionen

werden als gleichwertig anerkannt.

Wer sich mit seiner Glaubensgemeinschaft

nicht identifizieren kann,

tritt aus oder schliesst sich einer passenderen

Gemeinschaft an.

Die reformierte Landeskirche

hat so in 40 Jahren die Hälfte ihrer

Mitglieder verloren. Während sich

1970 noch über 95 Prozent zu einer

der beiden Landeskirchen bekannten,

ist diese Zahl bis 2012 um ein

Drittel geschrumpft. Kleinere >>>

FOTO: STEPHAN RAPPO/13PHOTO

10 DEZEMBER 2014 Fritz+Fränzi


«Glaube schafft Verwurzelung»

Familie Feuz macht bei vielen kirchlichen

Anlässen mit. So arbeitet Mutter Esther als Freiwillige

für die Kirche, und dass die Kinder Janis, Robin

und Sarina (v. l. n. r.) den Religionsunterricht besuchen

sollten, war auch für Vater Peter selbstverständlich.


Schwerpunkt

Familie Feuz

nimmt gerne

gemeinsam an

Familiengottesdiensten

teil

>>> Glaubensgemeinschaften, etwa

islamische und christlich-orthodoxe,

haben zwar leicht zugelegt. Die

grosse Mehrheit der Personen, die

den Landeskirchen entlaufen sind,

ist jedoch keiner Religionsgemeinschaft

mehr zugehörig.

DIE NEUE GRETCHENFRAGE

Doch egal, ob sich Mütter und Väter

nun für einen Austritt entscheiden

oder weiter Kirchensteuer bezahlen,

ohne wirklich Feuer und Flamme für

ihre Religion zu sein – irgendwann

stellt sich ihnen eine neue Gretchenfrage:

Wie hast du’s mit der religiösen

Erziehung deiner Kinder?

In kirchlichen Kreisen sei der

Traditionsabbruch längst ein Thema,

sagt Thomas Müller, Pfarrer der

reformierten Kirchgemeinde Affoltern

am Albis. «Man darf die Vergangenheit

auch nicht verklären: In der

reformierten Landeskirche sind die

Gotteshäuser zu praktisch keinem

Zeitpunkt jeden Sonntag voll gewesen»,

sagt er. Als Gegenmassnahme

bietet die reformierte Kirche im

Rahmen ihres «religiös-pädagogischen

Gesamtkonzepts» neben dem

Religionsunterricht auch Eltern-

Kind-Singstunden, Familienmorgen

und Ähnliches an und spricht damit

nicht allein die Kinder, sondern die

ganze Familie an.

Diese Strategie ist wesentlich für

das Überleben der Landeskirchen,

denn die Kinder sind die Mitglieder

von morgen. Zudem seien die jungen

Familien – neben den Menschen

im letzten Lebensabschnitt – die

wichtigste Zielgruppe der Kirche,

wie Thomas Müller sagt. Grund

dafür sei, dass immer noch eine

solide Nachfrage bestehe, die wich-

FOTO: STEPHAN RAPPO/13PHOTO

12 DEZEMBER 2014 Fritz+Fränzi


DIE ENGAGIERTEN

tigen Lebensübergänge in der Glaubensgemeinschaft

zu feiern: Geburt,

Erwachsenwerden, Heirat und Sterben.

Nach der Konfirmation hätten

zwar fast alle frischgebackenen Kirchenmitglieder

nichts mehr mit der

Kirche zu tun. «Diejenigen, die nicht

austreten, wenn sie die erste Steuerrechnung

erhalten, kommen dank

ihrem eigenen Nachwuchs aber 10

oder 20 Jahre später wieder auf die

Kirche zu», sagt Thomas Müller.

KIRCHLICHES ANGEBOT FÜR DIE

GANZE FAMILIE

Einleuchtend, dass sich die Kirchen

heute Mühe geben, Familien anzusprechen.

Die Kirche in Affoltern

führt seit sechs Jahren Familienferien

durch: 20 und mehr Familien

fahren zusammen in ein Lagerhaus

und verbringen eine Woche miteinander

(siehe auch Seite 23).

Obwohl die Kirche diese Woche

subventioniert, ist die Haltung des

Veranstalters offen. Wie stark die

Geschichten und Lieder an die

christlichen Botschaften gemahnten,

variiere mit den kirchlichen Mitarbeiterinnen,

die jeweils mithälfen,

sagt Pfarrer Müller. Er wolle nicht

missionieren. Es gibt auch keinerlei

Erwartungen an die Teilnehmer

bezüglich der religiösen Einstellung.

Wer gerne als Familie mit anderen

Familien zusammen etwas erlebe,

der sei vorbehaltlos willkommen.

Jährliche Familienferien bieten

auch katholische Pfarreien

Esther Feuz (43) ist als Tochter zweier

Heilsarmee-Offiziere aufgewachsen.

Das gläubige Umfeld sei für sie normal

gewesen – nur in der Pubertät habe sie

sich teilweise etwas für die Arbeit ihrer

Eltern geschämt, sagt sie. Heute ist sie

Mitglied der reformierten Landeskirche,

habe aber noch einen «schönen Bezug»

zur Heilsarmee. Auch ihr Mann Peter

(48), der «im gängigen Rahmen» gläubig

aufgewachsen sei, ist konfirmiertes

Mitglied der reformierten Kirche.

Meinungsverschiedenheiten in Glaubensfragen

hätten anfangs der Beziehung

zu Spannungen geführt. Sie hätten

sich etwa damit auseinandersetzen

müssen, dass sie unterschiedliche

Vorstellungen über das Feiern des Weihnachtsfests

hatten. «Für Peter und seine

Familie sind das Gesellige und das Essen

wichtig, für mich sind es die feierliche

Atmosphäre, die Weihnachtsgeschichte

und die Lieder», sagt Esther Feuz. Eine

Aufgabenverteilung löste das Problem:

Er kümmert sich nun um das Menu, sie

um die Feierlichkeiten.

Nicht viel wurde darüber diskutiert, ob

ihre Kinder Robin (13), Sarina (12) und

Janis (9) den kirchlichen Religionsunterricht

besuchen oder nicht. «Es ist so gewachsen,

und es gehört nun mal dazu»,

an, beispielsweise diejenige von

Wädenswil. Auch hier stünden

ein lockeres Zusammensein und

gemeinsame Ausflüge im Zentrum,

sagt der Wädenswiler Vikar Markus

Dettling.

Doch, könnte man einwenden,

biedert sich die Kirche nicht dem

nicht religiösen Zeitgeist an, wenn

sie die Leute ermutigt, nicht wegen,

sondern vielleicht sogar trotz der

Glaubensinhalte an kirchlichen

Anlässen teilzunehmen? Müller

wehrt ab, denn er anerkennt diese

Trennung gar nicht erst. Das >>>

sagt Esther Feuz. Die Kinder gingen gern

in den «Unti», weil es eine Stunde sei, die

nicht so leistungsorientiert sei.

Familie Feuz feiert das Weihnachtsfest

zu Hause im kleinen Kreis, aber am

Ostersonntag hat die Teilnahme am

Familiengottesdienst Tradition. Nach

dem Gottesdienst sucht die Festgemeinde

um die Kirche herum die

Ostereier und feiert im Kirchenpark.

Überhaupt ist die Familie Feuz bei vielen

kirchlichen Anlässen anzutreffen. Auch

deshalb, weil Esther Feuz als Freiwillige

für die Kirche arbeitet und viele Anlässe

mitvorbereitet, etwa den Geschichtengottesdienst,

das Fest zum Schulbeginn

oder das Weihnachtsspiel. Die Familie

hat auch wiederholt an den Familienferien

der Kirchgemeinde teilgenommen.

«Es ist schön, Teil dieser Gemeinschaft

zu sein», sagt Esther Feuz. «Den Glauben

miteinander zu teilen und zu leben,

schafft eine Verwurzelung, die für uns

wichtig ist.»

Dass sie eines Tages keinen grossen

Einfluss mehr auf die Entscheide ihrer

Kinder haben wird, dessen ist sich die

Mutter bewusst. Sie wünscht ihnen

Offenheit dem Glauben gegenüber und

die Gewissheit, dass immer jemand über

sie wacht.

«NACH DER KONFIR-

MATION HABEN VIELE

NICHTS MEHR MIT

DER KIRCHE ZU TUN»

Fritz+Fränzi DEZEMBER 2014 13


Schwerpunkt

NACH JEHOVAS WILLE

Jurgen (47) und Karin (43) Egberink sind

seit der Kindheit bei den Zeugen Jehovas.

Die gebürtigen Holländer sind ihrer Religionsgemeinschaft

auch treu geblieben, als

sie in die Schweiz zogen. Dabei kam ihnen

zugute, dass die Zeugen Jehovas eine

Religionsgemeinschaft sind, die weltweit

einheitlich ist. Die Zeugen Jehovas berufen

sich auf die Bibel, und sie beten den

allmächtigen Gott und Weltschöpfer an,

den sie Jehova nennen.

Für ihre Gottesdienste versammeln sich

die Zeugen Jehovas an zwei Abenden pro

Woche in einem Saal, dem «Königreichssaal»,

wie Jurgen Egberink erklärt. Gottes

Königreich sei nämlich das zentrale

biblische Thema. Jedes Mitglied bestimme

selber, wie oft es dabei sei, sagt Karin

Egberink. Doch bei den Zeugen Jehovas

sollte sich der Glaube in allen Lebensbereichen

widerspiegeln. Für die Egberinks

steht die Religion an erster Stelle im

Leben.

Obwohl die Zeugen Jehovas viele Gottesdienste

miteinander feiern, gibt es

bei ihnen kaum Daten von besonderen

religiösen Festen. Der Glaube kommt mit

wenigen Ritualen aus. Weihnachten wird

gar nicht gefeiert. «Gewiss begrüssen

wir die Geburt von Jesus Christus. Doch

das Weihnachtsritual ist heidnischen Ursprungs,

und wir wollen unsere Anbetung

davon reinhalten», sagt Karin Egberink.

ES GEHT NICHT

DARUM, AN WUNDER-

GESCHICHTEN ZU

GLAUBEN, SONDERN

UM DIE CHRISTLI-

CHEN GRUNDWERTE

Wie ist es für Tochter Alicia (7), die in die

öffentliche Schule geht, wenn die Schulkameraden

von ihren Weihnachtsfeiern und

den vielen Geschenken erzählen? «Ich

bekomme durchs Jahr verteilt Geschenke,

das ist viel besser als alles auf einmal»,

sagt Alicia, ohne zu zögern.

Einzig eine Gedächtnisfeier um Ostern

wird im Kalender hervorgehoben. Der

Fokus liegt jedoch auf dem Tod Jesu. Gibt

es Ostereier? Die ganze Familie lacht

herzhaft. Natürlich sind auch die Eier ein

Symbol heidnischen Ursprungs ebenso

wie der Hase. Auch im privaten Alltag

der Familie hat die Religiosität keinen

Ritualcharakter. Die Egberinks beten zum

Beispiel vor dem Essen, doch nicht indem

sie einen immer gleichen Spruch heruntersagen.

Für sie ist das Gebet immer ein

persönliches Gespräch mit Jehova. Auch

die Bibellektüre gehört zum Alltag.

Tochter Alicia wird, wie alle nachwachsenden

Zeugen Jehovas, zu Hause von den

Eltern in der Religion unterrichtet. Für die

Eltern gehöre dies ganz selbstverständlich

zu ihrer Erziehungsverantwortung, sagt

Karin Egberink. Getauft werde sie jedoch

erst in einigen Jahren als Teenager, wenn

sie wisse, was die Taufe genau bedeute,

sagt die Siebenjährige. Mit der Taufe

erklärt ein Mensch seine persönliche

Bereitschaft, sein Leben nach Jehovas

Wille zu leben.

>>> gemeinsame Feiern eines Festes

sei bereits ein wichtiger Aspekt

des religiösen Rituals. Ausserdem

gehe es nicht darum, im Detail an

irgendwelche Wundergeschichten

zu glauben, sondern um die christlichen

Grundwerte wie die Feier des

Lebens oder der Nächstenliebe.

Müller, der sich als junger Mann

in einer Freikirche engagierte, ist es

wichtig, dass die reformierte Kirche

eine Volkskirche ist, die für Menschen

der verschiedensten Glaubensüberzeugungen

offen ist. «Sonst

könnte ich hier nicht Pfarrer sein»,

sagt er. Eine ganz andere Haltung

habe man etwa bei den evangelikalen

Freikirchen, da habe man einen

klaren Exklusivitätsanspruch: Wer

dabei sei, habe die Glaubensartikel

gefälligst auch zu glauben. Müller

dagegen ist überzeugt: «Der Zweifel

ist immer Bestandteil des Glaubens.»

Dass der Glaube durch stärkere

und durch schwächere Phasen gehe,

sagt auch der katholische Priester

Dettling. In seiner Messe sei gewiss

jeder willkommen. Doch wer zur

Hochmesse «Amen» sage, also wörtlich

«So sei es», und die Kommunion

empfange, der gebe damit ein Glaubensbekenntnis

ab.

RELIGIONSKUNDE UND

KENNENLERNEN VON INNEN

Die Schwelle, einmal einen Osterfamiliengottesdienst

mit Eiersuche

und Brunch zu besuchen, mag für

viele Eltern nicht allzu hoch sein.

Doch was ist es, was junge Väter und

Mütter noch davon überzeugt, ihr

Kind in den konfessionellen Religionsunterricht

zu schicken?

Oft hört man, die Kinder sollten

doch in den «Unti» gehen,

damit sie Grundkenntnisse über

die Religion erhalten. Doch das ist

heute eigentlich kein Grund mehr:

Im Kanton Zürich wird an der

Volksschule seit rund zehn Jahren

das Fach «Religion und Kultur»

unterrichtet, ein religiös neutraler

Religionskunde-Unterricht, der für

alle Schüler obligatorisch ist.

Andere Kantone haben ähnliche

Regelungen.

Die Religionswissenschafterin

Katharina Frank betreut die fachwissenschaftliche

Sekundarlehrerausbildung

in «Religion und Kultur»

an der Universität Zürich seit den

Anfängen. Der schulisch ver- >>>

FOTO: STEPHAN RAPPO/13PHOTO

14 DEZEMBER 2014 Fritz+Fränzi


Tägliche Bibellektüre

Karin, Alicia und Jurgen Egberink (v. l. n. r.)

gehören zu den Zeugen Jehovas – einem Glauben,

der mit sehr wenigen Ritualen auskommt.

Das Lesen in der Bibel gehört jedoch zum Alltag.

Fritz+Fränzi DEZEMBER 2014 15


Mystik spüren

Die beiden Söhne Felix und Linus (v. l. n. r.)

von Thomas Brunner und Mirjam Halter

wurden nicht getauft. Vater Brunner findet es

wichtig, dass seine Buben Verständnis

für die verschiedenen Religionen entwickeln,

jedoch mit einer kritischen Haltung.


Schwerpunkt

>>> antwortete Unterricht habe ein

anderes Ziel als der kirchliche, nämlich

«religionskundliche Kompetenzen»,

erklärt Frank. «Es geht darum,

Texte und Praktiken der religiösen

Gemeinschaften und Individuen in

einen Zusammenhang zu bringen

und zu erforschen.» Im Gegensatz

zum kirchlichen Religionsunterricht

ist die schulische Religionskunde

nicht an ein Bekenntnis gebunden.

Die Unterrichtspersonen von «Religion

und Kultur» nähmen Rücksicht

darauf, dass Schüler verschiedenen

Glaubens oder auch ohne Religion

im Unterricht seien, sagt Frank.

Somit kann sich der kirchliche

Unterricht wieder verstärkt auf seine

ursprüngliche Aufgabe konzentrieren:

die Kinder mit den wichtigen

Ritualen wie Abendmahl oder Taufe

vertraut machen und ein Weihnachtsspiel

einüben.

In einer Zeit, in der Religionen

wie Angebote auf einem Basar

erscheinen, mögen manche Eltern

denken, die Kinder sollten selbst

die Wahl haben. Pfarrer Müller sagt:

«Was die Kinder nicht kennenlernen,

dafür können sie sich auch

nicht entscheiden. Mit der Tradition

werden sie nur vertraut, wenn sie

im ‹Unti› dabei sind und ab und zu

einen Gottesdienst miterleben.»

Müller sagt, nur durchs eigene

Mitmachen könne ein junger

Mensch beurteilen, ob ihm dies

entspreche oder nicht. Dies könne

keine Religionskunde leisten. Das

pädagogische Programm der Landeskirche

verstehe sich heute auch

als Entlastung der Eltern, die sich

DER KIRCHLICHE

RELIGIONSUNTER-

RICHT SOLL DIE

KINDER MIT DEN

WICHTIGEN RITUALEN

VERTRAUT MACHEN

bezüglich ihres Wissens oder ihrer

Überzeugungen unsicher fühlten.

Der katholische Vikar Dettling

dagegen möchte die Eltern nicht entlastet

sehen. «Auch die Eltern sind

gefordert, sich mit dem Glauben

auseinanderzusetzen.» Der Glaube

dürfe nicht als Konsum artikel

missverstanden werden. Dettling

wünscht sich, dass Eltern an der

religiösen Entwicklung ihrer >>>

EHER AUF DISTANZ ZUR KIRCHE

FOTO: STEPHAN RAPPO/13PHOTO

Thomas Brunners (35) konfessionelle

Erziehung endete mit der

Erstkommunion, bei welcher der damals

Neunjährige seine erste Oblate

empfing und erbrechen musste.

«Man könnte das auch symbolisch

deuten», sagt er heute augenzwinkernd.

Den Religionsunterricht am

Gymnasium besuchte er nicht, und

er liess sich nicht firmen.

Der Jungwacht, die von der katholischen

Kirche getragen wird, blieb

er länger treu. Der Grund war ein

Pfarrer, der seine Kirche für Neues

öffnete und aus seinen Differenzen

zum Bischof kein Hehl machte. Das

beeindruckt Brunner heute umso

mehr, als er um den engen Spielraum

der katholischen Würdenträger

weiss. Er wurde Jungwachtleiter und

war zuletzt an einer Schnittstelle

zwischen Pfarrei und Jungwacht

sowie Blauring tätig.

Trotz seiner guten Erfahrungen ist er

heute ambivalent und pflegt keinen

Kontakt mit der Kirche. Er müsse

sich wohl als von der Kirche «eher

distanziert» bezeichnen, sagt er.

Auch seine Lebenspartnerin Mirjam

Halter (35) hat Taufe und Erstkommunion,

aber nicht die Firmung

vollzogen. Sie ist Mitglied der

katholischen Landeskirche.

Die beiden Buben des Paars, Linus

(6) und Felix (4), sind nicht getauft.

Den kirchlichen Religionsunterricht

werden sie voraussichtlich nicht

besuchen. «Dafür stehe ich zu wenig

hinter der Kirche», sagt Brunner.

Den Kindern ein solides Wissen über

Religion mitzugeben, hält er aber für

wichtig. Er ist überzeugt, dass die

Kinder schon bei den Gesprächen am

Familientisch einiges mitbekommen.

Thomas Brunner interessiert sich für

Religionen, etwa die der Kelten mit

den natürlichen Symbolen.

Seinen Kindern wünscht Brunner,

dass sie Sympathie und Verständnis

für den Glauben und für die

Religionen entwickeln, aber mit einer

kritischen Haltung. Für einen wichtigen

Wert hält Brunner die Dankbarkeit

für alles, was den Menschen

gegeben ist. «Damit meine ich nicht

den Überfluss unserer westlichen

Wohlstandszone, der auf der skrupellosen

Ausbeutung von Menschen in

Drittweltländern aufgebaut ist», legt

er nach.

Feiert die vierköpfige Familie Weihnachten?

«Ja, leider», sagt Brunner.

Die Lust sei ihm vergangen. Von

Konsum und Kapitalismus durchdrungen

sei es. Es widerstrebe ihm

immer mehr mitzumachen – obwohl

er die Adventszeit als etwas Schönes

empfinde. Der Rummel komme viel

zu früh. «Im November möchte ich

mit den Kindern den Herbst geniessen.

Jenseits der alltäglichen Routine

im Nebel, im düsteren Wald, in der

Weite der Natur herumstreifen und

so ein bisschen Mystik spüren. Auch

das kann Religion sein.»

Fritz+Fränzi DEZEMBER 2014 17


Schwerpunkt

WESENTLICH

IST DIE CHRISTLICHE

MORAL: DIE

SCHWACHEN ZU

UNTER STÜTZEN

UND DIE NÄCHSTEN-

LIEBE ZU LEBEN

>>> Kinder teilnehmen und auch

persönlich zur Kirchgemeinde und

zu Gott in Beziehung treten. «Der

Glaube braucht eine gewisse Verbindlichkeit»,

ist er überzeugt.

Die Kirchgemeinde sei eine

Gemeinschaft, die über die Kleinfamilie

hinausgehe, sagt Müller,

und Gemeinschaftserlebnisse wie

Christnachtfeier oder Ostergottesdienst

seien für die Kinder oft sehr

einprägsame Erinnerungen. Das

Gefühl der Zugehörigkeit und Verbindlichkeit

stellt sich laut Müller

auch schon ein, wenn die Familie an

kinder- und familiengerechten Feiern

teilnimmt, etwa am Weihnachtsspiel,

am Osterfest oder am Fest zum

Schuljahresbeginn. Der Auffassung,

dass man eigentlich jeden Sonntag

in der Kirche sitzen müsste, erteilt

Müller eine Absage.

Auch was die Gläubigkeit der

Eltern angeht, gibt sich Pfarrer Müller

liberal. «Man muss sich nicht zu

einem Bekenntnis verpflichten oder

irgendwelche Glaubenssätze unterschreiben

können, um in der Kirche

teilzunehmen», sagt er. Wesentlich

ist für ihn die Auseinandersetzung

mit den biblischen Geschichten und

mit der christlichen Moral: dass

die Schwachen unterstützt und die

Nächsten geliebt werden sollen.

In gleicher Weise äussert sich

der Pfarrer zu den privaten Feiern,

die wohl die meisten Eltern in der

Schweiz an Weihnachten und Ostern

für ihre Kinder immer noch veranstalten.

Die Menschen hätten alle

ihre eigene Art, diese Feste zu feiern,

und häufig hätten diese Ritualcharakter.

Und sei es nur, dass etwa die

Christbaumkerzen immer vor dem

Essen angezündet würden.

DIE «FROHBOTSCHAFT» ZU HAUSE

Dass viele auf eine Lesung der Weihnachtsgeschichte

aus dem Evangelium

verzichten, tut für Müller der

Sache keinen Abbruch. Auch die

Klagen, Weihnachten sei zu einer

blossen Konsumschlacht geworden

und die eigentliche Feier hätte nicht

privat, sondern in der Kirchengemeinschaft

zu erfolgen, hält er für

nicht gerechtfertigt. «Auch da wird

etwas angeblich Ursprüngliches verklärt,

das es so gar nie gegeben hat.»

Die Kleinfamilie sei die wichtigste

Gemeinschaft, und so sei es auch

natürlich, dass religiöse Rituale hier

einen zentralen Platz hätten.

Auch im privaten Rahmen plädiert

der Theologe also für Offenheit.

Dass mit dem Bedeutungsverlust der

Religionsgemeinschaften auch die

Bereitschaft der Eltern abgenommen

hat, «bibeltreue» Antworten zu

geben, ist auch ihm bewusst. Keinesfalls

erwartet er von den Eltern, dass

sie sich verbiegen und den Kindern

Glaubensinhalte einimpfen, die sie

selber nicht glauben. In einem Dialog

mit den Kindern, sagt er, dürfe

man durchaus zugeben, dass man

selbst nicht sicher sei, ob man gewisse

Elemente der christlichen Lehre

selbst glaube. Wichtig ist ihm, dass

die grundsätzliche «Frohbotschaft»

über die Zuwendung Gottes zu seiner

Schöpfung und die Feier des

Lebens und der Liebe im Vordergrund

stehen – und nicht etwa eine

einschüchternde «Drohbotschaft»,

zu der dieselben Texte eben auch

geformt werden könnten.

Müllers katholischer Kollege

Dettling möchte die Auseinandersetzung

mit der biblischen Geschichte

eher stärker im Vordergrund sehen.

Er rät den Familien, keine allzu

hohen Erwartungen an das Fest zu

haben, sondern sich stattdessen einmal

ausgiebig Zeit zu nehmen, die

Erzählung über die Geburt Jesu in

der Stille zu betrachten. «Die Worte

können in uns ein Geheimnis

anklingen lassen, das wir verloren

zu haben meinen», sagt er.

Auch wer kein Hehl daraus

macht, dass er nicht an Wunder

glaubt, setzt sich heute vor den

Christbaum und verteilt Geschenke.

In unserer Zeit, in der Pluralismus

und Wahlfreiheit vorherrschen,

kann man in der Kirchenbank sitzen,

ob man gläubig, skeptisch oder

ungläubig ist. Wer will, geniesst die

besinnliche Stimmung im Licht der

Kerzen – ob er nun die Weihnachtsgeschichte

als wahre Geschichte

unterschreiben würde, oder ob er

sie für bloss gut erfunden hält.


Von der Wiege bis zur Bahre

Die Dienste der Kirche werden hierzulande immer weniger in Anspruch genommen.

Bei den Hochzeiten ist der Einbruch dramatisch. 2012 liess sich lediglich jedes 5. Paar (21 Prozent)

kirchlich trauen. Vor 20 Jahren waren es noch rund 60 Prozent mehr. Bei den Taufen sieht

es weniger düster aus. Bei 82 164 Geburten kam es 2012 noch zu 36 469 Taufen, einem Anteil von

rund 45 Prozent. Beim Tod zeigen sich die meisten Angehörigen gottesnah. 2012 wurden

76 Prozent der 64 173 Verstorbenen kirchlich bestattet.

Quelle: Pfarreierhebung der Schweizer Bistümer (2011–2012), Evangelisch-reformierte Landeskirche, BFS

Religionszugehörigkeit 1970, 1990 und 2012

Wohnbevölkerung ab 15 Jahren in %

0,3 Jüdische Glaubensgemeinschaften

4,9 Islamische Glaubensgemeinschaften

1,3 Andere Religionsgemeinschaften

46,7

Römischkatholisch

1970

48,8

Evangelischreformiert

46,2

Römischkatholisch

1990

39,6

Evangelischreformiert

21,4

Konfessionslos

2012

26,9

Evangelischreformiert

2,0

Andere christliche

Glaubensgemeinschaften

1,2 Konfessionslos

0,1 Andere Religionsgemeinschaften

0,2 Islamische Glaubensgemeinschaften

7,5 Konfessionslos

3,4

Andere christliche

Glaubensgemeinschaften

0,3 Andere Religionsgemeinschaften

1,6 Islamische Glaubensgemeinschaften

0,4 Jüdische Glaubensgemeinschaften 0,2Jüdische Glaubensgemeinschaften

38,2

Römischkatholisch

5,7

Andere christliche

Glaubensgemeinschaften

Quelle: BFS / Volkszählung

4

Typen mit unterschiedlichen

Glaubensvorstellungen haben Religionssoziologen

aus Lausanne und St. Gallen im

Rahmen des Nationalen Forschungsprogramms

«Religionsgemeinschaft, Staat

und Gesellschaft» ausgemacht: 57 % der

Schweizer Bevölkerung gehören zur

Gruppe der Distanzierten, 18 % zu den

Institutionellen. Die Alternativen machen

13 %, die Säkularen 12 % aus.

15 %

der Muslime hierzulande pflegen

ihren Glauben, das heisst allerdings

nicht, dass die Übrigen nicht

gläubig sind. In der Schweiz stellen

Muslime die viertgrösste

Glaubens gemeinschaft dar. An der

Gesamt bevölkerung gemessen,

machen sie nach den Berechnungen des

Bundes etwa 4,5 % aus. Rund ein

Drittel besitzt den Schweizer Pass.

85 %

der Schweizer Jugendlichen

glauben einer Studie des Instituts für

Praktische Theologie der Universität

Bern zufolge an Gott oder an etwas

Göttliches. Im Vergleich mit ihren westeuropäischen

Altersgenossen gehören

Schweizer zwischen 15 und 29 Jahren zu

den Gottesfürchtigeren. Gefragt, ob sie

sich selbst als «religiöse Personen»

bezeichnen würden, bejahen dies fast 40 %.

Fritz+Fränzi DEZEMBER 2014 19


Schwerpunkt

BUCHTIPP

Eva Zoller Morf:

Selber denken

macht schlau.

Philosophieren

mit Kindern und

Jugendlichen.

Fr. 29.00

Frau Zoller Morf, wie spricht man

mit Kindern über religiöse Fragen?

Am besten, indem man auf Fragen

reagiert, mit denen die Kinder von

selbst auf einen zukommen. Beim

Antworten dürfen die Eltern den

persönlichen Glauben selbstverständlich

einfliessen lassen. Dabei

hilft es jedoch, wenn man versucht,

sich zunächst darüber klar

zu werden, was man selbst glaubt.

Wenn Eltern an Glaubensinhalten

zweifeln: Sollen sie dies offenlegen?

Unbedingt. Viele Menschen glauben

nicht an den Gott, den die

Bibel beschreibt, sondern zum Beispiel

an die Existenz einer nicht

personal verstandenen höheren

Macht. Auch mit einer solchen

Auskunft können Kinder oder

Jugendliche durchaus umgehen.

