PolarNEWS Magazin - 20 - CH

polarreisen

Bilder: Peter Balwin, wissard.org; Karte: Helm et al.; The Cryosphere; 2014

Mikroben unter dem Antarktiseis

Das ist eine Sensation: Es gibt tatsächlich

eine Form von Leben in einem neuentdeckten

Ökosystem, das sich 800 Meter unter dem

Eispanzer der Antarktis befindet: US-Forscher

förderten im subglazialen Lake Whillans Mikroorganismen

zutage, die seit mindestens

hunderttausend Jahren kein Licht gesehen,

keinen Luftzug verspürt haben und sich vermutlich

von Gestein ernähren. Das Gros der

uralten Kleinstlebewesen sind Archaeen, winzige

einzellige Urbakterien. Der Lake Whillans

ist Teil eines Seensystems unterhalb der

Eisdecke. Die Entdeckung leistet sogar der

Idee Vorschub, dass auch unter der Eisdecke

des Planeten Mars bakterielles Leben möglich

sein könnte.

Quelle: Science Daily/Wissard

Lummenschwund

Dass die Bestände der Dickschnabellumme

in Grönland seit den 1930er-Jahren

abnehmen, ist bekannt. Jetzt wurden im

Fachblatt «Polar Biology» neueste Überlegungen

zu dieser Entwicklung publiziert.

Erstmals seit über zwei Jahrzehnten wurde

auch die Bestandsschätzung aktualisiert.

Demnach leben entlang Grönlands Küsten

etwa 342’000 Brutpaare der Dickschnabellummen,

verteilt in 19 Kolonien. Dies

entspricht einer Abnahme um 13 Prozent

seit den 1980er-Jahren. Trotz verschärfter

Schutzmassnahmen haben die illegale

Jagd sowie Störungen durch Menschen

während der Brutzeit immer noch einen

negativen Einfluss. Auch eine grossräumige

ozeanografische Verschlechterung des

Lebensraumes im gesamten Nordatlantik

könnte hier mitspielen.

Quelle: Polar Biology

Das Grönlandeis wird dunkler

Weiss wie Schnee – stimmt nicht mehr: Die

Schneeschicht auf dem grönländischen Inlandeis

enthält zunehmend Verunreinigungen

wie Staub, Russ und Mikroorganismen. Diese

Kleinstteile verdunkeln die Schneeschicht. Das

führt dazu, dass das Eis weniger Sonnenlicht

reflektiert und sich das Eis somit erwärmt. Die

Kleinstteilchen ihrerseits nehmen Sonnenlicht

auf, was zu einer zusätzlichen Erwärmung

Lake Whillans: Lage und Bohrort.

Felsenbrüter: Weniger Lummen.

des Eispanzers führt. Diese wechselwirkenden

Faktoren kurbeln die Eisschmelze an. Der

durch die Eisschmelze vorhergesagte Anstieg

des Meeresspiegels um 20 Zentimeter könnte

dadurch bis im Jahr 2100 um weitere 2 Zentimeter

höher sein.

Quelle: Science

IN KÜRZE

Auf dem Eis:

Weniger Schnee

Die winterliche Schneedecke auf dem

arktischen Meereis ist heute 30 bis 50

Prozent dünner als vor fünfzig Jahren.

Während heute in der westlichen

Arktis im Frühling nur noch 22 Zentimeter

Schnee auf dem Meereis liegen,

sind es in der Beaufort- und Tschuktschensee

weniger als 15 Zentimeter.

Quelle: NASA

Am Nordpol:

Haushohe Wellen

Die Klimaerwärmung schlägt buchstäblich

hohe Wellen. Erstmals wurde

nachgewiesen, dass Stürme mitten im

Arktischen Ozean neuerdings haushohe

Wellen verursachen können. Grund

dafür ist die gravierende sommerliche

Eisschmelze. So entstehen riesige eisfreie

Wasserflächen, auf denen starker

Wind grosse Wellen aufbauen kann.


Quelle: Science Daily

Adéliepinguine:

Grosse Population

Zum ersten Mal haben US-amerikanische

Wissenschaftler bei den Adéliepinguinen

anhand von hochaufgelösten Satellitenbildern

eine «Volkszählung» durchgeführt.

Mit 3,79 Millionen Brutpaaren liegt

das Resultat um 53 Prozent höher als die

frühere, 20 Jahre alte Bestandsschätzung.

Dabei entdeckte man auch 17 bisher unbekannte

Kolonien von Adéliepinguinen.

Quelle: Science Daily

Antarktis:

Tonnenweise Blei

Mit dem Abbau von Blei-Erz in der südaustralischen

Mine Broken Hill ab den

1880er-Jahren bis heute gelangten in den

letzten 130 Jahren 660 Tonnen industrielles

Blei auf den Weissen Kontinent,

wo es heute von Wissenschaftlern in

Eisbohrkernen entdeckt und gemessen

werden kann.


Quelle: Scientific Reports

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