PolarNEWS Magazin - 21 - CH

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Im Sommer hingegen ernähren sie sich

lieber von Tintenfischen, allen voran vom

antarktischen Eiskalmar (Psychroteuthis

glacialis). Hier könnte es in der Zukunft zu

Konflikten kommen zwischen den Interessen

der kommerziellen Fischerei und denjenigen

der See-Elefanten. Obwohl der Eiskalmar

heute noch nicht befischt wird, stuft ihn

die Welternährungsorganisation FAO wegen

seiner Grösse und der Konsistenz seines

Fleisches als eine «potenziell wertvolle Ressource»

ein. Sollte es so weit kommen, dann

wären Probleme beim Nahrungserwerb der

See-Elefanten abzusehen.

Die Bedrohung ist vorbei

Es wäre nicht das erste Mal, dass der Mensch

dem See-Elefanten zur Gefahr würde. Über

150 Jahre lang haben Wal- und Robbenfänger

diese mächtige Robbe als pure Öllieferantin

angesehen. Allein auf Südgeorgien

wurden zwischen 1910 und 1958 fast

260’000 Südliche See-Elefanten getötet, um

das damals begehrte Öl aus dem Blubber,

der Fettschicht, zu gewinnen. Aus jedem

Tier kochte man 200 bis 400 Liter Öl.

Solche Gemetzel sind glücklicherweise

längst Geschichte. Trotzdem nehmen die

Zahlen einiger wichtiger Populationen seit

den 1960er-Jahren ab (andere wiederum

sind stabil). Die Gründe dafür liegen noch

im Dunkeln, jedoch deuten immer mehr

Hinweise darauf hin, dass die Abnahme auf

sich ändernde Umweltbedingungen zurückzuführen

ist.

Nördlicher See-Elefant

Es lässt sich erahnen: Weil der See-Elefant

der Antarktis ein «Südlich» im Namen trägt

(Mirounga leonina), muss es irgendwo auf

dieser Welt ein Gegenstück geben.

Der Nördliche See-Elefant (Mirounga angustirostris)

lebt an der Westküste Nordamerikas,

vor allem entlang der Halbinsel

Niederkalifornien (Mexiko), in Kalifornien

(USA) sowie auf Vancouver Island (Kanada).

Seine südlichsten Kolonien finden sich

auf dem winzigen Archipel der Islas San

Benito auf einer geografischen Breite von

28°18’ Nord vor der Pazifikküste Niederkaliforniens.

Männchen ziehen bis hinauf nach

Alaska und Britisch-Kolumbien, während

Weibchen Hawaii erreichen.

Der Nördliche See-Elefant ist im Vergleich

zu seinem subantarktischen Verwandten

kleiner. Auch ist der Grössenunterschied

zwischen den Geschlechtern nicht derart

frappant wie beim südlichen Vetter. Dafür

trumpft der Nördliche mit einem grösseren

Rüssel auf. Um 1892 gab es vermutlich nur

noch 20 Tiere überhaupt – die Gewinnung

von Robbentran wäre dieser Art fast zum

Verhängnis geworden. Heute schätzt man

den Bestand des Nördlichen See-Elefanten

auf rund 171’000 Tiere.

See-Elefanten ruhen gerne dichtgedrängt in grossen Gruppen am Strand. Pinguine können da

leicht in einen «Verkehrsstau» geraten. Der Skua hingegen kann einfach wegfliegen.

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