Wer an gewissen Glaubensinhalten

zweifelt, der sollte seinen Kindern

gegenüber dazu stehen können.

Die Kinder merken irgendwann

sowieso, dass Mama und Papa

nicht alles wissen – und werden

auch damit klarkommen. Das ist

meine wichtigste Botschaft an die

Eltern: Sie sollten wirklich ganz

ehrlich sein. Und sie sollten nicht

denken, sie müssten den Kindern

alle Antworten liefern können.

Wie gestaltet man als Mutter oder Vater

ein solches Gespräch mit dem Kind?

Zuerst hört man aufmerksam zu,

um herauszufinden, was das Kind

wirklich beschäftigt. Danach

könnte man ein kleines philosophisches

Gespräch so beginnen:

«Was denkst du denn, wie es sein

könnte?» Oft ist ein Todesfall ein

Anlass, bei dem Kinder viele Fragen

stellen. Manche davon sind

sachlich zu klären, andere jedoch

zeigen, dass das Kind emotional

betroffen ist und deshalb von den

Eltern Verständnis und Mitgefühl

braucht. Wenn es aber um Fragen

geht wie «Was ist die Seele?» oder

«Sehen uns die Verstorbenen

noch?» oder «Glaubst du, dass

man nochmals auf die Welt

kommt?» kann man gemeinsam

«RELIGION

NICHT ALS

MORAL­

KEULE

BENUTZEN»

Kinder verstehen biblische Geschichten oft intuitiv.

Die Philosophiepädagogin Eva Zoller Morf darüber,

warum es dennoch so wichtig ist, dass sich Eltern

den kritischen Kinderfragen stellen INTERVIEW: FLORIAN BISSIG

überlegen, welche Möglichkeiten

es gibt und welche Begründungen

dafür oder dagegen sprechen. Nehmen

wir zum Beispiel an, ein Kind

fragt nach dem Tod einer geliebten

Grossmutter, warum diese gestorben

sei. «Sie war eben schon alt»,

mag eine sachliche Antwort sein.

Doch vielleicht wollte das Kind

auch ausdrücken: «Ich vermisse

sie!» In diesem Fall wäre eine

Bestätigung seitens der Eltern hilfreich:

«Ja, es ist traurig. Wir vermissen

sie auch!» Wenn die eigentliche

Frage hinter der Frage aber

lautet: «Warum muss man überhaupt

sterben?», dann könnte man

gemeinsam überlegen, wie es denn

wäre, wenn es den Tod nicht gäbe.

Welche Rolle spielen die

biblischen Geschichten für die

Vermittlung von Religion?

Die Bibel und ihre Geschichten

bilden einen wichtigen Hintergrund

unserer Kultur. Die Kinder

sollten daher auf jeden Fall einige

grundlegende Geschichten kennenlernen.

Da die Bibel aber für

Erwachsene geschrieben wurde, ist

es wichtig, eine Auswahl zu treffen.

Die Weihnachtsgeschichte zum

Beispiel eignet sich gut, um in der

Familie erzählt zu werden. Allgemein

sollte die Vermittlung heutzutage

auf eine Weise geschehen,

welche die Texte im historischen

Kontext ihrer Entstehung einbettet

und sich nicht an eine wörtliche

Deutung klammert. Kleinere Kinder

verstehen biblische Geschichten

– ähnlich wie die Märchen –

oft intuitiv. Mit älteren Kindern

und mit Jugendlichen kann man

gemeinsam versuchen, sie zu

interpretieren und Deutungen zu

diskutieren.

Können Sie ein Beispiel nennen?

Nehmen wir die Geschichte von

der wundersamen Brotvermehrung:

Hier hat Jesus mit ein paar

wenigen Broten und Fischen eine

riesige Gruppe von Menschen

20 DEZEMBER 2014 Fritz+Fränzi


Wer ist Gott? Mit solchen Fragen befasst sich Eva Zoller Morf in ihrer Arbeit mit Kindern

genährt, die alle Hunger hatten.

Und zuletzt blieb sogar noch eine

ganze Menge Brot übrig. So erzählt

es die Bibel. Für kleine Kinder ist

das vorerst möglicherweise einfach

eine spannende Geschichte. Ältere

Kinder oder Jugendliche aber wollen

das vielleicht nicht mehr einfach

glauben. Dann könnte man

mit ihnen anhand der Geschichte

philosophieren, ob es vielleicht

etwas gibt, das beim Teilen nicht

weniger wird. Und ob das Brot, das

wundersamerweise plötzlich für

ganz viele Leute reichte, vielleicht

etwas anderes bedeutet, als was wir

täglich essen. So verstehen wir

zusammen mit den Kindern vielleicht

plötzlich, was mit der

Geschichte im tieferen Sinne

gemeint sein könnte.

Besteht die Gefahr, dass Religion

Kindern auf missbräuchliche Weise

vermittelt wird?

Es ist nicht in Ordnung, die Religion

als Moralkeule zu benutzen,

indem man damit bei den Kindern

Ängste schürt oder Andersdenkende

diskriminiert. Kinder

begegnen bei uns heutzutage mehreren

religiösen Richtungen innerhalb

des Christentums, von den

Landeskirchen bis hin zu sektenhaften

Gruppierungen und natürlich

auch dem Islam oder dem

Hinduismus und Buddhismus. Wer

immer mit dem Anspruch auftritt,

dass nur die eigene Religion die

wahre sei, leistet der Intoleranz

und dem Unfrieden Vorschub.

Dem kann der schulische Religionskunde-Unterricht

entgegenwirken?

Ja. Da der religionskundliche

Zugang keine Wertungen oder gar

Abwertungen einer Religion beinhalten

darf, sondern die Faktenlage

klärt und das Wissen um die

Unterschiede zwischen den verschiedenen

Glaubensrichtungen

fördert. In einigen Kantonen geht

der Religionsunterricht vielversprechende

neue Wege. Einige

DIE EXPERTIN

Lic. phil. Eva Zoller

Morf ist Philosophiepädagogin.

Sie

hat mehrere Bücher

über das Philosophieren

mit Kindern

geschrieben und

«s’Käuzli» die

«Schweizerische

Dokumentationsstelle

für Kinderund

Alltagsphilosophie»

in Altikon

ZH gegründet.

Pfarrer und Katechetinnen pflegen

beispielsweise das «Theologisieren».

Darunter versteht man, dass

über Glaubensfragen auch philosophiert

werden darf, ohne das

Fundament der eigenen Glaubenstradition

zu negieren.

Die Schweizer werden immer

religionsdistanzierter. Was bedeutet

das für die Erziehung?

Es bedeutet, dass die Werte, welche

unsere Kultur prägen, auch für

Kinder aus nicht kirchlich orientierten

Elternhäusern erfahrbar

sein sollten. Dafür sind in erster

Linie die Eltern zuständig, indem

sie den Kindern ihre Werte vorleben.

Die Schule vertieft dies durch

reflektierende Gespräche über

Werte und Normen des Zusammenlebens.

Geschichten – nicht

nur biblische! – können dabei helfen

und Anlass geben, über Werte

und Sinn im partnerschaftlichen

Dialog mit den Kindern zu diskutieren.

Dabei gilt es, wie bereits

erwähnt, dass Eltern bereit sind,

sich den kritischen Fragen der

Kinder mit Offenheit zu stellen

und ihre eigenen Werte gemeinsam

mit ihnen zu reflektieren.

Muss das auch an der

Familienweihnacht sein?

Ich würde eher sagen, es ergibt

Sinn, sich an Weihnachten in der

Familie die Frage zu stellen, was

jedem Familienmitglied eigentlich

daran wichtig ist. Mit kleinen Kindern

sollte man so feiern, wie es

die Eltern schön finden. Je grösser

die Kinder, desto mehr Mitsprache

wird möglich. Es kann zum Beispiel

auch ein besinnliches Ritual

ganz ohne Bibellesung oder Ähnlichem

sein, wenn die Religion für

eine Familie nicht im Vordergrund

steht. Wem die biblische Weihnachtsgeschichte

nichts bedeutet,

der sollte ehrlicherweise dazu stehen,

dass ein Familienfest auch

ohne religiösen Bezug Freude

machen kann. Und wenn man das

schafft, ist doch dennoch irgendwie

Weihnachten, oder?

Fritz+Fränzi DEZEMBER 2014 21


Schwerpunkt

VOM WÜNSCHEN

UND SCHENKEN

Weihnachten ist die Zeit des Schenkens und Beschenktwerdens.

Wer möchte, dass seine Kinder diese Gaben wirklich schätzen, sollte

schon früher anfangen, gewisse Werte zu vermitteln

TEXT: SUSAN EDTHOFER

Jahr für Jahr hört man Eltern, Grosseltern,

Tanten und Onkel klagen, dass es in der

Weihnachtszeit nicht mehr um Besinnlichkeit

gehe, sondern nur noch um Konsum. Mit

ausgeklügelten Werbemassnahmen werden

in der Vorweihnachtszeit Bedürfnisse geweckt

und Wünsche geschürt. Materielle Dinge zu

besitzen, scheint immer wichtiger zu werden.

Kinder und Jugendliche wissen genau, was sie

haben möchten oder was sie haben müssen.

Ob das angestrebte Objekt auch in den Budgetrahmen

der Eltern passt, kümmert meist wenig. Wichtig

ist also, dass Jugendliche früh lernen, mit Geld umzugehen.

Erst wenn Kinder eine Vorstellung über den Wert

des Geldes entwickeln, können Erwachsene erwarten,

dass den Wünschen ein gewisser Realitätssinn anhaftet.

AUF ETWAS HINZUFIEBERN, HAT SEINEN REIZ

Um zur Peergroup zu gehören, braucht man das passende

Outfit und die richtigen Gadgets. Verständlicher und

nicht auf Neudeutsch ausgedrückt, bedeutet das: Ohne

Markenbekleidung und Hilfsmittel wie Smartphone, Tablet

und Co. gehört man als Jugendlicher nicht dazu. So

befinden sich Eltern oftmals in einem Dilemma. Schliesslich

möchten sie ihren Kindern vieles ermöglichen und

vermeiden, dass sie sich ausgeschlossen fühlen. Gleichzeitig

sind sie sich bewusst, wie wichtig es ist, Kindern

beizubringen, dass man nicht alles einfach so haben

kann. Auf etwas zu warten, sich auf etwas zu freuen oder

auf etwas hinzufiebern, hat auch seinen Reiz.

Kürzlich habe ich gehört, wie sich eine Mutter zweier

fast erwachsener Töchter beklagt hat, dass für ihre Mädchen

alles selbstverständlich sei. Ohne sich der Ironie

ihrer Aussage bewusst zu sein, meinte sie: «Unsere Kinder

haben immer alles bekommen, kein Wunsch wurde

ihnen verwehrt, und unsere Ferien haben wir stets an

besonderen Orten und in schönen Hotels verbracht. Nun

verdienen sie selber, gehen ein und aus und profitieren

vom Hotel Mama. Sie erwarten, dass ihre Freiheit

unbegrenzt und der Kühlschrank stets voll

ist. Freiwillig helfen, einmal etwas beisteuern

kommt ihnen nicht in den Sinn.»

Verständlich, dass Eltern frustriert reagieren,

wenn alles als gegeben hingenommen

wird. Doch woher kommt diese Haltung? Und

etwas ketzerisch gefragt: Liegt es womöglich

genau daran, dass Kinder und Jugendliche

stets alles serviert bekommen haben und kaum mehr

zu verzichten brauchen? Vielleicht ändert sich diese

Haltung, wenn Jugendliche sich zwischendurch einen

Wunsch auch einmal selbst erfüllen und aus dem eigenen

Taschengeld zusammensparen müssen. Um mit Kindern

und Jugendlichen über Werte und Geld nachzudenken,

gibt es bei Pro Juventute für unterschiedliche Altersstufen

Angebote zum Erwerb von Finanzkompetenzen. Und

mit dem Modell Jugendlohn kann zudem eine gewisse

Schuldenprävention betrieben werden.

Es liegt in der Natur des Menschen, dass er Dinge

besitzen möchte. Doch verzichten oder warten zu können,

gehört ebenso dazu. Ein lang gehegter Wunsch, der

endlich in Erfüllung geht, bereitet bestimmt mehr Freude

als Dinge, die man einfach so bekommt. Und möglicherweise

muss nicht bloss das Warten, sondern auch

das Dankesagen neu gelernt werden. Schenken macht

nämlich viel mehr Freude, wenn man spürt, dass die

Beschenkten sich so richtig über das Geschenk freuen.

Es liegt in der

Natur des Menschen,

dass er

Dinge besitzen

möchte. Doch

verzichten zu

können, gehört

ebenso dazu

Susan Edthofer ist

Redaktorin im Bereich

Kommunikation

von Pro Juventute.

DIE PRO JUVENTUTE ELTERNBERATUNG

Die Elternberatung ist ein Angebot von Pro Juventute für alle Eltern und Bezugspersonen

von Kindern und Jugendlichen. Fragen zum Alltag, zur Familienorganisation,

zu schwierigen Situationen können jederzeit telefonisch unter 058 261 61 61 oder

per E-Mail deponiert werden. Ausser den normalen Telefongebühren fallen keine

Kosten an. Zum Thema Finanzkompetenz und Jugendlohn erhalten Eltern an

Elternabenden und Workshops Unterstützung für ihre Erziehungsaufgabe. Mehr

Infos unter www.projuventute.ch

22 DEZEMBER 2014 Fritz+Fränzi


FAMILIEN­

FERIEN

MIT DER

KIRCHE

FOTOS: FLORIAN BISSIG

Anlässe für

Gross und

Klein: Täglich

finden

Gesprächskreise

und

Spiele statt.

Teilnehmen

kann jeder,

der möchte

Seit sechs Jahren organisiert

die reformierte Kirche

Affoltern am Albis im

Herbst eine Woche Familienferien.

Die Nachfrage

nach dem relativ günstigen Angebot

ist gross: Es sind jeweils alle

verfügbaren Plätze der Unterkunft

belegt. Nach Aufenthalten in Cinque

Terre oder im Bregenzerwald

verbrachten dieses Jahr 24 Affoltemer

Familien miteinander eine

Woche im Naturfreundehaus

Radolfzell am Bodensee.

Einquartiert sind die Teilnehmer

in Familienzimmern; Frühstück

und Abendessen nehmen sie

miteinander ein. Gemeinschaftliche

Aktivitäten mit Pfarrer Thomas

Müller und der kirchlichen Mitarbeiterin

Christine Sommer finden

zu den Randzeiten statt. Am Morgen

gibt es ein Treffen mit Liedern,

einer Geschichte und Informationen.

Am Abend gibt es zuerst eine

Gutenachtgeschichte für die Kinder

und später eine besinnliche Runde

für die Erwachsenen. Alle diese

Aktivitäten sind freiwillig, ebenso

wie ein Spezialprogramm am

Mittwoch, das allen Altersgruppen

etwas bietet.

Tagsüber machen die Familien

nach Lust und Laune Ausflüge in

die Region, entweder allein oder

zusammen mit anderen Familien.

Die Umgebung bietet Natur- und

Tierfreunden viel, etwa den Wild-

Es gibt kein Muss: Wer möchte,

fühlt sich in den Ferien der reformierten

Kirchgemeinde Affoltern Gott

nah – oder verlebt einfach eine schöne Zeit

TEXT: FLORIAN BISSIG

und Freizeitpark Allensbach, das

Sea Life in Konstanz oder die Blumeninsel

Mainau, und lädt zum

Wandern und Velofahren ein.

So können alle Familien ihre

Ferien nach den eigenen Vorlieben

und entsprechend dem Alter der

Kinder verbringen und trotzdem

täglich Teil der Gemeinschaft sein.

Zudem schätzen viele die Möglichkeit,

neue Familien aus der eigenen

Wohngemeinde kennenzulernen.

Auch die Kinder knüpfen Kontakte

und spielen über die Altersgruppen

hinweg miteinander. Viele

Familien sind regelmässig dabei

und haben die Familienferien zu

einer kleinen, lieb gewonnenen

Tradition werden lassen.

Fritz+Fränzi DEZEMBER 2014 23


Schwerpunkt

ANDERE RELIGIONEN

Das Weihnachtsfest mag allgegenwärtig scheinen. Doch es ist ein christliches

Fest – und längst nicht alle Einwohner der Schweiz sind Christen. Was machen

Angehörige anderer religiöser Gemeinschaften an diesen Tagen? TEXT: FLORIAN BISSIG

Keine Weihnachten

feiern jüdische

Familien. Sie verbrächten

diese Tage

ganz unterschiedlich,

sagt Jonathan Kreutner, der Generalsekretär

des Schweizerischen

Israelitischen Gemeindebunds: «Ich

persönlich geniesse die freie Zeit mit

Familie und Freunden in der Natur,

erfreue mich aber auch über die

schöne Stimmung in den Städten.»

«Das Ausmass

gelebter Religiosität

ist unter Muslimen

unterschiedlich», sagt

Muhammad Hanel von

der Vereinigung der Islamischen

Organisationen in Zürich (VIOZ).

Theologisch gebe es im Islam keine

Veranlassung, die Geburt von

«Gottes Sohn» zu feiern. Um bei

muslimischen Kindern allerdings

kein Gefühl der Benachteiligung aufkommen

zu lassen, sei es mitunter

üblich, sie zu beschenken.

GOTTLOS

GLÜCKLICH

Bei den Mitgliedern der

Freidenker-Vereinigung

der Schweiz «sehen die

Weihnachtstage gar

nicht so anders aus als bei den

meisten Kirchenmitgliedern», wie

deren Geschäftsleiterin Reta Caspar

sagt. Die Freidenker würden gewiss

keine Weihnachtsgeschichte lesen

oder Weihnachtslieder singen. Sie

nähmen sich aus dem Brauchtum,

was ihnen gefalle, und sähen es als

verbunden mit uralten Ritualen rund

um die Wintersonnenwende.

Die Angehörigen der

russisch-orthodoxen

Kirchen feiern das

Weihnachtsfest;

wegen des julianischen

Kalenders aber erst am 7. Januar,

wie Dani Schärer, der Kirchenälteste

der russisch-orthodoxen Auferstehungskirche

in Zürich, sagt. In die

Kirche gingen die Familien meist

mitten in der Nacht. Am Tag feierten

sie zu Hause mit Christbaum und

Geschenken von «Grossvater Frost».

«Dieser kommt manchmal

persönlich vorbei,

und die Kinder verkleiden

sich und singen für ihn

oder sagen ein Sprüchlein

auf – ähnlich wie die

Schweizer Kinder dem

Samichlaus», sagt Schärer.

ar

Scannen Sie

diese Seite

und sehen Sie, wie

Studierende aus aller

Welt im Videoprojekt

time2celebrate.de von

ihrem Weihnachts -

fest erzählen

IM NÄCHSTEN HEFT:

Über das Schlafen

Ungefähr einen Drittel unserer Lebenszeit

verbringen wir mit Schlafen. Warum diese

Zeit eine wichtige ist, wie Schlaf, Gedächtnis

und Lernen zusammenhängen, was es für

einen guten Kinderschlaf zu beachten gilt

und wie er unterstützt werden kann, wird

im Dossier der Februar-Ausgabe erklärt.

FOTO: FOTOLIA

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Psychologie & Gesellschaft

Laut dem kanadischen

Entwicklungspsychologen

Gordon Neufeld ist es

ein grosses Problem, dass

sich Jugendliche nicht mehr

an ihren Eltern, sondern

an Gleichaltrigen orientieren.

Hier erläutert er warum

INTERVIEW: BIANCA FRITZ

FOTO: F12PR

Gordon Neufeld sieht die Trennung der Kinder von ihren

Eltern als Hauptproblem der westlichen Gesellschaft

«Gleichaltrige dürfen nicht

wichtiger werden als die Eltern»

Woher kommen unsere Gefühle?

Das Getrenntsein von den

GORDON NEUFELD: Gefühle kommen von innen. Sie Eltern ist also ein zentrales Problem?

entstehen im limbischen System; das ist das Herz unseres Ja, wir leben in einer Gesellschaft, die darauf angelegt ist,

Gehirns – und wird am besten beschützt. Sogar wenn dass wir Trennungserfahrungen herbeiführen, anstatt sie

Tumore entstehen, wird dieser Part oft ausgespart. zu verhindern. Kinder werden früh von den Eltern

Ihrer Meinung nach sind viele Kinder heute nicht mehr getrennt, noch bevor sie sich richtig an diese gebunden

fähig, alle grundlegenden Emotionen wahrzunehmen – haben, geschweige denn, bevor sie eine Beziehung zu ihrer

zum Beispiel empfinden sie Sehnsucht als Langeweile … Betreuungsperson aufgebaut haben. Auch unsere Disziplinarmethoden

beziehen sich auf die Trennungserfah-

To bore – Englisch für langweilen – kommt von «boring

a hole» – ein Loch graben. Wer sich langweilt, hat also ein rung. Wenn ein Kind verhaltensauffällig ist, wird es zur

Loch in sich. Diese Leere ist eine Beziehungsleere. Die Beobachtung in eine Kinderklinik geschickt – weg von zu

Kinder sollten eigentlich erkennen: Ich vermisse Mami Hause. Das führt zu Problemen, die zuvor nicht da waren.

oder Papi. Das ist die Ursprungserfahrung: Eine Trennung Aber die meisten Eltern müssen nun einmal

von den Eltern führt zu Sehnsucht. Aber wenn man zugibt, das Haus verlassen und arbeiten gehen …

dass man vermisst, ist man sehr verletzlich. Stellen Sie sich Die Herausforderung ist herauszufinden, wie sich das

einen Achtjährigen vor, der zur Schule geht und sagt: «Ich Kind den Eltern nahe fühlen kann, auch wenn sie nicht

vermisse meine Mama.» Er würde ausgelacht werden. Also physisch anwesend sind. Ein Foto oder den Schlafanzug

versteckt er dieses Gefühl lieber, und es stirbt ab oder wird der Eltern mitgeben – es gibt viele Mittel und Wege. Verliebte

machen uns das seit Jahrhunderten vor. nicht mehr als Sehnsucht wahrgenommen. >>>

Fritz+Fränzi DEZEMBER 2014 29


Psychologie & Gesellschaft

INTERVIEWPARTNER

Gordon Neufeld ist ein kanadischer Entwicklungspsychologe,

der unter anderem in seinem Buch

«Unsere Kinder brauchen uns» die Gleichaltrigenorientierung

der heutigen Jugend kritisiert. Seine Ansätze

werden im international tätigen Neufeld-Institut mit

Sitz in Vancouver gelehrt. Er ist Vater von fünf Kindern

und Grossvater von derzeit fünf Enkelkindern.

Mehr unter www.neufeldinstitute.com

>>> Wichtig ist aber vor allem, die Beziehung zum Kind

zu festigen, indem man ihm zeigt: Du bist mir wichtig,

und du bist in meinem Herzen. Daran können sich Kinder

festhalten, wenn sie getrennt von den Eltern sind. Nahe

Verwandte sind gute Betreuungspersonen, weil ihnen

natürlicherweise daran liegt, die Nähe zwischen Kind und

Eltern zu erhalten. Hier gibt es keine Konkurrenz. Wenn

der Betreuende nicht aus der Familie kommt, kann es

helfen, selbst eine gute Beziehung zu dieser Person aufzubauen.

Das zeigt dem Kind: Du bist zwar weg von mir,

aber du bist bei meinen Leuten.

Spätestens im Teenageralter aber orientieren sich

Kinder nicht mehr nur an den Menschen, die Eltern als

«meine Leute» bezeichnen, sondern an Gleichaltrigen.

Das ist ein grosses Problem in unserer Gesellschaft. Wenn

Jugendliche die Erwachsenen in ihrem Leben mit den

Gleichaltrigen ersetzen, verändert sich der Kontext, in

dem sie erzogen werden. Eltern haben

keine Autorität mehr und sind nicht

mehr erste Ansprechpersonen. Sie

verlieren die Möglichkeit, für ihre

Kinder da zu sein. Aber Gleichaltrige

können einander nicht erziehen. Und

diese Beziehungen sind nicht dauerhaft.

Nur Familienbeziehungen sind

für die Ewigkeit. Das heisst jetzt nicht,

dass Familien immer funktionieren.

Aber sie bringen bessere Voraussetzungen

für die Ewigkeit mit.

Aber ist die Orientierung an Gleichaltrigen

nicht ein wichtiger Schritt in die Unabhängigkeit?

Überhaupt nicht! Die Abhängigkeit wird lediglich von

den Eltern auf Gleichaltrige übertragen. Das ist ein Rückwärtsschritt,

weil Sicherheit verloren geht und die Kinder

verletzt werden und deshalb eine Abwehrhaltung entwickeln.

Jugendliche verlieren zum Beispiel ihre natürliche

Neugier. Sie gehen nicht mehr zur Schule, um zu lernen,

sondern um Freunde zu sehen. Der Kontakt mit Gleichaltrigen

gilt der Sozialisierung – aber in welche Richtung

werden wir dabei sozialisiert? Die falsche Orientierung

führte zu Popkulturen wie der Musik der 1970er- und

«Kultur stirbt,

wenn sich

Jugendliche an

Freunden

orientieren»

1980er-Jahre. Das ist keine Kultur, die für die Ewigkeit

geschaffen ist – und die Ersatzkulturen führen letztlich

dazu, dass Kultur an sich stirbt. Weil sie nicht mehr von

Generation zu Generation weitergegeben wird.

Sind Sie also gegen Freundschaften?

Nein. Auch wenn die Eltern die wichtigste Rolle im Leben

eines Kindes spielen, ist Platz für Freunde da. Bei einer

gesunden Beziehung wünscht sich das Kind allerdings,

dass die Eltern seine Freunde mögen. Das heisst: Eltern

und Freunde treten nicht in Konkurrenz zueinander.

Freunde sind dann problematisch, wenn das Kind oder

der Jugendliche sich an ihnen orientiert – und somit sich

selbst und seine Eltern aus den Augen verliert. Gleichaltrige

dürfen einfach nicht wichtiger werden als die Eltern.

Jugendliche brauchen eine tief greifende Beziehung zu

ihren Eltern. Dann ist auch Raum da für Meinungsverschiedenheit

und Individualität.

Und dieser Fokus muss sich nicht irgendwann

verschieben – beispielsweise, wenn die Eltern sterben?

Die Eltern sind immer da. Familienbeziehungen sind für

die Ewigkeit. Deine Mutter ist deine Mutter – tot oder

lebendig. Die Familie ist der Bezugsrahmen, in dem das

Herz zu Hause ist. Hier kann man sein Potenzial entfalten.

Ich kann mir vorstellen, dass dieser hohe Anspruch

an die Familie viele Eltern überfordert. Wie baue ich eine

so tief gehende Beziehung zu meinen Kindern auf?

Das passiert automatisch. Wenn man die Beziehung pflegt

und die Nähe nicht gegen das Kind verwendet. Also nicht

mit Trennung und Isolation arbeitet im Sinne von: «Jetzt

gehst du in dein Zimmer, bis du dich wieder benimmst.»

Und wenn man den Kindern die Möglichkeit

gibt, ihre Gefühle auszuleben.

Sie sagen: Wenn mein Kind völlig

frustriert zu mir kommt, soll ich ihm

weder Lösungen anbieten noch

beteuern, dass dies «doch nicht so

schlimm» sei. Wie kann ich

stattdessen reagieren?

Man beginnt damit, das Gefühl anzusprechen.

«Ich sehe, du bist frustriert,

du bist wütend – etwas funktioniert

nicht für dich.» Wenn es noch nicht möglich ist, dass das

Kind seinen Ärger formulieren kann, oder wenn das nicht

ausreicht, bietet man ihm an, diesen Ärger auszuleben,

ohne jemanden zu verletzen.

Und wie?

Es braucht Raufspiele, Wettrennen, Aktivitäten, bei denen

es okay ist, wild zu sein. Meine Kinder haben Matten aufgebaut

und sind von einer zur anderen gesprungen. Das

Monster durfte sie nicht fangen. Ich war natürlich das

Monster – wie symbolisch (lacht). Sie dürfen schreien und

Angst haben, und ich ärgere sie, aber es ist ein Spiel. Dass

meine Kinder es immer und immer wieder spielen wollten,

zeigt, wie wichtig es für ihre Emotionen war.


«Abgrenzung

ist wichtig»

FOTO: IKM

Wer Jugendlichen nicht ermöglicht, sich abzugrenzen,

provoziert oft besonders scharfe Abgrenzung, sagt Psychotherapeut

Allan Guggenbühl. Im Gegensatz zu Gordon

Neufeld misst er Gleichaltrigen eine hohe Bedeutung bei

der Entwicklung von Jugendlichen zu TEXT: ALLAN GUGGENBÜHL

In der Toilette stank es fürchterlich:

Überall sah man

Erbrochenes, und ein Mädchen

stürzte kreidebleich zu

einer Schüssel. Im Hintergrund

hörte man junge Männer

grölen und poltern. Ich befand mich

in der «Study Hall»; einer Bar ausserhalb

einer Universität in Kalifornien.

Zwar galt an der Universität ein striktes

Alkoholverbot, doch ausserhalb

des Campus war alles erlaubt. Die

jungen Menschen waren aus Kansas,

Missouri, Utah angereist, um ein Studium

anzutreten. Die Mehrzahl entstammte

Elternhäusern, in denen

klare Werte vertreten wurden und

strenge Sitten herrschten. Erstaunlich

war, wie sehr sie sich dem Alkohol

ergaben. Viel massloser als die

meisten europäischen Studenten.

