PolarNEWS Magazin - 20 - CH

polarreisen

Dieses Laysan-Albatros-Küken ist am vielen

Plastik, das es gefressen hat, qualvoll verendet.

(Bild: Chris Jordan/HO)

Text: Michael Wenger

tic?

Jedes Jahr wiederholt sich auf Svalbards Inseln

dasselbe Prozedere: Gruppen von Leuten

wandern, mit Säcken und Handschuhen

ausgerüstet, am Strand entlang, den Blick

starr auf den Boden gerichtet statt in die

wunderschöne Landschaft, und heben Dinge

vom Boden auf. Manche dieser Dinge sind

so klein, dass man sie leicht übersehen

könnte. Andere sind meterlang und zentnerschwer,

einer allein vermag sie kaum zu tragen.

Den Leuten scheint es auch egal zu

sein, ob die Sonne scheint, ob es regnet oder

sogar schneit. Sie sind eine Woche lang als

Freiwillige im Archipel unterwegs, um einer

Plage Herr zu werden, die schon seit Jahrzehnten

das fragile Ökosystem der Inselwelt

bedroht: Müll!

Das Projekt mit dem Namen «Clean Up

Svalbard» läuft bereits seit zehn Jahren und

ist aus einer Initiative von Kreuzfahrtgesellschaften

wie Ocean Wide Expeditions entstanden.

Mit Hilfe der Sysselmannen genannten

lokalen Polizei wurde im Laufe der

Zeit die Bevölkerung Svalbards in das Projekt

miteingebunden, und heute erfreuen

sich diese Fahrten so grosser Beliebtheit,

dass die Freiwilligen in einer Lotterie ermittelt

werden müssen. Jedes Jahr sammeln sie

unentgeltlich mehrere Tonnen Müll, der zur

weiteren Verarbeitung nach Tromsø verschifft

wird.

Besonders Plastikmüll in Form von Flaschen,

Tüten und Netzen wird an den Stränden

Svalbards gesammelt, denn Plastik hat

trotz der weiten Verbreitung viele unangenehme,

nachteilige und sogar schädliche Eigenschaften.

Plastik ist ein sehr beliebtes Material und

wird weltweit in riesengrossen Mengen hergestellt.

Gemäss dem Produzentenverband

PlasticsEurope wurden im Jahr 2012 weltweit

288 Millionen Tonnen polymere Kunststoffe

hergestellt, davon allein fast 24 Prozent

in China und mehr als 20 Prozent in

Europa. Das meiste davon kam als Verpackungsmaterial

in Umlauf (in Europa 39,4

Prozent), wurde also nur einmal benutzt und

endete danach auf dem Müll. Oder in der

Umwelt, unter anderem im Meer.

Nach neuesten wissenschaftlichen Angaben

(Cozar et al., 2014) transportieren vor allem

Flüsse, besonders nach Stürmen und Regen-

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