PolarNEWS Magazin - 20 - CH

polarreisen

In der Ostantarktis, bei Pointe Géologie auf

Adélieland, zog die Jungmannschaft der

Kaiserpinguine die Forscher in ihren Bann.

Denn dank der Besenderung eines jungen

Kaisers kam ein neuer Rekord ans Tageslicht:

Er legte in acht Monaten 7000 Kilometer

im Südozean zurück. Dies ist die

längste Reisestrecke, die man bei Kaiserpinguinen

bisher je gemessen hat.

Sein Dispersal führte ihn zunächst weit weg

vom eisigen Kontinent, bis hinauf auf 57

Grad südliche Breite in die Zone der Antarktischen

Konvergenz, 1250 Kilometer nördlich

der Packeisgrenze. Ende Februar, Anfang

März zog der Jüngling wieder nach

Süden in Richtung des sich ausbreitenden

Packeises, wo er Mitte April ankam und

nahe am Packeisrand den Winter verbrachte

(bei fast 65 Grad Süd, wo es Mitte des Südwinters,

im Juli, kaum noch fünf Stunden

am Tag hell ist).

Im Meereis legten die Kaiserpinguine ihre

geringsten Wanderstrecken zurück und hielten

sich am längsten ausserhalb des Wassers

auf. Sie sprangen kurz nach Tagesanbruch

ins Wasser und verbrachten durchschnittlich

fast fünf Stunden dort, bevor sie in der

Abenddämmerung wieder aufs Eis kletterten,

um zu ruhen und vor Feinden sicher zu

sein. Sie gingen 26 Mal pro Tag auf einen

Tauchgang. Die gemessene Tauchtiefe war

in der Packeiszone am geringsten; es wurde

am häufigsten in den oberen zehn Metern

getaucht. Man nimmt an, dass die Kaiserpinguine

dort die Krillbestände direkt an der

Unterseite des Eises abernten, wo auch der

Antarktische Silberfisch, eine Barsch-Art,

im Jugendstadium anzutreffen ist.

Rekordhalter Adélie

Neben dem grossen Kaiser- gelten die Adéliepinguine

als zweite ausgesprochen antarktische

Pinguinart. Deshalb erhielten auch

etliche Adélies wissenschaftliche Rucksäckchen

angeklebt, um Einblick in ihr Winterleben

im Meer zu bekommen. Zum Beispiel

Individuen von der Antarktischen Halbinsel:

Die gesammelten Daten zeigen, dass jene

Adéliepinguine im Wintereis blieben, das

sich vor ihre Brutgebiete gelegt hatte. Offenbar

führt der dort sehr stark strukturierte

Meeresboden mit seinen tiefen Schluchten

dazu, dass nährstoffreiches Tiefenwasser

aufsteigt und im Winter die Bildung von

Auch im offenen Meer ist es sicherer, wenn die

Pinguine in Gruppen zusammenbleiben.

PolarNEWS 63

Weitere Magazine dieses Users