Der Weg von der Kindheit ins

Erwachsenenleben ist kurvenreich.

Um die Herausforderungen

der Gesellschaft und die Entwicklung

der Persönlichkeit bewältigen

zu können, brauchen Kinder und

Jugendliche die Hilfe ihrer Eltern.

Neben Liebe und Zuwendung sind

sie auf konkrete Unterstützung und

Warnungen vor Gefahren angewiesen.

Die Eltern werden von Kindern

meist als Vorbild erlebt; Nähe wird

gesucht. Neufeld kann man hier

zustimmen.

Problematisch sind jedoch seine

Aussagen zur Adoleszenz. Während

der Jugendphase verändert sich die

Rolle der Eltern. Natürlich sind sie

immer noch immens wichtig, doch

müssen sie den Jugendlichen auf eine

andere Art beistehen. Nicht Anpassung

steht im Vordergrund, sondern

Begleitung. Die Jugendlichen wollen

nicht mehr alles von ihren Eltern

übernehmen, sondern ihren eigenen

Weg gehen. Abgrenzung, Geheimnisse

und eigene Interessen werden

wichtig. Dies ist notwendig, damit

sie eine separate Identität entwickeln

können. Kinder sind immer mit den

Eltern verbunden, doch suchen sie

die Distanz, damit sie einen eigenen

Lebensstil und eigene Interessen entwickeln

können. Die Dominanz der

Eltern muss relativiert werden.

JUNGE MÜSSEN HINTERFRAGEN!

Unterstützung suchen die Jugendlichen

bei ihren Gleichaltrigen. Sie

wenden sich ihnen zu, weil diese

sich in der gleichen Situation befinden

und man unter Gleichaltrigen

experimentieren kann. Neue Interessen

und alternative Lebensentwürfe

werden entdeckt. Man übernimmt

nicht einfach die Interessen

der Alten, sondern erfindet etwas

Eigenes. Die Adoleszenz gilt darum

als die Lebensphase, von der die

Gesellschaft profitieren kann. Die

Popmusik, die von den Beatles und

anderen verbreitet wurde, löste eine

kulturelle Revolution aus und bot

den Hintergrund technologischer

Entwicklungen. Die Gesellschaft

braucht Jugendliche, die elterliche

Werte hinterfragen, Tabus brechen

und Neues wagen. Sie kann sich auf

diese Weise periodisch erneuern. Die

Rolle der Alten ist, sich aufzuregen

und Sorgen zu machen. Sie setzen

Leitplanken und beweisen, dass die

Jugend ihnen nicht gleichgültig ist.

Neufeld überträgt die Einstellung,

die während der Kindheit wichtig

ist, auf das Jugendalter. Diese Tendenz

ist vor allem in Nordamerika

verbreitet. Aus Angst vor negativen

Entwicklungen fordert man die totale

Kontrolle. Man will die Jugend auf

elterliche Werte verpflichten, obwohl

Eigenständigkeit auf dem Programm

stehen würde. Das ist problematisch.

Die Reaktion ist oft, dass die Abgrenzung

vehementer gesucht wird und

destruktive Lebensstile attraktiver

werden, wie ich in der «Study Hall»

eines Colleges in Kalifornien erlebte.

DER AUTOR

Allan Guggenbühl ist Psychologe sowie

Kinder- und Jugendpsychotherapeut in Bern und

Zürich. Er doziert Psychologie und Pädagogik

an der Pädagogischen Hochschule Zürich. Als Referent

und Ausbildner hat er sich unter anderem auf

die Themen Konfliktmanagement, Gewaltprävention,

Adoleszenz sowie Männer und Buben

spezialisiert. Er hat drei erwachsene Kinder.

Fritz+Fränzi DEZEMBER 2014 31


Psychologie & Gesellschaft

SERIE PSYCHISCHE

STÖRUNGEN

Teil 1 EINFÜHRUNG

Teil 2 ESSSTÖRUNGEN

Teil 3 SUCHTVERHALTEN

Teil 4 DEPRESSIONEN BEI KINDERN

Teil 5 PSYCHOSEN

Teil 6 BORDERLINE

Teil 7 GAME-SUCHT

Teil 8 GESTÖRTES SOZIALVERHALTEN

Teil 9 ASPERGER-SYNDROM

Diese Ausgaben können unter

www.fritzundfraenzi.ch nachbestellt

werden oder telefonisch beim

Leserservice unter 0800 814 813.

Für die einen bedeutet es eine Modediagnose, für die

anderen ein besseres Verständnis von Kindern,

Jugendlichen und Erwachsenen mit sozialen Problemen.

Doch worum geht es bei dieser Störung innerhalb des

Autismus-Spektrums wirklich? TEXT: RONNIE GUNDELFINGER

Marco ist gerade

sechs geworden.

Er lebt mit seinen

Eltern und seinem

jüngeren Bruder

in einer kinderfreundlichen Siedlung.

Häufig spielt er aber für sich,

meistens mit Lego oder Kapla. Wenn

kleinere Kinder draussen spielen,

macht er manchmal mit. Mit seinem

Bruder hat er oft Streit, weil er sich

von ihm gestört fühlt. Marco interessiert

sich für Buchstaben und kann

alle Ladenschilder in der Umgebung

lesen. Bei der Fussball-WM hat er

Panini-Bilder gesammelt, und er

weiss über alle Spieler genau

Bescheid. Er hat aber wenig Interesse

daran gezeigt, die Spiele auch am

Fernsehen zu schauen.

Im Kindergarten hat Marco

Schwierigkeiten mit den anderen

Kindern. Er versteht nicht, warum

sie sich nicht für «seine» Fussballer

32 DEZEMBER 2014 Fritz+Fränzi


interessieren, und beginnt immer

wieder, darüber zu reden. Er spricht

laut, erträgt es aber nicht, wenn

andere Kinder Lärm machen. Dann

möchte er sich am liebsten in ein

ruhiges Zimmer zurückziehen.

Sarah ist 13. Sie ist intelligent und

hat besondere Fähigkeiten in Mathematik.

Sie sitzt häufig am Computer

und sucht Informationen zum

Umweltschutz, mit dem sie sich seit

Jahren intensiv beschäftigt. In der

Primarschule wurde Sarah manchmal

von den anderen Mädchen gemobbt.

Im Gymnasium geht es ihr nun besser.

Sie ist jedoch eine Aussen seiterin.

Viele Themen wie Musik und Mode,

die ihre Kolleginnen beschäftigen,

interessieren sie nicht. Sie klagt aber

hin und wieder darüber, dass sie keine

Freundin habe.

Sarah hat Probleme damit, sich

zu organisieren. Oft hat sie ein wichtiges

Heft oder Buch nicht dabei. Sie

hat grosse Schwierigkeiten, wenn sie

ein Gedicht interpretieren oder einen

Aufsatz über ein persönliches Thema

schreiben soll. Wenn eine Schulstunde

verschoben wird oder ausfällt, ist

sie irritiert und kann die freie Zeit

gar nicht geniessen. Den Sportunterricht

mag sie nicht, weil es ihr in der

Garderobe zu laut ist.

SOZIALE UND ANDERE

AUFFÄLLIGKEITEN

Kinder, die vom Asperger-Syndrom

betroffen sind, zeigen zwei Arten von

Auffälligkeiten: Im sozialen Bereich

Die Kinder haben

oft ein grosses Wissen

über «ihr» Thema,

wollen aber auch über

nichts anderes reden

haben sie grosse Schwierigkeiten im

Kontakt mit den Gleichaltrigen. Mit

Erwachsenen kommen sie häufig

besser zurecht. Einige sind klassische

Einzelgänger, beschäftigen sich

am liebsten allein und bleiben z. B.

auch in der Pause für sich. Sie haben

Mühe, die Gedanken und Gefühle

anderer zu verstehen und sich in

deren Position hineinzuversetzen.

Dadurch können sie unempathisch,

unhöflich oder arrogant wirken.

Andere Kinder wiederum hätten

gerne Freunde, verhalten sich aber

sozial zu ungeschickt, wollen das

Geschehen bestimmen und können

sich schlecht ihren Spielpartnern

anpassen. Manche Kinder werden

wegen ihrer Eigenart von ihren Mitschülern

ausgegrenzt oder geplagt.

Gruppenarbeiten oder Teamsportarten

sind für die meisten

Kinder mit Asperger-Syndrom sehr

schwierig. Sie haben Probleme mit

ironischen Bemerkungen oder Witzen,

verstehen die Sprache sehr wörtlich.

Sie achten also wenig auf den

Tonfall oder den Gesichtsausdruck

des Gegenübers und kommunizieren

auch selbst ohne oder mit nur wenig

Blickkontakt, Mimik und Gestik.

Ihre Sprache klingt oft eher monoton.

In diesem Zusammenhang kann

erwähnt werden, dass der Wiener

Kinderarzt Hans Asperger ab 1939

über Knaben berichtete, die ihm deshalb

aufgefallen waren, weil sie sich

in der Gruppe mit anderen Kindern

nicht zurechtfinden konnten. Die

Arbeit, die er über diese Beobachtungen

verfasst hatte, wurde aber

erst richtig bekannt, nachdem sie

um 1980 ins Englische übersetzt

worden war. Damals entstand auch

der Begriff Asperger-Syndrom.

SPEZIALINTERESSEN

Zu den anderen Problemen, die nicht

den sozialen Bereich betreffen,

gehören die ausgeprägten Spezialinteressen

der Kinder – häufig für technische

oder naturwissenschaftliche

Themen. Die Kinder haben oft ein

grosses Wissen über «ihr» Thema,

wollen aber auch über nichts anderes

reden und merken nicht, wenn das

Gegenüber kein Interesse zeigt.

Kinder mit Asperger-Syndrom

leiden auch häufig unter sensorischen

Überempfindlichkeiten. Sie

sind geräuschempfindlich und ertragen

etwa grosse, laute Menschenansammlungen

nicht. Sie können aber

auch durch sehr leise Geräusche irritiert

und abgelenkt sein. Viele von

ihnen sind zudem heikle Esser und

reagieren auch auf Berührung sehr

empfindlich. Etiketten oder >>>

Fritz+Fränzi DEZEMBER 2014 33


Psychologie & Gesellschaft

INFORMATIONEN

Elternverein «autismus

deutsche schweiz (ads)»:

www.autismus.ch

Auf Youtube finden sich

eindrückliche Beiträge von

Betroffenen wie Nicole

Schuster oder Axel Brauns,

ebenso auf TED von Temple

Grandin, Daniel Tammet,

aber auch von Fachpersonen

wie Simon Baron-

Cohen oder Ami Klin.

>>> Nähte in Kleidern stören sie.

Da Kinder mit Asperger-Syndrom

häufig auf Details achten, haben sie

zum Teil Mühe, Situationen im Kontext

zu verstehen. Sie haben aber oft

ein phänomenales Gedächtnis für

Details.

Viele Kinder mit Asperger-Syndrom

sind ablenkbar und haben

Konzentrationsprobleme, was zu

gros sen Schwierigkeiten in der Schule

führen kann; und so erbringen

diese Kinder trotz guter Intelligenz

die erforderten Leistungen nicht.

Die erwähnten ausgeprägten

Spezialinteressen, verbunden mit

der Liebe zum Detail, einem guten

Gedächtnis und grossem Engagement

für ein Thema, führen oft zu

herausragenden Kenntnissen und

Leistungen. Hans Asperger sagte deshalb

einmal: «Es hat den Anschein,

dass man, um in der Wissenschaft

oder in der Kunst Erfolg zu haben,

einen Schuss Autismus haben muss.»

Menschen mit Asperger-Syndrom

sind in der Regel sehr zuverlässig und

loyal und werden nicht von Vorurteilen

oder Modetrends beeinflusst.

ABKLÄRUNG UND HILFE

Oft werden Kinder von ihren Eltern,

die sich wegen des Sozialverhaltens

ihrer Tochter oder ihres Sohnes

Sorgen machen, für eine Abklärung

beim Kinder- und Jugendpsychiatrischen

Dienst angemeldet.

Wenn bei einem Kind oder

Jugendlichen die Diagnose eines

Asperger-Syndroms gestellt worden

ist, sollten zuerst ausführliche

Gespräche über die Ursachen und

Auswirkungen der Krankheit stattfinden

– mit den Eltern, den Lehrpersonen

und ab einem gewissen

Alter auch mit dem Kind selbst.

Manchmal sprechen schon junge

Kinder davon, dass sie sich «anders»

fühlten. Ihnen muss man die für

sie relevanten Aspekte des Asperger-Syndroms

vermitteln. Es ist

für diese Kinder und Jugendlichen

wichtig, ein realistisches Selbstbild

Oft ist es möglich,

zu Hause und vor

allem in der Schule

Anpassungen vorzunehmen,

die dem

betroffenen Kind das

Leben erleichtern

zu haben, das Stärken und Schwächen

beinhaltet.

Oft ist es möglich, zu Hause und

vor allem in der Schule Anpassungen

vorzunehmen, die dem betroffenen

Kind das Leben erleichtern.

Das können einfache Massnahmen

sein wie ein ruhiger Arbeitsplatz,

ein Gehörschutz oder ein in Bildern

dargestellter Tagesablauf. Eltern und

Lehrpersonen sollten wissen, welches

die Stärken des Kindes sind und welche

Situationen oder Anforderungen

schwierig zu bewältigen sind.

Ältere Kinder oder Jugendliche

möchten oft ihre sozialen Kompetenzen

verbessern. Am besten

geht das in einer Gruppe, in der die

benötigten Fähigkeiten beobachtet

und direkt geübt werden können.

Auf diese Weise sehen die Kinder

auch, dass sie mit ihren Problemen

nicht allein sind. Sozialtrainings werden

an vielen Stellen durchgeführt.

Eine gute Möglichkeit ist auch das

im Kinder- und Jugendpsychiatrischen

Dienst des Kantons Zürich

entwickelte Kompetenztraining für

Jugendliche mit Autismus-Spektrum-Störungen

KOMPASS.

Eltern, die sich wegen einer möglichen

autistischen Störung ihres

Kindes Sorgen machen, können

auch zuerst einmal mit dem Kinderarzt

sprechen, der sie bezüglich

einer Abklärungsstelle beraten wird.

Wichtig ist, dass betroffene Familien

eine Fachperson finden, die sich Zeit

nimmt und erfahren ist im Umgang

mit Autismus.


Ob in Europa oder in der großen, weiten Welt – mit unseren

Familienreisen entdecken Sie gemeinsam mit der ganzen

Familie die schönsten Ecken dieser Erde. Aufregende Erlebnisse

und faszinierende Tierbeobachtungen, Entspannung

und Spaß, Naturschutzprojekte und Kontakte zu Einheimischen,

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Neues zu entdecken.

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Urlaub & mehr für Eltern und Schüler

Für alle wissbegierigen Weltentdecker, die auch einmal ohne

Eltern auf Erkundungstour gehen wollen, gibt es bei den

LernErlebnisKursen ein abwechslungsreiches und informatives

Ferienprogramm in Deutschland, England und Kanada.

Hier wird das vielseitige Angebot an Freizeitak tivitäten ergänz t

durch Wissens-Einheiten und spannende ZEIT-Lern-Extras. Bei

Ausflügen oder Treffen mit ZEIT-Experten tauchen wir dabei ein

in Politik, Kunst und Kultur.

www.zeit-schuelercampus.de

© For Family Reisen; Simon Büttner


Psychologie & Gesellschaft

Ein volles Leben

Der 1935 geborene Arzt Heinz Stefan Herzka, der als kleiner Bub mit seinen

Eltern vor den Nationalsozialisten in die Schweiz flüchten musste, setzt sich bis heute für einen

menschlichen und respektvollen Umgang mit Kindern und Jugendlichen ein

TEXT: MARIANNE VON ARX-WEGNER FOTO: DÉSIRÉE GOOD

Seine erste Begegnung mit

der Medizin habe er als

Embryo gehabt. Seiner

Mutter sei während der

Schwangerschaft dringend

geraten worden, diese abbrechen zu

lassen. Wegen des Zustands ihrer

Netzhaut könne sie durch die Geburt

das Augenlicht verlieren. Sie suchte

darnach so lange nach einem Arzt,

bis sie einen fand, der mit ihr einig

ging, das Kind auszutragen.

Ich erinnere mich, dass mich

meine Tochter – damals Studentin

bei Professor Herzka – einmal kurz

vor dessen Emeritierung zu einer

Vorlesung in Kinder- und Jugendpsychopathologie

an der Universität

Zürich mitnahm. Ich gewann sofort

den Eindruck, dass ihm der Respekt

vor der Person des Kindes sehr wichtig

ist. Er präsentierte, wie fremde

Menschen gedankenlos, auch im

Vorübergehen, Kindern über den

Kopf streicheln, angemessene Distanz

also nicht wahrten, und er rügte

dies als übergriffig. Die Vorlesung

blieb von Anfang bis Ende spannend.

Prägende Kinderund

Jugendjahre

Nun empfängt mich der Professor in

seiner Wohnung, die er 2002 mit seiner

zweiten Frau Verena bezogen hat,

unweit der Universität. Hier treffen

sich Fachleute regelmässig zu Gesprächen,

die nicht zuletzt der dauernden

Weiterbildung dienen. Gastfreund-

Dass Herzka Medizin studierte, bleibt

auch seinem Mittelschullehrer Konrad

Escher zu verdanken, der das

Interesse an Biologie in ihm weckte.

Am Ende seiner Gymnasialzeit

warnte jedoch ein Berufsberater die

Schüler vehement davor, Medizin zu

studieren, weil es zu viele Ärzte

geben werde.

Herzka war unter den wenigen,

die nicht auf ihn hörten. Vor

Abschluss seines Studiums war der

Ärztemangel so gross, dass die Stulich

offeriert er, nachdem ich auf Kaffee

verzichtet habe, Grüntee.

Im Gespräch offenbart sich, wie

ausser ordentlich bedeutend für seine

ganze Karriere Geschehnisse während

seiner Kindheit und Jugend waren.

Seine Eltern kamen mit ihm, ihrem

einzigen Kind, wegen des Nationalsozialismus

in den späten 30er-Jahren

aus Wien in die Schweiz. Es existiert

ein Bild von ihm als Kleinkind – er ist

bereits erkennbar –, auf dem er eine

Schwelle in Angriff nimmt. «Das

Überschreiten von Schwellen», sagt

er, «blieb für mich symbolisch.»

Die kleine Emigrantenfamilie

hielt sich zuerst in Amden auf, dann in

Kilchberg und Genf. Heinz besuchte

die Schulen an verschiedenen Wohnorten

sowie drei Jahre die Rudolf

Steiner Schule und anschlies send das

kantonale Gymnasium in Zürich.

Selten, so sagt er, hätten ihn andere

Kinder als Jude beschimpft, eher als

«Dicksack» oder «Meitlischmöcker».

Denn er war gerne mit Mädchen

zusammen, schwärmte für eine dunkelhaarige

Esther.

In Genf lernte er – nach dem

schweizerdeutschen Dialekt – Französisch.

Hier erlebte er das Ende des

Zweiten Weltkrieges, aber er blieb

weiter von der Wegweisung bedroht.

1946 starb seine drei Monate alte

Schwester, die seine Mutter im Alter

von 46 Jahren geboren hatte, am

plötzlichen Kindstod. Auf einer Foto

hält er sie in den Armen. Noch heute

denkt Herzka immer wieder an sie.

Seine intellektuelle Mutter verlor er,

als er noch das Gymnasium besuchte.

Eine Tante, der Herzkas Mutter

auch zur Emigration verholfen hatte,

machte ihm als Jugendlichem zu

schaffen. Tante Alice fühlte sich

berechtigt, im Park oder auf der

Strasse fremde Mütter anzusprechen

und erzieherisch zu belehren, wenn

diese sich den Kindern gegenüber

vielleicht falsch verhielten.

Ihrem Neffen war diese Einmischung

äusserst peinlich. Es sollte

zwar dereinst zu seinen Aufgaben

gehören, die Interessen der Kinder

auf jede nur erdenkliche Art zu vertreten

– aber von einer anderen Warte

aus. So waren seine Schwerpunktthemen

später als Professor an der

Universität Zürich die Entwicklungsprobleme

und seelischen Störungen

bei Kindern und Jugendlichen.

Grosses

Einfühlungsvermögen

36 DEZEMBER 2014 Fritz+Fränzi


Heinz Stefan

Herzka hat sich

der Psyche von

Kindern und

Jugendlichen

verschrieben

dierenden als Vertreter in Arztpraxen

oder als Assistenten arbeiteten. Sein

eigener Kinderarzt in Zürich, Willy

Dreifuss, sowie fachlich hervorragende

und menschlich engagierte

Fachärzte wurden seine Ausbildner

und Vorbilder.

An der Maturafeier lernte er seine

erste Frau kennen. Das Paar hatte drei

Kinder, ein viertes kam tot zur Welt.

Herzka fuhr in seinem Auto den kleinen

Leichnam zum Friedhof. Er war

Werkstudent, und seine Anteilnahme

gilt noch heute den sozial Benachteiligten.

Schon als Migrantenkind hatte

ihn die herablassende Hilfsbereitschaft

Gutsituierter gedemütigt.

Er erwarb das Schweizer Bürgerrecht,

weil er ohne dieses nicht als

Arzt zugelassen worden wäre. Im

Alter von 33 Jahren habilitierte er an

der Universität Zürich.

Er war noch keine 40, als die

Ärzte bei ihm einen aggressiven

Krebs entdeckten. Operation und

Bestrahlung gelangen.

Schon als 14-Jähriger hatte er lange

dauernde Spitalaufenthalte kennenlernen

müssen. Er war an einer

Wachstumsstörung erkrankt, einer

Hüftkopflösung im Jugendalter. Nach

dem Spitalaufenthalt hatte er während

mehrerer Monate zu liegen. Die

Familie wohnte in zwei kellerartigen

Zimmern. Dies alles intensivierte

nicht zuletzt sein Einfühlungsvermögen

für Kinder als späterer Arzt.

2007 erhielt er den Preis der Dr.

Margrit Egnér-Stiftung, der für wissenschaftliche

Verdienste auf dem

Gebiet der anthropologischen und

humanistischen Psychologie verliehen

wird. Herzka bekam ihn für die

ganzheitliche Erfassung des Kindes

und Jugendlichen.

Natürlich hat er seine ganz spezifischen

Interessen jenseits der Psychiatrie,

die er leidenschaftlich verwirk-

licht. So reist er mit seiner Frau

Verena Nil Herzka, Bewegungstherapeutin,

in der Welt herum, um Schalmeien

aufzustöbern, das sind Holzblasinstrumente

mit Doppelrohrblatt.

In einem Zentrum im südfranzösischen

Ceret, am Fuss der Pyrenäen,

finden sie eine Bleibe. Die Entstehung

dieses Zentrums für Volksmusikinstrumente

kam dank der Sammlung

des Ehepaars Herzka zustande.

SEELISCHE STÖRUNGEN BEI KINDERN

Der 1935 geborene Kinder- und Jugendpsychiater

Heinz Stefan Herzka war von 1968 bis 2001 Professor an

der Universität Zürich. Er konzipierte und leitete von

1975 bis 1998 die erste deutschsprachige Tagesklinik

seines Fachbereichs. Heute ist er als Berater für andere

Fachpersonen tätig, führt aber selbst keine Praxis mehr.

www.herzkaprof.ch, www.music-ceret.com

Fritz+Fränzi DEZEMBER 2014 37


Psychologie & Gesellschaft

Meditation

für mehr

Selbstkontrolle

Im Jugendalter werden Kinder zunehmend

verantwortlich für Entscheidungen, die sich auch auf ihr

künftiges Wohlergehen auswirken. Welche Rolle dabei

die Selbstkontrolle spielt und wie diese gefördert werden kann

TEXT: IROISE DUMONTHEIL & KRISTEN LYONS

DR. IROISE

DUMONTHEIL

erwarb ihren PhD in Kognitiven

Neurowissenschaften

an der Universität Paris VI in

Frankreich. Anschliessend

absolvierte sie eine Reihe von Post-Doc-

Programmen an der MRC-Cognition and

Brain Sciences Unit in Cambridge, Grossbritannien,

am Karolinska-Institut in

Stockholm, Schweden, und am University

College London, Grossbritannien. Seit

2012 ist sie Dozentin in Birkbeck, Universität

London, Grossbritannien.

DR. KRISTEN LYONS

erwarb ihren PhD in Psychologie

an der Universität von

Kalifornien, Davis, USA.

Anschliessend war sie Post-

Doc-Fellow an der Universität

von Minnesota, bevor sie 2012

Assistant Professor an der Metropolitan

State University von Denver, USA, wurde.

Mangelnde Selbstkontrolle

kann

eine Hauptursache

für Todesfälle

und Unfälle von

Jugendlichen sein, während andererseits

gute Selbstkontrolle mit einer

Reihe von positiven Faktoren im

Erwachsenenalter – darunter bessere

Gesundheit, Wohlstand, finanzielle

Stabilität sowie geringere Kriminalität

– einhergeht. Daher ist es wichtig,

Wege zur Stärkung der Selbstkontrolle

von Jugendlichen aufzuzeigen.

Forschungen mit Erwachsenen

belegen, dass Achtsamkeitstraining,

also eine Form der Meditation, die

darauf abzielt, die Aufmerksamkeit

auf momentane Erfahrungen zu

konzentrieren, verschiedene Aspekte

der Selbstkontrolle wie etwa die

Aufmerksamkeits- und Emotionssteuerung

verbessern kann. Es wird

angenommen, dass bei Jugendlichen

stärkere Auswirkungen zu

beobachten sind, weil sich bei ihnen

jene Gehirnregionen, die die Selbstkontrolle

unterstützen, noch in der

Entwicklung befinden. Daher haben

wir in unserer von der Jacobs Foundation

geförderten Studie die Auswirkungen

von Achtsamkeitstraining

auf die Selbstkontrolle von Jugendlichen

und Erwachsenen verglichen.

Unser Forschungsteam bündelt

Expertisen aus den Bereichen Adoleszenz,

kognitive Entwicklung, Neuroimaging

und Achtsamkeitstraining.

Iroise Dumontheil untersucht bei

Heranwachsenden die Entwicklung

des präfrontalen Kortexes, welcher

sich an der Stirnseite des Gehirns

befindet, und die kognitiven Funktionen,

die dieser unterstützt: nämlich

soziale Kognition (wie wir über unsere

eigenen Gedanken und über die

anderer Menschen denken und wie

wir mit anderen Menschen interagieren)

und Aufmerksamkeitskontrolle.

Sie benutzt kognitive neurowissen­

FOTO: FOTOLIA

38 NOVEMBER 2014 Fritz+Fränzi


schaftliche Ansätze, darunter die

funktionelle Magnetresonanztomografie

(fMRT), um das Gehirn und

das Verhalten von Jugendlichen zu

untersuchen.

Kristen Lyons forscht zur Entwicklung

der Selbstkontrolle. Sie hat mehrere

Studien durchgeführt, die die

Auswirkungen von Achtsamkeitstraining

auf die kognitiven Funktionen

bei Kindern untersuchen. Ausserdem

hat sie einen theoretischen Rahmen

zur Nutzung neurowissenschaftlicher

Ansätze vorgeschlagen, um diese

Effekte zu untersuchen.

Um herauszufinden, ob es bei den

Effekten des Achtsamkeitstrainings

entwicklungsbedingte Unterschiede

gibt, führten wir zwei Experimente

durch: An der ersten Studie waren

67 Heranwachsende (11 bis 19 Jahre

alt) und 34 Erwachsene (20 bis 35

Jahre alt) beteiligt. Die Teilnehmer

wurden nach dem Zufallsprinzip

über acht Wochen einem Achtsamkeitstraining,

einem Entspannungsprogramm

oder einer Kontrollgruppe

ohne Training zugeteilt. Alle

Teilnehmer wurden vor Beginn der

Kurse und nach dem achtwöchigen

Training einer Reihe von Tests unterzogen,

in denen verschiedene Aspekte

der Selbstkontrolle gemessen

wurden. Die Ergebnisse zeigen, dass

Achtsamkeitstraining zu einer besseren

Selbstkontrolle in emotionalen

Zusammenhängen führt. Ausserdem

gibt es Hinweise dafür, dass die

Effekte des Achtsamkeitstrainings

bei Jugendlichen nachhaltiger sind

als bei Erwachsenen.

Bei der zweiten Studie wurde mit

funktioneller Magnetresonanztomografie

(fMRT) untersucht, ob Achtsamkeitstraining

zu Veränderungen

in der Gehirnaktivität führt und ob

zwischen Jugendlichen und Erwachsenen

Unterschiede hinsichtlich dieser

Auswirkungen bestehen.

Die Teilnehmer an dieser Studie

(28 Heranwachsende im Alter zwischen

11 und 14 sowie 23 Erwachsene

im Alter zwischen 23 und 34)

wurden wiederum nach dem Zufallsprinzip

entweder einem achtwöchigen

Achtsamkeitstraining oder

einem achtwöchigen entsprechenden

Entspannungstraining beziehungsweise

der Kontrollgruppe zugeteilt.

Alle Teilnehmer wurden vor den

Kursen und nach Beendigung des

Trainings im fMRT-Scanner einem

Aufmerksamkeits- und einem Emotionskontrolltest

unterzogen. Erste

Ergebnisse zeigen, dass das Achtsamkeitstraining

in beiden Altersgruppen

zu einer besseren Neuausrichtung

der Aufmerksamkeit führt.

Die Ergebnisse weisen auch darauf

hin, dass Achtsamkeitstraining

JACOBS FOUNDATION

Als eine der weltweit führenden

gemeinnützigen Stiftungen

verpflichtet sich die Jacobs

Foundation seit 25 Jahren der

Forschungsförderung im Bereich

der Kinder- und Jugendentwicklung.

Die Stiftung möchte künftige

Generationen durch die Verbesserung

ihrer Entwicklungsmöglichkeiten

nachhaltig unterstützen.

sowohl bei Jugendlichen als auch

bei Erwachsenen zu Veränderungen

der Gehirnaktivität in den Regionen

führt, die an der Aufmerksamkeitskontrolle

beteiligt sind.

Insgesamt liefern diese Studien

neuronale und verhaltensbezogene

Belege dafür, dass Achtsamkeitstraining

die Selbstkontrolle bei Jugendlichen

verbessert. Insbesondere gibt

es Hinweise dafür, dass Achtsamkeitstraining

die Fähigkeit anspricht,

die Aufmerksamkeit angesichts irrelevanter

oder emotionaler Ablenkungen

zu kontrollieren. Die künftige

Forschung wird untersuchen,

ob Achtsamkeitstraining Jugendliche

vor psychischen Störungen wie

Ängstlichkeit oder Depressionen

schützen kann.

Psychologische Beratung für Einzelpersonen, Familien & Paare

e Berufsberatung

e Studienberatung

e Beratung und Intervention bei Prüfungsangst

e Beratung zu Schullaufbahn und Schulübertritt

e Paar- und Familientherapie

e Erziehungsberatung

e Psychologische Abklärung von Kindern und Jugendlichen

e Beratung bei Onlinesucht & Cybermobbing

e Laufbahnberatung und Laufbahncoaching

e Pensionierungsberatung

e Krisenberatung

e Therapieberatung

e Psychotherapie

Information und Anmeldung

IAP Institut für Angewandte Psychologie

www.iap.zhaw.ch / beratung


Der dumme Teufel

Eine Vorlesegeschichte für Primarschüler

Welche Probleme ein kleiner Teufel bekommen kann, wenn er einfach nicht böse sein will,

beschreibt Franz Hohler in seiner Kurzgeschichte

40 DEZEMBER 2014 Fritz+Fränzi


Vorlesegeschichte

ILLUSTRATION: PICFOUR

Am Rand der

Hölle, weit hinten

und tief

unten, ist die

Teufelsschule.

Die Lehrerin

ist des Teufels

Grossmutter. Sie sitzt auf einem

Stuhl, der mit glühenden Kohlen

gepolstert ist. Mit jedem Wort, das

sie sagt, stösst sie ein Räuchlein aus,

das nach Schwefel stinkt. Wenn ein

Teufel nicht gehorcht, pikst sie ihn

mit einem scharfen Dreizack in den

Hintern und lacht hässlich dazu.

In der ersten Klasse lernen die

kleinen Teufel, böse Gedanken zu

verbreiten. «Merkt euch», sagte die

Lehrerin, als sie eine neue Klasse

bekam, «der Mensch ist böse, er

weiss es nur nicht. Wir müssen es

ihm von klein auf beibringen.»

Sie stellte eine kleine Schaufensterpuppe

auf, einen Jungen mit

einem hübschen Kleid, und sagte:

«Hier seht ihr einen Buben, der

einem andern Buben zuschaut, wie

er mit einem Ball spielt. Was flüstert

ihr ihm ein?»

Nun sprang ein Teufelchen nach

dem andern der Schaufensterpuppe

auf die Schulter und blies ihr etwas

ins Ohr, und die Vorschläge gingen

von «Kick ihm den Ball fort!» bis

«Nimm ihm den Ball weg!». Ein

besonders schlaues Teufelchen

schnippte mit den Fingern und zauberte

ein Taschenmesser herbei; das

liess es vor dem Buben zu Boden

fallen und flüsterte ihm zu, er solle

dem andern den Ball aufschneiden.

Das können sie nämlich, die Teufel,

sie können jeden beliebigen Gegenstand

erscheinen lassen – aber auch

das will gelernt sein, wichtig ist

zum Beispiel, dass man mit den

Fingern der linken Hand schnippt

und nicht mit der rechten. «Bravo!»,

sagte des Teufels Grossmutter,

« bravo – gar nicht schlecht, das mit

dem Messerchen!»

Nun war aber in der neuen

Klasse ein Teufel, der verstand

überhaupt nicht, worum es bei dieser

Aufgabe ging. Als die Reihe an ihm war, hüpfte er

der Puppe auf die Schulter und flüsterte ihr ins Ohr:

«Frag den andern, ob er mit dir spielen will.» «Und

dann?», fragte des Teufels Grossmutter, und ein Schwefelräuchlein

stieg aus ihrem Mund. «Dann haben sie

Spass zusammen», sagte der kleine Teufel und war sehr

stolz auf seine Idee. Aber sofort kriegte er eins mit dem

Dreizack in den Hintern. «Streit sollen sie haben, nicht

Spass!», krächzte die Lehrerin, «verstanden?»

Der Teufel nickte, ohne dass er es begriff. «Gleich

machst du mir noch eine Aufgabe», fuhr des Teufels

Grossmutter fort. «Der kleine Junge hier musste in der

Schule ein Pferd zeichnen, aber der Junge neben ihm

zeichnete ein viel schöneres. Was flüsterst du ihm ein?»

Der kleine Teufel hüpfte dem Jungen auf die Schulter

und sagte leise: «Frag ihn, ob er dir beim Zeichnen

hilft!» Sofort spürte er wieder den Dreizack im Hintern,

und die andern Teufel lachten ihn aus und drängelten

sich vor. «Nimm ihm die Zeichnung weg und

sag, es sei deine!», schlug einer vor, «Mach ihm einen

schwarzen Strich über sein Pferd!», ein anderer und

«Zerreiss ihm die Zeichnung!», ein dritter.

Nun stellte die Lehrerin die Schaufensterpuppe

an den Rand eines Schwimmbeckens und setzte eine

andere Puppe daneben. «Der zweite Junge kann nicht

schwimmen», sagte sie mit giftigem Lächeln, «was

flüstert ihr dem ersten ein?» Die andern Teufel hüpften

ungeduldig auf und ab, schlugen mit ihren Schwänzen

auf den Boden und kratzten mit ihren Hufen, und als

unser Teufel dem Jungen zuflüsterte, warum er den

andern nicht frage, ob er ihm das Schwimmen beibringen

solle, brachen alle in ein hämisches Gekicher

aus. «Reinschubsen soll er ihn!», kreischte ein besonders

vorwitziger, während des Teufels Grossmutter

seufzend sagte: «Du bist wirklich ein dummer Teufel.»

Als die Schule aus war, ging der kleine Teufel

möglichst weit von der Hölle weg und setzte sich traurig

auf einen alten Autopneu. Obwohl Teufel streng

genommen gar nicht weinen können, weil sie kein

Mitleid haben, nicht einmal mit sich selbst, glänzten

zwei Tränen in seinen Augen.

«Warum weinst du?», fragte eine Stimme neben

ihm. Sie gehörte einem Mädchen in einem weissen

Mäntelchen. «Weil aus mir nichts wird. Ich bin ein

dummer Teufel.» Und er erzählte dem Mädchen, dass

er in der Teufelsschule einfach nichts begriff und alles

falsch machte. Das Mädchen versuchte, ihn zu trösten.

«Du bist nicht dumm», sagte es, «du bist nur in der falschen

Schule.» Der dumme Teufel verstand schon wieder

nicht. «Komm in meine Schule», sagte es, «dort

können sie solche wie dich brauchen.» Und es erzählte

ihm, dass man in seiner Schule, die vom Erzengel

Gabriel geleitet werde, lerne, dass der Mensch gut sei,

bloss wisse er es nicht, und ihre Aufgabe sei es, den

Menschen gute Gedanken einzuflüstern.

Später könne man es bis

zum Schutzengel bringen.

«Du musst dich allerdings ein

bisschen anders anziehen», sagte

das Mädchen. Es zog sein Mäntelchen

aus und streifte es ihm über,

und daran waren auch zwei Flügel,

mit denen der dumme Teufel sofort

fliegen konnte. «Siehst du die grosse

Wolke über dem Berg, hinter dem

gerade die Sonne untergeht? Dort

musst du hin. Sag, du heissest

Celestina.» «Und du?», fragte der

dumme Teufel, «kommst du nicht

mit?» Erst jetzt sah er, dass das

Mädchen einen schwarzen Pelz hatte

und dass ihm zwei kleine Hörnchen

aus der Stirn gewachsen

waren. «Nein», sagte das Mädchen,

«ich wollte schon immer lieber zu

den Teufeln. Wo ist denn die Schule?»

«Immer der Hitze nach», sagte

der Teufel und zeigte nach unten,

«aber sag der Lehrerin nicht, wo

du herkommst!»

Und als er zu der grossen Wolke

hinaufflog, sah er noch, wie sich das

Mädchen auf den Autopneu setzte

und mit einem heiseren Jauchzer

zur Hölle fuhr.

DER AUTOR

Franz Hohler wurde 1943 in Biel

geboren und studierte in Zürich Germanistik

und Romanistik, was er aber

nach fünf Semestern abbrach, da sein

Kabarettprogramm «pizzicato» einen

grossen Erfolg brachte. Er reiste mit

verschiedenen Ein-Mann-Programmen

durch West- und Osteuropa,

Kanada, Marokko und Tunesien. Franz

Hohler lebt heute in Zürich und ist als

Kabarettist und Schriftsteller tätig.

Seine Gedichte, Theaterstücke und

Erzählungen wurden mit etlichen

Preisen ausgezeichnet.

Fritz+Fränzi DEZEMBER 2014 41


Was

sollte

unser

Kind

können?

Die Schule fordert von Kindern wichtige

Entwicklungsschritte, wie Pflichtgefühl und

Selbständigkeit. Doch was dürfen Eltern wann von

ihren Kindern erwarten? TEXT: SUSANNE KURZ

Eine Lektion

im Haushalt:

Pflichten

gehören zum

Leben

In der Primarschulzeit muss das Kind laufend

neue Kompetenzen und Fähigkeiten erwerben.

Diese werden dem Kind gelehrt und anschliessend

auch von ihm erwartet, wie eine gewisse

Konzentrationsfähigkeit, der Sinn für Respekt

gegenüber Erwachsenen und anderen Kindern, der

Aufbau und die Pflege von Freundschaften, sportliche

Betätigung und die Fähigkeit, Verantwortung zu

übernehmen, sei es im Haushalt oder bei den Hausaufgaben.

Ein anspruchsvolles Programm, dem Eltern

nicht immer sicher entnehmen können, was vom Kind

wann erwartet werden kann und bei welchen Aufgaben

es Unterstützung oder einen Anreiz braucht.

KLEINE PFLICHTEN FÖRDERN

DAS VERANTWORTUNGSGEFÜHL

Ein Siebenjähriger sollte sich 15 Minuten auf eine Aufgabe

konzentrieren können, ein Elfjähriger 20 Minuten.

Mit sieben sollte ein Kind auch in der Lage sein,

bei kleineren Aufgaben im Haushalt wie Tischdecken

oder Abräumen mitzuhelfen. Es sollte auch bereits gut

zuhören, jemanden höflich begrüssen und sich mit

Namen vorstellen können – aber auch wissen, wann es

zum Selbstschutz deutlich Nein sagen darf. Elfjährige

können klei nere Einkäufe tätigen, im Garten helfen,

sich für die Schule selbstständig richten, die Freizeitaktivitäten

im Kopf haben und je nach Weg allein hinge­

42 DEZEMBER 2014 Fritz+Fränzi


Erziehung & Schule

hen. Das heisst, ein Fünftklässler kann seinen Tagesablauf

schon ganz gut selbst strukturieren.

Übertragen Eltern ihrem Kind kleine Pflichten, wie

Einkaufen, Rasenmähen, Spülmaschineausräumen,

helfen sie mit, sein Verantwortungsgefühl aufzubauen,

und machen ihm bewusst, dass zuverlässige Pflichterfüllung

zum Leben gehört. Allerdings sollte dem Kind

nur so viel Arbeit zugeteilt werden, dass die Hausaufgaben

darunter nicht leiden und genug Freizeit bleibt.

DAS VERHALTEN DES KINDES BEOBACHTEN

Beobachten Sie Ihr Kind, wenn Sie unsicher sind, ob

es eine Situation beherrscht oder nicht – beim Spiel,

bei den Hausaufgaben, bei den Schulvorbereitungen,

beim Umgang mit Freunden oder Familienmitgliedern.

Räumt es die Spielsachen wie abgesprochen wieder beiseite?

Kann es ein paar Minuten ruhig an den Hausaufgaben

sitzen? Kann es sich selbst ankleiden? Ist es in

der Regel freundlich zu den Mitmenschen? Diese Kompetenzen

sollte ein Primarschulkind beherrschen. Diese

Kriterien zu erfüllen, gehört zur üblichen Alltagsbewältigung

und bedarf keiner besonderen Belohnung.

Was Sie dabei aber nie vergessen dürfen: Sie beobachten

Ihr Kind, und das Kind beobachtet Sie und orientiert

sich an Ihrem Verhalten. Wer beispielsweise selbst

häufig Unordnung hinterlässt, darf nicht erwarten, dass

das Kind immer pünktlich die Spielsachen wegräumt

und die Schulsachen geordnet hält.

Beobachten Eltern, dass ihr Kind mit einer Aufgabe

Mühe hat, obwohl es von seinem Entwicklungsstand

her damit zurechtkommen müsste, sollten sie ihre

Unterstützung anbieten. Zunächst kann man das Kind

fragen, was bei dieser Aufgabe als Erstes zu tun sei, und

diesen Schritt vorführen beziehungsweise erklären,

bevor es zum nächsten Schritt übergeht. So lernt das

Kind Schritt für Schritt. Oder man hilft und lässt das

Kind mit der Zeit immer mehr allein machen. Man

kann das Kind auch fragen, ob es gerne wüsste, wie

man etwas macht. Kinder sind grundsätzlich neugierig

und wissbegierig und wollen viel selbst können. Wichtig

ist aber, dass man sich zunächst überlegt: Ist mein

Sohn oder meine Tochter schon in der Lage, diese Aufgabe

zu meistern? Denn Kinder sollen gefördert, nicht

überfordert werden – das wäre für alle frustrierend.

FAMILIENREGELN ERLEICHTERN DEN ALLTAG

Möchten Sie, dass Ihr Kind in Hausschuhen im Haus

herumläuft, sich selbst für die Schule bereit macht, sich

ohne Murren an den Frühstückstisch setzt? Dann versuchen

Sie es am besten mit Familienregeln. Formulieren

Sie gewünschte Verhaltensweisen kurz und positiv

(«Zu Hause tragen wir immer Hausschuhe» statt «Zu

Hause dürfen wir keine Schuhe tragen»), schreiben Sie

diese auf ein Blatt Papier und hängen Sie es gut sichtbar

Kinder sollen gefördert,

nicht überfordert

werden – das wäre für

alle frustrierend

M. Sc. Susanne Kurz ist Psychologin am Institut für

Familienforschung und -beratung der Universität Freiburg

und arbeitet dort in der Fachstelle Triple P.

auf. Wenn das Kind weiss, dass die Regeln für alle im

Haus gelten, fühlt es sich gerecht behandelt und ist

eher bereit, deren Verbindlichkeit zu akzeptieren.

Wenn Sie möchten, dass Ihr Kind gewisse Aufgaben

im Haushalt übernimmt, sprechen Sie sich

zunächst mit Ihrem Partner ab. Danach können Sie bei

einer Art Familiensitzung kurz und einfach erklären,

dass jedes Familienmitglied Teil der Gemeinschaft ist

und seinen Beitrag zum Allgemeinwohl beitragen soll.

Erklären Sie, dass alle Mitglieder bestimmte Aufgaben

zugeteilt bekommen und dafür verantwortlich sind.

Fürs Primarschulkind sollten es Aufgaben sein, die es

bewältigen kann und die es zeitlich nicht überfordern.

Meldet sich das Kind für eine Aufgabe an, der es noch

nicht ganz gewachsen ist, sollte man seinen Eifer nicht

gleich bremsen, sondern ihm Hilfestellung geben.

Sind die Aufgabenbereiche aufgeteilt, stellen Sie

einen Dienstplan auf, auf dem klar ersichtlich ist, wer

was wann zu übernehmen hat. Hier gilt wieder das

gleiche Prinzip wie bei den Familienregeln: Das Kind

weiss genau, was von ihm erwartet wird und was es zu

tun hat, und es erkennt, dass sämtliche Familienmitglieder

Teamplayer sind.

DIE PUNKTEKARTE, EIN BELOHNUNGSSYSTEM

Zu Beginn kann es hilfreich sein, das Kind für seine

Arbeit zu belohnen. Etwa mit der Punktekarte, einem

System, das sich auch auf den Bereich Hausaufgaben

übertragen lässt. Dabei kann sich Ihr Kind für ein

gewisses erwünschtes Verhalten einen Stempel oder

Aufkleber verdienen. So bekommt es einen Anreiz, sich

entsprechend zu verhalten. Ist eine festgelegte Punkteanzahl

erreicht, erhält das Kind eine vorher abgesprochene

Belohnung, etwa ein Lieblingsessen, eine Fahrradtour

oder ein Comic-Heft. Für gutes Verhalten gibt

es eine bestimmte Anzahl Punkte, bei Fehlverhalten

gibt es keine Punkte, aber auch keinen Abzug. Wenn

Ihr Kind schliesslich regelmässig das erwünschte Verhalten

zeigt, können Sie die Punktekarte allmählich

auslaufen lassen. Denken Sie aber weiterhin daran, dass

Ihr Kind Lob und Anerkennung braucht, wenn es in

seinem Bemühen erfolgreich war.

Fritz+Fränzi DEZEMBER 2014 43


Exklusive

Internate gibt es

nicht nur in

Deutschland. Hier

ein Bild aus dem

Institut auf dem

Rosenberg

44 DEZEMBER 2014 Fritz+Fränzi


Erziehung & Schule

Ort des Schreckens

und der Sehnsucht

Ein Internat gilt in vielen Familien als Versprechen für bessere Bildung,

in anderen ist es der letzte Ausweg bei Schulproblemen. Die

Entscheidung, von zuhause wegzugehen, fällt oft allen nicht leicht

TEXT: ARIANE BREYER

FOTO: HELMUT WACHTER/13PHOTO

Der Satz traf Ga briel

wie ein Schlag.

Natürlich wusste er,

dass es nicht einfach

war mit ihm. Aber

war er unerträglich? «Als meine Mutter

sagte, dass wir uns demnächst ein

Internat ansehen würden, kam das

für mich aus dem Nichts», erinnert

sich Gabriel. «Ich bin hoch in mein

Zimmer und hab erst mal geflennt.»

Auch die Kinder der Reinkes wollten

nie auf ein Internat, da konnten ihre

Eltern noch so sehr von ihrer eigenen

Schulzeit in Louisenlund in Norddeutschland

schwärmen. Nach der

Grundschule besuchten Petunia,

Jonathan und Atlanta nacheinander

das dortige Sommercamp. In den

zehn Tagen ohne Eltern auf dem

schicken Schloss an der Schlei änderten

sie ihre Meinung. Am liebsten

wären sie sofort dageblieben. «Aber

gleich nach der Grundschule: Das

war mir dann doch ein bisschen zu

früh», sagt Brigitte Reinke.

Sein Kind auf ein Internat zu

schicken, fällt wohl niemandem

leicht. Kein gemeinsames Frühstück

mehr, stattdessen viel Aufwand und

stundenlanges Reisen, um sich zu

sehen. Zwar haben die Eltern nun

mehr Zeit für sich, bekommen dafür

aber fast nichts mehr vom Alltag

ihrer Kinder mit. Für einen solchen

Schritt braucht man gute Gründe.

Reinkes, beide Akademiker,

gehören zu der Sorte Eltern, die

öffentlichen Schulen nicht ganz trauen.

Die Reinkes wollten ihren Kindern

die besten Voraussetzungen für

die Zukunft mitgeben – die, die sie

selbst auch bekommen hatten.

Constance Spring dagegen sah

im Internat die einzige Möglichkeit,

die Beziehung zu ihrem Sohn Gabriel

zu normalisieren. Als sie zum

ersten Mal über die Option Internat

nachdachte, war Gabriel 13 Jahre

alt und hatte sich trotz Lese-Rechtschreib-Schwäche

durch die ersten

beiden Klassen am Gymnasium

gekämpft. Freunde hatte er kaum:

Ihm blieb schlicht keine Zeit dafür.

Besonders als er in der sechsten

Klasse neben Englisch auch noch

Französisch bekam. Für Gabriel, der

jedes Wort nach Gefühl und immer

anders schrieb, ging das nur mit

exzessivem Üben: Nach der Schule

gleich Hausaufgaben machen, Lernen,

Hefteinträge korrigieren, Rechtschreibübungen,

zusätzlich einmal

pro Woche Legasthenie-Therapie.

Vom Tag blieb nichts mehr übrig.

Jedes zweite Wochenende fuhr er zu

seinem Vater, der am anderen Ende

der Stadt lebte. «Dort war es weniger

anstrengend. Der Schulstress blieb

bei meiner Mutter.» Die musste zu

Hause neben all dem Diktieren, Korrigieren

und Ermahnen noch zwei

Kleinkinder betreuen. «Die Zeit war

für uns beide schrecklich», sagt sie.

Schulprobleme sind ein häufiger

Grund für den Wechsel auf ein Internat,

sagt Stefan Drewes, der beim

Berufsverband deutscher Psy- >>>

Fritz+Fränzi DEZEMBER 2014 45


Erziehung & Schule

INTERNATE IN DER SCHWEIZ

In der Schweiz gibt es mehr als 100 Internate. Rund die Hälfte davon ist im Verband

Schweizerischer Privatschulen und beherbergt etwa 9000 Kinder und Jugendliche.

Daneben bieten katholische und spezialisierte Internate ihre Dienste an. Schweizer Eltern

geben stetig weniger Kinder ins Internat, während die Zahl der ausländischen Schüler

wächst. Das liegt am guten Ruf der Institute. Fünf Beispiele TEXT: EVELIN HARTMANN

>>> chologinnen und Psychologen

die Sektion Schulpsychologie leitet.

Je grösser die Probleme sind, desto

mehr werden sie zum beherrschenden

Thema in der Familie: «Das Thema

Lernen kann so verfahren sein,

dass es das Eltern-Kind-Verhältnis

insgesamt erheblich belastet.»

Rund 70 000 Franken

kostet ein Schuljahr

im Lyceum Alpinum

in Zuoz, das auf

eine über 100 Jahre

alte Schulgeschichte zurückblickt. Heute

schicken Eltern aus über 30 Nationen ihre

Kinder hierher. Traditionelle englische

Sportarten wie Rugby oder Cricket haben

Hochkonjunktur, und ein Wochenende pro

Monat bleiben alle zum Galadinner mit

Blazer und Krawatte – die übrigen Wochenenden

darf nach Hause gefahren werden.

Aber nur, wer den vorgegebenen Notendurchschnitt

erreicht. Der liegt bei 4,75.

Wer das nicht schafft, muss nachbüffeln.

Entspannter geht es

in der Impulsschule

Wurmsbach am

Zürichsee zu. Schon

vor Jahrzehnten

haben die Nonnen der katholischen Mädchenschule

mit einer Neupositionierung

begonnen. Seither setzt das Internat auf

Gemeinschaft, Verantwortung und Selbstständigkeit:

Regeln gibt es nicht, dafür

Abmachungen. Ob für die zwei Schulhunde,

für den Wäscheschrank oder die Essensausgabe:

Alle Mädchen übernehmen Verantwortung

im Internatsbetrieb. Die rund

100 Internatsplätze werden zur Hälfte von

Schülerinnen aus dem Grossraum Zürich

besetzt, die restlichen Mädchen kommen

aus der ganzen Schweiz.

In der Stiftschule

Engelberg vereinen

sich zwei Welten: das

Benediktinerkloster

und die Internatsschule.

Religion ist allgegenwärtig. Einige

Lehrer sind Mönche, und an den Feiertagen

herrscht Anwesenheitspflicht. Trotzdem

zeigt sich die Schulleitung nicht nur

anderen Kulturen, sondern auch deren

Religionen gegenüber offen. Und da die

Stiftschule sowohl Sekundarschule als

auch Gymnasium anbietet und dort sogar

den kombinierten Abschluss International

Baccalaureate, ist die Klientel sehr durchmischt:

Von Diplomatenkindern bis zum

Bauernsohn finden sich hier alle Gesellschaftsschichten.

Homogener ist die

Schülerschaft im

Institut auf dem

Rosenberg in St.

Gallen. Rund 360

Schüler aus etwa 35 Nationen besuchen

das Internat. Es sind die Sprösslinge von

Regierungschefs, Wirtschaftsbossen und

von zahlungskräftiger Klientel. Hier lernt

man unter seinesgleichen. Disziplin wird

ebenso grossgeschrieben wie Diskretion.

Die Namen prominenter Absolventen

werden nicht freigegeben. Bekannt ist

dennoch, dass Gunter Sachs das Institut

einst besuchte. So viel Exklusivität hat

seinen Preis: 80 000 Franken kostet das

Internat pro Jahr.

Toppen kann diese

Preisklasse wohl nur

noch das Elite-Internat

Le Rosey in Rolle

am Genfer See. Hier

kostet ein Schuljahr über 90 000 Franken.

Und das nicht nur wegen der guten akademischen

Ausbildung. Ob die Benettons,

Rockefellers oder Dodi Al-Fayed: Sie alle

wurden im exklusivsten Internat der Welt

mit Härte und Drill auf ihre Zukunft als globale

Elite vorbereitet – und konnten nebenbei

das teure Freizeitprogramm geniessen.

Dazu gehören: eigenes Hallenbad mit Spa,

Schiessstand, Bogenschiessanlage, Reitanlage,

Segelzentrum und Zirkuszelt. Und die

Klassenfahrt geht nach Indien oder Afrika.

DAS INTERNAT ALS STRAFE ODER

ALS BONBON?

Dennoch sollte man sich zuerst nach

einer naheliegenderen Lösung als

einem Schulwechsel umsehen – nach

einem Nachhilfelehrer zum Beispiel

oder einer Familienberatung. «Denn

gerade wenn die Beziehung belastet

ist, erleben Kinder das Internat

womöglich als Strafe.» Das Internat

kann statt der Lösung ein zusätzliches

Problem werden. Es bleibt die

Logik des kleineren Übels: Sind die

Spannungen so gross, dass eine Trennung

unterm Strich weniger belastend

wäre?

Bei Gabriel ging es gut aus.

Zusammen mit seiner Mutter fand er

ein Internat, in dem er sich wohlfühlte.

Familie Reinke kennt das Dilemma

gar nicht. «Ein paar Freunde fragten

uns, ob etwas nicht in Ordnung

sei mit den Kindern», sagt Brigitte

Reinke. Aber es gab keine Probleme,

ihr ging es um die Extraportion

Förderung: «Das Internat sollte das

Bonbon sein.» Mit 14 meldete sie

ihre Kinder in Louisenlund an. Die

drei haben nun Ganztagsunterricht

bis Samstagmittag mit Schülern aus

aller Welt, ein Freizeitprogramm, mit

dem kein städtisches Gymnasium

mithalten kann, und einmal am Tag

feste Lernzeiten, deren Einhaltung

überprüft wird.

Ihre eigenen zwei Jahre im

Internat, sagt Brigitte Reinke, seien

der beste Teil ihrer Schulzeit

gewesen. Wenn sie und ihr Mann

zum Altschülertreffen fahren, sei

das wie Nachhausekommen. «Ich

glaube, dass man im Internat einen

Rahmen bekommt, den ein Elternhaus

nicht bieten kann», sagt Eckart

Reinke. Brigitte Reinke glaubt, dass

46 DEZEMBER 2014 Fritz+Fränzi


der Aufenthalt in Louisenlund auch

den Charakter formt. «Das Internat

holt das Beste aus den Kindern heraus.»

Zum einen, weil es sie zugleich

beschütze und ihnen viele Freiheiten

lasse. Zum anderen, weil man dort

Auseinandersetzungen nicht aus dem

Weg gehen könne – man müsse sich

ihnen stellen. Im Altschülerverzeichnis

stünden überproportional viele

Selbstständige: Individualisten, wie

Brigitte Reinke sagt. «Das wünsche

ich mir auch für meine Kinder: dass

sie ihren Weg gehen. Denn nur dann

kann man auch erfolgreich sein.»

UND DANN KAM GABRIEL

GAR NICHT SO OFT NACH HAUSE

Die hohen Schulgebühren von so

exklusiven Internaten können sich

nur wenige Familien leisten. «Bei der

Entscheidung für ein besonders teures

Internat spielt bei Eltern immer

auch die Frage eine Rolle: Wer geht

noch dorthin?», sagt der Bildungsforscher

Klaus Hurrelmann. «Hat

das Internat zudem noch einen guten

Ruf als Schule, haben sie das Gefühl:

Mein Kind kommt an eine erlesene

Institution.»

Internate funktionieren aber

auch als Versprechen: Brigitte Reinke

hofft, dass ihre Kinder hier vielleicht

unabhängigere, glücklichere Menschen

werden. So wie zum Beispiel

ihr ehemaliger Mitschüler, der nun

in Italien Brautmode schneidert und

weltweit erfolgreich ist.

Constance Spring erhoffte sich

vom Internat, es würde die Familie

entlasten. Gabriel ging ab der siebten

Im Internat

bleibt viel Zeit,

gemeinsam die

Schulaufgaben zu

diskutieren

Klasse an die Christophorusschule

in Berchtesgaden, eine vom Christlichen

Jugenddorfwerk geführte

Schule. Dort werden besonders Leistungssportler

gefördert; es gibt aber

auch eine spezielle Unterstützung für

Legastheniker. Gabriel gefiel es hier

sofort – ein bisschen erinnerte es ihn

an Hogwarts, Harry Potters Schule,

so wie es da mitten in den Alpen

liegt. Die dreistündige Zugfahrt nach

Hause trat er in den ersten Jahren

gar nicht so oft an. «Die Trennung

war anfangs natürlich schmerzhaft»,

erzählt Constance Spring. «Aber als

ich sah, dass er sich so gut einlebt,

war ich sehr erleichtert.» Wenn sie

telefonierten, merkte sie, wie ihr

Sohn aufblühte. Dem tat der ständige

Kontakt mit Gleichaltrigen gut – und

neben der geregelten Lernzeit gab es

am Nachmittag Sport zum Ausgleich.

Sein Abitur hat Gabriel im Sommer

gemacht, Notendurchschnitt

befriedigend – «nichts Prickelndes,

aber immerhin bestanden», sagt

Gabriel selbst. Mit seiner Mutter verstehe

er sich allerdings wieder super.

Und das war ja das Ziel.

Auch Petunia, die ihren Abschluss

noch vor sich hat, kann sich

nicht daran erinnern, Eingewöhnungsprobleme

gehabt zu haben.

Nur eine Kleinigkeit nervt sie an

Louisenlund: «Egal, was man macht,

am nächsten Tag weiss es die ganze

Schule, und jeder redet darüber.»

Wenn alles glattgeht, hat sie in einem

Jahr ihr International Baccalaureate

in der Tasche, mit nur 17 Jahren. An

Studieren oder Arbeiten will sie dann

noch nicht denken. Sie will nach dem

Abschluss auf dem Internat erst einmal

raus, reisen, etwas erleben, möglichst

viel von der Welt sehen. Die, in

der sie jetzt lebt, ist manchmal doch

ein bisschen klein.


Erziehung & Schule

Zeit für Aufklärung

Bei der Erarbeitung des Lehrplans 21 hat die Sexualpädagogik

mehr Diskussionen ausgelöst als Mathematik. Sogar eine Volksinitiative

ist eingereicht worden, die Kinder vor der Sexualisierung an der

Volksschule schützen soll. Welche Verantwortung Lehrpersonen und

Eltern beim Thema Sexualität wahrnehmen sollten, darüber

gehen die Meinungen auseinander TEXT: JÜRG BRÜHLMANN

Stolz berichtet die Erstklässlerin

Mia in der Schule,

dass gestern ihr kleiner

Bruder zur Welt gekommen

sei. Auch andere Kinder

beginnen zu erzählen. Da fragt Max:

«Wie kommen die Kinder denn in

den Bauch hinein?»

Luca kommt weinend nach

der Pause ins Klassenzimmer und

erzählt, dass Elias ihn in der Pause

als «schwule Sau» betitelt habe. Solche

und ähnliche Situationen seien

im Schulalltag normal, sagt die Basler

Lehrerin Christine Staehelin. Lehrer

und Lehrerinnen müssen dann rasch

und angemessen reagieren können.

Das ist eine grosse Herausforderung:

Sollen sie nun erklären, wie Kinder

gezeugt werden, oder über die sexuelle

Orientierung reden? Und wenn

ja, wann und wie?

SEXUALERZIEHUNG

WIRD ZUM POLITIKUM

Sexualität ist an Schulen zweifach

präsent: einerseits, weil Kinder Fragen

dazu stellen, und andererseits

durch den Auftrag der Schule, altersgemässe

Lerninhalte zu vermitteln.

Mit der 2013 beim Bund eingereichten

Volksinitiative «Schutz

vor Sexualisierung in Kindergarten

und Primarschule» hat die Debatte

politische Dimensionen angenommen.

Die Bundesverfassung soll vorschreiben,

dass ab dem vollendeten

9. Altersjahr freiwilliger Sexualkundeunterricht

und ab dem vollendeten

12. Altersjahr obligatorischer Unterricht,

beschränkt auf die menschliche

Fortpflanzung und Entwicklung, im

Biologieunterricht vom Klassenlehrer

erteilt werden kann. Zu weiterführendem

Sexualkundeunterricht

können Kinder und Jugendliche

nicht gezwungen werden. Sexualerziehung

sei Sache der Eltern.

INTIMITÄT ODER ÖFFENTLICHKEIT?

Kann man das Thema Sexualität

von der öffentlichen Schule fernhalten

und auf das Biologiewissen

beschränken? Kann man die Sexualerziehung

ausschliesslich der Familie

überlassen? Sexualität ist in der

Öffentlichkeit präsent wie kaum je

zuvor: Werbung, Fernsehen oder

Internet erreichen auch Kinder. Es

ist ein Zeichen der Zeit, dass gesellschaftliche

Verunsicherungen immer

auch Konsequenzen für die Pädagogik

haben sollen. Nun wird darüber

gestritten, was unter Sexualpädagogik

genau zu verstehen ist.

Sowohl für die Eltern als auch

für die Schule und die Gesellschaft

steht der Schutz der Kinder im

Vordergrund: Man will die Kinder

vor Unzumutbarkeiten und vor

Übergriffen bewahren. Beide Seiten

wollen ihren Erziehungs- und

Bildungsauftrag und ihre Verantwortung

wahrnehmen. Kinder sol­

FOTO: ISTOCKPHOTO

48 DEZEMBER 2014 Fritz+Fränzi


NEU

len über Sexualität altersgemäss

informiert sein. Gleichzeitig sollen

Intimität und Persönlichkeitsschutz

gewahrt bleiben. Eltern und Schule

haben unterschiedliche Blickwinkel:

Für die Eltern stehen die Kinder im

Fokus. Sie möchten ihnen ihre Werte

vermitteln, über den Zugang zum

Thema Sexualität bestimmen – und

zwar dann, wenn es ihnen richtig

erscheint. Sie wollen auch selbst darüber

entscheiden, wie und was den

Kindern vermittelt wird. So gibt es

Eltern, die ihre Kinder schon früh

aufklären, und solche, die sich damit

gar nicht befassen möchten.

Die Schule hingegen hat alle

Kinder im Blick. Sie muss sich entscheiden,

welchen allgemeinen

Zugang zur Sexualität sie für die ihr

anvertrauten Kinder wählen will,

ohne dabei zu stark in den Bereich

der Familie einzugreifen und ohne

den Bildungsauftrag aus den Augen

zu verlieren. Kommt dazu, dass die

Schule den Zeitpunkt oft nicht wählen

kann: Wenn sexualisierte Witze,

Zeichnungen, Beschimpfungen oder

Handyfilmchen die Runde machen,

muss die Lehrerin reagieren. «Pfui,

das macht man nicht» ist keine angemessene

Reaktion, denn damit verschafft

man sich keinen Respekt.

BIOLOGISCHES WISSEN

ODER SEXUALPÄDAGOGIK?

Eine Reduktion der Sexualkunde auf

biologische Sachverhalte, wie von der

Initiative gefordert, ist nicht sinnvoll.

Damit würde Sexualität an Schulen

zu einem Tabuthema. Lehrpersonen

dürften über vieles mit der Klasse

nicht mehr sprechen. Sexualität

müsste disziplinarisch abgehandelt

werden. Ein geplanter Biologieunterricht

könnte wegen der grossen

Alters unterschiede in den Klassen

erst spät in der Pubertät stattfinden.

Viele Fragen von Kindern und

Jugendlichen, etwa zum Küssen oder

zur Liebe, sind keine biologischen

Fritz+Fränzi DEZEMBER 2014


Sowohl für die Eltern

als auch für die Schule

und die Gesellschaft steht

der Schutz der Kinder

im Vordergrund

Jürg Brühlmann lic. phil., ist Primar-,

Sekundar- und Sonderklassenlehrer und

leitet die Pädagogische Arbeitsstelle

des Dachverbandes Lehrerinnen und Lehrer

Schweiz LCH.

Themen, Pickel aber schon. Freiwilliger

Sexualkundeunterricht schafft

Unterschiede und führt zu Mobbing

von Kindern, die nicht informiert

sind. Fachstellen dürften im Unterricht

nicht mehr mitarbeiten.

POLARISIERUNG

ODER VERHANDLUNG?

Durch die Politisierung der Thematik

sind die Standpunkte fast unversöhnlich

geworden. Eine Einigung zu den

Zielen einer professionellen Sexualpädagogik

an der Volksschule scheint

in weiter Ferne zu sein. Der Lehrplan

21 bleibt in Bezug auf die Sexualpädagogik

sehr zurückhaltend.

Allein das Diskutieren und Verhandeln

über eine im Alltag funktionierende

professionelle Sexualpädagogik

kann weiterhelfen. Denn

beide Seiten verfolgen eigentlich

das gleiche Ziel: eine angemessene,

offene und unterstützende Thematisierung

der Sexualität, damit Kinder

und Jugendliche dieses existenzielle

Lebensthema als Bereicherung erfahren.

Der Aufbau von gegenseitigem

Vertrauen zwischen Eltern und Schule

geschieht vor Ort durch frühzeitige

Information und Gespräche. Vorgaben

der Bundesverfassung können

wenig zu einer sinnvollen Sexualpädagogik

beitragen, den Unterschied

macht die gute Praxis.

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müssen Körper und Geist in Balance sein. Früher

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Aufklärungs-Kolumne

HILFE!

Wie geht Küssen?

Küssen ist vermutlich die

schönste Nebensache der Welt. Wenn

man denn ein paar Dinge beachtet

TEXT: EVELINE VON ARX

EVELINE

VON ARX

DR. PHIL.

PÄDAGOGIN

FOTO: GERI BORN; ILLUSTRATION: ADÃO ITURRUSGARAI

A

kiss is just a kiss» (ein

Kuss ist nur ein Kuss)

heisst es im Lied «As time

goes by», das der Barpianist Sam im Film

«Casablanca» aus dem Jahr 1942 singt. Denn

ein Kuss bleibt ein Kuss, auch wenn sich Gegebenheiten

und Umstände ändern …

Und so dürfen wir uns an dieser Stelle ruhig

in einen Teenager oder in die eigene Jugend

zurückversetzen und uns fragen: Der erste Kuss

– welche Bedeutung hat er? Welche Gefühle

bewegen einen jungen Menschen, der noch

nie geküsst hat, jedoch ahnt, dass der Moment

dazu bald einmal eintreffen wird? Wahrscheinlich

freut er sich darauf. Er weiss aber vielleicht

auch nicht so genau, wie er sich dabei anstellen

soll, oder befürchtet sogar, etwas falsch zu

machen.

ENTSPANNT KÜSST ES SICH LEICHTER

Intuitiv wissen wir, dass ein Kuss kaum ein

Genuss ist, wenn man sich dabei selbst beobachtet,

die Kontrolle nicht abgeben und sich

also gar nicht auf das Hier und Jetzt konzentrieren

und einlassen kann. Denn genau darum

geht es beim Küssen: um ein gemeinsames

Spiel, bei dem das küssende Paar zusammen

herausfindet, was beiden gefällt. Ob zärtlich-sanft

oder stürmisch-wild: Insbesondere

Kussunerfahrenen sei empfohlen, sich vom

Partner auch führen zu lassen oder vorsichtig

zu erkunden, wie weit man gehen kann. Die

Reaktionen des Gegenübers geben bestimmt

wertvolle Hinweise darauf, mit welcher Intensität

man weiterfahren soll.

DOS AND DON’TS

Küssen hat also viel mit Gespür zu tun und

ist vor allem Gefühlssache. Und Küssen macht

glücklich, weil wir dabei freudig erregt sind

und weil auf diese Weise

die Produktion von

negativen Stresshormonen

gehemmt wird.

Dass es sich besser

küsst, wenn der

Atem frisch riecht

und man vorher

also auf eine Extrazigarette oder Knoblauch

verzichtet hat, versteht sich von selbst.

Auch allzu feuchte Schlabberküsse oder aufdringliche

Zungenspiele, bei denen man

fast keine Luft mehr zum Atmen hat, kommen

nicht gut an. Und das Allerwichtigste

zum Schluss: Zum Küssen müssen beide Lust

haben! Niemand soll dazu gedrängt werden.

Passt der Moment nicht, lieber noch zuwarten.

Es lohnt sich.

KÜSSEN MACHT

GLÜCKLICH,

WEIL WIR DABEI

FREUDIG

ERREGT SIND

50 DEZEMBER 2014 Fritz+Fränzi


Erziehung & Schule

RAPHY DARBELLAY

Direktor der kommunalen

Schule Martigny – Gewinner

des Hauptpreises

BEGRÜNDUNG DER JURY: Hervorragend

im Bereich der Integration;

sehr vielfältig in der Gestaltung des

Primarschulunterrichts; klar geregelte

Verantwortung; «vivre ensemble» als

Grundlage des Schullebens; vorbildlich

als kommunale Schule mit verschiedenen

Schulhäusern und starker

Verankerung in der Gemeinde.

«Der Wettbewerb hat unserer

Schule ermöglicht, sich anhand der

Qualitätskriterien zu positionieren.

Das Erarbeiten des Dossiers verlangt

von jeder Schule, dass sie ihre Stärken

und Schwächen herausarbeitet. Aus

Zeitmangel richtet eine Schule den

Fokus nur selten nach innen. Genau

das aber erfordert eine Teilnahme am

Schulpreis: eine umfassende Bilanz.

Die Teilnehmerschulen profitieren

zudem von einer externen Evaluation:

durch neutrale Experten aus Bildung,

Politik und Wirtschaft. Der Einbezug

von Eltern-, Lehrer- und Schülerdelegationen

in die Beurteilung ermöglicht

ein 360-Grad-Feedback.

Mit dem Schulpreis werden die

Schulqualität, die Leistungen der

Lehrpersonen und auch innovative

Ansätze für die Öffentlichkeit transparent.

Gewinnerschulen vernetzen

sich und können so ihre Erfahrungen

an andere Schulen weitergeben.»

lasst, uns mit den Qualitätsmerkmalen

intensiv auseinanderzusetzen. Die

Reflexion im Team zu diesen Punkten

hat zu spannenden Diskussionen und

neue Ideen geführt, wohin die Entwicklung

unserer Schule führen soll.

Besonders der Besuch der Experten

und der Jury war für uns eine spannende

Auseinandersetzung. Die Schülerinnen

und Schüler sowie auch die

Eltern haben es geschätzt, an diesem

Prozess beteiligt zu sein, und waren

stolz auf den Wettbewerbsausgang.

Der 2. Preis im Finale ist eine

riesige Anerkennung für die Entwicklungsarbeit

der letzten Jahre an

unserer Sekundarschule.»

VERONIKA MÜLLER MÄDER

Schulleiterin Scuola Vivante,

Buchs (SG) – Gewinner Sonderpreis

«Nischenschule»

BEGRÜNDUNG DER JURY: Mehrschichtiger

Leistungsbegriff und

konsequente Individualisierung des

Lernens; überzeugende Gestaltung

und Nutzung des Lernraums; eine

entwickelte Diskussionskultur; Kontrakte

mit den Eltern. Das Schweizer

Bildungssystem kennt aus guten

Gründen keine Einheitsschule und

erlaubt Nischen.

«Durch die Verleihung des Schulpreises

ist bei uns viel Gutes und

Bewegendes in Gang gekommen.

Einen Teil des Preisgeldes haben die

Schülerinnen und Schüler für die

beiden Bildungsreisen – über die Via

Spluga ans Mittelmeer und zur Partnerschule

École vivante in Marokko

– eingesetzt. Mit einem weiteren Teil

haben wir eine Filmkamera angeschafft

und zusammen mit den Kindern

und Jugendlichen die Reisen

dokumentiert. Daraus entstanden

sind etliche Stunden Filmmaterial, das

wir nun zu einem Film verarbeiten.

Der Schulpreis hat in der Schülergruppe,

im Team wie bei den Eltern

einen Schwung ausgelöst. Das Interesse

der Öffentlichkeit ist gross, und

wir alle können die wichtigsten Konzeptpunkte

immer wieder im Rahmen

von Führungen und Weiterbildungstagungen

weitergeben. Es ist also das

eingetroffen, was sich die Verantwortlichen

des Schweizer Schulpreises versprochen

haben.»

Forum Bildung,

Rotbuchstrasse

46, 8037 Zürich

www.forum

bildung.ch und

www.schweizer

schulpreis.ch

PAOLO CASTELLI

Schulleitung Neftenbach–

zweiter Platz

BEGRÜNDUNG DER JURY: Geschickter

Umgang mit den Stufen

der Sekundarschule; neue und innovative

Unterrichtsformen (Lernwege

und Lernschritte); konsequente Nutzung

der neuen Medien; langfristige

Perspektiven der Schulentwicklung;

vorbildliche Bewältigung eines Turnarounds

von einer «Problemschule»

zu einer verdienten Preisträgerschule.

«Die Teilnahme am Schweizer

Schulpreis hat uns als Schule veran-

Schweizer Schulen

im Wettbewerb

Anfang Dezember ist die zweite Austragung des

Schweizer Schulpreises lanciert worden. 87 Schulen nahmen

2013 teil, drei Gewinner berichten von ihren Erfahrungen

Fritz+Fränzi DEZEMBER 2014 51


Stiftung Elternsein

Geschichtsklitterung

Ellen Ringier über die Kunst, mit den Erinnerungen richtig umzugehen

Dr. Ellen Ringier präsidiert

die Stiftung Elternsein.

Sie ist Mutter zweier Töchter

Richtig spannend ist unsere Erinnerungskultur bei der

eigenen Lebensgeschichte. Ein Lieblingswort von mir in

diesem Zusammenhang ist «Geschichtsklitterung». Sie

passiert nicht in Historikerstreiten, sondern im Familiengespräch.

Sie ist ein Versuch von uns, mit der eigenen

Vergangenheit irgendwie ins Reine zu kommen.

FOTO: VERA HARTMANN/13PHOTO

Das zu Ende gehende Jahr ist ein Jahr

der Erinnerungen gewesen. Europa

gedachte des Beginns des Ersten Weltkriegs

vor 100 und des Zweiten Weltkriegs

vor 75 Jahren. Die jüngste

Erinnerungsfeier galt am 9. November

dem Fall der Berliner Mauer vor

25 Jahren. Die Fernsehbilder zeigten

die Erinnerungskultur der Siegermächte. Wie mag die

Feier des Mauerfalls wohl in Russland ausgefallen sein?

Offizielle Gedenktage sind sinnvoll. Auch wenn

sich die Geschichte nicht ständig wiederholt, ist sie

doch lehrreich: Soziale und wirtschaftliche Missstände,

allem voran übersteigerter Nationalismus, waren und

sind rund um den Globus immer wieder Ursache für

den Entscheid, Krieg zu führen, sind kriegstreibend!

GESCHICHTE WIRD BELIEBIG INTERPRETIERT

Mir fällt jedoch auf, wie subjektiv bzw. national

sich die Geschichtsschreibung zeigt und wie beliebig

die Interpretationen geschichtlicher Vorgänge selbst

unter Historikern sind. Stehe ich in Paris vor dem Arc

de Triomphe oder im Louvre, denke ich jeweils daran,

dass der Erbauer dieser monumentalen Machtsymbole

des Premier Empire der gefeierte Kaiser Napoleon

Bonaparte war. Der Mann, der 1813 die Grande Armée

in einem mörderischen Russlandfeldzug ohne Not

brutalster Kälte und Hungersnot ausgesetzt hat,

der Mann, dessen persönlicher Ehrgeiz 275 000 seiner

Männer das Leben gekostet hat.

Die Geschichte – oder mehr noch: die Interpretation

der Geschichte unterliegt zweifellos einem kontinuierlichen

Wandel der Zeit. «Um Geschichte wird immer

wieder gerungen, mit jeder Generation neu. Denn

Ge schichte und historische Bildung rufen nicht nur

Vergangenes in Erinnerung. Sie bieten ebenso Orientierung

in der Gegenwart und Grundlagen zur Entwicklung

von Zukunftsperspektiven. Und Geschichte schafft

Identität», so Franziska Meister und Daniel Stern in

ihrem Editorial in der «WOZ» vom 18. September.

WENN DER WUNSCH DIE WAHRHEIT ÜBERSPIELT

Meine Töchter behaupten, ich hätte ihnen, als sie

Kinder waren, eine Ohrfeige gegeben, und ich erinnere

mich nur, dass ich es ab und zu gerne getan hätte …

Mein Mann glaubt felsenfest, er hätte jeden Sonntag für

die Kinder frei gehalten, was aber eher selten der Fall

war … Eine ehemalige Kollegin eines meiner Kinder

gab sich kürzlich überzeugt, dass sie hart für die Schule

habe arbeiten müssen, während ich jahrelang besorgt

war, meine Kinder könnten sich von deren minimalistischem

Schuleinsatz anstecken lassen … Oder meine

Mutter glaubt, sie hätte mir jeweils Fresspäckli ins Pfadfinder-

oder Schullager geschickt. Doch alle Fresspäckli,

die ich je erhielt, kamen von meiner Grossmutter …

Liebe Leserinnen und Leser, nutzen Sie die Feiertage,

um den kleinen, unwichtigen Geschichtsklitterungen

in Ihrer Familie nachzugehen! Es ist ein amüsantes

Spiel – solange Sie nicht darauf beharren, dass die

anderen falsch und nur Sie selbst richtig liegen. Ich

behaupte auch bis heute, dass ich in der Schule fleissig

war! Sollte meine Familie widersprechen, so lautet

meine Antwort: Es ist eben alles relativ im Leben.

Ich wünsche Ihnen namens der Stiftung Elternsein

und des Teams von Fritz+Fränzi fröhliche, amüsante

und liebevolle Weihnachtsfeiertage und im neuen

Jahr viel Glück – auch in der Wahl der Wahrnehmung

der eigenen Lebensgeschichte!

STIFTUNG ELTERNSEIN

«Eltern werden ist nicht schwer,

Eltern sein dagegen sehr» frei nach Wilhelm Busch

Oft fühlen sich Eltern alleingelassen in ihren Unsicherheiten,

Fragen, Sorgen. Hier setzt die Stiftung Elternsein

an. Sie richtet sich an Eltern von schulpflichtigen Kindern

und Jugendlichen. Sie fördert den Dialog zwischen Eltern,

Kindern, Lehrern und die Vernetzung der eltern- und

erziehungsrelevanten Organisationen in der deutschsprachigen

Schweiz. Die Stiftung Elternsein gibt das Schweizer

ElternMagazin Fritz+Fränzi heraus. www.elternsein.ch

52 DEZEMBER 2014 Fritz+Fränzi


FOTOS: DIETER SEEGER

Eine Auszeichnung

für die grösste

Anstrengung im Leben

Ellen Ringier gründete vor 13 Jahren die Stiftung Elternsein und

initiierte die Zeitschrift Fritz+Fränzi, die sich vertieft mit den Anliegen von

Eltern, schulpflichtigen Kindern und Lehrpersonen auseinander -

setzt. Dafür erhielt sie am 31. Oktober 2014 den Bildungspreis der

Pädagogischen Hochschule Zürich (PHZH) TEXT: EVELIN HARTMANN

Ellen Ringiers Einsatz ist

langjährig, konstant,

hartnäckig und mit persönlicher

und einiger

finanzieller Investition

verbunden», begründete die Jury ihre

Entscheidung zur Vergabe des Bildungspreises

an die 63-jährige Juristin

und Gründerin der Stiftung

Elternsein. Zur Gründung der Stiftung

und Initiierung des Eltern-

Magazins Fritz+Fränzi bewogen hatten

Ellen Ringier die zunehmenden

erzieherischen Herausforderungen

für Lehrpersonen und Eltern. «Ich

hatte damals den Eindruck, dass nicht

Preisgewinnerin Ellen Ringier mit

dem Rektor der Pädagogischen

Hochschule Zürich Walter Bircher –

und oben mit Ehemann Michael und

Töchtern Sophie und Lilly (v. r. n. l.).

alle beteiligten Personen mit dieser

Komplexität umgehen können», sagt

sie. Demgegenüber habe es keine

Zeitschrift gegeben, welche sich spezifisch

mit diesen Anforderungen

auseinandergesetzt hätte. Deshalb

beschäftigt sich die Redaktion insbesondere

mit Themen rund um die

Erziehung von schulpflichtigen Kindern

und Jugendlichen. Ellen Ringier

verfolgt das Ziel, die Elternkompetenz

zu stärken und bestehende

Angebote zu vernetzen. «Ich möchte

erreichen, dass sich Eltern und Lehrpersonen

verstärkt über ihre Probleme

austauschen», sagt sie. Dass dies

nötig ist, bestätigte Laudator Jürgen

Oelkers, Erziehungswissenschaftler

und emeritierter Professor an der

Universität Zürich, in seiner Ansprache:

«Wenn die Kinder aus der Schule

kommen und man sie fragt: ‹Wie

war es denn?›, antworten sie meistens

‹gut›. Das ist ein Trick, um Zeit zu

gewinnen und Nachfragen auszuschliessen,

die sich stellen würden,

wenn sie ‹schlecht› gesagt hätten.»

Dabei hat sich die Ausrichtung

der Schwerpunkte in Fritz+Fränzi

mit den Jahren auch verschoben.

Zu Beginn hätte die Redaktion keinesfalls

so wie heute einen Jahresschwerpunkt

«Psychische Störungen»

gewählt, sagt Ellen Ringier. Damals

standen Themen wie die sinnvolle

Freizeitbeschäftigung von Kindern

im Zentrum.

Zur Auszeichnung sagt sie: «Ich

fühle mich geehrt. Der Aufbau der

Stiftung und des Magazins war die

grösste Anstrengung meines Lebens.

Der Preis ist die erste öffentliche

Anerkennung meines Engagements.»

Die Pädagogische Hochschule

Zürich zeichnet zusammen mit der

Stiftung Pestalozzianum jeweils an

ihrem Hochschultag Persönlichkeiten

mit dem Bildungspreis aus, die

sich in der Förderung der Bildung

verdient gemacht haben. Dieses Jahr

wurde die Auszeichnung zum neunten

Mal verliehen. Der Preis besteht

aus einem Bronzerelief des Zürcher

Künstlers Hans Josephsohn.

Fritz+Fränzi DEZEMBER 2014 53


Sina Candrian im

«Kafi für Dich».

Hier trifft sich die

26-Jährige gerne

mit Freunden, wenn

sie in Zürich ist

Auf dem Snowboard stand

Sina Candrian schon mit

fünf – als eine der ersten

ihres Heimatortes. Auch

20 Jahre später war

sie Pionierin – als erste

Frau beim Freestyle.ch.

Die Snowboarderin

über Leidenschaft, den

nötigen Biss und allzu

motivierende Eltern

INTERVIEW: EVELIN HARTMANN

FOTOS: DÉSIRÉE GOOD

«MAN BRAUCHT

FREUNDE, DIE

EBENSO BRENNEN»


Tischgespräch

Mit fünf Jahren haben Sie zum ersten Mal auf einem

Board gestanden. Damals, Anfang der 90er-Jahre, war

Snowboarden noch eine Randsportart in der Schweiz.

SINA CANDRIAN: Bei uns in Flims war unsere Familie

eine der ersten, die damit angefangen hat. Meine Mutter

hat es mit mir zusammen gelernt, das war lustig. Sie hatte

damals grosse Mühe, ein Kinderboard für mich zu

organisieren. Und dann musste ich mit Skischuhen in die

Bindung, eine schrecklich steife Angelegenheit. Trotzdem

wollte ich schon bald nichts anderes mehr machen (lacht).

Und dann, fast 20 Jahre später, waren Sie wieder

Pionierin, weil Sie als eine der ersten Frauen beim

Snowboard-Wettbewerb freestyle.ch 2012 in Zürich

starten durften. Warum war Snowboarden bis

dahin solch eine Männerdomäne?

Bisher war der Veranstalter der Meinung, Frauen trauen

sich nicht, diese hohen Kicker, also Sprungschanzen, zu

fahren. Das traf früher auch zu. Aber mittlerweile gibt es

weiblichen Nachwuchs, der dieses Profi-Niveau erreicht

hat. 2012 hat der Veranstalter dann einen guten Weg

gefunden, uns Freestylerinnen zu integrieren. Wir sind,

zusammen mit den Männern, am Samstag an einer Art

Show-Event gestartet. Den eigentlichen Wettkampf haben

die Männer am Sonntag untereinander ausgetragen.

Wollen Sie nicht auch am Wettkampf teilnehmen?

Für mich ist es so in Ordnung. Männer sind im Sport

aufgrund ihrer Physis leistungsstärker als Frauen. Sogar

in von Frauen dominierten Sportarten wie Ballett sind es

die männlichen Tänzer, die die bessere Sprungkraft

haben. So ist es eben. Ich habe das akzeptiert und versuche

immer, das für mich beste Ergebnis zu erzielen.

Diskriminiert haben Sie sich also nie gefühlt?

Nein. Mit meinen männlichen Team-Kollegen habe ich

mich immer gut verstanden und auch von ihnen profitiert.

Für mich ist es doch nur von Vorteil, wenn sie

vorfahren und ich sehen kann, wie viel Anlauf es für die

Schanze braucht. Beim Snowboarden steht die Gemeinschaft

im Vordergrund, der Spass.

Das hört sich sehr entspannt an. Aber spätestens

im Rahmen von Olympia geht’s doch ums Gewinnen.

Sie wurden jedenfalls im Vorfeld von Sotschi im Februar

2014 als die Schweizer Medaillen-Hoffnung in den

Medien gefeiert. Und hätten dann beinahe aufgrund

eines Bandscheibenvorfalls nicht starten können …

Ich hatte schon während der ganzen Vorbereitungszeit

schreckliche Rückenschmerzen und kurz vor Weihnachten

dann die Diagnose. Ich musste wochenlang im Bett

liegen. Das war hart, zumal ich wusste, dass die anderen

bereits längst intensiv trainieren. Es gab Momente, da

wollte ich einfach nur weglaufen vor der Welt.

Was hat Ihnen in dieser Zeit geholfen?

Sich mit anderen Dingen zu beschäftigen als mit Snowboarden.

Als die Schmerzen nachgelassen haben, konnte

ich meine Kamera auspacken und bin raus in die Natur

fotografieren gegangen. Ausserdem habe ich bewusst den

Kontakt zu Freunden gesucht, die nichts mit dem Sport

zu tun haben. Das ist ganz wichtig: zu akzeptieren, dass

es in eine Richtung gerade nicht weitergeht, und sich Dingen

zuzuwenden, die einem in dieser Situation guttun.

Letztendlich konnten Sie doch teilnehmen,

mit einem beachtlichen Ergebnis. Die Bronzemedaille

haben Sie nur knapp verpasst. Was

würden Sie Mädchen heute raten, die ebenso für

eine Sache brennen wie Sie als Teenager?

Am besten sucht mach sich Kollegen, die genauso

wie man selbst jede freie Minute ihr Hobby

ausüben wollen. Man muss sich ein Umfeld

schaffen, in dem man sich wohlfühlt und gefördert

wird. Wichtig ist auch, dass sich die Eltern

mit dem Hobby auseinandersetzen, um verstehen

zu können, was ihr Kind antreibt.

Heute pushen Eltern ihre Kinder oft sehr, um

das vermeintlich Beste für sie zu erreichen.

Das war früher nicht anders. Ich erinnere mich

an Mütter in Flims, die miteinander konkurriert

haben, wessen Sohn das grössere Skinachwuchstalent

ist. Ich fand das lächerlich. Manche

Eltern sind so übermotivierend, dass nur noch

der Sport zählt, dabei gibt es doch noch tausend

andere Dinge im Leben. Zudem herrscht heute

ein grosses Freizeitüberangebot. Die Kinder springen von

einem Hobby zum nächsten, ohne einmal längere Zeit

bei einer Sache zu bleiben. Es ist normal, dass im Sport

auf die anfänglichen Erfolge eine Phase der Stagnation

folgt. Die gilt es zu überwinden, und da hilft nur üben,

üben, üben. Das sollten Eltern ihren Kindern vermitteln.

Wie haben Ihre Eltern Sie unterstützt?

Sie haben sich immer für mein Hobby interessiert, mir

den Start und das Training ermöglicht. Wie gesagt, meine

Mutter hat mit mir gemeinsam das Snowboarden

gelernt. Später haben sie mir immer beratend zur Seite

gestanden, ohne für mich zu entscheiden.

Was verstehen Sie unter Durchsetzungsvermögen?

Die Fähigkeit, sich durch die eigene Stagnation

durchzubeissen. Sich in Momenten, in denen man

ans Aufgeben denkt, sagen zu können: «Das war

mein Ziel, und das verfolge ich, auch wenn mir gerade

nicht danach ist.» Eines meiner Ziele ist, bis zu

meinem letzten Tag Snowboarden zu können – mal

sehen, ob ich das schaffe (lacht).

SINA CANDRIAN

ist am 21. November 1988

in Flims geboren. Dort

lernte sie im Alter von

fünf Jahren Snowboarden,

ein Hobby, das sie im

Teenager alter zum Beruf

ausbaute. So nennt die

26-Jährige schon einige

Junioren-Weltmeistertitel

ihr Eigen. 2013 holte sie in

Kanada den Vizeweltmeister-Titel

im Slopestyle (ein

Hindernisparcours-Stil).

Bei den Olympischen Spielen

2014 in Sotschi belegte

sie in dieser Disziplin den

4. Rang. Vor vier Jahren

begann die Bündnerin eine

Ausbildung zur Lehrerin,

die sie zugunsten ihrer

Snowboard-Profikarriere

unterbrechen musste.

ar

Sie wollen

Sina Candrian

snowboarden sehen?

Kein Problem: einfach die

Fritz+Fränzi-App laden,

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und Video starten

Fritz+Fränzi DEZEMBER 2014 55


Kolumne

Ich erinnere

mich an alle meine

Freundinnen

TEXT: MIKAEL KROGERUS

MIKAEL KROGERUS

ist Autor und Journalist.

Heute lebt der Finne, Vater einer

Tochter und eines Sohnes, in

Biel und schreibt regelmässig

für das Schweizer ElternMagazin

Fritz+Fränzi und andere

Schweizer Medien.

Die Teenager-Tochter einer Freundin hatte Liebeskummer.

Sie fragte mich: Erinnert man sich den Rest seines Lebens an

die erste Liebe? Ja, sagte ich. Am Anfang war K. Einmal kam

ich zu spät in den Sportunterricht, und alle Kinder sassen bereits

auf der Bank. K. winkte mir zu und zeigte mit einer Handbewegung,

dass sie einen Platz neben sich freigehalten hatte. Ich erlebte vor

der versammelten Klasse eine Art weiblichen Orgasmus: Ich zuckte am

ganzen Körper, das Herz raste, mein Gesicht glühte. Ich war acht Jahre alt.

Als I. mich per Zettel fragte, ob ich mit ihr «gehen» wolle, schrieb ich ihr: «Ja».

«Miteinander gehen» bedeutete in hoher Frequenz heimlich Zettel mit Liebesbotschaften

austauschen und sich auf dem Pausenplatz aus Schüchternheit ignorieren.

Es war irre. Es war schön. Einmal schlug sie vor, uns zum Küssen zu verabreden.

Ich wollte sterben. Eine Woche später «machte sie Schluss». «Schlussmachen»

und «Miteinandergehen», lernte ich, waren zwei Haltestellen derselben U-Bahn.

M. widersprach optisch und inhaltlich allem, was mir wichtig war.

Aber ich verliebte mich trotzdem in sie, weil sie etwas in mir sah, das ich gern

gewesen wäre: Sie begegnete mir, als sei ich James Dean, obwohl wir beide

wussten, dass ich eher einem jungen Woody Allen glich. Bevor wir uns in die

grossen Ferien verabschiedeten, schauten wir uns lange an, gerade als ich

nach ihrer Hand greifen wollte, da beugte sie sich vor und küsste mich auf den

Mund. So war sie. Schneller als ich, weiter als ich. Sie war ihrer Zeit voraus,

sie war so ungeduldig, so getrieben, so hungrig aufs Leben, dass es niemanden

überraschte, als sie plötzlich gar nicht mehr da war: Nach den Ferien blieb

ihr Stuhl leer. Ich habe sie nie wiedergesehen. Und sie nie vergessen.

Mit F. war ich nur befreundet und hätte selbst unter Androhung körperlicher

Gewalt nicht zugegeben, dass ich sie heimlich liebte. Sie berichtete mir ständig

von ihren Männern. Ich lauschte gern. Vielleicht weil ich ahnte, dass die anderen

besser waren als ich, grösser und männlicher, aber auch langweiliger. Auch mit C.,

M., I. und L. war ich befreundet. Ich war der beste Freund der schönsten Frauen,

ich war wie Rock Hudson für Elizabeth Taylor, bloss nicht schwul. Ein Freund,

nicht der Freund zu sein, hielt ich für den sichersten Schutz vor Abweisung. Viel

später erzählte mir M., dass sie heimlich mich geliebt hätte, mehr noch: dass sie

und all die anderen immer gedacht hatten, ich hätte mich nie für sie interessiert.

Meine Unsicherheit hatten sie für Gleichgültigkeit gehalten! Noch immer passiert

es, dass ich – nur für einige Tage, bitte – mit diesem Wissen im Gepäck zurück in

die Zeit reisen möchte. Mit T. war ich im Bett und erwachte am nächsten Morgen

in einer anderen Welt. Die Einsamkeit war weg. Ich war mit jemandem. Ich war

jemand. Kurze Zeit später verliess ich sie, weil … Ich weiss auch nicht mehr warum.

Warum vergisst man die nicht?, fragte die Teenager-Tochter. Vielleicht, sagte

ich, weil wir älter werden, aber ein Teil von uns für immer zwölf bleibt und sich

fürchtet, dass unser Herz brechen könnte wie ein spröder Zweig.

ILLUSTRATION: PETRA DUFKOVA/DIE ILLUSTRATOREN

56 DEZEMBER 2014 Fritz+Fränzi


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Die Idee ist so einfach wie genial: Die Sprachschule fRilingue

bringt welsche und deutschsprachige Jugendliche zusammen.

«Wer sich in der multikulturellen Schweiz verständigen kann, profitiert ein

ganzes Leben.» Davon ist Philippe Alexander Weber überzeugt. Der heute

35-Jährige studierte in Fribourg. Es störte ihn, dass welsche und Deutschschweizer

Studenten meist in getrennten Gruppen unterwegs waren. Und

so setzte er nach Abschluss seines Studiums einen kühnen Plan um: Er

gründete die Sprachschule fRilingue. Sein Konzept, Kinder und Jugendliche

aus zwei Schweizer Sprachregionen zusammenzubringen, hat schnell begeistert.

Doch hinter dem Erfolg steckt mehr: «fRilingue engagiert ausschliesslich

junge Lehrer und Betreuer, die einen guten Zugang zu Jugendlichen haben»,

sagt Weber. Zudem sei für ihn ein buntes Programm an sozialen, sportlichen

und kulturellen Aktivitäten Pflicht. Webseite: www.frilingue.ch

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Zeit für eine Verschnaufpause bleibt selten.

Yoga für Kinder und Jugend liche ist der

entspannende Gegenpol zum Alltagsstress.

Ruhe finden ist aber nicht der einzige

Vorteil der indischen Philosophie

TEXT: FLAVIA VON GUNTEN

Energisch stürmt Tim in den Raum

hinein und lässt die Tür geräuschvoll ins

Schloss fallen. Er sei frustriert über einen

verhauenen Mathematiktest. «Trink zuerst

einen Tee», fordert Karin Germann den

Sechstklässler auf. «Die Kinder kommen oft energiegeladen

in die Yogastunde. Deshalb trinken wir vor

den Übungen gemeinsam einen warmen Tee», erklärt

die Yogalehrerin. Das heisse Getränk hat die Gemüter

beruhigt, die Kinder richten sich auf ihrer Matte

gemütlich ein. Was für ein Tier sich denn hinter

« Eagle», der ersten Übung, verstecke, fragt Karin Germann

in die Runde. Sofort schiessen fünf Hände in die

Luft, die Antwort erklingt aus einer Kehle: «Adler!»

Beim Baum gibt

es ein Standbein, das

andere ist ange win kelt

– ein Balanceakt

DER BESUCH VOM ZOO

Anders als in Yogastunden für Erwachsene nenne

sie die Übungen – in Yogasprache «Asanas» – nicht bei

ihrem Sanskritnamen, sondern benutze Begriffe aus

der Tierwelt. «Die bildhafte Sprache entspricht dem

Wesen der Kinder. Ausserdem kann ich so Asanas zu

Geschichten verknüpfen», erzählt die 28-Jährige, die

12- bis 16-Jährige unterrichtet. Nicht nur die Wortwahl

unterscheidet Yoga für Kinder und Jugendliche von

jenem der «Grossen». «Kinder dürfen nicht als kleine

Erwachsene angeschaut werden. Sie haben oft andere

Bedürfnisse», betont Kinderphysiotherapeutin Claudia

Scherrer. Für sie ist der Aspekt der Bewegung im

58 DEZEMBER 2014 Fritz+Fränzi


Ernährung & Gesundheit

mit Adler und Baum

Yoga für Kinder zentral. Sie findet, dass Yoga eine

sinnvolle Ergänzung zu einer Sportart sein kann.

«Wann machen wir endlich den Kopfstand?»,

tönt es von einer Matte. Karin Germann vertröstet die

eifrige Schülerin auf den Schluss der Stunde. «Die

akrobatischen Positionen sind die Favoriten der

Kinder und Jugendlichen. Ich staune immer wieder,

wie beweglich und unbekümmert sie sich in den

Kopfstand oder eine Brücke stemmen», berichtet

Germann. Solche Erfolgserlebnisse stärken das

Selbstvertrauen der Heranwachsenden.

Diese Erfahrung machte auch Tanja Linder. Verzweifelt

suchte sie nach einer Freizeitbeschäftigung

für ihre zwölfjährige Tochter, die an keiner Sportart

Freude fand. Da erinnerte sich Linder an ihre eigene

Yogavergangenheit und durchforstete das Internet

nach Angeboten für Kinder. «Ich musste meine Tochter

regelrecht zwingen, Yoga auszuprobieren», blickt

Tanja Linder zurück. Die erste Stunde verfolgte sie als

Zuschauerin. So sei ihre Tochter gezwungen gewesen,

den Kurs durchzuhalten. Linder staunte nicht schlecht,

als sie nach dem Yoga in ein strahlendes Gesicht

blickte. Die indischen Körperübungen haben die Zwölfjährige

in ihren Bann gezogen. Obwohl die Schülerin

keine gute Turnerin sei, habe sie sich im ersten Anlauf

in den Kopfstand stemmen und ihr Selbstwertgefühl

steigern können.

DAS ZAUBERWORT HEISST REGELMÄSSIGKEIT

Dazu beigetragen habe der nicht vorhandene Leistungsdruck,

ist Karin Germann überzeugt: «Die Kinder können

im Yoga nichts falsch machen. Dadurch ist die Entspannung

erst möglich.» Sich einer Sache zu widmen,

ohne sich Gedanken über deren Ausgang machen zu

müssen, sei in unserer Gesellschaft ein rares Gut, weiss

der Kinder- und Jugendpsychologe Daniel Iseli. Er

streicht heraus, wie wichtig Auszeiten von diesem Dauerstress

sind. Dabei denkt er zum Beispiel an freies Spielen

und entspannte Momente in der Natur. Yoga könne

für Kinder eine solche Auszeit be deuten; gleichzeitig

bestehe die Gefahr, dass es zu einem weiteren Teil des

Programms wird. «Damit Körper- und Entspan- >>>

In der Umkehrhaltung

wird das Herz-

Kreislauf-System gestärkt

WAS IST YOGA?

Die indische Yogalehre war ursprünglich ein Weg zur Erleuchtung.

Sie beabsichtigt, Körper und Geist eins werden zu lassen. Ist dieser Zustand

erreicht, wartet das Glück und der Geist kommt zur Ruhe. Die Körperübungen,

die «Asanas», wurden entwickelt, damit der Körper das lange Sitzen in der

Meditation aushält. Nach und nach entstanden daraus verschiedene Yogastile

(siehe Box Seite 60). In der westlichen Welt sind vor allem jene Arten des Yogas

verbreitet, die sich auf Körperübungen konzentrieren.

FOTOS: ISTOCKPHOTO

Fritz+Fränzi DEZEMBER 2014 59


Ernährung & Gesundheit

FÜR WEN IST YOGA GEEIGNET?

Yoga ist keine Frage des Alters, der Sportlichkeit oder Beweglichkeit.

Jede und jeder setzt seine eigenen Grenzen, Perfektion bei der

Ausführung ist nicht das Ziel – schliesslich ist kein Körper wie der andere.

Jedoch sind bei körperlichen Beschwerden gewisse Übungen nicht

geeignet. Eine professionelle Lehrperson kann auf diese Bedürfnisse

eingehen und Alternativen aufzeigen.

Kosten: Eine Yoga-Stunde in einem Studio kostet durchschnittlich

30 Franken. Beim Kauf einer Mehrfachkarte oder eines Jahresabos bieten

die meisten Anbieter Reduktion an.

WELCHER YOGASTIL

IST FÜR MEIN KIND GEEIGNET?

Matthias Brun, Besitzer des Yogastudios Riveryoga in Thun,

prüft die verschiedenen Stile auf ihre Kindertauglichkeit.

FÜR KINDER GEEIGNET

Vinyasa Fliessende Bewegungsabläufe

sind typisch für Vinyasa-Yoga.

Dabei wird der Atem mit den Bewegungen

des Körpers synchronisiert.

Je nach Lust und Laune kann der

Stil langsam oder schnell ausgeführt

werden. Die Übungen sind für

Anfänger geeignet. Für Fortgeschrittene

gibt es Variationen, um die

Intensität der Position zu steigern.

Hatha Im Gegensatz zum Vinyasa

werden die einzelnen Übungen länger

gehalten. Diese ruhige Form

des Yogas ist besonders für

Anfänger geeignet. Durch spezielle

Atemtechniken und Entspannungsübungen

werden Körper und Geist

in Einklang gebracht.

Iyengar Bei diesem Stil kommen

Hilfsmittel wie Gurte und Blöcke zum

Einsatz. Auf die korrekte Ausführung

der Haltungen wird viel Wert gelegt.

Iyengar-Yoga wurde von einem

der einflussreichsten Yogalehrer,

B. K. S. Iyengar, gegründet.

FÜR KINDER UNGEEIGNET

Yin Yoga Fünf Minuten oder

länger werden die Übungen im Yin

Yoga gehalten. Das Bindegewebe,

das die Gelenke umhüllt, wird dabei

stark gedehnt. Ausserdem soll

die Körperenergie in einen starken

Fluss gebracht werden.

Ashtanga Vinyasa Es bringt

die Praktizierenden gehörig ins

Schwitzen. Der Stil ist geprägt

von Einflüssen des Bodybuildings

und enthält Gymnastikelemente.

Populär wurde es in den 1990er-

Jahren durch prominente

Anhänger wie Madonna oder Sting.

Jivamukti Körperübungen,

Singen, Musik, Meditation, Entspannung

und das Studium

yogischer Schriften sind Bestandteile

des Jivamukti-Yogas. Der

Stil ist neu, er wurde erst 1984

in den USA gegründet.

>>> nungsübungen nachhaltig wirken, müssen sie

regelmässig und über eine längere Zeitspanne ausgeführt

werden. Yoga ist vor allem für jene Kinder sinnvoll, die

die Übungen mehrmals pro Woche zu Hause praktizieren

und nicht nach zwei Kursstunden aufgeben», fasst

Iseli zusammen. Das Aufbringen der dazu benötigten

Ausdauer sei eine weitere wertvolle Erfahrung.

LEICHTER DURCH DEN ALLTAG

Konkreter ist der Ratschlag von Thomas Bannenberg,

Diplom-Sozialpädagoge und Yogalehrer: «Eine

Yogapraxis von fünf bist acht Minuten pro Tag hat

einen nachweisbar positiven Effekt auf die Konzen trationsfähigkeit.»

Experten hätten das bei einem

Experiment mit Primarschülern im Wallis festgestellt.

Überhaupt verändere sich einiges im Gehirn eines

Kindes, das regelmässig Yoga praktiziere. «Viele

Haltungen und Übungsabläufe folgen nicht den alltäglichen

Bewegungsmustern. So schulen Kinder ihre

Motorik vielfältig», erklärt Bannenberg, der seit 18

Jahren Yoga für Kinder unterrichtet. Die Verrenkungen

würden neuronale Verknüpfungen im Gehirn schaffen,

die für jede Aktivität abrufbar seien. Das könne sich

zum Beispiel positiv auf die Leistungen in der Schule

auswirken, sagt der Experte.

Auch der Alltag von Kindern mit gesundheitlichen

Beschwerden könne durch regelmässiges Üben von

Yoga erleichtert werden. «Durch bewusstes Atmen und

Entspannen können Kinder mit Asthma, Neurodermitis

oder Migräne eine Linderung erfahren», führt

Bannenberg aus. Kinderphysiotherapeutin Claudia

Scherrer pflichtet ihm bei: «Kann ein Kind einer

körperlichen Einschränkung wegen keinen Sport

ausüben, ist Yoga eine Alternative und kann einen

positiven Einfluss auf Bewegungseinschränkungen und

Schmerzen haben.»

DER KNACKPUNKT SIND DIE KOSTEN

Allen Vorzügen zum Trotz – Kinderyoga hat seinen

Preis. Eine Lektion von 60 Minuten im Riveryoga

Thun kostet 40 Franken. Die Angebote anderer

Studios bewegen sich in einem ähnlichen Preisrahmen.

«Jede Woche 40 Franken zu bezahlen, ist happig»,

bedauert Tanja Linder. Für das Wohl ihrer beiden

Töchter investiere sie den Betrag aber gerne. Dafür

verzichte sie auf Yogastunden für sich. Laut Thomas

Bannenberg sind von einer Fachperson geleitete

Yoga stunden für Kinder aber nicht unbedingt nötig.

Praktiziere ein Elternteil zu Hause Yoga, dann machten

60 DEZEMBER 2014 Fritz+Fränzi


die Kinder von selbst mit. «Die Nachahmung der

‹Grossen› ist Teil des kindlichen Alltages – davon

bleibt die Yogapraxis nicht ausgenommen», versichert

der Buchautor. Die Freude am Üben ist dabei zentral.

Diese Begeisterung ist bei der Klasse von Karin

Germann spürbar. «Ich muss die Kinder eher bremsen

und überzeugen, die Übungen langsam anzugehen»,

erklärt Germann, die hauptberuflich Primarlehrerin ist.

Zum Beispiel bei der Baum-Position. Die Kinder

stehen auf einem Bein, das andere ist, mit der Fusssohle

den Oberschenkel berührend, angewinkelt. «Wer

will, darf ein Sandsäckli auf dem Kopf balancieren»,

offeriert sie den Schülerinnen und Schülern. Niemand

will sich eine Blösse geben, auf jedem Kopf thront

ein mit Sand gefülltes Stoffbeutelchen. «Das ist typisch.

Der Ehrgeiz ist ständig mit von der Partie», sagt

sie lachend. Gleichzeitig schätze sie den Einsatz, den

die Kinder zeigen. Nicht nur beim Ausführen der

Positionen – auch bei der Musikwahl habe die Jungmannschaft

Mitspracherecht: Während der Lektion

erfüllen Hitparadenmelodien den Yogaraum. Einzig

während der Schlussentspannung, der «Totenposition»,

kehrt totale Ruhe ein. Die Kinder kuscheln sich in eine

Wolldecke und legen sich, alle Gliedmassen von sich

gestreckt, auf ihre Yogamatte. Karin Germann legt allen

ein Sandsäcklein auf die Augen. Die Dunkelheit verhelfe

den Kindern zur totalen Entspannung. Der vergebene

Mathetest ist längst vergessen.


Sicherheit dank

guter Ausrüstung,

fahrerischem

Können

und gesundem

Menschenverstand

Harte Schalen

für coole Kids

Zum Skifahren oder Snowboarden

tragen mittlerweile fast alle einen Helm.

Und der Trend zu mehr Sicherheit

geht weiter: Protektoren sind

gefragt wie noch nie. Diese schützen zwar,

machen aber auch risikofreudiger

TEXT: PETRA SEEBURGER

DAS WICHTIGSTE IN KÜRZE

Wann welche Protektoren?

Schutzhelme sind heute ein Muss. Es gilt

daher: Nie mehr oben ohne! Ein Rückenschutz

ist fürs Skifahren und Snowboarden

empfohlen, insbesondere sind diese bei

Jumps und in den Pipes zu tragen. Snowboarder

sollen zudem unbedingt einen

Handgelenkschutz tragen. Knieschoner

sind vor allem bei Anfängern und Freestylern

empfohlen. Das A und O ist, dass die Protektoren

richtig passen, sonst können diese

mehr schaden als nützen. Zu beachten: Protektoren

helfen, die Verletzungsschwere zu

reduzieren. Sie verhindern aber keine Stürze.

Noch zwei Tipps für Kauf und Pflege:

Beim Kauf von Schutzhelmen und Protektoren

gilt: Passform vor Bewegungsfreiheit

vor Optik. Kunststoffe sind kälteempfindlich:

Protektoren und Helme nie über

Nacht im Auto liegen lassen.

Und zum Schluss: Von Bedeutung ist auch,

sich über das Jahr regelmässig zu bewegen.

Das Wichtigste in punkto Sicherheit: Ziel ist

es, dass Schneesportler nicht stürzen. Dafür

ist das Verhalten auf der Schneepiste entscheidend.

Deshalb gilt: Respektieren Sie

die FIS-Verhaltensregeln und SKUS-Richtlinien,

zu finden auf: www.skus.ch

Die Schweiz rüstet sich

für die Wintersaison,

auch in Sachen Sportausrüstung.

Besonders

gefragt sind Protektoren,

vor allem von Eltern, denn

sie wollen ihre Kinder nur bestens

geschützt auf die Pisten schicken.

«Ob Helm, Handgelenkschoner

oder Rückenpanzer – Schutzausrüstung

ist im Trend», erklärt Samuli

Aegerter, Kampagnenleiter Schneesport

bei der Suva. Allen voran ist

ein Helm empfohlen: Er kann vor

schweren Kopfverletzungen schützen,

wenn wir stürzen oder mit anderen

zusammenstossen.

Am häufigsten verletzen wir uns

beim Skifahren an den Knien und

beim Snowboarden an den Handgelenken.

Am zweithäufigsten sind

beim Wintersport Kopfverletzungen.

Dass der Helm heute ein Muss ist,

bestätigt auch der Laaxer Skischulleiter

Hans Peter Casutt: «Unsere Lehrer

sind verpflichtet, Helm zu tragen.

Wenn Schüler ohne Helm kommen,

machen wir diese darauf aufmerksam.»

Und in der Tat: Ein Helm ist

bei Kindern und Jugendlichen akzeptiert:

Laut der Statistik der Beratungsstelle

für Unfallverhütung (bfu)

trugen in der letzten Saison bereits

98 Prozent aller unter Siebzehnjährigen

einen Helm. Bei Kindern

mit kleinen Köpfen muss aber laut

Samuli Aegerter darauf geachtet

werden, dass der Helm nicht zu

gross gekauft wird. Er warnt deshalb:

«Sitzt der Helm nicht richtig, kann er

gefährlich sein.»

VON DER

RENNSTRECKE AUF DIE SKIPISTE

Seit wenigen Jahren sind auch Rückenprotektoren

auf dem Vormarsch. Sie

kommen ursprünglich aus dem

Motorradsport. Es gibt inzwischen

drei Typen, die bis zu 300 Franken

kosten: Protektorenwesten mit Polstern

aus weichem Dämpfungsmaterial,

Hartschalenmodelle für Snowparkfahrer

sowie Rucksäcke mit

eingebauten Schalen, die ideal für

Freerider sind, die abseits der Pisten

fahren.

Kampagnenleiter Aegerter gibt

allerdings zu bedenken: «Ein Rückenpanzer

dämpft Schläge bei Stürzen,

er schützt aber nur wenig vor schwe­

62 DEZEMBER 2014 Fritz+Fränzi


Ernährung & Gesundheit

ren Rückenverletzungen.» Insbesondere

für Kinder ist ein Rückenpanzer

beim Snowboarden und auch beim

Skifahren sinnvoll. Denn Kinder

ziehen bei Zusammenstössen mit

Älteren meist den Kürzeren. Aber

auch bei den Rückenpanzern gilt es,

genau auf die Passform zu achten: Ist

der Protektor zu gross, kann er beim

Sturz verrutschen und beispielsweise

die Halswirbel verletzen.

VERLETZUNGSMUSTER

JE NACH SPORTART

Auf Hände, Knie und Hintern zu fallen,

ist typisch fürs Snowboarden,

vor allem bei Anfängern. Wenn sich

Boarder verletzen, dann aber am

häufigsten an den Händen und am

Handgelenk. Laut dem Suva-Experten

Aegerter sind Handgelenkschoner

deshalb sinnvoll. Im Idealfall

kauft man sich Snowboardhandschuhe,

die Protektoren integriert haben

– und gleich auch wind- und wasserdicht

sind.

Weil Snowboarder auch oft auf die

Knie fallen, helfen Knieschoner, vor

Prellungen zu schützen. Diese schützen

aber nicht vor einem Kreuzbandriss,

einer typischen Verletzung

beim Skifahren. Laut Aegerter

können die Kinder ihre Knieschoner

vom Inlineskating oder Skateboarden

auch im Schnee verwenden, vor

allem wenn sie Snowboarden lernen.

Für alle, die noch mehr Schutz

wollen, gibt es sogenannte Crash-

Pants, eine Art gepolsterte Unterhose,

oder auch Schienbeinprotektoren.

Empfohlen sind diese vor allem für

Freestyler oder für Skirennfahrer.

WO SICH KINDER UND JUGENDLICHE HÄUFIG VERLETZEN

Ort der Verletzung

Skifahrer

0 bis 19-jährig

(pro 100 Verletzte)

Kopf 16 17

Wirbelsäule 12 17

Oberarm 12 18

Unterarm 4 13

Hand und Gelenk 6 22

Hüfte oder Oberschenkel 7 3

Knie 27 12

Unterschenkel bis Fuss 26 9

FALSCHE ERWARTUNGEN

Die gute Ausrüstung ist aber erst die

halbe Miete, denn sie schützt nicht

vor Unfällen. Laut einer Studie des

Berner Inselspitals besteht die Gefahr,

dass sich Sportler mit Rückenprotektoren

überschätzen und zu viel riskieren.

Hans Peter Casutt sieht das

gleich: «Viele glauben, dass sie umso

schneller fahren können, je mehr

Protektoren sie tragen.» Das ist ein

Trugschluss, denn die Ausrüstung

ersetzt weder fahrerisches

Können noch den

gesunden Menschenverstand.

Die Schweizer Ski- und

Snowboardschulen setzen bei

ihrem Unterricht deshalb nicht

nur auf Technik, sondern auch auf

Sicherheit und korrektes Verhalten

(vgl. Box auf Seite 62).

Snowboarder

0 bis 19-jährig

(pro 100 Verletzte)

Bfu-Statistik: Verletzungslokalisation beim Snowboardfahren (pro 100 Verletzte) nach Alter (Unfallort

Schweiz), Wintersaisons Ø 2009–2013

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Ernährung & Gesundheit

Brainfood – richtig essen, besser denken

Essen macht zwar nicht klüger, aber es kann zu einem fitten Gehirn verhelfen.

Entscheidend dafür ist, was und wie wir essen TEXT: REGULA THUT BORNER

Obwohl sein Anteil am

Körpergewicht nur

gerade zwei Prozent

beträgt, benötigt das

Gehirn einen Fünftel

des täglichen Energie- und Sauerstoffbedarfs.

Entscheidend ist aber

nicht nur die Quantität der zugeführten

Energie, sondern auch

deren Qualität. Eine Vielzahl von

Substanzen und Stoffen in der Nahrung

sorgt nämlich für das einwandfreie

Funktionieren des Gehirns.

Eine ausgewogene und abwechslungsreiche

Ernährung erhöht nachweislich

die Leistungsfähigkeit des

Gehirns.

Normalerweise arbeitet das

Gehirn klaglos und ohne Probleme.

Über 30 verschiedene Nährstoffe sorgen

in komplexen Prozessen für sein

Funktionieren, zum Beispiel Fettsäuren,

Traubenzucker, Proteine, Vitamine,

Mineralstoffe und genügend

Wasser. Eine ausgewogene Ernährung

kann nicht nur altersbedingte Schäden

des Gehirns verzögern, sondern

auch zu einer besseren Leistungsfähigkeit

beitragen. Den optimalen

Start in den Tag erhält das Gehirn

mit dem Frühstück. Das macht es

leistungsfähig, ob für die Schule, den

Beruf oder den Alltag zu Hause.

BRINGT DAS GEHIRN AUF TOUREN

Ein gutes Frühstück versorgt den

Körper nicht nur mit Energie und

Nährstoffen, es hat auch einen direkten

Einfluss auf das geistige Leistungsvermögen.

So wirkt es sich positiv auf

die Konzentration, die Aufmerksamkeitsspanne,

das Erinnerungsvermögen

und die Kreativität aus. Von

diesem Effekt profitieren besonders

Kinder und Jugendliche.

Besonders geeignete Zutaten für

die erste Mahlzeit des Tages sind

Milch und Milchprodukte, Früchte

sowie Vollkornprodukte. Sie liefern

wertvolle Inhaltsstoffe für eine optimale

Denkleistung und sind dennoch

leicht verdaulich. Die Volksweisheit

«Ein voller Bauch studiert nicht gerne»

trifft tatsächlich zu. Wer am Morgen

noch nichts essen mag, holt sich

seinen ersten Energieschub mit einem

Glas Milch und nimmt für die Pause

eine etwas reichhaltigere Zwischenmahlzeit

mit. Statt Schoggigipfeli und

Energydrink kommen ein Sandwich

mit dunklem Brot, Butter, Käse oder

kaltem Fleisch und ein Apfel oder ein

Rüebli in die Lunchbox.

DIE AUTORIN

Regula

Thut Borner

ist dipl. Ernährungsberaterin

HF und

Projektleiterin

Fachbereich

Ernährung

bei Swissmilk.

ernaehrungsberatung@

swissmilk.ch

www.swissmilk.ch

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64 DEZEMBER 2014 Fritz+Fränzi


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Digital & Medial

Smart mit

dem ersten

eigenen

Smartphone

Schweizer Eltern vertrauen ihren Kindern: 97 Prozent der Handynutzer

zwischen 12 und 19 Jahren haben ein Smartphone. Ein kurzer

Leitfaden über das richtige Einstiegsalter, Apps, Kosten und den

Smartphone-Vertrag zwischen Eltern und Kindern TEXT: BIANCA FRITZ

FOTO: ISTOCKPHOTO

Das Smartphone steht

bei vielen Kindern

und Jugendlichen

ganz oben auf der

Weihnachtswunschliste.

Kein Wunder, denn das kleine

Gerät erfüllt mehrere Wünsche auf

einmal: Es ist Telefon, Spielkonsole,

Fotoapparat, Videokamera, mobiler

Chatroom mit den Freunden. Und

mit Apps kann es laufend um weitere

Funktionen ergänzt werden. Das

macht jedes Smartphone so individuell

– und zum Statussymbol Nummer

eins in einer individualisierten Gesell-

schaft. Aber mit dem Smartphone

kauft man eben auch den Sack, ohne

die Katze zu kennen: Eltern geben

ihrem Kind ein Gerät in die Hand,

das morgen schon Dinge kann, die

sie heute noch nicht absehen können.

Ausserdem öffnet das Smartphone

ein Tor ins Internet – und anders als

am heimischen Computer haben die

Eltern nicht im Blick, wie lange und

vor allem wo ihre Kinder herumsurfen.

«Bei keinem anderen Gerät geben

Eltern ihre Kontrolle zwangsläufig

so stark ab wie beim Smartphone»,

schreibt Medienpädagogin Eveline

Hipeli im Ratgeber «Medien-Kids».

Viele Eltern richten zum Beispiel

im heimischen Netzwerk sorgfältig

Jugendfilter ein, bedenken aber nicht,

dass Jugendliche im mobilen Netz

oder im Netzwerk des Lieblingscafés

ungefiltert auf alle Inhalte zugreifen

können.

Der richtige Zeitpunkt

«Halten Sie so lange durch wie möglich.

Denn Smartphones ändern die

Art, wie unsere Kinder kommunizieren

– und das nicht unbedingt zum

Besseren, weil sie dann ohne Gerät

66 DEZEMBER 2014 Fritz+Fränzi


die Kinder an die Nutzung eines solchen

Gerätes heranzuführen – zum

Beispiel indem sie vorher ein Handy

mit weit weniger Funktionen zur

Verfügung gestellt bekommen oder

indem sie langsam in das Smartphone

ihrer Eltern eingewiesen

werden. Wer keine starren Altersvorgaben

mag, sollte genau hinsehen,

wozu das eigene Kind bereits

fähig ist. «Kann es schon Verantwortung

übernehmen für Termine,

für Hausaufgaben, das Taschengeld?

Hält sich mein Kind an Nutzungsregeln,

die wir für andere Medien

vereinbart haben? Alles das können

Gradmesser sein für die Frage, ob

bereits der richtige Zeitpunkt für ein

so komplexes Gerät wie ein Smartphone

gekommen ist», sagt Hipeli.

oft gar nicht mehr kommunizieren»,

meint Internet-Sicherheitsexperte

Tony Anscombe in seinem Medienratgeber

für Eltern. Er selbst habe seinen

Sohn mit viel gutem Zureden bis

zu dessen 13. Geburtstag hinhalten

können. Das wird sicher nicht allen

Eltern gelingen. Denn das beliebte

Argument «Alle meine Freunde

haben aber …» ist bei Jugendlichen

ein stichfestes: 98 Prozent der

Jugendlichen zwischen 12 und 19

Jahren haben laut JAMES-Studie

der Zürcher Hochschule für Angewandte

Wissenschaften 2014 ein

Handy. Und davon ganze 97 Prozent

ein Smartphone. Eine Umfrage eines

Handytaschenherstellers in Deutschland

ergab, dass dort sogar 39 Prozent

der Primarschüler zwischen

6 und 10 Jahren smart unterwegs

sind. «Ganz so früh würde ich nicht

anfangen», meint Medienpädagogin

Eveline Hipeli. Der Übergang zur

Sekundarschule sei ein besserer Zeitpunkt

– also etwa mit 13, 14 Jahren.

«Auch weil viele Schulkinder dann

einen weiteren Schulweg und die

Eltern ein Interesse daran haben, sie

zu erreichen», sagt sie. Wichtig sei,

Fast alle

haben es, die

anderen wollen

es: Das

Smartphone

ist Statussymbol

der

Jugendlichen

Die Kosten unter Kontrolle

Viele Mobilfunkanbieter haben

spezielle Verträge mit einer Kostenbremse

für das Handy des Kindes

oder Jugendlichen. Auch Prepaid-Karten

können eine Lösung

sein. «Irgendwann ist dann einfach

Schluss mit dem Guthaben – so habe

ich das auch gelernt, und das war gar

nicht schlecht, weil man sich genau

überlegt, wie man es nutzt», meint

Hipeli. Die Medienpädagogin schlägt

ausserdem vor, dass sich die Kinder

mit ihrem Sackgeld an den Kosten

beteiligen.

Allein neue Apps laden?

Um einen Überblick über die

App-Nutzung des Kindes zu behalten

– und natürlich auch die Kostenkontrolle

in Sachen App-Einkäufe –,

kann das Smartphone des Kindes

über die Konten der Eltern bei iTunes,

im Google Play Store oder anderen

App-Stores verbunden werden.

Wenn die Eltern ihr Passwort für sich

behalten, kommt es automatisch zum

Gespräch, bevor eine neue App >>>

Fritz+Fränzi DEZEMBER 2014 67


Digital & Medial

APPS FÜRS ERSTE SMARTPHONE

Kids Place Das Kind soll mit

dem Smartphone spielen, aber noch

nicht auf alles zugreifen können?

Dann sind Apps für einen speziellen

Kinderbereich hilfreich, wie die

kostenlose App «Kids Place». Hier bestimmen die Eltern,

auf welche Apps Kinder ohne Passwort zugreifen

können. Ihren eigenen Bereich können die Kinder ohne

Passwort auch nicht verlassen. Das Gute an der App:

Der Kinderbereich lässt sich jederzeit anpassen.

Wenn Eltern zum Beispiel das Gefühl haben, dass

ihre Kinder jetzt so weit sind, selbstständig im Internet

zu surfen, legen sie den Browser in den «Kids Place».

Frag Finn Wer seinen Kindern zwar

das Surfen im Internet erlauben

will, sie aber nur auf sicheren Seiten

sehen möchte, kann die App «Frag

Finn» installieren. Diese funktioniert

zusammen mit der gleichnamigen Suchmaschine

als Browser und führt nur zu Inhalten, die von Medienpädagogen

abgesichert wurden. Die App ist kostenlos.

So können vor allem junge Kinder erste Erfahrungen

mit dem Internet sammeln. Einziger Wermutstropfen

für Nutzer in der Schweiz: Da die Suchmaschine im

Hintergrund aus Deutschland ist, findet man

nur wenige Schweizer Inhalte.

AVG PrivacyFix Jugendliche haben

oft ein grosses Interesse daran,

ihre Privatsphäre zu schützen, aber

da soziale Netzwerke häufig ihre

Einstellungen und Regelungen

ändern, bleiben nur wenige Nutzer immer auf dem

aktuellen Stand. Die kostenlose App «PrivacyFix»

überprüft die aktuellen Einstellungen der Apps von

Google, Facebook, Twitter und Youtube und zeigt,

welche Risiken vorliegen und wie man diese beheben

kann. Ein wertvolles Hilfetool, das die letztendliche

Entscheidung dem Nutzer selbst überlässt.

>>> geladen wird. «Das kann für den

Anfang oder auch bei jungen Kindern

eine gute Lösung sein. Für die Eltern

bedeutet es auch, dass sie erfahren,

was ihr Kind interessiert – das ist ja

alles andere als negativ», so Hipeli.

Viele Apps sind erst einmal kostenlos.

Um sie aber besser nutzen zu können,

werden Käufe innerhalb der App notwendig,

sogenannte In-App-Käufe.

Auch deshalb sollten Eltern über die

Apps ihrer Kinder Bescheid wissen

und die Kinder mit solchen Stolperfallen

vertraut machen, die schnell ins

Taschengeld gehen können.

Mit 15, 16 Jahren lassen sich

Jugendliche vermutlich nicht mehr

auf das gemeinsame App-Konto mit

den Eltern ein. Eine andere Vereinbarung

kann lauten, dass das Kind

ein paar Mal im Monat seine Apps

zeigt und erklärt. «Natürlich können

Kinder vorher Bedenkliches löschen

oder verstecken. Hier muss also viel

Vorarbeit in Sachen Medienkompetenz

geleistet worden und ein gesundes

Vertrauensverhältnis vorhanden

sein», sagt Hipeli. Prinzipiell kann

die Nutzung bestimmter Apps natürlich

auch verboten werden. «Kinder,

die auch einmal auf etwas warten

müssen, bis sie älter sind, nehmen

in der Regel keinen Schaden.»

Wie sinnvoll sind Filter?

Wie zu Hause auf dem PC gibt es

auch auf dem Smartphone Filter,

die vor jugendfeindlichen Inhalten

schützen sollen. Manche Smartphones

erlauben auch spezielle Nutzerprofile

für Kinder. Diese sind dann in

ihrer Funktion stark eingeschränkt

– man kann zum Beispiel telefonieren

und fotografieren, kommt aber

nicht ins Internet. «Natürlich können

Filter dafür sorgen, dass gerade

sehr junge Kinder gar nicht erst auf

jugendgefährdende Inhalte stossen.

Es besteht aber die Gefahr, dass sich

An die

Smartphone-

Regeln müssen

sich auch

die Eltern

halten

Eltern in falscher Sicherheit wiegen.

Das Gespräch ist wichtiger als ein

Filter», so Eveline Hipeli.

Der Vertrag zum Smartphone

Bevor das Kind ein Smartphone

bekommt, ist es wichtig, dass sich

Eltern über die gewünschte und

unerwünschte Nutzung Gedanken

machen und Regeln mit den Kindern

diskutieren. «Das zu verschriftlichen,

macht es für beide Seiten verbindlicher»,

sagt Eveline Hipeli. Ein Vertrag

sollte aber wirklich ausgehandelt

und nicht einfach vorgesetzt werden

– und es sollte Klarheit darüber

herrschen, welche Konsequenzen

eintreten, wenn der Vertrag gebrochen

wird. Tony Anscombe schlägt

vor, dass sich die ganze Familie an

den Vertrag halten muss – dass zum

Beispiel auch die Eltern ihr Handy

beim Essen an den dafür bestimmten

Platz legen. Auf der folgenden Seite

findet sich ein Mustervertrag, der als

Inspiration dienen kann. Die Regeln

für die eigene Familie können natürlich

abweichen.


Ort, Datum Unterschrift Kind Unterschrift Elternteil(e)

Mustervertrag für das eigene Smartphone

Ich, das Kind, bin mit folgenden Grundsätzen einverstanden:

Ich habe kein Grundrecht auf mein Smartphone. Ich weiss, dass schlechtes

Benehmen zu (zeitweiligem) Smartphone-Entzug führen kann.

Ich schreibe niemandem Dinge, die ich ihm nicht auch ins Gesicht sagen würde.

Ab 21 Uhr liegt das Smartphone in unserem Familienkorb und wird nicht mehr benutzt.

Auch während der Mahlzeiten wandert das Handy an diesen Platz.

Die Ladung des Akkus meines Smartphones liegt in meiner Verantwortung.

Ich habe meine Daten- und Telefonnutzung im Blick und werde die vereinbarten ______ Franken

im Monat nicht überschreiten. ODER: Ich bitte nicht um neues Guthaben, wenn ich mein

Prepaid-Guthaben vorzeitig aufgebraucht habe.

Ich nutze das Handy, um meine Eltern zu kontaktieren, wenn ich später nach Hause komme.

Ich weiss, dass ein Smartphone teuer ist, und werde vorsichtig damit umgehen. Wenn es kaputtgeht,

habe ich nicht automatisch Anrecht auf ein neues.

Wenn ich seltsame Nachrichten oder Anrufe von Fremden erhalte, spreche ich mit meinen Eltern

darüber.

Ich verschicke und veröffentliche keine Fotos, für die ich mich schämen könnte oder die

anderen unangenehm sein könnten.

Ich halte mich an die Regeln, welche meine Schule bezüglich Handys und Smartphones aufgestellt hat.

Ich achte auf die Lautstärke meiner Aktivitäten mit dem Smartphone: Ich belästige keine Mitfahrer

im öffentlichen Verkehr und schalte das Handy an ruhigen Orten wie Bibliotheken oder im Kino ganz aus.

Ich lade keine Apps/Programme/Spiele herunter, ohne sie meinen Eltern zu zeigen und ihr

Einverständnis einzuholen.

Ich, als Erwachsener, halte mich an folgende Regeln:

Ab 21 Uhr liegt das Smartphone in unserem Familienkorb und wird von mir nicht mehr benutzt.

Auch während der Mahlzeiten wandert das Handy an diesen Platz.

Ich interessiere mich für das, was mein Kind auf dem Smartphone macht, und stehe für

Gespräche zur Verfügung.

Ich informiere mich über Gefahren und Chancen, die ein Smartphone oder bestimmte

Apps mit sich bringen, um mein Kind bei der Nutzung zu unterstützen.

Uns ist bewusst, dass Vertragsbruch zu vereinbarten Konsequenzen und zur Verschärfung

der Regeln führen kann.

------------------------ --------------------------- ----------------------------

ar

Starten Sie

die aktuelle

Fritz+Fränzi-App,

scannen Sie diese Seite und

laden Sie den Mustervertrag

als PDF von unserer

Homepage

Fritz+Fränzi DEZEMBER 2014 69


Digital & Medial

Sind soziale

Netzwerke

Neidwerke?

Immer wieder heisst es: Soziale Netzwerke

erhöhen den Wettbewerbsdruck unter

Jugendlichen. Machen sie unsere Kinder

neidisch, einsam oder gar süchtig?

TEXT: MICHAEL IN ALBON,

JUGENDMEDIENSCHUTZBEAUFTRAGTER VON SWISSCOM

ILLUSTRATION: GETTY IMAGES

Diesen Sommer verkündete

eine Studie

der britischen Wohltätigkeitsorganisation

Scope: «Soziale Medien

machen zwei Drittel der User

eifersüchtig auf die Erfolge anderer;

zudem denken viele User, zu viel Zeit

im Social Web zu verbringen. Sie

sind aber nicht in der Lage, ihre

Online-Präsenz einzustellen.»

Auf Jugendliche angewendet,

tragen solche Aussagen einen Tenor

in sich: Die Welt mit digitalen Medien

ist schlecht. Allein, stimmt das?

Denn Fakt ist: Kinder und Jugendliche

messen sich mit anderen. Vor

allem in der Pubertät stellen sie alles

auf den Prüfstand. Freundinnen und

Freunde bekommen einen immer

grösseren Platz in ihrem Leben. Und

mit ihren Freunden wollen sie sich

messen – bezüglich des Aussehens,

der Coolness, der Leistung im Sport

oder in der Schule. Wer erfolgreich

abschneidet, steigert sein Selbstwertgefühl

und wächst – vielleicht sogar

über sich hinaus. Wer unterliegt,

entwickelt im besten Fall Strategien,

mit Misserfolgen umzugehen. So

betrachtet, sind digitale Medien ein

weiteres Wettbewerbsfeld – neben

dem Sportklub etwa, der Schule oder

dem Skilager.

SELBSTBEWUSSTSEIN HILFT

Ihnen als Eltern kommt in der

Pubertät eine wichtige Rolle zu. Fördern

Sie das Selbstvertrauen Ihres

Teenagers, indem Sie ihm Dinge

zutrauen. Übertragen Sie ihm zum

Beispiel Aufgaben, die Sie bis dahin

lieber selbst erledigt haben. Loben

Sie Ihr Kind, wenn es klappt – auch

wenn Tempo und Stil nicht ganz

Ihren Vorstellungen entsprechen!

Damit sich Ihr Teenager in seiner

Haut wohler fühlt, sollten Sie als

Eltern zudem genau zuhören, was

Ihr Kind an sich nicht mag. Fragen

Sie aber auch nach, was es an sich

schön, stark oder einzigartig findet.

Sich ausschliesslich auf Negatives zu

konzentrieren, geht nicht. Fordern

Sie Ihr Kind heraus, sich differenziert

wahrzunehmen und seine Stärken

positiv hervorzuheben. Wie könnte

es das tun? Wo und wann? Und wie

könnte es seine starken Seiten auch

online einsetzen? Suchen sie gleichzeitig

gemeinsam nach Möglichkeiten,

eine Schwäche zu beheben. Verlangen

Sie von Ihrem Teenager aber

auch Reife: Bestärken Sie ihn darin,

seinen Blickwinkel auf Lösungen zu

konzentrieren. Tun Sie das immer

wieder. Denn ein gesundes Selbstvertrauen

zu entwickeln, braucht

Zeit. Wenn Sie als Eltern aber das

Selbstbewusstsein Ihres Kindes stärken,

kann es sich auch online besser

distanzieren und für sich einstehen.

«ICH SEHE EINE SCHWEIZ, IN DER

NEUGIER IM NETZ UNGEFÄHRLICH IST»

aus der Kampagne von Swisscom

Wir möchten, dass Sie sich in der digitalen Welt

sicher und zu Hause fühlen. Auf der Onlineplattform

Medienstark finden Sie Tipps und interaktive

Lernmodule für den kompetenten Umgang mit

digitalen Medien im Familienalltag.

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Willkommen im Land der Möglichkeiten:

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70 DEZEMBER 2014 Fritz+Fränzi


ElternMagazin

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Digital & Medial

«‹WILLST DU DAS HANDY NUTZEN ODER FREUNDE

TREFFEN?› IST EINE UNFAIRE FRAGE. JUGENDLICHE

WOLLEN BEIDES – GERNE AUCH GLEICHZEITIG»

Daniel Süss von der Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften bei der Präsentation der

ersten Ergebnisse der neuen Mediennutzungsstudie JAMES 2014 auf der Didacta in Basel

«Kinder merken selbst,

wann es genug ist» Interview: Bianca Fritz

Mahmud Tschannen (47) ist Redaktionsleiter

des Blogs Apps&Moritz und schreibt

über empfehlenswerte Kinder- und

Jugend-Apps. Als Vater eines 15-jährigen

Sohnes kann er auch zu Hause

beobachten, was bei den Jungen ankommt.

Was macht eine gute App aus?

Gute Apps sollten Kinder oder Jugendliche auch ohne

Aufsicht der Eltern bedienen können. Wichtig ist uns,

dass sie werbefrei sind und frei von In-App-Einkäufen, also

Verkäufen innerhalb des Programms, damit die Kinder nicht in

die Kostenfalle tappen. Ansonsten sollten die Apps entweder

einen pädagogischen Nutzen haben oder einfach richtig

Spass machen – und das nicht nur ein paar Minuten lang.

Was sind aktuelle Trends auf dem App-Markt?

Apps werden interaktiver – Eltern können zum Beispiel

mit der eigenen Stimme Anweisungen aufnehmen. Auch

die Lern-Apps profitieren von der Interaktivität, weil die

Lehrpersonen sie an ihren Unterricht anpassen können.

Viele Eltern und Experten sehen es kritisch,

wenn auch sehr junge Kinder auf Tablets und Smartphones

herumdrücken. Gibt es ein Mindestalter für Apps?

Nein. Das wäre ungerecht, weil die Geräte Kinder magisch

anziehen und sich intuitiv bedienen lassen. Anders als beim TV

merken Kinder auch selbst, wann sie genug davon haben, auf

einen kleinen Bildschirm zu schauen. Ich bin da optimistisch:

Moderne Technologie schadet unseren Kindern

nicht – aber die Eltern müssen sich mit ihr auseinandersetzen.

Rezensionen und Empfehlungen unter

www.apps-und-moritz.ch

Fredy Greuter (v. l., Jury, Leiter Medieninstitut), Thomas Schlickenrieder,

Redaktionsleiterin Eveline von Arx, Jean-Pierre Ritler (Jury, JPR Media)

FRITZ+FRÄNZI AUSGEZEICHNET!

Der Q-Award gilt als wichtigste Auszeichnung für Fachund

Spezialzeitschriften der Schweiz und wird jährlich vom

Verband Schweizer Medien verliehen. Mit dem Q-Award

wird eine Publikation für ihre herausragende publizistische

und crossmediale Leistung sowie für ihren beispielhaften

Marktauftritt und ihre innovativen Lösungen ausgezeichnet.

Wir freuen uns über den Gewinn des Q-Awards 2014 und

teilen diesen mit unseren zahlreichen Partnern, Anzeigenkunden,

Autoren, Spendern, Sponsoren, Freunden und guten

Geistern. Der Q-Award 2014 würdigt unser Engagement

zugunsten der Eltern in der Schweiz und motiviert unser

Team auf beste Weise für die Zukunft. Herzlichen Dank!

Thomas Schlickenrieder, Geschäftsführer Stiftung Elternsein

72 DEZEMBER 2014 Fritz+Fränzi


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Der neue Film:

Mitwirken und einen

Beitrag leisten

Im neuen Video des Psychologen

Fabian Grolimund und des Schweizer

ElternMagazins Fritz+Fränzi

zeigt der Biber, wie unser Selbstwertgefühl

wächst, wenn wir die

Erfahrung machen, dass andere

uns brauchen und die Welt durch

uns und unseren Beitrag ein

kleines Stück besser wird. Es liegt

an den Erwachsenen, Kindern und

Jugendlichen diese schöne Erfahrung

zugänglich zu machen. Dazu

reichen Ämtli bei älteren Kindern

und Jugendlichen nicht aus. Wie

sie sich für andere einsetzen können,

das macht der kleine Biber in

einer neuen Episode der Serie

«lebensmutig

und einfühlsam»

vor.

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die Fritz+Fränzi-

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damit diese Seite

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Sie direkt den neuen

Film mit dem Biber

MODEBEWUSSTE

GROSSVÄTER

Lila Melonenhut, Karosakko und exzentrische

Hornbrille: Modeblogs und Instagram-

Accounts zum Thema Mode gehören meist zu

jungen Frauen mit besonderem Kleidungsstil.

Eine solch junge Frau führt seit März einen

Account mit derzeit über 23 000 Abonnenten

– allerdings präsentiert sie nicht ihre eigene

Kleidung, sondern die von modebewussten

Grossvätern, die sie in New York fotografiert.

Inzwischen bekommt die PR-Fachfrau aber

auch Fotos aus anderen Teilen der Welt, die

sie mit liebevollen und anerkennenden Kommentaren

versieht. Die Vielfalt und Klasse der

Looks ist beeindruckend. Definitiv eine Seite,

die Enkel ihren Grossvätern zeigen können, um

ihnen Social Networks schmackhaft zu machen.

Wie so oft im Internet bleibt aber natürlich die

Frage: Wissen die Grossväter um ihren digitalen

Ruhm, und haben sie sich damit einverstanden

erklärt, fotografiert zu werden?

www.instagram.com/fashiongrandpas

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ElternMagazin

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Augmented

Reality

in Fritz+Fränzi

Videos, Interviews,

Spiele oder

Grafiken: Mit Augmented Reality

erleben Sie eine neue digitale

Dimension in Fritz+Fränzi.

1. Herunterladen

Laden Sie die Fritz+Fränzi-App

kostenlos herunter:

2. Aktivieren

Öffnen Sie die Fritz+Fränzi-App.

Die Daten werden aus

dem Internet geladen.

3. Scannen

Jetzt wird die Kamera Ihres Smartphones

benötigt. Diese startet

automatisch, wenn Sie sich im

Bereich Augmented Reality der

App befinden: Halten Sie das

Smartphone auf

die Seite, die mit

unserem ar-Logo

gekennzeichnet

ist. Schon taucht

der digitale

Inhalt auf.

Fritz+Fränzi DEZEMBER 2014 73


Digital & Medial

Nur wer mitspielt,

kann mitreden!

Warum es sich für Eltern lohnt, Videospiele mitzuspielen,

und wie das geht, ohne sich anzubiedern, erzählt einer, der es

wissen muss: Spieleexperte und Vater Marc Bodmer

TIPPS FÜR KIDS

Ich bin so frei und nehme an,

dass Sie über eine E-Mail-

Adresse verfügen, vielleicht

täglich durchs World Wide

Web surfen und sogar hin und

wieder Ihre Facebook-Seite mit Dingen

füttern, die Sie beschäftigen. Tag

für Tag kommunizieren wir online,

suchen nach Informationen, eignen

uns die dafür nötigen Fähigkeiten

und Kompetenzen an. Die einen

schneller, die anderen haben Schwierigkeiten

und veröffentlichen zum

Beispiel Nacktbilder, die sie ihren Job

Setzt euch auf eure Hände. Finger weg

vom Controller! Erklärt Taste für Taste,

was Mutter oder der Vater machen muss.

Auch ihr habt nicht alles gleich begriffen,

und eure Eltern mussten sich gedulden.

Jetzt seid ihr dran mit der Geduld!

Eure Eltern werden immer wieder

scheitern. Ermutigt sie weiterzumachen.

Ihr seid die Coaches. Helft ihnen mit

Tipps, wie sie es besser machen können.

im Bundeshaus kosten. Doch mit

einem, ausgerechnet dem ersten rein

digitalen, Unterhaltungsmedium tun

sich die Erwachsenen in der Regel

schwer: den Videospielen. Ihre kommerziellen

Anfänge gehen auf das

Jahr 1972 zurück, als mit «Pong» von

Atari eine äusserst simple Tischtennis-Simulation

in die Spielsalons

gestellt wurde. Wo einst zwei Striche

und ein wandernder Punkt für Vergnügen

sorgten, stehen sich heute

Cyber-Klone von Roger Federer und

Rafael Nadal in massstabgetreu

rekonstruierten Stadien gegenüber.

In Anbetracht dieses fundamentalen

Wandels wirkt die elterliche Aussage

«Ich habe ja selbst einmal gespielt»

sehr schwach. «Pac-Man», «Space

Invaders» und Co. haben mit den

heutigen Games etwa so viel gemein

wie ein Trottinett mit einem Hochgeschwindigkeitszug.

ELTERN DADDELN AUF DEM

SMARTPHONE – WOLLEN

VON VIDEOSPIELEN ABER

NICHTS WISSEN

Gewandelt hat sich auch die Spielergemeinde.

53 Prozent der Spieler sind

männlich, 47 Prozent weiblich. Dieses

fast ausgeglichene Verhältnis liegt

am Aufkommen der Smart phones

und den mobilen Spielen auf dem

Telefon. Diese werden vornehmlich

von Frauen gespielt. Auch sind die

Spieler im Schnitt älter geworden –

und damit der Generationengraben

kleiner. Trotzdem hat sich die Einstellung

der Eltern gegenüber jenen

Videospielen, die der Sohnemann

bevorzugt, kaum verändert. Ist das

Spiel komplexer als das schnelle

Puzzle-Game auf dem Handy oder

die abgespeckte Variante eines Echtzeit-Strategie-Spiels

vom Schlag «Die

Siedler», schreckt das viele Eltern ab.

Titel wie «Fifa» oder Action-

Games à la «Call of Duty» oder «GTA

5» verlangen nicht nur Nerven, sondern

viel Fingerfertigkeit, Reaktionsvermögen

und vor allem Zeit. All

diese Komponenten erschweren den

Zugang zu einem Medium, das laut

James-Studie der Zürcher Hochschule

für Angewandte Wissenschaften

von über 90 Prozent der männlichen

Schweizer Jugendlichen regelmässig

genutzt wird. Schon allein aus diesem

Grund können wir Eltern es uns nicht

erlauben, uns nicht selbst mit diesem

interaktiven Medium auseinander-

74 DEZEMBER 2014 Fritz+Fränzi


ILLUSTRATION: PICFOUR

zusetzen und auf Dritterfahrungen

zu setzen. Gerade Computerspiele

zeichnen sich durch ein sehr individuell

geprägtes Erleben aus, weil die

Interaktivität im Spiel eine grosse

Rolle spielt. Jeder empfindet das

Spiel etwas anders, aber jeder muss

es selbst erfahren, um es zu verstehen.

Vergleichbares kennen wir aus

dem Sport. Es gibt zum Beispiel Tage,

an denen läuft der Ball rund: jeder

Schuss ein Treffer. Doch dann gibt es

Momente, die geprägt sind von Zweifeln.

Man spielt zögerlich, ärgert sich

über dumme Fehler. Solche Erfahrungen

gibt es beim Schauen eines

Filmes nicht. Solche Momente erfordern

ein aktives Zutun.

TIPPS FÜR ELTERN

Steigen Sie mit einem einfachen Spiel wie einem

Autorennspiel oder einer Tennis-Simulation ein.

Reaktionsschnelle können auch einen Shooter wählen.

Die Tasten müssen blind bedient werden können,

und das braucht Zeit und Übung. Haben Sie Geduld!

Fragen Sie Ihre Kinder nach ihren Lieblingsspielen

und informieren Sie sich online. Auf www.ign.com oder

www.twitch.tv können Sie zum Beispiel Spielstars zuschauen.

Für die Erklärung braucht es aber Ihre Kinder.

WIR «ALTEN» HABEN

GRÖSSERE ANGST VOR FEHLERN

Überhaupt die Fehler: Sie gehören

beim Gamen einfach dazu. Niemand

mag sie, aber «trial and error – Versuch

und Irrtum» bilden die Grundlage

des Mediums. Das Schöne dabei

ist, dass man im Spiel nichts kaputt

machen kann. Uns «Alte» begleitet

im Vergleich zu den Kids, die einfach

mal ausprobieren, stets die Angst,

etwas falsch oder kaputt zu machen.

Dieses unschöne Gefühl können wir

getrost ablegen und uns der kundigen

Führung unserer Kinder anvertrauen.

Sicher: Die Position des Lernenden

wird für Sie ungewohnt sein.

Üblicherweise sind es ja wir, die aufgrund

unserer Erfahrung den Kids

einiges mitgeben. Nun bewegen wir

uns in ihrer Welt, einer Welt, in der

sie Grandioses vollbringen: das Universum

retten, Kriege gewinnen oder

gottgleich über virtuelle Untertanen

regieren. Von der Anlage her erinnern

einige Spiele an Räuber und

Gendarme. Doch vom Erleben her

gab es in unserer Kindheit nichts

Vergleichbares. Wir konnten lediglich

davon träumen, Superhelden

zu sein. Es blieb uns verwehrt, sie

wirklich zu spielen, wie James Bond

irgendwo eine Bombe zu pflanzen,

um dann aus sicherer Entfernung das

Feuerwerk zu beobachten.

Um das zu erleben, braucht es aber

Geduld. Von Ihnen und noch mehr

von Ihrem Nachwuchs. Schreibmaschinenschreiben

haben Sie auch

nicht in fünf Minuten gelernt. Doch

hier müssen Sie ein gutes Dutzend

Tasten und Schalter am Controller

blind bedienen können, sonst sind

Sie weg vom Bildschirm. Deshalb

empfiehlt es sich, mit einem einfachen

Videospiel wie Autorennfahren

einzusteigen. Klar werden Sie die

ersten paar Minuten von Leitplanke

zu Leitplanke donnern, aber danach

verläuft die Lernkurve ziemlich steil.

Geduld wird mit dem gemeinsamen

Spielerlebnis belohnt, und

natürlich wissen Sie anschließend

auch mehr über die Mechanismen

und Gesetzmässigkeiten von Games.

Sie erfahren, dass online gespielte

Rollenspiele wie «Skyrim» oder

«League of Legends» mehr Zeit pro

Spiel in Anspruch nehmen als «Fifa»

oder ein Rennspiel. Bei Online-

Games, die zusammen mit Bekannten

gespielt werden, kann man auch

nicht einfach speichern und aussteigen,

wie dies beim Offline-Einzelspiel

möglich ist. Sie werden kompetenter

in die nächste Diskussion um andere

Verpflichtungen des Kindes wie Hausaufgaben,

Abendessen, Aufräumen

gehen. Verhindern werden Sie die

Diskussion natürlich nicht.

Grundvoraussetzung für den Einstieg

in die Welt der Videospiele ist

echtes Interesse. Wenn es nicht den

Spielen gilt, dann zumindest dem

Zeitvertreib der Kinder. Eine anbiedernde

Haltung wird entlarvt. Nutzen

Sie die Chance, besonders mit

den Jungs in Dialog zu treten, und

lassen Sie sich die Dinge erklären. Sie

werden staunen, wies sonst wortkarge

Zeitgenossen bildhaft von ihren

Errungenschaften und Abenteuern

erzählen. Im Cyberspace geht es eben

ums Erleben. Zuschauen gilt nicht.

DER AUTOR

Marc Bodmer

schreibt seit mehr

als 20 Jahren über

Videospiele und

ist stolzer Vater

eines zehnjährigen

Sohnes. Mehr

unter www.marc

bodmer.com

Fritz+Fränzi DEZEMBER 2014 75


Service

1 2 5

Was tun im Dezember?

1 Mit dem Gorilla auf den Berg!

In Graubünden ist auch diese Saison wieder der Gorilla

los: Kinder und Jugendliche profitieren von sehr günstigen

oder gar Gratis-Snowboardangeboten und schnuppern

frische Bergluft. So gibt’s beispielsweise beim Winterwettbewerb

auf www.gorilla.ch Wochenenden in St. Moritz oder

Scuol zu gewinnen. Gorilla ist ein Programm der Schtifti

Foundation. Die Stiftung hat es sich zum Ziel gesetzt,

Kinder und Jugendliche per Freestyle-Sport in ihrem

Gesundheitsbewusstsein nachhaltig zu fördern.

Ort: St. Moritz, Scuol, Davos, Lenzerheide oder Laax

Datum: Winter 2014/2015 Preis: gratis bis 39 Franken

Informationen und Wettbewerbe: www.gorilla.ch

3 Wo sich Fuchs und Hase (nicht) Gute Nacht sagen

Was geschieht, wenn ein kleiner Hase nachts einem hungrigen Fuchs

begegnet? Falsch. Gerade als der Fuchs sein Maul weit aufsperrt, ruft der Hase:

«Halt! Nicht fressen!» Und erklärt: «Weisst du nicht, dass dies der Ort ist, wo

Fuchs und Hase sich Gute Nacht sagen?» Wird es dem Hasen gelingen, den

Fuchs so lange an der Nase herumzuführen, bis er in Sicherheit ist? Ein Wettlauf

gegen das Einschlafen beginnt, denn entscheidend ist, wer in dieser Nacht

zuerst müde wird. Nach dem Bilderbuch von Kathrin Schärer. Ort: Schlachthaus

Theater Bern, Rathausgasse 20, Bern Datum: 13., 14. Dezember um 16 Uhr,

15., 16. Dezember um 10 Uhr Preis: Erwachsene 20, Kinder 10 Franken

Informationen: www.schlachthaus.ch VERLOSUNG: Zu gewinnen sind 3 mal 2

Karten (mindestens eine für ein Kind) für den 14. oder 15.12. Teilnahme per

E-Mail bis 11.12.2014 an: redaktion@fritzundfraenzi.ch mit Stichwort «Fuchs»

2 Auf Tauchgang mit Piccard

Es ist wieder aufgetaucht und strahlt in neuem Glanz

beziehungsweise in dem Gewand, in dem es 1964 auf der

Expo Lausanne als grösstes ziviles U-Boot der Welt präsentiert

werden sollte. Nun ist das U-Boot «Auguste Piccard»

im Verkehrshaus zu sehen. Das Unterwasserboot hat eine

lange Karriere hinter sich, mit Einsätzen in Kanada, den

USA und Südamerika. Später beschädigte ein Wirbelsturm

es so schwer, dass es nicht mehr betriebsfähig war.

Tage vor der Verschrottung übernahm das Verkehrshaus

das verrostete U-Boot. Seitdem haben Mitarbeiter über

28 000 Arbeitsstunden in die Restauration gesteckt.

Ort: Verkehrshaus Luzern, Lidostrasse 5, Luzern

Datum: Dauerausstellung, Eintritt 10 bis 17 Uhr

Preis: Erwachsene 30, Jugendliche 15 Franken,

Kinder unter 6 gratis Informationen: www.verkershaus.ch

4 Weihnachten bei den Tieren

Das Warten auf das Christkind dauert schon so lang? Warum

die Zeit nicht noch mit einem Besuch im Tierpark verkürzen und

schauen, was die Tiere so treiben? Der Tierpark Dählhölzli hat

einen Tag vor Heiligabend noch geöffnet – und nicht nur

das. Um die Wartezeit zu vertreiben, werden hier

Weihnachtsgeschichten vorgelesen, zum Beispiel

von den bunten Fischen und ihrer Weihnachtsfeier

im Korallenriff oder von der Familie Biber,

die im Dezember eigentlich Winterruhe hält,

wenn da nicht Weihnachten wäre und der

anstehende Besuch … Tierisch schöne

Fest-Geschichten für die ganze Familie.

Ort: Tierpark Dählhölzli, Tierparkweg 1, Bern Datum:

23. Dezember 2014 Zeit: 14 bis 16 Uhr Preis: Erwachsene 10,

Kinder 6 Franken Informationen: www.tierpark-bern.ch

3 4 Bern

76 DEZEMBER 2014 Fritz+Fränzi


Doppelter Spass mit Gorilla:

beim Wettbewerb gewinnen und ab

auf die Engadiner Pisten! Wer lieber

drinnen ist, kann im Luzerner Verkehrshaus

abtauchen, in Zürich zu einem

musikalischen Höhenflug abheben oder

in Zug in die Urgeschichte versinken

FOTOS: EDUARD MELTZER, PHOTOPRESS/PIUS KOLLER,

RETO ANDREOLI, MUSEUM FÜR URGESCHICHTE ZUG, OLIVER PICHLER

6

5 Auf musikalischem Rundflug

«Hildegard lernt fliegen» – hinter diesem Titel verbirgt sich keine Frau, die hoch

hinaus will, sondern sechs Herren aus Bern, die ihre Gemütlichkeit gerne im

Instrumentenkoffer liegen lassen. Mit an Bord sind stattdessen Posaune, Tuba,

Saxophon, Kontrabass, Schlagzeug und manchmal auch eine Schreibmaschine –

versammelt um Chefdirigent und Beatboxing-Meister Andreas. Der dirigiert

die abenteuerlustige Truppe durch wolkigen Jazzrock, regnerischen Zirkus-Blues,

federleichten Swing und pumpenden Hip-Hop. Ihr unüberhörbarer Humor

macht den Konzertsonntag zum Erlebnis für die ganze Familie. Lautstärke und

das Angebot an der Bar werden dem Publikum angepasst. Ort: Stall 6,

Gessnerallee 8, Zürich Datum: 11. Januar 2015 Zeit: Türöffnung

15 Uhr, Konzert 15.30 Uhr Preis: Kinder bis 12 Jahre 10, Jugendliche und

Erwachsene 20 Franken Vorverkauf und Informationen: www.stall6.ch

6 Abends im Museum

Ein Rundgang zum Beleuchten und Entdecken, Bestaunen

und Verschrecken gibt es im Museum für Urgeschichte(n)

in Zug zu erleben. Denn das Kulturhaus öffnet seine Türen

zu später Stunde extra für junge Besucher und lässt die

Fundstücke aus Eiszeit und frühem Mittelalter in einem ganz

anderen Licht erscheinen. Beendet wird der spannende

Abendbesuch mit einem urgeschichtlichen Bettmümpfeli,

das es im bronzezeitlichen Lehmofen im Museumsgarten

selbst zu backen gilt. Ein lehrreicher Abend mit Gänsehautfaktor!

Ort: Museum für Urgeschichte(n) Zug, Hofstrasse 15,

Zug Datum: 12. Dezember 2014, 19 bis 20.30 Uhr Eintritt:

frei Informationen: www.museenzug.ch/urgeschichte

2

5 Zürich

6 Zug

Luzern

1 Laax

1 Davos

1 Lenzerheide

1

St. Moritz

Wo ist was? Unsere

Freizeit-Tipps auf der

Schweizer Karte

1

Scuol

Ferien für Alleinerziehende

Kind, Beruf, Haushalt und das allein ohne

Partner, der einem unterstützend zur Seite

steht: Der Alltag von Alleinerziehenden ist oft

fordernd. Umso wichtiger ist es da, in der Ferienzeit

einmal Zeit für sich selbst zu haben, entspannen zu

können. Während der «Single und Kind Winterwochen»

im Heidi-Hotel im österreichischen Kärnten zahlen Alleinerziehende

mit einem Kind im Eltern-und-Kind-Zimmer keinen

Aufpreis, für den Sohn oder die Tochter gibt’s einen kostenlosen

Skikurs, und Mama oder Papa erhalten einen Wellnessgutschein

im Wert von 30 Euro. Das Angebot gilt vom 13. bis 20. Dezember

2014, vom 3. bis 31. Januar 2015 sowie vom 21. bis 28. März

2015. Das Heidi-Hotel ist Mitglied bei den Kinderhotels Europa.

Alle Leistungen und Preise gibt’s auf

www.heidi-hotel.at, www.kinderhotels.com

Fritz+Fränzi DEZEMBER 2014


Service

Vielen Dank

an die Partner und Sponsoren

der Stiftung Elternsein:

Finanzpartner Hauptsponsoren Heftsponsoren

Dr. iur. Ellen Ringier

Walter Haefner Stiftung

Rozalia Stiftung

Credit Suisse AG

UBS AG

The Marc Rich Foundation

for Education, Culture and Welfare

Aon Risk Solution Schweiz AG

UBS AG

IKEA AG

IMPRESSUM

Herausgeber

Stiftung Elternsein,

Seehofstrasse 6, 8008 Zürich

www.elternsein.ch

Präsidentin des Stiftungsrates:

Dr. Ellen Ringier, ellen@ringier.ch,

Tel. 044 400 33 11

(Stiftung Elternsein)

Geschäftsführer: Thomas Schlickenrieder,

ts@fritzundfraenzi.ch, Tel. 044 261 01 01

Verlag

Fritz+Fränzi,

Dufourstrasse 97, 8008 Zürich,

Tel. 044 277 72 62,

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Pro Familia, www.profamilia.ch

Kinderlobby Schweiz, www.kinderlobby.ch

78 DEZEMBER 2014 Fritz+Fränzi


Buchtipps

FOTOS: PR

Lesen und Vorlesen gehört zur Weihnachtszeit. Die

Bücher dafür sind besinnlich oder turbulent und lustig

Die Schwedin

Pernilla Oljelund

ist vor allem

Drehbuchautorin.

In Ihrem

Buch erzählt sie

eine turbulente

Geschichte

DER POLAREXPRESS

Der amerikanische Bilderbuchklassiker

von Chris Van Allsburg

erzählt in traumhaften Bildern

vom kindlichen Glauben an

den Zauber von Weihnachten.

Aladin 2013, Fr. 24.40, ab 4 Jahren

Winter, Wald und

Weihnachtszauber

Was tun, wenn Mama ihren Freund zu Weihnachten einlädt?

Die kleine Mila holt sich Verstärkung vom Nordpol

In allen Buchläden stehen sie

zuvorderst: Bilderbücher mit

Nikoläusen, Engelchen und

Rentieren. Weihnachten ist für

den Kinderbuchmarkt das

grösste Geschäft – entsprechend achtet

jeder Verlag darauf, einige Weihnachtstitel

im Sortiment zu haben,

gerne auch jedes Jahr wieder neue.

Manche dieser Bücher sind dann auch

entsprechend kurzlebig, andere sind

zum festen Bestandteil der Adventsund

Weihnachtsrituale vieler Familien

geworden.

Viele der Weihnachtsbücher sind

für ganz Kleine gedacht. An die etwas

grösseren Kinder, die schon selbst

lesen oder sich gerne eine längere

Geschichte vorlesen lassen, richtet

sich die Geschichte von Mila und

der Wichtelin Elfrid. Mila ist höchst

unglücklich: Ihre Mutter will an

Weihnachten den neuen Nachbarn

Klas einladen, in den sie sich verliebt

hat. Das kommt für das Mädchen

nicht infrage. Alles, was sie sich

wünscht, sind «richtige Weihnachten»

– zu zweit, so wie sie immer

gefeiert haben. Milas Wunschzettel

fliegt direkt an den Nordpol und wird

dort ausgerechnet Elfrid, der faulsten

Wichtelin des Weihnachtsmanns,

übergeben. Von Arbeiten hält Elfrid

nicht viel, umso mehr von Süssigkeiten

und Nickerchen. Trotzdem

macht sie sich auf den Weg zu Mila –

und bringt ihr Leben durcheinander.

Der Autorin Pernilla Oljelund

gelingt es, reale Probleme von Kindern

ernst zu nehmen und doch mit

viel Humor, einer Prise Zauber und

Fantasie zu erzählen.

Pernilla Oljelund

«Elfrid & Mila –

Das Weihnachtswichtelwunder»

(mit Bildern von

Susanne Göhlich),

Gerstenberg 2012,

Fr. 19.90,

ab 7 Jahren

WEIHNACHTS SPUREN

IM WINTERWALD

Narisa Togo zeigt in ruhigen

Linolschnitten einen Winterspaziergang

durch den Wald: Ist dieses

Tännchen der Weihnachtsbaum

der Hasen? Und wo macht

der Hirsch sich fürs Fest schön?

Atlantis 2014, Fr. 25.90, ab 3 Jahren

WINTER IM

MUMINTAL

Die Mumintrolle,

von Tove Jansson

als ausgeprägte

Individuen

gestaltet, wollen

für einmal keinen

Winterschlaf halten. So erleben

die Mumins und ihre Freunde zum

ersten Mal Schnee und Eis.

Arena 2010, Fr. 8.90, ab 8 Jahren

Verfasst von Elisabeth Eggenberger,

Mitarbeiterin des Schweizerischen

Instituts für Kinder- und Jugendmedien

SIKJM. Auf www.sikjm.ch sind

weitere Buchempfehlungen zu finden.

Fritz+Fränzi DEZEMBER 2014 79


Bonbons

Erholung und Schneegenuss

in vielen Facetten

Fritz+Fränzi verlost 4 Familienaufenthalte* in der zertifizierten Familiendestination Braunwald

Erholen Sie sich in Braunwald fernab vom Trubel des oft hektischen Alltagslebens. Schwünge auf sonnenbeschienenen

Hängen, stiebende Pulverschneeabfahrten, der Kinderfunpark und gemütliche Restaurants laden Sie herzlich

ein. Wer lieber ohne Bretter unterwegs ist, kann Schneeschuh laufen, romantische Pferdeschlittenfahrten unternehmen,

schlitteln oder unsere gut präparierten Winterwanderwege bewandern. Wer an einem strahlend schönen

Wintertag im verschneiten Braunwald verweilt, versteht, warum man so oft von einer Märchenwelt spricht.

Weitere Informationen finden Sie unter: www.braunwald.ch

* Das Gewinnpaket enthält je 1 Übernachtung in einem Hotel oder Chalet der zertifizierten Familiendestination Braunwald für die

ganze Familie (2 Erwachsene und max. 2 Kinder). Das Angebot ist bis Ende September 2016 gültig, exklusive Hauptsaison.

FOTOS: PR

Wettbewerbsteilnahme auf www.fritzundfraenzi.ch/bonbons

Teilnahmeschluss: 4. Januar 2015

Teilnahme per SMS: Stichwort FF BRAUNWALD an 959 senden (30 Rp./SMS)

80 DEZEMBER 2014 Fritz+Fränzi


Service

1001 Adressen

Sie finden noch

mehr Adressen auf

www.fritzundfraenzi.ch

Postfach 9664

8036 Zürich

Tel. 044 278 99 99

info@bif-frauenberatung.ch

www.bif-frauenberatung.ch

Die wichtigsten Institutionen, Stellen und Vereine, die Eltern informieren

und unterstützen – von Kinderbetreuung über Rechtshilfe bis Suchtberatung

TELEFONNUMMERN

FÜR DEN NOTFALL

143

•Die Dargebotene Hand

agredis.ch –

gewaltberatung

Unterlachenstrasse 12

6005 Luzern

Tel. 041 362 23 33

Hotline 078 744 88 88

Fax 041 361 20 30

gewaltberatung@agredis.ch

www.agredis.ch

Elternnotruf Aargau

Beratungsstelle bei

Erziehungsfragen,

Überforderung und

Kindsmisshandlung

Tel. 0848 35 45 55

24h@elternnotruf.ch

www.elternnotruf.ch

Elternnotruf

Region Zug

Beratungsstelle bei Erziehungsfragen,

Überforderung

und Kindsmisshandlung

Tel. 0848 35 45 55

24h@elternnotruf.ch

www.elternnotruf.ch

Elternnotruf +

Beratungsstelle

Region Zürich

Beratungsstelle bei Erziehungsfragen,

Überforderung

und Kindsmisshandlung

Weinbergstrasse 135

8006 Zürich

Tel. 0848 35 45 55

24h@elternnotruf.ch

www.elternnotruf.ch

Internet- und

SMS-Seelsorge

per SMS an 767

per E-Mail an

seelsorge@seelsorge.net

www.seelsorge.net

Kinder- und Jugendnotruf

St. Gallen

Kinderschutzzentrum

St. Gallen

Tel. 071 243 77 77

www.kjn.ch

Pro Juventute Beratung

+ Hilfe 147

Telefon, SMS, Chat,

Thurgauerstrasse 39

Postfach, 8050 Zürich

Tel. 147, www.147.ch

Schweizerisches

Toxikologisches

Informationszentrum

Tel. 044 251 51 51

Hotline 145

www.toxi.ch

Sorgentelefon

Tel. 044 261 21 21

Verein

Tele-Hilfe Basel

Bruderholzallee 167

4059 Basel

NOTRUF 143

Tel. 061 367 90 90

Fax 061 367 90 95

basel@143.ch

www.basel.143.ch

OPFERHILFESTELLEN

BENEFO-STIFTUNG

•Fachstelle Opferstelle

Thurgau

Zürcherstrasse 149

8500 Frauenfeld

Tel. 052 723 48 26

(Erwachsene)

Tel. 052 723 48 23 (Kinder)

benefo@benefo.ch

www.benefo.ch

Beratungsstelle

Frauenhaus Region Biel

für weibliche Opfer von

häuslicher Gewalt

Kontrollstrasse 12

2503 Biel

Tel. 032 322 03 44

info@solfemmes.ch

www.solfemmes.ch

Beratungsstelle

Gewaltbetroffene Frauen

•Fachstelle der Stiftung

Opferhilfe SG/AI/AR

Teufenerstrasse 11

9001 St. Gallen

Tel. 071 227 11 44

beratungsstelle.frauen@

opferhilfe-sg.ch

www.opferhilfe-sg.ch

Beratungsstelle

Nottelefon für Frauen –

gegen sexuelle Gewalt

Postfach, 8026 Zürich

Tel. 044 291 46 46

Fax 044 242 82 14

info@frauenberatung.ch

www.frauenberatung.ch

Beratungsstelle

Opferhilfe

•Fachstelle der Stiftung

Opferhilfe SG/AI/AR

Teufenerstrasse 11

9001 St. Gallen

Tel. 071 227 11 00

Fax 071 227 11 09

beratungsstelle.opfer

hilfe@opferhilfe-sg.ch

www.opferhilfe-sg.ch

Beratungsstelle

für Opfer von

Straftaten

Seftigenstrasse 41,

3007 Bern

Tel. 031 372 30 35

beratungsstelle@opfer

hilfe-bern.ch

www.opferhilfe-bern.ch

bif

•Beratungs- und Informationsstelle

für Frauen.

Gegen Gewalt in der Ehe

und Partnerschaft

Castagna

•Beratungs- und Informationsstelle

für sexuell

ausgebeutete Kinder,

weibliche Jugendliche und

in der Kindheit ausgebeutete

Personen

Universitätsstrasse 86

8006 Zürich

Tel. 044 360 90 40

mail@castagna-zh.ch

www.castagna-zh.ch

Fachstelle für

Gewaltbetroffene

•Beratung für Frauen,

Kinder und Jugendliche

Neustadt 23,

8200 Schaffhausen

Tel. 052 625 25 00

Fax 052 625 60 68

fachstelle@fsgb-sh.ch

www.fsgb-sh.ch

Fachstelle OKey

•Kinderklinik Kantonsspital

Winterthur

Opferhilfe und Kinderschutz

Postfach 834

8401 Winterthur

Tel. 052 266 41 56

(Bürozeiten)

Tel. 079 780 50 50

(Wochenende)

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Im Mittelpunkt

Hauptsache steil

und hoch

TEXT: PATRIZIA KILBURGER

Ein Blick nach oben, und Alina Ring aus Zürich

weiss, wohin sie will. Wenn sich eine junge Dame

dem guten Halt zuliebe in Lederschuhe Grösse

34 zwängt, obwohl sie 38 trägt, dann steckt

leidenschaftliches Klettern dahinter. 2014 wurde

die 16-Jährige Europameisterin und Vizeweltmeisterin

im Lead-Klettern Damen Jugend

A. In dieser Kategorie muss eine vorgegebene

Route durch gekonntes Zusammenspiel

von Kraft, Ausdauer, Vorstellungsvermögen

und Entscheidungsfähigkeit gemeistert

werden. Die Geschwindigkeit ist sekundär.

«Nur auf Tempo zu kämpfen, wäre mir

zu langweilig. Ich brauche immer wieder

Neues.» Langweilig wird es Alina nicht

wirklich. Nebst den wöchentlichen

20 Stunden Klettertraining, Joggen,

Krafttraining und Yoga gibt es

auch in ihrem Gymnasium, dem

Sportgymnasium Rämibühl,

Hausaufgaben. Für den Sport

verzichtet Alina auf einen Teil

ihrer Freizeit. Unternehmungen

mit der Freundin oder das

Kuchenbacken, eine weitere

Leidenschaft, werden auf die

Ruhetage verlegt. Apropos

Essen, für die ausgewogene

Ernährung ist ihre Mutter, eine

Ernährungsberaterin, zuständig.

Alina verfolgt in jeder Hinsicht

ein strenges Programm.

Nur einen interessiert das

nicht wirklich: «Giny, mein

Langhaardackel. Er kommt,

wenn er knuddeln möchte, und wir gehen

gemeinsam laufen. Giny ist mir sehr wichtig.»

Infos über Klettern:

www.kletterzentrum.com,

www.sac-cas.ch/wettkampfsport/

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